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  1. Fuchs
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    [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #1
    Mitreisende: Libertist, Wildniswanderer
    Land: Uganda
    Reisezeit: Februar/März 2013
    Dauer: 5 ½ Wochen


    Auf meiner Website gibt's noch mal 100 weitere Bilder, alle in höherer Auflösung. Wegen der Ladezeiten gibt's hier nicht alles zu sehen, sind ohnehin schon zu viele Fotos.

    Zusammenfassung

    Am 1. Februar flogen Gerald (Wildniswanderer) und ich nach Uganda und fuhren mit dem Bus gleich weiter in Richtung Osten. Dort bestiegen wir den Mt. Elgon und marschierten anschließend immer entlang der Grenze zu Kenia weiter nach Norden, quer durch Karamoja. Nach etwa 3 ½ Wochen wurde Gerald krank und musste heim fliegen, ich marschierte noch etwas weiter und beendete die Reise am 10. März.

    Diese Tour war in vielerlei Hinsicht ein Wagnis, zumal es aufgrund der Sicherheitslange quasi keinen Tourismus gibt. Wir glauben, dass es seit dem Ende der Kolonialzeit keinen Weißen mehr gegeben hat, der Karamoja zu Fuß durchquerte – wir stießen auf Nomaden, die in bestimmten Gegenden überhaupt noch nie einen Weißen gesehen hatten! Dieses Gefühl, hier etwas „Neues“ zu wagen, in Verbindung mit der typisch afrikanischen Flora und Fauna sowie der Nähe zu den traditionell lebenden Menschen machte diese Reise für mich zu einem unvergesslichen Abenteuer! Meinen ersten Afrika-Aufenthalt hätte ich mir nicht besser vorstellen können.










    Vorgeschichte

    1. Auswahl des Reiseziels und Vorbereitung

    Mein Sommer 2012 war nass und kalt. Auf dem Rückflug von Alaska nahm ich mir fest vor, im Winter nach Afrika zu reisen – nicht bloß, um mal abends im T-Shirt am Lagerfeuer sitzen zu können, sondern auch, um wieder Spaß am Fotografieren zu gewinnen. Denn was die Knipserei angeht, empfand ich den vergangenen Sommer als ziemlich ernüchternd; ich hatte sozusagen mal wieder Lust auf gutes Licht.

    Also, Afrika sollte es werden, Ost-Afrika am besten. Ob man nun nach Kenia, Äthiopien, Uganda oder Tansania fliegt, spielt finanziell keine so große Rolle; ich war also für alles offen und beschäftigte mich zunächst einmal mit Äthiopien. Fakt war, dass ich keine klassischen Touristengebiete besuchen wollte: wie so oft suchte ich nach einem möglichst exklusiven Reiseziel, das landschaftlich schön, kulturell interessant und trotzdem noch irgendwie „ursprünglich“ (also touristisch wenig erschlossen) ist. So etwas in Afrika zu finden ist gar nicht leicht.

    Die Idee, Karamoja zu bereisen, ergab sich bei einem Telefonat mit Gerald aka Wildniswanderer. Wir hatten vorher schon einige Male miteinander telefoniert und ich wusste, dass Gerald mir aufgrund seiner Afrika-Erfahrung sicher bei der Reiseplanung helfen könnte. Er schlug mir also Karamoja vor, weil er da selber gern einmal hinwollte… also begann ich, ein paar erste Informationen zur Region zu sammeln. Er selbst könne nicht mitkommen, meinte er, schließlich ist man ja berufstätig.

    Karamoja ist die östlichste, ärmste, trockenste, traditionellste und gefährlichste Region Ugandas. Bis vor kurzem kam es dort ständig zu Ausschreitungen, Überfällen und Viehdiebstählen; es gab ständig Unruhen. Verschiedenste Stämme der auch als „Nomad Warriors“ bekannten Viehnomaden klauten einander gegenseitig die Tiere, was meistens blutig endete und Vergeltungsschläge nach sich zog. Dabei gab es Zeiten, in denen fast jeder männliche Viehhirte eine AK-47 bei sich trug; man sagte uns, die Männer trugen Waffen wie Gehstöcke. Inzwischen hat es die Regierung geschafft, die Bewohner Karamojas größtenteils zu entwaffnen, was die Sicherheitslage deutlich verbesserte. Trotzdem warnen die Botschaften aller westlichen Länder noch immer vor einem Besuch Karamojas – während andere Teile Ugandas als sehr sicher und teilweise bereits als ziemlich touristisch gelten, besteht im Falle Karamojas noch immer eine Reisewarnung, auch vom Auswärtigen Amt in Deutschland.

    Gleichzeitig wurden im letzten Jahrhundert aber auch einige Naturreservate und Schutzgebiete eingerichtet, was darauf hindeutete, dass es in der Region möglicherweise noch einiges an wilden Tieren geben könnte. Das sah zumindest erst mal vielversprechend aus.

    Auch schien es tatsächlich noch sehr viele Viehnomaden in der Gegend zu geben. Mir war es wichtig, ein „traditionelles Afrika“ zu bereisen und eine Kultur kennenzulernen, die mir bisher fremd war. Karamoja schien dafür prädestiniert zu sein. Überhaupt schien die Region alles zu haben, was ich mir für meine erste Afrika-Reise wünschte – und durch die akuten Reisewarnungen gab es noch nicht mal irgendwelche Touristen… perfekt!

    Nun bin ich auf dem Gebiet der Wildnisreisen zwar kein Anfänger mehr, trotzdem hatte ich absolut keine Erfahrung mit den Herausforderungen, die in Afrika auf mich warten würden. Nur einen Tag nach dem Gespräch mit Gerald hatte ich ihn passenderweise schon wieder am Telefon. Diesmal gestand er mir, dass ihn seine eigene Karamoja-Idee nun selbst nicht mehr loslasse und er versuchen möchte, sich für den Zeitraum frei zu nehmen, was ihm letztendlich auch gelang. Das waren natürlich hervorragende Nachrichten für mich! Wenig später begannen die eigentlichen Vorbereitungen: Route besprechen, fehlende Ausrüstungsgegenstände kaufen, Kontakt zu ein paar Landeskundigen herstellen… Flüge buchen.










    Potentielle und tatsächliche Gefahren

    Am meisten wurden wir vor (Raub-) Überfällen, unglücklichen Verwicklungen in irgendwelche Konflikte mit Betrunkenen und willkürlichen Erschießungen gewarnt. Klingt übertrieben brutal, aber so wurde es uns von einigen Einheimischen geschildert. Vielerorts hieß es, aggressive Männer mit einer Waffe in der Hand würden manchmal eben einfach so um sich ballern, ein Menschenleben sei da unten nicht viel wert. Auch weiße NGO-Mitarbeiter, mit denen wir ins Gespräch kamen, wurden schon angeschossen und überfallen. Andere meinten, die Region sei „relativ sicher“ und wir könnten uns frei bewegen. Die Botschaft riet zwischenzeitlich mal per Email zur Ausreise, naja. Zweimal wollten uns Beamte der „Uganda Wildlife Authority“ (UWA, also die Wildhüter und Verantwortlichen für Parks und Reservate des Landes) eine Militär-Eskorte zur Seite stellen, was wir dankend ablehnten - schließlich hatten wir nicht vor, in den Krieg zu ziehen.
    De facto hatten wir überhaupt keine Sicherheitsprobleme. Wir behaupten nicht, dass Karamoja per se „sicher“ sei, aber zumindest ist uns absolut gar nichts passiert, obwohl wir auch innerhalb des als „gefährlich“ geltenden Karamojas vereinzelt Gegenden besucht haben, vor denen wir explizit gewarnt wurden. Zum Beispiel Mazeniko, die Grenzregion zu Kenia nördlich von Moroto, wo wir auf allerhand bewaffnete Turkana aus dem Nachbarland stießen. Also, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird? Könnte man so sagen, das gilt schließlich immer. Gerald und ich legen vielleicht eine leicht überdurchschnittliche Risikobereitschaft an den Tag, aber zumindest aus eben dieser Perspektive kann ich sagen: wir hatten keine Angst und wir hatten keine Probleme.

    Wasser war schon eher ein Problem, vor allem jetzt, am Ende der Trockenzeit. Karamoja verfügt im Februar quasi über kein natürliches Oberflächenwasser und die vereinzelten Wasserstellen (Brunnen, Wasserlöcher, Dämme) sind selbstverständlich nirgendwo aufgelistet, wo man sie als „Tourist“ finden könnte. Nachdem wir gleich in der zweiten Woche einmal de Verdursten nahe standen und über unsere SPOTs ein Notrufsignal sendeten, entschieden wir uns, von nun an immer einen Viehhirten als Guide anzuheuern, der uns die Wasserstellen zeigen konnte. Ohne die Begleitung eines Ortskundigen ist die Durchquerung Karamojas in der Trockenzeit nicht möglich.

    Die Temperaturen sind wohl auch nicht jedermanns Sache. Zwischen 10 Uhr morgens und 15 Uhr nachmittags herrschen angenehme 35°C – für uns war das kein so großes Problem, aber ich möchte es der Vollständigkeit halber erwähnt wissen. Buschbrände sollte man bei der Wahl des Lagerplatzes im Auge behalten, im Zweifel auch über Nacht, wenn sie nah sind.

    Vor Tieren braucht man keine Angst zu haben. Elefanten und große Raubkatzen scheint es sowieso nur ganz oben in Kidepo zu geben – und das ist ein Nationalpark mit strikten Auflagen, dort lässt sich sowieso kein ernsthaftes Trekking betreiben (später mehr dazu). Zu Kleintieren, Malaria und Ähnlichem werde ich nichts explizit schreiben – gewisse Vorsichtsmaßnahmen sind in Afrika generell zu beachten, dazu findet man im Internet bereits genug Informationen.

    Zusammenfassend kann man sagen, dass Gerald und ich von Vornherein nicht wussten, ob unser Vorhaben überhaupt gelingen kann. Wir wussten nicht, ob wir Wasser finden werden, wie sich die Sicherheitslage vor Ort tatsächlich entwickeln wird und ob wir nicht überall von der Polizei oder dem Militär aufgehalten und zurückgeschickt werden würden. Wir wollten es versuchen, waren natürlich aber auch darauf vorbereitet, zu scheitern.










    Verkehr und Zivilisation

    Alle zwei Tage fährt ein Bus von Mbale über Namalu nach Moroto, am jeweiligen Folgetag fährt er zurück. Zwischen den meisten anderen Städten (Kotido, Kaabong usw.) fahren nur kleine Autos, die mit Passagieren beladen werden, bis sie brechend voll sind. In ländlicheren Gegenden muss man oft auf „Boda-Bodas“ (Motorräder) umsteigen oder eben zu Fuß gehen. Asphaltierte Straßen gibt es in Karamoja praktisch nicht, allerdings bereiten die Pisten erst in der Regenzeit so richtig Probleme – wir sind immer gut voran gekommen, wenn wir mal auf ein motorisiertes Gefährt zurückgreifen mussten. Übrigens gehören die meisten Autos in Karamoja, von denen man nur recht selten mal eines sieht, zu irgendwelchen NGOs.

    Elektrizität gibt es auch nicht so richtig. Hotels in „größeren“ Städten (Namalu, Moroto, Kaabong) werfen in den Abendstunden Generatoren an, dann gibt es kurzzeitig Strom. NGOs und christliche Missionsstationen verfügen in der Regel über Solarpanels, die dauerhaft Elektrizität garantieren, zudem sind das die einzigen Orte, an denen man Zugang zum Internet findet.

    Überall da, wo Menschen sind, steht man als Weißer natürlich sofort im Mittelpunkt. Manchmal war uns der Aufenthalt in Siedlungen oder Dörfern auch nicht gerade angenehm: sofort kommen Scharen von Kindern angelaufen, von denen man dann mit großen Augen angeschaut wird, bis die Erwachsenen kommen und man erst mal einhundert Hände schütteln muss – schließlich ist man ja willkommen! Das ist zwar nett und oftmals auch sehr erlebnisreich, manchmal und auf Dauer aber auch etwas anstrengend.

    Übrigens gibt es tatsächlich in jedem Dorf eine Hand voll Leute, mit denen man sich auf Englisch einigermaßen unterhalten kann. Trotzdem ist die Kommunikation oft schwierig, was meiner Vermutung nach daran liegt, dass die „Karamojong“ einfach einen anderen Kommunikationsstil pflegen: man ist es dort nicht gewöhnt, klare Auskünfte zu geben und sich möglichst präzise auszudrücken. Das Bildungsniveau fällt niedrig aus. Selbst heute noch gehen viele Kinder nicht zur Schule, weil sie mit ihrer Familie als Nomaden umher ziehen und bei der Viehzucht gebraucht werden. Die Karamojong sind eben ein Hirtenvolk.










    NGOs

    Über 60 NGOs sind in Karamoja zu finden. Dazu gehören neben den Missionaren auch die einzigen Weißen der Region. Viele der Bekannten Organisationen sind dort vertreten, darunter auch „UN World Food Programme“ und die deutsche GIZ. Die Menschen sind einerseits dankbar für all das, was westliche Länder nach Karamoja gebracht hat – seien es Nahrungsmittel, Samen für die Landwirtschaft, Wasser oder Bildung. Gleichzeitig gewinnt man aber auch den Eindruck, die Region sei in mancherlei Hinsicht abhängig gemacht worden: viele scheinen sich daran gewöhnt zu haben, Dinge zu bekommen; in den Städten scheint es an Motivation und Kreativität zu fehlen, das eigene Brot zu verdienen und vielleicht sogar selbst Arbeitsplätze zu schaffen.

    Das Thema ist natürlich ungemein komplex und bedarf einer weitaus differenzierteren Betrachtung, als ich sie hier leisten kann. Aber im Laufe der Reise entwickelten wir gegenüber der „Hilfe für Karamoja“ eine immer skeptischere Haltung. Ganz zum Schluss unterhielt ich mich mit einem jungen Italiener, der seit mehreren Jahren in der Gegend lebt und meinte, allen wäre am meisten geholfen, wenn die NGOs einfach langsam verschwinden würden.

    Für uns als Reisende waren NGOs natürlich Zufluchtsort, Hilfe und Raum für interessante Gespräche – wir haben einigen der in Karamoja ansässigen Organisationen etwas zu verdanken!










    Reisealltag

    Gerald und ich sind uns am Flughafen in Istanbul, wo wir beide umsteigen mussten, zum ersten Mal begegnet. So eine Reise, bei der man doch zu einem gewissen Grad auf einen verlässlichen Partner angewiesen ist, sollte man ja eigentlich nicht mit einem „Fremden“ antreten, jedoch, wie bereits vorher am Telefon, haben wir uns auch vor Ort wirklich gut verstanden, es gab eigentlich keine größeren Probleme. Und das empfinde ich nicht als selbstverständlich; Gerald ist schließlich doch ein paar Semester älter als ich und hat auch schon die eine oder andere Reise mehr hinter sich. Doch ich würde sagen, wir waren sehr gute Reisepartner.

    Zum Glück liegen auch unsere „Reise-Routinen“ recht nah beieinander. Wir sind morgens im Dunkeln aufgestanden und der Rucksack wurde noch vor Sonnenaufgang aufgeschnallt, schließlich wurde es wenig später schon sehr heiß. Gegessen haben wir, was wir in den lokalen Märkten fanden: Kekse, Nüsse und Nudeln waren die Hauptspeisen, die wir für bis zu 12 aufeinanderfolgende Wandertage einkauften. Hin und wieder gab’s mal Poscho (Maisbrei) oder ein Stück Fleisch. Bier stand auch auf der Tagesordnung, wenn wir mal in ein Dorf kamen (teilweise war Bier das einzige, was überhaupt käuflich zu erwerben war). Erstaunlicherweise schaffen es die Karamojong ohne Kühlschrank, das Bier von 35°C auf kühle 25°C herunter zu kühlen - nach so „kaltem“ Bier muss man allerdings teilweise ein wenig suchen. Und wenn man dann ein 25°C kaltes Bier in der Hand hält, ist man dankbar dafür, glaubt’s mir.

    Übernachtet haben wir vorzugsweise abseits irgendwelcher Siedlungen oder Krals. Tagsüber traten wir gern mit Menschen in Kontakt, aber Lagerplätze schlugen wir an möglichst abgeschiedenen Plätzen auf – man weiß ja doch nie, welche Banden da so umherstreifen.










    Fotografie

    Vor knapp zwei Jahren fing ich an, mich mit Fotografie zu beschäftigen und kaufte mir meine erste Spiegelreflexkamera (meine jetzige Ausrüstung ist auf meiner Website unter Travelling/Gear aufgelistet, falls es jemanden interessiert). Seitdem ist die Knipserei schon zu einem wichtigen Bestandteil meiner Reisen geworden; mir macht das richtig Spaß! Besonders hier, in Afrika: immer gutes Licht, sehr abwechslungsreiche Landschaft, interessante Gesichter… da macht man schnell mal ein gutes Bild, auch wenn man nicht so viel Ahnung hat. Wenn ich vor Menschen meine Kamera rausholte, liefen die meisten anfangs weg und wollten sich verstecken. Aber sobald sie verstanden hatten, dass man nach dem Klick-Geräusch das entstandene Bild hinten auf dem Monitor sehen konnte, wollte sich plötzlich jeder fotografieren lassen! Man fotografiert also jemanden und schon kommen dutzende Umherstehende angerannt, um das fertige Bild zu sehen – daraufhin wollen sich die dutzenden Umherstehenden dann auch ablichten lassen. Ich kehrte mit hunderten Portraits aus Uganda zurück; einen großen Teil davon „musste“ ich machen, weil es „verlangt“ wurde. Nun ja, es gibt Schlimmeres für einen Hobby-Fotografen. Ich habe meine 9 kg schwere Foto-Ausrüstung jedenfalls gern durch Karamoja geschleppt und hoffe, es stört sich niemand daran, dass ich beinah mehr Portraits als Landschaftsbilder zeige.
















    Geändert von Libertist (11.04.2013 um 11:30 Uhr)
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  2. Fuchs
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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #2
    Part I: Mt. Elgon

    Beginnen sollte unsere Reise mit der Besteigung des Mt. Elgon, einem 4321 Meter hohen erloschenen Vulkan, der sich direkt südlich der Region Karamoja befindet. Die Besteigung ist teuer: pro Person zahlt man täglich 90 USD plus Übernachtungsgebühr für die Genehmigung und die Guides. Ohne Guides ist kein Reinkommen in den Nationalpark und auch sonst darf man sich vor Ort keinen Verhandlungsspielraum erwarten. Vor Antritt der Reise diskutierten wir immer wieder, ob wir wirklich so viel Geld für den Mt. Elgon ausgeben wollten, entschieden uns aber letztendlich dafür. Schließlich handelt es sich um einen der höchsten Berge Ostafrikas, obwohl er nur selten bestiegen wird:
    Wir kamen jedenfalls am frühen Morgen des 2. Februars in Entebbe an, nahmen ein Taxi zur Busstation in Kampala und fuhren direkt weiter nach Mbale und anschließend nach Budadiri, wo wir mit den Rangern alles Nötige für die Besteigung abklärten. Wir bezahlten die stattliche Summe von 450 USD pro Person, die eben nötig war, um 5 Tage lang mit Guides durch die Bergwelt zu ziehen. Für mich war es das erste Mal, dass ich überhaupt einen Guide bei mir hatte – ein zunächst irgendwie unangenehmes Gefühl. Natürlich versuchte die Nationalparkverwaltung alles, um uns ein paar Träger anzudrehen, aber wir bestanden darauf, unser Gepäck ohne fremde Hilfe den Berg hinauf zu schleppen, das war eher eine Entscheidung des Prinzips. Allein durch die Anwesenheit der Guides fühlte ich mich zu Beginn schon seltsam genug – ja, nachdem wir beide die Genehmigung unterschrieben hatten, empfand ich schon beinah so etwas wie „Reue“, die am nächsten Tag mit Eintritt in den Regenwald jedoch schnell verschwand.










    Was wir nun dringend nötig hatten, war Schlaf, schließlich waren wir seit etwa 35 Stunden unterwegs. Nach einer erholsamen Nacht trafen wir uns am nächsten Morgen mit unseren beiden Guides – scheinbar reicht ein einzelner Guide für zwei Personen nicht aus!? – und marschierten eine Piste den Berg hinauf. In den ersten Stunden passierten wir einige kleine Dörfer, dann tauchten wir so richtig in das Grün des Waldes ein – ich war das erste Mal im Regenwald! Glücklicherweise war der Himmel meistens bedeckt, das minderte die Kontraste zwischen Licht und Schatten. Also schraubte ich den Polfilter vor die Linse und fotografierte, was das Zeug hielt.




























    Unser „Main Guide“ hieß Alex, begleitet wurde er von Sam. Die beiden kümmerten sich gut um uns und vor allem mit Alex konnte man sich richtig unterhalten! Wasser gab es auch überall. Die Nächte verbrachten wir übrigens in Camps, die alle über eine einfache Hütte für die Ranger und Latrinen verfügten; Gerald und ich schliefen natürlich in unseren Zelten.































    Am Nachmittag des 4. Februars verließen wir die Regenwaldzone und traten ins Freie - die Landschaft da oben war gigantisch! Am nächsten Tag erreichten wir zu dritt (Sam blieb im Camp) den Gipfel Wagagai und konnten unseren Guide anschließend dazu überreden, mit uns einen Abstecher durch die Caldera zu unternehmen, abseits des üblichen Wegenetzes.











































    Erst nach dem Mittag des vierten Tages unserer Wanderung traten wir wieder in die Regenwaldzone ein und campierten in der Nähe einer riesigen Höhle, in der früher Elefanten nach Salz schürften. Und am 7. Februar erreichten wir unser Ziel Kapchorwa, gelegen an den nördlichen Ausläufern des Mt. Elgon, nachdem wir unsere beiden Guides bereits in einem kleinen Vorort verabschiedeten.




















































    Part II: Pian Upe

    Am 8. Februar machten wir uns früh auf und fuhren mit zwei Boda-Bodas zu einem kleinen Dorf, 5 Kilometer nordöstlich von Chepsikunya. Dort folgten wir der Hauptstraße ein paar Meter nach Norden und bogen dann, als wir uns weit genug entfernt von der Siedlung wähnten, einmal nach links ein und verschwanden im Busch. In unseren Rucksäcken hatten wir Proviant für etwa 1 Woche, der Plan war eine Durchquerung des Pian Upe Reservats bis zum Mt. Napak. Wir wussten nicht so recht, ob wir für Pian Upe eine Genehmigung brauchten, hielten es aber für das Beste, gar nicht erst zu fragen – weder Gerald noch ich hatten Lust darauf, wieder so viel Geld für den Eintritt hinzublättern und mit Guides an der Seite zu marschieren. Anders als der Mt. Elgon sieht diese Region nun überhaupt keine Touristen: wir waren sicher, dass die Ranger selbst dann kein adäquates Angebot für uns hätten, wenn wir sie über unser Vorhaben informieren würden.

    Unsere größte Sorge in Pian Upe galt der Suche nach Wasser. Zuvor hörten wir von mehreren Seiten, dass es genug Wasser in der Gegend gäbe, schließlich wird sie auch deshalb in der Trockenzeit von Viehhirten aufgesucht. Alex meinte zuvor, dass wir pro Tag auf mindestens eine Wasserstelle treffen würden, darauf verließen wir uns irgendwie. Nun, zunächst liefen wir direkt auf einen Fluss zu, das wussten wir. Dort wollten wir unsere Wasservorräte auffüllen und hofften, danach in regelmäßigen Abständen wieder auf Wasser zu treffen.

    Nachdem wir etwa eine Stunde in nordwestlicher Richtung unterwegs waren, tauchte hinter uns ein Geländewagen auf, der quer durch den Busch auf uns zu fuhr – wir wurden also gesehen! Es handelte sich tatsächlich um einen Park-Ranger in Begleitung seines geschäftstüchtigen Sprachrohrs und zweier bewaffneter Gehilfen. Wir erzählten ihnen von unseren Plänen und machten deutlich, dass wir nicht vorhatt¬¬en, noch einmal viel Geld für Eintrittsgebühren und Guides auszugeben. Also machte man uns ein Angebot, das wir trotz leichter Bauchschmerzen nicht ausschlagen konnten: wir zahlten jeweils 75 USD und durften uns weiterhin wie freie Männer bewegen – eine schriftliche Genehmigung mit Unterschrift bekamen wir nicht, dafür sollten wir einfach den Ranger kontaktieren, falls es irgendwo Probleme geben sollte. Nun ja, es ging wohl nicht anders. Zumindest konnten wir jetzt die Wasser-Problematik erneut ansprechen, woraufhin die beiden das bekräftigten, was wir schon zuvor gehört hatten: es gibt genug zu trinken. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht machte die Mannschaft kehrt, Gerald und ich gingen weiter zum Fluss. Ist nicht optimal gelaufen, hätte aber schlimmer kommen können.










    Nachdem wir um die Mittagszeit alle unsere Wasserbehälter aufgefüllt hatten – etwa 13 Liter führte jeder von uns mit sich – marschierten wir weiter durch das weglose Gelände in Richtung Nordwesten. Das Vorankommen war zeitweise schwierig; hohes Gras, Sträucher und Dorner erschwerten das Gehen erheblich. Mit dem Wasser gingen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu sparsam um, schließlich gingen wir davon aus, bald auf eine neue Quelle zu stoßen. Als wir bis zum Abend nichts fanden, schlugen wir einfach irgendwo unser Camp auf, kochten und erkundeten ein wenig die Gegend.










    Am nächsten Morgen starteten wir beide mit jeweils vier verbleibenden Litern Wasser in den Tag. Wie immer war es heiß und uns war klar, dass wir bald kein Wasser mehr haben würden, wenn wir nun nicht etwas sparsamer damit umgehen würden. Von einem Felsen aus beobachteten wir ein paar Antilopen und trafen dann auf eine Piste, die nach rechts in Richtung Hauptstraße und nach links tiefer in das Reservat hinein führte. Wir entschieden uns, nach links zu gehen, schließlich wollten wir noch nicht aufgeben. Außerdem nahmen wir an, dass es entlang der Piste am ehesten Wasserstellen geben würde, zumindest ging man da nicht wahllos durch die Landschaft.













    Wir wurden immer durstiger, das Wasser war jetzt sehr knapp. Als wir bis zum Nachmittag noch immer keine Quelle gefunden hatten, beratschlagten wir, was nun zu tun sei – wir konnten entweder umkehren und die Durchquerung des Reservats aufgeben, oder weitergehen und hoffen, bald auf Wasser zu stoßen. Damit entfernten wir uns allerdings auch immer weiter von der Hauptstraße, was die Umkehr im Notfall schwieriger machte. Auf der ganz groben russischen Militärkarte, die Gerald bei sich führte, konnten wir erkennen, dass unsere Piste in etwa zwölf Kilometern wieder nah zu dem Fluss führte, den wir am Vormittag überquert hatten: an besagter Stelle schien das Wasser nur etwa drei Kilometer von der Piste entfernt zu sein. Spätestens dort würden wir Wasser finden, dachten wir, und gingen weiter. Am Abend, kurz vor Sonnenuntergang, erreichten wir diese Stelle und bogen nach Süden von der Piste ab, um den Fluss zu finden. Zu diesem Zeitpunkt waren wir beide extrem erschöpft, ich hatte schon mehrmals das Gefühl, beinahe umzukippen. Mein Wasser war aufgebraucht, von nun an teilten wir uns Geralds verbleibende zwei Liter.

    Als wir an der Stelle ankamen, an der wir den Fluss vermuteten, standen wir vor einem riesigen trockenen Sumpfgebiet. In der Regenzeit erstreckt sich der Fluss hier offenbar in eine kilometerbreite Sumpflandschaft, die jetzt, am Ende der Trockenzeit, staubtrocken war. Kein Fluss, kein Wasser. Was für eine Katastrophe! Weiter nach Wasser zu suchen oder in dieser trockenen Erde sogar Grabungsversuche zu unternehmen, hätte uns die letzte Energie gekostet.

    Wir überlegten ein paar Minuten und fassten gemeinsam den Entschluss, ohne Rucksäcke zurück zur Piste zu gehen. Es war genau ein Liter Wasser übrig. Das Schleppen der Rucksäcke hätte zusätzlich Kraft gekostet, also nahmen wir nur das Nötigste mit und kämpften uns langsam zurück zur Piste. Dort kramten wir beide unsere SPOT Notfallsender heraus und sendeten ein SOS Signal – es schien keine andere Möglichkeit zu geben. Wir fühlten uns beide so schwach und hatten Angst vor dem nächsten Tag: wenn erst mal die Sonne aufgehen würde und wir in der Hitze ohne Wasser dastünden… nicht auszudenken! Keiner von uns beiden hatte je zuvor ein SOS Signal gesendet, aber jetzt befanden wir uns tatsächlich in einer Notsituation.

    Inzwischen war es dunkel, wir legten uns auf die Erde und ruhten uns aus. Natürlich fragten wir uns, was wohl passieren würde… und ob überhaupt etwas passieren würde. Wer würde wohl ausrücken? Die Ranger? Das Militär? Würde überhaupt jemand kommen? Und wann? Hatte hier irgendjemand ein GPS Gerät, mit dem unsere Koordinaten interpretiert werden konnten? Wurde unser Notruf überhaupt übermittelt? Und was würde dann passieren? Zwischen der Firma GEOS in Texas, die unser Signal empfangen würde und einem Suchtrupp in Karamoja liegen viele Zwischenstationen, auf denen wichtige Informationen verloren gehen können. Je mehr wir darüber nachdachten, desto mulmiger wurde uns zumute… schließlich entschlossen wir, nicht allein darauf zu vertrauen, dass wir gerettet würden, sondern es auch aus eigener Kraft zu versuchen. Wir wissen, dass man den Ort, von dem man ein Notfallsignal gesendet hat, eigentlich nicht verlassen sollte, aber wir wollten auch nicht alles auf eine Karte setzen. Also versuchten wir, ein paar Stunden zu schlafen und wollten gegen 23 Uhr nachts in Richtung Hauptstraße aufbrechen und die ganze Nacht gehen – mit weniger als einem Liter Wasser, den wir uns teilen mussten.

    Als wir aufbrachen, stöpselte ich mir die Kopfhörer meines MP3-Players in die Ohren. Normalerweise höre ich nie Musik beim Gehen – ich brauche alle meine Sinne auf Tour! – aber hier machte ich eine Ausnahme. Und tatsächlich, die Musik gab mir Kraft.
    Wir einigten uns auf einen ganz einfachen Rhythmus: eine Stunde gehen, 5 Minuten Pause und einen Schluck Wasser. Der Marsch war hart, auf diesen 25 Kilometern verbrauchten wir unsere letzte Energie. Völlig kraftlos und mit einer leeren Flasche erreichten wir die Hauptstraße bereits kurz vor Sonnenaufgang. Durch eine OK-Nachricht unseres SPOTs gaben wir sofort Entwarnung und hofften, dass noch nicht allzu viel zu unserer Rettung in Bewegung gesetzt wurde. Wenig später hielt ein Auto, die Insassen nahmen uns mit in das etwa 30 Minuten entfernte Namalu. Es gab kein Wasser im Auto.

    In Namalu angekommen hatte bereits das erste Geschäft geöffnet, in dem wir erst mal zwölf Liter Wasser kauften. Der erste große Schluck, den ich stundenlang herbeigesehnt hatte, fühlte sich an, als würde er mir den Magen zerreißen: wahrscheinlich waren die Schleimhäute bereits so ausgetrocknet, dass ich beim Trinken nun richtige Schmerzen hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits seit etwa 20 Stunden durstig, hatten die ganze Zeit über nichts gegessen, fast nicht geschlafen und sind 60 Kilometer gegangen.

    Gegen neun Uhr, wir wollten uns gerade in einem Hotel schlafen legen, tauchten plötzlich der Ranger und sein Kollege auf, die nach uns suchten – sie hatten gerade erfahren, dass wir in Namalu seien. Wir wissen bis heute nicht, wie und von wem sie verständigt wurden. Sie fragten, ob alles okay sei, wir verneinten – schließlich befand sich unsere gesamte Ausrüstung noch immer mitten im Reservat, wo wir sie am Abend zuvor zurücklassen mussten. Wahrscheinlich hätten uns die beiden am liebsten eine hohe Rechnung für die Rückholung unserer Ausrüstung gestellt, aber sie wollten natürlich jegliche Bekanntwerden dieses Falls vermeiden, schließlich hatten sie sich erst zwei Tage zuvor von uns bestechen lassen. Sie gaben ihr Bestes, die Sache so schnell und leise wir möglich aus der Welt zu schaffen, bevor herauskommen konnte, dass sie uns gegen ein „kleines Entgelt“ ohne offizielle Erlaubnis durch das Reservat hatten ziehen lassen. Also fuhren sie selbst mit uns ins Reservat und auf der Piste bis zu unseren Rucksäcken, anschließend wieder zurück nach Namalu. Das lief natürlich perfekt für uns, Glück im Unglück sozusagen.










    In Namalu blieben wir für zwei Nächte und ruhten uns aus. Außerdem besuchten wir Juliano, einen Italiener, der einst über die katholische Mission in Karamoja gelandet ist, lokal heiratete und dort mittlerweile eine kleine Farm betreibt. Klasse, dieser Mann!






















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    #3
    Part III: Mazeniko

    Uns war klar, dass wir die Gegend erst mal verlassen mussten, also übersprangen wir die beiden auf unserer Route liegenden Reservate Pian Upe und Bokora zunächst. Wir nahmen den Bus nach Moroto und suchten einen weißen Italiener auf, der von allen nur „Movusapir“ („Verrücktes Haar“) genannt wird - der Mann ist seit Jahren in NGO-Arbeiten involviert und kennt Karamoja gut. Wir hofften, er könne uns mit irgendeinem Viehhirten bekannt machen, der ein wenig Englisch spricht und die Wasserstellen des Mazeniko Reservats zwischen Moroto und Kaabong kennt; sozusagen eine Art „Guide“. Leider waren die einzigen beiden ihm bekannten Männer, die dazu infrage kamen, gerade nicht auffindbar. Außerdem riet er uns eher davon ab, die von uns präferierte Route zu gehen (wir wollten uns möglichst nah der kenianischen Grenze aufhalten, also im Weidegebiet der Turkana). Noch am selben Nachmittag wandten wir uns an die Uganda Wildlife Authority, erklärten unser Anliegen und baten um Hilfe. Man wollte sich dann erst mal besprechen, wir sollten in einer Stunde wiederkommen. Inzwischen traf der Boss der Station ein, sein Name ist Dennis Mandela. Dennis hatte zwar zunächst eine Menge kritischer Fragen, stellte sich danach jedoch als eine riesige Hilfe für die Realisierung unseres Vorhabens heraus. Er ließ einen jungen Mann namens Lusike Mark holen, der wenig später mit seinem Freund Lachapp Mariko auftauchte. Lusike ist in der Gegend aufgewachsen und war dort solange als Hirte unterwegs, bis ihm und seiner Familie von den Pokot sowie den Turkana das Vieh gestohlen wurde. Jetzt sollte er unser Guide werden.

    Lusike sprach zwar ein paar Brocken Englisch, trotzdem erkläre Dennis Mandela, der unser Anliegen verstanden hatte und uns offenbar gern unterstütze, alles noch einmal in der Landessprache. Er verlangte keinerlei Gebühren, stattdessen versprach er, das Militär und andere UWA Außenposten zu informieren, so dass wir ungehindert ziehen konnten. Anfangs wurde uns nahe gelegt, zu unserem Schutz einige Soldaten mitzunehmen, was für uns allerdings nicht in Frage kam. Wir wussten, dass sich auf unserer Wunschroute bewaffnete Turkana aus Kenia aufhielten, aber wenn es tatsächlich Ärger gäbe, könnten ein paar Soldaten schließlich auch nichts ausrichten, im Gegenteil: sie könnten eher als Provokation empfunden und zum echten Problem für uns werden. Also vertrauten wir auf das Wissen und die diplomatischen Fähigkeiten unseres neuen Guides Lusike, der uns entlang der Grenze von Moroto bis nach Loyoro und weiter nach Kaabong führen sollte. Wir gaben ihm und seinem Freund genug Geld zum Einkaufen von Lebensmitteln und machten uns am Morgen des 14. Februars zu viert auf, immer in Richtung Norden.




























    Schnell verließen wir die mit vielen kleinen Siedlungen versehenen ländlichen Gegenden und tauchten in die echte Wildnis Karamojas ein. Wegloses Gelände und die Begegnung mit Viehnomaden sollten in diesen acht Tages unser neuer Alltag sein.

    Lusike und Lachappe konnten jeden Hügel benennen! Sie wussten auch um jede Wasserstelle, egal ob Bohrloch, Staudamm, Wasserloch oder auf Felsen liegen gebliebene Pfützen. Jetzt erst wurde uns so richtig klar, wie rar die Wasserstellen hier gesät sind: wenn man nicht genau weiß, wo man suchen muss, hat man in der Trockenzeit keine Chance, da draußen zu überleben.

    Landschaftlich fand ich’s einfach nur grandios! Hier ein paar Bilder von den ersten drei Tagen in Mazeniko.


































































































    Am späten Nachmittag des 16. Februars trafen wir auf einen Stamm der Turkana, die das ganze Jahr über mit ihrem Vieh durch die Grenzregion von Kenia und Uganda ziehen, immer auf der Suche nach Weideland und Wasser. Zu sehen, wie sie dutzende von bis zu acht Meter tiefen Löchern graben, um irgendwie an Wasser für sie und ihr Vieh zu kommen, war ein einzigartiges Erlebnis! Ihre Ältesten meinten, in der Gegend noch nie einen Weißen gesehen zu haben. Und alle wollten sich fotografieren lassen – nichts lieber als das, dachte ich mir. Dass viele der Männer illegaler Weise Waffen bei sich trugen, störte uns überhaupt nicht: unser Guide Lusike war ihnen noch aus früheren Zeiten bekannt, inzwischen schien er der Freund aller in Mazeniko lebenden Stämme zu sein. Er konnte unser Anliegen in Ruhe erklären und wir wurden allerorts wie Freunde behandelt. Man wollte zur Feier des Tages sogar eine Ziege für uns schlachten!


















































































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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #4
    Über den weiteren Verlauf der Tour bis nach Loyoro gibt es nicht sonderlich viel zu sagen: noch immer befanden wir uns in dieser atemberaubenden Landschaft; einem Mix aus Steppe, Felsen und Hügeln. Immer wieder trafen wir Nomaden, die mit ihrem Vieh umher zogen. Ich denke, die Bilder erzählen genug.


















































































    Am 20. Februar erreichten wir die kleine Siedlung Loyoro, in der es zu unserer Enttäuschung keine Einkaufsmöglichkeit gab. Also marschierten wir auf der Straße weiter nach Kaabong, wo wir unsere Guides auszahlten und in ein kleines Hotel eincheckten. Der Plan war nun, weiter nach Norden in Richtung Kidepo und der Grenze zum Süd-Sudan zu gehen. Dafür brauchten wir einen neuen Ortskundigen, denn Lusike und Lachapp kannten sich hier nicht mehr aus. Trotzdem wollten sie unbedingt weiter mit uns ziehen und sahen sich in Kaabong selbst nach jemandem um, der uns begleiten konnte. Natürlich fanden sie jemand: ein junger Mann namens Lojang der ebenso als Viehhirte in dieser Gegend aufwuchs, sollte nun unser neuer Guide werden. Lusike und Lachapp ließen sich nicht davon abbringen, weiterhin bei uns zu bleiben, also sollte es am 22. Februar zu fünft weiter nach Norden zum Mt. Morungole gehen.

























    Part IV: Mt. Morungole und Kidepo

    Mit Motorrädern folgten wir der Straße für ein paar Kilometer bis nach Kasile, dort bogen wir zu Fuß nach rechts ab und gingen auf den Mt. Morungole zu. Bald stellte sich heraus, dass sich Lojang hier längst nicht so gut auskannte, wie Lusike und Lachapp in Mazeniko. Für den Moment war das noch kein Problem, schließlich folgten wir einer Piste und begegneten hin und wieder anderen Menschen, die man fragen konnte.

    Unser Plan war, auf einen kleinen UWA Außenposten namens Pierre zuzugehen. Pierre liegt am südöstlichen Ende des Kidepo Valley Nationalparks, der offizielle Eingang zum Park befindet sich über 40 Kilometer weiter westlich in Apoka. Wir hofften, dass Dennis Mandela seine Kollegen in Pierre bereits informiert hatte und diese uns weiter nach Norden bis zum Mt. Zulia ziehen lassen würden. Dieser Berg liegt außerhalb des Nationalparks, im nordöstlichsten Zipfel Karamojas, direkt an den Grenzen zum Süd-Sudan und zu Kenia. Nach Pierre wollten wir zunächst zum Mt. Zulia und von dort aus in westlicher Richtung quer durch den Park nach Apoka gehen. Die Genehmigung dafür erhofften wir mit Mandelas Hilfe am UWA Außenposten in Pierre zu bekommen. Soweit der Plan.




























    Am Abend des 23. Februar erreichten wir nach einem unerwartet langen Marsch durch wegloses Gelände die Station Pierre. Verwundert, aber mit größter Aufmerksamkeit hörte man sich unser Anliegen an, leider waren die Ranger vorher nicht informiert worden. Noch nie hatten sie es erlebt, dass Weiße aus dem Hinterland auf ihren Außenposten treffen. Über Funk übermittelte man unser Gesuch nach Apoka und wenig später erhielten wir die Botschaft vom Chef, dem „Chief Warden of Kidepo Valley National Park“: er schickte ein Geländefahrzeug, das uns abholen lassen würde – er möchte uns persönlich kennenlernen. Was für eine Enttäuschung!

    Natürlich gaben wir die Hoffnung nicht auf, dass der Mann unser Anliegen genehmigen und uns nach Pierre zurückbringen würde, allerdings erschien dies extrem unwahrscheinlich. Als lange nach Sonnenuntergang das mit Soldaten beladene Auto ankam, wir auf die Rückbank verfrachtet und zwei Stunden lang quer durch den Park nach Apoka gefahren wurden, war uns bereits fast klar, dass das kein gutes Ende nehmen würde. In Apoka angekommen, war erst einmal Schlafenszeit – zu so später Stunde konnte natürlich nichts mehr entschieden werden. Allerdings erhielten wir auf der Fahrt bereits einige Informationen zum Park, übrigens vom Verantwortlichen für jegliche touristischen Aktivitäten, der sich diesen kleinen Road Trip nicht entgehen lassen wollte: seine Schilderungen ließen zwei Schlüsse zu: jegliche Unternehmungen in diesem Nationalpark unterlagen strengsten Auflagen - und waren extrem teuer. So beträgt die maximale Wanderzeit im Park vier Stunden, Möglichkeiten zum Zelten gibt es nur an zwei dafür vorgesehenen Plätzen, die natürlich an Pisten liegen und auch so jeglichen Komfort bieten, die sich der gemeine Tourist erwartet. Dieser Park wird zwar aufgrund der politischen Situation Karamojas vergleichsweise selten besucht, gilt ansonsten aber als einer der schönsten in ganz Ostafrika. Wie dem auch sei: ausgehend von den Erklärungen dieses Verantwortlichen bietet Kidepo keinerlei Raum für individuelle Trekking-Aktivitäten. Jedoch gaben wir die Hoffnung noch immer nicht ganz auf, vom Chief Warden persönlich eine Sondergenehmigung zu erhalten.

    Der nächste Tag war ein Sonntag. Auf der Ladefläche eines LKWs wurden wir zu dem etwa 30 Minuten entfernte Büro des Chefs gebracht, auf den wir dort noch einmal weitere 30 Minuten warten mussten, bis er sich endlich erbarmte, uns zu empfangen – er, der uns am Vortag abholen ließ, obwohl wir bis dahin keinerlei Regel in seinem Park gebrochen hatten. Doch im Gespräch behandelte er uns dann genau so: als ob unsere gesamte Unternehmung illegal sei. Er stellte uns dutzende Fragen, ließ sich unsere Pässe geben, nur um schlussendlich festzustellen, dass das, was wir vorhatten, nicht mit den Parkregeln vereinbar sei. Der Mann zeigte weder Kompromissbereitschaft, noch Interesse an unserer Reise im Allgemeinen – im Grunde genommen schickte er uns einfach weg! Wozu dann der ganze Aufwand? Man hätte uns auch gleich in Pierre mitteilen können, dass unser (den Park betreffendes) Vorhaben nicht durchführbar sei, dann hätten wir selbst entscheiden können, ob wir außerhalb der Parkgrenzen weiter nach Norden gehen oder umkehren. Übrigens wurde uns auch der 30 Kilometer lange Marsch zum Mt. Zulia verboten; die Gegend sei schon seit Jahren nicht mehr besucht worden, noch nicht mal von den Rangern selbst. Kürzlich seien einige Soldaten von Hirten erschossen worden, die dem Stamm der Topossa aus dem Süd-Sudan angehörten, welche dort ihre Herden grasen lassen. Unsere Angst hielt sich in Grenzen, aber naja, jetzt gab es sowieso kein Zurück mehr.

    Anfangs diskutierten wir noch, wie nun weiter zu verfahren sei: Gerald zog in Erwägung, ein paar Tage mit „Nature Walks“ in Kidepo zu verbringen, um wenigstens etwas von der sagenhafte Tierwelt mitzubekommen. Für mich kam das „Touristenprogramm“ eigentlich nicht in Frage; ich nahm lieber die mühsame Suche nach einem neuen Guide in Kauf und durchwanderte eines der Gebiete, die wir zuvor mehr oder weniger auslassen mussten (also Bokora und Pian Upe). Irgendwann meldete sich Lusike zu Wort und meinte, er würde sich in den genannten Gegenden auch auskennen – das war natürlich eine wunderbare Nachricht, erleichterte es die Organisation einer Durchquerung dieser Reservate doch erheblich! Gerald war dann auch schnell überzeugt und so machten wir uns in Richtung Kaabong auf, wo wir die Nacht zubrachten.













    Am Morgen des 25. Februars hatte Gerald Schmerzen im Oberarm. Sein rechter Handrücken sah schon seit Tagen sehr übel aus, alles war entzündet und voller Eiter – jetzt sah man auch schon Lymphknoten in den Achseln. Eine Infektion, vermuteten wir, allerding konnte Gerald sich nicht erklären, woher diese kam. Nun griffen die Schmerzen allerdings auf den ganzen Arm über und er überlegte, ein Krankenhaus aufzusuchen.

    Auf der Fahrt in Richtung Kaabong wurde Gerald immer skeptischer, was den weiteren Verlauf der Reise anging. Selbst mit einer kräftigen Penicilline-Spritze hätte er ein paar Tage Ruhe gebraucht; das Wandern in der Hitze kam vorerst eigentlich nicht in Frage.
    Wir saßen im Führerhaus eines großen LKWs, der auf dem Weg nach Kampala, der Hauptstadt, unterwegs war. In Kotido mussten wir aussteigen, wenn wir nach Moroto wollten – Gerald musste seine Entscheidung also recht bald treffen. Und er entschied sich, weiter nach Kampala zu fahren und verfrüht zurück zu fliegen. Der Grund war offensichtlich: wenn wir Pian Upe und Bokora durchqueren wollten, mussten wir so bald wie möglich starten – das Risiko, mit der unbehandelten Infektion auf eine solche Tour zu gehen, war aber viel zu groß. In Moroto das Krankenhaus aufzusuchen und für einige Tage auszusetzen hätte einerseits nicht viel gebracht, weil die geplante Route dann aus Zeitgründen sowieso ins Wasser gefallen wäre, andererseits ist ein Krankenhausbesuch in der Gegend vielleicht auch nicht gerade das höchste der Gefühle. Gerald wollte kein Risiko eingehen. Also verabschiedeten wir uns in Kotido: er fuhr weiter in Richtung Hauptstadt und flog zwei Tage später zurück nach Deutschland, wo er zwei verschiedene Tropenärzte aufsuchte (inzwischen ist Gerald wieder kerngesund). Und ich sprang mit unseren beiden Guides auf einen LKW, der nach Moroto unterwegs war, wo ich am frühen Nachmittag ankam.










    Mit Dennis Mandela klärte ich kurz den weiteren Verlauf der Tour ab: ich wollte mit irgendeinem Auto nach Matany im Bokora Reservat fahren und von dort aus zum Mt. Napak marschieren, den Berg besteigen und auf der anderen Seite wieder durch Pian Upe bis nach Namalu gehen – acht Tage plante ich dafür ein. Dennis erklärte sich einverstanden. Wieder bekam ich keine schriftliche Genehmigung, musste aber auch nichts bezahlen. Anschließend gab ich meinen beiden Weggefährten Geld für den Einkauf und genoss den einbrechenden Abend mit ein paar Bier im lokalen Restaurant.
    Geändert von Libertist (11.04.2013 um 03:17 Uhr)
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  5. Fuchs
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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #5
    Part V: Bokora und Pian Upe

    Am nächsten Morgen wartete ich mit Lusike und Lachapp auf ein Auto, das Richtung Matany fuhr, leider kamen wir dort erst am späten Nachmittag an und entschieden, die Nacht im Dorf zu verbringen. Dann ging es los: ich war in bester Stimmung und hochmotiviert, den letzten Abschnitt dieser aufregenden Reise anzutreten.













    Der 27. Februar war ein richtig guter Tag! Noch vor Sonnenaufgang verließen wir das Dorf und marschierten durch wegloses Gelände auf einen Staudamm zu, den wir um etwa 16 Uhr erreichten. Die Landschaft war sehr fotogen, trotzdem machte ich am Wasser kein einziges Bild, um möglichst schnell das Lager aufzuschlagen und zu kochen. Erst eine Stunde vor Sonnenuntergang, als alles andere erledigt war, zog ich mit der Kamera los; genauso am nächsten Morgen. Dann ging wir weiter, bis wir am 1. März Iriri erreichten.






































































    Von Iriri aus bestiegen wir den 2230 Meter hohen Mt. Napak, auf dessen Hochplateaus wir einige kleine Dörfer fanden – kaum zu fassen, dass da wirklich Menschen auf dem Berg lebten!








































    Auf der südlichen Seite des Berges traten wir nun in das Pian Upe Reservat ein, das Gerald und ich bereits drei Wochen zuvor hatten durchqueren wollen – damals ohne Erfolg. Jetzt hatte ich meine beiden Ortskundigen dabei, die Suche nach Wasser war kein Problem mehr.

    Zunächst verbrachten wir eine Nacht in einem kleinen Dorf namens Nabwal, das sogar über eine kleine Schule und einen Lehrer verfügte. Der Lehrer wurde mir gleich vorgestellte, ich lud ihn auf ein paar Bier ein. Gern wäre ich mit ihm Essen gegangen, aber Bier war das einzige, was sich in dem Ort käuflich erwerben ließ. Wir sprachen darüber, dass sehr viele Kinder von Viehhirten dieser Gegend nie eine Schule besuchen würden und er bat mich darum, am nächsten Morgen zu Unterrichtsbeginn vor allen Kindern eine kleine Ansprache zur Bedeutung von Bildung für die Region zu halten, die er übersetzen wollte – kein Problem.

























    Die Wanderung durch Pian Upe war relativ unspektakulär: größtenteils waren wir auf Pisten und Wegen unterwegs und trafen dort natürlich auch allerhand Menschen. Hier noch ein paar Bilder dieses Streckenabschnitts.






















    Am 5. März kamen wir an die Hauptstraße und ließen uns von einem kleinen Auto mit in das nahe gelegene Nabilatuk nehmen. Dort besuchte ich den Programmmanager der Organisation „KACHEP“, mit dem ich vor der Reise bereits Email-Kontakt gehabt hatte. Ich kaufte Bier und verbrachte den Abend gemeinsam mit meinen beiden Guides auf dem Gelände dieser Organisation – wir ließen unsere gemeinsame Reise Revue passieren, lachten viel und ich dankte ihnen herzlich für Ihre Hilfe. Am nächsten Morgen zahlte ich sie aus und verfasste einen Empfehlungsbrief für Lusike, mit dem er hoffte, eine offizielle Anstellung als Guide bei der UWA zu bekommen. Sollte irgendein Leser dieses Berichts einmal nach Karamoja reisen und einen Guide brauchen, dann möge er sich über die Website der Uganda Wildlife Authority nach Dennis Mandela oder James Okware erkundigen; beide können Kontakt zu Lusike Mark herstellen, dessen Begleitung ich jedem wärmstens empfehle.

    Nachdem ich meine Guides ausgezahlt hatte, machten sie sich auf den Rückweg nach Moroto, während ich weiter nach Namalu fuhr. Dort brachte ich zwei weitere Nächte zu und besuchte ein paar Leute, mit denen ich zuvor Freundschaft geschlossen hatte. Gemeinsam gingen wir ein bisschen wandern – ein junger Mann in meinem Alter zeigte mir beispielsweise ein kleines Dorf hoch oben am Berg (direkt neben Namalu befindet sich der 3063 Meter hohe Mt. Kadam), in dem sein 96-jähriger Großvater noch lebte. Zwei meiner Freunde begleiteten mich am 8. März nach Mbale, wo wir gemeinsam den „Woman’s Day“ feierten… Details dazu werde ich mir an dieser Stelle ersparen.

    Zunächst jedoch noch ein paar Bilder aus Namalu und ein paar Affen, die ich am Mt. Napak fotografierte.
















    Am Nachmittag des 9. März verabschiedete ich mich von meinen Freunden und stieg in einen Minibus, der nach Kampala fuhr, von dort aus ging es gleich weiter zum Flughafen in Entebbe. Wenige Stunden später, am Morgen des 10. März, saß ich bereits im Flieger.


    Tja, jetzt wird’s wohl Zeit für ein Fazit. Wie immer werde ich mich damit kurz halten: die Reise war genial! Vielleicht übertreibe ich es ja ein wenig mit der Euphorie; schon möglich, schließlich war ich zum ersten Mal in Afrika – so vieles war mir neu! Die Landschaft, die Menschen, die Tiere, das Klima und vor allem auch die Herausforderungen, mit denen ich mich konfrontiert sah. Meine Alaska-Touren sind physisch sicher herausfordernder, aber hier in Afrika hatte ich das Gefühl, viel mehr Input zu bekommen; ich fühlte mich ständig neu durch irgendetwas inspiriert.

    Das Gefühl, hier etwas „Exklusives“ und „Pionierisches“ zu unternehmen, ist für mich – gefühlt! – an dieser Stelle natürlich auch von Bedeutung. Diese Unternehmung verwirklich zu haben ist schon ein Erfolgserlebnis, allerdings lief auch nicht alles glatt: das Wasserproblem in Pian Upe, der Abtransport ganz oben in Kidepo… das sind Dinge, die mich sehr enttäuschten. Aber natürlich habe ich daraus gelernt. Überhaupt stand das Lernen für mich im Mittelpunkt dieser Reise: ich habe jetzt eine Vorstellung davon, wie das Leben und Überleben im traditionellen Ostafrika funktioniert. Zuvor hatte ich nur das Gefühl, dass mir Afrika sehr gefallen könnte, wusste aber nicht, was dort tatsächlich auf mich warten würde.

    Das weiß ich jetzt, zumindest ungefähr. Und ich kann kaum ausdrücken, wie groß mein Verlangen ist, mehr von diesem Kontinent zu entdecken – ich bin extrem neugierig geworden! Im Sommer geht’s erst mal wieder nach Alaska, aber im nächsten Winter steht eine neue Afrika-Reise an, da bin ich ganz sicher. Nur suche ich noch nach einem geeigneten Ziel – am liebsten würde ich wieder eine Region besuchen, deren politische Stabilität ein wenig fragwürdig ist; ein „relativ sicheres Krisengebiet“ sozusagen, genau wie Karamoja. Manchmal hatte ich das Gefühl, mit meiner jungen Afrika-Liebe meine eigentlich Liebe – Alaska! – zu betrügen. Aber so weit ist es vielleicht noch nicht gekommen. Glücklicherweise muss ich mich nicht entscheiden, schließlich ist es heutzutage nicht unüblich, neben der Liebe noch eine Affäre zu haben.

    Nun möchte ich noch einigen Personen danken, die diese Reise für mich möglich und letztendlich zu einem so unvergesslichen Erlebnis gemacht haben:

    Gerald Klamer, mein Reisepartner, von dem ich viel lernen konnte und mit dem ich sofort wieder auf Tour gehen würde
    Miriam Lejeune, die einige Zeit in Karamoja lebte und mir bei der Vorbereitung half
    Florian Steiniger, der mir Kontakte in Karamoja zuspielte
    Juliano Tiyan, unser italienischer Freund aus Namalu
    Bob Wright, der mir vor der Reise genaue Angaben zur Sicherheitslage zukommen ließ
    Jean Grade, die mir bei der Planung half
    Lokiru Paul und dem Team von Kadam’s Inn
    meine Freunde aus Namalu: Susan, Paul, Peter, Benjamin und Sam
    Alessandro Movota aka “Movusapir” (ISS)
    Otim Dennis Mandela und James Okware (UWA)
    Lusike Mark und Lachapp Meriko, unsere beiden „Guides“
    Fausto Conter, der mich in Iriri beherbergte
    Limlim John Paul, Lehrer aus Nabwal
    Mukisa Ayub (Kachep), der mich in Nabilatuk aufnahm

    Und nun zum Abschluss noch eines meiner Lieblingsbilder, das ich auf dem letzten Reiseabschnitt gemacht habe, also im Bokora Reservat. Es zeigt das gedrehte Spiegelbild eines Baumes im seichten Wasser.

    Geändert von Libertist (12.04.2013 um 13:24 Uhr)
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  6. Lebt im Forum
    Avatar von Chouchen
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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #6
    Tolltolltolltolltolltolltolltolltolltoll! Wahnsinns-Bilder!!!
    "I pity snails and all that carry their homes on their backs." Frodo Baggins

  7. AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #7
    Sehr interessanter Bericht, viele sehr gute Bilder (aus technischen Gründen - lange Ladezeiten wären vielleicht etwas weniger Bilder/geringere Auflösung gut).

    Sehr gut gefällt mir, dass du das Wasserproblem ungeschminkt schilderst und das "Dankeschön" am Schluss...

    Ich würde das Risiko einer solchen Reise nicht eingehen, aber das muss jeder für sich entscheiden.
    Geändert von robert77654 (11.04.2013 um 12:36 Uhr)

  8. Alter Hase
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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #8
    Toll geschrieben, ein Bericht der Extraklasse.
    Muss morgen (heute) mindestens noch paarmal hier nachfassen.
    Deine Portraits sind der absolute Hammer,
    Danke

  9. AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #9
    Einfach genial!!! Wie gewohnt tolle Bilder und ein toller Bericht!

    OT: Aber etwas hat mir wirklich Angst gemacht:
    Zitat Zitat von Libertist Beitrag anzeigen
    Mein Sommer 2013 war nass und kalt.
    Ich hoffe, daß du über keine hellseherischen Fähigkeiten verfügst

  10. Fuchs
    Avatar von _Matthias_
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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #10
    Hatte jetzt leider nur Zeit die Bilder kurz zu überfliegen und den Anfang zu lesen, heute Abend bekommt der Beitrag dann die Aufmerksamkeit, die erst verdient. Aber was ich schon sagen kann, da hat es ja echt Hammer Bilder dabei, voll der Neid! Und auch die Reise selbst hört sich Hammer an, ich war letztes Jahr im touristischen Teil Ugandas und selbst da, war es oft alles andere als touristisch.

  11. Erfahren

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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #11
    Genial! Ich komme gar nicht zum Lesen. Scrolle immer nur von einem Bild zum nächsten. Die Reise hast du (wie immer) in sehr fesselnden Bildern eingefangen, Glückwunsch! Den Bericht selbst werde ich mir später noch zu Gemüte führen

  12. Alter Hase
    Avatar von volx-wolf
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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #12
    Das Du Dich erst zwei Jahre mit fotografieren beschäftigst, mag ich Dir gar nicht glauben!

    Kann mich der allgemeinen Lobeshymne nur anschließen!

    Moralische Kultur hat ihren höchsten Stand erreicht, wenn wir erkennen,
    daß wir unsere Gedanken kontrollieren können. (C.R. Darwin)

  13. AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #13


    Mir fehlen die Worte, um meine Begeisterung für diesen erstklassigen Reisebericht und die fantastischen Bilder auszudrücken.

    Vielen vielen Dank fürs Einstellen.

    Den Bericht werde ich wohl noch ein mehrere Male durcharbeiten.

    "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit."
    Wilhelm von Humboldt, 1767-1835

  14. Erfahren
    Avatar von Mario294
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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #14


    Wow mehr bekomme ich gerade nicht raus


  15. Erfahren

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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #15
    Hammer genial! Super tolle Fotos, meine Hochachtung.

    Eine Frage habe ich: Ihr habt den Spot ja ausgelöst, seit aber dann weggegangen von der Position. Das bedeutet ja auch das durchaus ein Haufen Leute aktiviert wurden. Können da Kosten auflaufen wenn man den Spot aktiviert und nach einiger Zeit deaktivert und ihn nicht nutzt, müsst ihr euch erklären? (ja ich weiss Ihr hattet allen Grund anders zu handeln und es ist ja gut ausgegangen!)
    Geändert von Degger (11.04.2013 um 15:55 Uhr)

  16. Bergtroll
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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #16
    Toller Bericht. Phantastisches Abenteuer. Danke!

    Was mich am meisten beindruckt: Deine fotografischer Entwicklung (die bei mir leider nicht eingetreten ist). Wie schaffst Du es, Dir trotz körperlicher Anstregung ausreichend Zeit für richtig gute Fotos und fotografische Experimente zu nehmen? Da hakt es bei mir ... glaube ich. Hattest Du ein Superzoom oder hast Du die Tiere trotz Objektivwechsel erwischen können?

    Was bei mir am meisten Erstaunen ausgelöst hat: Das Fastverdursten. Das wirkt irgendwie so durchdacht, wie die Sache mit dem Eureka Canyon ;) (Zumal Gerald ja schon Erfahrungen mit Wassernot gesammelt hatte.)

  17. Fuchs
    Avatar von Libertist
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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #17
    Danke an Mika Hautamaeki für den Hinweis - hab ich ausgebessert.

    Zitat Zitat von Degger Beitrag anzeigen
    Eine Frage habe ich: Ihr habt den Spot ja ausgelöst, seit aber dann weggegangen von der Position. Das bedeutet ja auch das durchaus ein Haufen Leute aktiviert wurden. Können da Kosten auflaufen wenn man den Spot aktiviert und nach einiger Zeit deaktivert und ihn nicht nutzt, müsst ihr euch erklären? (ja ich weiss Ihr hattet allen Grund anders zu handeln und es ist ja gut ausgegangen!)
    Naja, wir waren uns ziemlich sicher, dass über Nacht niemand ausrücken wird; wir gingen also davon aus, dass alles okay sein würde, wenn wir bis zum Morgengrauen Entwarnung geben. Das Ganze hatte vor Ort eigentlich kein Nachspiel mehr, mal abgesehen von ein paar Mails und einem Telefonat mit der Botschaft. Ich möchte trotzdem noch bei GEOS (die für den SPOT verantwortliche Firma) anfragen und mich nach deren tatsächlicher Reaktion erkundigen, das interessiert mich schon sehr. Ich weiß, dass die Botschaft in Uganda verständigt wurde... und leider auch meine Familie. Was es bedeutet, wenn meine Mutter und meine Schwester plötzlich einen Anruf aus den USA bekommen und ihnen erklärt wird, dass ich ein SOS-Signal aus dem ugandischen Busch gesendet habe, ansonsten aber momentan keine weiteren Informationen zur Verfügung stehen, kann sich vielleicht jeder vorstellen. Für die Zukunft werden meine Familienmitglieder nicht mehr als Notrufkontakte für GEOS erreichbar sein, so viel steht mal fest.

    Was ich über GEOS und deren Reaktion auf unseren Notruf herausfinde, werde ich dann hier posten.


    Zitat Zitat von Bergtroll Beitrag anzeigen
    Wie schaffst Du es, Dir trotz körperlicher Anstregung ausreichend Zeit für richtig gute Fotos und fotografische Experimente zu nehmen?
    Ich habe die Pausen zum Fotografieren genutzt, weniger zum Ausruhen. Außerdem waren Gerald und ich darum bemüht, unser Camp immer zwischen 4 und 5 am Nachmittag aufzuschlagen - meistens hatte ich dann noch etwa eine Stunde Zeit, in der ich fotografieren konnte. Und ganz ehrlich: ich hab es wirklich nicht als sonderlich schwierig empfunden, ein paar gute Bilder zu machen. Die Motive fliegen einem da unten ja fast entgegen.


    Zitat Zitat von Bergtroll Beitrag anzeigen
    Hattest Du ein Superzoom oder hast Du die Tiere trotz Objektivwechsel erwischen können?
    Ich hatte drei 2,8er Objektive dabei. Das Tele war ein 70-200/2,8, dazu der 2fach Telekonverter. Auf f/8 abgeblendet kann man da echt noch gute Ergebnisse erzielen. Also ja, bei den Objektiven war fliegender Wechsel angesagt.


    Zitat Zitat von Bergtroll Beitrag anzeigen
    Was bei mir am meisten Erstaunen ausgelöst hat: Das Fastverdursten. Das wirkt irgendwie so durchdacht, wie die Sache mit dem Eureka Canyon ;) (Zumal Gerald ja schon Erfahrungen mit Wassernot gesammelt hatte.)
    Was genau meinst mit "durchdacht"? Der Vergleich mit meiner Aktion im Eureka Creek Canyon ist gut.
    Geändert von Libertist (11.04.2013 um 17:02 Uhr)
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  18. Bergtroll
    Gast

    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #18
    Zu den Objektiven: Mir ist es - als ich noch eine DSLR hatte - oft passiert, dass ich das Normalobjektiv drauf hatte, als der Elch etc. vorbeischaute. Bis ich dann das Zoom aufgeschraubt hatte, war er wieder weg.

    Zu den Fotopausen bzw. Fotografieren am Nachmittag: Ja. Nachdem das Zelt bei mir aufgebaut ist und ich Ruhe habe, kommen bei mir auch ab und zu mal halbwegs brauchbare Fotos raus ^^

    Zitat Zitat von Libertist Beitrag anzeigen
    Was genau meinst mit "durchdacht"?
    Soweit ich das überhaupt aus der Ferne beurteilen kann: Ihr hattet Euch offenbar erkundigt, dass es irgendwo Wasser gibt. Aber nicht genau gefragt, wo es das Wasser gibt. Nachdem Ihr am ersten Tag offenbar 13l-4l = 9l pro Kopf verbraucht hat, war es ganz schön mutig einfach auf Verdacht weiterzugehen, obwohl Ihr offenbar vorher nicht gefragt hattet, ob der Fluss Wasser führt. Ob man an der Stelle mit dem Rucksack nach Wasser hätte graben können (Foto sieht sumpfig aus), kann ich nicht beurteilen.

    War aber jedenfalls ein tolles Abenteuer. Nur immer wirst Du halt nicht so viel Glück, sondern auch mal richtig Pech haben. Und das wäre schade.

  19. Fuchs
    Avatar von fjellstorm
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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #19
    Was genau meinst mit "durchdacht"?
    OT: Böse wie ich bin, hätte ich jetzt vermutet-jedes Abenteuer braucht irgendwo was Bedrohliches-oder-: jedes (Theater)Stück braucht ne Dramaqueen ;)

    Nur immer wirst Du halt nicht so viel Glück, sondern auch mal richtig Pech haben.
    OT: Ach, bisschen Zeit hat er ja noch für den Klub 27^^..

    Super Fotos!!, aber das wusste ich schon vorher- den Bericht muss ich mir noch durchlesen..

    -cheers

  20. Dauerbesucher
    Avatar von ckanadier
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    AW: [UG] Uganda 2013: Karamoja Traverse

    #20
    Du schilderst so, dass ich mich problemlos hinein versetzen kann und ein Gefühl des "mit unterwegs sein" entsteht.
    Danke
    Jürgen

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