[MRT] - Fehlschlag im Adrar

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  • Intihuitana
    Fuchs
    • 19.06.2014
    • 1632

    • Meine Reisen

    [MRT] - Fehlschlag im Adrar

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Reisezeitraum: Februar - März 2020





    Ich habe lange damit gehadert ob ich auch einen Bericht über diese Reise hier ins Forum stellen soll, weil, dies sei schon mal vor weg genommen, nicht alles so geklappt hat wie es eigentlich angedacht war.
    Dennoch denke ich mitlerweile nach über einem halben Jahr, Distanz zu dieser Reise, dass sie es dennoch, oder auch gerade eben wegen ihres Verlaufes Wert war darüber berichtet zu werden.

    Der Plan:
    Nachdem mein Tourpartner Fabian und ich letztes Jahr unser Große Wanderung mit unserem Kamelführer Hadrami durch die mauretanische Sahara durchführten, hatten wir es wieder auf diese Region abgesehen.
    Letztes Jahr haben wir uns zum größten Teil durch die östlichsten Ausläufer des Adrar und die großen Ebenen dazwischen geschlagen. Die Landschaft war zum aller größten Teil von riesigen Weiten geprägt es fehlten aberetwas die dramatischen Canyons und Oueds, mit versteckten Wasserbecken, Wüstentieren und Felszeichnungen.
    Das Massiv des Adrar ist das ausgedehnteste Gebirgsmassiv der mauretanischen Sahara, wobei seine höchsten Gipfel nicht über 700 m. hinaus reichen. Die Landschaft ist geprägt von Tafelbergen mit senkrecht abfallenden Steilwänden im Nordteil und großen flachen Plateaus, durch welches sich die großen Trockentäler, die Oueds schlängeln. Die allermeisten dieser Oueds, vor allem im Südteil sind versandet und an seinen West und Ostflanken branden riesige Sandmeere an die Felsen des Adrar.
    Nachdem ich natürlich auch gespannt den Bericht von Robtreks Putoranaabenteuer verfolge, könnte man fast das Adrar, als das Putorana der Sahara bezeichnen.(Oder das Putorana, als das Adrar Sibiriens?)
    Wie alle Wüstengebirge ist auch das Adrar feuchter, als die großen Ebenen und Sandmeere, die es umgeben. An den Flanken regnet sich die wenige Feuchtigkeit häufiger ab als im Tiefland und die Felsen und Klüfte halten auch das Wasser besser als Sand.
    So finden sich im Adrar einige bewohnte Oasen, zumeist in den großen Oueds, wie dem Vallée blanche. Darüberhinaus gibt es noch eine Menge kleiner unbewohnter Gueltas, also Wasserbecken in engen Canyons, wo sich nie jemand hin verirrt.
    Das Adrar ist seit der Altsteinzeit immer wieder bewohnt worden und überall finden sich Spuren vergangener Epochen.
    All dies war für mich ausschlaggebend eine Tour in dieser extrem entlegenen Gegend zu planen.
    Anders als bei unserer Tour letztes Jahr, wollten wir keine Kamele nehmen.
    Kamele bieten zwar die Möglichkeit die gewaltigen Distanzen zwischen den Wasserstellen in den großen Ebenen zu überbrücken, aber das Gehen mit Kamelen hat auch einige entscheidende Nachteile.
    Erstens sind Kamele nun mal Lebewesen und keine Dinge und man muss seine Wanderung an die Möglichkeiten und den Rhytmus der Tiere anpassen. Auch wollten wir explizit unwegsames Terrain und steile felsige Canyons erkunden, wo auch gekraxelt werden muss. Dies sind keine Landschaften für Kamele.
    An Esel dachte ich zeitweise, die kommen mit felsigem Terrain besser zurecht, aber auch dort hat man die selben Probleme, wie mit Kamelen. Und ausserdem bezweifelte ich, dass die schwierigsten Passagen für irgendein Huftier ausser Ziegen zu machen waren.
    Auch Wanderwagen, wie ich sie auf Touren in Marokko nutzte, würden hier nicht in Frage kommen. Dort wo das Terrain nicht extrem felsig ist, ist es extrem sandig. Das sind beides schlechte Vorraussetzungen für diese Vehikel.
    Es blieb also nur noch die puristischste Variante. Zu Fuß mit dem Rucksack alles Wasser schleppen und sich von Wasserstelle zu Wasserstelle vorarbeiten.
    Ich musste die Tour also so legen, dass Wasserstellen nie länger als maximal 3-4 Tage voneinander entfernt waren. Im Adrar ist dies besser möglich als auf unserer Route vom letzten Jahr.
    Für die Planung nutzte ich wieder die alten französischen IGN-Karten, die ich auch im Jahr vorher nutzte. Leider sind die Karten nun schon etwas in die Jahre gekommen und Wasserstellen können versiegt sein und dafür neue Brunnen gebaut worden sein.
    Des weiteren versuchte ich alles an Literatur zu nutzen, was verfügbar war. Das meiste praktisch nutzbare kommt von der Allradler Fraktion. Allerdings muss man vorsichtig sein, denn die Informationen dort sind auf Autofahrer und nicht Wanderer abgestimmt. Wasserstellen sind nur höchst selten beschrieben, man muss schon oft zwischen den Zeilen lesen.
    Recht hilfreich waren wieder "Pistes de Mauritanie" von Jaques Gandini und das 2019 neu erschienene GPS-Offroad Tourenbuch Mauretanien von Pistenkuh.
    https://pistenkuh.de/shop/gps-offroa...h-mauretanien/
    Bei zweiterem waren vor allem die GPS-Tracks und POIs ziemlich hilfreich, musste aber dennoch auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten eines Wüstenwanderers transkribiert werden.

    Tatsächlich konnte ich auch vor allem einige Gueltas auf Google Earth ausmachen, die zum Zeitpunkt der Aufnahme nachweislich Wasser führten. Zum Glück zeigen die neueren Aufnahmen bei Google Earth das Datum des Aufnahmetages an. Wichtig waren mir Aufnahmen aus November-April, denn in der Hauptregenzeit zwischen Juli bis September sind manche Becken zeitweise gefüllt. Auf arabisch heißen solche Becken Oglat. Dies hilft natürlich nicht weiter, wenn man in der Trockenzeit dort unterwegs ist. Zum Glück waren die meisten Aufnahmen aus der richtigen Jahreszeit.
    Zu guter Letzt habe ich den groben Plan auch meinem Bekannten Mbareck vorgestellt. Mbareck hat selbst ein Tourbüro und führt organisierte Wüstenreisen mit 4x4 und zu Fuß durch und kennte die Wüste sehr gut. Er konnte bei vielen Wasserstellen bestätigen, dass sie ganzjährig gefüllt sind, was eine große Erleichterung war, aber bei Teilen der Route konnte er auch nicht helfen, weil sie sehr abgelegen und jenseits aller Kamelrouten war.
    Es war dennoch gut, dass er eingeweiht war und auch als unser Notfallkontakt für das Inreach fungierte.
    Trotz aller Planung, blieb also immer noch etwas Ungewissheit und garantiert würden wir auch bei dieser Tour wieder improvisieren müssen.

    So weit so gut, dies war der Plan. Doch was sollte davon übrig bleiben?
    So machten wir uns Mitte Januar wieder einmal auf den Wag nach Marokko...
    Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

  • ronaldo
    Moderator
    Lebt im Forum
    • 24.01.2011
    • 9296

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [MRT] - Fehlschlag im Adrar

    Yeah, freu mich...

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    • Meer Berge
      Fuchs
      • 10.07.2008
      • 2304

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [MRT] - Fehlschlag im Adrar

      Das verspricht spannend zu werden!
      Deine Wüstenabenteuer lese ich besonders gerne, weil Wüste so gar nicht mein Habitat ist ...

      Bin dabei!

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      • Enja
        Alter Hase
        • 18.08.2006
        • 4191

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [MRT] - Fehlschlag im Adrar

        Jedenfalls schon mal ein schöner Plan. Eine meiner Lieblingslandschaften. Und ja. Als Allradler brauchst du keine Wasserstellen. Da nimmst du genug Wasser mit.

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        • berniehh
          Fuchs
          • 31.01.2011
          • 1756

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [MRT] - Fehlschlag im Adrar

          klingt spannend
          www.trekking.magix.net

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          • danobaja
            Alter Hase
            • 27.02.2016
            • 2731

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [MRT] - Fehlschlag im Adrar



            wüste, freu!!! bin schon sehr gespannt!
            danobaja
            __________________
            resist much, obey little!

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            • Freedom33333
              Dauerbesucher
              • 09.09.2017
              • 635

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [MRT] - Fehlschlag im Adrar

              Bin dabei .

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              • Lisos
                Anfänger im Forum
                • 30.10.2018
                • 19

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [MRT] - Fehlschlag im Adrar

                Abenteuer im Adrar!
                Was will man mehr!

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                • ChuckNorris
                  Erfahren
                  • 03.08.2018
                  • 144

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [MRT] - Fehlschlag im Adrar

                  Bin gespannt.

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                  • blauloke

                    Lebt im Forum
                    • 22.08.2008
                    • 5922

                    • Meine Reisen

                    #10
                    Warte auf die Fortsetzung
                    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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                    • Intihuitana
                      Fuchs
                      • 19.06.2014
                      • 1632

                      • Meine Reisen

                      #11
                      Die Anreise

                      Die Anreise würde zwar die selbe Route werden wie letztes Jahr aber dieses Jahr sollte doch einiges anders kommen.
                      Ich kam in Marrakech an und nach einem Tag Aufenthalt machte ich mich auf nach Südmarokko nach Foum Zguid. Dort traf ich mich mit Fabian, welcher schon ein paar Tage früher angereist war und wir besuchten unseren gemeinsamen Freund Mustapha in seinem Camp in der Wüste.
                      Es waren ein paar entspannte Tage inmitten der Dünen, bestehend aus nicht mehr als Tajine kochen, Ziegen ausnehmen, diese in der Tajine kochen, Feuer machen und durch die Dünen spazieren.
                      Eigentlich war dies eine schöne Einstimmung für die „ganz große Wüste“ weiter südlich in Mauretanien, aber irgendwie hatte ich noch aus Deutschland eine komische Erkältung mitgebracht, die sich sehr zäh zog. Die eiskalten Januarnächte in der Sahara machten es irgendwie nicht besser. Meinen Bronchen ging es nicht gut.


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                      Der Blick auf diese Dünen wird niemals langweilig

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                      Holzholen für die ausgiebigen Lagerfeuer

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                      Eigentlich war geplant direkt von hier über Agadir in die Westsahara und weiter über die Grenze nach Mauretanien rüber zu machen.
                      Aber meine Krankheit machte mir echt Sorgen und so beschlossen wir nahe bei Agadir in einem der Surferdörfer ein paar Tage unterzukommen mit der Hoffnung, dass mir die Meeresluft gut tun würde.
                      Und so war es dann auch tatsächlich. Die gute Meeresluft, Entspannung und die schöne Gesellschaft der hübschen Damen aus dem Hostel ließ es mir nach einigen Tagen bereits besser gehen.
                      Einen der Tage, auch um zu testen wie es mir denn geht, machten wir mit den Leuten aus dem Hostel einen Ausflug zu einem kleinen schönen Tal in der Nähe von Agadir, dem Paradise Valley.
                      Es lief alles gut bei mir und wir hatten eine schöne Zeit in der kleinen Oase.

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                      Atlantikküste bei Tamraght

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                      Im Paradise Valley

                      Endlich konnten wir uns also wieder auf den Weg nach Mauretanien machen. Es folgte eine lange Busfahrt nach Dakhla, wo es ein kleines romantisches Intermezzo mit zwei marokkanischen Studentinnen gab, bevor die Reise dann wieder an die Granze und nach Nouadibhou führte.
                      Diejenigen die meinen Bericht vom letzten Jahr gelesen haben, werden sich vielleicht denken, was jetzt kommt.
                      Ja wir sind nocheinmal mit dem Eisenerzzug gefahren. Ich wurde schon mehrfach gefragt, warum ich mir das nochmal antue, aber es ist eigentlich gar nicht so ein Akt, vor allem wenn man es schon mal gemacht hat und die Abläufe kennt.
                      Vor allem ist es aber die kürzeste Strecke nach Atar. Anderseits müsste man mit Minibussen nach Nouakchott und dann nocheinmal mit einem anderen nach Atar. Bei dem Gedanken, wird der Zug doch direkt bequemer.
                      Nachdem wir letztes mal fast zwei Tage auf den Zug gewartet hatten, hatten wir keine großen Erwartungen hier schnell weg zu kommen, aber welch ein Glück, dieses mal kam der Zug nach nur drei oder vier Stunden wartens am Nachmittag.
                      Dies hatte den schönen Vorteil, dass wir zum ersten mal bei Tage mit dem Zug fahren konnten und ein paar schöne Fotos und Videos machen konnten.
                      Die Abläufe waren uns ja schon bekannt und wir ergatterten schnell unseren Privatwaggon.

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                      Der Wasserzug in Gegenrichtung

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                      In einem anderen Land wäre es Kunst

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                      Luxusabteil

                      Wieder war das nächste Anlaufziel Atar, wo wir wieder im Bab Sahara unterkamen.
                      Und jetzt erwischte es plötzlich Fabian mit der Krankheit. Bei ihm war es Schüttelfrost, Fieber, extreme Müdigkeit und Schwäche.
                      Es hieß also wieder warten und auf seine Genesung hoffen. Ich habe in den Tagen unsere Route noch einmal besprochen mit den Leuten vom Bab Sahara, die uns noch vom letzten Jahr in Erinnerung hatten und auch mit Rat und Tat noch etwas die Route verfeinerten.
                      Was im Vergleich zu letztem Jahr auffiel, es war deutlich heißer. Schon jetzt Anfang Februar in der eigentlich kalten Jahreszeit, kletterte das Thermometer Tagsüber bereits auf 37-38 °C . Nachts sank die Temperatur auf knapp 20 °C .
                      Vier Tage waren wir nun schon hier und langsam wurde es mir langweilig, denn so viel gibt es in Atar nun auch wieder nicht zu erleben und ich hatte schon gefühlt jedem mehrmals die Hand geschüttelt.
                      Angefreundet hatte ich mich mit einem riesigen Senegalesen der am Kreisverkehr, dem eigentlichen Zentrum der Stadt, seinen kleinen Souvenirladen hatte und ein äusserst sprachbegabter Geselle ist.
                      Selbst etwas deutsch hatte er sich selbst beigebracht, nur durch die paar Touristen, die hier durchkommen.
                      Auch einen uralten, fast zahnlosen Mauren habe ich am Kreisverkehr immer wieder getroffen und mit ihm Orangen gegessen. Erstaunlich war, wie weltgewandt er war, obwohl er seine Region nie verlassen hatte.

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                      In Atar hat sich nix geändert

                      Der Talkessel

                      Endlich, nach fünf langen Tagen des wartens, ging es Fabian wieder so gut dass wir endlich aufbrechen konnten.
                      Unsere Route begann praktisch vor den Toren der Stadt. Von hier aus wollten wir den westlichen Adrar, von Oase zu Oase durchqueren.
                      Am Kreisverkehr nahmen wir ein Taxi in Richtung Süden, erstens um ein wenig langweiliger Asphaltpiste abzukürzen aber vor allem um ohne große Fragen an dem Polizeikontrollposten vorbeikommen zu können.
                      Zwei Weiße mit großen Rucksäcken zu Fuß, könnte zu viel aufmerksamkeit erregen, im Taxi waren es bloß zwei Touristen die irgendwo hin wollen. Kurz den obligatorischen „Fiche“ abgegeben und weiter ging es.
                      Ca. 12 km. vor den Toren der Stadt bat ich den Taxifahrer anzuhalten.
                      Von hier aus ging es jetzt entlang einem Oued in Richtung der großen Bergkette im Osten.
                      Hier wollten wir eines der Trockentäler nach oben folgen und einen Pass auf die andere Seite suchen.

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ID: 3011898
                      Hier geht es los. Links sieht man schon unser Tal

                      Um Atar herum befinden sich die höchsten Gipfel des Adrar mit bis zu 700m. Es handelt sich um die typischen Tafelberge dieser Region mit verschiedenen Schichtstufen. Dazwischen liegen die vom Wasser ausgewaschenen Trockentäler, welches bei starken Regenfällen in Wasserfällen, die Schichtstufen herabstürzt.
                      Selbst unsere Bekannten aus Atar, welche zum Teil langjährige Erfahrung in Kamel und Allradtouren haben konnten uns nichts über diese Canyons sagen.
                      Kamele kommen dort unmöglich hoch und auch führen keine Eselspfade über diese Berge.
                      Es scheint also, dass es höchstens ein paar Ziegenpfade auf die andere Seite geben kann.
                      Ein so unbekanntes Gebiet so nah an Atar, scheint natürlich ausserordentlich interessant.
                      Die IGN Karten helfen hier nicht weiter. Viel zu ungenau und zu allem Überdruss liegt das Gebiet auch genau zwischen zwei Kartenblättern.
                      Ich habe in Marokko schon etliche dieser Tafelberge bestiegen. Irgendwo gibt es in der Regel immer eine Passage, die Frage war nur wo.
                      Durch das mitlerweile grlühend heiße Flussbett folgten wir einem der Arme bis an einen Talkessel.
                      Immer wieder sah man Spuren von periodisch fließendem Wasser, abgelagerter Sand mit dem typischen Rillenmuster, teilweise noch sehr frische junge Einjährige Pflanzen und noch vor kurzem feuchter Lehm.
                      Die Wahrscheinlichkeit war groß weiter oben ein Guelta zu finden.
                      Wir hatten jeweils eine Kapazität von ca. 12 l Wasser, welches wir mit uns führen konnten. Auf diesem Abschnitt schleppten wir nur die Hälfte. Da damit zu rechnen war, dass wir einige steile Anstiege zu bewältigen hatten, war es schlauer weniger zu schleppen, denn gerade bei steilen Anstiegen in großer Hitze relativiert sich der Vorteil, viel Wasser mit zu schleppen. Dann verschwitzt man eventuell mehr als man überhaupt wieder aufzunehmen vermag.
                      Es ist eine Kunst abzuwägen, wie viel Wasser man bei solchen Wüstenwanderungen pro Etappe mitschleppen kann.

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                      Im Oued

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ID: 3011897
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ID: 3011899
                      Agame

                      Bei der Hitze und dem Terrain würden wir wohl ca. 3 l. Täglich verbrauchen müssen, was hart an der Schmerzgrenze und ein Gang auf dem Zahnfleisch ist. Aber so müssten wir bis Terjit kommen, wo es garantiert Wasser und Menschen gibt.
                      Gegen Ein Uhr erreichten wir den Talkessel von dem zwei Zuflüsse des Oueds in ausgetrockneten Wasserfällen hier zusammenliefen. Irgendwie fühlte ich mich schlapp und schwach.
                      Es war aber auch schon sehr heiß und wir mussten hier ohnehin Mittagspause halten.
                      Als es etwas kühler wurde erkundeten wir die ausgetrockneten Wasserfälle auf der Suche nach Wasser. Unter solchen Steilabfällen finden sich sehr oft Gueltas, die das ganze Jahr über Wasser führen.
                      Mit uns kam plötzlich eine Gruppe Ziegen, die wohl auch vom Taleingang hier zum Grasen und Wassertrinken kam.

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ID: 3011911
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ID: 3011901
                      Beim ausgetrockneten Wasserfall

                      Allerdings war die Enttäuschung ziemlich groß. An dem riesigen ausgetrockneten und mit Travertin überzogenen Wasserfall gab es praktisch kein Wasser mehr. An der Wand gab es ein wenig Moos und Farne, davon tropfte eine geradezu lächerlich kleine Menge von einer Moosspitze herunter. So ca. 1 Tropfen alle 2 Sekunden. Damit würden wir unseren Durst nicht stillen können.

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ID: 3011903
                      Das allerwinzigste Rinnsal und die Sperlinge freuen sich

                      Dennoch installierten wir hier eine Konstruktion um möglichst viel Wasser aus dem Moos aufzufangen. So würden wir über Nacht vielleicht wenigstens einen halben 5 l. Kanister füllen können. Besser als nix.
                      Auch den anderen Wasserfall suchten wir ab. Das schlimme ist daran immer der Spannungbogen. Man steigt immer höher über Geröll und überall erwartet man hinter jeder Ecke nun endlich die erhoffte Wasserstelle.
                      Aber auch hier ein leeres Becken, dessen steiniger Untergrund auch nicht nach Wasser graben ließ.
                      Es hieß also in den kühleren Abendstunden eine Passage für den nächsten Tag zu finden.
                      Ohne Rucksäcke bestiegen wir die Geröllhänge und liefen die Abbruchkanten der obersten Geländestufe entlang.
                      Irgendwo müsste es einen Felssturz geben oder die Abbruchkante war so verwittert, dass sich eine Passage bilden würde.
                      Mit dem Fernglas wurden auch die gegenüberliegenden Abbruchkanten abgesucht, aber nirgends konnten wir auch nur die geringste Passage erkennen. Die obere Abbruchkante zog sich wie ein perfekter undurchbrochener Ring um das gesamte Tal.

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ID: 3011904
                      Auf dem Weg zur höchsten Steilstufe

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ID: 3011906
                      Hier gibt es kein Durchkommen

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Name: DSC_0257_edited.jpg
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ID: 3011905
                      Mondaufgang

                      Eventuell würde eine Möglichkeit bestehen zu klettern, aber mit diesen schweren Rucksäcken, ohne Sicherheitsgerät und hier am Ende der Welt war das viel zu fahrlässig.
                      Es sah wirklich so aus als ob es aus diesem Tal keinen Aufstieg auf das Hochplateau mehr geben würde. Für heute würden wir hier nix mehr erreichen können.
                      Eventuell könnten wir morgen noch ein weiteres Seitental erkunden, aber das Wasser wurde immer knapper. Dann würden wir wieder in Richtung Straße gehen müssen um Wasser an einem Brunnen abzufüllen.
                      Irgendwie war die Stimmung nicht so toll und ich fühlte mich auch immer schlechter.
                      Naja jetzt gab es erst mal Feuer, Tee und Essen...
                      Angehängte Dateien
                      Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

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                      • ChuckNorris
                        Erfahren
                        • 03.08.2018
                        • 144

                        • Meine Reisen

                        #12
                        Sauber, endlich gehts weiter. Spannend ist es schon mal.

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                        • JulianD
                          Gerne im Forum
                          • 26.10.2017
                          • 58

                          • Meine Reisen

                          #13
                          Hattet ihr Corona?

                          Kommentar


                          • Intihuitana
                            Fuchs
                            • 19.06.2014
                            • 1632

                            • Meine Reisen

                            #14
                            Zitat von JulianD Beitrag anzeigen
                            Hattet ihr Corona?
                            Gute Frage, aber ich möchte das noch nicht vorweg nehmen, denn diese Frage wird noch eine gewisse Rolle spielen.
                            Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

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                            • Intihuitana
                              Fuchs
                              • 19.06.2014
                              • 1632

                              • Meine Reisen

                              #15
                              Ich möchte mich entschuldigen, dass ich hier solange auf mich warten lasse, aber in den letzten Wochen hat mir wirklich jegliche Motivation gefehlt weiter zu schreiben. Immer wenn ich die Bilder betrachtet habe, kam eine derartige Wehmut auf, dass ich es sein lassen musste. Aber jetzt wird es in Kürze weiter gehen.
                              Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

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                              • paddel
                                Fuchs
                                • 25.04.2007
                                • 1850

                                • Meine Reisen

                                #16
                                Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
                                Aber jetzt wird es in Kürze weiter gehen.
                                Das würde mich freuen. Wobei ich das mit der Wehmut sehr gut nachvollziehen kann.

                                Froh schlägt das Herz im Reisekittel,
                                vorausgesetzt man hat die Mittel.

                                W.Busch

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