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  1. Fuchs
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    [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #1
    Mitreisende: Libertist
    Land: Namibia
    Reisezeit: Februar/März 2015
    Dauer: 3 ½ Wochen (die gesamte Reise dauert 7 Wochen, aber in diesem Bericht geht’s nur um den ersten Teil)


    Dünenlauf statt Mittagspause – auf welche Ideen man so kommt, wenn es keinen Schatten gibt…


    Sportunterricht in Otjinhungwa, dem Ausgangspunkt unserer Tour.



    Eine junge Himba in ihrem Dorf, westlich von Opuwo im Nordwesten Namibias.



    „It’s ok, it’s Africa.“ versuchte KK uns immer wieder zu beruhigen, nachdem am Auto nach und nach alles kaputt ging, was kaputtgehen konnte. Der Mann fuhr uns zu Beginn der Reise fast 500 km zu unserem Ausgangsort an die Grenze zu Angola. In der Situation, als das Foto entstand, verließ auch ihn der Mut.


    Vorbemerkungen

    Lange hat es gedauert, bis ich mich für ein Ziel dieser Winterreise entscheiden konnte. Zuerst arbeitete ich eine ziemlich spannende Idee für die Durchquerung des östlichen Teils der Demokratischen Republik Kongo aus. Das hätte eine Flussexpedition werden sollen, für deren Vorbereitung ich schon im Spätsommer mehrere Wochen lang in Kontakt mit amerikanischen NGO-Mitarbeitern stand, die seit vielen Jahren im Kongo leben und mir bei der Planung halfen. Nachdem ich für diese Unternehmung kein geeignetes Team zusammenstellen konnte (es wollte einfach niemand mitkommen), bastelte ich an einer logistisch sehr aufwendigen Patagonie-Idee, die ich ganz sicher noch verwirklichen werde. Hier hätte uns die Route sieben Wochen lang größtenteils über Eisfelder geführt, ein paar anspruchsvolle Packrafting-Abschnitte waren auch dabei. Aufgrund der technischen Schwierigkeiten und der knappen Vorbereitungszeit haben sich die wenigen potentiellen Mitreisenden, die anfangs interessiert waren, dagegen entschieden. Und allein wäre die Sache kaum machbar gewesen.

    Dann hier es kurzzeitig Kolumbien und Venezuela – dort gibt es ja auch ein paar schöne Berglandschaften, die mir nach einigen Tagen genauerer Betrachtung aber doch zu zivilisationsnah vorkamen. Fast hätte ich dann Flüge nach Kenia gebucht und mich für eine längere Tour durch den Westen des Landes mit meinem Freund Losike aus Uganda zusammengeschlossen, der Gerald und mich vor zwei Jahren durch Karamoja begleitete. Letztendlich wurde es dann Namibia.

    Warum Namibia? Ich hatte schon vor längerer Zeit eine Route für den Nordwesten Namibias ausgearbeitet, zunächst ohne Grund. Das mache ich manchmal in meiner Freizeit: ich spiele mit Google Earth herum und male rote Linien durch Landschaften, die ich interessant finde. Damals kam es nicht zu der Reise, weil ich meinte, die Gegend sei viel zu trocken, um eine Trekkingtour überhaupt in Erwägung zu ziehen. Erst ein Telefongespräch mit Gerald Ende November erinnerte mich an meine früheren Pläne: er meinte nämlich, dass er selbst irgendwann dahin möchte und es dort in der Regenzeit schon genügend Wasser geben sollte - und Februar/März, also zu meiner Reisezeit, war Regenzeit in Namibia.

    Die Entscheidung fiel dann relativ schnell: sieben Wochen Namibia sollten es werden, wobei mein Interesse ausschließlich auf dem Nordwesten des Landes lag: der Region Kunene. Der ganz nördliche Teil, den wir auf dieser Reise besuchten, wird auch „Kaokoland“ genannt; im nächsten Bericht geht’s dann um „Damaraland“.

    Kunene gehört zu den trockensten, ärmsten und traditionellsten Teilen Namibias. Die Region beheimatet einige mitunter noch immer recht traditionell lebenden Stämme, darunter die Himba und Ovahakaona. Andere Stämme, beispielsweise Herero und Damara, leben bereits moderner und kleiden sich in der Regel (aber nicht ausschließlich) nach westlichem Vorbild. Wie auch immer, verglichen mit anderen Landesteilen lässt sich da oben in der Wüste und Halbwüste noch relativ viel traditionelles Nomadenleben beobachten: insbesondere die Himba sind noch oft mit ihrem Vieh unterwegs, wobei auch das aufgrund der zunehmenden Trockenheit immer schwieriger wird.


    Eine Frau der Ovahakaona führte uns durch ihren Garten.








    In Kunene gibt es außerdem noch einiges an Großwild. Auf meinen Reisen interessieren mich die Tiere grundsätzlich weniger als Menschen und Kulturen, aber hier und da mal eine Antilope zu sehen, ist schon nett.

    Was die Gegend in meinen Augen besonders attraktiv machte, ist natürlich die Landschaft: Wüste, Steppe, Savannen, Berge, zahllose Felshügel… die Natur im Nordwesten Namibias sah unglaublich vielversprechend aus. Nach dem Telefonat mit Gerald dauerte es nur wenige Tage, bis ich meine Flüge buchte: Abflug am 2. Februar, Rückflug am 20. März.

    Man kann schon sagen, dass ich ein sehr gutes Gefühl bei der Sache hatte – ich fühlte mich der Reise gewachsen. Das mag für viele hier banal klingen, ist für mich in der Vergangenheit aber nicht immer selbstverständlich gewesen. Wenn nötig, hätte ich diese Tour jedenfalls auch allein unternommen, dazu kam es glücklicherweise nicht – Katharina, eine meiner engsten Freundinnen und bereits Alaska-erprobte frühere Reisepartnerin, wollte mitkommen. Toll, dachte ich. Und toll war es auch, was mich wenig überraschte – Katharina und ich sind ein eingespieltes Team: seit unserer Alaska-Reise von September 2013 treffen wir uns regelmäßig und wohnen mittlerweile sogar in derselben Stadt. Ich hatte absolut keine Bedenken, dass sie nicht fit genug sei oder es zwischen uns sonst irgendwelche Probleme geben könnte. Leider hatte Katharina nur bis zum 26. Februar Zeit, uns blieben also nur 3 ½ Wochen, bevor sie zurückfliegen musste und ich mit einer anderen Freundin weiterzog (davon mehr im zweiten Namibia-Bericht).

    Während sich Katharina bei der Recherche vor allem auf wilde Tiere konzentrierte, ging es mir in erster Linie um Wasser: was heißt denn „Regenzeit“ im Norden Namibias überhaupt? Regenzeit bedeutet zunächst einmal Sommer: wir wussten also, dass wir mit extremen Temperaturen zu kämpfen haben werden. Während die meisten Touristen das Land in den Wintermonaten (Mai bis September) bereisen, würden wir zu Fuß bei bis zu 45° Celsius im Schatten durch die schattenlose Ebene marschieren. Wer sowas noch nie erlebt hat, kann sich wohl schwer vorstellen, wie es sich anfühlt. Mit Hitze und Trockenheit ist nicht zu spaßen.

    Die größte Hilfe waren mir hierbei die beiden Schweizer Sarah und Ryan vom Camp Syncro, die direkt am Kunene River wohnen, welcher wiederum die Grenze zwischen Namibia und Angola markiert. Kurz zusammengefasst: ja, es kann regnen, aber je weiter man nach Westen Richtung Wüste kommt, desto unwahrscheinlicher werden die Niederschläge. Mit anderen Worten: der Teil Kunenes, der uns am meisten interessierte, sieht möglicherweise auch in der Regenzeit keinen Tropfen Wasser. Das ist im Übrigen auch der Grund dafür, warum es dort oben scheinbar absolut gar keinen Trekking-Tourismus gibt, zumindest haben meine Internet-Recherchen dahingehend nichts ergeben. Namibia scheint überhaupt ein Land zu sein, das man nur mit dem eigenen oder geliehenen Geländewagen bereisen kann – dass dieses Vorurteil nicht zutrifft, soll auch dieser Bericht zeigen.

    Bevor ich das Wort an Katharina übergebe, möchte ich noch kurz auf unseren Plan zu sprechen kommen. Ich besorgte russische Militärkarten, die uns bei der Navigation durch die Grenzregion im Norden helfen sollten. Dort fließt der Kunene River, einer von zwei Flüssen Namibias, die ganzjährig Wasser führen. Der eine markiert die Grenze zu Südafrika, der andere – „unserer“, die Grenze zu Angola. Wir arbeiteten verschiedene Routen aus, die wir in Abhängigkeit von den Regenfällen in der Gegend gehen würden. Wenn es gar kein Regen gab, würden wir uns an den besagten Kunene River halten und uns maximal wenige Tagesmärsche davon entfernen können. Von dieser Option gingen wir aus, da uns Sarah und Ryan bereits im Vorfeld wissen ließen, dass keiner der anderen Flüsse dieser Gegend in den letzten Jahren Wasser geführt hat. Eigentlich rechneten wir schon damit, keine Wolke am Himmel zu sehen.

    Konkret hieß das für uns, dass wir nach der Landung in Windhoek am 26. Februar erstmal einkaufen und es sobald wie möglich mit einem Bus nach Opuwo schaffen wollten. Opuwo ist die Hauptstadt der Region Kunene, von da aus sollte es nach Otjinhungwa (Marienfluss) gehen. Für diese mühsame Etappe in eine sehr abgelegene Gegend planten wir, einen Fahrer anzuheuern und entsprechend zu bezahlen. Von Otjinhungwa aus wollten wir zunächst Richtung Westen aufbrechen und eine einwöchige Rundtour durch die Wüste unternehmen, bei der wir darauf achten wollten, uns nicht zu weit vom Kunene River zu entfernen. Anschließend hatten wir vor, über die Berge nach Osten zu marschieren, bis nach Epupa. In Epupa gibt es wohl sehr spektakuläre Wasserfälle und entsprechend viele Touristen, die uns, so planten wir, letztendlich wieder nach Opuwo bringen könnten. Für die Strecke von Otjinhungwa nach Epupa planten wir 12 Tage ein – 12 sehr mühsame Tage mit sehr vielen Höhenmetern. Erschwert wurde diese Etappe insbesondere durch eine lange Schlucht zu Beginn der Tour, die wir großzügig zu umgehen planten und uns dabei weit vom Wasser entfernt hätten. Dass es nie dazu kam, wird euch Katharina gleich erklären. Wie schon vor zwei Jahren hat sie sich bereit erklärt, das Schreiben des eigentlichen Reiseberichts zu übernahmen. Vielen Dank an dieser Stelle! :*


    Das Kunene River Tal vor Sonnenaufgang. Die gegenüberliegende Uferseite liegt schon in Angola.



    Katharina und ich mit Blick auf die Wüste, nachdem wir oben in den Felsen eine wunderbar schattige Höhle gefunden hatten.



    Eine Karte der Region. HIER geht es zu einer höherauflösenden Version.


    Einige der hier im Reisebericht aufgeführten Ortsangaben werdet ihr nicht über Google finden. Aber wenn ihr eine ähnliche Tour selbst durchführen wollt und mit den Ortsansässigen in Otjinhungwa redet, wissen diese sehr wohl etwas damit anzufangen.

    Wichtig: den folgenden Bericht hat meine Reisepartnerin Katharina geschrieben. Nur die extra gekennzeichneten Kommentare, alle Bilder und Bildunterschriften sind von mir.


    Vorbereitung

    Kongo, Uganda oder doch Venezuela, was soll es denn jetzt sein für den Winterurlaub? Warm soll es sein, gut zum Gehen, nicht zu touristisch, interessante Menschen usw… ganz einfach also.

    Nach langem Hin und Her wurde es dann doch das sehr heiße, trockene, in vielen Teilen touristisch gut erschlossene Namibia. Auf alten russischen Karten und mit Hilfe von Google Earth haben wir uns im Norden Namibias auf die Suche nach Routen, Wasserlöchern, Straßen, Kraalen (runde Kreise auf Google Earth, die ein Zeichen für Siedlungen sind) und fotogenen Plätzen gemacht. Gabriel hat mit einigen Camp-Besitzern am Kunene River (Grenzfluss zu Angola, der immer Wasser führt) Kontakt aufgenommen. Dadurch haben wir sehr aktuelle Informationen über die momentane Wetter- und Wasserlage erhalten und ihnen auch von unserem Vorhaben erzählen können. Auf unsere Tour-Idee kamen die üblichen Reaktionen. Das ist nicht möglich, das ist viel zu gefährlich, das hat zuvor noch niemand probiert, es ist viel zu heiß, ihr seid nur zu zweit, es gibt kein Wasser, wir raten euch davon ab…usw. Mittlerweile weiß ich, dass man sich von solchen Warnungen nicht abschrecken lassen sollte, aber sie trotzdem nicht völlig ignorieren darf.

    In einer längeren Nachtsession haben wir dann in unterschiedlichen Farben Flüsse, Wasserlöcher, Wege und Siedlungen in unseren Karten eingezeichnet. Gabriel hat zudem viele verschiedene Routen am Computer ausgearbeitet und in sein GPS eingespeichert.


    2. bis 3. Februar: Los geht’s

    Wie es dann immer so ist vor einer Reise, auch wenn man sich noch so lange vorbereitet hat, es wird stressig. Dieses Mal haben wir uns beide so gefühlt, als hätten wir gut und gerne noch zwei extra Vorbereitungstage einschieben können. Gabriel hat während des 10-stündigen Flugs sehr angestrengt in den Laptop gestarrt. Ansonsten war die Stimmung auch noch nicht gerade prickelnd, sondern eher angespannt. Aber nach einem Entspannungsbierchen und wunderschönen Eindrücken von der Wüste unter uns hat sich das Reisefeeling langsam eingestellt.

    Wir haben zwei Nächte in Windhuk verbracht, da wir noch unser restliches Essen kaufen und einen Bus finden mussten, der nach Opuwo (Verwaltungshauptstadt der Kaoko-Region) fährt. Essen zu finden war in den amerikanisch überladenen Supermärkten kein Problem. Zum Frühstück gab es Knuspermüsli, tagsüber Nüsse, Kekse, Energierigel und am Abend Knorr Fertiggerichte. Den richtigen Bus zu finden war hingegen nicht so leicht und dauerte etwas länger.


    4. bis 7. Februar: Das Abenteuer vor dem Abenteuer

    Der Mond stand noch am Himmel, als wir uns voll bepackt zur Busstation aufmachten, aber es waren schon viele Schulkinder in ihren Uniformen am Straßenrand unterwegs. An der Marco Polo Busstation war sehr viel los. Ich bin eher das geordnete Treiben an den Fernbusstationen bei uns gewohnt und war etwas überfordert vom Geschrei und dem hektische Durcheinander. Unser Busfahrer erklärte uns, dass es losginge, sobald der Kleinbus voll sei. Wir haben erst mal gemütlich gefrühstückt, nicht ohne mehrmals zu checken ob unsere Rucksäcke auch wirklich noch im Anhänger lagen.

    Nach eineinhalb Stunden war der Bus rammelvoll und es ging los. Wir haben die ersten Stunden nur geschlafen, bis unsere Nacken wehtaten und wir bei einer kleinen Cabana Pause machten. Dort gab es unfassbar gutes Warzenschweinfleisch.

    Nach weiteren Stunden im Auto war es späterer Nachmittag. Gabriel konnte keine der Städte, an denen wir vorbei fuhren, auf der Landkarte finden. Immer mehr Leute stiegen aus und ein komisches Gefühl stellte sich bei uns ein. Dieses Gefühl bewahrheitete sich - der Bus fuhr nach Oshakati, 230 km östlich von Opuwo, unserem eigentlichen Ziel. Dazu kam, dass mich am Klo einige Damen ansprachen um mir zu erklären, dass ich hier in dieser Region besonders vorsichtig sein müsse. Das war eine ungute Situation. Alle Fahrgäste waren wütend auf ihre Landsmänner, die uns an der Busstation in Windhoek offenbar absichtlich abgezogen und in den falschen Bus gesetzt hatten, nur um diesen schnell voll zu bekommen. Letztendlich half uns eine junge Frau an der Endstation der Busreise ein Sammeltaxi zu finden, welches gleich im Anschluss nach Opuwo fuhr. Nach einer 14-stündigen Reise kamen wir im ABBA-Guesthouse an, in das wir spontan eincheckten. Essen, Bier trinken, duschen und endlich schlafen.

    Kommentar Libertist: Dass wir es nach dieser Strapaze tatsächlich noch an einem Tag von Windhoek nach Opuwo schafften – immerhin eine Strecke von über 700 km, wenn wir direkt gefahren wären – kam uns beim abendlichen Restaurantbesuch schon wieder nach purem Glück vor.


    Am nächsten Tag (5. Februar) haben wir der Besitzerin des Guesthouses, eine ehemalige Deutsche, von unserem Vorhaben erzählt. Sie hat uns berichtet, dass die Route von den Epupa Falls nach Otjinhungwa irgendwann schon mal von Guides mit Eseln bewandert wurde. Leider kannte sie niemanden der uns mit einem Auto, die Strecke von ca. 500 km über sehr unwegsames Gelände, von Opuwo nach Otjinhungwa im Marienflusstal fahren konnte. Also machten wir uns auf den Weg, jemanden aus Opuwo zu finden, der uns aushelfen konnte.

    Es war 11 Uhr und die Sonne knallte erbarmungslos vom Himmel. Gabriels Nacken war trotz 50er Sonnencreme schnell knallrot. Wir waren weit und breit die einzigen Touristen. Wir waren fast eine Attraktion auf der Straße, die Menschen drehten sich nach uns um und grüßten uns. Ein ungewohntes Gefühl, so herauszustechen. Es gab viel zu sehen entlang dieser Straße. Sämtliche Stämme der Region waren vertreten. Die Herero-Frauen mit ihren opulenten, bodenlangen Kleidern in schrillen Farben. Daneben Himba-Frauen mit Rindslederschurz, einer Vielzahl an Ketten und Armreifen und der rotbraunen Lehmschicht auf ihrer Haut. Die Ovahakaona-Frauen stachen durch ihre bunten Perlenketten hervor. Eigentlich wollte ich nur am Straßenrand sitzen und dem bunten Treiben zuschauen.

    Die Reaktion der Menschen auf unsere Kameras war sehr unterschiedlich. Ich musste mich erst daran gewöhnen, wildfremde und mehr oder weniger nackte Frauen zu fotografieren. Ich hatte anfangs ein sehr ungutes Gefühl dabei, vor allem weil fast niemand Englisch sprach und ich nie wusste ob es für sie wirklich in Ordnung war.





    In Opuwo selbst habe ich neben diesen beiden Bildern eigentlich überhaupt kein Foto-Versuche unternommen und die Kamera anschließend nur noch im Hotelzimmer liegen lassen. Mein Eindruck war, dass sich die Menschen dort überhaupt nicht gerne fotografieren lassen, beziehungsweise es gewohnt sind, von Touristen dafür bezahlt zu werden. Das war mir unangenehm. Ich verstehe zwar die Problematik, konnte mich aber nicht wirklich darauf einlassen und verzichtete folglich lieber aufs Fotografieren… was mir in so grellem Licht wie hier auch nicht sonderlich schwer fiel. Prinzipiell wurden natürlich alle meine Portraits mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Personen aufgenommen.


    Bei einer kleinen Hütte mit großem „I“ für Information hatten wir wieder einmal großes Glück, denn wir lernten „KK“ kennen. Er war groß, außergewöhnlich dünn, hatte ein herzliches Lachen und erklärte sich bereit, uns zum Camp Syncro in Otjinhungwa zu fahren. Das Auto wollte er sich von John, einem Bekannten, ausborgen und am besten noch heute um 14 Uhr losfahren, da er uns am Weg einige Himba-Dörfern zeigen wollte. Er war selbst halb Himba und halb Herero, daher konnte er deren Sprache. Der Plan war, schon am nächsten Abend in Otjinhungwa anzukommen.

    Kommentar Libertist: Das ganze Transport-Prozedere hielten wir vertraglich fest, damit Fahrer oder Autobesitzer hinterher nicht Unsummen für etwaige Reparatur- oder Abschleppkosten verlangen würden. Wer weiß, wie die Fahrt verlaufen würde, immerhin lagen zwischen 400 und 500 Kilometer miesester Off-Road Piste zwischen uns und unserem Ziel. Der Vertrag wurde von KK als unserem Fahrer, von John als Eigentümer des Autos und von mir als Kunde unterschrieben. Alle waren happy. Ich empfehle jedem, bei solchen oder ähnlichen „Handschlag-Aktionen“, wo viel schief gehen kann, dasselbe zu tun.

    Wir waren noch nicht einmal fertig mit dem Mittagessen, da standen die beiden um 13:45 Uhr abfahrbereit, mit zwei Ersatzreifen und extra Benzinkanistern, die wir angefordert hatten, vor unserer Tür. „We are not on african time. We want you to trust us, so we wait for you.” Was für eine Überraschung! Super glücklich darüber, wie reibungslos und kurz unser Aufenthalt in Opuwo war, saßen wir im Auto, nichtsahnend was in den kommenden Stunden und Tagen noch so alles passieren würde.

    Nach und nach bemerkten wir, in was für einem Auto wir unterwegs waren. Wir hatten das einzige schwarze Auto weit und breit, natürlich ohne Klimaanlage. Eines der Fenster ließ sich nicht öffnen, die Tür konnte auch nur von außen geöffnet werden und mit dem Getriebe stimmte etwas nicht. Bei der nächsten Klopause entdeckten wir ein Loch im Hinterreifen. Alles noch nicht so schlimm, KK wollte weiter fahren bis keine Luft mehr drinnen war. Sein Ziel war es, den Reifen erst beim Himba-Dorf zu wechseln. Leider war die Luft schneller draußen, als gedacht. KKs Fahrstil war zudem leider auch nicht besonders reifenschonend.





    Springbock.



    Eine Frau der Herero mit ihrer traditioneller Kopfbedeckung, der den Viehreichtum ihres Stammes symbolisieren soll.


    Normalerweise dauert so ein Reifenwechsel wenige Minuten. In unserem Fall dauerte es über drei Stunden. Der Wagenheber, den wir dabei hatten, war kein richtiger Wagenheber, hatte kein Öl mehr drinnen und konnte das Auto kaum für wenige Zentimeter anheben. Zudem standen wir im Sand und der Boden gab stark nach. Leider war der Reifen auch mit 6 unterschiedlichen Schrauben befestigt und den entsprechenden Aufsatz für eine der Schrauben konnten wir erst nach langer Suche finden. Plötzlich gab der Wagenheber nach und das Auto krachte zusammen. Ich konnte gar nicht mehr hinschauen, weil KK dabei fast geköpft wurde. Er versicherte uns immer wieder „It’s ok, it’s Africa.“ und verschwand wieder mit seiner schwach leuchtenden Handytaschenlampe unter dem Auto. Es war für uns unfassbar, dass wir es nach drei Stunden wirklich geschafft hatten, den Reifen mit diesem alten und unvollständigen Werkzeug zu wechseln.










    Im Himba-Dorf durften wir unser Zelt nahe den Hütten aufbauen. Zu unserer großen Überraschung saßen wir wenig später in einer der Lehmhütten. Es war angenehm warm und roch nach dem leicht süßlichen Kräuterparfum der Himba-Frauen. Die Hütte war winzig, trotzdem saßen Gabriel, KK, 2 Schwestern, eine ihrer älteren Töchter, die Dorfälteste und ich in einem Kreis, hinter uns noch einmal 4 kleine Kinder. Es war eine besondere Stimmung. Sie wollten wissen, wo mein kleines Kind sei. Es war unvorstellbar für sie, dass ich in meinem Alter (25) noch kein Kind hatte. Eine der Schwestern versuchte ihr Baby zu stillen und erklärte uns, dass sie durch die einseitige Ernährung (die Regierung spendet Maismehl, das war’s auch schon) kaum Milch für ihr Baby produzieren konnte. Zudem seien alle ihre Tiere auf Grund der Dürre gestorben. Bei ihren Erzählungen und dem Anblick des 2 Wochen alten Babys auf ihrem Arm musste ich ordentlich schlucken. Ihre Situation machte mich traurig und nachdenklich.

    Kommentar Libertist: Ja, die Stimmung in der Hütte war schon außergewöhnlich. Wir haben uns sehr willkommen gefühlt und konnten dank KKs Übersetzungen viele Fragen stellen. Die Frauen waren offensichtlich leicht verwundert über unsere Fragen; vielleicht auch darüber, dass wir uns so ernsthaft für ihre Geschichten interessierten. Anfangs hatte ich noch Lust darauf, ein Foto zu machen – so viele Personen mitten in der Nacht im Schein der mickrigen Funzel in dieser kleinen Lehmhütte, was für eine Szene! – aber den Gedanken vergaß ich bald. Hätte auch nicht zur Stimmung gepasst.

    (6. Februar) Wenige Stunden später weckte uns der Dorfgockel. Die Bergspitzen waren schon rosa und die ersten Frauen aus dem Dorf machten sich auf, um Wasser zu holen. Das Licht war perfekt und wir durften ein paar Fotos machen. Da ich zuvor noch nie Portraitfotos gemacht hatte, war ich sehr unsicher und hab mich einfach zu den Frauen auf den Boden gesetzt, während Gabriel fotografiert hat. Ich hab für die Kinder Luftballons, Seifenblasen und Ölkreiden mitgebracht. Anfangs wussten sie nicht so wirklich was sie damit anfangen sollten. Später kam auch der Dorfälteste und band zwei Luftballons an seinen Stock, also schien es ihnen schon zu gefallen.

    Kommentar Libertist: Zum Schluss übergaben wir den Dorfbewohnern einige Geschenke, die wir aus Opuwo mitgebracht hatten. Im Supermarkt der Stadt stellten wir KK zuvor nämlich ein gewisses Budget zur Verfügung, mit dem er Lebensmittel für die Menschen einkaufen sollte, die wir unterwegs treffen würden. KK weiß besser als wir, was in den Dörfern gebraucht wird und entschied sich vor allem für Maismehl, Öl, Zucker, Brot und Tabak.


































    Der Vormittag war schon fast rum, als wir uns auf den Weg machten. Nach einiger Zeit verkündete uns KK, dass die Bremsen auf der linken Seite nicht funktionierten. Das war suboptimal, da KK äußerst beratungsresistent war, was seinen Fahrstil anging. Gabriel erklärte ihm zwar immer wieder, dass wir nur noch einen Reifen hatten, aber das wollte er nicht so ganz wahrhaben. Generell brachten uns KK und das in allen Tonlagen scheppernde Auto des Öfteren zum Lachen. Ein bezeichnender Wortwechsel:

    Gabriel: “KK, go slow! Why don’t you drive in second gear?!“
    KK: “The first and second gear are consuming a lot of petrol.”
    Gabriel: “Well, the third gear is consuming a lot of tires!”
    KK: “Hm. Oh well. That’s Africa, haha!“

    Wir hielten an einem unerwarteten Mini-Shop, das einzige Gebäude weit und breit, da KK seine tägliche Cola Zuckerdosis vermisste. Zum Glück hielten wir an, denn an einem der Benzinkanister entdeckten wir am Boden ein Leck. Meine Sporttasche, die vollgestopft war mit Essen, hatte sich schon gut vollgesoffen. Leider konnten wir nicht einfach mal schnell neues Essen kaufen und so mussten wir in den kommenden Tagen feststellen, wie Essen und vor allem Rülpser schmecken wenn Benzin mit im Spiel ist, uahhhh ekelhaft. Diesen Geschmack werde ich nie vergessen.

    Wenig später diskutierten Gabriel und KK wieder einmal über den rasanten Fahrstil und es knallte. Wir schafften es gerade noch das steile Flussbett hinauf und blieben am Straßenrand stehen, um erneut Reifen zu wechseln. Zum Glück war der Untergrund dieses Mal hart und der Reifen war in kürze gewechselt. Jedoch wussten Gabriel und ich, dass wir die letzte Etappe der Fahrt, die Wüste, auf keinen Fall ohne Ersatzreifen antreten wollten.













    Zwischenzeitlich hatten wir schon die Hoffnung aufgegeben, je zu Sarah und Ryan ins Camp Syncro zu kommen. Unsere Hoffnung war nun Orupembe. Dieser Ort besteht aus einer Hütte, einem weiteren Mini-Shop und einer Polizeistation. Leider konnten wir dort weder Benzin noch Ersatzreifen besorgen. So saßen wir ziemlich ratlos unter einem Baum und diskutierten unsere Optionen durch. Zum Glück passierte uns ein Geländewagen mit einem polnischen Ehepaar und einem namibischen Guide. Dieser riet uns, im nicht allzu weit entfernten Marbel Camp nach einem Reifen zu fragen.



















    Im Marble Camp spielten sich dann filmreife Szenen ab. 9 Regierungsbeamte, die zu wissenschaftlichen Zwecken in der Gegend unterwegs waren, standen um einen unserer kaputten Reifen herum und diskutierten, wie dieser zu reparieren sei. Man vermutete, dass der Reifen gar kein Loch hatte, sondern durch einen zu starken Schlag einfach die Luft ausgetreten sei. Aufpumpen konnte man den Reifen aber nicht ohne weiteres, da bei diesen schlauchlosen Reifen die Luft an der Seite (an der verbeulten Felge) austritt, wenn man nur langsam mit einer Handpumpe pumpt. Die Lücken zwischen Felge und Mantel waren also das Problem. Eine Option war anscheinend, Benzin in den Reifen zu füllen, anzünden und zu hoffen, dass sich der schmelzende Mantel an die Felge anpasst. Jedoch war dabei die Chance auch relativ groß, dass der ganze Reifen explodiert, schmilzt oder ähnliches. Daher Option B, einer pumpte mit einer gewöhnlichen Luftpumpe, einer goss Wasser über den Reifen um zu sehen wo die Luft austrat, einer stopfte Klopapier in die Ritzen und einer schlug mit einer Eisenstange auf den Reifen, damit sich die Luft gleichmäßig verteilte. Der Rest stand drum herum und gab eifrig Kommentare ab.




    So saßen wir wenig später in unserer Schepperkiste, die sich am nächsten Morgen sogar tapfer einen Pass hochkämpfte und sich auf Grund der fehlenden Bremse etwas schief die Hügel hinunter schob. Als hätten wir am Vorabend noch nicht genug Aufregung gehabt entdeckte ich vorm Schlafengehen im schwachen Licht des Lagerfeuers unter KKs Stuhl einen großen Skorpion. KK zuckte zusammen und leider musste der Skorpion aufs Feuer, da er sonst wieder zurückgekommen wäre und wir alle Lust auf eine ruhige Nacht hatten.







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  2. Fuchs
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #2
    (7. Februar) Köstlich, der Morgen begann mit Benzin-durchzogenem Toast, Tee mit Benzinzucker und Benzin-Rülpsern. Es kann nur besser werden, würde man denken. Unglaublicherweise schaffte unser Auto auch noch den restlichen Pass und wir fuhren an „Red Drum“ (Orientierungspunkt) vorbei in Richtung Wüste. Jetzt kann doch nichts mehr schiefgehen, dachten wir, wollten es aber noch nicht laut aussprechen. Die Straße vor uns flimmerte, rund um uns Sand in unterschiedlichsten Farben und eine unfassbare Weite. Hin und wieder sah man abgemagerte Kühe, Springböcke und Vogelsträuße. Kleine Windhosen wirbelten den Sand auf und zogen an uns vorbei.

    Ohne Vorwarnung wurden wir langsamer und KK sagte, dass wir im Sand stecken bleiben werden. Dann standen wir, nichts ging mehr, weder vor noch zurück. Die Vorderreifen blockierten, anscheinend hatte das Getriebe jetzt aufgegeben. KK erklärte uns, dass es „too fucking hot“ für das Auto sei (das Fluchen adaptierte er von Gabriel) und so saßen wir die nächsten viereinhalb Stunden unter einem Baum. Der Schweiß tropfte auch im Sitzen von der Stirn und gelegentlich staubte uns eine Sandfront komplett ein.






















    Endlich war es halb 5 und wir starteten einen neuen Versuch. Die Hinterreifen drehten durch, die vorderen blockierten, nichts hatte sich verändert. Der Allrad-Antrieb war übrigens schon lange ausgefallen, ist ja klar. Nach längerer Diskussion mit KK beschlossen Gabriel und ich, zum nächsten Himba-Dorf zu gehen, da unser Wasser knapp wurde. Rucksäcke umpacken, Auto ausräumen und Abmarsch. Doch gerade als wir los wollten, kamen drei Männer und ein kleines Kind auf ihrem Moppet und versuchten auch ihr Bestes, um die Karre wieder zum Leben zu erwecken. Plötzlich löste sich die Sperre im Getriebe. Gabriel und ich konnten es schon gar nicht mehr fassen, dass dieses Ding immer wieder weiter fuhr. Nach einer wunderschönen Abendstimmung erreichten wir das Ende des Marienflusstals und damit Camp Syncro in Otjinhungwa. Wir waren überglücklich, endlich angekommen zu sein. Sarah und Ryan, die das Camp betreiben, erwarteten uns bereits.



















    8. Februar: Alles anders

    „Manchmal muss man wahrscheinlich ans Ziel kommen, um zu erkennen, dass es doch nicht so erstrebenswert ist, wie gedacht.“

    Das ist der erste Satz den ich am 8. Februar in mein Tagebuch geschrieben habe. Nach einem sehr ausgiebigen Frühstück mit Knuspermüsli machte sich KK auf den Heimweg. Wir schlossen Wetten darüber ab wie lange seine Reise dauern würde. Es tat uns leid, dass er nun alles alleine bewältigen musste.

    Wir erzählten Sarah und Ryan, den Besitzern von Camp Syncro am Kunene River, erneut von unserem Vorhaben und sie berichteten uns von einem Himba-Mädchen, das vor wenigen Tagen von drei Krokodilen gefressen wurde. Von Leoparden und aggressiven Pavianen in den Bergen. Von ausgetrockneten oder verseuchten Wasserlöchern, von unerträglicher Hitze während der Mittagszeit, usw. Mir wurde schon leicht übel und als wir dann noch einmal den ersten Tag genau durchbesprachen, war es aus:

    1. Tag: über 1000 Höhenmeter bergauf, 30 km, 35 kg Rucksackgewicht (da wir mit 15 Litern Wasservorrat in den Tag starten mussten), am Ende eine Schlucht, aus der wir irgendwie Wasser holen mussten, Krokodile im Fluss, 40 Grad im Schatten, keine Menschen, Leoparden, Skorpione... das war zu viel für mich.

    Ich wusste sofort, dass ich dieses Risiko nicht eingehen wollte. Klar kann man jetzt sagen, ich hab doch schon vorher gewusst, dass es hart wird. Ja, aber vor Ort zu sein, die Hitze zu spüren und ahnen zu können wie schnell es ohne Wasser zu Ende sein könnte hat meine Stimmung verändert. Logisch war Gabriel nicht sonderlich erfreut, da er der Meinung war, die Tour so geplant zu haben, dass sie machbar wäre. Er gab auch zu, dass ein hohes Risiko bestand; dass etwas schief gehen könnte und wollte dieses Risiko auch eingehen. Ich jedoch auf keinen Fall, da mir mein Leben mehr Wert war als diese Tour.

    Kommentar Libertist: Es ist nicht so, als sei mir mein Leben nicht auch wichtig. Nur lebe ich es vielleicht ein bisschen anders.

    Die Situation war denkbar beschissen. KK war schon am Heimweg. Unsere Tour mit dem Ziel der Epupa Falls wäre die einzige Möglichkeit aus der Wüste hinaus gewesen, die uns hätte in Zivilisationsnähe und damit zurück nach Opuwo bringen können. Und von Sarah und Ryan wussten wir, dass in den nächsten Wochen keine Touristen angekündigt waren, die uns hätten mitnehmen können. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Hätte ich es vorher wissen müssen? Hätte ich mich genauer mit der Route befassen müssen? Wieso will ich das alles überhaupt? Usw...

    Nach einem längeren klärenden Gespräch haben wir uns entschieden, nach einem Ortskundigen zu suchen und entlang des Kunene Rivers zu den Dünen im Hartmannstal zu wandern. Sarah und Ryan waren eine große Hilfe, da sie uns versprachen, nach dem Ende unserer Tour mit uns nach Opuwo zu fahren. Nach einem Spaziergang zu den lokalen Himbas und einem Gespräch mit allen Männern, die dort zu finden waren, hatten wir einen „Guide“ gefunden. „Something“ hieß er. Something hatte spontan Zeit, „gute“ Schuhe und kannte sich in der Gegend aus. Er sprach längst kein so gutes Englisch wie KK, war jedoch sehr höflich, bedankte sich für alles und verstand unseren (vor allem Gabriels) Humor. Am Abend hatte sich die aussichtslose Situation gewendet.

    Kommentar Libertist: Ich hätte die geplante Tour von Otjinhungwa (Marienfluss) bis zu den Epupa Falls zu gerne durchgezogen. Aber Katharina hatte plötzlich Angst bekommen – und egal, ob diese berechtigt war oder nicht: unter diesen Umständen war klar, dass wir eine Alternative brauchten. In Erinnerung an das anfängliche Desaster in Karamoja vor zwei Jahren wusste ich, dass die Hilfe von Bewohnern und Ortskundigen absolut entscheidend sein kann, wenn es darum geht, eine schwierige Tour zu realisieren. Da Katharina nicht nach Osten über die Berge wollte, blieb uns nur der Weg nach Westen – in die Wüste. Wenn wir nicht nur am Kunene River entlanggehen wollten, konnten wir diese Richtung auf keinen Fall ohne Guide einschlagen - daran gab es für mich keine Zweifel, nachdem ich vor zwei Jahren aufgrund einer ähnlichen Entscheidung schon mal fast verdurstet wäre. Nun findet man in Afrika wahrscheinlich an jeder Ecke einen „Guide“, wenn man mit der entsprechenden Bezahlung wirbt. Die Herausforderung besteht darin, jemanden zu finden, der sich wirklich auskennt und gerne zu Fuß unterwegs ist. Something lag unterm Baum und schlief, als wir ihn auftrieben; er war arbeitslos, wie die meisten Dorfbewohner Otjinhungwas (es gibt dort auch nicht mehr, als einen kleinen Shop, eine Schule und zwei Camps). In ganz einfachem Englisch stellten wir ihm einige Fragen zur Gegend, die er mehr oder weniger kompetent beantworten konnte. Natürlich hatte Something in den kommenden beiden Wochen nichts vor, was denn auch!? Mir kam er zwar nur mäßig kompetent vor, dafür aber aufrichtig, leidenschaftlich und liebenswürdig. Wir einigten uns blitzschnell auf die Bezahlung und schon war Something ein „Guide“. Unser Guide.


    Otjinhungwa (Marienfluss).



    Something, der sich bereit erklärte, uns für die nächsten zwei Wochen zu begleiten.



    Sportunterricht in Otjinhungwa.








    9. bis 23. Februar: 15 Tage auf Tour

    Wasser
    Vorab vielleicht schon das Wichtigste: genug Wasser mitnehmen, auch für den Notfall!
    Wir mussten Something immer sehr genau fragen, wie weit wir von der nächsten Wasserstelle entfernt waren und wie lange es dorthin dauern würde. Ich habe anfangs, ohne die Mahlzeiten einzurechnen, 6 Liter am Tag verbraucht und Gabriel circa 9. Jedoch sinkt der Wasserbedarf, je besser man sich an die Temperaturen gewöhnt hat.

    Distanzen pro Tag
    Something hatte nie gelernt, Entfernungen in Kilometern anzugeben, das hat die Wasserplanung anfangs ziemlich erschwert (für uns war es essentiell, zu wissen, wie weit es bis zur nächsten Wasserstelle sein würde, damit wir nicht viel zu viel oder viel zu wenig Wasser mitnehmen würden). Gabriel hat mit ihm geübt und zum Schluss konnte er Distanzen bis auf einen halben Kilometer genau abschätzen. Zudem mussten wir ihm erklären, dass 10 Kilometer in Abhängigkeit vom Gelände manchmal 3 Stunden und manchmal einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Wir sind durchschnittlich 17 Kilometer und etwa 500 Höhenmeter am Tag gegangen. Für die ersten Tage war das genug, um sich an die Hitze zu gewöhnen. Gegen Ende hin hätten wir deutlich mehr geschafft, aber wir wollten nicht früher im Camp Syncro ankommen, als nötig – die Landschaft war einfach zu schön.

    Gelände:
    Der heiße Sand kann einen zum Verzweifeln bringen. Wenn es eben dahingeht, kein Problem. Dünen runter laufen ist auch noch lustig, aber rauf ist es wirklich anstrengend. Wir hatten meistens nur sehr kurze Abschnitte in denen wir Dünen hinaufsteigen mussten. Meistens gingen wir auf Fels oder grobkörnigen Sand und das ging problemlos.

    Kommentar Libertist: Das Gelände an sich war in der Tat nicht übermäßig schwierig. Hin und wieder der Marsch über die Dünen, okay, das ist mühsam. Aber die eigentliche Herausforderung lag, wie eingangs erwähnt, in der Hitze. 45°C waren zum Mittag keine Seltenheit. Unsere Klamotten waren immer nassgeschwitzt; ob wir gerade unterwegs waren oder Pause machten, spielte dabei keine Rolle. Manchmal wehte ein leichtes Lüftchen, das wirkte dann ungemein belebend und erinnerte uns daran, dass es irgendwo auf dieser Erde noch etwas anderes gab, als Hitze, Schweiß und Wüste. Ich möchte niemandem Angst machen, im Gegenteil: Trekking in solchen Gegenden ist herausfordernd, aber extrem belohnend. Nur, nehmt genügend Wasser mit.


    Drei Oryxantilopen (unten rechts) ziehen durch die Wüste.


    9. Februar: Camp Syncro – Otumongo

    So, erster Tag und es geht los mit einer halben Stunde Verspätung - Something besitzt keine Uhr. Schon bald muss ich über uns drei schmunzeln. Zwei schwer beladene, vor Sonnencreme glänzende und mit Stöcken dahinstapfende Touris und ihr Guide mit meiner Ultralight-Sporttasche am Rücken, lässig schräg sitzender Baseballkappe und kaum befülltem Wasserkanister in der Hand.

    Wir hielten bei einer guten Wasserstelle an; es war sehr einladend, auf der flachen Sandbank die Füße ins Wasser zu halten…aber die friedliche Stimmung war trügerisch, da die Krokodile überall sein konnten. Bei der ersten Wasserauffüllaktion ging dann auch gleich mal alles schief. Ich hatte anfangs zu viel Angst, Wasser zu holen, daher ist Gabriel auf einen Stein runter geklettert und hat seine Nalgene-Flasche am Verschluss ins Wasser gehalten. Leider war die Strömung zu stark und so schwamm die gute Flasche davon.

    Gabriel: „Ich spring ihr nach, das gibt’s doch nicht!“
    Ich: „Spinnst du, du kannst nicht springen, da sind KROKODILE!“
    Gabriel: „Nein, ich sehe keine, ich springe, das kann jetzt nicht wahr sein!“

    ...Jaja später war die Situation dann ganz amüsant und Gabriel ist natürlich nicht gesprungen.
    Wir haben unseren Nachmittag um 15 Uhr wieder gestartet. Es war noch heißer geworden und wir hatten eine kleine Bergetappe vor uns. Nach einer Stunde mussten wir wieder im Schatten Pause machen, es war viel zu heiß. Meine Haare am Arm hatten sich zum Schutz vor der Sonne aufgestellt und ich hatte so etwas Ähnliches wie Gänsehaut. Gabriel hatte schon wieder über einen Liter Wasser weggesoffen und mir kamen immer wieder Gedanken an unseren ursprünglichen ersten Tag. Ich war mir sicher, dass wir es nicht geschafft hätten.

    Kommentar Libertist: Naja...

    Nach einer einstündigen Pause gingen wir weiter, jedoch nicht lange, da der weitere Weg hinauf in die Berge führte und wir am Wasser zelten mussten. Dort trafen wir zwei Jungs mit ihrem Floß. Sie paddelten mit den Füßen im Wasser nach Angola auf der anderen Seite des Flusses. Äußerst mutig.


    Anfangs folgten wir noch dieser Piste, die dann bald verschwand.


























    10. Februar: Otumongo – Okavaramua

    5:00 Tagwache... puh das ist schon heftig, dafür wurden wir nach der morgendlichen Bergetappe mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Der Wind war noch angenehm „kühl“ und die Stimmung ausgelassen und heiter. Nach unserem Mittagsschlaf (meistens mussten wir die heißesten Stunden irgendwie überbrücken) ging es über eine ziemlich steile Felswand weiter. Gabriel war der Meinung, dass er diesen Weg mit seinen Klienten in Alaska niemals gehen würde. Es war prinzipiell gut zu gehen, jedoch wäre man bei einem Fehltritt höchstwahrscheinlich den Felsen heruntergefallen und im Fluss gelandet. Gerade an der schwierigsten Stelle haben wir unter uns das erste Krokodil im Fluss schwimmen sehen. Super timing.











































    Am Abend gab es die erste größere Waschung. Gabriel und ich saßen abwechselnd wache, während sich der/die andere den Sand vom Körper schabte. Als wir später im Zelt lagen, war das ganze Waschen schon wieder umsonst, der heiße Sandsturm hatte uns nämlich während des Essens wie zwei Schnitzel einpaniert. Wir haben mal wieder Tränen im Zelt gelacht. Ich war unter anderem der Meinung, dass ich wie ein Reaktor glühe und es vom Boden raufkocht. Unter unseren Isomatten (mein Exped-Modell war ja zum Glück auch noch mit extra warmer Daune gefüllt) war der Zeltboden abartig heiß und Gabriels Armbanduhr zeigte angenehme 36 Grad. Perfekt um einzuschlafen.


    11. Februar: Okavaramua – Kuenene River Camp

    Der Vormittag war mit einer kleinen Bergetappe, einem sehr anstrengenden Dünenabschnitt und einer 30-köpfigen Pavian-Familie sehr reich an Ereignissen. Wir wussten jetzt, wieso Something nicht einfach durch die Dünen gehen wollte. Der Sand war schon vormittags so heiß, dass das Plastik an unseren Schuhen manchmal zum Stinken angefangen hat. Zudem haben sich die Schuhe sehr schnell mit dem Sand angefüllt und sehr viel heißer hätte er nicht sein dürfen, sonst wäre es schmerzhaft geworden. Die Paviane waren außer sich darüber, dass wir durch ihr Revier spazierten, jedoch stellten sie keine ernsthafte Gefahr für uns dar, da sie alle genug Abstand von uns hielten.































    Leider war unser Tag am Kuenene River Camp (wo wir eigentlich nur unsere Mittagspause verbringen wollten) beendet, da sich herausstellte, dass unser Guide die Wasserlöcher in der Region doch nicht so gut kannte, wie er zuvor angegeben hatte. Höchstwahrscheinlich gab es gerade gar keine Wasserlöcher. Gabriel und ich waren mittlerweile daran gewohnt, dass unsere Pläne auf dieser Reise ständig angepasst werden mussten. Schlussendlich entschieden wir, nach Süden zu gehen, wo sich mitten in der Wüste des Hartmanntals ein unscheinbarer Landestreifen für Buschflugzeuge befand. Dieser war immer noch 25 km Luftlinie entfernt, aber das war machbar, zumal es dort Wasser gab. Something war um uns besorgt, aber der Meinung, wir könnten es schaffen. „Don’t worry! You must be strong. You must walk with your heart“, hat er zu uns gesagt.

    Kommentar Libertist: „You must walk with your heart“ – das hat mir ziemlich gefallen. Something war echt ein liebenswürdiger Zeitgenosse.


    12. Februar: Kuenene River Camp – Air Strip

    Puh seit 5:30 Uhr jagd ein Anstieg den nächsten. Anfangs gab es eine Straße, doch sehr bald verwandelte sich diese in zwei Reifenspuren im Sand und wir sind bei jedem Schritt neu eingesunken. Es war ein glücklicher Zufall, dass am späteren Vormittag dichte Wolken aufzogen und wir den ganzen Weg, der ständig leicht bergauf ging, im leichten „Schatten“ gehen konnten. Es waren keine Bäume mehr zu sehen und die Büschel Gras waren, bis auf die kurzen vertrockneten Halme, abgefressen. Die Umgebung war wunderschön und doch auch extrem lebensfeindlich. Der letzte Anstieg über eine hohe Düne, bevor wir ins Tal des Air Strips kamen, war sehr anstrengend. Dass dieser blöde Sand auch immer nachgeben muss, dachte ich mir bei jedem Schritt, müüühsam!

    Der Blick ins nächste Tal war dafür postkartenreif. Die Sonne knalle auch wieder vom strahlend blauen Himmel und über dem weißen Sand flimmerte die Hitze.

    Als ich endlich meinen schattigen Baum (Gabriel und Something saßen einige Zeit unter einem anderen) erreicht hatte, lag ich einige Minuten regungslos, alle viere von mir gestreckt, am Boden. Fuck war das heiß! Leider wurde die Ruhe von kleinen prähistorisch ausschauenden Oryx-Zecken gestört, die natürlich nur mein Blut trinken wollten. So hatte ich eine große violette Beule an der Wade und zwei kleinere Stiche am Fuß.

    Wir hatten entschieden, die nächsten drei Tage hier zu bleiben und nicht, wie geplant, weiter nach Orumue im Süden zu gehen. Das Risiko war zu hoch, da wir den Ort nicht im GPS gespeichert hatten und auch nicht genau wussten, ob wir dort Wasser finden würden. Something machte nur sehr vage Angaben und war sich selbst nicht sicher.

    Wir spazierten zum kleinen Flugplatzklohäußchen (unsere Wasserquelle für die nächsten 3 Tage) mit genialem Ausblick auf den Sonnenuntergang und einer perfekten Duschmöglichkeit. Daran merke ich immer wieder, mit wie wenig und mit welch einfachen Dingen ich überglücklich sein kann.

    Der Abend war ausgesprochen kühl und unserem armen Something klapperten die Zähne. Er musste sich von Gabriel extra noch ein langärmliges Shirt ausborgen, um nicht abzufrieren. Alles unter 25 Grad war sehr kalt für ihn.

    Kommentar Libertist: Ach ja, das Merino-Shirt. Ich hab’s nicht vermisst.































    13. bis 15. Februar: Erkundungstouren rund um den Air Strip

    Die nächsten Tage waren noch einmal eine Steigerung der Schönheit und Weite der Wüste. Wir unternahmen ausgedehnte Tagestouren, in denen wir unser Lager vor Sonnenaufgang verließen und erst bei Einbruch der Dunkelheit zurückkehrten. Dabei nahmen uns viel Zeit zum Fotografieren und Erkunden. Es war auch sehr angenehm, einfach mal alleine unterwegs zu sein. Something langweilte sich zwar in den langen Fotopausen und wechselte mehrmals den Baum, bis er endlich einen „good shadow“ gefunden hatte, aber damit musste er wohl klarkommen.




















































    Eine der Mittagspausen verbrachten wir weit oben auf einem der umliegenden Berge in einer wunderbar kühlen Höhle. Schlafen wollte ich nicht, weil der Ausblick zu einmalig war.


    Also ich wollte schon schlafen.


































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  3. Fuchs
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #3
    Den letzten Tag verbrachten wir mit einem Himba-Ehepaar, das sich mit ihren Ziegen, ganz alleine, in der Nähe des Landestreifens niedergelassen hatte. Es war bei weitem die einfachste Hütte, die wir bis jetzt gesehen hatten. Obwohl sie wenig hatten, wurden wir zu Maismehlbrei mit Zucker eingeladen. Das Wasser bewahrten sie in alten Schwerölkanistern auf und wir mussten wieder an die Benzinrülpser denken. Zum Glück schmeckte es nicht danach.

    Sie führten uns zu ihrem Wasserloch. Es war ein kleines Loch im ausgetrockneten Flussbett, das sie sich mit Kaulquappen, Ziegen und Wildtieren teilten. Something genoss es, endlich wieder mit Landsleuten zu reden. Anscheinend gab ihm das auch den Mut uns zu sagen, dass er seine gesamten Tagesrationen an Nüssen und Keksen bereits aufgegessen hatte. Wir waren schockiert. Vor allem war Gabriel von seinem sparsamen Guide in Uganda ausgegangen und deshalb sichtlich überrascht. Somethings Argument war: „It give me energy. I need more food. I cannot be hungry.” Total verständlich und er hatte auch wahnsinniges Glück, da wir in 2 Tagen nach Serra Cafema gehen wollten. Sierra Cafema ist ein luxuriöses Camp, das angeblich auch über eine kleine Einkaufsmöglichkeit für die in der Nähe wohnenden Himba verfügen sollte. Dort wollten wir für Something etwas zu Essen kaufen, bis dahin war er auf Müslidiät.







    16. Februar: Airstrip – Kuenene River Camp

    Man merkte, dass wir uns schon langsam an die Temperaturen gewöhnt hatten. Den Weg zum Camp haben wir im Stechschritt zurückgelegt und zwischendurch war auch noch Zeit für eine lustige Dünen Fotosession, wobei sich Something als „Fotograf“ ausprobieren durfte: Gabriel baute seine Kamera aufs Stativ und stellte alles ein, Something sollte auf Kommando den Auslöser gedrückt halten.

    Gegen Mittag biss die Sonne wieder an meinen Armen und Händen. Something gab dann einen sehr passenden Kommentar ab: „My skin is not afraid of the sun. Your skin is afraid of the sun!“ Wie wahr. Das wurde durch den Sonnenbrand an meinen Fingern sehr deutlich.































    17. Februar: Kuenene River Camp – Serra Cafema

    „Ich will nicht aufstehen... noch 10 Minuten...“ Wir waren beide sehr, sehr müde in der Früh. So müde, dass Gabriel nicht wie sonst mit Something schon beim Aufstehen Schmähchen führte, sondern in Ruhe seine Sachen packte. Something war daraufhin so beunruhigt, dass er es bei der ersten Pause ansprach. „Gabriel, I cannot feel ok if you don’t talk.“ Wir mussten alle ziemlich lachen.

    Kommentar Libertist: Oh Gott, Something; so niedlich, dieser Kerl. Da hab ich mal für ein paar Stunden geschwiegen und schon war er besorgt um mich!

    Als wir im absoluten Luxuscamp Serra Cafema ankamen, war die erste Frage der Mitarbeiter, wo denn unser Fahrzeug sei. Als ihnen klar wurde, dass wir zu Fuß unterwegs waren, und das schon seit fast zehn Tagen, wurden wir zu einer kleinen Sensation. Generell wurden wir mit offenen Armen empfangen, durften uns beim Kaffee und Kuchen-Buffet bedienen, was wir ausgiebigst taten, während wir warteten, bis die Crew mit ihrer Dienstbesprechung fertig war. Der kleine Shop hatte schon lange keine Vorräte mehr, hieß es, sie müssten uns die Nahrungsmittel aus ihrer eigenen Küche bringen. Dankbar für das Entgegenkommen erstellten wir eine Liste mit dem Nötigsten. Überraschenderweise bekamen wir alle Lebensmittel von ihnen zum Einkaufspreis. Sie waren sehr freundlich zu uns und für kurze Zeit hab ich daran gedacht, wie schön so eine Nacht in einem der flauschigen Lodge-Betten doch sein könnte. Doch 1000€ die Nacht waren mir dann doch zu viel.

    Anmerkung Libertist: Das Serra Cafema Camo ist eine äußerst luxuriöse Lodge am Kunene River, die laut Auskunft der italienischen Mitarbeiterin vor allem von Amerikanern, Schweizern und Chinesen besucht wird. Kaum einer fährt dort mit dem Auto hin; die Touristen werden von Buschflugzeugen eingeflogen, die auf dem Landeplatz landen, dessen Klohäuschen wir zuvor als Wasserquelle benutzt hatten (das war weniger unhygienisch, als es jetzt klingt – es gab auch ein kleines Waschbecken). Theoretisch ist Serra Cafema allerdings auch mit dem Auto erreichbar. Wie auch immer, ein grotesker Ort ist es jedenfalls: mitten im Nirgendwo; in einer Gegend, die aufgrund der Trockenheit sogar von den lokalen Nomandenstämmen verlassen wird, findet man nun dieses elitäre Hotel.

    Wir schlugen unser Lager nicht weit entfernt vom Camp auf. Dort verzweigte sich der Fluss in viele kleine Seitenarme und Gabriel entdeckte einen kleinen „Pool“, der für Krokodile, die aus dem Hauptstrom kommen würden, nicht ohne weiteres erreichbar war. Something gab sein Sicherheitssigel ab, absolut krokofreie Zone. Dem konnte ich anfangs nicht so vertrauen und stocherte den ganzen Pool sicherheitshalber noch einmal ab. Dann verschwand ich für eine gute halbe Stunde im Wasser, traumhaft entspannend. Als ich in der Nacht noch einmal in Richtung Pool ging, war die Entspannung wieder weg, da mich zwei rot-gelbe Augen aus dem schwarzen Nichts anleuchteten: ein Krokodil. Gabriel und Something mussten natürlich ganz nah ran an das blöde Vieh, was mich noch mehr beunruhigte. Aber sie leben noch.





    Krokodile haben wir ab und zu mal gesehen. Das ist eine Aufnahme vom Nachmittag; von den zwei leuchtenden Augen in der Nacht habe ich leider kein Foto.











    18. Februar: Wüste, Dünen und der Tod in Otjivare

    Der letzte Entdeckungstag, bevor es zurück in Richtung Camp Syncro ging, hatte es noch einmal in sich. Wir sind auf einen der höchsten Berge in der Umgebung geklettert und konnten fast das Flugfeld erkennen. Ich wollte unbedingt das Meer sehen, aber dafür waren die Dünen weiter westlich leider zu hoch.

    Something war den ganzen Tag nur am Nörgeln, ein lustiges Nörgeln. Es war ihm zu heiß, die Dünen würden den Tod bedeuten, er wolle da nicht runter gehen, sein Wasser im Kanister war zu warm um es zu trinken, denn er trinke nur kühles Wasser, usw. Mit dem Kommentar, dass die Dünen den Tod bedeuteten hatte er auch nicht so Unrecht. Gegen Mittag waren wir immer noch mit Fotografieren beschäftigt und es gab keinen Schatten. Zeitweise hab ich versucht in meinem eigenen Schatten Pause zu machen.

























    Der Abstieg über die Dünen zum Fluss hat mir viel Spaß gemacht. Der Sand glühte zwar in den Schuhen, aber ich wollte trotzdem hinunter laufen. Leider waren am Weg viele verendete Kadaver von Oryxantilopen. Weiter unten am Fluss konnten wir keine zwei Meter gehen, ohne auf weitere tote Tiere zu stoßen. Alle waren auf Grund der Dürre und des Nahrungsmangels verhungert.
















    Dieser Abend hat zum ersten Mal auf dieser Tour bei mir ein großes Bedürfnis nach Hotel ausgelöst. Der Wind blies haufenweise Sand ins Zelt, nach der Dusche war ich in Kürze wieder paniert wie ein Schnitzel, ein kleiner Skorpion hatte es sich in meiner frisch gewaschenen Hose gemütlich gemacht und das Essen hatte eine unverkennbare Benzinnote. Naja. Morgen wird’s wieder besser.


    19. Februar: Serra Cafema - Okavaramua

    Touristen können schrecklich sein, war die Erkenntnis des heutigen Tages. Unser Rückweg führte uns an einem Himba-Dorf nahe Serra Cafema vorbei, das wir schon zwei Mal besucht und immer nur kurz „Hallo“ gesagt hatten. Kurz bevor wir nach einem anstrengenden Anstieg im Dorf rasten wollten, wurden wir von einem Serra Cafema-Guide und zwei chinesischen Gästen im Auto überholt, die ihren Vormittagsausflug absolvierten, bevor in der Lodge das Mittagessen wartete. Sie waren fasziniert von unserer Tour und so wurden wir auch sofort von ihren i-Phone Kameras abgeschossen. Was sich dann im Himba Dorf abspielte, erklärt die Haltung vieler Einheimischer zu uns Touristen. Es fühlte sich alles so falsch an. Die Frauen ohne traditionelle Kleidung durften nicht aus ihren Hütten kommen. Der Rest versuchte den Männern Schmuck zu verkaufen. Diese machten Fotos von ihnen und dann fuhren sie wieder. Der kulturelle Austausch blieb auf der Strecke, da ihr Guide zwar perfektes Englisch, nicht aber die Sprache der Himba, Otjiherero, beherrschte. Später erklärte uns KK, dass manche Dörfer nur noch für die Touristen bestünden, da die Rinder alle starben und die Dorfbewohner ohne dem Geld der Touristen abwandern müssten. So saßen Bewohner dieser Dörfer den ganzen Tag vor ihren Hütten und warteten auf uns Touris, eine traurige Sache.

    Der restliche Tag verlief problemlos und wir hatten zwei Tagesetappen an einem geschafft. Wie immer auf dieser Reise, kamen alle Tiere gerne zu mir, so auch diesen Abend. Mit riesigen sandfarbenen Spinnen, die über mein Bein laufen, hatte ich allerdings nicht gerechnet. Diese Begegnung hatte zur Folge, dass ich vor lauter Schreck einen kleinen Abhang hinunter kugelte und mir dabei die Schlaufe meines Crocs ausriss. „Duuu dummmmmes Viech!“













    20. Februar: Okavaramua - Otumongo

    „Ein SKORPION!!!!“ als wäre die Spinne letzte Nacht nicht genug gewesen, lief mir am Vormittag ein dicker, fetter, schwarzer Skorpion vor die Füße. Von den etwa 60 Skorpion-Arten in Namibia sind die schwarzen die gefährlichsten, laut Something kann man von einem Stich sogar sterben. Eigentlich wollte ich schon seit Tagen so einen Skorpion fotografieren - jetzt bekomm ich endlich ein Foto, oleee. Leider war ich nicht so mutig wie Gabriel, der vor dem Tier am Boden lag.

    Wir kamen schneller als erwartet nach Otumongo und zur Krönung des Tages bekochte uns Something. Er hatte von seinen Verwandten in Serra Cafema Maismehl und Zucker geschenkt bekommen. Das war eine angenehme Abwechslung zu den Nüssen und Keksen, die es sonst immer mittags gab.













    Am Nachmittag erfuhren wir, dass genau an jener Stelle, wo wir uns vor 2 Wochen im Fluss gewaschen hatten, eine Kuh von einem Krokodil angefallen und getötet wurde. Der Kadaver lag immer noch im Wasser und Gabriel konnte eines der Krokodile sehen, die daran nagten. Leider gab es an diesem Ort keine andere Möglichkeit sich zu waschen. Daher hatten wir an diesem Abend während unserer Duschaktion immer auch ein Auge auf den Kuhkadaver, in der Hoffnung, dass dieser viel spannender war, als unsere Körper.


    21. Februar: Ondungaombe Tagesausflug

    Letzter Tag auf Tour und es ging noch einmal in ein nahe gelegenes einsames Tal. Der Tag war lang und heiß. Vermutlich die unbequemste Mittagspause, die wir auf Tour hatten, da wir unter einem Steinvorsprung lagen, der zuvor noch von der Sonne aufgeheizt worden war. Bäume gab es nämlich gerade keine. Trotzdem hatten wir unseren Spaß und träumten vom kalten Bier, das wir uns am nächsten Tag, mit dem letzten Geld das wir noch hatten, kaufen wollten.



















    22. bis 23. Februar: Rückkehr zum Camp Syncro und „Höllenritt“ nach Opuwo

    Am letzten Tag ging es den kürzeren aber sehr steilen Weg zurück zum Camp. Wir waren Something sehr dankbar, dass wir diesen Weg am ersten Tag unserer Tour nicht gegangen sind.

    Sarah und Ryan haben uns zur Begrüßung gleich ein eisgekühltes Bier in die Hand gedrückt. Das war jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein und so sind wir zum lokalen Shop marschiert und haben uns zwei 0,75 l Bierflaschen gekauft und damit auf die wunderschöne Tour angestoßen. Danach haben wir den Nachmittag in einem leicht rauschigen Tiefschlaf verbracht und das Nichtstun genossen.


    Frisch geduscht.



    Something und sein bester Freund, Lehrer der Schule in Otjinhungwa.


    Nun folgte die Rückfahrt mit Ryan, der uns gegen eine faire Gebühr nach Opuwo brachte. Something hatte auch irgendetwas in der Stadt zu erledigen und kam deshalb mit. Um zwei Uhr morgens ging es los. Gabriel, Something und ich saßen hinten auf der Ladefläche des Pickups und wir rasten in einem aberwitzigen Tempo durch die Dunkelheit. Drei Tage hat unsere Fahrt hinein gedauert und in acht Stunden waren wir wieder draußen. Unfassbar. Die Strecke kam uns nach dieser Fahrt viel kürzer und machbarer vor als zu Beginn, was sicher auch im Qualitätsunterschied der Autos begründet ist.

    Endlich wieder Duschen, in einem Bett liegen und gut essen, einfach genial. Wir haben uns ein riesiges Frühstück gegönnt und sind dabei fast eingeschlafen. Die Nacht war nicht sehr erholsam. Am Abend haben wir uns mit KK zum Essen getroffen, der uns von seiner Rückreise berichtete. Wie erwartet hatte er auch wieder drei Tage aus der Wüste hinaus gebraucht. Something war natürlich auch zum Abendessen eingeladen, leider tauchte er nicht auf. Wir befürchteten, dass er einen Teil des Geldes, das wir ihm für seine Dienste gezahlt haben, gleich in irgendeiner Bar in Opuwo gelassen und es deshalb nicht zu der Verabredung mit uns geschafft hat. Aber das ist Spekulation, wir wissen es nicht.

    Kommentar Libertist: Schade war es jedenfalls. Wir hätten uns sehr gerne von ihm verabschiedet.


    24. Februar: Tagestrip zum Dorf der Ovahakaona


    Bevor ich aufgrund meines nahenden Rückflugs wieder in Windhoek sein musste, konnten wir noch einen vollen Tag im Norden des Landes verbringen. KK hat sich bereit erklärt mit uns zu einem Dorf der Ovahakaona zu fahren und für uns zu übersetzen, damit wir die Menschen ein bisschen kennenlernen und mehr von ihrer Kultur verstehen konnten. Der Anfang gestaltete sich sehr schwierig, da wir im Dorf zuerst nur auf die jüngeren Frauen trafen. Sie waren sofort der Meinung, dass wir ihnen Geld geben sollten, was zunächst einmal zu unguter Stimmung führte. Wir hatten natürlich wieder allerlei Nahrungsmittel mit, die wir am Morgen mit KK in Opuwo eingekauft hatten. Nur sollte das keine Bezahlung für irgendetwas sein, sondern ein Geschenk. KK erklärte uns, dass es in zivilisationsnahen Dörfern immer so ablaufe mit den Touristen: sie kommen, machen Fotos und geben Geld oder Essen. Die Situation löste sich, als eine Dorfälteste kam und uns erlaubte den Nachmittag mit ihnen allen im Garten bzw. auf dem Feld zu verbringen. Plötzlich war alles entspannt. Sie erzählten uns von der Dürre, von den Touristen als neue Einnahmequelle und welches Bild sie von uns Weißen hatten. Den ganzen Tag verbrachten wir dort und redeten.

    Erst am Abend, als das Licht besser war, machten wir einige Fotos. Ich hatte immer noch ein sehr komisches Gefühl dabei, die Menschen zu fotografieren. Mir waren die natürlichen Situationen, die sich ergaben, um vieles lieber und ich hatte ein besseres Gefühl dabei, wenn ich ihnen keine Anweisungen geben musste.

    Auch wenn der Anfang schwierig war, haben wir einen sehr schönen Tag mit den Ovahakaona verbracht und einen weiteren kleinen Einblick in ihr alltägliches Leben bekommen. Zum Schluss überreichten wir der Dorfältesten die mitgebrachten Nahrungsmittel, die sie hoffentlich gerecht verteilte.

















































    25. bis 26. Februar: Genussvoller Ausklang und Fazit

    Die Rückfahrt von Opuwo nach Windhunk lief problemlos. Wir haben sogar noch einmal dieses köstliche Warzenschweinfleisch bekommen. Der letzte Tag am Pool unseres Backpacker-Hostels war traumhaft, genau das richtige um alle Eindrücke nachwirken zu lassen und sich noch einen richtig schmerzhaften Sonnenbrand mit nach Hause zu nehmen.

    Das Fazit fällt sehr positiv aus. Auch wenn der Anfang holprig war, habe ich die ganze Reise sehr genossen. Meine Stimmung war durch die Wärme um vieles besser, als in Alaska. Es war weniger mühsam als gedacht und ich musste, mal von den durch die Hitze verursachten Anstrengungen, nie ganz an meine körperlichen Grenzen gehen.

    Die Wüste so hautnah zu erleben war genial. Ich kann jedem für diese Region empfehlen sich auch einen Guide, also irgendeinen ortskundigen Local, zu nehmen. Man kann sich noch so gut vorbereiten und die Karten studieren, die Locals kennen sich am besten aus und zudem lernt man so viel mehr über die Menschen und ihre Kultur.

    Mittlerweile kann ich meine Reisen auch ganz gut vergleichen. Alaska war mir eine Spur zu feucht, kalt und hart. Namibia etwas zu trocken und heiß. Kirgistan und Chile (Patagonien) waren bis jetzt, für meine Vorlieben, die idealsten Reiseländer.

    Der Reisepartner ist natürlich auch sehr wichtig. Dahingehend hatte ich mit Gabriel genau den richtigen an meiner Seite. Vertrauen, die Bereitschaft, problematische Dinge anzusprechen und mit Plänen flexibel umzugehen sind für mich wichtige Eigenschaften eines guten Reisepartners. Hiermit also ein abschließendes DANKE für die geile Zeit, hoffentlich bald wieder.


    Fazit von Libertist

    Ja, geil war’s. Ich fand die Landschaft atemberaubend, meine Erwartungen wurden eigentlich sogar noch übertroffen. Wie immer hatten wir in vielen Dingen ziemlich großes Glück: der Road Trip mit KK, Something als „Guide“, das Wetter (haha)… Mit der Hitze und Trockenheit muss man halt klarkommen, das ist sicher die größte Herausforderung in solchen Gegenden. Wie Katharina schon schrieb, halte auch ich es bei solchen Reisen für äußerst sinnvoll, einen Ortskundigen dabei zu haben. Das hat nur Vorteile: es ist sicherer, man lernt mehr und der Kontakt zu den Bewohnern fällt leichter. Seitdem ich in Alaska selbst als Guide arbeite, weiß ich, wie gewinnbringend und ausschlaggebend das für die Kunden sein kann. Wobei Katharina und ich uns nicht als Somethings „Kunden“ gefühlt haben, sondern eher als Freunde.

    Die einzige Sache, die mir auf dieser Reise nicht immer gefallen hat, war der Kontakt zu den Einheimischen, speziell zu den Himba. Dieses Volk scheint neben dem Tourismus vielerorts überhaupt keine Einnahmequelle zu haben: die Menschen sitzen eigentlich nur noch unterm Baum und hoffen, dass jemand vorbeikommt, der ihnen Essen oder Geld gibt. Die Ursachen dafür sind sicher vielfältig und haben in erster Linie mit Tourismus zu tun – Touristen machen das halt gerne: kurz aus dem Geländewagen aussteigen, ein paar Fotos von den armen Menschen machen, ein bisschen Geld dalassen und weiterfahren. Das hinterlässt bei den Einheimischen natürlich das Bild vom eilenden, sensationsgeilen, reichen Touristen, von dem man profitieren muss, so schnell und oft man kann. Ich weiß nicht, wie es dort in der Hauptsaison ausschaut (wir sind ja so gut wie gar keinen anderen Touristen begegnet), aber ganz so einsam, wie im Februar, wird es da wohl nicht sein.

    Obwohl wir zu Fuß unterwegs waren, was natürlich überall für Verblüffung und Unverständnis sorgte, bot man uns meist noch nicht mal ein Wasser an, wenn wir irgendwo auf Menschen trafen. Nach Wasser mussten wir fragen, dann bekamen wir auch immer welches. Die Menschen waren nicht wirklich unhöflich, das wäre der falsche Ausdruck. Ich vermute, sie wussten einfach nicht, wie sie richtig mit uns umgehen sollten. KK erklärte uns an unserem letzten Tag in Opuwo, dass man die Weißen nur als diejenigen kennt, die alles haben – nicht als die, die etwas brauchen könnten. Und wenn, dann würde niemand davon ausgehen, dass wir das ungefilterte Brunnenwasser trinken würden, schließlich trinken Weiße ja immer aus frisch geöffneten Plastikflaschen.

    Wie gesagt, das Thema ist komplex. Eine Folge war, dass ich kaum Fotos von Menschen gemacht habe, es sei denn, diese haben sich explizit einverstanden erklärt und die Situation war irgendwie angenehm. In Uganda haben sich mir die Gesichter regelrecht vor die Kamera gedrängt, jeder wollte fotografiert werden; in Namibia war das selten der Fall.

    Doch das hat meine Begeisterung auf dieser Reise nur wenig getrübt. Allgemein gesprochen bin ich wirklich äußerst zufrieden mit unserer Tour. Dass es zwischen Katharina und mir keine Probleme gab, war wenig überraschend – wir beide sind einfach gute Freunde, worüber ich echt sehr froh bin.

    Abschließend möchte ich noch auf die eingangs aufgeworfene Frage eingehen: Kann man in einer Wüstengegend im Süden Afrikas, wo sonst alle Touristen nur in Geländewagen unterwegs sind, überhaupt Trekkingtouren unternehmen? Ja, kann man. Man muss bloß sehr flexibel sein und sollte im Idealfall einen Einheimischen dabei haben, in erster Linie aus Sicherheitsgründen. Anders als bei meinen Reisen in kühlere Gegenden, bei denen ich mir nicht so viele Sorgen um Wasserquellen machen muss, lässt sich eine Reise wie diese halt nicht perfekt im Vorhinein planen. Improvisationsvermögen und Vorsicht bei wichtigen Entscheidungen sind hier die grundlegendsten Aspekte – alles kann sich immer ändern, das muss einem klar sein. Aber, um es mit KKs Worten zu sagen: „It’s okay. It’s Africa.“




    Ein großer Dank geht an dieser Stelle noch an katun, die während der Reise immer mal wieder etwas für uns recherchierte und die benötigten Informationen per SMS an mein Satellitentelefon sendete. Ohne sie wäre ich schon auf einigen Reisen nur halb so informiert gewesen.

    Der zweite Teil meines Namibia-Berichts kommt demnächst.
    Geändert von Libertist (24.02.2016 um 05:25 Uhr)
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  4. Moderator
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    Avatar von Vegareve
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #4
    Oh man, mal wieder zum verzweifeln toll .
    "Niemand hört den Ruf des Meeres oder der Berge, nur derjenige, der dem Meer oder den Bergen wesensverwandt ist" (O. Chambers)

  5. Fuchs
    Avatar von Nita
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #5
    Wow, diesmal sogar mit etwas mehr (und sehr gutem!) Text! Und wie immer: Danke fürs Teilen mit uns.

  6. AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #6
    Aaarghhh! Schon wieder so ein genialer Bericht. Verdammt schon wieder Fernweh! Vielen Dank!

  7. Erfahren
    Avatar von Kuoika
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #7
    Zauberschön.

    Danke für´s Mitnehmen auf Eure Reise!

  8. Alter Hase
    Avatar von peter-hoehle
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #8
    Danke für der super Reisebericht.
    Das steigert die Vorfreude, denn am 9. November geht der Flieger nach Windhoek.

    Gruß Peter
    Wir reisen um die Welt, und verleben unser Geld.
    Wer sich auf Patagonien einlässt, muss mit Allem rechnen, auch mit dem Schönsten.

  9. Erfahren
    Avatar von Biki
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #9
    Sehr schön zu lesen. Danke!

  10. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #10
    Obwohl ich die Hitze meide: Einfach wunderbar, von euch so warm mitgenommen zu werden.
    Wieder mal tolle Fotos und ein sehr gut geschriebener, sehr ehrlicher Bericht.
    Vielen Dank für ganz zauberhafte Momente.
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  11. Dauerbesucher
    Avatar von grenzenlos
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #11
    Super Bericht, prima Bilder . Einige Bilder sind Extraklasse!
    LG, Wi
    Unsere Webseite: http://www.grenzenlosabenteuer.de

    Gruß, Wi grenzenlos

  12. Dauerbesucher
    Avatar von MatthiasK
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #12
    Sehr unterhaltsam zu lesen! Danke für´s einstellen!

  13. Erfahren
    Avatar von Fliehender
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #13
    Tollen Bericht hat Katharina da geschrieben. *duck und weg*

    OT: Bilder gehen auch durch den Tüv.

  14. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #14
    Beeindruckende Tour, durch eine faszinierende Landschaft.

    Auf zwei Bildern sind lange Spuren zu sehen, die höher als der umgebende Sand sind. Was sind das für Spuren?
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  15. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #15
    geile Tour!!!!
    ........interessant geschrieben mit super Fotos

  16. Fuchs
    Avatar von Libertist
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #16
    Danke schon mal an alle!

    Zitat Zitat von blauloke Beitrag anzeigen
    Auf zwei Bildern sind lange Spuren zu sehen, die höher als der umgebende Sand sind. Was sind das für Spuren?
    Meinst das hier?



    Die Spur liegt nicht höher als der Sand, sondern schneidet einige Zentimeter in den Sand ein. Stammt von Oryxantilopen, die dort zu hunderten unterwegs sind. Aber vielleicht meinst du auch etwas anderes?
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  17. Erfahren
    Avatar von joeyyy
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #17
    Danke!

    Tolle Bilder mit viel Gefühl für die Situation, das Licht und das Motiv. Authentischer Bericht, geschrieben von einer Reisepartnerin, die offensichtlich genau das rechte Maß an Korrektur für ihren Partner in der rechten Weise eingebracht hat.

    Ich freue mich auf den nächsten Teil.

    Gruß, Jörg.
    www.gondermann.net
    Reisen - Denken - Leben

  18. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #18
    Ein tolles Gemeinschaftswerk von euch beiden - Hut ab! So etwas inspiriert, nicht nur zum eigenen Reisen, sondern auch, das eigene Schaffen zu verbessern (und in meinen bisherigen Berichten ist noch ordentlich Luft nach oben).

    Schön, daß auch eine Landkarte dabei ist! Ich mag so etwas immer sehr (und mache das ja mitunter auch selbst).

    Außer den Fotos noch ein wenig mehr textliche Ausführungen zur Kultur der Menschen dort würden mich persönlich interessieren, aber vielleicht teilen nur wenige diese Ansicht.

  19. Erfahren

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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #19
    Danke für den schönen Bericht mit den tollen Bildern: Gibt die Trockenheit und Weite der namibischen Wüste wunderbar wieder. Weckt richtig die Lust nach heissem Sand und Stein.

    Tja, Autopanne im Kaokofeld...treffend beschrieben. Durften wir auch erleben und hat uns zu mehreren Tagen Orupembe und netten Begegnungen mit den Einheimischen verholfen.

    Ist eigentlich Koos Vervey nicht mehr im Camp Syncro? Und habt ihr keinen Hut oder Kappe dabeigehabt?

    Viele Grüsse,
    tizzi

  20. Fuchs
    Avatar von Libertist
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    AW: [NA] Namibia 2015 (1/2): Kaokoland Trekking

    #20
    Zitat Zitat von OutofSaigon Beitrag anzeigen
    Außer den Fotos noch ein wenig mehr textliche Ausführungen zur Kultur der Menschen dort würden mich persönlich interessieren, aber vielleicht teilen nur wenige diese Ansicht.
    Hm, ja, da kann man bestimmt noch mehr schreiben. Die Schwierigkeit liegt dann immer darin, dass alle unsere Eindrücke sehr subjektiv sind und der eine oder andere "Eindruck" hier schnell eine Kontroverse auslösen kann, weil er eher als "Meinung" verstanden wird. Über fremde Kulturen zu berichten und diese vielleicht sogar ein bisschen in "Schubladen" einzuordnen fällt mir deshalb nicht so leicht, zumal sieben Wochen ja nun auch keine so lange Zeit ist, wenn man eine Kultur kennenlernen will. Aber wenn du konkrete Fragen haben solltest, versuche ich gerne, diese zu beantworten.


    Zitat Zitat von tizzano1 Beitrag anzeigen
    Ist eigentlich Koos Vervey nicht mehr im Camp Syncro? Und habt ihr keinen Hut oder Kappe dabeigehabt?
    Ich weiß nicht, wer Koos Vervey ist, aber in Camp Syncro gab es vor einiger Zeit mal ein Feuer und auch eine Überschwemmung. Irgendwann zu dieser Zeit wurde das Camp verkauft; so haben es uns Sarah und Ryan erzählt. Sie sind erst seit ein oder zwei Jahren Besitzer des Camps.

    Hüte, ja, hatten wir dabei. Aber unter denen schwitzt man ja noch mehr... Anfangs haben wir sie noch hin und wieder getragen, dann irgendwann gar nicht mehr. Katharina meinte, unsere Hüte seien jetzt auch nicht gerade fürs Modeln geeignet.

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