[ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

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    [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    29.6. - 6.8.2019
    Trekkingtour durch die Zentralpyrenäen



    Teil 1: 29.6.-13.7.2019
    Salent de Gallego -> Bielsa

    Parc National des Pyrenees Occidentales, Parque Nacional Ordesa y Monte Perdido
    Karte IGN rando editions 12, 1:50 000 von 2018


    Teil 2: Bielsa -> Salardu 13.-22.7.2019
    (Parque Natural Posets Maladeta)
    Karte IGN rando editions 13, 1:50 000 von 2019

    Teil 3: Salardu -> Salardu 24.7.-4.8.2019
    (Parc Nacional Aiguestortes i Estany de Sant Maurici)
    Karte IGN rando editions 06 1:50 000 von 2017


    Gestern bin ich nach dem 2. Abschnitt meiner Tour in Salardu angekommen.
    Wieder einmal Salardu! Schön, "nach Hause" zu kommen.
    Und wieder einmal übernachte ich bei Manel im Refugi Rosta.
    Diesmal hat die Paketpost funktioniert. Ich habe sowohl Verpflegung als auch Gaskartusche vorgefunden.
    Daher habe ich nun einen ganzen Tag Zeit, mich hier in Salardu herumzutreiben, ohne mich um Nachschub für die 3. Etappe kümmern zu müssen.
    Allerdings muss ich nun die folgenden Tage besser planen. Im Nationalpark Aiguestortes darf man nicht wild zelten. Ich muss also die Strecken so legen, dass ich abends in einer Refugi übernachten kann oder außerhalb des NP. Dazu muss ich dann die Häuser kontaktieren, ob sie für die geplanten Nächte eine Matratze für mich frei haben.
    Es gibt eine ausgeschilderte Rundtour "Carros de Foc", die will ich so aber nicht laufen, sondern meine eigene Route gehen.

    Nach dem reichhaltigen Frühstück im Refugi Rosta schreibe ich ein paar emails und ein paar Postkarten mit Wintermotiven aus dem Supermarkt. (Sommer gibt es hier nicht.) Damit gehe ich zur Post, die nur von 11-11:30 geöffnet hat. Dort erfahre ich, dass die Post hier KEINE Briefmarken verkauft! Ääääh - wie? Wo ich die bekomme, wisse man auch nicht so genau. Vielleicht im Hotel am Dorfplatz. (Was genau macht die spanische Post, wenn sie keine Briefmarken verkauft? Und auch unzuverlässig Post austrägt, wie ich schon wiederholt erfahren musste ...) Das Hotel hat auch keine Briefmarken. Ich frage Manel im Refugi Rosta, ob der wisse, wo ich sowas Exotisches bekommen könne. Und ganz selbstverständlich zieht er eine Schublade auf und holt ein Heftchen mit Briefmarken heraus. Weil seine Gäste die ja ab und zu bräuchten. Manel ist echt eine Instanz in Salardu! Vielen Dank, Manel! Du bist klasse!
    Ich hoffe, die Post ist der richtige Ort die fertigen Postkarten einzuwerfen ...

    Nun wechsele ich auf dem Dorfplatz mit dem Schatten die Bänke. Bei der Buchung der Hütten scheitere ich am Buchungsprogramm und kann keine Anzahlung tätigen.
    Ich beschließe irgendwann, es einfach drauf ankommen zu lassen. Entweder ich bekomme einen Platz oder muss halt zur Not verbotenerweise irgendwo versteckt zelten. Wenn ich nicht noch aus dem NP herauskomme für die Nacht.

    Ich wasche meine Socken, lade alle Akkus.
    Da ich am Ende der Tour wieder hierher komme, darf ich einen Karton mit Sachen hier deponieren. Ich gehe meine gesamte Ausrüstung Stück für Stück durch und sortiere ein paar Dinge aus, die ich in den nächsten 10 Tagen wohl nicht brauche. Unter anderem lasse ich Steigeisen und Pickel hier. Außerdem all die ungegessenen Frühstücksmüslis der letzten Tage.
    Ich habe im Laden Tortillas gekauft und Dipsauce dazu. Mal sehen, ob das zum Frühstück besser rutscht. Die Dips sind allerdings in Glasgläsern! Eigentlich viel zu schwer. Egal, mal einen Versuch wert. Trotzdem packe ich auch Müslis ein.

    Ich lerne Bernard kennen, einen Franzosen auf der HRP. Er schläft im selben Dorm, wir verabreden uns zum Abendessen.
    Den ganzen Nachmittag faulenze ich (körperlich), futtere mich dabei jedoch durch die Regale des Lädchens. Abends bin ich nicht mehr sooo hungrig, was Bernard zugute kommt. Ihn hat der hiker hunger voll im Griff und er futtert von meiner Portion immer noch die Hälfte mit. Wir erzählen und lachen viel. Viele Leute habe ich unterwegs noch nicht getroffen, es ist schön, einen Gleichgesinnten zum Quatschen zu haben. Die HRP habe ich im Jahr zuvor gemacht, es gibt also viel auszutauschen.




    Nach einer wieder viel zu warmen Nacht unterm Dach stehen wir beide um 7 auf, frühstücken und ziehen um 8:30 los.
    An der ersten Gabelung trennen sich unsere Wege jedoch, wir verabschieden uns herzlich. Bonne route!

    Ich laufe ein Asphaltsträßchen an einem Bach entlang nach Tredos, dann dem Bach weiterhin folgend auf Schotterpiste leicht ansteigend durch das Tal Vall de Ruda aufwärts. Der Blick anfangs auf den Wintersportort Baqueira ist einigermaßen hässlich. An der Straße dorthin wird feste gebaut. Ich schaue einfach in die andere Richtung.
    Und bald habe ich nur noch das Tal und die Berge vor mir.




    Die Sonne steigt höher und brennt, es läuft sich aber prima. An einem Bächlein mache ich Pause.
    Irgendwann komme ich an eine Brücke mit Hütte, Parkplatz und Infotafel. Nun steige ich ein wenig über Betonplattenstraße auf, dann über Naturpflaster, bald auf natürlichem Pfad. Landschaftlich ist es hier sehr schön! Wiesen, Bäche, alte Bäume, kleine Schluchten, Felsen. Die Steigung bleibt eher gemütlich. Der Pfad windet sich um Felsvorsprünge und plötzlich stehe ich schon vor der Refugi Saboredo. Es ist erst 2 Uhr.
    Sie ist ganz klein, super gemütlich, eine schöne Mischung aus Modern und Rustikal, super Aussicht! Das gelbe Schild weist sie als Station des Carros de Foc aus.




    Nach einem Stündchen Pause, einer Dose Cerveza sin alcohol (3€) und einer Unterhaltung mit ein paar Spaniern mache ich mich wieder auf den Weg. Der Weg Richtung Col de Amitges ist nicht ausgeschildert, aber ich finde ihr doch schnell. Ein bisschen muss ich absteigen in ein kleines grünes Tal, dann felsiger auf der anderen Seite wieder hoch.




    Als ich zum großen Lac Major de Saboredo komme, sieht der nicht nach dem Traumzeltplatz aus, den ich mir erhofft hatte. Steile Felsufer reichen bis ins Wasser. Ich erkunde das Westufer und finde dann doch in einer Bucht ein hübsches grasiges Plätzchen.
    Es ist aber erst 4 Uhr. Wie so oft - zum Bleiben eigentlich zu früh, zum Weitergehen über den nächsten Pass zu spät.

    Da die letzten beiden Nächte für mich wieder einmal wenig Schlaf brachten (keine Ahnung, weshalb ich auf den Hütten so schlecht schlafe, zu warm vielleicht), lege ich mich erst einmal in den Schatten und hole ein Stündchen Nachtruhe nach. Dann erkunde ich ein wenig die Gegend, was ohne Rucksack auch immer mal ganz angenehm ist.

    Dann schlage ich mein Zelt auf. Hier bin ich noch außerhalb des Nationalparks und darf das.




    Dann natürlich das übliche Tee- und Essenkochen und Genießen der Aussicht.
    Auch, wenn es in Salardu schön ist und besonders in der Refugi Rosta, ich bin doch froh, wieder unterwegs und im Zelt zu sein!


    Salardu -> Lac Major de Saboredo 15,3 km + 1140 m - 34 m
    Zuletzt geändert von Meer Berge; 15.11.2020, 11:12.

  • Meer Berge
    Fuchs
    • 10.07.2008
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    • Meine Reisen

    #2
    AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

    Donnerstag, 25.7.2019, 2. Tag


    Diese Nacht im Zelt habe ich wieder super geschlafen!
    Zum Frühstück probiere ich Tortilla-Fladen mit Dip als Aufstrich aus. Natürlich klecker ich mir gleich auf die Hose. Trotzdem aber gerade eine gute Alternative zum Müsli, das ich in den letzten Tagen echt nicht mehr runter bekommen habe.

    Um 9:15 breche ich auf. Zum Lac Glacat geht es zum Teil recht steil mit ein wenig Gekraxel hinauf.


    Lac Major


    Lac Glacat

    Weiterhin steil mit Gekraxel zieht sich der Pfad hinauf zum Col de Estany Gelat, von dem aus ich auf der anderen Seite hinunter ins Vall de Gerber schauen kann. Vielleicht komme ich hier am Ende der Tour noch einmal lang und steige dann dort ab.





    Biwakschachtel Rifugi Mataro


    Nun geht es über Gras und Felsen den Bergrücken hinauf sogar bis über die Passhöhe.
    Durch Geröll quere ich Richtung Pass hinüber.
    Kurz vor dem Pass treffe ich auf den gelben Pfosten, der den Aufstieg zum Gipfel markiert.
    Rucksack und Stöcke lasse ich liegen und steige auf den Pic d´Amitges (2849 m) hinauf.





    Blick ins Vall de Gerber





    Zurück am Coll de Amitges habe ich Empfang und erfahre, dass ab morgen Mittag kräftiger Regen mit Gewittern angesagt ist. Übermorgen soll es den gesamten Tag so weitergehen, am folgenden Tag dann wieder besser werden. Ich passe meine Pläne dem Wetter an.
    Ab hier bin ich nun im Parc Nacional.

    Vom Pass steige ich teils einfach, teils mühsam über Gras, Geröll, Schotter und Fels hinunter zur Refugi Amitges.
    Der Weg zieht sich ziemlich und ist trocken. Das erste Wasser finde ich fast auf Höhe des Sees und stürze mich gleich darauf.




    Ein Pfad zieht sich in dauerndem Auf und Ab an einem größeren See entlang bis zur Hütte.
    Die ist nicht besonders schön, weder außen noch innen. Groß und praktisch. Die Terrasse erinnert an ein leergelaufenes Betonschwimmbad. Ohne den geringsten Schatten bei 30°C. So sitzen ein paar Wanderer auf einer Betonstufe auf der Nordseite des Hauses und picknicken. Ich trinke drinnen einen Cafe und schaue auf der Karte und im Rother, welche Alternativen ich für das angesagte Wetter habe.
    Als ich gerade gehen will, landet draußen vor der Hütte ein Hubschrauber.




    Ich mache mich auf zur Port de Ratera, über die ich den NP nach Norden wieder verlassen kann, um dort zu zelten.
    Der Aufstieg ist recht entspannt und gut ausgetreten.
    Dabei habe ich schöne Blicke auf die Felsnadeln Agulles d´Amitges.










    Der Pfad windet sich zwischen den Estanys del Barbs hindurch.




    Kurz vor dem Pass beobachte ich zwei Gämsen, hier Isards.
    Der Pass selbst ist wenig spektakulär, ein breiter Grassattel.
    Hier verlasse ich den NP wieder.
    Wenig später auf der anderen Seite lädt ein kleines Bächlein zu einer Pause ein.
    Von hier aus kann ich schon wieder hinuntersehen auf die Seen nahe der Rifugi Saboredo.

    Der Abstieg gestaltet sich ebenfalls entspannt.




    Ich passiere ein paar schöne Zeltplätze.
    Um 5 bin ich schon fast wieder an der Ref. Saboredo.
    Davor liegt noch der Lac deth Miei, zu dem ein Bächlein hinunterfließt. Ich verlasse den Pfad, folge dem Bächlein und finde eine sehr schöne Stelle zum Zelten. Ein wenig muss ich darauf achten, dass es nicht zu nass unterm Zelt ist. Außerdem dass ich vor Überflutung bei Regen sicher bin. Vor meinem Zelt erhebt sich die Agulla de Saboredo.




    Es ist erst 5. Ich wasche mich ausgiebig. Wenn der Wetterbericht zutrifft, werde ich ab morgen Mittag 1,5 Tage mein Zelt nicht verlassen. Dann ist es doch schön, gewaschen im Schlafsack auszuharren. :-) Auf der gegenüberliegenden Talseite hängt schon eine sehr schwarze Wolke, aus der es immer wieder einmal kräftig schüttet.







    Heute bleibe ich noch verschont.



    Lac Major de Saboredo -> Coll d´Amitges -> Port de Ratera -> Lac de Miei 10 km + 910 m - 940 m
    Zuletzt geändert von Meer Berge; 15.11.2020, 11:13.

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    • Meer Berge
      Fuchs
      • 10.07.2008
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      #3
      AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

      Freitag, 26.7.2019, 3. Tag



      Um 8:15 breche ich schon auf, um rechtzeitig vor dem Regen im Circ de Colomers zu sein, noch außerhalb des Nationalparks, um dort einen Zeltplatz für 2 Nächte/1,5 Tage zu suchen, bevor das Wetter losbricht.
      Eine Alternative wäre die Refugi Colomers anzusteuern. Aber dazu habe ich keine Lust. Ob Platz ist, weiß ich auch nicht.

      Ich passiere die Refugi Saboredo, ohne zu ihr hochzugehen. Noch bin ich nicht außer Sichtweite, beginnt es zu regnen. Schnell werfe ich meine Regensachen über und gehe weiter hoch zum Coth de Sendrosa, dem Pass zum Colomers-Gebiet. Der Weg dort hoch ist eher ein Spaziergang von 1 Stunde. Als ich oben ankomme, hört der Regen vorerst wieder auf. Während des Abstiegs wird mir so warm, dass ich die Regenhäute wieder abwerfe.
      Ich steige durch hohe Pflanzen, Farne und Felsen hinunter in ein grasiges Tal, dann wieder hinauf zu ein paar hübschen Seen zwischen Wald und Fels.




      Ich mache kurz Picknick, laufe dann weiter zum Lac Long in den Circ de Colomers hinein. Ein schöner Weg zieht sich am Ufer entlang, das andere Ufer ist steil. Am Himmel wird es dunkler. Am Ende des Lac Long gibt es eine kleine Landbrücke zum nächsten See Lac Redon. Hier fließt ein Bach, sogar recht groß. Die Landschaft ist hügelig, es gibt ein paar Büsche.
      Das sieht vielversprechend aus. Über Steine komme ich auf die andere Bachseite. Ich sehe mich auf und ab ein wenig um. Ein Auge immer auf den Himmel gerichtet. Hinter einer Geländekante zwischen den Seen, bewachsen mit Azaleen, finde ich eine fast ebene Wiese. Am Rand ist sie hoch und trocken genug, dass ich hoffen kann, bei heftigem Regen nicht abzusaufen. Ein weiteres kleines Moorbächlein mit vielen Kaulquappen und anderem Getier fließt durch die Wiese. Es waren schon Leute hier, die auch ihre unschönen Spuren hinterlassen haben: eine Feuerstelle und am Gebüsch Klopapier. Trotzdem ist es der beste Platz hier, um bei schlechtem Wetter zu zelten. Vom Weg ist er nicht so leicht einzusehen. Ich baue das Zelt fix auf, es wird immer dunkler über mir. Schnell fülle ich noch alle Gefäße mit Wasser aus dem großen Bach auf, um dann nicht mehr rausgehen zu müssen. Ich bin bereit.
      Und dann warte ich auf den Regen.

      Statt dessen kommt die Sonne raus.
      Oh. Hm. Ist das Unwetter abgesagt? Oder nur verschoben? Ich habe keinen Empfang. Sitze ich nun für 1,5 Tage hier bei strahlendem Sonnenschein? Weitergehen ist nicht ratsam, denn es geht vermutlich bald wieder in felsigere Gebiete, wo es sich schlecht zelten lässt.




      Tscha. Was jetzt? Ich laufe ein wenig in der Gegend herum. Mache Fotos.
      Komme mir ein wenig blöd vor, bei diesem herrlichen Wetter hier herumzusitzen und auf Regen zu warten.
      Doch dann zieht es langsam wieder zu.
      Um 13:45 beginnt es zu schütten.
      Einen Hering setze ich schnell noch etwas um. Das Zelt steht gut. Der Boden ist allerdings etwas torfig. Ich hoffe, der Wind wird nicht so stark, dass der Boden nicht hält.
      Nun regnet es den ganzen Nachmittag ohne Unterlass, mal stärker, mal weniger.
      In einer Nur-Niesel-Phase flitze ich schnell einmal raus, um den Tee wegzubringen und die Heringe zu kontrollieren. Einen sichere ich noch mit einem dicken Stein.
      Ab und an rumpelts im Gewölk.
      Gut, dass ich hier bin und auf den Wetterbericht vertraut habe.

      Ich verbringe den Nachmittag und Abend hauptsächlich mit Nichtstun. Schau mal auf die Karte. Koche mal einen Tee. Schreibe mal ein bisschen Tagebuch. Aber hauptsächlich mache ich nichts. Ich liebe das. Dem Regen auf dem Zeltdach zuhören. Dem Plätschern des Baches. Dem Wind. Ich glaube, meistens denke ich nicht einmal irgendwas. Ich liege im oder auf dem Schlafsack und bin einfach nur hier.

      Um 18:30 reißt es plötzlich auf und um mich herum ist wieder strahlender Sonnenschein.
      Um 21:00 wird es dunkel bei immer noch klarem Himmel.


      Lac deth Miei -> Lac Long 5,5 km + 440 m - 550 m
      Zuletzt geändert von Meer Berge; 15.11.2020, 11:15.

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      • Meer Berge
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        #4
        AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

        Samstag, 27.7.2019, 4. Tag

        Vor Sonnenaufgang beginnt es aufs Zelt zu prasseln.
        Ich schließe die Außentüren. Wenn das Wetter ok ist, lasse ich die nachts immer offen.
        Ohne Mücken bleibt auch das Moskitonetz offen. In den Pyrenäen gibt es selten Mücken.
        Jetzt beginnt es aber zu regnen.
        Ich drehe mich im Schlafsack wieder um.
        Zum Regen gesellt sich später mal Gewitter, mal Hagel.

        Gegen Mittag beruhigt sich das Wetter etwas. Ich öffne die Türen, wenn es gerade nicht regnet.
        Vertrete mir mal die Beine. Bringe Tee weg. Hole Wasser.
        Zwischen Schauern blinzelt sogar die Sonne kurz durch.

        Gegen 16:00 zieht Nebel durch mein Tal. 15°C.
        Anschließend prasseln wieder heftiger Regen und Hagel nieder.
        Ich lese im e-book-reader des Handies, liege einfach nur herum, höre der Natur zu, schlafe zwischendurch mal, esse Nüsse, trinke Tee.

        Um 20:30 regnet es bei 10°C immer noch.
        Ein Abend für Pü mit Pfeffersoße.



        Sonntag, 28.7.2019, 5. Tag


        Irgendwann im Morgengrauen hört der Regen auf, genau wie der Wetterbericht (jetzt MeteoBlue) prophezeiht hat.
        Die Sonne schaut um 9:30 über den Berg. Ich taue auf. Nachts zeigte das Thermometer 5°C an.
        Der Topf ist voll Wasser, ich hatte ihn gestern Abend unter eine Ecke des Zeltes gestellt.
        Nur langsam komme ich nach so langer Zeit des Rumgammelns in die Gänge. Ich habe aber auch Zeit, denn mein Weg wird nicht weit sein, damit ich noch einmal außerhalb des Parc Nacional zelten kann, bevor ich morgen hineintauche.

        Erst um 11 breche ich auf, immerhin in der Sonne. Der Wind ist allerdings richtig frisch. Ich ziehe nur Shorts an, aber Mütze und Jacke.
        Dann steige ich hinauf in den Circ de Colomers.


        Rückblick auf Lac Long und Lac Redon. Dazwischen habe ich die letzten 1,5 Tage verbracht.


        Der Aufstieg ist moderat. Es geht zwischen Felsen und Gras hindurch, immer wieder um Seen herum und an Bächen entlang.
        Irgendwann kommt mir die Richtung komisch vor.
        Ich habe es mal wieder geschafft, einen recht gut ausgetretenen Weg zu verlieren!
        Wieder einmal nicht aufgepasst, irgendwelchen Steinmännchen gefolgt, aus einer gut markierten Tour wird wieder eine Expedition. Ich schaue mich um und stelle fest, dass der eigentliche Weg gut 100 Hm unter mir liegt.
        Dort unten an dem See sollte ich laufen.




        Zwischen mir und dem Weg befindet sich nun aber eine hohe, senkrechte Felswand.
        Ich schaue auf die Karte. Eigentlich müsste ich statt unter diesem Berg, Tuc de Podo, auch hinter ihm über einen hohen Rücken kommen können. Weiter oben sieht das Gelände etwas flacher aus. Ich klettere also ein Blockfeld hoch, dann eine Rinne. Jo, sieht machbar aus. Ui, da steht ja sogar ein Steinmännchen herum. Allerdings scheinen die hier nur so zu stehen, ohne eine bestimmte Richtung oder Route zu markieren. Bald ist in meiner Richtung auch keines mehr zu finden.
        Dafür kann ich nun den Pass Coth de Podo vor und unter mir sehen. Eine steile Flanke muss ich noch queren. Die Felsblöcke sind groß wie Autos und ich muss immer wieder einen Weg aus einer Sackgasse heraus suchen, auf und ab und mal zurück. Macht aber trotzdem Spaß! Insgesamt komme ich ganz gut in die richtige Richtung voran. Dann muss ich in ein gerölliges Tal hinuntersteigen, drüben wieder rauf und dann stehe ich auf dem Pass. Das hätte ich einfacher haben können.
        Ich bin echt ein Dödel! Man muss schon an jedem Stein eine große rote Fahne befestigen, damit ich so einen deutlichen Weg nicht verliere.
        Aber so war´s auch schön. Vielleicht sogar schöner. Auf jeden Fall interessanter. Vielleicht verliere ich deshalb ja immer wieder den Weg ...
        Jetzt stehe ich trotzdem am höchsten Punkt des Rundweges und kann zurück und voraus sehen.


        Circ de Colomers, Ostseite, da komme ich her



        Circ de Colomers, Westseite, da will ich hin

        Den Pass nutze ich wieder und versuche einen Wetterbericht zu bekommen. Der Empfang ist schlecht, nach einigem Orgeln verspricht mir MeteoBlue dann 4 Schönwettertage incl. heute, danach ein paar Tage Gewitterneigung. Damit bin ich zufrieden.

        Es ist ziemlich windig und frisch hier am Pass, ich laufe weiter und auf der anderen Seite wieder hinunter. Auch der Abstieg ist moderat und windet sich hübsch durch die Landschaft. Immer wieder geht es am Seeufer entlang. Heute stehen sogar viele Wiesensenken unter Wasser. Gras und Blumen wachsen auf dem Grunde frischer Teiche.
















        Obwohl das eine angeblich sehr beliebte Tagestour ist, diese Runde, treffe ich am ganzen Tag vielleicht 3 mal Leute.
        Zwischendurch lege ich mich in eine windgeschützte Wiese, die schon trockengepustet ist. Wind-/Regenjacke und Mütze sind beim Aufstieg irgendwann in den Rucksack gewandert, aber die Ärmel meines Hemdes lasse ich unten. Der Gegenwind bleibt kalt.

        Nachmittags erreiche ich den großen Lac Major de Colomers.




        An seinem Ufer befindet sich die neue Refugi Colomers.
        Sie liegt wirklich idyllisch hier. Sie ist viel hübscher als das alte Haus am Ende des Sees. Die Wirte sind total nett. Ich setze mich mit einem Cafe auf einen dicken Stein vor dem Haus.




        Heli-Landeplatz






        Es gibt hier weder Empfang noch WiFi. Der nette Wirt ruft für mich über Satellit bei der Refugi Ventosa an und fragt nach einem Bett für die nächste Nacht. Dann werde ich im Nationalpark sein. Es ist alles belegt! Oh. Aber ich könne trotzdem mit einer Notmatratze oder meiner Isomatte irgendwo auf dem Boden schlafen. Nicht, dass ich mich darauf freuen würde, aber immerhin kann ich kommen und übernachten.
        Ich trinke noch einen Cafe und leihe mir eine Zange aus, um die Düse meines Kochers (alle paar Tage ) zu reinigen.

        Es wird immer wieder diskutiert, ob es ok ist, in der direkten Peripherie des NP zu zelten. Auch aus den Schildern wird man nicht so recht schlau. Mal scheint es ok, mal scheint es nicht erlaubt zu sein. Aber der Wirt fragt mich hier von sich aus, ob ich in der Hütte übernachten oder in der Gegend zelten will. Als ich ihm sage, dass ich oben am Bach zelten will, nickt er: Sehr schöner Platz! Ich betrachte das als Genehmigung.

        Dieser Bach ist ein Zufluss des Lac Major, an dem ich im letzten Jahr schon einmal im Abstieg von der Port de Caldes gezeltet habe.
        Von der Refugi aus steige ich einen Geländerücken hinauf, drüben wieder hinunter und erreiche so das Bachtal. Ich folge dem GR11.15 aufwärts und sehe mich nach schönen Stellen um. Bald finde ich eine, die mir noch viel besser gefällt als der Platz vom letzten Jahr.




        Ich bin noch viel zu früh. Ohne Rucksack erkunde ich die Gegend, den nahen See, einen Felsenhügel.
        Gegen 19 Uhr baue ich auf.





        Abends steigen vom Tal her Wolken auf und wabern hoch und runter durch das Tal unter mir.
        Wie schön, dass ich hoch genug bin, um das Schauspiel von oben zu erleben!













        Lac Long -> Refugi Colomers 8 km, + 550 m - 500 m
        Zuletzt geändert von Meer Berge; 15.11.2020, 13:31.

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        • Meer Berge
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          #5
          AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

          Montag, 29.7.2019, 6. Tag


          Die Nacht war frisch, 6°C, und sternenklar.
          Kurz vor Sonnenaufgang werde ich einmal wach. Was für eine herrliche Aussicht!




          Es wäre schön, häufiger um diese Zeit aus dem Zelt zu schauen. Oder gar aufzustehen ...
          Wenn ich nur nicht so faul wäre!

          Um 7:30 stehe ich auf, frühstücke 2 Tortilla-Fladen mit Dip (Rest des 1. Glases), um 8:50 bin ich unterwegs.
          Meine Beine laufen heute ziemlich leicht den Pass rauf.
          Zuerst begegne ich dieser hübschen Dame.




          Dann hole ich eine Britin aus Ilfracombe/Cornwall ein. Dort bin ich auf dem South West Coast Path durchgekommen. Sie schwitzt unter einem riesigen Rucksack, findet ihre Tour aber trotzdem toll! Jenseits der Port de Caldes treffe ich einen Spanier aus Barcelona, Josep. Mit ihm durchquere ich das Tal bis zum nächsten Pass Coret de Oelhacrestada.







          Josep läuft den Carros de Foc. Beide wollen wir den Abstecher auf den Montardo (2833 m) machen. Wir suchen nach dem Abzweig zum Aufstieg. Den möchte ich jetzt nicht verpassen. Dort lasse ich meinen Rucksack liegen und steige so unbeschwert auf den Gipfel. Sein Rucksack ist klein und leicht für Hüttenübernachtungen. Es sind einige Spuren, die immer mal wieder auseinanderdriften und wieder zusammenfließen. Viel erzählend erklimmen wir so den Gipfel.
          Tolle Aussicht!


          Estany de Monges im NP, den werde ich nachher passieren



          Lac deth Cap deth Port, Restanca und Lac de Mar mit Insel, Hintergrund Posets, dort bin ich letztes Jahr gelaufen





          Nach dem Abstieg trennen sich unsere Wege wieder, Josep will zur Ref. Restanca, ich zur Ventosa.
          Dann treffe ich einen Engländer, der von GB hierher zu Fuß gelaufen ist, die ganze französische Küste runter und dann über die HRP. Sein vorläufiges Ziel ist (vielleicht) Neapel. Zusammen erreichen wir die Refugi Ventosa viel zu schnell.




          Das nervt bei dieser Tour im/am Nationalpark: Ich würde viel lieber jetzt noch weiterlaufen, genauso wie gestern auch. Es ist noch früh, ich habe noch Lust und Energie. Aber durch das Zeltverbot hier muss ich entweder vor der NP-Grenze bleiben oder nun hier auf dieser gebuchten Hütte, bis zur nächsten wäre es zu weit.
          Was mache ich jetzt? Wir trinken zusammen noch Cafe und Kakao, dann steigt er über einen Pass in den Circ de Colomers rüber. In der Hütte bekomme ich doch noch eine reguläre Matratze, ein Gast hat abgesagt. Ich belege gleich das Bett am Fenster. Luft! 1 Minute warmes Duschwasser kostet 3€. Ich steige statt dessen einen Bach in der Nähe hinauf zu einem kleinen Pool und wasche mich dort. Bis zum Abendessen um 19 Uhr treibe ich mich noch ein wenig in der Umgebung herum.

          Ich sitze mit einer niederländischen Familie am Tisch. Das ist praktisch, denn wir können uns unterhalten. Spanisch kann ich leider gar nicht, Französisch reicht gerade zum Überleben.
          Bei der Suppe können wir alle nicht identifizieren, was da wohl die Zutaten gewesen sein könnten. Der Salat, die Hühnerstücke mit Apfelspalten und Kartoffeln - eine interessante Kombination und ganz ok. Als Nachtisch Melone. Ich lange kräftig zu und nehme Nachschlag, der Hiker Hunger setzt langsam wieder ein.
          Pünktlich zum Sonnenuntergang finden wir uns alle auf der Terrasse ein.
          Es wird kalt. Statt eine Daunenjacke anzuziehen, ziehe ich mich ins Dorm zurück, richte mich ein, lese noch etwas im ebook. Gegen 10 füllt sich das Lager. Der übliche Fensterkrieg beginnt. Fenster auf - zu - auf - zu - ... Dennoch ist es erstaunlich schnell dunkel und leise. Ich habe schon Hoffnung, dass das Bett neben mir frei bleiben könnte. Doch dann kommen gegen 11 noch 3 Spanierinnen. Unglaublich, wie ignorant man sein kann! Die machen ein Krakeele, räumen hin und her, quatschen völlig ungeniert miteinander, obwohl sie von mehreren Seiten zur Ruhe ermahnt werden. Es dauert, bis die endlich ruhig in ihren Kojen liegen. Ich nutze noch einmal die gerade frisch gereinigte Toilette und fummel mir dann Ohropax rein. Die ersten schnarchen schon ... Und öffne das Fenster wieder.



          Refugi Colomers -> Montardo -> Refugi Ventosa 10 km, + 840 m - 800 m
          Zuletzt geändert von Meer Berge; 15.11.2020, 15:06.

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          • Wafer

            Lebt im Forum
            • 06.03.2011
            • 5373

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

            Hallo Meer Berge.

            Ich liebe deine Berichte über die Pyrenäen: tolle Bilder und flüssig geschrieben! Ich kann auch sehr gut verstehen, dass du immer wieder in diese Region zurück kommst! Ich war bisher zwei mal in den Pyrenäen und würde sofort wieder hin gehen wenn es nicht so weit wäre. Ich versuche auf den Flieger zu verzichten wo es geht. Und die liegen irgendwie auf der Grenze.
            Ich freue mich auf die nächsten Tage!

            Viele Grüße

            Wafer
            Zuletzt geändert von Wafer; 15.11.2020, 18:38.

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            • Meer Berge
              Fuchs
              • 10.07.2008
              • 2318

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

              Dienstag, 30.7.2019, 7. Tag


              Die Nacht auf der Refugi Ventosa war mittelmäßig anstrengend.
              Als ich morgens aufwache, ist das Fenster zu.
              Und die Luft zum Zerschneiden. 50 Leute in einem warmen Dachgeschoss dicht an dicht - und nicht einmal das kleine Fensterchen darf Luft hineinlassen. Dabei liege doch ich am Fenster, wenn also jemand in der Zugluft liegt, bin ich das doch. Puh.
              Ich habe aber die Nacht überstanden.
              Das Frühstück läuft in 2 Schichten ab. First Sitting 6:30, Second Sitting 7:00. Das ist meins. Ich habe noch 5 Minuten.

              Es gibt Tortilla-Fladen, genau wie meine, dazu aber Gurke, Käse, anfangs auch etwas Thunfisch. Der ist aber schnell weg.
              Und natürlich Marmelade und so, aber ich bin mit süßen Sachen nicht zu locken.

              Bald danach werden wir hinausgefegt.
              Draußen hängen die Wolken tief. Es ist kalt und windig.
              Ich ziehe alles an, was ich habe, diesmal auch die Leggins unter die Shorts.
              Die Regensachen kommen griffbereit in die Außentasche.




              Zuerst geht es tief hinunter zum See. Schön ist es hier!
              Vermutlich uralte Kiefern klammern sich an Felsen und schrauben sich nur wenig in die Höhe.




              Nun geht es rauf zum Coll de Contraix. Die Linie auf der Karte sieht aus wie die über den Salenque-Pass, ich bin vorsichtig. Den hatte ich unterschätzt.
              Erst ist es grasig. Ab dem nächsten See geht es ins Geröll.




              Nach 4-5 Regentropfen gibt es erste Lichtblicke am Himmel.




              Das Geröll wechselt in Steilheit und Größe der Blöcke von Fußball bis Wohnmobil. Nach kurzer Zeit treffe ich Sonja. Sie steht ratlos zwischen zwei großen Brocken und fragt, ob ich Englisch spreche und weiß, wo es langgeht.
              Ja. Nein. Ab hier betätige ich mich nun als Scout. Hin und wieder liegt zwar mal eine Handvoll Steinchen auf einem Brocken als Wegmarkierung, aber oft muss man sich seinen Weg hier selbst suchen. Ich finde aber, das geht ganz gut. Vielleicht habe ich in solchem Gelände mehr Erfahrung. Es ist aber doch ein wenig Suche durch das Labyrinth. Mir macht´s Spaß! Dann schließen sich uns noch 2 Spanier an. Lange klettern wir durch dieses Blockgewusel, bis die Steine kleiner und schließlich zu Schotter werden. Recht steil geht es nun an einer Felswand entlang, dann noch ein wenig Kraxelei über eine Felsstufe, dann bin ich oben. Hier warte ich auf die anderen, dirigiere mal ein bisschen. Von oben sieht man den Weg bessern. Dabei esse ich meine Datteln, Reste aus Salardu.










              Wir machen noch ein wenig Pause zusammen am Pass. Dann wird mir kalt, ich mache mich mit den Spaniern an den Abstieg. Sonja will noch etwas bleiben.

              Wieder geht es erst über steile Schotterhänge, dann ins Blockgelände. Ich weiche in ein nicht so steiles Schneefeld aus, die Idee finden die Spanier gut und kommen mir nach. So surfen wir flott einige Höhenmeter ab.
              Später geht es durch Wiesen und wir verlieren uns.




              Eine Steilstufe tiefer gelange ich an einen Bach, suche eine windgeschützte Stelle in der Sonne und mache jetzt die erste richtige Pause.




              Bald kommt Sonja mit einer anderen Spanierin vorbei, Marina. Ganz schön Betrieb hier auf der Carros de Foc.
              Sie setzen sich zu mir. Unsere Mittagssnacks breiten wir zu einem kleinen Buffet aus.
              Zusammen ziehen wir anschließend weiter ins Tal. Von hinten holt noch Josep auf, den ich gestern kennen gelernt habe. Zu viert quasseln wir uns den Berg hinunter. Das geht viel schneller als alleine, ich komme aber dabei auch nicht zum Fotografieren.
              So sausen wir bis zum Talboden wie die Gazellen. Hier überqueren wir einen kleinen Bach auf einer Brücke und setzen uns für ein weiteres Picknick auf die Wiese. Anschließend trennen sich unsere Wege wieder. War schön mit euch! Zur Abwechslung mal mit Gesellschaft zu laufen macht Freude. Allerdings habe ich weniger von der Landschaft mitbekommen ...
              Mit Josep und Marina laufe ich noch bis zur Refugi Estany Long, wir trinken ein Bier/Cafe in der Sonne. Dann verabschieden auch wir uns. Josep bleibt hier, Marina will das Tal rauf, ich runter zu den Aiguestortes, den gewundenen Wassern, die dem Nationalpark den Namen geben.
              Erst geht es lange recht flach über eine Schotterpiste. Zelten darf man im NP nicht, aber Fahrwege bauen sie mittendurch.
              Bis zu den Aiguestortes kann man sich mit einem Taxi fahren lassen.

              Es ist sehr idyllisch hier, und kaum Leute. Ich hatte mit Busladungen von Touris gerechnet.










              Über Holzstege kann ich durch die sumpfige, von vielen großen und kleinen Bacharmen durchzogene Wasserlandschaft laufen.
              Etwas weiter unten komme ich an einen Aussichtspunkt und einen Wasserfall.







              Ab einem Parkplatz mit Infotafeln ist die Straße asphaltiert. Zum Glück zweigt aber schnell ein Wanderpfad ab.
              Ich erreiche den Estany de Llebreta.




              Nun habe ich bald die Nationalparkgrenze erreicht und beginne mich nach Zeltmöglichkeiten umzusehen.
              Zu sumpfig. Kein Wasser. Zu viele Disteln. Zu uneben. Zu nah an der Straße.
              Schließlich finde ich gerade außerhalb des NP eine große, flache Weide, die allerdings ziemlich vertrocknet ist.
              Ich erinnere mich, dass ich kurz zuvor an einer Stelle vorbeikam, wo der Canyon des Baches den Zugang zum Wasser ermöglicht. Mein Platz!




              Ich errichte meine Wohnung, hole Wasser aus dem Bach, schreibe, koche - und schon ist wieder ein herrlicher Tag zu Ende.


              Refugi Ventosa -> Bordas de Pei 17 km, + 950 m - 1660 m
              Zuletzt geändert von Meer Berge; 15.11.2020, 18:20.

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              • Meer Berge
                Fuchs
                • 10.07.2008
                • 2318

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

                Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
                Ich kann auch sehr gut verstehen, dass du immer wieder in diese Region zurück kommst! Ich war bisher zwei mal in den Pyrenäen und würde sofort wieder hin gehen wenn es nicht so weit wäre. Ich versuche auf den Flieger zu verrichten wo es geht. Und die liegen irgendwie auf der Grenze.
                Hallo Wafer!
                Freut mich sehr, dass dir der Bericht gefällt!
                Für mich ist es der 2. Sommer in den Pyrenäen (wenn ich von einer Visite vor über 20 Jahren absehe).
                Aber ich hoffe, es ist nicht die letzte!
                Beim ersten Mal bin ich mit der Bahn gefahren. Die Pyrenäen sind so eigentlich recht gut zu erreichen, zumindest auf französischer Seite. Bahn, dann Bus. Weiter rauf in die Berge geht es recht einfach auch per Anhalter.
                Kommt natürlich auch drauf an, wohin genau mal will.
                Ein Vorteil bei der Anreise per Bahn war für mich auch, dass ich meine Gaskartusche mitnehmen konnte und mich nicht vor Ort darum kümmern musste. Zumindest für den ersten Abschnitt der HRP.
                Von Hamburg aus habe ich ziemlich genau einen Tag für die Anreise gebraucht, z.T. im Nachtzug.
                Um dieses Jahr auf der spanischen Seite beginnen zu können, in der Mitte der Pyrenäen, war die Anreise etwas aufwändiger mit Flug, Bahn und Bussen und erforderte eine Zwischenübernachtung. Die kann man aber gewinnbringend mit einbauen, wenn man genug Zeit hat. Zaragoza hat mir gut gefallen!

                Viele Grüße!
                Sylvia

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                • Meer Berge
                  Fuchs
                  • 10.07.2008
                  • 2318

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

                  Mittwoch, 31.7.2019, 8. Tag


                  Ich habe hervorragend geschlafen! Wieder draußen an der frischen Luft!
                  Um 7:50 kommt die Sonne übern Berg. Es gibt Tortilla Wrap mit Dip.
                  Um kurz nach 9 bin ich auf dem Weg. Nun ist der Himmel bedeckt, sieht aber ungefährlich aus.
                  Über eine Brücke kurz hinter meiner Zeltwiese wechsel ich wieder die Bachseite und damit in den NP.
                  Ein schöner Waldweg verläuft oberhalb eines Baches.
                  Ein frischer Morgenschluck sprudelt aus dem Berg.










                  Der Weg führt zum Ende der öffentlichen Straße mit einem Parkplatz. Weiter nur mit Ranger-Taxi.
                  Hier verlasse ich nun endgültig für die nächsten Tage den Nationalpark, um südlich dran vorbei zu laufen. Das ist echt entspannter. Außerdem möchte ich die beiden alten Dörfer Boi und Taüll sehen. Kultur.
                  Zunächst verläuft ein sehr schöner Weg durch das Flüsschen. Natürlich auf einer Art Insel zwischen zwei Bacharmen.
                  Von einem weiteren Parkplatz aus muss ich eine Weile auf der Hauptstraße durch das Vall de Boi laufen. Es herrscht glücklicherweise wenig Verkehr und es geht bergab, ich bringe dieses Stück also schnell hinter mich.
                  Dann biegt nach links wieder ein Wanderweg ab, der ganz hübsch am Hang entlang direkt nach Boi hinein läuft.
                  Ich komme an der wohl sehenswerten romanischen Kirche Sant Joan de Boi aus, die aber Eintritt kostet. Ich schaue sie mir von außen an.










                  Dann schlendere ich in den Ort hinauf, der mich aber wenig beeindruckt. An der Touri-Info/Nationalparkhaus (schönes Relief-Modell des Nationalparks) gibt es ein Ensemble alter Fassaden, mittendrin die Estelda Blava, die für den Kampf für die Unabhängigkeit Kataloniens steht. Ein wenig angefressen.




                  Außerdem bietet der Ort einen kleinen Supermercat und ein Cafe, wenig romantisch am Rande eines Parkplatzes gelegen. Beim Cafe konnte ich den aktuellen Wetterbericht abrufen: heute ok, morgen Abend Regen/Gewitter möglich.

                  Durch einen sehr steilen Hohlweg führt die Direttissima nach Taüll, dem oberen Ort.




                  Taüll gefällt mir viel besser als Boi.





                  Maulbeerbaum





                  Die Kirche Santa Maria de Taüll im Zentrum ist offen und kostenlos. Sie gehört ebenfalls zu den 9 romanischen Kirchen Kataloniens.







                  Ich schlendere durch den Ort und seine Gassen, sehe in ein Souvenir-Lädchen und einen kleinen Supermercat und muss natürlich die örtliche Gastronomie unterstützen.
                  Ein wunderbarer Platz ist das hier im Biergarten am Dorfplatz unter Weinreben.
                  Zum Cerveza sin bekomme ich ein Schälchen Oliven gereicht.


                  Ups, Fokus voll vorbei


                  Hier könnte ich den Nachmittag verbringen. Aber es liegen noch ein paar Höhenmeter über mir.
                  Eine sehr steile Betonplattenstraße steige ich am oberen Ende aus dem Dorf heraus.
                  Ich muss ein wenig suchen, bis ich den Abzweig in einen wunderbaren Waldweg finde, der an einer Levada entlang um den Hang herum leicht bergauf führt. Am Waldrand trete ich auf gemähte und ungemähte Wiesen hinaus, die mich weiter das Tal hinauf bringen. An einer langen Trockenmauer und Zugang zum Bach mache ich der Hitze wegen noch einmal eine Pause.




                  Anschließend muss ich ein Stück an einer kleinen Straße ohne Verkehr entlanggehen, an deren Rand sehr viel Salbei wächst.




                  Ich überlege den Bus zu nehmen. Das könnte allerdings den Rahmen meines Urlaubs sprengen.
                  Bei der Pont de la Ribera wechselt die Straße die Talseite und führt zurück. Ich nehme den Pfad, der geradeaus weiter zur Port de Rus aufsteigt. Die Steigung des Weges ist eher gemütlich, die Berghänge aber steil. Der Bach fließt jetzt unerreichbar tief in einem Canyon unter mir. Ein sehr schöner Weg mit Himbeeren und einigen kreuzenden Bächlein. Lange laufe ich so bergauf, bis ich an die Waldgrenze komme. Hier flacht das Gelände etwas ab und ist von hohem, büscheligem Gras bestanden.




                  Ich steige noch eine ganze Strecke durch das knubbelige, hügelige Grasland auf, bis ich an den Oberlauf des Baches komme.
                  Hier suche ich nach einem Platz, der einigermaßen eben und von weicherem Gras bestanden ist.
                  Der Pass ist von hier aus schon zu sehen.
                  Dahinter wird es aber wohl steiler. Deshalb bleibe ich hier.







                  Ein wunderschöner Platz, das Posets-Massiv hinter mir. Ein wenig pieksig ist das Gras aber doch.
                  Ich baue mein Zelt auf, hole Wasser, wasche mich und mein Hemd, genieße das Leben, koche.
                  Um 21:10 ist hier mein persönlicher Sonnenuntergang. Sofort wird es kalt, der Wind wechselt die Richtung, das Hemd ist noch nicht ganz trocken und muss mit in den Schlafsack. Noch einen Tee. Dann ziehe ich mir den Schlafsack übern Kopf.


                  Bordas de Pei -> Barranc del Port 14 km, + 1250 m - 560 m
                  Zuletzt geändert von Meer Berge; 15.11.2020, 20:38.

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                  • berniehh
                    Fuchs
                    • 31.01.2011
                    • 1776

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

                    Du bist ja mit dem Weiterschreiben recht fleissig hier.....

                    Den Aiguestortes Nationalpark finde ich landschaftlich top
                    www.trekking.magix.net

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                    • TilmannG
                      Dauerbesucher
                      • 29.10.2013
                      • 868

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

                      Hi Sylvia, mal wieder wunderschön!
                      Mit dem Lesen komm ich leider kaum hinterher, sonst wird es nix mit einem eigenen Bericht.
                      Grüße von Tilmann
                      http://www.foto-tilmann-graner.de/

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                      • Meer Berge
                        Fuchs
                        • 10.07.2008
                        • 2318

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

                        Moin ihr beiden!
                        Ich hatte am Wochenende gerade einen "Flow" und Zeit. Wann es hier weitergeht, muss ich sehen.
                        Vielleicht heute Abend, vielleicht aber auch erst demnächst ...
                        Sonst verpasse ich den Fortgang eurer Berichte
                        Viele Grüße, Sylvia

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                        • mariusgnoedel
                          Erfahren
                          • 11.05.2017
                          • 366

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

                          Super Bericht und schöne Bilder.

                          Die Gegend hat mir auch gefallen Leider war ich bisher nur für 3 Tage dort

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                          • Meer Berge
                            Fuchs
                            • 10.07.2008
                            • 2318

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

                            Donnerstag, 1.8.2019, 9. Tag


                            Augustanfang. Da könnte es doch ein wenig wärmer sein!
                            Brrr!
                            Gestern Abend habe ich noch den Sonnenuntergang genossen.







                            Heute Morgen sieht es dort so aus:




                            Danach ziehen ein paar Wolken vor die Sonne und der Wind weht immer noch frisch.
                            Trotzdem laufe ich in Shorts los und im Hemd.
                            Der Weg zum Port de Rus hinauf verläuft fast nur über Gras.
                            Und oben stehe ich dann plötzlich vor der ??? Deutschen Grenze ???? Oder haben Deutsche keinen Zutritt durch die Port de Rus?




                            Niemand will am Pass meinen Pass sehen. Es sieht mich überhaupt niemand. Empfang gibt es auch keinen. Weder für mich noch für einen Wetterbericht. Und so passiere ich ungesehen die Deutsch-Russische Grenze.

                            Der Weg verläuft weiterhin sehr kniefreundlich. Meist über Gras. Lieber ein paar Kehren mehr als zu steil. Manchmal muss ich ein wenig suchen, er scheint nicht sehr oft begangen. Ein Paar Trailrunner treffe ich, sonst niemanden.




                            Unten am Zusammenfluss einiger Bäche mache ich Pause und futtere die restlichen Datteln und Mandeln, die mir Sonja und Marina in meine Snacktüte gekippt haben, weil ihre Tour sich dem Ende neigte. Danke, Mädels!
                            Die Höhenmeter, die ich verloren habe, muss ich nun natürlich wieder zurückerobern.
                            Der Weg hinauf ist gut angelegt. Das könnte mit einigen Stauseen zu tun haben. Vermutlich waren sie zum Bau oder zur Wartung angelegt worden. Oder alte Passwege?
                            Am ersten See, Estany Tapat, treffe ich auf diese Behausung. Hat die auch damit zu tun?



                            Der See hat einen sehr niedrigen Wasserspiegel.
                            In vielen Kehren laufe ich hinauf zum oberen See, Estany Morera. Auch der hat wenig Wasser.
                            Nun ist es nicht mehr weit und hoch und ich stehe am Pass Collada di Font Sobirana.




                            Ganz winzig kann man an dem See voraus schon die Refugi Gento erahnen. Die ist aber (glaube ich) nicht in Betrieb.
                            Ich schaue auf die Karte und schaue mir ein Ziel für heute aus: Estany Tort. Der liegt zwar nicht ganz in meiner Richtung. Auf der Karte sehen seine Ufer aber so aus, als könne man dort zelten. Und er liegt immer noch außerhalb des NP.
                            Auf weiterhin gutem Weg geht es wieder abwärts in Richtung Estany Gento. Beim Queren eines Baches lege ich noch eine Trinkpause ein.
                            Nun geht es wieder hinauf. Der Weg ist z.T. sogar mit Natursteinen gepflastert, an einer Stelle gibt es tatsächlich ein Geländer!
                            Und plötzlich stehe ich auf Eisenbahnschienen!




                            Ich sehe aber keinen Bahnhof und laufe zu Fuß weiter.
                            Ein Hinweisschild belehrt mich, dass dies ein Relikt aus einer Minen-Vergangenheit ist.
                            Rechts nach Colomino, da gehe ich morgen lang. Links zum Estany Tort.




                            Der See hat ebenfalls wenig Wasser und viel Steilufer. Zelten? Hier am See nicht.
                            Aber als ich einer Weile den Schienen gefolgt bin, fließt nach links ein Bach aus dem See. Dem folge ich, bis ich eine schöne Stelle für eine Bleibe finde.




                            Nachdem der Himmel den ganzen Tag sehr bewölkt war, klart es nun auf. Es ist noch immer frisch und windig.
                            Es ist erst 5 nachmittags. Ich esse nun mein Frühstücksmüsli. Die Taktik hat sich die letzten Tage bewährt: Leichtes Tortilla-Frühstück, nachmittags beim Ankommen ein fettes Müsli, kurz vor dem Schlafsack dann Abendessen aus Tütensuppe mit Pü oder Couscous. Tagsüber ein paar Nüsse, Trockenobst oder so.
                            Ich streife noch durch die Umgebung. Dann plane ich mit der Übersichtskarte meine restlichen Tage. Irgendwie hatte ich mir den NP größer vorgestellt. Jetzt habe ich eigentlich zu viel Zeit, bis ich wieder zurück in Salardu sein muss. Also brauche ich mich wirklich nicht beeilen, kann entspannt kurze Etappen laufen und noch etwas faulenzen zwischendurch - sofern das Wetter mich nicht noch einmal für einen ganzen Tag ins Zelt schickt. Auch schön.



                            Barranc del Port -> Port de Rus -> Estany Tort 15 km, + 1260 m - 1210 m
                            Zuletzt geändert von Meer Berge; 16.11.2020, 20:13.

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                            • Meer Berge
                              Fuchs
                              • 10.07.2008
                              • 2318

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

                              Freitag, 2.8.2019, 10. Tag


                              In der Nacht hat es zweimal eine Weile geregnet.
                              Morgens aber klettert die Sonne über den Berg und erste Strahlen erreichen mich gegen halb 9.
                              Nach dem Frühstück geht´s um kurz nach 9 los.
                              Ich steige am Bach entlang wieder hinauf auf den Weg und folge den Lorenschienen zurück bis zur Abzweigung, wo ich gestern heraufkam.




                              Der Pfad folgt ohne große Höhenänderungen nun dem Berg bis zum Refugi Colomina.







                              Die Hütte hat eine wunderbare Lage an einem See mit Blick ins Pyrenäenvorland und in die hohen Pyrenäen.
                              Die Hüttenwirte sind zwei total nette junge Leute, die tagsüber Snacks aus dem Fenster wie aus einem Kiosk verkaufen.
                              Natürlich gönne ich mir einen Cafe con leche, wie bei jeder Gelegenheit. Allerdings wird er mir hier in einem Pappbecher gereicht. Das hatte ich noch nicht.
                              Neben mir erfährt auch mein Handy hier einen Empfang in der Nähe eines dicken Steines.
                              Wetter-Update: Sonnig mit ein paar Wolken, im Tal 23-25°C. Ganz schön kühl für einen Pyrenäen-Hochsommertag. Die kommenden 2 Tage ebenfalls super!
                              Eine Weile genieße ich hier Sonne und Aussicht, dann geht es weiter.
                              Erst über den Bach, dann um zwei Seen herum.




                              Schließlich den Pas de l´Os hinauf. Über den habe ich haarsträubende Sachen gelesen, wie gefährlich, steil, ausgesetzt der sein soll. Ich kann davon nichts finden. Statt dessen finde ich einen immer noch ganz gut ausgebauten Pfad, der einen zwar steilen, aber in keiner Weise Angst einflößenden Anstieg hinaufzieht. Die letzten Meter sind sogar mit Betonstufen versehen. Vermutlich gegen Erosion.
                              Am Stausee dahinter endet das ausgebaute Wegstück. Wahrscheinlich war der Weg für diesen Stausee einmal angelegt worden.
                              Es folgt ein weiterer Aufstieg zum Saburo-Pass. Auch der fühlt sich leicht an. Vielleicht liegt es an meinem jetzt so leichten Frühstück aus 2 Tortilla-Fladen mit etwas Dip-Aufstrich, dass meine Beine nun wie von selbst laufen.
                              Eigentlich könnte die Tour jetzt so richtig losgehen. Schade, dass ich nur noch 2 Tage habe ...
                              Gegen 12 bin ich oben und mache in der Sonne Pause, verdrücke einen halben Powerriegel, der noch von gestern übrig ist, und begrüße eine kleine Gruppe von Niederländern, mindestens die Hälfte davon Kinder zwischen ~6 und 14 Jahren. Finde ich klasse, dass die hier durch die Berge steigen!

                              Gemütlich steige ich auf der anderen Seite durch wunderschöne Landschaft wieder tiefer.




                              Über den See sind (Angel?)schnüre gespannt, wohl mit Gewichten dran. Oder mit Netzen? Oder Messgeräten? Immerhin bin ich jetzt wieder im Nationalpark ...


                              Estany del Cap de Port


                              Ich höre schon eine Weile ein seltsames Brummen in der Luft. Ich denke, da lässt jemand seine Drohne herumfliegen und rege mich schon mal ein wenig über ihn auf. Hört man hunderte von Metern weit! Im Nationalpark!
                              Aber ein paar Seen tiefer treffe ich Männer, die im Ausfluss des Sees stehen und eine seltsame, große Maschine auf dem Rücken tragen. Die scheint nicht zum Fliegen geeignet. Diese Dinger brummen wie Riesenhummeln. Wasserforscher? Oder suchen sie die Nessie-Version der Pyrenäen? Hängt das mit den Schnüren im See oben zusammen? Ich werde es wohl nie erfahren.
                              Und schon stehe ich an der Wegekreuzung zur Ref. Josep Maria Blanc und dem Monastero-Pass. Hier fließen einige Bäche zusammen und bilden eine hübsche sumpfige Niederung. In einem Bach wasche ich mich ein wenig, trinke sein Bergwasser und lege mich in die Sonne. Bald ziehen aber Wolken auf und ich mache mich wieder auf den Anstieg zum Monastero-Pass.




                              Auch dieser Anstieg kommt mir heute wie Urlaub vor. Erst geht es zu einem größeren See eine Geländestufe hinauf. An dessen Ende liegt auch jemand mit einem großen Rucksack in der Sonne. Hier wäre ein super Zeltplatz. Aber es ist erst halb 3.
                              Nun laufe ich ziemlich geradlinig mit leichter Steigung einen gerölligen Hang hinauf. Nach den unten auf dem Schild angegebenen 45 Minuten stehe ich oben auf dem Pass.







                              Leider scheint die Sonne jetzt nur noch sporadisch durch die Wolken und bringt die jadegrünen Seen zum leuchten.
                              Ich bekomme langsam Hunger und mache mich an den Abstieg. Am nächsten Bach im Talschluss will ich mir mein Frühstücksmüsli bereiten.
                              Zunächst geht es recht steil über Gesteinssand hinunter. Wo er sehr fein ist, kann ich den ganzen Fuß aufsetzen und er hält. Die murmelgroßen Steinchen darauf rollen dagegen genauso murmelig unter den Füßen weg, unangenehm. Dann wird das Gemenge homogener und tiefer und ich habe Spaß daran, durch dieses Schotterfeld abzurennen. Wie Hüpfsurfen! Klasse!




                              Das Gelände wird flacher und die Größe der Felsklötze nimmt zu. Meine rasante Talfahrt wird jäh ausgebremst. Ich muss mir wieder den Weg zwischen großen und größeren Blöcken suchen. Hier und da gibt es Steinmännchen. Ich finde eine Route von einem zum anderen. Irgendwann wundere ich mich aber, dass es gar nicht richtig nach unten geht, eher immer geradeaus.
                              Blick auf´s Navi: Natürlich habe ich mal wieder den richtigen Weg verpasst und bin den falschen Steinmännchen hinterhergelaufen! Dabei verläuft hier sogar der Carros de Foc! Der hätte doch eigentlich zu finden gewesen sein sollen!?!
                              Ich befinde mich also hoch oben über der geplanten Route. Meine Steinmännchen scheinen aber auch ein Ziel zu verfolgen. Da ich über den sehr steilen Fels nicht einfach zu meiner richtigen Route hinuntergehen kann, (zurück will ich natürlich auch nicht,) folge ich ihnen weiter und bin gespannt, wo die mich hinführen. Sie bilden auf jeden Fall eine deutliche Linie.
                              Irgendwann biegen sie nach linksunten ab. Gut, da will ich hin.




                              Der Weg nach unten sieht hier aber doch recht direkt aus.
                              Ab hier ist Hand anlegen dran. Ich klettere über riesige Blöcke, finde auf der Erde dazwischen aber auch hin und wieder Fußspuren. Kann so falsch nicht sein. Und super schön ist es auch. Die Felsblöcke, die Aussicht in die Berge, die gezwirbelt wachsenden Kiefern.



















                              Das ist definitiv nicht der Hauptwanderweg. Längst habe ich die Stöcke zusammengeschoben und am Rucksack verstaut. Ich klettere über Felsen hinunter und über Baumwurzeln, die einen prima Griff geben. Mal rückwärts, mal vorwärts. An einer Stelle packe ich auch die Kamera ein, lege den Rucksack ab, klettere erst ohne runter und ziehe ihn dann nach.
                              Dann ist der Talboden zu sehen.




                              Der Hang wird flacher und ich kann wieder auf 2 Beinen gehen.
                              Puh, das war eine total tolle Strecke! Aber sie hat mich auch sehr sehr viel Zeit gekostet.
                              Als ich Richtung Talschluss laufe, sehe ich auch den richtigen Weg, wie er ganz harmlos in Serpentinen den Hang hinunterkurvt. Na toll, und ich klettere wieder irgendwo in der Wand herum. Wie schaffen das eigentlich andere Wanderer, immer den richtigen Weg zu nehmen? Wahrscheinlich passen die einfach besser auf. Meine Variante war aber sicher landschaftlich die schönere, und natürlich abenteuerlicher. Also gewissermaßen doch alles richtig gemacht.

                              Allerdings ist es nun ziemlich spät geworden. Trotzdem möchte ich mir unbedingt noch das obere Ende des Tales ansehen.
                              Ich laufe also noch zum Talschluss hinauf.



















                              Es ist traumhaft schön hier! Ich laufe hin und her, fotografiere das Bächlein von allen Seiten und ganz viel Wollgras. Ich liebe Wollgras! Sitze irgendwo und warte auf einen Sonnenstrahl für ein Foto. Steige auf einen Hügel mit vielen Tannen.
                              Und die Zeit vergeht.
                              Und dann ist es zu spät zur nächsten Hütte abzusteigen, von der ich nicht einmal sicher bin, ob die überhaupt geöffnet ist.
                              Und so muss ich mir hier wohl einen Platz für die Nacht suchen.







                              Es hätte mich härter treffen können.
                              Die schnarchenden Matratzennachbarn werde ich nicht vermissen. Und das Fenster bleibt offen!

                              Wow, das war heute ein super toller Pyrenäentag mit allem!



                              Estany Tort -> Vall de Monastero 13 km, + 760 m -780 m
                              Zuletzt geändert von Meer Berge; 18.11.2020, 18:57.

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                              • qwertzui
                                Fuchs
                                • 17.07.2013
                                • 1978

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes



                                Darüber, dass man auf Tour in den luxuriösesten Festunterkünften nicht schlafen kann, könnten wir mal einen eigenen Faden starten. Wir hatten im August in der Gegend übrigens klirrenden Frost. Von wegen Spanien im Hochsommer.

                                Deine Irrwege sind die schönsten!

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                                • Meer Berge
                                  Fuchs
                                  • 10.07.2008
                                  • 2318

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [ES] [FR] Ein Sommer in den Zentralpyrenäen 3 Parc Nacional Aiguestortes

                                  Zitat von qwertzui Beitrag anzeigen
                                  Darüber, dass man auf Tour in den luxuriösesten Festunterkünften nicht schlafen kann, könnten wir mal einen eigenen Faden starten.
                                  Danke schön!
                                  Echt, geht dir das auch so? Im Zelt kann man super schlafen, selbst bei Wetter. Und in einem Bett, selbst in einem Einzelzimmer, kann ich oft die ganze Nacht nicht schlafen. Schon komisch.

                                  Echt, so kalt im August!? Auf dem Berg oder im Tal?

                                  Ja, ich mag die kleinen Verlauf-Abenteuer eigentlich ganz gerne - vielleicht streue ich sie deshalb unbewusst absichtlich immer mal ein. Ist aber bisher nie dramatisch geworden. Ich hätte meist ja auch die Möglichkeit umzukehren. Aber dann treibt mich die Neugierde doch auf dem Abweg weiter.

                                  Lustig, wenn das anderen auch so geht.

                                  Viele Grüße,
                                  Sylvia

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                                  • Meer Berge
                                    Fuchs
                                    • 10.07.2008
                                    • 2318

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    So, dann kann es hier ja nach der Lockdown-Pause weitergehen:


                                    Samstag, 3.8.2019, 11.Tag


                                    Das war meine vorletzte Nacht hier draußen im Zelt. Ich werde schon ein wenig wehmütig, wenn ich an das Ende der Tour denke.

                                    Es ist halb 9, ich habe "schon" gefrühstückt und gepackt. Die Sonnenstrahlen kriechen langsam die Bergflanke über mir herunter. Ich warte noch, bis die Sonne das Tal erreicht, dann gehe ich los. Es ist so schön hier und ich will fotografieren.




                                    Mein Pool ist nicht besonders tief und umstanden von verblühtem Gelben Enzian.
                                    Über die Wiese ohne Weg folge ich einem mäandernden Bach.






                                    Wirklich ein Paradies, hier oben dieses Tal!


















                                    So langsam muss ich mich doch von diesem herrlichen Fleckchen Erde trennen. Ich habe noch einiges vor mir.

                                    Der Bach fließt durch ein mal engeres, mal weiteres Tal. Der Weg ist nicht steil, wunderschön und einfach zu laufen. Durch eine wohl öfter mal sumpfige, flache Wiese führt sogar ein Brettersteg wie in Skandinavien.




                                    Mal laufe ich über Wiesen, dann wieder durch Nadelwald.

                                    Der Estany de Monastero liegt herrlich zwischen den Bergen, eine Stelle seines Ufers ist dicht bestanden mit Weidenröschen. Wie schön!







                                    Arnika und wilder Schnittlauch wachsen hier. Lecker!



                                    Wieder etwas weiter unten füllt der Riu de Monastero mit vielen Armen fast die gesamte Talbreite, wobei er nur sehr flach ist. Eine richtige Wasserlandschaft mit Inseln und Seen.





                                    Es ist mittlerweile sehr heiß. Kühe nehmen ein Fußbad, Kopf in den Schatten.




                                    Dann sammelt sich das Wasser und fließt als ein Bach am Rande des Tales weiter. Der Pfad läuft nun über trockenere Wiesen und durch Wald.




                                    Ich mache einen Abstecher zu der Mallafre-Hütte für eine Cafe-con-leche-Pause. Sie ist sehr klein und einfach, aber gemütlich. Das wäre mein Ziel für gestern gewesen. Ich bin nicht traurig, dass es anders gekommen ist.

                                    Wieder auf dem Weg packe ich die Stöcke aus, die ich seit gestern noch am Rucksack befestigt habe. Bei dem vielen Fotografieren hätten sie nur gestört. Ich fühle mich total fit und werde nun, obwohl es bergauf geht, zum SpeedHiker. Ich fliege quasi über den ab hier recht breiten Weg. Ich kann kaum bremsen, um ein Foto von dem Estany de Sant Maurici tief unter mir zu machen, der den 2. Teil des Nationalparknamens beisteuert: Parc Nacional Aiguestortes i Estany de Sant Maurici. Er ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel und per Auto bzw. Nationalpark-Shuttle zu erreichen.

                                    Gegenüber stürzt ein Wasserfall durch die Wand in den See.




                                    Mein Weg verläuft weit oberhalb des Sees.





                                    Durch die Berge dort drüben will ich heute noch steigen, über den Coll d´Amitges, wo ich vor 10 Tagen schon einmal oben war.





                                    Blick zurück: Els Encantats




                                    Am Mirador bleibe ich nur ganz kurz stehen. Der Blick ist wunderbar, aber eine ganze Busladung von Tageswanderern fällt gerade hier ein. Die sind vermutlich mit den Taxibus zur Refugi d´Amitges gefahren und nun hier herüber gelaufen. Puh, was für ein Gewimmel von Leuten und Stimmen!

                                    Ein kleines Stück laufe ich über den GR11, dann biege ich ab zur Refugi d´Amitges.

                                    Nun wieder auf einem Pfad steige ich noch immer ziemlich flott an einem See vorbei, an dem einige Leute Picknick machen, dann an einem kleinen Bergbach hinauf. Plötzlich rollt unter meinem Fuß ein größerer Stein weg und ich fliege auf den Boden. Mit der Hand um den Stockgriff lande ich glücklicherweise genau zwischen zwei Felsstücken auf dem Gras. Puh, nichts passiert. Nur der Stock hat am oberen Ende einige Kratzer. Vielleicht sollte ich einen Gang runterschalten. Es ist schon 14 Uhr, die Sonne brennt unbarmherzig mit über 30°C und hier gibt es kaum Schatten. Ein Schild sagt: noch 25´ bis zur Refugio d´Amitges. Die schaffe ich noch, dann gibt es was zu essen.

                                    Nicht mehr ganz so energiegeladen steige ich über einen mit viel Blaubeerkraut bewachsenen Hügel und dann in voller Hitze das letzte Stück über die staubige, breite Schotterpiste zur Hütte hinauf.

                                    Ich lasse mich in den Schatten des wenig schönen Hauses fallen und futtere den letzten Powerriegel aus meinem Snack-Sack.

                                    Da es hier keinen schönen Platz zum Draußensitzen gibt, nur diese Beton-Wanne, gehe ich nach drinnen, um mich für die Vormittagsstrecke mit einem Ccl zu belohnen. Ich habe die Zeit-Angaben von Mallafre hierher um 30 Minuten geschlagen - sonst war ich immer recht passgenau unterwegs, wenn ich überhaupt auf ausgeschilderter Route lief.

                                    Gegen 3 mache ich mich auf den Anstieg zum Coll d´Amitges. Die Strecke bin ich vor 10 Tagen heruntergekommen.

                                    Ich bin nicht mehr mit ganz so viel Düsentrieb unterwegs, komme aber doch zügig hinauf.

                                    Wieder habe ich schöne Blicke auf die Agulles d´Amitges.










                                    Ein Blick zurück aus dem Aufstieg.




                                    Am Pass halte ich mich diesmal nicht lange auf, sondern steige gleich auf der anderen Seite wieder hinunter. An der Abzweigung auf dem Coll de Estany Gelat zur Refugi Saboredo und ins Vall de Gerber betrete ich nun wieder Neuland. Ich steige hinunter zu den Seen und der Refugi Mataro, der orangen Biwakschachtel.










                                    Der Abstieg ist nicht so "schlimm", wie er von oben aussieht. Nur an wenigen Stellen ist er so erodiert, dass ein wenig "Handarbeit" hilft.

                                    Zwischen den beiden Seen halte ich Ausschau nach einem schönen Stück Zeltwiese. Ich bin wieder außerhalb des NP und frei zu zelten, wo ich will. Es ist aber entweder zu sumpfig, zu knubbelig, zu steinig oder zu klein. Also rauf zur Biwakschachtel. Davor steht eine große Vogelscheuche mit Hut und wehendem Mantel und macht Selfies. Nö, da laufe ich lieber weiter. Ich schlafe sowieso lieber draußen.

                                    Die Wiesenflecken zwischen den Felsen werden größer. Ein kleiner Bach plätschert unter einem Stein heraus. Hier ist aber schon Schatten. Dann finde ich einen tollen Platz für mi propio refugio!





                                    Ich erledige den Haushalt, hole Wasser aus dem Bach von vorhin und koche etwas zu essen. Heute Morgen habe ich die letzten beiden Tortillas gefrühstückt, ich habe noch eine Packung Müsli-Mischung. Dieses Leinsamen-Zeug darin finde ich furchtbar, man kaut sich einen Krampf darauf. Aber die letzten Reserven werden jetzt aufgebraucht.

                                    Dann lege ich mich noch faul in die letzten Sonnenstrahlen.

                                    Der Sonnenuntergang macht mir den Abschied aus den Pyrenäen noch einmal so richtig schwer - meine letzte Nacht hier draußen ...










                                    Vall de Monastero -> Vall de Gerber 14 km, + 1020 m - 890 m

                                    Zuletzt geändert von Meer Berge; 18.12.2020, 14:13.

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                                    • Meer Berge
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                                      • 10.07.2008
                                      • 2318

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      Sonntag, 4.8.2019, 12. und letzter Wandertag


                                      Ich hatte vermutet, in diesem offenen Gelände würde mich die Sonne früh finden.

                                      Am frühen Morgen quaken irgendwo Frösche und zwei Isards (Pyrenäengämsen) schauen zum Zelt herein und sagen Pfffffff , bevor sie weiterziehen. Um 8 sind die Bergspitzen um mich herum beleuchtet, bei mir sind es noch 10°C im Schatten. Zum Frühstück koche ich mir heute eine Nudelsuppe. Die Brennerdüse ist wieder verstopft und es dauert lange, bis die Suppe heiß ist. Dann noch einen Tee obendrauf und um kurz nach 9 mache ich mich auf zum Abstieg.

                                      Durch sehr schöne Felslandschaft mit einzelnen Bäumen, Büschen, Grasflecken und Blumen laufe ich von See zu See und an Bächlein entlang.







                                      Die Wassernixen haben lustige Frisuren hier.
















                                      Ein wirklich schönes Tal hier oben!
                                      Nun steige ich zum Estany Gerber hinunter, der dunkeltürkis schimmert.
                                      An einem Bergbach wasche ich mich noch einmal ausgiebiger - die letzte Gelegenheit, wie ich später bemerke.










                                      Ab hier schwappt mir eine wahre Volkswanderungswelle entgegen!
                                      Anfangs grüße ich noch Hola! , aber bald gebe ich es auf. Ich bin völlig erschlagen und dann genervt von sooo vielen Menschen. Ständig muss ich (oder sie) neben dem Weg warten, damit der Gegenverkehr durchkommt. Am kleineren Estanyola halte ich meine Füße noch einmal ins Wasser, aber die Fischlein sind sehr zurückhaltend. Ob sie von so vielen Leuten auch genervt sind?




                                      Es wird wieder richtig heiß. Die Felslandschaft ist schön, aber ich kann sie vor lauter Leuten nicht mehr so genießen.




                                      Dann schallt auch der Lärm der Passstraße herauf. Vor allem die Motorräder machen einen fürchterlichen Krach.
                                      Schließlich sehe ich unter mir den großen Parkplatz, der vor allem für den Skibetrieb im Winter angelegt ist. Mein weiterer Weg läuft da drüben die Skipiste hoch, unter den Liftanlagen durch, dann ein Stück steil durch einen Wald hinunter und zum Abschluss 10 km staubige Schotterpiste in praller Mittagssonne zwischen der Baustelle der Passstraße und dem Skigebiet.
                                      Och nö!
                                      Das ist kein würdiger Abschluss für so einen schönen Pyrenäensommer!
                                      Ich stelle mich statt dessen am Parkplatz an die Straße und halte meinen Daumen raus.
                                      Dabei überlege ich, ob ich in Salardu zuerst ein Bier oder eine Dusche möchte.
                                      Eine halbe Stunde brauche ich, bis mich ein junges Paar mitnimmt, die einen Cousin in Tredos besuchen wollen. Prima, das ich nicht weit von Salardu entfernt, von dort ist es ein netter Weg unter Bäumen am Bach entlang, wenn auch asphaltiert.

                                      Um kurz nach 1 komme ich in Salardu an.
                                      Der Supermarkt hat gerade geschlossen.
                                      Oh, die Vinotheka am Plaza Major auch. Die hat doch sonst immer auf ...
                                      Und auch die Refugi! Bis 16:30.
                                      Sowas!
                                      Weder Bier noch Dusche :-(

                                      Doch dann öffnet das Restaurant am Platz, Neueröffnung nach Umbau. Mit DJ. Dort bekomme ich Baguette mit Käse, Salat und Thunfisch und




                                      Ahhhhhh !

                                      Ich lehne mich zurück und genieße meine Ankunft.
                                      Lasse eine herrliche Sommertour Revue passieren.
                                      Schaue dem wenigen Leben am frühen Nachmittag auf dem Platz zu.

                                      Mittlerweile bin ich hier in Salardu so weit "zu Hause", dass ich in genügend WLan-Netzen eingeloggt bin, um nun mit reichlich Zeit meine Rückreise morgen organisieren zu können.

                                      Die ALSA-Busse sind per Internet gut zu buchen. Ein Regionalbus nach Vielha, dann ein Fernbus nach Lleida. Von dort will ich mit dem Zug nach Barcelona fahren, aber mal wieder funktioniert die Online-Buchung über renfe, das spanische Bahnnetz, nicht. Schmeißt mich immer raus. Ich hoffe, die Busse sind pünktlich und ich habe genug Zeit, mir dort im Bahnhof ein Ticket zu kaufen. In Barcelona muss ich eine Nacht bleiben und am nächsten Morgen nach Hamburg zurückfliegen.

                                      Abends sitze ich mit Bruno beim Abendessen, einem sehr netten Franzosen. Es wurde ein lustiger, für mich aber sprachlich sehr anstrengender Abend. (Für ihn vermutlich auch, er musste aus meinem Gestammel den Sinn herausfinden ...)
                                      Er ist auch auf Wanderung. Ich gebe ihm meine restliche Gaskartusche mit und mein übriges Essen. Er schenkt mir dafür ein kleines Stativ für Kameras und Handy, das er irgendwo am Wegrand gefunden hat und nicht brauchen kann.


                                      Mataro -> Passstraße 5 km, + 60 m - 520 m




                                      Die Rückreise verläuft recht glatt. Der Bus kommt in Salardu zwar 30 Min. zu spät an, aber in Vielha habe ich über 3 Stunden Aufenthalt für ein 2. Frühstück und einen Bummel.
                                      An der Bushaltestelle treffe ich 4 deutsche Frauen, die auch durch die Pyrenäen laufen und wir tauschen Geschichten und Tipps aus. Wir fahren durch den Tunnel, über dem ich über den Pass von Conangles nach Vielha gelaufen bin.
                                      In Lleida kann ich mir ein Zugticket kaufen, für 45€ statt für die im Internet angegebenen 30€. Ich esse im Bahnhof ein Baguette mit Tomate, Mozzarella und Pesto, ein Bier dazu, für 8,50€.
                                      Das Gepäck muss durch eine Security-Durchleuchtung. Den Sinn davon verstehe ich nicht. Ich habe mindestens die Hälfte dessen, was verboten ist, im Gepäck: Messer, Eispickel, Kocher, Steigeisen, ... und alles kein Problem. Wozu dann?

                                      Mit dem Zug fahre ich nach Barcelona-Sants, übernachte diesmal im Hostal Alberguinn - ist ok - und fahre am nächsten Morgen von Sants zum Flughafen BCN. Non-stop geht´s dann nach Hamburg, wo ich um 14 Uhr lande und rund 2 Stunden später komme ich zu Hause an.


                                      Ein herrlicher Pyrenäensommer war das! Diesmal ohne festes Ziel und Zeitplan wie im Jahr zuvor auf der HRP (wobei ich da auch nicht in Eile war). So konnte ich mich diesmal mehr treiben lassen, habe viel weniger Kilometer gemacht, dafür mehr die Gegend genossen und Abstecher gemacht, von Tag zu Tag geplant und es gemütlich angehen lassen. Die Gegend ist klasse, das Wetter war es auch. Nur vom Nationalpark Aiguestortes habe ich nicht ganz so viel gesehen, da ich hier nicht zelten durfte und auf Hüttenübernachtungen keine Lust hatte - und daher eher um den Park als drinnen gelaufen bin. Durch die beiden Durchquerungen denke ich aber doch einen guten Eindruck bekommen zu haben.

                                      Am liebsten - sofort wieder hin!

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                                        #20
                                        Ein super schöner Pyrenäensommerbericht war das! Ein neues Ziel für uns, irgendwann mal...
                                        Danke und Grüße von Tilmann
                                        http://www.foto-tilmann-graner.de/

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