[NO] Hohe Routen im hohen Norden - Sjunkhatten, Svartisen und...

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  • walnut
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    • 01.04.2014
    • 656

    • Meine Reisen

    #21
    Echt ne Freude dieser Bericht, textlich und optisch

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    • TilmannG
      Dauerbesucher
      • 29.10.2013
      • 770

      • Meine Reisen

      #22

      II. Sjunkhatten - eine alpine Runde im Herzen des NP


      Bei der Tourplanung für 2019 hatte ich zwar die Karten für den NP mit ausgedruckt, aber dann kein Projekt weiter verfolgt. Es gab genug andere Ideen. Von Steigen hatten wir dann immer wieder sehr direkte Blicke in die fantastische Bergwelt Sjunkhattens und es stand fest: da wollen wir hin. Das stellte sich bald als nicht so ganz einfach heraus, ich bin nur an wenige Informationen herangekommen: Bernies Route von 2013 und einige wenige Tages- und Gipfeltouren auf peakbook.
      Viele Tage habe ich dann an der 3D Darstellung von norge i bilder gesessen. Dabei ist ein schwere Route mit vielen ungewissen Übergängen, weitgehend eigener Streckenführung und guten Gipfelmöglichkeiten herausgekommen. Einige Passagen würden nur bei ausreichender Schneelage funktionieren, Steigeisen und Pickel waren daher gesetzt. Seilkram haben wir aus Gewichtsgründen weggelassen, lediglich 25m dünne Reepschnur zum Ablassen der Rucksäcke war dabei. Ich war in dieser Hinsicht ganz froh über eine klare Haltung ohne Experimente: entweder wir kommen ohne Basteleien durch oder eben nicht. Umkehren oder Abbrechen wäre irgendwie immer möglich gewesen. Für gute 10 Tage Essen gab es und eine flexible Tourplanung ohne Tagesziele, mehr eine Ideensammlung, wie eigentlich immer bei uns.
      Bevor es jetzt endlich los geht – hier nochmal der Link zur handgemalten Route: googlemap


      1.Tag (5. Aug)
      Der PKW steht in einer kleinen Parkbucht kurz vor Heggmoen – mit einem kleinen Zettel, dass wir länger weg sind. Wir folgen einem markierten Steig hinauf auf den Heggmotind. Noch ist es einfaches Wandergelände, ein paar Felsplatten, ein paar feuchte Stellen. Zwei Norweger ohne Gepäck sind auch unterwegs, bis zum Ende der Runde die einzigen anderen Trekker. Bald ist der Blick frei auf den Vatvatnet, den Saltfjord und die Berge Helgelands.

      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 107_norge_08-2020_0638.jpg Ansichten: 0 Größe: 156,9 KB ID: 3024522

      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 109_norge_08-2020_0640sw.jpg Ansichten: 0 Größe: 107,6 KB ID: 3024520

      Mittags sind wir auf dem Gipfel und schlagartig änderte sich der Charakter unserer Tour: steil und exponiert geht es hinunter auf den Rücken der zum Dalfjellet und weiter zum Breiviktinden führt. Ohne Zeichen einer Begehung, aber immerhin hatte ich einen dünnen Hinweis, dass hier schonmal jemand mit Trailrunnern durchgejoggt war. Zwischen steilen Felsen hangeln wir uns hinunter, müssen immer wieder mal zurück und neue Durchschlüpfe suchen. Insgesamt gelingt dies ohne allzu sehr in die Flanken abgedrängt zu werden. Auch die dicken Rucksäcke können meist gleich mitgenommen werden.

      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 111_norge_08-2020route_0647.jpg Ansichten: 0 Größe: 171,7 KB ID: 3024521
      Abstieg, hier schon der Weiterweg zum Breiviktind

      Unten angekommen, weiß ich dann gleich nicht mehr, welche Linie wir gegangen sind. Von gegenüber, am letzten Tourtag fotografiert, bekommt man in der Profilansicht aber wieder einen anderen Eindruck von diesem Abstieg.

      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 112_norge_08-2020_0649.jpg Ansichten: 0 Größe: 161,2 KB ID: 3024518

      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 290_norge_08-2020route_1597.jpg Ansichten: 0 Größe: 134,0 KB ID: 3024525

      Susanne ist ein bisschen geschockt von diesem Einstieg und kämpft mit dem schweren Rucksack, auch sie muss jetzt mehr tragen. Aber es geht jetzt lockerer weiter, immer mit grandiosem Panorama hoch über dem Heggmovatnet. Bis zum Gipfel des Dalfjellet zieht es sich dann doch, dafür bereitet der nächste Abstieg keine Probleme.

      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 113_norge_08-2020_0651.jpg Ansichten: 0 Größe: 179,3 KB ID: 3024523
      Abstieg vom Dalfjellet


      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 114_norge_08-2020_0654.jpg Ansichten: 0 Größe: 170,4 KB ID: 3024526
      Rückblick zum Heggmotind


      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 293_norge_08-2020route_1617.jpg Ansichten: 0 Größe: 175,7 KB ID: 3024519
      und nochmal der Blick von gegenüber

      Gegen 17 Uhr stehen wir am nächsten Grataufschwung, ein kleiner Tümpel gibt gutes Zeltgelände an der Abbruchkante über dem See. Wir beschließen hier zu bleiben, sonst müssten wir 500m höher wohl auf einem Schneefeld am Breiviktind übernachten.


      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 115_norge_08-2020_0660.jpg Ansichten: 0 Größe: 167,0 KB ID: 3024524

      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 116_norge_08-2020_0658.jpg Ansichten: 0 Größe: 180,1 KB ID: 3024527
      http://www.foto-tilmann-graner.de/

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      • TilmannG
        Dauerbesucher
        • 29.10.2013
        • 770

        • Meine Reisen

        #23
        2. Tag (6.Aug)
        Mit der Sonne laufen wir los, es ist frisch und strahlend schön. Aber bereits ab Mittag ist Nieselregen angesagt, was man in diesem Gelände gar nicht brauchen kann. Es geht steil aber nur mäßig exponiert nach oben, Susanne kämpft weiterhin mit ihrem Rucksack. Unter P1071 queren wir auf Schneebändern bis südlich des Breiviktind. Der Schnee ist gut gangbar, fast schon ein bisschen weich, vielleicht wäre es oben herum sogar lockerer gegangen.

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 117_norge_08-2020_0662.jpg Ansichten: 0 Größe: 143,9 KB ID: 3024533

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 118_norge_08-2020_0673.jpg Ansichten: 0 Größe: 137,1 KB ID: 3024538
        Dalfjellet und Heggmoetind, schon weit hinten


        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 119_norge_08-2020_0665.jpg Ansichten: 0 Größe: 180,5 KB ID: 3024542

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 120_norge_08-2020_0675.jpg Ansichten: 0 Größe: 139,8 KB ID: 3024539

        Ein bisschen sitzt uns die Zeit im Nacken, der nächste Übergang braucht guten Trittschnee und gutes Wetter. So sprinte ich allein hinauf auf den Gipfel, wo ich noch vor 9 Uhr fantastische Ausblicke habe. Die schlechte Wetterprognose mag man nicht glauben.

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 121_norge_08-2020_0682.jpg Ansichten: 0 Größe: 123,5 KB ID: 3024537
        Mistfjorden, dann Fjær, ganz hinten die Lofoten

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 122_norge_08-2020_0684.jpg Ansichten: 0 Größe: 144,2 KB ID: 3024540

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 123_norge_08-2020_0685.jpg Ansichten: 0 Größe: 147,1 KB ID: 3024541
        Tullelvvatnet, dann Sjunkhatten, hinten Helldalisen

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 124_norge_08-2020route_0690.jpg Ansichten: 0 Größe: 119,6 KB ID: 3024545
        unsere Route eine Woche später...dahinter Blåmannsisen und die Gletscherberge von Sulitjelma

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 125_norge_08-2020_0692.jpg Ansichten: 0 Größe: 113,1 KB ID: 3024544

        Für den Abstieg finde ich ein weiteres Schneefeld auf dem ich abfahren kann, in nur 10min komme ich so zurück zu Susanne.
        Zusammen queren wir nun weiter gen NE, bevor es steil hinunter geht zur Scharte zwischen Breivik­ und Fagertinden. Meist können wir den Schnee nutzen, angenehm und ohne Hilfsmittel. Aber unter uns bricht es steil ab in einen noch vereisten Karsee. Mit einer nur kurzen Klettereinlage erreichen wir die Scharte, doch dies war nur der erste ungewisse Abschnitt des Tages.

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 126_norge_08-2020_0696.jpg Ansichten: 0 Größe: 96,4 KB ID: 3024543

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 127_norge_08-2020_0697.jpg Ansichten: 0 Größe: 167,9 KB ID: 3024531

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 129_norge_08-2020_0704.jpg Ansichten: 0 Größe: 168,4 KB ID: 3024535

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 128_norge_08-2020_0698.jpg Ansichten: 0 Größe: 147,9 KB ID: 3024532

        Nun hätten wir die Wahl: Entweder nach W Richtung Breivikdal und dort auf Bernies Route zum Anderselvvatnet. Oder in direkter Linie nach N zum See, den steilen letzten Abstieg konnte ich auf den Satphotos kaum einsehen. Das Gelände um den projektierten Zeltplatz der westlichen Variante sieht moorig aus, die folgende Blöcke mochte auch Bernie nicht. Wir wollen daher die ungewisse Linie probieren, man könnte immer noch auf das schon begangene Gelände ausweichen.
        Über den Plattengürtel unter dem Sattel mogeln wir uns irgendwie drüber, dann folgt eine fürchterliche Schutthalde, die wir mit nur wenig Höhenverlust queren müssen. Das ist zeitraubend, und wir sind sehr froh, als wir endlich auf gutem Boden zum Sattel über dem Anderselvvatnet laufen können.


        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 130_norge_08-2020route_0707.jpg Ansichten: 0 Größe: 192,7 KB ID: 3024536

        Es ist nun 12 Uhr – und pünktlich wie die Maurer setzt der versprochene Nieselregen ein. Eine steile Schneerinne führt hinunter, von oben kann man sie nicht einsehen. Ohne Rucksack turne ich in den begrenzenden Felsen umher und versuche das Gelände einzuschätzen. Im Couloir erkenne ich einen kleinen Riss, darunter habe ich immer noch keine Einsicht. Aber viel Wahl haben wir nicht, die Felsen sind bereits nass und von oben kaum einzuschätzen. Ich kann nur hoffen, dass der Riss nicht durchgeht. Nun mit Steigeisen stapfen wir also die Rinne hinunter, bald mit dem Gesicht zum Berg. Der Riss ist nur ein kleines Loch, danach geht es glatt weiter. Es ist wirklich steil, Susanne macht das aber super gut. Der See kommt bald näher, eingebettet in wüste Blockfelder die den Gedanken an einen Platz fürs Zelt gar nicht erst aufkommen lassen. Doch wie durch ein Wunder gibt es genau im Auslauf unserer Rinne einen einzigen passgenauen ebenen Fleck.

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 131_norge_08-2020_0711.jpg Ansichten: 0 Größe: 166,0 KB ID: 3024534
        Zuletzt geändert von TilmannG; 26.02.2021, 17:17.
        http://www.foto-tilmann-graner.de/

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        • Sena
          Neu im Forum
          • 03.11.2014
          • 6

          • Meine Reisen

          #24
          Moin,
          wenn ich das richtig verstanden habe, seid ihr zu eurem letzten Übernachtungsplatz in der Rinne abgestiegen, die mit dem Pfeil markiert ist, richtig? Ich bin sehr beeindruckt! Ich war vor 4 Jahren im Sjunkhatten unterwegs und zumindest für mich sahen die Kesselwände nicht begehbar aus.
          Angehängte Dateien

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          • TilmannG
            Dauerbesucher
            • 29.10.2013
            • 770

            • Meine Reisen

            #25
            Ja, das ist die Rinne. Danke für das Foto, das hat mir gefehlt. Wir hatten deutlich mehr Schnee (blaue Linien), das macht es schon einfacher.
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: image_17367.jpg
Ansichten: 72
Größe: 390,6 KB
ID: 3024613
            Mir waren für die ganze Runde noch intakte Schneefelder an den Schlüsselstellen sehr wichtig, das wird noch paarmal kommen. Deshalb haben wir diese Tour, trotz der nicht ganz optimalen Wetterprognosen, auch nicht nach hinten geschoben. Bei dieser Rinne möchte ich nicht ausschließen, dass man sich auch daneben durchschummeln kann, Trockenheit und gute Sicht vorausgesetzt.
            Grüße von Tilmann
            http://www.foto-tilmann-graner.de/

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            • Sena
              Neu im Forum
              • 03.11.2014
              • 6

              • Meine Reisen

              #26
              Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Hast du zufälligerweise ein Foto vom Breiviktind ins Breivikdal aufgenommen?

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              • TilmannG
                Dauerbesucher
                • 29.10.2013
                • 770

                • Meine Reisen

                #27
                In den RAW-Daten habe ich noch gefunden, es lag aber morgens noch ein tiefer Schatten im Breivikdal.
                Man kann die Aufnahmen fast zusammensetzten. Beim Quer-Format (ist ein bisschen größer hinterlegt >klick) in der Mitte das Middagsskaret, darüber war Bernie (und wohl auch du?) gekommen.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: norge_08-2020_0683.jpg
Ansichten: 0
Größe: 1,12 MB
ID: 3024825

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: norge_08-2020_0688.jpg
Ansichten: 0
Größe: 144,7 KB
ID: 3024824
                http://www.foto-tilmann-graner.de/

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                • vobo

                  Erfahren
                  • 01.04.2014
                  • 461

                  • Meine Reisen

                  #28
                  Echt eine tolle Landschaft - da wird es mich auch noch hinziehen. Vielen Dank.

                  Sena Insofern könntest Du doch auch noch einen Bericht von 2016 schreiben?

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