[AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

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  • Taunuswanderer
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    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    17. September 2019, Steife Brise in luftiger Höhe

    Der Morgen beginnt, wie der Abend aufgehört hat: mit bestem Sonnenschein...





    Ich bin gerade mein kondensgetränktes Zelt weg packen...



    ...da höre ich Motorengeräusche. Ein landwirtschaftlicher LKW kommt von hinterm Hügel vor und dreht bei, als er mich entdeckt. Die Besatzung steigt aus. Wir schütteln uns die Hände und versuchen uns etwas in Smalltalk. Ich bekomme zwei Äpfel und zwei Birnen geschenkt und sie verabschieden sich wieder.


    thanks and bye bye

    Auch gestern war schon der ein oder andere LKW unterwegs. Gerade wird das restliche Heu eingefahren. Das meiste ist wohl schon weg, aber auf der ein oder anderen Wiese liegt noch was.

    Zunächst folge ich noch ein wenig dem Flußlauf des Nazarkhana...


    da waren gerade eben noch Krähen am Werk



    ...bevor ich diesen mit meinen Sandalen furte...


    meine einzige Flussquerung, bei der das Wasser knöcheltiefe überstieg...

    Es geht noch ein wenig durch das ebene Tal. Dabei wird das Tal enger und das bequeme Wandern in der Ebene neigt sich dem Ende zu...



    Nach knapp drei Kilometern erreiche ich ein Picknickstelle mit Kapelle. Unterm Picknickshelter hat sich eine Fünfer-Gruppe Weitwanderer breit gemacht und ist am Frühstücken bzw. gerade fertig damit. Ich sage kurz „hello“ und besichtige dann die moderne Kapelle...



    Danach spreche ich einen der Wanderer an und es stellt sich heraus, dass die fünf aus Deutschland kommen und ebenfalls in Richtung Azhdahak (und dann weiter nach Sevan) unterwegs sind. Wir begegnen uns die Tage dann noch öfter. Ich mache mich auf den Weg und es steht die erste Durchquerung eines Nomadencamps an. ich „freue“ mich schon auf die Hunde.
    Die Nomadenfamilie ist gerade am Melken. Ich werde trotzdem kurz begrüßt und werde gefragt woher ich komme und wohin des Weges ich bin. Die Tochter darf dann noch ein Stück des Weges parallel zwischen mir und den Wachhunden hergehen, damit letztere nicht über mich herfallen - Shnorhakalutyun!


    Blick zurück ins Nomadencamp

    Brotzeitpause mache ich dann etwas abseits des Weges an dieser Mineralwasser-Quelle mit angeschlossenem Picknickplatz...


    hier sprudelt es...


    erst mal Zelt trocknen und Schlafsack lüften

    ...ich probiere aus der Quelle. Es schmeckt sehr gut (kein Schwefelstinker) und ist recht mineralisch. Ich fülle mir mal ne Flasche ab...


    jetzt kein Jermuk mehr drin

    Derweil überholen mich die anderen...

    ...was den Vorteil hat, dass ich das Hundegebell vom nächsten Nomadencamp frühzeitig höre und dies oberhalb am Hang umgehen kann...



    Der Weg gewinnt kontinuierlich an Höhe und es wird zunehmend windiger. Und es gibt weiter interessante Tierbeobachtungen...


    ich mach mal kurz Pause und verfolge die Bewegung der großen Schafherde...



    Die Feldwege/Allradwegspuren werden weniger und es gibt mehr und mehr Pfade...


    Dichter Verkehr



    Ich erreiche frühabends den ersten Dreitausender (Tsaghkavet). Hier zieht jetzt schon ziemlich. So‘ne Luft darf sich auch in Ostfriesland Wind nennen.

    Von hier aus gibt es auch einen schönen Einblick ins Khoshrov-Waldreservat, an dessen Nordostausläufer ich nun bin...



    ...nur noch ein wenig bergab und ich erreiche meine heutige Campstelle zwischen dem Tsaghkavet und dem ehemaligen sowjetischen Militärstützpunkt. Gute zwanzig Kilometer bei knapp 900 hm Anstieg sind geschafft.

    Das Wetter macht mir so langsam ein klein wenig Sorgen...


    Richtung Khoshrov-Waldreservat aus dessen Richtung der stärker werdende Wind jetzt noch kommt sieht es erst mal gut aus....


    Richtung Gegasar (Little Spitakasar)/Sevansee sieht es allerdings übel aus

    Wetter/Wind aus Richtung Sevansee möchte man hier nicht wirklich haben, das kann ziemlich eklig, gewittrig werden und tatsächlich dreht der Wind später um 180 Grad...

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  • Taunuswanderer
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    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Zitat von HO Beitrag anzeigen
    Sehr schön! Ich mag diese endlosen Weiten.

    Gruß! Gert
    Die haben mir auch absolut gefallen. Ich hätte da öfters mal stundenlang einfach auf der Wiese liegen können und in die Landschaft starren können...

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  • HO
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Sehr schön! Ich mag diese endlosen Weiten.

    Gruß! Gert

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  • Taunuswanderer
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Kapitel zwei: die Geghama-Gebirgstour von Orbelians Karawanserei bis zum Tempel von Garni

    16. September 2019, im Land der 1000 Adler

    Kurz vor halb elf setzt mich der Taxifahrer an der Karawanserei ab. Die schaue ich mir erst mal ausführlich an...


    Orbelians Karawanserei (auch Selims Karawanserei )


    Eingang der Karawanserei


    Eingangsbereich


    drinnen in der Karawanserei

    Vor der Karawanserei logiert der „Hauswart“ der Karawanserei.


    “Bekannt aus Funk und Fernsehen.“

    Mit ihm kann ich mich ganz gut auf Deutsch unterhalten. Er war als Soldat zwei Jahre in Deutschland stationiert. Ganz stolz zeigt er mir auf seinem Handy den Ausschnitt aus „Biwak in Armenien“ (https://www.mdr.de/biwak/biwak-in-armenien-kleiner-kaukasus-100.html, Folge 1, ab ca. Minute 13), in welchem er interviewt wurde. Er hat noch mehr Videoschnipsel anderer Fernsehteams darauf. Immer passend zum Land des Gastes. Danach preist er mir noch die von seiner Frau und ihm selbst produzierten bzw. angebauten Produkte an. Von den selbstgemachte Produkten kaufe ich mir die in Maulbeersirup umhüllten Walnüsse...


    wird mir als Medizin für fast alles angepriesen: Maulbeersirup. Zusammen mit den Walnüssen echtes Powerfood

    Ich packe meine Sachen zusammen und mache noch schnell zwei Fotos an einer Pfütze vor der Karawanserei...





    ...verabschiede mich und los geht es. Zunächst vorbei am Brunnen der Karawanserei...



    geht es zunächst einige hundert Meter entlang der asphaltierten Straße hinauf auf die Passhöhe des Selimpasses. Bevor die heutige Wanderstrecke ausschließlich auf naturbelassenen Feldwegen von statten geht. Wasserversorgung ist heute kein Thema. Auf der Passhöhe gibt es mehrere Tränken...



    ...und auch noch mindestens eine weitere Wasserentnahmestelle.

    Von der Passhöhe (ca. 2400 m Höhe) geht es leicht hügelig, sanft absteigend...



    ...in eine etwas tiefer gelegene Hochebene (ca. 2270 m. Höhe) mit feuchten Wiesen. Irgendwie habe ich in der Beschreibung vom TCT den Begriff „wetlands“ mehrfach erfolgreich überlesen und erst gefunden als ich da war. Macht nix. In der trockenen Jahreszeit ist das kein Problem. Teilweise gibt beim Wandern der oberflächlich trockene Boden etwas nach. Insbesondere, wenn ich darauf stehen bleibe. Also besser weitergehen...


    Feuchtgebiete


    mehr Feuchtgebiete

    Sowohl rund um den Selimpass als auch hier in der Ebene sind heute zahlreiche Adler und Bussarde zu beobachten. Diese fotografisch einzufangen geling nur mäßig...


    Adlerbussard?

    Nach gut 13 km erreiche ich eine kleine Siedlung bzw. Größeres Gehöft...

    Soll ich den Gailadzor sicher furten?


    ...oder mehr Abenteuer wagen?



    Ich entscheide mich fürs Abenteuer. Stolpern sollte man auf dieser Brücke nicht - Chancen dafür gibt es genug. Vom Gehöft aus werde ich beobachtet. Ich grüße aus der Ferne.


    Blick auf den Vulkankegel Argmaghan mit Kloster

    Es folgt die nächste Flußquerung (Argichi) trockenen Fußes...


    ist doch noch gut!


    taugt doch noch für schweren landwirtschaftlichen Verkehr....

    Auch am späten Nachmittag bleibt es eine Flachlandtour...





    Die Ortschaft Karidzi - mehr eine Wüstung mit ein oder zwei bewohnbaren Häusern - möchte ich noch passieren und mir zwei, drei Kilometer danach einen Zeltplatz suchen...


    Kartoffelanbau auf 2280 m Höhe

    Gegen halb sieben habe ich nach knapp 22 km ein passendes Plätzchen gefunden...



    ...an welchem ich auch den Sonnenuntergang genießen kann...



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  • Taunuswanderer
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Zitat von tikro Beitrag anzeigen
    klar sind ein paar Bären kein Grund da nicht zu wandern wenn man vorsichtig ist, aber als wir da waren haben wir schon sehr viel Bärenscheiße gesehen. Du vermutlich auch. In dem Zeitraum wurde auch ein polnischer Tourist am Aragats von einem Bären getötet.
    Die Meldung habe ich auch schon in Armenien gelesen. RIP Pyotr.

    Losungen von Wildtieren habe ich in Vayots Dzor viel gesehen. In den anderen Regionen deutlich weniger. Das meiste davon hätte ich Katzen(artigen) zugeordnet. Bär konnte ich nicht sicher identifizieren (bin da aber auch kein Profi, was die Exkremente angeht), war aber vermutlich auch ein paar mal dabei.

    Ich möchte die Gefahren nicht kleinreden und auch keine allgemeine Diskussion dazu eröffnen (dazu gibt es ja eigene Threads hier im Forum). Aber: Auf meiner subjektiven Risikoliste für diesen Urlaub standen andere Dinge viel weiter oben:
    1. Straßenverkehr (sowohl als Beifahrer, als auch als Fußgänger)
    2. Aggressive (Herdenschutz)Hunde
    3. Selbstverschuldete Verunfallung in unwegsamem, abgelegenem Gelände
    4. ...
    5. Große und kleine Wildtiere (Bären, Leoparden, Wildschweine, Schlangen)
    6. Das armenische Kernkraftwerk, welches für dortige Erdbeben zu schwach ausgelegt ist

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  • tikro
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    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Zitat von Taunuswanderer Beitrag anzeigen
    Bei der Weinprobe und dem Abendessen komme ich auch schnell mit den anderen Gästen - ein Schweizer Pärchen, sowie ein holländisches Pärchen - ins Gespräch. Nachdem ich erzähle, dass ich hier alleine, wandernd und mit Zelt unterwegs bin, werde ich für etwas verrückt erklärt. schließlich gäbe es hier ja viele gefährliche Tiere... ich ergänze: syrische Braunbären und persische Leoparden! aber von beiden gibt es nicht mehr so viele und scheu seien diese auch...
    klar sind ein paar Bären kein Grund da nicht zu wandern wenn man vorsichtig ist, aber als wir da waren haben wir schon sehr viel Bärenscheiße gesehen. Du vermutlich auch. In dem Zeitraum wurde auch ein polnischer Tourist am Aragats von einem Bären getötet.
    https://news.am/eng/news/533492.html
    Scheint aber ansonsten nie dort so zu passieren

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  • Ljungdalen
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Zitat von Taunuswanderer Beitrag anzeigen
    ...auch leckeres Antialkoholisches: durch Früchte/Gewürze aromatisiertes Wasser und „Compote“ (Kompottfrüchte mit Sirup mit Wasser aufgegossen). Beides scheint sehr beliebt zu sein in Armenien.
    Auch ein sowjetisches (oder älteres) "Relikt". Mehr oder weniger überall in der ex-UdSSR, russisch компот = "kompot".

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  • Rattus
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Ich bekomme Hunger Toller Bericht aus einem mir ziemlich unbekannten Land, Danke.

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  • Taunuswanderer
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Manchmal kommt es anders...Intermezzo in Yeghegnadzor
    15. September 2019, Ruhe- und Genußtag

    Die Nacht verlief jetzt nicht so prickelnd. Irgendwie hatte ich mir gestern einen leichten Sonnenstich zugezogen und Nachts lag ich irgendwie in der Zugluft. Ich bin leicht verschnupft. An durchgehenden Schlaf war auch nicht zu denken.
    Nach kurzem überlegen verwerfe ich den Plan heute in voller Sonne den Aufstieg in Richtung Hors anzugehen. Ich buche mir eine weitere Unterkunft im nahegelegenen Yeghegnadzor, der Provinzhauptstadt von Vayots Dzor und lege einen Ruhetag ein. Meinen nächsten Tourabschnitt verkürze ich auf die Strecke Orbelians Caravanserei/Selim-Pass nach Geghard/Garni über das Geghama-Gebirge.

    Nach dem Frühstück in Areni lasse ich mich nach Yeghegnadzor fahren und drehe eine kleine Tour durch die Kleinstadt. Diese bietet einiges an Sowjetarchitektur und auch moderne Hipster-Kaffees...



    ...am frühen Nachmittag checke ich in das B&B ein, um noch ein Nachmittagsschläfchen halten zu können. Beim Check-In wird der Übersetzungsservice des Nachwuchses der Chefin in Anspruch genommen. Ich werde noch gefragt, ob ich Abendessen und vorweg noch eine kleine Weinprobe haben möchte. Da höre ich mich nicht nein sagen.


    Blick vom B&B auf Yeghegnadzor

    ...aber erst mal ein Nickerchen. Am Abend geht es dann ins Weingut. Das Arpatal rund um Areni und Yeghegnadzor ist eines der Hauptanbaugebiete für Armenischen Wein. Während zu Sowjetzeiten aus dem Wein hauptsächlich Armenian Brandy („Konjak“) hergestellt wurde, wird neuerdings wieder vermehrt Qualitätswein fabriziert. Das Ergebnis lässt sich schmecken. Sehr gut sogar...



    ...nach der Weinprobe gab es dann noch ein typisches armenisches Dinner: ziemlich viel und gutes von allem. Massig Salat und Gemüse zur Vorspeise und Brot darf natürlich nicht fehlen. Dazu eine Suppe und zum Hauptgericht Fleisch und noch mehr Gemüse und Reis.

    Übrigens: Beim löchrigen Ziegenkäse sollte man erst mal vorsichtig probieren. Hier wird gerne extrem viel Salz bei der Herstellung verwendet, welches die Natriumchlorid-Toleranzschwelle des gemeinen Taunuswanderers schnell überschreitet.

    Neben einem weiteren Gläschen Wein gibt es auch leckeres Antialkoholisches: durch Früchte/Gewürze aromatisiertes Wasser und „Compote“ (Kompottfrüchte mit Sirup mit Wasser aufgegossen). Beides scheint sehr beliebt zu sein in Armenien.

    Bei der Weinprobe und dem Abendessen komme ich auch schnell mit den anderen Gästen - ein Schweizer Pärchen, sowie ein holländisches Pärchen - ins Gespräch. Nachdem ich erzähle, dass ich hier alleine, wandernd und mit Zelt unterwegs bin, werde ich für etwas verrückt erklärt. schließlich gäbe es hier ja viele gefährliche Tiere... ich ergänze: syrische Braunbären und persische Leoparden! aber von beiden gibt es nicht mehr so viele und scheu seien diese auch...

    Nach einer ruhigen und entspannten Nacht und einem typischen armenischen Frühstück am nächsten Morgen...


    Frühstück in Armenien: Brot, viel Milchprodukte, ein wenig süßes und gerne auch was deftiges. Dazu Tee oder armenischen Kaffee

    ...mache ich mich dann auf den Weg zum nächsten Tourabschnitt. Zunächst geht es mit dem Taxi zur Orbelians Caravanserei...

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  • Meer Berge
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Wirklich sehr interessant, die Tour und dein Bericht!

    Vielen Dank!

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  • Taunuswanderer
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    14. September 2019, hohes Gras und alte Steine

    Morgens um halb sieben in Armenien...



    Heute steht die letzte Etappe der ersten Tour an. Noch bin ich auf knapp 2000 m Höhe und darf heute hinunter auf ca. 1050 m Seehöhe. Hinab ins Arpatal. Zwischendurch liegt aber auch noch der ein oder andere Aufstieg noch auf der Route. Los geht es durch ein schmales, wildromantisches Tal...



    ...auf Teils schmalen Pfaden...





    ...hin und wieder darf ich den kleinen Fluß furten...



    ...und zudem ist der Weg an einigen Stellen wegerodiert. Spannend.



    ...nach zweieinhalb Kilometern komme ich an einer Hütte vorbei. Die Brandspuren sind noch nicht alt. Man riecht noch das gelöschte Feuer. Zuerst dachte ich, dass das ganze unbewohnt ist, aber kurz nach dem Foto habe ich einen Aggroköter an der Backe und zwei weitere Tölen sind im Anmarsch. Gottseidank erlaubt mir die Wegeführung das langsame und rückwärtsgehende Entfernen in Zielrichtung, so dass ich die Wachhunde stets im Auge behalten kann. Eine Umgehung am Hang durchs Unterholz bzw. durchs Fließgewässer wäre ziemlich lästig geworden. So geht es entspannt weiter...



    ...das Hundegebell muss ich mir allerdings noch ein wenig anhören. Der Feldweg verliert sich nach wenigen hundert Metern und es geht zum Teil weglos und zum Teil über gut zugewucherte und halb wegerodierte alte Wege weiter. Das hohe Gras macht das vorankommen nicht gerade leicht ...



    ...dazu kommt in den Querrinnen dichtes Buschwerk - gerne mit Dornen. Das fördert meine Wegefindefähigkeiten. Meine außen angebrachte Isomatte darf heute auch einige Dornen und Kratzer einstecken...


    irgendwo links am Hang geht‘s weiter


    close-up der Schlucht

    Als ich es dann endlich durchs Buschwerk und hohe Gras geschafft habe, folgen noch zwei steilere Anstiege, bei denen ich gerne mal die Hand an den Fels lege...



    Retrospektiv war das technisch einer der anspruchsvollsten Abschnitte (T3) auf meiner Armenienreise. Nach dem Anstieg von grob 1700 auf 1950 m Höhe wird es dann wieder einfach. Es gibt wieder breite Feldwege und die Route ist wieder markiert und beschildert. Und nicht nur das. Es gibt auch Erklärbärschilder. Fast wie im Taunus....


    ...von denen ist mir keiner untergekommen...


    ...von denen schon. Meist war ich zu langsam für ein Beweisfoto...

    ...und es gibt hier sogar offizielle Campsites...



    Zur Mittgszeit erreiche eine kleine überdachte Picknickbank. Auf der gegenüber liegenden Seite kann ich schon das Treiben in Noravank beobachten. Noch bin ich aber gute zwei Stunden Fußmarsch vom Kloster aus dem 13. Jahrhundert entfernt...



    Der gut beschilderte Bergwanderweg (T2) führt zunächst ins Tal...



    ...überquert die Klosterzufahrtsstraße und steigt auf der gegenüberliegenden Seite wieder steil auf. In der prallen Sonne verdunstet mein Trinkwasser im Nu...



    Das Kloster betrete ich durch den Hintereingang. Nicht erst dort falle ich auf. Schon im Anstieg wurde ich mittels Drohne gesichtet. Vermutlich winke ich jetzt in irgendeinem YouTube-Video freundlich in die Kamera. Mein erstes Ziel im Kloster ist nun der Trinkwasserbrunnen. Und danach ist erst mal Pause im Schatten angesagt bevor es auf Besichtigungstour geht...





    Eine gute Dreiviertelstunde mische ich mich unter die Bustouristen und bestaune das alte Gemäuer, welches auf der Vorschlagsliste zum Weltkulturerbe steht. Danach breche ich Wieder auf. Ich wähle dazu den einfachen Weg, der Straße entlang. Es gibt zwar schon einen GPS-Track vom TCT, welcher über die rechte Bergseite und dann hinunter ins Arpatal führt, aber dazu gibt es noch keine detaillierte Wegbeschreibung und keine Kennzeichnung (und ausgebaut ist er auch nicht). Das ist mir heute zu anstrengend. Ich muss noch Waschen und Einkaufen später.

    Es könnte ein wunderbares Tal sein...



    ...ohne den Klosterzubringer im Bundesstraßenformat. Erfreulicherweise hält sich der Verkehr stark in Grenzen.

    Entlang des Weges führt auch eine Wasserpipeline ins Tal. An mehreren Stellen ist die aber schon ziemlich marode...


    typisches Problem in Armenien. Top-Fernstraßen, aber ziemlich marode Wasserversorgung

    Am späten Nachmittag, nach gut 19 km Tagesdistanz und 95 km Gesamtdistanz erreiche ich mein Hotel direkt am Yerevan-Meghri Highway. Die erste Tour ist geschafft. Ich checke ein, nehme eine Dusche, wasche meine Klamotten und auf gehts...

    ...auf eine kleine Abdendtour (ca. 5 km). Als erstes besichtige ich den Areni-1 Cave direkt am Hotel...


    Außenansucht der Höhle


    statt Innenfotos (ich hatte den Aufpasser im Nacken) gibt’s nur eines von der Infotafel

    Hier wurde nicht nur der älteste erhaltene Lederschuh gefunden (5500 Jahre alt), sondern auch eine ganze Weinkellerei ausgegraben. Über 6000 Jahre alt, die bislang älteste der Welt. (Und in Georgien letztes Jahr behaupteten sie noch, sie wären die Wiege des Weinbaus...tststs). Danach machte ich noch einen Abstecher ins Ortszentrum, um meine Vorräte für die kommenden Tour aufzufüllen. In Areni gibt es zwar keinen Supermarkt, aber den ein oder anderen Kiosk, einen Markt und zahlreiche Markstände direkt an der Straße...


    Obst, Gemüse, selbstgemachte Konserven, Obstbrand (fruit vodka) mit und ohne Früchte und hausgemachter Wein (aus Trauben oder Granatäpfeln) in Plastikflaschen werden zahlreich fabriziert und angeboten

    Der Wein/Alkohol wird auch gerne in gebrauchte Cola- und Limoflaschen abgefüllt. Gerüchteweise dient das dem einfacheren Schmuggel des Stoffs über die iranische Grenze...

    Nach der kleinen Tour esse ich dann noch im Restaurant am Areni-1 Cave zu Abend. Zur Vorspeise gibt es unter anderem das typische armenische Fladen-Brot Lavash (das Dünne in der Mitte), welches als immaterielles Weltkulturerbe eingetragen ist. Außer Mehl, Salz un Wasser ist da nix drin.

    Früh geht es heute ins Bett. Die Hitze hat mir doch etwas zu schaffen gemacht und morgen steht ein ordentlicher Anstieg von über 1000 Höhenmetern auf dem Programm.

    Ende Kapitel eins

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  • EbsEls
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Danke, sehr spannender Bericht.
    I.d.T. Im Juni sieht es am Sevan so aus.

    @Ditschi: Ggf. ist er der Wanderer aus dem Taunus?

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  • Ditschi
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Schöne Bilder aus einer zumindest mir völlig unbekannten Landschaft. Jetzt kannst Du Dich aber nicht mehr Taunuswanderer nennen. Der nick greift zu kurz.
    Ditschi

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  • Taunuswanderer
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Zitat von Ljungdalen Beitrag anzeigen
    ... (Krass, es gibt jetzt Wegweiser für Wanderwege. 1991 wurde man angeguckt wie ein Außerirdischer, wenn man jemanden sagte, man würde nur "for fun" irgendwo lang- oder hinwandern. Allgemein wusste man natürlich von der Existenz dieses Vergnügens, aber doch nicht *in Armenien*, in *diesen Zeiten*!)
    Viele der Wanderwegweiser sind nigelnagelneu. Im Dilijan Nationalpark hat Armenien mit EU-Mitteln und Unterstützung ein großes Förderprojekt zum Ausbau des Tourismus und Wandernetzes am Laufen. Auch in Vayots Dzor wurde da wohl viel über Entwicklungshilfe angestossen. Man versucht hier schon das ganze gezielt auszubauen und der ländlichen und wirtschaftlich sehr schwachen Region, neue Einnahmemöglichkeiten zu ermöglichen (ähnlich wie in Swanetien).

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  • Taunuswanderer
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Zitat von Sarekmaniac Beitrag anzeigen
    Sehr spannende Unternehmung!

    Wie kam es zu der Reisezeit? Einfach nur deine Planung, oder gibt das Klima da was vor? Rein von den Bildern her, wo man ständig diese vertrocknete Grassteppe sieht, würde ich meinen, früher im Jahr, im Juni/Juli, müsste es dort fantastisch blühen.
    Für dieses Jahr kam für mich urlaubsplanungstechnisch nur noch August bis November in Frage. August wäre mir viel zu heiß gewesen (geht vielleicht gerade so in Dilijan). Ab Oktober ist im Geghamagebirge mit Wintereinbruch zu rechnen. Zudem ist September der Monat mit den geringsten Niederschlägen in Armenien. Wer also gerne trockener und bei stabilen Wetterlagen wandern möchte ist da gut aufgehoben. Die Blütezeit im Juni und Juli muss gigantisch sein. Steht noch auf meiner Wunschliste. Da kauft man sich allerdings gut zugewachsene deutlich schwerer zu passierende Abschnitte ein (Schöne Grüße vom Riesenbärenklau, der dort heimisch is). Zudem gibt es je nach Region (viel) Altschnee und im Geghamagebirge ein deutlich erhöhtes Gewitterrisiko.

    Im übrigen ist das Gras meist nicht ganz so vertrocknet, wie es auf den Ersten Blick ausschaut. Meist gibt es noch einen grünen Kern. Je nach Bewölkung und Lichteinfall schimmerte das auch in unterschiedlichen gelblichen und grüngelblichen Tönen.

    Das "Huhn" in Post 4 ist IMO ein weiblicher Kuckuck.
    Uuuups. Ornithologe werde ich wohl keiner mehr.

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  • Ljungdalen
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Zitat von Sarekmaniac Beitrag anzeigen
    Rein von den Bildern her, wo man ständig diese vertrocknete Grassteppe sieht, würde ich meinen, früher im Jahr, im Juni/Juli, müsste es dort fantastisch blühen.
    Ich war von Mitte Juni bis Mitte August '91 (omg!) in Ostarmenien (bei Kapan) und dann in Nordarmenien (bei Alawerdi). "Dienstlich" zwar, aber das war ein Praktikum als Geologie-Student, d.h. viel durch die Gegend laufen, und private Abstecher waren auch drin Besonders im Osten war es schon im Juni sehr trocken. Nie Regen, in den Gipfellagen (über 3500 m) am Tag noch weit über 20 °C, in den Tälern über 35 °C. Bis in den Juli hinein aber an schattigen Stellen so ab 2000 m noch Schneereste ("ganz oben" sicher ganzjährig). Aber ja, besonders in den mittleren Lagen zuerst auch viele Blumen.

    Zitat von Sarekmaniac Beitrag anzeigen
    Das "Huhn" in Post 4 ist IMO ein weiblicher Kuckuck.
    Sehe ich auch so. "Hühner" gibt es da aber auch, besonders Chukarhühner (Alectoris chukar, a.k.a. Chukarsteinhühner) - die können einen ganz schön durch plötzliches Auffliegen direkt vor den Füßen erschrecken, wie Reb- oder Schneehühner.

    Und mehrfach werden ja auch Haus- und Wildschweine gezeigt und erwähnt: Da die Hausschweine dort frei herumlaufen, sieht man gelegentlich Mischlinge aus Haus- und Wildschweinen. Die haben dann so einzelne Fellflecken. (Ich habe die in Nordarmenien gesehen, in eher bewaldeter Gegend.)

    Ach ja. Interessanter Bericht. Vielen Dank. Ob ich da wohl nochmal hinkomme? (Krass, es gibt jetzt Wegweiser für Wanderwege. 1991 wurde man angeguckt wie ein Außerirdischer, wenn man jemanden sagte, man würde nur "for fun" irgendwo lang- oder hinwandern. Allgemein wusste man natürlich von der Existenz dieses Vergnügens, aber doch nicht *in Armenien*, in *diesen Zeiten*!)

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  • Sarekmaniac
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Sehr spannende Unternehmung!

    Wie kam es zu der Reisezeit? Einfach nur deine Planung, oder gibt das Klima da was vor? Rein von den Bildern her, wo man ständig diese vertrocknete Grassteppe sieht, würde ich meinen, früher im Jahr, im Juni/Juli, müsste es dort fantastisch blühen.

    Das "Huhn" in Post 4 ist IMO ein weiblicher Kuckuck.

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  • Taunuswanderer
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Zitat von AlfBerlin Beitrag anzeigen
    Danke für den Bericht und die Fotos.
    Gerne. Danke fürs Gucken und Lesen

    Was ist das für ein Zelt?
    Mein Tarptent ProTrail.

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  • AlfBerlin
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    Danke für den Bericht und die Fotos. Was ist das für ein Zelt?

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  • Taunuswanderer
    antwortet
    AW: [AM] Trekking-Trilogie im kleinen Kaukasus

    13. September 2019, Freitag, der 13.


    Bari luis. Sonnenaufgang am Camp

    Heute gibt es zum ersten Mal ein fixes Routenziel: die inoffizielle Campstelle in Gnishik. Gnishik ist der einzige Ort entlang des Vayots-Dzor-Abschnittes des TCT, wo es keine Übernachtungsmöglichkeit in einem B&B oder Guesthouse gibt. Dafür ist eine inoffizielle Campstelle im GPS-Track hinterlegt. Da das Gelände sonst schwierig aussieht, steuere ich heute diese an.
    Zunächst geht es erst mal nach Horadis. Eine fast verlassenes Dorf voller Ruinen...

    Brotzeitzeit ist aber erst mal an einem Picknickplatz unterhalb des Dorfes...


    Schattiges Plätzchen

    Gegen zehn Uhr erreiche ich dann Horadis


    Schmetterling am Ortsrand

    Ein Gehöft ist noch (bzw. wieder) bewirtschaftet...


    Kühe stehen Schlange beim Melken

    ...vom Rest stehen nur noch Mauerreste. Das Dorf wurde wohl zu Sowjetzeiten aufgelassen


    Ruinen...


    ...über Ruinen...

    Mitten in den Ruinen schmiert mir zum zweiten Mal am Tage mein iPhone ab. Beim Versuch ein Foto zu schießen ist es plötzlich aus. Das passiert dann gleich hinter her noch einmal. Es ist Freitag der 13., ich bin allein, mein Kommunikations- und Nacigationsmittel macht komische Sachen, der Akku schwindet durch die Reboots auch ganz ordentlich. Das wär doch mal ein schöner Anfang für einen B-Movie...
    ...bei mir geht es allerdings ganz ohne Horror weiter...
    ...ich besuche als Nächstes die Kirchenruine


    Kircheneingang mit Kuhalarmanlage


    „Cabrio-Style“



    Sogar einen funktionierenden Brunnen hat das Dorf noch...


    nochmals tanken, bevor es auf die trockene Weide geht...


    jeder darf mal ran

    Ich verlasse das Dorf und werfe nochmals einen Blick zurück...



    ...und trotte gemütlich der Kuhherde hinterher, welche nach dem Melken unterwegs zu ihrer Weide ist...



    ...und verpeile dadurch völlig, dass ich eigentlich hätte schon längst abbiegen müssen. Egal. Geht es jetzt halt querfeldein und durch zwei Gräben zurück auf den Wanderweg...

    Der Nachmittag verläuft dann recht unaufgeregt. Ich nähere mich dem Dorf Gnishik...



    ...und fülle dort meine Wasservorräte mal wieder an einer Viehtränke auf...



    Gleich hinter dem Dorf erreiche ich meine Campstelle unweit eines rauschenden Wildbaches...



    Dieses Mal gut windgeschützt, dafür mit massenhaft Wild(schwein)spuren rund ums Lager.

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