[AT] Von Wallhorntörl, Gartlsee und gnilrösaL - sommermorgentraumhaft

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  • Sternenstaub
    antwortet
    Ich möchte mich als "Nicht-Berg-Fex" bei dir für diesen Bericht bedanken, weil er mir nahe bringt, was Menschen dazu bringt, solche Bergtouren zu machen. Entsprechende Fotos fand ich schon immer schön, aber dein ausführlicher Bericht zeigt mir auf, WAS wirklich an positivem für einen sozusagen da heraus springt. Ich könnte das mit Sicherheit nicht, aber das mit-Erleben ist sehr schön und bereichernd. Mögen dir noch einige solche Touren möglich sein, das hoffe ich aus reinem Egoismus, weil dann kann ich es lesen und quasi miterleben!
    Zuletzt geändert von Sternenstaub; 25.01.2023, 00:29. Grund: ein Wort vergessen. ;-)

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  • OutofSaigon
    antwortet
    Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
    Hallo OutOfSaigon.
    Ein ganz toller Bericht! 👍
    Ihr Lieben, wenn eine der Größen dieses Forums so etwas sagt, dann darf man sich darauf etwas einbilden (und das tue ich nun auch, hahaha!) - vielen Dank, Wafer!


    Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
    In der Ecke war ich noch nicht unterwegs und dein Bericht hat dafür gesorgt, dass die Region auf die ToDo-Liste kommt.


    Ich hatte mir Osttirol ganz bewußt ausgesucht. Wie ihr wißt, bin ich nicht so der große Fan der Alpen-Nordseite - das Risiko schlechten Wetters ist mir zu groß. Aber im vergangenen Sommer hatte ich wahrhaftig Glück in Osttirol. Es ist schon eine tolle Gegend, allerdings mit vielen Schutthängen und viel weniger grünen Wiesen als die Alpen-Nordseite.


    Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
    Der Umgang mit Bildern ist seit der neuen Version etwas hakelig.
    Das ist die Untertreibung des Jahres! Das ist nicht "etwas hakelig", sondern ein Scheißdreck, dessen Erbärmlichkeit kaum mit Worten zu beschreiben ist. Ich habe heute den letzten Teil meines Berichts VIER MAL (!!!) hoch geladen und die Bilder eingefügt, wo sie hingehören, auch jedes Mal die Anhänge der vorherigen Versuche sorgfältig gelöscht, und dennoch klappt es nicht, wie es soll. Liebe Freunde, es tut mir leid, daß ihr nun immer noch diese idiotischen "Angehängten Dateien" zu sehen bekommt, aber ich habe absolut keinen Bock, das alles nun zum fünften Mal zu machen, höchstwahrscheinlich mit demselben bescheuerten Ergebnis. -- Mit dieser Software hat das Forum sich selbst einen Kopfschuß verpaßt.


    Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
    Leider ist jetzt nicht mehr mit einem Nachschlag zu rechnen


    Nein, einen Nachschlag gibt es nicht mehr; mein Bericht endet hier. -- Neue Berichte von mir wird es auch bis auf Weiteres nicht mehr geben. Zwar habe ich genug Material für mindestens vier weitere Berichte in der Schublade, aber warum soll ich mich hier herum plagen?? Das Interesse der intendierten Leserschaft wird ja auch immer geringer bzw. begrenzt sich immer mehr auf wenige "Star-Autoren". Zu diesen gehört Wafer mit vollem Recht, ich nicht...


    P.S. Selbst in dieser Antwort baut diese bescheuerte Forums-Software schon wieder Scheiße und fügt "ungefragt" weitere Leerzeilen ein, wo ich sie gar nicht haben will.

    Quod erat demonstrandum...​

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  • Wafer
    antwortet
    Hallo OutOfSaigon.

    Ein ganz toller Bericht! 👍 Leider ist jetzt nicht mehr mit einem Nachschlag zu rechnen. Vielen Dank, dass du dir die Mühe gemacht hast uns daran teilhaben zu lassen! In der Ecke war ich noch nicht unterwegs und dein Bericht hat dafür gesorgt, dass die Region auf die ToDo-Liste kommt.

    Leider hat der heutige, letzte Post noch keine Bilder. Ich hoffe, die kommen noch. Hoffentlich hat dir die Software nicht dermaßen die Laune vergällt, dass du den Bericht so lässt! Ich weiß: der Umgang mit Bildern ist seit der neuen Version etwas hakelig. Meine Bilder sind inzwischen zu Flickr.com ausgewandert. So gibt es diesen Ärger nicht mehr.

    Dankbar Grüße

    Wafer
    Zuletzt geändert von Wafer; 24.01.2023, 10:34.

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  • OutofSaigon
    antwortet
    "Man muß auch mal rasten", denke ich mir eines Tages, setze mich also auf die Terrasse des Cafe Patterer in Matrei und lasse mir Kaffee und Kuchen bringen - mit Schlagobers natürlich (für Nicht-Österreicher: Schlagobers ist Schlagsahne). Auch plaudere ich ein wenig mit dem etwa sechzigjährigen Herrn am Nebentisch, während wir gemeinsam die Berglandschaft genießen. "Ich bin in Matrei geboren und habe mein Leben lang hier gewohnt" erläutert er mir, "aber dort oben war ich noch nie". Dabei schweift sein Blick hinauf zum Gipfel des Großen Zunig, der Matrei um etwa 1700m überragt. Ich lächele und antworte gelassen "Den will ich morgen besteigen". Er schaut mich leicht erstaunt an, realisiert wohl, daß ich deutlich älter bin als er, und sagt nichts mehr.

    # 169 - Der Kleine und der Große Zunig, von Matrei aus gesehen


    Ihr müßt wissen: der Große Zunig ist der Hausberg von Matrei. Der ihm vorgelagerte Kleine Zunig erscheint, vom Dorf aus gesehen, zwar fast genauso hoch, aber das liegt nur an der Perspektive; in Wirklichkeit ist er doch sehr viel niedriger. Dies wird deutlich, wenn man die beiden Berge vom gegenüber liegenden Hang betrachtet:

    # 170 - Der Kleine und der Große Zunig, von der Bonn-Matreier Hütte aus gesehen (die Lichtung am halben Hang des Kleinen Zunig ist die Zunigalm)



    Am nächsten Morgen verlasse ich um vier Uhr meine Unterkunft und marschiere im Schein meiner Stirnlampe die Fahrstraße bergauf in Richtung Zunigalm. Etwa um fünf Uhr fährt ein Auto im nächtlichen Wald an mir vorbei, und der Fahrer ist über diese unerwartete Begegnung wohl ebenso erstaunt wie ich selbst. Etwa um halb sechs beginnt dann die Morgendämmerung, und mittlerweile bin ich auch bereits so hoch gestiegen, daß sich hin und wieder Ausblicke aus dem Wald eröffnen.

    # 171 - Die Lichter von Virgen um halb sechs Uhr morgens


    Weiter gehe ich, immer weiter, und es wird langsam heller, am Ende so hell, daß ich es wagen kann, für das letzte Stück zur Zunigalm einen kleinen Abkürzungsweg über die Wiese zu benutzen. Zwar hatte ich auch im Wald einige Wegweiser zu Abkürzungen gesehen, diese aber bewußt ignoriert; denn ich wollte nicht das Risiko eingehen, nachts im stockdunklen Wald die Wegmarkierung zu verlieren.

    Kurz nach sechs Uhr erreiche ich die Zunigalm. Sie liegt noch im Schatten, aber die ersten Sonnenstrahlen streifen soeben den Gipfel des Großen Zunig.

    # 172 - Erste Sonnenstrahlen auf dem Gipfel des Großen Zunig bei Erreichen der Zunigalm


    Die Zunigalm ist eine beliebte Ausflugs-Gaststätte, aber keine wirkliche Berghütte; man kann dort nicht übernachten, und so gibt es auch keine Übernachtungsgäste. Daher sind die Betreiber durchaus darauf eingestellt, es morgens gemütlich angehen zu lassen, in der Annahme, daß vor neun Uhr sowieso niemand kommt. Heute haben sie sich darin aber geirrt. Verdutzt schauen sie auf, als schon zu so früher Stunde jemand an die Scheibe des Küchenfensters klopft. Ich bin es, und ich will fragen, ob ich wohl einen Morgenkaffee bekommen könnte. Ein Häferl soll 3,50 Euro kosten, und ich bestelle mir ein solches, dazu noch einen "Schnitt", womit die Gesamtrechnung dann auf 5 Euro kommt. Lächelnd kassieren die Herrschaften den Betrag, offensichtlich hoch zufrieden darüber, daß schon vor Sonnenaufgang das erste Geld in der Kasse klingelt. So hat man es gerne - wenn es nur jeden Tag so wäre!


    Nach einer halben Stunde Kaffeepause trete ich wieder vor die Tür. Nun erreichen die Sonnenstrahlen schon die nähere Umgebung der Alm und besonders das "Ganitzle", d.h. den kleinen Hügel westlich der Alm.

    # 173 - Die Morgensonne auf dem "Ganitzle"


    Wenige Minuten später erreicht die Sonne dann auch die Alm selbst, und als ich diesen Sonnenaufgang sehe, weiß ich, daß sich das frühe Aufstehen wieder einmal voll gelohnt hat. Wer bis acht Uhr im Bett liegt, bekommt so etwas nicht zu sehen (oder höchstens im Winter xx).

    # 174 - Sonnenaufgang an der Zunigalm um genau 6.54h morgens


    Gestärkt mache ich mich nun wieder auf den Weg. Die nächste Etappe ist die kurze Strecke hinauf zum Zunigsee. Der Weg ist nicht besonders fotogen, und der See schon gar nicht, halb ausgetrocknet, wie er ist. So werfe ich nur einen kurzen Blick darauf und gehe dann gleich weiter in Richtung Zunigtörl. Dabei gerate ich zunächst einmal von der Sonne wieder zurück in den Schatten des Kleinen Zunig nordöstlich von mir.

    # 175 - Aufstieg zum Zunigtörl im Schatten des Kleinen Zunig


    Wunderbar der Blick zum Großglockner, der ja gar nicht weit entfernt liegt von hier, dem östlichen Ende der Lasörlinggruppe.

    # 176 - Blick zum Großglockner


    Nach nicht allzu langer Zeit und ohne jede technische Schwierigkeit erreiche ich dann das Zunigtörl, also den Paß zwischen dem Kleinen und dem Großen Zunig, mache noch einmal eine kleine Rast und blicke nach Südosten, hinunter ins Iseltal in Richtung Lienz.

    # 177 - Blick vom Zunigtörl hinunter ins Iseltal; links im Bild der Berge der Schobergruppe (siehe oben)


    Dann aber geht es "ans Eingemachte", jetzt beginnt der Teil des Weges, der dieser Tour die Klassifizierung als "Schwerer Bergweg" eingebracht hat (mit schwarzer Markierung nach österreichischem System). Die Schweizer würden ihn wohl als T3+ klassifizieren. Wirklich schwierig finde ich ihn eigentlich nicht, und gefährlich schon gar nicht, aber es geht in der Tat richtig steil den Nordostgrat des Großen Zunig hinauf, und die gelegentlich angebrachten Drahtseile zum Emporziehen sind tatsächlich nützlich.

    # 178 - Aufstieg zum Großen Zunig entlang des Nordostgrats


    Es ist auch eine ordentlich lange Strecke vom Zunigtörl bis zum Gipfel, rund eine Stunde oder sogar etwas mehr. Ich stoße auf eine andere Wandergruppe, und wir gehen gemeinsam hinauf. Kurz vor zehn Uhr sind wir dann endlich oben - hier das Beweisfoto:

    # 179 - OutofSaigon auf dem Gipfel des Großen Zunig, am 14. August 2022


    Das Wetter ist bilderbuchmäßig und könnte nicht besser sein. Die Aussicht ist fantastisch; denn der Große Zunig ist der höchste Gipfel in ziemlich weitem Umkreis (rund 10km) und steht recht exponiert am östlichen Ende der Lasörlinggruppe.

    # 180 bis 182 - Die Aussicht vom Gipfel des Großen Zunig: (1) nach Nordosten zum Großglockner, (2) nach Südosten zur Schobergruppe links, ins Iseltal und zu den Lienzer Dolomiten rechts, (3) nach Südwesten über die Vilgratner Berge zu den Sextener Dolomiten


    Das muß man einfach ausgiebig genießen, dafür nehme ich mir auch gerne eine Stunde Zeit. Dies ist die Krönung meines Osttirol-Urlaubs, das "Schlagobers". Wer nicht hier oben war, weiß nicht, was er versäumt hat.


    Höher geht es hier nicht mehr, und so steige ich denn nach etwa einer Stunde wieder ab, zusammen mit der Gruppe, der ich mich schon beim Aufstieg angeschlossen hatte. Relativ rasch erreichen wir wieder das Zunigtörl und schauen hinunter auf den Zunigsee, der ja nun vor uns liegt.

    # 183 - Blick vom Zunigtörl auf den Zunigsee und die Venedigergruppe dahinter (ganz rechts oben im Foto der Hohe Eichham, 3371m). - Übrigens: was hier aussieht wie ein kleiner Dreckfleck oder eine Drohne am Himmel, muß wohl ein Vogel sein; ich habe es selbst erst zuhause am Computer gesehen


    Der Weiterweg zur Zunigalm kommt mir nun geradezu leicht vor, und schon vor 13 Uhr bin ich zurück an der Zunigalm. Dort ist inzwischen "voller Betrieb", und das Personal kommt kaum hinterher mit dem Bedienen der zahlreichen Gäste, die hier alle zu Mittag essen wollen. Die meisten sind allerdings mit ihren E-Bikes hier hoch gefahren und brauchen den Kalorien-Nachschub weit weniger als ich.

    # 184 - Voller Betrieb auf der Zunigalm


    Natürlich habe ich nicht einen Tisch für mich allein; das läßt sich bei diesem Andrang unmöglich machen, und ich will es ja eigentlich auch gar nicht. Gerne setze ich mich zu einer anderen Gruppe, die mir dies freundlich angeboten hat. Die plaudern über die und das, und ich lasse das auch ziemlich an mir vorbei rauschen; da höre ich auf einmal, wie jemand "Behamberg" sagt. Ich fahre hoch und frage nach: "Hast du gerade 'Behamberg' gesagt?" - "Ja; warum?" - "Ich kenne Behamberg" - "Jo, do schau di' an! Wieso?". - Ihr Lieben, ihr müßt wissen: Behamberg ist ein ganz kleines Nest nahe der Stadt Steyr, gerade an der Grenze von Ober- und Niederösterreich, ein Nest, das niemand kennt, wenn er nicht eine besondere persönliche Beziehung dazu hat. Das wissen natürlich auch die Leute bei mir am Tisch, und ich erkläre ihnen: die Frau meines Cousins kommt von dort, und so habe ich eben heraus gehört, daß jemand diesen Namen genannt hatte. Welch ein Zufall! Wir alle schmunzeln - die Welt ist klein (manchmal jedenfalls).


    Ich sehe keinen Grund, mich besonders zu beeilen, und koste diesen wunderschönen Sommertag hier oben noch lange aus. Erst am mittleren Nachmittag mache ich mich dann auf den Weg zurück nach Matrei. Jetzt im Tageslicht nehme ich auch gerne die Abkürzungen durch den Wald, anstatt die langen Serpentinen der Fahrstraße auszugehen, und so komme ich recht zügig wieder zurück ins Tal.



    Gerade senkt sich die Sonne im Westen, ich schaue noch einmal hinauf ins Virgental und lasse so diesen Tag - ja: meinen gesamten Osttirol-Urlaub 2022 - damit ausklingen. Es war absolut traumhaft gewesen.


    # 185 - Die Sonne senkt sich hinter dem Virgental, und ein traumhafter Sommerurlaub geht zu ...
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    Zuletzt geändert von OutofSaigon; 24.01.2023, 14:24.

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  • OutofSaigon
    antwortet
    Um fünf Uhr morgens knarzt eines der Betten im Lager wie bekloppt, und weil es da um diese Tages- bzw. Nachtzeit so ruhig ist, muß mindestens die Hälfte der Schlafenden aufgewacht sein, sollte man denken. Eine Person direkt am Fenster hat sich aufgesetzt, um nach draußen schauen zu können. So ein Störenfried! Diese Person bin ich selbst. - Was ich beim Blick aus dem Fenster sehe, gefällt mir sehr, und so entscheide ich mich, wieder einmal, für einen frühen Aufbruch. Beim Aufstehen kann ich es leider nicht vermeiden, daß dieses vermaledeite Bett knarzt wie ein Weltmeister, aber zu meiner gewissen Überraschung stelle ich fest, daß sich kaum jemand der Schlafenden daran stört. Nun ja, ich haue jetzt ab! Als ich an der Küchentür vorbei gehe, steht dort jemand mit plierigen Augen, noch halb verschlafen. Ansonsten ist aber niemand zu sehen. So werde ich nun die Meute der Wanderer hinter mir lassen und den Weg für mich allein haben - wie herrlich!


    Mein Plan ist, von der Lasörlinghütte zum Prägrater Törl aufzusteigen, nach Überschreiten desselben zur Lasnitzenhütte abzusteigen und von dort wieder nach Virgen zurück zu kehren; letzteres deswegen, weil wieder einmal Gewitter angesagt sind. Damit hätte ich mehr oder weniger die östliche Hälfte des Lasörlingweges begangen - die westliche Hälfte hatte ich ja schon vorher begangen, siehe oben.


    Kaum habe ich die Hütte verlassen und die ersten paar hundert Meter auf dem Pfad zurück gelegt, da sehe ich schon die Strahlen der Morgensonne auf der Ostflanke des Lasörling:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_13a_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 506,1 KB ID: 3176307 # 151 - Die Morgensonne beleuchtet die Ostflanke des Lasörling


    Zwanzig Minuten später erhebt sich die Sonne über dem kleinen Hügel rechts von mir und taucht meinen Pfad in ein wunderbares goldenes Licht:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_14_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 344,3 KB ID: 3176306 Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_15_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 706,3 KB ID: 3176308 Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_15a_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 685,0 KB ID: 3176309 # 152-154 - Sonnenaufgang auf meinem Pfad zum Prägrater Törl


    Schon zwei Minuten später bin ich allerdings schon wieder im Schatten eines anderen kleinen Hügels, aber auch das hat seinen Reiz, wie der Blick zurück zeigt:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_16_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 314,6 KB ID: 3176322 # 155 - Morgennebel über dem Pfad zum Prägrater Törl


    Ihr seht es selbst: der Pfad führt hauptsächlich über Steine, Hinterlassenschaften eines Gletschers, der sich hier einmal befunden hat. Über diese Steine hinweg sehe ich nun vor mir den Aufstieg zum Prägrater Törl:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_17_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 778,1 KB ID: 3176323 # 156 - Vor mir liegt das Prägrater Törl, zu dem ich nun hinauf will


    Der Aufstieg ist nur kurz, aber ziemlich steil:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_18_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 907,4 KB ID: 3176311 # 157 - Aufstieg zum Prägrater Törl


    Oben am Hang, gerade noch unterhalb des Törls selbst, schaue ich noch einmal zurück auf all die Steine, durch die ich mich soeben hindurch gewuselt habe, und auf das herrliche Panorama: die ganze östliche Hälfte der Lasörlinggruppe liegt vor mir. Ich mache mir nicht die Mühe, über den Namen jedes einzelnen Gipfels nachzudenken, aber ein Gipfel sticht deutlich heraus: der Große Zunig ganz im Osten der Lasörlinggruppe (von dem werde ich euch noch erzählen).

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_19_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 593,8 KB ID: 3176313 # 158 - Blick zurück in Richtung Lasörlinghütte und auf die östliche Hälfte der Lasörlinggruppe; ganz links oben ist in der Ferne der Große Zunig zu sehen


    Das letzte Stück hinauf zur Paßhöhe ist wirklich steil und wäre ohne das dort angebrachte Halteseil wohl nur sehr mühsam zu bezwingen. Es ist zwar nur ein kurzes Stück, aber dies ist eben eine Schlüsselstelle, die nicht umgangen werden kann, und damit wieder einmal so ein Fall, wo man sich überlegen muß, ob nicht diese ganze Route als "Schwerer Bergweg" (mit schwarzer Farbe, nach Tiroler Schema zur Klassifizierung von Bergwegen) eingestuft werden sollte. Dazu sehen die Verantwortlichen sich in ähnlichen Fällen ja oft gezwungen, auch wenn 95% der Route sehr viel leichter sind.

    Ich habe mit dieser kleinen Schwierigkeit zwar nicht gerechnet, aber lasse mich davon auch nicht abhalten und stehe wenige Schritte später in dieser scharfen Scharte, dem Prägrater Törl:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_20_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 713,1 KB ID: 3176310 # 159 - Detail auf dem Prägrater Törl


    Verblüfft sehe ich, daß das Gelände auf der anderen Seite dieses Törls ganz anders aussieht: sanft geneigte Hänge. Vor mir liegt nun ein weiter Ausblick von der Art, die Kamerad Stefan in Beitrag # 22 als "weitläufige Bergwildnis" bezeichnet hat. Der Eindruck von Wildnis mag stark eingeschränkt sein, wenn hier am späteren Tag erst einmal Kolonnen von Wanderern hindurch traben, aber da ich infolge meines sehr frühen Aufbruchs jenen Kolonnen um bestimmt zwei Stunden voraus bin, habe ich diese herrliche "Bergwildnis" im Moment noch ganz für mich allein.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_21_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 664,6 KB ID: 3176312 # 160 - Einsame Berwgildnis nach Überschreiten des Prägrater Törls

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_22_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 299,3 KB ID: 3176315 # 161 - Blick zurück auf den Lasörling

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_23_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 574,7 KB ID: 3176314 # 162 - Auch in dieser Wildnis wachsen noch schöne Blumen


    Anschließend folgt ein langer Abstieg, genauer gesagt: ein laaanger Abstieg. Zunächst geht es über Steine, dann immer mehr über Gras bzw. DURCH Gras. Dieser Pfad ist eben nicht Teil der üblicherweise begangenen Trasse des Lasörling-Höhenweges, sondern so etwas wie ein Nebenweg, der wenig benutzt wird und dementsprechend stellenweise ziemlich überwuchert ist.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_25_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 848,3 KB ID: 3176317 # 163 - Langer steiniger Abstieg nach Überschreiten des Prägrater Törls


    Schlußendlich komme ich dann auf den Weg hinab zur Lasnitzenhütte und sehe natürlich auch die von links kommende Einmündung des Pfades, den ich kürzlich bei meiner Wanderung von der Neuen Reichenberger Hütte zur Lasnitzenhütte benutzt hatte

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_26_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 659,7 KB ID: 3176316 # 164 - Der schon bekannte Weg hinunter zur Lasnitzenhütte


    Auf der Hütte angekommen, werde ich vom Wirt freundlich begrüßt: "Du warst doch schon einmal hier, gerade erst kürzlich, oder nicht?". - Wir freuen uns beide über das Wiedersehen, und er bezeichnet mich lachend als "Wiederholungstäter". Meine Mittagspause hier ist wiederum zu beiderseitigem Wohlgefallen, aber als ich bei der Bitte um die Rechnung besorgt frage, ob Wiederholungstäter schwerer bestraft werden als Ersttäter, beruhigt er mich: das mache in diesem Falle keinen Unterschied. Er ist eben ein sehr netter und humorvoller Kerl; von der Sorte sollte es mehr geben.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_28_1200_pix.jpg Ansichten: 0 Größe: 605,0 KB ID: 3176320 # 165 - Mittagspause auf der Lasnitzenhütte, und der freundliche Wirt


    Ich fühle mich zwar sehr wohl hier, sehe aber dennoch, daß immer mehr Wolken aufziehen und die Wettervorhersage "Gewitter" wahrscheinlich eintreffen wird. "Wenn es blitzt und kracht, will ich nicht oben auf irgend so einem Törl sein", sage ich zum Wirt, und der antwortet: "Sehr vernünftig!". So muß ich mich denn leider verabschieden und ziehe in Richtung Prägraten davon.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_30_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 520,2 KB ID: 3176318 # 166 - Blick zurück über die Lasnitzenhütte. Den Hang von rechts herunter bin ich neulich gekommen, und heute bin ich von links oben in diesem Bild abgestiegen


    Der Rest ist unspektakulär: auf der Fahrstraße trabe ich talabwärts und schaue dabei mit hochgezogenen Augenbrauen auf die immer dichter werdenden Gewitterwolken:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_31_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 601,2 KB ID: 3176321 # 167 - Abstieg unter Gewitterwolken


    Als ich dann unten im Tal bin, gewittert es tatsächlich, richtig ordentlich sogar, und als ich schließlich im Abendlicht auf die Berge schaue, komme ich zufrieden zu dem Schluß, daß ich auch aus diesem Tag wieder das Beste gemacht habe.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_32_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 378,7 KB ID: 3176319 # 168 - Regenbogen im Virgental und Blick auf den Großen Zunig​, das Ziel meines folgenden Ausflugs.
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    Fortsetzung folgt
    Zuletzt geändert von OutofSaigon; 12.01.2023, 06:03.

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  • OutofSaigon
    antwortet
    Selbst wenn es möglich ist, fährt der Purist nicht mit dem Taxi auf den Berg - punktum! Etliche Beschreibungen des Lasörling-Höhenweges legen nahe, man solle sich mit dem Hüttentaxi von Virgen zur Wetterkreuzhütte bringen lassen und dann gemütlich auf der Fahrstraße zur Zupalseehütte hinüber spazieren. Natürlich kann man das so machen, aber für mich ist das nichts: ich bin Purist, ich gehe zu Fuß, und dies möglichst gerade eben NICHT auf Straßen.


    Um sieben Uhr morgens verlasse ich Virgen und mache mich auf den Weg zur Zupalseehütte über die Würfelehütte. Das Blöde an dieser Route ist, daß man auf der Strecke von der Ortsmitte zum Iselbach erst einmal rund einhundert Höhenmeter verliert. Weil man die Isel aber irgendwie überqueren muß, führt daran eben kein Weg vorbei, und man darf auf der anderen Seite des Baches die soeben verlorenen Höhenmeter gleich wieder erklimmen. - Um zur Würfelehütte zu gelangen, gibt es drei Optionen: die Fahrstraße ohne jede Aussicht, einen Fußweg durch den Wald, ebenfalls ohne jede Aussicht, und letztlich die Trasse der Winterrodelbahn, die im Sommer als Fußweg genutzt werden kann und immer wieder schöne Ausblicke bietet. Na, wenn das so ist, entscheide ich mich doch selbstredend für die dritte Option. - Wunderbar z.B. der Ausblick zurück auf die frischen grünen Wiesen des Virgentals im frühen Morgenlicht!

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_01b_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 742,3 KB ID: 3174855 # 138 - Blick ins Virgental beim Aufstieg zur Würfelehütte; in Bildmitte der Virgener Ortsteil Obermauern (vgl. Foto # 58)


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_02a_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,10 MB ID: 3174867 # 139 - Ohne Worte


    Der Aufstieg zur Würfelehütte dauert nicht einmal eine Stunde, wenn man nicht total fußlahm ist. Das ist natürlich viel zu früh für eine größere Rast, und so passiere ich diese Hütte nur. Ohnehin sind sie dort gar nicht darauf eingestellt, bereits zu so früher Stunde Gäste zu bewirten. Für Mittag- oder Abendessen hingegen ist die Würfelehütte durchaus beliebt; wegen des kurzen Anmarschweges dient sie eigentlich hauptsächlich als Ausflugsgaststätte.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_04_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 979,9 KB ID: 3174857 Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_05_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 545,6 KB ID: 3174856 # 140 und 141 - Die Würfelehütte


    Der Weiterweg von hier zur Zupalseehütte ist irgendwie nicht sehr fotogen: lange Zeit ist es eine langweilige Fahrstraße durch den Wald, anschließend ein Fußpfad durch Wald- und Wiesengelände, sicherlich ganz nett, aber eben ohne Besonderheiten. - Ich erreiche die Zupalseehütte noch vor elf Uhr, habe also weniger lange gebraucht als die Wegbeschreibungen angeben (vier Stunden ab Virgen).

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_06_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 594,1 KB ID: 3174859 # 142 - Die Zupalseehütte


    Für einen anderen Kameraden, der uns 2011 auf diesem Forum vom Lasörling-Höhenweg erzählt hat, war diese Hütte schon das Etappenziel des Tages, aber ich mache hier nur eine Kaffeepause (der Kaffee war von sehr mäßiger Qualität, daran erinnere ich mich jetzt noch). Es ist sehr erbaulich und erholsam, in der Vormittagssonne hier zu sitzen - das finde nicht nur ich.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_07_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 472,7 KB ID: 3174864 # 143 - Vormittagsgäste auf der Zupalseehütte; diese tibetanischen Gebetsflaggen sind inzwischen so oft in den Alpen zu sehen, daß ich ihrer bald überdrüssig werde


    Nun gehe ich weiter; denn ich will auf der Merschenalm zur Mittagspause einkehren. Der Weg ist leicht und schön; er führt durch bzw. über die "weiten Matten", von denen eingangs die Rede war.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_08_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 615,7 KB ID: 3174858 # 144 - Weite Matten in der Umgebung der Zupalseehütte


    Auch dieser Teil der Route ist ganz nett, aber nicht umwerfend fotogen, und so habe ich gar keine Fotos davon gemacht. Ich mag eine gute Stunde so gegangen sein, dann zweige ich vorübergehend vom eigentlichen Lasörling-Höhenweg ab und erreiche nach einem kurzen Abstieg die Merschenalm. Das ist also nicht primär eine Berghütte, sondern primär eine Alm. Übernachten kann man dort nicht, aber eine leckere Käseplatte zum Mittagessen servieren sie mir gerne, und nach rund fünf Stunden Fußmarsch (von Virgen an gerechnet) verspeise ich dieselbe auch durchaus mit Appetit und ohne besondere Eile. Ein Radler gibt es ebenfalls dazu. Anschließend - so etwa um halb drei Uhr - marschiere ich weiter. Zunächst kommt - nicht zu vermeiden - ein kurzer Aufstieg zurück zum eigentlichen Lasörling-Höhenweg, dann geht es wieder auf demselben dahin, wobei ich mich immer mehr dem Lasörling nähere.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_09_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 715,1 KB ID: 3174861 # 145 - Der Lasörling-Höhenweg, und der Blick auf den Lasörling (3098m)


    Es ist weiterhin ein leichter Weg, ohne große Steigungen und ohne große Steine oder so, von Gefahren ganz zu schweigen. So sehe ich denn auch etliche Familien mit Kindern hier.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_09a_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 642,8 KB ID: 3174860 # 146 - In diesem Abschnitt ist der Lasörling-Höhenweg sehr leicht


    Eine gute Stunde nach dem Verlassen der Merschenalm öffnet sich dann auf einmal der Ausblick auf die Lasörlinghütte mit dem Lasörling im Hintergrund. DAS ist nun wiederum fotogen, finde ich und reagiere entsprechend.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_10a_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 888,8 KB ID: 3174863 # 147 Blick auf die Lasörlinghütte mit dem Lasörling im Hintergrund


    Die Lasörlinghütte hat drei Besonderheiten, die sich mir nach und nach erschließen. Die erste fällt einem sofort ins Auge: die Hütte hat nicht die übliche einfallslose Architektur mit Quaderform und Satteldach; vielmehr hat sie einen achteckigen Grundriß, und das Dach hat daher eine Form, die irgendwie an ein Zelt erinnert.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_11a_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 471,5 KB ID: 3174862 # 148 - Die Lasörlinghütte mit ihrem achteckigen Grundriß; im Vordergrund das knallrote Zelt, von dem ich bereits oben sprach


    Die zweite Besonderheit bemerke ich bei der Anmeldung: die Hüttenwirtin (sie ist übrigens super-nett) spricht weder österreichischen noch bayerischen Dialekt; vielmehr hat sie einen ganz deutlichen fränkischen (soll heißen: "frängischen") Zungenschlag. Sie stammt aus Lauf an der Pegnitz, also der Umgebung von Nürnberg - welche Überraschung!


    Dann genieße ich erst einmal das entspannte Spätnachmittags-Ambiente rund um die Hütte, deren Vorderfront mich irgendwie an ein menschliches Gesicht erinnert: mit Augen, Nase und Mund. Wie ihr seht, ist diese Hütte durchaus stark frequentiert.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_11b_1200_pixel.jpg Ansichten: 0 Größe: 415,2 KB ID: 3174865 # 149 - Spätnachmittags-Ambiente vor der Lasörlinghütte


    Nach dem Abendessen - die meisten Gäste haben sich wegen der Kühle in den Innenraum verzogen - streife ich noch ein wenig draußen herum; denn diese schöne Abendstimmung will ich doch nicht versäumen:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 G Gnilroesal_12x_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 264,9 KB ID: 3174866 # 150 - Abendstimmung an der Lasörlinghütte


    Als ich mich dann schließlich ins Lager begebe, bemerke ich die dritte Besonderheit dieser Hütte: die hölzernen Betten knarzen wie verrückt, so etwas habe ich noch nie erlebt. Die kleinste Bewegung auf der Matratze, und das Ding knarzt durch den ganzen Schlafsaal. - Amüsiert erinnere ich mich an meine Besichtigung des Kaiserpalastes von Kyoto in Japan: dort ist der Fußboden im Bereich um das Schlafzimmer des Kaisers so konstruiert, daß die Dielen unweigerlich lautstark knarzen, wenn jemand darüber läuft. Das wurde natürlich mit Absicht so gebaut: niemand sollte - womöglich "den Dolch im Gewande" - in der Lage sein, sich dem Schlafzimmer des Kaisers unbemerkt zu nähern; die Wachen würden es unweigerlich mitbekommen, selbst wenn sie versehentlich eingenickt waren. - Ob nun die Betten im Lager der Lasörlinghütte womöglich ebenfalls mit Absicht so gebaut wurden, daß sich niemand unbemerkt der neben ihm liegenden Person nähern kann, das überlasse ich nun euerer schlüpfrigen Fantasie...
    .
    .
    Fortsetzung folgt​
    Zuletzt geändert von OutofSaigon; 06.01.2023, 15:36.

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  • OutofSaigon
    antwortet
    Zitat von Flachlandtiroler Beitrag anzeigen
    ... Die Gösleswand ist (war) als Mineralienberg weithin bekannt. Womöglich lag der Reichtum zu Deinen Füßen...
    Vielen Dank für deine interessante Ergänzung! Das war mir nicht bekannt. Allerdings fällt selbst dem Nicht-Mineralogen auf, daß es eine derartige Steilwand kein zweites Mal im Virgental gibt; es muß also irgendeine geologische Besonderheit dahinter stecken.

    Ich habe mich von dieser Wand wohlweislich fern gehalten. Daß ein gewisser Reichtum zu meinen Füßen gelegen haben mag, kann ja wohl sein, aber wenn ich nachher selbst zerschmettert zu Füßen des Reichtums liege, habe ich auch nichts mehr davon ...

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  • Schwindelfrei
    antwortet
    Prima, daß es nun - nach Fußball- und Weihnachtsrummel - weiter geht mit diesem wunderbaren Bericht, für den ich dir herzlich danke! Ich freue mich auf das, was hier noch kommen wird, und fühle mich ermuntert, meinen eigenen Bericht ("Käse-Loch-Käse...") doch noch fertig zu schreiben.

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  • StefanBoe
    antwortet
    Es ist eine Freude, viele bekannte Wege rund ums Virgental dank deines liebevollen Berichtes und der tollen Bilder noch einmal zu gehen. Und ebenso viele noch unbekannte Wege kennenzulernen. Beide Seiten des Tales, die Lasörling- und die Venedigerseite, bieten eine Fülle an Hochtälern, Höhewegen und Gipfeltouren.

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  • Flachlandtiroler
    antwortet
    Zitat von OutofSaigon Beitrag anzeigen
    und ich stehe schon auf dem Gipfel der Gösleswand.
    [...]
    Auf dem Gipfel gibt es nicht viel zu tun (außer Aufpassen, daß man nicht über die Nordwestwand abstürzt), und die Aussicht ist eigentlich auch nicht viel besser als von dem viel leichter erreichbaren Bachlenkenkopf. Die Besteigung der Gösleswand ist also mehr so etwas wie eine Fitnessübung, aber auch so etwas ist ja nützlich.
    Du hättest Deine Augen halt mal auf den Boden resp. den Fels richten sollen statt zum Horizont: Die Gösleswand ist (war) als Mineralienberg weithin bekannt. Womöglich lag der Reichtum zu Deinen Füßen...

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  • OutofSaigon
    antwortet
    "Kleinvieh macht auch Mist" lautet das Sprichwort, und selbst ein Tagesausflug kann eine Lücke füllen. Die Lücke ist in diesem Falle der Bereich um die Bergerseehütte. Viele Beschreibungen des Lasörling-Höhenweges führen das Wandervolk auch hier hin, obwohl dies eigentlich ein Umweg ist. Ich besuchte die Bergerseehütte im Rahmen eines Tagesausflugs, der mich anschließend über die Berger Alm zurück nach Virgen führte. Kommt mit!



    Von Prägraten aus steige ich zur Bergerseehütte auf. Ein kurzes Stück geht es eine Fahrstraße hinauf (nicht fotogen), danach einen langen Fußweg durch den Wald (auch nicht fotogen), und zuletzt einen Fußweg durch das Wiesengelände (ebenfalls nicht fotogen). So erreiche ich denn nach etwa 2:30 Stunden die Bergerseehütte. Diese bzw. ihre Lage ist allerdings durchaus fotogen:

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Name: 2022 H Bergersee 01_1200.jpg
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ID: 3174225 # 132 Die Bergerseehütte am Bergersee

    Hier trinke ich erst einmal einen Morgenkaffee, finde aber sowohl den Kaffee als auch den unfreundlichen Wirt so wenig einladend, daß ich beschließe, mich heute mittag lieber nur mit Trockenobst zu verköstigen als hier zum Essen einzukehren.


    Man könnte von hier aus zur Lasörlinghütte aufsteigen; weil ich meinen Besuch hier aber nur als Tagesausflug konzipiert habe, gehe ich nur ein kleines Stück den Hang hinauf, um einen besseren Ausblick auf den See und seine Umgebung zu haben. Hier seht ihr ihn:

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Name: 2022 H Bergersee 02_1200.jpg
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ID: 3174224 # 133 Der Bergersee mit der Venedigergruppe im Hintergrund; in Bildmitte das Tal, in dem die Eisseehütte liegt


    Nach dem Wiederabstieg zur Bergerseehütte folge ich dann dem netten kleinen Waldweg zur Bergeralm:

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Name: 2022 H Bergersee 03_1200.jpg
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ID: 3174227 # 134 Waldweg in Richtung zur Bergeralm


    Dann aber kommt eine sehr angenehme Überraschung: um das sogenannte "Wetterkreuz" herum liegt ein Wiesengelände mit einer wunderbaren Aussicht auf die Venedigergruppe:

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Name: 2022 H Bergersee 04_1200.jpg
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ID: 3174229 # 135 Wunderbare Aussicht auf die Venedigergruppe vom sogenannten "Wetterkreuz"

    "Do legst di´ nieder", nein: da setze ich mich nieder und genieße dieses fantastische Panorama, bestimmt eine Viertelstunde lang.


    Der Weiterweg in Richtung zur Bergeralm ist ebenso schön und leicht. Kurz vor der Bergeralm begegnet mir eine neunköpfige Gruppe, mit der ich ein wenig ins Plaudern komme. Es sind Dänen, die auf der Bergerseehütte übernachten wollen, und ich stimme sie ein auf das, was sie nun erwartet: die fantastische Aussicht vom Wetterkreuz und die weit weniger fantastische Bedienung auf der Bergerseehütte.


    Wenig später erreiche ich die Bergeralm, wo ich mir eine Jause erhoffe (das Mittagessen hatte ich ja ausgelassen). Eine Jause haben sie dort leider nicht - es ist ja auch eine Alm und kein Gasthaus -, nur ein Radler. Dafür haben sie aber auch hier eine herrliche Aussicht: ins untere Virgental, über den Ort Virgen selbst, und bis hinunter nach Matrei:

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Name: 2022 H Bergersee 05_1200.jpg
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ID: 3174228 # 136 Herrliche Aussicht von der Bergeralm ins untere Virgental


    Eines der Gebäude sticht mir ganz besonders ins Auge: ganz aus Holz gebaut, zeigt es eigentlich keine äußerlich sichtbaren Merkmale von Modernität. Fast könnte man meinen, hier müßte doch jeden Moment Peter Rosegger (ihr wißt schon: der "Kleine Waldbauernbub" aus dem Mürztal in der Steiermark) die Treppe herunter kommen, wäre da nur nicht rechts unten die Stütze der Seilbahn...

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ID: 3174226 # 137 Holzhaus auf der Bergeralm


    Leider geht dieser bisher so herrliche Wandertag dann doch etwas bescheuert zu Ende: nicht weit unterhalb der Bergeralm stoße ich auf die Asphaltstraße und sehe eigentlich keine vernünftige Alternative, wieder nach Virgen zurück zu kommen, als nun kilometerlang auf dieser Asphaltstraße entlang zu latschen - äußerst langweilig. Das einzige Highlight des Rückwegs ist die köstliche Hauspizza (sehr empfehlenswert!) nebst einem Viertel Rotwein in einem Gasthof unten im Iseltal.
    .
    Fortsetzung folgt


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  • OutofSaigon
    antwortet
    Ein letztes Mal noch steige ich an der Endhaltestelle Ströden aus dem Postbus, das allerdings zu ungewohnter Stunde: zur Mittagszeit. - Am Vormittag hatte ich noch etwas ganz Wichtiges erledigt, nämlich einen alten Freund getroffen, der auf der Durchreise vom Ruhrpott nach Albanien gerade durch den Felbertauerntunnel gefahren war und sich daher kurz in Osttirol aufhielt. Den mußte ich einfach wieder sehen, und wir genossen gemeinsam Kaffee und Kuchen, bis es dann für uns beide Zeit war, wieder aufzubrechen.

    Keine halbe Wanderstunde von der Endhaltestelle Ströden entfernt liegt die Islitzer Alm, und hier gönne ich mir rasch eine herrliche Tiroler Knödelsuppe. Dann breche ich auf in Richtung Neue Reichenberger Hütte. Wäre ich früher dran gewesen, hätte ich mit Sicherheit den längeren, also westlichen, Weg durch das Dabertal gewählt (auf dieser Route kennt unser Kamerad StefanBoe sich wohl aus), aber dafür habe ich heute eben keine Zeit mehr und wandere stattdessen durch das Großbachtal, also auf der kürzesten Route zur Hütte.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_51_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 668,4 KB ID: 3167228 # 113 Blick zurück auf die Islitzer Alm


    Der erste Teil des weiteren Aufstiegs ist effektiv, aber nicht attraktiv: eine gewalzte Forststraße windet sich in engen, steilen Serpentinen durch den Wald den Hang hinauf. So gewinne ich zwar schnell an Höhe, aber ein schönes Foto davon kann ich leider nicht bieten. Oberhalb der Baumgrenze beginnt dann ein Wanderweg, der bis zur Großbachalm eine Alternative zur Fahrstraße bildet und mehr oder weniger parallel dazu verläuft. Nach jener Alm gibt es dann nur noch den Wanderweg. Er führt - nett aber unspektakulär - über die Almwiesen, zunächst mit sehr geringem Gefälle. Erst dort, wo der Hang immer steiler in Richtung zur Paßhöhe "Bachlenke" ansteigt, gewinnt auch der Weg schneller an Höhe.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_52_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 750,6 KB ID: 3167229 # 114 Der Wiesenweg im obersten Teil des Großbachtals;
    im Hintergrund die Paßhöhe "Bachlenke"



    Kurz unterhalb der Bachlenke liegt noch einmal ein Minisee:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_53_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 567,2 KB ID: 3167232 # 115 Minisee kurz unterhalb der Bachlenke


    Ein Wanderer begegnet mir und sagt beruhigend zu mir: "Du bist schon fast da", und nach wenigen weiteren Schritten stehe ich dann tatsächlich auf der Paßhöhe "Bachlenke" - laut Schild 2612m hoch - und schaue noch einmal zurück ins Großbachtal und auf das Venedigermassiv dahinter:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_55_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 622,3 KB ID: 3167234 # 116 Die Paßhöhe ist erreicht; der Großvenediger ist genau unter der kleinen Kumuluswolke


    Die Neue Reichenberger Hütte ist nun nur noch 300m entfernt. Sie liegt fotogen nahe einem kleinen See, dessen niedriger Wasserspiegel der Trockenheit des Jahres 2022 geschuldet ist.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_57_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 609,2 KB ID: 3167230 # 117 Ankunft an der Neuen Reichenberger Hütte


    "Alle Hütten haben einen Hüttenweg, aber die Neue Reichenberger Hütte hat gleich vier davon" lese ich im Internet, und in der Tat ist dies ein richtiger Verkehrsknotenpunkt, wie aus dieser Wegweiserbatterie ersichtlich wird:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_58_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 441,9 KB ID: 3167233 # 118 Die Neue Reichenberger Hütte ist ein Verkehrsknotenpunkt
    (im Hintergrund der Bachlenkenkopf)



    Auf der Hütte dann mehr oder weniger "das Übliche". Auffallend sind lediglich die Griesgrämigkeit des Hüttenwirts sowie der Zustand der Hüttenschuhe. Wenn ihr mich fragt, dann gehören diese sogenannten "Hüttenschuhe" allesamt auf den Müll, zerfetzt wie sie sind. Weder vom Abendessen noch vom Nachtlager ist mir etwas Besonderes in Erinnerung; ich werde wohl - in freudiger Erwartung des kommenden Morgens - früh schlafen gegangen sein.


    Als ich aber am kommenden Morgen auf die Uhr schaue, bin ich verdutzt: wieso ist es um sechs Uhr immer noch so dunkel? Die Erklärung: der ganze Bereich um die Hütte liegt im Nebel, und an eine schöne Morgenwanderung ist leider nicht zu denken. Mist! So schlage ich erst einmal die Zeit tot mit der Einnahme des Hüttenfrühstücks. Da habe ich schon Besseres gegessen. Ein mildernder Umstand ist allerdings, daß diese Hütte nur per Hubschrauber versorgt werden kann, und da sollte man eben keine Wunderdinge erwarten.

    Erst gegen neun Uhr hebt sich der Nebel, und ich sehe den Bachlenkenkopf westlich der Hütte sowie die Gösleswand und die Finsterkarspitze östlich davon.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_61_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 281,0 KB ID: 3167235 # 119 Der Morgennebel hat sich aufgelöst, und ich sehe die Gösleswand (links) sowie die Finsterkarspitze (rechts)


    Von einem Versuch, die Finsterkarspitze (3029m) zu besteigen, hat der Wirt mir abgeraten ("weglos und nur sehr selten begangen, daher riskant für einen älteren Herrn im Alleingang"). Der Bachlenkenkopf (2759m) und die Gösleswand (2912m) seien aber problemlos, meint er. Letzteres wundert mich etwas, denn die Gösleswand sieht aus diesem Blickwinkel nicht gerade kinderleicht aus, aber wie der Österreicher sagt: "Schau ´mer mal!"


    Der Weg auf den Bachlenkenkopf ist in der Tat ein Kinderspiel, ein Weg wie im deutschen Mittelgebirge, gerade einmal gut zum Aufwärmen am Morgen. Nach einer halben Stunde bin ich auch schon oben und schaue hinüber zum Großvenediger und zum Wallhorntörl, wo ich mit meinem Sohn gewesen war (siehe hier )

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_62annot_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 591,4 KB ID: 3167231 # 120 Blick vom Bachlenkenkopf (2759m) in die Venedigergruppe


    Östlich des Bachlenkenkopfes, auf der anderen Seite der Bachlenke, über die ich gestern nachmittag gekommen bin, liegt die Gösleswand. Aus diesem Blickwinkel sieht sie noch unbezwingbarer aus als von der Hütte. Über diese Wand möchte ich nicht hinunter kugeln.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_64_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 474,0 KB ID: 3167236 # 121 Die Gösleswand, dahinter in der Ferne der Großglockner


    Aber es wird ja alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird, und ich werde mir die Aufstiegsroute zur Gösleswand einmal aus der Nähe anschauen. Ich steige also gemütlich wieder ab zur Bachlenke und gehe von dort weiter nach Osten bis zur nächsten kleinen Paßhöhe, der "Roten Lenke". Warum die so heißt, wird mir klar, als ich dort ankomme: in einem kleinen Bereich rund um jene Paßhöhe steht ein rötliches Gestein an. Dieses verwittert auch sehr leicht, viel leichter als die umgebenden Gesteine, und so ist der Bereich um jene Paßhöhe herum von rötlichem Lehm bedeckt. Von der Roten Lenke führt ein Wanderweg den Südosthang der Gösleswand hinauf, und ich bin selbst überrascht, wie leicht dieser Weg ist: T2, keine Frage. Der Hüttenwirt hatte recht (natürlich): problemlos. So ist, ab der Bachlenke gerechnet, kaum mehr als eine Stunde vergangen, und ich stehe schon auf dem Gipfel der Gösleswand.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_65_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 680,1 KB ID: 3167239 # 122 Auf dem Gipfel der Gösleswand (2912m)

    Auf dem Gipfel gibt es nicht viel zu tun (außer Aufpassen, daß man nicht über die Nordwestwand abstürzt), und die Aussicht ist eigentlich auch nicht viel besser als von dem viel leichter erreichbaren Bachlenkenkopf. Die Besteigung der Gösleswand ist also mehr so etwas wie eine Fitnessübung, aber auch so etwas ist ja nützlich.


    In Ermangelung anderer Möglichkeiten, mich auszutoben, steige ich denn wieder zur Hütte ab, verbringe den Nachmittag mit Herumsitzen und Radler-Trinken und schaue zu, wie die sinkende Sonne die Gösleswand beleuchtet:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_67_1200_label.jpg Ansichten: 0 Größe: 451,1 KB ID: 3167246 # 123 Die Gösleswand im Abendlicht, von der Neuen Reichenberger Hütte aus gesehen


    Auch am nächsten Morgen ist es um die Hütte herum wieder sehr neblig, und so frühstücke ich erst einmal dort. Die meisten anderen Wanderer tun das ebenso. Bei der Bezahlung der Rechnung stelle ich fest, daß der Wirt ausnahmsweise einmal ein freundliches Gesicht macht, und er bestätigt auch in Selbstironie, daß der Moment des Kassierens der einzige Moment am Tag sei, an dem er lächelt.


    Erst nach acht Uhr, für meine Begriffe also ziemlich spät, breche ich auf in Richtung zur Lasnitzenhütte. Die Route führt wiederum zur Roten Lenke hinauf, und dieser Weg ist mir nun vertraut; gehe ich ihn denn nun schon zum dritten Mal innerhalb von 24 Stunden. Ich überquere die Rote Lenke und steige ab ins Kleinbachtal; dies allerdings nicht in der Absicht, durch dieses Tal weiter abzusteigen nach Prägraten; vielmehr muß ich diesen Talschluß nur queren, um zur Micheltalscharte zu gelangen.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_68_1200_label.jpg Ansichten: 0 Größe: 530,8 KB ID: 3167245 # 124 Nach Überschreiten der Roten Lenke quere ich den obersten Teil des Kleinbachtals auf dem Weg zur Micheltalscharte

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_69_1200_label.jpg Ansichten: 0 Größe: 489,8 KB ID: 3167238 # 125 Letzter Blick zurück zur Gösleswand; der Aufstieg von Südosten her ist leicht (T2), aber ein Sturz über die Nordwestwand wäre wohl tödlich


    Der Weiterweg über die Micheltalscharte zur Lasnitzenhütte ist eine schöne Bergwanderung, aber auch nicht außergewöhnlich fotogen. Natürlich habe ich dokumentarische Fotos davon, aber weil ich euch nicht mit mittelprächtigen Fotos langweilen will, beschränke ich mich hier auf knappe Worte. Wir steigen ohne Probleme zur Micheltalscharte hinauf und ebenso problemlos auf der anderen Seite wieder ab ins Tal. "Wir", das sind in diesem Falle ich selbst und eine Gruppe junger Leute aus Belgien. Mit Genugtuung stelle ich fest, daß die auch nicht fitter sind als ich selbst, und so bilden wir für circa zwei Stunden eine nette Wandergemeinschaft, bei der niemand über- oder unterfordert ist.


    Im Tal angekommen, sagen die jungen Leute, sie wollten jetzt über den eigentlichen Lasörling-Höhenweg zur Bergerseehütte gehen, um dort zu übernachten. Ich selbst hingegen plane, heute zurück ins Tal abzusteigen; denn es ist wieder einmal trübes Wetter angesagt. So trennen sich hier eben unsere Wege. Mein Abstieg in Richtung Lasnitzenhütte ist ein leichter und gemütlicher Weg mit schöner Aussicht über das Virgental hinweg zur Venedigergruppe:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_70_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 585,6 KB ID: 3167243 # 126 Abstieg zur Lasnitzenhütte, den Großvenediger immer im Blick

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_71_900.jpg Ansichten: 0 Größe: 213,0 KB ID: 3167237 # 127 Ohne Worte

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_72_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 789,4 KB ID: 3167240 # 128 Weiterer Abstieg zur Lasnitzenhütte


    Gegen Mittag treffe ich dann an der Lasnitzenhütte ein. Sie ist ein wirklich schöner und einladender Platz für eine längere Rast - sehr empfehlenswert. Noch ist es sonnig und warm, so daß die Gäste bevorzugt im Schatten sitzen, wie ihr hier seht:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F Gnilroesal_74_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 600,2 KB ID: 3167241
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_75_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 613,2 KB ID: 3167242 # 129 und 130 Die Lasnitzenhütte, überragt vom Großvenediger


    Auch ich lasse mir hier ein Mittagessen geben: Kalbsbraten mit Klößen. Diese Hütte bietet eine richtig gute Küche; kein Wunder - ist sie doch dank Straßenanbindung leicht mit allem (einschl. frischem Fleisch) zu versorgen. So mache ich hier eine ausgiebige Pause und genieße das Ambiente.

    Dennoch lüge ich mir nichts in die Tasche: ich habe noch rund zwei Stunden weiteren Abstiegs vor mir, um in Prägraten den Bus zu erreichen, und so mache ich mich denn wohl besser auf den Weg, BEVOR es anfängt zu regnen.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 F gnilroesaL_76_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,12 MB ID: 3167244 # 131 Beim Abstieg von der Lasnitzenhütte nach Prägraten hat der Himmel sich bereits eingetrübt


    Es klappt auch alles ziemlich so, wie ich es geplant bzw. kommen sehen hatte: ich erreiche meinen Bus ohne Hetzerei, und tatsächlich fängt es wenig später an zu regnen. So war "gnilrösaL" wirklich ein schönes Erlebnis.
    .
    Fortsetzung folgt
    (allerdings vielleicht besser erst,
    nachdem der Fußball-Rummel und
    der Weihnachts-Rummel vorbei sind)​​
    Zuletzt geändert von OutofSaigon; 27.11.2022, 01:52.

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  • OutofSaigon
    antwortet
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Name: Spacer2.jpg
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ID: 3167418

    4 - gnilrösaL mit Schlagobers

    "Wilde Berge, schmale Grate, weite Matten, klare Seen" - solcher Beschreibung eines Wanderweges kann ich nicht widerstehen, und so kam der Lasörling-Höhenweg auf die Agenda meines Osttirol-Urlaubs 2022. Dabei machte ich diese mehrtägige Tour allerdings nicht in einem Zug, sondern abschnittsweise, und auch das nicht durchgehend in der üblicherweise beschriebenen Richtung von Ost nach West. Stattdessen wanderte ich durch den westlichen Teil dieses Höhenweges in umgekehrter Richtung: von West nach Ost. So wird aus "Lasörling" dann eben "gnilrösaL"

    Den östlichen Teil hingegen durchwanderte ich in der "üblichen" Richtung. Obendrein fügte ich meinen Wanderungen durch die Lasörling-Gruppe noch ein ganz besonderes Highlight hinzu, das "Schlagobers" sozusagen, und jenes wird dann den Schlußpunkt meines Berichts hier bilden. - Nun aber der Reihe nach:​
    Zuletzt geändert von OutofSaigon; 23.11.2022, 06:47.

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  • OutofSaigon
    antwortet
    Es freut mich sehr, wenn euch mein Bericht gefällt. Ich schreibe den ja nicht für mich selbst (dazu bräuchte ich kein solches Forum).

    @Bergahorn: es mag für die Leserschaft interessant sein, deine eigenen Fotos zu sehen und von deinen eigenen Erlebnissen zu lesen. Nach eigenem Gutdünken kannst du entweder einen separaten Bericht verfassen oder Ergänzungen zu diesem meinem Bericht anbringen - ich hätte mit letzterem kein Problem und hoffe, die Moderatoren sehen das ebenso gelassen (bin aber nicht sicher).


    Das Böse Weibl mag leicht zu besteigen sein. Dasselbe habe ich auch vom Hohen Prijakt gehört (ebenfalls ein Dreitausender). Letzterer hat den Vorteil, nahe einer Hütte gelegen zu sein (Hochschoberhütte); und von dort sind es wohl nur so etwas wie drei Stunden hinauf und zwei Stunden wieder hinunter. Das hätte ich wohl sehr gerne gemacht, aber das Wetter hat ja nicht gepaßt (siehe oben)


    Übrigens: warum gibt es mehrere Berge, die "Böses Weibl" oder ähnlich heißen? Das kann doch nicht nur Zufall sein...

    Ein männliches Pendant dazu kenne ich nicht; allemal könnte man auf einen Berg in den Niederen Tauern verweisen: das "Mosermandl"

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  • Sternenstaub
    antwortet
    auch von mir ein herzliches Danke. War fast zwei Wochen zur Pflege meiner ältesten Schwester im Ruhrgebiet und hatte nicht wirklich Internetzugang. Umso schöner, jetzt den Rest deines Berichte zu lesen, du bringst einem das Gebiet echt näher.
    Grüße (endlich wieder) aus Berlin

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  • Bergahorn
    antwortet
    Danke für diesen tollen Bericht! Es ist besonders schön, wenn man über bekannte Gegenden liest und dann noch so grandiose Bilder präsentiert bekommt! Da kamen Erinnerungen hoch, auch wenn ich nicht immer genau die gleichen Wege wie du gegangen bin. Für Schobergruppen-Anwärter: Das Böse Weibl ist ein leichter Dreitausender und durchaus lohnend. Der Hochschober blieb mir wetterbedingt leider auch verwehrt. Trotzdem eine wunderbare Ecke!

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  • Brichdirnix
    antwortet
    Ich hatte bisher keine konkrete Planung für die Schobergruppe oder sonst ein Ziel in jener Gegend, aber dieser tolle Bericht weckt mein Interesse. Sehr gut, sehr gut! In Gedanken wandere ich mit (und anscheinend soll es noch weiter gehen - darauf bin ich schon gespannt). Man kann dort wohl viel Schönes sehen, ohne sich kaputt zu machen; denn das will man/ich ja auch wieder nicht...

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  • Muecke
    antwortet
    Vielen Dank für Deinen Bericht und die vielen, schönen Bilder!
    Ich plane für nächstes Jahr auch gerade an einer Rundtour in der Schobergruppe. Man findet wirklich sehr wenige Reiseberichte für diese Ecke, daher auch nochmal Danke für den Link.

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  • OutofSaigon
    antwortet
    Die Sonne zu genießen, so lange sie scheint, das ist die Kunst des Lebens. - Leider sagt die Wettervorhersage für heute, daß es nur bis zum frühen Nachmittag sonnig sein wird und danach mit Gewittern und Regen zu rechnen ist. Somit werde ich auch heute nicht lange fackeln, schon gar nicht auf das Hüttenfrühstück warten, sondern mich möglichst rasch auf den Weg machen. Dabei ist der Weg - wie vorgestern identifiziert (siehe oben) - der Aufstieg zum Kesselkees-Sattel mit folgendem Wiederabstieg zum Lucknerhaus. Letzteres liegt wieder in Osttirol, wohingegen die Elberfelder Hütte ja noch in Kärnten liegt. - Gedacht, getan: um sechs Uhr verlasse ich die Hütte und breche auf.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_41_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 458,8 KB ID: 3163259 # 100 Aufbruch von der Elberfelder Hütte um sechs Uhr; die aufgehende Sonne beleuchtet den Gipfel des Roten Knopf


    Von der Hütte muß ich zunächst ein wenig absteigen, um den Bach zu überqueren, dann geht es sofort wieder bergauf, und dies auf einem netten kleinen Wiesenweg, der sehr angenehm zu begehen ist, erst recht im Schein der Morgensonne - auch dies ein Sommermorgentraum:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_42_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 669,7 KB ID: 3163258
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_43_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,08 MB ID: 3163271 # 101 & 102 Aufstieg in Richtung Kesselkees-Sattel bei herrlichem morgendlichen Sonnenschein; im Hintergrund der Tamerkopf


    Ein gutes halbes Stündchen geht es so dahin, dann erreiche ich eine Schwelle, oberhalb derer es ziemlich anders aussieht, nämlich sehr steinig:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_44_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 533,8 KB ID: 3163266 # 103 Blick zurück über einen steinigen Abschnitt; im Hintergrund der Hornkopf


    Weiter und weiter geht mein Aufstieg, nun wieder über einen eher grasigen Abschnitt. Mittlerweile ist es auch acht Uhr vorbei, und ich beschließe, hier nun meine Frühstückspause zu machen. Hinter mir kommen wahrscheinlich andere Wanderer, aber denen bin ich ja mindestens anderthalb Stunden voraus, und so kann ich mich hier gemütlich hin setzen, ohne in die "Prozession" zu geraten. Zum Frühstück gibt es Müsliriegel und Trockenobst, dazu Wasser; eben wie immer. Kaffee, Tee, Orangensaft, Toast, Marmelade, Wurst, Käse - leider alles Fehlanzeige, aber das stört mich überhaupt nicht. Ich habe die Sonne, die Ruhe, die herrliche Landschaft um mich herum, damit bin ich glücklich, DAFÜR (und nicht zum Essen) bin ich in diese Berge gekommen.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_45_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 775,8 KB ID: 3163263 # 103 Frühstückspause am Fuß des Tamerkopfes

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_46_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 361,1 KB ID: 3163260 # 104 Blick zurück über das Gößnitztal; in der Mulde links (noch im Schatten), müßt ihr euch den Hinteren Langtalsee vorstellen, den ich gestern besucht habe


    Nach dem "genießerischen" Frühstück geht es wieder weiter hinauf (natürlich, was auch sonst?)

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_47_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 763,4 KB ID: 3163261 # 105 Ein weiterer Blick zurück über das Gößnitztal; links der Hornkopf, rechts daneben die Klammerköpfe, und über dem kleinen See der Rote Knopf


    Mit zunehmender Höhe wird der Weg immer steiniger - klar! - und auch immer steiler; das letzte Stück vor dem Paß quert er auch einen richtig steilen Hang, so daß einige Wanderer, die mir bereits entgegen kommen, in diesem Abschnitt durchaus etwas nervös sind. Ich finde es aber nicht so schlimm - immer noch T2, nach meiner Auffassung. Ich nähere mich der 3000m-Marke und muß dementsprechend tief atmen, aber dann ist der Paß erreicht, der höchste Punkt dieser Strecke, und auch der höchste Punkt, den ich bei meinen Wanderungen durch die Schobergruppe erreicht habe. Auf diesem Sattel befindet sich ein Biwak, das ihr hier seht:

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_49_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 668,3 KB ID: 3163267 # 106 Das Gernot-Röhr-Biwak auf dem Kesselkees-Sattel

    Anmerkung: über die genaue Höhe dieses Punktes bin ich mir nicht im Klaren. Ich bin ziemlich sicher, daß auf dem Schild 2980m stand (das steht ja auch auf Opentopomap), aber im Internet finde ich abweichende Angaben über die genaue Höhe dieses Biwaks, obwohl sich dieses, wie ihr seht, genau auf dem Scheitelpunkt des Sattels selbst befindet. Es ist eben irgend etwas zwischen 2900m und 3000m (und damit schon an der Grenze dessen, was unser Kamerad Wafer noch mag).








    Auf der anderen Seite dieses Sattels schaue ich auf ein Meer von Steinen. Wo ist das Kesselkees? Viele von euch wissen es sicher: "Kees" ist die Bezeichnung für ein permanentes Schneefeld, das auch im Sommer (fast) niemals komplett abschmilzt. "Ferner" sagt man anderswo dazu. Hier war einmal ein solches Kees, aber jetzt ist es verschwunden, abgeschmolzen. Was noch im 19. Jhdt so gut wie nie eintrat, ist jetzt normal geworden: der Schnee ist nur noch im Winter und Frühjahr vorhanden; das eigentliche "Kees" ist Geschichte.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_50_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 572,4 KB ID: 3163269 # 107 Die Nordseite des Kesselkees-Sattels; der Gipfel links ist das Böse Weibl (3119m)


    Von diesem Sattel führt, wie zu erwarten ist, ein Weg hinauf zum nächstgelegenen Gipfel, dem Bösen Weibl. Ich überlege kurz, ob ich dort noch hin gehen soll - dann hätte ich auf dieser Tour wenigstens einen Dreitausender bestiegen -, entscheide mich dann aber doch dagegen; denn ich sehe sehr wohl den großen Wolkenschatten über diesem Berg sowie die Kumuluswolken in der Ferne, und will nicht in die Gewitter kommen, jedenfalls nicht in solch großer Höhe. Also steige ich wohl besser ab in Richtung Lucknerhaus; denn bis dort hin ist es ohnehin noch ein ganzes Stück, und wir alle wissen, wie schnell das Wetter in den Bergen umschlagen kann.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_53_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 597,7 KB ID: 3163262 # 108 Auf dem Abstieg vom Kesselkees-Sattel in Richtung Lucknerhaus; rechts oben der Großglockner


    Mit abnehmender Höhe erscheint zwischen den Steinen mehr und mehr Gras; ich erreiche allmählich wieder die Mattenregion und nähere mich dem Peischlachtörl.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_55_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 567,3 KB ID: 3163264 # 109 Blick auf das Peischlachtörl (2484m)


    Na, und wie ich mich langsam dem Peischlachtörl nähere, da nähert sich mir von hinten - schau, schau! - wieder die nette Dame, die ich schon zwei Mal getroffen hatte. Sie ist fit (natürlich auch viel jünger als ich selbst) und hat mich eben eingeholt, obwohl ich vor ihr von der Hütte gestartet war. Sie will nun allerdings weiter zur Glorer Hütte über die Ostroute, wohingegen ich an Anbetracht der Wettervorhersage diesen Ehrgeiz nicht habe, sondern nach Westen weiter absteigen und meine Tour durch die Schobergruppe zum Abschluß bringen möchte, so lange alles noch so schön ist. Daher trennen sich unsere Wege auch fast augenblicklich wieder.


    Der Weiterweg zum Lucknerhaus ist landschaftlich schön und technisch ganz einfach: durch die hier offenbar sehr zahlreichen Wanderer (viele auch mit Kindern) ist der Pfad breit ausgetreten, fast eine Wanderautobahn. Das schafft ja wohl noch jeder.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_57_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 738,4 KB ID: 3163270 # 110 Abstiegsroute in Richtung Lucknerhaus


    Für mich persönlich ist es eine nette kleine Erinnerung, daß nicht lange danach von links her der unscheinbare kleine Pfad einmündet, auf dem ich einige Zeit vorher mit meinem Sohn unterwegs war, als wir von Kals über die Tschadinalm zum Lucknerhaus gingen (siehe Abschnitt "Kaleidoskop" oben).

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_58_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 559,4 KB ID: 3163265 # 111 In den Weg zum Lucknerhaus mündet von links der Weg von der Tschadinalm (und die Kumulus-Bewölkung sieht zunehmend bedrohlich aus)


    Am Lucknerhaus angekommen, überbringe ich zu allererst der Wirtin die Grüße, die mir das Team von der Elberfelder Hütte aufgetragen hatte. Wiederum ist die Freude groß, und ich schmunzele in mich hinein. Dann ist es aber schon 12 Uhr vorbei und Zeit für das Mittagessen. Bis zur Abfahrt des Postbusses ist es noch eine Weile, und so genieße ich die letzte lange Rast dieser Tour in vollen Zügen (hier ganz wörtlich zu nehmen; denn zwei große Radler habe ich mir natürlich auch bestellt). Kaum ist der Bus abgefahren, da fängt es auch schon an zu regnen, und ich lächele hoch zufrieden: ich habe auch aus diesem Tag wieder das Beste heraus geholt und damit meine Tour durch die Schobergruppe höchst erfolgreich abgeschlossen, wenn auch ohne den Hochschober. Und bei der Ankunft in Matrei sehe ich dann endgültig bestätigt, daß es besser war, hierher zurückzukehren.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2022 S Schobergruppe_59_1200.jpg Ansichten: 0 Größe: 167,8 KB ID: 3163268 # 112 Regenwetter bei der Ankunft in Matrei (so blieb es dann übrigens noch drei Tage lang)


    Fazit: Es war eine tolle Tour von insgesamt sechs Tagen, vier davon bei herrlichem Wetter. Das war zwar deutlich weniger, als ich ursprünglich avisiert hatte (10-12 Tage), aber es war dennoch "ein Gedicht" und kann zur Nachahmung empfohlen werden (wäre da nicht die unangenehme Route im allerobersten Teil des Gößnitztales, würde ich sogar sagen: "vorbehaltlos"). Durch Besteigungen des Hochschober, Glödis, Roten Knopfes oder Bösen Weibls könnte man die von mir gemachte Tour auch noch "aufmotzen", falls es gewünscht wird. Andererseits ist der Abstecher zu den drei Seen ja optional, und man könnte diese Route - ohne die optionalen Elemente - also auch in drei Tagen bewältigen. -- Übrigens habe ich in diesen sechs Tagen nur ein einziges Mal auf der Hütte gefrühstückt; vier Mal (ohne den ersten Tag) war ich schon lange vor dem Frühstück von der jeweiligen Hütte aufgebrochen.


    Zusatzbemerkung: auf den Outdoorseiten sehe ich lediglich einen weiteren Bericht aus der Schobergruppe, aber der handelt von einer Wintertour. Auf einem anderen Forum hingegen fand ich einen netten Bericht, geschrieben 2015 von einer Person, die sich "derYeti" nennt (muß wohl deutlich größer und schwerer sein als ich *grins*). "derYeti" ist im Prinzip meine Route gegangen, aber beginnend am Lucknerhaus und endend in St. Johann (also in umgekehrter Richtung) und damals noch über die Hornscharte, von deren Überschreitung mir im Sommer 2022 ja so dringend abgeraten wurde. Auch ihm blieb die Bezwingung des Hochschober allerdings versagt. - Wer jenen Bericht lesen will, kann hier klicken .


    Zum Abschluß ein Blick auf die Landkarte
    (Opentopomap, mit ergänzenden Eintragungen von mir - für jeden Wandertag eine andere Farbe)
    Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)​
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Karte Schobergruppe Weg Hütten.jpg
Ansichten: 132
Größe: 370,6 KB
ID: 3163669
    Zuletzt geändert von OutofSaigon; 07.11.2022, 06:07.

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  • OutofSaigon
    antwortet
    Ganz herzlichen Dank, lieber Dominik!
    Wenn ein Schweizer sich positiv über Österreich äußert, dann ist das ja ein ganz besonderes Kompliment - das wissen wir alle

    Was ich hier mit euch teilen will, sind ja nicht nur Fotos, sondern Erlebnisse; und so versuche ich mein Bestes, euch diese in Bild und Wort zu vermitteln (und selbst dies bleibt natürlich unvollständig; denn die Stille und das ganze Ambiente muß man einfach selbst erlebt haben).

    Ein absoluter Knaller war der Gartlsee. Andere Zielpunkte sieht man oft schon einige Zeit lang vor sich, nähert sich ihnen allmählich. Der Gartlsee ist ganz anders: du kletterst die abgebildete Leiter über diesen kleinen Felsriegel hoch, überschreitest denselben mit wenigen Schritten, und dann liegt urplötzlich der Gartlsee vor deinen Füßen. Nur Sekunden vorher war er noch nicht zu sehen gewesen. Und wenn du dann auch noch die fantastische Beleuchtung hast, die ich damals hatte, dann verschlägt es dir die Sprache. Nur eine Stunde später ist es schon nicht mehr dasselbe, und spätestens ab zehn Uhr wirkt es wahrscheinlich irgendwie "ganz normal"

    Und ja: in Bälde geht es weiter mit meinem Bericht ...


    @agricolina: ich hatte das Wort "Rundtour" so gemeint wie "Roundtrip" auf einem Flugticket: hin-und-zurück. Aber du hast recht: im Deutschen verbinden wir mit dem Wort "Rundtour" eher die Vorstellung eines Rückwegs, der anders ist als der Hinweg. Ich werde versuchen, mich zu bessern...
    Zuletzt geändert von OutofSaigon; 03.11.2022, 05:22.

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