Paddeln im fernen Sumpf

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  • Spartaner
    Alter Hase
    • 24.01.2011
    • 2915

    • Meine Reisen

    Paddeln im fernen Sumpf

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    Mitreisende
    Paddeln im fernen Sumpf

    Weit im Osten kennen wir einen abgelegenen, weitläufigen Sumpf, den wir ab und zu mal besuchen fahren, wenn wir ein paar Tage Zeit haben (Map). Besonders attraktiv ist es hier, wenn sich die Kraniche und die Wildgänse vor ihrem Weiterzug noch mal ein paar Tage stärken.

    Letzten Sonntag war es wieder so weit. In Deutschland wollte uns niemand mehr beherbergen, ganz Berlin war ungerechterweise gerade zum Hotspot erklärt worden, so dass auch die braven Ostberliner ihre im Inland gebuchten Herbstferienunterkünfte nicht mehr aufsuchen durften. Das sogenannte Beherbergungsverbot gilt sogar in Brandenburg.
    Einziger Ausweg: ab ins Ausland, und für uns heißt das meistens, ab nach Osten, Polen, Baltikum etc.

    Wir tuckern los, erreichen noch am selben Tag das Zielgebiet. Ankunft in der Dämmerung, Bootsaufbau, ein paar hundert Meter paddeln wir noch und schlagen dann unser Nachtlager am Ufer auf.

    Abenddämmerung:




    Es verspricht eine sternenklare, kalte Nacht zu werden. Am nächsten Morgen regnet es. Als es schwächer wird, frühstücken wir am Feuer. Feuerholz gibt es hier ohne Ende. Das trockene Innenzelt wird separat verpackt.

    Unser Kahn, abfahrbereit:


    Wir paddeln durch eine phantastische Wasserlandschaft:


    Vielerorts rasten Kraniche und Wildgänse, es ist ein ständiges Kommen und Gehen:




    Seeadler:




    Kraniche:


    Nach 4km versuchen wir, in ein nahegelegenes Fließ zu gelangen. Wir suchen eine Zufahrt, müssen aber mehrfach umkehren und einen neuen Anlauf nehmen. Immer steht zu viel Bewuchs im Weg.

    Schließlich finden wir einen Zugang zum Fließ und paddeln stromauf. Mehrfach ist das Fließ verblockt durch angetriebene Massen von Wasserlinsen, Fadenalgen und anderen Wasserpflanzen:


    10 Minuten benötigen wir, um uns durch diese 50m Wasserpflanzenmassen durchzukämpfen.

    80m weiter, um die nächste Ecke, stecken wir erneut fest. Im Unterschied zur letzten Verblockung gibt es hier allerdings ein begehbares Ufer.
    Hier treideln wir den Kahn und kommen die 40m in 2 Minuten durch:


    Wir beginnen schon zu zweifeln, ob sich die Weiterfahrt noch lohnt. Überhaupt ist unklar, ob wir bis ans andere Ende des Sumpfes gelangen werden, denn der Wasserstand ist diesmal niedriger als bei den vorherigen Besuchen. Ihr wisst ja, auch Polen erlebt seit jetzt fast 3 Jahren eine ausgeprägte Dürrezeit. Viele uns bisher als befahrbar bekannte Bereiche werden heute trocken liegen.

    Einen Kilometer weiter gelangen wir an einen Fahrweg mit Brücke, vor der sich wieder die Wasserpflanzenmassen stauen:




    Hier müssen wir umtragen.

    Weiter geht es stromauf:


    Millionen von kleinen Spinnen lassen sich an Spinnfäden durch die Luft treiben, Dutzende landen bei uns auf dem Boot.
    An Land ebenfalls allerorten Spinnweben:




    Mitten im Sumpf mehrere Biberburgen:


    Das Material muss der Baumeister über längere Distanzen heranschleppen.

    Auch sonst macht er uns das Leben nicht leicht hier








    Aber schließlich erreichen wir nach knapp 11km Paddeln heute doch noch einen geeigneten Lagerplatz:


    Abends ziehen hunderte Kraniche, die den Tag zum Futtern auf den umliegenden Feldern verbacht haben, zurück in den Sumpf zu ihren Schlafplätzen:






    Die Luft ist erfüllt von ihren klangvollen Stimmen. An den Rastplätzen rufen sie ebenfalls noch eine Weile, es müssen hunderte sein, den Stimmen nach zu urteilen (eigene Tonaufnahme).

    Sonnenuntergang:


    Als es dunkel ist sitzt der Biber 15m vor uns am Ufer und schnurpst sein Abendmahl. Er lässt sich vom Feuer nicht stören.
    Der Himmel klart in der Nacht weiter auf. Mars und Jupiter sind am Abend die hellsten Sterne am Firmament. Der Saturn steht links neben dem Jupiter, auch gut zu sehen. Über mir deutlich die Milchstraße. Es ist schon ziemlich dunkel hier in unserem Sumpf. Gegen Morgen taucht noch vor der schmalen Mondsichel auch die Venus auf, nochmal heller als der Mars (Die vier hellsten Planeten sind im Oktober zu sehen).

    Nördlich von hier röhren erst 2, dann sogar 3 Hirsche in einigem Abstand zueinander, örtlichem Abstand. Zeitlich folgt der zweite und der dritte gleich auf den ersten. Das höre ich zum ersten Mal so schön (Beispielaufnahme aus dem Netz).

    Der nächste Morgen:


    Der Tau auf der Spritzdecke des Bootes ist gefroren.

    Der Nebel hält sich hartnäckig, das andere Ufer bleibt verschwunden:




    Erst ¼8 lichtet sich der Schleier:










    ½10 hat die Sonne endgültig gewonnen, und um 1 wir machen uns auf den Rückweg:


    Kurze Rast an einem Anglerplatz mit seinem typischen Müll:


    Aber da bewegt sich doch was:


    Eine große Ringelnatter lag auf dem Haufen und wärmte sich in der Sonne. Bei Annäherung verschwand sie, kam aber nach kurzer Zeit immer wieder zurück. Sie hing wohl sehr an diesem Haufen Müll

    Eine letzte kurze Pause mit Blick auf rastende Kraniche und Wildgänse:








    Tolle Tour wieder, wenn die Bedingungen günstig sind, werden wir sicher wieder zurückkommen in unsere ferne Dschungelwelt.

    Video einer früheren Befahrung: Frühlingseindrücke aus Sumpf und Dschungel -- Kraniche, Wildgänse etc.
    Zuletzt geändert von Spartaner; 16.10.2020, 23:34.

  • Gast202105024
    Gelöscht
    Fuchs
    • 03.07.2012
    • 1920

    • Meine Reisen

    #2
    AW: Paddeln im fernen Sumpf

    Fantastisch schöne Bilder! Vielen Dank für den Bericht!

    Kommentar


    • Rattus
      Lebt im Forum
      • 15.09.2011
      • 5177

      • Meine Reisen

      #3
      AW: Paddeln im fernen Sumpf

      Sehr schöne Eindrücke. Gefühlt nicht so weit weg vom Pantanal.
      Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

      Kommentar


      • thedutch
        Anfänger im Forum
        • 20.11.2018
        • 48

        • Meine Reisen

        #4
        AW: Paddeln im fernen Sumpf

        Danke für dein Bericht. Wunderschönen Aufnahmen. Da braucht man ja nicht ins Pantanal zu gehen. Auch vor der Haustür ist es wunderschön.. Tonaufnahme........ Klasse...thanks

        Kommentar


        • Bolek
          Anfänger im Forum
          • 08.12.2010
          • 48

          • Meine Reisen

          #5
          AW: Paddeln im fernen Sumpf

          Unglaublich, was Trockenheit und Nährstoffe bewirken. Als ich vor zwei Jahren an der Brücke mit dem blauen Geländer stand (allerdings mit dem Fahrrad), war das Fließ untendrunter zwar trübe, aber nicht voll Algen. Es freut mich, daß es die Kraniche nicht stört und sie immer noch von den Äckern des einen Ufers zu den Schlafplätzen des anderen Ufers fliegen.

          In dem alten Holzbunker auf Deiner Uferseite ein paar Kilometer weiter stromauf (man sieht ihn vom Fluß aus kaum) kann man übernachten, wenn man spät kommt, früh geht und keinen Lärm macht. Von dort aus den Morgen über dem Nebelmeer zu erleben ist überwältigend. Ihr macht schöne Touren...

          Dziękuję bardzo

          Bolek

          Kommentar


          • Eingehirner
            Neu im Forum
            • 04.02.2012
            • 5

            • Meine Reisen

            #6
            AW: Paddeln im fernen Sumpf

            Wunderschöne Aufnahmen! Könnte man sich alle als Bild an die Wand hängen. Danke für den Bericht!

            Kommentar


            • Spartaner
              Alter Hase
              • 24.01.2011
              • 2915

              • Meine Reisen

              #7
              Wieder im fernen Sumpf

              Dieses Wochenende habe ich mal Gelegenheit zu einer Solo-Tour. Andrea ist das Wochenende Weiberpaddeln, allerdings unglücklicherweise auf dem Trockenen, nicht mit Booten, sondern mit Fahrrädern unterwegs.

              Ich habe die Gelegenheit genutzt und bin wieder in meinen Sumpf tief in Osteuropa gefahren, das 8te mal jetzt.
              Jedesmal zeigt er ein anderes Gesicht. So schön wie beim erstenmal war es dort allerdings bisher nie wieder. Beim erstenmal begeisterte uns neben dem Fisch- und Froschreichtum vor allem die pralle Vogelwelt. Mindestens 500 Kraniche waren hier in einem ca. 7km² großen Gebiet unterwegs. Oft hörte man die Rufe dieser edlen Vögel, sah rastende Großgruppen im Sumpf oder in der Luft. Dazu gab es etwa ebenso viele Höckerschwäne und rund 1000 Wildgänse, die auf den großen überfluteten Flächen die frisch aufkommende Vegetation abgrasten. Andere Wildgänse führten bereits ihre Gössel aus, und auch die Kraniche sollten längst ihre Brutreviere erreicht haben. Wahrscheinlich war es auch für die Vögel einfach zu schön und so blieben sie hier. Die Zugzeit war bereits ca. 1 bis 2 Monate vorbei. Später habe ich herausgefunden, es handelte sich um übersommernde Nichtbrüter. 'Übersommern' ist tatsächlich ein Fachausdruck und bedeutet, dass diese Tiere, zumeist Jungkraniche aus dem Vorjahr, als Horden vagabundierender Singles ihr zweites Jahr mit Fressen, Schlafen, Muskel- und Gehirnjogging verbringen. Ok, man kann das auch wissenschaftlicher ausdrücken. Mir war das jedenfalls neu.

              Der Pegelstand war bei unseren bisherigen Fahrten immer relativ hoch, so dass weite Flächen des Sumpfgebietes überschwemmt waren und wir quasi “überall” paddeln konnten. Diesmal sah das anders aus. Der Pegel liegt bereits deutlich niedriger als auf unseren bisherigen Fahrten. Ich rechne also mit einigen Hindernissen und kürzlich trockengefallenen weiten offenen Schlammflächen.


              Freitag
              Nach der Arbeit tuckere ich alleine zu unserem fernen Sumpf weit im Osten. Nach stundenlanger Fahrt 22 Uhr Ankunft am Aufbauplatz, Aufbau im Licht einer Laterne.
              23 Uhr das Boot ist fertig aufgebaut. Ich baue kein Zelt auf, sondern lege mich gleich ins Auto zum Schlafen. Kopfstütze ab, Fahrersitz herunterklappen, eine Tasche unter die Füße, eine andere unter den Kopf, in den dünnen Schlafsack, das reicht mir und ich schlafe gut.


              Samstag
              ¼7, ich erwache ein erstes Mal, der erste Regenschauer heute trifft mich noch im Auto liegend. ½8 aufgestanden. Ein Angler, den ich gestern in der Dunkelheit bereits am Ufer bemerkt hatte, kommt gerade vom Fluss. Er hat zwischendurch auch mal 3h im Auto neben mir gepennt.
              ¾9 Abfahrt. Am Ufer etliche Angler, auf der ersten Strecke auch zwei Angelboote auf meiner Route durch den Sumpf.
              Die tolle Vogelwelt überall hier begeistert mich wieder. Morgens am Schlafplatz überfliegen mich Trupps von Kranichen und Graugänsen. Fasane rufen auf den Wiesen.

              Am Vormittag dann 80 Schwäne auf einer großen Wasserfläche:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4033kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 972,3 KB ID: 3056218

              Des weiteren sehe ich Kormorane, einmal ein Trupp von 40 Stück, ein Trupp Kiebitze 20 Stück, dazu einzelne Kiebitze vorne wo mich schon mal einer auf dem Wasser angegriffen hat (sie brüten auf den Wiesen nebenan), ein bis zwei Seeadler, über den Tag mehrfach gesehen, dazu Lachmöwen und Flussseeschwalben, Kuckucke sind häufig, man hört sie überall und sieht sie öfters fliegen. Ein Kuckuck landet 15 Meter vor mir auf einem toten Baum, sieht mich und hebt gleich wieder ab. Dazu große Gruppen von Graureihern 15 Stück zusammen, sechs Silberreiher, dann noch mal über 20 Silberreiher an einer Lache, die auffliegen, als ein Seeadler über ihnen kreist.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4513kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 823,0 KB ID: 3056172

              Außerdem größere Trupps Stare, einzelne Goldammern, Graugans-Familien, Pirole, Eisvogel, alle paar Meter ein laut krakelender Drosselrohrsänger, Buchfinken und andere klangvolle Singvögel, die ich leider nicht alle erkenne. Eine phantastische Vogelwelt hier. Auch im Donaudelta findet man nur wenige Stellen, wo so viele Reiher gleichzeitig herumflattern.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4001kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,13 MB ID: 3056128
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4006kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,93 MB ID: 3056129
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4013kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,07 MB ID: 3056127

              An einer Stelle raschelt und grunzt es im Schilf, es bewegt sich etwas, ich sehe, nur zwei Meter entfernt, wie sich etwas dunkles zwischen dem Schilf ins Wasser bewegt. Klar, zuerst dachte ich an ein Wildschwein, dann an einem Biber. Aber sollte der in dieser geringen Entfernung tatsächlich zu mir ins Wasser flüchten? Am ehesten sah es noch aus wie eine Oberschenkel starke Grüne Anakonda, so ein riesen Monstervieh, welches wir im Pantanal noch nicht gesehen haben.

              Diese Algen sind noch bei höherem Wasserstand gewachsen:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4045kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,89 MB ID: 3056140

              Die erste Baumsperre, an der im letzten Herbst so viel Treibzeug hängen geblieben ist, ließ sich relativ leicht passieren. Ich musste allerdings nach vorne ins Boot steigen und von dort aus einige schwimmende große Äste zur Seite schieben:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4035kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,73 MB ID: 3056133
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4037kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,02 MB ID: 3056132

              Auf Höhe der 2. Baumsperre mache ich um 10 Frühstückspause mit einem Schälchen Haferflocken, Tee und Kaffee:
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              ½12, bin eigentlich fertig mit dem Frühstück, schaue ich noch mal aufs Regenradar und sehe, wie sich genau wie bei Meteoblue vorhergesagt eine fette Regenfront auf mich zubewegt. Ich nehme das Boot aus dem Wasser, lege es umgedreht auf Land, packe alles Gepäck auf eine Hälfte meiner großen grauen Plane und decke es mit der anderen Hälfte zu. Die Regenklamotten lasse ich verpackt, so schlimm kann es nicht werden.
              Kurz darauf kommt der Regen, es schlägt Blasen auf dem Wasser, und ich wettere hockend unter dem Schirm und im “Schutz” eines querliegenden Baumstammes ab, welcher während des letzten Hochwassers hier liegengeblieben ist.

              Um 1 hört der kräftige Regen wieder auf. Ein Fuchs kommt vom Wald her über die Wiese zum Fließ. Er ist auf der Jagd, 30 - 40m entfernt, erkennt mich lange Zeit nicht, achtet aber auf die lauten Motorradfahrer auf der Landstraße, die viel weiter weg sind.
              Dann verschwindet er im hohen Gras am Ufer des Altarms. Wenige Minuten später hat er sich mir weiter genähert und hat mich dann doch entdeckt. Er mustert mich 3 Minuten, unsicher, ob ich denn nun eine Gefahr bin, und läuft dann genau den Weg über die Wiese zurück, den er gekommen ist. Diesmal hat er es eilig.

              Das Fließ hat diesmal nur eine sehr geringe Strömungsgeschwindigkeit, weil bei dem geringen Pegelstand nur noch sehr wenig Wasser durch das Sumpfgebiet strömt. Die Durchfahrt durch die Brücke, die wir bisher fast immer umtragen mussten, ist damit absolut easy.
              Nicht mal bücken muss ich mich:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4048kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,28 MB ID: 3056135

              Überall sieht man, wie die großen Sumpfflächen mit dem sinkenden Wasserstand leerlaufen:
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              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4223kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,11 MB ID: 3056161

              4, zT riesige Biberburgen liegen entlang meines Weges. Vielleicht kommen sie mir auch nur diesmal so groß vor, weil sie natürlich bei dem niedrigen Wasserstand viel höher herausragen.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4018kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,87 MB ID: 3056130
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4034kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,05 MB ID: 3056131
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4140kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,67 MB ID: 3056145
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              Schwäne und 6 Weißstörche:
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              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4084kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,59 MB ID: 3056138
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              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4114kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,85 MB ID: 3056143

              An einer Stelle flattern plötzlich >32 Graureiher vor mir auf, wieder so eine nicht ganz gewöhnliche Massenansammlung (es ist ja keine Brutkolonie):
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4121kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 755,4 KB ID: 3056142
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4199kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 825,8 KB ID: 3056154
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4200kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 674,2 KB ID: 3056152

              Der nächste Schauer erwischt mich auf offenem Wasser:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4144kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,39 MB ID: 3056148
              Leider hatte ich zu Hause die Gummischnur vergessen, mit dem die Spritzdecke am Boot befestigt wird. So blieb die Spritzdecke gleich im Auto und hier habe ich eine olle Bauplane über das Gepäck geworfen. Natürlich habe ich regelmäßig das unter mir als schwerstem und damit tiefstem Punkt im Boot zusammenlaufende Wasser gelenzt. Alles in allem ist das alles problemlos. Ich freue mich immer, dass ich meinen Schirm nicht mit der Hand festhalten muss. Der EuroSCHIRM® - Swing handsfree klemmt einfach an der Schwimmweste und man kann darunter schön weiterpaddeln.

              Plötzlich treffe ich vor mir auf eine unglaublich große Anzahl von Schwänen, Wildgänsen, Enten und Kormoranen, die dichtgedrängt stromauf schwimmen:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4165kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,49 MB ID: 3056147
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4146kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,63 MB ID: 3056146
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4169kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,55 MB ID: 3056151
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4259kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,47 MB ID: 3056156
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4237kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,67 MB ID: 3056155
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4279kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,68 MB ID: 3056157
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4286kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,81 MB ID: 3056158

              Eine Weile schwimmen sie vor mir her. Zumindest die ~500 Graugänse sind in der Mauser und viele können und wollen nicht wegfliegen. Die Schwäne und Wildgänse sind dann so clever und verschwinden zur Seite in den Sumpf.
              Die Kormorane schaffen es trotz nasser Federn letztlich doch in die Luft zu entkommen.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4290kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,15 MB ID: 3056159

              Und dann gerate ich in eine Ansammlung von Störchen. Aber was ist das, das sind nicht etwa die gut bekannten Weißstörche, die in Osteuropa häufig anzutreffen sind und die ich ja heute auch bereits gesehen habe. Es handelt sich um ~20 Schwarzstörche, die hier im Sumpf rasten, am Himmel kreisen oder auf Bäumen sitzen. So etwas habe ich noch nie gesehen.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4303kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,37 MB ID: 3056165
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4300kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,99 MB ID: 3056162
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              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4463kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 666,5 KB ID: 3056169
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              Unglaublich! Schon einen einzelnen Schwarzstorch sehe ich sonst nur alle Jubeljahre, und jetzt gleich so viele hier versammelt!
              Auch den ganzen Rest des Tages sind immer wieder Schwarzstörche zu beobachten.
              Wir waren ja schon öfter hier, aber ich kann mich nicht erinnern, hier schon einmal einen Schwarzstorch gesehen zu haben.
              In den 80er Jahren habe ich in den bulgarischen Ost-Rhodopen einmal zwei oder drei Schwarzstörche zusammen gesehen. Meine letzte überraschende Begegnung mit einem einzelnen Schwarzstorch war am Abend des ersten Tages meiner Obra-Solotour 2019, Westpolen.
              Diese große Versammlung hier, die finde ich einmalig. Im Netz finde ich bisher nur Hinweise, dass sie sich im Herbst vor dem Wegflug nach Afrika zusammenfinden (1, 2, ).
              Insgesamt werden die europäischen Bestände auf etwa 7000 bis 11000 Brutpaare geschätzt, was ungefähr der Hälfte des Weltbestandes entspricht. Die größten Vorkommen mit je über 1000 Brutpaaren liegen in Polen (1200 - 1900) und in Weißrussland, in Deutschland sind es zZ etwa 500 - 600 Paare.

              Kurz darauf wird das Fließ flacher:
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              Für ~250m muss ich die lange Hose ausziehen und treideln. Der Grund ist sandig, es gibt relativ saubere Sandbänke an den Ufern, wogegen die umliegenden Sumpfflächen verschlammt sind. Nur selten sinke ich tiefer in den locken Sand. Erst versuche ich es barfuß, dann auch mit meinen Crocs. Nicht nur die scharfen Muschelschalen nerven, sondern auch der Müll, der bei Hochwasser in die Aue eingetragen wird.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4791kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,50 MB ID: 3056205

              Dann wird das Fließ wieder fahrbar und nur noch durch 2 ältere Baumhindernisse und eine flache Schwelle unterbrochen. Am ersten muss ein störender Ast abgesägt werden, das zweite lässt sich ganz rechts gerade so unterfahren.

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              Mündung eines Baches:
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              Gegen vier stoße ich mitten im Sumpf auf eine Stelle, die von vielen Tieren schon etwas frei gemacht wurde:
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              Hier laufen mehrere stark begangene Wildwechsel zusammen:
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              Umgeben von absoluter Wildnis schlage ich hier mein Lager auf:
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              Die Sonne kommt heraus, so dass ich jetzt alle meine nass geworden Sachen trocknen kann. Hunger habe ich keinen, und so begnüge ich mich für den Rest des Abends mit einem Bier.

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              Natürlich lassen sich die Schwarzstörche auch hier wieder sehen:
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              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4628kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1.007,1 KB ID: 3056180

              Als die Sonne hinter den Bäumen verschwunden ist, baue ich das Zelt auf. Eigentlich wollte ich wie im Pantanal auch hier "oben ohne" die Nacht verbringen, allerdings zieht schon wieder eine dunkle Wolkenwand heran. Ich schaffe es gerade so, das Überzelt zu montieren und das Gepäck unter der großen Plane zu verstauen, da regnet es schon wieder wie aus Gießkannen.

              Diesmal bietet mir neben dem Schirm auch eine große Weide guten Regenschutz. Die Weide ist schon ziemlich geschädigt, der Biber hat sie unten, aber auch in etwa zwei Meter Höhe stark angenagt. Ich überlege schon, in welche Richtung ich wohl wegspringen würde, falls der Baum über mir umknackt.
              Aber auch dieser Regen geht vorüber. Insgesamt kamen heute ~11mm Niederschlag herunter.

              Kurz danach stelle ich mich für bessere Rundumsicht auf einen quer liegenden Baumstamm, circa einen Meter höher als die Umgebung.
              Und was nähert sich da: zwei Hirsche kommen langsam auf mich zu. Sie sind mit dem Abendbrot beschäftigt und bemerken mich nicht. Leider habe ich die große Kamera wegen dem Regen verpackt. Wenn ich die jetzt holen würde, wären die beiden Hirsche sicherlich weg. So halte ich mit dem Handy drauf:



              Ursprünglich war das Filmchen 05:31min lang, ich habe es leicht beschnitten und natürlich entwackelt.

              Eigentlich wieder unglaublich, ich stehe vollkommen offen und gut sichtbar hoch auf dem Baumstamm, mit einer knallig gelbgrünen Jacke bekleidet, und die Hirsche sehen mich nicht (mit gelb-grün habe sie eigentlich kein Seh-Problem). Dazu hatte ich noch die Schwimmweste an, mit Reflektoren.

              Natürlich habe ich gehofft, dass die beiden vertrauensseligen Tiere weiter dem gut ausgelatschten Wasserpfad folgen und am Ende dann formatfüllend auf meiner Handyaufnahme zu sehen sein werden.
              Aber den Gefallen haben sie mir nicht getan. Stattdessen sind sie langsam und immer wieder Grünzeug naschend nach Süden abmarschiert.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4664kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,14 MB ID: 3056192
              Auf dem Stamm im Vordergrund habe ich gestanden, dort vor der ersten Silberweide spazierte einer der beiden Hirsche vorbei, keine 15 Meter von meinem Standort entfernt.

              Hatten wir heute schon Schwarzstörche? In der Dämmerung lässt sich einer auf einem kahlen Baum in der Nähe nieder:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4681kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,21 MB ID: 3056187
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4669kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,53 MB ID: 3056186

              Aber das war noch nicht alles, was die Natur hier zu bieten hat. Mehrfach höre ich in der Nähe das Schlagen von Biberkellen (und Fische springen).
              Dann tauchen am gegenüberliegenden Ufer auch noch zwei Waschbären auf. Auch die bemerken mich nicht bzw einer erst sehr spät.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4695kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,69 MB ID: 3056193
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4696kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,19 MB ID: 3056190
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4735kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,98 MB ID: 3056195
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4704kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,28 MB ID: 3056194
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4722kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,06 MB ID: 3056196
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4742kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,88 MB ID: 3056199

              Im Gegensatz zu meinem Waschbär letztes Jahr sind diese hier anstatt grau mehr braun gefärbt. Wie in Deutschland 1934 und 1945 wurden Waschbären 1963 auch in Weißrussland ausgesetzt und etablierten dort eine stabile Population (Grafik). Viele Aussetzaktionen in den europäischen Teil der Sowjetunion waren erfolgreich und die Populationen begannen sich schnell zu vermehren.Sie breiteten sich mit einer Geschwindigkeit von 40 km pro Jahr aus (maximal bis zu 120 km pro Jahr, Quelle).

              Und immer wieder fliegen Schwarzstörche über mein Lager, zT sehr dicht.

              Kaum habe ich mich gegen 22 Uhr ins Zelt gelegt, höre ich draußen noch ein weiteres großes Tier. Diesmal tippe ich auf einen Eber, der sich mit ziemlich viel Lärm langsam eine Bresche durch die Vegetation schlägt. Ich hoffe nur, dass er nicht mein extrem zartes Zelt überrennt. Darum bin ich jetzt auch etwas lauter beim Diktieren des Tagebuchs. Ich liege hier nämlich auf einer Stelle, wo sich mehrere Tierpfade treffen. Ich habe zwar vorsichtshalber alle auf mein Lager zulaufenden Pfade mit meinen Duftmarken versehen, aber dummerweise kreist dieses Vieh noch eine ganze Stunde um mich herum.

              Gegen 23 Uhr ist in der Ferne eine Rohrdommel zu hören. Letzte Beobachtungsnotiz heute.

              Was für ein Tag! So voller Tierbeobachtungen! Ich bin restlos zufrieden. Da hat sich die weite Anreise nach Osteuropa wieder einmal voll gelohnt.
              Ich meine, in der Camargue, oder in der Extremadura, oder besonders auch im Donaudelta, da erwartet man ja diesen Tier- und speziell Vogelreichtum. Aber hier, in einem 08-15-Sumpf im Osten, da erwartet man normalerweise nicht viel. Umso großartiger finde ich, wenn dann diese relativ geringen Erwartungen so extrem übertroffen werden wie heute.


              Sonntag
              3 Uhr, die Dämmerung ist bereits erkennbar, der Wind hat böig aufgefrischt. Hoffentlich halten die vom Biber angenagten Bäume in meiner Umgebung.
              3:30 Uhr, das Vogelkonzert setzt ein. Auch die Frösche machen mit. In der Ferne ist leider immer noch die bassgewaltige Bum Bum "Musik" zu hören, die seit gestern Abend irgendwo in vielen Kilometern Entfernung lärmt. Auch das gehört leider zu Osteuropa. Der nächtliche Lärm endet erst nach 5:40 Uhr, als die Sonne schon wieder scheint.
              5 Uhr, wieder Wildschweine in der Nähe, flitzen schnell wieder weg, kommen aber wenige Minuten später auch wieder zurück. Bei Tageslicht beunruhigt mich das weniger, da werden sie ja wohl auf Zelt und Zeltleinen aufpassen können.

              So schlafe ich immer wieder ein. Um zehn stehe ich dann endlich auf. Mich treibt nichts, so ein Tag wie gestern kann sich nicht wiederholen.

              Zuerst wird das Zelt abgebaut. Ich mag nicht, dass die superdünnen Zeltstoffe so lange dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Zwar ist der Himmel jetzt bedeckt und es tröpfelt auch manchmal, aber das tut der guten Laune keinen Abbruch.

              Um ½12 gibt es Frühstück. Einmal zwei Liter Wasser zum Kochen gebracht reicht für Haferflocken, Tee und Kaffee. Der ¾L-Kaffeepott war natürlich zu Beginn richtig voll.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4765kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,53 MB ID: 3056201

              ½1, das Frühstück ist beendet, jetzt muss ich mich erst einmal wieder ausruhen.
              Schön, so mit Blick über das Wasser in die sumpfige Aue.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4770kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,18 MB ID: 3056197

              Drei Silberreiher fliegen in Gruppe vorbei (sie gelten bei mir immer noch als exotische Vögel, obwohl sie inzwischen bei jeder Paddeltour gesehen werden), und zwei Flussseeschwalben zeigen ihre Flugkünste bei der Jagd nach kleinen Fischen direkt vor mir auf dem Wasser. Regelmäßig alle ¼h kommen sie hier vorbei. Die Lachmöwen sind schon gut, aber die Seeschwalben noch einen Zahn schärfer. Perfekte Flieger!

              Und natürlich ziehen Graureiher, Seeadler und Schwarzstörche ihre Kreise am Himmel. 12 Schwarzstörche zähle ich diesmal gleichzeitig in der Luft, 600m entfernt etwa über der Stelle, an der ich sie gestern so in Massen angetroffen hatte.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4841kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 536,0 KB ID: 3056202
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4842kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 648,5 KB ID: 3056200

              Mehrfach am Tag ziehen Einzelne oder auch Paare direkt über mich hinweg. Ein oder zwei Seeadler kommen alle halbe Stunde einmal vorbei.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4814kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 726,7 KB ID: 3056198
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4875kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 743,6 KB ID: 3056203
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4887kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 790,0 KB ID: 3056204

              Graureiher:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4946kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 383,9 KB ID: 3056206

              Was mich richtig wundert ist, dass es hier so wenige Mücken gibt. Heute hat mich noch keine einzige belästigt, gestern waren es entlang der Paddelstrecke sehr wenige. Und das in einem großflächigen Sumpf mit abgelaufenem Hochwasser, welches vorher wochenlang 1.3m höher auf den Auen stand. Kriebelmücken und Gnitzen sind auch kein Thema.
              Mal sehen, was Andrea diesbezüglich aus McPomm berichtet, da sind ja manche Gegenden wahre Mückenhöllen.

              Gegen 2, als die ansonsten geschlossene Wolkendecke mal löchriger wird, mache ich einen Drohnentest. Sozusagen das erste Mal in freier Wildbahn.
              Der erste Startversuch geht sofort schief. Die Steuerung reagiert genau umgekehrt, wie ich das erwarte, und so fliegt sie mir in die Äste der nahegelegenen Weide. Absturz aus 3m Höhe, aber sie landet relativ weich und erleidet von daher keinen Schaden.
              Ich bin leider kein Computerspieler, denn hier wäre dieses Training einmal ausnahmsweise von Nutzen. Für teurere Drohnen gibt es Simulationsprogramme, mit denen man das Fliegen im Trockenen üben kann.

              Der nächste Versuch ist erfolgreich. Aufi geht's. Wir sind ja hier noch in der EU, und so darf ich maximal 120 Meter hoch steigen. Ein paar Kilometer weiter in Weißrussland gibt es diese Beschränkungen nicht, so viel ich weiß.

              Luftbild meines schönen Platzes im Sumpf:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Luftbild2meinLager.png Ansichten: 0 Größe: 4,41 MB ID: 3056217

              Wenn man genau hinschaut, erkennt man das Boot, den ausgelatschten wassergefüllten Wildpfad, wo gestern die Hirsche kommen sollten, und Spuren in den Schilfbeständen links.

              Apropos Weißrussland, da wollte ich schon lange einmal paddeln. Es ist eines der letzten Länder Europas, die ich noch nicht betreten habe. Und es hat dort sehr schöne große Sumpfgebiete und Flüsse, vor allem rund um den Pripijat. Sobald Corona vorbei ist, muss ich da mal hin.

              Um ¾5 habe ich meine Sachen gepackt und paddle noch 6 - 7km bis an eine Stelle, an der ich einen guten Zeltplatz vermute.

              Mündung eines Baches:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4949kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,64 MB ID: 3056214
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4968kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,18 MB ID: 3056215

              Reichlich zugewachsen ist es hier seit unseren letzten Besuchen.

              ½7 bin ich an meinem vorgesehenen Übernachtungsplatz. Der Platz stand bis vor kurzem noch unter Wasser, der Boden ist mehr oder weniger abgetrocknet Schlamm, und die frische Vegetation ist noch niedrig. Egal, ich weiß, demnächst kommt nichts besseres mehr.

              Es ist jetzt richtig sonnig geworden. Bei dem schönen Licht versuche ich noch eine Drohnenaufnahme. Sehr schön, wie man das Sumpfgebiet überblicken kann.

              Hier ein Detail meines Rastplatzes:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Luftbild10meinLager2.png Ansichten: 0 Größe: 4,03 MB ID: 3056216

              Zum Abendbrot gibt es eine Büchse Hering in Tomatensoße auf Knäckebrot, und dazu ein Bier.

              Nach Regen sieht es nicht aus, und so baue ich nur das fast 100%-Gaze-Innenzelt auf. Es soll kalt werden diese Nacht, nur 8°C, und Regen ist nicht angesagt. Mal sehen, wie feucht es wird (Tau).

              ¼10, absolut klarer Sonnenuntergang. Hier gibt es jetzt doch kleine aufdringliche Insekten und ich verschwinde schnell im Zelt.
              Das heißt, ich will im Zelt verschwinden, merke aber schnell, dass der Schlafsack auf der Oberseite schon jetzt taunass ist. Also doch das Überzelt darüber gepackt. Gute Nacht.

              23 Uhr Rohrschwirl, Schlagschwirl? Ich muss mal die Gesänge nachhören.

              Montag
              Heute geht es auf kurzem Wege zurück zum Auto. Ich lasse mir wieder relativ viel Zeit fürs Frühstück am offenen Feuer und das zusammenpacken des noch feuchten Zeltes.

              ¾9 bin ich auf dem Wasser. Seeadler und Graureiher posieren fürs Foto:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY4998kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 906,4 KB ID: 3056210
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY5027kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,45 MB ID: 3056212
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: _SNY5037kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,09 MB ID: 3056211

              Am Ziel Boot entladen, abbauen, alles verstauen. ¼12 dann die lange Rückfahrt, letztes Volltanken an der Grenze in Polen für 1.11€/L anstatt 1.41€/L bei uns.

              So, das wars mal wieder. Und es wird sicher nicht da letzte mal gewesen sein. Mal sehen, wenn wir im Sommer auf dem San paddeln werden, dann können wir vielleicht auch noch mal einen Abstecher hierhin machen.
              Zuletzt geändert von Spartaner; 19.06.2021, 15:27.

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              • Ditschi
                Freak

                Liebt das Forum
                • 20.07.2009
                • 10949

                • Meine Reisen

                #8
                @ Spartaner, Du machst tolle Paddeltouren und bringst schöne Bilder mit von einer augenscheinlich besonders reichhaltigen Fauna. Da weit im Osten Europas gibt es ja lohnende Ziele.
                Ditschi

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                • TilmannG
                  Dauerbesucher
                  • 29.10.2013
                  • 953

                  • Meine Reisen

                  #9
                  Ja - super Berichte, Danke! Eine Ecke, die ich bislang so gar nicht auf dem Schirm hatte...
                  Grüße von Tilmann
                  http://www.foto-tilmann-graner.de/

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                  • ks
                    Erfahren
                    • 16.03.2015
                    • 215

                    • Meine Reisen

                    #10
                    Wundervoll. Schöner Bericht und tolle Bilder. Vielen Dank.

                    Kommentar


                    • AlfBerlin
                      Alter Hase
                      • 16.09.2013
                      • 4249

                      • Meine Reisen

                      #11
                      Danke auch für den Reisebericht.

                      Kommentar


                      • zilka
                        Erfahren
                        • 29.06.2017
                        • 147

                        • Meine Reisen

                        #12
                        Wahnsinn. Beeindruckende Vogelfotos und ein Bericht, der Spass macht, zu lesen! zilka

                        Kommentar


                        • Bambus
                          Fuchs
                          • 31.10.2017
                          • 1175

                          • Meine Reisen

                          #13
                          Sehr sehr schöne Tour mit tollen Bildern und einem stimmungsvollen Bericht.
                          Danke!

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