[AT] Von Wallhorntörl, Gartlsee und gnilrösaL - sommermorgentraumhaft

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  • OutofSaigon
    Erfahren
    • 14.03.2014
    • 367

    • Meine Reisen

    #21
    Vielen Dank, ihr beiden, für euere netten Kommentare! Die besten Fotos kommen noch, weil die tollsten Szenen meines Urlaubs mehr gegen Ende hin waren.
    "Erfreulich unerschlossen"? Naja... Unerschlossen würde ich Osttirol nicht nennen, aber in der Tat hat das gesamte Virgental keine einzige Seilbahn. Welch ein Kontrast z.B. zum Montafon!

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    • StefanBoe
      Erfahren
      • 14.12.2020
      • 247

      • Meine Reisen

      #22
      Du hast natürlich recht - "unerschlossen" trifft es nicht ganz. Aber ich hatte vor allem in der Lasörlinggruppe zwischen Berger-See-Hütte und Neue Reichenberger Hütte, um die Daberlenke, im Dabertal und oberhalb der Clarahütte im Umbaltal wirklich den Eindruck von weitläufiger Bergwildnis, wie man sie in den Alpen nur noch selten antrifft. Gehört ja auch alles zum Nationalparkgebiet Hohe Tauern.

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      • OutofSaigon
        Erfahren
        • 14.03.2014
        • 367

        • Meine Reisen

        #23
        Zitat von StefanBoe Beitrag anzeigen
        ... ich hatte zwischen Berger-See-Hütte und Neue Reichenberger Hütte, um die Daberlenke, im Dabertal und oberhalb der Clarahütte im Umbaltal wirklich den Eindruck von weitläufiger Bergwildnis, wie man sie in den Alpen nur noch selten antrifft ...
        Liebe Leute, der Stefan, der kennt sich aus! Respekt, Respekt! Der kennt und weiß Dinge, die mir bis vor einem halben Jahr noch sehr unklar waren.

        Zu den von ihm genannten Orten werde ich euch noch hin führen. Ich bitte aber um etwas Geduld. Jetzt will ich euch erst einmal von der Venedigergruppe erzählen, was bisher noch fehlte, und danach "geht es" in die Schobergruppe. Alles tolle Gegenden, kann ich euch sagen (ganz besonders natürlich in einem so tollen Wandersommer, wie ich ihn 2022 hatte).
        Zuletzt geändert von OutofSaigon; 18.10.2022, 06:05.

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        • OutofSaigon
          Erfahren
          • 14.03.2014
          • 367

          • Meine Reisen

          #24
          Schwitzend und stöhnend keuchen wir den steilen Waldweg aufwärts. Warum zum Teufel müssen wir ausgerechnet zur heißesten Tageszeit eines ohnehin schon heißen Sommertages hier sein?? Tja, wir hatten eben am Vormittag noch eine wichtige persönliche Sache erledigen müssen und waren daher erst zur Mittagszeit in Prägraten eingetroffen. Autobesitzer fahren bequem hinauf zu dem Parkplatz oberhalb des Prägratner Ortsteils Wallhorn, aber Öffi-Benutzer wie wir müssen vom Hauptort weg aufsteigen, wenn sie zur Eisseehütte wollen. Der Hang ist südexponiert, und die Sonne knallt voll drauf, so daß es selbst hier im Wald furchtbar heiß ist. Im freien Gelände hätten wir wohl wenigstens ein bißchen Wind gehabt, hier aber nicht. Obendrein verlieren wir einige Male den Weg; denn er ist schlecht markiert und wenig ausgetreten, eben weil die meisten Wanderer von besagtem Parkplatz aus starten.

          Wie es aber für Alpentäler typisch ist, so folgt diesem Steilanstieg bald wieder ein flacherer Abschnitt. Wir erreichen einen Fahrweg, auf dem wir nun relativ rasch voran kommen, und haben den Blick in den Talschluß hinein. "Schau, da ist schon die Eisseehütte" sage ich zu meinem Sohn. "Oh ja" antwortet er, "aber für das kleine Stück bis dort hin brauchen wir doch nicht anderthalb Stunden, wie es gerade auf dem Wegweiser stand". - "Du wirst dich noch wundern", entgegne ich, "glaub mir: ich habe Erfahrung in den Bergen".

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ID: 3160085 # 42 Blick in den Talschluß, in dem sich die Eisseehütte befindet (wer genau hinschaut, sieht sie schon). Dieser Fahrweg führt zur Talstation der Materialseilbahn, mit der die Hütte versorgt wird


          Der Rest des Anmarsches zur Hütte ist unspektakulär, die Hütte selbst ist es auch; ein netter Wirt, nettes Personal, aber eben nichts Besonderes.

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ID: 3160078 # 43 Die Eisseehütte

          Nach unserer Ankunft bin ich allerdings von dem Anstieg in der Hitze so geschlaucht und dehydriert, daß ich an diesem Nachmittag zu nichts Größerem mehr Lust habe.



          Wir hatten es nicht von vorneherein geplant, sondern entschließen uns erst am Abend nach Gesprächen mit dem Wirt und anderen: morgen früh gehen wir hinauf zu einem Paß, von dem aus wir den Großvenediger ganz nahe sehen können! Das Hüttenfrühstück nehmen wir noch mit, dann marschieren wir los.

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ID: 3160083
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ID: 3160084 # 44 und 45 Der Weg nach oben

          Der Pfad wird immer "hochgebirgiger" und felsiger, aber das kann in dieser Höhe ja nicht überraschen. Sogar kleinere Altschneefelder finden sich noch.

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ID: 3160079 # 46 Altschneefeld

          Kurz unterhalb des Ziels passieren wir noch einmal eine kleine Wasserfläche ...

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ID: 3160094 # 47 Das Ziel ist fast erreicht

          ... und nach einem letzten kurzen aber steilen Anstieg, knapp zwei Stunden nach Abmarsch von der Eisseehütte, stehen wir auf dem Paß, laut Schild 3045m hoch. Jemand macht freundlicherweise ein Foto von uns beiden mit dem Großvenediger samt der ihn (noch) umgebenden Gletscherfelder im Hintergrund. -- Im Titel dieses Berichts habe ich euch versprochen, euch mitzunehmen zu drei interessanten Wanderzielen, und hiermit habe ich das erste jener Versprechen eingelöst; denn dies ist das Wallhorntörl!

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ID: 3160080
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ID: 3160081 # 48 und 49 Auf dem Wallhorntörl, 3045m hoch. Im Hintergrund der Großvenediger


          Wer einen Dreitausender besteigen will, der kann sich hier versuchen: die Route ist felsig, aber nicht schwer (T2) und auch nicht lang (wie gesagt, rund zwei Stunden ab Hütte). Nur ist dieser "Dreitausender" eben kein Gipfel, sondern "nur" ein Paß, aber das tut der Leistung an sich ja keinen Abbruch.

          Man mag nun fragen, warum dieser Paß "Wallhorntörl" heißt und nicht "Prägrater Törl" (Wallhorn ist, wie gesagt, ein Ortsteil von Prägraten, das sich doch so stolz "Prägraten am Großvenediger" nennt). Ihr Lieben, die Antwort weiß ich leider nicht; ich weiß aber mit Sicherheit, daß es sehr wohl ein "Prägrater Törl" gibt. Dieses liegt aber ganz woanders (nämlich in der Lasörlinggruppe), und dort hin werde ich euch im Zuge dieses Berichtes noch führen - habt bitte nur etwas Geduld!


          Relativ lange verweilen wir hier, beeindruckt vom Anblick der ausgedehnten Schneefelder, obwohl (oder gerade weil) ziemlich klar zu erkennen ist, daß diese Schneefelder in raschem Schrumpfen begriffen sind. Durchs Fernglas sehen wir zwei Seilschaften auf dem Gletscher, beide im Aufstieg. An der dem Gipfel nächstgelegenen Hütte, dem Defreggerhaus, ist allerdings keinerlei Lebenszeichen zu entdecken; diese Seilschaften müssen also von der sehr viel tiefer gelegenen Johannishütte her gekommen sein. Ganz offensichtlich ist korrekt, was wir am Abend vorher in der Eisseehütte erfahren haben: das Defreggerhaus ist derzeit geschlossen, weil sich kein Pächter gefunden hat. - Anmerkung: auf meine Email an die Adresse des Defreggerhauses hin antwortete jemand, die Schließung sei eine Folge des auftauenden Permafrostes, der die Fundamente der Hütte ihrer Stabilität beraube. Andere dagegen sagten mir, das sei nur eine Ausrede.

          Wie auch immer, wir machen uns an den Abstieg, damit wir zum Mittagessen wieder an der Eisseehütte sind.

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ID: 3160082 # 50 Abstieg in Richtung Eisseehütte. Im Hintergrund seht ihr den Lasörling, und in der Mulde genau darunter liegen der Bergersee und die Bergerseehütte


          Am Nachmittag dann wandern wir am Talhang entlang zur Bonn-Matreier Hütte. Dies ist eine schöne Route mit toller Aussicht, ein Teil des Venediger-Höhenweges; im ersten Abschnitt zeigt sie auch keine großen Höhenunterschiede, ist also nicht anstrengend zu begehen.

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ID: 3160087 # 51 Auf dem Weg zur Bonn-Matreier Hütte

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ID: 3160086 # 52 Blick auf Prägraten im Virgental und den Lasörling in der Ferne

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ID: 3160092 # 53 Weiterweg zur Bonn-Matreier Hütte

          Wir sind der Hütte wohl schon ganz nahe, noch ein letzter steiler Anstieg, und dann... Ätsch! dies war nur der sogenannte Eselrücken, eine Felsrippe westlich der Hütte, und es geht doch noch erst einmal wieder hinunter (sehr steil sogar). Wenig später kommt dann aber wirklich der letzte Anstieg, und wir sind da.

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ID: 3160089 # 54 Die Hütte ist erreicht. Links seht ihr die "Ankunftshalle" der Materialseilbahn


          Es ist eine Besonderheit der Bonn-Matreier Hütte, daß sie von je einer deutschen und einer österreichischen Alpenvereins-Sektion gemeinsam betreut wird. Eine weitere Besonderheit ist das unglaubliche Panorama von ihrem Standort aus. Es gibt wahrlich viele Hütten in den Alpen, aber DIESE Aussicht haben nur ganz wenige. Na, und eine dritte Besonderheit entdecken wir am Abend: das interne Design der Hütte ist ungewöhnlich verwinkelt, mit mehreren verschachtelten kleinen Korridoren in einer etwas merkwürdigen Architektur.

          Nach einer Übernachtung und einem Frühstück ohne Besonderheiten machen wir uns am nächsten Morgen an den Abstieg zur Gottschaunalm oberhalb von Virgen.

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ID: 3160093 # 55 Blick zurück auf die Bonn-Matreier Hütte mit ihrem fantastischen Panorama


          Vom Abstieg gibt es nicht viel zu erzählen. Der erste Teil ist ein durchaus angenehmer Bergwanderweg, der zweite Teil aber ein ziemlich unangenehmer Pfad: steil und rutschig, weil bedeckt mit Milliarden von diesen verdammten kleinen Steinchen, die ich so hasse. Danach aber kommt ein Stückchen schöner Waldweg, und wenig später sind wir an der Gottschaunalm, wo ich mir einen Kaffee geben lasse.

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ID: 3160088
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ID: 3160091 # 56 und 57 Auf der Gottschaunalm


          Von hier an wandern wir die Fahrstraße hinab ins Tal (der abkürzende Wanderweg ist wegen Forstarbeiten gesperrt) und erreichen Obermauern, von wo aus ein gemütlicher kleiner Wiesenweg zurück nach Virgen führt.

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ID: 3160090 # 58 Ankunft in Obermauern


          Fazit: Eine sehr lohnende und nicht schwere Tour (wir haben sie in zwei halben und einem ganzen Tag gemacht, man kann sie auch als Zwei-Tages-Tour machen). Sie eignet sich auch als "Schnuppertour" auf 3000m Höhe. Bei Start- und Zielpunkt Autoparkplatz ist sie sogar noch leichter, und der Ausflug zum Wallhorntörl ist ja optional. - Anmerkung: eine Überschreitung der Galtenscharte nahe der Bonn-Matreier-Hütte und Wanderung zur Badener Hütte hatten wir in Erwägung gezogen, diese Idee aber wieder fallen lassen; denn wir wurden mehrfach vor der Gefährlichkeit dieser Route (Steinschlag) gewarnt.

          Fortsetzung folgt

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          • Wafer

            Lebt im Forum
            • 06.03.2011
            • 7274

            • Meine Reisen

            #25
            Hallo OutOfSaigon.

            Da hat du eine tolle Werbung für Osttirol verfasst! Sehr schöner Reisebericht mit richtig guten Bildern ! Sieht nach einem spannenden Sommererlebnis aus. Ich bin gespannt auf mehr und lese immer mit.

            Viele Grüße

            Wafer

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            • OutofSaigon
              Erfahren
              • 14.03.2014
              • 367

              • Meine Reisen

              #26
              Hallo Wafer,
              Danke für die "Blumen"! Werbung liegt mir nicht, denn sie ist ja immer irgendwie unehrlich. Ich kann aber ehrlich sagen, daß sich Osttirol im vergangenen Sommer "in bestem Licht" präsentiert hat. Dabei ist "Licht" hier ganz wörtlich gemeint, nicht im übertragenen oder metaphorischen Sinne. Ihr habt schon einiges gesehen aber werdet im Folgenden noch mehr und noch Besseres zu sehen bekommen.

              ... und deine Bilder gefallen mir ja auch immer sehr, wie du weißt.

              Grüße zurück,
              Gottfried​

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              • OutofSaigon
                Erfahren
                • 14.03.2014
                • 367

                • Meine Reisen

                #27
                Ihr alle,
                mit Bild # 58 oben beschließe ich die Beschreibungen meiner/unserer Ausflüge in die Venedigergruppe. Als nächstes "führe" ich euch in die Schobergruppe, die weiter südöstlich liegt, etwa je zur Hälfte in Osttirol und in Kärnten. Wenn wir die Schobergruppe "abgeklappert" haben, werden wir wieder nach Osttirol "zurückkehren".

                Ich wünsche euch noch viel Spaß und werde mich über jede (jede, auch kritische) Anmerkung, Rückmeldung oder Frage freuen.

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                • OutofSaigon
                  Erfahren
                  • 14.03.2014
                  • 367

                  • Meine Reisen

                  #28
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Spacer2.jpg
Ansichten: 50
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ID: 3167417

                  3 - Schobergruppe ohne Schober

                  Erst verdattert und dann ergrimmt schaue ich dem Postbus nach, der soeben an mir vorbei gerauscht ist, ohne anzuhalten, obwohl dies doch eine offizielle Bushaltestelle ist und ich doch deutlich gewinkt hatte. Wie konnte das passieren? Selber schuld. Bei der Bedienung von "Scotty", der App für österreichische Öffis, war ich nachlässig gewesen und hatte übersehen, daß dies ein "Regiobus" ist, der die Strecke Kitzbühel-Lienz bedient und deshalb nur an den wichtigen Haltestellen stoppt. Nun muß ich also mehr als eine Stunde auf den nächsten Bus warten und denke mir: "Der Tag fängt ja schlecht an". Dabei hatte ich alles so schön geplant: mit dem Bus von Matrei nach St. Johann im Walde, dann mit der Seilbahn hinauf nach Oberleibnig, und schließlich zu Fuß zur Hochschoberhütte. Tatsächlich aber bin ich schon bei der Abfahrt erheblich verspätet.

                  Verspätet also erreiche ich St. Johann. Der Busfahrer ist sehr freundlich und zeigt mir noch die Talstation der Seilbahn nach Oberleibnig. Wie diese Seilbahn funktioniert, hatte mir Harry, der freundliche Wirt von der Hochschoberhütte, geschrieben: "Geh hinein, heb das Telefon ab und bitte darum, die Seilbahn in Betrieb zu nehmen". Ich tue also, was er mir empfohlen hat. Leider hebt auf der anderen Seite niemand ab. Wieder und wieder versuche ich es, probiere auch eine andere Nummer, die dort angeschrieben steht, aber nichts führt zum Erfolg. Ein Malheur kommt eben selten allein. So habe ich eine weitere halbe Stunde ergebnislos verplempert - Mist!!


                  Es bleibt mir nun nichts anderes übrig, als zu Fuß von St. Johann nach Oberleibnig zu gehen. Der Weg ist nicht allzu schwer zu finden, wird aber offensichtlich nur selten benutzt. Die meisten Wanderer, die zur Hochschoberhütte wollen, fahren mit dem Auto zu einem Parkplatz weit oberhalb von Oberleibnig und noch viel weiter von St. Johann entfernt. Dementsprechend treffe ich auch nicht eine Menschenseele, bis ich nach mehr als einer Stunde in Oberleibnig ankomme. Dort bin ich erst einmal verwirrt von den unglücklich aufgestellten Wegweisern, aber ein netter Einheimischer erklärt mir, wie ich am schnellsten weiter komme. Schnell zu sein, ist mir jetzt in der Tat ein Anliegen, denn bis hierhin hinke ich ja schon rund drei Stunden hinter meinem ursprünglichen Zeitplan her (75 Minuten wegen des verpassten Busses, 30 Minuten wegen der ergebnislosen Telefonier-Versuche, und weitere 75 Minuten für eine nicht eingeplante Fußwanderung). Leider ist der schnellste Weg nicht gerade der schönste: auf der Asphaltstraße nach Oberferchen, dem höchstgelegenen Anwesen in diesem Bereich. Von dort führt dann eine gewalzte Fahrstraße zum Autoparkplatz an der Leibnitzbachbrücke, und auf jener marschiere nun entlang; denn es gibt keine Alternative. Bis hier her kann man mit dem Auto fahren, und das tun auch nicht wenige, wie ich an der Zahl der hier parkenden Fahrzeuge erkenne. Bis hier her war meine Wanderroute auch unspektakulär, so daß ich darauf verzichte, euch Fotos davon zu zeigen.

                  Oberhalb des Autoparkplatzes aber wird es doch ein wenig landschaftlich schön - schaut her:

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_02a_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 609,5 KB ID: 3160611
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_02b_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 908,2 KB ID: 3160602 # 59 und 60 Aufstieg zur Hochschoberhütte, mit Blick auf den Hohen und den Niederen Prijakt

                  Ich bin, wie erwähnt, in Eile und nehme mir nicht viel Zeit fürs Fotografieren; daher hier nur noch ein weiteres Foto von meinem Aufstieg:
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_01_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 816,5 KB ID: 3160606 # 61 Aufstieg zur Hochschoberhütte


                  Um 13.15h hatte ich St. Johann verlassen, und um 18.45h poltere ich schließlich in die Hochschoberhütte hinein. "Servus, Harry!" rufe ich rasch in die Küche, damit der Wirt auch Bescheid weiß, daß ich nun endlich da bin (ich hatte mich ja angemeldet). "Servus, Gottfried!" ruft er zurück, ist sich also völlig im Klaren darüber, wer hier gerade herein geschneit ist. Schnell mache ich mich fertig zum Abendessen - Harry ist ein vorzüglicher Koch, das kann ich euch sagen. Ein Bier zur Erholung von 1600m Aufstieg in durchaus flottem Tempo gönne ich mir selbstredend auch - das habe ich mir wahrhaftig verdient, denke ich. Puuhh...


                  Für den nächsten Tag ist "durchwachsenes" Wetter vorhergesagt, und leider tritt das dann auch genau so ein. Ein Versuch, zum Hohen Prijakt zu wandern, endet etwas kläglich nach einer knappen Stunde nahe der Wolkenuntergrenze:

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_03_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 527,8 KB ID: 3160604 # 62 Trübes Wetter am Fuß des Hohen Prijakt

                  Ich setze mich erst einmal hin und warte eine Stunde, ob der Nebel sich vielleicht hebt. Leider aber passiert das Gegenteil: die Wolken drücken immer weiter herunter. Bei so einem Wetter lohnt der Aufstieg nicht, entscheide ich; was soll ich da oben im Nebel? Obendrein würde der Aufstieg über die lange Schutthalde führen, die ihr hier seht. - "Die Schobergruppe sollte eigentlich richtiger Schottergruppe heißen", hatte Harry noch am Vorabend leicht sarkastisch zu mir gesagt, und das genau mit Bezug auf die lange Schutthalde in obigem Foto. So blase ich denn gezwungenermaßen diese Unternehmung ab und bin also schon mittags wieder zurück an der Hütte. Am Nachmittag genieße ich ein paar kleine Auflockerungen in der Wolkendecke - wenigstens etwas.

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schober 008_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 486,1 KB ID: 3160607
                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schober 006_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 460,1 KB ID: 3160600 # 63 und 64 Entspannter Nachmittag an der Hochschoberhütte


                  Am Tag darauf ist es morgens sonnig, und ich marschiere noch vor dem Hüttenfrühstück gleich los, um den Hochschober zu besteigen. Es beginnt als eine wirklich schöne Wanderung:

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_04_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 607,4 KB ID: 3160605 # 65 Morgens um halb acht: Blick auf die Vilgratner Berge (rechts unten der Schatten eueres Berichterstatters)


                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_05_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 523,0 KB ID: 3160603 # 66 Die sogenannte "Schoberlacke" neben der Bergspitze, die "Kleines Schöberl" genannt wird


                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_06a_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 1.014,6 KB ID: 3160612 # 67 Blick hinauf in Richtung Hochschober


                  Dann aber, kurz vor der Staniskascharte, erreiche ich eine kritische Stelle und zögere.

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_06b_900_framed.jpg Ansichten: 0 Größe: 718,6 KB ID: 3160608 # 68 Kritische Stelle unterhalb der Staniskascharte

                  Das sieht mir doch sehr ungemütlich aus. Selbst wenn ich mir zutraue, jetzt hier hinüber und weiter auf den Hochschober zu gehen, so muß ich mir doch im Klaren sein darüber, daß ich hier gewissermaßen in eine Falle laufe. Es ziehen schon wieder Wolken auf, ich muß damit rechnen, daß es bald anfangen wird zu regnen, und ich hätte beim Abstieg keine andere Wahl, als wieder genau diese selbe Route zu gehen. Wenn aber diese Felsen erst einmal naß und rutschig sind, dann sollte ein 72-jähriger Herr wohl besser nicht im Alleingang hier herunter turnen. Ohnehin sehe ich es kommen, daß der Gipfel des Hochschober schon bald im Nebel liegen wird. -- Liebe Freunde, ich bin wahrhaftig ein passionierter Bergwanderer, aber man muß ja auch vernünftig sein: ich habe noch viel Schönes vor, ab morgen soll das Wetter sich auch wieder bessern, und wenn ich jetzt stur weiter gehen würde, hätte ich wohl nur sehr wenig zu gewinnen, aber potenziell sehr viel zu verlieren. Ich bin aber nicht stur und nicht blöd; da lasse ich es lieber hiermit bewenden; es war wunderschön bis hier hin.


                  Auf dem Abstieg zurück zur Hütte begegnet mir eine Schafherde, deren Anblick meine Enttäuschung etwas verringert.

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_07_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 955,3 KB ID: 3160609 # 69 Schafe nahe dem Kleinen Schöberl; im Hintergrund der Hohe und der Niedere Prijakt; im Mittelgrund ist die Hochschoberhütte zu erkennen

                  Also, ein Satz mit X: auch das war nix, aber da kann man eben nichts machen.


                  Um die Mittagszeit regnet es prompt, wie ich befürchtet hatte, und der Gipfel des Hochschober ist von Wolken verhüllt, aber auch an diesem Nachmittag reißen die Wolken wie zum Hohn wieder etwas auf, und so ergibt sich wenigstens die Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang in der Nähe der Hütte und einen Blick auf den Hochschober, dessen Besteigung mir eben leider versagt geblieben ist. - Daher also: Schobergruppe ohne (Hoch)schober.

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schober 007_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 466,6 KB ID: 3160601 # 70 Die Hochschoberhütte mit dem Hochschober (3240m)


                  Ich sagte es schon einmal: Harry ist ein fantastischer Koch, und sein Abendgericht (Oberösterreichische Knödel mit Sauerkraut) tröstet mich über den etwas enttäuschenden Tag hinweg. Harrys Leistungen sind umso mehr bewundernswert, als diese Hütte ja nur mit dem Hubschrauber beliefert werden kann und er demzufolge alle seine Küchenaktivitäten sehr sorgfältig planen muß.


                  Abends sehe ich voller Vorfreude aus dem Hüttenfenster hinter den Vilgratner Bergen das Abendrot, welches zu bekräftigen scheint, was der Wetterbericht angekündigt hatte: ab morgen wird es wieder schön:

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_09_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 148,1 KB ID: 3160610 # 71 "Abendrot - Schönwetterbot´"


                  Wie berechtigt meine Hoffnung war, das werdet ihr demnächst erfahren (Spannung, Spannung ... )
                  Angehängte Dateien
                  Zuletzt geändert von OutofSaigon; 23.11.2022, 06:36.

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                  • agricolina
                    Erfahren
                    • 05.05.2016
                    • 198

                    • Meine Reisen

                    #29

                    Sehr schön, ich freue mich, hier manches aus einer tollen Ecke wieder- und neu entdecken zu können! Das Virgental ist sommers wie winters ein Traum. Leider nicht mit dem Zelt erlaubt. Bin gespannt, was noch kommt.

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                    • OutofSaigon
                      Erfahren
                      • 14.03.2014
                      • 367

                      • Meine Reisen

                      #30
                      Hallo agricolina,
                      Es freut mich sehr, wenn mein Bericht gefällt. Bleib/t dran!

                      Ich war nie vorher im Virgental und betrachte es nun auch als "gesehen". Die Welt ist groß.

                      Wildzelten ist wohl (fast) überall in Österreich (fast) völlig verboten; das ist auf diesem Forum und anderswo schon viel diskutiert worden. Auf dem Grundstûck einer Berghütte mag es erlaubt sein; jedenfalls sah ich direkt neben der Lasörlinghütte ein Zelt - knallrot und wohl selbst auf Google Earth zu sehen

                      Gruß,
                      Gottfried

                      P.S. Als "Inhaber" des Großen Latinums finde ich deinen Nutzernamen schon interessant...​

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                      • OutofSaigon
                        Erfahren
                        • 14.03.2014
                        • 367

                        • Meine Reisen

                        #31
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_10_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 138,2 KB ID: 3161041


                        Vielleicht hatte ich mir den Wecker gestellt, vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht mehr, und es ist ja auch egal. - Jedenfalls blinzele ich um fünf Uhr aus dem Hüttenfenster in die Dunkelheit und sehe - die Sterne. Wunderbar! Somit ist der Himmel klar, und es wird ein schöner Tag werden. Also packe ich im Schein meiner Stirnlampe rasch, aber so leise wie möglich, meine Sachen, verlasse die Hütte und mache mich in der herrlichen Kühle des frühen Morgens auf den Weg zum Leibnitztörl, d.h. in Richtung Lienzer Hütte. Von Harry und seinen zwei netten Assistenten hatte ich mich schon am Vorabend verabschiedet, und Harry hatte natürlich volles Verständnis gehabt für meinen Wunsch, die frühen Morgenstunden auszunutzen.


                        Ich werfe ich einen letzten Blick zurück auf die Hochschoberhütte, in der ich mich so wohl gefühlt hatte. Noch sind die Farben fahl - der Ausdruck "Morgengrauen" kommt ja natürlich von "grau".

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_11_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 143,2 KB ID: 3161042 # 72 Fahle Farben beim Abmarsch von der Hochschoberhütte kurz vor halb sechs Uhr


                        Den Weg hatte ich mir schon am Vortag angeschaut; er führt am Rand der Moräne entlang, ist gut ausgetreten und nicht zu verfehlen. So gehe ich denn dahin und gewinne dabei natürlich auch einiges an Höhe. Als ich mich nach einer reichlichen halben Stunde kurz umdrehe und zurück schaue, sehe ich, daß bereits die Sonne aufgeht. Vorbei ist es mit den fahlen Farben.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_12_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 324,4 KB ID: 3161043 # 73 Kurz nach sechs Uhr: die fahlen Farben sind Vergangenheit; herrlich das frühe Sonnenlicht auf den Vilgratner Bergen im Hintergrund, während das Iseltal (im Mittelgrund) noch im Schatten liegt. Links unten im Foto seht ihr die Hochschoberhütte

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_12a_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 282,3 KB ID: 3161045 # 74 Die aufgehende Sonne beleuchtet die Gipfel des Hohen und des Niederen Prijakt. Dort hinauf hatte ich vor zwei Tagen gehen wollen, aber es hat nicht sollen sein (siehe Foto # 62)


                        Ich komme nun rasch voran; denn der Weg in Richtung Leibnitztörl ist nicht schwer. Nur im obersten Teil des Aufstiegs ist ein kurzer Abschnitt, der auf der Wanderkarte mit einem Leiter-Symbol gekennzeichnet ist: eine kleine Kletterstelle. Als ich diese erreiche, sehe ich aber, wie harmlos sie ist: über allemal zwölf Höhenmeter oder so führt so etwas wie eine Treppe, d.h. an der Felsoberfläche befestigte Holzscheite, über die man nach oben läuft. Es gibt auch noch ein Seil-Geländer zum Festhalten bzw. Emporziehen. Das schaffe ich problemlos.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_13square_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 651,9 KB ID: 3161060 # 75 Harmlose Kletterstelle im obersten Teil des Aufstiegs zum Leibnitztörl


                        Ihr Lieben, ich bin ein passionierter Frühaufsteher und habe wahrhaftig viele tolle Morgenstimmungen gesehen, aber was sich meinem Auge bietet, als ich die erwähnte Kletterstelle überwunden habe und nun an das Ufer des Gartlsees trete, das läßt sogar mir den Mund offen stehen:


                        WAAAHH!
                        Sommermorgentraumhaft!












                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_14square_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 533,7 KB ID: 3161052 # 76 Sonnenaufgang am Ufer des Gartlsees

                        Mehrere Minuten lang stehe ich einfach nur so da und lasse diese Szene auf mich wirken. Da verschlägt es mir einfach die Sprache.


                        Dann gehe ich ein paar Schritte am Ufer entlang und drehe mich um. Auch das eine tolle Szene: der Hohe und der Niedere Prijakt spiegeln sich in der perfekt glatten Wasseroberfläche.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_15x_1200.jpg Ansichten: 10 Größe: 312,7 KB ID: 3161046 # 77 Der Hohe und der Niedere Prijakt spiegeln sich im Gartlsee


                        Ich hatte im Titel dieses Berichts versprochen, euch zum Gartlsee "mitzunehmen", und ich habe dieses Versprechen nun eingelöst. Wer hiervon nicht beeindruckt ist, dem ist eben nicht zu helfen.



                        Die eigentliche Paßhöhe zum Debanttal, das Leibnitztörl (2591m), liegt nur ein paar Schritte östlich des Gartlsees. Dennoch erreiche ich jene Paßhöhe erst eine halbe Stunde nach dem Überwinden der oben erwähnten Kletterstelle; so lange hatte ich mich, staunend wie ein Kind, am Gartlsee aufgehalten. Vom Leibnitztörl blicke ich nach Nordosten, über das Debanttal hinweg, zur Gößnitzscharte, welche die Grenze zu Kärnten bildet; dort beginnt das Gößnitztal, mein heutiges Tagesziel.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_17_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 416,5 KB ID: 3161051 # 78 Blick vom Leibnitztörl zur Gößnitzscharte

                        Auch hier sehe ich fasziniert, wie das Licht der Morgensonne über die Felsen streift und ihnen eine plastische Erscheinung verleiht, die sie im Mittagslicht nicht mehr haben werden.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_16square_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 712,0 KB ID: 3161047 # 79 Morgenlicht auf den Felsen des Leibnitztörls


                        Anschließend geht es hinunter ins Debanttal, in Richtung zur Lienzer Hütte. Es ist wieder ein leichter Weg, zumal ich ja nun bergab gehe.


                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_17a_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 544,8 KB ID: 3161048 # 80 Blick zurück zum Leibnitztörl während des Abstiegs ins Debanttal


                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_18_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 690,6 KB ID: 3161050 # 81 Der Talschluß des Debanttals mit dem Glödis (3206m), einem formschönen und beliebten Kletterberg


                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_19x_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 388,0 KB ID: 3161054 # 82 "Hast du gerade "Schafskopf" zu mir gesagt???"


                        Nun ist es nicht mehr "in aller Herrgottsfrühe" wie bei meinem Aufbruch sondern schon halb neun Uhr, und es wird langsam schön warm. Es begegnen mir auch recht zahlreiche Wanderer im Aufstieg. Einige haben den Hochschober im Visier, andere wollen den Glödis (3206m) besteigen. Sie sind alle von der Lienzer Hütte her gekommen, die ich bald erreichen werde. Mit den meisten wechsele ich nur ein paar freundliche Worte, aber mit einer Dame plaudere ich etwas länger (ich sollte sie in den folgenden Tagen auch noch zwei weitere Male treffen).

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_20_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,02 MB ID: 3161061 # 83 Noch einmal der Glödis


                        Kurz vor zehn Uhr treffe ich dann an der Lienzer Hütte ein, knalle meinen Rucksack auf eine Holzbank und bin der Meinung, daß ich mir nun einen Kaffee verdient habe. Eine nette junge Dame - sie stammt aus Nepal - bringt mir denselben auch alsbald, und so lasse ich erst einmal die Beine baumeln.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_21_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 562,6 KB ID: 3161053 # 84 Vormittagsrast an der Lienzer Hütte


                        Ich liege gut in meinem Zeitplan (kein Wunder bei dem frühen Aufbruch!), will heute ja nur noch über die Gößnitzscharte zur Elberfelder Hütte gehen, und so raste ich rund zwei Stunden hier, konsumiere auch noch ein frühes Mittagessen, komplett mit einem Bier. Im Gegensatz zur Hochschoberhütte hat die Lienzer Hütte Straßenanbindung, und so ist es kein Problem, jederzeit alle notwendigen Zutaten für ein gutes Gericht bereit zu halten (und Bier selbstredend auch).


                        Mit meinem Schuhwerk bin ich gut zurecht gekommen. Bei der kleinen Wanderung vorgestern in Richtung zum Hohen Prijakt hatte ich gemerkt, daß meine Bergstiefel doch ziemlich oft auf den feuchten Felsen ins Rutschen kamen; vermutlich deshalb, weil die Sohle aus einer relativ harten Gummimischung besteht. Nach dem Wechsel auf Zustiegsschuhe war es dann weit besser, und ich fühlte mich viel sicherer beim "Herumturnen" in felsigem Gelände. Dafür sind solche Schuhe ja auch optimiert (Gletscherbegehungen mit Steigeisen wären natürlich wieder eine andere Sache). So werde ich dann meine ganzen restlichen Wanderungen durch Osttirol mit diesen Zustiegsschuhen machen. In den Hütten stehen fast nur Bergstiefel, lediglich ich laufe in Halbschuhen umher, aber ich komme so eben besser zurecht. Sollen die anderen doch denken, was sie wollen!



                        Erst kurz vor zwölf Uhr breche ich wieder auf. Das sollte ja wohl dicke reichen für die Strecke über die Gößnitzscharte bis zur Elberfelder Hütte - auf dem Wegweiser steht "3:30h".

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_22_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 818,7 KB ID: 3161056 # 85 Blick zurück auf die Lienzer Hütte beim Aufstieg zur Gößnitzscharte


                        Der erste Teil des Anstiegs zur Gößnitzscharte ist ausgesprochen zahm, ein ganz normaler kleiner Wiesenweg; wäre da nicht das Gefälle, könnte man ihn fast als etwas langweilig empfinden. Dann aber wird es doch mehr und mehr "Typisch Hochgebirge" mit eindrucksvoller Szenerie:

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_23_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,08 MB ID: 3161059
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_24_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 712,0 KB ID: 3161057 # 86 und 87 Aufstieg vom Debanttal zur Gößnitzscharte

                        Hier ein Panorama-Video von der Szenerie entlang jener Aufstiegsroute:



                        Dies sind so die Hochgebirgslandschaften, von denen Stefan in Beitrag # 22 sprach: "weitläufige Bergwildnis"


                        Der Anstieg zieht sich erstaunlich in die Länge (mit den angezeigten 3:30h bis zur Elberfelder Hütte werde ich wohl nicht auskommen), aber schließlich stehe ich dann doch auf der Paßhöhe (2732m), die übrigens auch die Grenze zwischen Osttirol und Kärnten markiert.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_25_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 581,9 KB ID: 3161055 # 88 Blick von der Gößnitzscharte nach Südwesten ...

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_26_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 594,2 KB ID: 3161058 # 89 ... und hier noch einmal mit dem Teleobjektiv: im Vordergrund die Felsen der Gößnitzscharte, im Mittelgrund das Leibnitztörl, das ich am Morgen überschritten hatte, dahinter die Vilgratner Berge, und ganz in der Ferne die Sextener Dolomiten (unsere Experten werden sogar einzelne Gipfel identifizieren können)



                        Sofort hinter der Gößnitzscharte wird der Weg leider ausgesprochen unangenehm: eine einzige Felstrümmerwüste, kilometerlang. Einen Weg im eigentlichen Sinne gibt es nicht, sondern nur eine markierte Route, entlang derer man über die Steine eiert. Richtig besch... finde ich das. Hier kann ich nicht im üblichen Tempo marschieren, und es wird mir immer klarer, daß die Zeitangabe "3:30h" auf dem Wegweiser bei der Lienzer Hütte ziemlich unrealistisch war. Dabei war ich in der Venedigergruppe immer sehr gut mit den Zeitangaben auf den Wegweisern zurecht gekommen, habe immer in etwa so lange gebraucht (oft sogar weniger) als dort angeschrieben stand. Der Unterschied liegt darin - das dämmert mir dann im Laufe der Zeit -, daß die Wegweiser hier vom Alpenverein aufgestellt wurden, in der Venedigergruppe aber vom Tourismusverband; diese beiden Institutionen legen unterschiedliche Maßstäbe an, aber koordinieren sich nicht - a´ bisserl blöd find i´ des...

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_27_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 557,4 KB ID: 3161063 # 90 Der oberste Teil des Gößnitztals, eine unangenehm zu begehende Felstrümmerwüste; im Hintergrund die Klammerköpfe mit der Klammerscharte links daneben


                        Irgendwann ist aber auch dieser besch...e Abschnitt der Route zu Ende, und ich sehe mit Erstaunen, daß am unteren Ende dieser Felstrümmerwüste ein recht großer Bach austritt. Wo kommt dieses viele Wasser her? Von den weitgehend trockenen, felsigen Hängen allein kann es ja nicht kommen. Ich vermute also stark, daß sich unter dieser Felstrümmerwüste noch Reste des einstigen Gletschers verbergen, vom Wanderer nicht zu sehen. Der Bach ist das Schmelzwasser dieser Eisreste. Da aber eine Erneuerung dieser Eisreste ja nun nicht mehr stattfinden kann, werden sie irgendwann einmal komplett abgeschmolzen sein, und der Bach wird weitgehend versiegen. In vielleicht zehn oder zwanzig Jahren werden die Leute in der Elberfelder Hütte noch lange Gesichter machen: chronischer Wassermangel!


                        In solche Gedanken versunken, wandere ich weiter abwärts und sehe, als ich einen kleinen Felsrücken überschreite, die Elberfelder Hütte in nur noch geringer Entfernung vor mir - na, endlich! Weit über vier Stunden (Pausen nicht eingerechnet) war ich von der Lienzer Hütte bis hier her unterwegs gewesen. Wunderbar auch, endlich einmal wieder grüne Wiesen zu sehen, nach der langen Plackerei über die besagte Felstrümmerwüste.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_29_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 539,6 KB ID: 3161064 # 91 Die Elberfelder Hütte im Gößnitztal, umgeben von grünen Wiesen, ist nun schon fast zum Greifen nahe - endlich!


                        Ich erreiche die Hütte, gehe hinein und überbringe als erstes einmal die Grüße an das Hüttenteam, die mir Harry von der Hochschoberhütte "mitgegeben" hatte. Darüber freut man sich auch sehr, was ich irgendwie lustig finde. Da leben wir nun im Zeitalter von Email, Whatsapp usw. (und auf den Hütten haben sie ja auch alle Empfang!), aber wenn ein Wanderer einen mündlichen Gruß vom Kollegen mitbringt, dann freuen sie sich fast wie kleine Kinder, als ob wir noch im 19. Jahrhundert lebten. So ist der Mensch eben doch noch Mensch geblieben, anstatt nur ein Whatsapp-Nachrichten-Empfangs-Roboter zu sein. Das ist doch etwas sehr Positives, oder?

                        Anschließend raste ich ein wenig, und bald gibt es das Abendessen. Danach trete ich (wie einige andere auch) noch einmal vor die Hüttentür, um die herrlich kühle Abendluft zu genießen.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: 2022 S Schobergruppe_31a_1200_pix.jpg
Ansichten: 55
Größe: 398,4 KB
ID: 3167421 # 92 Abendstimmung an der Elberfelder Hütte


                        Am späteren Abend diskutiere ich ein wenig mit dem Hüttenteam und anderen über meine weiteren Wanderoptionen. "Kann man über die Hornscharte zur Adolf-Nossberger-Hütte gehen?" frage ich unschuldig (von dieser Option hatte ich nämlich gelesen). "Um Gottes willen, bloß nicht!!", kommt die Antwort ohne Zögern. "Der frühere Weg über die Hornscharte ist mittlerweile extrem von Steinschlag gefährdet; daher hat der Alpenverein alle Wegweiser und alle Wegmarkierungen entfernt. Man kann leichtsinnige Wanderer natürlich nicht in Ketten legen, aber der Alpenverein will die Begehung dieser gefährlichen Route keinesfalls auch nur im leisesten nahe gelegt haben." Hmmm, kapiert. -- Ich habe aber auch absolut keine Lust darauf, noch einmal über diese verdammte Felstrümmerwüste zurück zur Gößnitzscharte zu gehen. Somit sind meine ursprünglichen Pläne, die Adolf-Nossberger-Hütte und die Wangenitzseehütte aufzusuchen, leider geplatzt. Allerdings erinnere ich mich sehr wohl, daß einige Wanderer, denen ich unterwegs begegnet bin, die Wirte jener beiden Hütten als unfreundliche Menschen beschrieben haben, und so ist dieser "Verlust" wohl zu verschmerzen.

                        Was bleibt also? Von der Elberfelder Hütte gibt es nur zwei andere Wege zurück in die Zivilisation: entweder nach Nordosten das Gößnitztal hinab bis nach Heiligenblut an der Großglockner-Hochalpenstraße oder nach Nordwesten, über den Kesselkees-Sattel zum Lucknerhaus am Fuß des Großglockner. Ersteres will ich nicht, weil die Rückfahrt von dort nach Matrei in Osttirol arg lang wäre; also bleibt nur letzteres, und damit ist die Angelegenheit entschieden. Punktum.


                        Für morgen aber empfiehlt mir das Hüttenteam wärmstens eine schöne Tagestour, und von dieser werde ich euch im nächsten Abschnitt berichten.

                        (Spannung, Spannung ... )







                        Zuletzt geändert von OutofSaigon; 23.11.2022, 07:03.

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                        • StefanBoe
                          Erfahren
                          • 14.12.2020
                          • 247

                          • Meine Reisen

                          #32
                          Ganz tolle Fotos!! Die Hütten in der Schobergruppe liegen ja dermaßen schön!! Vor allem die Hochschoberhütte, aber auch die anderen beiden. Muss ich mal hin.

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                          • OutofSaigon
                            Erfahren
                            • 14.03.2014
                            • 367

                            • Meine Reisen

                            #33
                            Vielen Dank, lieber Stefan! - Ich sagte ja: Osttirol hat sich mir gegenüber in seinem besten Licht gezeigt, und das war ganz wörtlich gemeint gewesen.

                            Eine schöne Lage haben ja viele Hütten, entweder in dem Sinne, daß die Hütten selbst und ihre Umgebung recht fotogen sind, oder in dem Sinne, daß die Aussicht von der Hütte richtig gut ist. Für beides finden sich Beispiele in Osttirol (und auch in meinem bescheidenen Bericht hier).

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                            • OutofSaigon
                              Erfahren
                              • 14.03.2014
                              • 367

                              • Meine Reisen

                              #34
                              Wenn auf der Speisekarte nur ein einziges Gericht steht, muß man nicht lange überlegen: dann gibt es eben das, und fertig! - Eigentlich paßt die Metapher mit der Speisekarte hier aber nicht so recht; denn als die "normalen" Hüttengäste mit dem Verspeisen ihres Frühstücks beginnen, bin ich schon längst weg, und zwar auf dem Weg, den ich gestern abend als die einzig vernünftige Option für diesen Tag identifiziert hatte (siehe oben).

                              Nach einem kurzen Anstieg, der meinen Körper schnell auf "Betriebstemperatur" gebracht hat, wandere ich den Hangweg entlang, der sich oberhalb der Hütte an der Ostseite des Gößnitztals befindet. Wer genau hinschaut, sieht diesen Weg schon auf Foto # 91 rechts oben. Im Osten erhebt sich bereits die Sonne und scheint auf den westseitigen Talhang, während ich selbst mich noch im Schatten befinde.

                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_36_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 402,2 KB ID: 3161334 # 93 Hoch oberhalb des Gößnitzbaches wandere ich am frühen Morgen meinem Ziel entgegen


                              Mein Ziel sind die drei kleinen Bergseen am östlichen Hang oberhalb des Gößnitztals: auf der Kompass-Karte sind sie als Vorderer, Mittlerer und Hinterer Langtalsee bezeichnet. Dabei ist der Vordere See der dem Talausgang bzw. dem Dorf Heiligenblut am nächsten gelegene der drei. Wenn man von der Hütte aus startet, trifft man auf diesen See also als letzten. Interessanterweise liegen diese drei Seen alle fast auf gleicher Höhe, man kann also schlecht von einem Unteren, Mittleren, und Oberen Langtalsee sprechen.


                              Nach etwa einer Stunde Wandern erreiche ich den Hinteren Langtalsee. Er liegt aber noch ganz im Schatten, und das Foto, das ich hier mache, ist eigentlich nur für dokumentarische Zwecke zu gebrauchen. Weil ich auf dem Rückweg aber sowieso wieder hier vorbei kommen werde, zeige ich euch ein schöneres Foto von diesem kleinen See erst später.


                              Von dort zum Mittleren Langtalsee ist es nicht weit, und nach einer guten halben Stunde bin ich auch schon da. "Perfektes Timing", sage ich mir, und mache ein paar Fotos davon.

                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_33_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 721,0 KB ID: 3161340 # 94 Der Mittlere Langtalsee um genau 8:17h morgens


                              Vom Mittleren zum Vorderen Langtalsee ist die Strecke wieder deutlich länger: über eine Stunde. Und nun bricht auch schon richtig der Morgen an. Als ich mich umdrehe und talaufwärts zurück schaue, sehe ich dies:

                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_35_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 527,7 KB ID: 3161336 # 95 Blick zurück talaufwärts. Es wird euch nicht überraschen, daß irgendjemand irgendwann einmal diesen Berg "Roter Knopf" getauft hat


                              Es ist ein wirklich schöner und gemütlicher Wanderweg, den ich in aller Ruhe genieße. Ein ganz kurzer Abschnitt ist ein wenig steiler und mit einem Drahtseil zum leichteren Navigieren versehen (eine wirkliche "Sicherung" ist eigentlich nicht notwendig), aber im Großen und Ganzen ist diese Route fast ein Spaziergang mit wunderbarer Aussicht.

                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_34_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 468,6 KB ID: 3161335 # 96 Kurzes Steilstück an einem ansonsten recht leichten Wanderweg


                              Ich sehe keinen Grund, mich besonders zu beeilen, und so ist es schon Viertel nach neun Uhr, als ich schließlich den Vorderen Langtalsee erblicke. Von der Hütte bis hierher war ich somit insgesamt über drei Stunden unterwegs gewesen.

                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_38_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 461,6 KB ID: 3161338 # 97 Der Vordere Langtalsee


                              Nun ist es Zeit für eine Rast. Ich setze mich also bei diesem herrlichen Wetter einfach ins Gras und schaue mich um. Es ist ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch. Hinter dem westlichen Talhang ist der Gipfel des Großglockner zu sehen.

                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_37a_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 534,7 KB ID: 3161337 # 98 Der Gipfel des Großglockner über dem westlichen Talhang


                              Hier verweile ich lange: über eine Stunde. Warum auch nicht? Das Wetter könnte nicht besser sein, das Ambiente ist einfach nur ein Traum, und der Rest meines Tagesprogramms ist ja ohnehin nur "Zurück gehen".


                              An zwei Erlebnisse jener Raststunde werde ich mich noch sehr lange erinnern. Das erste: irgendwann, als ich mit dem Fernglas einfach nur so durch die Landschaft schweife, sehe ich weit unter mir am Talhang drei Rothirsche. Es sind drei anscheinend noch eher junge Männchen, Achtender oder so. Sie sind noch in der Art von "Junggesellen-Club", die bei Hirschen und ähnlichen Tierarten für jüngere Männchen typisch ist. Es war reiner Zufall, daß meine Augen gerade im richtigen Moment auf die richtige Stelle des Talhangs geblickt haben, sonst hätte ich sie gar nicht bemerkt. Sie bleiben auch nicht lange dort, wo ich sie entdeckt habe, sondern sind in weniger als einer Minute wieder verschwunden.

                              Das zweite Erlebnis ist eine wiederholte Störung meiner Ruhe: ein Hubschrauber knattert das Tal hinauf. Von wo genau er kommt, weiß ich natürlich nicht, aber sein Ziel ist eindeutig die Elberfelder Hütte. Vier Mal hinauf und vier Mal wieder hinunter fliegt er und macht jedes Mal einen gewaltigen Krach. Mit Interesse registriere ich, daß der Lastensack manchmal ziemlich senkrecht unter dem Hubschrauber hängt, manchmal aber auch im 45-Grad-Winkel hinterher fliegt. Tja, Leute: das ist eben der Unterschied zwischen vollen und leeren Bierdosen


                              Es war absolut herrlich, hier zu sein; trotzdem will ich auch nicht ewig hier sitzen. Etwa um halb elf Uhr gehe ich also langsam wieder zurück. Auf dem Rückweg begegnen mir - zum ersten Mal heute - andere Wanderer: sie sind talabwärts unterwegs, wollen aber nicht nur zum Vorderen Langtalsee, sondern weiter bis nach Heiligenblut.


                              Es ist schon nach zwölf Uhr, als ich wieder den Hinteren Langtalsee passiere. Mittlerweile liegt er natürlich voll in der Sonne, so daß ich euch dieses Foto offerieren kann:

                              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_40_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 586,5 KB ID: 3161339 # 99 Der Hintere Langtalsee


                              Tja, und circa um halb zwei Uhr bin ich dann wieder in der Hütte und schaue auf die Speisekarte, ob es nicht doch mehr gibt als nur ein einziges Gericht ...


                              Den Nachmittag vertrödele ich eigentlich nur, aber mit gut fünf Stunden Wandern bin ich für heute eben zufrieden.


                              Beim bzw. nach dem Abendessen habe ich dann noch zwei interessante menschliche Begegnungen: als erstes sehe ich wieder die nette Dame, die mir gestern im Talschluß des Debanttales begegnet ist. Wir erkennen einander natürlich sofort und begrüßen uns lachend. - Die zweite Begegnung ist ganz anders: ich plaudere mit einem Herrn, etwas jünger als ich, der erzählt, er wandere den "Kärntner Grenzweg" entlang. Das ist ein Weitwanderweg, für den man fünf bis sechs Wochen braucht (weitere Einzelheiten dürft ihr selbst ergoogeln). Der Herr spricht auch in dem Hharrten Kharrnterr-Dialekt, an dem der Österreicher den Kärntner erkennt. Als wir aber weiter plaudern, stellt sich heraus, daß er eigentlich gar nicht aus Kärnten stammt, sondern aus dem Bundesland Salzburg. Weil ich mich dort ganz gut auskenne, frage ich weiter: "Von wo genau?" - "Großarltal" antwortet er. Und weil ich auch das Großarltal ganz gut kenne, frage ich wiederum: "Von wo genau?" - "Hüttschlag" sagt er. -- Ich denke, mich rührt der Donner. So erzähle ich ihm nun, daß ich vor genau 50 Jahren zu einem Wanderurlaub in Hüttschlag war, und daß jener Wanderurlaub in mir ein für alle Mal die Liebe zu den Bergen und zum Bergwandern geweckt hat. Einige von euch mögen sich daran erinnern, daß ich davon vor drei Jahren schon einmal erzählt habe, nämlich hier .


                              So geht nun dieser Abend zu Ende. Es war wiederum ein wunderbarer Tag gewesen, und ich freue mich auf morgen.
                              Zuletzt geändert von OutofSaigon; 25.12.2022, 08:11.

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                              • agricolina
                                Erfahren
                                • 05.05.2016
                                • 198

                                • Meine Reisen

                                #35
                                Sehr schön! Ich hatte ja spekuliert, dass das Ziel deiner schönen Tagestour der Rote Knopf selbst ist. Allerdings ist mir da keine Rundtour eingefallen - aber du bist ja auch zu den Seen den gleichen Weg hin und zurück gegangen.

                                Zitat von OutofSaigon Beitrag anzeigen
                                P.S. Als "Inhaber" des Großen Latinums finde ich deinen Nutzernamen schon interessant...​
                                Dann kennst du ja schon meinen Nachnamen :-)...aber es werden immer weniger von uns alten Lateinern.

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                                • dominik_bsl
                                  Erfahren
                                  • 13.02.2006
                                  • 259

                                  • Meine Reisen

                                  #36
                                  Wunderschöne Bilder sind es, die Du hier mit uns teilst lieber Gottfried
                                  Da freue ich mich schon auf die (häppchenweise) Fortsetzung Deines Berichts!

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                                  • OutofSaigon
                                    Erfahren
                                    • 14.03.2014
                                    • 367

                                    • Meine Reisen

                                    #37
                                    Ganz herzlichen Dank, lieber Dominik!
                                    Wenn ein Schweizer sich positiv über Österreich äußert, dann ist das ja ein ganz besonderes Kompliment - das wissen wir alle

                                    Was ich hier mit euch teilen will, sind ja nicht nur Fotos, sondern Erlebnisse; und so versuche ich mein Bestes, euch diese in Bild und Wort zu vermitteln (und selbst dies bleibt natürlich unvollständig; denn die Stille und das ganze Ambiente muß man einfach selbst erlebt haben).

                                    Ein absoluter Knaller war der Gartlsee. Andere Zielpunkte sieht man oft schon einige Zeit lang vor sich, nähert sich ihnen allmählich. Der Gartlsee ist ganz anders: du kletterst die abgebildete Leiter über diesen kleinen Felsriegel hoch, überschreitest denselben mit wenigen Schritten, und dann liegt urplötzlich der Gartlsee vor deinen Füßen. Nur Sekunden vorher war er noch nicht zu sehen gewesen. Und wenn du dann auch noch die fantastische Beleuchtung hast, die ich damals hatte, dann verschlägt es dir die Sprache. Nur eine Stunde später ist es schon nicht mehr dasselbe, und spätestens ab zehn Uhr wirkt es wahrscheinlich irgendwie "ganz normal"

                                    Und ja: in Bälde geht es weiter mit meinem Bericht ...


                                    @agricolina: ich hatte das Wort "Rundtour" so gemeint wie "Roundtrip" auf einem Flugticket: hin-und-zurück. Aber du hast recht: im Deutschen verbinden wir mit dem Wort "Rundtour" eher die Vorstellung eines Rückwegs, der anders ist als der Hinweg. Ich werde versuchen, mich zu bessern...
                                    Zuletzt geändert von OutofSaigon; 03.11.2022, 05:22.

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                                    • OutofSaigon
                                      Erfahren
                                      • 14.03.2014
                                      • 367

                                      • Meine Reisen

                                      #38
                                      Die Sonne zu genießen, so lange sie scheint, das ist die Kunst des Lebens. - Leider sagt die Wettervorhersage für heute, daß es nur bis zum frühen Nachmittag sonnig sein wird und danach mit Gewittern und Regen zu rechnen ist. Somit werde ich auch heute nicht lange fackeln, schon gar nicht auf das Hüttenfrühstück warten, sondern mich möglichst rasch auf den Weg machen. Dabei ist der Weg - wie vorgestern identifiziert (siehe oben) - der Aufstieg zum Kesselkees-Sattel mit folgendem Wiederabstieg zum Lucknerhaus. Letzteres liegt wieder in Osttirol, wohingegen die Elberfelder Hütte ja noch in Kärnten liegt. - Gedacht, getan: um sechs Uhr verlasse ich die Hütte und breche auf.

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_41_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 458,8 KB ID: 3163259 # 100 Aufbruch von der Elberfelder Hütte um sechs Uhr; die aufgehende Sonne beleuchtet den Gipfel des Roten Knopf


                                      Von der Hütte muß ich zunächst ein wenig absteigen, um den Bach zu überqueren, dann geht es sofort wieder bergauf, und dies auf einem netten kleinen Wiesenweg, der sehr angenehm zu begehen ist, erst recht im Schein der Morgensonne - auch dies ein Sommermorgentraum:

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_42_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 669,7 KB ID: 3163258
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_43_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,08 MB ID: 3163271 # 101 & 102 Aufstieg in Richtung Kesselkees-Sattel bei herrlichem morgendlichen Sonnenschein; im Hintergrund der Tamerkopf


                                      Ein gutes halbes Stündchen geht es so dahin, dann erreiche ich eine Schwelle, oberhalb derer es ziemlich anders aussieht, nämlich sehr steinig:

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_44_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 533,8 KB ID: 3163266 # 103 Blick zurück über einen steinigen Abschnitt; im Hintergrund der Hornkopf


                                      Weiter und weiter geht mein Aufstieg, nun wieder über einen eher grasigen Abschnitt. Mittlerweile ist es auch acht Uhr vorbei, und ich beschließe, hier nun meine Frühstückspause zu machen. Hinter mir kommen wahrscheinlich andere Wanderer, aber denen bin ich ja mindestens anderthalb Stunden voraus, und so kann ich mich hier gemütlich hin setzen, ohne in die "Prozession" zu geraten. Zum Frühstück gibt es Müsliriegel und Trockenobst, dazu Wasser; eben wie immer. Kaffee, Tee, Orangensaft, Toast, Marmelade, Wurst, Käse - leider alles Fehlanzeige, aber das stört mich überhaupt nicht. Ich habe die Sonne, die Ruhe, die herrliche Landschaft um mich herum, damit bin ich glücklich, DAFÜR (und nicht zum Essen) bin ich in diese Berge gekommen.

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_45_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 775,8 KB ID: 3163263 # 103 Frühstückspause am Fuß des Tamerkopfes

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_46_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 361,1 KB ID: 3163260 # 104 Blick zurück über das Gößnitztal; in der Mulde links (noch im Schatten), müßt ihr euch den Hinteren Langtalsee vorstellen, den ich gestern besucht habe


                                      Nach dem "genießerischen" Frühstück geht es wieder weiter hinauf (natürlich, was auch sonst?)

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_47_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 763,4 KB ID: 3163261 # 105 Ein weiterer Blick zurück über das Gößnitztal; links der Hornkopf, rechts daneben die Klammerköpfe, und über dem kleinen See der Rote Knopf


                                      Mit zunehmender Höhe wird der Weg immer steiniger - klar! - und auch immer steiler; das letzte Stück vor dem Paß quert er auch einen richtig steilen Hang, so daß einige Wanderer, die mir bereits entgegen kommen, in diesem Abschnitt durchaus etwas nervös sind. Ich finde es aber nicht so schlimm - immer noch T2, nach meiner Auffassung. Ich nähere mich der 3000m-Marke und muß dementsprechend tief atmen, aber dann ist der Paß erreicht, der höchste Punkt dieser Strecke, und auch der höchste Punkt, den ich bei meinen Wanderungen durch die Schobergruppe erreicht habe. Auf diesem Sattel befindet sich ein Biwak, das ihr hier seht:

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_49_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 668,3 KB ID: 3163267 # 106 Das Gernot-Röhr-Biwak auf dem Kesselkees-Sattel

                                      Anmerkung: über die genaue Höhe dieses Punktes bin ich mir nicht im Klaren. Ich bin ziemlich sicher, daß auf dem Schild 2980m stand (das steht ja auch auf Opentopomap), aber im Internet finde ich abweichende Angaben über die genaue Höhe dieses Biwaks, obwohl sich dieses, wie ihr seht, genau auf dem Scheitelpunkt des Sattels selbst befindet. Es ist eben irgend etwas zwischen 2900m und 3000m (und damit schon an der Grenze dessen, was unser Kamerad Wafer noch mag).








                                      Auf der anderen Seite dieses Sattels schaue ich auf ein Meer von Steinen. Wo ist das Kesselkees? Viele von euch wissen es sicher: "Kees" ist die Bezeichnung für ein permanentes Schneefeld, das auch im Sommer (fast) niemals komplett abschmilzt. "Ferner" sagt man anderswo dazu. Hier war einmal ein solches Kees, aber jetzt ist es verschwunden, abgeschmolzen. Was noch im 19. Jhdt so gut wie nie eintrat, ist jetzt normal geworden: der Schnee ist nur noch im Winter und Frühjahr vorhanden; das eigentliche "Kees" ist Geschichte.

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_50_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 572,4 KB ID: 3163269 # 107 Die Nordseite des Kesselkees-Sattels; der Gipfel links ist das Böse Weibl (3119m)


                                      Von diesem Sattel führt, wie zu erwarten ist, ein Weg hinauf zum nächstgelegenen Gipfel, dem Bösen Weibl. Ich überlege kurz, ob ich dort noch hin gehen soll - dann hätte ich auf dieser Tour wenigstens einen Dreitausender bestiegen -, entscheide mich dann aber doch dagegen; denn ich sehe sehr wohl den großen Wolkenschatten über diesem Berg sowie die Kumuluswolken in der Ferne, und will nicht in die Gewitter kommen, jedenfalls nicht in solch großer Höhe. Also steige ich wohl besser ab in Richtung Lucknerhaus; denn bis dort hin ist es ohnehin noch ein ganzes Stück, und wir alle wissen, wie schnell das Wetter in den Bergen umschlagen kann.

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_53_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 597,7 KB ID: 3163262 # 108 Auf dem Abstieg vom Kesselkees-Sattel in Richtung Lucknerhaus; rechts oben der Großglockner


                                      Mit abnehmender Höhe erscheint zwischen den Steinen mehr und mehr Gras; ich erreiche allmählich wieder die Mattenregion und nähere mich dem Peischlachtörl.

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_55_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 567,3 KB ID: 3163264 # 109 Blick auf das Peischlachtörl (2484m)


                                      Na, und wie ich mich langsam dem Peischlachtörl nähere, da nähert sich mir von hinten - schau, schau! - wieder die nette Dame, die ich schon zwei Mal getroffen hatte. Sie ist fit (natürlich auch viel jünger als ich selbst) und hat mich eben eingeholt, obwohl ich vor ihr von der Hütte gestartet war. Sie will nun allerdings weiter zur Glorer Hütte über die Ostroute, wohingegen ich an Anbetracht der Wettervorhersage diesen Ehrgeiz nicht habe, sondern nach Westen weiter absteigen und meine Tour durch die Schobergruppe zum Abschluß bringen möchte, so lange alles noch so schön ist. Daher trennen sich unsere Wege auch fast augenblicklich wieder.


                                      Der Weiterweg zum Lucknerhaus ist landschaftlich schön und technisch ganz einfach: durch die hier offenbar sehr zahlreichen Wanderer (viele auch mit Kindern) ist der Pfad breit ausgetreten, fast eine Wanderautobahn. Das schafft ja wohl noch jeder.

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_57_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 738,4 KB ID: 3163270 # 110 Abstiegsroute in Richtung Lucknerhaus


                                      Für mich persönlich ist es eine nette kleine Erinnerung, daß nicht lange danach von links her der unscheinbare kleine Pfad einmündet, auf dem ich einige Zeit vorher mit meinem Sohn unterwegs war, als wir von Kals über die Tschadinalm zum Lucknerhaus gingen (siehe Abschnitt "Kaleidoskop" oben).

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_58_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 559,4 KB ID: 3163265 # 111 In den Weg zum Lucknerhaus mündet von links der Weg von der Tschadinalm (und die Kumulus-Bewölkung sieht zunehmend bedrohlich aus)


                                      Am Lucknerhaus angekommen, überbringe ich zu allererst der Wirtin die Grüße, die mir das Team von der Elberfelder Hütte aufgetragen hatte. Wiederum ist die Freude groß, und ich schmunzele in mich hinein. Dann ist es aber schon 12 Uhr vorbei und Zeit für das Mittagessen. Bis zur Abfahrt des Postbusses ist es noch eine Weile, und so genieße ich die letzte lange Rast dieser Tour in vollen Zügen (hier ganz wörtlich zu nehmen; denn zwei große Radler habe ich mir natürlich auch bestellt). Kaum ist der Bus abgefahren, da fängt es auch schon an zu regnen, und ich lächele hoch zufrieden: ich habe auch aus diesem Tag wieder das Beste heraus geholt und damit meine Tour durch die Schobergruppe höchst erfolgreich abgeschlossen, wenn auch ohne den Hochschober. Und bei der Ankunft in Matrei sehe ich dann endgültig bestätigt, daß es besser war, hierher zurückzukehren.

                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_59_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 167,8 KB ID: 3163268 # 112 Regenwetter bei der Ankunft in Matrei (so blieb es dann übrigens noch drei Tage lang)


                                      Fazit: Es war eine tolle Tour von insgesamt sechs Tagen, vier davon bei herrlichem Wetter. Das war zwar deutlich weniger, als ich ursprünglich avisiert hatte (10-12 Tage), aber es war dennoch "ein Gedicht" und kann zur Nachahmung empfohlen werden (wäre da nicht die unangenehme Route im allerobersten Teil des Gößnitztales, würde ich sogar sagen: "vorbehaltlos"). Durch Besteigungen des Hochschober, Glödis, Roten Knopfes oder Bösen Weibls könnte man die von mir gemachte Tour auch noch "aufmotzen", falls es gewünscht wird. Andererseits ist der Abstecher zu den drei Seen ja optional, und man könnte diese Route - ohne die optionalen Elemente - also auch in drei Tagen bewältigen. -- Übrigens habe ich in diesen sechs Tagen nur ein einziges Mal auf der Hütte gefrühstückt; vier Mal (ohne den ersten Tag) war ich schon lange vor dem Frühstück von der jeweiligen Hütte aufgebrochen.


                                      Zusatzbemerkung: auf den Outdoorseiten sehe ich lediglich einen weiteren Bericht aus der Schobergruppe, aber der handelt von einer Wintertour. Auf einem anderen Forum hingegen fand ich einen netten Bericht, geschrieben 2015 von einer Person, die sich "derYeti" nennt (muß wohl deutlich größer und schwerer sein als ich *grins*). "derYeti" ist im Prinzip meine Route gegangen, aber beginnend am Lucknerhaus und endend in St. Johann (also in umgekehrter Richtung) und damals noch über die Hornscharte, von deren Überschreitung mir im Sommer 2022 ja so dringend abgeraten wurde. Auch ihm blieb die Bezwingung des Hochschober allerdings versagt. - Wer jenen Bericht lesen will, kann hier klicken .


                                      Zum Abschluß ein Blick auf die Landkarte
                                      (Opentopomap, mit ergänzenden Eintragungen von mir - für jeden Wandertag eine andere Farbe)
                                      Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)​
                                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Karte Schobergruppe Weg Hütten.jpg
Ansichten: 132
Größe: 370,6 KB
ID: 3163669
                                      Zuletzt geändert von OutofSaigon; 07.11.2022, 06:07.

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                                      • Muecke
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                                        • 12.03.2022
                                        • 387

                                        • Meine Reisen

                                        #39
                                        Vielen Dank für Deinen Bericht und die vielen, schönen Bilder!
                                        Ich plane für nächstes Jahr auch gerade an einer Rundtour in der Schobergruppe. Man findet wirklich sehr wenige Reiseberichte für diese Ecke, daher auch nochmal Danke für den Link.

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                                        • Brichdirnix
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                                          • 30.03.2017
                                          • 29

                                          • Meine Reisen

                                          #40
                                          Ich hatte bisher keine konkrete Planung für die Schobergruppe oder sonst ein Ziel in jener Gegend, aber dieser tolle Bericht weckt mein Interesse. Sehr gut, sehr gut! In Gedanken wandere ich mit (und anscheinend soll es noch weiter gehen - darauf bin ich schon gespannt). Man kann dort wohl viel Schönes sehen, ohne sich kaputt zu machen; denn das will man/ich ja auch wieder nicht...

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