[SE] Mit dem Packraft am Rogen – die Entdeckung der Langsamkeit

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  • Borgman
    antwortet
    @Fjellfex: Nee, mach Dich mal nicht lustig über den Tom. An jenem 3. September hatte ich wahrscheinlich zum ersten Mal wirklich akzeptiert, dass jeder sein eigenes Zeitgefühl hat. Dass man sogar davon lernen kann. Das ist beim Berichteschreiben nicht anders.

    Und zu „Dichtung und Wahrheit“: Denk mal an die Erdnuss, mein Guter - die Wahrheit liegt im Kern, nicht in der Schale. Und mit einem Körnchen Salz schmeckt sie noch besser. Steht im Bericht jeder Gedanke, jedes Zitat minutengenau an der korrekten Stelle? Nein. Ist er dennoch wahr? Ja, absolut.

    @vobo: Also, Volker, Du hast ja Recht: mündlich (ziemlich kurz nach der Tour) habe ich wohl mehr die Unterschiede betont, und dass ich mir gerade an den ersten Tagen einen strafferen Tagesablauf gewünscht hätte. Nach der zweiten windigen Rogenquerung habe ich mir in Wirklichkeit auch mehr Sorgen gemacht, als im Bericht rüberkommt, das war schon etwas stressig. Aber beim Schreiben sortiert sich das alles ein bisschen besser, man sieht mehr den größeren Zusammenhang. Am Ende war es doch die entspannteste und erholsamste Tour aller Zeiten – nur das zählt .

    @Bergahorn: Ooh ja ... Du hast richtig gelesen. Mit Obertönen kenne ich mich tatsächlich ganz gut aus ... wir sagen lieber Teiltöne, weil das den Grundton einschließt. Nicht alle Teiltöne sind harmonisch, aber ohne sie klingt es langweilig . Die mehr oder weniger dezente ironische Brechung ist Dir also nicht entgangen. Eine Erkenntnis über Zeit und Gelassenheit heißt ja nicht automatisch, dass man sie schon verinnerlicht hat...

    @Andrea2: Deinen schönen Bericht über Eure erste Kanutour möchte ich auch noch mal lesen, jetzt kommt mir bestimmt manches bekannt vor. Freut mich, dass Du dabei bist . Wandteppich, Wandteppich ... da klingelt was, ohne dass ich es vor Augen hätte. Vielleicht weiß Tom es noch genauer. Ich war da mit Kaffeekochen beschäftigt, wie immer . Über den Rogen fegte so ein ungemütlicher Wind, dass wir an der Bucht nicht lange nach einem Zeltplatz gesucht haben. Sandstrand hatten wir zwar nicht, aber schön war es trotzdem am Öster-Rödsjön. Und mit Kind ist es natürlich ganz anders, soll ja allen Spaß machen. Tom und ich hätten als gestandene Solowanderer genauso gut getrennt losziehen können.

    @Highbeat: Danke für den Hinweis zum Fly. Hätte nicht gedacht, dass so was passiert. War das ein Materialfehler, haben sie was gesagt? Ich war zuerst sehr vorsichtig damit, weil es so leicht ist, bekam dann aber doch mehr Vertrauen. Vielleicht etwas zu viel, denn letztes Jahr im Westhavelland ist mir beim Abstoßen von einem Stein das Blatt eingerissen. Konnte ich flicken ... seitdem bin ich wieder vorsichtig.

    @agricolina: Die Entdeckung der Langsamkeit lohnt sich – aber ich bin trotzdem froh, dass Du jetzt an Deinem Bericht weiter arbeitest . Für Deine erste Packraft-Tour kannst Du Dich gut an dem orientieren, was bei uns noch kommt. Das dürfte gut passen. Alleine mit Hund würde ich den Rogen auch nicht so ohne Not queren. Jedenfalls nicht für den Anfang.

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  • Fjellfex
    antwortet
    Zitat von Bergahorn Beitrag anzeigen
    Bin nun auf die Darstellung aus anderem Blickwinkel gespannt!
    Das sind wir alle, aber vielleicht muss Tom erst noch ein bisschen Ausrüstung sortieren...

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  • agricolina
    antwortet
    Vielen Dank euch beiden schon mal für den Bericht, die tollen Fotos und die Idee mit den beiden Perspektiven. Das erhöht den Reiz noch mehr. Bin eh' schon gespannt wie ein Flitzebogen, wie es weiter geht. Ich habe mit der Gegend noch eine Rechnung offen, und die wird mit dem Packraft beglichen... Da legt ihr ganz prima einen Rahmen vor, vor allem mit den "dos" und "don'ts" (z.B. den Wind unterschätzen oder über den Rogen paddeln...). Ich lese da übrigens auch so einen Unter- bzw. Oberton der Ungeduld heraus und warte jetzt auf Toms Replik.
    Die Entdeckung der Langsamkeit ist übrigens so ganz nach meinem Geschmack...

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  • Highbeat
    antwortet
    Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen

    Da muss ich nochmal mit einer Ausrüstungsfrage einhaken. Ich hatte bisher schon irgendwie das Fly Paddel auf dem Schirm fürs Trekking, wiegt es doch immer nur die Hälfte des anderen.
    Ich habe mein Fly-Paddel auf dem Neckar bei bestem Wetter und ruhigem Wasser stromabwärts geschrottet. Es ist am Schaft gebrochen. Das hat mich ein wenig beunruhigt. Wir saßen zum Glück zu zweit im Packraft. Das Paddel konnte ich natürlich einschicken aber nun lege ich mir ein stabileres zu.

    Bin weiterhin mit Genuss beim Lesen und immer wieder am Lachen 😀

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  • andrea2
    antwortet
    Was für ein wunderbarer Bericht. Vielen Dank euch beiden. Ihr hängt die Latte für zukünftige Reiseberichte ganz schön hoch. Es ist toll die gleiche Reise aus zwei so unterschiedlichen Blickwinkeln nahegebracht zu bekommen.

    Ich denke so gerne an unsere Kanutour dort zurück und freue mich über eure Erlebnisse und die wunderbaren Fotos. Vielen, vielen Dank.

    Bredåsjön steht auch immer noch auf unserer Liste, aber so recht traue ich mir/uns die Überfahrt über den Rogen nicht zu, wenn ich daran denke, wie lange wir in Rödviken festsaßen bis wir endlich nach Reva fahren konnten. Ganz zu schweigen vom Rückweg. Sehr schade, dass ihr in Rödviken unseren Zeltplatz nicht gefunden habt, mit eigenem Hafen und Badestrand. Hängt in dem Windschutz eigentlich immer noch der „wunderschöne“ Wandtepppich?

    Als ich die Karte eurer Tour das erste Mal ansah, hab ich mich gefragt, warum nur haben sie die schöne Schleife von Reva nach Norwegen nicht gemacht. Dann hat es erst klick gemacht, das ging ja gar nicht, dank Corona.

    Auf den Bildern schaut das Wetter so wunderschön aus, zum Wander perfekt, aber zum Paddeln oft viel zu windig. Das haben wir aber auch erst gemerkt als wir mit dem Boot dort waren, auf den beiden Wandertouren haben wir keinen Gedanken an den Wind verschwendet.

    Ich kann Bernd ja ein bisschen verstehen. Wir saßen damals oft schon fertig im Zelt und das liebe Kind hatte keine Lust aufzustehen. Nun wollten wir ja auch keine mega schlecht gelaunte Tochter den ganzen Tag dabei haben. Also erst warten, dann vorsichtige Anfrage, später drängen und irgendwann gings dann tatsächlich los.

    Ich hoffe es geht bald weiter.

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  • Bergahorn
    antwortet
    Interessant, wie unterschiedlich man diese schöne Passage lesen kann. Ich hatte dann doch den Eindruck, dass da so ein leiser Unterton - oder sollte ich im Falle dieses Hau-in-die-Tastenspezialisten lieber Oberton sagen? - von Ungelduld mit dabei ist. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich eher der "Losgehen-hat-seine-Zeit-Typ" bin. In jedem Fall mal wieder super geschrieben! Bin nun auf die Darstellung aus anderem Blickwinkel gespannt!

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  • Fjellfex
    antwortet
    Zitat von vobo Beitrag anzeigen
    Gut dass ich das schon mal mündlich gehört hatte, da hat die Geschichte einen etwas anderen Eindruck hinterlassen .
    Ach; wie interessant!
    Es ist dann der Borgman-Forschung vorbehalten, hier "Dichtung und Wahrheit" zu ermitteln. Erste sachdienliche Hinweise könnten von evernorths Beschreibung der Begebenheit kommen - auf geht´s Tom: hau in die Tasten.

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  • vobo
    antwortet
    Ja, das ist tatsächlich ein literarischer Edelstein über das Er-warten ... wunderschön. Gut dass ich das schon mal mündlich gehört hatte, da hat die Geschichte einen etwas anderen Eindruck hinterlassen .

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  • Fjellfex
    antwortet
    Mensch Bernd, was hast du da für eine Perle rausgehauen!
    Tom der Gelassenheitsguru mit seinem quengeligen Novizen...
    Wobei letzterer literarisch und fotografisch auch schon Oberguru ist.

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  • Borgman
    antwortet
    @Freedom33333: Zum Anfibio Fly hat Tom schon alles gesagt – genau so sehe ich das auch. Bei den Touren, wo Gewicht und Packmaß im Vordergrund stehen, werde ich das Fly auf jeden Fall wieder nutzen. 2019 bin ich damit ja auch prima klargekommen.


    03. September: Bustvålen

    Nachdem wir gestern so lange nach einem geeigneten Zeltplatz gesucht hatten und ich dann mein Zelt („für das Akto findet man überall was“) kurzerhand an die am wenigsten hubbelig aussehende Stelle setzte, war ich doch angenehm überrascht wie saumäßig bequem ich hier lag. Schweinegemütlich! Das dicke Moos unter mir passte sich perfekt meiner Seitenschläfer-Position an.

    Ausgeruht und für meine Verhältnisse recht spät koche ich einen ersten Kaffee und warte darauf, dass sich im roten Zelt was regt. Wir wollen die Zelte hier stehen lassen und am Vormittag ohne Gepäck auf den Bustvålen steigen. Der Berg verspricht einen netten Rundumblick, ist aber mit 996m nur knapp 240 Meter höher als der Rogen und somit auch für faule Gesellen wie uns ohne übermäßige Anstrengung zu bewältigen. Im Gegensatz zu den vorherigen Tagen drängt es mich nicht zu einem frühen Aufbruch. Anscheinend komme ich langsam dem entspannten Zustand zeitloser Gelassenheit näher, den Tom bereits perfektioniert hat.

    Heute ist es ja auch völlig egal, wann wir was machen. Mit dem anhaltend kräftigen Südwind werden wir uns später noch ein Stück auf den Väster-Rödsjön treiben lassen und morgen dann das Gewirr von kleinen Seen in Richtung Käringsjön erkunden. Wenn das Wetter mitspielt - es ist Regen angesagt. Gedankennotiz: Telefon mitnehmen und auf dem Bustvålen die Vorhersage checken. Hier unten gibt es nämlich kein Netz.

    Tom ist inzwischen aktiv und bereitet sein Porridge zu. Was nicht heißt, dass wir bald aufbrechen. Wer die Langsamkeit entdecken will, darf sich nicht zu viel auf einmal vornehmen. Ich bin ja noch blutiger Anfänger auf dem Gebiet, soll heißen immer einen oder zwei Schritte voraus. Leben kannst du nur in der Gegenwart, nicht in der Zukunft, also schau und lerne.

    Als ich meinen Leichtrucksack mit allen lebenswichtigen Dingen für eine unvergessliche Gipfeltour gepackt habe und zu Toms Zelt hinüberschlendere um ihn ein bisschen zu motivieren, sortiert er gerade in aller Seelenruhe seine Sachen. Also, nicht dass das jetzt nötig wäre, wir lassen sie ja hier, aber ich glaube, es ist für ihn eine Art von Meditation um die innere Ordnung zu erhalten. Das dauert immer gut und gerne eine Stunde. Vielleicht hilft es, wenn ich so unaufdringlich wie möglich daran erinnere, dass wir eigentlich jetzt was vor haben. „Ich will ja nicht drängeln, aber wir könnten dann langsam aufbrechen.“ - „Ja, na klar - Bustvålen ... bin gleich fertig ... ... ... die Piezozündung funktioniert jetzt übrigens gar nicht mehr ... das kann doch nicht an der Temperatur liegen ... so kalt ist es heute nicht ... also, das hatte ich beim Soto Windmaster nie ...“

    Tom lässt alles stehen und liegen und beginnt ein Gespräch über Kocher. Dazu kann ich nur sagen, dass mein Trangia nie einen Piezozünder hatte und ich auch nie einen vermisst habe. Aber hätte er einen, dann fände ich es nur recht und billig, dass dieser auch funktioniert. Was natürlich irrelevant ist, das ganze Thema ist jetzt irrelevant. Andererseits steht der Bustvålen auch in zwei Stunden noch da, morgen bestimmt auch noch, und mit etwas Glück vielleicht sogar noch übermorgen. Also, hey, entspann dich - nur der Augenblick ist wichtig. Willkommen in der wunderbaren Welt der Langsamkeit!

    Älskade vare de som sätter sig”, denke ich und suche einen guten Sitzstein. Das Zitat aus einem Gedicht von César Vallejo in dem Film „Sånger från andra våningen“ (Songs from the Second Floor) kommt mir bestimmt nicht ohne Grund in den Sinn. Fühle ich mich wie eine Figur aus einem Roy-Andersson-Film? Ja klar, manchmal schon, aber heute nun überhaupt nicht.

    Allt har sin tid, Pelle. - Jojo. - Pyramiderna hade sin tid. - Jao, visst, visst. - Ångloken hadde sin. - Förlåt, vad sa du? - Ångloken... - Ja. - ...hade sin tid!“ Genau, das ist es: alles hat seine Zeit. Die Dampflokomotive hatte ihre Zeit. Geburt hat ihre Zeit und Tod hat seine Zeit. Pflanzen hat seine Zeit und Ernten hat seine Zeit. Sachen sortieren hat seine Zeit und zum Bustvålen wandern hat seine Zeit. Der Piezozünder vom Primus hatte seine Zeit, wenn auch nur eine sehr kurze. Tom hat seine Zeit und ich habe meine. Manchmal passt es zusammen und manchmal nicht.

    Abschweifen hat seine Zeit und Weiter-im-Bericht hat seine Zeit.



    Wanderung zum Bustvålen




    Öster-Rödsjön


    Rogen, Rödvika


    Skedbrofjället


    Väster-Rödsjön

    Der Anstieg ist von Osten tatsächlich genau so einfach, wie es auf den Bildern aussieht. Nur sehr kurz überlegen wir, ob es lohnt, noch auf den westlichen, etwas höheren Gipfel zu laufen, entscheiden dann aber dagegen. Besser kann der Blick von da auch nicht sein, zumal der Wind über die Höhen noch viel ungemütlicher bläst als unten am See. Wir suchen eine geschützte Stelle für ein Müsliriegel-Päuschen, ergötzen uns an der prächtigen Aussicht und konsultieren den Wetterpropheten. Morgen dreht der Wind auf West, außerdem soll es bis Mittag regnen. Danach bleibt es wechselhaft.

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  • evernorth
    antwortet
    Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    Wie viel wiegt denn das rote Zelt & Was war für dich der Grund das mitzunehmen? So richtig komme ich bei deinen Zelten nicht mit. Weil dass das Unna recht schwer ist ok, dann hattest du doch das Chinook als leichtere Variante, im Sarek letztes Jahr hattest du ein noch leichteres Zelt mit Rundbogen - und jetzt wieder ein anderes. Worin liegt der Vorteil dieses Zelts gegenüber den beiden anderen? Noch leichter?

    Bei meinen zahlreichen Zelten verliere ich auch langsam den Überblick....
    Das Zelt wiegt etwa 1300g und war das Leichteste der Zelte, die ich dabei hatte. Ich wollte es unbedingt mal unter Tour - Bedingungen testen. Außerdem wollte ich dem höheren Boots - Gewicht etwas entgegensetzen, Ich war allerdings reichlich konsterniert, wie viel „Tuning“ so ein Mid auf Tour benötigt. Ich habe auf den letzten Tagen noch einmal das Zelt gewechselt. Dazu später mehr.


    Da muss ich nochmal mit einer Ausrüstungsfrage einhaken. Ich hatte bisher schon irgendwie das Fly Paddel auf dem Schirm fürs Trekking, wiegt es doch immer nur die Hälfte des anderen. Was genau ist beim Fly anders? Ist das Blatt kleiner und damit das Paddeln anstrengender? Oder woran liegt es?

    Bernd wird bestimmt noch etwas zu ergänzen haben, aber ich habe mich auch bereits mit dem Fly beschäftigt.
    1. Das Blatt ist deutlich kleiner. 2. Das Blatt - Material ist dünner und filigraner. Dadurch lässt sich nicht so druckvoll paddeln, es gibt mehr nach. 3. Der Paddel - Schaft hat einen deutlich geringeren Durchmesser. Dadurch „greift“ er sich nicht so gut. Aber: Es ist seehr leicht und wiegt etwa nur die Hälfte.


    Siehst du dann denn überhaupt noch legitimen Anwendungsbereich für das Fly, wenn du es nichtmal beim Trekking mitnimmst?

    Ja, natürlich! Wenn es aufs Gewicht ankommt.
    Trekking stand ja diesmal nicht ganz so im Vordergrund. Wir sind ja häufiger auf dem Wasser gewesen, als an Land.


    Jenseits des Komfortgewinns stellt sich dann ja auch die Frage der Sicherheit. Wenn nämlich die Überfahrt über eine kritische Stelle bei nicht wenig Wind, wie du es ja hattest, schon verlangt, dass du dich körperlich anstrengen musst, dann wäre das ja womöglich mit schlechterem Paddel auch gefährlicher.

    @ Tom welches Paddel hattest du?

    Ich hatte ein Aquabound Sting Ray dabei.


    Zuletzt geändert von evernorth; 20.01.2021, 16:14.

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  • Freedom33333
    antwortet
    Wie viel wiegt denn das rote Zelt & Was war für dich der Grund das mitzunehmen? So richtig komme ich bei deinen Zelten nicht mit. Weil dass das Unna recht schwer ist ok, dann hattest du doch das Chinook als leichtere Variante, im Sarek letztes Jahr hattest du ein noch leichteres Zelt mit Rundbogen - und jetzt wieder ein anderes. Worin liegt der Vorteil dieses Zelts gegenüber den beiden anderen? Noch leichter?

    Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
    Statt des sehr leichten Fly-Paddels hatte ich dieses Mal das Anfibio Basic 4p benutzt - ein wirklicher Komfortgewinn. Wenn man mehr als nur eine kurze Strecke paddelt, lohnt sich das Mehrgewicht.
    Da muss ich nochmal mit einer Ausrüstungsfrage einhaken. Ich hatte bisher schon irgendwie das Fly Paddel auf dem Schirm fürs Trekking, wiegt es doch immer nur die Hälfte des anderen. Was genau ist beim Fly anders? Ist das Blatt kleiner und damit das Paddeln anstrengender? Oder woran liegt es?

    Siehst du dann denn überhaupt noch legitimen Anwendungsbereich für das Fly, wenn du es nichtmal beim Trekking mitnimmst?

    Jenseits des Komfortgewinns stellt sich dann ja auch die Frage der Sicherheit. Wenn nämlich die Überfahrt über eine kritische Stelle bei nicht wenig Wind, wie du es ja hattest, schon verlangt, dass du dich körperlich anstrengen musst, dann wäre das ja womöglich mit schlechterem Paddel auch gefährlicher.

    @ Tom welches Paddel hattest du?

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  • evernorth
    antwortet
    Noch 02. September: Rückzug zur Rogenstuga und weiter zum Öster - Rödsjön

    Da ich für meine Verhältnisse gestern recht früh schlafen gegangen bin, werde ich heute auch schon früh wach.
    06:30 Uhr zeigt mir meine Armbanduhr an. Beim Öffnen des Zelteingangs ziehe ich unwillkürlich den Nacken ein: Plipp - Plapp - Plopp macht es und ein paar Kondens - Tropfen landen zielsicher ….genau dort!
    Brrrr…. hat also der Kondens diese Nacht den Raureif der vorherigen Nacht ersetzt.
    Geht doch, denke ich, so früh, und dann auch gleich wach!



    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 542B0F8A-240F-4AB4-BFE3-5736B7FD04F9_1_201_a.jpeg Ansichten: 135 Größe: 7,81 MB ID: 3014172

    Morning glory

    Im anderen Zelt rührt sich scheinbar noch nichts. Das ist mir ganz recht, dann können wir heute ja zeitgleich aufbrechen, frohlocke ich gerade so vor mich hin, da knackt es hinter mir und ein gut gelaunter, ausgeschlafener und total fokussierter Bernd schlendert mir entgegen.
    „Ich war grad mal pieseln an der Landzunge, hab schon einen Kaffee getrunken und will gleich aufbrechen, noch bevor der Wind zu stark auffrischt.“
    „Ach, ja, nun…..bin noch nicht ganz so weit“, druckse ich rum. „Will noch frühstücken und einen Kaffee…..“ „Wie du meinst“, sagt Bernd, „ich will nur rasch zusammenpacken, dann bin ich um 07:30 Uhr auf dem Wasser.“
    Mist, denke ich, so wird das wieder nichts mit dem gemeinsamen Aufbruch.
    Ehrlicherweise möchte ich anmerken, dass wir bereits gestern diese Möglichkeit diskutiert hatten und somit waren wir beide auf eine getrennte Rogen - Passage bereits vorbereitet.
    Als Bernd gegen 07:30 Uhr guter Dinge an mir vorbei paddelt, bin ich gerade dabei, mein Zelt auszuräumen und alles für den Rucksack bereitzulegen.
    Am Ende dauert alles wieder so seine Zeit und als ich - ganz zum Schluss, also nach dem Frühstück und dem Kaffee - das Zelt einpacke, ist es doch wieder Dreiviertel neun. Dann noch das Packraft aufblasen und kurz nach neun lege ich vom Ufer ab.
    Für mich ist das ein beinahe zügiger Aufbruch.
    Fotos gibt es von der Passage keine, denn ich mache mich auf eine ungemütliche und feuchte Überfahrt gefasst. Alles ist wasserdicht im Inneren verpackt.
    Bis ich die ganzen, vorgelagerten Inseln hinter mich habe, vergeht bestimmt eine Dreiviertel Stunde, wenn nicht mehr.
    Dann geht es hinaus aufs offene Wasser und, was soll ich sagen, das sieht schon von hier erstaunlich weit und vor allem recht „kabbelig“ aus. Der Wind bläst jedenfalls ganz anständig aus Süd und vereinzelt kann ich einige Schaumkronen entdecken. Das ganze stellt sich in etwa so dar, wie die erste Überfahrt war. Bei diesen Verhältnissen, wie sie jetzt hier vorherrschen, fühle ich mich recht sicher in meinem Alligator und noch genieße ich den „Ritt“ auf den schwankenden Wellen. Ähnlich wie Bernd fahre ich „offen“, na, ja, so halb - offen. Der Alligator ist ja im Gegensatz zum Alpha vorne geschlossen. Auf meine Spritzschürze habe ich verzichtet, die habe ich bewusst im Auto gelassen.
    Meine Erfahrungen im Wildwasser geben mir viel Selbstvertrauen. Zeitweilig macht mir der „Tanz auf den Wellen“ richtig Spass und ich jauchze laut vor mich hin. Hört mich ja sowieso keiner.
    Zur Orientierung peile ich eine gut sichtbare Hütte an, die ich für die Rogenstuga halte.
    Als ich schon näher gekommen bin, erkenne ich, dass ich viel zu weit westlich gelandet bin und eine ganz andere Hütte angepeilt habe. Nun muss ich, zwar in Ufernähe, aber doch voll gegen den Wind, nach Osten paddeln…. und das auch noch wie ein Weltmeister!
    Inzwischen hat der Wind erheblich an Stärke zugenommen und nun wird es doch glatt noch einmal hart. Ich paddel, was das Zeug hält! Dann passiere ich die Rogenstuga und somit weiss ich schon mal, dass es nun bis zur Insel nicht mehr weit ist.
    So ein kurzes Stück kann sich beachtlich in die Länge ziehen, das merke ich gerade. Kostet richtig Körner!
    An einer kleinen Landzunge bläst mir der Wind unbarmherzig und gnadenlos entgegen. Keine Chance, da komme ich nicht mehr gegen an. Im entscheidenden Moment fahre ich gerade noch so an großen Steinen vorbei und kann an Land setzen.
    Ich ziehe das Boot ans Ufer und schnaufe erst mal durch. Dann schnappe ich mir den Rucksack, Paddel und Boot und bringe alles in ein lichtes Birkenwäldchen.




    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 229C8390-8D5F-4E00-9C0E-2C4E0F7E21CC_1_201_a.jpeg Ansichten: 125 Größe: 7,04 MB ID: 3014173

    Windstille

    Unfassbar, hier ist es fast windstill. Windstill ja, aber nicht wirklich still und - erstaunlicherweise - nicht menschenleer. Es kommen mir gleich drei schwedische Angler entgegen. Wir staunen alle zusammen nicht schlecht. Die drei sind aber nicht zum Gespräch aufgelegt, sondern stattdessen sehr mit sich und irgendetwas, nach dem sie Ausschau halten (Fisch?) beschäftigt.
    Dann eben nicht, ich brauche jetzt erst mal einen Riegel!
    Den Riegel noch halb im Mund finde ich auf dem Mobiltelefon Bernds Nachricht. Seinen Worten nach ist es auf der Insel auch nicht soo toll und wir verabreden uns bei der Rogenstuga.
    Ich schnappe mir meine Sachen und schwenke auf einen deutlichen Pfad ein.
    Keine 5 Minuten später stehe ich an der Rogenstuga, wo Bernd bereits kurz vorher eingetroffen ist.
    Natürlich kocht er erst mal für uns einen Kaffee und danach sieht die Welt schon wieder viel besser aus.



    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 22088492-E54C-4515-99F0-65DD5423D972_1_201_a.jpeg Ansichten: 117 Größe: 5,97 MB ID: 3014174

    Rogenstuga

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    Gehört zur Rogenstuga

    Wir einigen uns recht schnell über unseren neuen Tour - Verlauf: Ein kleines Stück zurück in Richtung Käringsjön, dann auf einen markierten Pfad wechseln und diesen für ingesamt etwa 8,5 km folgen, bis zum Ende der roten Bucht, Rödviken. Dort ist ein Windschutz eingezeichnet, bei dem sich vielleicht auch gut zelten lässt. Sonst findet sich gewiss etwas in der Nähe.
    Morgen wollen wir dann dem Bustvålen, ein knapp 1000m hoher Aussichtsberg, einen Besuch abstatten. Zelt wollen wir stehen lassen und nach unserer Rückkehr alles einpacken, um dann über den Öster - Rödsjön zum Väster - Rödsjön zu einer eingezeichneten Hütte zu paddeln.
    Im Verlauf der nächsten zwei Tage wollen wir den vielen, kleinen Seen in Richtung Käringsjön folgen, kleine Umtragen über Land inbegriffen. Über den Stor - Tandsjön, Öster - und Väster - Vingarna wieder zurück nach Käringsjön. So soll sich der Kreis schließen.



    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: F5CA2D32-15D6-44F3-8400-6EA3F4E8867A_1_201_a.jpeg Ansichten: 124 Größe: 6,57 MB ID: 3014177

    Durch den Rogen - Wald


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 070057D5-01D1-4477-B23F-549A8A61B902_1_201_a.jpeg Ansichten: 119 Größe: 5,56 MB ID: 3014176


    Bei bestem, sonnigen Wetter brechen wir um die Mittagszeit auf.
    Über den Weg, bis zum Ende der roten Bucht, gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen.
    Alles gut zu finden und am Ende stehen wir vor dem erhofften Windschutz. Wenig spektakulär, doch vor allem völlig ungeeignet für einen Zeltaufbau.
    Also schauen wir, ob wir direkt etwas am Öster - Rödsjön finden. Hier gibt es ein paar einzelne Bootsschuppen und die eine, oder andere kleine Hütte, doch ist alles einsam und verlassen - niemand weit und breit zu sehen.
    Nach einigem Suchen findet am Ende jeder von uns im recht rauem und unebenem Gelände ein Plätzchen für sein Zelt.
    Mein Platz, direkt unter einer Kiefer ist der einzige, größere und ebene Platz weit und breit.
    Glück gehabt.
    Trotzdem dauert es wieder eine Ewigkeit, bis ich zufrieden bin und mein Zelt endlich vernünftig steht.
    Als ich schließlich mein Abendessen zubereiten kann, wird es bereits etwas duster. Bernd hat zu diesem Zeitpunkt bereits seinen Abwasch längst erledigt. Sein Akto steht immer im Handumdrehen.
    Vielleicht hätte ich doch das Unna, Chinook…..

    Ich schaue auf das Zelt und dieses wunderbare Ensemble aus Wasser, Ufer und knorrigen Kiefern, die einen magischen, umwölkten Himmel zu berühren scheinen.
    Dieser Platz ist wunderschön, ja, einmalig, und im letzten Licht der untergehenden Abendsonne berührt mich ein Windhauch ganz sanft in meinem Nacken, fast mystisch - unerklärlich, wie ein Kuss von…..ich habe Tränen in den Augen und bin fast ein wenig überfordert, überwältigt geradezu „angefasst“ von dieser gewaltigen Emotion.
    Deshalb bin ich hier, für diese Momente, wenn die Seele der Natur die Seele des Menschen berührt.
    So innig und tief beseelt schlafe ich „wie auf Wolken im goldenen Licht“.



    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 0BB0EA49-9FA7-4DBE-99F0-044318E6DCAD_1_201_a.jpeg Ansichten: 118 Größe: 3,78 MB ID: 3014178

    Camp am Öster - Rödsjön


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 78AAE163-E493-4D9B-893A-535EE3132DE4_1_201_a.jpeg Ansichten: 119 Größe: 4,64 MB ID: 3014179
    Zuletzt geändert von evernorth; 23.01.2021, 12:53.

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  • Pfiffie
    antwortet
    Herrlich und schlechtes Wetter gabs bis hier hin auch nicht . Die Gegend soll ja auch die trockenste in Schweden sein. Ich war schon mehrmals dort in der Gegend, leider noch nicht so intensiv wandernd, aber ich kann mich ganz gut hineinversetzen.

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  • TilmannG
    antwortet
    Wunderschön!!!
    Lasst euch weiter Zeit, ich bin dabei, voller Sehnsucht nach dem Norden.
    Grüße von Tilmann

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  • Borgman
    antwortet
    Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    Dass du da noch das Handy oder die Kamera rausfriemelst beim Boot fahren, Respekt .
    Die Bilder sind natürlich auch ein Traum!
    Danke! Die Kamera habe ich eigentlich fast immer in einer passenden Tasche um den Hals hängen (beim Paddeln zusätzlich in einem Gefrierbeutel). Beide Fotos sind in relativ ruhigen Momenten bei stetigem Wind gemacht, da kann man schon mal kurz das Paddel ablegen. Problem ist nur, dass sich das Packraft dann sofort zu drehen anfängt und das angepeilte Motiv in Sekunden aus dem Blickfeld verschwindet . Am besten richtet man das Boot vorher entsprechend aus (so dass es sich in die gewünschte Richtung hineindreht) und beeilt sich mit dem Foto .

    Zu der Begegnung -[....] Unhöflichkeit geht aber gar nicht.
    Ist mir im Norden auch extrem selten passiert. Vielleicht hatte der König auch nur einen schlechten Tag (oder kurz vorher sein Porridge über die Hose gekleckert) und ist sonst ganz umgänglich – man soll ja nie nach einer einzigen Begegnung urteilen. Andererseits kann man als Autokrat schon mal das Gespür für den richtigen Tonfall im Umgang mit Eindringlingen verlieren. Schließlich ist Pünktlichkeit die Höflichkeit der Könige und nicht, äh ... Höflichkeit



    Zitat von Highbeat Beitrag anzeigen
    Toller und total amüsanter Bericht (ich habe immer wieder laut aufgelacht) mit wunderbaren Fotos!
    Da wir seit letztem Jahr auch ein Packraft haben, bin ich an Paddelberichten sehr interessiert und gespannt wie es weiter geht.
    Ja, jetzt wo Du es sagst, erinnere ich mich – da gab es ein Foto mit Packraft vor Eurer Sarek-Tour. Dann gibt es vielleicht auch bald von Euch einen Paddel-Bericht . Freut mich jedenfalls, dass Du Spaß an diesem hast.

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  • Highbeat
    antwortet
    Toller und total amüsanter Bericht (ich habe immer wieder laut aufgelacht) mit wunderbaren Fotos!
    Da wir seit letztem Jahr auch ein Packraft haben, bin ich an Paddelberichten sehr interessiert und gespannt wie es weiter geht.

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  • Freedom33333
    antwortet
    Dass du da noch das Handy oder die Kamera rausfriemelst beim Boot fahren, Respekt .
    Die Bilder sind natürlich auch ein Traum!

    Zu der Begegnung - ausgerechnet ein Deutscher. Mir ist bei Tour-Start im Stora Sjöfallets ein Schwede begegnet, den habe ich zweimal auf 5m eingeholt, er hat mich trotzdem keines Blickes gewürdigt und ist demonstrativ möglichst schnell weggerannt ohne auch nur kurz zuzunicken. Naja, manche Leute sind halt seltsam. Das einen vielleicht nicht zwingend die pure Freude durchströmen muss wenn auf der vermeintlich einsamen Insel Leute kommen und man erstmal beobachtet, was das für Leute sind ist ja noch verständlich, Unhöflichkeit geht aber gar nicht. Am Ende kommts halt auch drauf an, wenn man mit den Leuten zusammen rumsitzt ist es doch ne nette Abwechslung, Mist ist es dagegen wenn die ne geschlossene Gruppe sind und sich trotzdem laut unterhalten. Ist mir aber noch nie passiert im Urlaub.

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  • Borgman
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    @karteundkanu, @ChuckNorris: Danke für Euer Feedback! Bei der Januar-Grütze da draußen macht es uns aber auch einen Heidenspaß, an das sonnige Schweden zurückzudenken. Also schnell weiter im Text:



    02. September: Rückzug zur Rogenstuga

    Heute soll das Wetter ähnlich werden wie gestern, also sonnig und windig. Von beidem ist noch nicht viel zu merken, als ich in der Dämmerung einen frühen Kaffee zubereite und schon mal die Sachen sortiere. Das Zeitfenster für die Rogenquerung ist von sieben bis neun Uhr offen. Für den Rest des Tages sagt yr.no zunehmend kräftigen Wind um 9 m/s aus Süden voraus, was bedeutet, dass die Böen durchaus noch stärker ausfallen können. Zur Erinnerung: km/h = m/s x 3,6. Also schon 32,4 km/h als Basiswind. Zum Wandern absolut harmlos, aber auf einem großen See wird das ungemütlich.

    Am liebsten wäre mir, wenn Tom gleich mitkäme. Andererseits ist er erwachsen und im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte. Mit anderen Worten: er muss es selber wissen. Als ich um halb acht das Packraft besteige und in See steche, sortiert er immerhin schon seine Sachen auf einer Plane vor dem Zelt. Wir wollen uns auf der kleinen Insel direkt südlich der Rogenstuga treffen.









    Momentan ist alles noch sehr ruhig. Die geschützte innere Buch durchfahre ich zügig und erwische diesmal sogar auf Anhieb die richtige Stelle, um vor der westlichsten Insel auf den offenen See zu kommen. Als ich die Insel schon fast passiert habe, entdecke ich darauf die perfekte Rogen-Kiefer für ein Foto. Das kann ich mir nicht entgehen lassen, so viel Zeit muss sein.


    ikonische“ Rogen-Kiefer

    Jetzt frischt der Wind schon merklich auf. Leicht angespannt lasse ich das sichere Ufer hinter mir und halte mit kräftigen Paddelschlägen direkt auf den Punkt zu, wo nach der Karte die kleine Insel sein sollte. Von hier, anderthalb Kilometer über den Rogen, ist sie zwar noch nicht genau zu erkennen, aber sie muss rechts von einer großen Bucht mit Hütte liegen, die wiederum rechts von einem größeren Moor ist. Letzteres kann ich von hier gut sehen. Natürlich versucht der Wind immer, mich nach Norden zu schieben, was ich ein paar Mal im Zickzack korrigieren muss, um nicht vom Kurs zu abzukommen. Soll heißen, die größeren Wellen möglichst in Längsrichtung nehmen und dazwischen wie wild nach Osten paddeln.


    auf dem Rogen


    Insel fast erreicht

    Trotzdem dauert es ab der Kiefer kaum mehr als eine halbe Stunde, bis ich glücklich den ersten Fuß auf die Insel setze. Es ist kurz vor neun, ich hoffe sehr, dass Tom schon unterwegs ist. Das gelbe Boot binde ich gut sichtbar an einer Uferbirke fest und mache erst mal einen Rundgang. Da steht ein recht großes Zelt, ein Ally liegt nicht weit davon.

    Am Windschutz treffe ich ihn dann. Den Deutschen. Den König der Insel. Er scheint nicht sehr erfreut über den Besuch. Und noch weniger, als er hört, dass noch ein Anderer kommt. Wahrscheinlich befürchtet er, dass wir uns frech in seinem Reich einnisten. Und außerdem ist er natürlich der Experte. Bei dem Wind macht man das doch nicht! Und wenn, dann so und so, damit das klar ist. Ist doch scheißgefährlich! Ich fasse jetzt mal beide knappen Gespräche zusammen. Da fühlt man sich gleich ganz klein und unwissend. Hoffentlich belehrt er die schwedischen Paddler nicht auch so barsch, sonst ist der Ruf unserer Landsleute hier am Rogen bald ruiniert.

    Selbstverständlich wage ich nicht, ihn um einen Platz im Windschutz zu bitten, da hat er vorsorglich überall seine Sachen deponiert, auch auf der Picknickbank, sondern stelle bescheiden mein Zelt an unauffälliger Stelle zum Trocknen auf. Ist sowieso viel gemütlicher als der blöde, zugige Windschutz. Abgesehen von dem griesgrämigen Bewohner ist die Insel ganz zauberhaft. Zwischen den üblichen Kiefern und Birken finden sich etliche schöne Zeltplätze, daneben laden kleine Sandstrände und familienfreundliche Badebuchten zum Verweilen ein. Wie aus der Schwedenwerbung: "Besuchen Sie den Rogen! Lassen Sie die Seele baumeln! Zu Paddeltouren berät Sie gerne, ungefragt und umfassend unser freundlicher Experte."


    Urlaubsidyll Rogeninsel



    Alles sehr schön, aber wo bleibt Tom? Déjà-vu, ick hör dir trapsen. Der Wind hat noch deutlich zugelegt und verziert nach und nach immer mehr Wellen mit Schaumkronen. Da will man nicht mehr auf dem Wasser sein. Nachdem ich vergeblich eine Weile Ausschau nach einem blauen Packraft gehalten habe, schmeiße ich den Kocher an und beginne mit den Vorbereitungen fürs Frühstück. Dann kriegt Tom gleich einen Kaffee, wenn er hoffentlich bald wohlbehalten anlegt. Langsam mache ich mir Sorgen. Soll ich ihn anrufen? Nee, er ist jetzt irgendwo da draußen und hat ganz sicher alle Hände voll zu tun.

    Um 10:48 Uhr dann die erlösende Nachricht per WhatsApp. Tom hat es über den Rogen geschafft, aber nicht auf die Insel. Wir treffen uns an der Rogenstuga. Erleichtert packe ich zusammen, hole das Boot auf die Leeseite und setze über zum Festland. Von da ist es nur noch ein kurzer Fußmarsch. Bin gespannt, was er zu erzählen hat...

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  • ChuckNorris
    antwortet
    Das sieht nach einer sehr schönen Tour aus. Eine tolles Format habt ihr auf jeden Fall auch gefunden.

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