[SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

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    [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

    Tourentyp
    Lat
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    Mitreisende
    Sarek statt Grönland – Teil 2: Rapadalen und Basstavágge (15.8.-20.8.2020)



    Planung und Realität

    Die Planung unseres Schwedenurlaubs zu Hause sah grob folgendermaßen aus: Wir hatten gute 5 Wochen Zeit und wollten mit unserem ausgebauten Bus flexibel schnell nach Norden fahren. Unsere erste Tour in Sareks Süden (Sarek statt Grönland - mehr als ein Ersatz) sollte zum Einwandern dienen und gut erholt wollten wir danach 14 Tage von Ritsem bis Aktse und weiter nach Suorva wandern. So war der Plan
    Die erste Tour war fürs Einlaufen schon ein ganz schöner Knaller: Menschenleer, zuweilen anspruchsvoll und landschaftlich grandios, und das noch bei gutem Wetter. Ist das eigentlich zu toppen?
    Nach dieser Tour war mindestens ich etwas geläutert: Mir war klar, dass ich bei einer 2-wöchigen Tour mindestens 4 Kilo Essen mehr im Rucksack hätte – keine gute Vorstellung, da bin ich einfach schwach. Da müssten schon die Aussichten sehr verlockend sein, dass ich das auf mich nehme. Während die Wetteraussichten für Aktse und das Rapadalen zwar windig, aber sonnig waren, sah es um Ritsem herum furchtbar aus: Starker Regen und Sturm. Kurz und gut: Wir entschieden uns für die Schönwetter-Schlapp-Variante: Start in Aktse (bzw. Parkplatz Sitoälvbron) und dann auf den Skierffe. Über das Skájdásjvágge (Tour 15 im Grundsten und für mich ein ständiger Angstgedanke, weil einzige Tour mit maximaler Intensität 10), Basstavágge nach Skarja und das Rapadalen in 7 bis 8 Tagen zurück. So konnten wir sicher gehen, dass wir anfangs vom Skierffe einen tollen Blick auf das Rapadalen haben - ein Herzenswunsch von mir.
    Wir liehen uns bei Laponia in Jokkmokk ein Inreach Mini als Notfallsender, was sich zum Glück leicht mit meinem Handy koppeln ließ. So konnten wir zudem ein paar Lebenszeichen nach Hause senden und im Gegenzug den Wetterbericht empfangen. In der Touristeninfo Jokkmokk bekamen wir die Telefonnummer für den Bootstransfer nach Aktse und reservierten Plätze für 11 Uhr am folgenden Tag.
    Wiederum fuhren wir von Jokkmokk in Richtung Kvikkjokk, bogen diesmal aber nach Aktse ab und parkten das Auto am Parkplatz Sitoälvbron. Weiter kommt man als Tourist nicht. Hier verbrachten wir die Nacht.


    Tag 1: Parkplatz Sitoälvbron -> Skierffe

    Für die 10 km Cykelväg bis zum Boot hatten wir 3 Stunden einkalkuliert – ein wenig Puffer, falls der „Radweg“ doch länger ist. Auf dem welligen und mit der Zeit langweiligen Weg überholten uns ein Auto, etliche Radler und zwei Jogger.


    Start Sitoälvbron


    Cykelväg

    An der Anlegestelle fehlten einige dieser Personen. Sie mussten also einfach nach Aktse gelaufen sein. In unserem Rother Wanderführer stand, dass dieser Weg im Sommer aufgrund von unbefestigter Moorquerungen kaum begehbar ist. Vielleicht war das aufgrund der Trockenheit in diesem Jahr nicht der Fall – mindestens ein Jogger erzählte uns später, dass der Weg problemlos zu begehen sei.
    Wir hatten ja aber unser Boot gebucht und freuten uns auch auf die Fahrt über den See. Es war aufgrund der Sturmwarnung die letzte Fahrt an diesem Tag. Die Kapitänin empfahl uns, die Regenhosen anzuziehen. Das war ein guter Tipp. Neben ein paar Wanderern wollten auch 2 britische Jungs mit dem Boot nach Aktse. Sie fielen durch ihre Minimalausrüstung auf: Nur einer hatte einen kleinen Rucksack. Der andere war im Blouson, ohne Mütze und Handschuhe und in dünnen Schühchen unterwegs. Der Wind wurde immer stärker und zum Glück gab die Bootsführerin den beiden Jungs eine warme Regenjacke als Schutz vor Wasser und Kälte. Wir wurden während der Überfahrt pitschnass, aber mit unseren Regenklamotten konnten wir die Fahrt genießen: immer den Nammatj und den Skierffe vor Augen. Das Wasser war wild aufgepeitscht.



    Am Bootsanleger: Nammatj und Skierffe rufen

    In Aktse eröffnete uns die Kapitänin, dass sie uns wahrscheinlich nicht in 7 oder 8 Tagen am Nammasj abholen könne, weil zum einen der Wasserstand ohne Niederschläge wohl zu niedrig und sie an unseren geplanten Rückfahrtagen eh nicht da sei. Somit mussten wir wieder umplanen:
    Nach dem Skierffe erstmal weiter das Rapadal aufwärts und über Basstavágge zurück nach Aktse. Ich war froh, weil Tour 15 aus dem Grundsten erstmal in weite Ferne rückte, nämlich an den Schluss der Tour mit leichtem Rucksack
    Wir vesperten erstmal windgeschützt zwischen Bäumen und liefen dann bei sonnigem Wetter los. An den Aktse-Hütten war lustiges Treiben und gute Stimmung. Viele saßen gemütlich im T-Shirt rum und genossen den schönen Sommertag. Wir stiegen den steilen Weg durch den Wald nach oben. Am Wegrand standen immer wieder Zelte. Je höher wir kamen, desto mehr sah man vom wunderschönen Rapadalen mit Skierffe und Nammatj – da ging es doch genauso toll weiter, wie es für uns vor 4 Tagen im Sarek aufgehört hatte. Nach dem Abzweig vom Kungsleden verläuft der Weg wunderschön an der Hangkante entlang. Ein toller Zeltplatz folgte hier dem anderen. Im Unterschied zu unserer ersten Tour waren aber jede Menge Menschen unterwegs. Wahrscheinlich nutzten einige Kungsleden-Wanderer den schönen Tag für einen Ausflug zum Skierffe. Der Jogger vom Morgen auf dem Cykelväg kam uns schon auf halber Strecke entgegen und erzählte uns von der gut begehbaren Wegvariante nach Aktse. Was für eine tolle Aktion: Einfach vom Auto als Tagesausflug auf den Skierffe zu joggen.



    Aktse: Wegweiser nach Sitoälvbron - geht auch ohne Boot


    Ständig wunderschöne Blicke ins Tal

    Am Anfang des Gipfelanstiegs deponierten wir unsere Rucksäcke. Es war nun unglaublich windig und alle Sachen mussten gut befestigt sein, damit sie nicht wegflogen. Der Aufstieg ging ohne Gepäck natürlich leicht, und oben war die Aussicht atemberaubend: Sich verzweigende und wieder vereinigende Flussarme und kleine Seen in unterschiedlichsten Farben, begleitender Galeriewald, Kiesbänke... In Richtung Sonne sah man nur spiegelnde Wasseroberflächen.
    Wir trafen alle unsere Bootsgenossen, auch die Jungs im Blouson und ohne Mütze. Wir hatten bald die Daunenjacken an – Hut ab, wetterfeste Briten!








    Lange genossen wir die schöne Aussicht, bis es uns im Wind zu ungemütlich wurde. Mittlerweile waren wir die letzten auf dem Gipfel, es war Zeit für den Abstieg. Wir sammelten unsere Rucksäcke ein und wollten bald einen windgeschützten Zeltplatz finden, was nicht einfach war. Hinter einem kleinen Hügel gab es einen halbwegs akzeptablen Platz, und leider gebe ich mich dann sehr schnell mit so etwas zufrieden. Während Tekumseh auf den starken Wind mehrfach hinwies, hatte ich mit allen Aktivitäten an diesem Tag schon abgeschlossen und fand den Zeltplatz prima und den Wind doch gar nicht so schlimm. Wir bauten also auf und ich verzog mich erstmal ins Zelt in den Schlafsack – windstill und warm, ein Traum. Tekumseh zog mit dem Wassersack bergab los und kam nach einer halben Stunde ohne Wasser zurück. Also versuchte er es in Richtung Berg. Er benötigte insgesamt eine Stunde, um mit Wasser wieder zu kommen - während ich gemütlich im Zelt lag. Danke, Tekumseh!
    Die Nacht wurde natürlich grausam. Der Sturm toste und ich tat kein Auge zu. Es war einfach zu laut. Das Zelt hielt aber prima.



    Sonne verschwindet in den Wolken über dem Pårte-Massiv
    Zuletzt geändert von Highbeat; 07.02.2021, 18:15.

  • Highbeat
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    #2
    AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

    Tag 2: Skierffe -> Lulep Vássjájågåsj


    Völlig gerädert kroch ich am Morgen aus dem Zelt. Wir frühstückten im Windschatten eines Felsens, die Morgensonne im Gesicht und den Blick zum Skierffe. Zum ersten Mal gab es Kaffee aus einer mehrfach verwendbaren Tüte, die mir ein Freund zum Geburtstag geschenkt hatte. Als großer Kaffee-Liebhaber war die morgendliche Tasse ein Genuss. Die miese Nacht war vergessen und wir aalten uns behaglich in der Sonne.


    Windgeschütztes Sonnenfrühstück mit Kaffee

    Erstmal wieder hoch auf den Skierffe. Im Morgenlicht müssten ja die Farben im anderen Teil des Tals toll leuchten.
    Wir waren die ersten auf dem Gipfel – klar, es war ja auch nicht weit. Der Wind blies immer noch ordentlich, aber die Sonne schien toll. Hier oben gab es sogar Handy-Empfang. Die Wetter-App zeigte sonnige 6 Grad, aber „feels like -3“ an. Noch einmal blieben wir lange - aber man schafft es nicht, sich satt zu sehen. Diesmal glitzerte das Wasser im Osten und die andere Richtung lieferte schöne Farben
    Mein primäres Ziel für diese Wanderung hatte ich hiermit schon erreicht. Irgendwann rissen wir uns los und stiegen ab.



    Nammatj und hinten Pårte


    Tjahkelij











    Das Wetter weiter im Westen sah nicht allzu gut aus, während es hier super war. Kurz diskutierten wir einen Tagesausflug auf den Nammatj zu machen. Er lag verlockend vor uns und der Weg dorthin wäre bestimmt ein kleines Abenteuer. Ein Tag ohne schweren Rucksack käme auch gelegen. Durch unsere Planänderung würde unser Essen aber knapp werden, die Vorräte wollten wir nicht gleich am Anfang antasten. Zudem war jetzt schon offensichtlich, dass unser Hunger viel größer war als bei der vorherigen Tour. Die Reserven waren wohl aufgebraucht.
    Also liefen wir gemütlich in Richtung Westen. Der ständige Blick auf das schöne Flusstal, etliche Rentiere und der angenehme wiesige Untergrund machten das Weiterwandern angenehm.








    Wir mussten dann aber doch Höhe gewinnen. Der Pfad verlor sich und der Untergrund wurde wieder steinig. Unsere erste Rast an diesem Tag war märchenhaft: Ein Bächlein plätscherte, wir lagen auf weichem Gras windgeschützt in der Sonne und blickten zurück ins Rapadalen – dazu gab es Marabou Schokolade, unglaublich gemütlich.


    Am steilen Südhang des Gierdogiesjtjåhkkå







    Der Wind frischte wieder auf und sehenden Auges liefen wir dem schlechten Wetter entgegen. Bald hatten wir die Regenjacken und Handschuhe an, später auch die Regenhosen. Bei dem miesen Wetter sah man zwischendurch fantastisch-mystisch ins Rapaselet. Wandern in Sturm und Regen gehört ja im Sarek dazu.


    Rapaselet kommt in Sicht



    Für das Furten des Lulep Vássjájågåsj benutzten wir erstmals unsere Crogs. Alle vorigen Bäche konnte man auf Steinen durchbalancieren. Wir hatten die Trailschuhe diesmal zuhause gelassen und ich kaufte im Team Sportiva/Jokkmokk neue Crogs. Erstaunlich, wie griffig ich auf den nassen Steinen stand, besser als mit meinen Trailschuhen. Tekumseh nahm bei dieser Gelegenheit gleich noch ein Bad in einer hübschen Gumpe, bevor der Regen wieder einsetzte.


    Lulep Vássjájågåsj

    Auf keinen Fall wollte ich eine weitere windige Nacht. Ich musste dringend tief und fest schlafen. Wir bauten das Zelt also direkt im tief eingeschnittenen Bachtal auf. Das Abendessen gab es im Zelt.
    Hier war es fast windstill, nur das Rauschen des Wassers war zu hören. Diese Nacht wurde sehr erholsam


    Zuletzt geändert von Highbeat; 07.02.2021, 18:23. Grund: Formatierung überarbeitet

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    • Pfiffie
      Fuchs
      • 10.10.2017
      • 1966

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      #3
      AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

      Das ist doch viel zu kalt das Wasser brrr

      Ich lese gespannt mit
      "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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      • Highbeat
        Gerne im Forum
        • 04.10.2020
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        #4
        AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

        Pfiffie, haben wir dich vielleicht an unserem vorletzten Tag im Basstavágge getroffen? Es würde passen, dass du der warst, den wir nach dem Wetter und der Bootsfahrt über den Sitojaure befragt haben.

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        • Pfiffie
          Fuchs
          • 10.10.2017
          • 1966

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          #5
          AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

          öhm ja, ich lach mich schlapp.
          "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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          • Highbeat
            Gerne im Forum
            • 04.10.2020
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            #6
            AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

            Tag 3: Lulep Vássjájågåsj -> Rapaselet

            Nachts bis in den Morgen nieselte es weiter, weshalb wir erstmal ausschliefen. Sehr erholsam, da kein Wind am Zelt rüttelte und wir von den ersten 2 Wandertagen mit unruhiger Nacht doch recht müde waren.
            Während wir noch im Zelt waren, hörten wir einer Gruppe beim Queren des Lulep Vássjájågåsj zu. Sie hatten z.T. Probleme beim Furten, da sie ohne Stöcke unterwegs waren. Wir zelteten wohl direkt auf dem Weg, ein Steinmännchen hinter unserem Zelt haben wir erst am nach dem Aufstehen bemerkt. Bis wir aus dem Zelt krochen, hatte der Regen aufgehört. Dann kam sogar kurz die Sonne raus, mit etwas Wischen konnten wir ein trockenes Zelt einpacken.



            Morgens am Lulep Vássjájågåsj

            Dass wir es morgens etwas gemütlicher angehen, hat sich hier ausgezahlt.
            Wir liefen weiter hangparallel auf meist wiesigem Untergrund wie gestern nachmittag schon, dabei pfiff der Wind eisig ins Gesicht. Wir zogen wieder so ziemlich alles außer den Daunenjacken an, und plötzlich tat sich das Rapaselet auf. Wieder bezauberten uns die Verästelungen des Flusslaufs mit randlichen Seen zwischen den steilen Bergflanken.



            Rapaselet aus windiger Halbhöhe

            Dann kam die Schlucht des Alep Vássjájågåsj in Sicht. Oberhalb(?) unseres Standortes soll "einer der schönsten Zeltplätze des gesamten Sareks" (Grundsten) liegen. Da wollten wir gestern auch ursprünglich noch hin, aber uns ging Windschutz vor Aussicht. Nun wunderte uns die Streckenfortsetzung im Grundsten: Bach furten, was hier gar nicht gut aussah, und auf der anderen Seite hinab durch den Wald, während vor unserer Nase ein deutlicher und gut aussehender Pfad auf der linken Bachseite nach unten in den Wald führte.


            Auf der linken Bachseite gibt es einen Pfad hinunter

            Deshalb nahmen wir diesen und kamen auf ihm angenehm ins Tal hinunter und durch den von uns ob seiner Unwegsamkeit doch etwas gefürchteten Wald.




            Hier lief es sich sehr angenehm

            Unten wendete sich der Pfad dann talauswärts, wir waren also zu weit gelaufen und hatten die Furt verpasst. Also wieder zurück und an einer uns tauglich erscheinenden Stelle über den hier sich in zwei Arme aufteilenden Bach, wozu wir die Crocs anzogen. Das ging so einfach, dass wir dachten der Hauptarm käme noch. Wir liefen deshalb mit den Crocs noch eine ganze Weile weiter, bis wir realisierten, dass wir ihn schon vollständig überquert hatten. An der "Grundstenstelle" oben sah er viel mächtiger aus. Dann löste sich "unser" Pfad auf, und es dauerte eine Weile, bis wir "den" Pfad auf der anderen Bachseite gefunden haben. Gerade wieder die Wanderschuhe an mussten wir ein gutes Stück durch sehr feuchtes Moor. Erratisch von Grasbüschel zu Weidenbusch, der ordentlich ins Wasser getreten wurde, mal nach links, mal lieber rechts, kamen wir sogar mit trockenen Füßen durch. Wäre aber mit den Crocs einfacher gegangen.


            Der Einschnitt unterhalb des Svirjjatjåhkkå sticht hervor


            Bis auf 1400m herunter hat es diese Nacht geschneit



            Es lief sich anschließend so gut, dass wir den Abzweig zum Fluss verpassten. Den wollten wir nehmen, um bequem am Fluss und nicht mühsam durch den Wald weiterzuwandern. Erst als eine schöne Pausenstelle kam, merkten wir dass vor uns schon die Wasserflächen waren, auf deren anderen Seite der empfohlene Pfad verläuft.


            Wir waren nicht die ersten, die hier Pause gemacht haben

            Zum Zurücklaufen hatte aber keiner von uns Lust, also weiter durch den Wald. Nun kamen auch einige mühsame Abschnitte. Hoch durch dichtes Gestrüpp und anschließend gleich wieder runter, mal über Felsbrocken, dann wieder angenehm, nie nass. Wir waren froh, nicht mehr unsere liebgewonnenen Schaumstoffisomatten hinten am Rucksack hängen zu haben. Mit ihnen wären wir öfters nicht durchgekommen. In diesem Wechselspiel ging es dahin, zwischendurch auf einem Schuttfächer auch mal mit Blick über das Tal, bis Tekumseh durch die Bäume eine kleine baumfreie Anhöhe direkt am Fluss erspähte.


            Von einem Schuttfächer aus konnte man das Tal überblicken: Talabwärts der oder die Skoarkijávrátja vor dem Fluss...


            ... und talaufwärts der Bielloriehppe



            Dort angekommen war sofort klar, dass wir hier bleiben würden. Einen besseren Rapadal-Zeltplatz konnte ich mir nicht vorstellen. Blick in beide Richtungen über den Fluss, keine Mücken und eine kleine Feuerstelle. Es musste nur noch das Zelt auf die schmale Grasfläche zwischen die Steine passen. Hier war es gut, dass unser Zelt so schmal ist.


            Rucksack absetzen und genießen


            Der frisch eingezuckerte Nåite ragt über dem Sarvesvágge hervor


            Der mächtige Rápaädno vor Ålkatj hinten und Låddebákte rechts




            Es wurde ein herrlicher, aber kalter Abend, an dem wir von unserem Logenplatz die ganze Zeit nach den hier doch häufig vorkommenden Elchen (und noch wilderen Tieren) erfolglos Ausschau hielten.



            Zuletzt geändert von Highbeat; 07.02.2021, 18:28. Grund: Formatierung überarbeitet

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            • toppturzelter
              Fuchs
              • 12.03.2018
              • 1495

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

              Wie schön, dass es weitergeht. Die Strecke schaut so gesehen doch recht "ausgebaut" aus - mit deutlichen Wegen, Lichtungen mit Feuerstellen und Sitzbänken. Täuscht das, und handelt es sich um einzelne Stellen, oder kam euch das unterwegs auch so vor?

              Zitat von Highbeat Beitrag anzeigen
              Während wir noch im Zelt waren, hörten wir einer Gruppe beim Queren des Lulep Vássjájågåsj zu. Sie hatten z.T. Probleme beim Furten, da sie ohne Stöcke unterwegs waren.
              War das möglicherweise die Vierergruppe aus jungen Tschechen, zwei Frauen, zwei Männer, denen ich im Njoatsosvagge begegnet bin?

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              • Highbeat
                Gerne im Forum
                • 04.10.2020
                • 50

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                Zitat von toppturzelter Beitrag anzeigen
                Wie schön, dass es weitergeht. Die Strecke schaut so gesehen doch recht "ausgebaut" aus - mit deutlichen Wegen, Lichtungen mit Feuerstellen und Sitzbänken. Täuscht das, und handelt es sich um einzelne Stellen, oder kam euch das unterwegs auch so vor?

                War das möglicherweise die Vierergruppe aus jungen Tschechen, zwei Frauen, zwei Männer, denen ich im Njoatsosvagge begegnet bin?
                Ja, da hast Du recht. Im Gegensatz zu unserer ersten Tour sind wir immer wieder auf Pfaden gelaufen und haben täglich einige Wanderer getroffen. Ausgebaut würde ich es nicht nennen, aber ein Pfad war oft vorhanden.

                Die Vierergruppe bestand wirklich aus 2 jungen Männern und Frauen - es war aber ein Holländer und 3 Schweden (der Holländer ist der Liebe wegen nach Schweden gezogen). Die Mädels hatten riesengroße Rucksäcke und waren ohne Stöcke unterwegs und ich habe nur gestaunt. Auf meine Stöcke hätte ich keinen Schritt verzichten wollen

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                • Taffinaff
                  Dauerbesucher
                  • 03.01.2014
                  • 795

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                  Die Furten bei mehreren dieser Bäche sind als potentiell schwer beschrieben, nicht nur bei Grundsten, das könnte der Grund fuer die Wegbeschreibung sein. Hier https://www.utsidan.se/cldoc/vandrin...sida-nagra.htm kann man auch noch einiges lesen.

                  Taffi

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                  • Highbeat
                    Gerne im Forum
                    • 04.10.2020
                    • 50

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                    #10
                    AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                    Zitat von Taffinaff Beitrag anzeigen
                    Die Furten bei mehreren dieser Bäche sind als potentiell schwer beschrieben, nicht nur bei Grundsten, das könnte der Grund fuer die Wegbeschreibung sein. Hier https://www.utsidan.se/cldoc/vandrin...sida-nagra.htm kann man auch noch einiges lesen.

                    Taffi
                    Das können wir bestätigen, nachdem uns ein Schwede später erzählt hat, dass 2 Wochen vorher sein Freund nicht über die Bäche kam und umgedreht ist.
                    Der Link ist super. Die Kartenabildungen erklären Einiges. Es wäre kein Fehler gewesen, diese Karte dabei zu gehabt. Vielen Dank für den guten Tipp!

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                    • Highbeat
                      Gerne im Forum
                      • 04.10.2020
                      • 50

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                      Tag 4: Rapaselet -> Absatz westlich des Bielatjåhkkå

                      Der Morgen begann wolkenverhangen und kalt. Auf der anderen Flussseite liefen Rentiere am Ufer entlang, aber während unseres langen Frühstücks ließen sich keine weiteren Tiere blicken. Der Himmel klarte immer mehr auf, und bis wir startklar waren, war er fast wolkenlos.


                      Am Morgen liefen Rentiere am Flussufer entlang (Suchbild)


                      Das Wetter wurde besser ...


                      ... und besser


                      Dieses Bild gehört zeitlich zwischen die beiden oberen

                      Wir gingen den Waldweg weiter in Richtung Skårkistuga, hoben uns den Abzweig nach rechts vor einem Bächlein für später auf und standen kurz darauf vor Axel Hambergs Skårki-Hütte. Tekumseh machte gerade ein Foto von der Hütte, als jemand zu unserem Erstaunen aus ihr hervortrat.


                      Skårkistugan

                      Alle Hamberghütten sind doch in der Regel verschlossen. Wie sich herausstellte, sind hier für ein paar Wochen vier Maler eingezogen. Keine Landschaftsmaler, sondern Handwerker, die die Hütte wieder auf Vordermann bringen. Im letzten Jahr machten sie den gleichen Job oben auf dem Pårte (Axel Hambergs Pårtetjåkkå Observatorium). Es gibt schon coole Arbeitsplätze!
                      Wir durften kurz Blicke ins Innere werfen, wollten aber die Maler nicht weiter stören. Wer sich das - wohl immer gleiche - Innere der Hütten anschauen möchte, kann dies in Jokkmokks Fjällträdgården tun, wo die (ehemalige) Tjågnoris-Hütte heute steht. Ihr alter Platz war das Rapadal aufwärts unterhalb des gleichnamigen Berges.
                      Ein paar Meter zurück ging es dann den Weg hoch ins Snávvávágge. Aber bevor wir den Wald wieder verließen, mussten wir noch ein paar Blumenaufnahmen machen. Denn nur hier unten begegneten wir bisher diesen schön großen, bunt blühenden Gewächsen.



                      Ganz schöner Betrieb hier

                      Beim Aufstieg wurde es sommerlich warm, das Wetter war bestens und wir begegneten recht vielen Wanderern, die herunterkamen. Von ihnen erfuhren wir, dass das Wetter der letzten Tage im Westen des Sareks nicht so besonders war, nämlich ständig bewölkt, ab und zu Regen und die Bergspitzen in Wolken. Also gut dass wir im Osten gestartet sind. Einer hatte ein Solarpanel um den Hals hängen, und wir unterhielten uns kurz darüber. Er konnte sein Handy nicht damit laden, weil die Sonneneinstrahlung zu wechselhaft war. Wir luden tagsüber eine Powerbank, die mit wechselnden Ladeströmen gut zurecht kommt, und konnten dann nachts alle elektrischen Geräte problemfrei über diese laden.


                      Die Aussicht wurde immer besser


                      Auf den Weg zu schauen war deshalb gar nicht so einfach


                      Verschnaufpause in üppigem Gras, hinten Jilávágge und der Svirjjatjåhkkå der Skårki/Skoarkki-Gruppe


                      Letzte Steilstufe

                      Auf der Passhöhe angekommen, verließen wir den Pfad nach links, um den Láddebákte zu besteigen. Aber nicht bevor wir erstmal anständig gevespert und die Aussicht genossen haben. Mit leichtem Gepäck (dem Rucksackdeckel von Tekumseh als Hüfttasche) geht es dann "direkt in der Falllinie den mit Felsböcken übersäten und nur mäßig steilen Hang nach oben"(Grundsten). Für mich war es stellenweise schon recht steil mit losen Steinen. Aber mit der nötigen Vorsicht ging es gut, die Hände brauchte es höchstens einmal zur Balance. Ein paar Schneefelder erleichterten zudem den Aufstieg.


                      Mit leichtem Gepäck auf den Låddebákte, die Berge nördlich des Ruohtesvágge vor Augen


                      Auf Schnee lief es sich leichter als über die Felsbrocken. Unten Snávvávágge, hinten Skoarkkigruppe

                      Nach einer Stunde kam der breite Gipfel in Sicht und es war gar nicht so einfach zu entscheiden, zu welchem der Steinmarkierungen man nun hinlaufen soll. Kurz darauf standen wir an der steil ins Rapadal abfallenden Kante und hatten einen unglaublichen Ausblick. Auch war es gar nicht so kalt, so dass wir eine ausgiebige Gipfelrast und unzählige Fotos machen konnten.




                      Flussabwärts konnte man noch Skierffe und Tjakelji erkennen


                      Bielloriehppe und Pårte ...


                      ... und weiter nach Westen zum Ålkatj


                      Gipfelpanorama vom Pårte bis zum Ruothesvágge (Draufklicken für großes Bild mit lesbaren Gipfelnamen - bei Fehlern bitte melden)

                      Wir waren sehr glücklich, dass wir gerade heute so schönes Wetter hatten, als mit dem Låddebákte der zweite tolle Aussichtsberg unserer Tour anstand.
                      Beim Abstieg fielen Tekumseh noch die kreisrunden Muster auf dem Gipfelplateau auf, die sich hier gebildet haben. Ringe aus größeren Steinen mit Feinerde und kleinen Steinen in der Mitte. Diese Frostmuster- oder Strukturböden sind (ebenso wie die Rasengirlanden in unserem ersten Sarek-Bericht) schöne Beispiele für die hier stattfindende Solifluktion.



                      Frostmusterboden

                      Unten angekommen, zogen wir mit vollem Gepäck dem Pfad nördlich des Snávvájávrre folgend weiter und erreichten das steil ins Rapadal abfallende Ende des Snávvávágge.


                      Zelteridyll am Snávvájávrre (eine auffallende Zeltfarbe gibt auf den Fotos schon mehr her)


                      Entlang des Nordufers des Snávvájávrre


                      Auffallend große Felsbrocken markieren das Ende des Snávvávágge

                      Hier haben wir nochmal die Routenbeschreibung nachgelesen, denn der Weiterweg durfte nicht verfehlt werden. Steil, durch hohes Blumenmeer durchsetzt mit Weidenbüschen und immer wieder über größere Steine ging es anfangs kurvenreich, dann den Hang traversierend und durch Weiden zu den einladenden Wiesen von Biellavallda.






                      Blick zurück auf den Steilhang und den Einschnitt des Snávvávágge


                      Mir reichte es für heute

                      Aber bevor wir dort ankamen, beendeten wir unsere heutige Wanderung an einer schönen Rasenkuppe in der Abendsonne. Ich hatte einfach keine Lust mehr weiterzugehen, die letzten Meter fielen mir immer schwerer und ich wurde immer langsamer. Im Wettlauf mit der hinter dem Berg untergehenden Sonne gab es eine wohltuende Dusche aus dem Wassersack bzw. eine Wäsche am Bach. Das Zelt stand dann erst, nachdem die Sonne weg war, aber auf die Berge schien sie noch eine ganze Weile. Wieder hatten wir einen aussichtsreichen Platz und schauten lange ins Tal hinunter. Dort tat sich auch was. Ein einsamer Elch - oder war es "nur" ein Rentier, wir bräuchten ein Fernglas oder stärkeres Tele am Foto - bummelte gemächlich den Fluss entlang.


                      Letzte Sonnenstrahlen


                      Alep Stuollo und Lullihatjåhkkå im Abendlicht





                      Zuletzt geändert von Highbeat; 07.02.2021, 18:35. Grund: Formatierung überarbeitet

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                      • Freedom33333
                        Dauerbesucher
                        • 09.09.2017
                        • 637

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                        Tja, als ich im Snavavagge angekommen bin hatte ich den nebeligsten Tag der Tour, da bin ich natürlich ein wenig neidisch auf die tolle Aussicht von da oben.

                        Zum Zeltplatz: Genau da hatte ich damals, in umgekehrter Richtung laufend, auch schon gegen Abend und erschöpft, überlegt mein Zelt aufzuschlagen und mich dann dagegen entschieden und noch mit letzter Kraft den Steilhang entlang gequält und bin noch ins Snavavagge aufgestiegen. In der darauf folgenden Nacht gab es dann die Nordlichter. Wenn ich den Zeltplatz dort so sehe frage ich mich ja schon, ob die von dort nicht sogar schöner gewesen wären. Andererseits - vielleicht hätte ich sie dann verschlafen.

                        Tolle Bilder jedenfalls.

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                        • Pfiffie
                          Fuchs
                          • 10.10.2017
                          • 1966

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                          Wow das sind echt tolle Bilder, ihr hattet ja das gleich Wetter wie ich , schön zu sehen wie es sonst so im Sarek noch aussah zu der Zeit. Vielen Dank

                          Grüße Maik
                          "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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                          • Highbeat
                            Gerne im Forum
                            • 04.10.2020
                            • 50

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                            Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
                            Tja, als ich im Snavavagge angekommen bin hatte ich den nebeligsten Tag der Tour, da bin ich natürlich ein wenig neidisch auf die tolle Aussicht von da oben.

                            Zum Zeltplatz: Genau da hatte ich damals, in umgekehrter Richtung laufend, auch schon gegen Abend und erschöpft, überlegt mein Zelt aufzuschlagen und mich dann dagegen entschieden und noch mit letzter Kraft den Steilhang entlang gequält und bin noch ins Snavavagge aufgestiegen. In der darauf folgenden Nacht gab es dann die Nordlichter. Wenn ich den Zeltplatz dort so sehe frage ich mich ja schon, ob die von dort nicht sogar schöner gewesen wären. Andererseits - vielleicht hätte ich sie dann verschlafen.

                            Tolle Bilder jedenfalls.
                            Freue mich, dass dir die Bilder gefallen!

                            Beim Lesen deines Berichtes haben wir quasi mit dir im Nebel mitgefühlt. Dafür hast du Nordlichter gesehen, dafür beneide ich dich. Dieses Glück hatte ich noch nicht.

                            Bezüglich des Steilhangs wären bei uns morgens vom Tau die Steine glitschig und die Weiden nass gewesen. Wahrscheinlich war es gut, dass du dich noch am Abend rauf gequält hast. Ich habe schon abwärts bei diesem Stück gelitten - da kann ich mitfühlen, wie es sich am Ende des Tages aufwärts anfühlen musste
                            Zuletzt geändert von Highbeat; 31.10.2020, 21:02.

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                            • Highbeat
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                              • 04.10.2020
                              • 50

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                              Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
                              Wow das sind echt tolle Bilder, ihr hattet ja das gleich Wetter wie ich , schön zu sehen wie es sonst so im Sarek noch aussah zu der Zeit. Vielen Dank

                              Grüße Maik
                              Hallo Maik,

                              gern geschehen.

                              Am nächsten Tag haben wir das gleiche Stück Sarek zur selben Zeit bewundern dürfen Der Bericht dazu kommt morgen - hoffentlich...

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                              • Highbeat
                                Gerne im Forum
                                • 04.10.2020
                                • 50

                                • Meine Reisen

                                #16
                                Tag 5: Absatz westlich des Bielatjåhkkå -> Bassta-/Skájdásjvágge

                                Zum ersten Mal auf unserer Wanderung hatten wir Tau am Morgen. Auch unser Außenzelt war innen und außen nass. Und der Bielatjåhkkå sorgte dafür, dass es so blieb. Auf unserem Platz hätten wir sehr lange auf wärmende und trocknende Sonnenstrahlen warten müssen. Dabei schien die Sonne von einem fast wolkenlosen Himmel. Wir packten alles zusammen, das nasse Außenzelt seperat, und liefen die kurze Strecke durch nasses Weidengebüsch auf die Bielavallda. In der Sonne angekommen, stieg die gefühlte Temperatur um mindestens 15 Grad und lud zu ausgiebiger Frühstückspause und Zeltrocknen ein. Wir suchten uns einen geeigneten Platz und konnten dabei den Rentieren beim Hin- und Herlaufen zusehen. Sie schienen sehr unschlüssig zu sein, wo sie hinwollten. Oder haben wir sie so durcheinandergebracht?


                                Auf Frühstücksplatzsuche in Bielavallda


                                Vor den Seen Bielajávrátja (vorn) und Bierikjávrre (hinten) kommen Rentiere auf uns zu


                                ... und laufen vorbei, im Hintergrund die Vorgipfel des Sarvatjåhkkå


                                Jetzt sieht man hinter den Rentieren das obere Ende des Rapadalen mit der Verzweigung in Guopher- und Ruohtesvágge

                                Den Weg ins Basstavágge wollten wir ohne Höhenverlust nehmen, mussten dabei aber immer wieder feuchten Stellen und Querrücken ausweichen. Wäre wohl besser gewesen, vollends zum Pfad runterzulaufen und diesem zu folgen. So kamen wir halt später auf ihn und dort angenehm weiter ins Basstavágge hinein. Anfangs muss man einmal furten, über den vom Soabbevágge herunterkommenden Bach.


                                Anfangs Basstavágge ein Blick zurück auf (von rechts) Skárjá-und Sjielmatjåhkkå sowie Guopher


                                Hose hochkrempeln wegen der Wärme


                                Das Soabbevágge mündet in das Basstavágge


                                Bei diesem Wetter ist das Furten eine angenehme Erfrischung

                                Das Tal hatte einen ganz anderen Charakter als unsere bisherigen Etappen. Nett am Bach oder auf den Geländerücken entlang mit Blicken die Seitentäler hinauf zu den herabströmenden Gletschern ging es dahin. Besonders war der Alep Basstajiegna, der sich bis zum Horizont erstreckt. Er fließt sozusagen auch die andere Bergseite runter und bildet einen Gletscherpass. Gerne wäre ich so erfahren, um auf diesem ins Rapadalen zurücklaufen zu können.


                                Angenehmes Gehen bei zunehmender Bewölkung aus Westen


                                Alep Basstajiegna

                                Der Gletscherbach musste dann wieder überquert werden und schon hatte man den höchsten Punkt des Basstavágge erreicht. Jetzt ging es wieder abwärts, und nach der Furt des vom Lulep Basstajiegna gespeisten Baches kamen wir zur Einmündung des Skájdásjvágge.


                                Auch hier meist schön am Bach entlang


                                ... und immer wieder mal auf einen Geländerücken hinauf


                                ... ging es das Tal abwärts

                                Seit Beginn der Wanderung grauste es mir vor dem dortigen Talübergang ins Rapadalen. Im Grundsten als einzige Etappe mit Höchstschwierigkeit und besonders anstrengend beschrieben. Zwar war das Wetter noch schön, aber ich auch schon müde. Den Pass wollte ich nur mit frischen Kräften und genügend Zeitpuffer angehen. Tekumseh hätte die Gelegenheit wohl lieber noch genutzt. Ob es morgen noch so schön ist, war ja nicht gesagt. Die Wetteraussichten der nächsten Tage waren sehr durchwachsen, wie uns auch ein entgegenkommender Wanderer bestätigen konnte, den wir im Basstavágge getroffen haben (Pfiffie wie sich inzwischen herausgestellt hat). Aber es hat sich im Gespräch mit einem anderen Wanderer für uns auch die Alternative einer Bootsfahrt von Rinim zurück zum Kungsleden aufgetan, die wir gar nicht auf dem Schirm hatten. So hatten wir für morgen auf jeden Fall eine Möglichkeit weiterzuwandern. Für einen extra Pausentag, um gegebenenfalls auf geeignetes Wetter für das Skájdásjvágge zu warten, hatten wir weder Proviant noch Geduld. Wir fanden einen schönen Zeltplatz an einem kleinen Bächlein und blieben dort. Beim Zeltaufbau frischte der Wind schon merklich auf, und aus Westen kamen die Wolken immer zahlreicher über die Berge. Mit dem gemütlich in der Abendsonne sitzen war es schnell vorbei.


                                Käme das Wetter nur von Osten!


                                Noch einen kleinen Windschutz vor das Zelt gesetzt


                                Immerhin noch keine Regenwolken
                                Zuletzt geändert von Highbeat; 07.02.2021, 18:39. Grund: Formatierung überarbeitet

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                                • Highbeat
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                                  • 04.10.2020
                                  • 50

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                                  Sarek statt Grönland – Teil 2: Rapadalen und Basstavágge (15.8.-20.8.2020)

                                  Tag 6: Bassta-/Skájdásjvágge -> Parkplatz Sitoälvbron

                                  Am frühen Morgen, während ich noch schlief, tauchte die Sonne die Bergspitzen in orangenes Licht. Tekumseh schoss im Schlafdress ein paar schöne Fotos, bevor die ersten Tropfen fielen.


                                  "Basstaberge" in der Morgensonne




                                  Basstatal rauswärts

                                  Als wir später wirklich aufwachten, war das schöne Wetter vorbei. Es regnete und die Wolken hingen furchtbar tief. Wir mussten uns entscheiden, wie es weiter gehen sollte: Über das Skájdásvágge mit einer Passhöhe von 1620 m oder das Basstavágge zum Sitojaure und mit dem Boot zum Kungsleden.
                                  Immer wieder komme ich in diesen Zwiespalt: Zum einen beinhaltet Tekumsehs anspruchsvolle Routenwahl oft coole Abenteuer, tolle Wege und Aussichten, und zum anderen muss ich meine Fähigkeiten und die Bedingungen gut beurteilen. Bei schönem und trockenem Wetter hätte ich mich zum Pass hochgequält. Ich weiß, dass der Weg beschwerlich ist, aber spätestens oben, wenn es geschafft ist, hat es sich immer gelohnt und man ist stolz auf sich. An diesem Tag war ich gegen eine Passüberquerung. Der Weg würde nicht nur sehr anstrengend werden, sondern er lag auch in den Wolken, wir würden oben im Nebel stochern. Es war feucht und die Steine würden glitschig sein. Ich wusste, dass Tekumseh an diesem Stück der Tour viel lag und er wäre sicher losgegangen. Aber er hat meine Entscheidung tapfer akzeptiert und wir brauchen ja auch noch ein paar Highlights für unsere nächste Sarek-Tour

                                  Noch beim Abbau des Zeltes trafen wir auf eine Schwedin, von der wir schon am Vortag gehört hatten. Sie kam mit dem Boot vom Kungleden und wollte nur einen Tag im Sarek bleiben und am folgenden (also diesem) Tag wieder mit dem Boot zurückfahren. Wir witterten unsere Chance und fragten sie, ob wir uns anschließen könnten. Sie war sehr nett und wir verabredeten uns an der Ablegestelle. So konnten wir entspannt loslaufen, unser Rückweg war geklärt.


                                  Tief hängende Wolken vor den "Basstabergen"

                                  Wir packten also zusammen und in voller Regenmontur liefen wir den Bach hinab in Richtung Rinim. Noch einmal blickten wir auf unseren ursprünglich geplanten Weg und der Pass hing tief in den Wolken. Die Entscheidung fühlte sich richtig an.


                                  Da wäre es ins Skájdásvágge hochgegangen

                                  Der Regen hörte auf, auch war es recht warm. Gerne zogen wir unsere Regenhosen aus, kamen alsbald aber zu bauchhohem Weidengebüsch. Aber deswegen wieder die Regenhosen anzuziehen… wäre besser gewesen. Die -Weidenpassagen waren zu lang und die Blätter zu nass, um einigermaßen trocken durchzukommen (für den Vorauslaufenden von uns ). Dann weitete sich das Tal in eine Ebene mit einzelnen Bäumen am anderen Ende. Diese parkartig anmutende Landschaft zusammen mit den tiefhängenden Wolken, umrahmt von den flacher werdenden Bergen gefiel uns gut.


                                  Schöne namenlose Ebene

                                  Bei unserer Pause auf ebendieser Ebene verschanzten wir uns hinter einem großen Stein, das Wetter war garstig. Immerhin kochten wir ein weiteres Mal Kaffee in unserem Beutel und konnten den Ausblick genießen.


                                  Letzte Kaffeepause

                                  Wir trafen erneut auf unsere schwedische Wanderfreundin und liefen bis zum See gemeinsam.




                                  Anfang des Sitojaure bei Rinim

                                  Nach einem kurzen Verlaufer fanden wir den Steg und wir waren nicht alleine. Mit 7 Passagieren und dem Kapitän ging es im Schneckentempo los. Scheinbar waren wir grenzwertig beladen, denn nach einer Weile kam ein zweites Boot zur Hilfe und nahm uns 2 Fahrgäste ab. Diese kamen vom Skierffe über den/die/das Jågåsjgaskaláhko nach Rinim und wollten nun abseits gängiger Wege weiter vom Nordufer des Sitojaure nach Saltoluokta. Sie erzählten uns auch von ihren Freunden, die vor 2 oder 3 Wochen im Rapadalen vor einem der Bäche kapituliert hatten und umdrehen mussten (weshalb sie sich auch für ihre Variante entschieden haben). Über die Hochebene Jågåsjgaskaláhko hätte es auch uns geführt, falls wir über den Pass gegangen wären. Deshalb recht interessant zu hören, dass es sich dort gut wandern lässt. In diesen ersten langsamen 40 Minuten unserer Fahrt erfuhren wir auch von 3 Bären, die sich hier letzten Sommer aufhielten und so einiges mehr. Das Schleichtempo wechselte nun, je nach Wasserhöhe, zu unserem großen Spaß mit Highspeed-Slalom Passagen ab. Der Bootsführer empfahl uns als Ziel sein Heimatdorf Tjåhke anstelle von Svinne. Von dort würde ein 12 km langer Quadweg direkt zum Cykelweg führen (schwarz punktiert in der BD10-Karte), weitere 8 km blieben bis zum Parkplatz. Über den Kungsleden und Aktse ist es deutlich länger, aber eben auch aussichtsreicher. Und auf den Zeltplatz oberhalb von Aktse hatten wir uns schon gefreut. Durch die Bootsfahrt hatten wir uns schon einen Tag gespart, so hätten wir die Chance noch am selben Tag trocken zum Auto zu kommen, obwohl es inzwischen später Nachmittag geworden war. Klar war, dass es am nächsten Tag regnen würde. Einen Versuch war es wert. Der Bootsführer zeigte uns noch sein Dorf und erzählte uns Abenteuergeschichten aus seinem Leben. Wir vesperten kurz und liefen dann den Quadweg entlang, der sich als abwechslungsreich und nett zum Gehen entpuppte.


                                  Auf dem Quadweg von Tjåhke zum Cykelweg


                                  Podsol

                                  Die Mücken hatten uns wieder. Alle Pausen wurden deshalb gestrichen und wir kamen mit einem beachtlichen Tempo vorwärts.


                                  Hektisches Broteschmieren an der Waldgrenze...


                                  ... weil die Mücken zustachen

                                  Einen kleinen Plausch hielten wir noch mit der Frau des Bootsführers, wie sich herausstellte. Sie kam uns mit dem Quad entgegen und wir kamen ausgiebig und nett ins Gespräch. Nach dem Quadweg kam der Cykelweg, und jetzt zog sich das Ganze. Immer noch eine Welle… Es war nicht halb so kurzweilig - vielleicht, weil man auch endlich ankommen wollte. Mit dem letzten Tageslicht und einsetzendem Nieselregen erreichten wir den Bus und waren glücklich und höchst zufrieden eine zweite wunderschöne Sarek-Tour gesund und munter erlebt zu haben.


                                  Am Ziel: Parkplatz Sitoälvbron


                                  Auf der durchaus schönen Heimfahrt

                                  PS. Sollte jemand Tour 15 aus dem Grundsten gemacht haben, würde ich mich freuen zu hören, wie es lief
                                  Zuletzt geändert von Highbeat; 07.02.2021, 18:50. Grund: Formatierung überarbeitet

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                                  • vobo

                                    Erfahren
                                    • 01.04.2014
                                    • 470

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                                    #18
                                    AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                                    Zitat von Highbeat Beitrag anzeigen
                                    PS. Sollte jemand Tour 15 aus dem Grundsten gemacht haben, würde ich mich freuen zu hören, wie es lief
                                    Daniel ist das zweimal gelaufen:

                                    2018

                                    und

                                    2017

                                    Es lohnt sich

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                                      #19
                                      AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                                      Danke für diesen sehr sympathischen Bericht, und schön zu hören, daß ihr wohl nicht das letzte Mal dort gewesen seid.

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                                      • Highbeat
                                        Gerne im Forum
                                        • 04.10.2020
                                        • 50

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [SE] Sarek statt Grönland - Teil 2: Rapadalen-Basstavágge

                                        Zitat von vobo Beitrag anzeigen
                                        Daniel ist das zweimal gelaufen:


                                        Es lohnt sich
                                        Vielen Dank für den Hinweis, Vobo! Wir haben die Berichte von Daniel total gerne gelesen und ich ärgere mich schon jetzt, dass wir die Route nicht doch gelaufen sind. Zumal der Pass wohl gerne in den Wolken hängt

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