[EE] Estland Küsten- und Waldtrek

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  • berniehh
    Fuchs
    • 31.01.2011
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    [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Estland Küsten- und Waldtrek

    Länge: 200 km

    Dauer: 11 Tage

    August 2011

    Estland gehört bekanntlicherweise ja nicht gerade zu den klassischen Trekkingländern. Ins Baltikum fährt man normalerweise um sich die Städte anzuschauen, wegen der Kultur oder um das Land mit dem Fahrrad zu bereisen oder mit dem Auto rumzufahren, aber zum Trekking wohl eher nicht. Jedenfalls nicht das ich wüsste. Auch in den Büchern steht nichts über Trekking drin. Estland ist ein plattes Land ohne Berge. Lohnt sich das Land überhaupt als Trekkingziel und wird man da passende Routen finden? Das waren die Fragen die ich mir stellte.

    Im nun folgenen ersten Teil geht´s darum wie ich überhaupt auf diese Route gekommen bin:

    1. Die Planung
    Entstanden ist die Idee schon im Frühjahr 2010, und zwar nicht aus besonderem Interesse an den baltischen Staaten, sondern eigentlich nur deshalb weil ich kurz vor meiner Abreise nach Südamerika noch einen Küstentrek machen wollte und dafür eine passende Route gesucht habe durch eine möglichst ursprüngliche Landschaft. Das Baltische Klint hatte ich ein Jahr zuvor zufällig mal auf Google Earth entdeckt. Das habe ich dann mal genauer unter die Lupe genommen und dabei einen etwa 60 Kilometer langen Küstenabschnitt im Nordosten von Estland gefunden der als Trekkingroute vielversprechend aussah. Die Fotos, die ich dazu fand, sahen sehr schön aus!

    Im Anschluss dieses besagten Abschnittes wird die Küste für Trekking jedoch uninteressanter und immer wieder von Zivilisation unterbrochen, mit Dörfer, sowie Straßen und Fahrwege entlang der Küste und sowas mag ich ja nicht so.

    Kurz gesagt: Dieser 60 Kilometer lange interessante Küstenabschnitt war mir als Trekkingroute zu kurz und auf den Rest hatte ich keinen Bock! Deshalb habe ich den Estland Plan erstmal wieder verworfen und mir nach einiger Recherche eine neue Route ausgedacht, die ich dann im Juni 2010 auch gemacht habe. Das war mein "Trek am Wasser" in Mecklenburg-Vorpommern und teils Schleswig-Holstein. Es ist ein sehr lohnender Trek geworden, ich würde sogar sagen mit einer der schönsten die ich bis jetzt in Deutschland gemacht habe.

    Als ich dann Ende März 2011 aus Südamerika zurückkam, bekam ich Lust auf noch einen Küstentrek, und zwar in diesem Sommer noch. Estland ist also wieder in den Fokos gerückt. Gleichzeitig habe ich aber auch noch in anderen Gegenden nach Routen gesucht. Meine Suche beschränkte sich dabei nicht nur auf die baltischen Staaten, sondern durch viele Länder Europas, mit dem Hintergedanken vielleicht noch was Besseres zu finden als Estland.

    Den South West Coast Path in England hatte ich auch ernsthaft mit in Erwägung gezogen. Über den hatte ich in den letzten Jahren immer mal wieder was gehört. Es ist bestimmt ein schöner Trek, aber als ich mir die Route auf Google mal genauer anschaute stellte ich fest daß dieser Trek für meinen Geschmack durch zu viele Orte führt. Man hat da zwar auch viele spektakuläre Küstenblicke aber auf der anderen Seite auch ständig Blicke über das Farmland hinter der Küste und das bietet nicht gerade ein Wildnisambiente wie ich es suchte. Also kam diese Tour erstmal nicht in Frage, auch wenn ich sie in einer abgeänderten Form vielleicht irgendwann mal machen werde.

    Schottland, Irland und Island sind auch mit rausgeflogen. Es lassen sich dort zwar lohnende Treks an der Küste finden, wobei Hornstrandir auf Island nur eine von zahlreichen Möglichkeiten wäre aber diese Gegenden sind mir zu waldlos. Nix gegen waldlose Gegenden, ich mache sehr gerne Treks durch karge baumlose Landschaften aber für meinen jetzigen Trek wollte ich gerne eine dicht bewaldete Küstenlandschaft haben.

    In Skandinavien bin ich gar nicht erst angefangen nach Routen zu suchen. Die Küstelinie ist dort ja viel zu zerklüftet, so daß man da wohl kaum Abschnitte finden wird, die sich für längere Küstentreks eignen würden.

    Dann habe ich auch noch die ganze Ostseeküste von Deutschland über Polen bis ins Baltikum abgecheckt und schließlich auch noch in Ländern wie Griechenland, Türkei, Bulgarien, Portugal und paar weiteren Ländern nach möglichen Routen gesucht. In einigen Gegenden bin ich zwar fündig geworden aber nach genauerer Betrachtung gefiel mir Estland doch besser, so daß es zum Schluß nur noch als einzigstes Land übrig blieb.

    Estland stand nun also fest. Meine Trekkingroute sollte etwa 200 km lang werden und durch möglichst wenig Zivilisation führen, dafür aber viel Wildnis. Da die Küste aber für mich nicht überall interessant genug zum trekken ist, sah ich es als notwendig an auf längere Abschnitte ins Inland durch die Wälder auszuweichen. So ist aus dem geplanten Küstentrek eben ein Küsten- und Waldtrek geworden, wovon die Hälfte an der Küste und die andere Hälfte durchs Inland verlief.

    Während meiner Routenplanung habe ich auch versucht rauszufinden ob es durch die Wälder im Inland überhaupt Pfade gibt. Hinweise auf längere durchgehende Pfade habe ich jedoch nirgends gefunden, nur hier und da ein paar verstreut liegende kurze Pfadabschnitte. Es führen zwar reichlich Fahr- und Forstwege durch die Wälder, aber die kommen für mich ja zum Trekking nicht in Frage. Daher habe ich mir eine weglose Route ausgedacht, wobei ich die paar kurzen Pfadabschnitte, die ich zuvor auf Google Earth fand, mit in meine Route eingeplant habe. Dazu habe ich mir ein paar GPS-Koordinaten gezogen und fertig war meine Routenplanung.

    Meine Trekkingroute führte durch keine nennenswerten Orte und das war auch so geplant. Demzufolge kam ich auch an keine Einkaufsmöglichkeiten vorbei. Da ich auch nicht vorhatte Einkaufsabstecher zu machen, musste der gesamte Proviant mitgeschleppt werden.

    Daß es in Estland auch eine 80 Kilometer lange und 4 Tage dauernde markierte Trekkingroute gibt, habe ich erst vor Ort erfahren. Das ist der Kõrve Trail auf den ich während meiner Wanderung zufällig stieß und den ich dann auch teilweise gefolgt bin. Später im Verlaufe meines Berichtes werde ich auch noch näher darauf eingehen.

    Zu Hause in Hamburg fand ich keine geeigneten Karten für meine geplante Route. Da ich direkt zu meinem Trekkingstartpunkt anreisen wollte und demzufolge überhaupt kein Interesse daran hatte erst in Tallinn zwischenstoppen zu müssen um dort nach Kartenläden zu suchen, entschied ich mich meinen Trek komplett ohne Karten zu machen. Ich wollte nur mit Google Earth Ausdrucken gehen und die habe ich mir schon vor der Reise im Internet-Café angefertigt.

    Etwa 44 Prozent der Fläche Estlands ist bewaldet. Das Land weist mit einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von 30 Einwohnern pro Quadratkilometer zwar nur ein siebtel der deutschen Bevölkerungsdichte auf, ist aber etwas dichter besiedelt wie Schweden. Wenn es also nur um Wildnistrekking geht ist Skandinavien zweifellos ein viel lohnenderes Ziel. Meine Route war jedoch eine gute Mischung zwischen lange wilde Küstenlandschaften, urwüchsige Wälder und Moorgebiete. Also eine sehr verlockene Kombination, von der ich denke daß man sie so wohl auf keiner Trekkingroute in Skandinavien finden wird.

    Fortsetzung folgt....
    Zuletzt geändert von berniehh; 01.11.2011, 19:03.
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  • Wildniswanderer
    Erfahren
    • 08.11.2008
    • 402

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

    Dein "Warum Estland" liest sich schon mal interessant. Jetzt bin ich auf die Tour gespannt! Cool finde ich auch nur mit Google Earth Ausdrucken loszufahren, wie immer bei dir spürt man den Hauch des Abenteuers.
    http://geraldtrekkt.blogspot.de

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    • berniehh
      Fuchs
      • 31.01.2011
      • 1975

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

      2. Die Anreise

      Meine Anreise erfolgte mit dem Bus.

      Klar, Fliegen wäre sicher bequemer und schneller und bei rechtzeitiger Buchung sogar auch billiger, aber mit dem Bus bekommt man schonmal Landschaftseindrücke während der gesamten Anreise durch die baltischen Staaten. Außerdem kann man mit dem Bus seinen Rückfahrttermin flexibel gestalten und gerät am Ende der Reise wegen eines fest gebuchtem Rückflugtermins nicht unter Zeitdruck.

      Großer Nachteil mit Bus: die Fahrt dauert 33 Stunden pro Strecke, von Hamburg aus!!!!!

      Ich habe mir ein Ticket bei Eurolines gekauft nach Narva an der russischen Grenze, mit Umsteigen in Berlin und Riga. Es hat 205 Euro gekostet für Hin- und Rückfahrt, die Rückfahrt dann aus Tallinn.

      In Hamburg habe ich mir schon fast meinen gesamten Trekkingproviant für 12 Tage eingekauft, so daß ich am Trekkingstartpunkt nur noch Butter einkaufen muss, dann aber gleich loswandern kann.

      Abfahrt vom Hamburger Zob am 4.August 2011 um 15:00 Uhr. Die geplante Ankunftszeit in Narva sollte am 6.August gegen 1:30 nachts sein.

      Bis nach Berlin ging´s schnell und bequem. Ab Berlin wurde es anders. Die ganze Nacht und den ganzen drauffolgenen Tag und danach nochmal die ganze Nacht kurvten wir auf Bundesstraßen durch die Dörfer und Städte. In Polen war recht viel Verkehr und es waren nur wenige Autobahnabschnitte mit dabei.

      Auf der Fahrt von Berlin nach Riga schien unser Busfahrer seine eigenen Pausenzeiten zu machen und nicht die die laut Fahrplan vorgesehen waren. Bestimmt alle halbe Stunde hielt er für eine Rauchpause an. Nicht daß mich das gestört hat, bei den engen Sitzen im Bus tat es ganz gut sich öfters mal draußen die Füße vertreten zu können. Auf der anderen Seite hat es aber auch dazu geführt daß wir mit 5-stündiger Verspätung in Riga ankamen und daß mein gebuchter Anschlussbus nach Narva dann schon längst über alle Berge war!

      Die Dame am Schalter der Busgesellschaft hat mich aber auf andere Busse umgebucht. Nach nur kurzer Wartezeit ging´s auch schon weiter nach Tallinn, der Hauptstadt Estlands.

      Ich bereute es zwar nicht mit dem Bus gefahren zu sein, aber beim nächsten Mal würde ich doch lieber fliegen. Auch Landschaftlich hätte ich beim fliegen nicht groß was verpasst, denn aus dem Busfenster sah Polen, Litauen und Lettland nicht viel anders aus als Mecklenburg-Vorpommern: nur Felder und Dörfer mit manchmal paar kleine Waldabschnitte dazwischen. Erst ab Riga aufwärts führte ein Großteil der Fahrt durch Wälder und die Landschaft wurde deutlich interessanter. Diesen Abschnitt habe ich aber erst auf der Rückfahrt gesehen, da es auf der Hinfahrt ja schon wieder dunkel war.

      In Tallinn kam der Bus um 2 Uhr morgens an. Am Busbahnhof hieß es dann nochmal anderthalb Stunden warten bis gegen halb vier endlich der Anschlussbus losfuhr, als es noch dunkel war. Es war der Bus nach St. Petersburg in Russland. Ich wollte nur bis nach Sillamäe mitfahren, das liegt etwa 15 bis 20 Kilometer vor Narva und der russischen Grenze.

      Während der Fahrt kam ich mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch. Der Mann kommt aus Narva und sprach nur wenig Englisch. Als ich ihm erzählte dass ich in Sillamäe aussteigen wollte um meinen Küstentrek zu starten, riet er mir davon ab. Er meinte Sillamäe sei ein häßlicher Ort und ich solle doch lieber bis nach Narva durchfahren, wo es viel schöner sei.

      Ankunft in Sillamäe gegen halb sieben morgens, nach zusammengerechnet fünf Stunden Gesamtverspätungszeit und zwei Nächten ohne Schlaf. An Schlafen war im Bus nämlich kaum zu denken. Wenn ich pünktlich um halb zwei morgens angekommen wäre, könnte ich mir hier noch für ein paar Stunden irgendwo in die Büsche hauen zum pennen, denn das hatte ich ursprünglich eigentlich auch geplant. Das fiel nun aber weg und ich ging direkt rüber zum Supermarkt. Der hatte aber noch geschlossen und ich musste anderthalb Stunden draußen vor der Tür warten bis geöffnet wurde. Als es endlich soweit war kaufte ich schnell ein Kilo Butter und paar Flaschen Wasser ein, das war dann auch schnell erledigt. Nun begann also mein erster Trekkingtag......


      Sillamäe, mein Trekkingstartpunkt

      3. Die Trekkingroute

      1.Tag:
      Sillamäe ist in der Tat eine recht unattraktive Küstenstadt mit 16000 Einwohnern aus Plattenbauten und Industrie, also typischer Ostbaustil. Das sollte mir aber egal sein, denn ich wollte ja schließlich nicht hierbleiben, sondern möglichst schnell wieder weg. Auf direktem Weg zum Ortsrand an den Strand waren es vom Supermarkt aus zwei Kilometer Luftlinie, wie ich schon zu hause auf Google Earth nachgemessen hatte. Das sah einfach aus, war aber kompliziert, um nicht zu sagen die ersten 7 bis 8 Kilometer meines Treks sind scheisse verlaufen! Da lag nämlich eine eingezäunte Industriefläche im Weg, mit einem mehrere Meter hohen Stahlzaun, der auch noch wie im Knast oben mit Stacheldraht abgesichert war und den man deshalb auch schlecht überklettern konnte.

      Als ich auf einer mit Schranke abgesperrten Straße in dieses Gelände eindringen wollte, stellte sich mir so ein Security-Typ in den Weg. Ich habe zwar kein Wort verstanden von dem was er gesagt hat, aber seinen Handbewegungen entnahm ich daß ich hier nicht reinkomme und aussen rum wandern müsse.

      Es half nix, ich musste das Gebiet also umwandern, noch nicht ahnend daß dies ein riesen Umweg von 5 bis 6 Kilometern werden würde. Ich folgte die Straße parallel des Zaunes und kam irgendwann wieder auf die Hauptstraße Richtung Tallinn. Auf ihr wanderte ich aus Sillamäe raus aber die Straße führte immer weiter von der Küste weg. Da ich ja keine Karte hatte, wusste ich auch nicht ob irgendwann nach rechts ein Weg abzweigen würde, der wieder zur Küste führt. Daher verließ ich nach zwei Kilometern die Hauptstraße und wanderte weglos in ein dichtes Waldstück rein. Promt wurde ich dabei vom Mückenwolken umschwirrt, damit hatte ich nicht gerechnet daß es hier so von Mücken wimmelt! Ich dachte die Mückenplage wäre hier nicht viel schlimmer wie in Deutschland oder auf dem Bohusleden in Schweden, den ich auch relativ mückenfrei erlebt hatte.

      Nach etwa 200 Metern Unterholzgeplackere stieß ich wieder auf den hohen Stahlzaun. Das verflixte Industriegebiet war also immer noch nicht zuende!
      Beim Versuch den Zaun zu überklettern brach unglücklicherweise mein Wanderstock durch. Das war zwar nicht so ein gekaufter Plastikstock, sondern nur ein irgendwo im bolivianischen Regenwald gefundener Stock, trotzdem hat mich das geärgert, denn mit dem bin ich ein halbes Jahr lang durch Südamerika gewandert. Ich fand hier dann aber auch schnell einen neuen Stock.

      Ich verzichtete auf das Überklettern und wanderte am Zaun entlang bis ich am Ende des Industriegeländes auf einen Fahrweg stieß der ans Meer führte, und zwar oberhalb einer Steilküste. Ein Abstieg an den Strand war zunächst nicht möglich, da es überall steil abfällt.


      Blick zurück nach Sillamäe


      Blick von der Steilküste

      Nach paarhundert Metern verließ ich den Fahrweg und wanderte weglos durch hohes Gras oberhalb der Abbruchkante entlang und wenig später in ein kleines Waldstück rein wo ich auf einen freigeschlagenen Weg stieß, der nach nur hundert Metern an der Abbruckkante endete. Von hier führte eine Eisenleiter den Steilhang runter. Da man auf dem Weg nach unten durch ein enges Gitter steigen musste, in das ich zusammen mit dem großem Rucksack plus Daypack nicht durchpasste, musste ich in drei Durchgängen gehen. Danach folgten noch zwei Holzleitern bis ich unten den Strand erreichte.


      auf Holzleitern geht´s runter an den Strand

      Mehrere Stunden hatte mich dieser Spaß von Industriegebietsumwanderung gekostet, aber nun war ich endlich dort wo ich hinwollte, nämlich in der Natur! Hier am Strand fängt mein Trek nun richtig an.........


      steiniger Naturstrand mit Blick zurück Richtung Sillamäe
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        #4
        AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

        Ich bin schon gespannt. Jetzt, wo es endlich loszugehen scheint ; )

        P.S.: Dein Magix Rocky Mountain Report hat als Inspiration für einen ziemlich genialen Trip im Glacier NP gedient. Aufgrund guten Wetters und nur wenig Schnee hatte ich es viel leichter als Ihr. Bin von Kintla bis Logan Pass und dann noch den Dawson-Pitamakin Loop gelaufen.

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        • berniehh
          Fuchs
          • 31.01.2011
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          • Meine Reisen

          #5
          AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

          Zitat von Nat Bergtroll Beitrag anzeigen

          P.S.: Dein Magix Rocky Mountain Report hat als Inspiration für einen ziemlich genialen Trip im Glacier NP gedient. Aufgrund guten Wetters und nur wenig Schnee hatte ich es viel leichter als Ihr. Bin von Kintla bis Logan Pass und dann noch den Dawson-Pitamakin Loop gelaufen.
          Das klingt nach einen phantastischen Trek. Da schreibst du sicher noch einen Bericht hier, oder?
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          • berniehh
            Fuchs
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            • Meine Reisen

            #6
            AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

            1.Tag:
            Nachdem ich über die Leitern zum Strand runtergestiegen bin, wanderte ich für die nächsten etwa 52 Kilometer weglos Richtung Westen die Küste entlang. Es ging immer am Strand unterhalb einer bewaldeten Steilküste. Dies ist das Baltische Klint, eine unverbaute Naturküste.


            Für 52 Kilometer geht´s weglos am Strand entlang






            Schlange am Strand

            Das Baltische Klint ist eine Abbruchkante aus Kalkstein, etwa 1200 Kilometer lang. Es ist in vier verschiedene Abschnitte unterteilt und beginnt auf der schwedischen Insel Öland, führt dann auf dem Grund des Ostseebodens entlang und kommt in Estland wieder an die Oberfläche, vonwoaus es dann weiter bis nach Russland führt und südlich vom Ladoga See endet.

            Das Baltische Klint als Ganzes ist jedoch in den meisten Abschnitten schon erodiert und kaum mehr als Abbruckkante erkennbar. Der noch am besten erhaltenste Abschnitt ist der zentrale Teil, also ein etwa 300 Kilometer langer Abschnitt entlang der Nordküste Estlands, genannt das Nordestnische Klint. Es verläuft aber nicht durchgängig an der Küste entlang, sondern über weite Abschnitte auch durchs Inland und ist teilweise ebenfalls schon erodiert. Der spektakulärste Teil des Nordestnischen Klints, also der mit den ausgeprägtesten Klintformationen, ist ein etwa 50 bis 60 Kilometer langer Küstenabschnitt im Nordosten von Estland. Dies ist auch meine Trekkingroute. Hier verläuft eine bis zu 50 Meter hohe Steilküste.

            Die Klinthänge sind mit dichte Laubwälder bestanden die bis zum Strand runterreichen, mit verschiedene Baumarten wie Ulme, Esche, Erle, Ahorn, Birke, Eiche und Linde. Dies sind die sogenannten Klintwälder, die auch als nordische Regenwälder gelten und in der Regel einen dichten Unterbewuchs aufweisen mit viele Farne. Die Klintwälder sind die ältesten Wälder Estlands. Das charakteristische an ihnen ist das fast völlige Fehlen von Nadelbäumen, auch wenn Nadelwälder sonst eigentlich fast ganz Estland bedecken.

            Oberhalb der Steilküste liegt zwar ein ebenes Land aus Felder, Weideland und Waldabschnitte, aber unten vom Strand aus sieht man davon allerdings nichts, so daß diese Strandroute ein recht abgelegenes Wildnisambiente bietet.
            Das Klint hat hier eine Küstenwildnis entstehen lassen, die sich hervorragend als Trekkingoute eignet!





            Auf den ersten 50 Kilometer langen Küstenabschnitt gab es nur zwei Stellen wo ich kurz mal den Strand verlassen musste um für hundert Meter oder so Inland auf einer Brücke über eine Flußmündung zu queren. Das war in Toila und Purtse, hier lagen auch paar im Wald versteckte Häuser.

            Ansonsten führten auch häufiger mal Pfade von oben runter zum Strand, an diesen Stellen traf ich in der Regel auch Leute. Das waren aber keine Trekker, sondern Einheimische die dort einen gemütlichen Strandnachmittag verbrachten. Dazwischen lagen auch immer wieder menschenleere Strandabschnitte von vielen Kilometern Länge wo ich niemanden traf.

            Wenn sich ein Gespräch ergab, waren es meistens die Einheimischen die mich zuerst ansprachen. Dabei fiel mir auf daß ich immer gleich auf Englisch angesprochen wurde und nicht auf Estnisch, obwohl man mit meinen hellblonden Haaren vom Aussehen her eigentlich nicht erkennen kann daß ich Ausländer bin.
            Vermutlich haben die Leute nur meinen großen Rucksack gesehen und dann gedacht das kann nur ein Ausländer sein.

            Jedesmal wurde ich gefragt wo ich hin will. Da es mir zu kompliziert war meine geplante Route im Detail zu erklären, habe ich der Einfachheithalber immer erzählt daß ich an der Küste entlang bis nach Tallinn wandern wolle. "Das sind aber 200 Kilometer", wurde dann ungläubig erwiedert.




            kurzer Pfadabschnitt

            Gegen Abend, als ich schonmal Ausschau nach möglichen Campstellen hielt, kam mir nochmal ein Einheimischer entgegen. In seinen gebrochenen und schwer verständlichem Englisch versuchte er mir klar zu machen, daß ich bei der nächsten Möglichkeit hochsteigen muss um oberhalb der Steilküste weiterzuwandern. Die Strandroute sei ein Stückchen weiter längst nicht mehr passierbar, erzählte er.

            Ich fand eine schöne Campstelle im Wald, direkt hinterm Strand oberhalb einer kleinen Böschung, nach über 20 Kilometer von Sillamäe.


            Blick vom ersten Camp

            2.Tag:
            Ich wanderte weiter den Strand entlang. Den Ratschlag von dem Einheimischen gestern abend habe ich natürlich ignoriert. Ich konnte mir nicht vorstellen daß die Strandroute unpassierbar sein soll. Vor der Reise habe ich die Küste ja lang und breit in Google Earth abgecheckt und dort sah alles machbar aus. Außerdem hatte ich auch überhaupt keine Lust oben zu wandern. Dort wird das Wildnisfeeling weg sein und man wandert womöglich noch auf Fahrwege oder Straßen. Nee, da bleibe ich doch lieber hier unten.

            Für viele Kilometer ging´s den steinigen Strand entlang, der teilweise recht schmal war. An einigen Stellen ragten die Bäume und Büsche bis ans Wasser ran und so manche umgestürzte Bäume blockierten den Weg über die man rüberklettern musste. Das war zwar nervig, aber die Route war ansonsten ohne Probleme gangbar. Einige Küstentrekabschnitte in Patagonien waren da wesentlich schwieriger.




            Bootswrack am Strand







            Nach etwa achteinhalb Kilometern sah ich links oben an den Klippen eine Aussichtsplattform. Dies sind die Ontika Klippen, die ich vor der Reise auch schon auf Fotos gefunden hatte. Die Ontika Klippen sind mit 56 m Höhe die höchsten Abbrüche entlang der Küste.

            Ich ließ meinen Rucksack am Strand liegen um dort hochzusteigen.
            Es gab keinen Pfad, im weglosen Unterholzgeplackere mit einigen Kletteraktionen gings den steilen Hang hoch zum Fuße einer abgesperrten Wendeltreppe. Der Zugang auf die Aussichtsplattform war zerstört. Ich stieg trotzdem die Treppe hoch zum Rand des Steilhangs und kletterte über die Absperrung. Dort waren zahlreiche Touristen und es führte sogar eine Asphaltstraße bis an die Abbruchkante entlang.




            die gesperrte Wendeltreppe mit der zerstörten Aussichtsplattform


            der Blick von oben aufs Meer


            Valaste Wasserfall

            Von hier oben hatte man zwar einen schönen Blick auf den Valaste Wasserfall, dem höchsten Wasserfall der Baltischen Staaten, der jetzt im August nur wenig Wasser führt, ansonsten gefiel es mir hier oben jedoch nicht so, und ich war froh die Strandroute genommen zu haben.

            Ich kletterte wieder runter zum Rucksack und wanderte weiter den Strand entlang.


            weiter geht´s am Strand entlang

            Die Landschaft ist sehr schön. Es ist eine abgelegene und menschenleere Strandwildnis die komplett mit dichte Klintwälder bestanden ist. Die steinigen Strandabschnitte wurden weniger und die sandigen Abschnitte häuften sich. Schöne Plätze zum verweilen und baden fand ich an zahlreichen Stellen. Das gute dabei war daß es am Strand keine Mücken gab. Erst wenn man hinter dem Strand in den Wald eintritt tauchen die Viecher auf.









            Nach zehn Kilometern vom letzten Camp traf ich die ersten Menschen unten am Strand. Ich passierte einige traumhafte Sandstrände. Dort führten dann auch wieder häufiger Pfade zum Strand runter und ich traf mehr Leute.







            Da ich vorher ja nicht wusste ob und wie häufig man auf dieser Route Trinkwasser finden wird, hatte ich mir beim Start des Treks in Sillamäe ungefähr 4 Liter Wasser mitgenommen. Das stellte sich allerdings als unnötig heraus, denn ich kam ständig an kleinen Bächen oder Rinnsalen vorbei wo ich meine Wasserflaschen wieder auffüllen konnte.




            Pfad im dichten Klintwald


            noch ein Wasserfall

            Als es gegen abend Zeit wurde mein Camp aufzuschlagen fand ich wieder eine schöne Stelle für mein Zelt direkt hinter dem Strand im Wald. Die Steilküste verschwand hier auch erstmal. Heute am zweiten Tag hatte ich etwa 21 Kilometer geschafft, es war ein sehr schöner Tag.


            Strand bei meinem Camp


            Camp 2
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              #7
              AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

              Da sind ja einige nette Strände dabei. War das Trinkwasser ok (keine Industrieabwässer bzw. Kanalisation)?

              Die Kiesstrandabschnitte erinnern mich ein wenig an Rügen.

              P.S.: Richtige Reiseberichte schreibe ich ja nicht. Hab für sowas kein Talent. Aber irgendein Foto+Info Glacier Thread wird wohl noch kommen, wobei die meisten Infos ja schon auf Deiner Webseite sind.

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              • berniehh
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                • Meine Reisen

                #8
                AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                die Wasserfarbe aus den Bächen und Tümpel im Inland sah manchmal zwar aus wie Eistee, aber so sieht das Wasser eben oft in Wald- und Moorgebieten aus. Die Trinkqualität war in Ordnung. Ich habe alles unentkeimt getrunken.

                Ja, die Strände erinnern nicht nur an Rügen, sondern auch an andere Gegenden in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holsten (siehe meine Fotos vom Trek am Wasser). Es sind halt typische Ostseestrände. Wobei das Meerwasser in Estland nur noch etwa ein Fünftel des Salzgehaltes aufweist wie im deutschen Ostseeteil, es ist dort also fast schon Süsswasser.

                Bin schon gespannt auf deine Fotos vom Glacier NP
                www.trekking.magix.net

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                • berniehh
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                  • 31.01.2011
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                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                  3.Tag:
                  Es regnete. Ich blieb erstmal im Zelt liegen und machte mir einen gemütlichen Vormittag im Camp.
                  Gegen halb zwei wanderte ich heute erst los, als der Himmel langsam aufklarte und die ersten Sonnenstrahlen rauskamen.

                  Ich wanderte weiter den Strand entlang.









                  Nach sieben Kilometern erreichte ich die Flußmündung bei Purtse. Hier musste ich den Strand mal kurz verlassen um für paarhundert Meter Richtung Inland auf einer Brücke den Fluß zu queren, hier ging es mal für ein kurzes Stück auf einen Fahrweg und schmalen Straße. Einige verstreut liegende Häuser lagen versteckt im Busch, dann kam ich wieder an den Strand.


                  Purtse


                  auf einer Brücke geht´s über den Fluss


                  Blick von der Brücke den Fluss entlang


                  wieder an den Strand

                  Von Purtse ging´s wie gehabt weiter für viele Kilometer weglos den Strand entlang. Irgendwann passierte ich den kleinen Ort Aseri, wo sich eine Industrieanlage befindet. Die war schon von Weitem zu sehen, aber als ich direkt daran vorbeiwanderte sah ich kaum was davon, denn meine Route führte unterhalb der Böschung auf den steinigen Strand daran vorbei.


                  Strand bei Purtse


                  weiter ging´s für viele Kilometer den Strand entlang




                  dort hinten die Industrieanlage von Aseri

                  Ein bis zwei Kilometer hinter Aseri schlug ich mein Camp neben einer Bacheinmündung im dichten Klintwald auf. Heute habe ich zwar nur 17 Kilometer geschafft, aber dafür daß ich erst halb zwei gestartet bin war es schon OK.




                  der schmale Strand beim Camp
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                  • berniehh
                    Fuchs
                    • 31.01.2011
                    • 1975

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                    4.Tag:
                    Ich hatte Probleme mit meine Trekkingstiefel. Sie sind wohl eine Nummer zu klein, denn ich stieß mit dem rechten Zeh manchmal vorne leicht gegen. Die letzten Tage hatte ich es schon bemerkt aber jetzt wurde es langsam immer unangenehmer. Ich löste das Problem indem ich für heute und morgen die Stiefel in den Rucksack packte und mit Turnschuhen weiter wanderte. Turnschuhe habe ich eigentlich immer dabei, die benutze ich normalerweise abends im Camp.
                    Zwei Tage später ging es zwar erstmal wieder mit den Trekkingstiefeln, aber bis zum Ende des Treks musste ich noch paarmal mehr zu den Turnschuhen greifen.

                    Vom Camp wanderte ich zunächst noch weiter den Strand entlang Richtung Westen. Es ging erst auf schmalen Stein- und Geröllstrand, der sich zu meiner Freude dann nach anderthalb Kilometern zu einen traumhaften Sandstrand änderte.


                    weiter geht´s den Strand entlang









                    Ab dem Ende des Sandstrandes, also nach zweieinhalb Kilometern vom Camp, änderte sich die komplette Landschaft plötzlich. Das Baltische Klint verlässt hier die Küste und führt nun Richtung Inland weiter. Das bedeutet daß die Klintwälder nun auch verschwanden. Stattdessen ist die Küste ab hier mit Nadelwäldern aus Fichten und Kiefern bestanden, wie man es von Estland eigentlich gewohnt ist.
                    Ab hier also kein Steilufer mehr, das Land hinter der Küste ist flaches Waldland und das Ufer für die nächsten paar Kilometer stark verschilft und nur schwer begehbar, also auch keine Strände mehr.


                    am Ende des Strandes. Hier verlasse ich die Küste erstmal

                    Seit meinem Trekkingstart in Sillamäe habe ich jetzt 60 Kilometer geschafft, davon fast alles an der Küste. Hier wollte ich die Küste dann für´s erste verlassen. Mein Plan war durch die Wälder zu wandern um nach über 20 Kilometern, in der Bucht von Kunda, wieder ans Meer zu stossen.

                    Hinter den Strand fand ich einen guten Pfad, den ich für einen Kilometer durch dichten Nadelwald folgte, bis er bei einem bewohnten Haus auf einen Feldweg zweigte. Diesen folgte ich dann für eine Weile.


                    erst geht´s für einen Kilometer auf Pfad


                    ....dann für ´ne Weile auf einen Feldweg

                    Nach und nach lief ich nun meine GPS-Punkte ab, die ich mir vor der Reise eingespeichert hatte. Daher verließ ich den Feldweg nach einer Weile wieder und wanderte durch eine weglose Waldwildnis. Für einige Kilometer blieb ich in der Nähe eines kleinen Flusses. In Ufernähe waren die Wälder recht dicht mit viele Laubbäume und viel Unterholz.


                    dichter Flusswald

                    Ansonsten ging es in der Regel durch Nadelwälder, die meistens nicht schwer begehbar waren, nur paar Abschitte waren sumpfig und mühsam.

                    Hin und wieder stieß ich auf Forstfahrspuren, die ich manchmal für kurze Abschnitte folgte, aber das meiste wanderte ich weglos.


                    kurze Abschnitte wanderte ich auf solche Forstfahrspuren, aber meistens weglos

                    Beim queren eines Grabens schreckte ich größere Herde Wildschweine auf, die aber sofort die Flucht ergriffen und im Unterholz verschwanden. Leider schaffte ich es nicht so schnell meine Kamera rauszukramen.

                    Die letzten paar Kilometer wanderte ich weglos durch einen lichten Kiefernwald der leicht bewanderbar war. Der Boden war voll mit Blaubeeren.


                    lichter Kiefernwald

                    Später wurde der Waldboden langsam immer mooriger. Neben einen kleinen Wassergraben, aus dem ich Trinkwasser schöpfen konnte, schlug ich mein Camp auf. Heute war wieder ein relativ kurzer Wandertag mit nur 12,5 Kilometer vom letzten Camp.


                    Camp 4
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                    • lina
                      Freak

                      Vorstand
                      Liebt das Forum
                      • 12.07.2008
                      • 39531

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                      Spannend! Danke!
                      Bitte schnell weiterschreiben!

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                      • Lotta
                        Dauerbesucher
                        • 17.12.2007
                        • 929

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                        Ein wunderbarer Bericht bislang!

                        Die See scheint ja während deiner Strandtage recht ruhig gewesen zu sein. Wäre der Strand denn auch bei stürmischen Verhältnissen gangbar gewesen oder wäre er komplett überspült gewesen? Hattest du dir für den Fall eine Alternativroute auf Google Earth ausgeguckt?

                        Liebe Grüße
                        Lotta

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                        • Atze1407
                          Fuchs
                          • 02.07.2009
                          • 2425

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                          Mach bloß weiter, bitte.

                          LG
                          Atze1407
                          Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
                          Abraham Lincoln

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                          • berniehh
                            Fuchs
                            • 31.01.2011
                            • 1975

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                            Vielen Dank für die netten Kommentare........

                            @Lotta:
                            Ja die See war sehr ruhig. Da die Ostsee ja ein Binnenmeer ist, wird die See wahrscheinlich nie so rauh werden wie am offenen Meer. Bei stürmischem Wetter wäre die Strandroute sicher schwieriger geworden, aber ob der Strand dann ganz überspült sein würde oder nicht, kann ich leider nicht sagen. Ich kann es mir aber ehrlich gesagt nicht vorstellen.

                            Auf meinen ersten 50 Kilometer langen Küstenabschnitt am Baltischen Klint würde als Alternativroute nur in Frage kommen oben entlangzuwandern. Da ich aber eine Trekkingroute oben entlang, wie im Text schon geschrieben, als unattraktiv finden würde, würde ich in den sehr unwahrscheinlichen Fall daß die Strandroute unpassierbar wäre, lieber diesen Routenabschnitt ganz ausfallen lassen als oben entlangzuwandern.

                            Bei den anderen Küstenabschnitten, die später noch kommen werden, sieht es anders aus. Dort wäre es bei Unpassierbarkeit der Strandroute jederzeit möglich hinter den Strand durch den Wald zu laufen, meistens auf einen Pfad oder Weg.
                            www.trekking.magix.net

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                            • berniehh
                              Fuchs
                              • 31.01.2011
                              • 1975

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                              5.Tag:
                              Etwa 24 Kilometer bin ich heute gewandert und von der Wegbeschaffenheit war dieser Tag ziemlich gemischt. Es war alles mit dabei, vom weglosen Waldwandern, schmale Trampelpfade die teilweise nur vage erkennbar waren, Strandwandern, Fahrspuren, Feldwege, Forstwege und Schotterstraßen bis hin zu Asphaltstraßen.

                              Für die ersten anderthalb bis zwei Kilometer querte ich weglos über ein sehr sumpfiges Moorgebiet. An dessen Ende wurde der Waldboden wieder trockener, wo ich dann erstmal Frühstückspause machte und mir meinen Porridge kochte. Als Schutz vor den aggressiven Mücken zog ich meinen langärmeligen Kapuzenpullover an, mit der Kapuze über den Kopf gezogen. Trotzdem stachen sie manchmal immer noch da durch!


                              weglos geht es durch die Wälder


                              Frühstückspause

                              Hier stieß ich dann auf die erste Forstfahrspur. Sie führte in genau die Richtung meines nächsten GPS-Punktes, also folgte ich sie für die nächsten 3 Kilometer bis zur Querung einer Straße bei einen kleinen Gehöft.

                              Der Straßen- und Fahrweganteil war heute mit über 46 Prozent unnormal hoch verglichen mit den anderen Trekkingtagen. Der größte Teil davon waren aber solche verwachsenen Fahrspuren wie auf dem folgenden Foto, also nicht ganz so schlimm wie häufiger befahrene Fahrwege.


                              für die nächsten 3 Kilometer folgte ich diese Forstfahrspur

                              Meine Route führte durch eine schöne einsame Landschaft aus Nadelwäldern, oft mit moorigen Boden wo auch Birken und andere Laubbäume vorkamen.



                              Nach der Straßenquerung stieß ich wieder kurzzeitig auf das Baltische Klint, das hier aber durch´s Inland verläuft. Für die nächsten 2 Kilometer wanderte ich auf vage erkennbaren Pfad durch dichten Wald oberhalb Abbruchkante entlang bis nach Kunda, das ich nach 9 Kilometern vom Camp erreichte.


                              auf vage erkennbaren Pfad oberhalb der Abbruchkante

                              Kunda ist ein kleiner, fast an der Küste gelegener Ort mit etwa 4000 Einwohnern. An diesen Ort wollte ich eigentlich nur vorbeiwandern, denn mein Plan war an den Strand zu gehen um von hier aus wieder die Küste zu folgen.

                              Ein kilometerlanger dichter Schilfgürtel, der bis ans Wasser ranreichte, und das Nichtvorhandensein von Stränden blockierten jedoch den Zugang ans Meer.


                              dichter Schilfgürtel an der Küste

                              Ich stieg also den Klinthang wieder hoch und wanderte für über einen Kilometer durch die Wohnstraßen am Ortsrand von Kunda.


                              Kunda

                              Im Anschluß daran ging´s weiter auf einer Mischung zwischen Pfad und Fahrspur durch dichten Wald für weitere anderthalb Kilometer oberhalb der Abbruchkante entlang.


                              Blick von der Abbruckkante auf die Schilfsenke an der Küste


                              auf Mischung zwischen Pfad und Fahrspur oberhalb der Abbruckkante

                              Irgendwann stieg ich wieder runter, plackerte mich für einen Kilometer durchs Dickicht zu einer Straße. Es machte hier noch keinen Sinn wieder direkt an der Küste zu wandern. Für die nächsten 2 Kilometer blieb mir daher nichts anderes übrig als auf eine Asphalt- und später Schotterstraße zu wandern, die zur Burgruine von Toolse führte. Diese Ruine liegt auf einer kleinen Halbinsel direkt am Meer, etwa 6 Kilometer von Kunda.


                              Straße zur Burgruine von Toolse

                              Einige Besucher waren hier, überwiegend Einheimische mit dem Auto. Ein Auto hatte aber ein deutsches Nummernschild, darin ein Pärchen um die fünfzig. Ich sprach sie an. Sie waren auf einer Autotour durch Osteuropa, er stammt aus Kroatien und sie aus Deutschland. In ein paar Tagen hatten sie vor wieder zurück nach Deutschland zu fahren und sie boten sogar an mich dorthin mitzunehmen. Da ich aber meine Trekkingtour hier nicht abbrechen wollte, habe ich abgelehnt.


                              Burgruine von Toolse


                              Burgruine

                              Von hier an wanderte ich nun wieder an der Küste entlang, das meiste am Strand und den Rest eben auf schmale Pfade oder weglos im Wald. Auch paar kurze Abschnitte auf Fahrspuren und Feldwege waren mit dabei. Von der Burgruine sind es noch etwa 15 Kilometer bis zum Beginn des Lahemaa Nationalparks.

                              Paar schöne Sandstrände passierte ich auf meinem Weg, ansonsten waren die Strände jedoch meist steinig und grasbewachsen, voll mit Findlinge und viele Buchten.


                              Weg an der Küste


                              Mischung zwischen weglos und kaum erkennbaren Trampelpfad im Küstenwald


                              mit Findlingen übersääte Küstenlandschaft




                              Strandroute





                              Die komplett mit Nadelwäldern bestandene Küstenlinie erweckt den Eindruck von unberührter Natur. Ganz so ist es in Wirklichkeit jedoch nicht, denn diese Küste ist bewohnt. An zahlreiche im Wald versteckte Häuser wanderte ich vorbei. An jeden Strand traf ich Leute, denn fast überall führen auch irgendwie Fahrwege hier an die Küste ran. An einer Stelle sah ich hinter dem Strand sogar eine Straße entlangführen. Die leichte Zugänglichkeit dieser Küste führt leider auch dazu daß die flachen Strandabschnitte oft mit Quads befahren werden, wie man an den unansehlichen Reifenspuren am Strand erkennen konnte und das gefiel mir hier nicht so.
                              Wie auch immer,....die Landschaft war jedenfalls sehr schön, aber trotzdem gefiel mir dieser Abschnitt weniger gut wie meine erste 50 Kilometer lange Strandroute am Baltischen Klint.

                              Etwa 8 Kilometer von der Burgruine schlug ich mein Camp auf. Eine schöne Abendstimmung in der untergehenden Sonne am Meer. Es sind noch 7 Kilometer bis zum Nationalparkbegin.


                              Bei meiner Campstelle


                              Sonnenuntergang vom Camp


                              die letzten Sonnenstrahlen beim Camp




                              die letzten Sonnenstrahlen des Tages

                              www.trekking.magix.net

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                              • paddel
                                Fuchs
                                • 25.04.2007
                                • 1856

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                                Sehr schön!
                                Froh schlägt das Herz im Reisekittel,
                                vorausgesetzt man hat die Mittel.

                                W.Busch

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                                • Ditschi
                                  Freak

                                  Liebt das Forum
                                  • 20.07.2009
                                  • 11232

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                                  Hallo,

                                  was für eine tolle Küste!! Einsame Strände in erreichbarer Entfernung--mein Traum.

                                  Schöner Bilder, stimmungsvoller Bericht.

                                  Gruß Ditschi

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                                  • Nordi88
                                    Erfahren
                                    • 28.02.2011
                                    • 152

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                                    Du hast echt nen super Schreibstil. Lässt sich gut lesen.

                                    Ich wollte nächstes Jahr nach St. Petersburg.

                                    Da eignet sich ja deine Route, um vorher noch ein bisschen zu wandern.

                                    Ich freue mich auf die Fortsetzung!

                                    Kommentar


                                    • berniehh
                                      Fuchs
                                      • 31.01.2011
                                      • 1975

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [EE] Estland Küsten- und Waldtrek

                                      Vorweg nochmal vielen Dank an Euch für die netten Kommentare


                                      6.Tag:
                                      Erstmal wanderte ich weiter Richtung Westen die Küste entlang, meistens weglos am Strand oder auf schmale Pfade im Wald dahinter. Die Landschaft war wie gestern, also eine mit Kieferwäldern bestandene Küste, der Strand eine Mischung zwischen grasbewachse Küstenline mit vielen Findlingen und dazwischen lagen immer mal wieder Sandstrandabschnitte.


                                      weiter geht´s die Küste entlang


                                      schmaler Pfad hinter den Strand



                                      Nach zweieinhalb Kilometern vom Camp musste ich dann erstmal vom Strand weg um auf einer Straße am Dorf Eisma vorbeizuwandern. Eisma ist ein Dorf das ich als Trekker lieber meiden würde, denn die Strandroute ist hier etwas plackerig und unattraktiv und es gibt ausser dieser öden Asphaltstraße keine Alternativrouten.


                                      auf einer Asphaltstraße geht es durch Eisma

                                      Zwei Kilometer weiter, am anderen Ende des Dorfes, konnte ich die Straße endlich wieder verlassen und kam bei einen schönen Strand wieder an die Küste ran.


                                      Strand bei Eisma


                                      Strand bei Eisma

                                      Es war nun nicht mehr weit bis zur Paarhäusersiedlung Vainupea, wo ich die Grenze des Lahemaa Nationalparks erreichte, nach insgesamt 7 Kilometern vom letzten Camp und 102 Kilometer vom Trekkingstartpunkt. Die Hälfte meines Treks ist nun also geschafft.


                                      Strandroute nach Vainupea


                                      Vainupea

                                      Schon seit 1971 gibt es den Lahemaa Nationalpark, er wurde damals als erster Nationalpark der Sowjetunion gegründet. Mit einer Fläche von 725 Quadratkilometern ist er zwar nicht übermäßig groß, aber meine ab hier folgende Wanderroute durch den Park betrug immerhin fast 70 Kilometer.

                                      Das Nationalparkgelände besteht nicht nur aus Wälder und Mooren. Innerhalb des Parks liegen auch zahlreiche Dörfer, ein Teil der Landfläche besteht aus Weideland und Felder, es gibt auch ein Straßen- und Fahrwegnetz. Wegen des prozentual recht hohen Waldanteiles ist es aber möglich eine Trekkingroute so zu drehen daß man durchgängig durch Wälder marschiert,.....und das habe ich natürlich auch so gemacht.

                                      Die Nordhälfte des Nationalparks besteht aus vier große Halbinseln, die weit ins Meer reinreichen, zwischen denen große Buchten liegen. Daher kommt auch der Name Lahemaa, was soviel heisst wie "Land der Buchten".

                                      Die meisten Dörfer im Park liegen an den Küsten dieser Halbinseln. Da ich aber eine möglichst wildnisnahe Trekkingroute haben wollte, verlegte ich meine Route deshalb überwiegend durch das Inland. Nur zu einer dieser vier Halbinseln, der Käsmu Halbinsel, wollte ich später noch einen Küstenschlenker machen. Auf der Käsmu Halbinsel liegt nämlich ein lohnender Trekkingabschnitt direkt am Meer.

                                      Insgesamt war meine gesamte Route durch den Nationalpark sehr wildnisnah, mein gewanderter Fahrweganteil lag nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich und der große Rest führte abwechselnd an den Stränden entlang, weglos durch die größtenteils recht urwüchsigen Wälder oder auf schmale Pfade.


                                      Lahemaa Nationalpark

                                      Von der Parkgrenze wanderte ich zunächst noch weiter die Küste entlang, meistens am Strand, den Rest auf schmalen Pfad dahinter. Obwohl die Landschaft in etwa die gleiche ist wie ausserhalb des Nationalparks, gefällt mir die Küste ab der Parkgrenze doch etwas besser. Zwar führen auch hier manchmal Fahrwege bis an die Küste ran, aber die Strandroute wirkt irgendwie noch abgelegener, einsamer, weniger besiedelt und wildnisnaher wie der 15 Kilometer lange Küstenabschnitt davor. Reifenspuren von Quads sah ich nun glücklicherweise kaum noch, offensichtlich ist es verboten mit diesen vierrädrigen Motorrädern die Wege zu verlassen und damit am Strand zu fahren, auch wenn einige Leute sich nicht überall daran halten.


                                      Strandroute durch den Lahemaa Nationalpark




                                      schmaler Pfad durch Wald hinter den Strand


                                      ist dies der Fußabdruck eines Bären? Oder von einem anderen Tier??




                                      auf einen Pfad durch den Kiefernwald


                                      Blick vom Pfad auf den Strand


                                      Hängebrücke über eine Flußmündung

                                      Etwa 8 Kilometer von der Nationalparkgrenze, kurz vor der Minisiedlung Altja und dem Beginn der ersten größeren Halbinsel, verlies ich die Küste und wanderte Richtung Inland durch dichten Fichten- und Kiefernwald. Zunächst folgte ich für ein kurzes Stück einen markierten Pfad und danach ging´s weglos weiter an einen kleinen Fluß entlang. Etwa einen Kilometer von der Küste entfernt fand ich eine gute und abgeschiede Campmöglichkeit im Wald, direkt oberhalb der Flussböschung.


                                      auf kurzen markierten Pfad geht´s von der Küste weg


                                      weglos am Fluß entlang


                                      Camp 6
                                      www.trekking.magix.net

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                                      • Abt
                                        Lebt im Forum
                                        • 26.04.2010
                                        • 5726

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [EE] Bären in Estland Küsten- und Waldtrek

                                        In Estland gibt es Bären.Und das sieht ganz danach aus.
                                        Lese deinen Bericht mit großem Intresse. Danke

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