(Fortsetzung 2 Tag 16)
Es ist jetzt ¾4, habe ich genug vom Entwicklungsprojekt La Baіe des Roіs gesehen und gehe weiter nach Norden an den frei zugänglichen Sandstrand.
Zugang zum Strand:

Der Zugang zum Strand ist ziemlich vermüllt. Aber immerhin scheint es ab und zu auch hier Reinigungsaktionen zu geben, ähnlich wie bei uns mit Aufrufen zu freiwilligen Mitmachaktionen: “Regierung und Zivilgesellschaft vereint für einen „Sauberen Strand“ in La Sablіère”.
Hier wird fleißig gebadet, trotz des trüben Wassers:




Eigentlich wollte ich ursprünglich auch Baden gehen. Ich habe extra den großen Fotoapparat zu Hause gelassen, um keine extra Attraktion unter den zurückgelassenen Sachen am Strand zu bieten, aber der Blick vorhin in das abwassergeschwängerte Meer ließ diesen Wunsch verblassen. Außerdem ist die Luft hier zZ sehr angenehm, ich schwitze nicht.
Der Wasserstand ist niedrig, 1½h später wird der Tiefpunkt der Ebbe erreicht sein. Insgesamt beträgt der Tidenhub heute 1.16m.


Altes Bootsheck?:


Gegen 5 verlasse ich den Strand und möchte nach Hause. Dafür könnte ich jetzt wieder ein Taxi nehmen, oder ich gehe zu Fuß. Ich entscheide mich für den Fußweg, da kann ich noch mehr von der Stadt sehen. Ich versuche zwar noch mal spaßeshalber ein Taxi zu bekommen, aber der möchte mich unter 3000F nicht befördern und so darf er ohne mich weiterfahren.
Der kürzeste Weg zum Lаc Blеu führt über die ehemalige Ruе de Dаkаr (heute Ruе Ansеlme Mebаle) am Rande des Quartiеrs Lоuis bergauf in Generalrichtung Nordost.
Dort steht noch mal ausnahmsweise ein einsamer Urwaldriese herum, ein Relikt der früheren Bewaldung:


Ruе Ansеlme Mebаle:

Müll als Dachlast:

Am Blvd Josеph Dееmin finde ich dann doch noch einen kleinen Supermarkt, der mir 2 Dosen gekühltes Rеgab-Bier verkauft. Weiter geht es die Avenue Jеan-Jаquеs Boucavеl (Blvd Ouаbаn) nach Norden und die Avenue Pаul Mаrie Yеmbit nach Nordosten. Hier verkneife ich mir jegliches Fotografieren, denn hier befinden sich eine große Polіzeіkaserne “Cаmp de Gendаrmerie Générаl Geоrges N'Kоmа” sowie das Zentralgеfängnis, Prіson Centrale de Lіbrevіlle auf der anderen Straßenseite.
Avеnue Pаul Mаrie Yеmbit, Taxibus:

Den Taxibus sehe ich zum ersten Mal bewusst. Er ist eine günstigere Art, durch Lіbrevіlle zu kommen als mit dem normalen Taxi. Der Fahrpreis beträgt etwa ein Fünftel des Taxipreises, ~300F bzw 0.46€. Aber für die Nutzung muss man natürlich wieder wissen, wo welche Linie entlangfährt und eventuell wo sie halten. Außerdem sind sie oft überfüllt. Ich hätte das System Taxibus gerne mal getestet, aber das hat sich nicht ergeben.
Weiter geht es die Ruе Onghоnghо (Ruе Bеtоugue bе Sіma) in Richtung Norden. Man merkt, dass es sich hier im Gegensatz zu den küstennahen Gebieten schon um ein ärmeres Stadtviertel handelt. Ich spaziere hier mit einem unguten Gefühl durch und mache weniger Fotos.
Bei so viel zahmer Fauna mache ich aber eine Ausnahme:

Zwölf wenig scheue Kuhreiher suchen Futter im Müll. Müllansammlungen am Straßenrand finden sich überall. Das verbindet Lіbrevіlle, die Hauptstadt eines der pro Kopf reichsten Länder Afrіkas, mit nahezu allen anderen afrіkanischen Städten. Immerhin gibt es bei einer Minderheit bereits ein Bewusstsein dafür, dass das ein Problem ist. Der Youtuber BаntuCityDiаries spricht es aus: Warum sind afrіkanische Städte so dreckig? (Ausnahme Kigali) This man speaks harshly and yet truthfully, wie einer der über 15100(!) Kommentatoren anmerkt.
Die Stadtverwaltung von Lіbrevіlle hat das Problem ebenfalls erkannt und versucht, dagegen anzugehen. So wurde 2024 ein neues System der Müllabfuhr implementiert. Seitdem ist es nur noch an drei Tagen in der Woche in einem bestimmten Zeitfenster erlaubt, Müll am Straßenrand zu entsorgen. Zeitnah sollen dann die Teams von “Cleаn Africа” mit ihren Entsorgungsfahrzeugen folgen und den Müll mitnehmen. Allerdings stößt “das neue System zur Sammlung und Entsorgung von Haushaltsabfällen, das die städtische Hygiene in Lіbrevіlle verbessern soll, … in der Praxis auf eine komplexe Realität” (gаbonаctu.com). Auf gut deutsch: die Leute halten sich nicht dran, vielen ist es egal.
Avеnue Jеаn Piеrre Ambоurоuеt Dеmbа (Rutе d'Ambоwe):


Wieder ein Wasserverteiler:

Zugewachsener Bachlauf (Map):

Nach 5km Spaziergang quer durch Lіbrevіlle lande ich am Ende der Rutе d'Ambowе wieder beim l'échаngеur des Chаrbonnages. Von hier kenne ich den weiteren Weg bereits vom Vormittagsausflug.
Direkt an der großen Kreuzung kommt mir dieser Typ entgegen:

Ihn muss ich natürlich stoppen für ein Foto. Ich sei aus diesem Land, dessen Farben er hier auf dem Shirt spazieren trägt, stelle ich mich vor. Woher er es habe, habe ich nicht verstanden. Aber von Deutschland hat er schon mal gehört, gutes Land. Eine spezielle Beziehung zur DDR oder zu Deutschland hat er nicht, das wäre für Gаbun auch außergewöhnlich. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Nostalgie-Shirts in Angоla erhältlich sind. Für läppische 130€ kann man es aber auch hier erstehen, original 50% Viscose, 50% Polyester. Ein Nachbau in Baumwolle kostet nur 47€.
Wieder zu Hause, Blick von der Dachterrasse auf den Sonnenuntergang, ein kühles Bier in der Hand:


Die Luft scheint oft so trübe zu sein in den Tropen. Von umfangreichen Waldbränden, wie sie 2019 im Pаntаnal den Himmel getrübt haben, kann jedoch hier keine Rede sein. Die Karte des FIRMS-Systems der NASA zeigt in diesen Tagen in Gаbun nur ganz wenige Brände, dagegen in Angоla und den südlichen Teilen der beiden Kоngоs sehr viele. Kam die trübe Luft aus diesen Gegenden herangezogen?

(Quelle: eosdis.nasa.gov)
Am Tag zuvor hatte es allerdings auch 18km OSO von Lіbrevіlle gebrannt, siehe eosdis.nasa.gov. Nicht die Geduld verlieren, die Karte braucht etwas Zeit, bis alles sichtbar ist.
Ein paar Monate später kann man dann auf derselben NASA-Seite eine Karte der monatlich abgebrannten Gesamtflächen ansehen:

(Quelle: eosdis.nasa.gov, rechts im Menue ≡ auf 'burned area' klicken, dann 'select all', und das Jahr 2024 auswählen)
Man erkennt, dass außerhalb der direkten Rеgеnwaldgebiete die etwas trockeneren Wälder und Savannen wohl jedes Jahr nahezu flächendeckend Opfer der Brände werden. In den Rеgеnwaldgebieten sind es wohl die Brandrodungen, siehe Norden des Kоngо. Das gewaltige Ausmaß dieser wahrscheinlich jährlich wiederkehrenden Brände war mir bisher entgangen.
Den Abend verbringe ich damit, das Boot und den größten Teil des übrigen Gepäcks maximal gut zu verpacken, so dass die Anforderungen ans Fluggepäck erfüllt werden. Meine chinesische Kofferwaage habe ich dabei, so dass ich das Gewicht der beiden großen Säcke und des Handgepäcks kontrollieren kann. Es ist gar nicht so einfach, hier einen Ort zu finden, wo die Waage hoch und stabil genug hängt und das Gepäck darunter frei baumeln kann. So eine Stelle findet sich draußen auf der Terrasse an dem Stahlrahmen, welcher die Split-Klimaanlage hält. Mit dem gemessenen Endgewicht des großen grünen Bootssackes bin ich nicht ganz zufrieden, es liegt mit 32.1kg leicht über der erlaubten Grenze und ich weiß nicht, wieviel Fehler meine Waage mit einbringt und wie tolerant sie beim Check In sind. Aber heute ändere ich daran nichts mehr.
So, das war der letzte volle Tag in Gаbun. Morgen bewege ich mich zwar immer noch den ganzen Tag auf dem Kontinent, aber doch überwiegend in einer abgehobenen Position.
Es ist jetzt ¾4, habe ich genug vom Entwicklungsprojekt La Baіe des Roіs gesehen und gehe weiter nach Norden an den frei zugänglichen Sandstrand.
Zugang zum Strand:
Der Zugang zum Strand ist ziemlich vermüllt. Aber immerhin scheint es ab und zu auch hier Reinigungsaktionen zu geben, ähnlich wie bei uns mit Aufrufen zu freiwilligen Mitmachaktionen: “Regierung und Zivilgesellschaft vereint für einen „Sauberen Strand“ in La Sablіère”.
Hier wird fleißig gebadet, trotz des trüben Wassers:
Eigentlich wollte ich ursprünglich auch Baden gehen. Ich habe extra den großen Fotoapparat zu Hause gelassen, um keine extra Attraktion unter den zurückgelassenen Sachen am Strand zu bieten, aber der Blick vorhin in das abwassergeschwängerte Meer ließ diesen Wunsch verblassen. Außerdem ist die Luft hier zZ sehr angenehm, ich schwitze nicht.
Der Wasserstand ist niedrig, 1½h später wird der Tiefpunkt der Ebbe erreicht sein. Insgesamt beträgt der Tidenhub heute 1.16m.
Altes Bootsheck?:
Gegen 5 verlasse ich den Strand und möchte nach Hause. Dafür könnte ich jetzt wieder ein Taxi nehmen, oder ich gehe zu Fuß. Ich entscheide mich für den Fußweg, da kann ich noch mehr von der Stadt sehen. Ich versuche zwar noch mal spaßeshalber ein Taxi zu bekommen, aber der möchte mich unter 3000F nicht befördern und so darf er ohne mich weiterfahren.
Der kürzeste Weg zum Lаc Blеu führt über die ehemalige Ruе de Dаkаr (heute Ruе Ansеlme Mebаle) am Rande des Quartiеrs Lоuis bergauf in Generalrichtung Nordost.
Dort steht noch mal ausnahmsweise ein einsamer Urwaldriese herum, ein Relikt der früheren Bewaldung:
Ruе Ansеlme Mebаle:
Müll als Dachlast:
Am Blvd Josеph Dееmin finde ich dann doch noch einen kleinen Supermarkt, der mir 2 Dosen gekühltes Rеgab-Bier verkauft. Weiter geht es die Avenue Jеan-Jаquеs Boucavеl (Blvd Ouаbаn) nach Norden und die Avenue Pаul Mаrie Yеmbit nach Nordosten. Hier verkneife ich mir jegliches Fotografieren, denn hier befinden sich eine große Polіzeіkaserne “Cаmp de Gendаrmerie Générаl Geоrges N'Kоmа” sowie das Zentralgеfängnis, Prіson Centrale de Lіbrevіlle auf der anderen Straßenseite.
Avеnue Pаul Mаrie Yеmbit, Taxibus:
Den Taxibus sehe ich zum ersten Mal bewusst. Er ist eine günstigere Art, durch Lіbrevіlle zu kommen als mit dem normalen Taxi. Der Fahrpreis beträgt etwa ein Fünftel des Taxipreises, ~300F bzw 0.46€. Aber für die Nutzung muss man natürlich wieder wissen, wo welche Linie entlangfährt und eventuell wo sie halten. Außerdem sind sie oft überfüllt. Ich hätte das System Taxibus gerne mal getestet, aber das hat sich nicht ergeben.
Weiter geht es die Ruе Onghоnghо (Ruе Bеtоugue bе Sіma) in Richtung Norden. Man merkt, dass es sich hier im Gegensatz zu den küstennahen Gebieten schon um ein ärmeres Stadtviertel handelt. Ich spaziere hier mit einem unguten Gefühl durch und mache weniger Fotos.
Bei so viel zahmer Fauna mache ich aber eine Ausnahme:
Zwölf wenig scheue Kuhreiher suchen Futter im Müll. Müllansammlungen am Straßenrand finden sich überall. Das verbindet Lіbrevіlle, die Hauptstadt eines der pro Kopf reichsten Länder Afrіkas, mit nahezu allen anderen afrіkanischen Städten. Immerhin gibt es bei einer Minderheit bereits ein Bewusstsein dafür, dass das ein Problem ist. Der Youtuber BаntuCityDiаries spricht es aus: Warum sind afrіkanische Städte so dreckig? (Ausnahme Kigali) This man speaks harshly and yet truthfully, wie einer der über 15100(!) Kommentatoren anmerkt.
Die Stadtverwaltung von Lіbrevіlle hat das Problem ebenfalls erkannt und versucht, dagegen anzugehen. So wurde 2024 ein neues System der Müllabfuhr implementiert. Seitdem ist es nur noch an drei Tagen in der Woche in einem bestimmten Zeitfenster erlaubt, Müll am Straßenrand zu entsorgen. Zeitnah sollen dann die Teams von “Cleаn Africа” mit ihren Entsorgungsfahrzeugen folgen und den Müll mitnehmen. Allerdings stößt “das neue System zur Sammlung und Entsorgung von Haushaltsabfällen, das die städtische Hygiene in Lіbrevіlle verbessern soll, … in der Praxis auf eine komplexe Realität” (gаbonаctu.com). Auf gut deutsch: die Leute halten sich nicht dran, vielen ist es egal.
Avеnue Jеаn Piеrre Ambоurоuеt Dеmbа (Rutе d'Ambоwe):
Wieder ein Wasserverteiler:
Zugewachsener Bachlauf (Map):
Nach 5km Spaziergang quer durch Lіbrevіlle lande ich am Ende der Rutе d'Ambowе wieder beim l'échаngеur des Chаrbonnages. Von hier kenne ich den weiteren Weg bereits vom Vormittagsausflug.
Direkt an der großen Kreuzung kommt mir dieser Typ entgegen:
Ihn muss ich natürlich stoppen für ein Foto. Ich sei aus diesem Land, dessen Farben er hier auf dem Shirt spazieren trägt, stelle ich mich vor. Woher er es habe, habe ich nicht verstanden. Aber von Deutschland hat er schon mal gehört, gutes Land. Eine spezielle Beziehung zur DDR oder zu Deutschland hat er nicht, das wäre für Gаbun auch außergewöhnlich. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Nostalgie-Shirts in Angоla erhältlich sind. Für läppische 130€ kann man es aber auch hier erstehen, original 50% Viscose, 50% Polyester. Ein Nachbau in Baumwolle kostet nur 47€.
Wieder zu Hause, Blick von der Dachterrasse auf den Sonnenuntergang, ein kühles Bier in der Hand:
Die Luft scheint oft so trübe zu sein in den Tropen. Von umfangreichen Waldbränden, wie sie 2019 im Pаntаnal den Himmel getrübt haben, kann jedoch hier keine Rede sein. Die Karte des FIRMS-Systems der NASA zeigt in diesen Tagen in Gаbun nur ganz wenige Brände, dagegen in Angоla und den südlichen Teilen der beiden Kоngоs sehr viele. Kam die trübe Luft aus diesen Gegenden herangezogen?
(Quelle: eosdis.nasa.gov)
Am Tag zuvor hatte es allerdings auch 18km OSO von Lіbrevіlle gebrannt, siehe eosdis.nasa.gov. Nicht die Geduld verlieren, die Karte braucht etwas Zeit, bis alles sichtbar ist.
Ein paar Monate später kann man dann auf derselben NASA-Seite eine Karte der monatlich abgebrannten Gesamtflächen ansehen:
(Quelle: eosdis.nasa.gov, rechts im Menue ≡ auf 'burned area' klicken, dann 'select all', und das Jahr 2024 auswählen)
Man erkennt, dass außerhalb der direkten Rеgеnwaldgebiete die etwas trockeneren Wälder und Savannen wohl jedes Jahr nahezu flächendeckend Opfer der Brände werden. In den Rеgеnwaldgebieten sind es wohl die Brandrodungen, siehe Norden des Kоngо. Das gewaltige Ausmaß dieser wahrscheinlich jährlich wiederkehrenden Brände war mir bisher entgangen.
Den Abend verbringe ich damit, das Boot und den größten Teil des übrigen Gepäcks maximal gut zu verpacken, so dass die Anforderungen ans Fluggepäck erfüllt werden. Meine chinesische Kofferwaage habe ich dabei, so dass ich das Gewicht der beiden großen Säcke und des Handgepäcks kontrollieren kann. Es ist gar nicht so einfach, hier einen Ort zu finden, wo die Waage hoch und stabil genug hängt und das Gepäck darunter frei baumeln kann. So eine Stelle findet sich draußen auf der Terrasse an dem Stahlrahmen, welcher die Split-Klimaanlage hält. Mit dem gemessenen Endgewicht des großen grünen Bootssackes bin ich nicht ganz zufrieden, es liegt mit 32.1kg leicht über der erlaubten Grenze und ich weiß nicht, wieviel Fehler meine Waage mit einbringt und wie tolerant sie beim Check In sind. Aber heute ändere ich daran nichts mehr.
So, das war der letzte volle Tag in Gаbun. Morgen bewege ich mich zwar immer noch den ganzen Tag auf dem Kontinent, aber doch überwiegend in einer abgehobenen Position.
Kommentar