[AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Bergen

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  • izeth
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Das war wundervoll zu lesen.

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  • berniehh
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    eine herrliche Gegend ist das
    Ursprünglich wollte ich im Sommer 2015 auch auf den Balkan, hab mich dann aber zu Nordamerika umentschieden.
    Wenn ich Eure Fotos sehe, bin ich kurz davor mich wieder zurück zum Balkan umzuentscheiden,......da bekommt man richtig Lust drauf

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  • Schmetterling
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    24.7.2014 Polenlager – Plav

    Der letzte Tag! Es würde ein langer Tag werden mit 7-8 Stunden und dem langen Abstieg nach Plav. Aber am Ende würde eine warme Dusche warten, gutes Essen, ein weiches Bett und mit etwas Glück auch die Engländer. Wie immer mischten sich Wehmut mit Vorfreude, wobei dieses Mal die Vorfreude doch überwog. Wir waren jetzt 9 Tage lang jeden Tag gelaufen, jeden Tag mit vielen Höhenmetern und über unwegsame Wiesen. Schon seit ein paar Tagen schmerzten meine Knöchel und später zu Hause stellte ich fest, dass sie geschwollen waren. Notiz an uns selbst: nächstes Mal einen richtigen Ruhetag einlegen.
    Aber erstmal stand uns ja noch ein wunderbarer Tag bevor. Doch anstatt beim Weckerklingeln freudig aufzuspringen, fassten wir uns stöhnend an die Köpfe. Bei mir kündigte sich eine Migräne an und Svens Magen ging es so schlecht, dass er kaum ein kleines Stück Brot essen konnte. Und das will was heißen! Das konnte doch nicht an den paar Schlückchen Schnaps von gestern Abend liegen… Aber was Schlechtes gegessen hatten wir doch auch nicht.
    Ganz langsam machten wir uns an Frühstück und den Abbau. Während um uns herum das Lager erwachte, lag der Schnaps-Spendierer von gestern Abend noch bei unserem Abmarsch in den Federn. Wir hätten ihn zu gerne gefragt, wie es seinem Kopf geht und was er uns da gestern untergejubelt hat.


    Bergidyll

    Sven schleppte sich hinter mir her und meinte allen Ernstes, dass er die paar Meter Anstieg auf den Grat nicht schaffen würde. Wir erinnerten uns, dass die Engländer erzählt hatten, dass sie den Grat verpasst hätten und außenrum gelaufen seien. Uns war es in den letzten Tagen nicht gelungen, die genaue Lage des Polenlagers auf der Karte zu bestimmen. Die Wegführung und Lage der Berge ergaben irgendwie keinen Sinn. Also erlagen wir der Verlockung und folgten einem leicht abfallenden Weg in der Hoffnung, dass er unten parallel des Grats entlang führen würde. Sven war ein Häufchen Elend und entledigte sich nach der ersten Kurve erstmal seines kläglichen Frühstücks.
    Der Weg lief angenehm eben durch einen Wald und vorbei an einer sehr ärmlichen Sommersiedlung, die aus mit Zweigen und Plastik gebauten Hüttchen bestand.



    Nach rechts konnten wir Blicke ins tiefe Tal erhaschen. Wir wussten erst so richtig wo wir waren, als wir über einen albanischen Grenzstein stolperten. Albanien – gaaanz falsche Richtung! Mist! Auf der Karte konnten wir ungefähr erkennen, wo wir sein müssten, aber der Nebel erschwerte die Orientierung und Lokalisierung der richtigen Richtung. Zurückgehen war nicht wirklich eine Option. Wir fragten zwei Hirten, wo denn Plav liege und sie deuteten in den Nebel und brabbelten etwas von geradeaus und dann rechts. Wir reimten uns einigermaßen zusammen, wo wir hin müssten und folgten einem scharf nach links abzweigenden Weg. Rein theoretisch müsste der irgendwo auf unseren eigentlichen Grat stoßen. Restlos entmutigt tappten wir im Nebel über einige Bergrücken. Immerhin war der Pfad gut ausgetreten, doch von Hirten oder anderen Menschen keine Spur. Und auch keine Kreuzung mit unserem eigentlichen Weg. Schließlich gelangten wir an einen Grat, auf dem scheinbar ein Weg nach rechts abzweigte. Dieser hörte allerdings nach wenigen Metern auf. Von unten schallten Menschenstimmen und Kuhgeläute herauf. Wir stiegen ab in der Hoffnung, jemanden fragen zu können. Bis wir unten waren, war der Hirte natürlich längst weg. Nun waren wir wirklich ratlos und so richtig sauer. Sven wollte das Tal hinabsteigen in der Hoffnung, unten irgendwo im Plav-Tal rauszukommen. Ich hielt das für eine sch… Idee. Wenn wir uns mit der Standortbestimmung irrten (ich hatte für heute das Vertrauen in unsere Orientierungsfähigkeit verloren), würden wir in Albanien auf der falschen Seite des Gebirgszugs herauskommen. Das wiederum bedeutete, dass wir morgen zu Fuß wieder auf die andere Seite der Berge gehen müssten. Eine Alternative mit Bus o.ä. gab es nicht, denn das ganze Massiv zu umfahren dauerte 10 und mehr Stunden.
    Selbst wenn es ein richtiges Tal sein sollte, war von oben aus kein Weg zu sehen. Das ganze Vieh schien von oben zu kommen. Vor meinen Augen entstand das Bild eines undurchdringlichen Dschungels, nichts worauf ich Lust hatte. Nach einer kurzen, heftigen Diskussion setzte ich mich durch und wir stiegen fluchend wieder hinauf auf den Weg. In dieser Richtung würden wir im schlimmsten Fall wenigstens in Gusinje raus kommen, das wenige Kilometer von Plav lag.
    Zwei Ecken weiter jedoch gelangten wir eindeutig auf unseren eigentlichen Weg, der uns auf einem Grat gut sichtbar kreuzte. Wir waren erleichtert, gleichzeitig auch gehörig frustriert: hinten um die Ecke sah ich das Polenlager, kaum eine halbe Stunde entfernt. Wären wir mal gleich auf den Grat hoch, dann hätten wir uns 2 Stunden Umweg erspart. Inzwischen war es schon später Vormittag und wir hatten noch die gesamte Tagesetappe vor uns. Also hieß es die Beine in die Hand nehmen. Was bei Sven leichter gesagt als getan war, er schleppte sich förmlich hinter mir her. Immerhin waren wir auf einem gut erkennbaren Weg und auch der Nebel lichtete sich, sodass wir endlich die Aussicht genießen konnten.


    Zurück auf dem Weg

    Immer wieder kamen wir an verkohlten Latschenkiefern vorbei und wir fragten uns, ob das wohl von Blitzeinschlägen stammen könnte.
    Am Bor Peak war es dann wieder aus mit der guten Orientierung. Hier sollte der Weg den Grat verlassen. Unser gut ausgetretener Pfad verlief sich in den Büschen und wir kamen zu weit nach rechts. Schließlich erkannten wir wieder Spuren, dazu blaue Markierungen an Bäumen und Steinen, die anscheinend mit einer Sprühdosen angebracht waren. In der Wegbeschreibung stand, dass die Markierung dieses Wegstückes noch fertig gestellt werden müsse. Wir nahmen an, dass dies hier wohl die provisorischen Markierungen sein müssen. Die richtigen werden wohl für immer auf sich warten lassen.
    Die Markierungen führten unerklärlicherweise auf einen Bergrücken, dessen Flanken laut Karte felsig abfielen. Der Weg sah aus, als wäre von einer Horde Reiter oder Mountainbiker angelegt worden – die Erde war zerwühlt und Äste brutal von den Bäumen gerissen. Er musste ziemlich neu sein, denn arg ausgetreten war er noch nicht. Ich ließ schließlich Sven zurück, um mir das letzte Stück erst einmal anzuschauen. Von oben hatte ich einen wunderbaren Blick auf Plav und den See, jedoch konnte ich keinen Abstieg finden.


    Plav voraus

    Auch die Markierungen waren plötzlich weg. Ich hatte auch keine Motivation für ewige Suchereien, da von oben dunkle Wolken drohten und es auch relativ schwül war. Unser Bedarf an Wegsuchereien war erschöpft und wir beschlossen, etwas zurück in ein anderes Tal abzusteigen, in dem wir alte Gebäude gesehen hatten. Auch die Engländer hatten den richtigen Weg nicht gefunden und uns ihre Alternative erklärt.



    Wir kämpften uns also ein gutes Stück zurück und stiegen durch hohes Gras ab. Unten angekommen entdeckten wir tatsächlich einen Pfad, der in unsere Richtung lief. Er war perfekt! Sanft abfallend, gut ausgetreten, und gesäumt mit Blaubeerensträucher, deren Beeren langsam reif wurden. Nach einem steilen Stück gelangten wir tatsächlich in das Tal, das uns die Engländer empfohlen hatten. Ab hier sollte ein für Mountainbiker markierter Weg nach Plav führen. Die dunklen Wolken hatten sich verzogen und ein kleines Bächlein machte die Idylle perfekt. Wir gönnten uns erst einmal eine ausführliche Mittagspause mitsamt Nickerchen. Anschließend folgten wir einem Fuhrweg, der in weiten Mäandern langsam in Richtung Plav führte. Er zog sich einige Stunden, wir bemühten uns jedoch, ihn zu genießen. Nach einer Weile erkannten wir tatsächlich von oben kommend einen schmalen Pfad mit den blauen Markierungen. Wahrscheinlich hatte ich oben nur nicht richtig gesucht. So konnten wir den PoB doch noch auf dem eigentlichen Weg beenden!



    Das schlimmste Stück waren die letzten Kilometer. Unser Hotel war zum Greifen nah, doch die Straße führt einen weiten Umweg in Richtung Zentrum. Es war brüllend heiß und die Kilometer zogen sich wie Kaugummi. Aber endlich war auch das geschafft! Wir bezogen unser altes Zimmer und genossen eine endlose heiße Dusche und frische Kleidung. Nur die Engländer trafen wir zu unserer großen Enttäuschung nicht, sie hatten uns nur einen Brief hinterlegt. Ihr Kocher ging am Tag nach unserem Treffen kaputt, dazu war das Wetter schlecht. Also brachen sie ab und verbrachten noch ein paar Tage an der Küste. Schade, das wäre ein nettes Wiedersehen gewesen!
    So genossen wir eben alleine unser wohlverdientes Steak, das wir mit dem einen oder anderen Raki herunter spülten. Schön war es gewesen!

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  • codenascher
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Danke für den freundlichen Kommentar und die Sterne

    Uns wurde in Peja sowie in Plav versichert, dass die Region geräumt sei. Wir haben nirgens Schilder gesehen und haben wie man an den Bildern ja sieht eigentlich überall gezeltet.
    Um der eventuellen nächsten Frage vorweg zu nehmen, wir haben die ganze Zeit über Wasser direkt aus den Quellen und Bächen getrunken.
    Zuletzt geändert von codenascher; 10.12.2014, 22:02.

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  • kra23
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Danke für diesen genialen Reisebericht! Der Peaks of the Balkan Trail steht jetzt auf meiner Wander-Wunschliste

    Oben wurde schon mal nach der Minengefahr gefragt. Das würde mich auch interessieren. Kann man sein Zelt gefahrlos ein bisschen abseits des Weges auf einer Wiese aufschlagen oder besteht da tatsächlich noch ein Risiko?
    Zuletzt geändert von kra23; 10.12.2014, 21:41.

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  • ranunkelruebe
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

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  • Schmetterling
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Und noch ein kleiner Bildernachschlag von mir.


    Morgendlicher Blick ins Tal


    Unser "Polenlager"


    Blick vom Zla Kolata


    Sven sucht mal wieder Schätze


    Das obligatorsche Gipfel-Carrazza muss auch dieses Mal sein

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  • codenascher
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    23.07.2014 Zla Kolata

    Obwohl der heutige Tag unser Gipfeltag für den höchsten Berg Montenegros ist, bleiben wir länger in den Schlafsäcken. Unser Lager liegt im Schatten, um uns herum Nebel und Wolken. Letztendlich starten wir um kurz nach acht mit leichtem Gepäck auf dem Rücken in Richtung Gipfel! Wie erwartet gibt es kein Wasser auf dem Weg nach oben und somit hat jeder von uns drei Liter im Rucksack.



    Der Zla Kolata

    Der Aufstieg soll ab dem knapp 20 Minuten entfernten Wegweiser 3,5h dauern. Laut der Rückseite unserer Karte gar vier. Der ein oder andere Pole bestätigte diese Angaben ebenfalls, nebenbei soll der Weg recht anspruchsvoll und schwer zu finden sein.
    Das Wetter ist mal wieder nicht so optimal Gipfeltauglich... Unterwegs zieht es sich mal wieder zu. Die Wolken bilden bis auf kleinere Löcher zwischendurch eine geschlossene Decke. Da wir bis zum Pass zwischen Maja Kolata und Zla Kolata eh im Schatten laufen, ist dies aber nicht so schlimm. Entgegen der Vorwarnungen ist der Aufstieg einwandfrei markiert und ein verfranzen, zumindest mit freier Sicht quasi ausgeschlossen.





    Der Gipfel


    links der Maja Kolata


    Gipfelcairn


    der höchste Geocache Montenegros



    Letztendlich stehen wir nach 2:45h auf dem mit 2533 Metern Höhe höchsten Berg Montenegros. Zu zweit ist es auch eindeutig schöner als alleine auf dem Gjeravica. Leider ist uns das Wetter eben nicht so hold, und bis auf wenige kurze Augenblicke bleibt uns eine schöne Aussicht verwehrt…. Nach einer dreiviertel Stunde laufen wir runter. Bereits um zwei erreichen wir nach gerade einmal 2:10h unser Zelt – Feierabend!


    Der Maja Kolata vom Wegweiser aus - guckt wie ein alter Herr ins Tal



    Wir vergammeln den Nachmittag im Zelt, draußen ist es windig und unangenehm. In den Tälern gewittert es. Bis auf wenige Tropfen bekommen wir zum Gluck aber nichts davon ab.

    Den Abend verbringen wir erst im Gemeinschaftszelt und später, als krönenden Abschluss am Lagerfeuer. Hier werden endlich auch mal Schnapspullen rumgereicht. „We drink like serbian people, fast and hard“ serbischer Kräuterlikör und irgendwas polnisch selbstgebrannt…
    Da es mir entweder zu „fast“ war, oder ich den Schnaps einfach nicht so recht vertragen wollte, verkrümeln wir uns bereits um halb elf in Richtung Zelt. Mit Magenbeschwerden werde ich diese Nacht kaum ein Auge zu tun… Und Nein, ich habe nicht zu viel getrunken

    10,7km 887hm


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    Zuletzt geändert von Wafer; 28.11.2020, 23:48.

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  • Schmetterling
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Hüstel, hier geht es endlich mal weiter - mit zwei Bildernachträgen.


    Blick zurück auf Albanien



    Der Besitzer dieser Hütte wollte uns seine Enkelin schmackhaft machen

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  • EbsEls
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Zitat von Abt Beitrag anzeigen
    Aber, meine Frage,- braucht das Wasser eine bestimmte Tiefe, damit es zu dieser Blaufärbung kommt?
    Antwort auf OT-Frage: Ja, so ca. 2,5 m. Der rote Anteil des Lichts wird nach Durchlaufen von ca. 5 m Wasser vollständig absorbiert, vom gelben ist auch schon was weg ...
    Bei 2,5 m Wassertiefe ist das vom Grund des Sees reflektierte rote Licht weg - es bleibt nur noch das blaue Licht übrig, was man dann als "Blautopf" wahrnimmt.

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  • Abt
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Na so isses typisch:

    Der seine arbeit macht, wird Mistvieh...gescholten.....

    und der Faulpelz wird braver Kumpel - mit Halsband gelobt

    Aber, meine Frage,- braucht das Wasser eine bestimmte Tiefe, damit es zu dieser Blaufärbung kommt?

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  • Palle
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Huh,
    ist das ein schöner Bericht! - hab die ersten drei Seiten gerade genüsslich verschlungen.Die Fotos von Land und Leuten sind auch sehr geil. Ich mag den ganzen Osten überhaupt sehr. Vom PoB hab ich tatsächlich das erste Mal im Globi-Magazin gelesen, aber wenn der Artikel so schlecht sein soll ...
    Mal eine Frage: in dem Artikel stand ja auch, dass auf einem Teil der Strecke immer noch Minengefahr besteht und man daher möglichst auf den Wegen bleiben soll. Wie habt ihr das erlebt, gab es Warnhinweise und habt ihr euch dadurch sehr eingeschränkt gefühlt?

    Hoffe, es gibt bald eine Fortsetzung,
    viele Grüße
    Palle

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  • codenascher
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Und weiter im Text:


    22.07.2014 Vusanje – Polenlager (unterhalb des Zla Kolata)

    Nach einer ungemütlichen Nacht, es hat die ganze Nacht über gewittert, lassen wir uns seeeehr viel Zeit beim Aufstehen! Nach dem Frühstück bleiben wir noch gute zwei Stunden in den Schlafsäcken und lesen, lauschen den Regentropfen.


    dieses blau!!!





    Vorbei an dem Oko Skakavice, der noch immer genauso faszinierend auf mich wirkt wie noch am Vorabend, laufen wir das kurze Stück nach Vusanje. Direkt am Dorfeingang steht ein Container, der des Wanderersherz höher schlagen lässt! Obst, Gemüse, Konserven, Chips, kalte Getränke, Wurst, auch Steckkartuschen liegen aus.

    Wir ziehen unsere Mittagspause ein Stündchen vor und schlemmen erst einmal ausführlich. Im Anbetracht der kurzen Tour heute findet natürlich auch einiges an Leckereien den Weg in unsere Rucksäcke


    vor Vusanje

    Direkt nach dem Shop laufen wir an einem Parkplatz vorbei, auf dem viele Autos mit polnischen Kennzeichen stehen und nen Mädel mit Gletscherbrille auf dem Kopf allerhand Klettergerödel zusammenpackt! Sie ist mit ihrem Partner und einer Riesentruppe zum Höhlenklettern hier! Weiter oben in den Bergen steht ihr Standlager. Sehr geil.

    Wir laufen weiter, die Luft ist mittlerweile unendlich schwül. Sicherlich werden wir bis zu unserem heutigen Tagesziel noch einmal Nass… Das Gewitter der letzten Nacht scheint noch nicht alles gewesen zu sein. Die ersten kleineren Huschen lassen wir noch so über uns ertragen, als sich dann der Himmel doch komplett entläd, ziehen wir unsere Regenklamotten an und setzen uns in ein kleines Wäldchen und wettern unter alten verkrüppelten Buchen ab.


    traumhaft schöne alte Buchenwälder, immer wieder!

    Hier treffen wir drei der Caver, die gerade zu den Autos runter laufen, Müll wegbringen und Bier holen (welches es übrigens in 2l Plasteflaschen am Container gibt) Vielleicht befindet sich ihr Lager ja auf unserer Route geht es mir bereits durch den Kopf

    Auf den Regen folgt wieder Sonnenschein. An einer großen Wiese begegnen wir einem gut gelaunten älteren Herren nebst Gattin und vermutlich seiner Enkelin. Sie sammeln Bergkräuter.

    Er würde gerne mit uns ins Gespräch kommen, dies scheitert allerdings leider an der Sprache. Einzig das wir deutsche sind, können wir ihm beibringen. Singend und lustig gestikulierend versucht er uns seine Enkelin aufs Auge zu drücken, nach Deutschland, dort wo Wein und Nektar in Strömen fließen. Oder so ähnlich. Zumindest deuten wir dies aus seinen Versuchen uns sein Anliegen zu erklären

    Weiter oben erreichen uns rufe aus dem Wald. Noch mehr Caver! Sie sammeln gerade Pilze fürs Abendbrot und laden uns dazu ein Gast zu sein! Ihr Lager liegt nur noch ein kurzes Stück den Pfad hinauf. Von der Lage als Startpunkt für unsere morgige Wanderung wäre dieser Platz hier schon bald perfekt. Wir sehen auch einige idyllisch gelegene Fleckchen rechts des Weges. Aber erst einmal müssen wir unsere Neugierde befriedigen und uns die Zeltstadt der Polen anschauen.

    Als wir das Lager erreichen stockt uns der Atem. Hier stehen gut zwanzig Zelte auf einem Plateau, dazu Küchen – und Aufenthaltszelt, eine Dusche, natürlich eine angezapfte Quelle (über Gartenschläuche) und als Highlight, nen Swimmingpool!!!
    Wir sagen hallo und werden sogleich auf einen Tee eingeladen, wenn wir möchten, können wir natürlich auch gerne hier unser Zelt aufschlagen. Wir überlegen nicht lange und bauen auch gleich nachdem unsere Teetassen geleert sind unser Zelt auf. Zuvor erfahren wir natürlich schon einmal alles Wissenswerte über das „Polenlager“ wie wir es von nun an nennen.
    Bereits seit 2009 kommen sie für insgesamt drei Wochen im Sommer hier hoch. Die schweren Sachen werden mit Pferden hinauf geschafft. Neben den Polen sind auch ein paar Serben mit von der Partie. Von Geologen, über Hobbykletterer bis zu Grashüpferforschern ist hier alles vertreten!

    Den restlichen Nachmittag lauschen wir den Erzählungen der momentan anwesenden Kletterer und teilen natürlich auch unsere Erlebnisse. Freundlicherweise kann ich heute Abend, wenn die Generatoren laufen meine Akkus fürs GPS aufladen. Somit sollte ich problemlos bis zum Ende der Tour kommen.

    Der Nachmittag verstreicht und nach unserem Abendbrot im eigenen Zelt gesellen wir uns zu der mittlerweile doppelt so großen Gruppe. Die Kletterer von heute Mittag sind ebenfalls wieder da und somit ist die Bierversorgung der nächsten zwei Abende ebenfalls gesichert.

    Der Pilzeintopf schmeckt vorzüglich! Einzig einer der Serben (kurz geschorenes Haar, stahlblaue Augen und dazu ein Pilzmesser in der Hand…) findet es nicht witzig, wenn wir vom Kosovo sprechen… „its Serbia…“


    9,2km 880hm



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    Zuletzt geändert von Wafer; 28.11.2020, 23:48.

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  • codenascher
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Baciu, sollte dieser Winter wieder so mild sein, wie die letzten beiden Jahre, sollte der POB machbar sein. Wirklich hoch sind ja nur die Pässe.

    und weiter gehts!

    21.07.2014 Theti – Vusanje





    Ziemlich mittig gehts über den Pass


    Blick zurück ins Tal

    Am Quafa Pejës Pass genießen wir die Aussicht, wobei es erwartungsgemäß echt diesig ist. Hinter dem Pass machen wir oberhalb des Liqeni i Pejës ein kleines Päuschen. Drunten am See unterhalten sich zwei Hirten. Des einen kleine Herde futtert unweit unseres Pfades, die andere wesentlich größere Herde wird weiter oben von drei Kötern lautstark in Schach gehalten.



    Vorbei an der kleinen Herde laufen wir auf die größere Herde zu. Zwei der Köter stellen sich uns in den Weg und kriegen sich mit dem bellen gar nicht mehr ein. Einen Steinwurf andeutend machen sie kurz Platz um von hinten und der Seite weiter bedrohlich zu knurren und Angriffe zu simulieren. Kranker scheiß, mir geht mittlerweile echt die Muffe… In jeder Hand zwei drei Steine laufen wir weiter. Interessanterweise kommt der dritte Köter, mit Halsband, entspannt dazu. Anstelle zu bellen, lässt der sich aber streicheln. Wohl eher der Haushund den der Hofhund!? Zum Ende passiert zum Glück nix und wir laufen wieder entspannt weiter.


    Mistvieh...


    und sein braver Kumpel - mit Halsband


    noch einmal der Blick zurück zum Pass

    Es folgt die landschaftlich interessanteste Etappe der gesamten Tour! Links, rechts und natürlich nach vorne, schaffen die Kalkriesen um uns herum eine unglaublich geile Kulisse. Dazwischen immer wieder Hoxha Pilze und ansonsten nur karge Vegetation!


    Matterhorn?


    die alte Grenzstation

    Zum Glück vernimmt Susi ein Stündchen nach unserer Mittagspause ein leichtes Gurgeln. Ich bin doch glatt an einem kleinen Rinnsal vorbei gelaufen. Wir tanken ordentlich nach und füllen diesmal die Faltflaschen komplett auf. Sicher ist sicher Dieser Vorrat muss mindestens bis zur Grenze halten. Dort wollen wir am vermutlich malerisch gelegenen See Liqeni Geshtares Čemerikino campieren und sollten Wasser satt haben!

    Aber erstmal laufen wir über ein schönes großes Plateau. Auch hier links und rechts die Felstürme



    Über einen selbstgebauten Zaun betreten wir die Weidefläche zweier Hirten. Bei ihren Baracken ein wenig weiter links sehen wir Wasser, haben aber noch genug und laufen weiter. Danach geht es durch ein nicht enden wollenden Birkenwald bis zur Grenze steil herunter. Knappe 200 Höhenmeter weiter unten gibt es endlich auch mal wieder ein paar Erdbeeren


    verwittertes Kalkgestein

    Wir passieren einen umgefallenen Grenzstein. Joah, unser angestrebter See, den gibt es in diesem Sommer nicht…. Anstelle des herbeigesehnten Nass liegt hier einfach nur eine große Brachfläche… Nix Schnee im Winter, nix See im Sommer


    Und ein (vor)letztes mal Albanien!

    Vor uns kämpfen sich vier Bulgaren durchs Dickicht den kleinen Hang herunter. Wie erwartet, zurück in Montenegro ist es prompt vorbei mit den guten Markierungen…

    Die vier sind auf dem Weg zum Maja Jezercës (oder auch Jezerca genannt), seines Zeichens ehemals höchster Berg Albaniens. Diese Rolle nimmt mittlerweile der Maja e Korabit, auf der mazedonischen Grenze ein. Dies ist aber anscheinend noch nicht bis nach Bulgarien vorgedrungen

    Ich bin dennoch neidisch auf die vier. Wasser wird es die nächsten Kilometer weiterhin nicht geben. Arg, schlechte Nachrichten… Wie sich heraus stellt, sind sie an ihrem geplanten Abzweig vorbei gerannt und somit laufen wir ein Stück gemeinsam. Sollten wir mal Bulgarien bereisen, sollen wir uns ruhig melden! Der Pirin soll doch sehr schön sein und für ne gemeinsame Tour wäre man immer zu haben. TOP

    Susi und ich laufen weiter, lustlos und dehydriert folgen wir dem Fuhrweg. Die spektakulären Berggipfel der albanischen Seite liegen hinter uns und der montenigrische Teil sieht irgendwie vollkommen langweilig aus. Zum Glück ist die Sonne bereits hinter den Gipfeln verschwunden und somit ist es zumindest nicht mehr ganz so heiß…

    Links und rechts des Weges liegen unzählige Zeltplätze, doch ohne Wasser alles nebensächlich :/ Wir hoffen, dass der nächste See (kleiner als der Liqeni Geshtares Čemerikino) auch vorhanden ist. Weiter wollen und können wir dann auch nicht mehr…

    Als wir endlich den Oko Skakavice erreichen wundern wir uns über Wasserrauschen!? Ein Fluss? Wo soll der denn plötzlich herkommen? Susi bleibt am Weg stehen und ich laufe die paar Meter runter zum See, Überraschung, hier fließt ein kräftiger Fluss aus dem kleinen See!!!!! Woohoo

    Der Oko Skakavice ist eine wasserreiche Karstquelle wie auch der Blautopf auf der schwäbischen Alb!!! Irre, ich habe noch nie so etwas gesehen. Dieses blau!!!! Gebannt löse ich meinen Blick und umrunde das Kleinod. Tada, vorbei an einer Astbarriere stehe ich auf einer Weide! Schnell zurück zu Susi erzähle ich von unserem Schlafplatz für diese Nacht. Aufatmen ihrerseits. Nur verständlich, warum der See in unserer Karte auch als „blue eye“ betitelt wird.

    26,2km 1206hm



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    Zuletzt geändert von Wafer; 28.11.2020, 23:48.

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  • Schmetterling
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    21.7.2014 Theth - Vusanje


    Heute warteten stramme 1400 Höhenmeter auf uns und wir stellten den Wecker auf 6 Uhr, um wenigstens den ersten Teil des Weges bei angenehmen Temperaturen zu gehen. Als wir die Holztreppe nach unten polterten, hatte das Mütterchen bereits den Tisch mit Brot, Marmelade und Honig gedeckt. Im Tageslicht, das durch die kleinen Fensterchen fiel, wurde die bittere Armut erst so richtig sichtbar: Im kleinen Raum standen ein Bett, ein Tisch, an dem wir aßen und eine wackelige Kommode. Das andere Zimmer gegenüber des Flurs wurde von ihrem Sohn bewohnt. Hinten gab es eine kleine fensterlose Küche mit gemaurtem Holzofen zum Kochen. Unter dem Dach war eine weitere Kammer abgeteilt, da fast völlig von 3 Betten eingenommen wurden. Hier haben wir geschlafen. Fensterscheiben gab es nicht, genauso wenig wie elektrisches Licht. Die Wände im Erdgeschoss waren fleckig von Schimmel und von ein paar mit Klebestreifen befestigten Heiligenbildchen verziert. Die Alte hatte bereits Schwierigkeiten beim Gehen und schien nicht sehr viel Hilfe von ihrem Sohn zu bekommen. Wir hofften, dass noch viele Touristen den Weg hierher finden würden… Zum Abschied schenkten wir ihr noch eine Tafel Schokolade und die letzte Gaskartusche, die wir sicher nicht mehr brauchen würden.
    Als wir uns um halb acht aufmachten, war es bereits fast unerträglich warm und ich fragte mich, wie das wohl um die Mittagszeit werden würde. Zunächst folgten wir aber noch ganz bequem einem Fuhrweg im Tal. Ich hatte bereits einiges an Wasser intus und kurz bevor wir am Talende den Pass angingen, tankten wir beide noch einmal ordentlich. Es war soo warm! Die weißen Berge um uns strahlten Hitze und Trockenheit förmlich aus. Ich packte mir 3 Liter Wasser ins Gepäck, was Sven zu einem leicht spöttischen Spruch animierte. Schließlich waren wir in den vergangenen Tagen immer regelmäßig an Quellen vorbeigekommen. Aber wenn ich mir die Berge hier so ansah, hatte ich meine Zweifel, ob das so weitergehen würde. Seit dem Valbona-Tal hatte sich der Charakter der Berge deutlich geändert – es gab weniger Wälder, die Berge waren kahler und aus weißem Stein. Das bedeutete, dass Wasser sehr schnell versickert.





    Langsam machten wir uns an den Aufstieg durch einen lichten Kiefernwalds entlang einer mächtigen Schutthalde. Wenigstens waren die Markierungen hier ausgezeichnet und wir konnten den Weg kaum verfehlen. Weiter oben gönnten wir uns eine kurze Stärkungspause im Schatten einer hohen Felswand. Ich hatte das Gefühl, gar nicht so viel trinken zu können wie ich Durst hatte. Kurze Zeit später kam uns ein junges deutsches Pärchen entgegen, das oben gezeltet hatte. Sie berichteten, dass es dort kein Wasser gebe und dass as Vusanje kommende Wanderer berichtetet hatten, dass alle Quellen ausgetrocknet seien. Das klang eindeutig nicht gut, zumal es heute mit 10 Stunden eine sehr lange Etappe sein würde. Innerlich schickte ich ein böses „Siehste!“ in Svens Richtung, aber das half uns jetzt auch nicht weiter. Ein Blick auf die Karte zeigte uns, dass ein Stück vor Vusanje ein großer Gletschersee liegen müsste. Eigentlich wollten wir weit vorher campen, aber so würden wir eben bis zum See durchkommen müssen. Bis dorthin würde es nach dem nahen Pass nur noch bergab gehen und das würden wir schon irgendwie schaffen.
    Wir gingen etwas entmutig das letzte Stück bis zum Pass an. Ich widerstand der Versuchung, ständig zu trinken. Inzwischen war es unerträglich heiß und die weißen Wände strahlten zusätzliche Hitze ab. Ich hatte leichte Kreislaufprobleme und konnte nur noch langsam weiter. Zum Glück war der Pass nicht mehr weit.



    Oben angekommen genossen noch einmal den Ausblick in Richtung Theth und gönnten uns oberhalb eines Schafstümpels eine kleine Pause. Der Tümpel sah leicht grünlich aus und war von zwei Schafsherden bevölkert, die wir bald kreuzten. Hier kamen wir auch das erste Mal mit den albanischen Schäferhunden in Kontakt, die fast wie Bären aussahen. Besonders einer bellte uns giftig an und kam jedes Mal ein Stück näher, wenn wir ihm den Rücken umdrehten. Aber auch hier half der Trick des imaginären Steinewerfens ganz gut und wir konnten ihn in Schach halten.



    Endlich hatten wir uns durch die Schafsherde gedrängelt und einen weiteren kleinen Pass überschritten – und waren überwältigt vom Panorama, das sich uns bot: schroffe weiße Felsen soweit das Auge reichte, das ganze garniert mit zahlreichen kleinen Bunkern. Vergessen waren die Sorgen um das Trinkwasser. Wir schritten aus, fotografierten und genossen. Auf einer kleinen Wiese nahe einer alten Grenzstation packten wir das Mittagessen aus und saßen einfach nur da und genossen. Brian hatte uns schon angekündigt, dass dieser Tag der spektakulärste der Tour sei und er hatte Recht!



    Als die Schafherde mitsamt Köter gefährlich nahe kamen, rafften wir uns auf und liefen weiter. In sanften Serpentinen lief der Weg hinab in ein Hochtal mit ausgetrocknetem Flusslauf. Plötzlich hörte ich rechts von mir ein leises Gluckern und tatsächlich fand sich ein kleines Rinnsal, das aus den großen Steinbrocken hervortrat. Welch ein Glück! Wir tankten noch einmal ordentlich und füllten die Vorräte auf. Damit würden wie nun heute locker bis zum Abend durchkommen.
    Der anschließende Weg war einfach nur wunderbar! Eben schlängelte er sich durch das Hochtal, durch hohe Wiesen und entlang imposanter Felswände. Leider fanden wir danach kein Wasser mehr und so mussten wir unseren Plan aufgeben, hier oben zu zelten.



    Wir hofften auf den eingezeichneten Gletschersee. Dorthin ging es aber zunächst viele anstrengende Höhenmeter bergab. Endlose Serpentinen schlängelten durch einen lichten Buchenwald. Inzwischen hatte ich langsam immer größere Lust, endlich anzukommen und den heutigen Tag zu beenden. Unten überquerten wir eine Eben und kamen an die Grenze zwischen Albanien und Montenegro – die völlig unspektakulär von einer umgefallenen Grenzpyramide gekennzeichnet wurde. Irgendwie hatten wir uns das spektakulärer vorgestellt.



    Nun gut, wenigstens müsste direkt hier der große See liegen, von dem allerdings keine Spur zu sehen war. Nach Konsultation von Karte und GPS dämmerte uns, dass er ausgetrocknet war und wir uns auf dessen Grund befanden. Der See wird durch Gletscherwasser gespeist und da es im Winter kaum geschneit hatte, hatte es keine Zufuhr gegeben. Die Enttäuschung war groß. Jetzt hieß es so weit zu laufen, bis es Wasser gab.
    Unmotiviert machten wir uns an den weiteren Abstieg, der erstmal ein Anstieg durch brombeergarniertes Gestrüpp bedeutete. Kaum waren wir aus Albanien raus, hörten auch die guten Markierungen wieder auf. Mitten im Gestrüpp trafen wir auf eine Gruppe Bulgaren, die auf den … steigen wollten, den höchsten Berg Albaniens. Wir schauten sie mit großen Augen an, denn den Zustieg hatten wir oben unterhalb des Passes gesehen. Es war schon später Nachmittag und wir sagten ihnen auch, dass es bis oben kein Wasser geben würde. Sie bestanden aber darauf, dass auf ihrer Karte einen direkten von hier aus geben müsse. Unserer vergangenen Erfahrung nach zweifelten wir daran, dass dieser Weg auffindbar war. Zu ihrem Glück kam ein Hirte des Wegs, der diesen Weg tatsächlich kannte. Wir liefen zusammen ein Stück zurück und trennten uns an einer breiten Kreuzung. Zum Abschied bekamen wir ein paar frisch geerntete Äpfel, die wir heißhungrig genossen. Das erste Obst seit Ewigkeiten!
    Für uns ging es auf breiter Fuhrstraße bergab. Inzwischen hatte ich wirklich null Bock mehr und meine Füße brannten wie Hölle. Aber es half nichts, immer noch war von Wasser nichts zu sehen. Also schleppte ich mich weiter. Kurz vor Vusanje kamen wir an einem See Namens „Blaues Auge“ vorbei. Sven hatten tatsächlich noch die Nerven, nach einem Geocache zu suchen. Ich nicht mehr, ich hockte mich neben den Weg und wartete. Nach kurzer Zeit kam er völlig begeistert zurück: erstens sei der See irre cool und zweitens habe er dort um die Ecke eine super Zeltweise gefunden. Also schleppte ich mich noch die paar Meter. Der See war tatsächlich beeindruckend! Wie aus dem Nichts sprudelten unglaubliche Wassermengen aus der Erde und ergossen sich in einem relativen großen Fluss. Das Wasser war tiefblau – quasi eine kleine Version des Blautopfs auf der Schwäbischen Alb.



    Gleich um die Ecke lag eine super schöne Wiese – wie geschaffen für unser Zelt. Wir ließen uns mit dem Aufbau etwas Zeit, da unsere auserkorene Waschstelle noch von einem Liebespärchen „besetzt“ war. Und waschen wollte ich mich unbedingt, mein ganzer Körper schien nur noch aus klebrigem Schweiß zu bestehen. Die Waschaktion gestaltete sich dann als nicht ganz so einfach, da wir von einer Horde Mücken überfallen wurden, der einzigen auf dieser Tour.
    Es war ein lauer Abend, allerdings wurde wieder nichts aus einem romantischen Abend vor dem Zelt. Noch bevor wir den Kocher angeschmissen hatten, fing es an zu regnen. Das Leben kann manchmal ganz schön ungerecht sein.

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  • Schmetterling
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    @ Abt: Wir haben von der Wirtin Plastiklatschen bekommen...

    Hier noch ein Bildernachtrag.









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  • momper
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Zitat von Baciu Beitrag anzeigen
    Mal eine Frage an die Balkanwanderer. Bei mir steht die Tour nächstes Jahr auch auf dem Plan. Ich kann 3 Wochen locker machen. Allerdings nur Ende Mai bis Mitte Juni. Ist das in der Zeit von den Wegverhältnissen machbar? Was meint ihr?
    http://zbulo.org/gipfel-des-balkans-...#tabs-2050-0-1

    sg immo

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  • Spartaner
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Zitat von Baciu Beitrag anzeigen
    ... Ende Mai bis Mitte Juni. Ist das in der Zeit von den Wegverhältnissen machbar? Was meint ihr?
    Das hängt sicherlich sehr von den Schneeverhältnissen ab, und die sind von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich (siehe diese Grafik). Im Fühjahr 2013 lag sehr viel Schnee, 2014 sehr wenig. Informieren kannst du dich über die aktuelle Situation in Montenegro hier: www.meteo.co.me

    Gruß Michael

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  • Baciu
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Mal eine Frage an die Balkanwanderer. Bei mir steht die Tour nächstes Jahr auch auf dem Plan. Ich kann 3 Wochen locker machen. Allerdings nur Ende Mai bis Mitte Juni. Ist das in der Zeit von den Wegverhältnissen machbar? Was meint ihr?

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  • Abt
    antwortet
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    Zum Besuch verschiedener AbOrte des Balkans gehören neben hohem Schuhwerk ein resistenter Magen.
    Darüber lacht mein schwarzes Herz.

    Eine Frage nach erhaltenem Bauwerken aus den Zeiten des Kanun, den sogenannten Kullas, gab es da noch viele zu sehen?

    Danke für euren Bericht.
    Zuletzt geändert von Abt; 06.11.2014, 11:30.

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