[GR] Korfu Trail Oktober 2016

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  • Wanzenried
    Anfänger im Forum
    • 29.07.2016
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    • Meine Reisen

    [GR] Korfu Trail Oktober 2016

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    Da ich schon seit längerem hier im Forum mitlese und auch schon viele gute Anregungen und Tipps aus den zahlreichen Berichten bekommen habe möchte ich jetzt auch mal etwas aktiv beitragen mit diesem Reisebericht.
    Zuletzt geändert von Wanzenried; 22.11.2016, 18:00.

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    • Meine Reisen

    #2
    AW: Korfu Trail Oktober 2016

    Zitat von Wanzenried Beitrag anzeigen
    Da ich schon seit längerem hier im Forum mitlese und auch schon viele gute Anregungen und Tipps aus den zahlreichen Berichten bekommen habe möchte ich jetzt auch mal etwas aktiv beitragen mit diesem Reisebericht.
    Der ist aber verdammt kurz!
    Vieles kommt - aber alles geht!

    Den Plünnenkreuzer, Landgänger und das neue raus&weg-Blog findet ihr entsprechend der Forumsregeln unter diesem einen Link - click!

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    • Wanzenried
      Anfänger im Forum
      • 29.07.2016
      • 13

      • Meine Reisen

      #3
      AW: Korfu Trail Oktober 2016

      Geduld, Geduld Ich muss erstmal mit dem Upload-System hier klarkommen...

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      • Wanzenried
        Anfänger im Forum
        • 29.07.2016
        • 13

        • Meine Reisen

        #4
        AW: Korfu Trail Oktober 2016

        Reisebericht zum Korfu Trail vom 21.10 bis 27.10.2016

        Anreise:
        Dadurch, dass unser Flug erst um 23.59 Uhr Ortszeit auf Korfu landet machen wir uns direkt auf die Suche nach einem geeigneten Platz für unsere Zelte. Nach kurzer Zeit werden wir auch fündig und als ich beim Gang auf die Toilette im Flughafengebäude die ganzen schlafenden Menschen in der Wartehalle sehe, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Man hätte es sich also auch einfacher machen können…
        Allerdings ist die Luft dort ziemlich drückend und auch das grelle Licht nicht gerade schlaffördernd. So verbringen wir unsere erste Nacht auf Korfu bei angenehmen Temperaturen im Zelt in der Nähe des Flughafens.

        Tag 1: Agios Georgios – Platz zwischen Anio Pavliana und Vuniatades

        Am Morgen werden die Sachen gepackt und die Essensvorräte aufgeteilt. Die Bushaltestelle des Green Bus´ liegt nicht weit vom Flughafen entfernt und dank einer abfotografierten Karte und einer hilfsbereiten Oma, die uns aus dem Auto heraus noch die richtige Richtung zeigt, sind wir schon bald an der Busstation. Hier werden direkt die Wasservorräte aufgefüllt und bei einem griechischen Kaffee bzw. einer Feta-Spinat-Tasche noch die restliche Wartezeit auf den Bus verbracht.
        Als Startort hatte ich Agios Georgios (im Süden, es gibt auch noch ein Agios Georgios im Norden) festgelegt, da wir nur 6 ganze Wandertage zur Verfügung haben. Auf der Fahrt im Bus beginnt sich dann auch langsam die Wettervorhersage zu bewahrheiten und der Regen wird immer stärker. Als wir dann nach ca. einstündiger Fahrt am Zielort ankommen ziehen wir uns direkt die Regenjacken an und laufen los. Am Wasser ist es heute nicht wirklich verlockend und so ziehen wir den Abschnitt in den Dünen vor.



        Schon hier ist die Aufmerksamkeit bei der Wegfindung gefragt, wie wir schon bald merken. Die Spuren zwischen den Büschen in den Dünen führen uns zwei-/ dreimal in Sackgassen, die Umwege halten sich aber in Grenzen. Mittlerweile hat auch der Regen aufgehört und so laufen wir mit Sicht auf den Korrision Lake bis zu einer Brücke, die über den Zufluss zum See führt. Die Brücke allerdings hat diesen Namen kaum verdient, es sind eher zwei Balken mit Brettern darüber.



        Der Weg geht noch weiter bis zum Ende des Sees und irgendwann kommen wir auf die ersten Asphaltstraßen. Mir sticht direkt eine reife Kaktusfrucht ins Auge, die natürlich sofort von ihrem öden Dasein befreit wird. Allerdings bereue ich die Aktion schon bald, denn erst nachdem ich die leckere Frucht verspeise, merke ich die ganzen mikroskopisch kleinen Stachel in meiner Hand. Das Entfernen dieser ist ganz schön mühevoll aber irgendwann ist es geschafft und es kann weitergehen. Schon bald führt der Trail von der Straße weg auf kleinen Pfaden durch wundervolle Olivenhaine.



        Irgendwann erreichen wir dann die Orte Skala und Paramonas und laufen dort am Strand entlang. Die Dusche am Strand dient als willkommene Erfrischung und nach kurzem Test auch als Trinkwasserquelle.



        Nach einer kleinen Pause machen wir uns an den Aufstieg zu einem Sattel. Wir erfreuen uns an dem tollen Pfad, der sich stetig den Berg hinauf schlängelt.



        Beim Abstieg kommen wir durch Anio Pavliana, das uns auf Anhieb super gefällt. Zwei ältere Korfiotinnen unterhalten sich lauthals miteinander und machen das Flair des griechischen Bergdörfchens perfekt.
        Als wir uns von dem Dorf entfernen springt uns irgendwann ein Platz ins Auge, der malerischer kaum sein könnte. Inmitten von Mandarinenbäumen mit geradem, erdigem Boden und einem plätschernden Bach in der Nähe können wir nicht anders und bauen unsere Zelte auf.
        Als Abendessen gibt es heute für jeden ein Knorr Nudelfertiggericht, verfeinert mit Olivenöl, Parmesan und frisch gepflücktem Salbei. Zum Nachtisch dann noch ein, zwei frische Mandarinen.
        In der Nacht zieht ein heftiges Gewitter auf und bald blitzt und donnert es und es regnet zwischendurch extrem heftig. Unsere Zelte halten den widrigen Bedingungen jedoch Stand.

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        • Wanzenried
          Anfänger im Forum
          • 29.07.2016
          • 13

          • Meine Reisen

          #5
          AW: Korfu Trail Oktober 2016

          Tag 2: Platz zwischen Anio Pavliana und Vuniatades – Agii Deka Gipfel

          Gerade als wir aufbrechen wollen, kommt der Besitzer einer Hütte in der Nähe mit Rufen auf uns zu und wir befürchten schon Schlimmes. Er ist aber super freundlich und erzählt uns in gebrochenem Deutsch, dass er als Gastarbeiter bis 1978 in Deutschland lebte. Dann winkt er uns noch hinter sich her und pflückt uns so viele Mandarinen, dass wir sie kaum tragen können. Es handelt sich bei seinen Bäumen um zwei verschiedene Sorten wie wir erfahren und sie schmecken tatsächlich auch sehr unterschiedlich. Wir bedanken uns und freuen uns über so eine angenehme Begegnung um den Tag zu starten.
          In Vouniatades füllen wir in einem kleinen Supermarkt unsere Wasservorräte auf.



          Der Weg macht dann bald einen Schlenker, der von der Karte her vielleicht sinnlos erscheint, aber das Tal, das man dabei durchläuft ist wunderschön.



          Nur die großen Pfützen, die sich gebildet haben müssen mit etwas Geschick umgangen werden.
          Im weiteren Verlauf begegnen wir einer alten Oma, die in ihrem Garten arbeitet. Nach unserer Begrüßung hängt sie sich plötzlich an unsere Fersen und redet auf uns auf Griechisch ein. Als ich die Worte „Amore, amore“ höre versuche ich etwas Abstand zu gewinnen und weiterzulaufen. Sofort hakt sie sich bei Stefan ein und redet auf ihn ein und verteilt Küsschen. Irgendwie ist die Situation sehr seltsam und als die Frau einfach nicht von uns ablässt und Stefan mich immer wieder mit hilflosem Blick anschaut, kann ich nicht mehr an mir halten und muss prustend loslachen.
          So witzig ich die Situation auch finde, irgendwie müssen wir die Frau abschütteln. Letztendlich gibt Stefan ihr 5€ und sie bricht dabei in Tränen aus. Wenn ich die paar Brocken interpretiere, die ich aufgeschnappt habe, ist wohl ihr Mann verstorben und sie ist jetzt sehr einsam und arm. Sie begleitet uns noch ein kleines Stück und dreht dann aber bevor wir Strongili erreichen wieder um.
          In Strongili angekommen lächelt uns direkt eine Taverne an, wir entscheiden uns aber noch ein bisschen zu laufen. Auf dem Dorfplatz machen wir uns an einem Wasserhahn frisch und legen eine kurze Pause ein. Beim wechseln der Hose schauen wir uns diebisch um, ob nicht noch andere Amore Omas auf uns lauern.



          Nach dem Dorf geht der Pfad wieder durch Olivenhaine nach oben und wir genießen den angenehmen Pfad und später eine gut zu gehende Schotterstraße. Nach einigen Höhenmetern erreichen wir schließlich das Dorf Komianata und direkt danach Dafnata. Dort spricht uns beim Genießen des Ausblicks auf das Meer und auf Benitses eine Frau an. Sie ist Rumänin und lebt mit ihrem Mann Richard hier auf Korfu. Bald gesellt sich auch Richard dazu und es stellt sich heraus, dass er ein Guide auf dem Korfu Trail ist und geführte Touren organisiert. Er empfiehlt uns, nicht nach Benitses runter zu gehen sondern den Trail auf den zweithöchsten Berg zu gehen, es wäre wohl seiner Meinung nach der schönste Abschnitt des Trails. Er erklärt uns sehr detailliert, wie wir laufen müssen um den „richtigen“ Trail zu finden. Die Unterhaltung ist sehr informativ, aber auch witzig, Richard und seine Frau haben echt Humor und wir steigen direkt auch mit ein. Bald kommt noch Kostas dazu, der eine kleine Pension für Wanderer besitzt und erzählt uns, dass er für den gesamten ersten Trailabschnitt bis Pelekas die Routen markiert. Er erzählt auch, dass wohl einige Wanderer die Corfu Trail-Schilder als Souvenir mitnehmen und er deshalb ständig neue Schilder anbringen müsse.
          Von Kostas erfahren wir dann auch noch von dem nahegelegenen Aussichtspunkt und nehmen die Gelegenheit gleich wahr und genießen die tolle Aussicht auf Korfu Stadt und Benitses.
          Anschließend gönnen wir uns ein Bier bei ihm.



          Er hat auch viel Spannendes zu erzählen, allerdings macht er doch hauptsächlich Werbung für sich. Als wir nach etwas zu essen fragen erklärt er uns, dass er eigentlich seine eigenen Tomaten und seinen eigenen Feta anbietet, aber heute leider gar nichts da habe. Wir sind wirklich enttäuscht, da es uns doch mittlerweile sehr nach leckerem griechischem Essen gelüstet. Da Kostas es dann auch noch zweimal erwähnen muss, dass er ja eigentlich die tollsten Tomaten aus seinem Garten und den besten Feta dahabe müssen wir schon darüber lachen, da wir uns für heute kaum etwas Besseres vorstellen können.
          So brechen wir also nach dem Bier auf. Die Beschreibung von Richard haben wir uns gut eingeprägt, grob gesagt muss man einfach die Abzweigungen nach rechts Richtung Benitses missachten und entlang der Straße laufen, bis nach dem Dorf Makrata an einer Kreuzung geradeaus ein Trail wieder durch Olivenhaine führt. Richard hatte nicht zu viel versprochen, der Weg ist wirklich genial. Zu den malerischen Olivenhainen gesellen sich hier noch riesige Gesteinsbrocken, die ein wahres Paradies für Boulderer wären.



          Beim Anstieg zum Agii Deka machen wir noch einen kurzen Schlenker nach Ano Garouna, wo wir Wasser besorgen. Das Dorf ist total verschlafen und wirklich beeindruckend in den Hang gebaut. Von einem jungen Mann erfahren wir, dass das Wasser aus dem Wasserhahn mitten im Dorf aus einer Quelle stammt. Also füllen wir nochmal die Vorräte auf und gehen wieder zurück auf den Trail. Der Pfad, der sich den Berg hochwindet ist komplett im Gestrüpp und ich genieße heute die Anstengung so richtig und powere mich komplett aus.



          Oben angekommen genießen wir dann den Ausblick, der gigantisch ist. Von hier oben kann man auch richtig gut erkennen, wo man schon entlang gewandert ist. Die kleine Kapelle ist zwar verschlossen, aber dient uns immerhin als komfortabler Koch- und Sitzplatz. Zum Abendessen gibt es für jeden von uns heute eine Trekkingmahlzeit. Ich muss mein Chicken Korma Curry zwar ordentlich nachsalzen, aber danach schmeckt es wirklich lecker. Meine Idee, in das Gericht noch Studentenfutter zu geben erweist sich als Volltreffer und so bin ich schon bald richtig satt.



          Auf den Berg kann man auch mit dem Auto hochfahren, so kommen wir noch mit einer griechischen Familie und einem anderen Touristen ins Gespräch und genießen den bombastischen Sonnenuntergang.



          Die Luftfeuchtigkeit hier oben ist extrem, alles was kurz aus dem Rucksack gepackt wird, ist sofort klamm. So retten wir schnell unsere Habseligkeiten und flüchten in unsere Zelte.

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          • Wanzenried
            Anfänger im Forum
            • 29.07.2016
            • 13

            • Meine Reisen

            #6
            AW: Korfu Trail Oktober 2016

            Tag 3: Agii Deka Berg – Taverne zwischen Plakoto und Vatos

            Am Morgen gönnen wir uns den Luxus und machen uns ein warmes Frühstück. Bei Porridge und Müsli genießen wir noch einmal den tollen Ausblick und stärken uns für den anstehenden Wandertag.
            Der Abstieg vom Berg ist teilweise sehr rutschig und so müssen wir höllisch aufpassen, uns nicht auf die Schnauze zu legen. Wir begegnen heute den einzigen zwei „Wanderern“ auf unserer Tour, die uns fragen wie weit es noch bis oben ist. Sie sind allerdings ohne jegliche Rucksäcke unterwegs, machen wohl also einfach einen Abstecher auf den Berg.
            Von hier oben sieht man nun auch gut die Küste, zu der wir heute noch hinunter laufen wollen.



            Unten angekommen entdecken wir direkt einen Wasserhahn an einer Mauer und so waschen wir uns erstmal und füllen unsere Wasservorräte auf.
            Der Weg schlängelt sich danach über Asphalt- und Schotterstraßen bis nach Kamara, wo wir uns mal wieder ein Stück verlaufen. Zum Glück merken wir es noch rechtzeitig und kehren um.



            Nach dem Dorf kommen wir für kurze Zeit wieder an eine Straße, von der der Weg nach einigen Metern links abgehen soll. Wir erkennen einen gelben Punkt und laufen zielstrebig nach links. Dort beginnt nach kurzer Zeit ein Gebiet, in dem man kaum noch einen Weg erkennt und so suchen wir jeder an einer anderen Stelle nach einem Pfad.



            Es ist hoffnungslos und nach einigen Minuten der verzweifelten Suche beschließen wir, wieder bis zu der Straße zurück zu gehen. Und siehe da: Der erkennbare Pfad führt ein paar Meter nachdem wir vorher links abgebogen sind nach links weiter. Wir haben uns von den Spuren irritieren lassen. Das ist uns auf dem Trail allgemein öfters passiert. Man kann sich wirklich nie darauf verlassen, wie der Trail jetzt weitergeht. Manchmal sieht der Trail aus, wie eine Hofeinfahrt auf ein Privatgelände. Manchmal geht es direkt auf einen Zaun zu und man möchte schon umkehren, im letzten Moment sieht man dann aber, dass der Weg eng am Zaun entlang weiter geht.
            Erleichtert laufen wir den schönen Pfad entlang, der uns bis nach Sinarades bringt.



            Das Dorf ist sehr belebt, überall sitzen Einheimische und unterhalten sich. Wir gönnen uns in einem Supermarkt ein kaltes Getränk und dazu eine Packung Chips.
            Nach dem Dorf verlaufen wir uns direkt wieder. Irgendwie scheinen alle Wege, die wir einschlagen nicht die richtigen zu sein und so fragen wir schließlich an einer Villa nach dem Weg. Auf Deutsch bekommen wir den Tipp, dass es bei der Kirche links abgeht. Wir bedanken uns und als wir den Weg finden regen wir uns ein bisschen über unsere Unaufmerksamkeit auf. (Genau bei der Abzweigung trafen wir zuvor einen Arbeiter und begrüßten ihn, dabei entging uns der abzweigende Weg völlig.)
            Der Pfad verläuft nun wieder parallel zum Meer, was uns erneut tolle Ausblicke beschert. Zu erwähnen sind auch die herrlich drapierten Kunstwerke, mit denen sich einige Korfioten in der Landschaft verewigen.






            Schon bald erreichen wir Pelekas. Wir sehen viele Mietautos und merken, dass wir zum ersten Mal auf unserer Reise in einem Touristenort sind. Als wir die Straße entlanglaufen, sehen wir einen Mann, der vor einem Imbiss steht und genüsslich einen Gyros Pita verspeist. Es stellt sich heraus, dass er der Inhaber ist und wir setzen uns an einen Tisch. Nach den ganzen Erzählungen von Kostas gestern gelüstet es uns doch mittlerweile extrem nach griechischem Essen und so bestellen wir griechischen Salat und Gyros Pita. Der Salat schmeckt schon super lecker und erfrischend als uns der Besitzer des Grills mit stolzem Blick die Gyros Pitas überreicht. „You have to try it!!!“ sagt er bestimmt und wir lassen uns natürlich nicht zweimal bitten. Die nächsten Minuten sind wie in einem Rausch, wir vergessen alles um uns herum… Das ist auf jeden Fall der beste Gyros, den ich je gegessen habe. Dadurch, dass der Fleischspieß über Kohlen gedreht wird, hat das Fleisch ein geniales Grillaroma.



            Beim Bezahlen streicht Stefan einem anwesenden Hund kurz übers Fell. Nicht ohne Folgen, denn die nächsten fünf Kilometer laufen wir ab jetzt zu dritt…



            Der Hund scheint echt gefallen an uns zu haben und ich frage mich irgendwann ob er denn auch noch den Weg zurück findet. Immerhin hat er ein Halsband an und scheint irgendjemandem zu gehören. Als wir jedoch irgendwann an einem Hof mit mindestens fünf bellenden Hunden vorbei laufen, überlegt er es sich anders und kehrt um.
            Schon bald kommen wir auf eine Asphaltstraße, die uns Stück für Stück runter ans Meer führt.





            An diesem genialen Strand stürzen wir uns sofort in die Fluten. Das Wasser ist angenehm warm und wir genießen die Wellen. Außer uns sind nur drei andere Männer am Strand und als wir unsere Füße vom Sand befreien kommt sogleich einer von Ihnen herüber und es stellt sich heraus, dass er deutsch spricht. Jorge ist Spanier und lebt in Wien. Er ist ziemlich euphorisch und möchte heute die Nacht hier am Strand verbringen und lädt uns kurzerhand auch dazu ein. Da wir aber noch etwas weiterlaufen wollen und die Wolken mittlerweile auch dunkler werden entscheiden wir uns wieder aufzubrechen und uns einen geschützteren Lagerplatz zu suchen.

            Der Weg führt weiter am Meer entlang über eine Schotterstraße und uns fällt rechts am Weg eine verlassene Taverne auf. Da wir danach den Weg nicht sofort finden und es anfängt zu tröpfeln beschließen wir uns die Taverne mal anzusehen und darunter Schutz zu suchen. Auf unser Klopfen reagiert niemand und so beschließen wir die Nacht hier zu verbringen.
            Diese Entscheidung war mal wieder perfekt, da es nun immer stärker regnet. Wir machen es uns gemütlich und unsere einzige Sorge ist eine einsame Katze, die doch ganz schön nach unserem Essen giert. Heute machen wir uns Kartoffelbrei und dazu eine korfiotische Salami, die wir noch in Pelekas besorgt hatten. Mit einer Schnur machen wir uns noch eine Wäscheleine und hängen unsere Klammen Sachen auf. Dann verkriechen wir uns in unsere Schlafsäcke und versuchen, zumindest ein bisschen zu schlafen, da das Gewitter ziemlich laut und stürmisch ist.

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            • Wanzenried
              Anfänger im Forum
              • 29.07.2016
              • 13

              • Meine Reisen

              #7
              AW: Korfu Trail Oktober 2016

              Tag 4: Zwischen Plakoto und Vatos – Olivenhain oberhalb von Palaiokastritsa

              Heute brechen wir früh auf, dabei hilft uns natürlich, dass wir keine Zelte abbauen müssen. In den letzten Tagen haben wir gemerkt, dass unser Vorhaben, den ganzen Korfu Trail ab unserem Startpunkt zu schaffen nur dann möglich ist, wenn wir morgens auch zeitig los kommen. Dadurch, dass es um 19 Uhr schon dunkel wird bleibt sonst einfach nicht genug Zeit.
              Kurz nachdem wir loslaufen kommt wieder die Stelle von gestern, an der wir zunächst versuchen links Richtung Meer einen Pfad zu finden. Da dieser aber nach wenigen Metern in undurchdringbarem Gestrüpp endet laufen wir zurück und nehmen die Abzweigung rechts vom Weg auf ein großes Tor zu. Es sieht mal wieder so aus, wie eine Einfahrt zu einem Privatgelände, ist aber nur eine Kirche und kurz vor dem Tor wenn man oben ist sieht man erst den Weg, der links am Tor vorbei geht. Als wir uns umdrehen haben wir tolle Ausblicke auf die Küste.



              Nun geht es weiter nach oben und als wir oben ankommen haben wir tolle Ausblicke auf die in Nebelschwaden gehüllte Insel.



              Laut unseres GPS Tracks geht es jetzt weiter entlang der Straße wieder nach unten, aber wir erkennen einen etwas zugewachsenen Pfad, der rechts abgeht und als Corfu Trail markiert ist. Wir wollen ja schon möglichst den kompletten „richtigen“ Trail wandern und so schlagen wir uns in die Büsche.



              Es ist schon teilweise nervig, ständig das Gestrüpp zur Seite zu schieben aber die Gegend ist mal wieder traumhaft!



              Kurz bevor wir wieder auf die Straße treffen entdecken wir noch ein beeindruckendes Spinnennetz am Wegrand.



              Der Weg führt dann abermals durch Olivenhaine und auf kleinen Straßen, bis wir das Dorf Vatos erreichen. Dort finden wir mal wieder den Weg nicht auf Anhieb aber nach zwei kleinen Abstechern in die falsche Richtung sind wir wieder richtig. Nach dem Dorf sehen wir zum ersten Mal ganz deutlich zwei Varianten des Trails. Die eine geht rechts ab, geradeaus erkennen wir aber noch eine zweite Markierung. Wir laufen geradeaus von unserem GPS Track weg, weil wir Lust haben ein bisschen „wilder“ mit der Karte auf dem Handy zu navigieren.
              Schon bald kommt uns ein Hindernis in den Weg, dass man erstmal mit aufgesetztem Rucksack durchkrabbeln muss (Absetzen ist natürlich keine Option…).



              Direkt danach geht der Weg rechts weiter über eine Wiese, auf der man kaum Spuren erkennen kann. Nur durch Zufall finde ich auf einem Stein auf dem Boden einen eindeutigen gelben Pfeil nach rechts. Kurz vor Giannades wird die Wegfindung dann wieder knifflig und wir versuchen einfach auf dem GPS Track zu laufen und stapfen dabei durch kniehohes Gras.
              Als wir in dem Ort ankommen, füllen wir in einem Supermarkt erstmal wieder unsere Vorräte auf. Die zwei Opas, die hämisch lachend davor sitzen halten uns wahrscheinlich für komplett bescheuert, bei der Hitze mit Gepäck zu wandern. Nach einigen Metern entdecken wir einen tollen Rastplatz und machen es uns auf den Bänken im Schatten gemütlich.



              Nach der Pause geht es weiter auf und ab und wir kommen ordentlich ins Schwitzen. Gut, dass man immer wieder eine kleine Stärkung entdeckt.



              Diese Früchte sehen wir auf dem ganzen Weg immer wieder und da ich zufällig weiß, dass es sich dabei um erdbeerartige Früchte handelt, die nur im Mittelmeerraum wachsen gönnen wir uns immer wieder einen kleinen Snack davon. Der Geschmack erinnert tatsächlich etwas an Walderdbeeren, aber die Frucht ist viel mehliger. Zuhause nachgeschaut handelt es sich dabei um den östlichen Erdbeerbaum.
              Das nächste Dorf, das wir erreichen ist Liapades. Als wir an einer Taverne am Dorfplatz vorbeikommen sind wir uns zum ersten Mal auf der Reise nicht einig. Stefan möchte unbedingt einen Kaffee trinken, ich will lieber noch weiter laufen zum nächsten Strand. Letztendlich lasse ich mich überreden und bestelle bei der Gelegenheit mal wieder einen griechischen Salat. Bei der Hitze gibt es echt kaum was Besseres und ich sehe schnell ein, dass uns die Pause gut tut.



              Der Dorfplatz ist wirklich sehr schön und gerade bauen zwei Händler aus ihrem Kleinbus ein Sortiment an Sägen und Regenschirmen auf. Ja, der Herbst hat wohl auch in Griechenland begonnen, obwohl wir davon heute nichts merken…



              Frisch gestärkt geht es dann auf den Weg hinunter zum nächsten Strand. Da wir heute Abend unser selbstgedörrtes Chili Con Carne machen wollen besorgen wir uns noch ein wenig Brot an einem Imbiss am Strand. Dann machen wir es uns am Ende vom Strand, der wider Erwarten noch gut von Touristen besucht ist, bequem und ich springe sogleich ins Wasser. Stefan hat heute keine Lust zu baden und so schwimme ich ein wenig aufs Meer hinaus und schaue mir die tolle Bucht an.





              Als wir uns langsam fertig machen schauen wir uns nochmal genau den Wegverlauf an. Irgendwo oberhalb des Strandes muss der Weg weiter gehen. Erst laufen wir falsch, dann als wir uns genau auf dem GPS Track befinden endet der Weg abrupt und wir stehen mitten vor einem Pool mit vielen badenden und sich sonnenden Touristen. Also hier kann es ja dann auch nicht sein, denken wir und beschließen nochmal von unten am Strand Ausschau nach dem Weg zu halten. Als ich dann den Bademeister frage, meint er dass es da hinten bei den Felsen am Strand einen Pfad zur Straße hochgeht. Im Nachhinein glaube ich er wollte uns einfach reinlegen…
              Wir klettern also auf den ersten großen Felsen und werden dabei immer misstrauischer, dass hier irgendwo ein Weg weitergehen soll. Von unten ruft uns aber ein im Wasser schwimmender Mann zu, wir müssten noch über die ganzen anderen Felsen drüber. Ok, also versuchen wir das.



              Mittlerweile beobachtet uns auch der halbe Strand bei unserer waghalsigen Aktion. Der Tipp des Mannes ist irgendwie auch nicht hilfreich, da wir mit unseren Rucksäcken unmöglich vom aktuellen Felsen herunter und auf den nächsten Felsen wieder rauf kommen. Umkehren ist irgendwie auch keine Option, das wäre jetzt schon peinlich… Wir malen uns aus, wie wir mit gesenkten Köpfen an den höhnisch lachenden Urlaubern vorbei zurücktrotten. Weiter hinten ist ein Stück zu erkennen, welches ein Pfad sein könnte und so schlagen wir uns einfach mitten durchs dichte Gestrüpp und stoßen gottseidank nach ca. 10 min und von oben bis unten voll mit Blättern und Gestrüpp auf einen Pfad. Puh, das hat richtig Kraft gekostet.
              Im Nachhinein bin ich mir relativ sicher, dass der Pfad wirklich da direkt am Hotelpool irgendwo weiter geht oder es zumindest ursprünglich so gedacht war. Vielleicht ist auch die Hotelanlage noch ganz neu und hat ihren Pool einfach mitten auf den Trail gebaut. Mich würde es auf jeden Fall brennend interessieren, falls demnächst mal wieder jemand auf dem Trail ist, wie man dort weiter kommt.

              Der Weg schlängelt sich nun wieder angenehm durch die Landschaft.



              Bald kommen wir am offiziellen Campingplatz von Palaiokastritsa vorbei, der jedoch schon geschlossen hat. Beim Anblick der Zeltplätze können wir aber nur müde lächeln, denn alle unsere bisherigen Schlafplätze waren um Welten schöner. So langsam sind wir auch mit unseren Kräften am Ende und schauen uns nach guten Lagerplätzen um. Wir sind aber sehr wählerisch und so geht es noch ein ganzes Stück weiter. Ich sage noch zu Stefan, dass ich es im Gefühl habe, dass wir heute noch einen perfekten Platz finden und einige Minuten später werden wir tatsächlich fündig. Der Blick von hier auf Palaiokastritsa und den Hafen ist mal wieder atemberaubend! (Leider auf dem Foto nicht so ganz zu erkennen).



              Wir sind heilfroh über den tollen Platz und machen uns direkt unser Chili Con Carne. Ich hatte das Gericht schon einmal auf Tour ausprobiert und war so begeistert, dass ich extra für die Tour wieder 1,6kg Chili gedörrt habe. Die Portion mit dem Brot zusammen ist dann auch wirklich riesig. Es schmeckt super und am Ende müssen wir uns schon fast quälen alles noch in uns hinein zu stopfen. Die Nacht ist extrem mild und zum Glück dieses Mal auch nicht feucht.

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              • Wanzenried
                Anfänger im Forum
                • 29.07.2016
                • 13

                • Meine Reisen

                #8
                AW: Korfu Trail Oktober 2016

                Tag 5: Olivenhain oberhalb von Palaiokastritsa – Olivenhain hinter Valanio

                Am Morgen brechen wir wieder früh auf und laufen die ersten Kilometer im glühenden Licht der aufgehenden Sonne. Im nächsten Dörfchen entdecken wir dieses Schild:



                Der kleine Ort besteht hauptsächlich aus Ferienhäusern wie es scheint. Der Ausblick von hier ist auch wirklich nicht zu verachten.



                Nachdem wir das nächste Dörfchen Krini passiert haben, bietet sich uns ein toller Ausblick auf den Strand von Agios Georgios (Nord). Im weiteren Wegverlauf sind die Markierungen wieder sehr spärlich oder komisch angebracht, sodass wir ein-, zweimal Olivenbauern nach dem Weg fragen.



                Der Abstieg durch die Olivenhaine zieht sich ewig, da man den Ort schon vor Augen hat aber nochmal einen ordentlichen Schlenker den Berg hinab macht.
                Im Dorf angekommen sieht man sofort, dass hier komplett alles ausgestorben ist. Im einzigen offenen Cafe am Strand wollen wir eigentlich frühstücken aber der Besitzer macht uns klar, dass es nichts mehr zu essen gibt. Er schlägt aber vor, dass wir doch etwas trinken können und uns im angrenzenden Supermarkt mit Lebensmitteln eindecken. So machen wir es dann auch und frühstücken ein paar verpackte Muffins.



                Gut gestärkt geht es dann wieder durch den Ort und ordentlich nach oben.



                Dieser Bus hat seine besten Tage wohl auch schon hinter sich. Er passt sich aber auch so toll in die Landschaft ein. Nachdem wir wieder ein paar Höhenmeter heruntergerissen haben können wir erneut auf das ausgestorbene Touristendorf schauen.



                Der weitere Verlauf des Weges ist wieder einmal genial und die Wegführung auch ausgefeilt. Man beachte das CT auf dem Auto.



                Kurze Zeit später geht der Weg wieder ein Stück auf der Straße entlang. In Aspiotades kommt uns eine geöffnete Taverne sehr gelegen und wir nehmen komplett verschwitzt auf den Stühlen draußen Platz. Wir fragen uns ob die Stühle danach desinfiziert werden oder gleich auf einem der zahlreichen Müllhaufen schön drapiert werden…
                Der Besitzer ist die Ruhe in Person, völlig unaufgeregt bringt er uns unsere Getränke und natürlich auch unseren griechischen Salat. Sehr angenehm und unaufdringlich der Mann. Wir genießen den ganz klar besten Salat auf unserer Reise und erholen uns im Schatten der Veranda ein wenig.



                Ich nutze dann noch die Gelegenheit und wasche mein Shirt auf der Toilette richtig gründlich, so langsam fing es doch ziemlich zu stinken an. Das feuchte Shirt danach auf der Haut war an diesem Tag eine echte Wohltat.
                Auf unserem weiteren Weg kommen wir nach Agios Athanasios, wo wir uns mal wieder komplett verlaufen. Irgendwie finden wir keinen Weg, wo unser GPS uns langführen will. Letztendlich schlagen wir uns durch irgendwelche Gärten und treffen am Ende der Aktion doch wieder auf den richtigen Weg. Wo dieser vorher abzweigte bleibt uns ein Rätsel aber um zurückzulaufen und nachzusehen sind wir natürlich zu faul. Im weiteren Verlauf kommen wir zu einer Siedlung und einer für hiesige Verhältnisse viel befahrenen Straße. Da wir dort keinen Supermarkt finden, fragen wir die Anwohner nach dem Wasser an einem Wasserhahn. Die sind sich nicht ganz einig, die einen meinen es wäre trinkbar, die anderen eher nicht. Wir versuchen also separat etwas abzufüllen und planen, mit dem Wasser zumindest unser Essen heute Abend zu kochen. Eine nette junge Frau, die im angrenzenden Laden arbeitet ist supernett und besteht darauf, dass wir ihre letzte 0,5 Liter Flasche Wasser auch noch mitnehmen. Wir müssen ja ganz schön fertig aussehen…

                Wir machen uns weiter auf den Weg und laufen rechts von der Siedlung weg. Wir erkennen sogar einen extrem verblichenen gelben Punkt. Hier merkt man nun richtig, dass hier kaum noch Wanderer unterwegs waren in letzter Zeit. Bald stehen wir vor einem Fluss und versuchen irgendwo einen Weg zu erkennen.



                Da es uns aber nicht gelingt und es die einzige Möglichkeit scheint, ziehe ich meine Schuhe aus und furte durch den kleinen Fluss. Der Weg geht direkt danach kurz nach rechts und dann kann man ganz leicht Spuren nach links erkennen. Also warte ich erstmal auf Stefan und nachdem wir beide wieder unsere Schuhe angezogen haben machen wir uns auf den Weiterweg. Nach einigen hundert Metern soll wohl der Pfad nach rechts abgehen. Wir sehen dann auch einen steilen Anstieg der aber im nichts endet. Wir schauen ganz genau und geben uns langsam damit ab, dass der Pfad vielleicht einfach nicht mehr existiert (Im Nachhinein auf der Karte betrachtet hätte der Trail allerdings etwas früher rechts abgehen sollen, vielleicht haben wir den richtigen Abzweig da verpasst). Also laufen wir geradeaus weiter auf die Straße zu und entdecken dabei noch dieses kleine Highlight:



                Der Weg schlängelt sich nun stetig die Asphaltstraße hinauf, bis wir schließlich in Valanio sind. Nach dem Dorf treffen wir wieder auf den verwendeten GPS Track und laufen auf angenehmen Schotterwegen einen Anstieg hoch durch Olivenhaine.



                Schon bald ist es wieder soweit und wir sehen einen perfekten Platz zum Übernachten.



                Zum Essen gibt es heute wieder eine Trekkingmahlzeit für jeden, von meiner bin ich dieses Mal nicht so überzeugt aber es macht zumindest gut satt. Ich stelle wie letzte Nacht wieder nur mein Innenzelt auf, bemerke aber dass die Luftfeuchtigkeit wieder extrem hoch ist. Im Dunkeln baue ich notgedrungen doch noch das Außenzelt mit auf, obwohl ich nicht sicher bin, ob das wirklich etwas gegen die Feuchtigkeit bringt.

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                • Wanzenried
                  Anfänger im Forum
                  • 29.07.2016
                  • 13

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: Korfu Trail Oktober 2016

                  Tag 6: Olivenhain hinter Valanio – Strand an der Nordküste

                  Am Morgen als Stefan schon im Dunkeln mit seiner Stirnlampe sein Zelt abbaut hören wir ein Auto, das nicht weit von unserem Platz entfernt anhält. Wir beraten kurz wie wir uns verhalten sollen und beschließen ganz offen mit unserer Situation umzugehen und nicht zu versuchen extra leise zu sein oder die Stirnlampe auszuschalten. Schon bald hören wir jemanden rufen und wir rufen ihm auf Englisch zu, dass wir gestern keinen Platz zum Schlafen finden konnten und deshalb hier unsere Zelte aufgeschlagen haben. Wir versichern ihm, dass wir in 15 min wieder verschwunden sind. Zum Glück versteht er gut Englisch und so beeilen wir uns beim Packen unserer Rucksäcke. Als wir dann loslaufen und den Mann zu Gesicht bekommen erkennen wir seine Tarnkleidung und ein Gewehr in der Hand. Er ist sehr freundlich und erklärt uns, dass zu dieser Jahreszeit die ganzen Vogelschwärme aus dem kalten Norden hierher ziehen und er sich öfter mal ein paar Vögel schießt um sie später zu essen.

                  Wir laufen weiter und hören beängstigende, laute Schüsse. Auch wenn wir uns denken können, dass es andere Vogeljäger sind, ist uns doch extrem mulmig zumute und wir halten inne. Wir beschließen uns einfach übertrieben laut zu unterhalten. Der Plan geht zum Glück auf und so passieren wir den nächsten Jäger in Tarnkleidung, den wir auch freundlich grüßen. Überall hören wir die Schüsse und sind froh, bald aus dem Wald draußen zu sein und auf einer Straße zu laufen.
                  Dabei entdecken wir dieses Auto am Wegrand:



                  Schon bald hören wir die nächsten Schüsse und sehen einige Männer, die am Rande von Sokraki auf die Vögel ballern. Wir sehen wie einer der Männer gerade einen Vogel voll erwischt hat und ich beschließe ihm dazu zu gratulieren, um die Angespanntheit ein wenig aus der Situation zu nehmen. Ich rufe ihm „Nice shot!“ zu und er lässt sich stolz per Handschlag gratulieren. Die Typen sind völlig krank drauf, er erzählt uns dass sie das zum Spaß machen, weil es ihre Väter auch schon an genau der gleichen Stelle damals gemacht haben. Währenddessen schießt sein Kumpel einfach ohne Rücksicht zwei Meter neben uns mit ohrenbetäubendem Lärm in die Luft. Direkt dahinter sitzt noch ein Opa in seinem Klappstuhl und schaut sich an ob die heutige Generation auch noch genauso zielsicher ist wie die seinige. Wir machen uns schnell aus dem Staub, der Lärm ist wirklich nicht auszuhalten. Dummerweise laufen wir dabei aber in die falsche Richtung, nämlich ins Dorf hinein. Nach wenigen Metern bemerken wir unseren Fehler und müssen wohl oder übel wieder an den Draufgängern vorbei. Dabei spricht uns nochmal der Mann von vorhin an und als er erfährt, dass wir aus Deutschland kommen fragt er uns warum wir denn nicht in Deutschland sind und für die Griechen arbeiten, damit sie den ganzen Tag auf Vögel ballern können. So Verrückt die Typen auch sind, der Humor gefällt mir und ich sage, dass wir uns nur eine kurze Auszeit gönnen und schon bald wieder für sie schuften. Oder war es doch gar kein Humor?... Auf jeden Fall gibt er uns noch mit auf den Weg, dass wir in Deutschland erzählen sollen, dass die Korfioten den ganzen Tag fleißig arbeiten.
                  Auf dem weiteren Weg begegnen wir noch zahlreichen Vogeljägern. Einmal erschrecke ich mich übel, als direkt neben uns plötzlich wieder zwei Jäger in Tarnkleidung stehen, die ich vorher nicht bemerkt hatte. Wir versuchen weiterhin uns laut zu unterhalten und laufen irgendwann durch dicht bewachsenes Gelände.



                  Nach diesem Abschnitt treffen wir erneut auf drei Jäger, die uns auch direkt bemerken und uns interessiert nach unserer Wanderung befragen. Wir geben gerne Auskunft, immerhin hatte sich bisher noch kein Einheimischer ernsthaft für unsere Wanderung interessiert. Die drei Typen sind auch das absolute Gegenteil von den vorherigen Draufgängern und betonen, dass sie sich wirklich nur ganz wenige Vögel schießen und sich diese dann als leckeres Mahl zubereiten.

                  Kurz nach dieser Begegnung kommen wir auf eine Straße, die links und rechts umsäumt ist von Schrebergärten. Auch hier sehen wir noch einige Vogeljäger, nur tun sie uns hier fast schon Leid, da man kaum mal einen Vogel zu Gesicht bekommt. Es geht noch ein ganzes Stück über Asphalt weiter bis wir schließlich nach Spartilas kommen. Dort angekommen fragen wir einfach den ersten Menschen nach einer Taverne bzw. einem Supermarkt. Der Mann ist Engländer, wie auch schon Richard, den wir am zweiten Tag getroffen hatten. Er erzählt uns, dass er seit vier Jahren hier lebt und bis letztes Jahr noch den Trail rund um den höchsten Berg Pantokrator gepflegt hat und jetzt aber wegen seiner Hüfte dazu nicht mehr in der Lage ist. Er erzählt auch von Hillary (Nachnamen vergessen), einer Engländerin die den Trail einst erfand und nun in Korfu Stadt wohnt. Dann erzählt er noch über verschiedenste Gepflogenheiten der Korfioten und man merkt, dass er nicht die höchste Meinung über die einheimische Bevölkerung hat. Zumindest weckt er in uns schon mal Vorfreude auf den kommenden Aufstieg, den er als sehr interessant beschreibt.

                  Das Cafe, das er uns empfohlen hatte, hat zwar einen bombastischen Ausblick aufs Meer aber leider außer Sandwich zu dieser Tageszeit noch nichts zu essen. So bestelle ich mir eines und wir gehen weiter zum Supermarkt um uns noch Wasser und ein paar kleine Snacks zu besorgen. Im Supermarkt entdecken wir einen großen Bottich mit Fetastücken und beschließen uns ein Stück fürs Abendessen mitzunehmen.



                  Die Frau leidet unter extremen Hustenanfällen und wir machen uns im Nachhinein einen Spaß daraus uns vorzustellen, dass wir der Auslöser dafür waren.

                  Nachdem wir unser Proviant eingepackt haben gehen wir wieder ein kleines Stück durch den Ort zurück bis zu einem Haus, an dem wir vorher die Markierung des Trails entdeckt hatten. Der Aufstieg beginnt sehr sanft. Leider hängt gerade heute eine richtige Nebelsuppe über der Insel, so dass wir bis auf die tolle Vegetation und den Pfad nicht viel erkennen.



                  Schon bald wird es steil und der Weg verläuft durch dicht bewachsenes Terrain.



                  Als wir dann oben auf einen Feldweg treffen merkt Stefan, dass er seine Uhr verloren hat. Da er sich sicher ist, sie vor einer halben Stunde noch gehabt zu haben, entschließt er sich umzudrehen. Ich habe nicht wirklich Lust an dieser nicht gerade zur Rast einladenden Stelle zu warten und so vereinbaren wir, uns auf dem Gipfel zu treffen. Wir waren uns eigentlich noch gar nicht sicher, ob wir bei der nichtvorhandenen Aussicht wirklich auf den Gipfel wollen, aber es schien uns der einzige unverfehlbare und logische Treffpunkt zu sein.

                  Der Weg von dem Punkt an bis zur Gipfelkuppe zieht sich dann noch ziemlich und man muss aufmerksam immer nach den gelben und hier oben mittlerweile auch roten Punkten Ausschau halten.



                  Nach einer gefühlten Ewigkeit erreiche ich die Asphaltstraße, auf der ich die letzten Höhenmeter in Serpentinen nach oben gehe. Oben angekommen mache ich mich erstmal auf der Toilette des Cafes etwas frisch und setze mich später neben das alte Kloster und trockne mein nasses Zelt auf einem Geländer. Schon bald taucht auch Stefan auf, er hat seine Uhr tatsächlich gefunden! Wir machen noch eine kleine Rast und werden dabei von zig Katzen umzingelt, die unbedingt an unser Beef Jerky wollen.



                  Kurze Zeit später spricht uns Frank aus Tschechien an. Er erzählt, dass er eigentlich hier Couchsurfing machen wollte, aber seine einzige feste Zusage kurz vorher wieder abgesagt hatte. So macht er eine Woche hier Urlaub und schläft im Flughafen oder ohne Zelt und Matte draußen mit dem Schlafsack. Sein ganzes Gesicht ist komplett voll mit Mückenstichen. Heute hat er sich günstig ein Quad geliehen und rast damit über die halbe Insel. Der Typ ist echt in Ordnung aber man merkt, dass er enormen Redebedarf hat. So eisen wir uns auch bald los, weil wir ja noch etwas Strecke machen wollen heute.
                  Beim Abstieg schießen wir noch schnell ein Foto von den hässlichen Antennen auf dem Berg.



                  Nach der Asphaltstraße geht schon bald rechts ein Schotterweg ab, den wir bis zu einer Abzweigung nach rechts weitergehen. An dieser Stelle führt der Korfu Trail wohl in einigen Führern wieder hinunter bis ans Meer. Da ich aber gelesen hatte, dass der Weg sich ziemlich lange und auf Asphaltstraßen bergab schlängelt hatte ich von vorneherein einen Weg links davon für uns auserkoren. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Schlenker zum Meer runter bei Benitses und auch hier am Pantokrator nachträglich von Tourismusverbänden oder auch von Hotelbesitzern etc. eingeführt wurden. Es wäre wirklich toll, sich mal mit Hillary zu treffen, die den Weg ursprünglich markiert hat.

                  Kurz nach der Abzweigung nach rechts sehen wir nämlich die erste und einzige überdachte Raststelle auf unserer Wanderung und direkt daneben einen eindeutigen als Korfu Trail markierten Pfad.



                  Dieser führt uns stetig hinunter bis wir das (fast) ausgestorbene Dorf Old Perithia erreichen. Für die Touristen hat man nämlich einige Tavernen hier im Geisterdorf eröffnet.



                  Wir schauen uns noch kurz ein paar der verfallenen Häuser an und machen uns dann auf den Weiterweg. Wir laufen wieder durch Olivenhaine und machen uns schon bald auf die Suche nach einem Lagerplatz, da es langsam auch spät ist und wir auch ziemlich entkräftet. Leider sind hier aber wirklich alle Flächen irgendwie schräg und völlig ungeeignet als Zeltplatz. Beim ersten halbwegs guten Platz schmeißen wir sofort unsere Rucksäcke hin und bauen unseren Spirituskocher auf. Die Freude währt aber nicht lange, uns attackieren hunderte Moskitos, ich schlage nur noch um mich. Blöd nur, dass wir beide ein Mückenschutzmittel vergessen haben... Auch Stefan kämpft mit den Moskitos, und das will schon etwas heißen, hatten sie ihn bisher doch immer verschont.

                  Wir hadern mit der Situation und entschließen uns letztendlich alles einzupacken und noch die ca. 3 km bis ans Meer runterzulaufen. Wir schleppen uns förmlich den Weg hinunter, bis wir wieder auf eine Straße treffen. Dort geht der Weg nochmal für ein kurzes Stück durch die Büsche, aber als wir sehen, dass dort kaum ein Durchkommen ist gehen wir auf der Straße weiter. Dann laufen wir direkt aufs Meer zu bis zu einem Strand an dem wir eine verlassene Strandhütte entdecken. Nach kurzer Inspektion sind wir begeistert und lassen uns hier nieder. Die Hütte hat sogar einen überdachten Tisch und eine Bank und einen Wasserhahn! Sofort stellen wir wieder den Kocher auf und kochen uns heute Nudeln mit Pilzsoße. Dazu gibt es für jeden noch ein riesen Stück von dem Feta, den wir in Spartilas gekauft hatten. Das Essen ist genial, nie hätte ich gedacht , dass diese Kombination so extrem gut schmeckt. Als Nachtisch gönne ich mir noch meine restliche halbe Tafel Schokolade. Danach versuche ich noch ins Meer zu gehen, aber durch die rutschigen Steinplatten im Wasser und die Dunkelheit lasse ich es dann doch lieber bleiben. Schon bald schlafen wir ein und ich schlafe in dieser Nacht so gut wie noch nie auf der Reise.

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                  • Wanzenried
                    Anfänger im Forum
                    • 29.07.2016
                    • 13

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: Korfu Trail Oktober 2016

                    Tag 7: Strandhütte - Strand von Agios Spiridon - Greenbus Haltestelle an der Abzweigung nach Perithia

                    Heute Morgen lassen wir uns für alles so richtig Zeit und machen uns noch einen fünffachen Schokochino, weil wir den noch übrig haben. Nach diesem Zuckerschock sind wir auch bald schon richtig wach und packen und machen uns auf den restlichen Weg an der Küste entlang. Das GPS Gerät haben wir übrigens für die letzten paar Kilometer nicht mehr angeschaltet. Der Weg ist eigentlich sehr einfach zu finden, es geht einfach immer an der Küste entlang. Dabei begegnen wir Ziegen- und Schafsherden.



                    Ich versuche zunächst noch barfuß zu laufen, um etwas Luft an die geschundenen Füße zu lassen, aber schon bald wird der Weg schroffer und steiniger und so ziehe ich notgedrungen doch wieder meine Schuhe an. Der Weg zieht sich noch ein ganzes Stück, irgendwie hatten wir solch ein Terrain für heute nicht mehr erwartet. Der Weg an sich ist aber super schön und man bekommt tolle Ausblicke auf das Meer und auf die Berge Albaniens. Nach einer ganzen Weile kommen wir dann an den Strand von Agios Spiridon und damit auch an den offiziellen Endpunkt des Corfu Trails (irgendeinen Hinweis oder ein Schild, das darauf hinweist konnten wir jedoch nicht entdecken).



                    Der Strand ist mal wieder komplett ausgestorben. Wir machen es uns auf dem Chefplatz des Bademeisters gemütlich und gehen dann auch ins Meer und genießen die willkommene Erfrischung. An der Dusche waschen wir uns noch gründlich und fühlen uns seit langem mal wieder so richtig sauber und frisch. Bald machen wir uns auf den Weg zur ca. 2 km entfernt gelegenen Greenbus Haltestelle und setzen uns dort noch ins Ice Dream (eine kleine Eisdiele mit Waffelspezialitäten).Hier versüßen wir uns unsere Wartezeit mit einer Megaportion Waffel mit Eis.



                    Die junge Frau, die dort arbeitet ist total nett und erklärt uns noch, dass die Haltestelle für den Bus einfach gegenüber ist und es kein Bushaltestellenschild oder ähnliches gibt. Außerdem dürfen wir noch unser Handy aufladen. So lässt sich die Wartezeit gut überbrücken und wir versuchen nochmal grob durchzugehen, was wir in den vergangenen Tagen alles erlebt haben. Dabei bemerken wir, wie schnell man doch vieles wieder vergisst, bzw. zeitlich nicht einordnen kann. Dank der Bilder und unseres GPS Tracks ging das Einordnen für den Bericht dann aber wieder ganz gut.

                    Als wir dann endlich im Bus sitzen beginnt es auch kurze Zeit später schon zu regnen. Ich freue mich innerlich, schließlich hatten wir wirklich extrem Glück mit dem Wetter. Bis auf die ca. eine Stunde Regen am Starttag hat es auf unserer ganzen Wanderung nur zweimal nachts geregnet. In Korfu Stadt essen wir dann nochmal jeder zwei leckere Gyros Pita und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten ein. Mit dem Bus geht es dann zum Flughafen.

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                    • HAL 23562
                      Dauerbesucher
                      • 31.12.2005
                      • 551

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: Korfu Trail Oktober 2016

                      Toller Bericht, schöne Bilder! Danke!!!

                      HAL
                      Vieles kommt - aber alles geht!

                      Den Plünnenkreuzer, Landgänger und das neue raus&weg-Blog findet ihr entsprechend der Forumsregeln unter diesem einen Link - click!

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                      • Roldi
                        Anfänger im Forum
                        • 03.05.2015
                        • 19

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: Korfu Trail Oktober 2016

                        Spitzenmäßiger Bericht! Da will ich auch hin ....
                        “I haven't been everywhere, but it's on my list.”
                        (Susan Sontag)

                        Unser Blog/our blog: www.weltradreise.blogspot.de

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                        • Wanzenried
                          Anfänger im Forum
                          • 29.07.2016
                          • 13

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: Korfu Trail Oktober 2016

                          Freut mich, dass der Bericht so gut ankommt

                          Hier noch ein kleines Fazit und ein paar Erläuterungen:

                          - Genialer Wanderweg durch tolle Landschaften und verschlafene Bergdörfer

                          - Je nach Etappensetzung kommt man fast jeden Tag an einen Strand. An jedem Strand gibt es auch eine Dusche oder
                          zumindest einen Schlauch aus dem Süßwasser fließt.

                          - Korfu wird aus gutem Grund die „grüne Insel“ genannt.

                          - Die einheimische Bevölkerung ist oft anfangs zurückhaltend, aber sehr hilfsbereit und freundlich.

                          - Man hat es ziemlich gemerkt, dass der südliche Teil des Trails bis Pelekas deutlich besser ausgeschildert ist und öfter begangen wird (vor allem wohl dank Kostas und Richard). Ab Pelekas waren einige Abschnitte komplett zugewachsen und ohne GPS hätten wir an vielen Stellen niemals den Weg gefunden.

                          - Die Wasserversorgung ist auch ziemlich problemlos, wir kauften meist Wasser in einem kleinen Tante Emma Laden, die es in den meisten Dörfern gibt (allerdings auch nachmittags öfter geschlossen sind). In Bergdörfern gibt es oft einen Wasserhahn, der meist Wasser direkt aus einer Quelle am Berg abzapft. Das Wasser war tatsächlich besser vom Geschmack als das gekaufte. Von Bächen oder Flüssen würde ich auf keinen Fall Wasser nehmen, die waren meist komplett zugemüllt.

                          - Unsere Zeltplätze waren allesamt genial, ich habe etwas überlegt ob ich die Bilder in den Bericht einfügen soll, aber aus Respekt vor den jeweiligen Besitzern der Grundstücke habe ich es gelassen. Das wild zelten ist dort wirklich überhaupt kein Problem, wenn man sich entsprechend verhält. Die beiden Menschen, die uns dabei offensichtlich gesehen haben waren beide super freundlich (der Besitzer der Mandarinenbäume und der wartende Vogeljäger).

                          - Unsere Essensvorräte waren ideal (für jeden Abend ein warmes Essen und zusätzlich Snacks und Riegel über den Tag, Müsliriegel z.B. haben wir selten in den kleinen Märkten gesehen. Dazu haben wir uns dann immer wieder mal einen griechischen Salat oder ein kühles Getränk bzw. einen Kaffee in einem Lokal gegönnt).

                          - Die Anstiege sind schon teilweise steil und anstrengend, aber dafür auch nie sehr lang.

                          - Die Temperaturen waren bei uns auch Ende Oktober nachts noch sehr mild. Ich würde schätzen, dass es nie kälter als 13-15 Grad Celsius war. Wir sind dreimal schon im Dunkeln aus dem Zelt gekrochen und ich hatte dabei immer nur Shorts und T-Shirt an.

                          - Das GPS meines Handys war sehr gut und genau. Stefan hatte sich extra noch ein Garmin Gerät ausgeliehen mit dem wir die meiste Zeit navigiert haben bzw. einfach immer wieder draufgeschaut haben, ob wir noch richtig sind. Bei kritischen Stellen haben wir manchmal auf dem Handy nachgeschaut, da es einfach detaillierter und besser ablesbar ist. Außerdem habe ich herausgefunden, dass man die GPS Ortung auch im Flugmodus benutzen kann und somit viel Akku spart. Bei der nächsten ähnlichen Tour (wenn GPS benötigt wird) würde ich nur noch das Smartphone und evt eine größere Powerbank mitnehmen.

                          - Bei der Wegfindung gibt es keinerlei Regeln oder Anhaltspunkte. Die Markierungen können auf Zäunen, Bäumen, Häusern, hinter Gestrüpp sein und die Wege und Abzweigungen sehen oft nicht danach aus, dass dort jetzt ein Wanderweg weiterführt. Auch nach der Richtung, in die man läuft sollte man sich nicht unbedingt immer richten, den Fehler haben wir zwei-, dreimal gemacht. Außerdem haben wir einige Male Abzweigungen verpasst weil wir Unaufmerksam waren und/ oder in ein Gespräch vertieft.

                          Alles in allem ein genialer Urlaub. Wir haben irgendwann auch angefangen uns über Kleinigkeiten künstlich aufzuregen, weil alles so glatt lief (zumindest bis auf die Wegfindung...)

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                          • blauloke

                            Lebt im Forum
                            • 22.08.2008
                            • 6517

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [GR] Korfu Trail Oktober 2016

                            Interessanter Bericht von einer schönen Insel.

                            Mich stören allerdings die weißen Flächen mit denen du eure Gesichter verdeckt hast. Die machen die ganzen Fotos kaputt. Wenn ihr nicht erkannt werden wollt dann stell halt nur Bilder ohne Personen ein.
                            Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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                            • Guy Threepwood
                              Anfänger im Forum
                              • 01.06.2009
                              • 23

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [GR] Korfu Trail Oktober 2016

                              Ein wirklich, schöner Reisebericht.
                              Ein kleiner Tipp zu den Kaktusfrüchten. Wenn man diese über Nacht in Wasser einlegt, verlieren die ihre Stacheln.
                              Ihr habt es mit der Sonnencreme im Gesicht etwas übertrieben

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                              • Wanzenried
                                Anfänger im Forum
                                • 29.07.2016
                                • 13

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [GR] Korfu Trail Oktober 2016

                                Ja das mit den Gesichtern ist echt nicht ganz optimal. Ich hatte den Bericht zuhause in Word geschrieben und habe einfach alle Bilder genommen, die gut zum Text gepasst haben. Erst später hab ich die dann noch schnell "zensiert". Beim nächsten Bericht wird das auf jeden Fall besser gelöst

                                Und danke für den Tipp mit den Kaktusfrüchten! Wieder mal was gelernt

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                                • Galadriel

                                  Dauerbesucher
                                  • 03.03.2015
                                  • 913

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [GR] Korfu Trail Oktober 2016

                                  ... ja sehr schöner Bericht, erinnert mich an mene Tour auf Kreta vor fast 20 Jahren......
                                  Wandern & Flanieren
                                  Neues entdecken durch Langsamkeit

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                                  • oneofakind
                                    Gerne im Forum
                                    • 07.08.2014
                                    • 77

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [GR] Korfu Trail Oktober 2016

                                    Super Bericht! Ich sammle gerade Touren für Herbst/Winter und da kommt mir der Bericht sehr gelegen!

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                                    • Gunnie
                                      Neu im Forum
                                      • 21.11.2018
                                      • 1

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [GR] Korfu Trail Oktober 2016

                                      Hi, falls euch die Antwort nach 2 Jahren noch interessiert: vom Hausstrand bei Liapades den Weg nach Paleokastritsa zu finden, heißt tatsächlich über das Hotelgelände mit dem Pool zu latschen. Ich war grad Mitte November dort, Wetter noch fantastisch und null Leute mehr dort. Beste Wandergrüsse!

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                                      • Wespe
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                                        • 16.09.2021
                                        • 3

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        UPDATE September 2021

                                        Hallo Wanzenried,

                                        bei unserer Internetrecherche nach dem Corfu Trail hat es uns u.a. zu deinem tollen Bericht verschlagen, der sehr informativ und hilfreich war, obwohl mittlerweile schon 5 Jahre vergangen sind.
                                        Wir wollten den Corfu Trail unbedingt komplett vom Süden bis in den Norden und mit Zelt begehen und haben im Vorfeld genug Zeit eingeplant. Feste Etappenziele haben wir uns nicht gesetzt, einfach wie weit wir kommen oder Lust bzw. Kraft haben. Vor allem deine Beschreibungen der Landschaft (schräge Hanglage, Olivenhain, einsamer Strand) haben uns während der Tour echt geholfen abzuschätzen, wo wir abends geeignete Plätze zum übernachten finden.

                                        Wir sind Anfang September 2021 unterwegs gewesen und haben immer richtig tolle Flecken gefunden. Viele markante Details deines Berichts und der Fotos haben wir auch wiedererkannt.

                                        Für alle, die auch hier landen, nun ein kleines Update und einige weitere Informationen.

                                        Etappen

                                        Anreisetag:
                                        vormittags gelandet, mit Bus nach Kavos (günstiges Zimmer für eine Nacht), am Nachmittag erster Teil des Corfu Trails mit leichtem Gepäck und etwas abgewandelt als Rundtour zum Kap Asprokavos

                                        Tag 1:
                                        von Kavos über Lefkimmi bis zum Strand kurz vor Santa Barbara, wenn man zum Strand absteigt, bietet sich gleich der breite Abschnitt zum Übernachten super an

                                        Tag 2:
                                        über Agios Georgios, Dünen und Korission-Lagune bis Olivenhain kurz vor Paramonas

                                        Tag 3:
                                        Stranddusche in Paramonas, über Ano Pavliana, Vouniatades, Stroggili hoch bis Dafnata, hier durften wir auf dem Grundstück von Kostas zelten, das machen wohl auch öfter welche

                                        Tag 4:
                                        über Makrata hoch zum Agii Deka und wieder runter zur Westküste über Kamara, Sinarades und Pelekas bis zum Mirtiotissa-Strand

                                        Tag 5:
                                        entlang der Westküste weiter nach Norden durch Vatos, Giannades, Liapades, vorbei am Campingplatz bis zu einem Olivenwäldchen vor Lakones

                                        Tag 6:
                                        kurzer Erholungstag über Krini bis Agios Georgios Pagon, hier etwas außerhalb günstig im Zimmer übernachtet

                                        Tag 7:
                                        Beim Aufstieg viele kleine Dörfer durchwandert, dann weiter nach Agros und Valanio hoch bis Sokraki, Übernachtung auf halber Strecke nach Spartilas

                                        Tag 8:
                                        von Spartilas vorbei an einer sehenswerten Klosterruine bis zum Pantokratorgipfel, danach nur noch abwärts über Palea Peritheia, Krinias und Portes, hier mussten wir lange nach einem geeigneten Platz suchen

                                        Tag 9:
                                        die letzten 6 km bis zum Strand von Agios Spiridon gemütlich bis ans Meer runter (die von dir beschriebene Hütte hat mittlerweile kein Dach mehr) und dann einen kleinen Pfad bis zum Ziel direkt an der Küste lang
                                        Die gelbe Makierung biegt irgendwann rechts einen Schotterweg ab, das haben wir ignoriert.

                                        Wir sind meistens gegen 9 Uhr los und haben uns zwischen 17 Uhr und 19 Uhr einen Platz zum schlafen gesucht. Täglich haben wir immer um die 20 km (plus/minus) zurückgelegt .

                                        Gedruckte Wanderführer oder Karten sind nicht notwendig, mit GPS Track und Markierungen ist der Weg gut zu finden. Wir haben allerdings noch den Rother Wanderführer dabei gehabt, da wir auch nach dem Trail noch genug Zeit auf der Insel hatten. Dort ist übrigens ein Foto einer Palme am Strand von Agios Spiridon abgebildet, an der wohl das Ende der Tour sein soll. Die Palme gibt es mittlerweile nicht mehr, der abgesägten Baumstumpf ist aber noch erkennbar.

                                        Wegfindung / Markierungen

                                        Im Süden von Kavos bis Agios Georgios Pagon (Nord) sehr gut markierter Wegverlauf. Sieht aus, als wäre es erst vor kurzem aufgefrischt worden. Im nördlichen Teil sind die Markierungen spärlicher.
                                        Generell wird scheinbar der südliche Teil stärker begangen als der Norden. Dort waren die Wege viel zugewachsener.

                                        Sehr wenige klassische Corfu Trail Schilder, hauptsächlich die gelben Markierungen in Form von Punkten, Strichen, Pfeilen oder CT. Man muss aber an jeder Wegkreuzung genau hinschauen, die Markierungen können überall sein, am Boden, auf der Straße, auf Steinen, an entfernteren Bäumen oder Pfählen, an Hausecken oder Mauern, alten Autos oder sonstigen verrosteten Hinterlassenschaften.
                                        Trotzdem haben wir uns immer nochmal über den GPS Track vergewissert, ob wir noch richtig sind, ab und zu sind wir auch mal falsch abgebogen, das haben wir aber jedes Mal noch rechtzeitig bemerkt.

                                        Anderen Wanderern sind wir nur selten begegnet, sie hatten auch immer nur leichtes Gepäck dabei.

                                        Am Strand von Liapades geht der offizielle Weg nun tatsächlich am nördlichen Ende über den großen Felsen. Da sind mittlerweile so viele gelbe Markierungen angebracht, das ist nicht zu übersehen. Gleich oben am Felsen geht der Weg leicht nach rechts durch ein kleines Gebüsch und kurz darauf steht man am Ende der Hotelanlage mit Blick auf Pool und sich in den Liegestühlen sonnende Urlauber. Dann geht es durch ein Wäldchen einen Trampelpfad bergauf.
                                        Wie schon beschrieben, ging der Corfu Trail wahrscheinlich mal dort lang, wo nun die Hotelanlage steht.

                                        Was die Wegführung Benitses oder auch im Norden die Kurve nochmal an die Küste betrifft, die auf einigen Karten eingezeichnet ist, denken wir auch, dass das nur für Übernachtungen in festen Unterkünften gedacht ist. Der offiziell markierte Wanderweg ging direkt von Dafnata die Straße weiter Richtung Makrata. Im Norden nach dem Pantokratorgipfel führt der markierte Weg auch weiter bis zum überdachten Rastplatz und direkt daneben links runter nach Palea Peritheia, auch hier war keine andere Markierungen Richtung Ostküste zu sehen.

                                        Wetter

                                        Anfang September ist es zwar noch sehr heiß und wir haben uns jedesmal gefreut, wenn es bedeckt war, dafür wird es aber um 7 Uhr hell und die Sonne geht erst gegen 20 Uhr unter, dann wird es aber schnell dunkel. Wir wurden nur einmal kurz vor Agios Georgios Pagon (Nord) von einem heftigen Gewitter ordentlich durchnässt (zum Glück gibt es genug überdachte Bauruinen), am letzten Morgen hat es nur leicht genieselt.
                                        Sonnencreme und Mückenschutz sind ein absolutes Muss.

                                        Verpflegung

                                        Wasser gibt es eigentlich in fast jeden Ort, entweder in kleinen Supermärkten (die können allerdings auch tagsüber gerade die mediterrane Mittagsruhe machen), in den Tavernen gibts sonst auch große Wasserflaschen oder viele Dörfer haben kleine öffentliche Wasserquellen / Wasserhähne. Die Trinkwasserquellen waren auf unserer digitalen Karte auch eingezeichnet. Ansonsten gibt es auch fast überall am oder im Friedhof einen Wasserhahn mit Trinkwasser. Dadurch mussten wir nicht komplette Tagesrationen mitschleppen, sondern haben immer nur ausreichend Wasser bis zur nächsten Versorgungquelle dabei gehabt. Im Norden sieht es da schon etwas spärlicher aus, die letzte Möglichkeit Wasser zu bekommen sind die Tavernen in Palea Peritheia, dann erst wieder unten an der Küste.

                                        Essen kann man entweder in den vielen Tavernen (haben alle noch im September geöffnet) oder sich in den kleinen Supermärkten besorgen. Unterwegs haben wir uns mit frischen leckeren Feigen von den zahlreichen Bäumen gestärkt.

                                        Gaskartuschen gibt es zum Schrauben beim Lidl in der Nähe vom Flughafen in Kerkyra, das sind allerdings die großen 500 g Dinger, kleine Stechkartuschen (Adapter mitnehmen) gibts dort auch, die kann man aber sonst fast überall bekommen. Wir sind mit einer kleinen Stechkartusche ausgekommen, haben aber auch nicht jeden Abend selber gekocht.

                                        Fazit

                                        Insgesamt ein richtig toller Trail, der durch kleine verschlafene Bergdörfer, im Kontrast dazu aber auch durch Touristenhochburgen führt. Sehr abwechslungsreiche Landschaften, einsame Strände, super schöne alte Olivenhaine, echt tolle kleine Waldpfade, jedoch immer mal wieder Asphaltstraßen oder Schotterpisten. Es war teilweise schon anstrengend, vor allem der Weg durch den Dünensand in brütender Hitze oder die teilweise steilen Abstiege. Aber wirklich sehr empfehlenswert und grün. Festes Schuhwerk und Wanderstöcke sind ratsam.

                                        Wir haben viele nette und hilfsbereite einheimische Menschen getroffen und jeder freut sich über ein freundliches „ja sas“.

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