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    [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #1
    Mitreisende: German Tourist
    Im Sommer 2012 habe ich meine bislang längste selbst geplante Wanderung unternommen – 4.500 km durch Deutschland, Frankreich und Spanien. Dafür habe ich fast 6 Monate gebraucht – und dafür eine der schönsten Wanderungen meiner bisherigen Outdoorkarriere erleben dürfen, die den Vergleich mit den amerikanischen Trails wie AT oder PCT nicht scheuen muss. Es ist sehr schwer, eine so lange Wanderung in einen Reisebericht zu pressen. Ich will es versuchen, indem ich Euch kleine Anekdoten von unterwegs berichte und auf besonders schöne oder auch besonders furchtbare Teilstrecken hinweise. Den kompletten Reisebericht in Englisch inklusive Photos und vielen Tipps gibt es wie immer auf meinem Blog:

    http://christine-on-big-trip.blogspo...stern%20Europe

    Aber zunächst mal will ich berichten, wie alles anfing:

    Die Idee: Bereits 2006 hatte mir ein englischer Wanderfreund ein Buch von Nicholas Crane in die Hand gedrückt mit dem Titel „Clear Waters Rising“. Crane berichtet darin von seiner ca. 10.000 km langen Wanderung quer durch Europa, von einem der westlichsten Orte, nämlich Cabo Finisterre bis zum östlichsten Punkt Europas, Istanbul. Ich war sofort fasziniert. Das Buch ist unglaublich spannend und lustig geschrieben und ich fand die Idee großartig. Es sollte jedoch noch einige Jahre und mehrere Trails in USA dauern, bis meine Zeit für Europa gekommen war. 2012 war es dann soweit: Der Euro war schwach und Reisen nach USA und Australien daher ungünstig. Also genau der richtige Zeitpunkt für eine lange Tour durch Europa.

    Die Vorbereitung: Im Gegensatz zu Crane wollte ich keine 1,5 Jahre am Stück mit der Wanderung zubringen, sondern das ganze in zwei separaten Touren erledigen. Einmal Westeuropa und in einer zweiten Tour Osteuropa. Mir war bald klar, dass ich mit Westeuropa beginnen würde, denn die Kartensituation für Osteuropa war einfach miserabel. Crane ist auf seiner Tour durch Osteuropa mit österreichischen Karten aus dem 1. (in Worten Ersten) Weltkrieg gelaufen, weil er nichts besseres finden konnte. Er versuchte auf seiner Tour, alle drei großen europäischen Gebirgszüge zu durchwandern - und daraus ergab sich dann auch sein größtes Problem: Durch falsche Zeitplanung landete er mitten im Winter in den Alpen und musste auf das tiefer gelegenen Alpenvorland ausweichen. Auch mir wurde bald klar, dass ich die zwei westeuropäischen Gebirgszüge, Alpen und Pyrenäen, nicht in einer Saison komplett durchwandern konnte. Die Saison im Hochgebirge ist einfach zu kurz, zumal ich ja auch noch zwischen Alpen und Pyrenäen durch Frankreich wandern musste. Ich entschloss mich daher schweren Herzens, auf die Alpen zu verzichten. Um dann immerhin den optimalen Zeitraum für die Pyrenäen zu erwischen, wollte ich im Frühjahr in Deutschland starten, um dann im Hochsommer die Pyrenäen zu erreichen. Als Startpunkt wählte ich einen ehemaligen Ost-Westgrenzübergang: Zinnwald

    Ich gebe zu, dass ich die Route durch Deutschland hauptsächlich aufgrund zweier Kriterien auswählte: Ich wollte möglichst viele Wanderfreunde an der Strecke besuchen und dabei durch Gegenden wandern, die ich noch nicht kannte. In Frankreich wollte ich die populäre Gebiete wie z.B. die Alpen meiden und stattdessen eher weniger bekannte Gebiete erkunden. Die fast kompletten Pyrenäen sollten dann ein Highlight der Tour werden. In Spanien wollte ich auf Jakobswegen wandern, einfach weil ich noch nie gepilgert war und wissen wollte, wie das so ist.

    Die Zusammenstellung der Route und vor allem die Logistikplanung war doch recht aufwendig, hat aber viel Spass gemacht. Drei Monate habe ich daran herumgebastelt, allerdings habe ich in dieser Zeit auch noch einige andere Sachen geplant und erledigt. Am Ende hatte ich meine komplette Route als gpx track und einen kleinen selbstgemachten Führer mit Angaben zu Einkaufsmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und sonstigen logistischen Informationen. Hier mal eine Karte meiner Route von 4.500 km:



    Fortsetzung folgt
    Geändert von German Tourist (01.03.2013 um 16:07 Uhr) Grund: Formatierung geändert
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  2. AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #2
    WOOOOWWWWWW, ich bin voll elektrisiert
    und total gespannt, wahnsinniges Projekt!

  3. Dauerbesucher

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    AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #3
    Deutschland: Kammweg Erzgebirge

    Meine Tour begann am 1. April – war aber keineswegs als Aprilscherz geplant! Schon tagelang zuvor hatte ich voller Sorge die Webcams in den erzgebirgischen Skigebieten beobachtet und leider lag da noch ziemlich viel Schnee.... Ich hatte das deutsche Mittelgebirge unterschätzt und es schlug auch gleich voll zu. Als ich mit dem Zug in Geising ankam, war es eisig kalt und überall lag noch Schnee. Das konnte ja heiter werden, zumal ich die Ausrüstung für diese Tour voll auf Sommer ausgerichtet hatte. Ich stapfte zum Grenzübergang Zinnwald und musste gleich die bittere Erfahrung machen, dass ich mich wohl etwas besser mit dem Gebrauch meiner neuen Smartphone-Kamera hätte vertraut machen sollen. Meine Startphotos wurden alle unbeabsichtigt Schwarzweiss und die vorbeifahrenden Grenzgänger wunderten sich sicherlich, warum jemand stundenlang vor einem Deutschlandschild steht und in klirrender Kälte auf ein Smartphone starrt.



    Das Wetter besserte sich auch die nächsten Tage nicht – im Gegenteil. Darüber hinaus war mir irgendwie entgangen, dass der Kammweg Erzgebirge auf über 1.300 m führt und dort ein Skigebiet ist. Als ich dort ankam, war es unter Null Grad und so neblig, dass die Sicht unter 20 m lag. Ganze Bänke waren noch unter Altschnee begraben und ich musste zu allem Unglück noch vereiste Skipisten überqueren. Ich fragte mich zeitweise, ob ich all meine Wildnistouren in USA nur überlebt hatte, um hier mitten im Erzgebirge auf einem Skihang auszurutschen und mir das Genick zu brechen.

    Ostersamstag stellte ich mein Zelt wieder mal in einer kleinen Schutzhütte auf. Eine gute Entscheidung, wie sich am nächsten Morgen herausstellen sollte. Als ich mich aus meinem Zelt gepuhlt hatte, strahlte mich eine blütenweiße Schneelandschaft an. Über Nacht waren 10 cm Neuschnee gefallen. Ich war fürs erste bedient. So hatte ich mir den Frühlingsstart in meine Tour nicht vorgestellt. Ich steuerte die nächste Jugendherberge an, die ein wahres Prachtstück aus DDR-Zeiten war. Ich dachte, dass jeden Moment Junge Pioniere in den Waschraum kommen würden, wo über 20 Waschbecken dicht gedrängt nebeneinander auf ehemalige Massenabfertigung schließen ließen. Zu Ostern waren außer mir allerdings nur 2 weitere Gäste da. Ich lag den halben Tag nur im leider zu kurzen Bett und erfreute mich an der funktionierenden Zentralheizung, bevor ich mich am nächsten Tag aufgewärmt wieder auf die jetzt trockenen Socken machte.



    Größtes Highlight auf dem Kammweg war das ehemalige Grenzdorf Mödlareuth, das jetzt ein großes Freilichtmuseum ist. Aber nicht nur die ehemaligen Grenzanlagen, sondern auch das Museum waren absolut sehenswert. Danach ging es kilometerlang weiter auf dem ehemaligen Kolonnenweg – auf Beton. Am Anfang war ich zwar hocherfreut, den schlammigen Wegen entkommen zu sein, aber so auf Dauer waren die Betonplatten auch nicht das Wahre für die Füße. Immerhin war ich jetzt in niedrigeren Höhen angelangt und das Schneeproblem war zumindest vorerst erledigt.



    Fazit Kammweg Erzgebirge: Schöner Weg, allerdings nicht zu diesen Wetterverhältnissen. Die Ortschaften waren recht trostlos und zu dieser Jahreszeit war so ziemlich alles geschlossen. Dafür ist Mödlareuth ein echtes Highlight.
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  4. chrischian
    Gast

    AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #4
    Zitat Zitat von German Tourist Beitrag anzeigen
    Darüber hinaus war mir irgendwie entgangen, dass der Kammweg Erzgebirge auf über 1.300 m führt und dort ein Skigebiet ist.
    Das ist recht unwahrscheinlich. Nach Deinem GPS-Track warst Du auf dem höchsten Berg Sachsens und der ist nur 1214m hoch. Der höchste Berg ist der Keilberg mit 1244m.

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    AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #5
    Oops, Du hast recht! Da habe ich mich um hundert Meter vertan....
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    #6
    Deutschland Rennsteig:

    In Blankenstein, dem großen Wanderweg Drehkreuz, endet der Kammweg und ich wechselte auf den Rennsteig über, den ich allerdings schon mehrfach gegangen war. Auch diesmal hat er mich nicht wirklich begeistert. Weite Teile des Rennsteigs verlaufen direkt neben einer vielbefahrenen Straße. Selbst zu dieser unwirtlichen Jahreszeit traf ich Unmengen von Wanderern, sprich der Weg ist eigentlich schon fast überlaufen. Total erstaunt war ich, als ich dann neben mehreren ehemaligen Grenzsteinen Auskunftstafeln mit Telefonnummern sah. Anrufen und man bekommt die Geschichte dieses Grenzsteins am Handy erzählt. Geht man deswegen wandern, um doch nur wieder seinem Handy zuzuhören? Der Vorteil der Popularität des Rennsteigs lag allerdings in den äußerst komfortablen Schutzhütten, die einen förmlich zum darin übernachten auffordern. Und verlaufen kann man sich aufgrund der zahllosen Markierungen auf dem Rennsteig auch nicht.



    Der Rennsteig verhalf mir aber zu zwei der herausragendsten Erlebnisse auf der ganzen Wanderung: Dem gruseligsten und dem widerlichsten. Zuerst zur Schauergeschichte: Auf dem Rennsteig hatte mich der Schnee wieder eingeholt, vor allem in den höheren Lagen. Die Überquerung des Großen Inselsberg wäre in Schneeschuhen wohl einfacher gewesen und so wurde es beim Abstieg schon dunkel. Voller Missmut befürchtete ich schon, mein Zelt auf Schnee aufbauen zu müssen, als ich mitten im Wald auf eine eigenartige Konstruktion stieß: Einen gläsernen Container! Das war einfach zu schön um wahr zu sein. Flugs hinein und nach einer kurzen Untersuchung wurde mir auch klar, warum das Ding hier so mitten im Wald stand. Es handelte sich um den Schiedsrichter-Container, der von einem Skilanglauf-Rennen übriggeblieben war. Er war voll ausgerüstet mit Tischen und Stühlen und sogar, von der Sonne aufgeheizt, noch recht warm. Mich störte zwar ein wenig, dass ich darin quasi wie auf dem Präsentierteller lag, aber ich beschloss dennoch meiner Bequemlichkeit nachzugeben und dort mein Nachtlager aufzuschlagen.

    Um 22 Uhr ging der Spuk los: Ich hörte plötzlich Stimmen und Menschen mit Taschenlampen gingen direkt am Container vorbei. Noch glaubte ich an verirrte Tagesausflügler oder Nachtwanderer und war zwar verwirrt, aber noch nicht richtig besorgt und schlief wieder ein. Um Mitternacht wurde ich wieder aus dem Schlaf gerissen. Ein Auto kam auf den vereisten und noch mit Schnee bedeckten Forststraßen direkt auf meinen Container zu! Ich konnte kaum etwas erkennen, denn die Autoscheinwerfer blendeten mich. Zu allem Unglück hielt der Wagen dann auch noch fast direkt vor meinem Container. Autotüren schlugen, Taschenlampen huschten hin und her und mehrere Personen liefen durch die Gegend. Was zum Teufel wollten die um Mitternacht mitten im Wald? Ich war starr vor Schrecken und wagte kaum mehr zu atmen, vor lauter Angst entdeckt und massakriert zu werden. Doch nach 10 Minuten war alle vorbei. Die Leute stiegen ein und der Wagen fuhr weg. Noch mal davongekommen!

    Aber zu früh gefreut. Zwei Stunden später, also um 2 Uhr morgens passierte dasselbe nochmal. Wieder ein Auto die Forststraße entlang, Türenknallen und Taschenlampen. Mittlerweile war ich davon überzeugt, dass es sich hierbei um eine illegale Aktion handeln musste. Als das Auto wieder abgefahren war, stand ich auf, um den Schauplatz zu besichtigen. Nur konnte ich ausser Reifenspuren nichts entdecken – keine abgelegten Leichen oder auch nur eine illegale Müllkippe. Ich war noch mit meiner Untersuchung beschäftigt, als ich schon wieder ein Auto hörte. Sollte ich mich im Wald verstecken oder Zuflucht im durchsichtigen Container suchen? Meine Kälteempfinden überwand alle Ängste und ich flüchtete in den Container in meinen warmen Quilt. Wieder blieb ich unentdeckt und hatte nun endlich für den Rest der Nacht Ruhe. Nur schlafen konnte ich jetzt nicht mehr, denn ständig rätselte ich, was da draußen vor sich gegangen war.

    Eine mögliche Erklärung bekam ich erst Wochen später von einem Freund: Bei den nächtlichen Besuchern handelte es sich höchstwahrscheinlich um Nacht Geocacher. Diese speziellen Geocaches sind mit Reflektoren markiert, die nur im Dunkeln mit Taschenlampe gesehen werden können. Und dafür fahren die Geocacher dann auch schon mal nachts mit dem Auto durch den verschneiten Wald...



    Leider hat der Rennsteig mir auch zu einem der widerlichsten Erlebnisse auf der Wanderung verholfen. Als es regnete, wollte ich meine Mittagspause in einer der zahlreichen Schutzhütten verbringen. Das habe ich mir aber gleich wieder anders überlegt, als ich die Hinterlassenschaften der vorherigen Wanderer sah. Ganz offensichtlich war da jemand zu faul oder zu bequem gewesen, um sein großes Geschäft im Wald zu erledigen und zu vergraben. Stattdessen hat jemand einfach mitten in die Hütte gekackt und das ganze gerade mal notdürftig mit Klopapier zugedeckt. Na dann: Prost Mahlzeit!

    Fazit Rennsteig: Es gibt in Deutschland schönere und vor allem weniger überlaufene Wanderwege.
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  7. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #7
    Dafür ist Mödlareuth ein echtes Highlight.
    Das ist wohl wahr, nur nicht die Gaststätte auf "DDR" Seite.

    Sieh mal zu, das Du weiter schreibst.

    LG
    Atze
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    AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #8
    @Atze:
    Ich gehe so gut wie nie in Gaststätten, weil zu teuer.... und wie man aus Deiner Bemerkung sieht, erspare ich mir dadurch so manche schlechte Erfahrung.
    Bin schon am Weiterschreiben...
    Übrigens nochmals danke für die Inspiration mit den Collagen. Diese Idee habe ich glatt bei Dir abgekupfert.
    Christine
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  9. Fuchs
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    AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #9
    Freue mich auf die Fortsetzung.
    In Mödlareuth war ich mit dem WAI, ist ein wirklich interessantes Museum.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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    AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #10
    Deutschland: Elisabethpfad

    Ich war bezüglich des Elisabethpfades sehr skeptisch. Eigentlich war dieser Weg eher eine Notlösung gewesen, denn ich wollte unbedingt nach Marburg, um dort einen Freund zu besuchen und dafür war der Elisabethpfad ideal. Aber es war halt ein Pilgerweg auf den Spuren der Hl. Elisabeth und hatte damit einen deutlich höheren Asphaltanteil als normale deutsche Wanderwege. Dieser Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg stellte sich aber schon bald als ausgesprochen positive Überraschung heraus.

    Es begann gleich am Anfang mit einer Übernachtung in Eisenach, wo ich meine erste Pilgerherberge besuchte, das Diakonissenmutterhaus direkt im Zentrum. Ich hatte vorher angerufen und ein Bett reserviert – und war nun furchtbar neugierig. Ich wurde gleich von einer netten älteren Schwester in Empfang genommen, die mir eine wahre Luxusunterkunft zeigte. Das frisch renovierte „Pilgerzimmer“ hatte zwar 4 Stockbetten, aber ich war der einzige Gast. Dazu gab es hervorragende Sanitäranlagen und auch noch eine richtige Küche. Als die Schwester mich dann noch fragte, ob ich am nächsten Morgen Frühstück wolle, glaubte ich mich eher in einer Luxushotel denn in einer Pilgerherberge. Am nächsten Morgen nahm ich an der Morgenandacht teil und wurde sogar noch mit einem Pilgersegen und einem kleinen Andenken bedacht. Pilgern war vielleicht doch nicht so schlecht.... Zurück auf dem Elisabethpfad erwartete mich die nächste Überraschung: Der Weg folgt über weite Strecken der Ars Natura, einer Art Kunstpfad, bei dem Skulpturen unterschiedlicher Künstler direkt am Wegrand im Wald aufgestellt sind. Auf meiner weiteren Wanderung durch Deutschland sollte ich allerdings noch mehrere dieser Kunstpfade antreffen.



    Als ich die ehemalige deutsch-deutsche Grenze überschritt, änderte sich die Umgebung radikal. Jetzt in Hessen reihte sich ein Bilderbuch-Fachwerk-Dorf an das nächste. Die kleinen Dorf- bzw. Stadtkirchen waren alle geöffnet und boten den erschöpften Pilgern sogar oft Mineralwasser an. Anhand der ausliegenden Gästebücher konnte ich sehen, dass der Elisabethpfad selbst zu dieser Jahreszeit ganz gut besucht war, allerdings habe ich selbst nur eine einzige, eher unfreundliche Pilgertruppe getroffen. Die Anwohner kannten den Pilgerweg natürlich und so wurde ich oft nach meiner Wanderung befragt.



    In Marburg besuchte ich dann Wildniswanderer aus dem Forum, der als Förster arbeitet. In seinem Forsthaus im Wald legte ich erst mal zwei Tage Ruhepause ein. Dabei nutzte ich die Gelegenheit, mir von einem Fachmann mal erklären zu lassen, was denn eigentlich die Markierungen auf den Bäumen im Wald bedeuten. Mir was schon klar, dass die etwas mit der forstwirtschaftlichen Nutzung des Waldes zu tun hatten, aber was genau sie bedeuteten, eröffnete mir einen ganz neuen Blick auf den deutschen Wald. Ich lernte vor allem, wie und nach welchen Kriterien ein Förster einen Baum zum Fällen „freigibt“ und wie die Holzernte dann verwertet wird. Gerald bescherte mir wohl den größten Lernerfolg auf dieser Tour und seitdem wandere ich mit ganz anderen Augen durch den Wald.

    Fazit Elisabethpfad: Als Pilgerweg wirklich großartig! Kunst am Weg und wirklich zauberhafte interessante kleine Dörfer und Städte, nur halt viel Asphalt. Dieser aber meist auf Radwegen und nicht auf Strassen. Eine echte Entdeckung und für Pilger sehr empfehlenswert!
    Geändert von German Tourist (03.03.2013 um 00:06 Uhr)
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  11. Fuchs
    Avatar von dingsbums
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    AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #11
    Danke für diesen Bericht, ganz toll zu lesen. Ich freue mich auf die weiteren Abschnitte!

  12. Dauerbesucher

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    #12
    Deutschland: Westerwaldsteig

    Von Marburg aus ging es erst mal auf den Lahn-Dill-Berglandpfad, der allerdings für meine Verhältnisse sehr kurz ist. War zwar ganz nett, aber etwas wirklich interessantes passierte dort nicht. Der nächste große Weg auf meiner Strecke war nun der Westerwaldsteig, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er für 60 km Luftlinie 240 km Wanderstrecke braucht. Hier musste ich wohl ein paar Abkürzungen einbauen, um nicht völlig durchzudrehen, denn leider war meine Stimmung nicht so besonders. Mein als Frühlingswanderung geplanter Start war bisher mehr Winter gewesen und ich hatte mir so ziemlich den Allerwertesten abgefroren. Da ich unterwegs keinen Ausrüstungstausch machen oder Sachen zurückschicken wollte (wohin auch, ich habe kein zuhause mehr und lebe im Zelt), hatte ich mich damit beholfen, dass ich ein paar alte warme Klamotten mitnahm, die ich dann bei Frühlingsanfang wegschmeißen wollte. Aber mittlerweile hatten wir Ende April und kein Frühling in Sicht – bis es dann am 28. April passierte. Das Wetter ging nahtlos von Winter auf Sommer über und ich saß plötzlich abends im T-shirt vor meinem Zelt.

    Meine Laune besserte sich noch mehr bei der Besichtigung der Attraktionen, die am Rande des Westerwaldsteigs liegen. Da ist zunächst mal der Stoeffelpark, ein alter Industriepark, der völlig zu Unrecht nur wenige Besucher hatte. Als ich mich an der Kasse als Langstreckenwanderin outete, wurde ich sogleich auf die „Erlebnistoilette“ verwiesen, um mich dort ein wenig „frisch zu machen“. Ich muss wohl schon sehr mitgenommen ausgesehen und gerochen haben. Die „Erlebnistoilette“ verdiente ihren exotischen Namen durch Klanguntermalung mit Fabrikgeräuschen und eignete sich hervorragend zum „Frischmachen“ inklusive Haarewaschen. Die nächste „Frischmach“-Gelegenheit bot dann das Kloster Marienthal mit der sogenannten „Pilgertoilette“ - allerdings ohne Geräuschuntermalung. Vor der Gaststätte in der Nähe fand ich dann auch die skurrile Einrichtung einer „Wanderstiefelwaschstation“, deren Sinn und Zweck sich mir nicht so ganz erschloss, die aber immerhin sehr gut zum Wassertanken geeignet war. Der Westerwaldsteig kreuzt in Rheinnähe dann auch noch den Limes, wo es einen rekonstruierten römischen Wachtturm zu besichtigen gibt. Selbst einen Holzkohlemeiler gibt es am Wegesrand, der alljährlich von einer örtlichen Freiwilligentruppe errichtet und auch betrieben wird.



    Größtes Highlight für mich war allerdings ein Besuch bei einem Wanderfreund am Westerwaldsteig inklusive Ruhetag und stundenlangen Gesprächen über das Langstreckenwandern. Frisch gestärkt und mit Karten für den nächsten Streckenabschnitt ausgerüstet startete ich dann wieder los Richtung Rhein. Interessanterweise habe ich auf dem Westerwaldsteig nicht allzu viele Wanderer getroffen – dafür eines Morgens einen Trupp von über 50 Rekruten auf Übungsmarsch. Es muss wohl dort in der Nähe einen Truppenübungsplatz geben....



    Fazit Westerwaldsteig: Definitiv einer der am besten markierten Wanderwege Deutschlands mit vielen Sehenswürdigkeiten am Wegesrand und netter, wenn auch nicht gerade spektakulärer Landschaft.
    Geändert von German Tourist (02.03.2013 um 19:42 Uhr)
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  13. AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #13
    Ach ja, der Elisabeth-Weg. Da bin ich auch gerade unterwegs.

  14. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    #14
    Es begann gleich am Anfang mit einer Übernachtung in Eisenach, wo ich meine erste Pilgerherberge besuchte, das Diakonissenmutterhaus direkt im Zentrum. Ich hatte vorher angerufen und ein Bett reserviert – und war nun furchtbar neugierig. Ich wurde gleich von einer netten älteren Schwester in Empfang genommen, die mir eine wahre Luxusunterkunft zeigte.
    In der Tat, eine Luxusherberge. Wenn ich das hier lese,werden gleich Erinnerungen wach. So musste ich wohl oder übel nach dem wahrhaftigen königlichen Frühstück, erst an der morgenliche Messe teilnehmen, bevor ich meinen Stempel und ebenfalls ein kleines Geschenk zum Abschied bekam. Das Mutterhaus kann man wirklich jeden Pilgerer empfehlen.

    LG
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    #15
    Deutschland Eifelsteig:

    Der Westerwaldsteig endet am Rhein in Bad Hönningen, das man getrost auch „Mineralwasser“-City nennen könnte. Auf dem Weg zum örtlichen Aldi und meinem Schokoladennachschub kam ich an mehreren Mineralwasserfabriken vorbei. Das ganze stimmte mich aber eher skeptisch: Mineralwasserabfüllung direkt neben der „Dreckbrühe“ Rhein? Ob das so lecker ist? Mit der Rheinfähre setzte ich dann über den Fluss und trat meinen Weg zum Eifelsteig an, glücklicherweise ausgerüstet mit Karten von Werner. Sehr schön dabei der Blick zurück auf den Rhein vom Rheinhöhenweg aus. Über den Ahr-Venn-Weg ging es dann weiter bis zum Eifelsteig.



    Der Eifelsteig bedeutete für mich eigentlich einen relativ großen Umweg, zu dem mich vor allem meine Krimileidenschaft bewogen hatte. Unterwegs beim Wandern unterhalte ich mich nämlich täglich mit Hörbüchern, über die ich an den Krimiautor Jacques Berndorf geraten bin. Und als großer Berndorf-Fan konnte ich es mir nicht entgehen lassen, mir die „Original“-Schauplätze der Krimis anzuschauen. Jacques Berndorf heißt übrigens eigentlich Michael Preute und kommt ursprünglich aus dem Ruhrgebiet. Sein Pseudonym kommt wohl von dem Eifelort „Berndorf“, durch das auch der Eifelsteig führt. Durch Berndorf und seine „Eifelkrimis“ wurde die Eifel zur Krimizentrale Deutschlands. Daher gibt es dort auch den „Eifelkrimi-Wanderweg“, der teilweise auf dem Eifelsteig verläuft. Über Handy kann man dort Informationen zu den einzelnen Tatorten abrufen. Ganz stilecht gibt es dann in Hillesheim auch das Krimicafe „Sherlock“ und in der Touristeninformation werden alle Arten von „Krimi“-Führungen und Wanderungen angeboten. Ich muss leider sagen, dass diese Region auch einen zusätzlichen Anreiz für Touristen braucht, denn die Städte und Dörfer in der Eifel waren erschreckend langweilig, um nicht zu sagen unattraktiv.



    Dafür war die Landschaft umso schöner! Auf dieser Tour durch Deutschland kriegt der Eifelsteig den Preis für den schönsten Trail. Der Slogan des Eifelsteigs lautet „Wo Fels und Wasser Dich begleiten“ und damit haben es die Werbeleute gut getroffen. Zunächst geht es durch Vulkaneifel, wo man die Maare, also erloschene Vulkankegel, sehen kann. Der Lieserpfad, ein Teilstück des Eifelsteig an den Berghängen entlang der Lieser ist einfach traumhaft schön. Allerdings hatte ich das Pech, dieses Wegstück in strömendem Regen zu laufen. Die schmalen Pfade am steilen Hang waren total verschlammt und ein paar Mal habe ich mich hingelegt und ordentlich eingesaut. Allerdings könnte der Slogan vom Eifelsteig auch lauten „Wo Kampfjets Dich begleiten“, denn in direkter Nähe zum Steig befindet sich der Fliegerhorst Büchel. An einigen Tagen dröhnten die Kampfjets im Stundentakt über mich hinweg und flogen dabei so tief, dass ich schon Gehörschäden befürchtete.



    Das glorreiche Ende des Eifelsteigs ist die Stadt Trier, der ich gerne den Titel als einer der besten „trail towns“ Deutschlands verleihe. Dabei ließ sich Trier zunächst gar nicht gut an. Ich konnte weder eine Couchsurfing-Unterkunft noch ein Hostel finden. Alle verwiesen mich auf „Heilig Rock“. Erst als ich meine Suche auf die Vororte ausdehnte, wurde ich fündig. In Kordel, am Ende der vorletzten Etappe des Eifelsteigs fand sich durch einen Hinweis eines Vermieters, der zwar auch ausgebucht war (wieder mal Heilig Rock), endlich eine Unterkunft bei einer Nachbarin. Und damit hatte ich das große Los gezogen. Kordel hatte eine gute Zugverbindung mit Trier und meine Unterkunft stellte sich als komplett eingerichtete Ferienwohnung für gerade mal 18 EUR pro Nacht heraus. Freudig legte ich dort einen Ruhetag ein, den ich mit einem Ausflug nach Trier verbringen wollte.

    Dabei löste sich auch das Rätsel um Heilig Rock. Schon tagelang vorher hatte ich entlang der Strecke Plakate mit der Aufschrift „Heilig Rock“ gesehen, allerdings war mir daraus nicht so recht ersichtlich, um was es sich handeln sollte. Anhand des Titels ging ich von einem christlichen Rockmusikfestival aus – und lag damit gründlich daneben. Heilig Rock ist eine große europäische Wallfahrt zum heiligen Rock (= Gewand), dem angeblichen Kleidungsstück Jesu. Dieses befindet sich im Dom zu Trier, wird dort nur aber einmal alle paar Jahrzehnten für einige Wochen ausgestellt, was dann zur Heilig Rock Wallfahrt führt – und genau in diese war ich nun unwissentlich hineingeraten, unglückseligerweise auch noch an einem der letzten Ausstellungstage. Deshalb waren auch alle Unterkünfte mit Pilgern ausgebucht.

    Schon am Bahnhof in Trier waren große Informationsstände über Heilig Rock aufgebaut, die die Pilger in die richtige Richtung lotsen sollten. Darüber hinaus waren überall in der Stadt Freiwillige postiert, die den Pilgern Auskunft gaben. Das wollte ich mir nun auch nicht entgehen lassen. Mein Überschwang wurde allerdings sogleich gedämpft, als mir die freiwilligen Helfer erklärten, dass ich mit mehreren Stunden Wartezeit rechnen musste, um in den Dom zu kommen. Und in der Tat: Vor dem Dom waren riesige Warteschlangen mit Pilgern aus aller Welt. Hier war mehr los als bei einem Madonnakonzert mit Freikarten. Da es abends ruhiger werden sollte, schaute ich mir erst mal die Porta Nigra an, vor der schon allerlei verkleidete Gestalten in Römer-Outfit historische Führungen abhielten. Ich wunderte mich nur, was denn dieser bärtige Typ im schlecht sitzenden Pfarrergewand darstellen sollte. Bei näherer Betrachtung entpuppte er sich dann als authentischer orthodoxer Priester, der eine Pilgergruppe aus Russland führte. Ups.... Abends konnte ich dann nach nur einer halben Stunde Wartezeit dann endlich auch den berühmten Heilig Rock in Augenschein nehmen, wobei der Anblick eines alten, halb zerfallenen Stoffkleides nun eher nicht so spektakulär war. Genial dagegen fand ich das "Pilger Schweisstuch", ein kleines Handtuch, das man im nahen Souvenir-Zelt als einen der zahlreichen Merchandising-Artikel erwerben konnte.

    Das schöne an Trier ist, das es für jeden Geschmack etwas bietet. Heilig Rock und jede Menge Kirchen für die Pilger, die Porta Nigra für die Geschichtsfan und das Geburtshaus von Karl-Marx für die politisch Interessierten. So tummelte sich denn dann auch ein buntes Völkergemisch in Trier. Sehr viele Russen und Slawen auf Pilgerfahrt, die Deutschen an der Porta Nigra und im Karl-Marx-Haus dominierten die Chinesen. Das alles war auch noch gut zu Fuß zu erreichen und in der Fußgängerzone gab es jede Menge Imbisse und Supermärkte. Sogar ein Internetcafe fand sich, um meinen Blog upzudaten. Ich fand Trier großartig – die ideale Stadt für einen Ruhetag auf Wanderschaft.



    Fazit Eifelsteig: Ein toller Wanderweg mit ausnehmend schönen Teilstücken, vor allem dabei die Flusswanderungen. Gut markiert und abwechslungsreich. Einziger Minuspunkt ist der Krach der Kampfjets, die allerdings wohl nicht das ganze Jahr über fliegen.
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    #16
    Hiho,
    was ist denn da für eine Türe die da halb im Boden steckt? (In der Collage des Westerwaldsteiges links oben)

    Gruß

    Zwerg

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    #17
    @Eisenzwerg
    Gute Frage, ich weiss es nämlich auch nicht und habe genau deshalb das Photo gemacht. Für mich sah es aus wie ein Bunkereingang. Ich habe nochmals nachgeschaut, wann ich das Photo gemacht habe und dieser "Bunker" oder was auch immer da im Wald steckte, befindet sich in der Nähe von Herborn. Vielleicht kann ja mal ein Ortskundiger sagen, um was es sich dabei handelt.
    Christine
    Geändert von German Tourist (02.03.2013 um 20:18 Uhr)
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  18. AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #18
    Den Eifelsteig bin ich jetzt gerade in dickem Schnee gelaufen. Ein Traum. Ich werde das unbedingt nächsten Sommer wiederholen.

  19. Dauerbesucher

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    #19
    Deutschland: Saarland und Pfalz

    Nach dem großen Umweg Eifelsteig wollte ich jetzt so schnell als möglich nach Frankreich in die Vogesen. Leider konnte ich aber bereits in der Vorbereitung keinen schönen langen Weg finden, der mich unkompliziert ans Ziel bringen würde. So musste ich mehrere Wege zusammenstückeln, was mit dem Saar-Hunsrück-Steig begann. Durch das Saarland zu kommen, war die größte Herausforderung, aber nach einiger Recherche stieß ich auf die Saarlandrunde, ein ob all der neuen Premiumwanderwege schon etwas in Vergessenheit geratener Rundweg durch das Saarland. Obwohl ich meine liebe Not gehabt hatte, dafür gpx tracks zu finden, war die Saarlandrunde vor Ort erstaunlich gut markiert. Obwohl wir mittlerweile bereits Mitte Mai hatten, gab es immer noch kalte Nächte mit Minusgraden. Leider hatte ich aber beim ersten Frühlingsanfall meine warmen Zusatzklamotten weggeschmissen und sehnte entsprechend den Sommer herbei.

    Auf der Saarlandrunde passierte mir auch einer der größten Planungsfehler auf der Tour – trotz meiner exzellenten Vorbereitung hätte ich beinahe Hunger leiden müssen. Tagelang schon freute ich mich auf meinen nächsten Großeinkaufstag am Donnerstag, den 17. Mai bei Lidl. Als ich so vor mich hinlief, dachte ich an die letzten Telefonate mit meinen Freunden, die mir begeistert von ihren Ausflugsplänen für Christi Himmelfahrt erzählten. Und urplötzlich, am 16. Mai um 18.00 Uhr wurde mir schlagartig klar, dass mein Großeinkaufstag auf Christi Himmelfahrt fiel und damit wohl ins Wasser fallen würde. Mir brach förmlich der Angstschweiß aus, denn ich hatte kaum mehr Vorräte. Meine gute Vorbereitung rettete mich dann aber doch noch: Ich kramte meinen kleinen selbstgeschriebenen Führer hervor und schaute nach, wo der nächste Supermarkt war. Tatsächlich: 8 km von meinem Standort entfernt befand sich ein kleiner Laden. Ich rief sofort an und hörte voll Freude, dass er bis 20 Uhr geöffnet war. Das hieß jetzt allerdings 8 km in weniger als 2 Stunden zu laufen. Die Angst vor einem leeren Magen trieb mich an und ich erreichte den kleinen Laden in Rekordzeit. Ich war so schnell gelaufen, dass ich sogar noch eine halbe Stunde Zeit zum Einkaufen hatte.

    Christi Himmelfahrt ist ja auch Vatertag und so wurde der nächste Tag eher schwierig. Im Wald stieß ich ständig auf Horden grölender, äh.... singender Männer und ich fürchtete schon Schlimmstes für meine Nachtruhe. Ich suchte mir daher an diesem Abend einen besonders abgelegenen und versteckten Zeltplatz und blieb daher auch unbehelligt. Die Strecke durch das Saarland war eher unspektakulär. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir allerdings wieder die viele Kunst am Wegesrand.



    In der Pfalz lief ich zunächst auf einem der Pfälzer Jakobswege, der den Preis für den schlimmsten Wanderweg auf dieser Tour durch Deutschland erhält. Schlecht markiert, jede Menge Asphalt und wenig zu sehen. Trotzdem sah ich zahlreiche Pilger, was mir völlig unverständlich war. Es gibt so viele schöne Wandermöglichkeiten in der Pfalz, dass ich dort angesichts der besseren Alternativen nie den Jakobsweg empfehlen würde. Einziges Highlight auf diesem 2-Tagesabschnitt war Kloster Hornbach – jetzt ein Luxushotel mit angeschlossenem kleinen Museum. Für 3,50 EUR konnte man dort einen schlechten Film sehen und sich mit allerlei Computerspielen die Welt der mittelalterlichen Klöster zeigen lassen. Am besten war allerdings die Gästetoilette im Luxushotel, die mir mal wieder zu frisch gewaschenen Haaren und intensiver Körperpflege verhalf. Den Pfälzer Wald durchquerte ich dann auf einer selbstgestrickten Route und wurde an der deutsch-französischen Grenze mit richtig spektakulären Felsformationen belohnt. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an den fast rosafarbenen Felsgebilden. Allerdings ist diese Gegend verdienterweise sehr populär und ich traf auf Heerscharen anderer Wanderer.



    Am 19. Mai war es dann soweit: Nach 1 ½ Monaten und über 1.500 km verließ ich Deutschland und startete Teil 2 meines Großprojektes in Frankreich auf dem GR 53.
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  20. Dauerbesucher
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    AW: [D] [FR] [ES]: 4.500 km zu Fuss durch Westeuropa

    #20
    Ich war zwar auf einem anderen Abschnitt in der Eifel unterwegs aber auch dort verlief der Eifelsteig teilweise mit dem Jakobsweg.
    Die Eifel war auch für mich der schönste Abschnitt.
    Wegmarkierung: Der Jakobsweg ist auch dort sehr spärlich ausgewiesen, nicht nur südlicher.
    Von Nord nach Süd Deutschland würde ich sagen wird es immer weniger.
    Mir wurde von "Heilig Rock" auch einiges erzählt, obwohl ich kurz danach erst in der Region war. Bin nach deiner Beeschreibung froh, nicht in diesen Trubel gekommen zu sein.

    Sehr schöner Bericht, ich freu mich auf die Fortsetzung.
    Ich bin nicht tot, ich tausche nur die Räume, ich bin in Euch und geh’ durch Eure Träume. (Michelangelo)
    Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir weggehen. (Albert Schweitzer)

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