[RU] Rückkehr aufs Putorana-Plateau. Ein Wildnisabenteuer.

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  • Robtrek
    Erfahren
    • 13.05.2014
    • 370

    • Meine Reisen

    Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    Nun, auf der einen Seite kann ich die beiden natürlich gut verstehen - wenn man seinen Job nicht riskieren will, muss man halt rechtzeitig wieder da sein. Andererseits ist es natürlich auch Wahnsinn, so eine Tour zu machen und dann ständig verärgert zu sein, weil man hinter dem Zeitplan liegt oder sich überschätzt hat. .... So ist das halt in unserer heutigen Gesellschaft - einmal im Job, kommt man womöglich bis zur Rente nicht mehr raus. Kommt freilich auf den Job an.
    Ich muss das wahrscheinlich präzisieren, Sergei und Lena sind beide schon in Rente, obwohl sie in meinem Alter sind. In Russland gehen einige Berufe sehr früh in Rente (bestimmte Soldaten glaube ich schon in den 40ern), aber viele (die meisten?) arbeiten trotzdem weiter. Hier im Forum gibt's Leute die das besser erklären können als ich, aber nachdem, was ich so im Laufe der Jahre gehört habe, sind die Renten ziemlich miserabel.

    Sergei und Lena waren also sozusagen "freie Mitarbeiter", die aber in ihren jeweiligen Organisationen (Sergei als Lehrer im medical college, Lena als Englischlehrerin in der Schule) vollwertige Jobs ausfüllten. Ich denke, die beiden mussten sich bei ihrer Qualifikation keinerlei Sorgen machen. Wie gesagt, Lena sprach ein ganz überdurchschnittlich gutes Englisch, und Sergei schien auch sehr kompetent. Es ging wohl mehr darum, das Lena unbedingt so schnell wie möglich an ihre Schule zurück wollte und Sergei dadurch natürlich auch unter einem gewissen Druck stand. Einmal in der Mitte der Tour auf dem Plateau erinnere ich mich an eine Szene, als wir über den Zeitplan sprachen und Sergei scherzhaft sagte: "Vor Winterbeginn werden wir schon zurück sein". Lena dann: "Du bringst mich rechtzeitig zum Schulbeginn nach Hause. Mir ist ganz egal wie du das anstellst!" Zuerst dachte ich, das wäre auch ein Scherz, aber dann wurde klar, dass das für sie wirklich eine Herzensangelegenheit war. Sie ist wirklich Lehrerin aus Leidenschaft.

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    • Ljungdalen
      Fuchs
      • 28.08.2017
      • 1524

      • Meine Reisen

      OT:
      Zitat von bsort Beitrag anzeigen
      Aus irgendeinem Grund erinnert mich dein Bericht an den Film Soweit die Füße tragen. Ich habe mich ja immer gefragt wie realistisch die Geschichte denn sein könne...
      Robtrek hat ja schon was geschrieben, den schließe ich mich an, aber auch mein Senf noch ...

      Den 2001er-Film kenne ich nicht - die reißerische Ankündigung ließ mich schon Schlimmes befürchten, aber die Originalserie von 1959 (nein, da habe ich noch nicht gelebt, die lief auch *viel* später noch mal) und das zugrunde liegende Buch. Wurde ja ursprünglich als "wahre Geschichte" vermarktet, ist es aber nicht, weder historisch, noch geographisch. Schon damit angefangen, dass es auf der Tschuktschen-Halbinsel (a.k.a. Tschukotka), von wo der Held Clemens Forell flieht, überhaupt keine Kriegsgefangenenlager, u.a. mit Deutschen, gab. In Sibirien überhaupt nur im südwestlichen Teil, auch wenn die Kriegsgefangenschaft "in Sibirien" sprichwörtlich geworden ist. Die weitaus meisten Kriegsgefangenen waren im europäischen Teil (dort aber auch im Norden, Workuta und so), Ural, Kaukasus und Zentral-/Mittelasien. Die östlichsten Lager waren im Kusnezker Becken (a.k.a. Kusbass), Luftlinie etwa auf halbem Weg zwischen Tschukotka und Deutschland - so groß ist Russland!

      Geographisch hat sich der Autor auch einiges aus dem Fingern gesogen... erinnere mich nicht 100%ig, aber an einem Tag waren sie noch im Sajan/Tuwa, und wenig später dann auf wundersame Weise inmitten der kasachischen Steppe oder so... hm, hatte er als einziges Kartenmaterial einen Globus, oder was?! (Und ja, schon klar, dass das 195x etwas schwieriger war, als heute )

      Als fiktionales Abenteuer mit teils realem Hintergrund - OK, aber realistisch im Ganzen: auf keinen Fall.

      Zitat von Robtrek Beitrag anzeigen
      ... es gab irgendwann nach dem Film von 2001 einen Deutschen, der den Weg des Clemens Forell nachgehen wollte. Er zog Sponsoren an Land, machte sich nach Magadan auf, und begann dann seinen langen Weg durch die Wildnis. Über Satellitenverbindung postete er von unterwegs sein Vorankommen und sammelte eine große Schar begeisterter Follower um sich.

      Ich war damals öfter in der Magadan-Region unterwegs und hatte die Wildnis dort im Sommer wie im Winter erlebt. Der Typ erzählte völligen Blödsinn, das wurde bald klar. Später kam es auch heraus: der hatte nie seine Couch irgendwo in Deutschland verlassen.
      Ich habe das so in Erinnerung, dass das nicht NACH dem Film war, sondern vor und/oder während des Zeitraums der Veröffentlichung. So als Marketing quasi. "Aufgeflogen" ist das, als sich jemand, der tatsächlich dort war, mit ihm treffen wollte, was aber natürlich nicht ging. Und von irgendwelchen Webcams, die es auch in der Zeit zumindest in Jakutsk und so schon gab, wollte (und konnte!) er sich auch nicht aufnehmen lassen... Aber kann sein, ich erinnere mich nicht ganz korrekt.

      Zuletzt geändert von Ljungdalen; 18.03.2021, 01:59. Grund: Ergänzt.

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      • sibirier
        Dauerbesucher
        • 17.10.2010
        • 623

        • Meine Reisen

        Ah,na ja... Trotzdem war es eine sympathische Werbung Sibiriens )))
        Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Films 2001 lebte ich gerade in Deutschland.

        Übrigens,Robert,warst du nicht rein zufällig so um diese Zeit in Bezirk SHG ? Schaumburg-Lippe. Da kannte ich kurz einen Deutschen,der unbedingt russisch lernen wollte um in Sibirien zu reisen. Warst du das nicht?
        https://www.facebook.com/groups/1670015459892254/

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        • sibirier
          Dauerbesucher
          • 17.10.2010
          • 623

          • Meine Reisen

          Und noch etwas OT, wenn's schon um Filme geht..
          Es gibt einen sehr landschaftlich schönen Spielfilm über Sibirien,der unmittelbar auf dem Plateau Putorana gedreht wurde. Ähnelt sich ein kleines an den "So weit du Füße tragen" 2001.

          Auf russisch heißt "Das Territorium". Ich schätze,der sollte auf deutsch übersetzt werden, vielleicht unter einem anderen Titel.


          https://en.m.wikipedia.org/wiki/Territory_(2015_film)
          Zuletzt geändert von sibirier; 18.03.2021, 10:27.
          https://www.facebook.com/groups/1670015459892254/

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          • Robtrek
            Erfahren
            • 13.05.2014
            • 370

            • Meine Reisen

            Zitat von sibirier Beitrag anzeigen
            Ah,na ja... Trotzdem war es eine sympathische Werbung Sibiriens )))
            Na, wenn der Autor von "Soweit die Füße tragen" geahnt hätte, dass seine Geschichte von Clemens Forell mal als "sympathische Werbung für Sibirien" rüberkommt... der würde die Welt nicht mehr verstehen! 😮 😂
            Kann übrigens gut sein dass der Fake-Forell, an den sich Ljungdalen oben auch erinnert, wirklich eine doofe Marketing-Kampagne vor Anlaufen des Films in den deutschen Kinos war. Ist in jedem Fall ein schönes Beispiel dafür, wie man im Internet durch Märchen erzählen schnell berühmt werden kann.

            Zitat von sibirier Beitrag anzeigen
            ...zufällig so um diese Zeit in Bezirk SHG ? Schaumburg-Lippe. Da kannte ich kurz einen Deutschen,der unbedingt russisch lernen wollte um in Sibirien zu reisen. Warst du das nicht?
            Ist eher unwahrscheinlich, da ich Schaumburg-Lippe erstmal auf der Karte nachschlagen musste und zu der Zeit gar nicht in Deutschland lebte. 😉

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            • Robtrek
              Erfahren
              • 13.05.2014
              • 370

              • Meine Reisen

              Zitat von sibirier Beitrag anzeigen
              Es gibt einen sehr landschaftlich schönen Spielfilm über Sibirien,der unmittelbar auf dem Plateau Putorana gedreht wurde. ... Auf russisch heißt "Das Territorium".
              Du hast recht, ein interessanter Film, die Putorana-Aufnahmen wurden u.a. am Canyon des Oran gedreht. Das ist in der Tat eine der aufregendsten und am schwersten zugänglichen Gegenden im Putorana. Der Oran-Canyon gilt als die schwierigste Flussfahrt auf dem Plateau. Die Schauspieler wurden natürlich alle per Heli ein- und ausgeflogen. Den Berichten nach haben sie sich in den Drehpausen immer sofort in ihre Zelte geflüchtet, um nicht ganz von den Mücken aufgefressen zu werden. 😁

              Einige bekannte Aufnahmen des Oran von anderen russischen Trekkern:

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Put Oran vdp.jpg
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Größe: 2,06 MB
ID: 3030347

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Put Oran vdp 1.jpg
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ID: 3030346

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Größe: 352,8 KB
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              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Put Oran canyon.jpg
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ID: 3030344
              Zuletzt geändert von Robtrek; 18.03.2021, 18:23.

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              • Ljungdalen
                Fuchs
                • 28.08.2017
                • 1524

                • Meine Reisen

                OT:
                Zitat von sibirier Beitrag anzeigen
                Auf russisch heißt "Das Territorium". Ich schätze,der sollte auf deutsch übersetzt werden, vielleicht unter einem anderen Titel.
                Den Film gibt es, glaube ich, nicht auf Deutsch, aber den zugrunde liegenden, auf Russisch gleichnamigen Roman von Oleg Kuwajew: auf Deutsch "Goldsucher", erschien in den 1970ern in der DDR und später auch in der Bundesrepublik (als Rowohlt Taschenbuch 1980).

                Spielt eigentlich ganz im Nordosten Russlands, von Magadan über das Kolymagebiet bis Tschukotka... der dort "die Siedlung" genannte Ort ist die Kleinstadt Pewek.

                Es gab schon 1978 einen sowjetischen Film danach, lief in der DDR als "Goldsucher in der Arktis".

                Der Autor Oleg Kuwajew übrigens... legendärer Student am Moskauer Geologischen Erkundungsinstitut MGRI in den 1950ern... da habe ich 198x auch studiert - daher u.a. *mein* Russlandbezug...


                Zuletzt geändert von Ljungdalen; 18.03.2021, 22:53.

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                • Bulli53
                  Fuchs
                  • 24.04.2016
                  • 1727

                  • Meine Reisen

                  Der Schriftsteller Josef Martin Bauer hat die Geschichte des Offiziers Cornelius Rost c. Forell a für den Leib geschrieben. Ganz wahr ist die Story sicher nicht. Wer höheres Interesse sollte über Bauer und Rost Googeln. Wenn ich mich recht erinnere gibt es von Buchheim, dem Autor des „Bootes“, ein Buch über seine Flucht von der Atlantikküste nach D.
                  Zuletzt geändert von Bulli53; 19.03.2021, 09:49.

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                  • Taffinaff
                    Dauerbesucher
                    • 03.01.2014
                    • 803

                    • Meine Reisen

                    OT:

                    Zitat von Bulli53 Beitrag anzeigen
                    Buchheim, dem Autor des „Bootes“, ein Buch über seine Flucht von der Atlantikküste nach D.
                    In der Geschichte ist er allerdings mit dem Auto gefahren.

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                    • Zz
                      Dauerbesucher
                      • 14.01.2010
                      • 908

                      • Meine Reisen

                      Kurz zum Thema „So weit die Füße tragen“. Ich habe im Rahmen der Radiosendung „Die Lange Nacht“ im DLF und DLF Kultur vor fast 10 Jahren (Dezember 2011) das drei stündige Feature von Arthur Dittlmann gehört.
                      https://www.deutschlandfunkkultur.de...icle_id=174345
                      Bei dem Roman handelt es sich um keine authentische Geschichte die so passiert ist.
                      Ob man das Feature von Arthur Dittlmann irgendwo nachhören kann ist mir unbekannt.

                      Ein großes Dankeschön für den sehr spannend zu lesenden Reisebericht mit vielen, aber auch nicht zu vielen, sehr schönen Bildern und kurzen präzisen Textpassagen welche nicht ermüden. Ein sehr gesunder Mix der beim Lesen Freude macht. Toll.
                      Ein sonniges Wochenende,
                      Z
                      Zuletzt geändert von Zz; 19.03.2021, 20:03. Grund: n

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                      • Robtrek
                        Erfahren
                        • 13.05.2014
                        • 370

                        • Meine Reisen

                        Zitat von Ljungdalen Beitrag anzeigen
                        OT: Es gab schon 1978 einen sowjetischen Film danach, lief in der DDR als "Goldsucher in der Arktis". ...
                        Der Autor Oleg Kuwajew übrigens... legendärer Student am Moskauer Geologischen Erkundungsinstitut MGRI in den 1950ern... da habe ich 198x auch studiert - daher u.a. *mein* Russlandbezug...
                        Interessant, als ex-Wessi kannte ich diesen Film nicht.

                        Vom Namen deines Instituts ("Geologische Erkundung") scheint mir, dass bei euch eine Karriere drin war, deren Sommer sich auf auf der Suche nach Bodenschätzen in wildester Taiga abspielten. Echte schwere Pionierarbeit, ein paar Mal habe ich solche Gruppen mit ihren kleinen Bohrtürmen getroffen. In den 1970er und 80er Jahren begann die große Zeit, als Trekker und Rafter die Wildnis Sibiriens erstmals auf die touristische Landkarte setzten. Deren Berichte dienen uns noch heute als Anhaltspunkte auf unseren Touren. Und diese Trekker/Rafter hatten ihrerseits manchmal als wichtigste Quelle zur Vorbereitung ein Gespräch mit Geologen. Die waren als einzige überhaupt schon in der betreffenden Gegend gewesen. Wenn die so einen Geologen zu fassen kriegten, stellten sie dann Fragen wie "Gibt es auf diesem Fluss Canyons? Gibt es in dieser Bergkette einen Pass, der sich zur Begehung anbietet?" Die Militärkarten waren ja geheim und die ersten Touristen bekamen oftmals nur die Möglichkeit, eine Topokarte als grobes Schema abzuzeichnen.

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                        • Robtrek
                          Erfahren
                          • 13.05.2014
                          • 370

                          • Meine Reisen

                          Zitat von Bulli53 Beitrag anzeigen
                          Der Schriftsteller Josef Martin Bauer hat die Geschichte des Offiziers Cornelius Rost c. Forell a für den Leib geschrieben. Ganz wahr ist die Story sicher nicht. Wer höheres Interesse sollte über Bauer und Rost Googeln.
                          Interessant, den Roman selber habe ich nie gelesen, aber nach den Angaben im Internet wäre die fiktive Route des Cornelius Rost alias Clemens Forell vom äußersten Nordosten (Chukotka) über Magadan und dann nahe der Meeresküste nach Südwesten über den Ort Ayan gegangen. Der Weg von Chukotka bis Magadan wäre dabei sicher der schwierigste Teil gewesen. Ich habe mal im Winter die Strecke von Magadan zum Fluss Omolon gesehen, allerdings auf Eisstraßen per Lkw und Zelt mit Ofen. Trotzdem habe ich das als ziemlich hart in Erinnerung. Im Sommer haben sich ganz vereinzelt Touristen weiter entlang des Meeres bis nach Kamchatka durchgeschlagen, im Winter, glaube ich, auch ein paar Offroader. Aber die Gegend ist wirklich wild, wilder geht's kaum.

                          Der weitere Weg von Magadan nach Südwesten in Richtung Ayan ist real machbar. Da gibt's eine Telegraphenleitung. Weiß nicht, ob die noch funktioniert, ist glaube ich unter Stalin wegen der GULAG-Lager im Magadan-Gebiet gebaut worden. Wenn man bei Kap Ayan in die Karte reinzoomt, sieht man den Strich der Leitung, auch auf den ESRI-Satellitenbildern ist die Schneise zu erkennen. Mein tragisch ums Leben gekommener Kamerad Oleg, den ich im Bericht erwähnt habe, hat sich einmal heimlich (als Goldschmuggler) von Magadan entlang dieser Route durchgeschlagen. Abenteuerliche Geschichte, er wurde verfolgt und musste sich z.T. in einem Fluss unter den unterspülten Ufern verstecken, bis der Suchtrupp mit seinen Hunden vorbei war. Das kommt dann der Geschichte von Clemens Forell schon ziemlich nahe. Ich war natürlich nicht dabei, aber habe absolut keinen Grund, die Erzählung dieses bescheidenen Manns (Oleg) in Zweifel zu ziehen.
                          Zuletzt geändert von Robtrek; 19.03.2021, 16:32.

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                          • Robtrek
                            Erfahren
                            • 13.05.2014
                            • 370

                            • Meine Reisen

                            Noch ein paar Infos zu der Region: wenn man dann bei Ayan die Küste verlässt und ins Landesinnere geht, stößt man irgendwann auf diese interessante Formation, den Kondjor-"Krater". Hier sollte man aber besser nicht zu den ESRI-Satbildern wechseln, sonst erlebt man eine Enttäuschung. Die ganze Gegend ist fest in der Hand einer Goldfirma aus Khabarovsk. 150 km westlich davon, in der Bergkette Ket-Kap, ist mal ein Solo-Trekker spurlos verschwunden. Und 200 km nordöstlich davon, in Kurun-Uryakh, haben die mitten in der Wildnis sogar eine 2,5 km Landebahn gebaut, die große Verkehrsflugzeuge aufnehmen kann. Wer aus der Karte rauszoomt, denkt erstmal, das ist ja totale Wildnis ohne jegliche Spuren von Menschen. Dem ist nicht so. Das Management der Goldgräber hat in Kurun-Uryakh keinen schlechten Komfort, es gibt z.B. eine Art "Officers Club" mit elektrisch betriebenen Massagestühlen.

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                            • Robtrek
                              Erfahren
                              • 13.05.2014
                              • 370

                              • Meine Reisen

                              Zitat von Zz Beitrag anzeigen
                              Ein großes Dankeschön für den sehr spannend zu lesenden Reisebericht mit vielen, aber auch nicht zu vielen, sehr schönen Bilder
                              Danke, stellvertretend auch an alle anderen, für die netten Worte. Es ist tatsächlich so, dass man von so einer langen Reise an die 2000 Bilder mitbringt. Der Großteil davon ist als persönliche Erinnerung wichtig, aber völlig uninteressant für diejenigen, die nicht dabei waren. Da ist es manchmal schwer, eine vernünftige Auswahl zu treffen, die nicht langweilig wird.

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                              • rumpelstil
                                Fuchs
                                • 12.05.2013
                                • 2321

                                • Meine Reisen

                                Der Bericht ist grossartig, die zusätzlichen Infos faszinieren. Ich denke, weil ich hier die ganze Zeit daheim hocke, hat es noch einen zusätzlich begeisternden Effekt. Es ist einfach toll, dass du uns an deinen Eindrücken teilhaben lässt. Ich bin echt keine grosse Reiseberichtsleserin (ich habe auch noch nie ein Buch zu einer Reise gelesen), aber einige Berichte hier im Forum, dabei deiner ganz weit vorne, packen mich wirklich.
                                Danke vor allem in dieser besonderen Zeit für Ablenkung, mitnehmen in eine ganz andere Gegend und dein Erleben!
                                Danke auch allen, die ihr Wissen und ihre Kenntnisse beisteuern!

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                                • Ljungdalen
                                  Fuchs
                                  • 28.08.2017
                                  • 1524

                                  • Meine Reisen

                                  Zitat von Robtrek Beitrag anzeigen
                                  Vom Namen deines Instituts ("Geologische Erkundung") scheint mir, dass bei euch eine Karriere drin war, deren Sommer sich auf auf der Suche nach Bodenschätzen in wildester Taiga abspielten. Echte schwere Pionierarbeit, ein paar Mal habe ich solche Gruppen mit ihren kleinen Bohrtürmen getroffen. In den 1970er und 80er Jahren begann die große Zeit, als Trekker und Rafter die Wildnis Sibiriens erstmals auf die touristische Landkarte setzten. Deren Berichte dienen uns noch heute als Anhaltspunkte auf unseren Touren. Und diese Trekker/Rafter hatten ihrerseits manchmal als wichtigste Quelle zur Vorbereitung ein Gespräch mit Geologen. Die waren als einzige überhaupt schon in der betreffenden Gegend gewesen. Wenn die so einen Geologen zu fassen kriegten, stellten sie dann Fragen wie "Gibt es auf diesem Fluss Canyons? Gibt es in dieser Bergkette einen Pass, der sich zur Begehung anbietet?" Die Militärkarten waren ja geheim und die ersten Touristen bekamen oftmals nur die Möglichkeit, eine Topokarte als grobes Schema abzuzeichnen.
                                  Ja, das war alles so. Aber selbst Geologen hatten normalerweise nur die 1:500.000er-Karten (selbst die waren "nur für den Dienstgebrauch"), jede großmaßstäblichere musste einzeln aufwändig beantragt werden, und man bekam sie für ein sehr eingegrenztes Gebiet.

                                  Und ja, als Geologie-Student hatte man die Chance, gut herumzukommen. Selbst als Bürger der befreundeten DDR war man ja ansonsten nicht frei, einfach in der Sowjetunion herumzufahren (OK, in den 80ern ging das, irregulär, wenn auch mit gewissem Stressfaktor... kenne persönliche Beispiele von Leuten, die in Murmansk und am Yssyk-Kul festgehalten wurden... ohne ernste Konsequenzen zwar, aber doch unangenehm). Im Rahmen des Studiums war ich dann aber bei den Lehrpraktika in den unteren Semestern im Nordkaukasus (nahe Elbrus), auf der Krim und in Nordkarelien/Kola-Halbinsel, bei den sog. "Produktionspraktika" nach dem 6. & 8. Semester im Altai und in Ostarmenien... keine völlige Wildnis, aber immerhin. Da gab es übrigens auch freie Plätze in Ust-Nera an der Indigirka und auf der Halbinsel Tajmyr (noch nördlich des Putorana), aber es war im Vorfeld unklar, ob ich als Ausländer eine Genehmigung bekommen würde. Entschied mich dann dagegen, um dann nicht völlig ohne interessanten Praktikumsort dazustehen...

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                                  • Robtrek
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                                    • 13.05.2014
                                    • 370

                                    • Meine Reisen

                                    Zitat von Ljungdalen Beitrag anzeigen
                                    ...als Bürger der befreundeten DDR war man ja ansonsten nicht frei, einfach in der Sowjetunion herumzufahren (OK, in den 80ern ging das, irregulär, wenn auch mit gewissem Stressfaktor...
                                    Zu diesem Thema gibt's hier den Film Unerkannt durch Freundesland. Ab 8:15 geht es um zwei Jungs, die 1989 auf dem Fluss Aldan Rafting gemacht haben. Man bekommt in ihren Videoaufnahmen einen ganz guten Eindruck, wie das Trekking durch die Sümpfe auch auf unserer Putorana-Tour stellenweise aussah.
                                    Bürokratische Touristen-Hemmnisse sind leider auch im heutigen Russland noch reichlich vorhanden. Zum Glück liegen einige der grandiosesten Naturlandschaften der UdSSR jetzt in unabhängigen Staaten, wo man recht problemlos reisen kann, z.B. Tajikistan, Georgien, Kirgistan. Übrigens habe ich in Sibirien nie Reisende aus der ex-DDR getroffen. Wenn man mal in wirklich abgelegenen Gebieten auf westliche Touristen trifft, dann sind es fast immer Tschechen. Auch an einige Schweizer kann ich mich erinnern.

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                                    • Robtrek
                                      Erfahren
                                      • 13.05.2014
                                      • 370

                                      • Meine Reisen

                                      Zitat von rumpelstil Beitrag anzeigen
                                      ...weil ich hier die ganze Zeit daheim hocke, hat es noch einen zusätzlich begeisternden Effekt.
                                      Danke auch dir, und wie schön, wenn man auf die Art wenigstens am Bildschirm ein bisschen reisen kann. Nach menschlichem Ermessen wird sich das ja später im Jahr auch alles wieder normalisieren.

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                                      • Ljungdalen
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                                        • 28.08.2017
                                        • 1524

                                        • Meine Reisen

                                        Zitat von Robtrek Beitrag anzeigen
                                        Wenn man mal in wirklich abgelegenen Gebieten auf westliche Touristen trifft, dann sind es fast immer Tschechen.
                                        Naja, Tschechen im Grunde so "westlich" wie DDR

                                        Apropos "Tschechen in Sibirien" - da gab es auf deutsch damals dies: Jan Kozák: Als Jäger in der Taiga. Tschechisches Original von 1972, erweiterte Version von 1970 erschienenen Reportagen, dürfte also in den 1960ern spielen. Hat mich als Jugendlicher beeindruckt.

                                        (Heute weiß man, dass dieser Kozák ansonsten ziemlich fragwürdig war... naja...)

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                                        • Bambus
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                                          • 31.10.2017
                                          • 1101

                                          • Meine Reisen

                                          Jau, schön und gut , aber wie geht es mit den Stromschnellen flußabwärts weiter ?

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