[SE] Schon wieder Angsthase! Padjekalottvarianten statt Sarek

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  • Blahake

    Dauerbesucher
    • 18.06.2014
    • 844

    • Meine Reisen

    #21
    AW: [SE] Schon wieder Angsthase! Padjekalottvarianten statt Sarek

    Donnerstag, 13. August
    Ich will aber zum Tjievrrajávre!



    Abgesehen von der kurzen Unterbrechung habe ich tief und fest und lang geschlafen. Und jetzt scheint mir die Sonne auf‘ s Zelt!

    Die Zeltunterlage hat sich bewährt, meine „Terrasse“ ist trocken, ich genieße mein Frühstück in der Sonne und stiefele irgendwann vormittags los.




    Trockene Frühstücksterrasse auf nassem Grund

    Ziel ist der Tjievrrajávre, das sieht auf der Karte nach einem schönen Übernachtungsplatz aus und von da könnte ich es morgen dann ins Njoatsosvágge schaffen, um mein Lager dort zwischen den Seen aufzubauen. Das schwebt mir schon lange vor, seit ich Bilder davon gesehen habe.
    Jetzt aber erst mal Richtung Boarek mit schönen Ausblicken und Beobachtungen:








    Im Wald werde ich öfters mal von schönen Pilzen abgelenkt, bin aber zu faul, sie einzusammeln. Als ich aber an diesem Steinpilz



    vorbeikomme, kann ich nicht widerstehen und nehme ihn mit. Ergänzt wird er dann nach und nach durch Birkenrotkappen, bis mich der Sammelbeutel, den ich am Brustgurt des Rucksacks befestigt habe, zu sehr nervt.



    Der Pilzbeutel vorm Bauch nervt beim Gehen ein bisschen.

    Deshalb beschließe ich heute, entgegen meiner Gewohnheit eine längere Mittagspause mit Kochaktion zu machen. Das ist mir normalerweise zu aufwändig. Aber jetzt bietet es sich an, um die Pilze zu verspachteln.
    Dazu muss ich allerdings meinen Rucksack fast komplett ausleeren, weil das Kochgeschirr natürlich ganz weit unten verstaut ist.



    Die Aussicht beim Zubereiten und Kochen ist dafür nicht zu verachten.



    Nach einiger Schnippelei



    schmoren die Pilze dann fein im Bütterchen.



    Lecker Pilzpfanne!

    Und was Süßes zum Nachtisch findet sich ganz in der Nähe auch:



    Allerdings hat mich die ganze Aktion doch ziemlich viel Zeit gekostet. Zur Gewohnheit darf das bei mir nicht werden, sonst komme ich kaum voran. Lang schlafen und dann gleich wieder Pause machen geht nicht. Der Himmel hat sich inzwischen ein bisschen zugezogen und als ich an der Furt mit den ulkigen Holzdreiecken bin, nieselt es auch ein bisschen. Von Boarek kriege ich nicht viel mit, außer dem Hinweisschild. Zur Axel-Hamberg-Hütte mache ich noch einen kleinen Abstecher,



    dann geht es links weiter am Hang lang mit schönen Ausblicken



    da komm‘ ich her





    Vallespiken und Tarrekaise



    Tjievrra voraus



    Blick zurück zur Boarek-Ebene

    Inzwischen ist das Wetter ein bisschen mau, grau, nieselig und windig. Im Hang sehe ich ein rotes Kuppelzelt mit im Eingang kochendem Bewohner und mache einen kurzen Abstecher. Es sind zwei junge Schweden, die von Parte heruntergekommen sind und von dem fantastischen Wetter schwärmen, das sie in der Woche zuvor hatten. Das deckt sich auch mit dem, was mir andere entgegenkommende Wanderer schon erzählt haben.

    Gegen 20 Uhr komme ich dann an dieser formidablen Windschutzmauer vorbei:



    @evernorth: Ich war’s nicht!

    Ich bin in Versuchung, hier zu bleiben, zumal der Wind deutlich auffrischt. Aber ich wollte doch so gerne an den Tjievrrajávre. Und der Tjievra ist da vorne (im Bild rechts) ja auch schon zu sehen und sieht gar nicht mehr so weit aus. Da gehe ich doch lieber noch weiter.

    Vorher sind noch zwei Schneefelder zu queren…







    … und ich bin ganz froh, dass ich die noch frischen Spuren der zwei Schweden darauf finde. Wenn die da gerade erst heil drüber gekommen sind, sollte mir das auch gelingen.

    Dann kommt auch endlich der Tjievrrajávre in Sicht. Ich betrachte die Gegend und überlege, auf welcher Seite ich wohl am besten nach einem Zeltplatz suche. Ich entscheide mich für die linke Seite, da sieht alles ein bisschen flacher aus. Allerdings muss ich dafür noch den Abfluss queren, das kostet ziemlich viel Zeit, weil ich dafür die Schuhe wechseln muss. Endlich drüben suche ich nach einem geeigneten Platz, wird auch langsam Zeit. Inzwischen ist es weit nach neun, nicht mehr lange, dann wird es dunkel. Es findet sich hier aber partout nix. Der Hang ist durchgängig nass, steinig und es findet sich kaum eine ebene Fläche, die nicht total versumpft ist. Langsam werde ich ein bisschen nervös…







    Alles nass, steinig und schief!

    Schließlich wechsele ich doch wieder auf die andere Seite des Abflusses und da findet sich dann auch eine zumindest akzeptable Stelle mit Seeblick. Das hätte ich schneller haben können!

    Inzwischen ist es schon ziemlich duster. Als das Zelt endlich steht, gehe ich mit Stirnlampe los, um Wasser aus dem nächsten Bach zu holen. Und auf dem Rückweg muss ich schon aufpassen, das Zelt wiederzufinden!

    Das war dann heute Abend doch alles ziemlich anstrengend und ich habe gar keinen Hunger. Bin wohl noch zu gestresst. Ich überlege, das Abendessen ausfallen zu lassen, habe keine große Lust, jetzt noch zu kochen. Andererseits scheint es mir keine gute Idee zu sein, gleich am Anfang der Tour zu wenig zu essen. Also raffe ich mich doch noch auf, koche und esse auch brav auf. Bis ich dann endlich in den Federn liege, ist es weit nach Mitternacht.

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    • ChuckNorris
      Erfahren
      • 03.08.2018
      • 148

      • Meine Reisen

      #22
      AW: [SE] Schon wieder Angsthase! Padjekalottvarianten statt Sarek

      Das ist ja eine geile Hütte, ein richtiger Zeitzeuge. Ist die offen, bzw. kann man da mit einem Schlüssel rein?


      OT: Wollte das Bild eigentlich als Quote setzen, das hat aber nicht geklappt.

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      • Blahake

        Dauerbesucher
        • 18.06.2014
        • 844

        • Meine Reisen

        #23
        AW: [SE] Schon wieder Angsthase! Padjekalottvarianten statt Sarek

        Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
        kann man da mit einem Schlüssel rein?
        Nee, die ist zu. Das ist eine von den Hütten, die Axel Hamberg beim Sarek erforschen gebaut/genutzt hat. Im Wikipedia-Eintrag zum Sarek steht was dazu (zweiter Absatz): https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Sarek
        Ich glaube, manchmal werden die zu Forschungszwecken noch genutzt. Aber da kann bestimmt noch der eine oder andere Sarek-Kenner hier im Forum was zu sagen!?

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        • thedutch
          Anfänger im Forum
          • 20.11.2018
          • 32

          • Meine Reisen

          #24
          AW: [SE] Schon wieder Angsthase! Padjekalottvarianten statt Sarek

          Hi da, schöne Bilder. Danke fürs mitnehmen.

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          • Ljungdalen
            Fuchs
            • 28.08.2017
            • 1462

            • Meine Reisen

            #25
            AW: [SE] Schon wieder Angsthase! Padjekalottvarianten statt Sarek

            Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
            Das ist ja eine geile Hütte, ein richtiger Zeitzeuge. Ist die offen, bzw. kann man da mit einem Schlüssel rein?
            Den Schlüssel hat heute, soviel ich weiß, die Laponia-Verwaltung, auch zu den anderen drei gleichartigen bzw. ähnlichen im Sarek erhaltenen (unterhalb des Pårte-Gipfels, sowie Litnok und Skårki im Rapadalen). Die fünfte Hütte, Tjågnaris, ist heute im Museum in Jokkmokk.

            Schlüssel kann man privat nicht so einfach ausleihen; gelegentlich organisiert der Svenska Fjällklubben Exkursionen in die eine oder andere (einmal im Jahr?), dann kann man reinschauen. Für Foschungszwecke werden die wohl praktisch nicht mehr genutzt, obwohl auf einem Schild an der Hütte die Möglichkeit dafür erwähnt wird; man solle sich an die Uni Uppsala wenden.

            Hier bei dieser (Pårek/Boarek) habe ich fast genau einen Monat nach Blahake zwei Nächte gecampt... und einen Abstecher zu der auf dem Pårte gemacht. Dort sah es so aus : (Bericht folgt gelegentlich)

            Aber erstmal viele Dank für diesen Bericht bis hier (30 kg? krass!)... bin weiter gespannt...

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            • agricolina
              Erfahren
              • 05.05.2016
              • 146

              • Meine Reisen

              #26
              Mensch Anne,
              endlich bin ich nach dem Forumshack und Zugangssperre wegen verdubelter alter Zugangsdaten auch wieder dabei und darf dich ganz lieb ermuntern, weiter zu schreiben , wobei ich da ja gar nicht die Klappe aufreißen darf und schon anderweitig Besserung gelobt habe. Aber ich freue mich so, wieder mal mit dir hier auf Tour zu sein. Und dein luxuriöses Zelt nebst Veranda kann ich auch nur in höchsten Tönen preisen. Für mich wär die Schlafsituation nix, aber die Gäste-Bewirtungs-Situation ist einfach phänomenal , das können sicher auch alle anderen PälzerPilzWaldOdsTourTeilnehmer bestätigen
              Danke für den Bericht und die Bilder, ich freue mich auf die Fortsetzung!
              lg u

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              • pekra62
                Dauerbesucher
                • 02.03.2012
                • 689

                • Meine Reisen

                #27
                Hallo Anne,
                da ich ja auch zu den eher vorsichtigen (ängstlich hört sich so negativ an ) Fjällwanderern gehöre und ebenfalls regelmäßig meine Vorhaben vor Ort umplane, bin ich auch sehr gespannt, wie's weitergeht.
                Hoffe, du kommst bald zum weiterschreiben.
                Zumal ich noch sehr unsicher bin, wo und was ich als Projekt für diesen Herbst planen soll.

                Peter

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                • Blahake

                  Dauerbesucher
                  • 18.06.2014
                  • 844

                  • Meine Reisen

                  #28
                  Willkommen, freundlicher Holländer,
                  schön, dass Du dabei bist. Ich habe mir gerade noch Anregungen für die Pfalz bei Dir geholt, die ist mir ja auch nicht ganz unbekannt, wie Du agricolinas Post entnehmen kannst.

                  Lieber Ljungdalen,
                  danke für die interessante Ergänzung. Und ich bin seeehr gespannt auf Deinen Bericht! Ich würde Dich gerne virtuell auf den Pårte begleiten.

                  Hallo liebe Ulrike,
                  ja, unsere Pfläzer-Wald-Tour war ausgesprochen fein und hat mir auch viel Freude gemacht. Das Zeltsetup sollte ich dann aber vielleicht doch noch mal überdenken. War ich doch mit meiner großen Besucherterrasse hier solo unterwegs.

                  Hallo Peter,
                  Dir kann ich in der Gegend da oben wohl kaum noch Tipps geben, Du kennst Dich da doch viel besser aus! Freut mich aber, dass Du wieder dabei bist.

                  ... dann will ich mal sehen, ob ich mit der neuen Software klarkomme und versuchen, weiterzuschreiben...

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                  • Blahake

                    Dauerbesucher
                    • 18.06.2014
                    • 844

                    • Meine Reisen

                    #29

                    Freitag, 14. August Umdrehen ist doof!

                    Ich mache kein Auge zu! Der Wind hat inzwischen stark zugelegt und haut ordentliche Böen gegen mein Zelt. Zwischendrin ist wieder völlige Stille, aber dann kommt die nächste Böe unvermittelt und mit Wucht. Mein Tipi ist ja sturmfest – einer der Gründe, warum ich es mir zugelegt habe – also gibt es eigentlich keinen Grund zur Sorge. Gut abgespannt ist es auch. Trotzdem flattert neben der Plane auch die Mittelstange, die aus meinen fest zusammengebundenen Stöcken besteht, in den Böen ganz ordentlich. Vor allem aber flattern meine Nerven. Mein Zelt mag sturmfest sein, ich bin es überhaupt nicht. Ich werde gerade wieder völlig porös. Zwar habe ich dieses Mal extra für solche Fälle Ohrstöpsel eingepackt. Aber ich bin schon viel zu aufgewühlt und unruhig, als dass die mir jetzt nützen würden. Ich halte das nicht aus. An Schlaf ist nicht zu denken, obwohl ich den dringend nötig hätte. Stattdessen liege ich rum, horche auf die Böen und schaffe es nicht, wenigstens ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Um drei Uhr reicht es mir. Wenn ich das bisschen Wind hier schon nicht aushalte, brauche ich nicht auf die Luohttoláhko gehen zu wollen. Ich will gar nicht wissen, wie das da oben wohl gerade stürmt. Und wer weiß, wie das in den nächsten Tagen weitergeht? Apropos, ich habe doch den Wetterbericht auf dem InReach, bzw. ich kann ihn abfragen. Der berichtet mir dann, dass im Moment gerade leichter Wind herrscht, in Böen 10km/h.

                    Ja, Danke für die Information, das fühlt sich aber gerade ein bisschen anders an! In den kommenden Tagen soll es ähnlich bleiben, erst am 23. gibt es dann Böen von 73 km/h.

                    OT: Die intellektuelle Fehlleistung, die ich mir hierbei erlaubt habe, löse ich erst morgen auf, weil sie mir auch erst am Folgetag aufgefallen ist. Lag‘ wohl an der Übermüdung!

                    Na, jedenfalls sieht das nicht so aus, als könnte ich auf diesen Wetterbericht was geben. Ich mache lieber die Fliege und vergesse meine Pläne, sechzehn Tage lang allein durch den Sarek zu strolchen. Wenn ich nicht mal dieses bisschen Wind aushalte, wird das nix. Also fange ich kurz nach drei an, meine Sachen zu packen, es dauert nicht mehr lange, bis es hell wird. Schlafen kann ich ja eh nicht, da ziehe ich mich lieber so weit zurück, bis ich einen windgeschützten Platz finde oder bis der Wind nachlässt. Zwanzig nach vier bin ich abmarschbereit.





                    abmarschbereit

                    Als ich mich auf den Weg mache, stelle ich fest, dass sich der Wind gar nicht so schlimm anfühlt, wenn man unterwegs ist. Gehen lässt es sich eigentlich ganz gut. Dann kann ich doch, statt umzukehren, auch in meiner Richtung weitergehen. Wenn ich über den Sähkok rüber bin, komme ich dann bald ins Njoatsosvágge runter, spätestens da müsste es doch Windschutz geben.






                    Aufbruch um 4 Uhr 20

                    Also mache ich mich doch weiter auf den Weg Richtung Sähkok. Heute habe ich in weiser Voraussicht gleich die SealSkinz angezogen und latsche einfach geradewegs durch den Bach.




                    einfach durch

                    Meine neuen SealSkinz haben integrierte Wasserstandsanzeiger

                    ... Fortsetzung in Post #33...
                    Zuletzt geändert von Blahake; 06.01.2021, 20:21.

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                    • Blahake

                      Dauerbesucher
                      • 18.06.2014
                      • 844

                      • Meine Reisen

                      #30
                      Die Bilder folgen dann, wenn ich kapiert habe, wie ich sie aus der alten Galerie hier einfüge.

                      Update: Jetzt sind die Bilder drin, dafür ist der Text zum großen Teil verschwunden!
                      Update 2: Text aufgeteilt, zweiter Teil unten, uff, geschafft! Hoffe, Ihr könnt die Bilder auch sehen.
                      Zuletzt geändert von Blahake; 06.01.2021, 20:24.

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                      • Bergahorn
                        Erfahren
                        • 13.04.2019
                        • 170

                        • Meine Reisen

                        #31
                        Oh schön, es geht weiter, ich war nämlich schon in Versuchung, mal ein wenig positiven Druck zu machen...
                        Ich ahne die "intellektuelle Fehlleistung", was den Wind angeht, aber die sollst du mal schön selbst verraten. Auf jeden Fall lagst du ja richtig, eher deiner Wahrnehmung zu vertrauen als den Daten. Und lieber einmal zu viel Umkehren, als einmal zu wenig, das zeugt eher von Stärke als von Angsthaserei! Ist zumindest meine bescheidene Meinung. Ich freue mich jedenfalls auf den weiteren Bericht!

                        Kannst du die Bilder nicht einfach direkt von deinem Rechner hochladen? Bei mir hat das auf Anhieb funktioniert und ich bin, was Computer angeht, alles andere als vom Fach.

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                        • ks
                          Erfahren
                          • 16.03.2015
                          • 166

                          • Meine Reisen

                          #32
                          schön und spannend, viele Dank. Hoffentlich klappt die Bildintegration bald. Ich bin so ungeduldig.

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                          • Blahake

                            Dauerbesucher
                            • 18.06.2014
                            • 844

                            • Meine Reisen

                            #33
                            Fortsetzung 14. August:

                            Den Hang hoch geht es recht leicht, einfaches Gelände mit grasigem Untergrund, aber ich merke natürlich ganz gehörig meinen Schlafmangel und trotte ziemlich langsam den Hügel hoch. Aber ich habe es ja auch nicht eilig.



                            Morgenstimmung um kurz nach 5

                            Die Ausblicke werden mit jedem Höhenmeter schöner und ich kann im Hang hinter mir sogar das rote Zelt der beiden Schweden ausmachen.



                            Hier oben finden sich Wintermarkierungen, denen ich zum Teil auch folge, die Richtung stimmt. Nur um ein Schneefeld mache ich linksrum einen Bogen, stelle hinterher aber fest, dass das nicht nötig gewesen wäre, weil ich oben dann wieder mehr nach rechts muss.



                            So langsam zehrt das aber doch ziemlich an meinen verminderten Kräften. Endlich stehe ich dann oben auf dem Sähkok. Hier oben pustet mir der Wind natürlich noch heftiger entgegen. Von hier kann ich auch den weiteren Weg einsehen und das gefällt mir überhaupt nicht. Es dauert offenbar noch eine ganze Weile, bis ich in niedere und geschütztere Gefilde komme. Und zu alledem bläst mir der Wind hier auch noch nass entgegen. Es fängt an, quer zu regnen, noch nicht sehr stark, aber genau aus der Richtung, in der ich gehen will, kommt mir eine dunkelgraue Wolke entgegen.







                            O.k., das nehme ich als Zeichen! Da will ich jetzt nicht lang. Ausgeruht und frisch wäre das vielleicht was anderes. Aber so müde, wie ich jetzt bin, habe ich keinen Mumm, mich diesem Wetter entgegenzustellen, in einem Gelände, das ich nicht einschätzen kann. Dann soll es eben nicht sein, mit mir und dem Sarek – Rückzug!

                            Leicht fällt mir die Entscheidung nicht, aber sie fühlt sich auf alle Fälle richtig an. Ich latsche langsam den Hang wieder runter, diesmal ohne Problem direkt über das Schneefeld und mache dabei viele Riegel- und Kekspausen. Schließlich hatte ich ja noch kein Frühstück.




                            Kekspausenblick zurück auf Sähkok mit besagtem Schneefeld

                            Am gegenüberliegenden Horizont kann ich das Parte-Observatorium sehen:



                            Im Tal unter dem Tjievrra ist mein Weg so ohne Zeltplatzsuche wesentlich kürzer und schneller als gestern und relativ bald, so zwischen sieben/halb acht, komme ich wieder am Zelt der beiden Schweden vorbei. Da regt sich aber noch nichts.



                            Morgenstimmung um halb acht



                            Abschiedsblick zum Tjievrra

                            Als ich dann im Hang eine ebene Stelle mit Wasseranschluss finde, baue ich das Zelt auf und lege mich erst mal auf’s Ohr. Der Wind ist so weit abgeflaut, dass er selbst für mich ​ kein Problem mehr darstellt und ich hole endlich ein paar Stunden Schlaf nach.



                            Zwischen zwölf und eins stehe ich wieder auf und genehmige mir eine ordentliche Portion Kaffee und Frühstück. Die beiden Schweden kommen des Wegs und rufen „Oh, you have a TEEPEE!“ Da bin ich gleich ein bisschen stolz auf mein hübsches Zelt, obwohl ich eigentlich gar nicht weiß, warum. ​ Wir kommen wieder ins Gespräch und ich muss ihnen natürlich zerknirscht von meinen kläglich gescheiterten Plänen erzählen. Aber ich werde ganz gentlemanlike getröstet mit der Aussage, dass das aber doch auch sehr tough sei, so allein hier wandern zu gehen. Zumindest spricht einer der beiden so. Der andere hält sich still im Hintergrund und denkt wahrscheinlich gerade ganz anders.




                            Mein Mittagspausenplatz

                            Gut erholt mache ich mich zwischen eins und zwei weiter auf den Rückweg. Ich hadere allerdings sehr mit meiner Entscheidung. Jetzt muss ich mir ja auch eine alternative Tour überlegen und habe deutlich weniger Zeit. Am zweiten Tag umzukehren heißt ja, vier Wandertage zu verlieren! Jetzt alles wieder zurücklatschen zu müssen, bevor ich auf eine neue Tour starten kann, das käst mich ganz schön an. Irgendwie habe ich so das Gefühl, ich müsste nach dem Umkehren auf „reset“ drücken können und neu starten. Aber jetzt latsche ich erstmal zwei Tage wieder zurück, statt neu durchzustarten. ​ Und dann bleibt natürlich immer, obwohl ich sicher bin, dass die Entscheidung richtig war, so ein blödes Gefühl, versagt zu haben - zu zimperlich, zu ängstlich, zu schwach für den Sarek zu sein. Ich weiß ja, dass das Quatsch ist ​ , aber es fühlt sich trotzdem doof an!

                            Obwohl mir inzwischen teils sogar wieder die Sonne lacht und ich beste Bedingungen habe, froh sein kann, in dieser tollen Landschaft wandern zu dürfen und es echt Schlimmeres gibt, als Wanderpläne ändern zu müssen, kriege ich gedanklich nicht so richtig die Kurve und gräme mich.

                            Immerhin bin ich an der Dreiecksholzkistenfurt wieder so weit zu Späßen aufgelegt, dass ich mich an meinem Outfit erfreue: Die SealSkinz sind ja nun von außen nass und damit sie besser trocknen können, werden sie jetzt über der Hose getragen:




                            Das trägt man jetzt so!

                            Ab und zu schaue ich noch wehmütig zurück auf Tjievrra und Sähkok,






                            dann aber auch wieder nach vorne, wo mich die seltsamen Wolkenformen wundern:





                            seltsame Wolken

                            Insgesamt mache ich aber nicht viele Pausen und marschiere ziemlich stramm voran, weil ich so schnell wie möglich zurück will. Geht ja sonst alles von meiner verbleibenden Wanderzeit für die Ersatztour ab.

                            Gegen 20 Uhr bin ich wieder am Stuor Dáhtá, schaue mir kurz den Platz an, der vorgestern schon belegt war und gehe dann doch lieber wieder auf meine kleine nasse Halbinsel.



                            Zuletzt geändert von Blahake; 06.01.2021, 22:24.

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                            • ks
                              Erfahren
                              • 16.03.2015
                              • 166

                              • Meine Reisen

                              #34
                              Herrlich, Danke für den schönen Bericht bis hier. Hoffentlich geht es bald weiter.

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                              • Freedom33333
                                Dauerbesucher
                                • 09.09.2017
                                • 637

                                • Meine Reisen

                                #35
                                Nun, ehrlich währt am usw.

                                So richtig verstehen tue ich persönlich die Entscheidung nicht, zumal ja scheinbar sehr früh morgens. Bei mir war es oft so, dass ich früh morgens aufgewacht bin, der Blick aus dem Zelt aber reichlich unbefriedigend war und gerade Pässe komplett im Nebel lagen. So gegen 9 Uhr hat es dann aber oft aufgeklart. Wäre es nicht auch eine Option gewesen, das Zelt da aufzuschlagen und abzuwarten?

                                Auf der anderen Seite lautet das Stichwort nunmal Urlaub und nicht Sport oder Grenzen pushen (und ich selber schaue immer nicht ohne Belustigung auf die Leute, die unter Wandern gehen vor allem verstehen, möglichst schnell auf einen Gipfel hochzurennen). Letztlich macht es ja gerade auch die Idee des Urlaubs aus, sich einfach mal treiben lassen zu können ohne Zwang und ohne Verpflichtungen...

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                                • Joggl81
                                  Neu im Forum
                                  • 05.01.2021
                                  • 4

                                  • Meine Reisen

                                  #36
                                  Vielen Dank für den Bericht bis hierher! Ich denke, jeder muss für sich selbst entscheiden wann man eine Tour abbricht. Schließlich warst auch nur du selbst in diesem Moment unter diesen Umständen an genau diesem Ort. So ist automatisch jede Entscheidung eine ganz persönliche.

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                                  • Pfiffie
                                    Fuchs
                                    • 10.10.2017
                                    • 1966

                                    • Meine Reisen

                                    #37
                                    Or es geht weiter. Prima . Das scheint ja dort auch nicht so sehr verblockt zu sein?
                                    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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                                    • evernorth
                                      Fuchs
                                      • 22.08.2010
                                      • 1496

                                      • Meine Reisen

                                      #38
                                      Liebe Anne,

                                      ich bin natürlich auch schon von Anfang an dabei, habe aber gerade festgestellt, dass ich mich noch gar nicht „gemeldet“ habe.
                                      Also melde ich mich mal.

                                      Bei der Steinmauer bin ich mir ja nicht ganz sicher. Das ist doch deine Handschrift!?

                                      Mit „Rückzug“ kenne ich mich ja inzwischen auch aus und weiß ganz genau, wie sich das anfühlt. Ich habe auch noch lange „gehadert“, zumal „Rückzug“ in meinem Vokabular lange Zeit gar nicht vorkam.
                                      Ich habe deine Entscheidung zwar auch nicht ganz nachvollziehen können, aber hej, du sollst dich ja mit deinen Entscheidungen wohlfühlen, und wenn das nun mal nicht gegeben ist, dann......genau!
                                      Egal, ob Sarek, oder was anderes....ich bin dabei!
                                      My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                                      • DerNeueHeiko
                                        Fuchs
                                        • 07.03.2014
                                        • 2189

                                        • Meine Reisen

                                        #39
                                        Moin Anne,

                                        Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
                                        Stattdessen liege ich rum, horche auf die Böen und schaffe es nicht, wenigstens ein bisschen zur Ruhe zu kommen.
                                        Das kenne ich, das ist ein Scheiß-Gefühl. Hab in der Kårsavaggestugan mal zwei Norweger (wimre) getroffen und mich nett mit ihnen unterhalten. Tagsüber, die hatten den ganzen Tag dort gepennt, weil sie die Nacht vorher kein Auge zugetan hatten... ganz so schlimm war es bei mir noch nicht, aber so richtig angenehm nicht jede Nacht...

                                        Mein "umdrehen" ist ja "ich bleib erstmal hier im warmen Schlafsack im Zelt und geh erst weiter, wenn das Wetter besser wird". Dass ich dann ganz woanders zur Straße/Bahn zurück muss, weil die Tage bis zur Rückfahrt nicht mehr für den ursprünglichen Plan reichen, ist ein anderes Thema ;) hab so zwei Anläufe für das Dossagemvággi gebraucht, bis ich dann mal in Katterjåkk gestartet bin statt dorthin zu wollen, und auch über den Mårmapass bin ich nie "raus" gekommen, sondern nur 2018 dann in Kaisepakte gestartet...

                                        Danke für den Bericht, ich vorfreue mich schon auf (hoffentlich) Juli 2021 in Lappland
                                        Heiko

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                                        • Blahake

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                                          • 18.06.2014
                                          • 844

                                          • Meine Reisen

                                          #40
                                          Zitat von ks Beitrag anzeigen
                                          Herrlich, Danke für den schönen Bericht bis hier. Hoffentlich geht es bald weiter.
                                          Gerne, ich beeil' mich... und freue mich, dass Dir der Bericht gefällt.

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