[SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

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    • 19.11.2008
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    • Meine Reisen

    [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende





    Land: SE, NO
    Reisezeit: März/April 2009
    Region/Kontinent: Nordeuropa


    Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial




    Ebenso wunderbarer wie wahrheitsgemäßer Bericht der ersten schweizerisch-deutschen Tält-Gourmet-Spexial-Expedition durchs schwedische Jämmtland, dargelegt von den werten Expeditionistinnen daselbst, mit einer Karte und zahlreichen photografischen Abbildungen, nebst einem Anhang der kulinarischen Genüsse, derob sie des abends frönten.


    Kurz gesagt: Across und ich waren diesen Winter im Jämtland unterwegs.. Der Rest ist selbsterklärend, nur dies: "Tält" ist Schwedisch, "Gourmet" ist lecker, und "Spexial" ist was Spezielles, was mit Across' Langtour 2003 zu tun hat, in etwa so:

    AcrossXSkanderna.

    Also das rote Andreaskreuz der schwedischen Wegmarkierungen .

    OT: Das Wortspiel mit "Andreas Kreuz" fällt mir aber erst jetzt auf

    Das Wort SpeXial soll angeblich bereits in die schwedischen Wörterbücher eingegangen sein.

    Die zahllosen Markierungen, die das Jämtlandfjäll durchseuchen, haben wir allerdings diesmal nach Möglichkeit vermieden und sind vorzugsweise durch die freie Wildbahn galoppiert, ääh, gerutscht, bzw meistens: geweht worden. Windig war es nämlich, aber davon später mehr.

    Nun Schluss mit der Vorrede, wir schreiten zur Tat, vorab nur noch (Across=Rot, Sarekmaniac=Blau, Across & Sarekmaniac im Doppelpack=Grün):


    [Edit]: Auf Weisung des Forumsexekutiv-Komitees musste der Googlemaps-Screenshot aus Copyrightgründen entfernt werden. Wir verweisen hiermit politisch korrekt auf die Karte zum Zoomen:

    Die Karte der Rumtreiberinnen

    Im Namen der Expeditionistinnenleitung und der Oberägyptischen Zensurbehörde

    /Sarekmaniac

    [/Edit]
    Zuletzt geändert von Sarekmaniac; 07.07.2012, 17:58.
    Eshche odin zhitel' Ekaterinburga zabralsja na stolb, chtoby dokazat' odnoklassnice svoju bespoleznost'.
    (@neural_meduza)

  • across
    Erfahren
    • 14.01.2009
    • 332

    • Meine Reisen

    #2
    AW: Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

    Sonntag, 22.3.2009

    Wie Across fliegend und mit dem Dampfross ins wilde Norwegien reiste

    Die Zeit für eine Winterfjälltour war für mich heuer arg begrenzt: Sonntagabend 22.3. bis Freitagabend 3.4. So wenig Zeit für die schönste Zeit im Fjäll gönnte ich mir schon lange nicht mehr. Da ich Skiwandern dem Reisen eindeutig vorziehe, wollte ich also möglichst auf dem schnellsten Weg ins Fjäll und auch wieder nach Hause. Mit dieser Zielsetzung machte ich mich ans planen. Das zweite „must“ war, eine neue Ecke des Fjälls kennenzulernen.
    So wurde dann schon die Anreise zu einem kleinen Abenteuer und einer Nervenprobe: Der Flug nach Oslo sollte nicht allzu viel Verspätung haben, damit ich den Anschluss auf den Nachtzug in Richtung Trondheim noch schaffte. Mit 15 Minuten Verspätung hielt sich die Verspätung aber in Grenzen. Das Warten auf das Gepäck und die Skier forderten aber nochmals eine Geduldsprobe. Schliessich schlenderte ich mit Rucksack und Skiern und natürlich in voller Fjällmontur durch den Flughafen. Aber in Skandinavien wurde ich schon bedeutend weniger beäugt als noch in Zürich, wo ich mit meinen NN75-Stiefeln und Goretex-Kleidern ziemlich exotisch wirkte.
    Per sms liess ich Kollegin Sarekmaniac noch wissen, dass ich nun auch unterwegs war, bevor ich mich für fünf Stunden aufs Ohr legte!

    Montag, 23.3.2009, Reitan – Kjølihytta, 20 km, +500 Höhenmeter

    Wie Across am Bahnhof von Reitan die Tour begann, wie sie in ein Schneegestöber geriet, kaum Schafe und Elche, dafür umso mehr Abbildungen derselben erblickte und schließlich zur Schaufel greifen musste, um ins Bett zu gelangen.


    Nach kurzem aber tiefem Schlaf hielt der Zug in Støren. Endlich frische, winterliche Luft schnappen! Mir blieb nochmals eine halbe Stunde, um meinen Rucksack fjälltauglich umzupacken und sowas wie ein Frühstück einzunehmen – meine obligatorische Koffeindosis gönnte ich mir danach im Zug nach Reitan. Mich erstaunte, wie viele Leute schon frühmorgens in diesem Bummelzug von Trondheim nach Røros unterwegs waren; auch viele Touristen – und, ich traute kaum meinen Ohren: ich hörte schon wieder heimatliches Schweizerdeutsch!
    Was mir als Eisenbahnerin enorm gefiel: der Zug war mit einem Schaffner bemannt! Hierzulande fahren Regionalzüge nur noch und wenn überhaupt, nachts, mit mehr als einem Lokführer bemannt. In Reitan war meine Zugfahrt durch das idyllische Gauldalen zu Ende.
    Schneegestöber! Ein perfekter Empfang morgens um acht in diesem Weiler mit schmuckem Bahnhof. Wie ich später in der Kjølihytta lesen konnte, wurde hier Erz aus den Kupfergruben rund um die Kjølihytta verladen. Wohl deshalb besteht bei dieser Haltestelle mehr als ein zugiges Wartehäuschen. Der Mann, der mit dem Schneeräumungsfahrzeug seine Runde durch den Weiler fuhr, wollte natürlich wissen, wohin ich des Weges sei. Und um sicher zu sein, dass ich auch wirklich den Weg finden werde, erklärte mir die Route dorthin genauestens.


    Die Dampfross-Station von Reitan

    Der Winterweg folgt auf den ersten 11 km dem Fluss Gaula und der nur im Sommer befahrbaren, mautpflichtigen Strasse zum Riasten. Bis zu den letzten ständig bewohnten Häusern und dem Skoterparkplatz wird die Strasse weissgeräumt, so dass man den Weg nicht verfehlen kann. Nach dem Skoterparkplatz, etwa 3-4km nach dem Bahnhof Reitan, folgt man weiter der Strasse, die im Winter Skoterpiste ist. Der Skoterverkehr war an diesem Montagmorgen aber sehr bescheiden und störte nicht.
    Das Wetter: um die Null Grad, praktisch windstill und leichter bis mässiger Schneefall. Ich war froh, dass es nicht gleich viele Minusgrade gab, so hatte mein Körper die Chance, sich langsam an das Leben draussen zu gewöhnen.
    Auf den ersten 11 km bis zur Abzweigung zur Hütte hoch legt man etwa 200 Höhenmeter zurück und die meisten gleich zu Beginn. Man läuft durch lichten Birkenwald, vorbei an unzähligen Hytter und fast ebenso vielen Strassenschildern! Von letzteren habe ich auf jeden Fall noch nie so viele an einem einzigen Tag auf Skiern gezählt. Aber ich fand sie schön, denn die Schafe und Elche, von denen man sich achten sollte, sind sehr detailliert abgebildet.


    Europas schönste Strassenschilder...

    Nach 11 km erreichte ich ein abgewettertes Hinweisschild. Hier musste wohl der markierte Winterweg zur Kjølihytta beginnen. Zur Sicherheit noch einen Blick auf die Karte und das GPS… Ach ja, und markiert sollte er sein, dieser Winterweg. Gut, ich erwartete nicht gleich die schwedische Supermarkierung mit knallroten Andreaskreuzen in definiertem und stets genau eingehaltenem Abstand. Aber wo war sie hier, die Markierung??? Glücklicherweise sah ich durch die Skibrille (orangefarbenes Glas sei Dank!) eine alte, verwehte Spur, welche mich auf den richtigen Weg brachte. Aber zuerst gönnte ich mir mal eine Mittagspause, denn es stand ein kurzer, ruppiger, Aufstieg bevor.
    Ich sank tief in den flauschigen Neuschnee neben der Skoterpiste/Strasse ein. Felle rauf! Nachdem ich diese kurze Steigung hinter mir hatte, sah ich die Markierung: verwitterte Holzstangen ohne jegliches Kennzeichen, dass dies eine Markierung darstellen sollte und wie sich später herausstellen sollte, sind sie mal in kurzen mal in längeren Abständen aufgestellt, wie es gerade so kam. Mich erinnerten diese Stangen, wie auf die Hälfte gekürzte Telefonmasten! Auf alle Fälle hiess es wachsam sein und sich nicht allzu sehr auf die Stangen zu verlassen.
    Es ging weiter bergauf. Die Felle konnte ich nach dem kurzen Aufstieg, der auf der Karte übrigens nicht ersichtlich ist, wieder wegnehmen und mich weiter auf die Schuppen meiner „Europa 99“ verlassen. Bald war der Nedre Kjølitjønna erreicht, wo auch eine Hütte steht, aber eben nicht die DNT-Hütte, wie ich zuerst aus der Ferne glaubte. Also nochmals etwa 60 Höhenmeter und gut 2.5 km weitertrampen.
    Ist man da, ist man vielleicht noch nicht ganz angekommen… Der Hüttenschlüssel war auch mitgekommen, so stand einer wohlig warmen indoor Übernachtung (fast) nichts mehr im Wege. Ausser mir und haufenweise Schnee war niemand da. Ich versuchte mein Glück mal bei der kleineren Hütte. Das Schloss sprang auf, aber die Türe war vereist. Mit Repschnur und vollem Körpereinsatz gelang es mir, die Türe aufzusperren. Doch hinter der Türe fand ich nur den Vorratsraum und eine Art Not-Raum, welche für Hundebesitzer reserviert war. Es sah nicht so einladend aus, dort zu übernachten. Aber um in die Haupthütte zu gelangen, musste ich zuerst mal eine Viertelstunde lang Schneeschaufeln. Gut, dass ich meine Schaufel dabei hatte und der Schlüssel auch dort passte.


    Zuerst die Arbeit, dann das Bett!

    Die Kjølihytta ist sehr schön auf 1050 m.ü.M.gelegen, mit meilenweiser Aussicht in Richtung Riasten, Rien und das schwedische Jämtlandsfjäll. Nachdem ich angefeuert hatte, war das nächste Abenteuer, etwas Essbares im Vorratsschrank zu finden. Welche Enttäuschung: Was ich fand, war fast ausschliesslich Dosenfutter! Keine Spaghetti, kein Reis, keine Saucen. Dafür entdeckte ich Margarine und Kaviar, deren Verfalldatum schon 2 respektive 3 Jahre überschritten waren… Guten Appetit! (Ich entschied mich schlussendlich, eine Dose „Lapskaus“ aufzutauen bzw. zu wärmen. Ich lebe noch!!!)


    Kjølihytta und im Vordergrund die "abgesägten Telefonmasten"

    Dienstag, 24.3.2009, Kjølihytta - Væktarstua/Stugudal, 15 km, -400/+50 Höhenmeter

    Wie das vegetarische Vielfrassfell seine erste Bewährungsprobe bestand, wie Across zum ersten Mal das Sylarnamassiv erblickte und wie sie den Landhandel von Stugudalen plünderte.

    Sonnenschein, rosa Himmel, steifer Wind und etwa -15°C – mein erster Eindruck vom Tag. Und in meinem Schlafzimmer in der Hütte lag immer noch der Schnee von gestern auf dem Fussboden…




    Frühmorgendliche Ausblicke von der Kjølihytte aus Richtung Sylarna und Riasten

    Ich ging relativ früh los, weil ich unbedingt noch im Landhandel von Stugudal einkaufen wollte, der aber schon um 16.00 schloss. Der Skitag begann dann auch gleich rasant, mit einer schönen Abfahrt, gut 100 Höhenmeter am Stück. Nicht nur der Fahrtwind blies mir um die Ohren, sondern auch ein starker Nordwest-Wind. Mein vegetarisches Fell an der Kapuze hatte seine Bewährungsprobe – und sie voll bestanden.
    Mal folgte ich den Markierungsstangen, mal einfach der Nase nach, bis ich wieder irgendwo eine Stange oder alte Spuren entdeckte, zog ich meine Spuren durch lichten Birkenwald langsam zum See Storøvlingen runter. Nach einem kurzen Anstieg folgte eine weitere Abfahrt zur Strasse 705. Doch zuerst musste nochmals die herrliche Aussicht genossen werden, über den Stuggusjøen, das Stugudalen und vor allem: den Blick auf das Sylarna Massiv!


    Stugudalen

    Als ich die Strasse 705 überquert hatte, folgte noch der heftigste Teil der Abfahrt nach Stugudalen runter: zuerst einem tiefeingeschnittenen Bach entlang, dann unter einer Stromleitung und im Birkenslalom durch knietiefen, luftigen Neuschnee, schliesslich über eine weite, offene Fläche. Und hier gab es dann endlich schöne Telemarkschwünge, während von den nahegelegenen Gehöften lautes Hundegebell zu hören war. Als ich unten angekommen war, musste ich nochmals raufschauen, es war so fantastisch, dazu Sonnenschein!
    Ich dachte auch an Sarekmaniac, die ja nun auch irgendwo unterwegs war zu unserem vereinbarten Treffpunkt, der Nedalshytta. Hatte sie auch einen solch tollen Tag? Hoffentlich!


    Uriges Hotel Vaektarstua

    Im Hotel Væktarstua nahm ich mir ein Zimmer, zog aber gleich wieder los, um noch eine Runde Shopping im Landhandel einzulegen. Ich war erstaunt über das breite Sortiment, das von Skiwachs über exotische Früchte, Brot, Käse & Milch bis zu Schrauben und Gartengeräten reichte. Ich deckte mich mit ein paar Köstlichkeiten für den Abend und auch für die kommenden Tage im Fjäll ein: Lefser, Käse, Wurst, Brot und ein paar andere Sachen. Ich dachte, dass ich mir Knäckebrot, Schokolade und Makkaronen vielleicht in der Nedalshytta (Selbstbedienungshütte) besorgen könnte, aber nach der Dosenfutterorgie in der Kjølihytta, war ich vorsichtig geworden... Nach Shopping folgte Sightseeing: doch leider war die Kapelle gleich gegenüber des Hotels nur von aussen zu besichtigen.


    Kapelle in Stugudalen

    Also weiter im Programm: Duschen & Haarewaschen und bald schon stand das Nachtessen auf dem Programm. Für Rømmegrøt fehlte mir den Mut, ich genoss stattdessen einen Nachos-Tallrik!

    Mittwoch, 25.3.2009, Væktarstua/Stugudal – Nedalshytta, 18 km, +300/-100 Höhenmeter

    Wie Across bei Eiseskälte den abgesägten Telegraphenmasten Richtung Grenze folgte und zwischen lauter Utensilien der Stromerzeugung die Auf- und Abstiege gar nicht mehr merkte, wie sie eine Hütte ohne Ofen vorfand und wie Sarekmaniac aus gänzlich falscher Richtung auftauchte, was dem fröhlichen Wiedersehen der Expeditionistinnen jedoch nicht abträglich war


    Brrr… -22°C zeigte das Thermometer, als ich meine Nase abmarschbereit nach draussen hielt. Aber: Windstill und knallblauer Himmel!
    Der Schnee knirschte unter meinen Füssen und der Atem kratzte ein wenig in der Nase – aber genau das löst unheimliche Glücksgefühle in mir aus! Winter, ich liebe Winter. Also los, beim Landhandel montierte ich die Skier und folgte wiederum einer weissgeräumten Strasse, welche zu den zahlreichen Freizeithäuschen führte. Es ging sanft bergan, durch lichten Wald und über Sumpfflächen. Bald schon hatte ich genug Höhe gewonnen, um zurück auf den Stuggusjøen blicken zu können. In meiner Marschrichtung war mein Blick, auf das majestätisch wirkende Sylarna-Massiv fokussiert. Im Takt des Gehens durfte ich immer mehr Details dieses wie eine Burg in der Landschaft stehenden Massivs ausmachen. Gewaltig –und dies alles in gleissendem Sonnenlicht, in absoluter Stille. Ich schreibe zwar von einer „Strasse“ – aber Verkehr hat es darauf zum Glück keinen (vielleicht an Wochenenden?).
    Bald erreichte ich den Ort, wo der offizielle markierte Winterwanderweg auf meinen Weg einbog. Ich entdeckte wieder eine Reihe von „Telefonstangen“ und tiefen Pulverschnee, weit und breit keine Skispur. Wahrscheinlich tut sich niemand den Umweg über Vektarhaugen und den paar extra Höhenmetern an.
    Der Weg folgte weiter der Nordflanke des Nimmehetsgaesjsie und stieg auf gut 900 m.ü.M. an. Langsam wärmten mich die Sonnenstrahlen und mit dem Aufwärmen des Schnees kam auch Bewegung in die Luft, so dass sich ein sanftes Windchen einstellte, das mich die Kälte wieder spüren liess. So fiel meine Lunchpause nicht allzu lange aus; ich genoss stattdessen die herrliche Aussichte beim Gehen.


    Auf der "Strasse" zwischen Stugudalen und Nedalshytta, Blick Richtung Stugudalen

    Weil mich inzwischen ein Raupenfahrzeug überholte, das die Baustelle beim Sylsjön bediente, hatte ich eine überaus bequeme Spur. Doch diese endete dort, wo sich der Fahrweg zum Sylsjön und der zur Nedalshytta teilte. Von nun an hangelte ich mich wieder von Markierungsstange zu Markierungsstange, um mich in diesem unübersichtlichen Wirrwarr von kleinen Berghuckeln nicht zu „verirren“… Es folgte eine Abfahrt und gleich wieder einen Anstieg, der mir beim Kartenstudium gar nicht so richtig aufgefallen war. Die unzähligen Starkstromleitungen und Transformatorenhäuschen schon! Nach dem Aufstieg folgte nochmals eine Abfahrt zum Nea (Fluss), die ich so richtig genoss, denn es rutschte einfach bequem bergab, ich musste weder zu einem Schwung ansetzen noch bremsen, was auf dem Windharst doppelt mühsam gewesen wäre.
    Von weitem entdeckte ich schon das recht stattliche Gebäude der Nedalshytta im Birkenwald. Und eine Skispur, die dorthin führte.


    Von der Nedalshytta aus

    Sarekmaniac war noch nicht da, als ich ankam. So richtete ich mich mal ein, kaufte die letzte und einzige Toilettenpapierrolle und ein paar Beutel Trinkschokolade. Mit Holzhacken und Feuern war hier nix, denn die Hütte hat Stromanschluss und Elektroheizung – wie unromantisch! Dann machte ich mich auf in Richtung Ekordörren, denn ich vermutete, dass Kollegin aus dieser Richtung kommen würde. Auf dem Weg studierte ich ein bisschen das Gelände, um für den nächsten Tag gewappnet zu sein und schrieb ein paar Willkommensbotschaften in den Schnee, die leider vom inzwischen ziemlich starken Wind gleich wieder zugeweht wurden. Und Sarekmaniac kam, wie ich dann am Abend erfuhr, gar nicht aus dieser Richtung…
    So las ich, schrieb Tagebuch und wusste, dass Sarekmaniac dann schon auftauchen würde! Und da stand sie plötzlich vor dem Hüttenfenster! Wow!
    Kennengelernt haben wir uns übrigens im Winter 2005 auf der Kutjaurehütte in Lappland. Dank Regenwetter (es war Winter!) hatten wir genug Zeit, zu fachsimpeln, Tipps und Tricks auszutauschen usw. Seither hielten wir den Kontakt und dieses Jahr kam die Idee auf, mal einen Teil unserer Winter-Tour gemeinsam zu verbringen.
    Gutes Essen auf Tour ist ja für uns beide nicht von geringer Bedeutung – das Wettkochen konnte starten und ich machte den Anfang: Salsiz (Bündner Rohwurst-Spezialität, von meinem Mann hergestellt) – Fjällgulasch – weisse Schokolade à la Crème brulée – Irish Coffee.
    Meine Erfahrungen, Tipps, Tricks, Tourenvorschläge für Nordskandinavien und nicht zu letzt Rezeptideen gibt es zwischen zwei Buchdeckeln:
    "Trekking-Abenteuer in Nordskandinavien"

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    • konamann
      Fuchs
      • 15.04.2008
      • 1070

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

      schön!
      Draußenkind!

      Kommentar


      • Susanne
        Fuchs
        • 22.02.2002
        • 1627

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

        Tolle Bilder und schön geschrieben. Schreibt doch büdde büdde weiter!!!
        havet - Ölmalerei
        Blomstene på fjellet er formet som klokker og stjerner. Sagnet sier at det er fordi vidda ligger så nær himmelen. Pedder W. Cappelen

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        • Sarekmaniac
          Freak

          Liebt das Forum
          • 19.11.2008
          • 10794

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

          17.3.2009 Anreise

          Wie Sarekmaniacs Reise ins wilde Svealand mit einer Verspätung begann, wie eine Eingeborene ihr eine neue Fahrkarte besorgte und wie sie im Gepäckraum des Nachtzugs nach Storlien den ersten Biwak baute
          .

          Urlaub. Es gibt nichts Schöneres, als morgens um sechs auf dem HBf-Dortmund zu stehen und die Durchsage zu hören: „Der Intercity XYZ nach Hamburg hat circa 45 Minuten Verspätung“. 45 Minuten. Um sechs Uhr morgens. So begann meine Reise ins wilde Svealand, und so ging es weiter den ganzen Tag. In Puttgarden verpasste der Zug nicht eine, nein zwei Fähren, ich rannte in Kopenhagen, ich rannte in Malmö - vergeblich. Fast vier Stunden strategisch klug über den Tag verteilter Pufferzeit waren dahin, der Nachtzug gen Storlien fort.

          Rettung nahte in Gestalt einer Schaffnerin, der ich im Öresundzug mein Leid geklagt und die in Malmö ihre Schicht beendet hatte: Sie war ob der affenartigen Geschwindigkeit, mit der ich mich selbst, eine 40-kg-Pulka, einen 40-l-Rucksack, ein Paar Ski, ein Paar Festlängenstöcke und ein nicht teilbares Pulkagestänge von Bahnsteig 5 zu Bahnsteig 17 expediert hatte (in maximal zwei Minten, und alles auf einmal, versteht sich) derart beeindruckt, dass sie mich kurzerhand zum SJ-Schalter schleppte. Nach einer längeren Diskussion und einem freundlich Hinweis der Dame hinterm Schalter, dass eine Verspätung der Deutschen Bahn kein Problem von SJ sei, erhielt ich ein kostenloses Umtauschticket für den schnellen X2000 nach Stockholm und für das Stück meines Nachzugs, das dort angekoppelt wird. In Stockholm hatte ich sogar zwei Stunden Aufenthalt, welch unerwarteter Genuss. Einziger Wermutstropfen: Einen Liegeplatz gab es nicht mehr. Und so baute ich mir im Gepäckabteil einen Biwak. Da hatte niemand was gegen, so ist das in schwedischen Dampfrössern. Nur einmal weckte mich des Nachts ein Zugbegleiter, um rechts und links von meiner Isomatte einige Rucksäcke und Ski von neuen Fahrgästen unterzubringen.




          18.3 2009, Enafors–Snasahögarna, 11 km, + 400 Höhenmeter

          Wie Sarekmaniac an der Dampfrosstation von Enafors die Tour begann, wie sie zwar keine Abbildungen von Rentieren an der Straße entdeckte, dafür aber oben am Berg Hunderte wolliger, drolliger Exemplare in natura, und wie sie im Tal des Norder Tvärån das erste Mal das Zelt aufschlug






          Immer wieder erstaunlich...




          ...dass alles reingeht


          Ein letzter Blick in den Spiegel - Rucksack sitzt, Frisur auch.

          Im Bahnhof von Enafors packte ich die Pulka um, montierte das MYOG-Gestänge (Premiere) und gegen eins gings los. Ich warf nur einen kurzen Blick auf die rumpelige Skootertrasse längs der Bahnlinie und entschied mich lieber für die schneebedeckte Straße Richtung Handöl. Ein, zwei Minusgrade, Sonnenschein, ringsum lichter Kiefernwald - ein schöner Tag, ein schöner Start.



          Hinter dem Weiler Oppdalsvallen testete ich die Schneedecke auf ihre Tragfähigkeit - ganz schön weich, aber es hätte schlimmer sein können. Und so bog ich ab, genau Richtung Nord, wobei mein Weg eher ein leichter Slalom war: Langsam hangelte ich mich von Lichtung zu Lichtung durch den Wald hinauf, die konzentrierte Wegsuche lenkte von der schweren Pulka ab, die im weichen Schnee doch ganz schön bremste.



          Als die Kiefern verschwanden und die Birken kleiner wurden, war die Baumgrenze bald erreicht. Es musste ordentlich geblasen haben in den Tagen zuvor, weite Teile des Hanges waren blankgefegt. Die schneefreien Flächen hatten Rentiere angelockt, es waren wohl an die zweihundert Tiere, die über die Bergflanke verteilt nach Flechten suchen. Auch wenn nach einigen Skandinavienbesuchen Rene nichts „Besonderes“ mehr sind: Gerade diese Begegnungen in der winterlichen Natur gefallen mir immer wieder ungemein. Die Rene waren wohl auch froh über die Abwechslung. Sie musterten mich sehr gelassen und gaben gemächlich den Weg frei, während ich mich auf etwa 800 m Höhe an die Umrundung des Storsnasen, dem Hauptgipfel des Snasafjälls machte.







          Am späten Nachmittag bog ich ins Tal des Norder Tvärån ein und stieg noch einmal etwa 100 Höhenmeter auf. Dann schlug ich das Zelt auf, Storsnasen zur linken Tvärånklumparna zur rechten. Schon bald fegte über den Pass ein strammer Westwind das Tal hinunter und rüttelte am Zelt, was der Schönheit dieses ersten Abends im Fjäll aber keinen Abbruch tat.


          Blick Richtung Tväraklumparna.



          Blick Richtung Lillsnasen


          Blick talabwärts Richtung Handölan
          Zuletzt geändert von Sarekmaniac; 23.11.2009, 18:00.
          Eshche odin zhitel' Ekaterinburga zabralsja na stolb, chtoby dokazat' odnoklassnice svoju bespoleznost'.
          (@neural_meduza)

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          • Mika Hautamaeki
            Alter Hase
            • 30.05.2007
            • 3949

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

            Das fängt ja schonmal super an...weiter, weiter...
            So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
            A. v. Humboldt.

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            • November
              Freak

              Liebt das Forum
              • 17.11.2006
              • 10639

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

              Dies ist eine erste Antwort von november, die ganz entzückt ist ob eurer altertümlich anmutenden, an die "gute alte Zeit" und die damit verbundenen abenteuerlichen Reisebeschreibungen erinnernden Sprache.

              Soll heißen: besonders mag ich (neben den Photos natürlich) eure Kapitelüberschriften. Laßt euch die Ideen nicht ausgehen!
              Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.

              Kommentar


              • Werner Hohn
                Freak

                Liebt das Forum
                • 05.08.2005
                • 10865

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                Sehr geehrte Damen, hallo Mädels,

                ist euch bewusst, dass es in diesem Forum Menschen gibt, die einer theoretisch(!) möglichen Altersinkontinenz näher sind als der Erinnnerung an die erste große Liebe?
                Im Klartext. Kann ich damit rechnen die Fortsetzung, vielleicht sogar das Ende, dieses vergnüglichen Berichts zu erleben, bevor meine Nachkommen RIP in die Vibramsohlen meiner Wanderschuhe schnitzen?

                Grüße, Werner
                .

                Kommentar


                • Gast-Avatar

                  #9
                  AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                  Bei mir ists eher die Ungeduld der Jugend aber ich will, ich will, ich will auch mehr!

                  Kommentar


                  • across
                    Erfahren
                    • 14.01.2009
                    • 332

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                    Keine Sorgen, werte Verehrer, liebe Leserinnen und Leser!
                    Ich weiss, dass meine treue Expeditionspartnerin, werteste Sarekmaniac, mit Hochdruck an ihrem Text feilt und die tollen Bilder in Forumshape bringt.
                    Zweitens, wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten... und brauchen etwas Zeit!

                    Fortsetzung der Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial Berichterstattung folgt.
                    Demnächst in diesem Th(eater) ähh, Thread wollte ich schreiben.

                    Im Namen der Expeditionistinnen-Leitung
                    across
                    Meine Erfahrungen, Tipps, Tricks, Tourenvorschläge für Nordskandinavien und nicht zu letzt Rezeptideen gibt es zwischen zwei Buchdeckeln:
                    "Trekking-Abenteuer in Nordskandinavien"

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                    • jasper

                      Fuchs
                      • 02.06.2003
                      • 2462

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                      Die Sehnsucht wächst, obschon sie seit langer Zeit in mir schlummert, beim Lesen dieser überaus kurzweiligen und interessanten Reisebeschreibung, in einen fast schon unbeschreiblichen Drang selbst die Ski aus dem Keller zu holen und anzuschnallen.

                      In der Hoffnung auf eine baldige Fortsetzung wartend,

                      Jasper
                      www.backcountry-hiking.de
                      ... unterwegs in der Natur

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                      • Sarekmaniac
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                        Liebt das Forum
                        • 19.11.2008
                        • 10794

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                        18.3 2009, Snasahögarna–Stor Ulvåfjället, 14 km, +400, –400 Höhenmeter

                        Wie Sarekmaniac von einer eisernen Libelle angegriffen wurde und in den Windschutz von Snasahögarna floh, wie sie eine Eule kennenlernte und mit dem Wetter haderte
                        .

                        Morgens hatte es 2,3 Plusgrade, es war windig und sonnig. Vor dem Frühstück stiefelte ich in Biwakschuhen eine runde ums Zelt, um ein paar Bilder zu schießen. Doch die Idylle nahm ein jähes Ende: Schon lange, bevor ich ihn sah, hörte ich den Hubschrauber. Er tauchte über der Passhöhe auf und blieb über mir stehen: Ein Zelt! Er ging niedriger - ein Zelt!. Nach einer Minute hatte der Pilot seine sensationelle Entdeckung verdaut und trollte sich. Aber er blieb in Hörweite. Bis in den frühen Nachmittag hörte ich, mal lauter mal leiser, nervende Hubschraubergeräusche aus der Richtung Storlien/Blahammerenfjäll. Da führte wohl jemand Übungsflüge durch.



                        Der Tag begann, wie der letzte endete: Aufwärts. Noch mal 350 Höhenmeter bis zur Passhöhe, und das letzte Stück war richtig steil. Bei der Wärme war ich ordentlich verschwitzt als ich ankam, und begann im frischen Wind gleich zu frieren. Da war mir der eisüberkustete Windschutz oben im Pass sehr willkommen.







                        Erst 8 Menschen hatten sich diesen Winter im Gästebuch eingetragen, kein Wunder, liegt die Hütte doch abseits der populären Routen. Ich inspizierte den besonders hübschen Kanonenofen - das nödved - Notfallholz, war unangetastet, was fast einem Wunder gleicht. Allzuoft verheizen (sommers wie winters) Wanderer aus reinem Vergnügen das Holz, dass mit großem Aufwand eingeflogen oder im Winter mit dem Skooter antransportiert wird, obwohl es nur in einem wirklichen Notfall benutzt werden darf.



                        Allzu lange hielt ich mich nicht auf, dazu war ich zu verschwitzt und fröstelig. Die nächsten sechs km waren sehr angenehm, ganz allmählich verlor ich die mühsam erarbeiteten Höhenmeter auf einer langezogenen Abfahrt entlang eines markierten Wegs bis zur nächsten Rastschutz Ulvatjärn. Das mühelose Gleiten befreite den Kopf, beim Blick auf das Blahammerenfjäll denke ich an meine Langtour 2007. Damals war ich auf einer Route etwa 6 km von der jetzigen nordwärts gegangen, in den ersten Februartagen, bei minus 30 Grad und knallblauem Himmel.


                        Das Blahammerfjäll im Februar 2007 bei -30 Grad

                        Von so einem Wetter konnte ich heute nur träumen, es trübte immer mehr ein, und als ich den Ulvatärnen erreichte, war es ganz neblig geworden. Ich macht nur eine kurze Schokopause stehend neben der Hütte. Dann ging es weiter an den Markierungen entlang, doch nach 3 km hatte ich auf die Andreaskreuze keine Lust mehr. Gerade bei Whiteout ist das Latschen von Markierung zu Markierung besonders stumpfsinnig. Und so bog ich ab Richtung südost und machte nochmal etwa 50 Höhenmeter aufstieg über die Ausläufer des Stor- Ulvafjäll. Noch ein Dreiviertelstündchen stapfte ich durchs weiße Nirgendwo, dann begann ich nach einem windgeschützen Zeltplatz Ausschau zu halten. Ein dicker Fels, der urplötzlich im Nebel vor mir auftauchte, kam mir da wie gerufen.



                        Schnell war der Tunnel aufgestellt, 20 Minuten später hatte ich das erste Heißgetränk intus und knabberte mein Trockenfleisch, während Hühnerrisotto vor sich hin köchelte. Ausflüge ums Zelt machte ich heute nicht mehr, dazu war das Wetter einfach zu trübselig.




                        19.3 2009, Stor Ulvåfjället–Storforsen, 11 km, +60, –100 Höhenmeter

                        Wie Sarekmaniac erfolgreich ein großes Geschäft verrichtete und am Ende trotzdem die Hosen voll hatte, wie sie eine Fluszexpedition unternahm und dem Wind ein Schnippchen schlug




                        Am nächsten Morgen haderte ich erstmal ausgiebig mit dem Wetter, drehte mich noch viermal im Schlafsack um und dehnte das Frühstück bis an die Grenzen des Vertretbaren aus. Nasser klebriger Flugschnee pappte am Zelt, Wind, Nebel, Temperaturen um Null - bääh. Am späten Vormittag brach ich leicht missmutig auf. Viel zu sehen war nicht und ich nahm das GPS zur Hilfe, um einen guten Kurs zwischen Lill Ulvåfjället und Östra Endalshöjden zu finden. Doch als ich die Ostseite der Endalshöjden erreicht hatte, begann der Wind, den Nebel auseinanderzutreiben. Immer wieder waren für einige Sekunden die andere Talseite und der mäandrierende Handölan sichtbar. Großes Kino, dass ich ausgiebig genießen wollte. Hinter einem steilen Fels grub ich einen windgeschützen Sitz, flätzte mich mit der Isomatte in den Schnee und machte ein ausgiebig Mittagspicknick (so gesehen hatten die milden Temperaturen auch ihr Gutes). Feiner Flugschnee stäubte über die Felskante und schnell war der Rücken des Softshells weiß, doch da es warm war, machte das nichts. Bevor ich aufbrach, nutzte ich den schönen gemütlichen Platz noch für ein Geschäft, das keinerlei Aufschub mehr duldete. Leider berechnete ich die Windverhältnisse nicht ganz richtig. So brachte ich meine Hinterlassenschaft zwar unfallfrei im dafür geschaufelten Loch unter, doch leider war die runtergelassene Buchse voller Triebschnee, als ich fertig war.



                        Aus dem Windschutz des Felsen heraus, merkte ich, wie stark der Wind inzwischen geworden war. Langsam fuhr ich Richtung Süd/Südost zum Handöl ab, bis ich auf den markierten Weg stieß, der von Gamla Sylan nach Gåsen führt. Nach anderthalb km entlang den Markierungen kreuzte ich einen tief eingeschnittenes Flußtal. Ein kleiner Nebenfluss des Handölan hat einen regelrechten kleinen Canyon mit bis zu 15 m hohen Wänden gegraben. Angesichts des perfekten Windschutzes zögerte ich nicht lang, und lief ca 300 m den Flußlauf entlang, bis ich zwischen einigen Birken ein schönes Plätzchen fand. Bevor ich das Zelt aufbaute, ließ ich Pulka und Rucksack stehen und erkundete noch ein halbes Stündchen den kleinen Canyon.
                        Zuletzt geändert von Sarekmaniac; 21.01.2014, 14:24.
                        Eshche odin zhitel' Ekaterinburga zabralsja na stolb, chtoby dokazat' odnoklassnice svoju bespoleznost'.
                        (@neural_meduza)

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                        • Gast-Avatar

                          #13
                          AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                          das verspricht ja, ein wirklich guter Bericht zu werden. Selbst mir als Nichtwintermensch gefällt das total.

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                          • Sarekmaniac
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                            • 19.11.2008
                            • 10794

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                            20.3 2009, Storforsen– Gåsen, 8 km +300 Höhenmeter

                            Ballanders kommt zu Simplicissimo, und lehret ihn mit Mobilien und Immobilien reden und selbige verstehen




                            Obs, falsches Jahrhundert. Und Ballanders ist nicht Wallander. Und ich wüsste jetzt auch nicht, ob mein Zelt eine Mobilien oder Immobilie ist. Reden tue ich allerdings mit ihm. Und es versteht mich. Glaube ich. Hoffe ich.



                            Also, zweiter Anlauf:

                            Pantagruel erhält die Nachricht, dass die Dispoden in das Land der Amauroten eingefallen sind, und verlässt Paris, desgleichen weshalb die Meilen in Frankreich so kurz sind.



                            Sorry, schon wieder daneben. Wieder falsches Jahrhundert. Und auch noch das falsche Land. Schwedische Meilen sind auch viiiiel länger als französische.

                            Nun denn:

                            Wie Sarekmaniac weniger als eine schwedische Meile ging, wie sie erst hinweggespült, sodann hinweggeweht wurde, wie sie den Berg Gåsen erklomm und 13 (ach was: 300!) Fuder Schnee hinwegräumte, um in einem hölzernen Refugium ihre Mobilien zu trocknen, desgleichen wie sie ebensolches Refugium mit einer Rotte eingeborener Schamanen teilte, die dem Gotte Gepe-Es huldigten

                            Es wurde ein kurzer Tag. Nachts waren große pappige Flocken gefallen, auf dem Zeltdach standen sulzige Pfützen, und nach mehreren Tagen mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt waren Zelt, Schlafsack, Bewohnerin hübsch gleichmäßig durchfeuchtet. Ich schickte, wie schon am Abend vorher, eine Jammer-SMS an Across, was den Frost aber nicht hervorlockte. Also hieß das Tagesziel Gåsen, so ein halber Ruhetag auf einer Hütte war genau das, wonach mir der Sinn stand. Schließlich war ich schon ein paar Tage unterwegs.


                            Das Sulzschneemassaker von innen...


                            ...von außen...


                            ...und von oben.

                            Kurz nach dem Aufbruch stellt ich fest, dass die Windstille eine dem Flusscanyon geschuldete Illusion war: Der böige Westwind hatte noch zugenommen, die Wolken wanderten rasch, verdunkelten die Sonne, dann wieder schien die Sonne und der glitzernde Flugschnee fegte über den Boden. Das das ganze von hinten kam, war alles halb so wild, und die 2,5 km bis zum Windschutz Gåsen ein Katzensprung. Es blies derartig, dass ich die 10-Minuten-Trinkpause in die Hütte verlegte – so war es einfacher, die Felle ordentlich aufzuziehen. Ich hatte Probleme, die Tür wieder auf zu bekommen, gegen die der Wind drückte. Immerhin waren die Wolken für einen Moment auseinandergetrieben, sodass sogar etwas blauer Himmel sichtbar wurde.








                            Beim Windschutz Gåsen.

                            Kurz hinter dem Windschutz begann der Aufstieg, für Pausen war es mir zu windig, und so marschierte ich die fünf km und 300 Meter Aufstieg in einem durch. Als ich die Gåsenhütte auf 1130 m Höhe erreichte, war die Sicht wieder völlig eingetrübt, und von der spektakulären Lage der höchstgelegenen schwedischen Fjällhütte bekam ich nicht viel mit





                            Erstmal war ein Viertelstündchen Schaufeln angesagt, ehe ich mich in der kleinen Hütte einquartierte. Bald brannte ein munteres Feuerchen im Ofen, Zelt und Schlafsack waren zum Trocknen aufgehängt, und ich leistete etwas Fronarbeit im Holzschuppen, um die Vorräte aufzustocken. Dann hielt ich ein Mittagsschläfchen, dann wusch ich Wäsche und danach faulenzte ich herum, bis nachmittags eine Gruppe Schweden ankam.



                            Da wurde es spannend, denn das Trüppchen, fünf Männer so um die sechzig, holte, nachdem es sich häuslich eingerichtet hatte, ein GPS hervor. Was sage ich, ein GPS – das Gepe-Es, die Mutter aller Gepe-Esse. Ein Gerät der ersten Stunde von Magellan, Gewicht ca. 700 g. Es hatte einen tiefblau schimmernden Bildschirm und kannte nur ein einziges Format, natürlich die Mutter aller Formate, sprich Länge und Breite. Und Orientierung geht so: Auf der Karte die Wegpunkte für den folgenden Tag eintragen, dann die nur am Kartenrand angedeutete Länge und Breite mittels Bleistift und mehrfach angelegtem Kompasslineal in die Karte hinein verlängern , derart die Koordinaten von Wegpunkt 1 ermitteln und ins Gepe-Es eingeben. Dann einen Strich von Wegpunkt 1 zu Wegpunkt 2 zeichnen, mit Kompass den Winkel und Abstand messen, letzeren in km umrechnen, Winkel und Abstand ins Gepe-Es eingeben, welches daraufhin auf wunderbare Weise Wegpunkt 2 generiert. Und so weiter. Wenn man durch ist: Die Werte vom Gepe-Es ablesen und in eine Tabelle auf Papier übertragen. Erste Spalte: Wegpunkte, zweite Spalte: Marschzahlen, dritte Spalte: Distanzen. Warum? Keine Ahnung. Oder war’s umgekehrt? Ablesen war auch nicht ganz ohne, wegen der vielen kaputten Pixel. Dafür gab’s im Gepe-Es-Konsortium extra einen Hieroglyphenspezialisten. Ach so, und sie hatten alle löchrige Netzhemden an, Baujahr geschätzt 1985. Ganz schön viel Arbeit, so ein GPS, dachte ich mir, besonders wenn man markierte Wege geht. Es war so interessant, ich kam gar nicht zum Lesen.

                            Abends kam der Hüttenwirt mit dem Wetterbericht vorbei: Etwas kälter, etwas weniger Wind, etwas Neuschnee, bedeckt. Keine traumhaften Aussichten, doch ich beschloss, am nächsten Morgen die geplante Schleife durchs Bunnerfjäll anzugehen. Dann verließ ich den überheizten Raum der Schweden und zog mich in mein Abteil zurück, in dem der Ofen schon drei Stunden nicht mehr brannte. Wenn man einige Nächte bei Kälte draußen verbracht hat, schläft man bei Zimmertemperaturen nicht mehr gut.
                            Zuletzt geändert von Sarekmaniac; 23.11.2009, 18:02.
                            Eshche odin zhitel' Ekaterinburga zabralsja na stolb, chtoby dokazat' odnoklassnice svoju bespoleznost'.
                            (@neural_meduza)

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                            • across
                              Erfahren
                              • 14.01.2009
                              • 332

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                              OT: ge-pe-essen jaja, ich höre schon Jan!!!

                              Bläähh, das war ja wirklich arg viel Schnee und Nässe.

                              Freue mich schon auf die Fortsetzung der "blauen" Schlaufe!
                              Meine Erfahrungen, Tipps, Tricks, Tourenvorschläge für Nordskandinavien und nicht zu letzt Rezeptideen gibt es zwischen zwei Buchdeckeln:
                              "Trekking-Abenteuer in Nordskandinavien"

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                              • Sarekmaniac
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                                • 19.11.2008
                                • 10794

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                                Das war wirklich lustig. Und da soll noch mal jemand sagen, mein GPS 12 wäre alt und schwer. 12, 13 Jahre, 250 g inkl. Batterien.

                                @Across:

                                Vielleicht solltest Du namens und im Auftrag der Expeditionistinnen-Leitung mal die offizielle Sommerpause verkünden.

                                Irgendwie habe ich Zweifel, dass ich es bis nächste Woche bis zur Nedalshytta schaffe...
                                Eshche odin zhitel' Ekaterinburga zabralsja na stolb, chtoby dokazat' odnoklassnice svoju bespoleznost'.
                                (@neural_meduza)

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                                • across
                                  Erfahren
                                  • 14.01.2009
                                  • 332

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                                  SOMMERPAUSE!
                                  Ja, die zwei Expeditionistinnen haben etwas gemeinsam: sie brechen gerne auf zu neuen Expeditionen:

                                  Sarekmaniac wird sich nächste Woche zusammen mit GöGa zu den Vikingern vorwagen, kontrollieren, ob noch was vom Schnee von gestern da ist, Täler durchschreiten, vielleicht den Moschusochsen entgegenschnauben und kontrollieren, wer den längeren Atem hat.... Abschluss der Tour ist in Christiania, wo die zwei wohl Hotel-Frühstücks-Buffets unsicher machen...

                                  Across wird eine Woche später zu den Svealändern aufbrechen und als Halb-Eingeborene eine Meute Eingeborene sicher und zuverlässig durch die Weiten des hintersten Eckens Schwedens begleiten. Danach ist Privat-Tour mit dem angetrauten Eidgenossen auf dem Programm, evtl. in Begleitung eines lieben Eingeborenen aus Laponia. Hin- und Rückreise per Dampfross (macht etwa 65 Stunden Dampf-Galopp...)

                                  Und danach schreiben wir in alter Frische weiter.

                                  Im Namen der Expeditionistinnen-Leitung
                                  /Across
                                  Meine Erfahrungen, Tipps, Tricks, Tourenvorschläge für Nordskandinavien und nicht zu letzt Rezeptideen gibt es zwischen zwei Buchdeckeln:
                                  "Trekking-Abenteuer in Nordskandinavien"

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                                  • Hexe
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                                    • 01.08.2006
                                    • 1816

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                                    Echt genial geschriebener Bericht und schöne Bilder. Freu mich auf die Fortsetzung.

                                    Gruß Hexe
                                    Nach Fletchers Flugkrankheits-Index steht die Papageienkrankheit an fünfter Stelle des - am liebsten wäre ich tot - Indexes. Der höchste Grad der Krankheit wird vom Großen Seitenscheiteladler erlitten, der über drei Länder auf einmal reihern kann.
                                    - Terry Pratchett -

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                                      • 19.11.2008
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                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [SE] [NO] Jämtland Tält-Gourmet-SpeXial

                                      22.3.2009. Gåsån - Stor Stensdalen, ca. 16 km +170, - 420 Höhenmeter

                                      Wie Sarekmaniac sich gen Bunnerfjäll aufmachte und im Stor Stensdalen auf unerwartete Hindernisse vertikaler Art stieß
                                      .

                                      Ach, hätte ich Olaus Magnus' Abhandlung:

                                      "Von erschröcklicher Abgötterey der Völcker, so zu eusserst gegen Mitternnacht unter dem Nortspitzen wohnen"

                                      beizeiten gelesen, nie wäre ich in dieser Hütte eingekehrt. Doch zum Glück: Die lange Nacht nahm ein Ende, der Voodoozauber der Gepe-Es-Anhänger war folgenlos an mir abgeprallt.

                                      Das Zelt war schön trocken am nächsten Morgen, die durchgewaschene Kleidung auch. Das Wetter war so lala: 7 m/sek Wind, Schneeschauer, begrenzte Sicht. So sollte es laut Wetterauskunft auch bleiben, so dass, mit unerschütterlichem Optimismus ausgestattet, beschloss, die geplante Schleife durch das Bunnerfjäll in Angriff zu nehmen.

                                      Für den Vormittag war die Route klar: Zuerst das kleine Joch nordöstlich der Gåsån-Hütte hoch bis auf ca 1200 m, und dann immer schön gemütlich leicht bergab den markierten Weg Richtung Stendalsstugorna entlang. Im Rastschutz Sitantjä machte ich Mittagspause.



                                      Im Lill-Stensdalen


                                      5 km und anderthalb Stunden später erreichte ich das bewaldete Lill-Stensdalen und begann, nach einer Aufstiegsmöglichkeit aus dem steiler werdenden Talkessel zu suchen, um ins Stor-Stensdalen zu wechseln. Etwa zwei km vor den Stensdalsstugorna wurde ich fündig und schraubte mich mit Spitzkehren den kleinen Bergrücken Tobegge hoch, der die beiden Täler teilt.


                                      Durch Birkenwald den Tobegge hinauf



                                      Auf dem Bergrücken angekommen hieß es Ski ab und auf die Pulka. Der Weg ins Tal war zu steil und zu dicht mit Birken bestanden zum Skifahren. In Falllinie stieg ich zu Fuß etwa 60 Höhenmeter ab, dann flachte der Hang aus und wenig später stand im tischebenen Talgrund. Zu sehen war, wie den ganzen Tag lang schon, nicht sehr viel.:

                                      Steil bergab an diesem Tag war nicht genug. Ein halbes Stündchen später muss ich noch einmal steil hinauf: Ein 40-50 m hohe Moräne verriegelt das Tal auf der gesamten Breite, nur ganz links ist ein Durchlass, durch den sich der Fluss zwängt.


                                      Unerwartetes Hindernis

                                      Ich lief gar nicht erst dorthin, um nachzusehen, ob das Eis in diesem Engpass tragfähig ist sondern nahm lieber die kleine Steigung in Angriff. Auf der anderen Seite öffnete sich ein weites Sumpfgebiet, in dem immer wieder kleine Baumgruppen standen. Nach etwa anderthalb km entdeckte ich einen geschützen Zeltplatz. Gerade als ich das Zelt aufgestellt hatte, legte sich der Wind und der Schneefall hörte auf. Sogar die Sonne kam durch und ich stand einfach noch eine halbe Stunde herum und genoss die wunderbare Stimmung.


                                      Abendstimmung

                                      Eine sensationelle Entdeckung krönt den Tag: Das Thermometer ist auf -5 Grad gesunken. Ein Wetterumschwung?


                                      Zuletzt geändert von Sarekmaniac; 23.11.2009, 18:05.
                                      Eshche odin zhitel' Ekaterinburga zabralsja na stolb, chtoby dokazat' odnoklassnice svoju bespoleznost'.
                                      (@neural_meduza)

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                                        Uih es geht weiter...

                                        Schööööööööööööön!
                                        Manchmal ist weniger mehr.

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