[IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

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  • whale
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    • 13.09.2014
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    [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Ich war Ende Juli / Anfang August alleine im Aostatal unterwegs. Viele Tipps habe ich aus diesem Forum bekommen, daher möchte ich mich nun mit einem Reisebericht bedanken. Inzwischen ist er auch komplett.


    auch Rundwanderung der Riesen genannt

    Land: Italien
    Reisezeitraum: Juli/August 2016
    Dauer: 18 Tage

    Vorbereitung
    Italien kenne ich bisher so gut wie nicht, ich spreche kein italienisch und kenne auch niemanden persönlich, der eine ähnliche Tour dort unternommen hat. Trotzdem klingt vieles was ich bei der Suche nach einem passenden Wanderziel (siehe mein Thread in der Reisevorbereitung) lese, vielversprechend.

    Es ist meine zweite Tour dieser Art alleine und auch erst die dritte insgesamt.
    Da ich bei meiner letzten Tour im Winter auf Mallorca ab dem zweiten Tag plötzlich sehr starke Knieschmerzen hatte (die mich fast zum Aufgeben gebracht hätten) und seitdem bei jeder mehrstündigen Wanderung Probleme habe, besteht meine Vorbereitung auch aus einem Arztbesuch und ein paar verordneten Übungen. Außerdem lege ich mir Wanderstöcke zu.
    Ich plane deshalb im Vorfeld auch keine festen Etappen, sondern will versuchen auf meinen Körper zu hören und rechtzeitig Pausen zu machen. Mit einem Zelt und genauen Karten (Carta dei sentieri 1:25000 von L'escursionista editore) im Gepäck bin ich auch etwas flexibler.

    Bis ein paar Tage vor der Abreise habe ich nur eine grobe Ahnung, wie ich vom Turiner Flughafen in die Berge kommen werde. Den Tag vor der Abreise habe ich aber weitgehend frei und kläre auf den letzten Drücker noch alle Fragen. Meine Ausrüstung habe ich schon über Wochen Stück für Stück vorbereitet. Mein Rucksack wiegt auf der Tour je nach Füllstand von Wasser und Proviant und der Menge der Kleidung am Körper zwischen 11-16 kg, durchschnittlich wohl so etwa 14 kg.

    Da auch im Alltag das Frühstück meine regelmäßigste und gesündeste Mahlzeit ist, mache ich mir im Vorfeld Gedanken zu einem Müsliersatz ohne Joghurt oder Milch und nach ein paar Testmischungen gibt es sogar drei verschiedene Müslibreie, die nur mit kaltem Wasser aufgegossen (und ohne Milchpulver) noch schmecken. Ich rechne damit, ab und zu unterwegs Proviant kaufen zu können, vermutlich aber nichts so gesundes. Aber wenn ich für fast jeden Morgen ein kleines Müsli dabei habe, kann ich auch den restlichen Tag mal von Schokolade und Keksen leben. Außer den Müslibreitüten nehme ich von zuhause noch viele verschiedene Riegel, Nüsse, zwei gekochte Eier, Salami, Käse, Cracker und Kekse mit.


    Meine Müslikollektion

    Freitag, 22.7.2016
    Mein Wecker ist für 4:00 Uhr gestellt, damit ich den frühen Bus zum Flughafen um 4:35 Uhr erwische. Mit dem nächsten Bus 40 Minuten später wäre es angesichts der langen Schlange am Gepäckschalter auch knapp geworden. Ich fliege mit einem stand-by-Ticket von Hamburg über Frankfurt nach Turin. Da ich für den ersten Flug gleich einen Sitzplatz bekommen habe, kann mein Rucksack durchgecheckt werden und ich habe zwei sehr angenehme Flüge, auf denen ich entspannt frühstücke.


    Noch ein bißchen Strom in die Powerbank...

    Im Landeanflug auf Turin erzählt uns der Pilot, dass wir, um ein heftiges Gewitter zu umfliegen, sogar östlich von Mailand die Alpen überquert haben. Man sieht die außergewöhnlich hohen Wolken und ich denke mir, dass ich genau darunter wandern werde, aber ja zum Glück erst morgen...



    Am Flughafen verstecke ich dann am frühen Mittag die IKEA-Tasche, die meinen Rucksack im Aufgabegepäck geschützt hat, unter einem Getränkeautomaten in der Abflughalle und erwerbe ein Busticket in die Innenstadt Turins. Weil ich die im Halbdunkel liegende Haltestelle übersehe, folge ich den Schildern mit dem Bus-Piktogramm - und lande auf einem leeren Parkplatz. Von dort sehe ich aber immerhin einen der Shuttle-Busse ankommen und finde so doch noch die richtige Stelle direkt vor dem Terminal, auch wenn es nur für den nächsten Bus reicht. Macht nichts, der Bus fährt alle 15 Minuten.
    Die anschließende Bahnfahrt ist günstig und funktioniert gut, trotz Verspätung klappt das Umsteigen in Ivrea. Während der Bahnfahrt fängt es zu regnen an. In Pont-St-Martin habe ich nun eine Stunde Wartezeit auf den Bus nach Gressoney, in der ich ein Sandwich in der Bahnhofskneipe esse und dort noch ein bisschen mein iPhone lade. Da der Bus keine Anzeige hat, muss man wissen wo man ist und aussteigen möchte, aber intuitiv erwische ich genau den richtigen Stop in Gressoney-St-Jean (1385 m). Dort erhasche ich zwischen den Wolken einen ersten Blick auf das Monte-Rosa-Massiv, es ist inzwischen 16 Uhr. Aus dem Bus habe ich schon gesehen, dass hier die Täler noch ein bisschen schmaler und die Hänge noch ein bisschen steiler sind als ich es mir vorgestellt hatte, sodass ich mich frage, wo ich da wohl mein Zelt aufstellen kann.


    Start in Gressoney-St-Jean


    Zeltunfreundliche Hänge

    Ich ziehe meine Regenjacke an und beginne trotz regelmäßiger Schauer fröhlich gestimmt meine Wanderung, zuerst noch fast eben das Tal entlang, dann Richtung Westen relativ steil auf den Berg, vorbei am recht hübschen Walserdorf Alpenzu grande, wo es auch eine private Hütte gäbe. Oberhalb davon möchte ich mir einen Zeltplatz suchen. Es sind allerdings sehr viele Bauern hier oben anwesend, sodass ich noch bis auf über 2000 m hochsteige. Es hat zwar aufgehört zu regnen, aber die nassen hohen Gräser machen meine Hose klitschnass; hier hätte sich die Regenhose das erste Mal gelohnt - wenn ich sie denn rechtzeitig angezogen hätte. Erst jetzt merke ich die deutliche Erschöpfung des langen Reisetages, ich friere ziemlich während ich mitgebrachte Salami und Käse esse und darauf warte, dass es endlich dunkel wird. Ein lieber Freund macht mir am Telefon dann Mut, dass auch jetzt schon keiner mehr vorbeikommen wird und so baue ich mein Zelt doch schon um 20 Uhr mit Blick auf ein Stückchen des Monte Rosa auf und verschwinde schnell in meinen kuscheligen Schlafsack. Ich habe nicht mal mehr Kraft zum Zähneputzen, was ich sonst so gewissenhaft erledige.


    Blick zurück auf Gressoney


    Ein Stückchen des Monte-Rosa-Massivs


    endlich ins Bett...

    das waren heute: 670 hm hoch, 4,8 km
    Zuletzt geändert von whale; 19.10.2016, 08:23. Grund: vervollständigt

  • whale
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    • 13.09.2014
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    #2
    AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

    Samstag 23.7.2016
    Ich wache wieder um 4 Uhr auf, mit leichten Kopfschmerzen zwar, aber ausgeschlafen. Ich bleibe trotzdem noch eine Weile liegen und laufe dann nach dem Zeltabbau erst um 6:15 Uhr los, ohne Frühstück.

    Meine Wettervorhersage verspricht für den Vormittag Regen und am Nachmittag Gewitter, deshalb beeile ich mich etwas auf den Colle di Pinter (2777 m) zu kommen. Mein Plan ist nur eine kurze Eingewöhnungsetappe zu laufen und im Bivacco Lateltin zu schlafen, das man vom Pass auf einem bezeichneten Steig erreicht. Auf dem Weg zum Pass sehe ich einige Murmeltiere und überraschend eine Herde Steinböcke. Ab und zu donnert es schon jetzt und mit mir steigen einige Wolken den Hang nach oben.






    gleich eine ganze Steinbockherde


    Auf dem Pass der Blick ins nächste Tal, es ist früher Vormittag.

    Am Pass angekommen ist es relativ windig, der Weg zum Bivacco sieht aber erstmal ganz gut aus und da es noch früh ist entscheide ich mich es zu versuchen. Unterwegs beginnt bald ein leichter Hagel und es wird auch deutlich steiler, sodass ich ab und zu mein Hände brauche, um über größere Felsen zu kommen. Ich sehe zwischen den Wolken hin und wieder die Biwakschachtel auf dem Grat über mir und mache mir selbst Mut, dass es ja nicht mehr weit ist. Als es dann aber ein paar Mal in der Nähe blitzt, wird mir schon ziemlich mulmig. Ich befürchte, das für den späten Nachmittag angekündigte größere Gewitter ist schon da und ich sitze jetzt ganz alleine in einer steilen Wand. Schließlich entscheide ich mich auf 3000 m zur Umkehr - die Schutzhütte ist nur noch gut 100 hm über mir, aber ich erkenne nicht mal wo es weitergeht. Ich will nur noch schnell runter hier. Meine Beine zittern vor Anstrengung, schließlich habe ich bisher auch nur einen Früchteriegel im Magen. Zurück auf dem Pass wird schnell ein zweiter Riegel nachgeschoben und ich bin erleichtert, heil von dem nun etwas rutschigen Steig heruntergekommen zu sein.


    Hinter dem Pass liegt ein See


    5 Minuten später im Aufstieg der Blick in dieselbe Richtung...


    zurück auf dem Pass, ein immer noch etwas ängstlicher Blick

    Neues Tagesziel ist nun die bewirtschaftete Hütte Vieux Crest, wohin ich - wieder zurück auf dem Alta Via 2 - durch ein steiles Tal laufe, durch das sehr viel Wasser von den umliegenden Bergen fließt. Unterwegs wird der Himmel sogar heller und ich lege eine Pause ein um meinen selbstgemischten Müslibrei zu essen. Als dann das Matterhorn am Horizont auftaucht mache ich eine weitere Pause und rufe meinen Vater an. Dabei merke ich dann, wie mir die Angst vom Vormittag noch immer etwas in den Knochen sitzt. Rückblickend hätte ich das kurze Gewitter auch aussitzen können, denn die Wettervorhersage stimmte nicht. Trotzdem war es sicher die richtige Entscheidung auf mein Bauchgefühl zu hören und nicht krampfhaft am Plan festzuhalten.


    Der Abstieg, wieder auf dem Alta Via

    Crest ist ein schönes altes Dorf und ich beende hier schon um 13:00 Uhr meinen Wandertag, nachdem ich kurz gehadert habe, ob ich nicht noch weiterlaufen sollte. Die Wirtin im Rifugi Vieux Crest ist unheimlich nett und ich bekomme für 25€ ein Viererzimmer für mich alleine. Mir ist am heutigen Wandertag nur ein einziger Mensch begegnet und auch hier im Dorf ist nicht viel los. Als dann sogar die Sonne herauskommt, trockne ich meine Sachen und hänge später sogar mein nasses Zelt quer im Badezimmer auf, da ich ja alleine im Zimmer bin. Ich vertrödele den Nachmittag mit Kartenstudium, Kaffee trinken, Hörspiel hören und einem kleinen Spaziergang durch die Häuser - bei der Kirche kann man sogar wieder das Matterhorn sehen.




    Das Rifugi Vieux Crest




    Das Matterhorn von der Kirche in Vieux Crest

    das waren heute: 930 hm hoch, 1080 hm runter, 9,27 km
    Zuletzt geändert von whale; 16.10.2016, 17:06. Grund: Rechtschreibung

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    • whale
      Erfahren
      • 13.09.2014
      • 157

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

      Sonntag 24.7.2016
      Heute breche ich erst gegen 7:30 Uhr auf, die Sonne scheint, meine Laune ist gut.
      Auf dem Weg nach St-Jacques erblicke ich immer wieder das Matterhorn und Teile des Monte-Rosa-Massivs. Im Ort auf 1689 m trinke ich dann zu meinem Müslibrei einen Cappuccino in der Bar direkt am Parkplatz - hier starten gerade drei riesige Wandergruppen, deren Führer nur mit Geschrei auskommen, was mich sehr glücklich macht, alleine unterwegs zu sein.


      Frühstückspause


      St-Jacques von oben


      wieder ein Stückchen Monte-Rosa-Massiv

      Der Aufstieg zum Rifugi Grand Tournalin führt durch ein schönes Tal, in dem es hinter der Alpe di Nana alta auch einige Zeltmöglichkeiten gegeben hätte. Es war richtig mich in St-Jacques einzucremen, denn die Sonne brennt jetzt richtig und es sind 30 Grad, soll allerdings heute auch noch schlechter werden.



      Um 13:00 Uhr lege ich im netten, aber etwas lauten Rifugi eine Mittagspause mit leckerer Pasta bolognese für günstige 7€ ein, mein erstes warmes Essen auf der Tour. Es sind ziemlich viele Italiener hier, einige mit Bergstiefeln, andere wohl Tagesausflügler.


      Man sieht schon am Hang den weiteren Wegverlauf als Linie nach links Richtung Col de Nana

      Bei meinem Aufbruch beginnt es gerade zu regnen, vereinzelt blitzt es auch. Auf dem Weg zum Col de Nana (2775 m) kommt mir das Wasser auf dem Wanderweg als Bach entgegen. Ich habe aber prima Laune, ist ja diesmal kein Klettersteig und ich habe mich in der Hütte schon auf ein Unwetter vorbereitet. In dem kurzen flachen und einsamen Stück zwischen diesem Pass und dem nächsten wollte ich eventuell zelten, es sieht hier dann aber nicht so einladend aus, alles ist voll mit Hagelkörnern vom Gewitter.


      Wandern im Regen macht heute Spaß


      Blick zurück: nee, hier will ich doch nicht zelten

      Auf dem Colle dei Croux (2697 m) habe ich überraschend einen wunderschönen Blick auf die nächste Bergkette und sogar der Regen hört auf.


      auch hier wieder Hagel auf dem Bild

      Im Abstieg nach Cheneil wird es noch schöner: das Matterhorn kommt wieder um die Ecke. Ich beschließe hier kurz über der Alpe Champsec zu zelten, auf 2430 m sogar so gut wie legal. Ich hatte zwar mit dem Gedanken gespielt noch bis hinter Valtournenche zu laufen, da die Wandertage ja sehr lang sind, wenn ich mein Zelt erst in der Dämmerung aufbauen will. Aber hier ist es schön! Also sitze ich lange in der Sonne und gucke mich an den Bergen satt. Es ist auch auf dem Wanderweg noch ein bisschen was los, unter anderem kommen spät noch zwei Trailrunner den Berg herunter. Dann baue ich mein Zelt auf, mache schöne Fotos davon und gehe ins Bett. Ich kann allerdings wegen Kopfschmerzen lange nicht einschlafen.




      schön!




      mein Zelt


      Abendstimmung


      das waren heute: 1310 hm hoch, 800 hm runter, 15,5 km
      Zuletzt geändert von whale; 16.10.2016, 17:08. Grund: Rechtschreibung

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      • whale
        Erfahren
        • 13.09.2014
        • 157

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

        Montag 25.7.2016
        Beim Aufwachen mein erster Gedanke: "Na, sieht man das Matterhorn heute?" - ja! Sogar ganz ohne Wolken, schön! Wieviele Leute können wohl sagen, dass ihr erster Blick aus dem Zelt auf das Matterhorn fiel?





        Ich packe ganz gemütlich zusammen, hier kommt ja eh so schnell keiner vorbei, denke ich. Nur ein Steinbock steht etwas über mir am Berg in der Morgensonne. Mein Zelt ist sehr nass, sodass ich es erst mit meinem Handtuch abwischen muss. Um 7:30 Uhr beginne ich den Abstieg und nach 5 Minuten kommt mir doch tatsächlich jemand entgegen. Eine sehr freundliche, etwa 70-jährige Italienerin, die allerdings kaum englisch oder französisch spricht, macht Fotos von mir und sagt mir dann zum Abschied, dass sie die auf Facebook posten will. Da bin ich baff.

        In Valtournenche (1520 m) trinke ich einen Latte macchiato, es zieht mich aber bald weiter. Ich frühstücke später im Wald auf 1800 m. Es ist warm und sonnig, deshalb trage ich das erste Mal meine kurze Hose und habe meine weißen Beine lieber gleich gegen die Sonne eingecremt. Das Tal, das ich dann hinter Barmasse hochlaufe ist voll mit Leben: es summt und brummt, es fliegen Schmetterlinge und Bienen, blühen viele bunte Blumen und es duftet nach Kräutern.
        Oben am Stausee trinke ich einen Kaffee beim Rifugi Barmasse (2169 m) und genieße es einfach, barfuß in der Sonne zu sitzen und auf der Wiese mit den Liegestühlen herumzuspazieren.








        Barfuss in Barmasse

        Bis zu meinem Tagesziel, dem Bivacco Tzan am gleichnamigen See, sind es laut Wegweiser noch etwa drei Stunden. Der Weg führt durch ein einsames schönes Tal voller Murmeltiere. Obwohl sie ständig pfeifen, kommt eines davon ganz erschrocken aus einer Ruine am Wegesrand gesaust und läuft direkt vor meinen Füßen vorbei. :-) Bei einer zwingenden, frauenspezifischen Pause werde ich dann fast von Mücken aufgefressen. Sie verschmähen allerdings meine nackten Beine und stechen lieber durch mein langärmeliges Merinohemd. Riecht müffeliges Schaf vielleicht besonders attraktiv? Und die Biester haben eine tolle Strategie: wenn mich ganz viele gleichzeitig stechen, kann ich nicht auf alle rechtzeitig draufhauen. Bei mindestens jeder vierten bildet sich ein großer Blutfleck auf meinem Hemd. Lecker.


        erst noch Kühe auf dem Weg...


        ...dann ins Murmeltiertal




        links etwas oberhalb des Sees ist die Biwakhütte schon zu sehen.

        In der Biwakhütte (2472 m) ist schon Giuseppe, ein älterer Italiener, mit dem die Verständigung anfangs wegen der Sprachbarriere nur mühsam funktioniert. Ein trainiertes, sehr sympathisches Paar schaut am Abend noch vorbei, hat aber nur die Zeit gemessen, die es bis hierher braucht und läuft wieder ins Tal. Da die Frau französisch sprach und viel übersetzt hat, ist das Eis mit Giuseppe gebrochen und in einem Kauderwelsch aus Französisch/Italienisch/Deutsch und mit Hilfe eines Wörterbuchs wird es doch noch ein sehr langer, netter Abend.


        Der wunderschöne Lago Tzan


        Die müssen noch ein bißchen wachsen...


        ... damit sie mal so groß werden.


        Die Biwakschachtel von innen


        Jede Menge Edelweiß vor der Hütte

        das waren heute: 1300 hm hoch, 1210 hm runter, 17,6 km
        Zuletzt geändert von whale; 16.10.2016, 17:10. Grund: Rechtschreibung

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        • Galadriel

          Dauerbesucher
          • 03.03.2015
          • 913

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

          ... sehr schöner Bericht und sehr schöne Bilder... die Gegend werde ich mir auf jeden Fall vormerken...
          Wandern & Flanieren
          Neues entdecken durch Langsamkeit

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          • ronaldo
            Freak
            Moderator
            Liebt das Forum
            • 24.01.2011
            • 10216

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            #6
            AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

            Danke fürs Teilen... liest sich sehr gut!

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            • whale
              Erfahren
              • 13.09.2014
              • 157

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

              Dienstag 26.7.2016
              Die Nacht war ruhig. Ich packe gemütlich zu den ersten Sonnenstrahlen meine Sachen zusammen und warte noch ein bisschen bis mein Schlafsack gelüftet ist.


              mein Badezimmer :-)



              Giuseppe kocht uns noch einen Tee und dann laufen wir gemeinsam los. Er macht eine Drei-Tages-Tour und möchte in der Biwakhütte am nächsten See schlafen, dann nach Hause. Anfangs stört es mich plötzlich jemanden im Nacken zu haben, aber er ist sehr geduldig und ich gewöhne mich daran, nicht mehr alleine zu sein. Am Fenêtre de Tsan (2738 m) sehen wir wieder einen Steinbock und nach einer Pause mit Keksen geht es sehr steil und deshalb für mich mit meinem Rucksack sehr langsam bergab.


              wieder an dem schönen See vorbei...


              der gemeinsame Aufstieg


              Am Fenêtre de Tsan

              Am Bivacco Reboulaz gibt es wieder Müslibrei für mich. Ich verabschiede mich von Giuseppe und verspreche ihm nach Ende meiner Tour eine Postkarte aus Hamburg zu schreiben und ihm mitzuteilen, wie weit ich insgesamt auf dem Höhenweg gekommen bin.


              hier gab's Frühstück für mich und einen langen, hoffentlich schönen Tag für Giuseppe




              meine versprochene Postkarte


              Blick zurück

              Direkt vor dem Col de Terray lacht mich eine Pfütze mit Schneeresten auf 2770 m an. Es ist als Mutprobe mit Fotobeweis gedacht, ist dann aber gar nicht sooo kalt. Um mit dem Selbstauslöser ein ordentliches Foto zu bekommen, laufe ich vier mal nackt rein und raus, was mir dann richtig Spaß macht. Würde mich jemand sehen, hielte er mich bestimmt für verrückt, aber auf dem Alta Via 1 begegne ich weiterhin sehr wenig Wanderern.


              Der Weg zum Col de Terray




              So geht es hinter dem Pass weiter weiter

              Der Weg zum Rifugi Cuney ist weiterhin teils sehr steil und beschert mir eine schwierige Passage über ein vereistes, aber angetautes Altschneefeld, zum Glück mit einem Seil gesichert. Und obwohl ich sehr überlegt handele, rutsche ich irgendwann unelegant aus. Pünktlich zu den ersten Regentropfen sitze ich im Trockenen der Hütte und warte auf die bestellte Pasta, die diesmal nur akzeptabel schmeckt. Außerdem nervt mich das laute Radio, aber dem Hüttenwirt ist wohl langweilig.


              hübsch angelegte Serpentinen


              das war nicht ganz einfach


              gleich gibt's Essen...


              Pasta im Rifugi Cuney

              Zum Bivacco Rosaire und Clermont, wo ich heute schlafen will, geht es weiter hoch und runter, aber immer mit schönem Ausblick, am Col de Chaleby (2683 m) kann man sogar über das Aostatal hinweg Teile der Gran Paradiso-Gruppe sehen. Und auch hier wohnen wieder viele Murmeltiere.


              Blick vom Col Chaleby Richtung Süden


              Der Endspurt zum Bivacco, unterhalb des Passes links, auf dem noch etwas Schnee liegt.

              Gegen 17:00 Uhr erreiche ich die Biwakhütte auf 2692 m in der erst zwei nette Holländer sind. Nach mir kommt dann aber noch eine achtköpfige französische Gruppe mit einem etwas unsympathischen und gestresst wirkenden Führer, es wird also voll. Von den auf drei Etagen gezimmerten Betten bin ich begeistert und suche mir den kuscheligen Platz unter der Dachschräge aus.


              im Bivacco Rosaire et Clermont


              Selbst das Klohäuschen hat ein hübsches Dach bekommen

              Auch bei dieser Hütte gibt es einen See und obwohl es schon kühl wird, springe ich auch hier kurz rein. Als die Holländerin mir anbietet ein Foto von oben zu machen, gehe ich sogar nach dem Abtrocknen noch ein zweites Mal schwimmen. Jetzt, kurz bevor die Sonne hinter den Bergen verschwindet, wird's dann allerdings doch ganz schön kalt.


              das hätte ich nicht mit einem Selbstauslöser geschafft

              Am Abend nähern sich Steinböcke der Hütte und wir alle betrachten die tolle Stimmung aus Licht und Wolken.




              Abendstimmung am Bivacco Rosaire et Clermont

              das waren heute: 910 hm hoch, 740 hm runter, 13,1 km
              Zuletzt geändert von whale; 19.10.2016, 08:35. Grund: Rechtschreibung

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              • whale
                Erfahren
                • 13.09.2014
                • 157

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                Mittwoch, 27.7.2016
                Beim Aufwachen gegen 6:00 Uhr habe ich wieder ein bisschen Kopfschmerzen, es war wohl auch ein bißchen viel mit dem Baden gestern... Zum Sonnenaufgang geht neben mir nur einer der Franzosen vor die Hütte und ich werde damit belohnt, dass nicht weit von mir drei Steinböcke ebenfalls ganz in Ruhe die ersten Sonnenstrahlen genießen. Danach lege ich mich allerdings nochmal eine halbe Stunde in meinen warmen Schlafsack, mir ist doch ein bisschen fröstelig.


                Morgenstille



                Beim Trocknen meines Schlafsacks in der Sonne später ernte ich neidische Blicke. Die anderen haben trotz der vorhandenen Decken in ihren dünnen Hüttenschlafsäcken ein bisschen gefroren heute Nacht. Ich lasse die französische Gruppe, die zum Glück in die entgegengesetzte Richtung unterwegs ist, in Ruhe ziehen und frühstücke mit dem holländischen Paar; heute mal gleich mit meinem Müslibrei statt nur eines Früchteriegels, denn der lange und teils steile Abstieg ins Valpelline steht bevor. Gegen 9:00 Uhr breche ich dann endlich auf. Ich habe gestern beim Baden auch mein T-Shirt im See gespült und finde, dass ich heute ganz annehmbar rieche Mein Rucksack müffelt allerdings etwas und das wird wohl auch eher schlimmer die nächsten Tage...

                Erst muss ich hoch auf den Col de Vessona (2788 m), auf dem auch noch ein paar Schneereste liegen. Dann geht's bergab, schön langsam, immer auf meine Knie bedacht und auch deutlich langsamer als die Schilder angeben. Und ich bin wieder mal sehr froh über meine Stöcke! Das Tal weiter unten zieht sich hin und ist auch nicht hübsch. Nach dem steilen Stück läuft man zwar stets an einem Bach entlang, aber größtenteils auf einem Forstweg, der wohl irgendwann auch mal genutzt wurde um hier mit einem Bauvorhaben zu beginnen, dass nie fertiggestellt wurde. Ein Bagger rostet vor sich hin und ab und an liegt altes Baumaterial am Wegesrand.


                Am Pass der Blick zurück zur Hütte und meinem abendlichen Badesee


                Blick in das vorausliegende Tal


                ob der nochmal benutzt wird?



                Ich folge am Talausgang den regelmäßigen Markierungen, aber nach einer Weile beschleicht mich das Gefühl, dass die Richtung nicht ganz stimmt. Und nachdem ich eine unscheinbare Abzweigung verpasse, mit der ich auch nicht mehr gerechnet habe, stehe ich dann am Tornalla auf 1474 m, einem Turm von dem man prima nach Oyace blicken kann, aber leider nicht laufen, denn der Weg hierher ist eine Sackgasse. Es ist inzwischen auch sehr heiß geworden. Der Nadelwald hier riecht toll und erinnert mich an die Sommer in den südfranzösischen Alpen. Eine junge Familie macht hier Picknick, aber ich brauche jetzt bald mal neues Wasser und wäre lieber schon im Ort. Der Grund für mein Verlaufen: Kurz vor Oyace ist die Wegführung des Alta Via 2 gegenüber meiner Karte verändert worden. Er führt jetzt nicht mehr durch den Ortsteil Close, sondern weiter südlich mitten durch den Ort. Auf dem Weg zurück finde ich auch die richtige Abzweigung. So bin ich erst gegen 13:40 Uhr ganz unten im Tal. Die Asphaltstraße im Ort ist bei der Sonne nicht sehr einladend. Im einzigen Restaurant La Tour bestelle ich Kaffee und Kuchen, fühle mich dabei aber ziemlich unwohl mit meinen fettigen Haaren. Seit kurzem gibt es hier auch Zimmer, allerdings für 35€. Ich überlege lange hin und her, laufe aber schließlich doch lieber weiter, auch wenn der nächste Abschnitt erstmal nicht so geeignet zum Zelten aussieht.


                Kaffee und Kuchen in Oyace

                Entspannt habe ich mich in der Pause nicht wirklich, vielleicht deshalb auch meine Wasserflasche nicht richtig zugeschraubt? Jedenfalls habe ich nach ein paar Metern bergauf eine nasse Hose, weil es aus meinem Rucksack tropft. Zum Glück sind Schlafsack und Kleidung ja in wasserdichten Packsäcken...
                Der Weg über den Bergrücken nach Ollomont ist ziemlich zugewuchert, an einer Stelle seit dem letzten Winter auch von einem Steinschlag verschüttet. Einen Zeltplatz gibt es hier jedenfalls nicht wirklich.


                Das Valpelline, die Staumauer im Nordosten ist auch zu sehen.

                Gerade rechtzeitig vor einem kurzen Gewitter erreiche ich die aufgegebene Alpe Sucheaz (1995 m). Hier könnte ich mein Zelt aufstellen, daher warte ich den Regen in den Ruinen ab. Mit der Sonne erscheint ein vollständiger Regenbogen über das Valpelline. Toll!


                In der Ruine habe ich gerade das Gewitter abgewartet

                Ich fühle mich etwas einsam und rufe deswegen mal meinen Vater an. Andere Wanderer, mit denen man sich unterhalten kann, habe ich bisher kaum getroffen. Um 18:30 Uhr baue ich blickgeschützt unter einem Baum mein Zelt auf, was hoffentlich dort noch etwas trocknen kann.



                Auch wegen der Hitze habe ich den Tag als anstrengend erlebt, zumal es kaum belohnende Ausblicke gab. Ich schätze die nächsten Tage als sich ähnlich hinziehende Strecken ein, besonders der Abschnitt beim großen St.-Bernhard, der die Autobahn quert, sieht nicht verlockend aus. Für morgen reserviere ich ein Bett im Rifugi Champillon, endlich wieder duschen und meine Sachen waschen!


                das waren heute 770 hm hoch, 1480 hm runter, 14,4 km
                Zuletzt geändert von whale; 16.10.2016, 17:16. Grund: Rechtschreibung

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                • whale
                  Erfahren
                  • 13.09.2014
                  • 157

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                  Donnerstag, 28.7.2016
                  Ich bin gestern früh eingeschlafen und wache gut erholt um 6:00 Uhr auf. Während des Zeltabbaus geht die Sonne auf und gegen 7:00 Uhr laufe ich mit guter Stimmung und dem Gefühl heute viel Kraft zu haben los.


                  mein verstreuter Hausrat


                  Am Talende kommt dann die Sonne hervor.

                  Der Weg weiter bergauf durch den Wald ist ziemlich langweilig, auf dem Col de Brison (2480 m) überrascht mich dann aber der Ausblick auf den Grivola und die Bergketten südlich des Aostatals, den Grand Combin und die Spitze des Mont Blanc. Ich gönne mir ein Frühstück mit dem hartgekochten Ei noch aus Hamburg und Keksen bevor ich um 9:00 Uhr absteige.




                  Blick nach Süden über das Aostatal hinweg: dorthin wird mich der Höhenweg auch noch führen


                  auch der Grand Combin ist hier wieder zu sehen

                  Bis auf meine Haare fühle ich mich sauber, deswegen spiele ich mit dem Gedanken, ob ich nicht doch wieder im Zelt schlafe. Die bald kommenden Tage auf dem Abschnitt, der gemeinsam mit der TMB verläuft, wird es vielleicht schwieriger zu zelten.
                  Meine Schultern schmerzen etwas, aber meine Beine fühlen sich gut an. Abwärts geht es ganz leichtfüßig und ich komme gut gelaunt und relativ früh im hübschen Örtchen Ollomont (1349 m) an. Als erstes tanke ich am Brunnen Wasser und spüle meine verschwitzte lange Hose durch. Dann setze ich mich in die kleine, gut besuchte Dorfkneipe und da es hier sehr nett ist, Strom und günstiges Essen gibt, mache ich eine sehr ausgiebige Mittagspause. Ich habe mir vorher das Halstuch über die Haare gezogen und sehe jetzt zwar komisch aus, fühle mich aber viel besser. Meine Klamotten stinken allerdings schon ein bisschen und ich traue mich auch nicht, meine Schuhe auszuziehen und meine Füße zu lüften.


                  Hier geht's jetzt runter, das Dörfchen Ollomont immer im Blick und dann auf dem gegenüberliegenden Hang wieder hoch




                  beim Mittagessen wird weitergeplant

                  Um 14:30 Uhr geht's weiter. Ich sage unterwegs beim Rifugi wieder ab, habe mich in der Pause entschieden doch dahinter einen Zeltplatz zu suchen. An der Alpe Champillon noch vor dem Rifugi hängt ein Schild, dass es hier Käse zu kaufen gibt. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Die Bauern sind sehr nett, ich darf im Käsekeller alles mal probieren und erstehe ein sehr leckeres Stück Hartkäse.


                  im Aufstieg zur Alpe Champillon


                  sehr leckerer Käse!

                  Am Rifugi vorbei laufe ich hoch zum Col de Champillon (2709 m). Dort ist es zwar sehr böig, aber nicht so kalt. Unterwegs gab es einige Möglichkeiten zu zelten, auf dem Weg nach unten sieht es erstmal nicht so gut aus. Der Ausblick ist auch nicht schöner, denn der Mont Blanc ist komplett mit Wolken verhangen. Also kehre ich um und suche unterhalb des Passes den schönsten Flecken für mein Zelt. Ich finde einen relativ windstillen Platz auf 2665 m mit Blick auf den Grand Combin, der ab und zu von den Wolken freigegeben wird, aber auch einem tollen Rundumblick.


                  der Mont Blanc ist da hinten unter Wolken


                  also wieder zurück auf die östliche Seite des Passes




                  so einen Ausblick hätte ich auch gerne in meinem Badezimmer zuhause

                  Beim Hochlaufen schmerzte mein rechter Fuß etwas, später im Bett sehe ich dann einen tiefliegenden Bluterguss mitten drunter. Hoffentlich ist das morgen wieder gut. Die Wettervorhersage rechnet mit nachts nur 8 Grad im 1300 m unter mir liegenden Tal; ich schätze, dass es heute also recht kalt werden wird. Naja, im schlimmsten Fall bleibe ich eben morgen bis mittags liegen. Ich nehme aber vorsichtshalber meine empfindlichere Elektronik mit in den Schlafsack.
                  Für morgen plane ich je nach Empfinden einen langen Tag bis zum Rifugi Frassati oder noch eine Nacht im Zelt in dem langen, aber bewohnten Tal vorher und dann danach einen halben Ruhetag im Rifugi. Ich tendiere eher zur zweiten Möglichkeit.


                  abends der Blick aus dem Zelt



                  das waren heute: 1820 hm hoch, 1090 hm runter, 16,1 km
                  Zuletzt geändert von whale; 16.10.2016, 17:19. Grund: Rechtschreibung

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                  • whale
                    Erfahren
                    • 13.09.2014
                    • 157

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                    Freitag, 29.7.2016
                    Ich wache wieder um 6 Uhr auf und warte im Schlafsack auf den Sonnenaufgang. Die Sonne scheint mir dann beim Auftauchen hinter den Bergen genau ins Gesicht. Wie kann ein Tag besser beginnen? Ich habe morgens im Zelt erstaunlicherweise noch 4 Grad gemessen. Weil das Zelt vom Kondens ziemlich nass ist, lasse ich meine Sachen noch in Ruhe in der Sonne trocknen und laufe heute erst gegen 8 Uhr los.


                    tolle Stimmung vor Sonnenaufgang


                    und die Sonne zaubert mir dann noch ein Lächeln ins Gesicht


                    mit so einem Ausblick warte ich gerne noch ein bißchen

                    Während ich zusammenpacke, laufen auf dem Weg zum Col de Champillon mehrere Franzosen an meinem Platz vorbei. Einige erwidern auf Buongiorno grummelig nur Bonjour, andere grüßen dafür gar nicht. Auf dem Pass, heute mit tollem Blick auf den Mont Blanc!, führe ich aber mit zweien von ihnen ein sehr nettes langes Gespräch und erfahre, dass sie aus Grenoble stammen und die Runde um den Grand Combin (TMC) laufen.


                    Heute sieht man den Mont Blanc vom Pass aus. Ich bin übrigens auch auf dem Bild



                    Der Abstieg ist nicht so steil, dafür der Ausblick auch nicht sehr spannend. Der Mont Blanc verschwindet langsam hinter den kleineren Bergen im Vordergrund. An der Gabelung, an der sich TMC und mein AV1 trennen, ahne ich, dass ich auf dem TMC schneller in St-Rhemy wäre, da ich aber keine Wegbeschreibung dabei habe, hoffe ich, dass mein Weg wenigstens der schönere ist. Ich laufe in der prallen Sonne auf einem mäßig schönen Weg, später auf einer Forststraße, auf der die einzigen Ausblicke auf die Autobahn fallen...


                    Blick Richtung Talausgang des Valle del Gran San Bernardo, da geht's direkt nach Aosta


                    hmm... leider noch nicht ganz reif




                    Der Blick voraus

                    Deswegen reserviere ich doch im Rifugi Frassati, ich will diese Durststrecke des AV1 schnell hinter mir lassen. Als Belohnung für einen langen Tag bestelle ich mir sogar Halbpension. Gegessen habe ich bisher einen Früchteriegel und einen weiteren Riegel in Bourg St-Rhemy (1619 m). Meinen Müslibrei wollte ich mit einem Kaffee zusammen essen, aber mein Weg führt nirgends an einem Café vorbei. Überhaupt ist alles hier ziemlich traurig und in den Dörfern oberhalb der Straße im Tal nichts los. Der weitere Weg führt in der Mittagshitze über eine lange Asphaltstraße. Der einzige Trost sind hier die vielen Eidechsen auf der Mauer an der ich entlanglaufe, bestimmt an die 50 Stück sehe ich.


                    in der prallen Mittagssonne kein schönes Wegstück



                    Direkt nach der Autobahnunterführung verpasse ich einen Abzweig ins Grüne und laufe auf einer Forststraße zu ein paar verfallenen Häusern, wo der Weg endet. Laut Karte gibt es zwar eine Verbindung zu dem nur 100 hm über mir liegenden Weg, da aber schon der Anfang zugewuchert und nur zu erahnen ist, riskiere ich meine Kraft nicht und laufe lieber zurück. Ich verliere zwar nur etwa 30 Minuten, aber meine Beine sind schon sehr müde und ich habe natürlich viel zu wenig gegessen. Die 700 hm hoch zum Rifugi werden noch ganz schön anstrengend. Auf 1950 m esse ich einen weiteren Riegel und ein bisschen Käse, aber nur weil ich die Energie brauche. In der Hitze habe ich kaum Hunger.
                    Bald sehe ich beim Zurückblicken auch die Autobahn nicht mehr und vor mir liegt ein wunderschönes, grünes einsames Tal. Ich vermute hier keinerlei Netzempfang, werde später aber überrascht, dass ich doch ein paar Wetterdaten empfangen kann. Unterwegs komme ich jungen tollenden Murmeltieren ziemlich nahe und obwohl ich mich inzwischen etwas quäle, kann ich die schöne Natur genießen.


                    hier geht's unter der Autobahn hindurch, danach wird's dann immer schöner


                    durch dieses tolle Tal geht es nun hinauf


                    Rifugi Frassati

                    Und dann bin ich um 17:00 Uhr endlich auf der Hütte. Als erstes verlangt es mich nach einer Dusche, schön heiß. Das Waschen meiner Kleidung geht dann anschließend nur eiskalt, trotzdem bin ich froh, vieles mal durchspülen zu können. Auf der Hütte ist viel Trubel, denn etwa 40 junge Menschen, die der Operazione Mato Grosso angehören, sind gerade hier. Die Hütte ist von 2008-2011 in freiwilliger Arbeit errichtet worden. Eindrucksvolle Bilder zeigen, wie Jugendliche das komplette Baumaterial auf ihren Rücken den Berg hochgetragen haben. An der geselligen Stimmung kann ich allerdings erstmal nicht richtig Anteil nehmen, ich bin ziemlich erschöpft. Für das Abendessen bestelle ich aus dem Menü die sattmachenden Speisen: Nudeln mit Tomatensoße, Schnitzel mit Polenta und Schokopudding. Lecker, aber jetzt fühle ich mich kugelrund.


                    Reisetagebuch schreiben


                    ein wunderschöner Ausblick von der Terasse


                    Polenta macht definitiv satt!


                    passt aber trotzdem noch

                    Ich sitze mit vier Franzosen, den einzigen anderen Wanderern, am Tisch, von denen ich Tips zum Zelten für die nächsten Tage bekomme. Ich plane für morgen einen etwas kürzeren Tag. Heute war es eine gute Entscheidung bis hierher durchzulaufen, denn geeignete Zeltplätze hätte es erst kurz vor der Hütte gegeben.
                    Die Jugendlichen haben mehrere Gitarren dabei und sind leider noch bis 23 Uhr laut. Dann geht auch der Strom aus, also müssen meine Akkus morgen noch weiter laden.



                    das waren heute: 1360 hm hoch, 1490hm runter, 27,1 km
                    Zuletzt geändert von whale; 16.10.2016, 17:22. Grund: Rechtschreibung

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                    • Tie_Fish
                      Alter Hase
                      • 03.01.2008
                      • 3550

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                      Sehr schön! Kommt mir bekannt vor - vor allem das Wetter
                      Grüße, Tie »

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                      • Antracis
                        Fuchs
                        • 29.05.2010
                        • 1267

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                        Ein wirklich schöner Reisebericht, den ich bis hierher gerade im Nachtdienst lesen konnte. Der Spaß aber auch der Anspruch der Tour kommt gut und ehrlich rüber, auch schöne Fotos.

                        Bei der Vorstellung, wie Du 4 mal nackt mit Sonnenbrille in den Bergsee rennst, musste ich schmunzeln. Respekt!

                        Und ich glaube, mit Deiner gesamten Tournahrung wäre ich grad mal einen Tag weit gekommen, da knurrt mir ja schon der Magen beim Lesen.

                        Weiter so.

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                        • whale
                          Erfahren
                          • 13.09.2014
                          • 157

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                          Vielen Dank für die vielen netten Kommentare!

                          @ Tie_Fish: warst du in der Zeit auch gerade in dem Gebiet unterwegs? Das Wetter war eigentlich für mich überwiegend genau richtig. Eine schöne Mischung aus Regen und Sonne. Nur das Gewitter gleich am Anfang hätte nicht sein müssen...

                          @ Antracis: ich habe in der ersten Woche noch von meinen Reserven gezehrt. Ab der zweiten Woche hatte ich deutlich öfter Hunger.

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                          • sfhrvk
                            Gerne im Forum
                            • 18.09.2014
                            • 87

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                            toller Bericht, endlich auch mal nen Quickhiker UL2 Liebhaber :P

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                            • whale
                              Erfahren
                              • 13.09.2014
                              • 157

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                              Samstag, 30.7.2016
                              Die Nacht war nicht so erholsam und um 6 Uhr werden wir auch schon wieder von der Gitarre geweckt. So löblich die Arbeit der Jugendlichen auch ist, ärgere ich mich als Ruhe suchender Wanderer doch über den Lärm.
                              Das Frühstück ist typisch spärlich: Brot mit süßem Aufstrich und Kaffee oder Tee. Ich habe trotz der Völlerei gestern ordentlich Appetit. Der Strom wird erst um 8 Uhr wieder eingeschaltet, daher bleibe ich noch bis 9:45 Uhr hier.


                              Morgenstimmung am Rifugi Frassati


                              Aufbruch der großen Gruppe


                              ein tolles Blau

                              Beim Loslaufen fühlen sich meine Beine wieder leicht an. Der Weg auf den Col Malatra (2928 m) ist spannend; das letzte sehr steile Stück ist zum Glück mit einem Seil gesichert. Der Pass an sich ist nur ein schmaler Durchlass zwischen den Felsen, aber der Ausblick zu beiden Seiten ist toll.


                              Hier geht's jetzt rauf


                              und aus dem Tal bin ich gestern hergekommen


                              das ist jetzt schon etwas steiler...


                              gleich oben


                              Blick zurück Richtung Grand Combin


                              und der Blick voraus auf den Mont Blanc

                              Ich steige durch ein sehr schönes Tal ab, zuerst mit Blick auf den Mont Blanc, dann auch ständig auf die Grand Jorasses. Hier kommen mir schon etwas mehr Wanderer entgegen, die aber höchstens auf den Col Malatra und dann ins Val Ferret umkehren wollen.


                              wow, der Blick reicht bis nach Frankreich in die Vanoise!


                              hier ist es schön und trotzdem relativ einsam


                              immer die Grand Jorasses im Blick


                              es sieht hier schon ein bißchen nach Regen aus

                              Eigentlich wollte ich im Rifugi Bonatti (2026 m) eine lange Pause machen um am Abend noch zwei Stunden zu laufen und kurz vor dem Rifugi Bertone zu zelten. Doch das scheitert an dem abschreckenden Trubel hier: es ist wahnsinnig voll, viele freilaufende Hunde, schreiende Leute, eine Drohne, die knapp über meinen Kopf fliegt. Ich bin halt auf der TMB angekommen... Auch meine heiße Schokolade für 4€ schmeckt so ekelhaft, dass ich sie nicht austrinken kann. Ich kann es hier trotz der Gletscher direkt gegenüber so gar nicht genießen und flüchte schon um 14:45 Uhr Richtung Rifugi Bertone.


                              Rifugi Bonatti

                              Es fängt an zu nieseln und hört auch nicht mehr auf. Während des Weges vergeht auch meine Lust aufs Zelten, denn ich müsste ja in dem feuchten Wetter noch ein paar Stunden bis zur Dunkelheit warten. Von dem balkonartigen Weg erblickt man auf der anderen Talseite immer wieder die Osthänge des Mont-Blanc-Massivs zwischen den Wolken. Mir gefällt die schwarz-weiß-Stimmung und das beeindruckend laute Rauschen der Wasserfälle.


                              die Regenwolken kommen näher


                              im Regen gefällt mir der Wegabschnitt ganz gut, ich vermute, dass hier weniger los ist als bei Sonnenschein


                              es gibt trotzdem interessanten Gegenverkehr


                              eine wunderschöne s/w-Stimmung

                              Um 17:15 Uhr checke ich für 20€ im Rifugi Bertone (1977 m) ein. Auch hier ist es voll, aber trotzdem viel gemütlicher. Ich kaufe Kaffee und Kuchen für 5,50€ und ernähre mich anschließend weiter sehr gesund von Käse, Salami, Nüssen, Weingummi und Schokoriegeln aus meinem Rucksack :-) Morgen in Courmayeur muss ich meine Vorräte auffüllen, was laut Aussage anderer Wanderer auch sonntags möglich sein soll.


                              Rifugi Bertone


                              "Wolkenbaden"?


                              eine chinesische Gruppe kocht gemütlich vor der Hütte

                              Meine Augen sind müde, aber da im Schlafsaal ein grelles Licht brennt, kann ich auch nicht schlafen und spiele noch mit meinem iPhone. Am Abend beginnt es mehr zu regnen, gut zu hören auf dem Blechdach des Schlafsaals. Fast genauso laut ist bald das Schnarchkonzert. Ich wache um 2 Uhr von dem nun trommelnden Regen wieder auf und kann erst gegen 4 oder 5 Uhr erneut einschlafen. Es gewittert auch ein bisschen und ich bin ganz froh nicht im Zelt zu schlafen.


                              Der Schlafsaal im Rifugi Bertone

                              das waren heute: 570 hm hoch, 1150 hm runter, 15,4 km
                              Zuletzt geändert von whale; 16.10.2016, 17:24. Grund: Rechtschreibung

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                              • whale
                                Erfahren
                                • 13.09.2014
                                • 157

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                                Sonntag, 31.7.2016
                                Die Gruppe Chinesen veranstaltet am Morgen, wie schon am Abend zuvor, eine wahre Kochorgie. Sie haben alle die gleichen, riesigen Rucksäcke, die bestimmt so um die 20 Kilo wiegen. Mein Müslibrei schmeckt heute mit dem Duft von Fischsoße und gebratenen Nudeln in der Nase etwas komisch.
                                Ich telefoniere eine Weile und breche um 9 Uhr auf, heute will ich eh nicht weit laufen. Anfangs regnet es noch mal, hört dann aber auf.


                                Das erste Licht zaubert oft besonders schöne Stimmungen in die Berge




                                Der Blick auf Courmayeur, mein nächstes Ziel.

                                Mir kommen viele Leute entgegen, auch die Grüße fallen hier sehr international aus. Vermutlich sind neben TMBlern aber auch viele Tagesausflügler dabei.
                                Am frühen Mittag finde ich in Courmayeur im zweiten Anlauf tatsächlich einen kleinen Supermarkt. Im ersten Laden hatte ich zum Glück erstmal nur teure Kekse gekauft. Danach setze ich mich in ein Café mit Steckdose neben der Theke und habe trotz mehrerer Cappuccini und Espressi ein richtiges Mittagstief, schlafe fast ein.
                                Auch meine Motivation hat einen kleinen Durchhänger bekommen, bin ich doch hier am Ende des Alta Via 1 angekommen und frage mich, ob der Alta Via 2 noch genauso schöne Erlebnisse bereithalten kann. Der Weg wird vermutlich vom Höhenprofil her etwas anstrengender und die Versorgungs- und Zeltmöglichkeiten seltener.


                                So, angekommen. Fühlt sich gut an. Und nun? Gleich weiterlaufen?




                                Die Kekse heben meine Stimmung nur bedingt

                                Natürlich laufe ich dann trotzdem weiter... Das Himmel wird immer blauer und ich erblicke noch ein paar Mal Teile des Mont Blanc. Nach dem Ortsausgang führt der Weg ein Skigebiet hinauf, teilweise direkt unter dem Lift. Da ist die Aussicht dann nicht mehr so schön.


                                Der Beginn des Alta Via 2


                                Rückblick auf Courmayeur


                                Der Beweis, dass ich nicht die Seilbahn genommen habe

                                Gegen 16 Uhr esse ich leckere Spaghetti bolognese im Rifugi Maison Vieille (1952 m), aber da die Umgebung hier nicht schön ist (das Rifugi steht neben einem Skilift) und mir die Hütte an sich auch nicht sehr gefällt, mache ich noch einen Abstecher zum 300 m tiefer gelegenen Rifugi CAI Monte Bianco. Ich könnte ja auch zelten, aber die ganze Nacht durch drohen die Regenwolken aus Südfrankreich hier herüberzuschwappen und ich habe keine Lust auf ein nasses Zelt morgen früh.


                                Die Pasta war zwar sehr lecker, aber bleiben will ich nicht über Nacht

                                Der Weg zum Rifugi ist kaum markiert und nach einer Skiliftstation auch schwer wiederzufinden. Ich denke kurz, dass es eine Schnapsidee war, sich irgendwo für ein paar Euro Ersparnis und eine ja auch nur vielleicht nettere Hütte zu verlaufen. Das Rifugi ist dann aber prima, zwar alt, aber sehr gemütlich und die Dusche gibt es umsonst. Ich bestaune den Gletscher direkt gegenüber auf der anderen Talseite und dann fängt es tatsächlich an zu regnen. Es herrscht eine gemütliche Atmosphäre im Aufenthaltsraum, wird dann beim Essen später aber ziemlich laut. Es sind ein paar Familien hier und da das Rifugi auch an einer Straße liegt, ist es einigermaßen gut besucht. Ich gehe relativ früh ins Bett, gegessen hatte ich ja schon. Das war heute ja eigentlich ein halber Ruhetag, obwohl ich nicht das Gefühl habe besonders erholt zu sein. Ich brauche wohl einfach mal Schlaf...


                                Der Weg dorthin ist hässlich...


                                ...aber das Rifugi CAI Monte Bianco liegt wunderschön


                                mein trockenes Bett für heute Nacht

                                das waren heute: 770 hm hoch, 1040 hm runter, 10,4 km
                                Zuletzt geändert von whale; 16.10.2016, 17:27. Grund: Rechtschreibung

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                                • whale
                                  Erfahren
                                  • 13.09.2014
                                  • 157

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                                  Montag, 1.8.2016
                                  Am Morgen ist der Himmel blau-weiß, aber der Mont Blanc noch in den Wolken. Ich habe zwar ganz gut geschlafen, bin aber trotzdem irgendwie müde und nicht so motiviert. Das kommt bestimmt beim Loslaufen...
                                  Ich frühstücke im Rifugi mit Cappuccino und Keksen und mache mich um 8:45 Uhr gemütlich auf die Socken. Ich steige auf dem selben Weg von gestern Abend wieder zurück auf den Alta Via 2, statt von hier den direkten Weg über die langweilige Schotterstraße im Tal zu nehmen. Nach einem ganz hübschen Balkonweg treffe ich später eh wieder auf die Schotterstraße um dann gemeinsam mit sehr vielen Tagestouristen das letzte Stück zum Rifugi Elisabetta Soldini (2197 m) zu laufen.


                                  Auf dem Balkonweg


                                  oh, da kennt mich jemand gut


                                  hier hätte ich eventuell zelten wollen, aber die Hütte war trockener


                                  Nun geht's wieder hinunter in das Tal, aus dem ich heute morgen aufgestiegen bin.


                                  Der Aufstieg durch das Vallon de la Lex blanche erfolgt zusammen mit vielen Tagesausflüglern.


                                  Ob die Suche jetzt noch Sinn macht?

                                  Um 13 Uhr komme ich bei der Hütte an. Kurz vor zwei Uhr laufe ich aber schon weiter, mir ist es auch an dieser Hütte deutlich zu voll und zu laut. Ich habe nur mein Müsli gegessen und kurz die Beine ausgestreckt. Aber eine entspannende Pause mache ich besser dort, wo es ruhiger ist.


                                  kurz vor der Hütte


                                  der Blick von der Hütte auf den verlandenden Lac Combal ist schon ganz nett

                                  Und dann werde ich richtig glücklich als sich mein Weg von der Karawane auf der TMB trennt. Ab jetzt bin ich wieder fast alleine unterwegs. Mir kommen zwei Mountainbiker entgegen, denen die Abfahrt sichtlich Spaß gemacht hat. Der untere Teil wäre auch was für mich, der steile obere definitiv nicht.


                                  hier trennen sich TMB und AV2, ich gehe links hoch zum Col des Chavannes, die anderen rechts zum Col de la Seigne


                                  Tschüss, TMB-Karawane!


                                  Rückblick zum Rifugi Elisabetta Soldini


                                  Ist das ein Zebrastreifen in den Himmel?

                                  Auf dem Col des Chavannes (2598 m) ist der Ausblick traumhaft. Es ist sehr windig hier, aber dafür taucht auch mal der Mont Blanc aus den Wolken auf. Ich mache eine kurze Pause, esse einen Schokoriegel und überlege, wo ich heute schlafen will. Bei den vielen Seen in der Nähe sieht es auf der Karte nach einem schönen Zeltplatz aus, allerdings ist es mir eigentlich noch viel zu früh und ich mag nicht so lange an einem Ort warten. Trotzdem entscheide ich mich erstmal für den Abstecher dorthin, vielleicht ist es ja weniger windig. Beim nächsten Blick auf die Karte kommt mir dann die Idee, statt auf den Abend zu warten, einfach noch auf den Mont Fortin zu laufen. Eine super Entscheidung wie sich noch herausstellt.


                                  Die Berge hinter dem Pass sind schon französisch.


                                  Vom Col des Chavannes gibt es einen vorerst letzten Blick auf den Mont Blanc



                                  Die ersten kleinen Seen direkt am Weg lachen mich wieder verlockend an. Nach einem kurzen Moment des Überlegens kehre ich zu den Lacs du Mont Perce um und bade doch wieder, auch fürs Foto. Es sieht einfach zu schön aus mit dem Eis. Die Sonne scheint ja noch, um mich wieder zu wärmen und ich weiß vom letzten Mal, dass sich danach alles gut durchblutet anfühlt.


                                  verlockende Rutsche. Der Berg in den Wolken ist der Berrio Blanc.


                                  das selbe Spielchen mit dem Selbstauslöser wie auf dem AV1


                                  Der Ausblick aus dem Vallon des Chavannes in Richtung des Rutor-Massivs. Da unten wäre ja auch ein schöner Badesee...

                                  Auf den Mont Fortin (2753 m) mit seiner Festungsruine ist es nicht mehr weit. Mir kommen zwei Jungs mit großen Rucksäcken entgegen und ich vermute schon, dass auch sie hier zelten wollen. Der Rundumblick auf dem Gipfel ist dann wirklich toll! Man steht quasi dem Mont Blanc gegenüber, blickt nach Nordosten durch das Val Veny bis ins Val Ferret, nach Südosten zu den Gletschern des Rutor-Massivs und nach Südwesten in die französische Vanoise.


                                  moi et le Mont Blanc


                                  Ruine auf dem Mont Fortin


                                  Von hier oben ist der Blick auf den Lac Combal viel schöner, als von der Hütte...


                                  Val Veny und Val Ferret. Etwa auf halbem Weg liegt Courmayeur.


                                  Blick zu den vielen Badeseen

                                  Ich esse hier oben in den Steinhaufen Salami und Käse zum Abendbrot und beobachte die zwei Jungs beim Zeltaufbau. Ich suche mir dann später einen Platz auf 2585 m außer Sicht- und Hörweite, nicht mehr am See, dafür mit Blick auf den Mont Blanc, den Talausgang und mein morgiges Ziel am Rutor-Gletscher. Dieses Gebiet ist wieder eine Murmeltierwiese und auch ganz junge Tiere tollen hier herum. Ein größeres Tier lässt mich ziemlich nah an sich heran, vermutlich baue ich hier mein Zelt direkt neben einem seiner Höhleneingänge auf.


                                  Abendbrot mit Aussicht


                                  Das Ziel für morgen (direkt unter dem Gletscher) schon im Blick.


                                  und nochmal der Mont Blanc

                                  An dem Mont Blanc kann ich mich gar nicht satt genug sehen und habe bestimmt nachher viel zu viele Fotos davon. Da es wohl nachts wieder kalt werden wird, kommt meine Elektronik vorsorglich mit in den Schlafsack. Mein Wasserfilter bleibt draußen, da er unbenutzt ist und deswegen hoffentlich nicht frostgefährdet. Im letzten Winter auf Mallorca gab es einfach kein Wasser, dass man hätte filtern können; hier gibt es Brunnen im Überfluss und mit 3 Litern Kapazität komme ich immer bis zur nächsten Auffüllmöglichkeit.

                                  Sobald die Sonne hinter den Bergen verschwindet wird es wie immer relativ kühl und ich verbringe die Zeit bis zum Einschlafen im Zelt, schon eingekuschelt in meinen warmen Schlafsack.


                                  das waren heute: 1250 hm hoch, 620 hm runter, 18 km
                                  Zuletzt geändert von whale; 16.10.2016, 17:31. Grund: Rechtschreibung

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                                  • Antracis
                                    Fuchs
                                    • 29.05.2010
                                    • 1267

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                                    Weiterhin super.

                                    Schade, das die TMB so voll ist, muss wirklich auch schön sein. Du warst zwar zur Hauptferienzeit unterwegs, aber einsam ist es da sicher nie.

                                    Wie lief den die Verständigung auf den italienischen Hütten eigentlich, ohne Sprachkenntnisse ? Übersetzungbuch ? Was ich gehört hab, sollte man sich nicht auf international touristische Kernkompetenzen des Personals verlassen, wenn man nicht verhungern will.

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                                    • whale
                                      Erfahren
                                      • 13.09.2014
                                      • 157

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                                      Wie du siehst, bin ich aber auch ohne Italienischkenntnisse nicht verhungert

                                      Auf jeder Hütte, an der ich Halt gemacht habe, sprach mindestens eine Person französisch oder seltener englisch, sodass ich mich immer ohne Wörterbuch verständigen konnte.

                                      Entlang der TMB sind die Hütten nach meinem ersten Eindruck vollständig auf internationale Gäste und viel Trubel eingestellt. In den abgeschiedeneren Gegenden waren dafür die Hüttenwirte umso freundlicher und haben sich viel Zeit genommen, um mir alle Fragen zu beantworten.

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                                        Fuchs
                                        • 04.04.2004
                                        • 1281

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [IT] Aostatal - auf Alta Via 1 und 2 von Gressoney bis Cogne

                                        Klasse Tourenbeschreibung. Gute Fotos und schön Geschrieben.
                                        Das war sicherlich eine tolle und nicht einfache Tour.

                                        LG Folko
                                        www.mitrucksack.de
                                        Ganz viel Pyrenäen ( HRP- Haute Randonnée Pyrénéenne - komplett) und ein bisschen La Gomera

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