[DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

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    [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

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    Nachdem Prachttaucher anregte, doch mal etwas mehr über lokale niedersächsische Wanderwege zu schreiben, versammle ich hier mal meine bisher einzelnen Einträge über Wege in Zusammenhang mit und/oder in der Nähe des Pilgerwegs Loccum–Volkenroda. Wie man aus der Info-Webseite zu diesem Pilgerweg sehen kann (z.B. beim Pilgerweg-Navigator), gibt es nicht nur den Hauptweg, sondern auch ein paar mehr oder weniger klosterbezogenen Nebenwege. So kann man zum Beispiel am sehr schönen Kloster Mariensee starten, wo auch die dazu gehörende Gartenanlagen eine Besichtigung wert sind. In der Nähe (Gegenrichtung) gibt es noch die Gelegenheit, sich mit Proviant einzudecken (Bäcker, Fleischer, ...), dann geht es weiter in Richtung Steinhuder Meer, das man entweder am Nordufer oder am Südufer passieren kann.

    Eine (momentan nur rudimentäre) Infosammlung findet sich auch im ods-wiki-Artikel zum Weg.

    So sieht’s zum Beispiel auf dem Stück zwischen Neustadt und Poggenhagen aus (Nebenweg 12: Steinhude–Kloster Mariensee):





    Der Wegabschnitt ist sehr hübsch, wobei die Pilgerroute eher die kleinen Pfade bevorzugt. Manchmal auch nicht, alternativ gibt es auch Parallelpfade durch wegbegleitende Wäldchen (die sonstigen Spaziergänger bleiben erfahrungsgemäß eher auf den asphaltierten Wegen):





    Auch gegen Abend ist es dort eher idyllisch



    tagsüber aber auch nicht schlecht (am gegenüberliegenden Ufer verläuft der E1)



    und Wirtschaftswege gibt’s dort natürlich auch:







    Wer Forellen mag, kann, wenn während der Saison immer freitags und samstags die Anlagen der Edelkrebs- und Forellenzucht direkt an der K333 geöffnet haben, sein Proviant mit frischen sowie geräucherten normalen als auch Lachsforellen erweitern (sicherheitshalber vorher anrufen, der Verkauf ist nur geöffnet solange der Vorrat reicht, und eine Sommerpause (edit: und ebenso eingeschränkte pandemiebedingte Öffnungszeiten) gibt es bspw. auch).


    Auch vom teilweise auf diesen Nebenwegsstrecken verlaufenden Sigwardsweg (benannt nach einem Mindener Bischof aus dem 12. Jahrhundert) gibt es eine Süd- und eine Nordroute. Im Moment ist die Webseite zum Weg offline, man findet aber einen gps-track z.B. bei wanderkompass.de.
    Zuletzt geändert von lina; 27.12.2020, 18:01.

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    #2
    AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

    Noch mehr Wege ....

    Den eigentlichen Pilgerweg Loccum – Volkenroda traf ich eigentlich eher zufällig, obwohl mir schon länger immer wieder mal auffiel, dass auf Schildern an den netten Wegabschnitten der Umgebung häufig das Pilgerwegs-Icon prangte.

    Auf der Suche nach einem erreichbaren Wanderweg entdeckte ich zunächst die Fürstenroute, welche eigentlich ein Radweg ist. Das bedeutet hier, dass sie einen sehr hohen Asphaltanteil aufweist und sich teilweise sehr längt, vor allem dann, wenn man so auf straßenbegleitenden Radwegen vor sich hin tapert. Ich habe auf dem Weg zwar trotzdem manche schönen Orte gefunden, wurde dann aber abgelenkt, und zwar


    gleich hinter Hagenburg

    nicht nur von der einzigen Bärlauchansammlung weit und breit ...



    ... sondern von einem Abzweig: links ging’s weg zum Pilgerweg Loccum-Volkenroda – und das sah viel schöner aus zum Laufen als die Fürstenroute (ist ja auch als Fußweg gedacht)


    Blick zurück auf die Wegkreuzung

    Ein paar hundert Meter weiter kam dann der Sigwardsweg (Nordroute) dazu







    Links hoch dann weiter – rechts ist auch spannend, aber das wusste ich da noch nicht ….



    Oben ging’s dann einen Kamm-Weg entlang



    Rechts das Steinhuder Meer



    und links das Schaumburger Land



    Und dann ...



    E1? Hier???

    Tatsächlich! Am nächsten Dorfrand weitere Schilder: „E1 über Düdinghausen“



    Nun war ich doch neugierig, vergaß Bergkirchen (sehr schöne alte Kirche, ein Hofladen für Proviant) und die bisherigen Wege und folgte der angegebenen Richtung Zunächst ging das noch, aber es wurde später offensichtlich, dass hier schon länger niemand mehr entlang gelaufen war




    Wegstein mit alter Gravur und Baumpilze

    Der Weg wurde immer vermoster, die Laubschicht tiefer und man musste über Baumstämme klettern. Da nicht klar war, ob die Wegführung durch den Wald weiterging oder an dessen Rand entlang, versuchte ich die zweite Variante, es war aber nicht wirklich herausfindbar.



    Traktoren fuhren auf den Feldern, und ein Spaziergänger mit Hund war unterwegs. Da es langsam dunkel wurde, ging ich zurück nach Düdinghausen und traf an einer der vorherigen Abbiegestellen dann das E1-Zeichen wieder



    Die Recherche ergab nur Spärliches: Offensichtlich wurde irgendwann mal in Hagenburg die Wegführung geändert. In meiner Auflage des „Krause“ ist jedoch schon die neue drin. Aber fein, dass die alten Schilder noch da sind



    Bei der nächsten Gelegenheit auf dem Nebenweg Loccum – Volkenroda habe ich mich dann verlaufen (Aspaltanteil erneut sehr hoch, aber doch hübsch durch Felder)

    Bergkirchen und die Galloways

























    Einige Zeit später folgte weiteres entspanntes "Flanieren in den welfischen Staatsforsten"



    und dann doch wieder der

    Sigwardsweg: Wölpinghausen – Bad Rehburg

    welcher so ungefähr wie der Nebenweg des Pilgerwegs Loccum-Volkenroda zum Kloster Mariensee verläuft, teilweise auch wie der Roswithaweg.

    Ich lief dort in entgegengesetzter Richtung (und vielleicht lag es auch daran, dass ich fand, dass der Weg miserabel ausgezeichnet war: Schilder waren zwar vorhanden, aber missverständlich platziert, sodass ich – auch bei der folgenden Fortsetzung in Richtung Loccum – mehrere Male falsch abgebogen bin. Zum Glück hatte ich den track auf dem Navi und konnte den Weg zurück finden). Pluspunkt: Die Wegführung ist vorwiegend asphaltfrei angelegt.

    Hübsch zu laufen war es aber allemal, dieses Mai-April-Wetter war einfach toll, es hatte die Nacht vorher geregnet, alles war am Blühen und Duften und neue Regenfälle gab es trotz Bewölkung keine.









    Hier sind die Markierungen aller drei Wege versammelt: Das rote Zeichen ist für den Sigwardsweg, das grün-weiße für den Nebenweg PW LV/Kloster Mariensee und das X mit dem R darunter für den Roswithaweg (was ich bisher davon sah, sieht ebenfalls interessant aus):




    Wilhelmsturm



    Von welchem Piepmatz stammen denn die hellblauen Eierschalen?







    Hier zum Beispiel zeigt das Weg-Zeichen auf dem Schild auf Abbiegen. Das ist hier (Treppe hoch) aber falsch: Abbiegen muss man erst ein paar Meter weiter.




    Museum und Kurgelände Bad Rehburg





    Zurück nach Wölpinghausen nahm ich den Parallel-Pfad (verläuft näher an der Straße) – der war sogar noch hübscher. Kann auch sein, dass der Waldboden mal zusätzlich mit gehäckselter Rinde bestreut wurde: Man konnte jedenfalls wunderbar angenehm federnd darauf gehen. Mit diesem Weg wäre man, so man benötigt, auch in der Nähe des Campingplatzes Erlengrund (andere Straßenseite und noch ein paar hundert Meter weiter ins Gelände)



    ***

    Sigwardsweg: Bad Rehburg – Loccum (Kloster)

    Bad Rehburg präsentierte sich – wie inzwischen viele Kurbäder – als ziemlich verlassen, dennoch ist die historische Bäder-Architektur hübsch anzuschauen



    auch wenn sie manchmal etwas verfallend daherkommt



    Hügelaufwärts (ein Stückchen auf den Spuren des Meer(Rad)wegs) führt der Weg dann wieder in die Wälder







    Hier findet man dann auch die Schilder, auf denen vom „Promenieren“ als „Mode in der Zeit der Romantik“ erzählt wird, auf speziell angelegten Wegen und zu Gunsten der Gesundheit der Kurgäste. Bänke an speziell benannten Plätzen laden zu Pausen ein.


    Platz mit Gedenk-Säule und Bank zu Ehren der Prinzession Marie Wilhelmine, spätere Gattin von Georg V. (Der i-Punkt ist zwar historisch nicht plausibel, sieht aber eh nachträglich hinzugefügt aus )

    Ab dem weithin sichtbaren Fernmeldeturm geht der Weg dann wieder abwärts



    Kinderlachen ließ mich erst an ein Freibad denken, die nicht ganz passenden Temperaturen und ein kurzer Ausstieg aus dem Wanderer-ZEN-Gefühl (AKA Blick auf die Karte) enthüllte dann aber: Die Ursache der Fröhlichkeit war der hier und seine Kollegen aus dem Dino-Park – ahja




    Hier finden tatsächlich aktuelle Forschungsarbeiten statt zu Dinosaurier-Spuren – der Dino-Park ist also nicht nur (wie der Name fälschlicherweise vermuten lässt) ein simples Freizeitvergnügen


    Asphaltstück in Richtung Münchehagen

    Nach falschem und dann richtigem Abbiegen dann Raps, Raps und noch mehr Raps



    und noch ein Brassica-Familienmitglied – aber was eigentlich für eines? Wegrauke?




    Stängelumfassende Taubnessel?







    Ein paar Abzweigungen später trifft der Sigwardsweg auf den Haupt-Pilgerweg Loccum-Volkenroda, und dessen Verlauf ist dann außerordentlich idyllisch. Einzelne Spaziergänger waren auffallend langsam und kontemplativ unterwegs, warum auch immer,





    und vorbei am Anfangs-Denkmal des Pilgerwegs gelangt man dann, an der Klostermauer entlang, auf das ausgedehnte und sehr sehenswerte Klostergelände


    Offizieller Startpunkt des Pilger-Hauptwegs


    Refektoriumsgarten


    Ehemaliges Abthaus (links)


    und schließlich noch die Klosterkirche

    Das Kloster ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln vergleichsweise wirklich gut erreichbar.
    Zuletzt geändert von lina; 19.04.2016, 09:43.

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    • lina
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      • 12.07.2008
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      #3
      AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

      Ab hier also der Hauptweg:

      Pilgerweg Loccum – Volkenroda: Kloster Loccum – Stadthagen

      Da das letzte Wegstückchen so hübsch war und das Klostergelände so beeindruckend, war klar, dass ich da nochmal hin musste

      Ende der ersten Etappe war, laut Text auf der Informationstafel an der einen Hälfte des Pilger-Denkmals (die andere Hälfte dessen steht am Ziel), Stadthagen, in einer Entfernung von 19 km. Für untrainierte Pilger fand ich diese Anfangs-Etappenlänge ganz schön ambitioniert, auch wenn die Gegend nicht hügelig ist, aber immerhin erreicht man Pollhagen, das ist die nächsten Ortschaft, schon nach 10 km.

      Nun denn los – jetzt dem dunkelblauen Zisterzienserkreuz-Zeichen nach



      oder dem aufgemalten LV





      Auf der Bach-Oberfläche war es unruhig: Wasserläufer flitzten hier hin und her





      und weil ich (theoretisch ) Zeit hatte (... es war noch hell ...), schaute ich mir auch noch die Luccaburg aus dem 9. oder 10. Jahrhundert an, die in Wegnähe liegt






      Knoblauchsrauke und Sauerklee

      Nach wenigen weiteren Metern trennen sich Haupt- und Nebenweg, und ein paar Minuten später fand ich heraus, dass ich vergessen hatte, den track auf das Navi zu übertragen. Immerhin hatte ich die Karte abfotografiert. Ich beschloss, dass das reichen musste, und hoffte, dass der Pilgerweg besser markiert ist als der Sigwardsweg. Im Großen und Ganzen ist das auch so.



      Inzwischen blinzelte die Sonne wieder öfter durch die Wolken und die oberste Lage Klamotten wanderte in den Rucksack. Ich passierte einen See und tauchte dann in den Wald ein. Wunderschön ist es hier






      Aurorafalter



      Nach einigen Abzweigen und einem dunkler anmutenden Waldstück





      sowie einem kurzen Wegstück zwischen Feldern (ein eiskalter Wind wehte, und ich war froh um das mitgenommene Windshirt)



      folgte dann etwas Durststrecke: Eine relativ lange Passage entlang einer zum Glück nicht stark befahrenenen Straße


      fast geschafft

      Das Windshirt kam wieder in den Rucksack, und jetzt wurde es richtig saftig grün: Die Waldböden waren über und über bedeckt mit Pflanzen



      und als ich zwischen den Wällen einer ehemaligen Privatbahnlinie durchgelaufen war, konnte ich dem Anblick kaum glauben: Bärlauch so weit das Auge reichte! Blätter wie Handtücher! Ich sandte gedanklich ODS-Grüße an Homer Etwas irritiert war ich, dass es hier nicht nach Knoblauch roch, aber die Blüten waren noch geschlossen.






      Ehemaliger Bahndamm

      Vergnügt ging es weiter zum Platz-Der-Beiden-Hochsitze





      und vorbei an einer schmucken Schutzhütte – einem schickeren Nachbau einer früheren hier gelegenen Hirten-Unterkunft



      Am Beginn des nächsten Wäldchens war die Markierung nicht eindeutig, aber hier rettete mich die Kenntnis des folgenden Ortsnamens, kombiniert mit der abfotografierten Karte und dem Navi zur Ortsbestimmung: Es geht geradeaus weiter.

      Meine Füße freuten sich außerordentlich, dass der Wegbelag aus haselnussgroßen Schotterstückchen nach der Schranke endlich aufhörte – wer denkt sich sowas, für markierte Rad- und Wanderwege, eigentlich aus?!?



      Es geht vorbei an einem Forsthaus, nach dem ich den noch im Winter begangenen Fürstenweg kreuzte; hier blühten die Obstbäume



      und bald darauf geht es sanft hügelabwärts auf Pollhagen zu





      Mich faszinierten die dortigen perfekt gemähten Rasenflächen, die mich stark an meine Radtour in der Gegend um Vechta erinnerten. Pollhagen präsentierte sich fast menschenleer, erst in der Dorfmitte sah ich vereinzelt Leute auf der Straße.



      Hier scheint auch die heimliche Hauptstadt der silbergrauen Autos zu sein – ok, dunkelblau kommt auch manchmal vor, aber selten Die häufig steinernen Säulen links und rechts an den Grundstücks-Eingängen präsentierten sich sorgfältig bemeißelt & beschriftet, und es gibt sogar ein Storchenpaar im Ort.

      Der Weg zweigt ab und überquert den Mittellandkanal



      Überrascht stellte ich fest, dass die Dörfer vor Stadthagen praktisch ineinander übergehen.

      So, letztes Foto, kurz vor Stadthagen



      und ich muss sagen, dass mir diese Etappe wirklich sehr gut gefallen hat.
      Zuletzt geändert von lina; 03.11.2014, 12:20.

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      • lina
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        • 12.07.2008
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        • Meine Reisen

        #4
        AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

        Stadthagen – Rehren habe ich dann erst einmal ausgelassen (edit: inzwischen in #56), es folgte gleich

        Rehren – Hessisch Oldendorf

        In der Wegbeschreibung ist dies Etappe Nr. 3, und eine der ersten Aktionen war Windshirt-Anziehen – huh, was war das kalt!! Dann Autobahnbrücke unterquert, Landstraße überquert, und ab in den Wald. Hier wurde es gleich besser.

        Kaum jemand war unterwegs, der Wanderparkplatz war nahezu unbesetzt, der frisch gemähte Fußballplatz verlassen. Und auch nachdem das verhaltene Geräusch der wenigen auf dem Tennisplatz hin- und her hüpfenden Bälle nicht mehr hörbar war, sah ich nur vereinzelt und für kurze Zeit mal ein paar Leute.

        Zunächst folgt die Wegführung einem Stück Straße – die Böschung am Straßenrand war über und über bedeckt von blühendem Waldmeister und vor allem Bärlauch







        Beschaulich geht es dann zwischen den alten Bauerngehöften von Rannenberg hügelaufwärts.

        Auch dieser Ort schien ausgestorben, kein Kaffeeduft in der Luft, trotz Sonntagnachmittag. Wo waren die nur alle? Eine graue Perserkatze saß mitten auf der Straße, und der Fahrer des ein paar Momente später um die Ecke biegenden Autos fuhr langsam um sie herum, während sie ihm nahezu bewegungslos nachschaute. Dafür zwitscherten die Piepmätze, und zwei Ponys sowie ein paar weitere wollige Genossen widmen sich mehr oder weniger aktiv der Wiesenpflege




        fetz

        Beim nächsten Hof wurden frische Eier angeboten, die Hühner dazu tippelten hinter dem Haus durch ihr Gehege. Hätte man jetzt Kochutensilien dabei gehabt, wäre das Abendessen gesichert gewesen

        Die Pflanzen an der Böschung sahen nach wildem Majoran aus, der Geruchstest fiel aber negativ aus. Was war das nur für eine Pflanze? Die Sternmieren bildeten an den wärmeren Plätzen schon Samenstände aus, die Löwenzahnblätter waren makellos grün, dazu ungewohnt riesig, und sie fühlten sich sichtlich wohl hier. Noch immer war es stark bewölkt, aber der Wind hatte abgenommen – das Windshirt wanderte in den Rucksack.






        noch innerdörfliche Schutzhütte

        An einem kleinen Dorfplatz mit Bänken, die dort wohl schon sehr lange stehen, Papierkorb und historischer Info-Metalltafel hing auch eine Wanderkarte mit eingezeichneten Wegen im Auetal – sehr praktisch. Bei den letzten Häusern zweigt dann ein Wirtschaftsweg ab, hügelaufwärts.


        Blick zurück


        zur Seite


        und weiter

        Der nächste Abzweig kam überraschend – nun geht es wieder hügelabwärts, erneut durch intensives Grün. Die auf dem Weg sitzende große Weinbergschnecke wirkte fast wie ein Fossil, und zeitweise blinzelte inzwischen sogar mal die Sonne durch die Bäume







        Das Springkraut war auch schon kräftig am Wachsen – und wie ging gleich nochmal Brennesselspinat? Offensichtlich war ich hungrig losgelaufen





        Nach einem füßestrapazierenden Stück Schotterstrecke bergabwärts folgte die nächste Wanderweg-Kreuzung (u.a. auf den Weserberglandweg) – hier hätte ich am liebsten länger bleiben mögen, es war aber schon etwas spät ...





        Eine der inzwischen seltenener gewordenen Markierungen des Wegs an einem Baum – wenn es dazu Weg-Schildchen gab, waren die auf dieser Etappe von der Sonne überwiegend so stark ausgeblichen, dass fast nichts mehr erkennbar war



        Inzwischen waren die ersten Auto-Geräusche zu hören, doch die größere Straße blieb außer Sichtweite. Stattdessen folgten weiterhin Wald-Trampelpfade



        Einige Zeit später passiert und umrundet der Weg das alte Waldbad Rohden (das sich offensichtlich dank zahlreicher Unterstützer momentan in Renovierung befindet) samt angeschlossenem Fußballplatz und Schutzhütte in der Kehre



        dann führt der nächste Waldpfad an der Häusergrenze entlang. Den folgenden Abzweig zur mittelalterlichen Burgruine Burg Rohden hätte Göga wahrscheinlich nicht ausgelassen – befindet sie sich doch in gerade mal 400 m Entfernung Mir war aber derzeit eher nach Grün anstatt nach Gemäuer, auch wenn bald wieder Dörfergucken (Segelhorst) angesagt war, verbunden mit der Feststellung, dass es wohl in der näheren Umgebung hier einen besonders talentierten Anbieter für Trampoline zu geben schien – kaum ein Garten kam ohne eins aus





        Und auch hier: Nahezu keinerlei Zweibeiner unterwegs





        So machte mir dann auch das folgende Stück Straße nichts aus, ich blinzelte ins Grüne während oben gemütlich etwas mittelgroßes Mittelbraunes kreuzte – Fuchs? Kleines Reh? Leider zu weit weg, um es genau zu sehen, auch der Kamera-Zoom half nicht









        Kurze Zeit später erreichte ich dann den Ortsrand von Barksen. Moment – Barksen?? Ein Blick auf das Navi zeigte: Ich hätte vorher abbiegen müssen, dort, wo ich den Abzweig zum Süntelweg fotografiert hatte (sah ebenfalls vielversprechend aus). Egal. Ein paar Meter zurück, dann konnte ich über einen Feldweg doch noch auf die richtige Strecke treffen, die in der Nähe der Baumreihe entlang ging. Schnecken in großer Zahl waren unterwegs, scheinbar planlos kreuz und quer zwischen den Feldern





        Am Ende des Weges ein falsch scheinender Abzweig, aber dann doch: ein Trampelpfad durch die nächste Wiese, der der Grasbiegerichtung nach eher in Gegenrichtung genutzt wurde. Ich durchpflügte kniehohes Grün und gelangte damit doch auf den angepeilten Wanderweg





        Hier sieht man das Wegzeichen für den Pyrmonter Weg (30 km von Barsinghausen nach Pyrmont) sowie, aufgemalt, das Zeichen für den Süntelweg – welcher welcher ist und ob sie vielleicht dieselben sind, ist noch herauszufinden ...



        und am Ende des schönen Pfades liegt dann Hessisch-Oldendorf, von wo aus sich der Weg in Richtung Hameln fortsetzt.



        ---

        Edit: Vielleicht noch interessant als Ergänzung: Wanderwege Region Hannover
        Zuletzt geändert von lina; 13.01.2020, 20:52.

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        • Prachttaucher
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          • 21.01.2008
          • 11401

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

          Mein Respekt ! Da jammert man ein bißchen rum und schon kommt ein rießiger Reisebericht, der Strecke für mehrere Wochenenden beinhaltet. Hast Du so etwas für alle Fälle immer parat in der Hinterhand, um dann mal eben schnell....?

          Lesen kommt noch.

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          • lina
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            #6
            AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda


            Nee, halbsowild, das ist bisher nur eine Zusammenfassung von verstreuten Einzelteilen aus dem "Outdoorerlebnis-heute"-Thread Eigentlich wollte ich den Reisebericht erst erstellen, nachdem ich Volkenroda erreicht habe – aber dann war doch mehr Stoff vorhanden als ich zunächst dachte. Zudem fand ich die Idee mit den möglichen Wegen drumherum auch reizvoll, und so habe ich halt schon mal angefangen und hoffe auf baldige Fortsetzungsmöglichkeiten ...

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            • Lookas
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              • 01.11.2011
              • 129

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              #7
              AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

              Yeah, Lina! Jetzt auch du? Herrlich! Ich habe gerade die Bilder goutiert und mich gefreut, dass ich fast alles sofort wiedererkenne. Nur - bei dir sieht's viel besser aus als in echt.

              Zitat von lina Beitrag anzeigen
              Einige Zeit später passiert und umrundet der Weg das alte Waldbad Rohden (das sich offensichtlich dank zahlreichender Unterstützer momentan in Renovierung befindet) samt angeschlossenem Fußballplatz und Schutzhütte in der Kehre

              Die Hütte kann ich übrigens empfehlen. Günstig, gut gelegen und ruhig.

              Zitat von lina Beitrag anzeigen
              Kurze Zeit später erreichte ich dann den Ortsrand von Barksen. Moment – Barksen?? Ein Blick auf das Navi zeigte: Ich hätte vorher abbiegen müssen, dort, wo ich den Abzweig zum Süntelweg fotografiert hatte (sah ebenfalls vielversprechend aus). Egal. Ein paar Meter zurück, dann konnte ich über einen Feldweg doch noch auf die richtige Strecke treffen, die in der Nähe der Baumreihe entlang ging. Schnecken in großer Zahl waren unterwegs, scheinbar planlos kreuz und quer zwischen den Feldern
              Und das ist mir auch passiert! Ich bin so oft an den Markierungen hier und da vorbeigerannt, dass ich manchmal schon ins Schimpfen kam ob der Bleiche ihrer Kreuze. Ohne Karte ist das an manchen Ecken des Weges nicht ganz einfach, oder? Bis wohin bist du eigentlich noch gewandert? Ich nehme wahrscheinlich erst im Frühling wieder die Strecke ab Bodenwerder auf, bis dahin fehlt mir wohl die Zeit, seufz.
              Das muss das Boot abkönnen!

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              • lina
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                • 12.07.2008
                • 36739

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                Danke :-) – das liegt bestimmt am Frühling, da sieht alles nochmal viel besser aus – aber Du hast die besseren stories

                Und ja, die Sache mit Barksen … dabei hier ginge dort der richtige Abzweig wirklich die fußfreundlichere Strecke entlang. Und richtig schön durch grüne Wildnis *seufz* – nochmal so weit zurück wollte ich aber dann noch nicht. Ohne Karte fand ich den Weg auch schwierig zu finden. Am Anfang ging’s noch, es wurde dann aber immer spärlicher. Bei größeren Orten wird’s ganz kompliziert. Notfalls kann man sich noch die PDFs der Streckenabschnitte von der Pilgerseite auf das Smartphone laden, dazu muss man, falls unterwegs, aber erst einmal dem Funkloch entkommen und einen PDF-Reader installiert haben. Gekommen bin ich bis Hessisch Oldendorf.

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                • stoeps
                  Dauerbesucher
                  • 03.07.2007
                  • 537

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                  Dankeschön auch von mir. Ein Weg, den auch ich schon mehrfach gekreuzt und gestriffen habe (auf dem Wesergebirgsweg, im Bereich Steinhuder Meer, im Süntel, …) und der mir immer ansprechend vorkam. Karte und Infoheft liegen schon lange in der Landkartenkiste – und jetzt machst Du ihn nochmal richtig schmackhaft …

                  … vor allem auch mit Deinen tollen Fotos.
                  „The world's big and I want to have a good look at it before it gets dark.”
                  ― John Muir

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                    • 12.07.2008
                    • 36739

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                    Danke! *freu* :-)

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                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                      Es herbstelte schon, als ich in Hessisch Oldendorf die Fortsetzung des Pilgerwegs wieder aufnahm. Da die Häuschen dort baulich sehr abwechslungsreich sind, hatte ich den Ort kurzweilig durchquert. Auf den Spuren des Deister-Süntelweges geht es dann, am Friedhof entlang, wieder auf’s freie Feld. Am Ende des schmalen Pfads durch das Maisfeld war jemand in einem Garten zugange, hinter betagten Zäunen standen alte Obstbäume. Wenige Leute gingen weiter als bis zum Friedhof.







                      Nach den Maisfeldern erstreckte sich die weite Landschaft hinter den abgeernteten Feldern mit Maisstoppeln und relativ vielen liegengebliebenen grünen Kartoffeln. Am Rand seltsam symmetrisch geformte, größere Steine. Obwohl – Steine? Nein, doch nicht





                      In Krückeberg geht die Wegführung ungewöhnlicherweise unter einem Blumenspalier hindurch. Quitten leuchteten über den Gartenzaun, Hühner liefen über ein großes, eingezäuntes Stück zu verkaufende Wiese. Nach einem Stück bergab quert man die Straße und blickt auf sich lange hin ziehende Wirtschaftswege.





                      Zuckerrüben-, Kartoffelfelder und Bärenklau säumten den Weg zum Gut Stau



                      Kurz davor kann man abbiegen und die Kirche von Weibeck besichtigen



                      Das Gut Stau stammt aus dem Jahr 1613 und sieht beeindruckend aus. Ich erinnerte mich an Lookas’ Reisebericht und speziell daran, dass der Weg mitten durch ein Gut geht. Mein Navi zeigte das auch so an, aber die Erinnerung trog trotzdem Also nach einem netten Gespräch wieder raus aus dem großen Innenhof mit den schönen Gartenanlagen: Dieses Gut will umlaufen werden


                      ... also hier gleich rechts abbiegen ...


                      Schmuck links und rechts an den Tor-Mauern



                      Die zwölf weißen Pilze am Ende des ebenfalls perfekt gemähten Außenbereich des Gutsgeländes sahen, der Lamellenfarbe nach, immerhin nach Wiesenchampignons aus



                      Am Vereinsangelplatz Baggersee Fischbeck vorbei



                      geht es dann noch lange geradeaus und schließlich, entlang Sportplätzen, nach Fischbeck, wo auch der Weserradweg durchführt. Ein Pärchen mit Radtaschen überholte mich, aber eigentlich hatten sie für Radreisende zu wenig Gepäck dabei

                      Eine kleine Runde in Fischbeck, und bald gelangt man zum geräumigen Stiftskirchen-Vorplatz. Laut Beschilderung ist die Stiftskirche von Ostersonntag bis 31. Oktober Di–Sa von 10 bis 14 Uhr geöffnet, eine Führung gibt es täglich, außer Montags, um 14:30. Schade, zu spät – hier muss ich wohl nochmal herkommen. Pilger werden hier herzlich Willkommen geheißen, und es gibt sogar eine extra Pilgerklingel – ebenfalls zeitlich beschränkt natürlich, aber die Freundlichkeit der Aushänge erfreute.

                      Weiter um die Ecke führt der Weg an einem Bach entlang. Der scheint gar nicht so harmlos zu sein – es gibt eine extra Latte mit Wasserhöhenangaben. Bedenkt man, dass ja die Weser in der Nähe fließt, erscheinen die gar nicht einmal so unwahrscheinlich.



                      Schnell ist das Dorf durchquert. Kaum Leute waren unterwegs (das Wetter war auch nicht allzu schön und spät war es auch), aber einige standen am Brathuhn-Imbissmobil, das an der Zielgeraden ins nächste Wohngebiet steht. Am Ortsrand ein paar Spaziergänger mit Hund, und welche mit Hund und Katze – letztere entschloss sich, trotz mehreren Rufen, nicht der Familie zu folgen, sondern dicht bei mir zu bleiben: Ihre Augen fixierten eindringlichst, und fast schon glühend mein Pausenproviant.

                      Allmählich geht es dann hügelaufwärts



                      Neben der Streuobstwiese am Wegesrand fanden sich noch ein paar Himbeeren(!) und Brombeeren, dann geht es in den Wald und auf eine Weggabelung zu – Suchspiel nach dem Hinweisschild. Ich lief ein Stückchen auf dem oberen Weg und erspähte dann eine Markierung auf einem Baum am unteren Weg. Zugegebenerweise wurde es langsam dunkler, das erschwerte die Wegfindung etwas Das folgende Wegstück wurde dann aber richtig hübsch



                      Der andere Weg ist sichtbarer markiert – was das wohl für einer ist?


                      Markierung zwar in Leuchtfarbe, aber das nützt inzwischen kaum noch

                      Schmal führt der Pfad am Hügel entlang. Unten verläuft die Straße, deren Geräusche aber weniger störten im Vergleich zu vorhin auf der Strecke zwischen den Feldern. Kurz darauf tritt man ins Freie und geht immer an einer Bahnlinie entlang. Schade, dass die schönen Pfade schon wieder vorbei waren.



                      Kurz vor Hameln wird es nochmal hübscher, vereinzelt traf ich Spaziergänger mit Hund



                      und eine Gruppe Rotwild flüchtete von einem Wiesenende zum anderen und später wieder retour. Nach zahlreichen zugänglichen und unzugänglichen Schrebergärten mit steinalt scheinenden Beschilderungen



                      beginnt dann Hameln. Inzwischen war es so dunkel, dass ich nicht mehr am Weg an der Weser entlang gehen mochte, und ich schlenderte lange, an hell erleuchteten Wohnungen vorbei, in Richtung Bahnhof.


                      Fazit? Mal sehen, wie es weiter geht. Diesmal war’s mir eigentlich zu viel Asphalt und zu viel Straßenlärm. In Hameln teilt sich der Weg und man kann wählen: Entweder immer an der Weser entlang oder weiter westlich weiter weg vom Weserufer. Wahrscheinlich werde ich letzteres ausprobieren.
                      Zuletzt geändert von lina; 11.09.2017, 21:34.

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                      • Lookas
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                        • 01.11.2011
                        • 129

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                        Zitat von lina Beitrag anzeigen
                        Fazit? Mal sehen, wie es weiter geht. Diesmal war’s mir eigentlich zu viel Asphalt und zu viel Straßenlärm. In Hameln teilt sich der Weg und man kann wählen: Entweder immer an der Weser entlang oder weiter westlich weiter weg vom Weserufer. Wahrscheinlich werde ich letzteres ausprobieren.
                        Ich befürchte, dass das die bessere Variante ist. Bis Bodenwerder hast du sonst ohne eine richtige Ausnahme Asphalt oder Pflastersteine unter den Füßen. Selbst die wenigen kurzen Stückchen Schotterweg oder ausgefahrener, unbefestigter Randweg sind steinhart durch die tausenden von Radfahrern, daher fand ich es so rein zu Fuß nicht unbedingt besonders angenehm - ganz abgesehen von dem sehr weitläufigen und radtechnisch stark frequentierten Flusstal, das zwar seine Momente hat, aber auch das muss man mögen. Das ist ja alles nun nicht schlimm, aber es wird halt an schönen Tagen durchaus mal eng auf dem Radweg und ich finde, das muss man dann schon abkönnen.

                        (Außerdem bin ich gespannt, ob der westliche Abstecher tatsächlich so toll ist wie mir in Hameln vorgeschwärmt wurde, deswegen stimme ich dir ganz eigennützig voll zu )
                        Das muss das Boot abkönnen!

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                        • lina
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                          • 12.07.2008
                          • 36739

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                          Danke, ja – wobei ich Straßenlärm noch nerviger finde als Asphalt. Andererseits müsste man da, wäre man Pilger, auch einfach durch. Wenn ich da an jene Pilger denke, die sich nach jedem Schritt auf den Boden werfen und sich wieder aufrappeln ... zum Glück ist es ja aber auch gestattet, den Weg einfach zu genießen

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                          • lina
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                            • 36739

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                            Pilgerweg Loccum–Volkenroda: Etappe Hameln – Hämelschenburg

                            Nur wenig Zeit zur Verfügung, hin und wieder schon mal Hameln durchstreift und null Nerven für "Stadt" – das rief nach Abkürzung! Also bin ich diesmal im Stadtteil Klein Berkel losgelaufen. Hier geht es erst einmal lange hügelaufwärts, und dann, fast nicht sichtbar, zweigt der Weg in die Botanik ab. Ja, gleich neben dem Zaun, ein ganz schmaler Trampelpfad:



                            Umgehend setzte die Entspannung ein – uff, endlich! Das war es, was ich die ganze Zeit schon gesucht hatte Jemand hatte umsichtigerweise die Brombeergestrüppe um den Weg herum etwas gestutzt, und so ließ es sich prima durchkommen



                            Hübsch schlängelt sich der Pfad durch das lichte Wäldchen, zweigt dann ab



                            und das Blickfeld wird erweitert auf das ausgedehnte Nil-Delta ausgedehnte Weser-Auen und -seen



                            sowie die Radweg-Variante des Pilgerwegs am Fluss entlang



                            Kurze Zeit später kommt man auf eine wunderschöne kleine Aussichtswiese. Ob die Hamelner hier wohl an Silvester herauf kommen, um das Feuerwerk im Umland anzuschauen? Dieser Platz würde sich jedenfalls dafür eignen :-)




                            Blick in Richtung Grohnde


                            Blick in Richtung Hameln

                            Weiter, wieder hinter den Büschen an der Böschung entlang, begleiteten mich noch immer die Kommandos der beiden Bootsfahrer auf der Weser



                            Schaut man genau hin, entdeckt man auch hin und wieder ein Wegzeichen: Hier geht’s also erst einmal links weiter



                            Die Bepflanzung wird langsam "ordentlicher" und man betritt, über einen teilweise bepflasterten, breiteren Weg hügelabwärts, ein ausgedehntes Parkgelände (den Ohrbergpark) mit einer großen Anzahl an unterschiedlichen Bäumen. Laut Wegmarkierungen führen hier auch der X6, der X18 und der XW entlang – welche Wanderwege das auch immer sein mögen …

                            Am Wegrand fand ich einen außerordentlich großen Schirmling – eine grobe Messung des Hut-Durchmessers ergab mehr als 20 cm



                            Im Park waren durchaus einige Leute am Flanieren, ein Grüppchen Teenies stakste in pastellfarbener Sportbekleidung über die Rasenflächen, und eine Frau genoss sichtlich ihre Spätnachmittagszigarette auf einer Parkbank mit Aussicht. Stellenweise war der Boden dicht bedeckt mit stachligen Maroni-Schalen, die aber leider nur sehr verschrumpelte Maroni beinhalteten. Vereinzelte Fliegenpilze leuchteten im Herbstlaub





                            Die Wegführung ist hier nicht besonders gut ausgeschildert, aber letztendlich kann man nicht wirklich was falsch machen – es geht tendenziell immer an der Kante entlang und längerfristig hügelabwärts





                            Hier befindet sich auch eine der Perlen der Outdoor-Zeichenkunst – irgendwie scheint mir dieser Hund doch mit einer ziemlich menschlich anmutenden Augenpartie ausgestattet worden zu sein


                            *blink*

                            Hat man den Parkplatz passiert, streift der Weg das ausgedehnte Gelände des Instituts für Solarenergieforschung und man trifft einen lange nicht mehr gesehenen, alten Bekannten: Das EXPO-2000-Maskottchen


                            Wegzeichen mit Etappenbezeichnung entsprechend der Pilgerweg-Webseite

                            Das folgende Wohngebiet ist hübsch und ruhig, etwas irritierte mich mein Navi, das unentwegt keine Häuser, dafür aber jede Menge Wald anzeigte. Auch wenn gleich hinter der Häuserreihe gleich die Landschaft durchblitzte – die Karte war wohl doch schon etwas älter …

                            Viele Anwohner waren in den Hausgärten zugange, da, wie es aussah, in den nächsten Tagen wohl der Grünschnitt abgeholt werden würde – jedenfalls konnte man im Vorbeigehen fantasievolle Ansammlungen von Gartenaufräumarbeiten-Reste in den diversesten Gefäßen anschauen: Von einfacher Reihung bis zu kunstvollen, an Dutch-Oven-Stapel erinnernde Aufbauten bis zu dekorativ abwechslungsreichen Gefäßformen-Kompositionen war alles vertreten.


                            Reihungsbeispiel

                            Langsam ließen dann die Häuser ältere Baujahre erkennen – alles in allem war das ein anregender Spaziergang. Die Straße bog ab und gab nun endgültig den Blick auf die Landschaft frei. Überrascht wurde ich am Ortsausgang durch einen freundlichen und erfreuten Ruf über den Gartenzaun: "Guter Weg!" – Dergleichen war mir bisher noch nicht begegnet, denn als Wanderer wird man, wenn man nicht jemanden selbst anspricht, sonst eher zurückhaltend beäugt (so war jedenfalls meine Erfahrung bisher).

                            Die Wolkenformationen waren außerdem beeindruckend



                            Hügelaufwärts also nun, und an jeder Wegkreuzung ein Baum und eine Bank. Schade, dass es schon so spät war (bzw. ich so spät losgelaufen war), sodass eine Pause nicht wirklich drin war. Außerdem mag ich auch gerne ein bisschen mit den Leuten reden, die einem begegnen, und diesmal auch ein entzückendes "kleines" Fellknäuel (Leonberger, also durchaus schon nahezu bernhardinergroß) beruhigen, dem Wanderer mit 3 Beinen (= mit Trekkingstock) offensichtlich noch nicht so wirklich geheuer vorkamen

                            Inzwischen wurde die Landschaft menschenleerer



                            An der Waldwiese kreuzten sich die Blickwinkel zahlreicher Hochsitze und am Wegesrand fand ich tatsächlich noch eine Handvoll köstlicher Waldhimbeeren, die ich natürlich nicht hängenlassen konnte.

                            Inzwischen wechselte die Markierung von angebrachten Schildchen auf das selbe Motiv in gemalter Form auf Baumstämmen



                            Auf den Waldwirtschaftswegen war es mittlerweile schon ziemlich duster, und nur noch vereinzelt hörte man Vogelgezwitscher. Ein malerischer Bach wird überquert – leider konnte ich nicht mehr viel erkennen und fotografieren.



                            Lang sollte das Waldstück nicht sein, auf der Karte war eine Straße verzeichnet, die schien noch gut erreichbar. In der VTSV-Vereinsklause, die bald ins Blickfeld kam, brannte Licht, aber es war niemand zu sehen. Laut Schild werden dort Sonntag spätvormittags Getränke angeboten.

                            Der Weg zweigte eigentlich ab, an welcher Stelle jedoch war aus meinem track nicht so deutlich ersichtbar. Auch weil ich die Taschenlampe nicht aus dem Rucksack kramen wollte, lief ich auf dem asphaltierten Weg weiter in Richtung Hämelschenburg


                            Blick in Richtung Grohnde

                            wo natürlich die letzten Busse am Wochenende (es sind genau 2, samstags, sonntags gar keiner) schon um 10:40 bzw. 14:42 vorbeigefahren waren. Gerne wäre ich weitergelaufen, aber es war jetzt schon entschieden zu dunkel für eine weitere Waldetappe. Dank einer überraschend angebotenen Mitfahrgelegenheit (herzlichen Dank nochmal! :-)) kam ich jedoch gemütlich und in no time zum Emmerthaler Bahnhof, von wo aus weitere Zugverbindungen kein Problem mehr sind.


                            PS: Lookas, ich neige fast dazu, zu empfehlen, das nächste Mal nochmal an der Hamelner Brücke zu starten, um die westliche Wegvariante doch noch auszuprobieren?
                            Zuletzt geändert von lina; 22.02.2015, 23:58. Grund: Tppifehler

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                            • stoeps
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                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                              Ob die Hamelner hier wohl an Silvester herauf kommen, um das Feuerwerk im Umland anzuschauen? Dieser Platz würde sich jedenfalls dafür eignen :-)
                              Nein, die gehen dafür sicherlich auf den Klütt – das ist der Berg direkt am anderen Weserufer.

                              X6, der X18 und der XW entlang – welche Wanderwege das auch immer sein mögen …
                              XW dürfte der alte Weser(bergland)-Weg sein; X6 Hermannsdenkmal-Hameln; X18 Hameln-Bad Karlshafen – so sagt jedenfalls meine alte Wanderkarte
                              „The world's big and I want to have a good look at it before it gets dark.”
                              ― John Muir

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                              • lina
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                                • 36739

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                                Ah, danke :-)

                                Den Klüt habe ich, vom E1 her, noch ziemlich waldig in Erinnerung, aber ok, die Kante ....

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                                • Lookas
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                                  • 01.11.2011
                                  • 129

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                                  Ei ei ei, das ist wirklich eine viel schönere Route als das Getrotte auf dem überfüllten Radweg!
                                  Aber ob ich noch einmal in Hameln ansetze? Hm. Reizt mich ja schon. Aber das kann ich mir (leider) noch längere Zeit überlegen, bis es wieder rausgeht. Momentan sind nur kurze Tagestouren im Umkreis drin.
                                  Aber ich lese fleißig mit und goutiere die visuelle Feinkost, Lina. Vielen, vielen Dank!
                                  Das muss das Boot abkönnen!

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                                  • lina
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                                    • 36739

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                                    #18
                                    AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                                    Dankesehr *freu*
                                    und: Ja, mach mal :-)
                                    Die Strecke über Lüntorf qualifiziert sich als so richtig schöner Wanderweg. Lohnt sich, imo (auch die Seitenwege ...)

                                    *

                                    Etappe Hämelschenburg – Hehlen
                                    (ca. 18 km)

                                    An einem außerordentlich sonnigen und warmen (12°C!!) novembersonntäglichen Spätmittag startete ich in Hämelschenburg zur nächsten Pilgerwegs-Etappe. Der Plan war, einfach mal zu schauen, wie weit ich komme …

                                    Dass zum Schloss ein Schlossteich gehörte, war mir neulich im Dunkeln gar nicht aufgefallen, nun aber war auch dessen zappeliger Inhalt gut sichtbar: Die Kerlchen haben sich offensichtlich daran gewöhnt, von Passanten Leckeres zugestreut zu bekommen, und so strömten sie zahlreich in meine Richtung – auch wenn ich sie enttäuschen musste



                                    Beim Passieren des Schlosses betrachtete ich die zahlreichen Verzierungen am Mauerwerk – da hinein haben Leute offensichtlich mal jede Menge Zeit investiert. Auch die Häuserreihen in Schlossnähe fand ich sehenswert, weswegen ich erst kurz vor Dorf-Ende in Richtung Landschaft abbog



                                    Ich überquerte die Emmer (Picknickplatz mit Bänken und Tischen hinter dem Brückchen), unterquerte eine Bahnlinie und schlenderte zunächst einmal ein Stück weit an Verlauf der ersteren entlang. Hier gab es wieder vermehrt aufgemalte Pilgerweg-Kennzeichnungen



                                    und wie man schon erkennen kann: Es geht hügelaufwärts (und es folgten zahlreiche Höhenmeter). In Erinnerung an das noch gültige Foto-Challenge-Thema fotografierte ich zwischendurch diverse Wassertropfen-Ansammlungen und Land-Seeigel Maronischalen, bis ich mich an die novembertypisch früher eintretenden Dunkelheit erinnerte und dachte, dass die mit dem Fotografieren verbundene Trödelei angesichts derer vielleicht doch nicht so ganz zielführend sein könnte … So erklomm ich die folgenden 100 Höhenmeter dann doch etwas zügiger



                                    Tiefblau war der Himmel, Blätter kreiselten zu Boden und bildeten weitere Laubschichten, durch die es sich ausgiebig rascheln ließ



                                    Selten, aber doch hin und wieder gab es auch Bänke, die wohl dem hier ebenfalls entlang führenden Weserberglandweg geschuldet sind – bei dieser hier hätte man sich per Tarp zwischen die Bäume links und rechts auch gut einen Wetterschutz basteln können





                                    Nach einem ausgedehnten Parkplatz an einer Abbruchkante kann man dann schon auf die folgenden waldfreie Strecke schauen



                                    Die nächste bequeme Bank noch vor der nächsten größeren Querstraße (L429) wurde umgehend für ein Päuschen genutzt bzw. zum Leeren der Thermoskanne und der Brot-und Käse-Vorräte vor dem nächsten Hügel.

                                    Auf einem der folgenden Äcker fuhr eine Landmaschine über die Bodenwellen, während im Rücken das Kraftwerk Grohnde vor sich hin dampfte und man sich langsam dem in der nächsten Kuhle liegenden Ort Lüntorf nähert. Auf solche hoch gestapelten Strohballen waren wir als Kinder oft geklettert und saßen gerne oben, mitten in den in der Sonne duftenden Halmbündeln – derartiges wird durch die aktuell häufiger genutzte runde Form aber inzwischen leider erschwert




                                    Alte Weserberglandweg-Markierung?

                                    Einige alte Bauernhöfe säumen die Straße und zahlreiche geschützte Hauseingänge – oft auch ausgestattet mit Sitzgelegenheiten – ließen vermuten, dass es hier wohl ziemlich zugig zugeht, was sich später, wieder auf dem freien Feld, bestätigen sollte. Ein Radler mit Gepäckträger-Vollausstattung, aber ohne Packtaschen, war der erste Mensch, der, in Nähe der Ortsmitte, die sonntagnachmittägliche Ruhe des Ortes belebte.

                                    Die Schilder zeigten nach links in Richtung Kirche, also bog ich ab. Danach kamen keine Schilder mehr. Ich lief weiter und entdeckte später, als nun wirklich keine mehr auftauchten, dass ich wohl falsch abgebogen war. Ein Blick auf das Navi erhellte, dass ich zusätzlich eine weitere Etappe anzeigen lassen musste: Die Strecke teilt sich in die Abschnitte A und B und der Abzweig über den Friedhof war nur ein Schlenker. Ganz zurücklaufen zum Ortskern wollte ich aber doch nicht, da der weitere Weg außerdem ein Stück Straße vorsah. Also bog ich ab auf den nächsten Feldweg ...



                                    Oben am Hügel die nächste Bank mit sehr hübscher Aussicht auf das Umland


                                    Suchbild mit Bank ...


                                    ... und die Aussicht von dort nach rechts

                                    Die Richtung, in der der Wegweiser zeigte, schien mir tendenziell nicht die gewünschte, aber geradeaus schien ein Wirtschaftsweg weiter zu gehen. Der war zwar weder auf meiner Karte noch auf dem Navi eingetragen, aber mal sehen – notfalls konnte ich ja immernoch in Richtung Straße abbiegen. Außerdem, sagte die Erfahrung, hören geschotterte Wirtschaftswege meistens nicht einfach auf. Also mal gucken, was käme


                                    Wegweiserlos im Wald

                                    So entdeckte ich also die "Jägerquelle" (auf dem Schild stand, dass sie auch noch nach heißen Sommern Wasser führe) und anschließend Wegweiser für den Weserberglandweg, aufwärts, auf Trampelpfaden. Na also


                                    Mehr Wassertropfen für die Foto-Challenge

                                    Ermutigend leuchteten die Wegweiser in kurzen Abständen durch die Bäume und führten kurze Zeit später auf den nächsten Wirtschaftsweg. Langsam wurde es dunkler, und schließlich traf ich wieder auf den Pilgerweg. Eigentlich war das eine sehr schöne Streckenvariante gewesen :-)





                                    So, nun, dachte ich, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Zügig lief ich auf dem schnurgeraden Wirtschaftsweg weiter. Auf den Wegweisern war als nächstes Ziel Sievershagen (und dazu ein Zeichen für etwas Restaurant-artiges) angegeben, das musste auf jeden Fall zu schaffen sein. Nur – Sievershagen war unauffindbar, auch nicht im Navi (dieses zeigte mir einen Ort in MeckPomm an).

                                    Dunkler und dunkler wurde es, aber der Weg war noch einigermaßen gut zu erkennen. Irgendwann musste dann mal das Blitzlicht der Kamera herhalten


                                    Bank am "Dreikantigen Stein", in einer historisch interessanten Gegend: Hügelgräber aus der Bronzezeit, Hamelner Heerstraße, etc.

                                    Hmja. Etwas später Wegweiser in Gegenrichtung, d.h.: Sievershagen also verpasst. Wäre es diese Hütte gewesen?



                                    Wie auch immer – egal jetzt.

                                    Der nächste Wegweiser wies auf einen lauschigen Abzweig bergabwärts. Im Hellen sicher wunderbar, aber im Dunkeln war mir das zu kritisch, zumal ich nicht wusste, wie lange meine Taschenlampe durchhalten würde. Laut Navi wäre es erst einmal bergab gegangen, dann, nach Überqueren der Straße (K87) wieder bergauf. Ich entschloss mich dazu, dem (nach wie vor auf keine meiner Karten verzeichneten) Wirtschaftsweg weiter zu folgen. Wind kam auf, die Geräusche wurden lauter, und es machte sich ein bisschen bemerkbar, dass ich schon länger keinen dunklen Wald mehr durchquert hatte ... huh … –– Kleinhirn an Großhirn: Es gibt keine fiesen Großtiere in hiesigen Wäldern!!

                                    Nicht wirklich viel später erreichte ich die K87 und wusste, es konnte nicht mehr wirklich weit sein bis Hehlen Die Straße war wenig befahren, also wurde die Taschenlampe nur bei einem nahenden Lichtschein angeknipst. Ich bummelte ein wenig durch den Ort, wo sich dann auch wenig später eine Bushaltestelle fand, mit sich entfaltenden Möglichkeiten, wieder zurück nach Hämelschenburg zu kommen. Knapp, aber dennoch funktionierend. Uff ….



                                    Epilog: Ich erfuhr noch

                                    a. dass Sievershagen ein Restaurant mit zwei, drei Häuschen drumherum wäre, wo man ohne Auto nicht mehr weg kommt (also eh nur zu Fuß), bzw. fand die nachfolgende Recherche: "Landgasthof Sievershagener Mühle" in Ottenstein-Sievershagen mit (auf den Wegweisern nicht vermerkter) Übernachtungsmöglichkeit (?) sowie deren Lage an der Straße an der Überquerungsstelle der Wege, nach dem Trampelpfad gen Tal

                                    und b. dass sich im Wald hinter Bodenwerder, gerade jetzt im Herbst, zahlreiche Wildschweine tummeln sollen – aber da komme ich ja erst hin
                                    Zuletzt geändert von lina; 23.08.2015, 14:10.

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                                      #19
                                      AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                                      Etappe Hehlen – Buchhagen

                                      Noch ein kleines Stückchen Pilgerweg Loccum–Volkenroda bei angenehmen 5°C und noch ohne Regen.

                                      Da ich letztes Mal zwegens der Dunkelheit nur bis Hehlen gekommen war, jetzt also ab dort, erst einmal entlang der ausgedehnten Anlagen des Weserrenaissance-Schlosses Hehlen. Ganz flach führt der Fußweg dann durch Weserauen und an Teichen entlang (laut hohem Schilder-Aufkommen: Alles verboten )





                                      Die Kirsch- und Pflaumenbäume am Weg vor der zu unterquerenden Bundesstraße scheinen nicht beerntet zu werden – zahlreiche verdorzelte Früchte hingen noch immer an den Zweigen. Zwei Schafe, die auf einer Wiese am Klärwerk herumstanden, ließen mich nicht aus den Augen.



                                      Im folgenden Ort namens Kemnade kommt man dann tatsächlich an einem (ausgeschilderten) Milchautomaten vorbei. Für einen Einwurf von 50 Cent kann man einen Liter Rohmilch bekommen, man muss allerdings ein 1-l-Gefäß mitbringen


                                      Grün ist die Farbe des Tages: Weithin sichtbares Klärwerk und Milchautomat

                                      Etwas später gelangt man zur über 1000 Jahre alte evangelisch-lutherische Klosterkirche St. Marien, die jedoch geschlossen aussah.


                                      Wiese-Fluss-Bäume- Wald-Straße-Berg an den Sportplätzen

                                      Ein Stück entlang der Weser flanierend landet man dann schon in den ersten Ausläufern des etwas größeren Orts Bodenwerder.

                                      Am Fähranleger tummelten sich ausschließlich Enten, und auch innerhalb der Ortschaft war fast niemand unterwegs. Trotz Samstagnachmittag waren die meisten Läden geschlossen oder hatten Urlaubs-Schilder auf die Eingangstüren geklebt. In geöffneten Cafés erfreuten sich einige wenige Gäste an Kaffee und Kuchen, und in der Bude vor der Konditorei gab es Pommes, Würstchen und Glühwein. Abends sei hier mehr los, hörte ich, eine Bratwurst probierend (lecker :-)). Beim Grill Akropolis wurde ein Weihnachtsbaum geschmückt. Dem plustrigen Knäuel, das auf einem Mäuerchen hockte, war wohl auch fröstelig. Also weiter.


                                      bird, contemplating ...

                                      Einen Abzweig zur Weser machte ich noch, das alte Fährhaus anschauen. Neben den hier weit verbreiteten Beschriftungen auf den Holzbalken über den Eingangstüren sieht man hier oft prächtige Ornamente. Wieder gab es umbaute Hauseingänge – es scheint auch hier hin und wieder zugig zuzugehen.

                                      Kurze Zeit später ist die FuZo zu Ende, und eine Brücke führt über die Weser. Inzwischen befinden man sich auf Teil 7 der Etappenzählung des Pilgerweg-Navigators.



                                      Bevor ich loszog, hatte ich nicht mehr auf den Wegplan geschaut, erinnerte mich jedoch an zwei Alternativen: Entweder über den nächsten Berg oder ein Stück auf der anderen Weserseite in Gegenrichtung, auf die Lenne zu, und weiter in Richtung Linse und Buchhagen (wo sich die beiden Varianten wieder treffen).

                                      Der Weg über den Berg wird in den Informationsblättern als "etwas anspruchsvoller" beschrieben – und die Höhenlinien auf der Karte sehen durchaus beeindruckend aus. An dieser Stelle kann jedoch Entwarnung gegeben werden – es ist nur ein flachlandgewöhntes "anspruchsvoll": Ein Trampelpfad durch den Wald, bergaufwärts. Richtig schön! Das versehentliche Stück Weserberglandweg vom letzten Mal war unwegsamer

                                      Da die Beschilderung nach der Brücke etwas schwächelt: Immer in Richtung Jugendherberge ist richtig, also die steilste Variante bergaufwärts.

                                      Es nebelte



                                      Steiler als dort wird’s in Folge nicht mehr (und die Jugendherberge sah im Übrigen geschlossen aus), der Weg geht schließlich nicht senkrecht, sondern schräg zum Hang nach oben auf den Vogler. Nach den ersten Metern ein lautes Flattern – ein MTB pratzelte durch das Herbstlaub gen Tal. So erklärte sich das Achtung-Schild am Weg-Anfang mit der Aufschrift "Seid fair zueinander". Später finden sich auch MTB-Hinweisschilder.



                                      Erreicht man die Ruine/den Aussichtsturm Königszinne, dann steht dort auch eine Schutzhütte (ohne Bänke zwar, und ziemlich zugig – aber ein Dach). Die Aussicht in die Umgebung ist, wie andere Bilder zeigen, bei Sonnenschein toll, bei Nebel aber dennoch akzeptabel



                                      Der Jogger, der mir in Bodenwerder begegnet war, befand sich, inzwischen trailrunnend, schon wieder auf dem Rückweg, es wurde auch langsam dunkler. Die Markierung bleibt jedoch weiterhin so, dass man keinen Sicherungsblick auf die Technik werfen muss, hell leuchten die aufgemalten Wegweiser auf den Bäumen. Nun führt der Weg, für einen etwas längeren Abschnitt, sehr schön auf federnden Pfaden unter hohen Nadelbäumen weiter. Im Gelände gibt es einige kleinere Schluchten, d.h. sollte es richtig dunkel werden, wäre eine Taschenlampe ratsam.







                                      Einen Abzweig später wird der Weg dann breiter und, ab einem stattlichen Hochsitz, auch befahrbar. Noch ein bisschen Waldwirtschaftsweg, dann weiter zwischen Wiesen





                                      und überraschend (für jemand, der vorher keine Infos gelesen hat ) passiert man das deutsche orthodoxe Dreifaltigkeitskloster, ein Mönchskloster, dessen Silhouette sich fast burg-artig am Hang zeigt. Auch in musikalischer Hinsicht kann man darüber Interessantes lesen (vgl. Naturtöniger Kultgesang).

                                      Nun noch ein Stückchen weiter durch eine kleine Ansammlung sehr schmucker Fachwerkhäuschen (die Anlage des Guts Buchhagen), und wenige Meter später erreichte ich, nach einem kleinen Stück Hohlweg, die Hauptstraße. Von den angekündigten Wildschweinen hatte ich nichts gesehen
                                      Zuletzt geändert von lina; 15.10.2015, 12:15.

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                                      • lina
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                                        #20
                                        AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                                        Buchhagen – Holenberg

                                        Überraschend strahlender Sonnenschein anstatt des angekündigten Schnürlregens begleitete eine weitere Etappe des Pilgerwegs.

                                        Zunächst folgte noch ein kleiner Teil der Etappe 7 auf dem Lenne-Freizeitweg durch das Tal der Lenne. Hier werden in der warmen Jahreszeit Draisinenfahrten angeboten – jetzt im Frühling läuft man einfach ungestört an und auf den Gleisen entlang. Die auf der Karte eingezeichnete Schutzhütte erweist sich als Bahnwartehäuschen, es liegt im direkten Aussichtsbereich der großen örtlichen Gaststätte





                                        Im folgenden Ort Kirchbrak, wo die planmäßig 8. Etappe beginnt, hat man dann die Sorte Anblick vor sich, die sich für einen langen Teil der Strecke immer wieder in verschiedenen Ausprägungen wiederholt: Berg Diesmal zunächst einmal mitten durch eine Reihung dezentfarbiger 60er-Jahre-Häuschen.


                                        Hasi-Suchbild, und Fotografieren ohne nochmal nachzusehen, was wirklich auf dem Bild drauf ist




                                        Wegrand-Botanik und Klingt-doch-eigentlich-sehr-gut-machbar?
                                        (Höhenmeter-Zusatzinfo: Lennetal: 91 m – Ebersnacken: 473 m)


                                        Hach, schön – ab in den Wald





                                        Trotz 8 Grad und Sonnenschein fanden sich vereinzelt noch Schnee-Reste



                                        Das nächste Stück in Richtung Aussichtsturm Ebersnacken ging nun wirklich über angenehm grasbewachsene Waldwege,



                                        und zwischendurch konnte man durch die Bäume auf die umliegende Landschaft blinzeln



                                        Wie man hier z.B. sehen kann, war der Weg dann teilweise doch sehr matschig (und das öfter) – was war ich froh um meine Wanderstiefel!





                                        Die Beschilderung ist sehr gut, und sollten mal Zweifel bestehen: Es ist immer derjenige Pfad, der steiler bergauf führt







                                        Wieder diese Pilze, die ich bisher in keinem Pilzbestimmungsbuch fand



                                        Kurz vor dem Ebersnackenturm zweigt der Weg dann nochmal kurz ab



                                        Dann – geschafft!
                                        Ebersnackenturm mit Schutzhütte daneben – auf dessen Zielgeraden findet man jetzt auch Schilder des Weserberglandwegs.



                                        Und dann geht es erst einmal wieder abwärts.
                                        Naja, nicht durchgehend …



                                        Außerordentlich hübsch färbte die Abendsonne die Bäume



                                        und schließlich gibt der Weg die Aussicht auf Holenberg frei




                                        Dank ja noch Winter-Wetter waren fast keine Leute unterwegs, auch im Schnee waren gerade mal zwei Spuren zu sehen: 1 Mensch und 1 Hund. Aufgrund doch ziemlich vieler matschiger Wegabschnitte würde ich Reiseradlern aber empfehlen, sich eine Alternativstrecke zu suchen. Die Info-Seite zum Weg empfiehlt zwar schon ein "geländegängiges Rad", jedoch würde ich diesen Abschnitt allenfalls bergerfahren, trainiert, mit zweckmäßigem MTB und ohne Gepäck angehen. Und zu Fuß: Gamaschen helfen, wenigstens noch einen einigermaßen sauberen Streifen pro Hosenbein übrig zu behalten
                                        Zuletzt geändert von lina; 26.02.2015, 21:52.

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