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  1. Fuchs
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    [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #1
    Mitreisende: Libertist, Tractrice
    Land: Tadschikistan
    Reisezeit: Juli/August 2015
    Dauer: 5 Wochen

    Geplant war eigentlich, dass ich in diesem Sommer wieder in Alaska als Guide arbeite, aber die Behörden haben kurzfristig irgendwelche Regeln geändert, so dass es mir leider unmöglich war, das entsprechende Visum zu bekommen. Es musste also schnell irgendein Alternativplan her. In Zentralasien war ich zuletzt 2011, danach waren meine Sommer mit dem Job in Alaska verplant. Also entschieden Sofia und ich kurzfristig, ein paar Länder im westlichen Himalaya zu bereisen. Los ging es mit Tadschikistan.


    Auf einem vergletscherten Pass im Tajik National Park


    Zarojkul


    Wenn man nicht gerade auf dem Eis steht, laufen überall Yaks herum.


    Karge Berglandschaft im Süden des Landes, an der Grenze zu Afghanistan.


    Grenzübergang nach Kirgistan.


    Die Idee

    Ich war noch nie im Pamir-Gebirge, aber was ich so über Google Earth zu sehen bekam, machte einen vielversprechenden Eindruck. Ich beschäftigte mich für einige Stunden mit der Geografie des Gebirges und suchte mir eine Gegend aus, die mir am interessanten erschien, nämlich den Tajik National Park. Schnell bastelte ich eine Route zusammen, die meiner Einschätzung nach auch im gemäßigten Tempo gut in etwa 15 Tagen machbar sein sollte und dabei nicht allzu viele technische Schwierigkeiten bot. Da diese Tour größtenteils über Pässe und Täler zwischen 4.000 und 5.000 Höhenmeter verlief, war klar, dass zuvor eine kurze Akklimatisationstour nötig sein würde. Auch dafür fand ich eine geeignete Route, die über einen einzigen Pass mit 4.570 m führte und für die wir uns genug Zeit nehmen wollten, um uns ein bisschen an die Höhe und die Ernährungsumstellung zu gewöhnen (dass ich zu Beginn der Reise gleich mal krank werden würde, wusste ich aufgrund früherer Himalaya-Erfahrungen schon vor Reiseantritt).

    Als Ausgangspunkt für beide Touren eignete sich Varshedz, ein am Pamir Highway gelegenes kleines Dorf, das wir als unser Base Camp auserkoren. Der Plan war, vor Ort eine Familie zu finden, bei der wir während der Touren ein paar Nahrungsmittel und Ausrüstung zwischenlagern konnten.

    Hier ein paar Anhaltspunkte für diejenigen, die unsere Routen im Groben nachvollziehen wollen:

    Akklimatisationstour: BeginnPassEnde
    Tajik National Park: BeginnPass 1Pass 2Pass 3 - Pass 4Ende

    Ich übergebe das Wort jetzt an Sofia, die sich großzügigerweise bereit erklärt hat, mir die Schreibarbeit abzunehmen. Nur die Fotos, Bildunterschriften und entsprechend gekennzeichnete Kommentare sind von mir.



    Hallo! Einleitend möchte ich Neuling mich hier im Forum gleich mal als Österreicherin outen. Denn auch, wenn es dem deutschen Libertisten nicht passt, kommen hier im Text wohl ein paar Begriffe oder Bezeichnungen vor, die in Deutschland weniger geläufig sein mögen. Doch damit muss er wohl rechnen, wenn er schon die ganze Arbeit des Schreibens abtritt.
    Außerdem kann hier noch angemerkt werden, dass sich Gabriels Hauptwohnsitz schließlich auch im schönen Wien befindet und er immer besser im Sprechen dieses entzückenden Dialekts wird…. (Nӕn? Oja!)

    Zu Beginn ist zu mir vielleicht noch kurz zu sagen, dass ich bisher erst eine Trekkingreise im August 2014 nach Ladakh, Indien, unternommen und bis auf ein paar Wanderungen und Bergbesteigungen im Alpenraum kaum bzw. wenig Outdoor-Erfahrung habe. Für diese große Reise war ich dementsprechend sehr aufgeregt und gespannt, hatte auch diverse Befürchtungen und Bedenken im Gepäck, aber vor allem Freude und Neugierde auf alles, was kommt und ich mit dem berühmt-berüchtigten Libertisten erleben und erlernen werde. Okay, und nun geht’s wirklich los:


    Von Dushanbe nach Varshedz, 11.07. – 14.07.2015:

    Die 17-stündige Anreise von Wien nach Dushanbe ist ungefähr um 06:00 Uhr morgens beendet, als Gabriel und ich in ein kleines Hotel einchecken und erstmal ein paar Stunden schlafen. Danach wird der Bazar der Stadt unsicher gemacht und Essen für etwa 30 Tourtage besorgt, um danach für den folgenden Morgen eine Mitfahrgelegenheit nach Khorog, dem Zentrum der Region Badachschan im Pamir-Gebirge, zu organisieren. Wir kaufen etwa 25kg an Nüssen, Trockenfrüchten, Nudeln, Reis, Buchweizen, Linsen, Bohnen, Öl und Gewürzen – auf Anraten eines ortskundigen Freundes von Gabriel haben wir die Einkäufe in der Hauptstadt erledigt, da in Khorog vieles teurer sei.

    Nachdem wir während des Ramadan in einem muslimischen Land unterwegs sind, ist es unter Tags gar nicht so einfach, geöffnete Essensstände oder Ähnliches zu finden; dafür haben nach Sonnenuntergang plötzlich alle Menschen auf der Straße, in den Lokalen und Hauseingängen etwas zu Essen in der Hand. Auf der verzweifelten Suche nach einem geöffneten Restaurant sehen wir durch ein Fenster etwa 25 Männer an zwei voll bedeckten Tafeln schlemmen. Als wir da so rumstehen, werden wir sogleich hinein gewunken. Schnell wird klar, dass es sich um kein Restaurant, sondern ein privates Ramadan-Fest handelt, auch wenn niemand ein Wort mit uns spricht. Es sind nur Männer sichtbar – die Frauen essen traditionell in einem anderen Raum; trotzdem werde ich freundlich an den Tisch gebeten. Nach dem Essen wird uns sogar noch Saft mitgegeben und es untersagt, auch nur eine Spende hier zu lassen.
    Glücklich, zufrieden und vor lauter Gastfreundschaft und Herzlichkeit beeindruckt fallen wir müde ins Bett.

    Früh am nächsten Morgen geht es nach Khorog; eine 15-stündige Fahrt inklusive Essenspausen und obligatorischer Pannen sowie kurzen Motorenausfällen steht uns bevor. Der öffentliche Transport in Tadschikistan ist über Sammeltaxen geregelt, die abfahren, sobald das Auto (Van, Jeep oder kleiner Bus) voll ist. Die Straße zwischen Dushanbe und Khorog ist in keinem sehr guten Zustand und die Fahrt mit dem Allrad-Jeep gestaltet sich durchwegs – gelinde gesagt –abenteuerlich; mehr als nur einmal fragen wir uns, wie die LKWs diese Hauptverkehrsroute bewältigen mögen. Als es bei Einbruch der Dunkelheit zu einem kurzen, aber sehr heftigen Gewitter kommt, wird durch Regenwasser losgelöstes Geröll auf die Fahrbahn gespült und es kommt für uns etwa von 21:00 bis 22:30 Uhr und ca. 50 Kilometer vor Khorog gezwungenermaßen zu einem Aufenthalt. Hierzu habe ich in mein Tagebuch folgende Zeilen geschrieben:

    „Die motivierten Fahrzeuglenker fangen an, durch den Gatsch (Anm.: österreichisch für Matsch) zu waten und mit bloßen Händen Steine auf die überspülten Stellen zu werfen. Gefühlte 3 Minuten später lässt der Eifer jedoch schon nach und es wird erstmal lauthals über die weitere Vorgehensweise beraten. Gabriel und ich beobachten das Geschehen aufgeregt wie kleine Kinder an der Baustelle und knipsen ein paar Bilder, bis schließlich das Militär mit einem kleinen Bagger anrückt und die Misere beseitigt, sodass die Fahrt endlich fortgesetzt werden kann.“



    Um 02:00 Uhr nachts checken wir endlich in einem kleinen Hotel ein. Am folgenden Tag genießen wir die Sonne und nutzen unsere Zeit, um durch das Städtchen zu bummeln, essen zu gehen, den Luxus von Internet noch ein wenig zu genießen und werden sogar von einer netten jungen Frau zum Abendessen eingeladen. Roziya nimmt uns kurzerhand einfach mit zu sich nach Hause, als wir verloren nach 18:00 Uhr und Schließung des Bazars nach einem offenen Restaurant suchen. Sie hat den ganzen Tag gefastet und ist vor allem durstig; während sie das Abendmahl zubereitet unterhalten wir uns mit ihrem Mann Feruz über Allah und die Welt. Das Ehepaar und seine beiden kleinen Kinder sind mehr als nur freundlich und offen; sie haben öfters Gäste und scheinen auch unsere Anwesenheit so zu genießen, wie wir die Möglichkeit, bei Ihnen zu sein.

    Unserem Plan folgend geht es von Khorog mit dem Taxi weiter Richtung Osten nach Varshedz, einem kleinen Ort auf 3200 m am Pamir Highway. Hier wollen wir für das nächste Monat eine Art „Base Camp“ bei einer Familie aufschlagen, um vor und nach den geplanten drei Touren im Pamir Gebirge Essensvorräte aufzufüllen und etwas zu entspannen. In diesem kleinen Dorf gibt es weit und breit kein Hostel, Homestay oder ähnliches; als wir ankommen, wirkt es, als hätten die Menschen hier auch noch nie Tourist_innen gesehen haben und es war klar, dass unser Unterfangen schwierig werden könnte. Stets von Glück verfolgt (wie das bei Reisen mit Gabriel wohl immer so ist ?) finden wir jedoch innerhalb kürzester Zeit – auch ohne ein Wort russisch, tadschikisch oder pamir zu sprechen – eine Familie, die uns genau das zur Verfügung stellt. Uns wird ein großer Raum im traditionellen Pamir-Stil angeboten, wo wir unsere Sachen lagern können. Am nächsten Morgen brechen wir zur ersten Tour auf.








    Was wir am Bazar so finden konnten... Proviant für (deutlich mehr als) 4 Wochen.


    Akklimatisationstour 15.07. – 19.07.

    Mit dem „Micro-Bus“ fahren wir etwa 10 km Richtung Westen, wo eine Brücke über den Fluss Ghund Richtung Norden führt und wir so in das Tal gelangen, in welchem die fünftägige Akklimatisationstour in der Rushan Range beginnt. Bei strahlendem Sonnenschein, topmotiviert und mit halbwegs leichtem Gepäck ziehen wir los; am ersten Tag schaffen wir es bis zu unserem maximalen Tagesziel und finden einen wunderschönen grünen Zeltplatz mit ein paar Rindern und Murmeltieren ringsum, die uns beim Abendessen Gesellschaft leisten.
















    Vor dem Einschlafen und vor Allem nachts machen sich Höhe und Anstrengung bei Gabriel mit Durchfall und Erbrechen bemerkbar und am Morgen wird klar, dass wir gleich mal einen Pausentag einlegen. Mit dem Groundsheet des Zelts bauen wir ein Sonnendach, sodass die UV-Strahlung der Beschichtung nichts anhaben kann (ich wusste zuvor gar nicht, an welche Kleinigkeiten und Dinge bei so professioneller Ausrüstung dieser Art alle gedacht werden muss). Während Gabriel darin dann leidend vor sich hin vegetiert, vertreibe ich mir die Zeit mit Fotografie und in-der-Sonne-liegen.




    Als der Abmarsch am nächsten Tag ansteht, ist der Libertist wieder fit wie ein Turnschuh, während ich mich hundeelend fühle. Für die gesamte Reise lässt sich eigentlich sagen, dass wir uns mit dem Kranksein immer so gut abgewechselt haben, dass wir nacheinander füreinander da sein konnten. Nun ja, trotz etwas verschwommener Erinnerung dieser Etappe schaffe ich dann doch irgendwie zumindest die 600 Höhenmeter auf die Anhöhe vor dem geplanten Pass. Bis hierher gibt es auch noch Hirtenpfade bzw. Viehwege. Während ich mich im Schatten von der Anstrengung erhole, schlägt das Gabriel-Gersch-Glück sogar auf der Naturtoilette mitten im Nirgendwo zu. Zuerst deute ich den Freudenschrei als Bekanntgabe des Endes der Durchfallära, doch es stellt sich heraus, dass Gabriel auf den großen Felsen hinter unserem Zeltplatz einen kleinen Schatz entdeckt hat. Auf mehreren großen Brocken befinden sich Felsgravierungen, die teilweise den Anschein erwecken, richtig alt zu sein. Sie zeigen vor allem Steinböcken in verschiedensten Proportionen und mit großen Geweihen, teilweise auch den ein oder anderen Menschen, eine reitende Person auf einem Pferd ist auch zu finden. Wir sind beide keine Archäolog_innen oder haben auch nur annährend Expertise in diesem Feld, jedoch haben wir auch an anderen Orten in Tadschikistan ein paar in Stein geritzte Liebesschwüre und Ähnliches gesehen, was weit nicht derart historisch aussieht, geschweige denn von Pilzen überwachsen wäre. Gabriel vergleicht die Gravuren mit denjenigen, die er auf seiner letzten Winterreise in Namibia bestaunte und erzählt mir von deren ungeheurem Wert. Als wir nach unserer Rückkunft unserer „Gastmami“ und einigen anderen Locals von unseren Erfahrungen berichten und Fotos von den Steingravierungen herzeigen, reagieren fast alle überrascht, erfreut und berichten, dass sie das in dieser Gegend noch nie zuvor gehört oder gesehen hatten. Grundsätzlich sind solche Felsgravuren in den Bergen dort aber nicht unüblich.






















    Die Kühe ringsum sorgen für eine unruhige Nacht, da sie immer wieder nahe ans Zelt kommen. Mitten in der Nacht stolpert einer der Stiere über eine Zeltleine, sodass mich die Schimpftirade des Libertisten unsanft aus dem Schlaf reißt. Dagegen war der Stier vergleichsweise leise…
    Am nächsten Tag geht es hauptsächlich über grobes Geröll etwa 300 Höhenmeter bergauf, bis wir den Pass auf 4570 m erreichen. Der Blick in das schmale, saftig grüne Tal auf der anderen Passseite ist beeindruckend und ich genieße die Aussicht, während Gabriel sich Gedanken über den Abstieg auf dem großen Schneefeld macht.













    Wir beginnen den Abstieg im Schnee und queren die ganze Breite bis klar wird, dass der steile Abhang weiter unten vereist ist. Also müssen wir leider umkehren und zurück stapfen, um auf der anderen Seite über das Geröll abzusteigen. Geröllig geht es auch weiter und auch wenn sich zwischen der einen und anderen Endmoräne ein kleiner, blauer Gletschersee verbirgt, ist das große Gestein größtenteils sehr mühsam zu begehen und es dauert, bis wir das Ende der Moräne erreichen.










    So steigen wir weiter und weiter ab und außer Sumpf ist kein Zeltplatz in Sicht, während bereits die Dämmerung hereinbricht. Zum Glück finden sich Überreste einer Hirtenunterkunft in einer trockenen Ebene, wo wir das Zelt aufbauen und bis wir schließlich unser Abendessen kochen, ist es dunkel. Am nächsten Tag schlafen wir etwas länger als sonst und machen uns unter dunklen Wolken an den Abstieg von etwa 1200 Höhenmetern, der uns über Ziegenpfade zurück nach Varshedz führt, wo wir am frühen Nachmittag ankommen und uns dank des Wasserkochers bei der Gastfamilie sogar eine warme Dusche gönnen.

























    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Tour technisch keine Schwierigkeiten bot, sie uns aufgrund der noch ungewohnten Höhe jedoch anstrengend genug in Erinnerung bleibt.


    Kurze Rast in Varshedz 20.07.

    In der ersten Nacht zurück bei unserer Gastfamilie in Varshedz kommt Schlechtwetter mit Regen und Wind auf. Durch das Loch des Ofenrohrs regnet es nachts auch in unseren Raum. Mit einem lauten Platsch landet eine Lacke auf dem Tisch; Gabriel schreckt hoch und rettet unsere Kameras so schnell, dass ich es gerade schaffe, die Augen zu öffnen. Zum Glück hat er da so eine Art Notsender für Wichtiges, der auch dann funktioniert, wenn ich tief und fest schlummere.

    Auch am Morgen liegt das Tal im Nebel und unsere gewaschene Wäsche scheint kaum zu trocknen. In der Hoffnung auf besseres Wetter planen wir, eine weitere Nacht zu bleiben, Essen umzupacken und Kleinigkeiten im Ort zu besorgen. Die zuvor beschriebene kurze Akklimatisationstour hat nämlich auch offenbart, dass so manche unserer Essenspläne nicht ganz aufgingen. Linsen und Bohnen brauchen trotz Einlegen viel zu lang zum Kochen und auch mit dem Buchweizen waren wir nicht ganz zufrieden; geschmacklich ist der zwar top, aber auch nach 45 Minuten kochen waren die Körner immer noch sehr hart (erst Wochen später haben wir verstanden, dass es gar kein Buchweizen war, den wir da gekauft hatten, sondern Gerste ). Abgesehen davon, hab ich ein persönliches Problem mit dem Frühstücksmahl des Libertisten. Meiner Ansicht nach ist das nur als grausliger Haferschleimgatsch (Übersetzung: eklige Haferflockenpampe) zu bezeichnen und für mich zumindest ist es unmöglich, das täglich morgens vor 06:00 Uhr zu fressen. So ziehen wir los und besorgen mir als Alternativ-Frühstück Instant Nudeln, die ich mit Haferflocken mische und mit Würze als Süppchen am Morgen genießen werde.

    Kommentar Libertist: Was Madame da als „grausligen Haferschleimgatsch“ bezeichnet ist in Wahrheit ein geschmacklich erstklassiges und zudem äußerst gesundes Frühstück aus besten Haferflocken, gemischt mit einer erlesenen Vielfalt diverser Nusssorten und Trockenfrüchten, deren fruchtiges Aroma einen kulinarischen Hochgenuss garantieren. Nach nur kurzer Kochzeit verbinden sich diese an sich schon gaumenverwöhnenden Zutaten derart zu einer Symbiose purer Harmonie, dass sie ihre Konsistenz in Perfektion versetzen und leicht zusammenhaften, womit ein angenehmes Essverhalten sichergestellt ist. Wer würde da schon freiwillig chinesische Instant Nudeln fressen wollen?


    Den restlichen Tag verwenden wir, um Pläne für die Zukunft zu schmieden bzw. Luftschlösser zu bauen, die ich auch Schnapsideen und Hirngespinste nenne. Gabriels Motto „Dream Big!“ nehme ich mir trotzdem zu Herzen und so steigern wir uns immer weiter in die verrücktesten Geschichten. Abends bereiten wir uns auf den Abmarsch am nächsten Tag nach Bachor vor, von wo aus die zweite Tour starten soll.
    Geändert von Libertist (03.12.2015 um 23:47 Uhr)
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  2. Fuchs
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #2
    17 Tage im Tajik National Park 21.07. – 07.08.:

    Vorweg möchte ich sagen, dass ich noch nie zuvor eine Tour dieser Länge und Intensität unternommen habe und mehr als nur einmal an meine Leistungsgrenzen gekommen bin. Ich bin froh, dass alles gut gegangen ist, hab viel gelernt und bin auf jeden Fall über mich selbst hinaus gewachsen.

    Von unserem „Base Camp“ in Varshedz bis zu dem Ausgangsort Bachor sind es etwa 22 Kilometer; nachdem die Straße jedoch in - sagen wir mal - schwierigem Zustand ist, dauert die Fahrt zwei bis drei Stunden und ist dementsprechend teuer. Als wir in der Früh unseres geplanten ersten Tourtages eine Mitfahrgelegenheit zu finden versuchen, sind wir von den hohen Preisen überrascht und versuchen vergeblich zu handeln. Da es kaum Autos gibt, die sich auf diese Straße abseits des Pamir Highways wagen, sitzen wir bis Mittag am Straßenrand und warten. Als wir schließlich in einem Jeep und nach gefühlten 27 Stopps zum Motorkühlen und drei Stunden später in Bachor landen, bleibt uns nichts anderes übrig, als den Tourstart um einen Tag nach hinten zu verschieben. Dafür haben wir auf der abenteuerlichen Fahrt zum ersten Mal erlebt, wie jemand ein Auto mit einem Kickstarter anwirft! Durch den englischsprechenden Ali, der im gleichen Jeep saß, kommen wir in dem Homestay seiner Familie unter, die uns sehr freundlich und zuvorkommend empfangen. Wir genießen noch eine letzte warme Dusche, das gute Essen und eine Nacht eingehüllt in kuscheligen Decken in einem schönen, großen Raum im klassischen Pamirsky-Stil.








    Der Anlasser.













    Tag 1-4: Aller Anfang ist schweeeeeeer; Anstieg und erster Pass 4600 m

    Mit schweren Rucksäcken beladen machen wir uns morgens auf die Suche nach den zwei Brücken über den Fluss Ghund, um in den Tajik National Park zu kommen. Wovon wir zuvor nicht wussten ist, dass für den Aufenthalt im Nationalpark eine Gebühr errichtet werden muss. Dank Studierendenrabatt und der Verhandlungshilfe von unserem Gastgeber Ali müssen wir in Summe nur 125 Somoni (=18€) bezahlen, und dann kann es endlich losgehen.

    Innerhalb der ersten zwei Tage steigen wir langsam auf 4100 m; bis dahin auf Hirtenpfaden und in angenehmen grünen Gelände. Wir biegen in das zweite Tal nordöstlich von Bachor ein und folgen dessen Verlauf für etwa 15 Kilometer bis wir in das nächste westliche Tal einbiegen. Trotz angeblich angesagter Besserung des Wetters halten sich die schweren Wolken hartnäckig; nachts kommt es immer wieder zu stärkerem Regen und die Temperaturen fallen auf etwa 6°C. Als es am dritten Tag beim Läuten des Weckers immer noch wie in Strömen schüttet und auch nach ein paar Stunden nicht aufzuhören scheint, entscheiden wir, denn Tag im Zelt zu verbringen – Zeit haben wir genug.














































    Das wird dafür am nächsten Tag belohnt, als sich die Sonne immer wieder mal blicken lässt und es trocken bleibt, während wir uns auf den Anstieg zum ersten Pass der Tour begeben. Die paar Sonnenstrahlen sind dafür derart intensiv, dass Gabriel sich gleich einen ordentlichen Sonnenbrand zuzieht – wer sich auf dieser Höhe eben nicht mit 50+ eincremt, muss fühlen. :P Hier betreten wir das weglose Gelände und auch wenn das Kraxeln über das Geröll der endlos zu scheinenden Moräne immer wieder sehr mühsam ist, wird die Anstrengung durch den Ausblick am kleinen Gipfelchen neben dem Pass (4625 m) bei strahlendem Sonnenschein auf die gigantischen Gletscher ringsum und zwei blitzblaue Gletscherseen belohnt. Nachdem Fotobearbeitung ein kritisches Thema ist, kann ich mir vorstellen, dass der Eine oder die Andere an dem derart intensiven und strahlenden Blau der Seen Zweifel haben werden – ich kann die farbvolle Pracht jedoch als beinahe schon unnatürlich in Natura bestätigen. Hier ist der Anstieg auch erstmal geschafft, trotz einigem rauf und runter verbringen wir den Großteil der nächsten 8 Tage ziemlich einheitlich auf etwa 4500 m.























































    Tag 5-8:

    Nach der letzten Nacht auf einem kleinen Plateau vor dem See Zarojkul, steht am 5. Tag morgens bei tief hängenden Nebelschwaden, Kälte und Nieselregen die etwa 3 Kilometer lange Traverse entlang der schmalen südlichen Seeseite an. Wir klettern über das steile und sehr lose Geröllfeld nahe am Wasser und müssen immer wieder kleine Schneefelder queren. Im Großen und Ganzen gut machbar, aber in einem kippelig-kritischen Moment rutscht mir das Herz in die Hose, als ich einen kleinen Geröllrutsch auslöse und Angst habe, unter Steinen begraben gleich im eiskalten Wasser zu landen. Zum Glück geht auch das nochmal gut aus. Es folgt ein Abstieg von etwa 250 Höhenmetern in das sich eröffnende grüne Tal, als der Nebel noch dichter zuzieht, alle dunklen Wolken sich zusammenbrauen und gemeinsam mit starkem Gegenwind genau über unseren Köpfen ergießen. Unter diesen Bedingungen schlagen wir bereits mittags das Zelt auf und heben uns die anstehende Flussquerung für den nächsten Morgen auf.














    Wilder Schnittlauch hat uns regelmäßig das Abendessen verfeinert.







    Mit Regen und Schlechtwetter geht es auch in den folgenden vier Tagen weiter, sodass wir nicht immer pünktlich mit dem ersten Weckerklingeln um 05:30 Uhr aufstehen, sondern immer mal wieder ein bisschen länger schlafen und vergeblich auf Wetterbesserung warten. So auch heute: Auch wenn es gerade nicht regnet, ist es nebelverhangen und kalt, als wir uns an die Flussquerung wagen. Aufgrund des vielen Niederschlags ist der Wasserstand sehr hoch und auch wenn ich Gabriels Rat folgend ruhig bleiben und seinen Tritten genau nachstapfen will, überkommen mich Angst und Panik, als er bis zur Unterhose im eiskalten Wasser versinkt und bei der starken Strömung mehrmals mit dem Gleichgewicht zu kämpfen hat. Wenn schon der Libertist, der sonst zielstrebig und schnurstracks durch jeden Fluss walzt, sich hier schwer tut, wie soll ich das denn schaffen? Ironischerweise baut er auf der anderen Seite noch Stativ und Kamera auf, als ich noch einmal tief durchatme und losstapfe. Ein paar kritische Beinahe-Ausrutscher später holt mich Gabriel im letzten und tiefsten Drittel ab (als wäre das denn nötig gewesen…) und etwa 15 Minuten später ist das Ganze vorüber.


    Sieht wirklich nicht so schwer aus, wie es war; zwischen den großen Steinen waren teilweise sehr tiefe Löcher. Keine leichte Flussquerung.




    Auf der anderen Flussseite geht es noch ein Stückchen bergab, bevor wir wieder aufsteigen und meine Füße langsam zurück zum Leben erwachen. Wieder einmal gestaltet sich der Anstieg auf den 4715 m -Pass als geröllige Kletterei und genauso belohnend ist wieder einmal die Aussicht mit dem großen Gletscher, der östlich vom Pass zu sehen ist – vielleicht sollte ich mich an dieses Schema gewöhnen… Knapp hinter dem Pass verbringen wir die Nacht, umgeben von langen, glitzernden Schneefeldern.




















    Schlafsäcke trocknen...


    Hin und wieder kann ich den sonst stets ernst auf die Tour fokussierten Gabriel sogar zu der ein oder anderen Spielerei überreden. So befinden wir uns in der verregneten Zeit nach zwei Tagen „Wer bin ich?“-Spielen in absoluter Höchstform; nach langsamer Steigerung über Rafiki aus „Der König der Löwen“, Spartakus und Pumuckl bis zu der krönenden Runde mit dem trojanischen Pferd und Schrödingers Katze.

    In den folgenden 3 (selbstverständlich schlechtwetterlastigen) Tagen passieren wir einen See nach dem anderen. Unsere Route führt uns vorbei am Chapdar Lake etwa 15 Kilometer nördlich und in einer Runde wieder Richtung Süden an etwa 14 kleinen und größeren Gletscherseen in den verschiedensten Blautönen vorbei. Hier begegnen wir zwei größeren Yak-Herden, die auf den saftigen Weideflächen grasen und uns bei den Umrundungen der Seen beobachten. Mehrmals entdecken wir Fußspuren von Steinböcken, doch persönlich lässt sich leider keines der scheuen Tiere blicken. Dafür erleben wir in einer Nacht ein solch lautes, schaurig-schönes Wolfsgeheulkonzert, dass ich mehrmals aufwachen und bange, von dem ganz schön groß klingenden Rudel, das sich in unserer Nähe aufhält, einen nächtlichen Besuch abgestattet zu bekommen.

















































    Tag 10-12: Der Gletscherpass 5040 m

    Schön langsam wird der Rucksack immer leichter und der Höhepunkt dieser Tour rückt immer näher: Der am Ende des Seentals anstehende Gletscherpass auf 5040 m. Der erste geplante Versuch des Aufstiegs soll an Tag 10 stattfinden und fällt aufgrund unaufhörlichen Regens buchstäblich ins Wasser. Das Hauptproblem ist nicht Regen oder Kälte, sondern die schlechte Sicht, durch die wir nicht einmal vom Zeltplatz bis zum Berg sehen, geschweige denn oben auf dem Gletscher Spalten erkennen könnten. Bis zum frühen Nachmittag grübeln wir, ob losgehen oder nicht und bleiben dann sicherheitshalber doch im Zelt.

    Bei Versuch 2.0 am nächsten Tag bewegen wir uns immerhin aus den Schlafsäcken und marschieren (zumindest anfänglich noch) topmotiviert bis zum Fuße des Gletschers. Als hier um die frühe Mittagszeit der Nieselregen immer noch nicht nachlässt, die Kälte in Mark und Bein sitzt und die Sicht – obwohl etwas besser als am Vortag – immer noch schwierig zu beurteilen ist, taucht vor uns der letzte ebene Zeltplatz auf und nach einiger Diskussion zieht Gabriel wieder die sichere Variante vor. So warten wir noch einen letzten Nachmittag ab, der dann größtenteils trocken verläuft und hoffentlich für morgen Gutes verspricht. Um dem Wettergott auf die Sprünge zu helfen, schließen wir eine Wette ab, ob das Wetter am nächsten Tag stabil wird und hält, oder nicht. Gabriel ist dafür, ich dagegen. Es geht um ein Abendessen und ich hoffe sogar ein bisschen zu verlieren.
















    So soll es auch kommen: Am nächsten Morgen beginnt der Aufstieg steil über die Moräne und geht lange über loses, großes Geröll. So kommen wir nur langsam und vorsichtig Stein für Stein voran, doch soweit hält das Wetter. Immer wieder brauen sich ein paar Wolken zusammen, aber genauso kommt immer wieder die Sonne durch und auch die Sicht ist klar. Nun gut, dafür übernehme ich eigentlich gerne die nächste Restaurantrechnung. Weiter im Gletschertext wagen wir den Übergang auf das große Eismassiv, das zu Beginn noch etwas dreckig und dadurch gut zu begehen ist. Bei der Annäherung an den Pass müssen wir mit fortschreitender Uhrzeit leider schnell feststellen, dass durch die eben noch hochgelobte Sonne der Schnee sehr weich und matschig wird. So verlangsamt sich unser Tempo noch mehr als auf dem Geröll, da wir tief einsinken und Gabriel beim Vorausstapfen außerdem jeden Zentimeter mit den Stöcken nach Spalten abtastet.

    Anmerkung Libertist: Jeden Zentimeter? Klingt fast so, als sei ich übervorsichtig. Das nimmt mir hier niemand ab.































    Endlich auf Passhöhe angekommen wiegen wir uns zu Unrecht schon in Sicherheit; das richtige Risiko beginnt erst bei dem Abstieg auf der anderen Seite. Vergebens haben wir gehofft, dass hier der Schnee möglicherweise härter wäre. Stattdessen ist es ebenso matschig – meine Füße spüren inzwischen sowieso kaum mehr was – und viel problematischer, noch viel verspalteter als auf der anderen Seite. Als ich merke, wie konzentriert und angespannt Gabriel vor sich hin arbeitet, bekomme ich es auch langsam mit der Angst zu tun. Einmal rutsche ich bis zum Oberschenkel ab – der Schreck sitzt tiefer als die Abschürfung; einige andere Spalten überwinde ich mit Gabriels helfender Hand von der anderen Seite. Schließlich ist es soweit und eine Spalte taucht auf, deren Breite wir nicht abschätzen können und so müssen wir umkehren und einen anderen Weg wählen. Hier bin ich kurz davor, die Nerven wegzuschmeißen und als ich den matschigen Schnee am Hosenboden hinabrutsche, will ich nur noch, dass es vorbei ist und wir sicher unten ankommen.

    Anmerkung Libertist: Von den wirklich schwierigen Stellen oben am Pass habe ich mal wieder keine Fotos. Ihr kennt das wahrscheinlich… man ist dann so fokussiert, dass man das Fotografieren entweder vergisst, oder es einem (zurecht) völlig unwichtig erscheint.













    Am östlichen Rand des Gletschers finden wir schließlich einen halbwegs stabilen Weg und landen bald auf festerem, eisigen Untergrund und einige Zeit später schließlich auch am Ende des Gletschers. Der Abstieg auf die Moräne ist glücklicherweise direkt möglich und so geht es schnell bergab. Ausnahmsweise kommt der sonst sehr wählerische Libertist meiner Bitte nach, heute den nächstbesten Zeltplatz zu nehmen, und so schlagen wir unser Lager noch vor der Dämmerung auf. Schon lange bin ich nicht mehr derart schnell eingeschlafen, wie an diesem Abend – vollgefressen und überglücklich, die vielen Schlüsselstellen doch einigermaßen gut gemeistert zu haben.











    Ende Gelände.
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    #3
    Tag 13-15: Abstieg

    Der dreitägige Abstieg führt mit 500 – 700 Höhenmetern auf etwa 15-20 Kilometer täglich über großteils einfaches Gelände relativ gemütlich zurück nach Bachor. Im grünen Tal begegnen wir bei inzwischen gewohnt schlechten Wetter Yaks, Ziegen, Murmeltieren und auch einer Hirtenfamilie, die uns freundlich und zuvorkommend auf Tee und Brot einladen. Leider können wir das Angebot diesmal nicht annehmen, da es schon dämmert und die Müdigkeit zuschlägt. Als wir am nächsten Tag am riesigen, dunkelblau strahlenden Yashilkul-See ankommen, knallt die Sonne vom Himmel. Ich fühle mich wie im Urlaub am Meer und bekomme nach all dem miesen Wetter richtig Lust auf einen Tag am Strand. Großzügig, wie Gabriel ist, gönnt er mir immerhin fast eine Stunde Pause und ein dreisekündiges Bad in dem Gletschersee. Hier geht es dann auf Wegen weiter und leider noch ein letztes Mal 250 Höhenmeter über den kleinen Pass neben der natürlichen Staumauer des Sees. Diese entstand wohl durch einen gewaltigen Geröllrutsch vor langer Zeit und staute so den See an. Hier treffen wir am 14. Tag unserer Tour die ersten Touristen im Nationalpark: drei israelische junge Männer begeben sich auf eine viertägige Trekkingtour. Einer von ihnen behauptet tatsächlich, dass die einzigen Menschen, die trekken würden, Israelis und Deutsche seien – da er mit mir die erste Österreicherin kennengelernt hat, überdenkt er seine Meinung hoffentlich nochmal!





































    Von da an geht es wirklich nur noch bergab. Etwa 2 Kilometer nach dem unterirdischen Ursprung des Flusses Ghund aus dem Yashilkul queren wir ihn an einer besonders flachen Stelle. Hier ist der erste Fluss aus dem nördlichen Tal noch nicht hineingeflossen; ab dort ist der Ghund viel reißender und scheint schwierig bis beinahe unmöglich zu überwinden. Die Querung, die wir gewählt haben, ist einfach und geradezu erfrischend in der Nachmittagshitze. Den Spuren nach zu urteilen, scheinen auch Pferde hier durchzugehen. Von da an folgen wir den Hirtenpfaden südlich des Ghund und sparen uns so auch zwei weitere, durchaus schwierigere Flussquerungen. Die etwa 20 Kilometer Luftlinie bis Bachor sind angenehm zu gehen und nahezu eben, hier gibt es auch viele schöne Zeltplätze und stets mehr und mehr Vegetation. Am 15. Tag erreichen wir etwa um 15:00 den Ort Bachor, queren hier den Fluss Ghund nochmal; diesmal über die Brücke nach Norden und kommen erschöpft und glücklich bei dem Homestay an, von wo aus wir auch gestartet sind. Nach einer warmen Dusche, für die das Wasser extra auf der Feuerstelle erhitzt wurde, Tee, Brot und Butter fühlen wir uns wie im 7. Himmel.













    Tag 16: Unverhofft kommt oft

    Wir planen, am nächsten Tag zurück zu unserer Gastfamilie und dem „Base Camp“ in Varshedz zu fahren, doch leider muss die Belohnung und Entspannung noch ein Wenig warten: Schlauerweise habe ich bei der ersten Pause dieses letzten Tourtages meine unersetzbare Nachtzahnschiene, ohne die ich nicht weiterreisen kann (bzw. mag) auf einem großen Stein vergessen. So folgen nächtliche Diskussionen, wie ich denn wohl am schnellsten zurück komme oder die Schiene zu mir: Pferd ausleihen, jemanden bitten, mitzukommen, noch einmal zurückgehen… Nachdem die Kommunikation mit den jungen Männern des Homestays mehr Missverständnisse bringt, als Klarheit schafft, beschließen wir, einen quasi 16. Tourtag anzuhängen. So marschieren wir – diesmal ohne Gepäck, aber zugegebenermaßen trotzdem wenig motiviert – am nächsten Tag in der Frühe noch einmal den gleichen Weg los; 10 km bis zum besagten Stein und 10 km wieder zurück. Auf diesem Weg dürfen wir dafür gleich zwei Mal die unheimlich herzliche Gastfreundschaft Tadschikistans erleben: einmal lädt uns ein Fischer-Ehepaar am Fluss auf Tee und Brot ein und am Rande Bachors kehren wir noch einmal bei einer Familie ein, die uns Tee und Joghurt anbietet. Als wir dann endlich alle sieben Sachen beisammen haben, fahren wir noch am gleichen Tag zu unserer Gastfamilie nach Varshedz, die sich über unsere Rückkunft zu freuen scheint und uns weiter mit Köstlichkeiten versorgt; wobei wir hier mit Chips und Bier schon ein wenig selbst nachhelfen und das nun endgültige Ende der bisher längsten und anstrengendsten Tour meines Lebens feiern.




    Rück- und Weiterreise 08.08. – 15.08.

    Nach einer letzten Nacht im Pamir House in Varshedz geht es zurück nach Khorog. Mitte Juli gab es jedoch wenige Kilometer vor Khorog einen Erdrutsch, der die Straße und den kompletten Ort Barsem zerstörte und dadurch den Pamir Highway blockiert. Soweit ich das vor Ort verstanden und gesehen habe, ist Folgendes passiert: Der Highway führt an dem Fluss Ghund entlang und bei Barsem gab es wohl zwei Brücken. Auf der anderen Seite der Straße lag in den Bergen ein See – eben dieser dürfte durch die lang anhaltende Hitze und somit verstärkte Gletscherschmelze durch seinen Wall gebrochen sein. Das Wasser muss unheimlich viel Geröll mitgespült haben, als es den Ort überschwemmte, etwa 30 Häuser und 300 Obstbäume zerstörte und den Fluss so stark an die Felswand drückte, dass sich quasi ein See anstaute. So gab es vier große Schlammwellen, die in kurzen Abständen über Barsem kamen und auch die Straße unter sich begruben, wie uns in einem Handyvideo gezeigt wurde. Jedenfalls ist dies eine große Katastrophe für den Verkehr, da der Pamir Highway die Haupttransitroute durch Badachschan darstellt und nun auch alle Trucks von und nach Kirgistan oder China eine Umleitung über einen schwierigen und sandigen Pass nehmen müssen. Für die Zivilbevölkerung der Umgebung und auch uns war es möglich, bis Barsem mit dem Auto zu fahren, über die blockierte Stelle mit einem kleinen Motorboot und auf der anderen Seite mit einem anderen Taxi weiter nach Khorog zu kommen. Dass die Ausstiegsstelle des Bootes mitten am Berg liegt und wir mit all unserem Gepäck über einen schmalen Felsweg klettern müssen, hat uns vorher jedoch niemand gesagt.




    Angekommen in Khorog bleiben wir für 3 Tage im Hotel, genießen mit Pizza, Bier und anderen Luxusgütern wie einer europäischen Toilette das Leben und schmieden Pläne für den weiteren Aufenthalt. Die ursprünglich geplante dritte siebentägige Tour in der Shugnan Range wurde bereits verworfen und wir entscheiden, noch einige Tage im Süden Tadschikistans an der afghanischen Grenze zu verbringen, bevor die Weiterreise nach Kirgistan ansteht. Nachdem abends nach 18:00 Uhr in der ganzen Stadt keine Restaurants mehr geöffnet haben, verabreden wir uns mit der Familie, die wir vor über drei Wochen kennengelernt haben. Durch Zufall erfahren wir im Auto am Weg zum zweiten gemeinsamen Abendessen, dass diese Familie eine besondere Geschichte hat. Die bereits zu Beginn des Berichts erwähnte Roziya wollte an diesem Tag ihren Sohn in der Volkschule anmelden, wurde jedoch abgelehnt. Sie erzählt uns, dass sie die Tochter von Imamnazar Imamnazarov sei, welcher seit Mitte der 90er Jahre der „informal leader of Badashan“ war, bis er im August 2012 laut ihrem Bericht von Regierungsmännern ermordet wurde. Wir haben dazu ein wenig im Internet nachrecherchiert und sind zum Beispiel auf diesen Artikel gestoßen.

    Dementsprechend war jene Familie auch in der Stadt bekannt und mehr als bloß wohlhabend. Wir bekamen am selben Abend auch Gelegenheit, die Familie ihres Bruders (und damit Imamnazarovs Sohn) kennenzulernen. Als diese uns vorschlägt, am nächsten Tag ein Fest für uns zu geben und auch gleich ihr Haus zum Übernachten anbietet, lassen wir uns überreden, noch einen Tag länger in Khorog zu bleiben. Nun ja, viel Überredungskunst war nicht von Nöten, da zu dem verlockenden Angebot noch hinzukommt, dass Gabriel krank war und ein Tag mehr Entspannung da noch viel attraktiver wird. Also wird wieder gut gespeist, wir begleiten den Hausherrn zu einem „Mini-Football-Game“, wo das Halbfinale des Badachschan-Cup stattfindet und er für ein Team aus Khorog pfeift und erhalten als Abschiedsgeschenke traditionelle Hüte (Tokhi, aus der Provinz Shugnan), die wohl verheiratete Paare tragen. Trotz dieser kleinen Lüge nimmt Gabriel seine Mütze in den nächsten Tagen gar nicht mehr ab. Auch dann nicht, als ich ihn mehrmals darauf hinzuweisen versuche, dass die Leute seinen Touristenkopf damit bloß belächeln.

    Anmerkung Libertist: Niemand hat mich belächelt! Die Leute haben sich lediglich darüber gefreut, dass sich ein Tourist mit ihrer Kultur identifiziert, zumindest in Bezug auf die Kopfbedeckung. Das ist alles.

    Die nächste Nacht verbringen wir in einem Guesthouse in Ishkashim, einem kleinen, sehr hübschen Städtchen an der afghanischen Grenze. Sowohl hier als auch in Khorog gibt es in Abhängigkeit vom politischen Geschehen jeden Samstagvormittag von 10:00 bis 13:00 Uhr einen internationalen Markt; in Khorog auf der tadschikischen und in Ishkashim auf der afghanischen Seite des Grenzflusses Panj. Ob der Markt dann tatsächlich stattfindet, wird direkt an diesem Tag in der Früh von den Regierungen entschieden. Nachdem die Lage im ganzen letzten Monat zu instabil war und der Markt dadurch viermal in Folge ausfiel, und erst ein paar Tage zuvor in Kabul zwei terroristische Anschläge stattfanden, beschließen wir, auch diese Woche nicht darauf zu spekulieren. So können wir die Gelegenheit leider nicht nutzen, Afghanistan für ein paar Stunden zu besuchen. Dafür fahren wir die nächsten zwei Tage am Grenzfluss entlang und genießen den Ausblick auf die angrenzende Wakhan Range Afghanistans. Nachdem unser beide Wurfkraft nicht ausreicht, um einen Stein auf die andere Seite über den Panj zu werfen, müssen wir uns mit fotografieren und Kamele beobachten begnügen. Zwei Tage später bekommen wir an der Weiterfahrt dafür die Gelegenheit, die Hände durch den chinesischen Grenzzaun zu stecken und auf die andere Seite zu spucken.

    Einen weiteren beeindruckenden Ausblick genießen wir in Yanchun, wo Ruinen einer Burg zu finden sind, welche 100-300 v. Chr. erbaut wurde und von deren Resten man nicht nur in das grüne Wakhan-Tal Tadschikistans und auf die angrenzende Bergkette Afghanistans blicken kann, sondern durch die sogar der Hindukush mit seinen Gletschern glitzert und die Grenze zu Pakistan markiert.




















    Das Wakhan Valley.


    Im Süden thront der Hindukusch.


    Überreste der Anlage in Yanchun.

    Der kleine Ort Yanchun ist außerdem bekannt für die heißen Quellen mit dem Namen „Bibi Fatima“. Aus einer riesigen Spalte im Berg tritt heißes Wasser an die Oberfläche und wird in einem kleinen Gebäude Tourist_innen und Locals in einer Badegrotte und einem zweiten Raum mit einem seichten Becken zur Verfügung gestellt. Während die Frauen an der Reihe sind, warten die Männer in diesem und dann wird gewechselt. Erst 2014 wurden die Sanitärgebäude dort rundum renoviert und für 10 Somoni Eintritt (1,45€) dürfen Tourist_innen den Badespaß genießen. Als wir dort waren, haben wir jedoch fast nur Locals getroffen, für die das Baden meines Wissens nach kostenlos ist. Scheinbar kommen alte und junge Menschen regelmäßig hierher, um die Heilkräfte des Wassers zu genießen. Ob es nun die Quelle ist, oder doch der 8 Kilometer lange Marsch über die Serpentinenstraße auf den Berg, der fit und vital hält, sei dahin gestellt.

    Die Fahrten von einer Stadt zur nächsten sind meist lang und anstrengend, vor allem, weil wir beide mehr oder weniger krank sind und mit Magen-Darm-Geschichten zu kämpfen haben. Als am späten Nachmittag nach 10 Stunden im Auto der Fahrer – anscheinend von der ungewohnten anhaltenden Stille beunruhigt – fragt: „Gabriel, speak? Talk!“, hat er wohl nicht mit seiner sofortigen Antwort gerechnet: Auf ein gequältes Lächeln folgt ein kurzes „Toilet!“.
    Da hab ich auf der Rückbank beinahe vor Lachen meine Bauchschmerzen vergessen. Spätabends kommen wir in Murghab an, essen und schlafen bei einem kirgisischen Freund unseres Fahrers und brechen dort am nächsten Morgen nach Kirgistan auf. Vorbei am Karakul-See, gute hundert Kilometer an der westchinesischen Grenze entlang und quer durch das Nirwana der Steinwüste verlassen wir nach 35 Tagen Tadschikistan.

















    Auf der anderen Flussseite: Afghanistan.





    Ein britisches Ehepaar mit ihrem uralten Morris am Pamir Highway. Unser Fahrer half bei einer kleinen Reparatur.

















    Karakul.





    Chinesischer Grenzzaun.








    Grenzübergang Kirgistan.

    Kosten (alle Angaben sind pro Person):

    Visum inkl. GBAO-Permit: 100€

    Flug Wien-Dushanbe (one way): 380€

    Dushanbe – Khorog: 150 Somoni = 22€
    Khorog – Varshedz: 60 Somoni = 8€
    Varshedz – Barsem: 60 Somoni = 8€
    Khorog – Ishkashim: 50 Somoni = 7€
    Ishkashim – Yanchun – Murghab: 310 Somoni = 45€
    Murghab – Osh (Kirgistan): 200 Somoni = 30€

    Übernachtungen im Hotel: 50-100 Somoni = 7-15€ / Person und Nacht tlw. inkl. Frühstück
    Übernachtungen im Homestay: 30-70 Somoni = 4-10€ / Person und Nacht inkl. Essen

    Gesamtkosten vor Ort (35 Tage): ca. 480€ p.P.


    Fazit von Libertist

    Landschaftlich ist das Pamir Gebirge, beziehungsweise das, was wir davon gesehen haben, extrem reizvoll. Ein bisschen Pech hatten wir mit dem Wetter, trotzdem konnten Sofia und ich die Tour in vollen Zügen genießen. Nach der Akklimatisationstour bereitete uns die Höhe keine Schwierigkeiten mehr und da es nach dem ersten Pass keine so großen An- und Abstiege mehr gab, hielten sich die körperlichen Herausforderungen in Grenzen. Klar, wir hatten zu Beginn der zweiten Tour Verpflegung für über 15 Tage dabei, was vor allem für Sofia eine ungewohnte Belastung darstellte. Technisch würde ich die eine beschriebe Flussquerung und den letzten vergletscherten und verschneiten Pass herausstellen: beides waren kritische Stellen, die wir nur mit höchster Konzentration meistern konnten.

    Was ich vor der Reise nicht wusste, ist, dass der Tajik National Park in den letzten Jahren auch immer mehr von ausländischen Tourist_innen besucht wird, die dort mit Hilfe von lokalen Guides, Portern und Eseln unterwegs sind. Es gibt im Park wohl so eine Art „Standard-Route“, die die meisten Besucher in 4-6 Tagen gehen und die auch von europäischen Reiseanbieter_innen angepriesen wird. Diese Route ist quasi eine verkürzte Version unserer Tour – sie führt zwar über andere Pässe, überschneidet sich aber an zwei Stellen mit unserer Route. Getroffen haben wir allerdings niemanden, bis auf die Israelis kurz vor unserer Rückkehr nach Bachor.

    Als besonders herausragend möchte ich noch die Kultur uns die Gastfreundschaft der Bewohner_innen des Pamirs betonen. Alle Menschen, mit denen wir in Kontakt kamen, verhielten sich uns gegenüber stets sehr freundlich und hilfsbereit; es war klar, dass Gäste in diesem Teil des Landes sehr gern gesehen sind. Die meisten Menschen dort sind Ismailis und zählen sich damit zu dem gebildeteren, aufgeklärterem und modernerem Teil der islamischen Welt. Überall trafen wir Menschen, die gutes Englisch sprachen. Auf den Straßen sieht man viele Frauen, die allein und ohne Kopftuch herumlaufen, was in den beiden im Süden angrenzenden islamischen Ländern Afghanistan und Pakistan eine absolute Seltenheit ist. Sofia und ich haben uns im Pamir wirklich sehr wohl gefühlt.

    Im Vergleich zu Kirgistan ist Tadschikistan, beziehungsweise Pamir, sehr arm. In der kargen Landschaft wächst kaum etwas, die Viehherden sind mager und viele Menschen haben keine Arbeit. Ein durchschnittlicher Bankangestellter verdient monatlich umgerechnet etwa 150 Euro, während man dafür in der Hauptstadt Duschanbe mehr als das fünffache bekommt (Angaben stammen von einem Bankangestellten aus Ishkashim). Die Bewohner Pamirs fühlen sich von der tadschikischen Regierung verraten und im Stich gelassen – weder haben sie Vertreter_innen in der Landesregierung, noch erlaubt man ihnen die Unabhängigkeit. Trotz dieser Umstände wirken die Menschen dort glücklich, gelassen und herzlich.

    Pamir ist ein Ort, den ich in nicht allzu ferner Zukunft wieder bereisen möchte. Die grandiosen Möglichkeiten für Wildnisreisen gepaart mit der Gastfreundschaft der Menschen macht diese Gegend zu einem echten Schatz für Reisende wie uns. Ich möchte hier nicht weiter ins Detail gehen, aber ich habe sogar schon eine relativ konkrete Tour-Idee, auf deren Umsetzung ich mich bereits freue. Es wird dann etwas weniger Seen geben, dafür ein paar mehr Gletscher.


    Edit: Bitte alle Fragen, die das Thema betreffen, direkt hier im Bericht stellen, nicht per Privatnachricht.
    Geändert von Libertist (04.12.2015 um 22:36 Uhr)
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  4. Fuchs

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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #4


    Super Bericht und die Fotos - wahnsinnig gut! ihr habt ein Gespür für gute Motive!
    Sehr beeindruckend.
    bear shit - sounds like bells & smells like pepper

  5. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #5
    Zum lesen des Berichts bin ich natürlich jetzt noch nicht gekommen. Aber deine Bilder sind mal wieder wahnsinnig toll!!!

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

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  6. Fuchs
    Avatar von PWD
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #6
    Da wird's einem so richtig warm ums Herz, wenn man von lieben Menschen 'mitgenommen' wird, wohin man selber nie mehr im Leben kommen wird. Vagöds God.

  7. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #7
    eine echt coole Gegend ist das

    Leider schaffe ich es vor meiner Abreise nicht mehr diesen interessanten Bericht zuende zu lesen

  8. Erfahren

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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #8
    Geiler Bericht, coole Fotos! Aber wie zur Hölle kriegt man Schrödingers Katze bei "Wer bin ich" raus?

  9. Freak Moderator
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    Avatar von Flachlandtiroler
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #9
    OT:
    Zitat Zitat von walnut Beitrag anzeigen
    Geiler Bericht, coole Fotos! Aber wie zur Hölle kriegt man Schrödingers Katze bei "Wer bin ich" raus?
    Frag' einfach: "Lebt die Person noch? -- Hast Du nachgeschaut?"


    Vielen Dank für die wunderbare Schilderung und natürlich die (gewohnt) sagenhaften Bilder.

    ein paar mehr Gletscher
    Dann nimmst Du aber schon ein Seil mit, oder?
    Es juckt einen förmlich, da zur Seite abzuzweigen und peakbagging zu treiben...
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  10. Dauerbesucher
    Avatar von elbspitze
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #10
    Hab vor kurzen einen tv bericht ueber Tadschikistan gesehen und aus diesem grauen fleck erde wurde dadurch ein must-do. Dein breicht und die fotos bestärken mich in der entscheidung. Wie du auch bemerkt hast, wird eine region erst dann reizvoll, wenn man richtige wildnisreisen planen kann, ohne große zivilisation und andere wanderer.
    Danke für den Bericht jens
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  11. Moderator
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #11
    Danke fürs "Mitnehmen"!
    Die Leute- und Situationenbilder mag ich wieder am meisten, großartig.

  12. Moderator
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #12
    Zitat Zitat von elbspitze Beitrag anzeigen
    Wie du auch bemerkt hast, wird eine region erst dann reizvoll, wenn man richtige wildnisreisen planen kann, ohne große zivilisation und andere wanderer.
    Das heißt im Umkehrschluss, Regionen mit etwas Zivilisation und sogar anderen Wanderen sind reizlos?
    Klar ist überhaupt nichts - aber das dafür umso deutlicher.

  13. Fuchs
    Avatar von Libertist
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #13
    Danke schon mal an alle!

    Zitat Zitat von walnut Beitrag anzeigen
    Geiler Bericht, coole Fotos! Aber wie zur Hölle kriegt man Schrödingers Katze bei "Wer bin ich" raus?
    Wir sind Profis, hehe...! Sofias erste Frage war "Lebe ich?"; meine Schwierigkeiten, zu antworten, haben sie schon auf die erste Fährte gebracht.


    Zitat Zitat von Flachlandtiroler Beitrag anzeigen
    [OT]Dann nimmst Du aber schon ein Seil mit, oder?
    Jetzt traue ich mich ja kaum noch, den anschließenden Bericht zu veröffentlichen...


    Zitat Zitat von elbspitze Beitrag anzeigen
    Wie du auch bemerkt hast, wird eine region erst dann reizvoll, wenn man richtige wildnisreisen planen kann, ohne große zivilisation und andere wanderer.
    Naja, so pauschal würde ich das nicht sagen. Menschen haben unterschiedliche Reisestile und ich würde nie wagen, meine persönliche Präferenz über die anderer Reisender zu erheben. Wie man reist, warum man reist, wohin man reist... das sind Fragen, die man am besten nur für sich persönlich beantwortet. Vor allem das "Warum" ist dann schon schwer genug.
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #14
    Vielen Dank für den Bericht! Der Schreibstil von Sofia gefällt mir sehr gut!

  15. Moderator
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #15
    Zitat Zitat von Libertist Beitrag anzeigen
    Naja, so pauschal würde ich das nicht sagen. Menschen haben unterschiedliche Reisestile und ich würde nie wagen, meine persönliche Präferenz über die anderer Reisender zu erheben. Wie man reist, warum man reist, wohin man reist... das sind Fragen, die man am besten nur für sich persönlich beantwortet. Vor allem das "Warum" ist dann schon schwer genug.
    Danke! So sehe ich das nämlich auch.
    Klar ist überhaupt nichts - aber das dafür umso deutlicher.

  16. Erfahren

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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #16
    Das war dann wohl Glück, ich hätte wahrscheinlich gefragt ob ich ein Mensch bin und mich dann bei den verschiedensten Tierarten verbaselt, coole Sache für Regentage.
    Ich bin gespannt auf den seilfreien zweiten Teil

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    Avatar von elbspitze
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #17
    Zitat Zitat von november Beitrag anzeigen
    Das heißt im Umkehrschluss, Regionen mit etwas Zivilisation und sogar anderen Wanderen sind reizlos?
    Wie libertist selbst schreibt,ist.das ne subjektive Ansicht.ja, für mich sind regionen reizvoller, wo ich wenig Menschen und zivilisation habe. Daher gefällt mir Russland immer mehr, da dies noch viel zu bieten hat. Dieses feeling von Einsamkeit und Abgeschiedenheit ist für uns das reizvollste. Als bsp. Wir waren dieses jahr auf hawaii. Es war die reise nicht wert. Wir waren enttäuscht von den Massen an touris. Wenigstens und meist hatten wir im Hinterland die einsamkeit für uns. lg nach mickten als exdresdner
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    Avatar von Intihuitana
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #18
    Superklasse, wie immer eigentlich.

    Zu euren Felszeichnungen. Argalizeichnungen kommen in ganz Zentralasien immer wieder vor. Ich würde sie in die Bronzezeit oder frühe Eisenzeit, (vlt. skythisch oder baktrisch) verorten.
    Wenn ihr sagt dass selbst die locals sie nicht kannten kann es gut sein, dass diese Petroglyphen noch überhaupt nicht bekannt und verzeichnet sind.

  19. Erfahren

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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #19
    Zitat Zitat von Libertist Beitrag anzeigen
    Es gibt im Park wohl so eine Art „Standard-Route“, die die meisten Besucher in 4-6 Tagen gehen und die auch von europäischen Reiseanbieter_innen angepriesen wird.
    Hallo Sofia

    Merci für den schönen Bericht und die Photos.
    Ich liebe den Pamir und die Pamiris ebenfalls. Nach ein paar Radtouren dort, haben wir 2014 auch die Wanderschuhe geschnürt.
    Leider hat sich bei mir nach wenigen Tagen die Sohle gelöst (an beiden Schuhen), so dass wir wieder aus einem abgelegenen Tal raus mussten und in Khorog versucht haben Ersatz aufzutreiben, bzw. Reparatur. Leider hat beides nicht geklappt, aber mit mehreren Tuben Sekundenkleber konnten wir noch etwas wandern.
    Auf der Bachorrunde haben wir dann ebenfalls Touristen getroffen, ein Pärchen mit Führer und Eseln und (halt dich fest)
    dem ganzen Wasser in Halbliter-PET-Flaschen auf einem Esel.
    Am meisten los war dann am Wrang-Pass (vom Shoqdara-Tal ins Wakhan), dort sind wir auf der Südseite in 4 Grüppchen gelaufen.
    Den NP-Permit kann man sich auch in Murghab und Khorog besorgen, ist aber vielleicht teurer (wobei man auch von hohen Strafsummen hört, sofern man ohne angetroffen wird).
    Übrigens auf der Strasse nach Bachor waren wir mit den Velos im Jahr davor tatsächlich umgekehrt, weil die so schlecht fahrbar war (grobes Geröll und Sand).


    Grüsse

    Christian

    PS Auch die Fanskis lohnen sich zum Wandern.

  20. Fuchs
    Avatar von Libertist
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    AW: [TJ] Tadschikistan 2015: 5 Wochen Pamir & Tajik National Park

    #20
    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    Zu euren Felszeichnungen. Argalizeichnungen kommen in ganz Zentralasien immer wieder vor. Ich würde sie in die Bronzezeit oder frühe Eisenzeit, (vlt. skythisch oder baktrisch) verorten.
    Wenn ihr sagt dass selbst die locals sie nicht kannten kann es gut sein, dass diese Petroglyphen noch überhaupt nicht bekannt und verzeichnet sind.
    Sehr interessant. Ich hab die Koordinaten... meinst du, ich sollte mich damit mal an irgendwelche Archäologen wenden oder sind die Gravuren nicht brisant genug? Übrigens haben wir nur ein paar Locals aus dem nahgelegenen Dorf gefragt - diese Leute kannten die Gravuren nicht. Aber den Hirten, die in dem Tal unterwegs sind, sind sie bestimmt bekannt. Vermute ich mal.


    Zitat Zitat von chri1 Beitrag anzeigen
    Auf der Bachorrunde haben wir dann ebenfalls Touristen getroffen, ein Pärchen mit Führer und Eseln und (halt dich fest) dem ganzen Wasser in Halbliter-PET-Flaschen auf einem Esel.
    WTF!?
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