[NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach Lhasa

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  • BlackDaytona
    Anfänger im Forum
    • 09.11.2005
    • 41

    • Meine Reisen

    [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach Lhasa

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Nachdem ich einige Jahre hier nicht mehr aktiv war, werd ich mal wieder einen Reisebericht beisteuern. Ist zwar schon etwas her, genauergesagt 2007, aber ich denke es war eine ganz interessante Tour.

    Tourverlauf

    Von Kathmandu aus geht es zunächst nach Nepalgunj, an die indische Grenze in Westnepal. Dann mit einem weiteren Inlandsflug nach Simikot, wo unser Trekking über den Himalaya startet. Die Route führt durch Gebirgslandschaften, vorbei an den Bergdörfern der Thakuri, entlang Flussläufen und über den Nara Lagna-Pass. Wir wandern zur nepalesisch-tibetischen Grenze bis zum Ort Sher auf tibetischer Seite. Hier werden wir abgeholt und nach Taklakot gebracht. Wir befinden uns jetzt südlich des Kailash, den Hinduisten und Buddhisten als "Mittelpunkt der Welt ansehen". Auf dem Weg zum heiligen Berg wandern wir an der Westküste des Manasarovar-Sees entlang und zelten an seinem Ufer. Am Kailash angekommen, nehmen wir am Saga Dawa Fest teil. Zusammen mit Pilgern von nah und fern umrunden wir innerhalb von drei Tagen den Kailash. Nächstes Ziel ist die Canyon-Landschaft des Sutlej-Flusses. Hier liegen die Ruinen von Tsaparang, der Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Guge. Nach dem Besuch dieser 900 Jahre alten Stätte beginnt die Fahrt entlang der Nordroute nach Lhasa. Wir durchqueren den Changthang, die Hochebene Tibets. Unterwegs besuchen wir den Klosterkomplex Tashilunpo in Shigatse und den Kumbum Chörten, eine begehbare Stupa, in Gyantse. In Lhasa, dem geistigen und weltlichen Zentrum Tibets, beschließen wir die Reise mit zahlreichen Besichtigungen. Per Flugzeug geht es zurück nach Kathmandu.


    Kloster Chöku Gönpa an der Westseite des Kailash

    Fortsetzung folgt.

    Gruß Walter
    Zuletzt geändert von BlackDaytona; 07.03.2014, 19:04.
    Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür...
    Bruce Chatwin: In Patagonien

  • BlackDaytona
    Anfänger im Forum
    • 09.11.2005
    • 41

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash u.durch den Changthang n. Lhasa

    Tag 1: Anreise

    In Frankfurt am Flughafen treffe ich am Gate meinen Kumpel Ferdinand. Mit ihm war ich schon 2005 in Pakistan unterwegs gewesen (Reisebericht Teil 1 , Teil 2). Tibet und insbesondere der Kailash stand schon lange auf meiner Wunschliste und auf seiner wohl auch. Gegen 21:30 Uhr startet unser Flug mit Qatar Airlines nach Doha. Fast schon Luxus diese Fluggesellschaft.


    Tag 2: Zwischenlandung in Doha und Ankunft in Kathmandu

    Am frühen Morgen landen wir in Doha. Heißes Wüstenklima, staubiger Horizont. Wir haben knapp 3 Stunden Aufenthalt. Am Abflug-Gate des wohltemperierten Flughafens treffen wir die restliche Gruppe und unsere Reiseleiterin. Gut 4 Stunden Flug liegen noch vor uns. Am Nachmittag dann landen wir in Kathmandu. Nach der üblichen Einreiseprozedur geht es per Bus zum Hotel. Es ist warm und recht gewittrig. An das Chaos in dieser Stadt muss ich mich erst wieder gewöhnen. Unser Hotel, das Dwarika's, liegt im Osten nicht weit vom Flughafen. Nach all dem Lärm und Dreck eine wahre Oase.







    Im Innenhof unseres Hotels, des Dwarika's


    Tag 3: Pashupatinath und Weiterflug nach Nepalgunj

    Vor unserem Weiterflug in den Westen Nepals haben wir noch ein paar Stunden Zeit am Vormittag. Da der Tempelbezirk Pashupatinath vom Hotel aus bequem zu Fuß zu erreichen ist, machen wir uns zu zweit auf zu einer Besichtigungstour. Pashupatinath zählt zu den wichtigsten Tempelstätten des Hinduismus. Er liegt im Osten von Kathmandu, am heiligen Fluss Bagmati, einem Zufluss des Ganges.



    An kleinen Ständen werden Blumengirlanden, Opferfarbe aus bunten Pulvern, Halsketten aus getrockneten Früchten und Nüssen sowie Figürchen diverser Götter verkauft.







    Der eigentliche Tempel ist Hinduisten vorbehalten. Der restliche Tempelbezirk ist frei zugänglich, nach Lösen der Eintrittskarte .





    Blick auf den Eingang des Tempels



    Ein Sadhu vor seinem Schlafgemach

    Geweiht ist der Tempel Shiva in der Inkarnation als "Herr der Tiere". Am linken Ufer des Bagmati liegen die Verbrennungsstätten, nach Kasten getrennt. Wir begeben uns auf das rechte Ufer und beobachten eine Leichenverbrennung. Für diese Zeremonie werden die Leichen in gelbe Tücher zu den Scheiterhaufen auf speziellen Plattformen getragen, wo der Scheiterhaufen errichtet wird. Bevor die Leiche verbrannt wird, wird sie mit Wasser aus dem heiligen Fluss bespritzt oder ihre Füße darin gewaschen. Mit feuchtem Stroh wird der Leichnam anschließend bedeckt. Der älteste Sohn, die älteste Tochter oder ein Priester schreitet fünfmal im Uhrzeigersinn um den Scheiterhaufen, bevor er den Scheiterhaufen mit einem Strohbüschel, das mit Butter getränkt ist, entzündet. Sobald die Leiche verbrannt ist, wird die Asche in den Fluss geschüttet.



    Hier noch einige Bilder aus dem oberen Tempelbezirk:











    Die zahlreichen Affen sollte man übrigens immer gut im Blick haben. Sie nutzen jede Gelegenheit, um etwas mitgehen zu lassen. Einem kleinen Mädchen hatten sie den Verpflegungsbeutel entrissen. Da war das Geschrei groß.

    Unser Abflug nach Nepalgunj rückt näher. Also verlassen wir diesen faszinierenden Ort und gehen zum Hotel zurück. Der Domestic-Airport liegt neben dem Internationalen, unsere Busfahrt dauert nicht lange.



    Eine kleine Propellermaschine der Yeti Air fliegt uns nach Nepalgunj. Die einzigen Berge, die wir während des Fluges sehen, sind Wolkenberge, obwohl wir ja am Himalaya entlang fliegen. Nepalgunj liegt inmitten eines Reisanbaugebietes an der Südgrenze Nepals zu Indien. Als wir aus dem Flieger steigen, trifft uns der Tropenhammer: 41°C und wassergesättigte Luft. Nach dem Einschecken in einem einfachen Hotel nehmen Ferdinand und ich eine Fahrrad-Rikscha ins Zentrum der Stadt, um uns noch etwas umzuschauen.











    Im bescheiden eingerichteten Hotel läuft mir lauwarm das Duschwasser herunter. Auszuhalten ist es nur unter dem mit maximaler Drehzahl rotierenden Ventilator. Da sitzen wir dann auch den Rest des Abends, unterbrochen nur von einem, immerhin aus den Eisschrank stammenden Nepali-Bier, auf dessen Etikett ein gewisser Tenzing Norgay in Siegerpose auf dem Everest abgebildet ist.


    Tag 4: 1.Versuch Flug nach Simikot

    Die Nacht ist der Horror schlechthin. Die Airkondition funktioniert nur sporadisch oder sehr laut. Irgendwann stellt Ferdinand sie ab. Der Ventilator läuft nur auf höchster Stufe. Also auch aus damit. Dann sind da noch die Mücken . Um 3:30 Uhr klingelt der Wecker. Ich fühle mich wie Freitag Morgen nach Weiberfastnacht. Aber es hilft ja nix, um 5:00 Uhr sollen wir am Flughafen sein. Das schaffen wir dann auch. Die Flüge rauf in den Himalaya werden nur nach Sicht geflogen. Jetzt heißt es warten und hoffen. An diesem Morgen starten nur zwei Maschinen nach Dolpo und ein Hubschrauber der UN. Schließlich gegen Mittag ist klar, das Wetter in Simikot ist zu schlecht. Auch der Hubschrauber ist wieder umgekehrt. Frustriert fährt unsere Gruppe wieder ins Hotel zurück. Wenigstens hat unser Zimmer jetzt einen regelbaren Ventilator. Nach dem Mittagessen machen sich alle nochmal auf ins Zentrum von Nepalgunj. Wir besichtigen einen hinduistischen Tempel und lassen uns über die Marktstraßen treiben. Das Fotografieren macht richtig Spaß. Motive gibt es reichlich.

















    Fortsetzung folgt.

    Gruß Walter
    Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür...
    Bruce Chatwin: In Patagonien

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    • grenzenlos
      Dauerbesucher
      • 25.06.2013
      • 566

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach L

      Schöne Bilder Freue mich auf die Fortsetzung!
      Das letzte Bild passt hervorragend zu meinem Zahnarztdienstleister (Arbeit am Bordstein)
      Gruß Wi grenzenlos
      Unsere Webseite: http://www.grenzenlosabenteuer.de

      Gruß, Wi grenzenlos

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      • mib
        Anfänger im Forum
        • 01.06.2013
        • 26

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach L

        Schön, ein Bericht aus einer Ecke der Welt von der ich schon lange träume. Leider konnte ich bisher jedoch noch niemanden aus meinem Freundeskreis davon überzeugen, dieses Abenteuer mit mir anzugehen.

        Ich freue mich auf die Fortsetzung

        Grüße Mib

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        • oesine63
          Erfahren
          • 27.11.2013
          • 397

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach L

          Danke schon mal für den ersten Teil deines Berichtes - die Bilder sind ein Hammer!

          Da ich in der glücklichen Lage bin, heuer meinen lang ersehnten Traum von Tibet und Mt. Kailash endlich verwirklichen zu können, bin ich schon sehr auf den Rest des Berichtes gespannt.

          Gruß, oesine63

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          • BlackDaytona
            Anfänger im Forum
            • 09.11.2005
            • 41

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash u. durch den Changthang n.Lhasa

            Tag 5: 2.Versuch Flug nach Simikot, das Trekking beginnt

            Wieder geht der Wecker meiner Armbanduhr um 3:30 Uhr. Diesmal fällt das Aufstehen nicht ganz so schwer. Kurzes Frühstück und ab zum Flughafen. Es geht alles glatt. Unser Gepäck wird eher flüchtig kontrolliert. Wir fliegen mit der ersten Maschine gegen 7:00 Uhr. Es ist eine Twin Otter der Yeti Airlines.


            Morgenstimmung auf dem Flughafen in Nepalgunj


            Start

            Wir sind erleichtert, nicht noch einen Tag zu verlieren. Endlich kann das Trekking losgehen. Die Sicht auf dem Flug ist nicht sonderlich gut. Die Flugzeit beträgt etwa 50 Minuten. Als die Wolken aufreißen , können wir die Landepiste von Simikot sehen. Die Propellermaschine setzt hart auf der Schotterpiste auf. Bin froh, dass wir angekommen sind. Diese Sichtflüge im Himalaya sind nicht ohne.


            Blick auf Simikot und die Landepiste





            Simikot liegt auf 2910 m im Nordwesten Nepals und ist die wichtigste Siedlung im Humla. Wir suchen unser Gepäck zusammen und machen uns auf ins Dorf. In einem Innenhof eines Hauses erwartet uns unsere Begleitmannschaft. Wir packen kurz um für die heutige Trekking-Etappe. Der Hauptteil des Gepäcks wird auf Maulesel verladen. Es ist noch Zeit für eine Runde durch die Bergsiedlung. Häuser aus aufgeschichteten Steinen, aber mit Solarpanel, Frauen mit Nasenring, aber mit Handy, Läden in Schmuddelhütten, aber mit Nike-Turnschuhen.













            Nach einem Mittagsessen gehen wir los. In den nächsten Tagen folgen wir der Schlucht des Flusses Humla Karnali auf einem alten Handelsweg nach Tibet bis zur Grenze. Unsere Gruppe durchquert das Dorf und steigt an der Hangkante zu einem knapp 3200 Meter hohen Pass auf. Es öffnet sich das wunderschöne Tal des tief eingeschnittenen Gebirgsflusses. Die Flanken des Tales sind steil und steil sinkt unser Weg nach dem Pass tausend Höhenmeter in den Karnalikessel. Wo keine Terrassen mehr möglich sind, stockt Kiefernwald oder die Hänge zeugen von alten Lawinenabgängen. Darüber stehen Schneeberge. Im Laufe des Weges passieren wir viele Dörfer. Als wir fast den Fluss erreicht haben, verläuft der Weg mehr oder weniger höhenlinienparallel bis zu dem Dorf Dharapuri, an der Einmündung des Seitentales des Hekpa Khola. Grosse Nussbäume beschatten die alte Reisterrasse, auf der wir unser erstes Zeltlager errichten. Wir haben vier Stunden gebraucht.


















            Tag 6: Entlang des Humla Karnali nach Kermi

            Gegen 6:00 Uhr weckt uns unser Sherpa Santos mit einem Morgentee . Wir bleiben noch etwas in den Schlafsäcken liegen und schlürfen unseren Tee. Dann geht's ans Packen. Wir kommen frühzeitig los. Hinter der nächsten Ecke werden unsere Pässe kontrolliert. Die Angst vor den Maoisten, die vor kurzem diese Gegend beherrschten, ist noch groß. Es gibt etwas Diskussionsbedarf, denn wir sind offiziell bereits in Simikot ausgereist, man sagt uns, es gäbe keinen Grenzposten mehr vor China, was aber nicht stimmt. Wir folgen weiter dem Humla Karnali vorbei an Obstbäumen und Getreidefeldern. Meist hoch oben über dem rauschenden Fluss. Aber einmal kommen wir auf dem einst einzigen Verbindungsweg dieser Region nach Tibet auch bis zum Flussufer hinab. So geht es im stetigen Auf und Ab langsam insgesamt höher.











            Die Felder sind irgendwann nicht mehr abgeerntet. Wohl wegen der Meereshöhe ist das Getreide noch nicht reif. Die Anzahl der Reisfelder nimmt ab. An einer schluchtigen Stelle ist der Weg treppenförmig in den Fels gehauen. Mehrere Wasserfälle stürzen fein zerstäubt von den Wänden. Üppige Vegetation bildet sich dort aus, wo sie auftreffen.











            Die Dörfer werden spärlicher. Ein oder zwei Häuser sind es meist nur noch. In Kermi bekommen wir ein leckeres Mittagessen inmitten der noch grünen Weizenterrassen.













            Bald schon beginnt wieder feinnadeliger Kiefernwald, denn wir erreichen wieder die 3000-Meter-Grenze. Überall sind verbrannte Baumstümpfe und brandgerodete Farnflecken. „Die Maoisten haben alles angezündet“, erzählt unsere Reiseleiterin und noch viel mehr von den jüngsten und aktuellen politischen Verhältnissen. Wir kommen über den 3100 Meter hohen Pass Sali-La, an dem wir die ersten Mani-Mauern passieren. Nach einem Abstieg von etwa 500 m erreichen wir unseren nächsten Lagerplatz auf einer Lichtung im Wald, nahe des Sali Khola. Die Etappenaufteilung hat sich etwas verschoben, so dass wir jeden Tag etwas aufholen von dem Wartetag in Nepalgunj.










            Tag 7: Kloster Namkha Khyung Zong

            Das Wetter am Morgen ist eher regnerisch. Dunkle Wolken liegen über dem Wald. Seesäcke werden gepackt, Maultiere beladen, Zelte abgebrochen. Nach dem Frühstuck setzen wir das Trekking fort. Es geht zunächst per Brücke über den Sali Khola und durch Wald in das Flusstal des Karnali.





            Ein Sägewerk befindet sich unmittelbar am Wegesrand. Auf einem behelfsmäßig zusammengezimmerten Gestell liegt ein Baumstamm. Unter dem Stamm steht einer und darüber auch. Beide ziehen abwechselnd beidhändig eine Blattsäge entlang von vorgezeichneten Linien durch den Stamm, um Bretter oder Balken herauszuschneiden .



            Ziel des heutigen Tages ist das Kloster Namkha Khyung Zong, ein Rotmützenkloster. Auf einem Hang, inmitten von Pfirsich- und Mandelgärten steht das Kloster. Schon von weitem sieht den mit Gebetsfahnen geschmückten Tschörten vor dem Eingang.





            Auf dem Innenhof des Klosters herrscht reges Treiben. Die Mönche der Ningmaschule des Rotmützenklosters kommen gerade von der Rezitation und haben ihre Bücher im Arm. Unsere sehr kundige Reiseleiterin führt uns durch den Gebetsraum. Unter den neugierigen Blicken der Mönche baue ich mein Stativ auf und fotografiere die zahlreichen Wandmalereien am Eingang und im dunklen Innenraum.













            Wir verlassen das Kloster wieder und setzen unsere Wanderung fort. Nach einem weiteren Dorf (Yalbang ) rasten wir an einem Wasserfall. Man muss sich wirklich wundern, was unsere Kochmannschaft innerhalb kurzer Zeit so auf die Beine stellt. Es schmeckt einfach hervorragend. Danach weiterzuwandern fällt einem gar nicht so leicht. Wir folgen weiterhin dem Lauf des Karnali in ständigen Auf- und Abstieg. Schließlich überqueren wir eine lange Hängebrücke und gelangen zu unserem Zeltplatz direkt am Fluss.



















            Fortsetzung folgt.
            Gruß Walter
            Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür...
            Bruce Chatwin: In Patagonien

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            • berniehh
              Fuchs
              • 31.01.2011
              • 1784

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach L

              Eine super Gegend ist das und phantastische Fotos hast du gemacht

              in welcher Jahreszeit habt ihr die Tour gemacht? Oder habe ich das irgendwo überlesen??
              www.trekking.magix.net

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              • ViviKimi
                Gerne im Forum
                • 22.03.2013
                • 69

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach L

                Einfach nur WOW!
                Freue mich schon auf die Fortsetzung!

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                • BlackDaytona
                  Anfänger im Forum
                  • 09.11.2005
                  • 41

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach L

                  Danke soweit. Freut mich, dass die Bilder gefallen.
                  Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
                  Eine super Gegend ist das und phantastische Fotos hast du gemacht

                  in welcher Jahreszeit habt ihr die Tour gemacht? Oder habe ich das irgendwo überlesen??
                  @berniehh
                  Wir waren Mitte Mai bis Mitte Juni 2007 unterwegs, 32 Tage genauer gesagt.

                  Walter
                  Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür...
                  Bruce Chatwin: In Patagonien

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                  • BlackDaytona
                    Anfänger im Forum
                    • 09.11.2005
                    • 41

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash u.durch den Changthang n. Lhasa

                    Tag 8: Palbang

                    Wir steigen steil aus dem Karnalital nach Muchu, einer winzigen Siedlung, von den Maoisten 2003 zerstört, heute letzte Grenzstation, in der unser Trekking-Permit und unsere Ausreisestempel kontrolliert werden.





                    Ziegenherden kommen von China, tragen kleine Rucksäckchen (acht Kilogramm pro Seite) mit Salz aus Tibets Salzpfannen. Wir wechseln ins tief eingeschnittene Tal des Bumadscharya-Khola, weil der Karnali aus einer unpassierbaren Schlucht herauskommt, die kaum einsehbar ist und dunkel und unheimlich anmutet. Ein staubiger Weg über einen alten Moränenrücken führt uns vierhundert Höhenmeter hinauf. Die Sonne sticht heiß, aber der Schweiß rinnt nicht. Die Luft, wie auch die Landschaft sind vollkommen trocken.







                    Nur noch vereinzelte Bäume gibt es: Nadelbäume schaffen es auf den Nordost-Hängen bis über 4000 Meter, allerdings in lockerem Verbund. Siedlungen finden wir kaum mehr, aber viele Karawanen aus Richtung Tibet kommen uns entgegen. Salz, Reis und alles billige China-Zeug, das das Leben angenehmer macht. Am Steinhaufen (Lhatse) mit Mani-Mauer und Gebetsfahnenstange ist Schluss mit der Aufwärtskeulerei. Pause, Ausblick genießen.





                    Jetzt verläuft der Weg noch eine Stunde höhenlinienparallel bis zu unserem herrlich gelegenen Lagerplatz beim Gehöft Palbang (3380 m), bei dem bereits geschäftiges Treiben herrscht. Auch unsere Begleitmannschaft ist schon beim Zelte abladen und Seesäcke verteilen. Frauen bieten uns Cola-Dosen zum Kauf und ich genehmige mir eine.










                    Tag 9: Unterwegs zum Nara Lagna-Pass

                    Die Sonne will sich an diesem Morgen nicht zeigen. Es ist sehr diesig bei unserem Abmarsch. Heute erwartet uns ein Aufstieg von 800 m. Bald nach dem Start fängt es an zu schneien. Erst nur ein bisschen, dass es uns wegen der Abwechslung freut, dann aber immer mehr. Schließlich erreichen wir ein paar Hütten, in und bei denen sich die Menschen vor dem Wetter verstecken. Es ist mittlerweile auch so nebelig, dass wir nur noch den sauber aus dem Hang gefrästen Weg erkennen können und hier und da eine Reisegesellschaft, begleitet von kleinen Menschen in zerrissenen Turnschuhen und Plastiktüten auf dem Kopf. Ich schwitze unter dem Regenponcho vor mich hin.





                    Eine Hütte, mehr einem Unterstand ähnlich, als dem überdachten Schutzraum, den sie darstellt, taucht aus dem Nebel auf. Es ist ein roher Steinverschlag, mit Plastikplanen gedeckt, welcher unser Lunch-Platz sein soll. Auf einer Feuerstelle, zwei zusammen geschobenen Steinen, wird Wacholder verbrannt. Sofort entsteht eine vertraute, behagliche Stimmung. Wir suchen Schutz in der Hütte, die schon dicht bevölkert ist. Unsere Begleitmannschaft hat trotz der widrigen Umstände bald einen heißen Lemon juice und Tee fertig. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung.







                    Dann kommt die Nachricht: Die Pferdetreiber, die unser Gepäck transportieren, wollen nicht weiter. Kein Schlafplatz weiter oben. Der Pass ist bei diesen Verhältnissen nicht zu schaffen. Also erst mal Zelte aufbauen. Nach dem Essen verkriechen wir uns dann in die Schlafsäcke. Leise knisternd rieselt der Schnee auf die Leinwand. Unsere Sherpas (der Kern der Begleitmannschaft besteht aus Sherpas, die Anderen sind Botias) schütteln regelmäßig den Schnee vom Dach. Wir sind 3920 Meter hoch. Es schneit den ganzen Nachmittag, ca. zehn Zentimeter. Wir liegen im Schlafsack und spielen Schiffe versenken. Abends, es ist schon dunkel, sitzen wir beim Abendessen im Esszelt. Plötzlich der Ruf von Santos, dem Sirdar: Es hat aufgerissen. Ein heller Mond strahlt vom klaren Himmel.




                    Tag 10: Die Passüberquerung und die Grenze nach Tibet

                    Morgens schneit es wieder. Unermüdlich wird schon wieder early morning tea angeboten. Im Eiltempo werfen wir die Zelte zusammen – und sind schon außer Atem. Nur die nächsten dunklen Steine, die aus dem Schnee ragen, sind zu sehen. Eilig brechen wir nach einem Zitterfrühstück auf. Nachdem wir es gestern nicht mehr bis zu unserem geplanten Lagerplatz geschafft haben, liegen heute noch 600 Höhenmeter vor uns.



                    Santos spurt und findet den Weg, für mich ein Phänomen, denn es sind keinerlei Konturen zu erkennen. Unsere Truppe bleibt, trotz unseres großen Altersunterschiedes, erstaunlich eng zusammen. Ein paar steile Passagen fordern das Letzte meiner Kondition. Wie ich so vor mich hin stapfe, überholen uns Träger mit einem Korb, an der Stirn festgezurrt, darin zwei Packsäcke von uns. Sie sind in Turnschuhen und haben eine Plastiktüte auf dem Kopf. Die Pferde gehen im Schnee, aus Angst, sie könnten ausrutschen, nicht, so versucht’s die Begleitmannschaft wohl ohne Pferde. In Passnähe hilft Rückenwind. Dann ist er erreicht, der Pass Nara Lagna, 4580 Meter über dem Meer.



                    Es fegt ein heftiger Wind über dem Lhatse und den Gebetsfahnen, die sich vereist, steif und waagrecht in den Raum recken. Nur schnell absteigen. Da kommt uns wieder eine Gruppe Händler mit Pferden entgegen. Freundlich grüßen die dunklen, dürftig eingemummten Gestalten. Je weiter wir auf dem in den steilen Fels gemeißelten Weg tiefer kommen, desto mehr Karawanen kommen uns entgegen, desto weniger werden die Schneewehen.







                    An einem großen Steinhaufen, wohl wieder ein Lhatse, essen wir ein paar Brocken aus unserem Lunchpaket, das uns die treusorgenden Sherpas heute Morgen noch zugesteckt haben. Dann folgt der weite Blick auf den Humla Karnali, der hier wieder aus seiner Schlucht herauskommt, bzw. in sie hinein fließt, in seinem rötlich trockenen Tal in der Tiefe. Eigentlich hätten wir vom Pass aus den Saipal, den höchsten Gipfel des gleichnamigen Gebirgsteils sehen sollen, aber der Ausblick in das Karnalital und auf die tibetische Hochebene entschädigt vollkommen. Darüber weiß verschneite Berge. Tibet!







                    Wir wandern in den Taleinschnitt, hinab zum Dorf Hilsa, das auf einer Terrasse über dem brodelnden Fluss liegt. Dort warten wir im eiskalten Wind auf die Organisation unseres Gepäcks, die ins Stocken geriet, weil die Pferde im Tiefschnee nicht über den Pass zu bewegen waren. Die Begleitmannschaft hat es tatsächlich geschafft, auch die schweren Seesäcke über den Pass zu schleppen. Als es vollständig ist, geht es darum, unsere persönliche Ausrüstung, über die riesige Hängebrücke zu transportieren. Das Dorf will sich etwas dazuverdienen. Nur für das Tragen über die Brücke sehen wir das nicht ein. Es müsste schon bis zu dem chinesischen Grenzposten Sher etwa 200 Höhenmeter über dem Fluss sein. Das aber ist unter der Würde des Grenzortes. Aggressiv bauen sich die Frauen des Dorfes vor uns auf. Unsere Reiseleiterin beschwichtigt, was ihr auch gelingt. Wir tragen unsere Säcke selbst über die ellenlange, schwankende Stahlkonstruktion und den schäumenden Karnali, der hier gleichzeitig die Grenze zu Tibet, respektive China bildet. Auf einem kleinen Plateau liegt die chinesische Grenzstation.









                    Die uniformierten, bestimmt strafversetzten chinesischen Grenzbeamten in Turnschuhen machen in ihrem gewichtigen Outfit einen lustigen Eindruck. Wir müssen uns brav hinsetzen, während unser Pass und unser Visum kontrolliert werden. Das Gepäck wird nach Bildern des Dalai Lama durchsucht, die einzuführen streng verboten ist. Mit einem LKW der Grenzstation fahren wir auf staubiger Piste bis zu einem Felssturz, der die Straße verschüttet hat.



                    Auf seiner anderen Seite warten die Landrover, die für unsere Gruppe bestimmt sind. Sie werden uns die nächsten Wochen begleiten und mit ihnen ihre Fahrer. Von unserer nepalesischen Begleitmannschaft bleibt uns der harte Kern, Santos der Sirdar, der Chef der Truppe, und die Küchenmannschaft erhalten. Wir fahren das Karnalital entlang bis zu der ersten chinesischen Stadt Taklakot, tibetisch Purang. Das wilde Tal vermittelt schon einen ersten Eindruck von Tibet, wie ich es mir vorstelle: Gewaltige Erosionslandschaften, überragt von einer verschneiten Hochgebirgskette, akkurat angeordnete Ortschaften und Bewässerungsfeldbau. In Taklakot beziehen wir unser Hotel Peacock, ein Betonbunker ohne Duschen.





                    Waschschüsseln für eine Etage, die am Flur aufgestellt sind, müssen unser Bedürfnis nach Sauberkeit befriedigen. Wir gehen ins Restaurant gegenüber original chinesisch essen. Auf einer Drehscheibe in der Mitte des runden Tisches stehen die Speisen, die wir versuchen mit den Essstäbchen zu angeln. Als wir zurückgehen ist es schon dunkel. Nichts ist mehr los und kaum eine trübe Laterne brennt in dem gottverlassenen Ort.


                    Tag 11: Taklakot (Purang)

                    Die Toiletten in unserem Hotel sind eine Sensation. Drei Löcher im Boden sind nur mit halbhohen Trennwänden abgeteilt. Die Benutzung ist nur mit angehaltener Luft möglich. Das Toilettenpapier, das man selbst mitbringen muss, kommt in einen Eimer daneben, der schon überquillt. Gespült wird mit einer Schöpfkelle aus dem Wassereimer im Raum nebenan. Und dabei soll dies noch eine schöne Variante chinesischer Aborte sein. Immerhin haben wir gut geschlafen, waschen uns notdürftig in einer Schüssel am Zimmer – mit heißem Wasser, das wir in Thermoskannen an der Rezeption bekommen. Das Wasser wird anschliessend aus dem Fenster gekippt. Die Rezeption ist das Kabuff, wo junge Chinesinnen versuchen, den Betrieb irgendwie aufrecht zu halten. Der Ausblick vom Hoteldach ist dafür umwerfend. Weiß verschneite Berge ringsum, im Vordergrund allerdings hässliche chinesische Einheitsarchitektur.



                    Wir gehen gegenüber in unser Restaurant von gestern zum Frühstücken. Beim grünen Tee muss man erst warten, bis sich die darin schwimmenden Blätter abgesetzt haben, bevor wir ihn trinken können. Dazu gibt es allerlei leckere, schmackhafte Sachen, z.B. hackfleischgefüllte Bällchen, die wohl überall auf der Welt Momos heißen. Wir essen mit Stäbchen (für Fortgeschrittene), sonst kriegen wir auch einen Löffel, vor allem für die Reissuppe, die wir mit gesalzenen Erdnüssen verfeinern. In der Bank of China tauschen wir Dollar in Yüan. Es dauert ewig. Die arme Angestellte zählt alle Scheine dreifach, denn sie ist selbst für den Kassenbestand verantwortlich. Jede Transaktion muss sie sich von ihrer Vorgesetzten bestätigen lassen. Wofür? Wenn sie doch selbst verantwortlich ist? Das Umrechnen unterschiedlicher Dollarbeträge ist eine echte Herausforderung. Was müssen wir auch alle verschiedene Beträge wollen, es wäre doch viel einfacher, hätten wir alle die gleichen Bedürfnisse, wie für China, so scheint’s, verordnet. Aber wir haben Zeit. Die Sherpas sind mit den Zelten, die gestern nicht mehr über den Pass kamen, noch nicht da und Norbu, der coolste unter den Fahrern, ist gefahren, sie zu suchen.







                    Wir treiben uns in dem öden Ort herum, sitzen schließlich in der heruntergekommenen Hotellobby, wo ständig mit vorsintflutlichen Besen herumgekehrt, aber nichts sauber wird. Wir erfahren, dass es heute nichts mehr wird mit den Zelten, so hängen wir den Rest des Tages in der Stadt herum (die Neuentdeckung der Langsamkeit), gehen eine köstliche Suppe essen, schauen uns China gegen Kuba im Damenvolleyball im Fernsehen am Zimmer (!) an und schlafen eine Runde.













                    Gegen sieben kommen Serku, Santos und Norbu mit dem Gepäck, das sie im Schneesturm mit Yaks über den Pass geschafft haben. Respekt diesem kleinen, immer lachenden Mann Santos! Und plötzlich ist wieder alles glücklich, nachdem wir den ganzen Tag etwas blass vor uns hin geschaut hatten. Abendessenabenteuer, jetzt schon ganz normal mit Stäbchen. Wir bleiben noch eine Nacht hier.




                    Tag 12: See Manasarovar

                    Wir gehen Reissuppe und Momos frühstücken, fahren dann mit unserem Laster und den drei Jeeps zum Zoll, wo unser Gepäck durchwühlt wird. Das geht schneller als gedacht. Wir starten Richtung See Manasarovar. Gleich hinter der Stadtgrenze erwartet uns die gigantische Erosionslandschaft des Karnali, den wir jedoch in der ersten typisch tibetischen Ortschaft verlassen. Tschörten, Mani-Mauern und Haus-Kuben stehen in einer Landschaft, die nicht ihresgleichen hat. Am Horizont leuchtet die weißblaue Schneegebirgskette des Himalaya über einer gelbbraunen Schotterschicht, die tief einerodiert ist. Seitengerinne bilden eine unglaubliche Strukturvielfalt.









                    Wir fahren auf den Gurla-La, einen Pass mit etwa 4600 Metern Höhe, an der Schmalseite der Gurla Mandata (7728m) vorbei, leider von Wolken verhüllt. Auf der Passhöhe, auf der natürlich ein Packen Gebetsfahnen flattert, sieht man zum ersten Mal den Kailash herausspitzen. Und dann kommt’s: Vor uns liegt der Rakshastal (Tal = See) auch Mondsee genannt mit dem Kailash darüber als Horizontbildner.







                    Der See Manasarovar ist einer der heiligen Pilgerziele der Tibeter. Er ist der höchste Süßwassersee der Welt (4558 m), seine Ausdehnung (330 qkm Fläche) entspricht ungefähr der Ausdehnung des Gardasees, die Tiefe gab Sven Hedin mit 81,8 m an. Der eher runde See wird mir der Sonne verglichen. Nach hinduistischem Glauben hat Brahma den Manasarovar-See für die rituelle Reinigung geschaffen. Jede Person, die darin ein Bad nimmt, geht in Brahmas Paradies ein; wer davon trinkt, dem werden die Vergehen von 100 Leben vergeben.



                    Wir fahren zum Manasarovar hinunter, am tiefblauen See entlang, zur Trugo Gompa. Gompas erkennt man daran, dass ihre Gebäudekonturen rot eingerahmt sind. Über ihrem Eingang prangt golden das Rad der Weisheit mit acht Speichen, Symbol für den achtfachen buddhistischen Weg, die Weisheit zu erlangen. Es wird von zwei Gazellen flankiert, die Tiere des Waldes Buddha, damals noch Siddhartha, als Erstes bei seinen Predigten zuhörten. Norbu zeigt auf eine Muscheltrompete, der Stimme Buddhas, mit der ein Mönch jeden Morgen zum Gebet ruft. Wir machen am Seeufer Mittag, mit Momos und einer Wolke aus Mücken. Am Nachmittag besuchen wir noch zwei Gompas, die natürlich in diesem heiligen Flecken Erde in großer Dichte auftreten, zunächst die Gössül Gompa, in der Sven Hedin seinen Lebensabend verbringen wollte. In ihrem Inneren sind hier und nur hier Taikinis, eine Sammlung der Totengeister abgebildet. Es riecht intensiv nach Räucherstäbchen und glimmenden Wacholder. Der Raum ist von duftenden Rauchschwaden erfüllt. Vor der Vogelnest- oder Chiu Gompa werden Tsa tsas hergestellt, kleine symbolhafte Figürchen oder Kuchen zum Hinterlegen in einem Tsa tsa-Häuschen, ähnlich wie der Ritus um eine Opferkerze. Radnasambhava hat hier meditiert, zu sehen in einer winzigen Höhle mit seinem magischen Fußabdruck. Acht Klöster, wie die acht Speichen oder der acht-fache Weg lagen vor der Kulturrevolution der Chinesen um den heiligen See Manasarovar. Die noch erhaltenen oder wieder aufgebauten liegen malerisch exponiert auf Felsen hoch über dem See oder direkt am Ufer.



































                    Schließlich fahren wir zu unserm Übernachtungsplatz in 4550 Meter Höhe direkt am See Manasarovar.





                    Fortsetzung folgt.

                    Gruß Walter
                    Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür...
                    Bruce Chatwin: In Patagonien

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                    • Julia
                      Fuchs
                      • 08.01.2004
                      • 1384

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach L

                      Oh wow!

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                      • BlackDaytona
                        Anfänger im Forum
                        • 09.11.2005
                        • 41

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash u.durch den Changthang n.Lhasa

                        Tag 13: Darchen

                        Wir fahren los von unserem schönen Platz im Schatten der Chiu Gompa durch diese grandiose Landschaft vor der Himalaya-Kette, deren letzter Vorposten die Gurla Mandata ist, zum Transhimalaya, direkt auf den Kailash zu. An seinem Fuß liegt das Dorf Darchen.



                        Unsere Reiseleiterin hat einige organisatorische Dinge zu erledigen, so dass wir einige Stunden Zeit haben, durch den Ort zu streifen. Viel gibt es allerdings nicht zu sehen. Ferdinand wird fast von einem Hund gebissen . Wahrscheinlich sind wir seinem Revier zu nahe gekommen, was nicht so leicht zu erkennen ist in diesen staubigen Strassen. Wir wandern zu einem weißen Tschörten und beobachten die Pilger. Viele Tibeter drehen, Gebetsmühlen spulend, ihre Runden. „Om mani padme hum“, „Om mani padme hum“ murmeln sie monoton fortwährend und zählen nach jeder Khora eine Perle ihrer Gebetsschnur ab.









                        Gleich in der Nähe ist in einem Kloster die Kailash-Bibliothek untergebracht. Es gehört gleichzeitig zu einer Medizinschule für traditionelle tibetische Heilkunst. Wir sehen Körbe mit zusammengerollten Kräuterkügelchen im Vorhof der Gompa. Wir gehen entlang einer anderen endlosen Mani-Mauer mit zahlreichen, aufgeschichteten Tierschädeln, oft mit eingravierten Gebetsformeln, zurück ins untere Dorf und ein bisschen durch die schmuddeligen Gassen.





                        Zu sechst starten wir die Kailash-Khora, während der Rest, mehr oder weniger gesundheitlich angeschlagen, mit den Jeeps zum ersten Zeltplatz fährt. Wir besuchen zunächst noch das Krankenhaus, in dem es für Pilger kostenlose medizinische Behandlung auf traditionelle Art gibt. Wie Bibliothek und Medizinschule ein Schweizer Projekt. Viele Pilger, mit oder ohne Pferd, kommen uns entgegen. Manche überholen wir. Das sind die, die mit ihrer Körperlänge den Weg ausmessen: Flach am Bauch liegen → Aufstehen, mit dem Füssen zu den Fingerspitzen → Drei Schritte vorwärts gehen, beim ersten die Hände über dem Kopf gefaltet, beim zweiten vor der Brust und beim dritten zum Boden zeigend → Niederwerfung. Sie sind von Staub bedeckt, die Frauen mit zahlreichen Schmuckstücken behangen, Ringe aller Größen an allen dafür in Frage kommenden Körperstellen. Ketten, Piercings. Die Khora um den Kailash in Form dieser Niederwerfungen dauert drei bis vier Wochen .





                        Beim Eingang zum Latchu-Tal, hat man den ersten Blickkontakt zum Kailash. Der Platz ist mit vielen Gebetsfahnen gekennzeichnet.







                        Über eine weite Ebene erreichen wir unseren Lagerplatz, direkt beim Platz für das Saga-Dawa-Fest, das wir morgen besuchen wollen. Das ganze Tal ist voller Zelte. Eifrige Vorbereitungsstimmung herrscht. Wir gehen durch den Eingangstschörten der Khora. Dann verkriechen wir uns ins Zelt, denn eine Schneeschauer fegt über das Lager hinweg und überzieht die uns umgebenden Berge, aus denen der Kailash mit weißer Haube hervorsticht. Der Lagerplatz liegt auf 4700 m Höhe.


                        Tag 14: Saga-Dawa-Fest

                        Die vergangene Nacht ist bisher sicherlich eine der kältesten gewesen, etwa -10°C. Mein Wassersack ist eingefroren und meine Mütze weiß von Reif. Die ganze Nacht hat sich ein Rudel von etwa 20 Hunden um die Zelte getrieben. Wenn man Nachts aus dem Zelt musste, war man gut beraten, ein paar Steine dabeizuhaben. Nach dem Morgentee geht es gleich ans Packen. Heute Mittag nach dem Besuch des Saga-Dawa-Festes soll es direkt losgehen mit der Kailash-Umrundung. Unsere Reiseleiterin hatte in Darchen Träger geordert, da für die Yaks der Weg über den Pass wohl nicht ungefährlich war wegen der Schneehöhe dort.





                        Nach dem Frühstück ziehen wir zum Festplatz hoch. Das Wetter kann besser nicht sein. Das Saga-Dawa-Fest findet am 15. Tag des vierten Monats des Tibetischen Kalenders statt. Es ist der Tag, am dem drei Ereignisse zusammenfallen: Geburt, Tod und Erleuchtung von Buddha. Spätestens jetzt wird uns wieder warm, denn die Sonne ist in unserem Kälteloch angekommen, auch müssen wir zum Festplatz etwas den Berg hinauf. Langsam ersteigen wir den Hügel, hinter dem schon tief tönende, sonore Hörner, dumpfe Trommeln und lang anhaltende Flötentöne zu hören sind. Eine Art „Maibaum“ wird aufgestellt, der Tarboche-Fahnenmast, Sinnbild für die Weltenachse. Er wird mit Seilen verspannt, an denen dicht an dicht Gebetsfahnen wehen, denn es ist das Ziel und Bestreben der Gläubigen aus ganz Tibet und das bedeutet oft monatelange Wanderungen im Vorfeld des Festes, dass der Mast möglichst perfekt aufrecht steht. Wir kommen gerade dazu, als eine Prozession mit Mönchen an der Spitze sich auf den Weg macht, den Mast zu segnen. Gedränge, Geschubse. Jeder will den besten Platz, um von der Segnung auch etwas abzukriegen. Kleine Chinesen mit riesigen Militärmützen drängen die Menge mit Schlagstöcken zurück.













                        Sie scheuchen die Menschen auch hinter einen Kreis, der eine Khora um den Mast beschreibt, schon um etwas Ordnung und Disziplin in die Veranstaltung zu bringen, Eigenschaften die den Tibetern zumindest heute fremd sind. Sie scheinen es eher gelassen zu sehen und mehr oder weniger stoisch hinzunehmen. Noch liegt der Mast danieder. Viele der farbenfrohen, das sind die Pilger aus Amdo, gebetsmühlendrehenden, fotogenen Menschen wandern in endloser Schlange Khora um Khora um den Mast. Im Idealfall 108 mal.

















                        Der Festplatz ist fantastisch farbenprächtig gespickt mit flatternden Gebetsfahnen, wie auch die ganze Umgebung. Sie fliegen vor der Kulisse des Kailash im Wind. Wir bewegen uns in und mit der Menge und fotografieren ausgiebig.









                        Die Händlerinnen verkaufen alte Kunst- und Gebrauchsgegenstände aus Tibet und dem Buddhismus und solche die wie alt aussehen: Gebetsmühlen, Gebetsfahnen, Ketten, Schmuck Windpferde… Windpferde sind Päckchen von spielkartengroßen Zettelchen, auf denen Gebete gedruckt sind.







                        Dazwischen findet jetzt die Segnungszeremonie der in Rot und Gelb herausgeputzten Priestermönche und Lamas statt. Jeder kann hinkommen und sich zu Horn- und Trommelklang eine Schriftrolle auflegen lassen. Dies findet ohne besonders eingerichteten Bereich einfach am freien Feld statt, ist wohl jedoch der Höhepunkt der Pilgerreise, vielleicht sogar des Lebens der Gläubigen. Sie sind somit auch ganz konzentriert, verinnerlicht und haben scheinbar keine konkrete Wahrnehmung ihrer äußeren Umwelt mehr.







                        Zeitlich parallel dazu wird Hand an den Tarboche gelegt. Ruck für Ruck wird er aufgerichtet. Leider müssen wir ins Lager zurück, denn wir wollen heute noch die Khora um den Kailash fortsetzen. Aber daraus wird nichts, wie wir am Lagerplatz erfahren. Weder Träger noch Yaks sind zu kriegen, die uns begleiten könnten. Die Männer die nötig wären, sind aufgrund des Chang-Genusses außer Stande auch noch eine anstrengende Wanderung zu beginnen. Chang ist das lokale Bier, das natürlich in Strömen fließt. Also gehen wir noch mal zum Fest. In dem Meer von Gebetsfahnen steht der Mast schon beträchtlich aufrecht. Ein großes Getöne aus tausend Kehlen hebt an. Ein LKW zieht zum finalen Schubs den Baum unromantisch in die Senkrechte. Das Volksfest ist abrupt zu Ende. Alles strömt auseinander. Der Platz bleibt wie ein großes Schlachtfeld zurück. Unmengen von Windpferd-Zettelchen, die der Wind lautlos weiter bläst. Wir bleiben also noch eine Nacht hier.







                        Auf einem exponierten, hervorstehenden Felsen über dem Festplatz ist der Idealort in der Landschaft für das Totenritual. Auf dem felsigen Untergrund werden die Leichen der Verstorbenen zerstückelt. Dazu sind spezielle Menschen, sie heißen Ragjag Pas, ausersehen, deren Beruf es ist, die Toten kleinzuhacken und den Tieren vorzuwerfen. Der verstorbene Körper soll auch nach dem irdischen Tod noch eine Funktion im Lebenskreislauf haben. Ein praktischer Grund ist Holzmangel für Verbrennungen und der gefrorene Boden für Begrabungen. Die Seele hat den Körper längst verlassen und ist auf dem Weg zur Wiedergeburt, ein Weg der, auch das ist Sinn der Khora, auf der Umrundung des Kailash nachempfunden wird. Wir sehen ein paar Rippen und Kleidungsstücke herumliegen. Viele kleine Steinmännchen, teilweise angezogen, versinnbildlichen die Bedeutung des Ortes. Natürlich ist er auch mit Gebetsfahnen ausgestattet. Man hat von dieser plateauartigen Felsbastion einen hervorragenden Ausblick und Überblick in die Gegend, das Latchutal und die Ebene zwischen Himalaya und Transhimalaya. Ein Lama hält gerade eine Zeremonie ab, von der wir aber die Bedeutung nicht ergründen können. Tibeter liegen bewegungslos herum und lauschen seinen Muschel-, Trompeten- und Trommelklängen. Dazu ergeht er sich in einem monotonen Singsang der einschläfernd wirkt, was manche der Leblosen auch tun.











                        Wir steigen ab, weil Ferdinand und ich, wir waren allein beim Totenplatz, noch eine Wanderung zur Nyanri Gompa mit den Anderen unserer Reisegruppe unternehmen wollen. Nachdenklich gehen wir ins Tal hinunter und noch langsamer, diesmal wegen der Meereshöhe, gehen wir die hundert Höhenmeter zu dem adlerhorstmäßig am Felsen klebenden Kloster hinauf. Zahlreiche Tibeter, wenige Touristen, sind mit uns. Solche Aufstiege strengen immer noch an . Wir setzen uns erst mal. Herrlich ist der Blick mit den Mauern der Gompa im Vordergrund und dem Kailash im Hintergrund, der sich völlig klar und mit sanfter Schneeauflage, präsentiert.











                        Fortsetzung folgt.
                        Gruß Walter
                        Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür...
                        Bruce Chatwin: In Patagonien

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                        • berniehh
                          Fuchs
                          • 31.01.2011
                          • 1784

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach L

                          wie ich vorher schon schrieb ist dies ein sehr lesenswerter Bericht mit einmaligen Fotos
                          Die Landschaft und Kultur ist wirklich grandios, das erhöht die Vorfreude auf meine eigene Nepalreise

                          Ich hätte aber nicht gedacht daß man da auf der tibetischen Seite durch so viel Zivilisation kommt (moderne Plattenbauten, LKW-Pisten usw) Selbst bei den Camps am Kailash sieht man ja überall LKW´s und Geländewagen rumstehen. Wandert man da auf der tibetischen Seite nur auf Pisten, oder täuschen die Fotos?
                          Zuletzt geändert von berniehh; 07.03.2014, 07:30.
                          www.trekking.magix.net

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                          • BlackDaytona
                            Anfänger im Forum
                            • 09.11.2005
                            • 41

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach L

                            Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
                            wie ich vorher schon schrieb ist dies ein sehr lesenswerter Bericht mit einmaligen Fotos
                            Die Landschaft und Kultur ist wirklich grandios, das erhöht die Vorfreude auf meine eigene Nepalreise

                            Ich hätte aber nicht gedacht daß man da auf der tibetischen Seite durch so viel Zivilisation kommt (moderne Plattenbauten, LKW-Pisten usw) Selbst bei den Camps am Kailash sieht man ja überall LKW´s und Geländewagen rumstehen. Wandert man da auf der tibetischen Seite nur auf Pisten, oder täuschen die Fotos?
                            Also die Bevölkerungsdichte in Westtibet ist 1 Einwohner auf 10 km², die Orte Purang und Darchen sind Dörfer.
                            Am Kailash waren halt wegen dem Saga-Dawa-Fest ne Menge Pilger aus den umliegenden Ländern, die reisen dann auch mit Jeeps oder LKW's an. Die meisten Straßen in Westtibet sind nicht geteert.
                            Nach der Himalaya-Überquerung haben wir uns in Tibet mit drei Jeeps und einem LKW bewegt, abgesehen von der 3-Tage Khora um den Kailash.
                            Hier der Maximalausbau :



                            Ohne fahrbaren Untersatz dürfte das Reisen in Tibet sehr langwierig sein, soll heißen mit 40 kg Rucksack und zu Fuß schwierig , mal abgesehen von den notwendigen Permits.
                            Nepal ist da schon einfacher für's individuelle Trekking, allerdings kenn ich da auch nur die Nationalparks vom Everest und Manaslu.

                            Gruß Walter
                            Zuletzt geändert von BlackDaytona; 07.03.2014, 19:06.
                            Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür...
                            Bruce Chatwin: In Patagonien

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                            • ViviKimi
                              Gerne im Forum
                              • 22.03.2013
                              • 69

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach L

                              Herzlichen Dank für diesen tollen Bericht.
                              Wahnsinns Fotos.
                              Etwas ganz besonderes!!

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                              • BlackDaytona
                                Anfänger im Forum
                                • 09.11.2005
                                • 41

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash u.durch den Changthang n.Lhasa

                                Tag 15: Die Kailash-Umrundung beginnt

                                Die Nacht war Vollmond und sternenklar. Der Bach ist morgens wieder gefroren. Gegen 8 Uhr ist Wecken mit Morgentee. Unsere Yaks sollen gegen Mittag am Zeltplatz sein. Nach dem Frühstück starten wir unsere Etappe. Die Sonne erreicht unseren Zeltplatz. Noch liegt das Tal des Lha Chu im Schatten.





                                So langsam setze ich mich von der Gruppe ab. Es geht eher gemächlich das Tal entlang mit einigen wenigen Steigungen. Schließlich erreiche ich den vereinbarten Lunchtreff mit einigen Zelten. Nach etwa einer Stunde taucht der Rest der Gruppe auf und wir essen noch eine superscharfe, chinesische Instantsuppe mit Glasnudeln in einem der Zelte.








                                Die Westseite des Kailash

                                Wir setzen unsere Wanderung fort. Die Steigungen mehren sich. Unser zweites Camp wird auf etwa 4900 m liegen. Schließlich bin ich wieder so weit vorne, dass ich an der Diraphuk Gompa warte. Beim Fotografieren entdecke ich unsere Yaks und schließe mich ihnen an bis zu unserem Camp. Unser Sherpa Santos wartet schon. Er war schon gestern vorgelaufen, um die Lage Richtung Pass zu erkunden. Ich helfe den Sherpas beim Zelte aufstellen. Nach dem Dritten brauche ich erst mal eine Pause, die Höhe setzt mir zu. Nach und nach trifft die restliche Gruppe ein. Einige haben Magenprobleme. Dies wird mit 4940 m unsere höchste Übernachtung auf der gesamten Tour. Mal sehen, ob es morgen alle packen, über den Pass zu kommen. Nach dem Abendessen gehe ich noch etwas zu den Yaks. Stolz führt unser Treiber mir seine Tiere vor.


















                                Tag 16: Der Dölma La Pass

                                Die Nacht ist klar und eiskalt. Die Yaks haben es sich zwischen den Zelten gemütlich gemacht. Während wir frühstücken und das Lager abbauen, strömen schon Pilger schon über das kleine Eisfeld, der sich neben unserem Lager befindet und den anschließenden Moränenhang hinauf. Wir starten noch im Morgenschatten des Kailash, dabei ist es schon neun Uhr. Wir haben etwa 600 m Auf- und 700 m Abstieg vor uns. Hinter Santos her, der einen stetigen und langsamen Schritt vorlegt. Wir queren den Gletscher und erklimmen bedächtig den Moränenhang. Der Weg ist nicht zu verfehlen, denn alles was Beine hat, zwei oder vier, benutzt ihn. Am Ende des Hanges erreicht uns die Sonne und wir den Totenacker. Jeder lässt auf dem fantastischen Platz gegenüber der herrlichen Nordflanke des Kailash etwas von sich zurück: Haare, Kleidungsstücke, Schuhe. Viele Steinmännchen sind regelrecht angezogen.







                                Die Yak-Karawanen holten uns ein. Der Weg zieht sich leicht ansteigend in ein Hochtal hinein, um dann steil aufwärts nach Südosten zu schwenken. Hier beginnt ein geschlossenes Schneefeld. Der Anstiegsweg zum Pass wird immer flacher. Schon glaubt man sein Ende bewältigt zu haben, da legt er sich noch einmal zurück und zeigt uns einen neuen Horizont auf. Doch dann sind wir oben. Wir haben den höchsten Punkt der Khora, den Dölma La erreicht. Der Pass ist 5600 Meter hoch.






                                Fahnenmehr am Dölma La auf 5600 m

                                Was hier abgeht, ist wie ein kleines Volksfest. Alle liegen sich in den Armen, jeder ist glücklich und voller Hochstimmung. Die skurrilsten Typen sind unterwegs: Dicke Inder aus der Tiefebene, die nur auf einem Pferd heraufgeschleift wurden, allerdings liegt dann der Verdienst fürs Kharma beim Pferd, magere kleine Tibeterinnen mit großen Säcken auf dem Rücken, die haben dann ihre ganze Ausrüstung für mehrere Runden und viele Tage dabei, coole Typen mit langen schwarzen Haaren und Sonnenbrille, Mönche im vollen Ornat, ein buntes, charmantes Völkchen. Alle möglichen Sprachen tönen durcheinander. Pasang, unser Koch, spendiert heißen Orangensaft. Als alle da sind, gruppieren wir uns natürlich zum Beweisfoto. Gegen 14 Uhr machten wir uns an den Abstieg. In herrlicher Berglandschaft wandern wir bis zu ein paar Zelten, dem Ort Shapje Dakthok, in denen es neben literweise Tee auch Dosencola gibt. Wir sind am oberen Ende des Zhong Chhu- Tales, des Osttales und haben in dem flachen U-Tal noch eine dreistündige Wanderung vor uns. Der Weg zieht sich elendig. Einmal sieht man zur Ostflanke des Kailash, aber dies ist nicht mehr spektakulär. Gegen 18 Uhr erreichen wir unseren Zeltplatz. Ein langer beeindruckender Tag geht zu Ende.




                                Tag 17: Ende der Khora und Kloster Thirapuri

                                Gleich nach dem Losgehen zu unserer letzten Khora-Etappe sehen wir Murmeltiere und Gämsen, oder etwas ähnliches. Die Tagesetappe wird eher kurz werden. Nach einer Stunde liegt die Zuthulphuk Gompa am Wegesrand. Das Kloster ist an der Stelle erbaut, an der Milarepas und Narubönchungs Höhle ist.







                                Unterwegs kommen wir an Felsen vorbei, die künstliche Mahlstellen aufweisen. Auch das Aushöhlen eines Steines bringt Kharma, Verdienste für das nächste Leben. Am Ausgang des Tales schneidet sich der Zhong Chhu noch einmal tief, schluchtartig ein. Die sandige Erde ist aufgrund der besonderen geologischen Situation durch Mineralien rot und gelb gefärbt.













                                Am Talausgang holen uns unsere Jeeps zur Weiterfahrt ab. Das Gepäck wird vom Rücken der Yaks auf die Geländefahrzeuge umgeschlagen. Wir vervollständigen die Khora, die letzten vier Kilometer, mit dem Jeep. Aber das macht gar nichts, erfahren wir im Nachhinein. Buddha würde nämlich nicht darauf bestehen, dass man die ganze Khora zu Fuß macht. Na dann.



                                Von Darchen aus fahren wir zwischen Himalaya und Transhimalaya auf kiesiger Piste in leicht welliger, brauner, kaum bewachsener Steppenlandschaft. Die Gurla Mandata strahlt fast wolkenlos am Horizont, wie andere Schneegipfel auch. Die unbefestigte Straße staubt im Windschatten unserer Fahrzeuge enorm. Jedes Mal, wenn uns ein Auto, oder noch schlimmer ein LKW, entgegenkommt, ist die Staubentwicklung so stark, dass wir die Fenster schließen und die Luft anhalten müssen. Wir sind mit Halstüchern als Mundschutz vermummt, die bald die Farbe der Steppe annehmen. Nur wenige Wasserläufe haben Brücken, wir müssen einige durchfahren. Durch diese typisch tibetische Landschaft kommen wir in ein trostloses: Moinsiere, genannt Menzi. Die Chinesen versuchen mit Einheitsplattenwohnungsbau die Nomaden anzusiedeln. Doch für sesshaftes Leben taugt diese Landschaft nicht, das erkennen wir schon beim ersten Kontakt. Keiner will die Häuser. Immerhin gibt es in den vermüllten Straßen Klopapier und Bier zu kaufen.
                                Von hier aus führt ein abenteuerlicher Feldweg nach Thirtapuri. Die Landschaft mutiert zur Halbwüste. Dann ist da der Sutlej der zweite, heilige Kailash-Fluss, dem wir begegnen. Das Kloster liegt an einem schönen Platz an seinem Ufer, am Ausgang eines Felsdurchbruches und in der Nähe von aktiven Thermalquellen. Das Rotmützenkloster ist Padmasambhava geweiht.









                                Schließlich erreichen wir unseren Übernachtungsplatz, gleich neben einem Straßenbaucamp, auf einem, von einem Caterpillar eben geschobenen Platz mit Müllhalde. Ein idyllisches Plätzchen im heißen Staub einer gnadenlosen Sonne auf immer noch 4500 Metern Höhe.


                                Tag 18: Sutley-Schlucht und Tsaparang

                                Wir verlassen unseren Müllplatz schleunigst. Kurze Zeit später erreichen wir eine Straßengabelung. Die Straße, in die wir einbiegen, ist nicht mehr als eine Fahrspur. Sie führt hinauf auf den etwa 5000 Meter hohen Pass Lalung La, in die Bergkette des Ayila Ri’gyü, einem Ausläufer des Garhwal-Himal.



                                Dieser Tag übertrifft alles, was ich bisher in Richtung Erosionslandschaft gesehen habe. Die Erde ist in unzähligen Farben abwechslungsreich bunt gestaltet. Später fahren wir mit 30km/h durch erodierte Seitentäler und erblicken die weiß funkelnde Hauptkette des Garhwal mit der alles überragenden Nanda Devi am Horizont.











                                Wir fahren bis zur Kante der Sutlej-Erosionslandschaft, der Sutlej-Schlucht. Wir warten auf die zwei anderen Landcruiser, die wohl weit zurück sind. Zeit diese immens beeindruckende Szenerie zu betrachten und zu fotografieren. Nach einer Weile vergeblichen Wartens wandern wir zu dritt auf der Straße in den Canyon hinunter. Norbu, einer der Guides, und ein Fahrer drehen mit unserem Jeep um und suchen den Rest der Truppe. Eine umwerfende Szenerie, dieser Canyon. Oft besteht die Straße nur aus knöcheltiefem Staub, so dass unsere Schritte wie aufplatschende Regentropfen wirken. Nach etwa einer Stunde holen uns die beiden ergebnislos ein.


                                Die Sutlej Schlucht







                                Wir müssen wohl oder übel nach Toling, der Stadt am Canyongrund, die ohnehin unser Ziel war, zumindest um Sprit zu holen. Je tiefer wir eindringen, desto spektakulärer wird die Erosionslandschaft. Wir bewegen uns mitten in einem Gewirr aus Lehmrippen und –türmchen. Eine Fahrt in wilder Landschaft. Trotz meiner Erfahrung in Erosionslandschaften, ist diese ein absolutes Highlight. Wir fahren hinunter bis zum weiten, sandigen Tal des Sutlej. Bald ist da die Oasenstadt Toling, die im Gegensatz zur gelbweißen Einheitslehmfarbe der Erosionsformen mit architektonisch glatten, rosa Fassaden aufwartet. Wir ziehen in einem Guesthouse an der Pracht- und einzigen Straße ein und machen uns frisch. Toling liegt recht tief, auf 3600 Metern, es herrscht heißes Wüstenklima. Per Handy kontakten wir die Vermissten. Es stellt sich heraus, sie sind schon in Tsaparang, irgendwie müssen sie uns überholt haben.



                                Wir fahren gleich hin. Die Straße führt am Rand der Sutlej-Schlucht entlang, an gigantischen Formationen aus Lehm/Ton vorbei. Der ehemalige Königssitz des Königreiches Guge thront auf einer Erosionebene, fast freistehend im Sutlejtal. Wirklich sehr ausdrucksstark. Vor 900 Jahren war dies ein blühendes buddhistisches Zentrum.







                                Um bis in den oberen Palast zu kommen müssen wir 300 Höhenmeter über Stufen und durch Gänge erklimmen. Die Tempel sind weiß und rot angestrichen, wurden bei der Kulturrevolution schwer beschädigt und nicht mehr aufgebaut. Vielleicht bringen touristische Interessen ein Umdenken bei den Chinesen in Gang. Die alte tibetische oder gugesche Kultur und Form wird das freilich nicht mehr zurückbringen können. Den Megafiguren in der riesigen Halle des weißen, ebenso des roten Tempels zum Beispiel wurden die Bäuche aufgeschlitzt, weil die ignoranten Chinesen nach materiellen Schätzen suchten. Es sieht verheerend aus. Fotografieren in der Halle ist leider verboten .











                                Die umgebende Erosionslandschaft integriert die Anlage und verstärkt ihre Wirkung.










                                Tag 19: Fahrt nach Ali

                                Wir haben in dem Guesthouse „Be Hei Hotel“ übernachtet. Angenehm mal wieder ein Bett zu haben. Dass wir uns in einer Schüssel am Zimmer waschen müssen und das Abwasser einfach aus dem Fenster kippen, daran sind wir schon gewöhnt. Aber an die Toiletten hier kann man sich einfach nicht gewöhnen. Wir gehen zum benachbarten Chinesen frühstücken. Reissuppe aber auch Momos. Am Ende der Ortschaft ist in einer großen Kaserne die chinesische Staatsmacht präsent. Stocksteife Soldaten marschieren im Verband laut schreiend durch die Straße und machen kleine Übungen.
                                Schließlich fahren wir los, erst durch ein langes Seitental, durchmessen die Erosionszone und stoßen auf das Hochplateau mit ins Endlose reichenden Telegrafenmasten neben der Piste.





                                Vor dem ersten Pass ist wieder einmal ein Checkpoint, eine Straßensperre, bestehend aus einem Band zwischen zwei alten Teerfässern, mit rotem Faden umwickelt. Unsere Permits werden kontrolliert. Die Chinesen möchten gerne wissen wo sich Ausländer aufhalten. Dann fahren wir in ein düsteres, wolkenverhangenes Gebirge hinein. Der winzige Weg schlängelt sich auf den Laocha La Pass (5240m).





                                Spektakulär ist, wenn uns in den steilen Bergflanken andere Fahrzeuge begegnen. Wenn es ein Landcruiser ist, geht’s ja noch, aber bei den LKWs müssen wir uns schon eine günstige Stelle suchen und ein bisschen Hin und Her rangieren. Gleich nach dem ersten folgt ein zweiter Pass, der Ayi La (5076m), der ist schon wieder viel mehr in der Sonne. Wir erblicken wieder das typische Landschaftsbild der tibetischen Hochebene, des Changtang: weiße Schäfchenwolken auf tiefblauem Untergrund, gelbliche, relativ sanfte Hügel vor Schneebergen.





                                Auf der Abfahrt fährt unser cooler Fahrer eine Abkürzung nach der Anderen. Wie auf der Achterbahn geht es immer steiler nach unten. Plötzlich ist die Bremse heiß und der Zylinder fest. Während alle Fahrer mit Hämmern daran herum klopfen, nutzen wir die Zeit, unsere restlichen Momos zu verputzen. Wie auch schon bei den vielen Plattfüßen bisher, haben die Fahrer ihre Sache im Griff und bald können wir weiterfahren.



                                Jedenfalls mündet die Piste bald in eine ultrasaubere Asphaltstraße, der Hauptverbindung nach Ali, oder der chinesischen Provinzverwaltungshauptstadt Shiquan He. Sie kriecht noch über einen kaum merklichen Pass, dann fallen wir in ein weites Becken ein, das des Tsangpo oder Indus.





                                Wir erreichen Ali und drehen erst eine Runde durch die knapp zwanzigjährige ultramoderne Chinesensiedlung, die das Zentrum von ganz Westtibet darstellen soll. Glasfassaden und glänzender Kunststein, Megareklame chinesischer Schriftzeichen und breite Avenuen, an denen man versucht, Bäume zu pflanzen. Wir allerdings freuen uns auf ein bisschen Luxus, auf Betten und Dusche/Toilette am Zimmer. Vorgebucht hatten wir in einem staatseigenen Hotel. Als wir hinkommen, hat die Regierung, wer immer das ist, irgendwie alles belegt, somit sind alle Reservierungen storniert. Aber unsere Reiseleiterin organisiert schnell eine Alternative.







                                Fortsetzung folgt.
                                Gruß Walter
                                Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür...
                                Bruce Chatwin: In Patagonien

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                                • BlackDaytona
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                                  • 09.11.2005
                                  • 41

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash u.durch den Changthang n.Lhasa

                                  Tag 20: Die Nordroute

                                  Gleich hinter Ali beginnt eine solide Schotterpiste, die uns den ganzen Tag begleitet. Es ist die sogenannte Nordroute, der wir jetzt nach Osten folgen. Durch die karge Landschaft aus großen Gesteinsschutthaufen fahren wir den Staubfahnen unserer Vorderjeeps hinterher. An der Straße tauchen immer wieder Trupps von Wanderarbeitern auf, die mit einfachen Schaufeln vorher vom LKW geworfene Erdhäufchen verteilen. Sie winken uns im Vorüberfahren freundlich zu. Während wir in Ali bei 4200 Metern gestartet sind, kommen wir heute den ganzen Tag nicht mehr unter die 4500 Meter Marke. Die Pässe, die wir zahlreich, oft kaum merklich, überwinden, liegen im oberen 4000er Bereich. Zunächst fahren wir noch am Indus entlang. Eine Flussdurchfahrt gerät zum Verhängnis, da einer der Landcruiser hängenbleibt. Es dauert eine Weile, bis unser Begleit-LKW ihn herausziehen kann.


                                  Wanderarbeiter


                                  Der Indus




                                  Erst beim dritten Versuch hielt das Abschleppseil

                                  Die weiten Täler sind von Nomaden mit ihren Zelten und ihren Schaf/Ziegen- oder Yakherden bevölkert.





                                  In Gejge machen wir einen kurzen Einkaufsstopp. Wir fahren weiter bis wir wieder auf fließendes Wasser stoßen und schlagen unser Nachtlager auf.


                                  Billard über 4000 m








                                  Tag 21: Tong Tso

                                  Weiter geht unsere Fahrt nach Osten. Zunächst hinunter nach Zagar, einem kleinen Städtchen, das sich wegen des Salzabbaues am nahen Salzsee gebildet hat. Es ist staubig, der Müll liegt in der Straße und vor den Häusern. Am attraktivsten ist noch die Spielhalle. Fünf Billardtische stehen frei im Straßenstaub .









                                  Wir folgen einer Talkette. Die Täler sind weiträumig, von Nomaden mit ihren gewaltigen Herden bevölkert. Diese haben wahrscheinlich die Wildtiere hier am Changtang verdrängt. Einmal ist da eine wunderschöne Nomadenwintersiedlung an einem türkisblauen See. Die Siedlung ist geschmückt mit Gebetsfahnen und durch brusthohe Mauern aus sonnengetrockneten Lehmziegeln eingefasst. Phantasievolle und schöne Gestaltung lassen auf lange, sesshafte Winter schließen.









                                  Bald funkelt dann der See Tong Tso am Horizont, der sich im Laufe unseres Näherkommens zu einem riesigen Gebilde auswächst. Wir zelten nahe an seinem Ufer, weil hier eine Süßwasserpumpe ist, die wir nach kurzer Verhandlung mit den Nomaden auch benutzen dürfen. Am Ufer des Sees ist Salz in einer breiten Kruste abgelagert.






                                  Schauen wir den Langnasen mal ins Zelt rein








                                  Tag 22: Richtung Süden, Tsochen

                                  Die Nomaden sehen uns beim Abbauen der Zelte zu. Unser 2000-Kilometer-Weg nach Lhasa schwenkt nach Süden. Eine lange, langsam ansteigende Fahrt bringt uns auf einen namenlosen Pass, hinein in ein braunes Gebirge mit einzeln stehenden Schnee- und Gletscherbergen, die bis 6700 Meter hoch sind.







                                  5000 Meter hohe Pässe, wie der Norgera La verbinden gleichförmige Landschaftsteile. Ein türkiser See ist noch weit in der Ferne, als es auf einer kleinen Sanddüne Mittagessen gibt. Ein zweiter See, gleich nebenan in dieser Wüsteneinöde, hat geradezu unwirkliches Türkis. Er heißt Dawa Tso.





                                  Wir erreichen Tsochen. Der Polizeipalast wirkt wie von einem anderen Stern eingeflogen. Prompt werden wir auch mehrmals kontrolliert.



                                  Gleich nach Tsochen, am Soma Tsangpo, schlagen wir unser Nachtlager auf. Es ist noch früh, die Sonne knallt heiß und wir sind auf einer Wiese am Fluss, auf 4500 Metern Höhe.


                                  Tag 23: Die Südroute

                                  Wir fahren eineinhalb Stunden, fünfzig Kilometer, durch mehrere Täler mit braunen Gesteinsschutthaufen rechts und links. Dann kommt ein See. Wieder ein weites Tal mit braunen Geröllhaufen rechts und links. Alles wiederholt sich. Jetzt allerdings ein hoher Pass (Semoh La, 5400m). Die Landschaft ist öde, kahl und eintönig, aber irgendwie auch faszinierend.



                                  Wenige Kilometer hinter den Tageija Geysiren schlagen wir unser vorläufiges Lager auf. Wir müssen die Zeit bis zum Abend abwarten, da die Südroute, auf die unsere Straße jetzt mündet, wegen Bauarbeiten tagsüber gesperrt ist. Während wir am Lagerplatz angekommen so vor unseren Zelten sitzen, kommt der Hirte der Yakherde vorbei und zeigt uns, wie seine Steinschleuder funktioniert. Es sind zwei zwei Meter lange Lederbänder mit einer Lasche am Ende, in die ein Stein gelegt wird, dann wird kraftvoll über dem Kopf geschleudert und ein Band losgelassen. Der Stein saust mit erstaunlicher Geschwindigkeit los, zielsicher trifft der Hirte in die Region, die er uns vorher angegeben hat. Er braucht sie um die Yaks zusammenzuhalten, denn er hat keine Hunde.



                                  Wir fahren zum Schlagbaum der Baustelle. Eine lange Schlange Fahrzeuge, besonders schwerbeladene Sattelschlepper wartet schon. Jetzt folgt eine 200 Kilometer lange Straßenbaustelle mit unzähligen Wanderarbeitern und ihrem Gefolge, Familien, Händlern etc. Wie im Hindernislauf mogeln wir uns durch die Baustelle, in der keine Fahrspur vorgegeben ist. Etwas abseits, aber noch innerhalb der Baustelle finden wir bei einbrechender Dunkelheit einen Lagerplatz und bauen in aller Hektik unsere Zelte auf.






                                  Tag 24: Lhatse

                                  „Good morning Sir, early morning tea“. Heute stimmt das sogar mit dem early morning. Es ist noch dunkel, als Santos und Surky uns wecken. Nur schnell weg hier und in die Baustelle, bevor der Betrieb anfängt. Die Straßenbauregion reicht bis Sang Sang, ca. 100 km. Um 8 Uhr beginnt die Arbeitszeit des Arbeiterheeres. Da sind wir schon über die ersten Pässe. In Sang Sang müssen wir in den Reifen von der Baustelle einen neuen Schlauch einziehen. Ein bisschen Zeit zum Ortsrundgang. Ein trostloser Ort.









                                  Es geht weiter. Weil wir immer weiter Meereshöhe verlieren, wird es deutlich grüner. Allerdings nur dort, wo ohnehin Wasser ist, oder Wasser hingeleitet werden kann. Auf 4300 Metern tauchen die ersten Gerstenfelder auf. Hinter einer Kurve liegen ein Bilderbuchtibetdorf und eine weite, grüne Ebene vor uns. Ein wilder Yakschädel hängt über dem Eingangstor in die verschachtelte Flachbausiedlung.





                                  Wir fahren nach Lhatse hinein und wollen im Innenhof des Lhatse Bin Guan Hotels zelten. Aber als wir den trostlosen Kieshof sehen, hat keiner mehr Lust auf Zelten und alle nehmen sich ein Bett. Die Zimmer sind um den Hof gruppiert und haben vier bis fünf Betten, diese werden einzeln vermietet.



                                  Abends, im Esszelt, das wir mitten im Hotelhof aufgeschlagen haben, gibt es eine erste Abschiedsfete von unserem Sherpa-Team, vom Reiseunternehmen Thamserku aus Kathmandu, die Morgen über den hier einmündenden Friendship-Highway zurückfahren .




                                  Tag 25: Shigatse

                                  Die Straße nach Shigatse ist asphaltiert und bestens in Schuss. Wir fahren in einem Paralleltal zum Brahmaputratal durch liebliche, grüne Talböden mit Bewässerungsfeldbau, vor allem Gerste und Weizen, tibetischen Kubushäusern am Hang und braunroten, schroffen Bergen im Hintergrund. Das Grün macht die Landschaft so fantastisch, dass wir alle Augenblicke einem Fotostopp einlegen. Wir sind kein grün mehr gewöhnt .



                                  Dann liegt Shigatse vor uns. Die zweitgrößte Stadt Tibets ist ein Wust von Reklamen mit chinesischen Buchstaben. Dazwischen schimmert das Riesenkloster hindurch. Wir fahren zielstrebig ins Hotel und sind in einer anderen Welt. Pagen springen eilfertig herum. Eine riesige, buntornamentierte, glitzernde Eingangshalle erschlägt einen förmlich. Im Zimmer haben wir Zeit, uns frisch zu machen. Danach gibt es in den Prunkräumen des Hotels ein feines Essen, endlich wieder mit Messer und Gabel.





                                  Wir fahren zum Markt unterhalb des neuerbauten Dzong. Ferdinand und ich machen eine Fotopirsch durch die Stadt zurück zum Hotel. Die Leute sind so nett und so kurios, es macht viel Spaß.

















                                  Fortsetzung folgt.
                                  Gruß Walter
                                  Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür...
                                  Bruce Chatwin: In Patagonien

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                                    • 09.11.2005
                                    • 41

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash u.durch den Changthang n.Lhasa

                                    Tag 26: Tashilunpo und Gyantse

                                    Am Vormittag besuchen wir Thashilunpo. Das Kloster des Panchen Lama, des neben dem Dalai Lama zweitgrößten Lama im Gelugpa- oder Gelbmützenorden, ist riesengroß. Es beinhaltet viele Tempel, darunter den mit dem größten Buddha der Welt in einem unzugänglichen Innenraum und anmutsvollen Ecken, Wandelhallen, Gassen. Der Panchen Lama ist im Gegensatz zum Dalai Lama von China geduldet, war aber lange nicht vom Dalai Lama, der vor der Kulturrevolution ins Exil nach Indien floh, anerkannt. Die heiligen Gebäude sind rot oder rötlich angestrichen, die weißen Bezirke sind Wohnungen der Mönche.











                                    Leider sind an diesem Morgen sehr viele Besucher da, dieser Ort ist halt ein begehrtes Touristenziel. Wir schlendern über zwei Stunden durch den Klosterbezirk, in dem aktuell fünfhundert Mönche leben. Er ist, wie alle bisherigen buddhistischen Stätten, wunderschön. Das Fotografieren in den Hallen ist kostenpflichtig und mir viel zu teuer . Also spar ich mir das. Aber auch im Außenbereich gibt es genug Motive.











                                    Anschließend fahren wir durch ein langes und Dank Bewässerung auch grünes Tal nach Gyantse, in dem wir unser Hotel beziehen, gleich Mittag essen und zur Klosteranlage Baiju fahren. Dort steht ein begehbarer Stupa aus dem 15. Jahrhundert, der prachtvoll aussieht, das schönste buddhistische Gebäude, das ich bisher sah. Um das Areal herum ist eine dicke Mauer gebaut. Zerstört hat es erst die Kulturrevolution aber auch nicht vollständig. So blieb vieles wirklich Alte erhalten, sowohl in dem Stupa, als auch der Stupa selbst. 108 ist die Zahl, die alles bestimmt: Kammern mit Statuen, Umfang in Ellen, Fensteröffnungen etc. Wir besichtigen die Gompa, kriechen in dem Stupa, der nur ganz enge Gänge hat, herum.



















                                    Anschließend besuchen wir auch noch den Dzong, eine Burganlage, die hoch über der Stadt weithin sichtbar thront. Wir hecheln die 130 Höhenmeter hinauf, die Sonne brennt. Ein paar Szenen aus dem alten Leben der unterdrückenden Mönchskaste (aus der Sicht der Chinesen) vor der Befreiung durch China, sind mit Puppen nachgestellt. Zum Beispiel wie man Steuern erhob und was man tat, um diese einzutreiben. Das Pendent der Staatsmacht zur religiösen Gompa hat eine fantastische Aussicht .


















                                    Tag 27: Ankunft in Lhasa

                                    Das Ziel unseres letzten Fahrtages ist Lhasa. Weil die direkte Straße seit zwei Jahren wegen Bauarbeiten gesperrt ist, nehmen wir die Umleitung über das Tsangpotal. Diesmal ist mit Tsangpo der Brahmaputra gemeint. Wir fahren zunächst ein Stück zurück Richtung Shigatse, dann biegen wir in einen unscheinbaren Feldweg an Bewässerungskanälen entlang durch unbebaute Felder, bis wir zu richtigen Sanddünen kommen. An den Bergflanken ist Sand angeweht, kleine Dörfer liegen an den Hanganläufen. Der Fluss selbst fließt im Sandbett dahin, blaugrün und friedlich in seinem Bett. Eine Fähre erzeugt das harmonische Bild einer Flusslandschaft.



                                    Nur Ab und Zu gibt es bebautes Land. Bald verengt sich das zuerst weite Tal zu einer Schlucht, in die roh die gut ausgebaute Straße gepresst wurde. Der Fluss schäumt in Stromschnellen. An einer Brücke stolpern wir in eine Radarfalle. Wir kommen der Hauptstadt näher. Es dauert eine dreiviertel Stunde, bis der Strafzettel bezahlt ist. Man kann Herunterhandeln. Da dies eigentlich unser Fahrer alleine tragen muss, beteiligen wir uns an der Knolle. Wir verlassen den Tsangpo und folgen dem Lhasa-River. Aufgemalte Buddhas markieren an einer Felswand die Nähe der Stadt. Die Bebauung verdichtet sich, bis wir auf einer sechsspurigen Straße mit formschönen, gelb bepinselten Laternen, die endlos entlang der westlichen Ausfallstraße stehen, ins Zentrum von Lhasa rollen. Unser Hotel ist mitten drin. Nach dem Duschen gehen Ferdinand und ich zur Jokhang-Gompa schauen den Menschen beim Niederwerfen zu und gehen eine Khora um den Tempel.
















                                    Tag 28: Lhasa, der Potala-Palast

                                    Heute ist Lhasa-Stadt-Sightseeing angesagt. Zuerst rollen wir mit unserem neuen Kleinbus zum Kloster Drepung. Es liegt an einem Berghang etwas erhöht über der Stadt und ist das größte Kloster Tibets mit vielen Einzelgompas und Wohnräumen. Wiederum gehört es den Gelbmützen.









                                    Große und kleine Buddhastatuen sind an allen Ecken und in allen Innenräumen zu finden. Sie haben seltsame Namen und lächeln verklärt. Manche haben auch grausige Gesichter, aber das sind dann keine Buddhas, sondern Dämonen. Innerhalb der Gompas kostet das Fotografieren wieder ein Heidengeld, so dass ich es lasse.





                                    Wir fahren wie gestern auf der sechsspurigen Einfallstraße, für die ein großer Teil der gewachsenen tibetischen Altstadt platt gemacht wurde, zum Potala. Ein märchenhaftes und imposantes Gebäude. Strenge Sicherheitschecks am Eingang. Fotografieren ist im Inneren absolut untersagt .





                                    Wir schreiten die breite Freitreppe hinauf, besichtigen die Gemächer des Dalai Lama, der hier seit Beginn des Buddhismus in Tibet bis zum Exil residierte. Natürlich gibt es auch viele Räume, die nur der Repräsentation dienten, dem zur Schau stellen der eigenen Macht und der Abschottung des Dalai Lamas vor der realen Welt, wie dies ja von Heinrich Harrer eindrucksvoll geschildert wurde. Er wird wohl die meisten der 1000 Zimmer des Potala während seinem siebenjährigen Aufenthaltes auch gesehen haben. Viele der Räume haben religiöse Funktionen, sind mit Stupas ausgestattet oder mit den sterblichen Überresten zahlreicher Dalai Lamas, mit Reichtum und Prunk. Der Personenkult schafft auch hier Überfluss für einige und bittere Armut für die Meisten. Der Potala ist ein riesiger, in sich verschachtelter Gebäudekomplex, wirkt dabei ziemlich kompakt, so dass ein wuchtiges Monstrum von gewaltigen Ausmaßen entsteht. Ein Machtzentrum. So kann das Buddha wohl ursprünglich nicht gemeint haben. Wie das eben so ist, mit den Religionen und dem, was die Menschen daraus machen.






                                    Blick vom Potala-Ausgang aus auf Lhasa


                                    Tag 29: Jokhang

                                    Auf dem Programm steht die Besichtigung von Norbulinka, den Sommerpalästen diverser Dalai Lamas. Einer der wenigen Regentage. Wir fahren nach Jokhang, um uns auch noch das wichtigste Kloster zu geben. In einer langen, hektisch drängelnden Menschenschlange klappern die Tibeter alle der vielen Seitenkapellen ab. Für gläubige Tibeter ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben und in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Verdienste zu ergattern. Deswegen waltet ein Geschubse, Geboxe, Gemurmle der Gebetsformeln, Gedrängle, Gedrehe der unvermeidlichen Gebetsmühlen und rastloses Umherblicken nach günstigern Positionen. Klaustrophobe haben keine Chance im Jokhang. In den Kapellen ist es dunkel und zum Luftzerschneiden stickig. Im Himalayan Hotel gibt’s ein Abendbuffet und eine Tanzvorführung verschiedener Volksgruppen, farbenfrohe Kostüme, die lebendig zu übersteuerter Musik durch den Raum wirbeln. In unserer Stammkneipe verbraten Ferdinand und ich unsere letzten Yüen mit dem Konterfei von Mao drauf.


                                    Tag 30: Flug über den Himalaya zurück nach Kathmandu.

                                    Der Flughafen liegt eine Busstunde außerhalb Lhasas im Brahmaputratal und ist durch einen modernen Tunnel erschlossen. Das Gebäude ist so gut wie leer als wir ankommen. Wir sind der einzige Flug, müssen vier Formulare ausfüllen und haben endlich die chinesische Bürokratie hinter uns. Es folgt ein wunderschöner Flug. Ich habe einen Fensterplatz auf der rechten Seite. Zuerst fliegen wir im Brahmaputratal entlang, dann queren wir den Himalaya. Herrlich schauen Everest/Lhotse und Makalu aus dem Wolkenmeer.




                                    Der Everest

                                    In Kathmandu haben wir zwei Tage Zwischenstopp, residieren wieder in dem schönen Hotel Dwarikas. Wir haben diesmal eine fürstliche Suite im vierten Stock.



                                    Wir gehen nachmittags nach Bodhnath zum weltberühmten Stupa. Unübertönbares Gehupe im Verkehrskollaps aus Autos, Bussen, Mopeds, Fahrrädern, und Massen von Fußgängern.




                                    Tag 31: Kathmandu

                                    Einige von uns nehmen sich ein Tuc Tuc, ein dreirädriges Mopedtaxi, das uns den ganzen Vormittag rumkutschiert. Das ist ein besonderes Erlebnis, denn das Kühlerwasser brodelt und spritzt aus seinem Tank heraus. Der Kühlerdeckel fehlt wahrscheinlich schon lange. Am Weg zu unserem ersten Ziel, nach Budhanilkantha, muss, da es den Berg hinauf geht, Kühlerwasser nachgefüllt werden.





                                    Hier noch einige Eindrücke von unserem letzten Tag in Kathmandu:


                                    Durbar Square


                                    Telekom Kathmandu


                                    Swayambunath








                                    Abschlussessen im Dwarikas


                                    Tag 32: Rückflug nach Deutschland

                                    Um halb fünf müssen wir aus den Federn zum Flughafen. Der Kampf mit den nepalesischen Formalitäten ist ein langer und zäher. In der Luft jedoch entschädigen der Manaslu, die Annapurna und der Dhaulagiri für die Unannehmlichkeiten. Kurz nach dem Start schauen sie nämlich in aller Pracht aus den Wolken. Über Doha bis Deutschland überfliegen wir nur noch eine Schicht aus Wolken.

                                    Damit geht eine der abwechslungsreichsten und interessantesten Touren, die ich je gemacht habe, zu Ende. Hab viel Fotos gezeigt, hoffentlich nicht zu viele, aber ich denke die meisten finden Bilder eh interessanter als Reiseprosa . Wenn es einigen gefallen hat und neue Gegenden gezeigt hat, ist der Zweck ja erfüllt. Die Nachbetrachtung nach 7 Jahren hat mir jedenfalls Spaß gemacht.

                                    Gruß Walter
                                    Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür...
                                    Bruce Chatwin: In Patagonien

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                                    • Mika Hautamaeki
                                      Alter Hase
                                      • 30.05.2007
                                      • 3945

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash und durch den Changthang nach L

                                      Wow, tolle Fotos!!!!!
                                      So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
                                      A. v. Humboldt.

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                                      • robert77654
                                        Erfahren
                                        • 10.01.2010
                                        • 335

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [NP/CN] Tibet, über den Himalaya zum Kailash u.durch den Changthang n.Lhasa

                                        Danke für den Bericht. Hervorragende Bilder.
                                        Das sind ja eigentlich schon zu viele Eindrücke für einen Monat...

                                        Habt ihr die Tour vor Ort in Katmandu gebucht oder in bzw. von Deutschland aus? In welchen Monaten ist sie möglich?
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