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  1. Fuchs
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    [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #1
    Mitreisende: Libertist, Tractrice
    Land: Kirgistan
    Reisezeit: August/September 2015
    Dauer: 5 Wochen, davon 27 Trekking-Tage

    Dieser Bericht schließt direkt an den vorangehenden Tadschikistan-Bericht an. Für Kirgistan hatten wir folgende Route angedacht, für die eine Dauer von ca. 4 Wochen kalkulierten: Ak-Suu – unbenannter Pass – Enilchek – Kayingdi River – At-Djaloo (Pass 2) – Enilckek Glacier – Maj Bulak Glacier (Pass 3) – Musketova Glacier – Musketova Pass (Pass 4) – Semenova Glacier – Sari-Jaz River – Echkilitash

    Aufgrund der Länge der Tour gaben wir bei unserem Freund Christian, der sich oft in Kirgistan aufhält und ein paar Wochen vor unserer Ankunft in der Nähe unseres Reisegebiets unterwegs sein wollte, ein Nahrungsdepot in Auftrag, das er in Enilchek hinterlegen sollte. Somit konnten wir mit Essen für 10 Tage im Rucksack starten und planten, Verpflegung für weitere 18 Tage in Enilchek aufzulesen.

    Diese Reise war eine der großartigsten, die ich je erlebt habe. Wunderbare Landschaften, herausfordernde Schlüsselstellen und 27 Tage, in denen wir keinen anderen Trekking-Reisenden begegnet sind.


    Tag 19, auf einem namenlosen Gipfel in der Nähe des Semenova-Gletschers.


    Zelt im Schneesturm auf dem Gletscher.


    Yaks an einem Seitenarm des Sari-Jaz Flusses.


    Sofia bei Wind und leichtem Schneefall auf einem Gletscher.


    Wie schon beim letzten Mal übergebe ich das Wort jetzt an Sofia, die sich großzügigerweise erneut bereit erklärt hat, mir die Schreibarbeit abzunehmen. Nur die Fotos, Bildunterschriften und entsprechend gekennzeichnete Kommentare sind von mir.


    15. – 21. August: Von Tadschikistan über die Grenze bis nach Karakol

    Als Einstieg möchte ich gedanklich direkt an den zuvor gehenden Reisebericht aus Tadschikistan anschließen: „… und quer durch das Nirwana der Steinwüste verlassen wir nach 35 Tagen Tadschikistan.“. Als wir über den Grenzpass fahren, überraschen uns bereits nach ein paar Kilometern die spürbaren Veränderungen des neuen Landes: Bald zeigen sich satte, saftige Felder; das Gras so grün, wie wir es sei Wochen nicht gesehen haben. Auch die Rinder, die auf den Weideflächen grasen, sehen fetter und gesünder aus. Außerdem sind überall Pferde – wunderschöne, elegante Tiere mit großen Augen und glänzendem Fell. Die Straße ist in einem viel besseren Zustand und sogar an der Beschilderung zeigt sich die bessere Infrastruktur.

    Spät abends, eigentlich schon nachts, kommen wir in Osh an und unser Fahrer organisiert und freundlicherweise eine provisorische Übernachtungsgelegenheit bei seiner Schwiegertochter. Am nächsten Morgen fährt er uns zur Haltestelle, von wo die Sammeltaxen (‚Marshrutka‘) nach Bishkek abfahren. Doch bevor wir weiterziehen, wollen wir in Osh unsere restlichen tadschikischen Somoni in kirgisische Som umwechseln – da hat uns aber schon ein Fahrer gesehen und winkt uns in sein Auto. Wir machen ihm klar, dass wir in der Landeswährung nicht zahlen können und unbedingt noch eine Wechselstube brauchen, doch er vertröstet uns auf Bishkek und platziert uns in das Gefährt. Ihm in diesem Belangen zu vertrauen, wird sich bald als großer Fehler herausstellen. Als wir nämlich nach etwa 10 Stunden halbwegs gemütlicher und überraschend problemloser Fahrt spät abends in Bishkek ankommen, haben zwar noch einige Wechselstuben geöffnet, jedoch nimmt keine Somoni an. Außerdem spricht unser Fahrer kein Wort Englisch und will auch nicht verhandeln; er ruft einen Bekannten an, der dann von uns etwa den dreifachen Fahrtpreis verlangt. Es vergehen bestimmt 30 Minuten, bis wir, bzw. Gabriel und er sich einig sind und wir schließlich etwas genervt inklusive der Fahrt zu unserem Hotel pro Person 150 Somoni (20 Euro) zahlen. Von dort aus machen wir uns müde und hungrig noch auf die Suche nach einem Bankomaten, um die Übernachtung zu bezahlen und verschieben unser Somoni-Som-Dilemma erstmal bis auf weiteres.

    Dass es in dem Hotel ein weiches, großes Bett, eine richtige warme Dusche und sogar Internet (am Gang) gibt, vertröstet uns doch soweit, dass wir den Abend noch richtig genießen können, in dem Wissen, wir können am nächsten Tag ausschlafen. Falsch gedacht! Früh um 7 Uhr weckt uns ein ungeduldiges Klopfen. Vor der Hotelzimmertüre steht … (Trommelwirbel) … Christian! Er ist auf dem Heimweg aus der Mongolei nach Wien auf kurzem Zwischenstopp in Bishkek und die Freude über das unerwartete Wiedersehen ist riesig. Es tut richtig gut, das Gesicht eines engen Freundes in einem fernen Land auf langer Reise zu sehen. Der Tag vergeht wie im Flug, so viele Geschichten sind zu erzählen.


    Meine Reise-Geschichte mit Christian geht zurück bis 2009, Trekking in Kanada und USA, mein erster Reisebericht hier im Forum. Schön, dass wir uns jetzt, 6 Jahre später, hier in Bishkek treffen konnten.

    Mithilfe von Christians Russischkenntnissen schaffen wir es auch schließlich, unsere restlichen Somoni auf der Straße umzuwechseln (zu unserem großen Bedauern zu einem sehr schlechten Kurs doch ohne weitere Alternativen). Leider geht Christians Heimflug abends und so ziehen wir am nächsten Morgen zu zweit weiter. Mit der Marshrutka fahren wir etwa 6 Stunden nach Karakol, der ‚Hauptstadt‘ im Tien Shan, von wo wir zu der geplanten großen Tour aufbrechen wollen. Hier schlafen wir bei Christians gutem Freund Alex, der uns auch im ganzen nächsten Monat immer wieder sehr unterstützt und weiterhilft. Alex ist US-Amerikaner, der seit über einem Jahr in Karakol lebt und dort für die Organisation Peace Corps bei der lokalen Trekking- und Tourismusagentur EcoTrek arbeitet. Er und Azad, der Manager dieser Agentur, sind uns in unserer gesamten Kirgistan-Zeit eine große Hilfe und Unterstützung gewesen, vor allem in Sachen Transport-Organisation und Übersetzung – dafür sind wir nach wie vor sehr dankbar.

    Am Abend des 18. August betreten wir ein kleines Restaurant in Karakol. Wen sehe ich da drüben sitzen? Das Gesicht kenne ich doch! Tatsächlich, es ist Manuel, ein junger oberösterreichischer Kletterer, den ich auf meiner ersten großen Outdoor-Trekkingreise vor etwa einem Jahr in Leh, Ladakh in einem kleinen Restaurant kennengelernt hatte. In Österreich haben wir uns nie getroffen, aber ich habe ihn sofort erkannt. Er ist mit seinem Kumpel David zum Bergsteigen nach Kirgistan gekommen. Nachdem Manuels Rucksack jedoch nie ankam, mussten sie, anstatt hohe Berge und Gletscher zu besteigen, auf kürzere Trekkingtouren umdisponieren. Und wie es der Zufall so will, sind die beiden Männer von unserer Touridee sehr angetan; so laden wir sie kurzerhand ein, uns für die erste Etappe (8-10 Tage nach Enilchek) zu begleiten. Am nächsten Tag wird vorbereitet und eingekauft: (auf mein Drängen) sogar ein paar luxuriöse Essensgüter wie getrockneten Fisch, getrocknete Pilze, Knoblauch und allerlei andere Gewürze plus ausnahmsweise sogar eine kleine Flasche Wodka für besondere Anlässe. Danke dafür, lieber Gabriel – ich weiß, das hat sich auch für dich gelohnt.

    Anmerkung Libertist: Die Pilze waren lecker, der Wodka praktisch. Die mit salziger Fischhaut überzogenen Gräten, also das, was du „getrockneten Fisch“ nennst, wären nicht nötig gewesen.

    Abends verabreden wir uns im Hostel der Oberösterreicher zum gemeinsamen Kochen und Entspannen am Lagerfeuer. Für den darauffolgenden Tag, 20. August, wird der Aufbruch zu dritt geplant; Manuel bleibt aufgrund seiner vermissten Ausrüstung in Karakol und David wird uns mit einem gemieteten und durchwegs etwas maroden Zelt bis nach Enilchek begleiten. Er war in den letzten Jahren auf Bergsteig-Reisen in Südamerika, Nepal und viel in Europa, besonders im heimischen Alpenraum unterwegs. Zu seinen Spezialgebieten gehören Gletscher und Schnee – er ist nicht nur begeisterter Schitourengeher, sondern auch (Eis-) Kletterer und hat Erfahrung mit Spaltenbergungen. Für die erste schwierige Passpassage beruhigt es mich sehr, noch eine erfahrene Person mit an Bord zu haben und generell gilt: zu dritt ist es sicherer, als zu zweit.

    Als wir spät abends in Alex‘ Wohnung zurückkehren, geht es mir schlecht und ich fühle mich richtig krank. Nein, es ist nicht nur die steigende Aufregung und Ungewissheit rund um die Tour; ich habe Hals-, Kopf-, diverse Gliederschmerzen und Fieber. Nach einem kurzen Gespräch wird der Aufbruch nochmal vertagt. Nach zwei Tagen ‚auskurieren‘ und nun offiziell (laut Gabriel natürlich viel zu langen) zwei Wochen Trekkingpause geht es am 22. August wirklich los. Diesmal steht nicht nur Freude im Vordergrund: ich mache mich mit gemischten Gefühlen und alles andere als fit auf die längste und anspruchsvollste Trekkingtour meines Lebens.


    Etappe 1: 22. – 27. August: Von Karakol bis Enilchek zu dritt

    Pünktlich um 9 Uhr morgens treffen wir uns bei EcoTrek und nehmen eine Marshrutka bis Ak-Suu. Ich fühle mich immer noch schwach, der Rucksack lastet superschwer auf meinen Schultern und ich muss zugeben, dass ich auch vor keiner anderen Tour so nervös war; nicht nur die Länge, sondern auch die Schwierigkeit der Route mit ihren vielen Gletschern, dem kommenden Herbst und seinen Wetterunbeständigkeiten – das alles macht mir Angst. Da kann Gabriel noch so oft sagen, dass ich mir keine Sorgen machen brauche.

    Die ersten drei Tage geht es langsam aber stetig bergauf, der Weg ebenso wie meine Gesundheit. Zitat aus dem Tagebuch, Tag 2: „Fitness & Gesundheit etwas besser, d.h. bereits ein kleines Mü weniger ganz so schlimm als gestern.“ (Den Spruch „ein kleines Mü“ habe ich mir von Gabriel abgeschaut, der damit jede Distanz unter zehn Metern versteht und tatsächlich meint, den Zeltaufbau damit zu erleichtern („Ein kleines Mü nach links!“)

    Ja ich gebe zu, im Nachhinein klingt das doch ein bisschen sehr dramatisch, aber der Rucksack war auch wirklich schwer und nach ein paar Schritten war ich schon außer Atem. Nun gut, die Kehrseite: Ich bin hin und weg von der Landschaft des Tien Shan. Der leichte Nieselregen und die grau verhangenen Wolken lassen das grün des dichten Grases noch saftiger erscheinen; wir laufen durch mystisch-dunklen Nadelwald und vorbei an tausenden Schafen, Ziegen und riesigen Pferdehorden. Die üppige Landschaft bietet einen krassen Gegensatz zu den kargen Geröllhängen, die wir noch aus Tadschikistan gewohnt waren.

    Entlang des Aksu-Flusses begegnen wir immer wieder Hirten, kehren sogar zwei Mal bei Familien ein und bekommen Chai, Brot und Butter oder was gerade da ist. David blödelt solange mit den Kindern, dass sie ihn gar nicht mehr gehen lassen und er sie fast gewaltsam abschütteln muss, nachdem ein Junge im Übermut seinen Stock verbogen hat. Ich liebe Kinder und finde das ja auch ganz lustig, Gabriel hingegen marschiert stur kopfschüttelnd voraus und kann sich gerade so noch durchringen, ein paar Fotos zu schießen. Die waren doch so süß, die Beiden, oder?

    Anmerkung Libertist: Ging so. Stöcke verbiegen ist nicht sehr süß.



















    Am dritten Tag schlagen wir bereits am späten Mittag unseren Zeltplatz auf 3200 m auf, von wo wir morgen nach oben loswollen, die Gletschertraverse steht an. David nutzt den freien Nachmittag, um schon mal ein Stück vorauszugehen und den besten Weg zu erkunden; nach zwei Stunden kehrt er zurück und verspicht für morgen einen anstrengenden aber wunderschönen Tag. Abends zwischen 5 und 6 Uhr beginnt es zu regnen und das schlechte Wetter hält bis zum Morgen. Wir sind das von den letzten Abenden schon gewohnt, dafür sind die Tage jedoch (meist) (halbwegs) stabil.

    An Tag 4 geht es zeitig los, wir haben schließlich an die 1000 Höhenmeter vor uns. Der Beginn gestaltet sich überraschend einfach; das Geröll ist fest und so geht es flott dahin. Sogar die Sonne kommt ab und zu ein bisschen durch und hebt die ohnehin schon gute Laune noch mehr. Um ca. 12 Uhr sind wir am Fuße des Gletschers angelangt: „David gönnt uns noch eine Gurke-Erdnuss-Salami-Jaus‘n [nur für 10 Tage bepackt, hatte er tatsächlich solche Luxusgüter bei sich], hupft in seine Steigeisen und zieht hoch.“, sagt mein Tagebuch. Gabriel und ich lassen uns und unseren beiden Fotoapparaten noch etwas mehr Zeit.
















    Die letzten zwei Kilometer bis zum Pass ziehen sich wie Kaugummi; David marschiert voraus und stochert gewissenhaft nach Spalten, während abwechselnd die Sonne herunter knallt und im Schatten der eisige Wind am Hang entlang zieht. Meine Füße werden schon lange nicht mehr warm und umso länger der Anstrengung anhält, desto mehr merke ich meine sinkende Konzentration. Zum Glück scheint das bei den beiden Männern anders zu sein, oder täusche ich mich doch? Vor einer schwer sichtbaren Spalte kniet sich David hin und ich sehe aus dem Augenwinkel einen schwarzen Schatten, der vom Erdboden verschluckt wird.

    Nein, zum Glück nicht David, dafür sein rechter Stock. Besser der Stecken, als er selbst, meint er halbwegs zuversichtlich. Wir leuchten in die schwarze Tiefe – nichts zu sehen; die Spalte hat ihn nun. Der weitere Aufstieg gestaltet sich mit nur einem Stock etwas schwierig und so zieht Gabriel voraus. Mein Vorschlag, dass ich auch mal vorgehen könnte, wird sofort abgeschlagen; demnach trotte ich hinterher und habe keine Ahnung, ob die Bedenken der beiden anderen auch so stark wachsen, wie meine.

    Dann geht doch alles erstmal gut: Kurz vor 4 Uhr kommen wir endlich auf dem Pass an
    (4.140 m) und vor uns liegt das Gletscherfeld, auf dem wir heute Nacht zelten. Ja, richtig, wir zelten AUF DEM GLETSCHER. Sowas hab ich zuvor noch nie gemacht und dementsprechend bin ich einerseits beeindruckt von der Wahnsinnskulisse rundum, andererseits auch besorgt, dass morgens die ganze Ausrüstung gefroren bzw. alles eingeschneit ist. Meine Sorgen werden nicht kleiner, als ich beim Einschlafen schon die ersten Schneeflocken fallen höre, begleitet von immer stärker werdendem Wind. Was nachts und am nächsten Morgen passiert, ist das vermutlich krasseste, das ich bisher in meiner zugegebenermaßen kurzen Outdoor-Karriere erlebt habe. Dementsprechend berichte ich jetzt als Laiin meine subjektive Sicht und überlasse das rationale Kommentieren mal dem lieben Libertisten (der ja auch diese wunderbare Anfänger_innenroute geplant hat).

    Anmerkung Libertist: Hihi.






















    Der Wind nachts hat sich noch zu einem beträchtlichen Sturm entwickelt, von dem Gabriel und ich in regelmäßigen Abständen geweckt werden. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob er überhaupt geschlafen hat? Zum Glück steht das Zelt jedoch gut in Windrichtung; so beruhigt mich Gabriel und meint, der Flatterlärm sei harmlos. Am Morgen wird eilig zusammengepackt – die Sonne scheint und wir wollen ja nicht, dass der auf dem Gletscher liegende Schnee zu matschig wird. Um 9 Uhr brechen wir bei strahlend blauem Himmel auf. Ein paar Hundert Meter und etwa 20 Minuten später kehrt uns das scheinbar gute Wetter den Rücken. Wind, nein, Wind wäre untertrieben, ein Sturm zieht auf. Die Wolken düsen die Berghänge rund um uns herab. Jetzt geht alles ganz schnell – innerhalb von Sekunden ist alles weiß. Wir sind eingekesselt von Gletschern. Rundum geht es nach oben, der einzig mögliche Weg nach unten ist Richtung Osten, und da wollten wir ja eigentlich nicht hin. Jegliche Sicht ist vernebelt. Spalten zu erkennen oder nicht, wäre pures Glück.













    Kurz darauf fängt es an zu schneien. Zuerst kleine leichte Flocken, dann fliegen sie immer schneller, härter und beinahe waagrecht gegen unsere Gesichter. Noch wiegen wir uns in Sicherheit; denken, wir können die Zelte einfach wieder aufschlagen und wollen die extreme Wetterlage zumindest kurz mit unseren Kameras festhalten. David drängt zurecht. Wir erreichen den Platz, an dem wir gestern gecampt haben und versuchen, unsere Zelte wieder aufzubauen. Der Sturm versucht hartnäckig, uns die Zeltplane aus den Händen zu reißen, zerrt an meinen Gliedern. Eisig durchdringt er jede Kleidungsschicht und bringt mich zum Schauern. Ich spüre weder Zehen noch Finger, während ich mich bemühe, die Heringe irgendwie in den gefrorenen Untergrund zu klopfen. Gabriel muss wohl mein leidendes Gesicht gesehen haben und deutet mir, ins Zelt zu kriechen, während er David noch beim Einschlagen seiner Heringe hilft. Dankbar versuche ich mich in das Zelt zu winden, drehe und wende meine steifen Glieder, um möglichst wenig Schnee mitzunehmen. Noch fünf Minuten durchbeißen, Sofia, bald wird’s wieder warm. Bald wird alles gut.









    Ich habe gerade meine Matte aufgeblasen und den Schlafsack ausgerollt, als der Sturm dreht. Er bläst jetzt mit voller Kraft von allen Seiten und ich weiß nicht, ob unser sonst so verlässliches Tunnelzelt dem gewachsen ist. Gabriel kommt ins Zelt; in seinem Gesicht ist von Entspannung noch nichts zu sehen. Sofort macht er sich daran, die Stangen von innen zu stabilisieren. Es vergehen bestimmt nicht mehr als drei Minuten, bis David den Kopf bei der Türe hereinsteckt. Mit roter Nase und vereistem Bart sagt er: „Mein Zelt ist gebrochen.“ Nicht nur die Stange, sie hat auch gleich ein großes Loch in die Plane gerissen. Scheiße. David macht es sich in unserem Vorzelt so gut es geht bequem, ich gebe ihm ein Snickers und sehe Gabriel hilfesuchend an. Als er einfach gar nichts sagt und mir bloß deutet, unsere Stangen zu schützen, steigen Unsicherheit, Angst und langsam auch Panik in mir. Der Sturm kommt in Böen. Einige können wir abhalten, doch es dauert nicht lange bis zu dem lauten KRACK. Schreck in allen Blicken. Zeltstange gebrochen. Ein paar Sekunden Stille, gefolgt von lautem Fluchen. Ich sage gar nichts, merke nur, wie Tränen aufsteigen. Das Einzige, wo ich mir bis jetzt immer sicher war, ist das Zelt, in das uns verkriechen können und wo ich mich in meinem Schlafsack wärmen kann. Jetzt fällt das weg. Die Männer tauschen Blicke aus. Gabriel spricht aus, was scheinbar auf der Hand liegt: „Wir müssen absteigen.“

    Wie hat er diese Entscheidung getroffen? Ist es die Richtige? Darüber kann ich mir gerade keine Gedanken machen. Mit den Tränen kämpfend folge ich einfach Gabriels Anweisungen: Schlafsäcke wegpacken. Matten zusammenrollen. Warm anziehen. Jetzt muss alles schnell gehen, bevor noch mehr passiert. Trotzdem ziehen sich die Minuten des Zeltabbaus endlos und meine kalten Gliedmaßen pochen und schmerzen. Okay, los geht der Notabstieg.

    Erleichterung? Noch lange nicht. Ruhig Blut, Sofia – wir schaffen das, wir schaffen das, wir schaffen das. Einstockig stapft David auf der gewissenhaften Spaltensuche voran. Vier Kilometer sind es bis zum Ende des Gletschers; vier Kilometer voller Angst. Angst vor dem Ausrutschen, Angst vor Spalten, Angst vor der Kälte, ja, auch Angst vor Frostbeulen. Sind meine Zehen schon blau? Meter für Meter tasten wir uns nach unten. Nach einer Stunde oder so lichtet sich das dichte Weiß und der Wind lässt nach. Gabriel macht wieder Fotos. Langsam fällt mir auf, dass ich aufs Klo muss. In den letzten Stunden war mein Gehirn gar nicht fähig, den Blasendruck an mein Bewusstsein weiterzuleiten – da lief nur in Dauerschleife: Wir schaffen das.
















    Und weiter geht’s bergab. Wir schaffen das. Die Sicht wird besser, das Gelände einfacher, kaum mehr Spalten. Natürlich, schaffen wir das! Angekommen am Ende des Gletschers ist es 16:30 Uhr; wir entscheiden, Gabriels Zelt zu reparieren, heute zu dritt darin zu schlafen und morgen gänzlich abzusteigen.

    Einigermaßen erleichtert aber noch nicht am Ziel; es folgen noch einige Kilometer und es vergehen zwei weitere Stunden, bis wir den passenden Zeltplatz gefunden haben. Endlich – es dämmert schon – ist ein Fleckchen eben und trocken genug für die Ansprüche des Libertisten und wir können uns an die Reparatur der Zeltstange machen. Dank dem Ersatzsegment – danke, Hilleberg, danke! – geht das auch ganz flott und vor allem gut. Wir kochen im Dunkeln, heute mindestens die doppelte Portion und genießen unser Festmahl; wenn das mal nicht die richtige Gelegenheit für den wohl verwahrten Wodka ist! David und ich sind in Feierlaune, immerhin haben wir alle Schwierigkeiten einigermaßen gut gemeistert. Doch der sichtlich immer noch angespannte Gabriel putzt pünktlich um halb 9 Uhr seine Zähne und kriecht ins gezwungenermaßen heute etwas kuschelige (und wenig duftende) Nachtlager.

    Anmerkung Libertist: Wie immer in solchen Situationen war ich nicht ganz so in Feierlaune. Einerseits hat es mir leidgetan, dass wir schon jetzt, zu Beginn, die Route ändern mussten. Klar, es war unumgänglich – wären wir auf dem Gletscher geblieben, hätten wir vielleicht alles verloren. Das war mit Abstand der schwerste Sturm, den ich je im Himalaya erlebt habe.

    Andererseits habe ich darüber nachdenken müssen, ob wir grundsätzlich etwas falsch gemacht hatten. Der Pass, über den wir eigentlich wollten, war eigentlich gar kein Pass, sondern eine mehr oder weniger beliebige Stelle, an der wir den Gebirgskamm überqueren wollten. Die Stelle hatte keinen Namen, es gab keine Fotos; ich wusste tatsächlich nichts darüber – die Entscheidung bei der Planung, diesen „Pass“ zu versuchen, beruhte nur auf meinen Google Earth –basierten Vermutungen. Und jetzt kam uns dieser verdammte Sturm dazwischen! Natürlich hatten wir auch kein Seil dabei, David war der einzige mit Steigeisen (Sofia und ich hatten Grödel). Ich hab den Abend zum Anlass genommen, um mal wieder meine Risikobereitschaft in Frage zu stellen, was ja auch nicht schaden kann.























    An Tag 6 endet diese Tour-Etappe ein wenig früher als geplant. Wir haben ca. 13 km Abstieg vor uns, es geht den Fluss entlang, angenehm leicht bergab bis zur Straße am Ende des Tals. Von dem Dorf Kök-Kiya soll uns Stas abholen – ein russischer Freund von Christian, über den wir auch unsere Rückfahrt von Echkilitash nach Karakol geplant haben. Dank Azad und Alex von EcoTrek und Gabriels Satelliten-Telefon ist die Organisation der Fahrt kein Problem. Stas holt uns pünktlich um 15:00 Uhr an der ausgemachten Stelle ab, fährt Gabriel und mich nach Enilchek und dann mit David retour nach Karakol, der ein paar Tage darauf zurück nach Österreich fliegt. Gabriel und ich kürzen mit der Fahrt über den Straßenpass also ein Stück der Strecke ab, grundsätzlich sollte es aber wie geplant weitergehen.







    Etappe 2: 28. August – 1. September: Von Enilchek bis zu unserem Food-Cache in At-Djaloo

    Angekommen am Nachmittag des 27. August in Enilchek, sehen wir uns verwundert um – wir wussten schon vorab, dass hier vor ein paar Jahrzehnten mehr los war und kaum jemand noch da wohnt, trotzdem sind wir beide bei dem Anblick dieser Geisterstadt etwas verdutzt. Enilchek war in den 80er Jahren, als Kirgistan Teil der UDSSR war, die Heimat vieler Bergbauarbeiter, die angrenzend Zinn abbauten. Nach Zusammenbruch der Sowjet Union und dem Abzug der Russen wurden die Arbeiten eingestellt (wie uns erzählt wurde aufgrund fehlenden Know-Hows auf der kirgisischen Seite). So zogen die Arbeiter mit ihren Familien fort und die geplante Metropole wurde niemals fertig gestellt. Es sollte sogar ein Flughafen errichtet werden; Überreste einer angefangenen Tankstelle und einige lehrstehende große Wohnbauten sind noch vorhanden. Ich denke, dass inklusive der dort stationierten Militärposten vielleicht 10 Menschen da leben. Wir haben neben einer riesigen Lagerhalle gezeltet, die scheinbar auch nie eingeweiht, geschweige denn gebührend verwendet wurde.




    Geändert von Libertist (25.02.2016 um 14:15 Uhr)
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    #2
    Abends ist es an der Zeit, ein paar grundlegende Dinge zu besprechen: Wie soll es nun weitergehen? Eigentlich wurde zu Beginn geplant, dass uns Christian hier in Enilchek das Essensdepot hinterlegt. Nachdem er aber im August kurzfristig in die Mongolei flog, gab er diese Aufgabe an Alex ab. Dieser wiederum befand den Militärposten in Enilchek als nicht geeignet und deponierte unsere zwei Säcke an der etwa 15 km entfernten Militärstation Maid-Adir. Nachdem unsere Essensvorräte für die gedachten 10 Tage nun bald zur Neige gehen, wollten wir jemanden vom Militär mit einem Auto bitten, mit uns nach Maid-Adir und retour zu fahren. Jetzt gab es aber kürzlich heftige Niederschläge (haha, haben wir gemerkt…) und die Straße wurde fortgespült. Also entscheiden wir, weiter von Enilchek Richtung Süd-Osten, über den At-Djaloo Pass in das Chan Tengri Hunting Camp zu gehen. Das Camp liegt quasi am anderen Talende, von dort aus sollten wir unser Depot mit einem Auto (falls sie eins haben und falls die Straße okay ist) erreichen und die geplante Tour fortsetzen können.

    Als wir gerade Inventur machen, um das noch vorhandene Essen zu rationieren, fährt eine russische Bergsteigertruppe am Rückweg vom Kan Tengri (6.995 m) an uns vorbei. Gabriel geht hin, in der Hoffnung, sie haben nach erfolgreicher Besteigung ein paar Nahrungsmittel übrig. Von den sieben Männern waren schlussendlich drei am Gipfel und da sie nun alle nach Russland zurückfliegen, brauchen sie ihre Essensreste nicht mehr. Tja, bevor sie’s wegschmeißen… Erfolgreich kehrt Gabriel mit 3 Säcken Leckereien zurück: Kekse, Nüsse, Zuckerl, Erdäpfelpüree, Vanillepudding, Zwiebel, Knoblauch, Sojageschnetzeltes und sogar getrocknetes Fleisch ist dabei. Oh, was für ein Gaumenschmaus!

    Am nächsten Tag wachen wir bei Regen auf und schlafen erstmal ganz gemütlich bis halb 9 Uhr aus (ja, ich habe ausschlafen geschrieben). Nach den gestrigen Strapazen kommt mir der Klang des Regens sehr gelegen und ich freue mich beim Aufwachen schon heimlich auf den vermeintlichen Pausentag. Doch daraus wird wohl wieder nichts, Gabriel besteht darauf, heute noch loszuziehen, das Geisterstädtchen zu verlassen und unser Lager zumindest 10 km südlich von Enilchek aufzuschlagen. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Nun gut, Muskelkater und Verspannungen an allen Ecken und Enden, aber zumindest lässt der Regen im Laufe des Vormittags nach und sogar die Sonne kommt ab und an hervor. Wir marschieren also diese trostlose Straße entlang und machen wie gewohnt nach etwa 75 Minuten unser erstes Päuschen. Zuvor haben wir schon besprochen, ein Auto aufzuhalten, falls sich denn jemand in diese ausgestorbene, trostlose Gegend verirren sollte – der Gedanke allein ist schon fast surrealistisch.

    Doch während ich gerade nach meinen Snacks krame, passiert es: Ein Motorengeräusch! Wir laufen zur Straße und halten den Landrover Defender an. „Na toll, bestimmt Militär und die nehmen uns nie mit.“, denke ich, doch da habe ich mich getäuscht. In dem (zu einem perfekt ausgeklügelten Minihaus inkl. Musikanlage, Küche, Warmwasserdusche und Co) umgebauten Auto sitzt das russische Ehepaar Denis und Yulia mit ihren beiden possierlichen Hündchen. Die zwei schlanken Dackel, die scheinbar gern zu internationalen Hundeschönheitswettbewerben chauffiert werden, zeigen sich gleich mal kritisch und bellen laut drauf los. Denis und Yulia aber sind superfreundlich, liebenswürdig und erweisen sich nicht nur als sehr hilfreich sondern auch als wahnsinnig großzügig und gastfreundschaftlich. Erstmal berichten sie uns von den etwa 10 km entfernten heißen Quellen, zu denen sie gerade unterwegs sind. Ob sie wirklich dahin wollten, oder das eine höfliche Bemerkung unseres Körpergeruchs war, sei dahingestellt. In der letzten Woche, inklusive Gletschertraverse, hatten wir tatsächlich keine Dusche; hier im geschlossenen Raum des Autos scheint das plötzlich sogar den beiden preisgekrönten Dackeln aufzufallen. So geht’s los zu einer gründlichen und heißen Wäsche! Etwas abseits der Straße – für den Defender natürlich kein Problem, wer will denn zu Fuß gehen, wenn mensch so ein Auto besitzt – quillt aus dem Berg gefühlt 60 Grad heißes, schwefelhaltiges Wasser, das anschließend in zwei zementierten Becken aufgefangen wird. Das ist sogar dem abgebrühten Libertisten zu heiß.

    Glücklicherweise staut sich im Sand neben den Becken eine kleine Badewanne mit perfekter Wassertemperatur an. Von Yulia werde ich noch mit luxoriös-verwöhnenden Beauty-Produkten ausgestattet, wie ich sie in meinem Leben zuvor noch nie in der Hand hatte. Frisch blumig duftend, mit babyweicher Haut und sogar spezieller Fußcreme eingeschmierten Haxen fahren uns die beiden bis an unser Tagesziel, einer kleinen Brücke etwa 12 km südlich von Enilchek. Ich bin jetzt schon im siebten Himmel. Doch dort gibt es selbstverständlich bevor wir uns verabschieden noch ein frisch gekochtes spätes Mittagessen mit anschließender Vorführung ihrer neuen Drohnenkamera. Die beiden sind nämlich auch Fotografie-begeistert und bestens ausgestattet. Als wir dann losgehen wollen, bekommen wir noch Essensgeschenke in die Hand gedrückt: Kekse, Rindfleisch in der Dose und allem voran und besonders und großartig und ganz verrückt: Eine Flasche Rotwein! Ich muss anmerken, als ich Gabriel von dem erspähten Weinflaschenvorrat berichtete, hat er das Gespräch auch in die Richtung gelenkt, wie lange er denn keinen guten Wein mehr hatte und wie sehr er sich nicht wünscht… Den Rest könnt ihr euch vorstellen!

    Anmerkung Libertist: Ich wollte nur sicherstellen, dass sie uns nicht noch mehr Vodka dalassen…













    Nach dem Abschied laufen wir noch etwa eine halbe Stunde und bauen unser Zelt pünktlich vor dem Beginn eines kurzen Gewitters auf. Zu dem abschließenden Abendessensfestmahl und bei lautem Regengeprassel Wein-aus-der-Nalgene-Flasche-schlürfen sagt mein Tagebuch: „Derartige Trekkingtage könnte es ruhig öfter geben…“.

    Mit solch glücklichen Zufällen geht es am nächsten Tag gleich weiter, als wir kurz nach unserem Frühstück bei einer Familie zu Brot, Chai und frischem Joghurt einkehren. Am weiteren durchwegs einfachen Weg begegnen wir einem netten Reiter und 12 Kilometer später, auf der Suche nach einem Zeltplatz kommen wir am Ende des befahrbaren Weges an einem Bauernhof vorbei, wo scheinbar gerade ein Vieh-Deal abgeschlossen wird. 6 Schafe, 3 Pferde und ein Esel sind gerade dabei, von 5 Männern des Militärs verladen und nach Karakol gefahren zu werden. Während unsere Permit und Pässe kontrolliert werden, beobachten wir, wie die Männer versuchen, die letzte Stute zu verladen. Das Pferd hat riesige Angst und will nicht in den Hänger. Da schlagen die Männer mit Stöcken auf es ein, binden ihm schließlich die Augen mit einer Jacke zu, sodass es mehrmals stürzt und versuchen es gewaltsam in den Anhänger zu drängen. Die Stute schreit und ich kann weder hin-, noch wegsehen und fühle mich so machtlos. Die Prozedur dauert eine gefühlte Ewigkeit und ist erschreckend und verstörend mitanzusehen. Ich fühle mich schlecht und hilflos. Als uns der Herr des Hauses auf Chai und Brot zu sich einlädt, nehmen wir schließlich dankend an.













    Auch am darauffolgenden 9. Tourtag werden wir in dem letzten Haus vor dem Pass noch einmal von einem Ehepaar mit einem kleinen Töchterchen zum Essen eingeladen – es gibt neben Tee und Brot sogar frischen Salat, Marmelade und Schafsfett. Ja, tatsächlich, kein Fleisch, sondern die Delikatesse des puren Fetts. Mhm, ich lass das mal lieber dem Libertisten…










    Mit gehobener Laune geht’s auch gleich leichter bergauf. Der Herbst beginnt und färbt Gräser, Sträucher, Blumen und Steppe satt gelb und rot. Gabriel meint, landschaftlich sei es hier ähnlich wie in Alaska im September. Am 30.08., Tag 10 überqueren wir den grünen und einfachen At-Djaloo-Pass mit 3.674 m und campen gleich knapp dahinter an einem klar blauen See, umringt von Gletschern und hügelig-sumpfigen Grasflächen. Abends beginnt es zu schneien und ich bin gespannt, was der nächste Tag bringt. „Mal sehen, ob‘s morgen einen Pausentag genehmigt gibt oder zum Abstieg ins Hunting Camp geht…“, sagt mein Tagebuch.


































    Nach einem gemütlich-späten Frühstück entscheiden wir jedoch gemeinsam für den Abstieg. Leider werden wir von zunehmenden Niederschlag begleitet; er beginnt mit leichtem Schnee und steigert sich während des Abstiegs mit Wind zu richtig starkem Regen. Nach etwa zwei Stunden ist das Ganze aber schon wieder vorbei und bei strahlendem Sonnenschein und Hitze (es ist tatsächlich September, obwohl es sich eher wie April anfühlt) kommen wir gegen 3 Uhr im Chan Tengri Hunting Camp an. Hier treffen wir die junge Kirgisin Nurgul, die durch 2 Au-Pair Jahre in Würzburg (D) und Mödling (Ö) perfektes Deutsch spricht. Dank ihrer Hilfe können wir mit dem Chef des Camps einen Preis von 4000 Som (48 Euro) aushandeln, für den er mit uns zu unserem Essensdepot nach Maid-Adir und wieder zurück fährt. Es sind zwar nur 20 km, jedoch ist die Straße in so schlechtem Zustand, dass die Fahrt über 2 Stunden dauert. Zum Glück finden wir unsere Essenssäcke in gutem Zustand und fahren damit glücklich zurück zum Hunting Camp, wo bereits Yak-Fleisch und Erdäpfel auf uns warten und wir für 200 Som in der Yurte im Gelände übernachten. An demselben Abend kehrt auch tatsächlich ein dänischer Jagdtourist mit zwei geschossenen Steinböcken zurück und so stößt die gesamte Gesellschaft mit Champagner und anschließendem Wodka an. Ich bin zwar alles andere als jagdbegeistert, doch da sag ich mal nicht Nein…






















    Die gesamte Etappe ist abwechselnd sehr schön, aber immer wieder auch sehr schwierig für mich. Diesmal nicht körperlich, sondern eher psychisch. An Tag 9 wird mir bewusst, dass ich den Sinn hinter dem Ganzen kaum mehr sehe. Wir haben mit heute 1/3 der geplanten Tour geschafft und es sollen nach all dem, was bisher passiert ist, wirklich noch 18 Tage folgen!? Selbst die wunderschöne Landschaft kann mich nicht ablenken von den anstrengenden Strapazen; kurz gesagt, es macht mir keinen Spaß. Durch meine vielen Grübeleien, schlechten Launen und die missmutigen Gespräche hatte es Gabriel sichtlich auch nicht einfach mit mir.

    Was wirklich geholfen hat, waren die abwechslungsreichen Interaktionen mit den Locals, Zeit zum Nachdenken, lange und ausführliche Gespräche, gutes Wetter und die erfolgreiche Passquerung. Und gutes Essen. An Tag 12 erhalten wir für einiges, das war an Essen im Hunting Camp lassen, ein paar Tomaten und Käse im Austausch – so gibt es himmlische Spaghetti Pomodoro con Queso, mit frischem Knoblauch und Zwiebel. Auch dank Denis und Yulia haben wir mehrmals ausgezeichnet gespeist. Kulinarisch ist diese Tour tatsächlich ein Trekkingfressenshochgenuss. Mjammm…..

    Etappe 3: 2. – 17. September: Von At-Djaloo bis zu dem endgültigen Ziel Echkilitash

    Ausgeschlafen erledigen wir am Vormittag im Hunting Camp einige lang aufgeschobene Dinge, wie Wäsche waschen, Kocher putzen; außerdem sortieren wir das Essen, das Christian für uns eingekauft hat. Statt einen ganzen Pausentag einzulegen, marschieren wir gegen 14:00 Uhr doch noch los, um das gute Wetter auszunutzen. Es ist so heiß, dass die Flussquerung (At-Djaloo) geradezu erfrischt und Spaß macht. Nach etwa drei Stunden schlagen wir unser Nachtlager auf und machen zum ersten Mal auf dieser Reise ein Lagerfeuer, an dem wir die Stille und den leuchtenden Sternenhimmel genießen.







    Der nächste Tag hat es in sich, auch wenn es kaum bergauf geht. Mit Essen für 18 Tage im Rucksack komme ich einfach nur im Schneckentempo voran; Druckstellen an Schultern und Hüfte schmerzen während es für Gabriel sichtlich schwierig ist, an mein Tempo angepasst, also sehr langsam zu gehen. Wir kommen schlecht vorwärts und meine Laune ist wieder im Keller, alles tut weh. So bauen wir schon am frühen Nachmittag unser Zelt kurz vor dem Enilchek-Gletscher auf und schaffen es noch gerade so, dem Gewitter zu entkommen.













    Auf diesen Gletscher laufen wir am nächsten Morgen weiter zu, als es zu dröhnen beginnt. Quasi vor unseren Füßen landet ein riesiger Helikopter und spuckt fünf Münchner Abenteurer_innen aus. Im längeren Gespräch erfahren wir, dass die Gruppe zum Bergsteigen ins Enilchek-Basecamp geflogen ist, das nach ihren Berichten in Hochsaison mit 77 Zelten sehr gut besucht, leider auch sehr vermüllt und kommerziell vermarktet zu sein scheint. Da freuen wir uns ein bisschen über unsere Einöde und ziehen mit ein paar mehr Keksen als zuvor im Gepäck weiter auf den Enilchek-Gletscher zu.


    Unfassbar, wie viel Ausrüstung die Deutschen dabei hatten. Seht ihr die Tischdecke vorn links?

    Die „Gletscherquerung“ ist ein einziger Marsch auf der gigantischen Endmoräne. Die Sonne erwärmt das Eis des Gletschers und so ist das ohnehin schon lose Geröll noch rutschiger – kurz: es ist extrem anstrengend. Etwa 2 km sind es bis auf die andere Seite des Tals, von der wir weitere 5 km Richtung Westen marschieren und an dem Fluss Maj Bulak unser Nachtlager aufschlagen. Hier wollen wir morgen ca. 850 Höhenmeter hoch in das Tal, um am darauffolgenden Tag das große Schneefeld inklusive der zwei Pässe zu queren und so in das Musketowa-Tal zu kommen. Puh, was für ein straffer Plan.







    Gesagt, getan: An Tag 15 geht es in wenigen Stunden steil nach oben, dank dem unerwartet guten Trampelpfad sogar besser, als gedacht. Damit nicht alles zu einfach ist, spielt das Wetter wieder einmal verrückten April: Morgens ist es bewölkt, aber nicht sehr kalt und so recht angenehm. Um Mittag zieht ein Blitz-Schneeschauer über den gelbgrünen Berghang, um gleich danach die Sonne wieder voll erstrahlen zu lassen. So marschieren wir am frühen Nachmittag in T-Shirt und kurzen Hosen durchs Flussbett, als ein leichter Nieselregen beginnt, der sich langsam in Schneeregen verwandelt und schließlich zu einem kräftigen Schneesturm mutiert, während wir kurz vor dem Gletscher unser Zelt aufbauen. Ganz schön anstrengend, das viele an-, aus-, umziehen.





























    Am nächsten Morgen ist es eiskalt aber sonnig, als wir auf den ersten Pass (4.020 m) zulaufen. Auf dem riesigen Gletschermassiv kommen wir gut voran; es liegen etwa 5-10 cm Neuschnee der dank der Kälte schön hart ist. Alle Spalten, die wir queren, sind gut sichtbar. Trotz der vielen Fotopausen sind wir bereits um 14:00 Uhr am höchsten Punkt mit 4.040 m. Bis hierher will die Sonne scheinen, pünktlich zur Snackpause ziehen sich dunkle Wolken zusammen und drängen uns zum Abstieg. Es dauert nicht lange, bis ein heftiges Schneegestöber beginnt, das die ganzen 6 km des Abstiegs nicht nachlässt und immer noch nicht aufhören will, als wir unser Zelt aufbauen. Das Ergebnis ist eine Nacht mit wenig Schlaf, da der besorgte Libertist alle paar Minuten das Zelt schüttelt und die Schneelage kommentiert – vielen Dank!

    Anmerkung Libertist: Ich dachte, das interessiert dich!? Mich interessiert sowas.


    Viel zu früh...















































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  3. Fuchs
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #3
    Wechselhaft geht es weiter, als wir am nächsten Tag in das Musketowa-Tal absteigen, auf den Gletscher zumarschieren und etwa 3 km davor das nächste Nachtlager aufschlagen. An dem Abend von Tag 17 steht eine große Entscheidung bevor: Sollen wir die geplante Route mit der Gletscherumrundung Musketowa-Semenowa fortsetzen? Oder ist das Wetter zu schlecht, unser Vorhaben zu riskant? Welche Alternativen gibt es? Ich gebe zu, dass mir nach der Gletschertraverse mit David etwas bange wird bei dem Gedanken, die nächsten 10 Tage auf Eis zu verbringen. Und nun sind wir nur noch zu zweit. Die Erinnerung an den Kälteschmerz meiner Füße ist am gesamten Weg der Entscheidungsfindung fest in meinem Hinterkopf. Vermutlich war es doch größtenteils mein Unbehagen, das zu der Alternativplanung geführt hat. Ich weiß es nicht und gebe an dieser Stelle das Wort an den Libertist ab, mit der Bitte, die Entscheidungsfindung etwas näher auszuführen.

    Anmerkung Libertist: Naja, es gab drei Möglichkeiten:
    a) Wir versuchen, trotz des Schneefalls und der frisch verschneiten Gletscher, unser Route über den Musketova und Semenova fortzusetzen.
    b) Wir verzichten auf die beiden Gletscher und schlagen auf dem Weg nach Echkilitash dafür einen Umweg über die Berge und Hügel an der kasachischen Grenze ein; dort gibt es, laut Karte, auch ein paar schöne Täler, die einen lohnenswerten Besuch versprechen.
    c) Wenn wir Option a versuchen, aber scheitern und umkehren müssen, bleibt keine Zeit für Option b. In dem Fall müssten wir relativ geradlinig durch das nicht allzu aufregende Sari-Jaz Tal gehen, bis wir in Echkilitash ankommen.

    Ich hatte bei der Planung keine brauchbaren Informationen zu den beiden genannten Gletschern gefunden. Es wäre so oder so ein hohen Risiko, über 35 km auf Gletschern unterwegs zu sein, dazu mitten drin der Pass auf knapp 4.400 m. Bestimmt wurde dieser Pass schon mal von irgendeinem verrückten Russen begangen, aber weiß nichts darüber, Fotos gab es auch nirgendwo.

    Ich habe die erfolgreiche Umsetzung von Option a auf etwa 70% geschätzt. Das ist schon kritisch, denn es bedeutet, dass wir in rund 1 von 3 Fällen umkehren mussten, trotzdem reichen mir solche Erfolgsaussichten. Jetzt lag Schnee auf dem Gletscher, deutlich höhere Vorsicht war geboten. Die Erfolgsaussichten von Option a sanken gewaltig; ziemlich wahrscheinlich war es, dass wir auf mehr und mehr verschneite Spalten stoßen und uns für die Rückkehr entscheiden würden. Dazu kam die Sorge vor Stürmen, wie wir sie am Anfang der Tour erlebt hatten. Da ich Option c wirklich gern vermeiden wollte, entschieden wir uns für b. Zu viel Schnee lag mittlerweile auf dem Eis, das sah man schon von weitem. Die Entscheidung war richtig, das war mir schnell klar, trotzdem trafen wir sie nicht ohne ein weinendes Auge. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft möchte ich noch über den Pass steigen, der die Gletscher Musketova und Semenova miteinander verbindet.

    Um nicht ganz auf die letzten Eisberührungen verzichten zu müssen, entschieden wir, bevor es in Richtung kasachische Grenze gehen sollte, einen kleinen Umweg über die seitlich gelegenen Gletscher und einen kleinen Berg einzuschlagen.


    Als wir uns einig sind, fällt eine ganze Geröllhaldenlast von meinen Schultern. Ich habe gar nicht gemerkt, wie angespannt ich war, bis ich in dieser Nacht so ruhig und tief wie schon lange nicht mehr schlief. Am nächsten Morgen – vermutlich um uns zu ärgern – strahlt die Sonne vom Himmel und bringt uns beide nochmal zum Zweifeln; ist es nicht doch machbar? Tut mir leid mein Lieber, aber die Entscheidung ist gefallen. Also biegen wir auf der unheimlich mühsamen Endmoräne des Musketowa in das erste Gletschertal Richtung Süden und steigen da auf etwa 3800 Höhenmeter auf. Auf das Schlechtwetter ist Verlass und so genießen wir unseren Nudelsuppentopf wiederholt bei Schneegestöber; das hat zugegebenermaßen und absurderweise (wir schliefen auf einem verschneiten Gletscher!) sogar etwas Kuschelig-gemütliches.





































    An Tag 19 steht also der erste Gipfelsturm (4.205 m) dieser Reise bevor. Nachdem es nur etwa 400 Höhenmeter bis zur Spitze sind und von unten gut machbar scheint, schlafen wir etwas länger als sonst und beeilen uns auch nicht wirklich, früh loszukommen. Das wird beim Aufstieg schnell bereut – bereits nach den ersten Höhenmetern merken wir, es geht 2 Schritte voran, und 3 wieder zurück. Alles voller Sand und feinem Geröll, teilweise mit Schnee überzogen. Schnell lässt da jede Motivation nach. Von Vorankommen keine Spur, jede Schildkröte wäre vergleichsweise in einem Affenzahn an uns vorbeigezogen. Klar ist jedenfalls, hätten wir gewusst, was da auf uns zukommt, hätten wir das nicht gemacht. Je höher wir in Schneckentempo kommen, desto steiler und ebenso gefährlicher wird es. Ich finde kaum Halt und weiß im Nachhinein wirklich nicht, wie wir es da hoch geschafft haben. Langsam, behutsam und natürlich wie immer mit einer Portion Glück ist es dann vollbracht, und schon später, als gedacht. So bleibt nur wenig Zeit für ein paar Fotos und schnell müssen wir uns an den Abstieg machen, der nämlich auch nicht so leicht aussieht. Gabriel erkundet ein paar hundert Meter den verschneiten Grat und stellt fest, wir kommen am südlichen Schotterfeld entlang nach unten. Geröllhalden nach oben zu laufen ist furchtbar, nach unten dafür ja schon nahezu lustig. Die losen kleinen Steinchen rasen unter meinen Wanderstiefeln; ich fühle mich, als würde ich surfen. Keine halbe Stunde später sind wir schon im nächsten Tal.




























    Von hier aus geht der Abstieg am nächsten Morgen weiter; wir queren nun unseren eigenen Weg von vor drei Tagen. Es ist der erste Tag, an dem kein Wölkchen am Himmel ist und es kommt mir so vor, als würde Gabriel die getroffene Entscheidung bereuen…?

    Anmerkung Libertist: Bereuen nicht, aber es ist immer diese Wehmut, wenn man eine Tour abbricht oder, wie in diesem Fall abändert und sich fragt, ob das tatsächlich nötig war. Ich habe nie daran gezweifelt, dass wir uns für die vernünftigere Alternative entschieden haben, das kann ich wohl sagen.

    Die Flussquerung (Adyr-Tër) verläuft einfacher, als gedacht und wir nutzen den sonnigen Tag, um uns selbst und ein bisschen Wäsche zu waschen. Im Abendlicht läuft ein einsamer Wolf unweit von uns vorbei und lässt sich bereitwillig fotografieren. Die letzte Touretappe ist eingeläutet und ich entspanne mich langsam und genieße den kirgisischen Herbst. Auch die nächsten beiden Tage verlaufen ruhig, mit ein paar tierischen Begegnungen von Yaks, Murmeltieren und Pferdeherden. Wir marschieren das Flusstal entlang zuerst Richtung Norden und dann biegen wir nach Osten in das Semenova-Tal. Auch die Querung des Sary-Dzaz–Flusses verläuft unproblematisch, so wie der Anstieg in das nächste Tal nach Norden, über das wir auf die Hochebene an der Grenze zu Kasachstan gelangen wollen. Wir zelten kurz vor dem Pass und beobachten das schnelle Ziehen der Wolken, die uns wieder etwas Niederschlag bringen (es war ja klar, dass das gute Wetter nicht lange halten kann…).














    Und dann stand da erstmal 'n Wolf rum.













    Nachdem am Morgen von Tag 23 der Hochnebel an uns vorbeigezogen ist, hinterlässt er das Zelt in glitzerndem Eis der Sonne. Im satten grün-gelb-rot der Herbstfarben überqueren wir den vorvorletzten Pass (3.609 m) auf dieser Tour und steigen ein Stückchen ab, bis zu dem See auf 3.303 m, bei welchem wir zelten wollen. Was unsere russische (ex-sowjet) Militärkarte von 1981 nicht weiß ist, dass der See inzwischen ausgetrocknet ist. Da stehen wir nun, um 16:30 Uhr und suchen nach einer passenden Übernachtungsgelegenheit mit Wasser. Es heißt wohl weiter absteigen, etwa 3 km bis zum nächsten Fluss an der Grenze zu Kasachstan. Mit der fortschreitenden Zeit und heranbrechenden Abendstimmung sinkt die Laune, doch was sehen meine müden Augen denn da? Am Horizont taucht tatsächlich ein Gebäudekomplex auf! Ich mache einen innerlichen Luftsprung – die Hülle meines Körpers ist dafür schon zu schwach – und schaue Gabriel hoffnungsvoll an. Er denkt wohl das gleiche wie ich, ist jedoch auf die Karte fixiert und schüttelt schließlich den Kopf. Das Gestüt, der Hof oder die Hunting Lodge – was auch immer es ist, es liegt auf der anderen Seite der grünen Grenze. Und wir haben kein kasachisches Visum, also kein Übertritt… Ach komm schon, kannst du nicht mal spontan sein und eine kleine Ausnahme machen? Was soll schon passieren?

    Anmerkung Libertist: Das ist für mich eine einfache Kosten-Nutzung-Rechnung, die ich jetzt nicht vorrechnen möchte, aber das Endergebnis: das unwahrscheinliche, aber denkbare Worst-Case-Szenario, nämlich eine Gefangenname aufgrund illegalen Grenzübertritts, ist das, was uns in der Lodge bestenfalls erwarten kann, einfach nicht wert. ;)






















    Der werte Herr bleibt hart und so schlucke ich meine Hoffnungen runter und bereite mich innerlich auf das kalte Zelt und die 23. Nudelsuppe in Folge vor. Doch es kommt eben wieder anders, als gedacht: Kaum kehren wir dem Luxushof unsere Rücken, ertönt ein Motorengeräusch… Wir drehen uns blitzschnell um – tatsächlich: ein Quad mit zwei Männern in Jagdmontur rollt auf uns zu. Kurzfristig kommen Bedenken auf: „Haben wir etwas falsch gemacht? Wieso kommen die mit Waffen?“ Aber alles stellt sich friedlich heraus. Ohne ein Wort derselben Sprache auszutauschen ist Kommunikation recht schwierig, aber eine Einladung zu Essen und Übernachtung ist wohl universal verständlich! Dass wir illegal in ein anderes Land einreisen, scheint den beiden Herren herzlich egal zu sein. Na gut: aufgesessen, los die Zügel! Zu viert mit zwei gigantischen Rucksäcken auf diesem komischen Gefährt befürchte ich mehr als nur einmal, gleich hinunter zu purzeln, doch ich kralle mich fest und es sind ja auch nur ein paar hundert Meter. Der Gebäudekomplex stellt sich – wie Gabriel vermutete – als Luxus-Hunting-Lodge heraus, in der momentan kein einziger der sonst hochrangigen Gäste weilt. Der Hauswart Viktor bereitet uns nicht bloß frisches Abendbrot, sondern öffnet eine Türe und geleitet uns mit einladender Geste in ein Zimmer, wie ich es noch nicht gesehen habe. Einerseits etwas ursprünglich mit Holzverbau und andererseits fast kitschig prunkvoll mit kristall-gläsernem Kronleuchter und Glaswaschbecken. „Luxus, aber keinen Stil“, pflegt Gabriel in solchen Situationen weise zu sagen.

    In dem angrenzenden Bad ist außerdem eine richtige Dusche! Mit heißem Wasser! Das mag ja selbstverständlich klingen, ist es aber nach 23 Tagen in den Bergen und über zwei Monaten Kübelduschen absolut nicht. Zu schön um wahr zu sein, denke ich mir, und deute Viktor, dass wir dafür nicht zahlen können. Der winkt gleichgültig ab und schließt die Tür hinter sich. Unglaubwürdig sehe ich Gabriel an und beginne zu lachen – das ist ja der Wahnsinn! Und weil wir so viel Glück kaum fassen können, sind wir selbst mit Brot, Tomaten, Melone und Tee zum Abendbrot nicht ganz zufrieden; als Viktor kurz die Küche verlässt, um den Müll rauszubringen, springt Gabriel auf und stürmt zu dem Topf am Herd, während ich den Kühlschrank inspiziere, ob denn da nicht noch mehr versteckt ist. Das mag undankbar klingen, ich rede es aber mal auf den ‚Ausnahmezustand Tour‘ aus und hoffe, dass keine fiesen Kommentare kommen… Es war ohnehin vergebens, da keine Gäste da sind und die Jagdsaison auch beendet zu sein scheint. Wir fressen uns auch so voll und fallen frisch geduscht überglücklich in das weiche Riesenbett, gegen das wir unsere Schlafsäcke und Matten zum ersten Mal seit 22 Nächten bereitwillig eintauschen.













    Leider ist die Nacht dann doch nicht so toll, wie gedacht. Und das nur, weil unsere Körper normale Innentemperaturen einfach nicht mehr gewohnt sind – ständig wachen wir auf, weil es viel zu warm ist: unser Körper haben die kurze Tour-Unterbrechung nicht gecheckt und heizen wie die Weltmeister. Trotzdem war all der Luxus (vor allem die heiße Dusche) sehr erholsam. Nach einem großen Frühstück brechen wir auf und hinterlassen drei kopfschüttelnde Kasachen, die nicht begreifen, was wir da draußen wollen.

    Diese Tagesetappe führt uns erst mal zurück nach Kirgistan und dann vor die Grenzgebirgskette. Die hügelige Hochebene fühlt sich an, als könnte sie auch in Schottland oder Irland sein, wunderschön idyllisch. Nur das Wetter spielt wieder mal April mit Wind und Regen, Sonnenschein und Hitze, Wolken und Schneehagel. Wir campen in einer kleinen windgeschützten Mulde am Hang der Berge, welche die Grenze zu Kasachstan markieren. Zurück in unseren paar Quadratmetern des Zelts fühlen sich die Erlebnisse der letzten Nacht noch viel surrealer an.
















    Von da sind es auf den Gipfel am nächsten Tag nur wenige Stunden. Nach einem kalten und windigen Aufstieg am Morgen stehen wir bereits mittags auf 3.957 m direkt auf der Grenze zwischen Kirgistan und Kasachstan. Das 360 Grad Berg-Panorama ist der Wahnsinn. Ich genieße den Ausblick, während ein Adler mit seinen Riesenflügelschwingen um uns kreist. Freundlicherweise kommt genau da auch die Sonne wieder heraus und der Wind lässt nach, der sich während des Aufstiegs wie tausend eiskalte kleine spitze Nadeln in meinem Gesicht angefühlt hat. Ich hole tief Luft und versuche, das Gefühl dieses wunderbar-idyllischen Moments für den Abstieg zu behalten. Es funktioniert, denn dieser gestaltet sich überraschend einfach. Wir gehen ein paar hundert Meter am Kamm entlang und laufen surfend dann ein Geröllfeld hinunter – einige Stunden später bauen wir unser Zelt auf und bestaunen die rot gefärbten Wolken in der Abendstimmung.

























    Am vorletzten Tag machen wir uns am Weg nach Echkilitash auf die Suche nach einer auf der Karte eingezeichneten Höhle namens Ak-Chungkur. Es ist das erste Mal, dass die russische Militärkarte nicht ganz akkurat ist und weil der treue Libertist dieser aber total vertraut, irren wir erst ein paar Stunden umher, bevor wir die Höhle da finden, wo ich sie von Anfang an (anders als die Karte) vermutet hatte. Ja Gabriel, manchmal hab auch ich Recht!

    Anmerkung Libertist: Du hattest Recht und die sowjetische Generalstabskarte hatte Unrecht. Eine nicht gerade häufig vorkommende Erscheinung, wenn ich so zurückblicke.

    Die Höhle stellt sich durchaus als spannend heraus; sie ist sehr tief und wir klettern eine Weile umher, bis uns darin zu kalt wird. Am Weg zur Zeltplatzsuche lädt uns eine nette Familie zum krönenden Tourabschluss zu Chai und Brot ein – wir genießen in dem Wissen, dass wir ab morgen wieder essen können und werden, was und vor allem so viel wir wollen.

    Tag 27: Vom Aufwachen trennen uns nur knappe 4 km und nicht mal ganz 2 Stunden Fußmarsch von Stas heiß ersehntem Auto. Um 10:20 Uhr am 17.08. ist es vollbracht. Geschafft. Durchgehalten. Erleichtert. Erschöpft. Erledigt. Erfreut. Hungrig!






















    17. – 19. September: Entspannen in Bishkek

    Noch am selben Tag reisen wir mit der Marshrutka nach Bishkek, wo wir die nächsten zwei Tage entspannt im Hostel im Internet verbringen und währenddessen alles futtern, was uns so in die Quere kommt. Am 19. September geht die Reise weiter: von Bishkek fliegen wir nach Delhi und was dann passiert, erfahrt ihr im nächsten Reisebericht…

    Kosten

    Gesamt (5 Wochen): ca. 400 Euro/Person, davon
    - 45% Privattransport (Stas)
    - 35% Trekkingfressen
    - 20% Restaurants, 3 Hotelübenachtungen, öffentlicher Transport

    Fazit

    Ein Fazit über diese 27 Tage zu schreiben, fällt mir selbst jetzt, 6 Monate später, noch schwer. Die Tour war allem voran eins: intensiv.

    Kulinarisch gesehen war das auf jeden Fall die beste Trekkingreise, die ich je erlebt habe und mir vorstellen kann – das liegt vor allem an den vielen Überraschungen und Essensgeschenken, die wir auf Tour zufällig bekommen haben.

    Im Vergleich zu Tadschikistan kann ich sagen, dass mir dort die Gastfreundschaft intensiver vorkam und der Austausch mit den Menschen ein persönlicherer, freundschaftlicherer war. Im Pamir hatten wir jedoch auch mehr Zeit abseits der Tour und waren mehr mit Locals in Kontakt. Landschaftlich gesehen gefällt mir Kirgistan besser. Ich glaube, unter all den Berglandschaften, die ich bisher gesehen habe, war das Tien Shan die Schönste.

    Zum physischen Teil lässt sich sagen, dass die 27 Tage im Tien Shan wohl die anstrengendsten und körperlich herausforderndsten meines Lebens waren. Ich hatte insbesondere mit dem hohen Rucksackgewicht zu kämpfen; die Höhe war zum Glück und ein bisschen überraschend gar kein Problem. Vermutlich war die Akklimatisation von Tadschikistan noch ausreichend. Die zunehmende Kälte und das häufige schlechte Wetter haben mir nicht nur physisch, sondern auch psychisch zugesetzt. Am Schlimmsten ist das morgendliche Aufwachen, frühstücken und zusammenpacken im eiskalten Zelt. Während des Gehens ging es meistens kältemäßig ganz gut, bis auf die Füße am Gletscher, in Schnee und Eis. Mit denen hatte Gabriel dann jeden Abend beim Einschlafen noch das Vergnügen – mit genügend Kalorien im Motor produziert dieser Mann sowieso viel mehr Wärme, als er selbst brauchen kann. Ein großes Danke an diesem Punkt. Trotz all den kleinen und größeren Hürden ist diese Tour zurückblickend einfach die beste, auf der ich je gewesen bin. So genieße ich das Gefühl, über mich hinausgewachsen zu sein, Limits neu gesetzt und Grenzen überwunden zu haben.

    Auch psychisch ist es ähnlich: Ich hatte so viele Höhen und Tiefen; schwierige und schöne Momente. Letzten Endes bin ich wirklich glücklich und stolz, durchgehalten und diese lange Tour erfolgreich geschafft zu haben. Niemals werde ich das einzigartige Gefühl in der Marshrutka am Rückweg nach Bishkek vergessen; ich habe mich so leicht und frei gefühlt, als hätte sich das gesamte Rucksackgewicht auf meinen Schultern in Luft aufgelöst. Das war unheimlich belohnend, auch (oder gerade weil) ich es nur für mich gefühlt habe.

    Für die Zukunft kann ich mir eine Tour dieser Länge wieder vorstellen, doch würde ich dann von Anfang an ein paar andere Kriterien setzen: idealerweise wären wir jeden Tag eine Stunde weniger gegangen, die ich dann für Yoga und Entspannung genutzt hätte. Und bei so vielen Gletscher-, Eis- und Schneepassagen würde ich mir wohl neue Schuhe zulegen oder ausborgen – kalte Füße sind schlicht und einfach uncool. Auch das ist ein gutes Gefühl, mich selbst rund ums Trekken nun ein bisschen besser zu kennen und in etwa sagen zu können, was ich mir wünsche, erwarte und vorstelle.

    Fazit Libertist

    Die Tour war grandios, so einfach ist das. Sofia und ich sind während der vier Wochen durch Höhen und Tiefen verschiedenster Arten gegangen: physisch natürlich, aber auch psychisch und zwischenmenschlich. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: die Frau ist Anfang 20, hat kaum Trekking-Erfahrung und steigt mit mir über Gletscher und Eisfelder in Kirgistan – und das über Wochen und mit einem Rucksackgewicht, von dem viele andere hier behaupten würden, dass man(n) darunter bald einmal zusammenbrechen müsste. Also, mein Respekt gilt zunächst einmal Sofia, die da einige Situationen durchgestanden hat, die im Bereich der Trekking-Reisen schon ziemlich an die Grenze zum Extremen kratzen.

    Ich könnte hier noch viel mehr schreiben, aber ich denke, das ist gar nicht nötig. Sofias Schilderungen und meine Fotos können sicher zeigen, wie glücklich wir über die Tour sind. Ich konnte jeden Tag genießen und habe mich voll in meinem Element gefühlt. Es gab einige kritische Situationen, in denen wir zum Glück keine Fehler gemacht haben – was bleibt, sind grandiose Erinnerungen und der starke Wille, nicht bloß weiterhin Touren dieses Kalibers zu unternehmen, sondern innerhalb der nächsten Jahre ins Tian Shan zurückzukehren und nachzuholen, was uns im vergangenen Sommer aufgrund der Wetterbedingungen entgangen ist.




    Wir freuen uns auf eure Kommentare und Fragen.
    Geändert von Libertist (24.02.2016 um 15:31 Uhr)
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  4. Gerne im Forum

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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #4
    sagenhaft! super bericht, grandiose bilder. das hat mir meine mittagpause versüßt!
    darfst du schon als expedition bezeichnen

    etwas reflektion zum thema risikobereitschaft und das queren nicht aperer gletscher ohne seil würde ich mir noch wünschen

  5. Erfahren
    Avatar von Nuklid
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #5
    Wow, in jeder Hinsicht beeindruckend!

    Danke für's "mitnehmen".

  6. Fuchs
    Avatar von Libertist
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #6
    Danke!

    Zitat Zitat von petitprince Beitrag anzeigen
    darfst du schon als expedition bezeichnen
    Glaub ich nicht. Dazu hätten wir mindestens über die beiden ausgelassenen Pässe marschieren müssen und selbst dann, nein, zumindest nicht hier im Forum.

    Meine Frage im "Lagerfeuer" war auch gar nicht auf diese Tour hier bezogen.
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  7. Dauerbesucher
    Avatar von blende8
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #7
    Ja, Wow!
    Echt top, deine Touren!

    Wo kriegst du bloß immer diese hübschen Mädels her?
    Irgendwas ist immer ...

  8. Fuchs
    Avatar von Rattus
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #8
    Wunderschöne Bilder, sehr sehr schön geschrieben ... (bitte an Sofia weitergeben!) ... danke
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  9. GELÖSCHT Dauerbesucher

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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #9
    hey ihr beiden,
    danke danke danke fürs teilen!

    gruesse, wr

    und zwei blödfragen für später: in welchen sprachen habt ihr euch denn mit leuten unterwegs verständigt? und: kurzer vergleich jannu und das neue zelt?

  10. Gerne im Forum
    Avatar von bFlat
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #10
    habt ihr zufällig eine Übersichtskarte der Strecke? Auf jedenfall Hut ab vor der Tourwahl und Länge..Ich war nach 10 Tagen schon ziemlich froh wieder in der Zivilisation zu sein. War witzigerweise zur gleichen Zeit dort und war im selben Hostel wie der Manuel und David Hatte vor von Dzergalan nach Enilchek zu laufen, aber da hieß es, dass Permits notwendig seien, was mir dann mit dem nötigen Transport insgesamt zu teuer erschien.

  11. Fuchs
    Avatar von Libertist
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #11
    Danke!

    Zitat Zitat von petitprince Beitrag anzeigen
    etwas reflektion zum thema risikobereitschaft und das queren nicht aperer gletscher ohne seil würde ich mir noch wünschen
    Ja, wenn ich groß bin...


    Zitat Zitat von blende8 Beitrag anzeigen
    Wo kriegst du bloß immer diese hübschen Mädels her?
    Es hat sich herumgesprochen, dass, wer mit mir reist, später ein paar gute Fotos von sich bekommt. Das scheint vor allem Frauen anzusprechen. Diesmal habe ich mich mit dem Model besonders gut verstanden, könnte mir da glatt noch ein oder zwei weitere gemeinsame Touren vorstellen...

    Spaß beiseite. Sofia und ich, also, naja, wir beide... hm, das ist mir hier doch etwas zu öffentlich.


    Zitat Zitat von wonderrenter Beitrag anzeigen
    und zwei blödfragen für später: in welchen sprachen habt ihr euch denn mit leuten unterwegs verständigt? und: kurzer vergleich jannu und das neue zelt?
    Eigentlich gab's kaum was zu verständigen. Wir beide sprechen 5 Worte Russisch, Sofia beherrscht sogar das Russische Alphabet und kann somit geschriebene Worte aussprechen (die sie nicht versteht ). Das hat für Tee und Brot immer gereicht. Manchmal trifft man auch Leute, die ein paar Brocken Englisch sprechen.

    Ein Jannu hatte ich nie in Besitz. Bin seit 2010 mit dem Kaitum 3 unterwegs, nur bei Solotouren nehm ich was Kleineres. Das Kaitum hab ich in grün und rot (Firma).


    Zitat Zitat von bFlat Beitrag anzeigen
    habt ihr zufällig eine Übersichtskarte der Strecke? Auf jedenfall Hut ab vor der Tourwahl und Länge..Ich war nach 10 Tagen schon ziemlich froh wieder in der Zivilisation zu sein. War witzigerweise zur gleichen Zeit dort und war im selben Hostel wie der Manuel und David Hatte vor von Dzergalan nach Enilchek zu laufen, aber da hieß es, dass Permits notwendig seien, was mir dann mit dem nötigen Transport insgesamt zu teuer erschien.
    Hm, kann dir nur DAS HIER anbieten.

    Ja, Permits braucht man für die Gegend, die werden vom Militär auch kontrolliert. Witzig, dass du Manual und David kennengelernt hast. Wann genau warst du denn da?
    Geändert von Libertist (24.02.2016 um 21:15 Uhr)
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  12. Erfahren
    Avatar von geige284
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #12
    Zitat Zitat von Libertist Beitrag anzeigen
    Spaß beiseite. Sofia und ich, also, naja, wir beide... hm, das ist mir hier doch etwas zu öffentlich.
    Na das hat das eine Foto, Arm in Arm, eng beieinander und lachend vor dem Bergpanorama doch schon verraten

    Super Bericht!!! Wirklich tolle Fotos - der Text dazu wird mir wohl nochmal einen Arbeitstag versüßen

  13. Erfahren
    Avatar von Nuklid
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #13
    Nochmal, rein interessehalber, ganz naiv nachgefragt wegen eurer Reaktion auf die gebrochenen Zelte im Schneesturm:

    - Warum die Entscheidung zum Abstieg? Zeltabbau (stelle mir das rausfrimeln gebrocher Stangen im Sturm mühsam und schwierig vor) und Abstieg über Spalten im starken Schneesturm sind ja sicher nicht ohne Risiko gewesen - warum nicht im kaputten Zelt abwettern, und wenn man dabei die Stangen mit der Hand stützen muss?

    - Rein hypothetisch: Falls es die Möglichkeit des Eingrabens gegeben hätte, hättest du das dem Abstieg vorgezogen?

    Ich frage, weil man hier sonst immer liest, wie wichtig das sheltern im Schneesturm ist, und war daher überrascht über eure Maßnahme - die für euch ja offenbar auf der Hand lag und ja auch erfolgreich war.

  14. Alter Hase
    Avatar von Tie_Fish
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #14
    Wow! Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht und die tollen Bilder!

    Die Gletscher-Sache wäre mir auch etwas kribbelig. Ansonsten Respeeeeekt!

    Hab grad mal geguuuugelt: 295€ pro Person von FRAnkfurt nach FRUnse äääh Biskek über ISTanbul. Ist doch nicht schlecht, so viel (Geld) braucht das Auto bis in die Alpen auch... Und ich habe eine Tante aus Kirgisien und die hat noch eine Menge Verwandte da - wenn das nicht passt. Super Moti! Danke nochmal!
    Grüße, Tie »

  15. Fuchs
    Avatar von Rattus
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #15
    Spaß beiseite. Sofia und ich, also, naja, wir beide... hm, das ist mir hier doch etwas zu öffentlich.
    Nee, lass mal. Manche Bilder sprechen Bände, ist doch viel schöner
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  16. Anfänger im Forum

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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #16
    super Bericht, super Bilder! diesen Sommer pack ich auch endlich Kirgistan und Tajikistan an

  17. Anfänger im Forum
    Avatar von Tractrice
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #17
    Danke an alle für das positive Feedback, ich habe mich sehr gefreut.

    Und danke an den Libertist für die unterhaltsamen Kommentare und das charmante Fazit!

    Damit bin ich noch nicht so zufrieden:

    Zitat Zitat von blende8 Beitrag anzeigen
    Wo kriegst du bloß immer diese hübschen Mädels her?
    Ich finde es ja sehr nett von dir, dass du dich um Gabriels Gesellschaft sorgst. Zur Aufklärung: „Diese hübschen Mädels“ sind outdoorbegeisterte und trekkinginteressierte Frauen, die als Reisepartnerinnen Gabriels Touren begleitet haben oder mit ihm Reisen geplant und gemeinsam durchgeführt haben (bzw. noch tun). Alles Weitere ist hier, denke ich, wenig relevant (und überlasse ich gegebenenfalls gerne den Fotos).


    Meine Vermutung hierzu:

    Zitat Zitat von Nuklid Beitrag anzeigen
    Warum die Entscheidung zum Abstieg?
    Wären wir länger auf dem Gletscher geblieben, wären uns vermutlich mehr Stangen gebrochen. Der Seitenwind war unheimlich stark und die restlichen Gestänge sehr schwierig kontrolliert zu schützen. Das eine Segment konnten wir dank dem Ersatzteil reparieren; wenn mehr kaputt gegangen wäre, hätten wir die Tour abbrechen müssen (und für alle folgenden Pläne kein Zelt mehr gehabt). Mit Eingraben kenn ich mich nicht aus, aber der Boden draußen war hart und vereist; wir haben gerade so mit Müh und Not die Heringe reingeklopft.
    Geändert von Tractrice (25.02.2016 um 09:25 Uhr)

  18. Erfahren
    Avatar von Ranger
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #18
    Hallo Sofia, Hallo Gabriel,

    bin fasziniert von der Landschaft und beeindruckt von eurer Tour!!!
    Der Schreibstil ist sehr unterhaltsam und schön zu lesen. Und die Bilder sind auch ganz fein! ;) Ich mag deinen Stil und deine Ausarbeitung.

    Bis bald,
    Robert

  19. Dauerbesucher
    Avatar von elbspitze
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #19
    Nach einem 1,5 stündigen Youtube Rad-Bericht Berlin2Shanghai, wo die Beiden
    auf Ihrem Weg durch Kirgistan gefahren sind, dachte ich mir "Wow, da könnte man mal hin"...

    Nach Eurem Bericht denke ich nun "Wow, da muss ich unbedingt hin"

    Werden das sicher auch mit Tadschikistan kombinieren wollen, auch dank
    Eures Berichtes.

    Zum HB Gestängebruch. Habe ich diesen Winter in den Alpen auch durch gemacht.
    Leider zwei Stangen unter Schneelast gebrochen, eine davon mit dem Segment gerettet.
    Zur Not kann man auch das gebrochene Segement entfernen und das Zelt steht etwas faltig
    wie ne 80-jährige Oma immer noch gut.
    .................www.taeve-supertramp.de.................
    ......................Mit Zelt um die Welt.......................

  20. Fuchs
    Avatar von Libertist
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    AW: [KGZ] Kirgistan 2015: 27 Tage Tian Shan Abenteuer

    #20
    Danke, freut mich!

    Zitat Zitat von Nuklid Beitrag anzeigen
    Nochmal, rein interessehalber, ganz naiv nachgefragt wegen eurer Reaktion auf die gebrochenen Zelte im Schneesturm:

    - Warum die Entscheidung zum Abstieg? Zeltabbau (stelle mir das rausfrimeln gebrocher Stangen im Sturm mühsam und schwierig vor) und Abstieg über Spalten im starken Schneesturm sind ja sicher nicht ohne Risiko gewesen - warum nicht im kaputten Zelt abwettern, und wenn man dabei die Stangen mit der Hand stützen muss?

    - Rein hypothetisch: Falls es die Möglichkeit des Eingrabens gegeben hätte, hättest du das dem Abstieg vorgezogen?

    Ich frage, weil man hier sonst immer liest, wie wichtig das sheltern im Schneesturm ist, und war daher überrascht über eure Maßnahme - die für euch ja offenbar auf der Hand lag und ja auch erfolgreich war.
    Der Sturm war so stark, da war mit "Stangen mit der Hand stützen" nichts mehr zu machen. Genau das haben wir ja vorher getan: uns mit aller Kraft gegen das Gestänge und die Zeltwand gedrückt, aber das half nichts, die erste Stange brach trotzdem. Damit hatte das Zelt schon an Stabilität verloren und es wäre nur noch eine Frage der Zeit gewesen, bis der Rest auch wegbricht. Die Entscheidung, unsere Ausrüstung zusammenzupacken, war meiner Meinung nach die einzig richtige, sonst hätte es uns das ganze verdammte Zelt zerlegt. Klar war der Abstieg riskant, deshalb gingen wir auch nur im Schneckentempo bergab.

    Eingraben: Naja, wenn der Schnee so tief gewesen wäre, dass man sich darin hätte vergraben können, dann vielleicht ja. Aber bei so tiefem Schnee wäre der Abstieg auch ungleich viel mühsamer gewesen.
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