[AT] Über den Dachstein zu den Schladminger Tauern

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    • 22.08.2008
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    • Meine Reisen

    [AT] Über den Dachstein zu den Schladminger Tauern

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    -------
    Über den Dachstein zu den Schladminger Tauern


    Diese Tour ist die Fortsetzung meiner Wanderung auf dem Main-Donau-Weg, die 2008 machte. Damals bin ich vom Fichtelgebirge nach Passau gewandert. Ich dachte mir, ich gehe einfach von Passau aus nach Süden weiter und habe mir eine Strecke zusammen gestellt, die bis Triest gehen soll.

    2012:Von der Donau zum Toten Gebirge
    2013:Über den Dachstein zu den Schladminger Tauern
    2014:Über Schladminger Tauern und Nockberge nach Villach
    2015:Von Villach nach Triest

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Name: Dachstein - Schladming.jpg
Ansichten: 17
Größe: 286,2 KB
ID: 3018571 Übersichtskarte

    1.Tag-----------6.7.2013------------Bad Aussee------------12 km

    Nach einer Anreise mit Zug, Schienenersatztverkehr, Postbus und bergauf gehen im strömenden Regen, (kein Autofahrer nimmt einen nassen Wanderer mit) habe ich die Einmündung der Schotterstraße erreicht, an der ich letztes Jahr aufgehört habe..

    Hier sollte eine GPX-Karte erscheinen! Wenn diese nicht nach wenigen Sekunden nachgeladen wird bitte die Seite aktualisieren.
    Der Regenschauer ist vorbei und ich beginne meine Wanderung mit einer Brotzeit.
    Frisch gestärkt gehe ich diesmal die schmale Teerstraße bergauf, erreiche die paar Häuser von Lamersberg und biege am Ende in einen Waldweg ein, der Richtung Bad Aussee, steil nach unten zieht. Bald erreiche ich die ersten Häuser der Stadt und weil da auch eine Kirche steht, gehe ich hinein und zünde eine Kerze auf das Gelingen meiner Wanderung an.
    Danach begebe ich mich in den Kurpark, wo eine Stele den Mittelpunkt Österreichs markiert. Irgendwann ist mal ermittelt worden, dass Bad Aussee in der Mitte Österreichs liegt. Über dem Zusammenfluss von Grundeltraun und Ausseertraun, die sich hier zur Koppentraun vereinigen, schwebt eine kreisförmige Brücke mit dem Mercedesstern in der Mitte.



    Tressenstein, von da bin ich gestartet.


    Lamersberg


    Mittelpunkt Österreichs, im Kurpark von Bad Aussee


    Mercedesbrücke über der Traun


    Ziegen

    Nach einer kurzen Rast auf einer Bank im Kurpark, gehe ich weiter und will entlang der Traun gehen. Auf Höhe des Bahnhofs ist der Wanderweg entlang des Flusses gesperrt und ich muss den Hang hoch. Zuerst an ein paar Häusern vorbei, überquere ich eine Wiese und gelange anschließend auf die Straße nach Sarstein. Von der Straße aus habe ich eine schöne Aussicht über das Ausseer Land. Die Sonne scheint inzwischen, nur ein paar Schönwetterwolken hängen noch an den Bergen. In der Jausenstation Kogler gibt’s ein Bier und einen Wurstsalat für mich, bevor ich mich auf den Weg ins Tal der Koppentraun mache.

    Während der Wanderweg zunächst auf einer breiten Forststraße am Hang entlang führt, zweigt er bald ab und windet sich den Hang hinunter zum Fluss. Dort hängt eine Hängebrücke über dem schnell fließenden Wasser, da der Weg hier das Ufer wechselt. Nach rund einem Kilometer erreiche ich die Jausenstation im Koppental, die bereits geschlossen hat und in der auch niemand anwesend ist. Es dämmert bereits leicht, neben der Jausenstation ist ein Stück gemähte Wiese und Wasser ist auch genügend vorhanden; kurzum: der ideale Platz für mich und mein Zelt. Nur die Traun rauscht, schnell fliesend über die Felsen im Flussbett.


    Blick auf den Loser


    Koppentrauntal, in den Einschnitt wandere ich hinein.


    Hängebrücke


    Koppentraun


    Zeltwiese an der Koppentraunrast


    laut rauschende Koppentraun


    2. Tag------7.7.2013------Aufstieg zum Dachsteinplateau------13 km

    Hier sollte eine GPX-Karte erscheinen! Wenn diese nicht nach wenigen Sekunden nachgeladen wird bitte die Seite aktualisieren.
    Ich frühstücke noch gemütlich, bevor ich aufbreche. Allerdings ist der Wanderweg entlang des Ufers wegen Hochwasserschäden gesperrt. Ich folge einer Umleitung, die den Hang hoch führt, nur um später wieder zur Traun abzusteigen. Hier verläuft der Wanderweg auf der ehemaligen Trasse der Salzkammergutbahn, deren Strecke wegen häufiger Hochwasser- und Lawinenschäden höher verlegt wurde. Zur Zeit ist die Eisenbahnstrecke und die Straße durch das Tal wegen einem Hangrutsch gesperrt, deshalb musste ich gestern, bei meiner Anreise, auch vom Zug in den Bus umsteigen, um nach Bad Aussee zu kommen.

    Auf der ehemalige Bahntrasse komme ich gut voran, und der Weg führt interessanterweise durch einen stillgelegten Eisenbahntunnel. Knapp einen Kilometer nach dem Tunnel gab es wieder einen Hangrutsch, der den Weg versperrt. Also wechsle ich über eine Hängebrücke das Ufer, nur um bei der Bahnhaltestelle Obertraun-Koppenbrüllerhöhle erneut die Seite zu wechseln.
    An der Koppenwinkllack'n raste ich und gebe mich der friedlichen Stimmung hin. Die Koppenwinkllack'n ist ein flacher, verwunschener See der durch Schmelzwasser gespeist wird und wenn im Winter kein Schnee auf dem Dachstein schmilzt auch schon mal verschwindet. Heute jedoch liegt er ruhig da und leichter Dunst steigt auf.


    Frühstücksplatz


    Morgenstimmung


    ehemaliger Eisenbahntunnel


    Fußgänger- und Eisenbahnbrücke


    Koppenwinkllackn

    Nach der Rast mache ich mich auf den Weg, vorbei an der Koppenwinklalm, zum Anstieg auf das Dachsteinplateau. Hier habe ich Orientierungsprobleme, denn der Weg spaltet sich am Waldrand in mindestens fünf Wege auf. Ich erkunde erst einige Wege ein Stück, bevor ich mich für einen entscheide. Bald geht der Weg in eine Geröllhalde über, der ich noch etwas folge, bevor ein umgestürzter Baum und Gebüsch ein Weiterkommen verhindert. Ein Stück abwärts gehend sehe ich dann eine helle Stelle durch die Bäume schimmern, zwänge mich zwischen den Zweigen der Bäume durch und erreiche tatsächlich eine Fahrspur. Dieser folge ich, nun wieder aufwärts, bis ich an einem Jägerstand ankomme. Hier ist die Spur auch schon wieder zu Ende. Vom Jägerstand aus sehe ich jedoch, dass ich zu weit rechts unterwegs bin.

    Möglichst auf gleicher Höhe bleibend schlage ich mich nun durch Gebüsch und zwischen den Bäumen hindurch, zu dem Einschnitt wo der Weg auf das Plateau führen muss. Zunächst komme ich auf eine lange, steile Geröllzunge, auf der ich weiter nach oben steige. Schließlich sehe ich den Pfad, den ich jetzt schon lange suche, von der Geröllzunge in den Wald abgehen. Er windet sich zwischen den Bäumen steil nach oben und ist hier gut zu erkennen, auch teilweise durch Steinmännchen gekennzeichnet. Immer wieder kurz stehend bleibend um Luft zu holen, schleppe ich mich nach oben und bin froh im Schatten des Waldes zu sein, denn die Sonne scheint heute vom Himmel. Endlich verläuft der Pfad flacher, ist aber stärker verwachsen, kann ihm jedoch im leichten bergauf und bergab gut folgen, wobei auch hier Steinmännchen helfen.


    Koppenwinklalm


    Ende im Gelände


    falscher Hang


    Blick über Obertraun und Hallstätter See nach Hallstatt


    kein Durchkommen


    wilde Blumen

    Diese geleiten mich zur Obertrauner Lahnfriedalm, (oder Landfriedalm, die Karten und das Netz sind sich da nicht einig) auf der zwei verfallene Almhütten und ein neu gebautes Gebäude stehen. Ich folge dem Steig weiter und komme bald in eine Senke in der, zentral der „Altarstein“ steht. Es ist ein quadratischer Felsklotz mit senkrechten Wänden, auf dem Latschen wachsen. Hier sehe ich mich etwas um und bewundere die Felswände, die die Senke umgeben, auch sind eine große Höhle und mehrere kleinere Höhleneingänge in der Wand zu sehen.

    Der Pfad zur Ausseer Lahnfriedalm führt durch ein schmales Tal, durch dass quer eine knapp 1m hohe Trockenmauer gebaut wurde, nur eine Öffnung ist vorhanden, in die ein roher Türrahmen gesetzt wurde. Ich wundere mich was das soll und fühle mich an einsame Tore in Wildwestfilmen erinnert. Hernach erreiche ich die Ausseer Lahnfriedalm, die aus mehreren intakten Almhütten besteht. Eine Sitzgruppe mit Tisch und Bänken ist frei zugänglich, ideal für eine längere Pause, die ich ohnehin machen wollte. Ich habe von hier auch einen guten Blick ins Lahnfriedtal, dem ich anschließend folgen werde.


    Obertrauner Lahnfriedalm


    Tal mit Altarstein


    Altarstein


    Grenzübergang Oberösterreich - Steiermark


    typischer Pfadabschnitt


    Enzian


    Altausseer Lahnfriedalm


    Lahnfriedtal, in diese Richtung gehts weiter

    Nach einer ausgiebigen Pause wandere ich weiter, fülle an einer Quelle unterwegs meine Wasserflasche auf und stelle mich kurz unter einen Baum, weil es regnet. Einmal höre und sehe ich eine Kuhherde, wie sie langsam zur Alm zurück kehrt. Eigentlich wollte ich rechts den Hang hoch zur Neualm, richte mich anscheinend nach den falschen Steinmännchen, und komme erst am Ende des Tals zum nächsten steilen Anstieg. Ich bin am überlegen: eigentlich müsste ich nach Westen um zur Neualm zu kommen, hier steigt zwar eine Gasse den Hang hoch, ist aber weglos. Nach Osten windet sich ein gut sichtbarer Steig nach oben. Ich beschließe diesem erst mal zu folgen und mich überraschen zu lassen wo hin er führt. Schlimmstenfalls muss ich ihn Morgen wieder zurück gehen, Wasser dafür habe ich jedenfalls ausreichend. Meist durch lichten Wald, auch mal über Almwiesen im leichten auf und ab macht es Spaß diesem Weg zu folgen.

    Inzwischen bin ich aus meiner Wanderkarte hinaus gelaufen und so bin ich doch froh als sich ein Almboden öffnet, auf dem eine Hütte steht. Da die Fensterläden offen sind, ist sie offensichtlich sogar bewohnt. Über die Wiese gehe ich zu der Hütte, mache mich bemerkbar, woraufhin ein überraschter, jüngerer Mann aus der Hütte tritt. Damit hatte er nicht gerechnet, dass er noch Besuch bekommt. Ich frage erstmal, ob ich hier mein Zelt aufstellen darf und was das für eine Alm ist. Er erklärt mir, dass ich auf der Königreichalm gelandet bin und zeigt mir einen ebenen Platz in der Nähe, an dem auch eine Quelle ist. Er selbst ist erst seit ein paar Tagen, als Hirte, auf der Alm und hütet das Jungvieh für die nächsten zwei Monate.

    Da er viel in der Gegend unterwegs ist, kann er mir einige Ratschläge geben, die mir weiter helfen.
    Mit dem seltsamen Türrahmen unterwegs, hat jemand die Grenze zwischen Oberösterreich und der Steiermark gekennzeichnet und wie ich bereits vermutete, muss ich Morgen zurück gehen und am Talende die weglose Gasse hochsteigen, um meinen geplanten Weg fort zu setzen.
    Er bedauert mir kein Bier anbieten zu können, weil die Alm nicht durch eine Straße erschlossen ist und alles mit dem Rucksack her auf getragen werden muss. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist drei Stunden zu Fuss entfernt und so ist er auf Freunde angewiesen, die ihn ab und zu besuchen und etwas mitbringen.

    Die Alm liegt im Naturschutzgebiet „Steirisches Dachsteinplateau“ in dem, nach seiner Aussage, wenig Wanderer unterwegs sind, da keine Wege markiert sind und es auch wenig spektakuläres zu sehen gibt. Wer mal drei Tage lang niemand sehen will ist hier richtig. Dann aber bitte Bier für den Hirten mitbringen!


    einfacher Steinmann


    Königreichalm


    Zeltplatz auf der Königreichalm


    3. Tag-------- 8.7.2013-------Latschenlabyrinth------ ? km

    (Die Kilometer können nicht mehr genau nachverfolgt werden, die eingetragene Linie auf der GPX-Datei zeigt, bis zum Heidelberger Kreuz, nur die ungefähre, weglose Strecke.)

    Hier sollte eine GPX-Karte erscheinen! Wenn diese nicht nach wenigen Sekunden nachgeladen wird bitte die Seite aktualisieren.
    Am Morgen trage ich mich noch in das Hüttenbuch ein, bevor ich aufbreche. Jetzt gehe ich rund eine Stunde den Weg zurück, den ich gestern zur Königreichalm gewandert bin. Am Ende des Lahnfriedtals angekommen steige ich den weglosen Hang hinauf, der sich nach oben hin verengt. Unterwegs muss ich auch mal ein paar Schneereste überqueren, die sich zwischen den Felswänden gehalten haben. Oben angekommen überblicke ich das weite, von Latschen bewachsene Dachsteinplateau.

    Für heute habe ich mir eine Orientierungsübung vorgenommen. Ich will nur mit Karte und Kompass, weglos durch das Latschengelände, zu den Maisenbergseelein gelangen. Das Gelände selbst bietet wenig Orientierungspunkte, so peile ich immer wieder die umliegenden Berge an um meinen Standort festzustellen und auf der Karte einzutragen. Als Zwischenziel will ich zu einer Jagdhütte, die bei OSM eingetragen ist. Meine Hauptrichtung ist Südwest, jedoch verhindern die Latschen ein direktes voran kommen und ich muss immer wieder Umwege gehen, um weiter zu kommen. Auch ist der Kalkfelsen zwischen den Latschen vom Wasser aufgelöst und bildet scharfe Kanten und Spalten, die ich umgehen muss. Einige Großformen, wie der Speikberggraben, helfen bei der Orientierung. Ich komme nur langsam voran, erreiche aber gegen Mittag die gesuchte Jagdhütte, an der ich länger raste.

    Hinter der Hütte geht es nochmal länger bergauf und am Kamm öffnet sich dahinter eine weite, tiefe Doline. Ich peile nach Südwest und finde, etwa auf gleicher Höhe, einen markanten Punkt den ich ansteuern kann. Ich muss nur noch einen Weg am Hang finden. Nur ist dieser stark zerklüftet und natürlich mit Latschen bewachsen. Ein Irrgarten ist übersichtlich, gegen das Gelände hier. Ich muss immer wieder mal umkehren, weil Spalten nicht zu überbrücken sind oder weil die Latschen zu dicht stehen. Mal breche ich auch durch eine Latschenreihe, da keine Lücke zu finden ist, mal folge ich einer Lücke nur um festzustellen, dass es anschließend in die falsche Richtung geht. Einmal balanciere ich auch auf den Ästen von niedrig wachsenden Latschen, um das nächste freie Stück Weg zu erreichen. Mit vielen vergeblichen Versuchen und Umwegen erreiche ich endlich den gegen über liegenden Rand der Doline, nur um in die nächste Doline, die „Weitgrübn“ zu blicken.

    Auch hier peile ich wieder den nächsten Rand an, in dem sich in meiner Richtung eine Scharte befindet. Hier ist das Gelände nicht ganz so stark zerklüftet und als ich die Mitte der „Weitgrübn“ erreiche sehe ich Steinmännchen, denen ich folge und die zu der Scharte führen zu der ich will. Auch danach halte ich mich an die Steinmännchen. Als sie scharf nach links abbiegen, traue ich ihnen nicht, weil sie scheinbar vor einer Latschenwand enden. Ich gehe gerade weiter nur um nach rund 200 m vor einem Abgrund zu stehen. Mir bleibt nichts anderes übrig, ich kehre um und tatsächlich muss ich mich durch die Latschen hindurch zwängen und dahinter sind wieder Steinmännchen die den Weg markieren. Bald darauf erreiche ich die Maisenbergseelein.

    Für die rund 3,5 km Luftlinie vom Aufstieg aus dem Lahnfriedtal bis zu den Seen habe ich fünf Stunden reine Gehzeit gebraucht, wobei die Doline hinter der Jagdhütte bis zur „Weitgrübn“ das schwerste Stück war. Nach der anstrengenden und gefährlichen, weglosen Wanderung gönne ich mir an den Seen eine längere Pause
    Die Maisenbergseelein sind drei kleine, schilfbewachsene Gewässer im sonst trockenen Dachsteinmassiv und ich habe meine Route stark nach dem Vorhandensein von Quellen und kleinen Seen geplant, um immer Wasser nachfüllen zu können.


    Rückblick ins Lahnfriedtal


    Altschneefeld


    Spalten, Klüfte, scharfe Kanten


    Speikberggraben


    Weitgrubn


    einer von drei Maisenbergseelein

    Anschließend folge ich weiter den Steinmännchen, die zunächst meine Richtung Südwest beibehalten, dann nach Westen abbiegen und ich so auf einen Almboden gelange auf dem Schafe weiden. Kaum erblickt mich das erste Schaf, verständigt es die anderen und alle kommen angerannt um mich zu bestaunen. Plötzlich bin ich von rund fünfzehn Schafen umringt, die auf Tuchfühlung gehen und mich anblöken. Ich rede ihnen gut zu und streichle sie etwas, schließlich lassen sie mich weiter ziehen. Im Bereich der Schafe verliere ich die Spur der Steinmännchen, suche mir meinen Weg wieder selbst und hoffe bald auf den markierten Wanderweg 666 zu treffen, den ich als Auffanglinie benutzen will, um darauf zum „Heilbronner Kreuz“ zu wandern.

    Von einer Anhöhe aus erblicke ich das Kreuz und habe damit ein markantes Ziel, dass ich ansteuern kann. Deshalb schwenke ich nun um Richtung Norden und steuere das Kreuz direkt an. Wieder stehen Latschen im Weg, nur die Felsen sind nicht mehr so zerklüftet. So mache ich wieder Umwege, erreiche aber doch endlich einen markierten Weg und feiere dieses Ereigniss mit dem Verzehr einer Tafel Schokolade. Langsam hat die ewige Sucherei nach einem Weg doch genervt.
    Auf dem markierten Wanderweg bin ich bald beim „Heilbronner Kreuz“ und überblicke das schwierige Gelände in dem ich heute unterwegs war. Das Kreuz wurde zur Erinnerung an den Tod einer Schülergruppe aus Heilbronn errichtet, die hier im Schneesturm umkam. Ich trage mich noch in das Gipfelbuch ein, um dann auf einem breiten Schotterweg weiter zu wandern. Der Tag ist fast um, ich gehe noch bis zum Hirzkarseelein und übernachte dort.


    kunstvoller Steinmann


    Dachsteinschafe


    Speikberg, wichtiger Orientierungspunkt


    Heilbronner Kreuz


    am Hirzkarseelein


    4. Tag------- 9.7.2013--------- Von Hütte zu Hütte--------13km

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    Ich breche am nächsten Tag mein Lager ab und gehe zurück auf den breiten Schotterweg, der mich bei sonnigem Wetter rasch zur Gjaidalm bringt. Nur rund dreihundert Meter vor der Alm sehe ich Schlafsäcke und Unterlagen die zum Trocknen ausgebreitet sind. Ich bin also nicht der einzige, der nicht in Hütten übernachtet. Auf der Gjaidalm gönne ich mir eine Apfelschorle und sehe hier, außer dem Hirten auf der Königreichalm, die ersten Menschen seit zwei Tagen.

    Ab der Gjaidalm wähle ich den Trägerweg, Richtung Simonyhütte. Zunächst habe ich einen Anstieg vor mir, der mich aus dem Latschengebiet in reines Felsgebiet führt. Unterhalb des Taubenkogel entlang, schlängelt sich der Pfad über Schutthalden und Bergsturzgelände. Ich muss leichte, kurze Kletterpartien einlegen, da große Felsblöcke auf dem Weg liegen. Oberhalb des unteren Eissees raste ich etwas und höre dabei wie die Berge vor sich hin bröseln. Immer wieder poltern Steine aus der Eisseewand in die Tiefe. Bevor ich zu den oberen Eisseen komme, beginnt es leicht zu regnen. Ich teste die Wassertemperatur eines Sees mit der Hand. Da das Wasser direkt vom nahen Hallstätter Gletscher stammt ist es wie erwartet eiskalt. Inzwischen regnet es stärker und ich schaue, dass ich über den Geröllschutt zur Simonyhütte komme.

    Hier bleibe ich etwas länger, bestelle ein Bergsteigeressen, Weizen und zum Abschluss Kaffee mit Topfenstrudel. Ein Klettersteigkurs hat, wegen dem Regen, die Schulung in den Gastraum verlegt und so bin ich Gasthörer bei der Knotenkunde.


    breiter Schotterweg zur Gjaidalm


    wildes Zeltlager


    Rückblick zur Gjaidalm


    Trägerweg


    Dachsteingipfel mit Gletscher aus der Ferne


    unterer Eissee


    oberer Eissee im Regen


    Hallstätter Gletscher

    Nach meiner längeren Pause hat der Regen wieder aufgehört, ich mache mich auf den Weg über den Hallstätter Gletscher zur Seethalerhütte (Dachsteinwartehütte). Zuerst muss ich um den Fuß des Schoberl gehen, wobei ich schon Schneefelder zu überwinden habe. Als es dann steiler aufwärts geht erreiche ich den Rand des Gletschers, der zu Beginn steil ansteigt. Hier bin ich froh meine Wanderstöcke dabei zu haben, sie erleichtern den Aufstieg im Schnee erheblich. Ich bleibe in der festgetretenen Spur und sinke dadurch kaum ein, nur wenn ich neben die Spur trete reicht der Schnee mal bis zur Wade. Weiter oben wird der Gletscher flacher, das Gehen wird einfacher und es ist später sogar eine breite Spur geräumt. Die Wolken werden weniger und die Sicht bessert sich.

    In der Hütte angekommen, empfängt mich ein Nepalese, der den Hüttenwirt vertritt. Mit meinem rudimentären Englisch kann ich ihm klar machen, dass ich hier übernachten will. Er will wissen, ob ich zu den drei Leuten gehöre die reserviert haben, ich verneine und er weist mir einen Schlafplatz zu. Es kommt auch niemand mehr und ich verbringe eine ruhige Nacht in dem Schlafraum, den ich ganz für mich alleine habe. Nur im Nebenraum übernachtet noch eine Frau mit ihrer ca 10jährigen Tochter, die eine drei tägige Klettersteigtour unternehmen.

    Vor ein paar Monaten habe ich im Fernsehen einen Bericht über ein Austauschprogramm gesehen, bei dem nepalesische Bergführer und alpine Bergführer die Plätze für ein paar Monate tauschen, um jeweils das andere Gebiet kennen zu lernen. Vermutlich ist der Nepalese ein Teilnehmer an dem Programm.


    Anstieg zum Gletscher


    Schöberl


    Gletscheraufstieg


    auf dem Gletscher


    Gipfelaufbau


    Hohes Kreuz


    5. Tag------10.7.2013------Dachsteingipfel und Hölltalsee------13 km

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    Um halbsechs verlasse ich die Seethalerhütte und gehe über den Gletscher, der hier vollkommen mit Schnee bedeckt ist, am Einstieg des Ostschulterklettersteigs vorbei, zum Einstieg der Normalroute. Der Schneehang ist ziemlich steil, ich halte mich an die ausgetretene Spur und meine Wanderstöcke verhindern ein Abrutschen. Es hat viel und lange geschneit dieses Jahr, so dass der Einstieg sich in Höhe des Zusammentreffens von Ostschulterklettersteig und Normalroute befindet. Die berüchtigte Randkluft ist fast nicht vorhanden, der Klettersteig windet sich um und zwischen den Felsen hindurch, ist durchgehend mit dem Stahlseil gesichert und verfügt stellenweise über Bolzen und Tritte die das Hochklettern erleichtern.
    Um sieben Uhr bin ich, ganz alleine, auf dem Gipfel, habe leider keine Sicht, weil von Süden Wolken gegen den Dachstein drängen und in das Gipfelbuch kann ich mich nicht eintragen, es ist nur noch ein Haufen zerfleddertes Papier und völlig unbrauchbar. Ich mache ein paar Fotos, steige bald wieder ab und als ich mich der Hütte nähere, kommen mir die Frau mit ihrer Tochter entgegen, die über den Ostschulterklettersteig auf den Gipfel wollen.

    (Hier gibt’s eine etwas ausführlichere Beschreibung der Gipfelbesteigung)


    Klettersteig auf den Gipfel


    Gipfelsieg


    vernebelte Aussicht


    Gletscher von oben


    Niederer Dachstein

    In der Seethalerhütte angekommen frühstücke ich erst einmal, packe dann meine Sachen, bleibe aber noch einige Zeit auf der Terrasse sitzen und beobachte die Leute, die mit der Seilbahn hochgefahren sind und auf dem Weg zum Gipfel oder zur Hütte sind. Der Hüttenwirt ist inzwischen auch eingetroffen und bringt mit seinem Motorschlitten Proviant und Wasser mit.

    Schließlich schultere ich meinen Rucksack und wandere auf dem breiten, geräumten Schneeweg zur Bergstation der Hunerkoglbahn. Hier ballen sich die Menschen und das Skigelände auf dem Gletscher ist auch in Betrieb. Ich gehe nur über den Aussichtssteg, Richtung Süden hängen Wolken im Tal, die aber nicht über den Dachstein kommen. Hier oben scheint die Sonne, ich entsorge meinen Abfall und fülle Wasser auf.

    Dann suche ich die Abzweigung zum Weg 674, dem ich heute folgen will, finde sie und es geht erst einmal den Schladminger Gletscher abwärts. Bald habe ich keinen Schnee mehr unter den Füßen, sondern gehe jetzt hauptsächlich auf Geröll. Die Gegend hat für mich etwas von einer Mondlandschaft. Einzelne Blumenpolster sorgen für ein paar Farbtupfer und einige Altschneefelder sind noch zu überqueren. Nach etwa einer Stunde kommt mir ein einzelner Wanderer entgegen, sonst bin ich wieder den ganzen Tag alleine unterwegs. Im ständigen auf und ab führt der Weg über Schuttfächer, bevor er wieder festeres Gestein erreicht. Von hier aus kann ich, teilweise, das mit Latschen bewachsene Plateau überblicken auf dem ich vor zwei Tagen herum geirrt bin. Etwas später wächst Gras zwischen den Felsen, eine Schafherde erblickt mich und kesselt mich ein. Erst nachdem ich ihnen gut zugeredet und einige Streicheleinheiten verteilt habe, werde ich freigelassen und kann meinen Weg fortsetzen. Die Dachsteinschafe haben alle einen Knall.


    Seethalerhütte, (Dachsteinwartehütte)


    Dachstein, Südwand


    Weg zum Einstieg


    Skizirkus


    Hunerkogel mit Bergstation Hunerkogelbahn


    auf der Bergstation


    Geröll und Altschneefelder auf Weg 674


    Blumen ?


    Mondlandschaft


    Blumen ? mit Schmetterlingen


    Dachsteinplateau, in dem Latschengewirr habe ich mir vor zwei Tagen einen Weg gesucht


    Wolke und Berg


    Dachsteinschafe, die zweite Belagerung

    Inzwischen sind wieder Wolken aufgezogen, die angekündigten Gewitter bleiben glücklicherweise aus. An der Feisterschartn biege ich Richtung Höllsee ab. Er liegt in einem engen Tal und ist über eine Schlucht zugänglich, wobei einige leichte Kletterstellen zu meistern sind. Das Tal selbst ist beeindruckend tief, mit steilen Wänden, in denen ich eine große Höhle und mehrere kleinere Löcher im Fels sehe. Gleich am Beginn des Sees ist eine ebene Stelle für mein Zelt. Bevor ich es aufstelle erkunde ich den See und gehe einmal um ihn herum. Der Ablauf des Sees ist nicht länger als zwei Meter und verschwindet dann im Untergrund. Auf drei Seiten wird das Ufer durch einen schmalen Grasstreifen mit Büschen gebildet, die vierte Seite besteht aus einem Geröllhang.
    Anschließend stelle ich mein Zelt auf und richte mich häuslich ein. So mag ich es, das ganze Tal gehört mir bis Morgen alleine, so spät kommt bestimmt niemand mehr. Nach den üblichen Abendtätigkeiten krieche ich zufrieden in meinen Schlafsack und verbringe eine ruhige Nacht.



    Hölltal


    Höhlentor


    am Hölltalsee


    Gemer


    Hölltalsee
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    Zuletzt geändert von blauloke; 04.02.2021, 20:39.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  • blauloke

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    • 22.08.2008
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    #2
    AW: [AT] Über den Dachstein zu den Schladminger Tauern

    6. Tag-------11.7.2013---------Schladming--------19 km


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    Während der Nacht beginnt es zu regnen und ich bleibe, als ich wach werde, erst mal im Zelt liegen.
    Kurzzeitig hört der Regen immer mal wieder auf, bevor der nächste Schauer einsetzt. Ich warte erst mal ab, wie sich das Wetter entwickelt. Etwas ausruhen schadet mir nicht, nach der anstrengenden Wanderung über das Dachsteinmassiv. Die Regenpausen werden länger und gegen elf Uhr hört es ganz auf zu regnen. Die paar Stunden liegen im Zelt haben mir gut getan. Nachdem ich wieder alles im Rucksack verstaut habe, verlasse ich das schöne Tal.

    Beim Abstieg zur Silberkaralm lösen sich die letzten Wolkenreste auf, es wird sonnig und heiß. Der Steig schlängelt sich den Hang hinab, ich rutsche zweimal aus und erreiche die Silberkarhütte. Hier sind viele Ausflügler unterwegs, die durch die Klamm hoch gestiegen sind und den schönen Tag genießen. Auch ich raste an der Hütte, bestelle Kaiserschmarn und Most.Nach einer ausgiebigen Rast steige ich durch die Silberkarklamm ins Tal ab. Die Klamm ist ein kleiner, aber feiner Einschnitt in den Bergen, die auf Holztreppen und Holzwegen durchquert wird, bis man am Ende den Parkplatz erreicht. Von dort gehen mehrere Wege ab.


    Pfad aus dem Hölltal


    sich auflösende Wolken am Hang


    Silberkarhütte


    Wasserfall in der Silberkarklamm


    Silberkarklamm

    Verdammt! Ich habe mal wieder eine Abzweigung verpasst. Irgendwas stimmt nicht mit mir. Im weglosen Gelände finde ich meinen Weg, aber sobald Schilder in der Gegend rumstehen nehme ich garantiert den falschen Weg. Eigentlich wollte ich im Wald höhengleich Richtung Ramsau wandern und nun quäle ich mich bei der Hitze die Straße hoch. Nach einiger Zeit kann ich am Ramsauer Bach im Schatten der Bäume entlang gehen. Im Ortsteil Kulm biege ich nach Süden, Richtung Schladming, ab. Leider muss ich auch hier wieder am Straßenrand gehen. An einer Kehre habe ich den ersten Blick auf den Ort, hier zweigt auch ein Steig nach Schladming ab. Diesem folge ich abwärts - es sind immer noch 300 steile Höhenmeter - kreuze nochmal die Straße und schließlich an Hotels und Wohnhäusern vorbei erreiche ich den Ort.


    Blick zum Dachsteinmassiv


    Blick ins Ennstal


    Schladming

    Zunächst gehe ich zum Billa, um meinen Proviant aufzufüllen. Anschließend begebe ich mich ins Zentrum. Hier sind eindeutig zu viele Menschen unterwegs. Es ist „lange Nacht der Musik“, auf vier Bühnen spielen unterschiedliche Gruppen und auf den Plätzen sind Tische und Bänke aufgestellt.
    Ich bleibe nicht im Freien, sondern kehre beim „Kirchenwirt“ ein, ich muss nämlich den Akku meiner Kamera aufladen lassen. Nach einem mehrgängigem Abendessen gehe ich nochmal durch das Zentrum, verlasse Schladming entlang des Talbachs, der eine Klamm durch die Berge gefräßt hat. Diese wird von einem breiten Weg begleitet an dem immer wieder Wasserspiele, in Form von kleinen Wasserrädern oder wasserbetriebenen Holzhämmern, gebaut sind.
    Als ich das Dorf Untertal erreiche wird es bereits dunkel und ich muss einen Platz für die Nacht suchen. Das ist schwierig weil es nur wenige ebene Stellen gibt, die einsehbar sind oder Häuser in der Nähe stehen. So gehe ich noch lange am Bach entlang, bis es total finster ist, dann baue ich mein Zelt neben dem Weg an einer Informationstafel auf. Nur ein paar Meter weiter rauscht der Talbach tosend hinab.


    lange Nacht der Musik


    Talbachklamm


    Wasserspiele

    7. Tag---------12.7.2013-----------Höhenweg-----------14 km

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    Bereits in der morgendlichen Dämmerung breche ich mein Zelt ab, der Platz eignet sich auch nicht gut zum Frühstücken. So will ich erst mal gehen, bis ich einen angenehmeren Ort finde.
    Zunächst komme ich an einem Hangmoor vorbei. Dabei handelt es sich um einen Felssturz, der inzwischen von kälteliebenden Pflanzen, wie Zwergbirken und Rotem Torfmoos, überwachsen ist. Durch die Lücken im Gestein strömt ständig, je nach Jahreszeit, Luft auf- bzw abwärts und kühlt den Hang. Mit der Hand kann man die kalte, ausströmende Luft spüren.
    Kurz darauf steht eine Bank am Weg, auf der ich mich niederlasse und ein ausgiebiges Frühstück mache.
    Danach gehe ich weiter, überquere den Unterbach beim Gasthof Tetter, da hier der Weg 54 den steilen Hang hinauf führt. Beim Gasthof ist der Weg noch deutlich ausgeschildert, jedoch verliert sich auf den dahinter liegenden Weiden die Spur und die Markierungen sind stark verwittert. Im folgenden Wald ist der Steig wieder besser zu erkennen, bis er auf einen Kahlschlag mündet, der bereits mit Gras und Büschen bewachsen ist. Dort sind keine Markierungen mehr, der Steig ist nur durch umgetretenes Gras zu erkennen, da er offensichtlich wenig begangen wird. Links und rechts wachsen mannshohe Brennesseln und Disteln, öfters muss ich mir mit Hilfe meiner Wanderstöcke einen Weg bahnen. Hier werde ich noch zum Fährtenleser und Dschungelkämpfer, da sollte mal jemand mit einer Machete durchmarschieren. Weiter oben wird es besser und Walderdbeeren auf dem Steig versüßen mir den Aufstieg. Wieder im Wald ist der Steig gut sichtbar und ich komme zur Krahberger Alm, wo ich auf der Terrasse einer Almhütte Brotzeit mache. Hier fülle ich auch meine Wasserflaschen wieder auf, es sind genügend Quellen vorhanden und inzwischen ist es heiß geworden.


    Hangmoor


    Kaltluftaustritt am Hangmoor


    Aussicht von der Frühstücksbank


    alter Baum im Anstieg


    Moor im Untertal


    Spinne


    Walderdbeeren


    verwachsener Pfad

    Einige Höhenmeter weiter erreiche ich den Krahbergsattel, biege in Richtung Krahbergzinken ab und teile mir den Weg jetzt mit mehreren Wanderern, die mit der Planai Bergbahn hoch gefahren sind und ebenfalls auf den Krahbergzinken wollen. Unterwegs komme ich noch an den Spuren von alten Bergwerken vorbei, die leider nur noch aus ein paar Löchern im Boden bestehen.
    Auf dem Gipfel, der eine weite Aussicht bietet, sind gut zehn Leute. Ich suche mir einen Felsen als Sitzplatz und mache ebenfalls erstmal Pause. Das Gipfelkreuz ist neu, das alte wurde in einer kleinen Grube am Gipfel verbrannt, wobei auch das umgebende Gras abgefackelt wurde. Ich trage mich ins Gipfelbuch ein und lasse mich fotografieren, bevor ich wieder ein Stück absteige, um in den Höhenweg 779 einzubiegen.


    Planai mit Dachstein im Hintergrund


    Gipfel Krahbergzinken


    ich mit Gipfelkreuz


    Wegweiser

    Der schmale Pfad zieht unterhalb des Gipfels um den Krahbergzinken, passiert einige Felspassagen, die mit Seilen gesichert sind und schwingt sich, nach überqueren der schmalen Lärnachscharte, hoch zum Seerieszinken. Im folgenden Verlauf gibt es keine großen Höhenunterschiede mehr, weil der Steig immer unterhalb der Gipfel am Hang entlang führt.
    Besonders Anfangs ist der Hang steil und einen Fehltritt kann ich mir nicht leisten. So gehe ich vorsichtig und langsam, bleibe immer wieder stehen um das nächste Stück Steig anzusprechen und gehe dann konzentriert weiter. An mehreren Stellen ist der Pfad teilweise oder ganz abgerutscht. An diesen Stellen passe ich besonders auf, um nicht auf der Erde aus zu rutschen.
    Unterwegs mache ich an einer Stelle mit flachen Felsen eine länger Pause, sonne mich, genieße das Panorama und die Ruhe. Auf diesem Weg bin ich mal wieder allein unterwegs, nur ein Segelflugzeug kreist über mir und später sehe ich noch einen Paragleiter.
    Um die Hasenkar Spitze ist der Hang etwas weniger steil, denn dieser Gipfel ist eigentlich nur ein grasbewachsener Hügel mit ein paar Felsen. Ich lasse meinen Rucksack am Weg liegen und erklimme den Berg. Oben angekommen habe ich mal wieder Aussicht in alle Richtungen.
    Nach dem Abstieg schultere ich wieder meinen Rucksack und gehe weiter. Erst jetzt komme ich an einem Bach vorbei, an dem ich meine Wasserflasche auffülle. Auf der gesamten Strecke, vom Krahbergzinken bis hierher, gibt es keine Wasserstelle.


    Seerieszinken


    Seilsicherung


    Rückblick zum Krahbergzinken und Dachsteinmassiv


    Steig am Hang


    Hangrutschung


    Hasenkar Spitze


    Tiefentalscharte


    Gollingtal mit Hochgolling


    vom Riesachtal, links, über den Klafferkessel, Mitte oben, ins Gollingtal, rechts, so geht es nächstes Jahr weiter


    Hochwildstelle

    An der Abzweigung zum Höchstein muss ich ein Stück steil absteigen, bevor der Steig wieder parallel am Hang verläuft. Hier gibt es nun genügend Bäche und Wasser auffüllen ist kein Problem mehr. Bald erreiche ich das wasserreiche Kar oberhalb der Kaltenbachalm. Hier strömt aus das Wasser aus mehreren Quellen zusammen, bildet kleine Lacken, fließt von dort in mehreren Bächen über Steine und niedrige Wasserfälle in einen kleinen See, von dem aus es schließlich ins Tal stürzt.
    Da es schon spät ist, schaffe ich den Abstieg ins Tal heute nicht mehr und bin somit gezwungen ein Notbiwak auf zu schlagen.


    Kaltenbachkar


    kleiner See im Kar


    Notbiwak


    rote Blumen


    Bäche im Kar


    8. Tag---------13.7.2013----------Riesachfälle----------7 km

    Hier sollte eine GPX-Karte erscheinen! Wenn diese nicht nach wenigen Sekunden nachgeladen wird bitte die Seite aktualisieren.
    Nach einer erholsamen Nacht packe ich zum letzten Mal meinen Rucksack. Bevor ich mich auf den Weg mache erkunde ich noch das Kar, da ich gestern von der anstrengenden Wanderung geschafft war und mich nicht gründlich umgesehen habe. Einen wirklich schönen Platz habe ich hier gefunden.
    Der Pfad wechselt zwischen Grashängen und Felspassagen. Ein Gedenkkreuz für einen abgestürzten Wanderer mahnt zur Vorsicht. Bald habe ich den steilen Hang hinter mir, überquere einen größeren Bach, freue mich an den Bergblumen und der Sonne, die vom Himmel strahlt.
    An der Neualm sitzen zwei Frauen, die mich fragen, ob ich Schafe gesehen habe. Leider muss ich verneinen, die beiden Hirtinnen machen sich nach einem kurzen Plausch auf die Suche nach ihren Schafen und ich lasse mich zur Rast nieder.
    Auf der Alm waren früher mehrere Gebäude, von denen nur noch die Grundmauern stehen. Die Hütte vor der ich raste ist auch schon leicht baufällig, dient aber noch als Notlager mit drei Matrazen, wie mir die Hirtinnen erzählten.
    Von der Neualm steige ich nun ins Riesachtal ab. Der Weg windet sich im Wald steil abwärts, führt auch mal über halb eingestürzte Brücken und trifft an der Kerschbaumer Alm auf den breiten Talweg.


    Placken


    Gemer


    Bach vor der Neualm


    Blumenwiese


    verfallene Gebäude auf der Neualm


    Notlager auf der Neualm


    verfallene Brücken


    Kerschbaumer Alm mit Riesachsee

    Hier sind viele Wanderer unterwegs, Richtung Preintalerhütte. Ich wende mich zum Talausgang, an der Kaltenbachalm raste ich nochmal, gönne mir einen Wurstsalat und trinke dazu Most.
    Ich wandere am Riesachsee entlang, an dessen Ende der Abfluss die Riesachfälle bildet. Sie sind die höchsten der Steiermark und fallen in mehreren Stufen zu Tal. Die Fälle sind durch eine Treppenanlage sehr gut erschlossen und sehenswert. Mitten in der Schlucht befindet sich eine hohe Hängebrücke, die beim drüber gehen schön schwingt. Unterhalb setze ich mich auf eine Bank und beobachte die Leute, die über die Brücke gehen. Manchen kann ich ihre Angst regelrecht ansehen. Dabei esse ich meine letzte halbe Tafel Schokolade und habe nun keinen Proviant mehr. Diesmal habe ich nicht, wie sonst, zu viel Verpflegung mit geschleppt.
    Anschließend steige ich noch entlang des unteren Falls die Treppen abwärts und komme zum Gasthof Riesachfall, in dessen Garten ich meine Wanderung bei einem Eisbecher beende.


    Hängebrücke


    Stahltreppen in der Klamm


    oberer Riesachfall


    Hängebrücke von unten


    ich vor unterem Wasserfall
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von blauloke; 04.02.2021, 22:00.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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    • Trampelwurm
      Anfänger im Forum
      • 19.04.2012
      • 20

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [AT] Über den Dachstein zu den Schladminger Tauern

      Danke Sehr schöner Beitrag. Dieses Dachsteinplateau muss faszinierend sein. Ich plane etwas Ähnliches in CH.
      Zuletzt geändert von Trampelwurm; 11.08.2013, 14:59.
      Heute beginnt der Rest deines Lebens....

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      • blauloke

        Lebt im Forum
        • 22.08.2008
        • 5897

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [AT] Über den Dachstein zu den Schladminger Tauern

        Das Plateau hat schon was. Wenn ich mal wieder ein paar Tage Zeit habe, fahre ich da wieder hin. Es gibt noch einige Ecken wo ich noch bzw wieder hin will.
        Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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        • Lynness
          Erfahren
          • 08.05.2008
          • 363

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [AT] Über den Dachstein zu den Schladminger Tauern

          Lieber Blauloke,
          vielen Dank für den schönen Reisebericht aus dem Dachsteingebiet, respektive Salzkammergut. Ich habe ein halbes Jahr in Bad Aussee gearbeitet, und die Landschaft ist einfach der Hammer
          Dein Bericht hat schöne Erinnerungen bei mir geweckt.

          Danke dafür und nix für ungut

          Lynness
          Gruß Lynness

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          • MonaXY

            Fuchs
            • 30.08.2009
            • 1094

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [AT] Über den Dachstein zu den Schladminger Tauern

            oder "Irrungen und Wirrungen" würden mir so noch als Überschriften zu deiner Tour einfallen, die ansonsten aber wirklich klasse war - zumindest liest sie sich so! Hätte nicht gedacht, dass in dieser Gegend eine so relativ einsame Wanderung möglich ist...
            "Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur."
            Jean Paul

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            • blauloke

              Lebt im Forum
              • 22.08.2008
              • 5897

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [AT] Über den Dachstein zu den Schladminger Tauern

              Zitat von MonaXY Beitrag anzeigen
              Hätte nicht gedacht, dass in dieser Gegend eine so relativ einsame Wanderung möglich ist...
              Östlich vom Heilbronner Kreuz und den Skigebieten auf dem Gletscher war ich alleine unterwegs. Aus diesem Gebiet habe ich auch nur wenige Berichte, wärend der Planung, im Internet gefunden. Es hat seine Vorteile wenn sich alles auf das Gebiet um die Seilbahnstationen konzentriert.

              Dasselbe auf der Planai. Dort sind die Seilbahnfahrer auch nur bis zum ersten Gipfel, dem Krahbergzinken, gegangen. Anschliesend war ich auch wieder alleine.
              Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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              • beigl
                Fuchs
                • 28.01.2011
                • 1655

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [AT] Über den Dachstein zu den Schladminger Tauern

                Ja, in den Niederen Tauern ist man, wie ich hier auch oft mitteile, öfter mal alleine. Freue mich schon auf meine Gesamtdurchschreitung nächstes Jahr.

                Aber dass man am Dachstein auch so einsam sein kann hat mich auch überrascht, super. Danke nochmal.
                Ich, bloque: Projekt Zentralalpenweg

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