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  1. Erfahren
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    [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    #1
    Mitreisende: QOM
    Land: Deutschland
    Reisezeit: Vorfrühling (2015)
    Wie? Mehrtages-Wandertour
    Route: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    Vorbereitung:
    Nach den eher ernüchternden fußgesundheitlichen und organisatorischen Erfahrungen des letzten Abschnitts habe ich diesen Winter genutzt, um meine Hausaufgaben zu machen.

    Das betraf zu allererst meine Füße, denn da war ich wörtlichst blutiger Anfänger:
    Nach etwas Recherche habe ich die Socken getauscht.
    Und dann die Schuhe, denn die alten waren für die neuen Socken deutlich zu eng. Und noch Hirschtalg drauf. Und ab Februar eingelaufen, so oft es ging.

    Ziemlich frei zu laufen hatte beim letzten Mal seinen Reiz, aber ich hatte den Eindruck, auch einiges verpasst zu haben. Auch ein Unterkunftsverzeichnis hätte geholfen.
    Also habe ich mir einen Pilgerführer besorgt (OUTDOOR - Jakobsweg Trier - Vézelay, ISBN 9 783866 864085).
    Und noch einen (OUTDOOR - Jakobsweg Trier - Le Puy, ISBN 9 783866 862111), nachdem mir die Strecke ab Le Puy wärmstens ans Herz gelegt wurde. So habe ich mich für diese Strecke entschieden.
    Das spielt für die ersten Tag noch keine Rolle, aber nach Toul muß man sich entscheiden, nördlich / westlich oder südlich / östlich um das Zentralmassiv zu tigern.
    Ich entscheide mich für südlich, denn bei beständigem Klima aus Westen müßte es auf der Seite tendenziell wärmer und trockener sein (später mehr dazu!).

    Danach habe ich mich um die Streckenplanung gekümmert.
    Mit dem GPS und der topografischen Karte auf dem Telefon hatte ich beim letzten Mal sehr gute Erfahrungen gemacht. Also habe ich das beibehalten. Nur kurz geprüft, ob zwischenzeitliche Updates von Betriebssystem und Programmen die Funktion oder die Akkulaufzeit stark beeinträchtigten.
    Die Tracks bis Trier hatte ich noch auf dem Telefon, bis Toul waren sie auch leicht im Netz zu finden.
    Ab Toul schwieg das Netz dann. Also habe ich sie mir selbst gemacht, und zwar mit dem Pilgerführer auf der einen und dem Rechner mit GPSIES.Com auf der anderen Seite.

    Schlußendlich habe ich noch ein paar kleine Änderungen an der Packliste vorgenommen, unnötiges gestrichen.
    So kam ich auf ein Trockengewicht (alles bis auf die leichteste zweite Kleidungsschicht eingepackt) von etwa 8,4 Kilogramm. Inklusive Stöcke und etwas Proviant. Für die Jahreszeit reichten 2 Liter Wasser aus - also knapp über 10 Kilogramm.

    Zuletzt habe ich den Wetterbericht beherzt ignoriert und mir ein einfaches Ticket nach Saarburg, dem Startpunkt besorgt.
    Überraschend und erfreulich wollte ein alter Freund mitlaufen und konnte das auch direkt von Anfang an tun.

    Also los!
    Geändert von QOM (09.04.2015 um 11:13 Uhr)
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
    Es gibt schlechtes Wetter!
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  2. Anfänger im Forum

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    AW: [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    #2
    Hallo,

    Deine Beschreibung hat mir sehr gut gefallen, nicht nur weil ich diesen Weg auch in Erwägung ziehe.

    ULTREIA und viele Erfahrungen, diesmal hoffentlich auch ästhetische

    Bin sehr gespannt, ach vllt bist du schon wieder zurück?

    Liebe Grüße, Kint

  3. Erfahren
    Avatar von QOM
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    AW: [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    #3
    Zitat Zitat von Kint Beitrag anzeigen
    Hallo,
    Deine Beschreibung hat mir sehr gut gefallen, nicht nur weil ich diesen Weg auch in Erwägung ziehe.
    ULTREIA und viele Erfahrungen, diesmal hoffentlich auch ästhetische
    Bin sehr gespannt, ach vllt bist du schon wieder zurück?
    Liebe Grüße, Kint
    Hallo Kint,
    Danke für die Vorschuß-Lorbeeren.
    Ich werde mich bemühen, sie in den nächsten Tagen zu verdienen.
    Dauert noch ein wenig, denn ich bin noch etwas verschnupft und habe meine Reiseklamotten noch nicht ganz fertig versorgt. Zudem ist das mit dem Entwickeln der Bilder (Photoshop Lightroom) ja auch immer mal abendfüllend.
    Bleib' einfach dran...
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  4. Anfänger im Forum

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    AW: [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    #4
    Freue mich darauf,

    Bezug nahm ich auf den ersten Teil, Ffm Trier, und gute Besserung

    Liebe Grüße, Kint

  5. Erfahren
    Avatar von QOM
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    [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl

    #5
    1. / 8.Tag: Merzkirchen - Perl
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    Freitag, 27. März 2015
    Strecke: 17,3km - Gesamt: 270,7km
    Gehzeit: 4:00 brutto / 3:30 netto

    Die Anreise an den Startpunkt der Reise ist denkbar unproblematisch:
    Schon recht früh am Morgen bringt mich der TGV flüssig und luftig-komfortabel von Frankfurt nach Saarbrücken.
    Von dort geht nach kurzer Zeit die Regionalbahn nach Saarburg. Dort angekommen gönnen wir uns einen Döner - man weiß ja nie, was kommen wird. Zumal der Bus nach Merzkirchen erst in einer knappen Stunde geht.

    Vielleicht sollte ich noch sagen, daß ich..., nun ja..., mich vielleicht nicht gerade als besonders frankophil bezeichnen würde.
    Meine Französisch-Lehrerin sagte mir seinerzeit, ich wäre der zweitschlechteste Schüler, den sie in ihren knapp 20 Jahren zu unterrichten versucht hätte. Seither habe ich sicherlich einiges vergessen.
    Und mit der französischen "Haute cuisine" habe ich es auch nicht so. Das ganze Kroppzeug gehört auf den Boden des Meeres und der Tümpel oder dahin, wo es sich ansonsten eines glücklichen Daseins erfreuen mag. Und aus Schweinsköpfen macht man vielleicht Gummibärchen, aber keine Tischdekoration!
    Ich rechne also mit einigen Problemen bei Kommunikation und Ernährung.

    Als wir satt an der Kreuzung in Merzkirchen aussteigen, ist es mir als wär's gerade gestern gewesen.

    In der Herberge holt sich mein Mitläufer noch den Anfangsstempel und wir machen in der Sonne das hochoffiziell gutgelaunte Startfoto. Wir erfahren, daß in diesem Jahr erst eine gute Handvoll Reisende hier übernachtet haben.


    Merzkirchen: Anfang der Tour in der Sonne

    Wir schmeißen die Elektronik an, und eh' wir's uns versehen, sind wir unterwegs Richtung Perl.


    Blick zurück nach Merzkirchen: Die Windräder überragen den Kirchturm

    Der Blick nach vorne zeigt in der Silhouette die französische Antwort auf den deutschen Windkraft-Wahn und den Atomausstieg.


    Der Meiler von Cattenom ist ein deutlicher Orientierungspunkt.

    Der Weg ist durch gelbe Pfeile gut markiert und geht ziemlich gerade und leicht bergab durch die Felder.
    Nach etwa 6,5km erreichen wir Sinz, gehen jedoch nicht in den Ort, sondern biegen vor ihm bergauf nach links ab.
    Dort empfängt uns eine Bank am Rande eines kleines Wäldchens zur ersten Rast.
    Nachdem wir das Wäldchen durchquert haben, geht es relativ eben weiter.
    Wir passieren nach etwa 9km ein amerikanisches Kriegsdenkmal, das erstmals daran erinnert, wie häufig und unerbittlich hier in der Region gleich mehrfach um jeden Stein gekämpft wurde.
    Nach etwa 10km lockert das nächste kleine Wäldchen den Weg auf.
    Als wir es wieder verlassen, kommt Wind auf - schon eher beherzt als leicht - und der Himmel trübt sich ein. Es bleibt aber trocken.
    Nach etwa 13,5km unterqueren wir die Autobahn (A8), die durch den Wind schon länger zu hören war und biegen in den nächsten kleinen Wald ab, in dem es auf immer noch sehr komfortablen Wegen wieder bergauf geht.
    Am Ende des Waldes empfängt uns eine Bank in der Sonne zur nächsten Rast.


    Die Weinberge von Perl wirken noch ziemlich kahl.

    Bergab geht es recht zügig durch die Vororte nach Perl.
    Im Ortskern können wir immerhin zwischen zwei Hotels wählen.

    Gegenüber gibt es einen Italiener, der sein Handwerk als Pizzabäcker versteht, und so wird es schnell und gemütlich dunkel.

    Der Tag war trotz der relativ kurzen Etappe durch die Anreise doch recht lang, und schon bald ist Ruhe.
    Keiner von beiden schnarcht.

    Fazit des ersten Tages:
    Zu zweit ist man weniger allein. Und es sieht aus als würden wir ganz gut klar kommen.
    Die Navigations-Algorithmen sind nicht voll kompatibel, aber nahe genug beisammen.
    Das Tempo paßte heute auch, und wir sind trocken geblieben.
    Ein guter Einstieg.
    Geändert von QOM (09.11.2015 um 23:36 Uhr)
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  6. Erfahren
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    [DE][LU][FR] Jakobsweg: Perl - Kédange-sur-Canner

    #6
    2. / 9.Tag: Perl - Kédange-sur-Canner
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    Samstag, 28. März 2015
    Strecke: 31,0km - Etappe: 48,3km - Gesamt: 301,7km
    Gehzeit: 8:30 brutto / 6:45 netto

    Es hatte mich vor dem Einschlafen noch etwas Überzeugungskraft gekostet, 8:30 als "fertig-vor-der-Tür-Zeit" durchzusetzen.
    Aber am Morgen schaffe ich das restliche Bißchen, und um kurz nach halb neun starten wir die Elektronik.

    Eher im Loslaufen sehe ich an der Quiriniuskirche noch ein Schild, das auf den Stempelkasten hinweist.


    Freiluft- und Freihand-Stempeln in Perl.

    Wir wenden uns bei heiterem Wetter aus Perl bergab Richtung Mosel, mit ganz schlanken und frischen Füßen.


    In der Mitte: Auffällige Werbung für Fußpflege. Am Rand: Gepflegte Pilgerfüße

    Direkt an der Mosel wird der Verkehr kurz etwas dichter. Wir überlegen, ob wir uns den schlenker durch Luxemburg geben möchten oder die eineinhalb Kilometer lieber sparen möchten. Die Aussicht, in den Weinbergen ein klein wenig Panorama und Sonne zu haben schlägt die Aussicht, an den Bahngleisen entlang an der Mosel entlang zu treideln um Längen.
    Und so finden wir uns schon bald im "bekanntesten Dorf der Welt" - so die Eigenwerbung.
    Der Weg führt nach der Moselbrücke direkt an die Uferpromenade an ein wirklich unterhaltsames Denkmal, auf das wir uns ein klein wenig einlassen.


    Kommt ein wenig bedeutungsschwanger daher, ist aber äußerst unterhaltsam: Denkmal für das Schengen-Abkommen.

    Die Welt arbeitet daran, Sterotypen und Klischees abzubauen, dieses Denkmal zelebriet sie ungehemmt. Für jedes dem freien Reise-Raum des Schengen-Abkommens beigetretene Land gibt es einen Stern.
    Wer drauf steht, mag jetzt bitte "We didn't start the fire" von Billy Joel auflegen.
    Und jetzt kommt das heitere Nationen-Raten:


    Quadriga, Gartenzwerg, Fußball, Mercedes-Stern. Na, das ist einfach...


    Nochmal Fußball, Pinocchio, Vespa, Pasta, schiefer Turm, Kolosseum, Pasta, Gondeln, Vulkan. Gar kein Klischee. Wo ist die Mafia?


    Manneken Piss, Atomium, danke... das genügt!


    Geige, Prater, K und K, Ischgl, jetz' geh' da' schau' hie!


    Hm...Nun ja...gestern wußt' ich's noch...


    Ringe, Denker, Säulen und Athleten? Gut, daß kein Euro mit drauf ist...


    Nee, echt jetzt. Ausgebreitete Arme? Ist Brasilien auch dabei?


    Der Imbusschlüssel und Pipi Langstrumpf sind eigentlich gegensätzliche Gemüter. Aber ABBA klärt das souverän...


    Sorry Leute, bei dem Cannabisblatt am Rand hat's micht echt fast zerrissen...


    Flamenco, Frosch, Sagrada Familia. Olá!


    Eifelturm, Radfahrer, Hahn und viel plattes Land. Sollte da nich noch ein Froschhschenkel dazu?


    Viel Gehölz, Trolle und ein Formel-1-Wagen. Welcher visionäre Geist hat da das Mobiltelefon ausgelassen?


    Noch mehr Trolle, nur anders, Erdöl, Elche, Langlauf. Hm. Der Wal kommt schon etwas makaber dazu...


    Pferde, Vulkane und sonst nix?


    Schon einie interessante Frage, wie hoch man das Land mit den bisher produzierten Legosteinen bedecken könnte. Ob da das Retro-Möbel noch rausschauen würde?

    Wir reißen uns los und traben entlang der Mosel weiter.
    Die Uferpromenade endet kurz vor der französischen Grenze, wir überqueren die Straße und erklimmen das Moseltal etwa halb im Wald.
    Der Wald entdet, und wir erreichen die ersten französischen Weinberge. Leider bei zwischenzeitlich deutlich getrübtem aber noch trockenem Panorama.
    Wie gut das Panorama ansonsten sein mag, läßt sich sicherlich auch ein Stück weit anhand der bei etwa 5km stehenden Villen kurz vor Contz-les-Bains ermessen. Hier wohnen zweifelsfrei die ganz Bedürftigen.
    Wir sparen uns den Schlenker durch den Ort und orientieren uns direkt Richtung Moselbrücke.
    Das ist jetzt wohl eine Gegend, wo jeder nur irgendwie durch will.
    An der Straße entlang geht es etwa 2km nach Sierck-les-Bains.
    Hier machen wir den folgenschweren Navigationsfehler: Wir verlassen uns auf den GPS-Track statt uns mit dem Pilgerführer rückzuversichern.
    Im Ort steigt der Weg an und erklimmt den Hang, in dem Fall auf der Seite des Tälchens, die uns nicht (wie im Buch vorgeschlagen) nach Montenach führen wird. Es geht zunächst durch den Wald und dann führt uns der Track sehr ruhig und bequem nach Kerling-lès-Sierck.


    Ruhig ist's hier ja schon...


    Aber im Sommer bestimmt auch recht warm...

    Und weiter nach Lemestroff, einer echten Weltstadt mit Herz, die zum Verweilen einlädt.


    Lemestroff, Centre ville

    Ich gewähre gerne auch mal einen Blick hinter die Kulissen ausgewogener, gut durchdachter Ernährung mit professioneller Ausrüstung.


    Lightweight und cool kann jeder. Aber wer kann Hello Kitty?

    Spätestens hier hätten wir navigatorisch einlenken müssen um das nun folgende Disaster relativ bequem vermeiden zu können.
    Also: Was auch immer Ihr tut, verwendet den Track dieser Etappe nicht zur Navigation!
    Im Ort biegen wir links ab und halten uns dann am Ortsausgang rechts um uns der Festungsanlage Hackenberg zu nähern.
    Denn die steht heute noch auf dem Sightseeing-Programm.
    Die praktisch vollständig erhaltene, als Museum ausgebaute große Bunkeranlage der Maginot-Linie sollte heute planmäßig um 14:30 eine Führung anbieten.
    Wir nähern uns dem Festungsberg von der "bösen" Seite. Auch, wenn man schon ein wenig hinsehen muß um es zu erkennen.


    Die Geschütze der Festung hatten eine Reichweite von mehr als 10km...

    Durch eine Furche führt ein Weg auf die Festungsanlage zu. Am Ende der Furche endet auch der Weg.
    Wir kämpfen uns die Böschung hoch - glücklicherweise sind die Dornen noch nicht so stark gewachsen - und am Ende eines Feldes erwartet uns neben einem jetzt schon recht dichten Gebüsch ein Stacheldrahtzaun.
    Wir finden eine Stelle, an der ein Baum den Zaun niedergedrückt hat und suchen einen Weg bergauf.
    Das ist ein ziemlicher Kampf, der neben viel Zeit auch sehr viel Energie kostet.
    Wir erreichen den Weg auf der Höhe und folgen ihm entnervt in Richtung Festungsanlage.
    Von der sieht man praktisch nichts - klar, denn wir sind jetzt auf der "guten" Seite des Berges - bis wir ziemlich überraschend vor dem Eingang für Frauen stehen.


    Der Eingang für Frauen ist etwas abseits, aber wenig freundlich.

    Um den Eingang herum sind noch Rest der Sperre für den alleräußersten Verteidigungsfall erhalten:


    Auch hier setzte man auf eine klare, ohne Worte verständliche Botschaft. Man könnte auch sagen: Der Architekt folgt einer klaren Formensprache.

    Ein wenig weiter empfängt uns der Haupteingang für Männer und Material.


    Im Inneren des Berges sind mehr als 10km Gleise der Schmalspur-Bahn verlegt.

    Hier sind wir nun aufgrund unserer ausführlichen Erkundung der unerbittlichen Nordflanke des Berges zu spät für die Führung. Zumal uns ein Schild am Eingang darüber aufklärt, daß die heute ausnahmsweise schon um 14 Uhr gewesen wäre.
    Klingeln hilft nicht.
    Nun gut, das hätte man sich bei einer Festungsanlage auch denken können.


    Hätte man mich gefragt, ich hätte glatt behauptet, Führer wären hier nicht erwünscht...

    Wir wenden uns von der Festung ab und hören Schüsse.
    Die Quelle ist schnell ausgemacht: Der halbe nächste Ort ist eine riesige Paintball-Anlage.

    Ein Blick auf die Karte macht uns die Entscheidung leicht. Statt östlich um den nächsten Hügel herumzulaufen nehmen wir die Westseite und halten uns an den wenig befahrenen Straßen in Richtung unseres Etappenziels.


    Morbider Charme des Dorftümpels in Helling

    Wir erreichen Kédange-sur-Canner bequem und finden das Hotel problemlos.
    Das hat auf, ein Zimmer frei, ein Restaurant dabei und damit ist alles gebongt.
    Als wir über den Parkplatz laufen, fallen die ersten Regentropfen.

    Eine warme Dusche später treibt uns der Hunger verfrüht gegenüber landestypischen Gewohnheiten in das Restaurant.
    Das genügt schon auf den ersten Blick jedem Klischee, denn es preist neben dem ersten Spargel der Saison schon auf den Aufstellern vor der Tür Froschschenkel an. Und Muscheln. Und weiß-der-Geier-welche anderen Dinge, für die mir glücklicherweise die französischen Vokabeln fehlen.
    So bleiben Hoffnung, Appetit und Laune erhalten.
    Es gibt frisch gezapftes Bier, und das zischt ziemlich.
    Die Speisekarte nährt die Hoffnung durch das Vorhandensein einer Wochenkarte mit erschwinglichen Menüs. Das erleichtert auch die Auswahl mit schwachem Sprachverständnis in kulinarischen Belangen.
    Es gibt dann eine wärmende Suppe mit Flußkrebs-Fleisch(?) - na, ganz ohne Kroppzeugs geht's wohl heute nicht.
    Zügig füllt sich das Lokal gut und die Gäste bestellen die Spezialitäten des Hauses. Gerne auch zwei Portionen davon.
    Als Hauptspeise gibt's ein übersichtliches Stück Fleisch mit ausreichend Beilagen in Rahm-Sauce, begleitet von einem frischen Bier und als Nachtisch einen warmen Apfelkuchen.
    Danach noch einen Espresso und ein Bier für den letzten Durst und ab ins Bett!

    Das war zwar definitiv noch nicht der letze Durst, aber die Rechnung am nächsten Morgen spricht eine klare Sprache: 50 Euro pro Nase, davon etwa die Hälfte für Bier und Espresso. Die spinnen, die Gallier!
    Mein Mitläufer (aus Bayern) kann's noch weniger fassen, denn er begreift Bier als Grundnahrungsmittel...

    Fazit des zweiten Tages:
    Nicht blind GPS-Tracks vertrauen, die man nicht selbst nochmal geprüft hat!
    Der Fehler hat uns sehr viel Zeit und Kraft gekostet, insbesondere meinen Mitwanderer, denn der "hat Knie". Da war das weglose Gewackel ganz genau richtig.
    Mit dem Wetter noch immer Glück gehabt und trocken geblieben.
    Und am Ende ordentlich müde angekommen.
    Das war wohl am Limit aber eben gerade noch auf der guten Seite.
    Geändert von QOM (09.11.2015 um 23:36 Uhr)
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  7. Erfahren
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    [DE][LU][FR] Jakobsweg: Kédange-sur-Canner - Metz

    #7
    3. / 10.Tag: Kédange-sur-Canner - Metz
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    Sonntag, 29. März 2015
    Strecke: 34,9km - Etappe: 83,2km - Gesamt: 336,6km
    Gehzeit: 9:30 brutto / 7:30 netto

    Der erste Blick aus dem Fenster ist wesentlich besser als der Wetterbericht.
    Nach einer regnerischen Nacht scheint die Sonne auf die frisch gewaschene Welt.
    Dann also zügig los.
    Das Frühstück ist eigentlich ganz nett, leichte Motel-Atmosphäre aber freies Buffet.
    Und so werden auch unsere Verpflegungsdosen gefüllt. Als wir damit fertig sind, weist man uns darauf hin, daß das nicht erwünscht sei und außerdem hinge da an der Wand ein Zettel (ja, da hängt wirklich ein verknittertes Blatt, das meiner unterzuckerten Wahrnehmung entging).
    Wir machen uns fertig und werden am Empfang freundlich als Pilger identifiziert, man bietet uns den hauseigenen Stempel an.
    (Umso mehr verwundert dann die Nummer mit der Brotdose.)
    Die Rechnung legt uns spontan platt auf den Rücken. Der Zimmerpreis ist OK, aber das mit den Getränken, nun ja...

    Wir bringen die Elektronik auf Spur und stehen relativ spät auf der Straße.
    Guter Dinge geht es richtung Süden los.
    Aber schon nach wenigen Metern wird klar: Heute geht nichts ohne Regenklamotten.
    Relativ entschlossener Wind und (zunächst noch) feiner Regen, glücklicherweise nur kalt und nicht frostig.
    In Hombourg-Boudange biegen wir vom Radweg auf eine wenig befahrene Straße ab.
    Kurz gibt es eine nette Aussicht, stellt man sie sich mal kurz in der prallen Frühlingssonne vor.


    Hombourg-Boudange: Nett anzuschauen. Ohne Laub an den Büschen und blendende Sonne sieht man's wenigstens!

    Der Weg wird richtung Süden einfach weiter auf der Straße geführt, aber das kratzt keinen.
    Sonntagmorgens gibt es hier keine Autos.
    So geht es relativ zügig weiter Richtung Saint-Hubert.
    Das Wetter bestätigt seinen tendenziell eher fiesen Charakter, der Regen wird etwas stärker und damit wir es auch richtig spüren wird der Wind noch etwas stärker.
    Er erreicht jedoch glücklicherweise (noch) nicht die in der Wettervorhersage angesagten Maximalgeschwindigkeiten um 100km/h.
    So entscheiden wir uns nach einer Rast unter dem Dach des Dorffest-Platzes von Saint Hubert (etwa 11km), den Schlenker durch den Wald vorbei an der Kapelle von Rabas doch zu nehmen.


    Klare Ansage in Saint-Hubert!

    Asphaltiert geht es weiter bis zur Kapelle, die der Legende nach auf Karl den großen zurückdeutet.
    Der Regen stabilisiert sich auf mäßigem Niveau.


    Kapelle von Rabas: Wer genau hinschaut, sieht den Regentropfen auf dem Objektiv. Hier bleibt kein Auge trocken!

    Das innere der Kapelle ist eher schlicht gehalten und verspüht wenig Charme.

    An der Kapelle endet der asphaltierte Weg und es geht über feuchte Wiesen Richtung Waldrand bergauf.
    Und was tut diese Kapelle zum Abschied?
    Sie spielt uns ein Lied auf ihrem Glockenspiel: Freude schöner Götterfunken.
    Allen Ernstes. Das beflügelt unsere Schritte.

    Im kleinen Wald nimmt der Wind weiter zu, und wir sind ganz froh, daß wir da bald wieder raus kommen. Das ist schon so langsam eine Stärke, bei der man allein im Wald ins Grübeln kommen und das Weite suchen sollte.
    Hier ist eher gut, daß noch kein Laub an den Bäumen hängt, zudem ist das Waldstück recht sorgfältig bewirtschaftet.

    Kaum aus dem Wald heraus bläst uns der Wind ziemlich heftig und kühl entgegen.
    Wir erreichen Vigy, und dort hat glücklicherweise ein Café offen, in dem wir uns aufwärmen und mit einem Sandwich laben.
    Wir treffen zwei Damen aus Deutschland, die in gleicher Richtung unterwegs sind, jedoch mit wesentlich gemütlicherer Etappenplanung.

    Wir mummeln uns noch etwas weiter ein und ziehen durch Regen und Wind weiter durch die Felder.
    Bei Sonne und Wärme ist es hier sicher absolut herrlich. Geschlossene Wegstücke im Gebüsch, Felder, Wiesen, Weiden, Bäume...
    Bei etwa 20km erreichen wir das nächste größere Waldstück.
    Der Wind ist noch stärker geworden, der Wald steht aber fest. In den Kronen sind keine größeren Äste zu sehen und es schaukelt und wackelt auch nicht übermäßig. Wir gehen also vorsichtig weiter.
    Vorsicht ist auch aus einem anderen Grund geboten:
    Der intensive Regen hat den Boden etwas überfordert. Es wird erstmals matschig.


    Sonniges Genußwandern bei Sanry-les-Vigy

    Aus dem Wald wieder heraus hat der Wind erneut zugelegt und kommt jetzt meist von rechts vorne.
    Na gut, hier ist nix, jetzt muß es einfach bis Metz weiter gehen!
    Wenigstens geht es erst mal nicht mehr groß bergauf.

    Bei etwa 24km unterqueren wir die Autobahn und werden gar trefflich motiviert.


    Immer weiter halt...

    Kurz drauf finden wir am Ortsrand einen etwas windgeschützten Platz für eine kleine Verschnaufpause.

    Zwischen Vany und Mey - beides letztlich Vororte von Metz - wird der Wind zum echten Gegner auf freiem Feld.
    Ziemlich fiese Sache. Hut geht schon lange nicht mehr und der Regen peelt das Gesicht.
    An einem Kriegsdenkmal (ich glaube, für den 1870'er) finden wir ein windgeschütztes Plätzchen für eine kleine Pause.
    Nach Mey wird es nochmal matschig, und als wir die Hochhäuser von Saint-Julien-les-Metz erreichen, wähnen wir uns schon am Ziel (29km).
    An den Hochhäusern kommen wir schwankend und windgebeutelt vorbei und schlagen uns bergab weiter Richtung Stadt durch. Genuß sieht anders aus.
    Zumal es jetzt etwas stärker bergab geht und mein Kumpan wieder "Knie hat".
    Bei etwa 32km erreichen wir den Schutz der Stadt.

    Wir reinigen die Schuhe ein wenig und tasten uns durch die bei Sonnenschein sicherlich sehr schönen Festungsanlagen weiter in die Stadtmitte.
    Ohne viel Sightseeing, denn das wollen wir morgen früh machen.
    In der Nähe der Kathedrale finden wir problemlos ein Hotel. Die schauen uns zwar etwas verwundert an, nehmen uns aber auf.
    Als wir zudem noch freiwillig anbieten, unsere Schuhe schon vor der Teppichzone auszuziehen, wird der Concierge regelrecht freundlich.
    Das Zimmer ist in Ordnung, und neben der direkten Dusche duschen die Schuhe auch noch mit.
    Nahrungsbeschaffung ist hier kein größeres Problem - mal wieder italienisch. Obwohl die auch hier mit den Bierpreisen ein wenig den Bodenkontakt verloren haben. Wein ist aber auch nicht billiger, und Wasser fiel heute genügend vom Himmel.

    Auf dem Rückweg holen wir uns beim Concierge noch die Tageszeitung. Nicht zum Lesen, sondern zum Ausstopfen der Schuhe.

    Die Füße sehen schon auch etwas mitgenommen aus, aber immerhin blasenfrei.

    Es wird mal wieder schnell Nacht um uns.
    Ein ernsthafter Streit um die Bettdecke entbrennt nicht, dafür sind wir zu müde...

    Fazit des dritten Tages:
    Der Wetterbericht kann auch mal Recht haben.
    Wenngleich wir wieder mal Glück hatten. Sagt zumindest die Wetterkarte der Abendnachrichten. Rundherum waren es etwa 100km/h; wir waren in der Schneise mit "nur" 70.
    Die Laune ist trotzdem gut, wir kommen gut voran!
    Geändert von QOM (09.11.2015 um 23:37 Uhr)
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    [DE][LU][FR] Jakobsweg: Metz - Vandières

    #8
    4. / 11.Tag: Metz - Vandières
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    Montag, 30. März 2015
    Strecke: 29,2km - Etappe: 112,4km - Gesamt: 365,8km
    Gehzeit: 8:45 brutto / 6:15 netto

    Der Tag beginnt mit einem recht gemütlichen Frühstück.
    Darauf folgt eine vergleichsweise ausgiebige Runde durch die Kathedrale. Die ist auch an einem eher trüben Tag ein echtes Spektakel aus Stein und Licht.
    Schon von außen wirkt der Stein als würde die Schwerkraft hier nicht so richtig gelten.


    Erster Blick auf das Hauptportal.


    Diese Türen öffenen sich wohl nur zu seltenen Anlässen.


    Detail des Hauptportals


    Eine Uhr ohne erbaulichen Spruch??


    Herrlich erhaltene oder restaurierte Skulpturen im Hauptportal


    Aber auch im Seiteneingang geht es ebenso spektakulär weiter.

    Im Inneren ringe ich ehrlich gesagt erst Mal nach Luft. Das kann doch kaum wahr sein!


    Blick entlang des Hauptschiffs. An einem regenerischen Tag. Wie sieht das aus, wenn die Sonne scheint?


    Blick in die Gegenrichtung


    Detail dazu...


    Fenster eines Seitenschiffs

    Ein klarer Höhepunkt sind die Fenster hinter dem Chorgestühl, die aus dem Hauptschiff nicht zu sehen sind.
    Hier haben zeitgenössische Künstler gewirkt als die Originale (aus Kriegsschäden?) ersetzt wurden.


    Nicht der, für den man ihn beim ersten Blick hält, aber auch sehr schön...


    Der, für den man ihn hält. Ein leuchtender Chagall!

    In der Kirche kriegen wir unseren Pilgerstempel am Souvenir-Verkaufsstand.
    Die Dame dort erklärt mir, das wäre der erste Pilgerstempel der Saison.

    Wir reißen uns von der Kathedrale los, die sicherlich einen unendlichen Vorrat an Geschichten zu bieten hätte.
    Noch im Eingangsbereich ist klar, daß das heute ohne Regenhosen nichts wird...

    Von der anderen Seite der Mosel lohnt sich ein Blick zurück.


    Erhaben. Das ist das einzige, was mir dazu noch einfällt!

    Der Stadtrundgang gibt noch einige klassiche Perspektiven rund um die Mosel-Insel.


    Nicht so alt wie's scheinen mag...


    Blick von der anderen Seite. Was meist als Begrüßungsbild der Stadt gezeigt wird, ist für den Jakobspilger eher ein Abschiedsgruß.

    Zum Verweilen lädt in der Stadt gerade nichts ein, so gemütlich ist es hier gerade eher nicht.
    Am Ufer der kanalisierten Mosel geht es ziemlich schnurstracks aus der Stadt heraus und eine ganze Weile weiter.


    Ruhig und gut ausgebaut geht es geradeaus...

    Etwa bei 10km überqueren wir die Mosel und wenden uns nach Ars-sur-Moselle.


    Menschengemacht, aber doch ganz schön...

    Hier machen wir einen Navigationsfehler. Nicht schwerwiegend aber nachhaltig ätzend.
    Wir überqueren auf der Brücke nicht nur die Mosel, sondern auch noch die Eisenbahnlinie. Das ist schade, denn zwischen Eisenbahnlinie und Mosel muß es einen relativ ruhigen Fußweg geben. Vielleicht nicht direkt schön, aber eben ruhig.
    Wir machen einen kleinen Schlenker durch den Randbezirk von Ars und finden uns schon bald an der schnurgeraden Straße Richtung Ancy-sur-Moselle wieder. Auf der falschen Seite der Eisenbahnlinie. Wir hoffen vergebens auf eine Unterführung oder einen attraktiven Ausweg.
    Aber weder Karten noch Panorama geben ernsthafte Alternativen her.
    Also trotten wir ätzende 3km entlang der recht viel befahrenen Straße.
    Als endlich ein Parkplatz kommt, machen wir eine kurze Pause im Kies.
    Jetzt nur weg von dieser blöden Straße!
    Hinter Ancy finden wir einen weg, der uns am Hang entlang weiter führt.
    Wir erreichen Novéant-sur-Moselle und passieren eine der typischen Lourdes-Grotten.


    Der Lourdes-Kult ist auch in der Region recht populär.

    Die Wolken reißen auf und recht sonnig nähern wir uns Arnaville.


    Der stetige Regen hinterläßt langsam aber sicher seine Spur auf lockeren Wegen...


    Mosel-Panorama.

    Arnaville hat leider gastronomisch nicht vel zu bieten - ein Café au lait wäre jetzt echt nett.
    Ehe wir so richtig drin sind, geht es wischen zwei Häusern hindurch auch schon wieder raus.


    Arnaville.

    Zwar verbindet Arnaville und Pagny-sur-Moselle wieder jene gerade Landstraße, von der haben wir aber für heute genug.
    So sind wir froh, die Bahnlinie zu überqueren und an der kanalisierten Mosel Richtung Pagny weiter zu kommen.
    Mein Mitwanderer hat nach den heute teilweise weniger schönen Passagen und einigen Höhenmetern wieder "Knie" und so malen wir uns unser Quartier in Pagny aus.


    Mal wieder geradeaus am Ufer entlang...

    Wir sehen noch kurz den kanalisiert schiffbaren Teil der Mosel.


    Mosel-Kanal: Da kann man nicht nur reinschiffen, sondern auch mit dem Schiff drauf fahren.

    Pagny ist jedoch gastronomisch äußerst schwach aufgestellt und unserem Ansturm diesbezüglich in keiner Hinsicht gewachsen.
    Also weiter.
    Immerhin gibt es am Ortsausgang einen Supermarkt, aus dessen Sortiment wir den Blutzuckerspiegel kurzfristig anheben können und unsere Vorräte etwas auffüllen können. Gesalzene Erdnüsse erhöhen die Stimmung bis kurz vor Partylaune.
    Das ist auch nötig, denn zwischen Pagny und Vandières hat uns die gerade Landstraße wieder.
    Immerhin mit Radweg am Rand, und so geht es unter einer Verzweigung der TGV-Strecke vorbei an einem ehemals für einen kleinen zweistelligen Millionbetrag geplanten, dann aber doch noch nicht zu Ende gebauten Halt.
    Wir erreichen Vandières und finden dort das auch im Pilgerführer erwähnte Dach über dem Kopf.
    Das ist eine nette Mischung aus Herberge und Pension und wir bekommen beide ein Doppelzimmer.
    Das ist für meine Körpergröße bei der Bettenlänge auch eine gute Sache.

    Zu Essen gibt's im Haus, keine großen Fragen, einfach großzügig gefüllte Teller.
    Und so wird es mal wieder schnell dunkel...

    Fazit des vierten Tages:
    Auch weniger als 30km können mitunter anstrengend sein!
    Selbst, wenn es praktisch nur geradeaus geht. (Na gut, ein paar Höhenmeter waren schon dabei.)
    Vielleicht könnte man es für die Psyche in Erwägung ziehen, schon morgens die Unterkunft für den Abend zu kennen...
    Geändert von QOM (09.11.2015 um 23:38 Uhr)
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
    Es gibt schlechtes Wetter!
    Egal, welche Klamotten!
    Laßt Euch da nichts vormachen!

  9. Erfahren
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    [DE][LU][FR] Jakobsweg: Vandières - Dielouard

    #9
    5. / 12.Tag: Vandières - Dielouard
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    Dienstag, 31. März 2015
    Strecke: 24,5km - Etappe: 136,9km - Gesamt: 390,3km
    Gehzeit: 8:15 brutto / 5:30 netto

    Der neue Tag begrüßt uns in Vandières mit einem Wetter, das spontan Lust auf mehr macht:
    Mehr Kaffee, länger frühstücken.
    Dennoch schaffen wir es irgendwie, um 9:30 im fiesen Regen vor der Tür zu stehen.
    Schon bald steigt der Weg durch die Felder an und wir erreichen einen irrwitzigen Ort.
    Es hat zwischenzeitlich mal kurz mit dem Regnen aufgehört.
    Direkt nach Norroy-lès-Pont-à-Mousson (der Name länger als der Ort), geht es in den "Priesterwald" (Hier der Bericht). Ein völlig unwesentliches kleines Wäldchen auf dem Kamm des westlichen Moseltals.


    Der östliche Rand des Prieterwaldes: Sag' mir, wo die Blumen sind...

    Bei etwas mehr als 3km erreichen wir die sichtbaren Teile der seinerszeit unerbittlichen Schlacht um schlecht bewirtschafteten Wald.


    Französischer(?) Schützengraben. Mann, das ist 100 Jahre her!!

    Auch der eine oder andere Baum, der das Massaker und die nachfolgenden Stürme überlebt hat, kann noch von der Schlacht berichten.
    Denn der westliche Waldrand war wohl eher die friedliche Seite...


    Altes Kriegsleiden...

    Bei etwa 5km verlassen wir den Wald und wenden uns bergab in Richtung Pont-a-Mousson.
    Der Kriegsschauplatz hinterläßt in uns ein diffuses Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt.


    Blick vom Waldrand Richtung Stadt.

    Der Weg nach Pont-au-Mousson geht zügig bergab; Maidières lockt nicht so recht. Aber wir finden uns recht gut zum Fluß durch.

    Dort begrüßt uns Pont-au-Mousson bei sommerlichen Temperaturen im strahlenden Sonnenschein (Späßle g'macht...):


    Strömender Regen und hefitge Winböen. Aber die Stadt hat bestimmt ein lauschiges Plätzchen für uns...

    Wir überqueren die Mosel Richtung Stadt im strömenden Regen bei kräftigem Wind, während uns Menschenmengen entgegenkommen.
    Hmmm... Ist es mit der Gastronomie in der Stadt möglicherweise dünne?
    Nach der Brücke halten wir uns am Fluß in Richtung der Klosteranlage. Die präsentiert sich aber eher säkulär als luxuriöses Tagungshotel und läßt auch den Besuch der Kirche nur gegen kleine Scheine (nein, Münzen reichen nicht!) zu. Schnelles, erschwingliches Essen ist da Fehlanzeige.
    Wir trotten zurück in die Straße, die zur Brücke führt und wählen dort nach einer Promenade in vollständiger Länge das kleinste Übel.
    Es gibt so etwas wie Sandwich und Café au Lait, und das weckt die Lebensgeister.
    Optimistisch legen wir uns ein wenig trocken und verlassen das Etablissement im strahlenden Sonnenschein und bester Laune.
    Doch schon auf der anderen Brückenseite ducken wir uns in den Windschatten eines größeren Gebäudes, der uns vor dem nächsten heftigen Schauer schützt, um unsere Regenklamotten wieder anzulegen.
    Zurück durch Maidières erklimmen wir das westliche Moselufer und erreichen den schützenden Wald.
    Der Weg ist gut zu finden, um Jezainville holen wir uns die Höhenmeter des Tages und durchqueren ein Tälchen.
    Die Höhenmeter machen meines Begleiters Knie wieder große Freude, so sehnen wir schon bald das Etappenziel herbei.

    Nach Jezainville eckelt sich der Weg am Waldrand entlang und ein gelber Ball erscheint am Himmel.
    Es kommt zu den ersten, fast schon frühlingshaften Ausblicken; das helle Calcit-Gestein trägt dazu bei...


    Die Sonne überrascht uns von hinten. Gemeinheit!


    Immer ein netter Kontrast: Kahler Baum gegen blauen Himmel


    Da geht sie hin, die Regenfront!


    ...und die Natur konnte den Regen doch gebrauchen: Frisches Grün!


    Im Sommer sieht das bestimmt aus wie bei Van Gogh...

    Freudig nähern wir uns unserem Etappenziel Dielouard. Da gibt es ein Hotel, das Navi kennt die Adresse, also los!
    Dielouard begrüßt uns eher mäßig aufgeräumt und ein wenig ungastlich, aber wir haben ja einen Plan...


    Dielouard Downtown

    Wir lassen das Ortszentrum hinter uns liegen und orientieren uns an der Hauptstraße Richtung Süden.
    Die zieht sich, und mit der Zeit beschleicht uns ein seltsames Gefühl. Das Navi sagt noch, wir wären richtig.
    Am Ortsausgang ist klar: Hier ist aber mal was ganz mächtig faul!
    Wir achten jetzt mal ganz bewußt auf die Hausnummern (wenn sie denn dran stehen) und merken, daß das ganz klar die falsche Richtung ist.
    Also zurück.
    Eine gefühlte Viertelstunde.
    Wir erreichen das Grundstück, das die Hausnummer des Hotels tragen sollte. Das Hotel können wir trotz heruntergelassener Läden gut finden und erkennen.
    Nur erreichen können wir es durch den Bauzaun leider nicht (den sieht man übrigens auf dem letzten Bild).
    Auf der Straße gibt es keine Passanten, die sich an unseren Flüchen stören könnten.
    Immerhin sind in der Nähe in paar kleine Geschäfte. Aber die bestätigen die schlimmsten Befürchtungen:
    Ja, das war das einzige Hotel im Ort. Sonst gibt es nichts. Nein, auch nichts einfaches, einfach nichts.
    Die nächste Bleibe für Touristen? Hm. Vielleicht die Straße runter, etwa 6km bis Belleville. Nein, man wisse nicht sicher, ob es da etwas gäbe...
    Es ist immerhin Dienstag, noch nicht so spät am Nachmittag.
    Also lassen wir uns den Weg zur Mairie erläutern. Vielleicht haben die eine Idee...

    Erst Mal haben sie einen Pilgerstempel für uns. Den ersten des Jahres.
    Dann gelingt es mir, nicht nur das Mitleid, sondern auch den Ehrgeiz der zunächst etwas reservierten Dame am Empfang zu erregen.
    Sie beginnt, zunächst etwas genervt, dann aber schlicht erstaunt über das Ergebnis, die nähere Umgegend nach einer Bleibe für die Nacht abzutelefonieren. Hinter uns warten zwischenzeitlich zwei weitere Kundinnen, die in klischeehaft-dörflicher Manier in die Suche einbezogen werden...
    Das bringt aber alles nix, bis das Wunder des Tages geschieht:

    Fatima war eigentlich nur nach der Arbeit schnell noch auf der Mairie vorbeigefahren um ihren Perso verlängern zu lassen.
    Als sie unser Problem mitkriegt sowie die Preise, die Ferienwohnungen in zehn Kilometer Entferung aufrufen wollen (270 Euro pro Nacht), sagt sie zunächst als Spaß "Na, für das Geld mach' ich's auch!".
    Dann beginnt sie nachzudenken.
    Kurz drauf erklärt sie, sie habe da ein Zimmer frei, ihre Tochter wäre nicht da. Es wäre zwar nicht groß, aber es wäre da. Gleich im Ort...
    Sie checkt das kurz mit Ihrem Mann ab, das ist aber wohl eher Formsache. Es wirkt nicht so, als habe er große Chancen, etwas einzuwenden.
    Um Mal ein Bild von Fatima zu zeichnen: Stellt Euch die nordafrikanische Variante von Aretha Franklin in "Blues Brothers 2000" vor. Nur kleiner, lebhafter und eben französisch.
    Ich kann nicht anders als die Frau spontan zu umarmen.
    Natürlich müssen wir dann noch warten, bis die Sache mit dem Perso erledigt ist, bevor wir zu ihr ins Auto steigen können.
    Uns erwartet ein von außen unscheinbares Haus, das innen sehr schön renoviert und modern eingerichtet ist.
    Paul ist schon in Rente, er hat das selbst gemacht. So ist auch sein Händedruck.
    Während Fatima eher schnattert, ist er sehr ruhig und wirkt etwas grummelig. Das liegt sicher auch eher an der etwas guturalen, knurrigen Aussprache.
    Bei einem Espresso und etwas Gebäck erzähle ich unsere Geschichte, und es dauert ein wenig, bis sich das Vokabular zwischen uns etwas eingeschwungen hat. Nun ja, bald soll die Rettung meines Sprachzentrums nach Hause kommen, Fatimas 14-jähriger Sohn Fari.
    Der rettet mein Sprachzentrum dann allerdings nicht, denn er traut sich mit seinem Deutsch nicht heraus.
    Fatima läßt uns mit Paul und Fari allein und krempelt das Dachgeschoß um. So klingt es zumindest. Ich erfahre mehr über Pauls sportliche Ambitionen und mein Mitwanderer und Fari stellen sich auf die Bildsprache des europäischen Fußballs ein. Schließlich ist der Heimatverein - mein Gott, hoffentlich schreibe ich jetzt nichts falsches - von Frank Ribbery in Metz.
    Nachtem das Gepolter im Dach aufhört, zeigt Paul uns die Dusche und wir machen uns salonfrisch.
    Das Abendessen soll - leider - nicht aus der auf dem Herd in Küchenmitte stehenden Tajine kommen, sondern aus der Pizzeria um die Ecke (ein Herzenswunsch von Fari).
    Wenngleich Fatima öfters wiederholt, sie wäre mit dem Sprichwort "Wo es für einen reicht, werden auch Zehn satt!" aufgewachsen.
    Schade! War es vielleicht ein Fehler, meine Hilfe in der Küche anzubieten?
    Eine Runde wildes französisches Multikulti flammt bei der Frage auf, ob die zu liefernde Pizza denn auch halal sei.
    Beim Essen geht's um Gott und die Welt, und das ist für mich so rein linguistisch ganz schön schwer. Wenn ich jetzt unwissentlich eine heilige Gans schlachte, sitzen wir auf der Straße!
    Wir unterhalten uns - nach wie vor auf mein Dollgemetsche gestützt - wirklich kurzweilig.
    Bis es ins Bett geht.
    Ja. Das Bett...
    Ist etwa 1,80 lang und 1,20 breit. Eine aufgeklappte, eher kleinere Schlafcouch.
    Ich kriege die Wandseite, denn da kann ich meine Füße noch auf einen Koffer legen.
    Als ich kurz vor dem Einschlafen bin, fühle ich, wie sich mein Kampfgenosse regt und aufsteht, um das Dachfenster zu schließen.
    Ich fühle kurz freien Fall und höre dann den Schlag. Benommen bleibe ich liegen, und das ist auch gut so.
    Mein Gewicht auf der äußeren Kante war nachdem das Gewicht der zweiten Person wegfiel - man kennt den Effekt von Bierbänken - außerhalb des tragenden Querschnitts, und so ist das Bett eben gekippt. Glücklicherweise hat es mich nicht komplett abgeladen, denn es wäre dann möglicherweise auf dem im Raum stehenden Glastisch niedergegangen.
    Wir haben ziemlich viel Spaß und ein wenig Glück, denn es ist nix kaputt.
    Am nächsten Morgen auf den Lärm angesprochen ist die offizielle Erklärung, daß ich aus dem Bett gefallen bin...

    Eine erholsame Nacht sieht wohl anders aus.

    Fazit des fünften Tages:
    Eine Geschichte, wie sie nur eine eher mäßig geplante Langstrecken-Wanderung schreiben kann!
    Mit Wetter zum Anfassen und nachdenlichen Momenten.
    Physisch in Ordnung, von mir aus könnte es etwas mehr sein. Aber andererseits: Im Regen auch noch beeilen, nein, das wäre nix!

    Nachtrag:
    Später auf dem Weg traf ich Karl.
    Der war im Herbst 2015 in der Gegend. Zu diesem Zeitpunkt ging man in der Mairie bereits wieder wesentlich routinierter mit Pilgern um:
    Es gibt in Dielouard wohl ein Haus, das für Pilger gegen überschaubares Entgelt zugänglich ist. Also: In der Mairie fragen!
    Geändert von QOM (09.11.2015 um 23:41 Uhr)
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  10. Erfahren
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    [DE][LU][FR] Jakobsweg: Dielouard - Toul

    #10
    6. / 13.Tag: Dielouard - Toul
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    Nittwoch, 1. April 2015
    Strecke: 29,4km - Etappe: 166,3km - Gesamt: 419,7km
    Gehzeit: 8:30 brutto / 6:15 netto

    Heute haben wir uns den Wecker etwas früher gestellt um auf jeden Fall noch alle Mitglieder des Gasthaushalts in den Tag verabschieden zu können.
    Aber wir brauchen den Wecker kaum. Ein auf das Dachfenster prasselnder Graupelschauer beendet den ohnehin schon recht seichten Schlaf abrupt.
    Wir rappeln uns vorsichtig und kichernd auf, damit das Bett mich nicht wieder ungefragt ablädt.
    In der Küche erwartet uns Paul mit zwei henkellosen Müslitassen voller Café au lait. Dazu gibt's dunkles Brot und Marmelade.
    Auf dem Tisch, ohne Teller.
    Fatima und Fari huschen kurz durch, bevor sie sich Richtung Schule und Werktätigkeit von dannen machen.
    Wir klären noch kurz das nächtliche Gepolter, das im Haus offenbar gut zu vernehmen war - Ich wiege immerhin gut hundert Kilo und bin halt beim Umdrehen von der Bettkante gefallen.
    Morgens ist Paul noch ein wenig knorriger.
    Wir frühstücken und füllen mit dem Rest Brot unsere Hello-Kitty-Boxen.
    Dann mache ich ein Angebot für die Übernachtung und Paul willigt grummelnd ein.
    Relativ schnell haben wir unsere Sachen gepackt.
    Während wir in der Garage unsere Regenkleidung überziehen, poltert ein weiterer Graupelschauer durchs Dorf.
    Ja, Paul, wir wollen wirklich weiter. Kein Tag fällt aus.
    Es wird zwar vielleicht etwas widerlich, aber es ist kein Starkwetter angesagt.
    Lothringen empängt uns heute morgen also ausgesprochen herzlich.
    Wir stapfen durch die Reste des Graupels los und finden recht schnell zum Weg zurück - klar, die Hauptstraße von Dielouard haben wir gestern ja schon in voller Länge erkundet.
    Rasch verläßt der Weg den Ort und schwingt sich zügig bergauf, wir verlassen also das Moseltal um eine Schleife abzukürzen.
    Auch das angeblich schöne Panorama in Liverdun streichen wir kurzerhand mangels Aussicht auf Aussicht aus dem Programm und planen dann stattdessen die im Führer angegebene Alternativroute.
    Der Weg ist gut zu finden, der GPS-Track akkurat, es läuft bestens.
    Kurz vor dem ersten Navigationspunkt in Saizerais kommt es überraschend zu kontrastreichen Szenen auf offenem Feld.


    Im Vordergrund: Fast gar nicht gefakedes Grün. Im Hintergrund: Saizerais


    Nein, ich trage nicht das lange Regenwams. Ich habe meinen Rucksack zwischen den Beinen stehen!


    Ein paar Sonnenstrahlen, und schon schwindet das Grau...

    In Saizerais bietet die weithin gut sichtbare Kirche etwas Windschatten, und wir machen eine erste Rast.

    Die Navigation im kleinen Ort ist einfach, nur nicht richtung Liverdun abbiegen, und schon bald finden wir uns auf einem der für die Gegend typischen breiten Wege wieder.
    Der geht ohne viel Aufhebens Richtung Wald, den wir bei etwa 8,5km erreichen.
    Der Wald wird aktiv bewirtschaftet und entsprechend wird der Weg nach und nach etwas rustikaler.
    Es geht bergab, bergauf und dann vor allem 2,5km genau geradeaus.
    Im Sommer ist dieses Waldstück sicherlich herrlich erfrischend, heute schützt es uns vor Wind und nachlassendem Wetter.


    Jetzt noch etwas farblos, im Sommer sicher herrlich...

    Bei etwa 14km verlassen wir den Wald und bemerken, daß sich das Wetter enorm gebessert hat. Mutig legen wir die Regenhosen ab und nähern uns dem nächsten Orientierungspunkt, dem Pavillion Bleu.

    Ein Bach mäandert malerisch Richtung Mosel und weist uns so den Weg.


    Saftige Weiden in Erwartung des Viehs


    Noch etwas müde, aber das Grün kommt durch!


    Er übt noch, aber das mit dem Schattenwurf kriegt der Baum im Laufe des Jahres noch hin!


    Pferde würden noch ins Bild passen...

    Wir erreichen Le Pavillion Bleu, das farblich enttäuscht.
    Dafür hat das Restaurant offen, und das kommt nach der eher kargen Befüllung der Brotdosen und dem etwas kalorienbewußteren Frühstück mit Paul echt gerade Recht.

    Wir werden freundlich aufgenommen, das Restaurant ist recht gut frequentiert und mit einem vorgebauten Zelt auf Heerscharen hungriger Reisender eingestellt.
    Wir ordern und bekommen ein Sandwhich und beste Unterhaltung.

    Ins Zelt poltert ein schnatternder Rucksack und hinterher ein bleicher Jüngling mit Pudelmütze, Parka, weißen Turnschuhen und Tragetasche.
    Hinter dem Rucksack kommt eine kleine Frau zum Vorschein, die sich an den Tisch neben uns setzt und wohl an meinem Grinsen (Pokerface übe ich noch!) erkennt, daß ich ihr Schnattern verstehe.
    Ich erkläre ihr mit meinem kulinarisch extrem fundierten Französisch die Speisekarte und, daß unser Sandwhich nicht drauf steht.
    Ich gebe Ihre Bestellung auf.
    Wir erfahren, daß die beiden auch auf dem Jakobsweg sind. Seit gestern. Wo genau sie gestartet sind, kriegen wr nicht raus. Heute Morgen sind sie jedenfalls mit dem Bus nach Liverdun gefahren und haben sich entlang der Mosel gefragt, ob sie richtig sind.
    Mit Google Maps und dem Pilgerführer haben sie schließlich Le Pavillion Bleu gefunden und fragen nun, ob wir ihnen hinsichtlich Orientierung und Wegweisung Tipps geben könnten.
    Auf die Frage, wie denn ihre Planung so wäre, erfahren wir, daß da eigentlich garnix geplant ist.
    Tobi wohnt in einer betreuten Jugend-Wohneinrichtung (warum auch immer). Fiona ist eine der Betreuerinnen.
    Tobi soll für einen Monat auf den Jakobsweg um seinen Kopf klar zu kriegen. Und Fiona soll ihn die ersten Tage begleiten, bis sie von ihrer Chefin abgelöst wird. Fiona hat erst zwei Tage vor Abreise von ihrem Glück erfahren.
    Sie kann - sorry, jetzt kommt echtes Klischee - sich zwar sozialpädagogisch korrekt einbringen, aber keinen Ton Französisch und schlecht organisieren. Und keine Karten lesen. Auch nicht entlang der begradigten Mosel.
    Wir erklären beiden den Weg nach Toul (aus der Tür raus, an den Fluß, und dann bis zur nächsten Stadt am Fluß entlang!).
    Fiona ist in ihrem Aktionismus nicht zu bremsen und schleppt Tobi, der nun eher so wirkt als wäre er nicht zu beschleunigen, aus dem Restaurant.
    Vor der Tür biegen die beiden beherzt in die Richtung ab, aus der wir gekommen sind.
    Wir nehmen noch einen kleinen Kaffee, zahlen und machen uns auch auf.
    Das Wetter hat sich extrem gebessert, die Sonne kommt etwas raus und wir erreichen den Fluß.
    Kurz bevor wir um die Ecke biegen, sehe ich die beiden Gestalten wieder aus dem Weg kommen und zu unserer Verfolgung ansetzen.


    Schnattert nicht, wenn er komische Vögel vorbeiziehen sieht: Schwan auf einem Nebenbecken der kanalisierten Mosel.

    Schon bald wird das Schnattern hinter uns wieder deutlicher und die beiden überholen uns mit einem kurzen Plausch und der Andeutung, daß sie sich wohl bis Toul besser in unserer Nähe halten würden um nicht verloren zu gehen.
    Tobi hat offensichtlich überhaupt keine Lust auf die ganze Nummer. Abgesehen von der extrem unpraktischen Ausrüstung - über die weißen Turnschuhe müssen wir während der nächsten Tag noch öfters herzhaft lachen - hat er überhaupt keine Ahnung, was der ganze Tinnef hier soll.
    Ich versuch's ihm kurz begreiflich zu machen, von wegen Loslassen, Gedanken kommen und gehen lassen, Eindrücke sammeln, Leere erfahren.
    Das ist aber ganz deutlich eine Ebene, mit der er als 17 oder 18 Jähriger absolut nix anfangen kann.
    Fiona brabbelt weiter, wie schön das doch alles wäre. Na, ob ich's so Klasse fände...
    In den wenigen Minuten höre ich mehr Worte als ich seit dem frühen Morgen mit meinem Begleiter gewechselt habe!
    Dennoch sind die beiden schneller, und wir lassen sie ziehen.
    Im Schatten der nächsten Brücke haben wir sie wieder, denn Tobi muß sich erst mal eine Kippe reinpfeifen und ist außerdem schon müde und schlapp.
    Wir laufen weiter. Dann kehrt wieder Ruhe ein.
    Fiona und Tobi haben wir in Toul am Abend nicht mehr gesehen...

    Nach dem Pavillion Bleu hat die Strecke weder landschaftlich noch navigatorsich nicht wirklich viel zu bieten.


    Jetzt ist wieder alles ruhig im Fluß. Begradige Mosel Richtung Toul.

    Es geht einfach für 10km am Flußufer lang, bei etwa 23 km steht die einzige Bank genau da, wo wir sie gebrauchen könnten.
    Wir halten nochmal Rast und streben bei heiterem Wetter mit eher kühlem Wind Toul entgegen.
    Die Vorstadt erreichen wir nach etwa 26km, das lädt alles aber wirklich nicht zum Verweilen ein. Zumal der Wind wieder etwas stärker wird und sich der Himmel wieder etwas mehr eintrübt.
    Das ändert sich, nachdem wir den eintmals gut befestigten Altstadt-Kern erreichen.


    Eines der Tore von Toul

    Auf der anderen Seite des Tores erwartet uns eine recht kurzweilige Altstadt. Nicht übermäßig bevölkert, und wenn, dann eher mäßig vertrauenswürdig. Die Häuser teilweise etwas morbide, teilweise ganz nett hergerichtet. Diei Straßen irgendwie halb gepflegt und geregelt.

    Die Mairie sieht natürlich aus wie geleckt.


    Hotel de Ville: Stets das erste Haus am Platz!

    Direkt nebenan erwartet uns wieder eine dieser schier unglaublichen Kathedralen.


    Hier hat man's mit der Symmetrieachse des Zugangs mal nicht so genau genommen: Kathedrale von Toul

    Herinnern scheint der Stein wieder schwerelos, wenngleich nicht so unbegrenzt wie in Metz.


    Macht auf Dauer Nackenstarre: Helles Hauptschiff der Kathedrale

    Die fragilen Fenster haben es hervorragend durch die Zeit geschafft oder wurden sehr liebevoll restauriert.


    Seitenfenster eines Querschiffs

    Der Hochaltar wirkt da fast ein wenig dunkel. aber nun gut, die Jungs sollen ja auch Andacht halten statt sich zu sonnen!


    Hochaltar der Kathedrale in Toul


    Wirkt architektonisch schon ein wenig als wäre er da irgndwie reingeschustert worden...

    Der Blick vom Altar zurück läßt allerdings schon ein wenig Neid auf des Pfarrers Arbeitsplatz aufkommen.


    Auch ohne anwesenden Gemeinde inspirierend!

    Mit recht wenig skulpturellem Protz wird der Blick immer wieder auf interessante Spiele von Licht und Schatten gelenkt.


    Lehrbuchmäßige Pfeilerbündel

    In der Kirche wird gerade emsig restauriert; offensichtlich ist gerade eine Baubesprechung im Gange. Ich kann einen Blick auf den Bepsrechungstisch erhaschen.


    Von wegen Generalschlüssel!

    Aus der Kirche wieder raus, bekommen wir an der Touristeninformation zwischen Kirche und Mairie unseren nächsten Pilgerstempel und machen uns auf den weiteren Weg zu einem der zentralen Plätze. In dessen Nähe soll es mehrere Hotels geben, eines davon sicher auch für uns.
    Um die Hotelsuche effizienter zu gestalten schickt uns Petrus noch ein wenig freundlichen Niesel. Das ist gut, denn es macht weniger wählerisch.


    Zentraler Platz in Toul

    Kurz darauf haben wir ganz in der Nähe eine ganz gemütliche Bleibe mit ZWEI BETTEN gefunden.
    Das wohlige Seufzen beim ersten Niederlegen ist sicher im ganzen Haus zu hören.

    Wir sind nicht ganz so spät dran und halten daher noch ein kurzes Nickerchen, bevor wir uns auf die Suche nach dem Restaurant für's Abendessen machen. Beim Durchlaufen sah das nach ziemlicher Vielfalt aus; beim zweiten Hinschauen bleibt immerhin die Wahl zwischen Döner und Pizzeria.
    Es wird die Pizzeria und wir gut sat.

    Der Abend wird nicht allzu lang, denn wir haben etwas Schlaf nachzuholen...

    Fazit des sechsten Tages:
    Nette Etappe mit einigen Längen und aber auch guter Unterhaltung. Die erste Hälfte sehr schön, die zweite eher was zum Durchbeißen.
    Aber insgesamt sind wir gut gelaunt wieder ein stück voran und allem Anschein nach wieder in der Zivilisation angekommen!
    Geändert von QOM (09.11.2015 um 23:42 Uhr)
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  11. Dauerbesucher
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    AW: [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    #11
    auch wenn du noch schreibst, darf ich hoffentlich eine Bemerkung dazwischen werfen

    Wie schön, dass es hier weiter geht, ich habe die letzten Tage immer mal wieder geguckt. Mir gefällt nämlich die Schreibe.
    Two roads diverged in a wood, and I—
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  12. Alter Hase
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    #12
    Danke für euren Pilgerwegsbericht.
    Bei so viel Ungastlichkeit würde ich sicher vom Glauben fallen

  13. Erfahren
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    #13
    Zitat Zitat von Sternenstaub Beitrag anzeigen
    auch wenn du noch schreibst, darf ich hoffentlich eine Bemerkung dazwischen werfen
    Wie schön, dass es hier weiter geht, ich habe die letzten Tage immer mal wieder geguckt. Mir gefällt nämlich die Schreibe.
    Danke für die Blumen am Wegesrand!
    Die hab' ich auf der Strecke echt vermisst.
    Ja, das mit dem Schreiben geht grad' nicht ganz so schnell voran wie ich gerne möchte.
    Zumal's mit frischen Erinnerungen und dem letzten Blasenschorf an den Füßen immer noch ein wenig leichter von der Hand geht...
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  14. Erfahren
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    #14
    Zitat Zitat von Abt Beitrag anzeigen
    Danke für euren Pilgerwegsbericht.
    Bei so viel Ungastlichkeit würde ich sicher vom Glauben fallen
    Hallo Abt,
    das war gerade an der zuletzt beschriebenen Etappe der echte Knaller.
    Es ging echt nix mehr, und dann tauchte da Fatima auf und quartierte uns einfach spontan ein.
    Im griechischen Theater nannte man so Figuren "Deus ex machina".
    Aber dergleichen folgen - soweit darf ich vorgreifen ohne zuviel zu verraten - noch mehr.

    Es ist wohl das, was viele Jakobspilger berichten: Es geht immer irgendwie weiter. Faszinierend.
    Klar...
    Die, für die es nicht mehr weiterging, können davon nicht mehr berichten.
    (Nassim Nicholas Taleb spricht bei so etwas glaube ich von der Evidenz der "stillen Zeugen".)

    Jetzt, wo ich fast durch bin, weiß ich, warum über die Strecke Trier-Dijon nicht so viel geschrieben wird.
    Das ist zwar kulturhistorisch total interessant, aber schon ziemlich entvölkert...
    Geändert von QOM (06.06.2015 um 00:11 Uhr)
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  15. Alter Hase
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    AW: [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    #15
    na,- Wollt schon fragen ob die überhaup schon in der EU sind
    Aber ist meist so: Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgenwo ein Lichtlein her....
    Sehr oft erlebt, was Hilfe heißt. Bleib weiterhin euer hintersinnender Leser der schrägen Schrift.

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    AW: [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    #16
    Lese auch mit Vergnügen mit. Die Region ist mir ja nicht ganz unbekannt. Gefühlt war es da schon immer so. Da kommen beim Lesen auch einige Erinnerungen hoch. Über geschlossene Hotels, düstere Kaschemmen, leere Dörfer, zusammenbrechende oder quietschende Betten, erstaunliche Restaurantpreise, aber auch sehr hilfsbereite Menschen. Über die Unheimlichkeit ehemaliger Schlachtfelder. Die Unkalkulierbarkeit der Infrastruktur. Ich hätte jedenfalls ein Zelt mitgenommen. Und mich auf die Cuisse de grenouille gestürzt.
    Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte. F. W. Nietzsche

    Mein neuer Reisebericht: Leeward, Windward und viel Natur. Nur mit Anmeldung lesbar.

  17. AW: [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    #17
    Sehr erfrischend. Junge, Junge, dich (euch) treibt es ja! Damit sind nicht die Etappenlängen gemeint, sondern dass du erst vor wenigen Monaten in Frankfurt gestartet bist. Super, das steigert meine Hoffnung, dich in kommenden Jahr in Santiago zu sehen. Gut, gut ... das ist ambitioniert. Lese ich in den Berichten immer mehr einen gewissen Pragmatismus heraus, oder bilde ich mir das nur ein? Hauptsache weiter, und es wird schon werden!

    Ab jetzt wandert/pilgert ihr durch Neuland. Ich bin gespannt.
    Geändert von Werner Hohn (06.06.2015 um 23:23 Uhr) Grund: Da fehlte ein d, was im Zitat weiterhin fehlen wird.
    .

  18. Erfahren
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    AW: [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    #18
    Zitat Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Sehr erfrischend. Junge, Junge, ich (euch) treibt es ja! Damit sind nicht die Etappenlängen gemeint, sondern dass du erst vor wenigen Monaten in Frankfurt gestartet bist. Super, das steigert meine Hoffnung, dich in kommenden Jahr in Santiago zu sehen. Gut, gut ... das ist ambitioniert. Lese ich in den Berichten immer mehr einen gewissen Pragmatismus heraus, oder bilde ich mir das nur ein? Hauptsache weiter, und es wird schon werden!
    Ab jetzt wandert/pilgert ihr durch Neuland. Ich bin gespannt.
    Hallo Werner,
    ja, ein wenig treibt es mich schon.
    Ich will selber auch wissen, wie die Geschichte weitergeht.
    Allerdings war es das - wenn ich Pech habe - für dieses Jahr schon wieder. Wenn ich Glück habe, kann ich im Herbst nochmal zwei Wochen weiter (Wenngleich die Auffassung von Glück und Pech nicht alle Betroffenen in gleichem Maße und Sinne teilen mögen.).
    Den Pragmatismus liest Du richtig. Um den geht es mir ein Stück weit. Nicht verkopfen - laufen! Es sei denn, es zieht irgendwo ernste Gefahr auf. Einfach mal aus der überorganisierten, überplanten Welt verabschieden...
    Ob ich Finisterre auf diese Weise irgendwann zu sehen kriegen werde, kann ich mir selbst nicht so recht ausmalen. Ist ja noch ein ganzes Stück...
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  19. Erfahren
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    AW: [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    #19
    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    Die Region ist mir ja nicht ganz unbekannt. Gefühlt war es da schon immer so. Da kommen beim Lesen auch einige Erinnerungen hoch. Über geschlossene Hotels, düstere Kaschemmen, leere Dörfer, zusammenbrechende oder quietschende Betten, erstaunliche Restaurantpreise, aber auch sehr hilfsbereite Menschen. Über die Unheimlichkeit ehemaliger Schlachtfelder. Die Unkalkulierbarkeit der Infrastruktur. Ich hätte jedenfalls ein Zelt mitgenommen. Und mich auf die Cuisse de grenouille gestürzt.
    Was denn?!? Da war schon mal jemand aus dem Forum?
    Das mit den leeren Dörfern ist echt wahr. Obwohl es da auch immer wieder geleckte, nagelneue Häuschen frisch gebaut am Ortsrand gibt!
    Wozu ein Zelt? Eine Nacht geht's auch mal ohne Schlaf. Irgendwas geht immer.
    Aber ich gestehe: Ich hatte auch daran gedacht. Weil's aber Nachts eher kälter als draußen ist und zudem (deutscher Maßstab!) es im Nirgendwo ja doch zumindest immer Hochsitze und Schutzhütten gibt, haben wir das gelassen...
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  20. AW: [DE][LU][FR] Jakobsweg: Merzkirchen - Perl - Metz - Toul - Contrexéville

    #20
    Zitat Zitat von QOM Beitrag anzeigen
    Was denn?!? Da war schon mal jemand aus dem Forum?
    Klar doch. 2005 und 2006 war ich da. Damals ist auch ein Wiki-Artikel über den GRP Metz - Nancy entstanden. Vielleicht seid ihr auch an diesem Wegweiser vorbeigegangen. Von 2002 bis 2006 sind wir immer wenn es gepasst hat, ein paar Tage die Mosel hoch von der Mündung bis Liverdun gewandert. Moselhöhenwege, lokale Wanderwege, frei durchs Feld, GR 5 und hin und wieder sogar auf dem Jakobsweg, der damals um Metz in den ersten Wehen lag. Von Dieulouard habe ich auch ein Foto, jedoch von der anderen Seite. *grins*

    Ab Liverdun kommt Wander-Neuland für mich, es sei denn ihr folgt noch ein Stück meiner Radroute von 2013 Richtung Süden.
    Geändert von Werner Hohn (06.06.2015 um 23:33 Uhr)
    .

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