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Dienstag, 10. August 2021
Strecke: 20 Km
Höhenmeter: ↑ 2.000 m, ↓ 1.725 m
Gehzeit: 11 h
Etappe: 25 Km
Etappenhöhenmeter: ↑ 2.500 m, ↓ 1.750 m
Etappengehzeit: 13 h
Gesamtstrecke: 856 Km
Gesamthöhenmeter: ↑ 33.100 m, ↓ 32.125 m
Gesamtgehzeit: 258 h 30
Ich bin heute Morgen recht früh wach. Der Fensterkontrollblick verrät, dass der Wetterbericht gestern zumindest mal Stellenweise richtig lag: Die Sonne klettert über die Gipfel und krabbelt die Hänge hinunter.
Die morgendliche Talleitspitze über Vent
Also Klamotten packen und los! Um viertel vor 8 stehen wir vor dem Haus. Irgendwie hält es uns hier nicht wirklich. Über die Wiesen des Gaislachlifts geht es die ersten Meter für heute aufwärts.
Start an der Gaislachalm
Knapp unterhalb der Baumgrenze zieht ein Weg auf der Karte dahin. Er ist als E5 markiert. Also folgen wir ihm. Zunächst noch etwas im Wald. Die Loiple Alm hat zu. Sieht auch nicht sehr gemütlich aus. Sieht sehr nach Winterbetrieb und Après-Ski aus. Der weitere Weg ist versperrt. Die Wegweiser deuten zwar in die Richtung aber die Absicht der Zäune ist klar. Wir mogeln uns mal drum herum und folgen den Wegen, die im Winter Pisten und Rodelbahnen sind. Als wir die direkte Nähe der Heidebahn verlassen wird der Weg aber wieder besser.
Höhenweg durch das Söldener Skigebiet
Als wir in die Gegend der Gaislachkogelbahn kommen wird es allerdings wieder schlechter. Die Pisten sind breitgewalzt und mit für die Region untypischen Gräsern bewachsen. Die Gräser, die hier oben normalerweise wachsen, tun das so langsam, dass mit schnellwachsenden Grassamen nachgeholfen wird, damit die Narben des Pistenbaus schneller zuwachsen.
Zu den Pisten kommen jetzt aber noch die Trails: die Downhill-Radwege. Der Wanderweg führt uns über Brücken die über diese Trails gebaut wurden. Darunter kann man sehen, wie Steilkurven betoniert wurden und die Trails in die Landschaft „integriert“ wurden. Nur weg hier!
Der E5 gewinnt weiter an Höhen und führt an der Baumgrenze dahin.
E5-Wandern direkt an der Baumgrenze
Wenn der Blick nach vorne schweift sehen wir Hochsölden vor uns am Hang liegen. Eine Ansammlung von Bettenburgen mitten am Hang nach französischem Vorbild. Wir unterqueren noch so manche Bahn und Baustelle und biegen in das Tal des Rettenbachs ein.
Die Straße zum Gletscher
In diesem Tal führt die Straße zum Gletscherskigebiet hinauf. Und neben der Straße wird an den Pisten gebaut. Neben dem Rettenbach wird eine Piste neu gestaltet und irgendetwas direkt am Bach gebaut. Wir wandern durch die Baustelle und auf der frisch angelegten Piste stetig aufwärts. Ein naturnaher Wanderweg sieht anders aus!
Die Rettenbachalm
Das Tal streckt sich ganz schön. Und wo die Straße in großen Kehren Höhe gewinnt, führt uns die Familienabfahrt quasi in der Falllinie aufwärts. Wanderzeichen hat man sich gleich gespart. Wenn unten kein Wegweiser hier heraufgezeigt hätte ... ich hätte es nicht geglaubt!
Pistenwandern hinauf zum Gletscher
Ich schaue mal aufs Handy. Locus meint auch, dass der Weg hier raufgeht. Aber zum Glück nicht ganz bis zum Gletscherstadion. In einer Kurve der Piste (sie ist blau, ich habe mir den Plan angesehen) biegt der Wanderweg von der Piste ab. Wenn ich es nicht gewusst hätte, ich hätte es übersehen.
Der Weg wird wieder normaler
Hier gibt es auch wieder Wanderzeichen. Wir sind also tatsächlich richtig! Als wir die Straße kreuzen werden wir von Autofahrern und ihren Familien wie seltsame Tiere angestarrt. Zum Glück müssen wir die Straßen nur einmal kreuzen! Das ist kurz bevor die Straße das Gletscherstadion erreicht.
Das Gletscherskigebiet
Rund um das Stadion wird irgendwas gebaut. Sieht wie eine neue Bahn aus. Auch dazu finde ich nichts im Netz. Wir verlassen diese tolle Straße wieder und steigen zu einer kleinen Kirche hinauf.
Kapelle am Rettenbachferner
Ganz gut besucht! Direkt dahinter ist ein gut besetzter Parkplatz. Damit die Leute nicht vom Stadion hier rüber laufen müssen. Wäre auch etwas viel verlangt, oder nicht?
Die Straße führt aber noch weiter rauf. Warum das nur? In 3 Serpentinen windet sie sich zu zwei weiteren Parkplätzen hinauf. Der Wanderweg kann ihr kaum aus dem Weg gehen. Oben steht dann ein Schild, dass hier die höchste asphaltierte Straße Europas (2.835 m) wäre. Die Straße wurde wohl nur bis hierher gebaut, um diesen Superlativ zu bekommen. Gebraucht wird sie hier nicht. Nur stimmt der Superlativ nicht ganz: In der Sierra Nevada führt eine Straße bis auf den Pico del Veleta (3.384 m) hinauf. Nur darf da nicht jeder fahren. Hier schon. Und das wird auch genutzt. Dicke PS-Boliden werden zur Schau gestellt. Ganz am Rand ein paar Radfahrer (ohne E-Bikes). Und wir. Wir machen nicht lange rum und verlassen den Parkplatz in Richtung Pitztaler Jöchel.
Der brüchige Grat mit dem Pitztaler Jöchel links
Der Weg ist kaum zu sehen. Ab und zu mal etwas Farbe am Fels und das war’s. Das Gelände ist eine Geröllhalde. Wir halten uns südlich um nicht ausversehen auf dem Mainzer Höhenweg zu landen. Über Schnee, Geröll und weiter oben auch Felsen geht es hinauf.
Aufstieg auf das Pitztaler Jöchel
Der Weg ist weiter oben recht gut gesichert. Der Altschnee gibt noch eine gewisse Würze dazu. Erstaunlich schnell stehen wir auf dem Pitztaler Jöchel (2.996 m). In einigen Karten habe ich das Joch auch mit 3.000 m gesehen. Eigentlich wollten wir hier kurz auf das Pitztaler Jochköpfle steigen um die 3.000 wirklich voll zu haben, aber das sparen wir uns. Der Blick zurück kann kaum besser werden!
Rückblick auf das Herz des Söldener Skigebietes
Wir halten uns auch nicht lange hier oben auf. Meinen Freund zieht es zur Mittagspause auf die nächste Tank- und Rastanlage: Die Braunschweiger Hütte. Die liegt nicht weit unter uns am Hang.
Abstieg vom Pitztaler Jöchel zur Braunschweiger Hütte
So unschön der Weg hinauf war, so normal ist der Weg vom Pitztaler Jöchel hinunter. Auch hier gibt es Stellen mit Geröll aber moderat und wenige. Dahinter liegen die Pitztaler Berge, durch die wir in den nächsten Tagen noch wandern wollen.
E5 - Wandern mit Blick auf die Pitztaler Bergwelt
Auf dieser Seite ist vom Söldener Skigebiet recht wenig zu sehen. Man sieht den Pitztaler Gletscher mit seinen Bahnen liegen und ich kann kaum glauben, dass die geplant hatten über eine große Mittelstation bei der Braunschweiger Hütte die Skigebiete miteinander zu verbinden. Zum Glück sind diese Planungen vom Tisch! Im Augenblick zu mindestens ...
Der Karlesferner sollte mit Bahnen überzogen werden
So gerne ich Ski fahre, im Sommer ist es einfach ein Debakel, sich das anschauen zu müssen, was im Winter der Schnee bedeckt!
Viel zu schnell sind wir an der Braunschweiger Hütte. Eigentlich hatten wir hier für heute Nacht reserviert. Jetzt ist es gerade mal 13 Uhr. Im Skigebiet haben wir nicht wirklich viele Pausen gemacht und waren recht früh unterwegs. Wir machen erstmal Mittagspause. Dabei beschließen wir doch noch bis Mittelberg abzusteigen. Das kostet uns beim Wirt 20 Euro Stornogebühr. Er wettert rum, was das denn sei und der DAV solle die Stornogebühr viel höher ansetzen usw. Ich schalte irgendwann ab. Wie stellt der sich zukünftig eine mehrtägige Wanderung von Hütte zu Hütte vor? Was passiert bei schlechtem Wetter? Was wenn man eine Tour abbrechen oder umplanen muss? Und wir haben bisher immer noch keinen Platz auf der Verpeilhütte. Sollten wir dort einen Tag frühe ankommen, hätten wir einen. Und ganz nebenbei: Was ist mit dem Vorteil der AV-Mitglieder, der durch die Reservierung für Jedermann völlig verloren geht?
Mittagspause an der Braunschweiger Hütte
Ich esse meine Suppe und wir ziehen von Dannen. Unser Abstieg erfolgt zunächst über den Jägersteig. Der Weg windet sich die Wiesen hinunter. Kaum zu glauben, dass auf der anderen Seite des Kamms auf der Höhe nur Geröll zu finden war.
Abstieg nach Mittelberg
Wir folgen dem Wegzeichen des E5 und gelangen so auf die Straße zum Pitztaler Gletscher hinauf, die jetzt auch als Notabfahrt verwendet wird, wenn die Tunnelbahn mal nicht fahren kann. Ich bin mal gespannt, wann die als offizielle Piste in den Plänen auftaucht.
Recht schnell verlassen wir die Piste aber wieder und steigen neben einem gewaltigen Wasserfall weiter hinab. Durch das recht feuchte Wetter der letzten Tage wälzen sich hier gewaltige Wassermassen gen Tal. Man spürt fast die Kraft des Wassers!
Abstieg entlang eines wilden Wasserfalls
Der Wasserfall wird an mehreren Stellen von einem Klettersteig gekreuzt. Sicher auch eine interessante Herausforderung!
Überraschend schnell sind wir am Gletscherstübchen (1.893 m). Hier machen wir eine kleine Pause zum Getränke nachfüllen. Und siehe da: Es stand zwar überall, dort könne man nicht übernachten aber die haben zwischenzeitlich auch fast 20 Betten. Aber wir wollen noch weiter. Eine halbe Stunde später sind wir wieder auf dem Weg. Hier hat man die Wahl zwischen der Schotterstraße und dem Pitztaler Sägensteig – einem normalen Wanderweg. Passt doch!
In Mittelberg
Wir könnten auf der Riffelseehütte übernachten. Da hatten wir zwar erst für nächste Nacht reserviert aber die Hüttenwirtin wäre da sehr flexibel. Sie würde sich freuen, wenn wir es heute noch schaffen würden. An der Taschachalm (1.794 m) beraten wir bei einem Liter Apfelschorle was wir tun sollen.
Pause an der Taschachalm
Wir entscheiden uns für die Riffelseehütte. Auch wenn das noch ein paar Höhenmeter bedeutet. Und, wie kann es anders sein, führt uns der E5 wiedermal auf einer Piste zum Riffelsee hinauf. Etwas weiter unten sieht das noch so aus.
Aufstieg hinauf zum Riffelsee
Es gibt wohl eine rote Abfahrt über die Wiesen und eine blaue den Fahrweg entlang. Der ist für eine blaue Abfahrt aber überraschend steil! Wir verzichten auf zusätzliche Schlenker und tuckern in niedrigem Gang den Fahrweg hinauf. Fast 500 Höhenmeter später erreichen wir gut durchgeschwitzt den Riffelsee, den namensgebenden See unserer heutigen Unterkunft.
Am Riffelsee
Hier ist zwar auch ein Skigebiet aber hier wurde noch nicht so viel hingeklotzt und aufgerissen. Die Anlagen sind noch kleiner und unauffälliger. Wir erwischen da eine ganz tolle Stimmung am späten Nachmittag. Ein paar Kühe stehen noch herum und vervollständigen das idyllische Bild des Bergsees.
Jetzt ist es zum Glück nicht mehr weit bis zur Hütte. Sie liegt am Rande eines Bergrückens mit großartigem Blick auf die Pitz- und Oetztaler Berge.
Ankunft an der Riffelseehütte
Ziemlich fertig kommen wir an. Die Wirtin schiebt uns noch ins Halbpensionsprogramm. So können wir recht zügig essen. Leider ist es danach schon zu kalt um die Aussicht noch ausgiebig zu genießen. So fällt die Runde um die Hütte recht kurz aus. Das war eh ein sehr langer Tag. Vor allem mit vielen Höhenmetern. Und wir sind jetzt schon einen Tag vor der Planung. Auf der Verpeilhütte haben wir dadurch einen Platz bekommen und die Pension in Piller hat uns auch einen Tag früher auf dem Schirm. So sind wir auch diesen Abend recht früh in unserem 2-Raum-Appartment. Das ist eigentlich ein 6-Bett-Familien-Zimmer mit eigenem Waschbecken. Es wäre wohl auch noch Platz im Lager gewesen aber dieser Raum sei uns sicher lieber, hatte die Wirtin gemeint. Wie unterschiedlich die Wirte doch sein können!


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