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  1. Vorstand
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    [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #1
    Mitreisende: HaegarHH
    Prolog (Edit: )

    Da steht so ein grünes halb-durchsichtiges gelbes MTB in meinem Schlafzimmer und jeden Morgen wenn ich wach werde, frage ich mich, wohl wo die nächste Reise hingehen könnte.


    Meinen Resturlaub 2017 sollte ich bis März nehmen und das schloss klassische MTB-Ziele, eher aus. Portugal kannte ich und das Wetter war Weihnachten 2015 einfach nur toll, warum sollte es dann im Februar schlechter sein. Auf der Via hatte ich noch eine Rechnung offen … und auch sonst sprach vieles für Portugal.

    DAS …

    … ist seit meiner Reise 2015 mein Bildschirmhintergrund, der sich täglich viele Stunden per 27" Display in meinem Kopf eingräbt


    Hier noch versucht ein paar mehr Infos für die bisher unbekannten Abschnitte und das neue Verkehrsmittel zu bekommen und dann, dann wurde gebucht

    Aus mehreren Gründen heraus hatte ich mich entschieden, es noch leichter als in den Alpen und beim letzten Mal in Portugal angehen zu lassen und für mich etwas Neues zu probieren …die Übernachtungen wurden in Hotels vorgebucht


    Kaum war alles gebucht, fing der Wetterbericht Amok zu laufen und das gute Gefühl, diesmal habe ich alles, wich dem üblichen Kaufrausch Parallel das Rad vorbereiten (u. a. Kette tauschen, neuen Schaltzug verlegen, …), wenn dazu irgendwie noch Zeit blieb.


    In Buchstäblich letzter Minute …na gut, 20 Min. vor Ladenschluss am Samstag Nachmittag kaufte ich auch noch eine neue Regenjacke …


    "Hailing from our mountain heritage and designed without compromise …embrace the often unnerving realities of taming the trail."

    klang einfach vertrauenserweckend

    Danach startete das Packen recht spät und mit dem üblichen Chaos …


    … Überraschung war auch der neue MTB-Rucksack EVOC FR Tour 30, der sich doch deutlich anders packen liess und die 5l weniger als der bisherige Rucksack schmerzlich aufzeigte Nach dem dann endlich klar war, was ich überhaupt noch mitnehmen konnte und wie es packen müsste, durfte ich fast alles wieder aus- und umpacken. Mit dem Hotel bei An- und Abreise war abgesprochen, dass ich eine Tasche dort deponieren durfte und so musste ALLES in die Tasche. Dann noch das Rad verpacken.

    Danach ein besonderes Feierabendbier …erwähnte ich schon mal, dass ich meinen Bildschirmhintergrund liebe

    Geändert von HaegarHH (01.04.2018 um 15:37 Uhr)
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  2. Vorstand
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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #2
    25.02. Anreise

    Nach einer sehr kurzen Nacht alles ins Auto, ab nach Hamburg. Zum Frühstück wollte ich Brötchen und super leckere Pastéis de Nata mitbringen, musste leider feststellen, dass der Bäcker leider seinen Betrieb aufgegeben hatte Brötchen gab es dann doch noch, das Gepäck musste noch ein paar Stunden warten.

    Am Flughafen lief alles reibungslos …bis dann die Anzeige kam, dass es noch ein wenig dauern würde. Also noch etwas länger, also man wisse noch nicht genau, aber irgendwann vermutlich … Gut 2h verspätet hob der Flieger ab


    Ab der Biscaya boten sich traumhafte Blicke auf spanisches Bergland im Winterkleid …


    Landung in Lissabon, erwartungsgemäß war der Flieger nach Faro …fort Wir bekamen alle einen Zettel und "man hätte eine Lösung". Stellte sich aber dann als Bustour Lissabon - Faro heraus.

    Ja klar, KEIN PROBLEM wir nehmen das Gepäck mit.
    Was??? Fahrrad???
    …äh, keine Ahnung!

    Nicht mal 2h später war klar, wir kommen alle mit, ich darf probieren, ob die Radtasche in den Bus passt und das wir uns selbst darum kümmern müssen, wie das Gepäck von dem Fliessband zum Bus kommt Ich hatte Glück, ich durfte mich um mein Rad kümmern, andere hatten weniger Glück, die gingen mit leeren Händen zum Bus, ihr Gepäck war nicht auffindbar

    Irgendwie auf dem Weg fiel mir auf, dass da doch was fehlt ... mein Helm war NICHT wie geplant auf meinem Kopf, er war auch nicht am Tages-Rucksack …er war nicht da Die Panik, ihn im Flugzeug liegen gelassen zu haben, wich schnell der Erkenntnis, dass er NICHT im Flieger geblieben ist, sondern zu hause Auf der Busfahrt hatte ich dann Gelegenheit mir schon mal die portugiesischen Bezeichnungen für Fahrradhelm zu notieren und zu schauen, was Decathlon Faro so alles vor Ort verfügbar hat


    Fettes Lob an TAP, alle, die sich um uns kümmern mussten, waren super adrett gekleidet, die Damen sogar mit roten Lederhandschuhen. Äh, sonst gab es natürlich NIX! Erfahrene Vielflieger nach Faro aus der lustigen Altherren-Golfrunde meinten, DAS wäre häufiger am Sonntag so, weil die Faro-Flüge fast alle überbucht wären und man dann gerne Gründe finden müsse, warum Passagiere per Bus ans Ziel gebracht würden. Und NEIN der Bus dürfe auch nicht unterwegs halten, wenn z. B. Passagiere eigentlich von Faro wieder retoure zu einem Ort auf der Strecke müssen würden.


    Um 17:00 fuhr dann der nagelneue(!) Bus los, Brücke über den Tejo …


    und dann Landschaft erleben, Pause an Raststätte, …ca. 20:30 in Faro am Flughafen, Bus in die City, kurzer Weg vom Bhf. zum nahe gelegenen Hotel.

    Natürlich viel zu spät in Faro und damit die erste echte Enttäuschung des Tages, mein seit Wochen entgegengefieberter Besuch in der Currasqeira fiel ins Wasser, weil schon zu Aber es fand sich würdiger Ersatz


    mit lecker Fisch



    Danach dann noch ein kleiner Rundgang durch die bekannten Gassen von Faro


    bis zum Hafen


    Auf dem Rückweg noch zwei Flaschen Wasser im Nachtsupermarkt gekauft und dann schnell ins Bett und mich in den Schlaf zittern.
    Geändert von HaegarHH (02.04.2018 um 14:59 Uhr)
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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #3
    "Hailing from our mountain heritage ..."
    „hail“ heißt Hagel – sehr vertrauenswürdige Attributierung einer Regenjacke ... schreib schnell weiter

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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #4
    Zitat Zitat von lina Beitrag anzeigen
    „hail“ heißt Hagel – sehr vertrauenswürdige Attributierung einer Regenjacke ...
    to hail from a place …aus einem Ort stammen Aber ja, auch das mit dem Hagel hat gepasst


    Frohe Ostern …wenn ich dann vom Laufen mit meinen neuen holographischen Laufschuhen zurück bin, geht es dann hier weiter!
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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #5

    und ebenfalls frohe Ostern

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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #6
    26.02. Einrollen nach Alcoutim
    42,3 km - 2:59 - 548Hm

    (Die km-Angaben und weitere Daten beziehen sich auf die "GPS"-Daten meiner Garmin Fenix 5, sind also die reinen Fahrdaten der Etappe, Pausen stoppt sie raus, weitere Fahrten, z. B. Helmkaufen, sind auch nicht drin enthalten)

    7:30 … der Wecker ist gar nicht mal so nötig, die 1h Zeitverschiebung macht sich positiv bemerkbar und die Kälte im Zimmer auch Es war sowieso eine unruhige Nacht, die Mädels im Zimmer neben an haben mehrfach Besuch an der Tür gehabt, oder Zimmerservice, oder wen auch immer …auf jeden Fall wurde dann erstmal laut gekreischt. Ich werfe bei den Gelegenheiten zwei Decken auf das Bett, die ich noch in dem Schrank finde und bereue, dass ich mir nicht den Yeti Passion One gekauft habe.

    Bibbernd kommt mir die Idee, ich könne doch die Klimaanlage zum Heizen verwenden und so langsam taue ich auf

    Das Packen des Rucksacks geht erstaunlich schnell, noch erstaunlicher auf einmal passen die extra neu gekauften und deutlich leichteren (als meine Source Sandalen) FlipFlops doch noch in den Rucksack, ohne dass er explodiert. Luxus pur auf der Tour

    Frühstück hatte ich keines gebucht, aber was heisses trinken, während ich das Fahrrad unter dem interessierten Blick der Rezeptionistin zusammen baue, das will ich schon. Es wird für 2,80 das schlechteste aller in Portugal erlebten Heissgetränke, erinnert entfernt an das Zeug aus den Vending-Automaten, wo man sich nur noch zwischen Rinderkraftbrühe, "Heisser Schokolade" und "Cappuccinotraum" entscheiden muss …bin mir nicht sicher, ob hier nicht ALLE Knöpfe gleichzeitig gedrückt wurden

    10:00 das Fahrrad ist einsatzbereit, die Bleibt-da-Tasche inkl. der dort drin verstauten Radtasche bleibt da und ich stelle fest, dass es draußen doch schon frühlingshaft warm ist. Also mit dem neuen Merino-Longsleeve aufs Rad gesprungen …um die Ecke soll ein Radladen sein, da spare ich mir doch die ca. 3km entlang der Schnellstraße zum Decathlon. Radladen-Mann meint, er hat keine Helme, würde aber gerne an meinem Rad schrauben, wenn was dran sei … glaube ich ihm, ist aber nix dran Dann also weiter, nun 3,5km zum Decathlon, oder knapp 2 zum G-Ride. Die hatte ich nachts noch auf dem iPhone gefunden und das Sortiment wirkt ein wenig überzeugender und die Angebote verlocken.

    Es beginnt zu tröpfeln …na ja, macht nix, Frühlingsregen. Die Luft riecht nach Regen, ist das nicht herrlich, ich fahre weiter und Merino wärmt ja auch, wenn es feucht ist. Rechts runter ca. 500m zum Hotel zurück, links den Berg hoch zum G-Ride. Es regnet, so richtig, stelle mich unter, ist bestimmt nur ein kurzer Schauer ... 2km später stehe ich tropfnass im G-Ride die kleinen Navigationsfehler haben mich wunderbar über weitere Hügel von Faro geleitet, warm gefahren bin ich schon mal

    Tatsächlich finde ich einen Scott, der passt, halbwegs gut aussieht, MTB-Helm ist und das zu 50% der UVP. Der schicke MIPS-Helm passt leider nicht. Nach ca. 15 Min Warten an der Kasse gebe ich auf, weiter auf das Kartenlesegerät zu warten und werfe das Bargeld auf den Tresen. WENN ich mich richtig beeile sollte ich sogar noch den früheren Zug bekommen, wirkt eng. Es hat sich eingeregnet und die neue Regenjacke liegt immer noch gut verpackt im Hotel. Auf dem Weg zurück kurzer Stop beim Bäcker, 1 Croissant, 2 Frischkroketten, danach hinterlasse ich bei einigen Portugiesen wohl einen eher schlechten Eindruck eines MTBers …Hotel, Rucksack auf, Zimmerschlüssel zurück, ab aufs Rad, um die Ecke, Ticket kaufen …


    … passt, der 11:35 steht noch da.

    Im Zug dann Puls drücken, Frühstücken, den neuen Helm bewundern …die Fahrt geniessen und ein wenig entspannen.



    Villa Real Do St. Antonio, 13:00 und es ist nicht einfach nur Regen, nein es giesst ... also gleich unter dem Bahnhofsvordach die Regensachen angezogen, die Idee mit dem in Ruhe ein Cafe suchen, Galão trinken, Toastada essen usw. verworfen und mal los.

    In Spanien sieht es auch nicht besser aus



    Schon nach kurzer Strecke lande ich auf der ersten Piste


    Zumindest die Belüftung der Regenjacke funktioniert, so als Kontrast zu D ist 14° und tlw. noch Regen einfach warm. Als es in Azinhal gegen 14:20 wieder heftig zu regnen beginnt, kommt mir das kleine Cafe gerade recht


    Drinnen ist es viel größer als von draussen zu erahnen, angenehm warm (dank der echten Backstube daneben) und freundliche Hände bereiten gerne meine Bestellung zu …

    … 4,80 inkl. eines zweiten Galão und das Tostada war super

    Das Wetter klart auch ein wenig auf und die Strecke gibt schon mal eine Vorahnung auf die nächsten Tage


    Woran ich mich gar nicht satt sehen kann, ist die Mandelblüte

    einfach traumhaft schön

    Bald ist der Guadiana erreicht

    ab hier will ich dem ausgewiesenen Wanderweg Route „Grande Rota do Guadiana“ zuerst ja noch ganz spassig.

    Doch dann ist der Weg zunehmend zu gewachsen, ich kämpfe mich tlw. mühsam schiebend durch meterhohes Schilf, nur um immer wieder Verbotsschilder zu sehen, dahinter eher privat wirkende Gartenlandschaften nur um am anderen Ende den nächsten Wegweiser zu erblicken. Da scheinen wohl Landbesitzer und Organisatoren / Offizielle tlw. ein leicht abweichende Auffassung zu haben, was das nun sein soll. Schön ist es hier aber direkt am Ufer des Guadiana.

    Irgendwann stehe ich vor einem komplett verrammelten Zaun. Der Wegweiser zeigt nach rechts zu dem weggebrochenen Ufer, da käme ich selbst zu Fuss auf keinen Fall weiter. Also zurück, dort steht das Verbotsschild vor dem Wald, also dann wohl doch den Fahrweg den Berg hoch, auch wenn mein GPS etwas anderes vermutet.

    Nur kurze Zeit später werde ich von SUVs gestellt und übelst beschimpft, zuerst auf Portugiesisch, dann auf Englisch und als die Anführerin mitbekommt, dass ich Deutscher bin, auf Deutsch. DAS ist Privatbesitz, die Schilder seien deutlich! Mein Einwände von wegen Schilder vor Wald findet sie gar nicht lustig und verweist, auf das ganze Pack von Drogenschmuggler, Flüchtlingen, Pennern UND Seglern(!) die IHR Land ruinieren, Schilder rausreissen, verdrehen, …also werde ich von ihr zurück zu dem Zaun geleitet. Die Unterhaltung wechselt dabei zwischen freundlich-interessiert fragen, bzgl. meine Reise und explosiv pöpelnd mich beschimpfen. Die ganze Zeit tuckert der SUV mit deutlich erkennbarem Schrot(?)-gewehr an der Rückscheiben hinter uns her. Weiter oben im Hang zwei weitere SUVs.

    Der Drahtverhau erweist sich als Makramee der Schmiedekunst und nachdem ich zu verstehen gab, dass ich aus dem Großraum Hamburg komme, war klar, dass mir als Großstädter nicht mal die einfachste Landtechnik klar ist. Als ich dann endlich auf der andere Seite stehe, wird mir noch der weise Rat mitgegeben mich nach der nächsten Biegung des Flusses auf die Straße zu verpissen. Der Besitzer DIESES Landstückes habe große Hunde und sei wirklich unlustig und die folgenden Landbesitzer hätten sie schon angerufen, die Hand zeigt zu den SUVs am Hügel über mir. Mein dezenter Hinweis auf den offiziellen Wanderweg löst weitere Beschimpfungen aus und macht klar, dass hier ggf. mit Hunden und Waffen klar gemacht würde, dass der Wanderweg NICHT existiert

    Dann mal lieber auf der Straße weiter, ist nach dem ganzen Hin und Her sowieso schon spät genug


    Irgendwann ist dann Alcoutim malerisch am Fluss auszumachen



    Nettes Örtchen, treffe sogar schon auf den GR13 und erreiche dann das unglaublich luxuriöse Hotel nachdem ich den Flussblick bei booking.com für ein paar Euro mehr schon gleich gebucht hatte, bekomme ich Frühstück als kostenloses Upgrade dazu … nachdem es draußen bei 13° wieder kräftig angefangen hatte zu regnen, empfängt mich das Zimmer mit erfreulichen 15° ... also als erstes Klimaanlage auf 28° Dann folgt die übliche Explosion des Rucksacks ... und Urlaub pur mit den FlipFlops an den Füssen


    Später geht es dann mit Blick auf Spanien


    zum Essen in die Stadt. Die geplanten Restaurants haben am Sonntag Abend bzw. zu dieser Jahreszeit bzw. generell geschlossen, das Grillrestaurant wirkt nicht so einladend, die Bar überfüllt, also lande ich als einziger Gast beim ziemlich großen Inder. Unerwartet, aber sehr lecker ... danach den Kaffee in der überfüllten Bar und dann schnell zurück ins Hotel.

    Morgen soll das Wetter noch einmal gut sein und eine recht lange Etappe steht auf dem Plan.
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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #7
    27.02 Sonniger Start in Alcoutim
    58,96km - 6:12 - 1.473Hm

    7:15 aufstehen, dank Klimaanlage im Quietmode ist das Zimmer angenehm temperiert, alles packen. Alles? Am Abend muss ich feststellen, dass meine Schlaf-Boxershorts fahnenflüchtig ist, keine Ahnung, wie sie das angestellt hat

    Das Zimmer hat tatsächlich Flussblick, na ja, so irgendwie …

    …aber noch liegt der Nebel über dem Fluss.

    Um 8:35 erreiche ich den Frühstücksraum, angeblich ab 8:30 geöffnet, für das bis dahin menschenleer erlebte Hotel ist er überraschend mit insgesamt 6 Personen gefüllt. Das Buffet dagegen ist nicht mehr gefüllt es wurde in den ca. 5 Minuten komplett leer geräumt, Berge von Rührei türmte sich auf den Tischen, Teller voll Wurst …bis auf die beiden Rennradfahrer blieb auf jedem Tisch massenweise Essen zurück Leider dauert es nun fast 30 Min. bis so nach und nach das Frühstücksbuffet wieder aufgefüllt wird, planlos wäre noch beschönigend. Na ja, wie war das mit dem geschenkten Gaul …also versuche ich mich nicht zu sehr zu ärgern und geniessen die Sonne.


    Um 10:00 Uhr stehe ich an den Kais von Alcoutim an dem ordnungsgemäßen Start der Via Algarviana …


    und nur wenig später habe ich auf bereits knirschendem Sand unter den Reifen die Stadt hinter mir gelassen



    noch sind die Hügel nicht zu hoch, aber die Anstiege sind bereits knackig und reihen sich wie in stetem Auf- und Ab aneinander. Die Sonne hat schon so richtig Kraft und so fahre ich mittlerweile in Kurz - Kurz, SO sollte es sein



    Nach gut einer Stunde erreiche ich das in dem Führer beschriebene Dorf mit den ursprünglichen Ausküchen und den Gärten hinter Hecken und Mauern …

    … zu meiner Überraschung köchelt in fast jedem der Öfen das Mittagessen vor sich hin …es riecht LECKER!


    Die berühmte frühzeitliche Kultstätte, war eher nun ja, übersichtlich

    die beiden amerikanischen Touristinnen finden dann auch den Radfahrer aus Deutschland deutlich interessanter, können aber nicht verstehen, wie man bei DER Hitze mit einem Rad OHNE Motor fahren könne …kann man und ich bin weg.


    Die Strecke macht einfach Spass und ist wunderschön anzusehen …

    an einigen Stellen ist die Strasse deutlich schlechter, genau das richtige Revier für ein MTB.


    Der Ribeira Da Foupaina voraus …


    …und bei den Wettervorhersagen und den ausdrücklichen Warnungen im Guide hatte ich mir schon Sorgen gemacht, aber trotz des Regens der letzten beiden Tage ist er trocken, staubtrocken



    An dieser Stelle muss man ca. 200m im Flussbett flussaufwärts gehen, bevor man auf der anderen Seite wieder heraus kann. An einigen Stellen wirkt das Ufer so, dass man da nur so schlecht runter oder wieder raus kommt, also ein wenig Spielraum mag man haben, aber viel nicht. Ein Woche später hätte ich HIER eher nicht längs gehen wollen.

    Gegen 16:20 erreich ich Furnazinhas und finishe gekonnt mit einem Treppen-Downhill ins Dorf


    Furnazinhas ist der Zielort der 2. Wanderetappe und nach Beschreibung soll es hier auch eine Snack-Bar geben, gibt es auch.

    Neben den Übernachtungen in Hotels, waren diese Snack-Bars, oder eher Pastellerias, eigentlich der zweite Punkt meiner Reise, mit dem ich geplant und auf den ich mich auch ein wenig gefreut hatte. Gestern in Azinhal hatte das auch super geklappt, warm, lecker, preiswert. Jetzt werde ich auf den harten Boden der portugiesischen Realität zurück geholt und es wird nicht das letzte Mal sein

    Draussen ist es mittlerweile bewölkt und windig und kühler geworden, mag auch daran liegen, dass ich zu lange nix gegessen habe. Aber nun betrete ich einen eisigen Raum, drinnen sitzen einige ältere Leute, in dicken Sachen eingemummelt, Wollmützen auf dem Kopf und nippen an winzigen Rotweingläsern, dann noch ein Tisch mit 3-4 Hausfrauen(?) in Kittelschürzen über den Winterjacken und einen Espresso in der Hand. Der bestellte Galão wird sicher heiss, der Gastwirt lässt einfach die Milchkanne unter der Düse stehen, bis sie fast glüht … ich versuche was zu essen zu bestellen.

    Nein, gibt es nicht!
    Wie gibt es nicht?
    Nix Essen!
    Aber das ist doch eine SNACK-Bar?
    Sim, sim …Snack-Bar, nein, trotzdem nix Essen!

    Pathetisch lässt der Gastwirt seine Hand über das Regal hinter sich gleiten. Dort stehen einige Flaschen WC-Reiniger, neben Weichspüler, ein paar Dosen Limo, Batterien, einen Karton Kitkat und völlig ausgebleichte 500g Schokotafeln in einem Plastikdisplay. Vermutlich sagt er gerade wortreich dabei, dass ich nicht fragen soll, was sie haben, sondern sagen, was ich will. Ich habe sogar Glück, es gibt noch ein Kitkat im Karton So hatte ich mir die Mittagspause nicht vorgestellt, aber immerhin ein warme Galão und Zucker.

    In dem Moment schaltet sich mein vor dem Urlaub neu gekauftes GPS aus. Wie praktisch, Batterien standen ja im Regal ... im Laufe des Urlaubs sollte ich DAS auch nicht mehr ganz so lustig erleben

    Das ständige bergauf auf dem brösligem Belag kostet wirklich Körner und so schnell bin ich dabei auch nicht. Ein Blick auf die Uhr mahnt so langsam zur Eile und so wechsle ich auf die Straße

    die Hügel werden nicht flacher, aber der Belagswechsel bringt ca. Faktor 2-3 ins Tempo.

    Mit den letzten Lichstrahlen des Tages erreiche Vaqueiros, mittlerweile regnet es …ähm ergiebig. Es dauert ein wenig, bis ich endlich verstanden habe, dass ich den Schlüssel für das Zimmer im Restaurant bekomme und es riecht HIMMLISCH nach Hühnchen. Aber zuerst ab ins Zimmer, die Radiatoren auf Maximum stellen, die nassen Sachen zum Trocknen drapieren und mich tischfein machen.

    Während ich in den Alpen viel von dem Randonneurs-Menu in den Herbergen gelesen hatte, war ich ein wenig unvorbereitet, das Motto des Restaurants …gegessen wird was auf den Tisch kommt Zuerst die Vorspeisen, neben den üblichen Oliven mit Butter, Fischpaste und Brot, gibt es auch noch eingelegte Möhren, auch ein kleinerer Ziegenkäse auf den Tisch gestellt. Die Chorizo sieht lecker aus, die bekomme ich aber nicht, …die sieht aber lecker aus, klar ist auch hausgemacht, mal probieren …

    Dann kommt das Essen …

    … alles klar, DAS war vorhin im Topf. Es schmeckt unglaublich gut, neben dem Hühnchen findet sich auch noch die Chorizo und einige Stücke Leber im Reis. Leider schaffe ich nicht alles auf, aber die Chorizo picke ich mir noch raus. PAPPSATT!

    Die Chefin und Köchin kommt und meint was von Nachtisch, nein Danke! Doch, doch …Nachtisch gut! NEIN! …Es ist kalt draussen, es regnet und Du brauchst Vitamine, DAS ist Obstsalat …Guten Appetit! Ich sagte doch schon, gegessen wird, was auf den Tisch kommt Inkl. Wein und 2 Espressi finde ich die aufgerufenen 10,50 Euro schon fast beschämend.


    Während des ganzen Essens über unterhalte ich mich rege mit 4 netten Holländerinnen am Nachbartisch, sie wandern die Via Algarviana bis Messines, aber jeden Tag nur so lange, wie sie Lust haben, dann rufen sie sich ein Taxi und lassen sich ins Ziel bringen …klingt nach einem komfortablen Plan
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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #8
    28.02. Vaqueiros - Salir: Sinnflut …oder Es ist so wichtig für das Land!
    55,9 km - 4:57 - 1.135Hm

    Der Via Algarviana Guide schreibt
    During this day you will ride in the Serra do Caldeirão (Caldeirão Montain), and you will easily realize that, with the climbs and steep downhill slopes that make this one of the most demanding days physically and technically
    oder mit anderen Worten …es wird ernst

    Das erste was ich noch vor dem Wecker wahrnehmen ist das Plätschern des Wassers und es ist NICHT die Dusche von den Niederländerinnen im Nachbarhaus, es ist der Regen auf dem Dach Dafür habe ich ausgesprochen gut geschlafen, ein Radiator ist doch unschlagbar leise, wenn es um das Heizen in der Nacht geht

    Ich entscheide mich schon jetzt die neue SealSkinz MTB-Socken einzuweihen und gehe die paar Meter zum Restaurant, es giesst aus allen Küblen

    Das Frühstück ist …üppig und gegessen wird, was auf den Tisch kommt wir einigen uns darauf, dass ich mir Brote von dem, was ich nicht schaffe schmieren darf ... die Niederländerinnen haben Lunchpakete bestellt, dürfte schwierig werden, DIE Pakete in die ca. 30l Rucksäcke zu bekommen Meine Abreise verzögert sich noch ein wenig, weil nachdem sie sich auf den ersten hundert Metern bereits 2x verlaufen hatten, von der Wirtin persönlich zum Ortsausgang geleitet werden.

    In der Wartezeit bekomme ich bereits 2x zu hören, wie gut und wichtig doch dieser Regen ist, nach Monaten der Trockenzeit braucht das ganze Land das Wasser. So sehr ich das verstehen kann, auf einen Tag mehr oder weniger wäre es doch nun wirklich nicht angekommen Zwei Herren aus einem sichtlich demolierten Geländewagen, aus der Zeit lange bevor es SUVs gab, versuchen mir klar zu machen, dass es heute KEINE gute Wahl sei, NICHT die Strasse zu nehmen.

    Ich starte also auf der Via Algarviana, logisch

    Meine Sony RX100M2 habe ich vorsichtshalber im Rucksack verstaut, sie soll zwar spritzwassergeschützt sein, aber bereits gestern wirkte sie eher triefnass in dem aussen Case am Rucksackgurt. Bilder gibt es also heute eher weniger, so richtig Lust anzuhalten habe ich gerade auch nicht. Noch halte ich halbwegs die Temperaturbalance unter der Regenjacke, auch wenn die Anstiege schon den Schweiss auf die Stirn treiben.



    Eigentlich hatte ich ja eine Orgie aus Schlamm und Matsch befürchtet, aber die blieb überwiegend aus. Trotzdem stelle ich fest, dass ein 2.4er Maxxis Ardent zu dick, eigentlich zu hoch, für meinen Hinterbau ist, wenn dick Lehm und Sand dran klebt. Als erste Maßnahme entferne ich den unteren Kletthalter der Rahmentasche, das Schleifen wird zum Glück weniger, trotzdem muss ich hier und da erstmal den Reifen etwas säubern.

    Die Anstiege sind noch mal spürbar steiler, als in den letzten beiden Tagen und ich bereue das erste Mal, das runde 30er KB drauf gelassen zu haben und nicht auf das AllBlack 28er oval gewechselt zu haben. Vor der Alpentour hielt ich es noch für Marketing, aber insbesondere wenn man (= ich) sich mit so 4-6km/h einen erdigen Weg / Pfad / ... hochkämpft ist die Traktion deutlich besser mit dem ovalen KB, weil die Kraft gleichmässiger übertragen wird. Auch die 2 Zähne weniger hätten etwas Entspannung bedeutet, SO ist es für mich noch fahrbar und die Hügel sind auch nicht so hoch, aber der Unterschied ist spürbar. Btw. auf der anderen Seite finde ich den Preis dafür, dass man im Flachen einfach nicht so rund tritt und damit deutlich an Geschwindigkeit einbüßt, das soll auch alles ganz anders sein, bei mir ist es das nicht. Daher auch die Wahl des Kettenblattes für die Tour.

    Bei einem der nächsten Anstiege muss ich mich dann geschlagen geben, der Reifen hat einfach gar keine Traktion mehr. Der Boden ist nicht wirklich matschig, sondern die obersten 10-20cm des Weges sind komplett durchweichter Sand, Kiesel, Schotter, …ohne das da noch wirklich Wasser draus steht. Es ist nur unglaublich bröselig, je feuchter, desto schlimmer. Während ich im Normalfall (= u. a. Alpentour) ungefähr fahrend und schieben gleich schnell bin bei ca. 4-5km/h, kämpfe ich mich hier tlw. mit unter 3km/h den Hang hoch, 2 Schritte vor, einen zurück rutschend.

    Oben, Pause, Luft holen, trinken …der Regen hat nachgelassen, der Wind hat dafür deutlich aufgefrischt, spassig ist das so auch nicht. Dafür sieht es nun so richtig nach MTB aus genau so steil bergab, der Weg erinnert eher an ein grobes Bachbett und auch wenn ich noch mal nachschaue, der Wegweise zeigt genau dort runter. Also kontrolliert, ob die Gabel offen ist, den Sattel runter gestellt und los geht es … hier ist noch mehr Wasser als bisher, nach wenigen Metern sieht der Weg nicht nur wie ein Bachbett aus, sondern es ist ein Bach

    Bremsen stellt sich als eher ungeschickt heraus, ein wenig Abbremsen geht tlw. noch, aber mehr auch nicht. Statt das Rad zu verzögern, fängt irgendwann an, der ganzen Boden um die Reifen herum sich zu bewegen und es wirkt eher nach Schlammlawine ... der einzige Trost, hier ist zum Glück nix ausgesetzt, links und recht viele dornige Büsche. Bei den nächsten Abfahrten bin ich dann zurecht vorsichtiger.


    DAMIT könnte man ausreichen Rotwein für die nächsten Jahre verkorken


    Gegen 12:00 erreiche ich Cachopo, ca. 1h in der Planung verloren und das auf nur 15km Zudem ist mir erbärmlich kalt und ich habe Hunger. Es gibt tatsächlich ein offenes Cafe, später sollte ich noch zwei weitere in dem Ort sehen, vielleicht wären die, die bessere Wahl gewesen. In dem Moment hatte ich einfach weder den Willen, noch die Kraft wirklich weiter zu suchen

    Einen Galão bestellt, Zucker rein …sau heiss Essen gibt es auch hier NIX. Nochmal nachgefragt, als der englisch sprechende Sohn auftaucht, nein, zu Essen gibt es nix! Also zweiten Galão bestellt und unter bösen Blicken mein II. Frühstück ausgepackt, ich hätte ja wirklich gerne 1-2 Tostadas und wer weiss was mehr bestellt. Vielleicht galten die Blicke auch eher den beträchtlichen Pfützen die sich unter mir gebildet hatten So richtig schlimm ist es nicht, der ganze Laden wirkt eher wie ein zugiger Wintergarten, mein Tacho sagt nachher was von 11,8°


    Mir ist mittlerweile sehr klar geworden, dass ich unter den gegebenen Voraussetzungen keine Chance haben würde, die weiteren 45km auf der Via Algarviana zu schaffen und zumindest im Tageslicht Salir zu erreichen, zumal die folgende Etappe bis Barranco Velho satte 30km und angegeben 1.200 Hm hat. Also schaue ich nach einer Straßenroute und lasse mich dann tlw. von meinem Oregon routen.

    Mittlerweile ist der Regen eher in heftige Schauer übergegangen, in den Pausen frischt der Wind stark auf, selbst in Norddeutschland dürfte man nun wohl von stürmischen Böen reden. Selbst auf der Straße wirkt die Gegend durchaus beeindruckend, tiefe Täler, nette Berge und auch die Straße lässt kaum eine Chance aus, den einen oder anderen Höhenmeter mitzunehmen. Wenn sich für einen kurzen Moment die Wolken etwas lichten und einen Blick ins Tal freigeben wirkt es schon imposant.

    So richtig habe ich aber keinen Blick dafür. Offensichtlich werfen Eukalyptus Bäume ihre äussere Rinde ab, sobald es nach langer Trockenheit wieder Nässe gibt, und so treibt der Sturm Rindenstücke in rauen Mengen über die Straße, tlw. wird die Flughöhe deutlich überschritten, Kopftreffer gibt es keine, aber spassig ist es nicht mehr. Andere Bäume werfen nicht Ihre Rinde ab, sie werden dann im ganzen auf die Straße geblasen


    Barranco Velho ist in der Algarve so eine Art Bergdorf auf der Passhöhe. Kleiner Ort, ein paar Fotos wert, aber der jetzt gerade wieder einsetzende Starkregen lässt mich meinen Rucksack geschlossen halten. Hier zweigen div. Straßen nach Lissabon oder auch Faro ab. 29km bis Faro steht da ... und ich weiss noch mind. 15km bis Salir. Ich glaube hätte ich die Hotelzimmer nicht vorgebucht und mich wirklich auf die kommenden Etappen gefreut, ich wäre einfach links abgebogen, runter nach Faro, rein ins nächste Hotel, ab unter die heisse Dusche …und dann einfach abwettern

    So versuche ich irgendwie die Orientierung zu finden, während bei der ersten Kreuzung noch Salir und Silves ausgeschildert waren, gibt es hier überhaupt keine Schilder. Irgendwann entdecke ich ein altes Haus …aha, gibt doch Schilder, sie sind in schicken Fliesen an die Wand geklebt



    Die Abfahrt ist unglaublich lang und im gewissen Sinne die verdiente Belohnung für die Plackerei der letzten Stunden um 15:45 erreiche ich dann Salir und fahre erstmal in den Ort selber. Pastellaria, drinnen warm und Menschen, also nix wie rein, einen Teil der nassen Klamotten aus, Galão und Teilchen …Urlaub

    Blick zurück, da bin ich heute drüber …



    Ich stelle fest, dass die Vorstellung von booking.com und mir, WAS zu einem Ort gehört, durchaus unterschiedlich sein können die ca. 4km von Salir bis zur Casa de Tita sind nochmals hügelig und fordernd. Dafür ist die Begrüßung um so herzlicher, es gibt hausgemachten Portwein und hausgemachte Pralines, so wie ein Pastels de Nata als Sättigungsgrundlage …doch das schönste Geschenk, das Zimmer ist muckelig warm. Wegen des schlechten Wetters und weil man nicht wusste, wann ich komme, hat man gegen Mittag schon die heizende Klimaanlage angestellt …DANKE!


    In dem Örtchen gibt es auch ein Restaurant, das hat zu. Das Zimmer ist eher eine Art Apartment und teilt sich mit einem weiteren eine nette Küche. Die Betreiber bieten mir an, dass sie mir Lebensmittel geben könnten und ich könnte mir was kochen, oder wenn es mir lieber wäre, würden sie mich auch zum Supermarkt zum Einkaufen bringen. Alternativ könnten sie mich Abends auch nach Salir "mitnehmen" und ich dort in ein Restaurant gehen. Klingt für mich besser.

    Später stellt sich dann raus, dass die Betreiber auf dem Weg zu einem Geburtstagsessen sind und das "Geburtstagskind" schon mit uns im Auto sitzt, er spricht zwar weder Deutsch noch Englisch, meint aber, ich sei spassig und man fragt etwas verlegen, ob ich nicht mit zum Geburtstagsessen wolle. Also wenn es mir nichts ausmache, ansonsten könne ich gerne zu einem anderen Restaurant gehen.

    Super leckere Essen, so viel der Grill und die Küche nur ausspucken, der Sohn ist studierter Dolmetscher für Englisch (das erklärt warum er so gut Englisch spricht), nach und nach beteiligen sich weitere Gäste an der Unterhaltung, die Mutter ist Dozentin für Englisch und Deutsch (erzählt sie aber erst sehr viel später in fliessendem Deutsch), die Nachbarin lebt eigentlich in der Nähe von New York …es wird ein großartiger Abend!
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  9. AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #9
    Sehr schön, Portugal mal tief im Wasser. Über Instagram habe ich dich "verfolgt", dazu den aktuellen Wetterbericht und schon wurde der graue, kalte Himmel über dem Rheinland heimelig. Nachdem es 2 Wochen geregnet hat, sind alle Speicherbecken wieder voll, man könnte ja mal wieder ...

    Manche rümpfen schon mal die Nase, wenn das Wort Hotel in einem Wander- oder Fahrradbericht erscheint, doch es wird meist vergessen, dass man abseits der Touri-Hochburgen sehr schnell Kontakt zu Einheimischen hat. Welche Folgen das haben kann, sieht man ja bei dir.
    .

  10. AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #10
    Schöne Abendunterhaltung. Da mach ich mir doch direkt ein Estrella auf, während ich hier in einer einsamen Mallorquinischen Bucht auf das abendliche Anlaufen der Heizung warte . Ich freu mich schon auf die Fortsetzungen.

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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #11
    Köstlich, ganz großes Kino.

    P.S. Du bist 53 km von dem Ort entfernt, in den ich mal auswandern wollte.
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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #12
    Zitat Zitat von lieger Beitrag anzeigen
    Schöne Abendunterhaltung.… Ich freu mich schon auf die Fortsetzungen.
    Danke …ja, Fortsetzung wird kommen, der Höhepunkt fehlt ja auch noch, oder besser all die Höhepunkte der Tour


    Zitat Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Manche rümpfen schon mal die Nase, wenn das Wort Hotel in einem Wander- oder Fahrradbericht erscheint, …
    Tja, schwere Frage und ich finde sie noch nicht mal so eindimensional zu beantworten.

    Auch wenn ich ggf. den weiteren Tagen etwas vor weg nehme, aber so richtig gut war fast keine Übernachtung, es gab schon die eine oder andere Nacht, in der ich mir mein kleines, muckliges Zelt und meinen kuscheligen Schlafsack gewünscht hätte andererseits hätte ich wohl nach 3-4 Nächten mit DEM Wetter dann mit klatschnassem Zelt und klammen Schlafsack da gestanden und es lange nicht mehr so behaglich gefunden, wie in meinen Vorstellungen. Ich liebe es auch einfach Abends vor oder in meinem Zelt zu sitzen, zu kochen, Ausblick und Natur geniessen, …all das ist mir auch in Portugal abgegangen.


    Andererseits war auf der Tour das Problem auch einfach, dass das Wetter und die Infrastruktur fast nirgends zusammen gepasst haben. Während z. B. in Tirol oder Graubünden wohl in jedem Restaurant der Kamin geprasselt hätte, die Zimmer einen mit einem Schwall überheizter Warmluft begrüßt hätten und es vermutlich in jedem Hotel einen Trockenraum und in einigen wohl noch Schuhtrockner gegeben hätte, so gab es das alles SO in Portugal überhaupt nicht. Auch die fehlende bzw. unbehagliche sonstige Lage hat den Eindruck nicht gebessert, diese ehemaligen Restaurants, i. d. R. völlig unbeheizt und damit meist kälter als draussen und ohne jedes Essensangebot, haben einfach die Sehnsucht nach einer gut geheizten Almhütte aufkommen lassen.



    Aber davon mal abgesehen, ich denke momentan über ein weiteres Fahrrad nach und diese Überlegungen stehen in direkter Beziehung zu der Frage, wie und wo übernachten. Im Gegensatz zum Trekking, wo ich mein (kleines) Akto an den Rucksack schnalle, Schlafsack, Klamotten und Essen für 6 Tage einpacke und dann recht autonom auch durch Island wandere, ist das beim Fahrrad nicht ganz so einfach. Also für mich derzeit.

    Beim Fahrrad habe ich …

    Das Reiserad - alles dran, alles dabei. Auch für einen gewissen Komfort, da ist es z. B. kein Thema auch noch den großen Trangia in den Frontroller zu stopfen und wenn nicht zu viele Klamotten dabei sind, auch noch den Helinox hinten mit rein. Entweder packe ich entsprechendes Essen wie in den Trekkingrucksack mit ein, oder ich finde immer noch das eine oder andere Eckchen Platz, um unterwegs am Supermarkt nachzuladen. Dann Abends auf dem Campingplatz oder auch mal irgendwo unterwegs Luxus pur, vor dem Zelt sitzen, richtig kochen, geniessen.


    BikePacking - da wird es schon eng und es fährt sich schlechter, als MTB "alleine", wenn per MTB. Auf jeden Fall ist man i. d. R. schneller und agiler als mit dem Reisdampfer. Damit sind anspruchsvollere Etappen einfacher möglich, je nach Rad auch Strecken, die sonst überhaupt nicht möglich wären. Dafür ist man deutlich eingeschränkter, deutlich mehr in die Richtung der "UL"-Wanderer.

    Meine Erfahrung von der Alpentour hat mir schon gezeigt, dass man sogar mal einen Abend oder auch zwei fern ab der Infrastruktur gut verbringen kann, aber z. B. richtig viel Versorgung bekomme ich da nicht mehr mit. Das Zelten auf Campingplätzen war prima, aber die Rolle am Lenker hat schon Agilität gekostet. Und Abends bin ich dann, sofern möglich Essen gewesen, das Kochsetup war für den Hunger dann doch zu eingeschränkt. IMHO fällt das schon ausstattungstechnisch deutlich gegenüber dem 65l-Trekkingrucksack ab.


    MTB - also der "übliche" +/- 10kg Rucksack, mehr nicht. Da braucht man gar nicht über Zelt, Schlafsack, Kocher, …nachdenken. Andererseits kann man so z. B. problemlos ein Fully fahren und damit deutlich entspannter unterwegs sein, unter Strich also deutlich anspruchsvollere Gelände-Touren als z. B. auch beim BikePacking. Kehrseite der Medaille ist dann halt, dass man die Infrastruktur braucht, sprich die Almhütte oder das Cafe für die Mittagspause und ein entsprechendes Quartier in der Nacht. Damit ist dann aber alles zwischen Alpencross und Kringeln in Graubünden möglich.



    Derzeit würde ich mir wohl gerne ein nettes AllMountain-Fully kaufen, wenn ich damit dann auf Tour gehe, habe ich kaum eine Alternative, als das böse Hotel, ggf. noch die vertretbare Berghütte.


    Wenn dann HIER zu viel die Nase gerümpft würde, bzw. solche Berichte nicht erwünscht wären / sind, dann müsste ich mir halt ggf. andere Plattformen suchen. Problem wird dann nur sein, für das radreiseforum trage ich das Rad zu viel ... für das MTB-News-Forum (IBC) fahre ich viel zu wenig "MTB" und viel zu viel "Forstweg"
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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #13
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  14. AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #14
    Zitat Zitat von HaegarHH Beitrag anzeigen
    Tja, schwere Frage und ich finde sie noch nicht mal so eindimensional zu beantworten.

    Auch wenn ich ggf. den weiteren Tagen etwas vor weg nehme, aber so richtig gut war fast keine Übernachtung, es gab schon die eine oder andere Nacht, in der ich mir mein kleines, muckliges Zelt und meinen kuscheligen Schlafsack gewünscht hätte andererseits hätte ich wohl nach 3-4 Nächten mit DEM Wetter dann mit klatschnassem Zelt und klammen Schlafsack da gestanden und es lange nicht mehr so behaglich gefunden, wie in meinen Vorstellungen. Ich liebe es auch einfach Abends vor oder in meinem Zelt zu sitzen, zu kochen, Ausblick und Natur geniessen, …all das ist mir auch in Portugal abgegangen.


    Andererseits war auf der Tour das Problem auch einfach, dass das Wetter und die Infrastruktur fast nirgends zusammen gepasst haben. Während z. B. in Tirol oder Graubünden wohl in jedem Restaurant der Kamin geprasselt hätte, die Zimmer einen mit einem Schwall überheizter Warmluft begrüßt hätten und es vermutlich in jedem Hotel einen Trockenraum und in einigen wohl noch Schuhtrockner gegeben hätte, so gab es das alles SO in Portugal überhaupt nicht. Auch die fehlende bzw. unbehagliche sonstige Lage hat den Eindruck nicht gebessert, diese ehemaligen Restaurants, i. d. R. völlig unbeheizt und damit meist kälter als draussen und ohne jedes Essensangebot, haben einfach die Sehnsucht nach einer gut geheizten Almhütte aufkommen lassen.
    Das ist uns schon vor 10 Jahren so ergangen, und das nicht tief im Hinterland, sondern direkt an der Küste zwischen Lissabon und Porto. Die Häuser, auch die Hotels sind für den Sommer gebaut. Dann sind sie schön kühl. Eine Heizung gibt es ganz selten. Wer Wärme benötigt, dreht die Klimaanlage hoch, die meist kläglich versagt. Wer nicht in der Hochsaison (Juli u. August) Urlaub macht, muss sich darauf einstellen, dass die Bude oft kalt ist.

    Ebenso war das mit dem Essen. Entweder nix, kalt oder da wo die LKWs stehen. Das war der Vorteil unserer Strecke: Hauptverkehrsadern waren nie weit weg.

    Tief im spanischen Hinterland ist/war es ähnlich. Da gibt es noch Tante Emma Supermercados, die lagern in versteckten Winkeln die bis in die 80er oft anzutreffenden Metallschalen für das Holzkohlefeuer unterm Küchentisch.

    Zitat Zitat von HaegarHH Beitrag anzeigen
    Das Reiserad - alles dran, alles dabei. Auch für einen gewissen Komfort, da ist es z. B. kein Thema auch noch den großen Trangia in den Frontroller zu stopfen und wenn nicht zu viele Klamotten dabei sind, auch noch den Helinox hinten mit rein. Entweder packe ich entsprechendes Essen wie in den Trekkingrucksack mit ein, oder ich finde immer noch das eine oder andere Eckchen Platz, um unterwegs am Supermarkt nachzuladen. Dann Abends auf dem Campingplatz oder auch mal irgendwo unterwegs Luxus pur, vor dem Zelt sitzen, richtig kochen, geniessen.


    BikePacking - da wird es schon eng und es fährt sich schlechter, als MTB "alleine", wenn per MTB. Auf jeden Fall ist man i. d. R. schneller und agiler als mit dem Reisdampfer. Damit sind anspruchsvollere Etappen einfacher möglich, je nach Rad auch Strecken, die sonst überhaupt nicht möglich wären. Dafür ist man deutlich eingeschränkter, deutlich mehr in die Richtung der "UL"-Wanderer.
    Ohh, vermintes Gelände (meine Frau zeigt immer auf die vollen Ausrüstungsschränke), denn ich möchte, will, Quatsch, MUSS! auch um- oder aufrüsten, bzw. abrüsten. Mit dem Reiserad wie du, mit max. 15 Kilo Gepäck (Zelt, etc., Kocher, Chair one), habe ich einige lange Touren gemacht. Passt eigentlich. Jetzt tendiere zum Bikebacking ohne Lenkerrolle und ohne Rahmentasche. Mit reiner Bikepacking-Lehre wird das nicht gehen. 2015 war ich mit 6 Kilo (alles außer Kocher und Sitzgelegenheit) unterwegs. Weil die üblichen Seat-Packs versagen, wenn 6 Kilo hinein müssen, hatte ich mir einen leichten Gepäckträger besorgt, dazu den leichtesten wasserdichten Packsack von Ortlieb. Einmal quer über den Gepäckträger gelegt, Zelt drüber, Expandergummi stramm gezogen, fertig. Schön ist das nicht, erfüllte aber seinen Zweck. Das sitzt bombenfest und ist nicht breiter als mein Hintern - und der ist schmal.
    Geändert von Werner Hohn (03.04.2018 um 17:38 Uhr)
    .

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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #15
    01.03. Salir - Silves ... vom Regen auf die Straße gespült
    38,66km - 3:00 - 495Hm

    Schon während der gestrigen Etappe habe ich mich gefragt, wie es weiter gehen soll. Den Abzweig zu dem verlockend nahen Faro erfolgreich ignoriert. Andererseits sind die aktuellen ViaAlgarviana-Etappen wirklich fordernd, nicht nur die Hm als solches, sondern auch die wirklich extrem steilen Anstiege auf dem ausgesprochen undankbaren Boden, da schon lieber in den Alpen jeden Tag 1, 2 Pässe schon in Ruhe "hochkurbeln". Dazu kommt das Wetter, dass einfach Kraft kostet, sowohl körperlich, als auch mental. Hier stellt es sich auch als Problem da, die Tour mit den Hotels schon komplett vorgebucht zu haben, ansonsten hätte ich z. B. in Silves wohl spontan einen Ruhetag eingelegt.

    Das geheizte Zimmer, die ausgiebige Dusche und auch der Abend im warmen Restaurant haben gut getan und Akkus wieder aufgefüllt, andererseits sind mir die beiden folgenden Etappen um Monchique herum wirklich wichtig und so habe ich mich gestern Abend schon entschieden den einfachen Weg zu wählen.

    Statt im Bogen und mit Schlenkern durch die Berge mit 64km und ca. 1950Hm beschliesse ich der Straße zu folgen.



    Während Morgens einige Male kurz die Sonne ins Zimmer strahlt, ziehe ich bereits für die 10m zum Frühstücksraum die Regenjacke über. Das Frühstücksbuffet ist über reichlich, das beste auf der ganzen Reise. Während der Reservierung fand ich den Preis von 45,- für Übernachtung / Frühstück doch schon heftig, verglichen mit den Preisen in den Tagen davor und danach, aber sowohl das Apartment, als auch das restliche Haus, die Betreuung und DIESES Frühstück rechtfertigen ihn wirklich.

    Während ich versuche zumindest sichtbare Spuren der Vernichtung zu hinterlassen, laufen in den Lokalnachrichten Berichte über Bäume auf den Straßen - einen Moment glaube ich sogar meine Straße von gestern zu erkennen - von Hängen die komplett auf Landstraßen gespült wurden, usw. Sowohl meine Wetter-Apps, als auch die Infos der Gastgeber bestärken mich in der Entscheidung, die Straße zu nehmen.

    Die kleinen Abwasser-Rinnsale in Alte sind nur unwesentlich überlastet


    Mittlerweile hat der Regen nachgelassen, tlw. kräftiger Wind, aber das ein oder andere Mal erkenne ich sogar meinen Schatten auf der Straße.

    Das biciArte Cafe germano in Alte erregt meine Aufmerksamkeit …

    drinnen eine coole Mischung aus Radladen mit einem gemischten Sortiment an "Mittelklasse"-Ersatzteilen, Radmuseum und Cafe. Leider sind weder die anwesenden Besucher noch die unfreundliche Bedienung radaffin, ich werde wohl eher als störend wahr genommen. Der Kaffe wird von einem röchelndem Billig-Vollautomaten ausgespuckt und dem entsprechend schlecht ist er, die 80 Cent verbuche ich unter Beitrag zum "Museum"


    Hinter Alte reisst dann der Himmel wirklich auf und es kommt die Sonne raus


    irgendwann kann ich sogar die Regenhose wegpacken, mit offenen Reissverschlüssen ist die Regenjacke aber immer noch angenehm zu tragen, der Wind ist kräftig und frisch. Die "tertiary roads" von OpenMTBMap sind eine wilder Mischung aus eher Trails, Wirtschaftwegen und viel Schotterstrecken, eigentlich ganz nett zu fahren und viel weniger Verkehr auf der schon recht ruhigen Hauptstraße bis Alte.

    Weite Orangenhaine sind nicht nur schön zu sehen, sondern geben so ein Gefühl vom in Süden angekommen Ein größerer Teil gehört scheinbar zu recht großen "Plantagen" und hier gibt es offensichtlich fast überall recht grimmige Herren auf Cross-Moppeds oder Quads, die immer mal wieder zwischen den Baumreihen auftauchen und scheinbar darauf achten, dass ich meinen Weg auch brav fortsetze. Die Idee der "Selbstversorgung mit Vitamin-C" gebe ich auf, fühlt sich gerade nicht soooo gut an

    Dafür lerne ich neue Naturphänomene kennen ... der Boden ist tlw. übersät mit Früchten, die von den Wind tlw. über den Boden getrieben werden, wenn man dann aber wieder regelrecht in Wolken von vorbeifliegenden Mandarinen steht, DANN weiss man, der Wind hat gerade wieder aufgefrischt


    Bei der Planung gar nicht gemerkt, aber auf einmal befinde ich mich dann doch auf der Via Algarviana …

    dann kann ich wenigstens auf für den Tag "MTB auf der Via Algarviana" als Werbung stehen lassen ... der Weg wird danach sogar noch so schlecht, dass ich den Rucksack aufsetze und den Sattel tlw. runterstelle.


    Auch wenn die Bilder "Sonne" rufen, so ziehen doch immer mal wieder kurze, aber heftige Schauer durch und Sitzgelegenheiten sind fast gar nicht vorhanden bzw. 2 Bänke unterwegs von Hunden bewacht. Da kommt mir die Bushaltestelle im Nirgendwo gerade recht …


    Zeit für Mittagspause, Ausziehen, Essen raus, Wind bläst Regen in die Bushaltestelle, also wieder Anziehen, …nach dem zweiten Mal beschliesse ich einfach die Regenjacke anzulassen und erstmal zu essen. Allerdings bin ich wohl am Time Square der portugiesischen Pampa gelandet. Ich habe selten unterwegs SO viel Verkehr und Menschen in so kurzer Zeit erlebt, wie in den 20 Min. Pause, einige scheinen sich regelrecht mittendrin zu materialisieren, keine Ahnung wo die herkommen oder gar hinwollen.

    Die Pause nutze ich auch, den Thule Gepäckträger wieder richtig zu befestigen. Der Evoc ist deutlich länger (zum Glück!) deshalb sind die Hebelverhältnisse ziemlich schlecht und das macht der Thule diesmal nicht so klaglos mit. Der Evoc trägt sich beim Fahren, insbesondere beim richtig MTB-fahren deutlich(!) besser als der etwas zu kleine (wegen Rückenlänge) Trekking-Rucksack der Alpentour und mit den ca. 10-12kg Zuladung stellt es auf dieser Tour kein Problem dar, ihn den ganzen Tag auf dem Rücken zu haben. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass natürlich die Anstiege deutlich kürzer sind und bei aller Bröseligkeit der Belag deutlich weniger in den Rücken prügelt … ich denke auch das trägt dazu bei, das der Rucksack "tragbar" ist.

    Hier entscheide ich mich aber rein aus Komfort, ihn wieder auf den Gepäckträger zu schnallen, mit Regenjacke ist das Klima OHNE Rucksack natürlich deutlich luftiger und angenehmer.

    So langsam ist die Fahrerei langweilig, die Gegend wirkt eher nach (Agrar)-Industriebezirk, mehrfach werden Autobahnen, Schnellstraßen über- oder unterfahren, größere Plantagen, verfallene Werkshallen, … und tlw. verläuft die VA auch hier durch. Wenn ich mir vorstellen würde, hier einen ganzen Tag lang laufen zu müssen … *gruselig*

    Aber nach insgesamt nur 3h erreiche ich Silves


    Hier bin ich 2015 zu meiner Wanderung gestartet, damals sogar auch noch im Regen. Daher kenne ich aber z. B. das Hotel vom Vorbeilaufen und habe es mir bewusst ausgesucht und bekomme sogar das "Top-Zimmer" unterm Dach mit Blick auf Kirche und Festung vom Bett aus ... während ich ca. 15 Min. die Sonne auf der Dachterrasse in Radshorts geniesse, kann die Klimaanlage schon mal die 14° Raumtemperatur etwas wohnlicher machen.

    Irgendwann mache ich mich auf zur geplanten Runde durch die Stadt, lasse noch einen kräftigen Schauer bei eher schlechtem Kuchen in einem "Touri"-Kaffe vorbei ziehen


    Leider ist die Kirche in einem eher gruseligem Zustand, die eine Seite ist von Schimmel komplett schwarz

    König Sanchos hat sich seit meinem letzten Besuch nicht bewegt

    die Festung hat schon zu, macht aber nix, habe ich 2015 schon gesehen


    Das war damals einer von zahlreichen weiteren Fehlern, die dann zu echten Problemen auf der Wanderetappe geführt haben

    Heute wundere ich mich über Kirchentüren ohne Griffe oder Möglichkeit sie zu öffnen


    und bewundere zahlreiche wunderschöne Griffe an anderen Türen


    Nur um dann ein traumhaftes Cafe zu finden

    und das draussen aufgestellte Plakat mit den ganzen Kaffeevariationen verspricht nicht zu viel, der Flat White ist und ich kann mit den beiden hinter der Theke ein wenig Fachsimpeln ... die Preise entsprechen dann auch den und sind auf Hamburger Niveau

    Nachdem mir die Wäscheangebote mit Boxershorts für 2,50 nicht sooo ganz geheuer waren, finde ich in einem sehr alt wirkenden Wäscheladen, also Unterwäsche, Damenartikel, Schlafsachen in alten Holzregalen mit unzähligen Schubladen tatsächlich eine neue Schlaf-Boxershorts. Das Gespräch ist Herausforderung, man legt mir eine Größe 4 hin "Made in …" (ich glaube sogar P oder F) für 12,90 …

    Nein, ich brauche eine größere!
    Sind 10,90 ok?
    GRÖSSER nicht billiger!
    Äh, Größe 5 hier für 9,- Euro????

    … irgendwann wird eine weiße in 7 gefunden, das Etikett sagt 12,90

    Haben sie die auch in anderen Farben?
    Sind 10,- Euro ok???
    NICHT WEISS!!!!
    8,- Euro???

    Na gut, ich gebe auf, der Versuch die eigentlichen 12,90 zu zahlen scheitert natürlich auch, die beiden reizenden Damen erklären noch, wenn ich nicht zufrieden bin, so dürfe ich jederzeit damit zurück kommen …

    Eigentlich bin ich schon ein wenig erschüttert, wie schlecht es doch den Menschen hier finanziell in Wirklichkeit gehen muss, wenn selbst in so einem Laden so an den Preisen gedreht werden muss …aber das ist wohl ein ganz anderes Thema



    Trotz dieser exklusiven neuen Schlafbekleidung kann ich mich Abends noch einmal aufraffen und gehe in einer wirklich coolen Currasqueira Hühnchen essen, eigentlich ist das "Restaurant" in den verkleideten Arkaden eines Hauses, draußen auf der anderen Seite des Gehweges ist in einem Unterstand ein großer Grill, es ist brechend voll und in bester Stimmung wird hier getafelt …DAS ist genau das Ambiente, was ich vor dem Urlaub vor Augen hatte …TOP!
    Geändert von HaegarHH (03.04.2018 um 23:24 Uhr)
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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #16
    02.03. Silves - Monchique: Über 7 Flüsse musst Du gehen … das Bergtrikot ruft!
    34,4km - 5:12 - 1158Hm

    Es gibt Tage, die fangen schon an total aus dem Ruder zu laufen, noch bevor man es selber realisiert. Dann gesellen sich

    • Selbstüberschätzung: na 5km/h wandere ich doch locker!
    • unerwartete Probleme: heftiges Umknicken in erprobten Wanderschuhen auf eher einfachem Terrain
    • Wetter, das ganz anders kommt: deutlich wärmer und viel schwüler als erwartet
    • falsch bewertete Ausrüstung: Der BACH Shield 45 ist toll, aber sein Tragesystem ist für deutlich über 15kg nicht ausgelegt
    • Klare Fehler: Dadurch viel zu wenig Wasser für die Temperaturen und die Strecke dabei, für das meisten Essen hätte ich aber Wasser gebraucht und nix eingekauft, weil dann nicht wie erwartet irgendwas offen hatte, …

    und es summiert sich zu einer echten Niederlage …so geschehen in der Weihnachtszeit 2015

    Meine Lektionen habe ich gelernt und meistens befolge ich sie auch. ABER eine Rechnung ist da noch offen

    Die MTB-Etappe für den Tag geht von Silve über Picota, Monchique, (nicht ganz - auch bekloppt!) Fióa bis nach Marmelete …fluffige 43km bei 1.709Hm. Mal davon abgesehen, dass Monchique ein wirklich nettes Städtchen mit verführerischen Bäckereien und leckeren Restaurant( vermutlich "…s" aber ich war bisher immer nur in dem einen ) und daher gerade zu einer Übernachtung einlädt, Marmelete demgegenüber eher "überschaubar" ist, ist die Idee die Etappe an einem Tag zu versuchen …sagen wir mal ambitioniert

    Btw. selbst die Wanderetappe bis nach Monchique von 30km und angegebenen 956Hm ist zum Wandern IMHO extrem ambitioniert! Trainiert, erfahren mit DEM Gelände, möglichst früh (im Sommer) los und dann nix schief gehen, das mag funktionieren. Allen anderen sei gesagt, dass es mittlerweile ca. 300m von meinem Freundschafts-Notfall-Zeltplatz in Fornalha (also im eigentlichen Aufstieg zum Picota nach ca. 20-23km) ein B&B gibt.

    Mit all den Überlegungen im Kopf hatte ich mich entschieden, von nun an von den Via Algarviana BTT-Etappen abzuweichen, mit anderen Worten, für heute war Silves - Monchique geplant. Auch weil ich dann dachte, ggf. noch 1-2 kleine Ründchen ohne Gepäck um Monchique machen zu könne …sprach ich schon mal von Selbstüberschätzung, Wetterkapriolen, …

    Wecker klingelt um 7:00 Uhr Regen trommelt ans Fenster, genau SO muss ein Tag starten 8:15 Uhr der Frühstücksraum ist leer, 8:30 der Frühstücksraum ist nicht mehr leer, … 9:00 es geht los, sauber im Plan

    Direkt hinter dem Ortsausgang von Monchique wähle ich trotz GPS, bekanntem Weg, … die falsche Straße an einer recht spitzwinkligen Gabelung und keuchte den Berg hoch, Puls 150, warmgefahren ganz oben stelle ich fest, das ich a) falsch bin und b) die Pfade auf dem GPS vielleicht noch zu Fuss funktioniert hätten, aber tlw. nicht mehr existent sind. Ich bin nicht mal sicher, ob sich da u. U. sogar erst im Regen der letzten Tage etwas aufgelöst hat, manche Flanken sehen extrem frisch aus. Die Abfahrt ist um so schneller erledigt und schon bald stehe ich an dem üblichen "Beginn" dieser Etappe



    es gibt zahlreiche Fotos hier in Berichten, die diesen Bach und den Wegweiser zeigen und ich habe dort selbst schon mal den ViaAlgarviana-"Tag" gestartet. Heute aber beschliesse ich, es bleiben zu lassen ... auf dem Bild mag es nicht so rüber kommen, aber die Stelle ist richtig tief, da komme ich nicht rüber, weiter oben und unten ist es tlw. vom Uferbereich schlecht bzw. einfach dann sehr breit zum "Furten", btw. auch einer der Wegweiser-Pfosten treibt stromabwärts in einem Busch. Zum Glück weiss ich, dass die Via Algarviana kurz darauf die Straße wieder kreuzt, von der ich gerade eben abgefahren war. Also zurück auf die Straße und weiter.

    Dann irgendwann runter von der Straße und den nächsten(?) Bachlauf locker durchfahren, gefühlt nur wie eine große Pfütze. Der Regen hat aufgehört, der erste richtig knackige Anstieg des Tages kommt, diesmal nicht so unerwartet, wie noch 2015. Also fahre ich noch am Bagger vorbei, der gerade dabei ist die gröbsten Schäden am Weg zu beseitigen und die gröbsten Brocken von diesem runter zu bekommen und ziehe die Regenklamotten aus.

    250m weiter mit der Frage: WARUM???? WAS habe ich getan???? im Kopf lege ich das Rad ab und werfe so schnell es geht ALLES an Regenklamotten über, was ich finden kann. Wo kann nur so schnell so viel Wasser herkommen Die Bekleidung wird bis zum Eintreffen des Hotels nicht mehr geändert.

    Irgendwann erreiche ich den von mir so genannten Weg über die "7 Hügel"

    sind aber viel mehr … hier war 2015 noch ein einfacher Unterstand von Schafen, heute ist ein Aussichtsturm in der Premiumklasse errichtet

    In ständigem Auf und Ab zieht sich er Weg über die Hügel dahin, manche Abfahrten sind wirklich steil

    und der Belag ist wieder in dieser durchweichten Konsistenz, von "niemals bremsen!" geht aber gut, dafür gehen die Gegenanstiege gar nicht gut, ausrollen lassen, versuchen zu treten, Rad hat NULL Grip, runter vom Rad 200m schieben, rauf aufs Rad, Sattel runter, … usw. usw. irgendwann gebe ich auch die Versuche auf, wenigsten noch ein paar Meter zu treten, lasse ausrollen und schiebe gleich.

    Zwischenzeitlich hat der Wind aufgefrischt, derbe Böen schlagen tlw. ein und ich bin froh, dass das hier WEG und nicht SINGLETRAIL ist


    2015 habe ich noch genau an DIESER Stelle gestanden und mich gefragt, was ich hier wohl mit dem Reiserad gemacht hätte und ob man es wohl mit dem MTB fahren könnte …

    das erste Stück ist mir zu heikel, ab ungefähr den engerstehenden Büschen steige ich auf und fahre, tlw. richtig Bach, tlw. richtig rumpelig. Hier hätte Jürgen mit seinem Terra wohl wieder schwer geflucht (Anm. des Autors der Bericht wird im Radreise- & Fernradler-Forum "gespiegelt") …aber mit der Pike am Bike läuft es endlich mal spassig

    Der Weg endet bekannter weise an einem kleinen Staubecke, dort längs, um die Ecke, kurz runter, kleiner Bach …äh …also war es mal. Eher so ein Rinnsal, nicht mal die Wanderschuhe waren richtig nass.

    (Das Bild zeigt den Rückblick!)

    Jetzt ist mir der Bach einfach zu ungewiss, um mit dem Rad durch, so wie bei den ersten beiden Situationen, zu schnell, zu tief und irgendwas in meinem Kopf meint sich noch an dicke Steine zu erinnern. Also runter vom Rad und zu Fuss durch. Im zweiten Schritt sind natürlich meine GoreTex-Schuhe voll, 3 Schritte weiter haben auch die SealSkinz-Socken aufgegeben, das Wasser ist deutlich mehr als knietief.

    Kurze Zeit später habe ich eine verfallene "Alm" erreicht

    beim letzten Mal ist mir die kurze Rast von Millionen von Fliegen vergrault worden, heute bleibe ich allein. Schuhe, ausgiessen, Socken aus, beidseitig auswringen und während die Füße sich über die viele Frischluft wundern gibt es einen Energieriegel.

    Irgendwann bin ich oben und habe Fernblick, also hätte, auf das Tal des Ribeira De Odelouca und das "Massiv" des Picota

    so sehe ich nur dicksten Wolken in Windeseile vorbei ziehen.

    Irgendwie hatte ich mich ja ein wenig gefragt, ob mich schwarzer Hund wohl wieder adoptieren würde, aber leider zeigt er sich nicht mehr wahrscheinlich nimmt er mir immer noch die eher unschöne Trennung vom letzten Mal übel …SORRY

    Die folgende Abfahrt ist fein und sehr schnell ... unten an der Hauptstrasse gibt es erstmal einen Haferflockenriegel und ich versuche die springende Schaltung in den Griff zu bekommen. Angesichts des Wetters prüfe ich mal vorsichtig die Optionen, die sich hier bieten würden, links rum Straße …ach nee, rechts rum Straße …hmmm, will ich auch nicht. Erwähnte ich schon meine tolle neue schottische Regenjacke und dass da noch eine Rechnung …

    Also weiter, der Straße dann doch ein überraschend langes Stück folgen und dann rechts ab. Schon beim Wandern hatte ich das Gefühl, dass hier eine spürbar andere Vegetation ist, alles enger, grüner, "fetter", dichter zusammen, …und sowohl die Karte schreit es mir entgegen, als auch von der Erinnerung weiss ich, dass ich nun in diesem Tal dreimal hintereinander den Ribeira De Odelouca furten muss.

    2015 war das noch eher aufregend-niedlich und das Wasser war nicht wirklich tief, also schwarzem Hund ging es nur bis an die Schultern

    Damals die Schuhe so eng wie möglich zu, die Lundhags fest über den Tatra GTX zugeschnürt und mit ein paar schnelle Schritten durch, da waren die Schuhe sogar noch trocken innen drin.

    Die erst Furt …

    hier ist die Challenge den passenden Moment abzuwarten, an dem kein ganzer Baum oder große Äste vorbei treiben. Die Idee mit dem Rad auf den Schultern verwerfe ich mal lieber aus Sicherheitsgründen, also Rucksackgurte auf und los.

    Das Wasser ist mehr als kniehoch, drängt und drückt am Rad und ist richtig schnell, das kurze Stück kommt mir immer länger vor. Doch weiter, die Schuhe brauche ich gar nicht trocken legen …



    Hier bin ich an der anderen Seite noch nach links bis zu dem großen Stein und dann tlw. etwas ausserhalb des Bildes lang, die eigentliche Furt wäre nochmals deutlich tiefer und strudeliger geworden. Ich zeige sogar Lerneffekt und nehmen diesmal das Rad auf die Seite in Flussrichtung, dass Zerren ist nicht schön, aber das Gehen deutlich sicherer.

    Vor der Furt 3 frage ich mich dann einen kurzen Moment, ob ich nicht u. U. doch durch die beiden anderen zurück gehen sollte

    Btw. DAS ist die Gegenrichtung zu dem Bild mit schwarzem Hund oben und ich stehe etwas oberhalb der 5 Bäume, der gesamte Kiesstreifen, auf dem der Hund steht Fluss, die andere Seite Fluss …tiefer Fluss das Sitzpolster in der Radhose unter der Regenhose bleibt nur mit etwas Glück trocken.

    Nach der dritten Furt kommt der spassigste Teil des Tages, deshalb jetzt erstmal Pause und trocken legen, was trocken zu legen geht. Schuhe aus und auskippen, die Einlegesohlen auswringen, die Socken aus, beidseitig auswringen, alles schön auslegen und ein wenig Pause. Das Prasseln lässt mich fragen, was da wohl jetzt den Fluss runter kommt, nähert sich dann aber aus der anderen Richtung …und ist Regen, also nicht so läppischer Regen, sondern REGEN! In Sekunden sind die Socken, Einlegesohlen, Schuhe, sogar die Füsse nasser als sie nach dem Fluss waren …also versuchen irgendwie nochmal auszuwringen und so anzuziehen, dass es wenigstens etwas trockner ist. Btw. das Tragegefühl der SealSkinz war auch nass überraschend gut, ich habe mir noch überraschender danach keine Blase gelaufen und irgendwann später waren sie sogar innen drin eher als trocken zu bezeichnen …nicht schlecht!

    2015 liesst sich der Reisebericht dann so:

    Doch was danach kommt, wird für mich richtig hart und schmerzhaft. Mittlerweile nur noch kleine Pfade, eigentlich sehr schön, endlich keine Straße mehr, aber stellenweise schlammig, stellenweise eher kleine schlammige Bachläufe. Zu meinen Füßen wohl so viel Wasser, wie mir gerade über die Stirn fließt. Es ist so steil, dass ich tlw. die Hände zu Hilfe nehmen muss.

    Ja ich wusste es und hatte mich darauf eingestellt. Das bergauf- und bergab schleppen und tragen und fluchen des Rades auf meiner Alpentour war ja auch kein soooo schlechtes Training

    aber trotzdem wird es hart, richtig hart. Etwas weniger Schweiss auf der Stirn, dafür deutlich mehr Bach auf dem Weg. Tlw. ist der Bewuchs so eng, dass ich mit dem Rad auf den Schultern nicht mehr durch komme, immer und immer wieder muss ich vor und zurück, um Äste und Ranken aus den Speichen oder sonstigen Teilen heraus zu bekommen. Tlw. auf dem Hinterrad vor mir herschiebend, tlw. frei neben mir tragend, tlw. wieder auf die Schultern …es geht voran.

    Irgendwann bin ich, mittlerweile streckenweise sogar schon wieder fahrend, oben

    und geniesse den tollen Ausblick auf den Albufeira De Odelouca und stelle zufrieden fest, wie hoch ich schon wieder gekommen bin.


    Um 13:45 erreiche ich das Bushäuschen von Fornalha, ca. 45 Min. früher als grob erwartet …damals mit Einbruch der Dunkelheit sass ich hier und wusste nicht weiter. Es kamen div. nicht sehr freundliche, große Hunde auf mich und schwarzen Hund zugestürzt und die Besitzer haben mich dann irgendwann "eingeladen" auf Ihrer Wiese zu zelten und mir von Ihrem Wasser erzählt und gebracht, dass Super Qualität hat, weil es direkt oben aus einer Quelle am Berg stammt (stammen soll) …DANKE!

    Und während ich nun da sitze und die Reste meine Frühstückskorbes und Chorizo und Gelpacks in mich rein stopfe, kommt oben aus dem Haus eine junge Portugiesin mit Baby auf dem Arm, beäugt mich zuerst misstrauisch, kommt dann aber näher zu mir und fragt auf Englisch, ob ich Wasser brauche …

    "Ja, ich weiss, das bester Wasser der Gegend, direkt aus einer Quelle am Berg …aber, danke nein, diesmal habe ich noch mehr als genug!"

    Sie macht große Augen und als ich frage, ob immer noch der Belgier hier wohne noch größere Ja, das ist ihr Mann und der Vater und als ich erzähle, entsinnt sie sich sogar, dass er von dem bekloppten deutschen Wanderer erzählt hatte, der kurz vor Weihnachten vor der Tür saß und sich fragte, ob er im Dunkeln noch weiter gehen solle …tssss, wer macht denn sowas

    Sie wünscht mir eine gute Reise und will auf jeden Fall Ihren Mann von mir grüßen, aber ich muss weiter.


    So steil und steinig und lang hatte ich den nun folgenden Anstieg gar nicht mehr in Erinnerung, ist er aber und mittlerweile schiebe ich das eine oder andere Stück mehr, ich merke schon, was ich heute schon hinter mir gelassen habe. Irgendwann bei den paar Häusern bei den alten Korkeichen erhasche ich wieder den ersten Blick auf den Picota


    Nach weiteren Hm die Ihren Tribut fordern, erreiche ich den Eukalyptus Wald

    So richtig lustig ist es hier nicht, überall liegen massweise Rindenstücke der Bäume herum und jeder Windböe, die hier im Minutentakt langfegt lässt sie wild durch die Gegend fliegen …ich sag ja immer, HELM TRAGEN, BESSER IST DAS


    Nun ist zwischen den Wolken sogar immer mal wieder schon der Turm auf dem Gipfel zu erkennen


    Danach ist ohne den Schlenkern der Via Algarviana - die auch unterhalb des Gipfes den Hang quert(!) - der Parkplatz schnell erreicht. Ab hier kommt die zweite bekannte Tragestrecke des Tages, auf den Gipfel muss man das Rad von hier tragen. Na ja, trägt man üblicher weise das Rad, also zumindest die Bekloppten, die das Rad mit hoch nehmen wollen

    Also Rad auf die Schultern und los geht es. Nur wenige Schritte später fegt mir der Sturm das Rad das erste Mal von den Schultern, ich kann gerade noch verhindern, dass es so richtig runter fällt. Also neue Anlauf, konzentriert, festhalten, voran kämpfen …Ich trete hinter einem Busch hervor, mache dabei einen sehr hohen Schritt, nicht wirklich sicher, der Sturm trifft mich voll und der unbewusste Schritt nach links hinten geht ins Nichts zum Glück rutsche ich quasi in den Busch bzw. mit dem linken Bein zwischen Busch und Fels, das Rad liegt oben auf dem Busch und den Felsen und ich stelle fest, dass ich mir wunderbaren Weise nicht ernsthaft etwas dabei getan habe Aus der Lage befreit beschliesse ich nun, das Rad nicht weiter zu tragen, sondern kämpfe mich handbreit um handbreit das Rad vor oder neben mir herstellend nach oben. So ein Aufstieg kann verdammt lang werden



    Im Windschatten der Landmarke sitzt ein älteres kanadisches Pärchen und begrüsst mich mit
    "CRAZY! You're completely crazy! Never seen someone doing such a crazy thing …" na gut, die haben mich ja letztes Jahr in den Alpen nicht gesehen, dann lasse ich das mal ausnahmsweise so gelten und bedanke mich artig "I know …thank you!"

    Ich kann sie sogar überzeugen ein paar Fotos von mir auf dem Gipfel zu machen, dabei fragen sie, wo ich denn hinwolle. Na ja, da runter aber doch nicht mit dem Fahrrad und überhaupt seien sind in der Touristinformation gewarnt worden, wegen des Sturmes überhaupt auf den Picota zu gehen und ich bin mit dem Rad hier usw. …Ich zeige meine Knieschoner und sie sind von meinem professionellen Ansatz beruhigt


    Heute ist aber nix mit Meerblick

    Ja, meine Knieschoner … Ich hatte lange überlegt, ob ich die mitnehme und unterwegs hätte es 1-2 Stellen gegeben, wo ich sie zumindest im Nachhinein gesehen, vielleicht hätte anziehen sollen, zum Glück ist ja nix passiert. Aber eigentlich habe ich die 360g die ganze Zeit mitgeschleppt, weil ich nun fahren wollte

    Ok, die ersten paar hundert Meter hatte ich auch nicht mehr so extrem steil und schwierig in Erinnerung. Andererseits war ist in diesem Moment auch egal, weil ich wäre wegen des Windes sowieso nicht auf das Rad gekommen und wenn sehr schnell wieder ungewollt runter. Also erstmal zu Fuss den Abstieg angehen. Dabei "rette" ich dann noch die Kanadier, die sich hoffnungslos in dem Hang verlaufen haben, u. a. weil sie nicht erkannt hatten, dass es hier kleine orangene Markierung gibt und nicht die rot-weissen der Via Algarviana und sich die uralte Garmin Forerunner als viel zu ungenau herausstellte. Als ihnen klar war, wo sie lang müssen, kann ich auch endlich aufs Rad steigen und wenigsten noch einen kleinen Teil der "Slick Rock"-Abfahrt machen.



    Danach folgt ein netter (Single)-Trail immer weiter bergab, bis ich auf den mir schon bekannten Wegweiser treffe. Ab hier beginnt die eigentliche Abfahrt nach Monchique und ab hier beginnt auch ein "Revier", in dem ich mich so richtig wohl fühle und es sich für meine bescheidenen Fähigkeiten so richtig nach MTB-fahren anfühlt …Singeltrail im Korkeichenwald

    Tlw. recht eng, tlw. ein wenig verblockt, …aber für mich immer fahrbar.

    Nächster Stop …Enchidos Tradicionais Fátima Varela die beste Wurst der Algarve …die Chorizo ist toll, aber der Knaller ist die Morcela …Zwei kleine Ringe bitte, ja klar, jeweils! …Wo kommen sie denn her? …Picota also von Silves, hoch auf den Picota …und DA reichen zwei kleine??? …ja, mehr passt nicht in den Rucksack

    Danach gibt es nur ein Ziel, auch wenn die Oberschenkel brennen, der Hunger am liebsten jetzt sofort die Morcela kosten würde, es muss noch ein kleines Stück weiter gehen. Nach den eher enttäuschenden letzten Tagen, sollen jetzt die Kalorien pur kommen, also hoch den Berg, rein nach Monchique, um den Platz, nächsten Anstieg, durch den Kreisverkehr …sie haben Ihr Ziel erreicht Pastelaria Doce & Arte

    Draussen prasselt mal wieder Regen, ich vernichte im Warmen genussvoll Kalorien …meine Garmin teilt mir mit, dass ich heute bisher ca. 4.700kcal verbraucht habe, da geht noch locker ein 2. Stück

    Danach das Hotel suchen, was gar nicht so einfach ist, weil es sowohl mein Garmin, als auf alle Varianten auf dem iPhone es ganz woanders verorten. Der Betreiber bietet mir erstmal sofort an, dass ich mein Fahrrad doch bitte NICHT unten lassen soll. SO ein Fahrrad lässt man nicht auf der Straße stehen, also kommt es die enge steile Treppe mit hoch und bekommt einen warmen und bis dahin trocknen und sauberen Platz im 1. OG. Das Zimmer ist klein, ein wenig verwohnt, es gibt nur einen röchelnden Heizlüfte, aber ich freue mich gerade endlich im Trocknen zu sein und auf die heisse Dusche.

    Danach noch ein paar Sachen auswaschen, der Heizlüfter wird sie tatsächlich trocken gebrüllt bekommen.

    Metzgerei …check! Pasteleria …check! Hm, irgendwas fehlte da doch noch An diesem Moment liebe ich es, einen Ort zu kennen und mich nicht nur fluchend am Berghang das Rad tragend schon zu freuen, sondern eher meine wochenlange Vorfreude mehr als erfüllt zu bekommen

    2015 bin ich - damals von einer Engländerin, die mich komplett ignorierend, was u. U. an meinem Schüttelfrost in dem Moment gelegen hat, vom Fióa per Auto wieder zurück nach Monchique gebracht - eher durch Zufall in ein von aussen eher unscheinbares Restaurant gestolpert. Drinnen sassen 2 portugiesische Weihnachtsfeiern und der freie Blick in die Küche, in der zwei Köchinnen Pommes in der Hand "geschnitzt" haben und es in allen Ecken und Enden aus Töpfen dampfte und zischte, war mehr als verheissungsvoll. Es war damals ein toller Abend mit super Essen …und er wird es wieder, eine Gruppe Jugendlicher feiert einen Geburtstag, ein Gruppe Frauen (die Mütter?) ist auch lustig dabei, ein paar Arbeiter versuchen den halben Ochsen vom Tisch zu bekommen und in der Küche bekannte Gesichter



    Btw. inkl. aller üblicher Vorspeisen, halber Liter Wein (= EIN Glas ), einer Flasche Mineralwasser, dem Hauptgang, Nachtisch und 2 Espressi …13,80 Euro.

    Auch diese Rechnung ist wohl beglichen
    Geändert von HaegarHH (05.04.2018 um 20:10 Uhr)
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  17. AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #17
    Oh, ich habe mitgelitten beim Lesen, da war das Wetter nicht nett und das auf diesem netten Abschnitt, den ich zu Fuss schon nicht so richtig leiden konnte. Die Furten sehen interessant aus haben ja fast isländisches Niveau

    Ein paar Detail Fragen:
    Pastéis de Nata mitbringen, musste leider feststellen, dass der Bäcker leider seinen Betrieb aufgegeben hatte
    Wo war der denn in Hamburg?

    An der Fleischerei bin ich nicht achtlos vorbeigelaufen, mir war es nicht in den Sinn gekommen da nach Nahrung zu suchen, und mein Rucksack hatte schon mit dem Supermarkt zu tuen gehabt...da werde ich mal reinschauen wenn ich wieder in der Gegend bin...
    Welche Unterkunft und welches Restaurant war das in Monchique?

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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #18
    Zitat Zitat von lieger Beitrag anzeigen
    Die Furten sehen interessant aus haben ja fast isländisches Niveau
    In Island treiben aber keine Bäume am Stück vorbei denen man Vorrang gewähren sollte

    Zitat Zitat von lieger Beitrag anzeigen
    Wo war der denn in Hamburg?
    Das ist (oder war - will aber hier keine Gerüchte verbreiten, vielleicht auch nur ein langer Urlaub ohne Schild an der Tür, Renovierungsarbeiten oder so …) Bäckerei Hollik im Emekesweg


    Zitat Zitat von lieger Beitrag anzeigen
    An der Fleischerei bin ich nicht achtlos vorbeigelaufen,
    Wenn man VOM Picota runter kommt, ist es halt die erste Adresse am Weg 2015 hatte sie leider schon zu, daher dann weiter zum Intermarche unten an der Kreuzung.

    Zitat Zitat von lieger Beitrag anzeigen
    da werde ich mal reinschauen wenn ich wieder in der Gegend bin...
    lohnt sich wirklich, auch, weil die Würstchen geräuchert werden, viele Chouriço sind das nicht.

    Zitat Zitat von lieger Beitrag anzeigen
    Welche Unterkunft war das in Monchique?
    Das Estrela de Monchique, liegt oberhalb von der Snack-Bar "Estrela de Monchique" (ach) und war laut Foto bei Google Street View 2014 zu verkaufen. Das ist hinten am Ende des zentralen Platzes in der Stadt, wo das Schild zum Foia an der Kachelwand ist, rechts die Straße zur Kirch ein Stück hoch.

    Zitat Zitat von lieger Beitrag anzeigen
    und welches Restaurant war das in Monchique
    Restaurante Snack-bar O Zé, R. Eng. Duarte Pacheco 48 …das ist kurz vor dem Kreisel mit der Touristen-Info auf der rechten Seite (wenn man vom oben angesprochenen Platz kommt), das kleine unscheinbare, direkt danach kommt das deutlich größere (und touristischere) Restaurante Parque Lda
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    AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #19
    03.03 Monchique - Aljezur (Vales): Auf die Spitze getrieben
    48,1km - 4:01 - 879Hm

    Der Tag startet mit einem echten Highlight und damit meine ich nicht das Frühstück im Hotel …Es gibt in Monchique eine weiter über die Region hinaus bekannte Veranstaltung die "XXV. Feira dos Enchidos" oder mit anderen Worten das Wurschtfest Länger überlege ich sogar meine Reisplanung zu ändern, damit ich bei der traditionellen Wurstfest-Ausfahrt des BTT Monchique mitfahren kann, aber leider lasse ich es bleiben. Einen Abstecher dahin mache ich trotzdem, alles noch im Aufbau und zum Glück bin ich pappsatt vom Frühstück und der Rucksack schon randvoll




    Bereits nach weniger Metern hüllen mich die Wolken ein …

    …es geht auf den höchsten Berg der Algarve, den Fóia mit 902m.

    Nächster Stop ist dann das Rücklicht raussuchen und in einem Blinkmodus montieren, tlw. ist die Sicht mehr als bescheiden, die Hand vor Augen nicht mehr zu sehen wäre dann aber doch Radlerlatein Die Hinweisschilder auf besondere Aussichtspunkte empfinde ich dann doch eher ein wenig zynisch Regen und Sturm halten sich die ganze Zeit eine ausgewogene Balance und ein weiteres Mal bin ich froh über die Wahl meiner schottischen Regenjacke …"embrace the often unnerving …"



    Kurz vor dem Gipfel des Fóia sehne ich mir nur noch einen warmen Platz im Gipfel-Cafe, tlw. versetzt der Sturm mich samt Rad um mehr als handbreit, aus dem Regen ist Graupel geworden … zwei Kurven noch, eine Kurve noch …GESCHLOSSEN Das einzige offene ist der Souvenirsladen und ich brauche doch recht lange, die drei Postkarten für die lieben zu hause auszuwählen, während sich zu meinen Füssen kleine See auf den Fliesen bilden.

    Danach versuche ich irgendwie bis zum Abzweig auf die Via Algarviana herunter zu kommen, denn die führt nicht über den Gipfel des Fóia tlw habe ich Angst von dem Wind von der Straße geblasen zu werden, zum Glück kommt mir nur ein einziges Auto entgegen.


    Danach soll es eine recht nette, trailige Abfahrt bis nach Marmelete geben. Zumindest wird der Wind durch die zunehmende Vegetation ein wenig gemildert. Trailig ist nur noch relativ, denn es wurde offensichtlich zum Bau von zahlreichen Windkraftanlagen jede Menge Pfade auf Naturstraße erweitert.


    Fahrerisch trotzdem eher im Bereich MTB liegend, die mittlerweile bekannte Mischung aus Schotterweg, Bachbett und Bach. Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit weiche ich auf die Straße nach Marmelete aus und lasse bergab rollen …


    Eher durch Zufall stolpere ich auf der Suche nach was Heissem in ein Restaurant, das im "Bar" Bereich Mittagstisch serviert und tatsächlich lodert ein Feuer im Kamin …Wärme Zur Auswahl steht Huhn oder Huhn, ich wähle dann mal Huhn

    was genau das "andere" Huhn gewesen wäre, weiss ich nicht, fast alle essen jedenfalls Huhn


    Von meiner Wanderung 2015 weiss ich, dass die Gegend hinter Marmelete zunehmend eintöniger und im Vergleich der zurück gelegten Strecke eher langweiliger wird, auch wenn es Ausnahmen gibt, wie z. B. der Albufeira da Barragem de Odiáxere. Dagegen kenne ich die Küstenstrecke runter nach Sagres noch nicht. Also plane ich in Marmelete die Via Algarviana zu verlassen, die Verbindung nach Aljezur zu fahren und dann weiter auf der Rota Vicentina. Allerdings hatte ich schon vor ein paar Tagen angefangen, mich zu fragen, wie ich weiter fahren will. Nachdem die bisherigen Furten unter "Bäche" liefen, steht in der Beschreibung des "Ligação 5" ("Link" bzw. Zubringer Marmelete - Aljezur), dass der Fluss Cerca mehrfach gefurtet werden muss. Nach den Erfahrungen auf dem Weg nach Monchique und dem aktuellen Wetter beschliesse ich einfach auf der Straße nach Aljezur zu bleiben.

    Letztendlich befinde ich mich nun auf direkter Abfahrt bis zum Meer, also konzeptionell zumindest das hat den Nachteil, dass Wind und Regen offensichtlich noch ungehinderter auftreffen. Auch wenn ich es nicht für möglich gehalten hätte, der Regen wird noch mal stärker. Irgendwann schlägt mir scheinbar ein besonders fetter Tropfen im Sturm die Lippe blutig

    Genug der Horrorgeschichten, irgendwann erreiche dann Aljezur …


    Natürlich verfranze ich mich auf dem Weg zum Hotel so, dass ich noch eine Rundfahrt durch den Ort …



    … und ein paar mehr Höhenmeter in die Waden mitnehme


    Frustriert stelle ich dann auch noch fest, dass hier nix mit Meerblick ist, das Hotel mal wieder gar nicht im Ort liegt (booking.com …oder besser eher doofer Haegar ) das war wohl nix mit ankommen am Meer. Wenige Hügel später stehe ich überglücklich am Straßenrand

    das Grau des Himmels und das Grau des Meeres unterscheiden sich und es ist sogar die Mündung des Flusses zu erahnen …YEAH!


    Die km bis zum Hotel verfliegen nun viel schneller, das Einchecken klappt auch und zur Überraschung hat das Hotel nicht nur eine Heizung, sonder sogar eine Handtuchheizung im Badezimmer …Glücksgefühle zwei und dann treffe ich eine jener Entscheidung, für die mich die eine Hälfte meiner Freunde für total bekloppt erklärt, die andere weiss es schon längst

    Die Regenjacke und Schuhe wieder an, den halbleeren Rucksack auf die Schultern und ab ans Meer




    Der Atlantik bleibt halt der Atlantik, SO muss Meer sein



    Der weitere Abend ist dann schnell erzählt, das Zimmer warm, die Dusche heiss, über das Essen breite ich den Mantel des Schweigens die Rechenschwäche der Bedienung ist schlicht frech …und kaum im Bett schlafe ich auch schon.
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  20. AW: [PT] Mit dem MTB auf der Via Algarviana

    #20
    Regentropfen? Blutige Lippe? *hüstel* Radlerlatein?

    Ich bin überrascht, dass es außer uns noch einen gibt, der in Zeiten von Whatsapp & Co. Ansichtskarten schreibt.
    .

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