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  1. Erfahren
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    [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Mainz- Bingen - Hunsrück - Trier - Merzkirchen

    #1
    Mitreisende: QOM
    Land: Deutschland
    Reisezeit: Spätherbst (2014)
    Wie? Mehrtages-Wandertour
    Route: Frankfurt - Mainz - Bingen - Rheinböllen - Simmern - Kirchberg - Fell - Trier - Merzkirchen

    Vorbereitung:
    Eher zufällig merkte ich vor einiger Zeit, daß ein deutscher Zubringer des Jakobswegs buchstäblich bei mir vor der Haustür vorbei führt.
    Diese Erkenntnis habe ich noch ein Weilchen sacken lassen, bis ich auch das Bedürfnis verspürte, mich auf den Weg zu machen.

    In der total verstädterten Annahme, ich wäre ja in Deutschland, da ginge immer was und alle Wege wären perfekt ausgeschildert, zudem würde ja praktisch hinter jeder Straßenecke ein weiches Hotelbett auf mich warten, habe ich es mir mit der Planung einfach gemacht.
    Die grobe Routenplanung gab es in der Übersicht der deutschen Jakobswege.
    Die passenden GPS-Tracks gibt es noch mal schöner und auch kostenlos bei EGoTrek.
    Die genannten Etappen sah ich wirklich nur als ganz grobe Richtschnur.
    Kein Pilgerführer, ein wenig Surfen zur Route und ein paar Sehenswürdigkeiten am Rande wird reichen.

    Für die Navigation kaufte ich mir keine Karte, sondern das erledigte ich mit dem Telefon.
    Auf meinem Samsung S4 läuft eine App namens "Locus", und die kann die benötigten Kacheln einer freien topografischen Karte auch herunterladen, so daß unterwegs keine Datenverbindung nötig ist.
    Zudem kann sie die Track-Dateien problemlos lesen und mich warnen, wenn ich mich um mehr als 200 Meter vom Track entferne.
    Die Batterie macht das ohne viel Spielen etwa 10 Stunden lang, da dürfte es auf keinen Fall Probleme geben - na, den Zusatz-Akkupack nehme ich mal lieber doch mit.

    Also, ohne große Packliste Rucksack auf, Krempel rein, wiegen.
    9,9kg, inklusive der schweren Winterjacke aber ohne Wasser.
    Da geht beim nächsten Mal sicher noch was, für den ersten Versuch ist es aber mal in Ordnung.

    Das war's dann zur Vorbereitung - ach ja, die Jakobusfreunde Paderborn stellen mir den Pilgerpaß aus.

    Und dann geht es halt eines freundlichen Herbstmorgens einfach mal los.
    Jeden Tag so weit die Füße tragen, mal schauen, wie weit ich in einer guten Woche tatsächlich kommen werde.

    Als einstmaliger Marathon-Läufer lege ich die Latte für den ersten Tag mal auf 40km.
    Zudem ich etwa 13km "außerhalb" der vorgeschlagenen Etappen bin. Das möchte ich ganz gerne in den ersten Tagen aufholen.
    Wenngleich die Etappenplanung natürlich nur eine Empfehlung ist, so ist eine aus der Praxis entstandene Empfehlung ja doch vielleicht immer mal ganz sinnvoll (später dazu mehr!).
    Geändert von QOM (27.10.2014 um 12:50 Uhr)
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  2. Alter Hase

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    AW: [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Mainz- Bingen - Hunsrück - Trier - Merzkirchen

    #2
    Hallo,

    die Presse verfolgt? Der Jakobsweg Frankfurt-Mainz ist zur Zeit gerade im Stadium "work in progress". Es gibt einen Verein, der das betreibt. Der hat bisher dreimal zur gemeinsamen Begehung einer Etappe eingeladen. War nett.

    Gekennzeichnet ist der Weg noch nicht. Das kommt aber. Die Kirchen am Wegesrand haben passende Stempel bekommen. Das wird alles.

    Wenn man mal vom Weg aus der Stadt heraus absieht - folgt der Jakobsweg dem Bonifatiusweg. Dessen Pilgerpass, Wanderkarte und Begleitheftchen kann man also auch benutzen.

    Von Mainz dann den Rhein entlang nach Bingen. Und auf dem Ausoniusweg bis Trier. Ab Trier ist der Jakobsweg dann ein ausgetretener Pfad.

  3. Erfahren
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    AW: [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Mainz- Bingen - Hunsrück - Trier - Merzkirchen

    #3
    Zitat Zitat von Enja Beitrag anzeigen
    die Presse verfolgt?
    Nö.

    Über die "richtige" Wegeführung durch Frankfurt kann man sicher lange philosophieren.
    Ich denke - mit einer Ausnahme - ist der GPS-Track historisch hinreichend akkurat.

    Ich werde in den nächsten Tagen berichten, wie mir weiland geschah.
    Navigationsprobleme hatte ich jedenfalls keine ernsthaften.

    Den Verein hatte ich zu kontaktieren versucht, ob die vielleicht Interesse an meiner Unterstützung oder meiner Erfahrung unterwegs hätten. Kam aber nix zurück...
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  4. Erfahren
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    [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Hochheim

    #4
    1.Tag: Frankfurt (Nord-Ost) - Hochheim
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    GPX-Track
    Für mehr Informationen, fahre mit der Maus über das Höhenprofil.
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    Freitag, 17. Oktober 2014
    Strecke: 43,8km - Gesamt: 43,8km
    Gehzeit: 9:30 brutto / 7:45 netto

    Der Wecker klingelt zu einer für einen Urlaubstag absolut unflätigen Zeit - 6:45.
    Aber heute soll es ja los gehen und das nicht zu spät.
    So ziehe ich nach einem ruhigen Frühstück und einem letzten Blick in den Rucksack um etwa 8:15 die Tür hinter mir zu.
    Der Weg beginnt an der Muschel, die am Straßenschild direkt vor der Tür klebt. Ganz am nordöstlichen Ende Frankfurts.


    Diese Tafel markiert den nordöstlichsten Punkt Frankfurts und erklärt, warum man auf dem Weg von Kiev nach Santiago genau hier vorbei kommt. Die Pilger werden allerdings nicht immer mit einer roten Couch empfangen. Die stand nur 2012 mal für ein paar Tage da.


    Jaja. Der Jakobsweg beginnt immer vor der eigenen Haustür. Aber sicher nicht immer so buchstäblich.

    Ich bringe die Navigations-Äpp auf Spur und laufe los.
    Es fühlt sich anfangs ziemlich seltsam an, mit Gepäck durch wohlbekanntes Gebiet zu stapfen. (An dieser Stelle keine Skyline-Bilder...)
    Aber schon bald - nach knapp 2km - biegt der in diesem Abschnitt perfekt ausgeschliderte Jakobsweg in eine Straße ein, in der ich wirklich noch nie war. Faszinierend.
    Es geht bergab durch die etwas weniger städtischen Wege einer Kleingartenanlage. Immerhin ohne Verkehr, aber natürlich mit dem ständig dröhnenden Verkehrslärm des Ballungsgebiets. Hecken links und rechts, nicht viel zu sehen.
    Dort, wo wohl bald ein neuer Autobahnknoten entstehen wird, unterquere ich die A661, durch weiterhin unbekannte Wege nähere ich mich der Eissporthalle von der Rückseite.
    Jetzt bin ich immerhin schon eine gute Stunde unterwegs.
    Plötzlich überrascht mich ein derber Schmerz in der Hüfte.
    Na klar. Ich bin den ganzen Sommer wie wild geradelt (natürlich ohne Dehnen), aber kein Stück gelaufen!
    Die Muskulatur lockert sich durch den Ostpark, durch den ich von dieser Seite aus auch noch nie gelaufen bin, und schon kurz vor der neu entstandenen Europäischen Zentralbank ist alles in bester Ordnung.
    Die Ausschilderung des Weges ist hier noch unglaublich detailliert, sogar um den Bauzaun der Baustelle herum.
    Beim Erreichen des Mains nach 9,5km sehe ich allerdings die letzte Muschel für eine lange Zeit. Das stört mich nicht, denn der Weg wird die nächsten Stunden am Fluß geführt. Da gibt es nicht viel Weg zu weisen.
    Es geht am sattsam bekannten Tiefufer des Mains glatt asphaltiert in Richtung Innenstadt; den Schlenker über den Römer spare ich mir als Einheimischer. (Auch hier wieder keine Skyline-Bilder...)
    Ich überquere den Main an meiner Lieblings-Fußgängerbrücke "Eiserner Steg" und setze meinen Weg flußabwärts fort.


    Liebesschlösser am Eisernen Steg. Man kann einen Schlüssel in den Fluß werfen. Aber wie geht das bei dem Zahlenschloß??

    Am Theodor-Stern-Kai mache ich mit Rückblick auf die Skyline meine erste Pause. (Nein, auch hier wieder kein Bild...)
    Völlig verdattert stelle ich fest, daß ich mir schon eine Blase an der Ferse gelaufen habe. Das ist nach 13km kein gutes Zeichen.
    Die Ursache ist leicht gefunden - Schuh nicht richtig gebunden. Aber da ist sie jetzt trotzdem.
    Zügig folge ich dem Radweg durch extrem lautes Terrain zwischen Fluß und Straße weiter mainabwärts.
    Vorbei an der Dienstleistungsstadt Niederrad, erst ab Goldstein vergößert sich der Abstand zur Straße und es wird etwas ruhiger.
    Nach 20,5km biegt mein GPS-Track vom Fluß weg ab, vermutlich um die Mainschleife mit dem Industriepark Höchst zu umgehen.
    Etwas verfrüht reiße ich die Arme in die Höhe als ich ein Ortsschild passiere, das das Ende Frankfurts markiert.
    Entlang der Schwanheimer Düne nähere ich mich dem navigatorischen Höhepunkt urbaner Fußwegführung - hier sagt ein Bild mehr als Worte:


    Die Kelsterbacher Direttissima: Drunter, durch, drüber, drunter. Aber wenn der Einstieg gefunden ist, ist es echt möglich!

    Ein kurzes Stück entlang der Schnellstraße und ich überquere den Main.
    Kurz drauf - jetzt bin ich etwa bei 25,5km - wird es in der Au des Mains endlich ruhiger. Viel ruhiger, mal abgesehen vom Flughafen.
    Zeit zum Durchschnaufen und für eine weitere Pause. Mann, der Ballungsraum zieht sich aber echt!
    Vor Okriftel sorgen Nutrias in einem Wassergraben für Kurzweil, denn sie lassen sich treudoof von Kindern füttern.
    In Okriftel selbst würde ich mich jetzt gerne mal füttern lassen. Ich habe Kohldampf.
    Kein Problem, wenngleich der Bäcker im Supermarkt wegen Renovierung geschlossen hat und ich mit Kaffeedurst weiter ziehe...
    Als ich Okriftel - 31km - wieder verlasse, sehe ich beim Queren der L3006 mal wieder eine Jakobsmuschel, allerdings das europäische Modell mit Sternen drumherum.
    Nach Eddersheim beginnt ein Flutdamm, auf dem der Weg ab dann geführt wird. Leider sieht man durch die dichten Bäume am Ufer nicht viel vom Fluß oder von der anderen Seite. Vollständig von Menschen gemachte, seelenlose Landschaft.
    Bei etwa 38km habe ich Flörsheim passiert und muß das Hafenbecken umgehen.
    So langsam denke ich, mein Tagwerk könnte getan sein. Aber der Flughafen ist noch so laut.
    Also noch ein Stück weiter. Sagen wir Hochheim.
    Ich navigiere kurz und verlasse den Jakobsweg, denn der ginge auf der anderen Seite der Bahnlinie entlang.
    Kurz nach Falkenberg beginnen die Weinberge und der Weg steigt sanft Richtung Hochheim an.
    Mitten in einem Weinberg steht ein Schild, das mich am 50. Breitengrad begrüßt. Außerdem sagt es, nördlich dieser Linie würde kein Qualitätswein wachsen. Warum steht es dann mitten im Weinberg??
    Zwischenzeitlich habe ich wirklich genug. Die Steigung - ja, es geht in Summe auf den letzten Kilometern etwa 30 Höhenmeter aufwärts! - macht mich völlig fertig.
    Ich erreiche den Ortskern von Hochheim auf dem kürzesten Weg, und das Hotel ist genau dort, wo es im Schema einer klassischen Ortschaft hingehört. Außerdem hat es einen Griechen im Haus!
    Nach 43,8km beschließe ich den ersten Tag mit einer großen Grillplatte. Und, sehr zur Verwunderung des Wirts, esse ich sie nicht nur auf, sondern weise ihn mit Ouzo und Rechnung zunächst ab, um mir noch ein Dessert zu bestellen.

    Fazit des ersten Tages:
    Total überzockt, euphorisch losgerannt, durch den Krach der Umwelt nix gemerkt, mir tut jeder Knochen weh!
    Sicher keine genußreiche Sahne-Etappe des Weges, sondern einfach der kürzeste Weg durch den Ballungsraum. Eine völlig alternative Wegeführung hätte für mich auch die nördliche Umgehung Frankfurts sein können. Das wäre zwar vielleicht ein Stück weniger historischer Weg gewesen - denn man bewegte sich ja doch eher entlang der Flüsse. Aber es wäre wesentlich ruhiger und landschaftlich ungleich schöner gewesen! (Der in Gegenrichtung verlaufende Bonifatiusweg wird so geführt...)
    Geändert von QOM (09.11.2015 um 22:17 Uhr)
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  5. Alter Hase

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    AW: [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Mainz- Bingen - Hunsrück - Trier - Merzkirchen

    #5
    Na dann mal weiter. Das Praktische daran, wenn man tagelang durch die Vororte seiner Heimatstadt wandert. Man hat einen anderen Blickwinkel und kann abends bequem mit der S-Bahn nach Hause fahren.

    Aber ich bin gespannt. Schreib mal weiter. Ich hoffe, du bist in Hochheim königlich bewirtet worden?

    Der Verein hat ein Heer von Unterstützern. Beim gemeinsamen Begehen der Strecke war das eine große Gruppe. Fast alle Teilnehmer waren entweder schon bis Santiago gelaufen, auf dem Weg dahin oder Spezialisten für diverse andere Pilgerwege. War sehr informativ.

  6. Erfahren

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    AW: [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Mainz- Bingen - Hunsrück - Trier - Merzkirchen

    #6
    Schöner Bericht, der Lust auf mehr macht

  7. Alter Hase

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    AW: [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Mainz- Bingen - Hunsrück - Trier - Merzkirchen

    #7
    Stimmt, ab Schwanheim hast du einfach den direkten Weg genommen. Der offizielle Jakobs-/Bonifatiusweg wäre netter gewesen. Aber natürlich auch erheblich länger.

    Ich finde, egal welche der beiden Varianten man nimmt, die Landschaft dort surreal. Optisch gar nicht mal so schlecht, wenn man bedenkt, dass man im wesentlichen ein riesiges Gewerbegebiet durchquert, was nicht immer so ins Auge fällt, weil der Jakobsweg durch den schick gestalteten Landschaftspark führt, der die renaturierte Müllkippe ist. Alles sehr eigen. Mit einem gewissen schrägen Reiz.

    Dazu dann das Dauer-Gedonner der Flugzeuge, abhängig natürlich von der Windrichtung. Es kann auch ziemlich ruhig sein. Dazu all die Autobahnen und ICE-Linien.

    Ich hätte es interessant gefunden, wenn du in Hochheim mal am Pfarrhaus angeklopft hättest. Der dortige Pfarrer ist schwerst aktiv im zugehörigen Verein und hat schon mehrfach verkündet, jeden Pilger bewirten zu wollen. Zur potenziellen Beherbergung habe ich allerdings noch nichts gehört. Es ist aber nicht ganz aussichtslos, Gemeinden am Wegesrand um Obdach zu bitten.

  8. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Mainz- Bingen - Hunsrück - Trier - Merzkirchen

    #8
    Hallo QOM.

    Ein vielversprechender Anfang! Das Loswandern an der eigenen Haustür ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn man mit Rucksack und Wanderstiefel durch das eigene Viertel wandert kommt man sich ganz fehl am Platze vor. Bei mir hat das aber immer schon nach wenigen 100 Metern recht schnell nachgelassen.
    Den Teil hinter Frankfurt kenne ich auch. So schlimm fand ich ihn gar nicht - abgesehen vom Lärm!
    Ich freue mich auf eine Fortsetzung mit mehr Bildern! Auch so ein Effekt: Man kennt seine Heimat so gut, dass man sie selten fotografiert wie man sie selber sieht. Aber andere interessiert vielleicht genau diese Sichtweise.

    In freudiger Erwartung auf das was da noch kommen möge ...

    Wafer

  9. Alter Hase

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    AW: [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Mainz- Bingen - Hunsrück - Trier - Merzkirchen

    #9
    Nein, "schlimm" ist es dort nicht. Abgesehen vom Lärm. Und der ist abhängig von der Windrichtung. Man kann dort also durchaus auch lärmfrei wandern. Es geht halt deutlich in Richtung "Metropolitan Outdoor". Für mich macht das einen speziellen Reiz aus.

    Mal abgesehen davon, dass man in Hochheim so gut wie in Mainz ist. Und ab dort wirklich "im Grünen".

  10. Erfahren
    Avatar von Lookas
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    AW: [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Hochheim

    #10
    Schöner Bericht! Die Diretissima gefällt mir - eine sehr coole Karte! Bin auch gespannt, wie es weitergeht ...

    Zitat Zitat von QOM Beitrag anzeigen

    Jaja. Der Jakobsweg beginnt immer vor der eigenen Haustür. Aber sicher nicht immer so buchstäblich.
    Werden bei euch die Markierungen auch so absurd gedreht? Als ich bei uns den Pickerweg erstmarkiert habe, gab es auch unsinnige Diskussionen darüber, in welche Richtung die Muschelstrahlen zeigen sollen! Unfassbar. Ich bin bis heute immer wieder überrascht, was für komische Meinungen dazu herumgeistern ...
    Das muss das Boot abkönnen!

  11. Erfahren
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    AW: [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Hochheim

    #11
    Zitat Zitat von Lookas Beitrag anzeigen
    Schöner Bericht! Die Diretissima gefällt mir - eine sehr coole Karte! Bin auch gespannt, wie es weitergeht ...
    Werden bei euch die Markierungen auch so absurd gedreht? Als ich bei uns den Pickerweg erstmarkiert habe, gab es auch unsinnige Diskussionen darüber, in welche Richtung die Muschelstrahlen zeigen sollen! Unfassbar. Ich bin bis heute immer wieder überrascht, was für komische Meinungen dazu herumgeistern ...
    Ja, die Direttissima war echt einer der Höhepunkte!
    Aber wie eine Direttissima nun mal so ist: Wenn Du den richtigen Einstieg gefunden hast, ergibt sich der Rest praktisch zwangsläufig.
    Wenn ich mal wieder mit dem Fahrrad an der Schwanheimer Düne bin, werde ich sie einfach aus purer Lust nochmal fahren!

    Mit der Richtungsweisung durch die Muschel gibt es in der Tat Varianten - aber wem sag' ich das?
    Ich habe im Kopf, daß der Scharnier der Muschel die Richtung zeigt, in die es geht. Im Bild also geradeaus. Das ist in Frankfurt so konsequent umgesetzt.
    Habe es unterwegs aber auch ebenso konsequent umgekehrt gesehen.
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  12. Erfahren
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    AW: [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Mainz- Bingen - Hunsrück - Trier - Merzkirchen

    #12
    Zitat Zitat von Enja Beitrag anzeigen
    Stimmt, ab Schwanheim hast du einfach den direkten Weg genommen. Der offizielle Jakobs-/Bonifatiusweg wäre netter gewesen. Aber natürlich auch erheblich länger.

    Ich hätte es interessant gefunden, wenn du in Hochheim mal am Pfarrhaus angeklopft hättest. Der dortige Pfarrer ist schwerst aktiv im zugehörigen Verein und hat schon mehrfach verkündet, jeden Pilger bewirten zu wollen. Zur potenziellen Beherbergung habe ich allerdings noch nichts gehört. Es ist aber nicht ganz aussichtslos, Gemeinden am Wegesrand um Obdach zu bitten.
    Ja, denn die Schwanheimer Düne ist einer meiner surrealen Lieblingsorte!

    Weil ich genau genommen gar nicht pilgere, sondern "in eigener Sache" reise*, habe ich mich auf Herbergen und geistlichen Beistand auf dem Weg nicht allzu intensiv vorbereitet.
    Entsprechend würde ich nicht zuerst bei der Pfarrgemeinde klopfen und - ohne Not - von dort keine kostenfreie Hilfe erwarten. Ich bin zudem in der Vermögenslage, mir Reise und Essen in der Regel leisten zu können (und zu wollen) und tendenziell eher in den Topf einzuzahlen als ihn zu leeren.
    Natürlich öffne ich mich der christlichen Kulturerfahrung; sonst hätte den Weg nicht gewählt!

    So, jetzt zum *:
    Wirklich kirchlich motivierte Pilgerer oder Wallfahrer haben - wenn ich das richtig verstanden habe - immer ein Pilgermotto oder einen Spruch dabei, der sie auf dem Weg begleitet und über den sie auf dem Weg nachsinnen mögen.
    Zudem erwarten sie auf dem Weg, daß ein Teil der Dreifaltigkeit zu ihnen spricht.
    Ich will vor allem die Ruhe und Kraft in mir selbst finden und kultivieren. Eher ein buddhistischer Ansatz.
    Letztlich macht das im Ergebnis der Reise wohl kaum einen Unterschied. Aber ein christlich motivierter Pilger muß über mein Herangehen den Kopf schütteln, denn mir geht das für ihn wesentliche Element vollständig ab.
    Was nicht heißt, daß ich die Spiritualität am Wegesrand nicht in vollen Zügen genießen würde. Aber das ist ja eher ein "Heidenspaß".
    Das Thema läßt sich episch diskutieren, denn letztlich ist die mir zuteil werdende Klärung ja doch auch irgendwie als göttliches Wirken zu deuten und umgekehrt ginge die Erleuchtung des christlichen Pilgers sicher auch als einfache spirituell-kontemplative Reduktion durch - wenn man das so werten möchte...
    Ich freue mich mit allen, die eine solche Reise überhaupt beginnen, egal aus welchen Motiven!
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  13. Erfahren
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    AW: [DE] Jakobsweg: Frankfurt - Mainz- Bingen - Hunsrück - Trier - Merzkirchen

    #13
    Zitat Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
    Ein vielversprechender Anfang!

    Auch so ein Effekt: Man kennt seine Heimat so gut, dass man sie selten fotografiert wie man sie selber sieht. Aber andere interessiert vielleicht genau diese Sichtweise.
    Danke!

    Ja, die Heimat kenne ich in der Tat auch fotografisch eher besser, und es war kein außergewöhnliches Fotowetter.

    Mit den Bildern habe ich mich dieses Mal aber generell etwas zurückgehalten, ich habe mich wirklich auch sehr stark auf das eigentliche Gehen konzentriert.
    Zudem hatte ich Fotowetter nur sehr beschränkt. Da, wo sich außergewöhnliche Panoramen hätten öffnen sollen, schloß sich meist der Dunst um mich.
    Aber ich will nicht zuviel vorwegnehmen...
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  14. Erfahren
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    [DE] Jakobsweg: Hochheim - Ober-Ingelheim

    #14
    2.Tag: Hochheim - Ober-Ingelheim
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    Samstag, 18. Oktober 2014
    Strecke: 36,5km - Gesamt: 80,3km
    Gehzeit: 9:00 brutto / 7:15 netto

    Der Wecker klingelt zu einer für einen Urlaubstag absolut unflätigen Zeit - 6:45. Ich glaube, ich erwähnte es gestern bereits.
    Erstaunt rappele ich mich hoch und stehe auf. Ich hatte mit ganz großen Schmerzen gerechnet.
    Bin ich vielleicht über Nacht verstorben, ohne es mitzubekommen?
    Jedenfalls tut nix weh, und das ist gut.
    Das Frühstück ist unspektakulär, es reicht, um die Brotdose mit Tagesproviant zu füllen.
    Weil ich's heute nicht so übertreiben will wie gestern, lasse ich mir etwas Zeit.
    Zudem habe ich ja noch keine tägliche Routine, auf die ich als blutiger (leider im Falle der Fersenblase wörtlich) Anfänger zurückgreifen könnte.
    Um halb Neun stehe ich auf der Straße und starte die Elektrik.
    Weil die Wettervorhersage zwar gut, der Nebel aber noch dicht ist, spare ich mir den Rundgang zu möglichen Panoramapunkten, sondern orientiere mich geradewegs Richtung westlichem Orstsrand und von dort durch die Weingärten zügig abwärts Richtung Fluß.
    In den Weingärten könnte eine herrliche Aussicht über das Maintal locken, aber stattdessen drückt der Nebel den Geruch nach zum Düngen abgekippten Trester und essigsauren Trauben durch die Felder - denn in der Region gab's dieses Jahr Probleme mit einem Schädling, so daß ein Teil der Trauben gar nicht erst geerntet wurde.
    Ich erreiche und unterquere erst die Autobahn (A671) und dann zwei Bahnlinien und schon bald bin ich wieder auf dem Flutdeich, dem der Jakobsweg flußabwärts bis Kostheim folgt.
    Der Weg zwängt sich zwischen Uferdickicht und Umzäunung der traditionsreichen Papierfabrik in Richtung Kostheim - den Aussichtspunkt spare ich mir mangels Aussicht auf Aussicht.
    Kurz drauf würde der Weg durch eine wunderschöne Kastanienallee am Fluß entlang zur Mündung des Mains in den Rhein geführt.
    Aber die ist gesperrt und eingezäunt weil sie demnächst komplett abgeholzt werden soll. Der Widerstand äußert sich am Zaun rege, ich erkenne aber noch keine auf den Bäumen hausenden oder daran festgeketteten Aktivisten. (An dieser Stelle habe ich es in Gedanken versunken leider voll verpennt, diese einzigartig morbide neblige Stimmung fotografisch einzufangen.)
    Ich erreiche den Rhein und erkenne einen Teil der Silhouette von Mainz. Nicht fern aber trozdem kaum zu erkennen.
    Der gut ausgebaute Uferweg bring mich zügig an die Straßenbrücke, die mich von Kastel Richtung Innenstadt läßt.
    Am Ufer ist Flohmarkt, und so verlasse ich den vorgesehenen Weg, um mich durch den Betrieb des Samstagvormittags in Richtung Dom zu orientieren.
    Den erreiche ich am Markttag. Immerhin ist er im Dunst aus der Nähe klar zu erkennen. Und glücklicherweise kaum eingerüstet.


    Mehr Dom-Panorama gibt es heute nicht!


    Markttag am Mainzer Dom. Den Pilgerstempel gibt es im Dom-Büro genau geradeaus!

    Leicht erreiche ich durch das Marktgeschehen das Dom-Büro. Dort werde ich mit der Frage "Jakobus oder Bonifatius?" begrüßt und erhalte meinen ersten Stempel.


    So sieht also ein Pilgerstempel aus...

    Ich bin heute mit dem Vorsatz unterwegs, es etwas langsamer angehen zu lassen. Also nehme ich mir - wenn ich denn nun schon mal da bin - auch die Zeit für eine kurze Dombesichtigung.
    Es empfängt mich eine an diesem Tag ziemlich düstere, traditionsreiche Kirche.


    Hauptschiff des Doms. Blick leider nicht auf der Mittelachse, denn wer hat sein Taschenstativ daheim vergessen??


    Blick auf den Altarraum und die Fenster dahinter.

    In aller Ruhe kann ich auch einen Blick in den Kreuzgang werfen - im Sommer sicher ein herrlicher Ort.


    Kreuzgang des Mainzer Doms. Ich gestehe, die Sonne kommt von der Bildbearbeitung!


    Praktische Raumgestaltung: Steht der jetzt unter dem Trägersockel weil er keinen Kopf hat oder hat er keinen Kopf weil...

    Ich verlasse den Dom und setze meinen Weg fort.
    Der ist zunächst sehr sorgfältig ausgeschildert, irgendwo in der Altstadt biege ich nochmal falsch ab.
    Überraschend ruhig geht es nach und nach aus Mainz heraus.
    Am Ende des Hauptfriedhofs verlasse ich den GPS-Track, denn der hier vorgesehene Schlenker scheint mir nicht attraktiv - außerdem folge ich der in Mainz an sich sehr guten und konsistenten Wegweisung.
    In Gonsenheim erreiche ich einen Bach, dem der Weg folgt und finde einen Garten mit einer sehr einladenden Bank zum Rasten. Das Gartentor ist offen und der Eigentümer von Garten und Bank ein rechter Spaßvogel.
    Trotzdem verschwätze ich mich nicht zu sehr, sondern setze meinen Weg recht bald fort.
    Nach Gonsenheim geht es in den Wald.
    Zwar kein toller Urwald, sondern ein von Joggern, Reitern, Spaziergängern und allen anderen Gattungen Naherholender rege frequentierter, schnell wachsender Kulturwald.
    Aber immerhin mal etwas Grün!
    Es geht ziemlich geradeaus nach Budenheim.
    Der Ort begrüßt mich mit Dokumentationsschildern zu seiner historischen Bedeutung am Jakobsweg, inklusive Adresse der Stempelstelle.
    Die Kirchengemeinde dort weiß zwar von ihrem Glück, aber keiner weiß so recht, wo der Stempel ist...
    Kurz vor dem Ortsausgang gibt es wieder eine Differenz zwischen der Wegweisung und meinem GPS-Track. Ich folge der Wegweisung, denn der Rhein verspricht an dieser Stelle keine außergewöhnliche Schönheit.
    Schon bald bin ich wieder auf der Dammkrone unterwegs, das landschaftliche Spektakel hält sich in Grenzen. Immerhin ist das Wetter zwischenzeitlich etwas aufgehellt.
    Im Trott verpasse ich den Abzweig nach Heidesheim, aber mein GPS weckt mich nach kurzer Zeit.
    Ich treidele durch den Ort, finde die Eisenbahn-Unterführung (ich muß bei dem Ort ein wenig an "Asterix und der große Graben" denken) und bin schon bald leicht bergan in den Feldern Richtung Ingelheim.
    Ich wollte es ja heute nicht überreizen, also soll das das Tagesziel werden.
    Beim Blick den Berg hinab nach Ingelheim lockt der Ort eher nicht. So folge ich dem Weg weiter Richtung Ober-Ingelheim und vertraue darauf, daß ich dort eine Unterkunft finden werde.
    Dieses Vertrauen wird stark strapaziert, wie der im Track sicherlich gut sichtbare Suchkreis präzise dokumentiert.
    Ich finde ein traumhaftes Zimmer in einem Weingut, und heute schaffe ich es sogar ohne Festhalten die Treppen hoch.
    Das Auspacken der Füße taugt nicht gerade zur leckeren Vorspeise. Die Blasen sind nicht kleiner geworden, es sind sogar noch ein paar niedliche an den kleinen Fußzehen dazu gekommen. Was soll das?!? Mit dem Fabrikat Socken habe ich blasenfrei für zig Marathons trainiert!
    Ich gräme mich nicht weiter, denn kleine Fußzehen können ja auch nur ein klein wenig schmerzen...

    Gestern war griechisch, also ist heute der Italiener vor Ort dran, und das ist ein echter Glückstreffer.
    Denn der Deutsche Meister im Pizzabacken kommt aus ...Trommelwirbel... Ober-Ingelheim.
    Der Laden ist extrem produktiv organisiert und brummt ohne Ende. Maestro macht aber nicht die Honeurs, sondern schuftet am Ofen wie ein Besessener.
    Extrem leckere Sache und der Ausklang eines etwas gemäßigteren Tages.
    Dennoch wollen auch die etwas weiteren Turnschuhe nicht so recht passen. Ich will weiter, meine Füße eher nicht.

    Fazit des zweiten Tages:
    Na also, geht doch! Man kann auch ohne größere Gewalt ganz gut vorankommen! Was so etwa Zehn Prozent weniger Tempo gefühlt an Belastungsempfinden ausmachen!
    Ich habe heute den Preis für gestern gezahlt, bin aber dennoch ganz glimpflich davongekommen.
    So langsam macht sich im Hirn etwas Ruhe breit - in etwa in dem Maße, in dem der Ballungsraum aus dem Bewußtsein verschwindet.
    Fein!
    Die Fruchtfliegen des Weinguts bemerke ich nur noch am Rande, schon bald umfängt mein Bewußtsein rabenschwarze Nacht...
    Geändert von QOM (09.11.2015 um 22:18 Uhr)
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  15. Lebt im Forum
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    AW: [DE] Jakobsweg: Hochheim - Ober-Ingelheim

    #15
    Zitat Zitat von QOM Beitrag anzeigen
    In Gonsenheim erreiche ich einen Bach, dem der Weg folgt und finde einen Garten mit einer sehr einladenden Bank zum Rasten. Das Gartentor ist offen und der Eigentümer von Garten und Bank ein rechter Spaßvogel.
    Trotzdem verschwätze ich mich nicht zu sehr, sondern setze meinen Weg recht bald fort.
    War das die Bank mit dem alten Metallschild "Parkplätze sind samstags für Kirchenbesucher frei zu halten" oder so ähnlich?
    Falls ja: Der Besitzer ist in der Tat ein Schwätzbrett, aber ein ganz netter.
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  16. Erfahren
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    AW: [DE] Jakobsweg: Hochheim - Ober-Ingelheim

    #16
    Zitat Zitat von Chouchen Beitrag anzeigen
    War das die Bank mit dem alten Metallschild "Parkplätze sind samstags für Kirchenbesucher frei zu halten" oder so ähnlich?
    Falls ja: Der Besitzer ist in der Tat ein Schwätzbrett, aber ein ganz netter.
    In der Tat, genau der!
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  17. Lebt im Forum
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    AW: [DE] Jakobsweg: Hochheim - Ober-Ingelheim

    #17
    Zitat Zitat von QOM Beitrag anzeigen
    In der Tat, genau der!
    Sehr geil. Da hättest Du bei mir auf einen Kaffee vorbei kommen können, das wäre fast in Wurfweite gewesen.
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  18. Erfahren
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    AW: [DE] Jakobsweg: Hochheim - Ober-Ingelheim

    #18
    Zitat Zitat von Chouchen Beitrag anzeigen
    Sehr geil. Da hättest Du bei mir auf einen Kaffee vorbei kommen können, das wäre fast in Wurfweite gewesen.
    Bin ich Don Camillo?
    Werfe ich Bänke??
    Aber ja, den Kaffee hätte ich da schon zwischendurch gebrauchen können...
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  19. Erfahren
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    [DE] Jakobsweg: Ober-Ingelheim - Rheinböllen

    #19
    3.Tag: Ober-Ingelheim - Rheinböllen
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    Sonntag, 19. Oktober 2014
    Strecke: 38km - Gesamt: 118,3km
    Gehzeit: 9:00 brutto / 7:30 netto

    Natürlich klingelt der Wecker wieder zur absolut unflätigen Zeit - 6:45. Diesmal allerdings erfolglos. Schon beim ersten Wisch vertausche ich schlummern und abschalten. Und schalte auch selbst nochmal für eine kurze Zeit vollständig ab.
    Dennoch schaffe ich es, um 9 Uhr fertig bepackt und mit einem anderen Typ Socken an den Füßen im dichten Nebel vor dem Hoftor zu stehen.
    Erst läuft die Elektrik los, dann ich selbst.
    Zögerlich zunächst, aber schon bald habe ich wieder den gewohnten Schritt.
    Ich verlasse Ober-Ingelheim zügig bergab und schon nach wenigen Minuten steigt der Weg langsam in die sicherlich malerischen Weinberge mit herrlichem Panorama über das Rheintal. Also mal so rein imaginär, wenn man sich den Nebel mal wegdenken würde.
    Zur besten Kirchgangs-Zeit mit weithin hörbarem Glockengeläut erreiche ich Gau-Algesheim. Und spare mir den im GPS-Track vorgesehenen Abstecher in die Ortsmitte. Denn ich werde jetzt weder die Kirche besichtigen noch mir einen Stempel holen können.
    Ich überquere die heute nicht hörbare Bahnlinie - so ein Lokführerstreik hat auch etwas für sich.
    In den Feldern hinter Gau-Algesheim sehe ich abgeerntete Felder im Nebel, aber auch ungeerntet verkommende Parzellen. Dazwischen flattern träge die Krähen, die ich vor mir her treibe. Keine Menschenseele.
    Kein schöner Land in dieser Zeit.
    Mir kommt allerdings eher die komische Version in den Sinn - Hagen Rether hatte mal eine Zugabe, in der er Günther Grass' Gedicht "Novemberland" auf die Schippe nahm.
    Nur schwerlich kann ich an mich halten, laut herauszuplatzen:
    "Liieegt brrraaaach dass Laand zum Frrraaaaß deeerr Krrrääähenschaaar!"
    Grinsend trotte ich weiter und erreiche bei Bingen-Gaulsheim den Rhein. Denke ich zumindest.
    Zu sehen ist von Vater Rhein nicht viel, denn der liegt noch mit Decke im Bett.


    Die Bäume zeigen nicht das andere Ufer an, sondern den Damm zwischen Hauptbett und Nebenarm.


    Trübe Morgenstimmung am Fluss...

    Ich finde ein paar größere Steine am Ufer, auf denen ich eine Pause machen kann.


    Hier hat die Bildbearbeitung ganze Arbeit geleistet! Im Original ist fast nur Ursuppe zu sehen.


    Aber auch, wenn die Tüte vorne am Apparat "Objektiv" heißt: Ein Bild soll nicht die Wahrheit zeigen, sondern das, was man darin gesehen hat...

    Weil der Fluß ja eher nicht da ist, mache ich eine andere, folgenschwere Entdeckung:
    Ich entdecke, wie sich die troddelligen langen Riemen meines Rucksacks zusammenrollen und fixieren lassen, so daß sie nicht so nervig herumbommeln. Außerdem schaue ich mir bei der Gelegenheit auch einige Riemen an, denen ich bislang keine größere Beachtung geschenkt hatte. Und komme ins Grübeln. Moment mal, wenn man diese Riemen hier ein wenig anzieht, müßte die Basis des Rucksacks fester auf dem Hüftgurt stehen. Dieser Riemen hier müßte dann das Oberteil nah an den Rücken bringen, auch wenn man die Schultergurte etwas lockert, ja..., soo..., und dann müßte...
    Als neuer Mensch laufe ich weiter, denn von nun an sind die Schultern nicht mehr wesentlich am Tragen des Gewichts beteiligt!
    (Nicht vergessen, lieber Leser: Ich blutiger Anfänger, Du wahrscheinlich Halbprofi!)
    Ich folge dem Fluß weiter bis Bingen; aufgrund des nahen Hafens und der Stadt gibt es hier sogar mal Menschen. Aber durch den Lokführerstreik nach wie vor sehr wenig Lärm.
    Das ganz, ganz langsam sich öffnende Uferpanorama noch ein wenig genießend, weiche ich ein wenig von meinem Track ab. Macht aber nix, denn spätestens an der nahen Nahe-Mündung ist der Abzweig sicher und nicht zu verfehlen.


    Bingen: Burg Ehrenfels paßt auch im Nebel auf, daß die Nahe-Mündung nicht verloren geht.


    Bingen: Der Nebel reißt kurz ein wenig auf und offenbart so etwas wie eine Art Flußpanorama.

    Hier ließe sich mit Kunst und Schaugärten bestimmt herrlich ein wenig in der Sonne herumtrödeln, wenn sie denn nun schiene...


    Bingen: Ich kann einen kurzen Blick auf die Germania erhaschen, bevor sie wieder im Nebel verschwindet.


    Bingen: Andeutung eines klassichen Germania-Postkartenpanoramas...

    Ich brauche aber noch ein wenig städtische Infrastruktur und mache daher einen Schlenker durch Bingen.
    Den Weg hoch auf Burg Klopp spare ich mir allerdings, denn der große Durchblick läßt wohl noch ein wenig auf sich warten und die Burg selber interessiert mich architektonisch nicht so brennend.
    Ich hatte eigentlich etwas mehr touristische Hoffnung in die nach etwas mehr als 15km erreichte Drusus-Brücke über die Nahe gelegt - Deutschlands älteste Steinbrücke. Da ist es aber wohl mehr die Idee, die zählt.
    Die Nazis haben die Originalbrücke auf dem Rückzug gesprengt. Nach dem Krieg wurde an gleicher Stelle im ähnlichen Stil eine wesentlich breitere Brücke errichtet, über die heute ein Zubringer zur B48 geführt wird. Auch kann man das Bauwerk von keiner Seite so richtig panoramisch goutieren, denn Uferdickicht, Landesstraße, Bundesstraße und Bahnlinie engen Bewegungsmöglichkeiten und Sicht deutlich ein (deshalb mal wieder kein Bild).
    Jetzt ändert sich der Jakobsweg, der ab der Brücke zusätzlich und sehr gut als Ausoniusweg ausgeschildert ist, ganz grundlegend:
    Der Weg wird mit dem Hinweis, es handele sich von nun an um eine traditionsreiche römische Wegführung, schmal, weich und geht im Wald sehr kräftig bergauf. Römerstraße, soso...
    Ich bin alleine, und der Weg wird schon bald ruhig, sehr ruhig. Im Dämmerlicht des überwiegend dichten Waldes folgen die Höhenlinien im Minutentakt. Bei etwa 17,5km begrüßt mich in Weiler eine sehr verlockende Bank zur Rast, denn ich hab' mal wieder Kohldampf.
    Während ich den Ort durchquere, geschieht das Unglaubliche. Es reißt auf, die Sonne kommt raus, und sofort wird es richtig warm.
    So warm, daß ich am Ortsausgang von Weiler nach einem kurzen Blick auf die Karte - ja, es kommt jetzt länger kein Wald - die langen Hosenbeine im Rucksack verstaue. Kurze Hose, kurzes Hemd, mitten im Oktober!
    An der Landstraße entlang geht es gemächlich weiter bergauf, der Weitblick hält sich noch sehr in Grenzen. Die Ruhe ist herrlich. Und ich merke, wie sie langsam beginnt, auch als solche nach meinem Hirn zu greifen.
    Bald erreiche ich das ehemalige, nun überwiegend dem Verfall und dem Abriss preis gegebene Mangan-Bergwerk, eine interessante Mischung aus Hoffnungsträger und verlassenem Ort. Der Bauzaun und die Abwesenheit jeglichen sichtbaren Lebens halten mich aber davon ab, in das Gelände auf eigene Faust einzudringen um ein paar nette Foto-Perspektiven zu suchen.
    Landein, landaus geht es auf der Landstraße und gut ausgebauten Wegen weiter durch die Felder und bald auch durch ein wenig Wald.
    Die Landschaft ist nett, aber mäßig abwechslungsreich. Sie spannt einfach sanft gewellte landwirtschaftliche Nutzfläche auf.
    Und bei etwa 24km treffe ich aus der Nähe auf einige der schon länger immer mal wieder am dunstigen Horizont klar erkennbaren Windräder.
    Die für ihren Aufbau nötigen Schwerlast-Trassen durch den Wald bestimmen für die nächsten Stunden den Weg.
    Absolut irre, das hatte ich in der Dimension überhaupt nicht auf dem Plan. Bis der ganze Straßenbau und der dabei verfüllte und verstampfte Kies so rein energetisch durchgemahlen ist, müssen die Dinger aber eine ganze Weile kurbeln! Mein Gott, ist das häßlich!
    Bei etwa 30km erreiche ich den panoramischen Höhepunkt des heutigen Tages: Blick vom Hunsrück ins Rheintal.
    Zumindest theoretisch.
    Zwar ist die Kuppe sorgsam gerodet - wurde da schon Platz für weitere Windräder geschaffen? - aber die Ferne ist eher milchig-trüb als klar und blau. Also auch hiervon mal wieder kein Panoramafoto.
    Ab jetzt geht es teilweise ebenso kräftig bergab wie es morgens bergauf ging, allerdings überwiegend auf schwerlast-erprobter Straße.
    (Erst am nächsten Tag werde ich erfahren, daß diese breit geschotterten Wege der Idee der Römerstraße wohl näher kommen als alles, was ich sonst unter die Füße bekam.)
    Nach knapp 34km erreiche ich Dichtelbach, das in erster Linie durch perfekte Autobahnsicht zu überzeugen weiß.
    Hinter der Führung der Trasse ist Rheinböllen zu erkennen. Nach knapp 36,5 km stehe ich in dem, was ich als Ortskern identifiziert hatte und sehe mich um. Es gibt ein Hotel, aber da geht keiner an die Tür oder ans Telefon. Rundherum ist nichts zu sehen, die Bürgersteige scheinen außer Betrieb.
    Ich bemühe mein kluges Telefon und finde die Adresse eines "Landgasthofs" heraus. Bei der weiteren Recherche entpuppt sich der als Hotel des Autohofs, fast zwei Kilometer außerhalb des Ortes.
    Weil meine Ressourcen aber wieder mal relativ erschöpft sind - die andere Art von Socke scheint vor allem eine andere Art von Blasen zu begünstigen - telefoniere ich mich durch und erfahre, daß es im Automaten-Spielcenter Zimmerschlüssel gibt. Um das zu finden, solle ich einfach der Beschilderung zum Burger King folgen.
    Na, das klingt ja mal absolut verlockend. Aber alternativlos.
    Ich trotte Richtung Autohof...
    Es fühlt sich ziemlich seltsam an, zu Fuß auf einem LKW-Parkplatz unterwegs zu sein.
    Und es ist auch nur mäßig appetitlich, sich dem Mief der benachbarten Systemgastronomie durch den von ihren Konsumenten bei der Abfahrt aus den Autos geworfenen Unrat zu nähern.
    Aber die Fernfahrer-Kneipe der Tankstelle ist gar nicht schlecht.
    Auf jeden Fall haben die Erfahrung mit gut gewürzten größeren Portionen und schenken recht zügig nach. Das kann ich heute gut gebrauchen.
    Gegen zehn Uhr mache ich noch mal ein Auge auf, als die ersten eiligen LKWs das Ende der Wochenend-Sperre begrüßen, aber dann wird's wieder mal dunkel um mich.
    Daß das Hotelbett kürzer ist und die Füße zum entspannten Lüften heraushängen, ist eigentlich ganz erfrischend und praktisch...

    Fazit des dritten Tages:
    Sommer im Oktober!
    So langsam komme ich in eine Art Reisemodus. Allerdings zweifelsfrei am Rande dessen, was ich körperlich leisten kann.
    Also nehme ich morgen definitiv mal etwas Intensität raus. Denn was nutzt der schönste Hungerast, wenn man dabei irgendwo alleine im Wald hockt?
    Die Steigungen und Gefälle des heutigen Tages hatte ich nicht in der rudimentären Planung berücksichtigt. Aber andererseits habe ich sie ohne großes Leid und ohne in der Geschwindigkeit extrem nachgeben zu müssen geschafft.
    Ein wenig mehr Planung hinsichtlich der Übernachtungen könnte zukünftig ganz praktisch sein. Oder wenigstens eine im Vorab ordentlich recherchierte Unterkunftsliste.
    Geändert von QOM (09.11.2015 um 22:19 Uhr)
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  20. Erfahren
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    [DE] Jakobsweg: Rheinböllen - Kirchberg

    #20
    4.Tag: Rheinböllen - Kirchberg
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    Montag, 20. Oktober 2014
    Strecke: 26,4km - Gesamt: 144,7km
    Gehzeit: 7:00 brutto / 5:30 netto

    Der Wecker klingelt natürlich wieder, aber ich komme heute etwas besser aus den Federn.
    Wenngleich das Frühstück in der eine gefühlte Erdumrundung entfernten Fernfahrer-Gaststätte etwas unpraktisch ist, ist es doch in Ordnung. Aus der Kaffeetasse kommt mit leicht angebranntem Filterkaffee-Geschmack eine Faust, die mir ratzfatz den Schlaf aus dem Gesicht prügelt.
    Keiner schaut auch nur ansatzweise seltsam als ich meine Brotdose für den Tag fülle.
    Und um neun stehe ich - noch etwas wackelig auf den Füßen - auf dem Parkplatz.
    Die Füße haben sich über Nacht trotz frischer Luft nicht merklich erholt. Ich bleibe bei den Socken vom Vortag; das war für die Ferse eigentlich ganz gut. Und wer braucht schon kleine Fußzehen? - Der Messner kann's ja auch ohne...
    Ich darf mit den gestern Abend durch die Hotelwahl extra gewonnenen eineinhalb trostlosen Straßenkilometern zurück zum Jakobsweg eröffnen. Ziemlich schnell kann ich die gewohnte Geschwindigkeit aufnehmen und komme zurück "Downtown Rheinböllen".
    Der Ort ist zwar heute verkehrsreicher und etwas lebhafter aber kaum einladender.
    Ich biege ortsauswärts ab und schon bald kommt der Geist der Römerstraße etwas klarer rüber. Es geht nämlich ziemlich geradeaus durch die Landschaft, meist auf Feldwegen, mal weich, mal hart und auch mal geschottert.


    Einfach mal weiter...


    Blick zurück über Rheinböllen.

    Zwischendrin ab und an ein Stückchen ordentlich aufgeräumter, gut begehbarer Herbstwald...


    Gut zu gehen, aber so ein perfekter Weg wirkt schon etwas steril...

    Die Aussicht ist irgendwie selbstähnlich, und so vergehen Zeit und Strecke.

    Das meine ich mit "selbstähnlich". Es ist nicht Rheinböllen. Ist es vielleicht Mutterscheid? Ich weiß es nicht mehr...

    Als ich irgendwann mal aus dem Wald komme und ein etwas lichteres Panorama sehe, traue ich meinen Augen kaum.
    Bislang hatte ich nur immer mal wieder ein paar Windräder wahrgenommen.
    Auf etwa 90° Blickwinkel bietet sich mir folgendes Bild:


    Wer mutig zoomt und genau zählt, erkennt 62 Winräder am Horizont. Aber das sind noch nicht alle, denn der Weitwinkel packt nur etwa 45°...


    Hier kommen nochmals 73. Drei davon sind auch auf dem ersten Bild.

    Den nächsten Abschnitt bestimmen eher schwerlasttaugliche oder für eine Leitung frisch aufgegrabene Wege oder Ackerränder, die von Mäusen durchwühlt oder von Traktorspuren verwüstet sind. Ich muß mich etwas mehr auf's Gehen konzentrieren um nicht zu stolpern.
    Ist etwas anstrengender, macht aber den Kopf radikal frei.


    Hier wird der Windkraft der Weg frei gemacht...

    Der Weg eckelt sich meit bergab um die Flurparzellen Richtung Simmern, das ich um die Mittagszeit erreiche.
    Der Ort kommt ziemlich laut daher, denn der Weg wird konsequent (wahrscheinlich alternativlos) entlang der Hauptverkehrsstraße geführt.
    Erst in der Fußgängerzone wird es wieder etwas ruhiger, und da bemerke ich, wie weit ich mich von der "echten" Welt schon entfernt habe:
    Neben mir hält ein Liefer-Kombi, eine Frau steigt aus und hastet davon. Als ich sehe, daß das Auto am Berg beginnt, auf einen anderen Lieferwagen mit ausgeklappter Ladebühne zuzurollen, überlege ich tatsächlich kurz, ob mich das jetzt was angeht oder lieber eher doch nicht.
    Ich beschließe "Ja", rufe kurz und versuche, durch das runtergekurbelte Fenster an die Handbremse zu hechten. Klappt erst beim Nachgreifen, denn der Rucksack bremst im Fensterrahmen doch etwas...
    Die Frau entlohnt mich mit einem "Danke - Se sinn enne Ängl." und ich raste in der ruhigen (die Geschäfte haben über Mittag zu) Fußgängerzone.

    Nach Simmern geht der Weg sehr lange in der Nähe einer Schnellstraße entlang und ich bin froh, der Wegweisung an Stelle des GPS-Tracks gefolgt zu sein. Denn die Wegweisung führt mich auf die luv-Seite der Straße und etwas weiter weg, so daß es nicht ganz so laut ist.

    Der Weg schlängelt sich weiter durch die Felder, ein wenig bergauf, bergab, ab und an durch kleine Waldstücke.
    Es gibt sogar mal ein paar Rehe zu sehen, aber die haben nicht mit mir gerechnet und sehr schnell das Weite gesucht.


    Ja, zwischendurch gibt die Landschaft auch mal ihre Selbstähnlichkeit auf!

    Und schon ziemlich früh erreiche ich Kirchberg, die älteste Stadt im Hunsrück.
    Da geht es recht ruhig zu, und ich finde problemlos ein Zimmer mittendrin.


    Rush-Hour in Kirchberg...

    Ungewohnt früh und recht entspannt weiß ich zunächst garnicht so recht, was ich anfangen soll.
    Aber als ich mich nach dem Duschen kurz aufs Bett lege, klärt sich das schnell...
    Das Abendessen nehme ich im Haus, denn das verspricht "Hunsrücker Spezialitäten". Das klingt nach großen Portionen, außer beim Bier. Na gut, dann trinke ich halt eins mehr.
    Und Schwupps!, ist es wieder Nacht!

    Fazit des vierten Tages:
    Ein ruhiger Tag mit nicht ganz so vielen Kilometern.
    Aber am Ende auch nicht wirklich erholsam.
    Auf der Karte sah es mir so aus als käme nach Kirchberg lange nichts, also war es in Ordnung, da mal zu bleiben.
    Für einen Anfänger auf erster großer Tour kann ich mich über mein Fortkommen echt nicht beschweren, wenn ich die Stimme meiner kleinen Fußzehen galant ignoriere.
    Auch wenn das Wetter nicht mehr ganz so sommerlich ist, ich hab' wohl wieder mal Glück!
    Geändert von QOM (09.11.2015 um 22:21 Uhr)
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