[IT] Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

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  • qwertzui
    Fuchs
    • 17.07.2013
    • 2140

    • Meine Reisen

    [IT] Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

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    Mitreisende
    Es ist Mittwoch, Ende Oktober 2016, als uns klar wird: Mit Wochenende, Allerheiligen und möglichen Brückentagen steht uns ein Kurzurlaub von 5 Tagen offen. Die Bierwanderung durch Franken ist schon fertig geplant, als KlausW meint, der Wetterbericht sei eindeutig: Südalpen müssten es sein.

    Schnell haben wir uns auf das Mairatal eingeschossen. Aber werden dort noch rifugios offen haben. So man überhaupt Informationen findet, heißt es immer: Saisonende Mitte/Ende Oktober. Okay, das neue leichte Bergzelt will sowieso getestet werden, das kommt also mit.

    Freitag, 28.10.2016

    Die Anreise ist für 5 Tage mit 8 Stunden eigentlich zu lang, aber wenn man die Fahrtage als Urlaub sieht und auf den spektakulärsten Alpenpässen viel Freude am Fahren hat, dann stimmt die Bilanz.



    Allerdings hat uns eine eingestürzte Autobahnbrücke einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier ging viele Stunden gar nichts. Zum Glück konnten wir unsere Vermieter für die heutige Nacht anrufen, sie haben uns dann mitten in der Nacht die Ferienwohnung noch geöffnet.

    Zuletzt geändert von qwertzui; 08.11.2017, 19:15. Grund: Foto eingefügt

  • qwertzui
    Fuchs
    • 17.07.2013
    • 2140

    • Meine Reisen

    #2
    AW: Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

    Samstag, 29.10.2016
    Natürlich kommen wir nach dieser laaaangen Anfahrt und dem hohen Adrenalinspiegel (wie viele Minuten vor uns ist die Brücke auf die Autobahn gestürzt, wie haarscharf sind wir dem Tod entronnen, ... in dem Auto war eine Familie mit kleinen Kindern)
    erst spät ins Bett und entsprechend spät am nächsten Tag aus den Federn.

    Im letzten größeren Ort kaufen wir eine Wanderkarte. Wir haben für heute Abend in San Martino inferiore ein Zimmer reserviert, also wenn wir das Auto in Macra parken, haben wir einen schönen Weg. Ausgangsort 900 über Null, Zielort 1.400 über Null so viele Höhenmeter können das doch eigentlich gar nicht sein, sollte doch eigentlich eine gute Distanz für den halben verbleibenden Tag sein.

    Und so machen wir uns bei sengender Hitze auf den einsamen und idyllischen Weg.



    Die ersten 600 hm sind geschafft, da wird klar, dass wir unser Tagespensum deutlich unterschätzt haben. Die Maira hat nicht nur ein ausprochen tiefes Tal in die Landschaft geschnitten, so dass schon viele steile Höhenmeter auf den Höhenrücken auf dem unser Weg verläuft zu ersteigen sind, sondern dieser Höhenrücken wird auch noch von vielen kleinen Bächen zerschnitten, so dass tiefe Seitentäler entstehen. Nach Stroppo geht es erstmal weit wieder runter. Die Abendglocken läuten, als wir Stroppo erreichen, das wird eng mit dem Tageslicht bis San Martino inferiore.



    Wenigstens leuchten die Bäume noch als wir mit dem letzten Tageslicht das Rifugio von Maria Schneider erreichen. Der herzliche Empfang und das unvergleichliche 5 Gänge Menü machen diesen ersten Tag eindeutig zum Alpenwellness.

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    • qwertzui
      Fuchs
      • 17.07.2013
      • 2140

      • Meine Reisen

      #3
      AW: Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

      Sonntag, 30.10.16

      Beim Frühstück besprechen wir mit der deutschen Hüttenwirtin, die schon in den 80gern, mit ihrem Mann, das durch Landflucht weitestgehend verlassene, aber seit alters her gut erschlossene Tal wieder zum Leben erweckte, unsere weiteren Pläne. Sie betreibt nicht nur eine hervorragende Gastronomie, sondern kümmert sich wirklich um ihre Gäste. Sie bietet sich an, herum zu telefonieren, um so spät im Jahr noch eine Übernachtung für uns zu finden. Als wir ihr sagen, dass wir ein Zelt dabei haben und darin übernachten würden, fragt sie nur, ob wir einen warmen Schlafsack dabei hätten. Wir schließen daraus, dass wir, obwohl wildzelten in Italien überall streng verboten ist, hier wohl nicht unmittelbar vor der Verhaftung stehen. Nach einiger Überlegung beschließt Maria, ihr Rifugio erst übermorgen zu schließen. Wir dürfen, was wir nicht benötigen, im Zimmer lassen und bekommen noch ein Lunchpaket und Wanderwegtipps mit auf den Weg. Ein klarer Fall von All-Inclusive-Alpenwellness.

      Die einzigen anderen Gäste haben bis Elva das gleiche Ziel. Sie sind zwar deutlich früher losgekommen, aber da diese Gruppe ihr persönliches Alpenwellness vor allem so interpretiert, dass Flüssigkeitsverluste umgehend durch Rotwein zu ersetzen sind, treffen wir die sympathische Gesellschaft bald wieder. Die sportlichere Dame der Gruppe schließt sich dann ein Stück des Weges uns an.

      Elva hat außer einer romanischen Kirche mit sehr sehenswerten Fresken auch ein Rifugio mit einer verlockenden Speisekarte. Sonntagmittag mit bestem Wetter ist das offensichtlich ein beliebtes Ausflugsziel für Autobergsteiger, jedenfalls dauert es etwas bis wir einen Platz bekommen. Bei hausgemachter Frischpasta mit frischen Steinpilzen für 6,50 € lohnt sich das Warten.

      Da wir schon vor Elva den idealen Übernachtungsplatz gefunden haben, suchen wir uns einen schönen Rundweg, der noch einiges an Höhenmetern zu bieten hat, aber zum Einbruch der Dunkelheit an dem ausgespähten Lagerplatz zurückführt.

      Obwohl das Wetter auch heute sehr sommerlich ist, taut der Boden an schattigen Stellen den ganzen Tag nicht. Auch Schneereste finden sich überall, wo die Sonne nicht hinkommt. Wir haben ein neues, unerprobtes Zelt, das vom chinesischen Billighersteller Naturehike als reines Sommerzelt bezeichnet wird und einen neuen, unerprobten Daunenquilt, dem der schweizer Expeditionsausrüster eine Komforttemperatur von+12°C bescheinigt. Mir wird etwas mulmig. Trotzdem waschen wir uns noch in einem Bach, der aus gerade tauendem Schnee gespeist wird und entsprechend erfrischend ist.

      Unsere Rundtour war gut bemessen. Als wir am Lagerplatz ankommen ist die Felsnase mit Südausrichtung noch in der Sonne.



      Nach Sonnenuntergang dank Zeitumstellung um 17.00 Uhr wird es dann schnell schattig



      Nach einem Abendessen auf der Isomatte und einem kurzen Abendspaziergang stellen wir fest, dass der Nachteil des herbstlichen zeltens eindeutig die langen Nächte sind.
      Zuletzt geändert von qwertzui; 08.11.2017, 19:18. Grund: Foto eingefügt

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      • qwertzui
        Fuchs
        • 17.07.2013
        • 2140

        • Meine Reisen

        #4
        AW: Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

        Montag, 31.10.16

        Um 19.30 Uhr im "Bett", eine 1 cm dünne Isomatte, der Sonnenaufgang um 7.00 Uhr wird von mir schon sehnsüchtig erwartet.



        KlausW beschwert sich über meine frühe Aktivität, gibt aber dann doch zu, dass der Sonnenaufgang es rechtfertigt aus dem überraschend warmen Zelt und Schlafsack zu kriechen. Draußen ist der Boden steinhart gefroren, die gefürchtete Kondensbildung, die bei dem Zelt unter 5°C problematisch sein soll, ist ausgeblieben, beziehungsweise in gefroren unproblematisch. Während mein selbstgebauter UL-Kaffeewasserwärmer arbeitet, darf das Zelt in den ersten Sonnenstrahlen auftauen.



        Der Weg vom Zeltplatz nach San Martino inferiore ist gut ausgebaut und geht fast nur bergab. So sind wir schon gegen 10.00 Uhr wieder beim Rifugio. Maria treibt eine Mitfahrgelegenheit für uns nach Macra auf.

        So können wir unser Auto holen, mit dem Auto noch einmal die Höhenmeter der letzten Tage in einfach erreichen und gegen Ende des Tages sogar vom Pass aus noch einen Gipfel ersteigen, der vermutlich höher als der Watzmann ist, aber weder durch einen Weg noch durch ein Gipfelkreuz gewürdigt wird.






        Danach sind wir froh mit dem Auto zurück fahren zu können. Mit dem schnell aufziehenden Nebel wird es kalt und dunkel. Eine Gruppe wandernder Italiener wird dann auch von der Dunkelheit überrascht. Ein Anruf bei Maria bewirkt dann, dass ein Auto losgeschickt wird um die Gruppe einzusammeln. Selbstverständlich wird mit dem Abendessen gewartet bis man die späten Gäste auch ins Rifugio gebracht hat.

        Ich habe ja schon viele Hüttenwirte erlebt, aber so eine Rundumbetreuung habe ich wirklich noch nie erlebt. Man könnte wirklich meinen in einem Rundumversorgtluxushotel zu sein - die Preise sind aber nicht höher als bei einer AV-Hütte.
        Zuletzt geändert von qwertzui; 08.11.2017, 19:41. Grund: Fotos eingefügt

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        • ronaldo
          Freak
          Moderator
          Liebt das Forum
          • 24.01.2011
          • 10234

          • Meine Reisen

          #5
          AW: Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

          Oh, huebsch! Gar nicht so meine Ecke, macht aber Lust, mal hinzufahren

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          • Wafer

            Lebt im Forum
            • 06.03.2011
            • 6110

            • Meine Reisen

            #6
            AW: Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

            Sehr schick! Und tolle Fotos! Sieht so aus, als müsste ich da mal hin! Bin gespannt was da noch alles kommt!

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            • qwertzui
              Fuchs
              • 17.07.2013
              • 2140

              • Meine Reisen

              #7
              AW: Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

              Danke, ich versuche, die nächsten Tage weiter zu machen.

              @ Ronaldo
              Das schöne dort ist, dass es offenbar für die meisten "nicht so meine Ecke ist"

              Die Kombination aus absolut einsamen Wanderwegen und Hammer-Mega -Küche, kombiniert mit ziemlicher Wetterbegünstigung machen die Gegend zu meiner Ecke, also nicht weitersagen und diesen Beitrag ignorieren.

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              • qwertzui
                Fuchs
                • 17.07.2013
                • 2140

                • Meine Reisen

                #8
                AW: Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

                Fazit Mairatal: Obwohl das Tal seit alters her besiedelt ist, es bis ganz weit rauf kleine Ortschaften mit großen romanischen Kirchen gibt und diese Ortschaften auch alle mit dem Auto erreichbar sind, ist das doch eine der einsamsten Wanderungen, die ich je erlebt habe. Die alten Wege, die die kleinen Ansiedlungen mit einander verbinden, sind als alte Viehtriebrouten komfortabel, aber eben deutlich steiler als die Auto-tauglichen Straßen. So erreicht man zwar alle paar Stunden eine menschliche Siedlung, die selbst wenn sie nicht mehr bewohnt sind über einen Brunnen verfügen, andere Wanderer haben wir außer unserer italienischen Genießertruppe aus dem Rifugio tagsüber nicht getroffen. Während unser Fußweg auf dem Höhenrücken verlief, verläuft die Straße direkt im Tal, so dass man nur unmittelbar in den Dörfern auf Straßen oder gar Autos trifft.

                Im Rifugio wurde uns gesagt, dass zu Ferragosto (also zum Saisonhöhepunkt) insgesamt maximal 50 Wanderer im Tal unterwegs seien. Im Winter soll es dort mehr Wölfe als menschliche Bewohner geben.

                Wir hatten mit dem goldenen Oktober jetzt die idealen Tage erwischt. Einerseits schon Ruhe und Einsamkeit, andererseits aber noch gutes Essen. Während man sich bis Mitte Oktober auf die gute Infrastruktur verlassen kann, ist die zweite Oktoberhälfte dann wohl vom Wetter und der Lust der Hüttenwirte abhängig.

                Jedenfalls leuchten von unserem Fotokalender die Fotos vom letzten Jahr

                url=https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=183153&title=kalender&cat=500][/url]

                So dass ...Fortsetzung folgt
                Zuletzt geändert von qwertzui; 12.11.2017, 23:25. Grund: Foto eingefügt

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                • qwertzui
                  Fuchs
                  • 17.07.2013
                  • 2140

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [IT] Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

                  Es ist Mittwoch, Ende Oktober 2017, als uns klar wird: Mit Wochenende, Allerheiligen und möglichen Brückentagen steht uns ein Kurzurlaub von 5 Tagen offen. Die Bierwanderung durch Franken ist schon fertig geplant, als KlausW meint, der Wetterbericht sei eindeutig: Südalpen müssten es sein.

                  Diesmal ist der Wetterbericht sogar noch eindeutiger: Auf der Alpennordseite ist das Wetter nicht nur schlecht angesagt, nein, für das verlängerte Wochenende ist ein Orkantief mit Schnee bis unter 1000 m angesagt. Auf der Alpensüdseite dagegen 5 Tage Sonnenschein, allerdings sind die Temperaturen diesmal deutlich kälter als letztes Jahr. Nachts ist können die Temperaturen auch in den zweistelligen Minusbereich absinken. Die angekündigten Windgeschwindigkeiten sind mit 75km/h auch nicht ganz ohne.

                  Friaul oder Südtirol sind natürlich deutlich näher da, aber im Friaul waren wir erst im August (vielleicht kommt da auch noch ein Bericht) und in Südtirol ist in den Herbstferien bestimmt ganz München.

                  ... und dann sind ja da auch noch die verführerischen Kalenderfotos ...

                  Also haben wir einen (Arbeits-)Tag Zeit um sie zu planen, die Tour

                  Piemont 2017

                  Der Finger auf der Landkarte landet zwei Täler weiter beim italienischen "Nationalheiligtum", der Quelle des Po und dem weithin sichtbaren Berg, dem Monte Viso oder Monviso.

                  Gut dass KlausW. mal ein Semester italienisch studiert hat, so gelingt es ihm am Donnerstag noch bevor er in die Arbeit muss, für Freitag ein Zimmer und ein Abendessen zu reservieren.

                  Abends noch die Rucksäcke gepackt, morgen müssen wir schließlich früh los ...

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                  • qwertzui
                    Fuchs
                    • 17.07.2013
                    • 2140

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [IT] Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

                    Freitag, 27.10.2017

                    Pünktlich zur Abfahrt kommt auch das schlechte Wetter, da fällt die Entscheidung heute mal schnellste statt schönste Strecke zu fahren etwas leichter.

                    Trotz Schneeregen fahren wir aber nicht den San Bernadino Tunnel, sondern die Passstraße. Zum Glück für den schweizer Bergläufer, den wir vom Pass aus als Anhalter mit ins Tal nehmen. Viele Autos sind da oben nämlich bei dem Wetter nicht. Interessant, was er über das Leben in den Dörfern neben der viel befahrenen A13 erzählt. Die vielbefahrene Passstraße ändert nämlich nichts daran, dass die Orte dort sehr abgeschieden "am Ende der Welt" sind.

                    Wie immer, wenn der Alpenhauptkamm überschritten ist, wird das Wetter gut. Auch die Störche haben beschlossen die Kaltfront nicht abzuwarten und haben die Nordalpenseite schon mal verlassen. Nur zum Nachweis des Storchenmassentourismus stelle ich dieses Bild ein, dass ich vom fahrenden Auto aus geschossen habe. Die weiß-schwarzen Flecken sind die Störche, ich habe 22 gezählt.



                    Die letzte Stunde der Fahrt verlangt nervenstarke und schwindelfreie Autofahrer. Kein Problem für KlausW, nur als die Straße mitten durch die Kirche durchführt, zögert er kurz, er ist schließlich gut katholisch aufgewachsen.

                    Endlich das Foto



                    Dank der heute recht komplikationslosen Fahrt, erreichen wir unser Agriturismo auf 1.600 m gerade noch bevor die Sonne hinter dem Monviso verschwindet.



                    Vor dem Haus werden wir von einem Herdenschutzhund und einem gescheckten, ziemlich hässlichen aber sehr intelligenten Hütehund in Empfang genommen. Die beiden bringen uns zur etwas versteckt liegenden Eingangstür, wobei der hässliche Hütehund sorgfältig darauf achtet, zwischen uns und dem Herdenschutzhund zu bleiben.

                    Bis zum Abendessen haben wir noch Zeit für einen Erkundungsspaziergang. Unser Agriturismo baut reichlich schwarze Edelraute an. Da hoffen wir ja schon vor dem Essen, dass es als Verdauungsschnaps einen guten Genepi geben wird.

                    Außerdem hat man Schafe, Esel, Hüte- und Herdenschutzhunde. Die hässlichen Hütehunde züchtet unser Gastgeber. Hier sieht man ein drei Tage altes "Hund-Katze-Maus-Schwein"



                    Leider habe ich die erwachsenen Hunde nicht fotografiert. Sie sind mittelgroß, weiß-schwarz-scheckig, haben struppiges Fell. Besonders auffällig fand ich die rosa Schweineschnauze, ebenfalls schwarz gescheckt. Die Tiere machen den Eindruck als ob sie eigenverantwortlich und entscheidungsfreudig arbeiten würden. Kennt jemand so eine Hütehundrasse? Zum nachfragen reichten unsere Italienischkenntnisse nicht.
                    Zuletzt geändert von qwertzui; 14.03.2018, 19:31. Grund: Foto ergänzt

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                    • qwertzui
                      Fuchs
                      • 17.07.2013
                      • 2140

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [IT] Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

                      28.10.2017
                      Am nächsten Tag verlieren wir erstmal viel Zeit, weil wir noch Proviant und eine brauchbare Karte kaufen müssen. Also 30 Minuten Serpentinenstraße runter, Proviant ist schnell gefunden, für eine brauchbare Wanderkarte müssen wir etliche kleine Läden abklappern .

                      Dann noch gute 40 Minuten wieder hoch über Chrissolo bis auf 2020 m zum riesigen Parkplatz an der Quelle des Po (Pian del Re). Es ist Mittag bis wir endlich unsere Rucksäcke schultern und uns auf den Weg machen können. Aber auf welchen? Die Tourenbeschreibungen vom Giro del Monviso sind verwirrend (2 Tage, 3 Tage, 5 Tage, 7 Tage). Alle Wege hier sind Giro del Monviso. Das ist ja auch kein Wunder der 3.841 m hohe Gigant bietet ja auch viele Möglichkeiten ...

                      Die berühmteste Möglichkeit der Bucco del Viso scheidet wegen Winter aber bereits aus. Jedenfalls steht an dem Weg unten ein Schild, dass er auf einer Seite bereits verschlossen sei. Wir gehen also in die andere Richtung, die verheißungsvoll auch als Seenrunde ausgeschildert ist.

                      Die ersten 20 Minuten geht es noch in einer dichten Karawane mit italienischen Großfamilien, da es Samstag, Schönwetter und die Quelle des Po eine Art Nationalheiligtum ist.

                      Leider ist die Quelle des Po dieses Jahr ausgetrocknet, so dass wir uns das Foto sparen:

                      http://http://orf.at/stories/2405849/

                      Die Familien haben ihr Ziel bereits am Lago Fiorenza erreicht.



                      Ab hier geht es einsamer weiter. Schon eine dreiviertel Stunde später kommen wir am Lago Chiaretto vorbei. Wir haben offensichtlich schon einiges an Höhe gewonnen. Der See ist zu einem Drittel mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Der Wind wird auch deutlich stärker und kälter. So sommerlich wie letztes Jahr wird die Tour trotz Sonnenschein nicht.



                      Da man zum See ein Stück absteigen müssten, füllen wir kein Trinkwasser auf. Mich macht der Gedanke an zu wenig Trinkwasser immer ein wenig nervös, aber bei der bisherigen Seendichte kann das nicht so dramatisch sein.

                      Wir treffen drei italienische Wanderer, die uns in Anbetracht der länger werdenden Schatten warnen, dass das Rifugio Sella geschlossen sei. Auch diese Gruppe zeigt sich auf unsere Antwort, dass wir ein Zelt dabei haben, beruhigt. Da wildzelten in Italien eigentlich streng verboten ist, ist das auch für uns wieder ein Zeichen, dass zu dieser Jahreszeit in dieser Gegend kein Ärger zu erwarten ist. Im Gegensatz zum restlichen Piemont ist der Monviso in der Saison nicht wirklich einsam und gut mit Hütten erschlossen. Ob wildes Zelten in der Hauptsaison hier geduldet wird (für GTA Wanderer interessant), kann ich nicht beurteilen.

                      Das Rifugio Sella auf 2.640 erreichen wir gegen 15.30 Uhr. Hier machen wir erstmal Pause und beratschlagen anhand von Karte und Wegweisern unsere weitere Tour. Die Wegweiser, die Karte und der Blick auf die Uhr sagen uns leider, dass unsere Tagesetappe mit unbefriedigenden 650 hm und 6 km bereits weitestgehend beendet ist. Die Ausläufer des Sturmtiefs sollen heute Nacht mit 70 km/h und eventuell Schneefall durchziehen. Der Wind ist schon jetzt ungemütlich genug, wir wollen mit unserem UL-Zelt die Nacht nicht wirklich auf einem Pass auf fast 3.000 m verbringen. Während unserer Brotzeit am Rifugio können wir Gämsen beobachten. Wer Lust hat, kann auf dem Foto unterhalb der Scharte reinzoomen. Dann kann man die Gämsen auch unscharf erkennen



                      Das Rifugio Sella liegt oberhalb des Lago Grande di Viso. Wir klettern erstmal durch das Blockgelände runter und holen vorsichtshalber Wasser.

                      Beim Weitergehen stellen wir schnell fest, dass es deutlich hässlichere Plätze gibt, um einen Lagerplatz zu suchen.









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                      • derSammy

                        Lebt im Forum
                        • 23.11.2007
                        • 7290

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [IT] Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

                        Ui! Schee, Schee!!

                        Kommentar


                        • qwertzui
                          Fuchs
                          • 17.07.2013
                          • 2140

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [IT] Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

                          Vielen Dank für die netten Kommentare. Sorry, wegen der langen Pause, aber ihr wisst ja, wir hatten diesen Dezember endlich Schnee, da konnte ich unmöglich diesen Bericht fertig schreiben. Jetzt stürmt und regnet es , da geht es besser.

                          Der Samstagabend ging zunächst bei einem stimmungsvollen Abendessen, Rotwein, Speck und sehr aromatischen Bergkäse seinem friedvollen Ausgang entgegen, als der ortsansässige Fuchs recht dreist versuchte, seinen Anteil des aromatischen Käses zu erbeuten. Mein Mann jagte ihn laut brüllend und Trekkingstock schlagend fünf Minuten davon und ließ sich mit einem zufriedenen "Der kommt nicht wieder" auf der Isomatte nieder als zwei im dunkeln leuchtende Augen in knapp 2 m Entfernung mich an dieser Aussage zweifeln ließen. Der zweite Verscheuchversuch war dann deutlich weniger optimistisch, so dass wir anfingen darüber nachzudenken, wie man die Vorräte in der Nacht sichern könnte.

                          Die altbewährte Technik, die Sachen an einen Baum zu hängen schied aus, der einzige Bewuchs sah so aus:



                          Die Vorräte auf dünnem Eis ablegen?



                          Ich sah schon den käsegierigen Fuchs mitsamt unseren Vorräten ertrinken.
                          Ins Zelt? Schon mehrfach hatten Forenuser beschrieben, wie sich Füchse und sogar Mäuse durch Zelte gebissen hatten. Unser neues UL-Zelt wollten wir nur ungern riskieren.

                          Also haben wir die Vorräte in viele Plastiktüten gewickelt und an einem Trekingstockdreibeinständer aufgehängt. Es wird eiskalt, der Wind ist ungemütlich, also bleibt uns nichts anderes übrig als mit dieser unbefriedigenden Notlösung, trotzdem ins Zelt zu kriechen.

                          Kaum liegen wir im Zelt geht das Geschnüffele und Gescharre direkt neben uns schon los. Gleichzeitig wird auch der Wind heftiger, laute Böen fegen über das Zelt und was ist das für ein Prasseln? Regen, Graupel, Schnee? Aber wir haben letztes Jahr gelernt, und die dünnen Matten durch Downmats 7,5 ersetzt. So schlafe ich sofort ein.

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                          • basstardo
                            Erfahren
                            • 04.12.2013
                            • 255

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [IT] Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

                            Danke für den Bericht. Wir werden wohl auch im Herbst in der Ecke aufschlagen ... Evtl. verschlägt es mich sogar schon Anfang Juli in die Ecke, kann mich aktuell noch nicht entscheiden zwischen GTA von Salbertrand nach Pontebernardo oder die "Grande Traversée du Mercantour" ! Bzgl. "wildes Zelten" hatte ich in Italien eigentlich noch nie Probleme...
                            :: FlickR ::
                            :: Stein am Rhein nach Cuxhaven ::

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                            • donjohannes
                              Gerne im Forum
                              • 07.04.2015
                              • 81

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [IT] Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

                              Huch! Den Bericht seh ich erst jetzt!

                              Schöne Bilder und Beschreibung. Die Wertschätzung für diese Ecke teilen wir ja :-) Vor allem das Maira-Tal ist einfach wunderschön.
                              Meldet euch doch, wenn ihr das nächste Mal in die Gegend kommt. Vielleicht treffen wir uns wo in den Bergen. Oder ich kann euch logistisch unterstützen, wenn Ausgangspunkt und Endpunkt nicht derselbe sind.

                              Kultur und einen Höhenweg könnte man zB. auch im Susatal verbinden (Via Alta Val di Susa). Wirklich einsam ist meine Ecke: Vom Val d'Angrogna über den Vandalino, Vantacul, Punta Vergia, Passo Roux, Altopiano dei Tredici Laghi, dann die Bergkette entlang auf alten Militärstrassen mit Abstiegen ins Val Germanasca oder weiter hinten (ca. 55 km von mir) bei Sestriere (von dort zurück könnte man dann mit dem Auto ein paar Kulturdinge im Susatal ansteuern (Novalesa z.B.).

                              Auch schön, die "Dolomiten von Bardonecchia" '(Valle Stretta) mit Mt Thabor

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                              • qwertzui
                                Fuchs
                                • 17.07.2013
                                • 2140

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [IT] Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

                                @ donjohannes

                                Danke, Lob vom Meister persönlich und dann noch ein Angebot auf das ich sehr gerne zurück kommen werde. Die Ecke der Alpen wird mich bestimmt noch oft rufen.

                                Tatsächlich war die alta via di Susa das erste Mal, dass wir auf dieses Gebiet aufmerksam wurden. Damals planten wir unsere erste etwas längere Bergwanderung und trauten uns noch nicht auf eine Tour mit so wenig Infrastruktur. Das hat sich jetzt aber geändert und wenn man dann noch Hilfe bei der Logistik bekommt

                                Und fertig schreiben muss ich so recht betrachtet auch noch.

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                                • qwertzui
                                  Fuchs
                                  • 17.07.2013
                                  • 2140

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [IT] Piemont Allerheiligen 2016 und 2017

                                  29.10.2017
                                  Bei einem kurzen Kontrollgang um 3.30 Uhr gibt es keine Sturmböen, keine Niederschläge und schnüffelnde Füchse mehr. Nur den schönsten Sternenhimmel der Welt und klirrende Kälte.

                                  Schnell wieder unter die warme Daunendecke. Jetzt habe ich schon 7 oder 8 Stunden geschlafen, eigentlich bin ich ausgeschlafen aber bis zum Sonnenaufgang sind es noch 3 oder 4 Stunden. Leider wurden die Uhren heute nacht von Sommerzeit auf Winterzeit umgestellt. Unsere Handys stellen sich automatisch um, wenn sie Netz haben. So werden wir den ganzen Tag nicht wissen, wie spät es ist und wie lange wir noch Tageslicht haben. Das bekümmert mich erstmal wenig und ich falle sofort wieder in den erholsamsten Tiefschlaf, den ich je hatte.

                                  Als Klaus mich mit den Worten: "Du wolltest doch den Sonnenaufgang sehen!" weckt, ist es schon recht hell im Zelt. Also schnell rein in die Daunenjacke und die Hose und ein paar weitere Kitschfotos geschossen.

                                  Der Morgen begrüßt mich eisig, aber nicht weniger herzlich



                                  Praktischerweise hat die frühe Sonne eine Scharte zum morgendlichen Erscheinen




                                  Unsere Dreibeinkonstruktion hat den Fuchs natürlich nicht aufgehalten. So darf ich im Sinne von leave-no-trace erstmal eine halbe Stunde millimetergroße Verpackungsschnitzel zusammenklauben. Was sind denn das für rote Papierschnitzel? Die Schokoladenkekse sind doch im Rucksack, oder? Nein !!!

                                  Nach der ausgiebigen Käse-Schinken-Orgie und der leckeren Keksnachspeise ist unser verwöhnter Gast durstig. Die eingefrorenen Fußspuren zeigen, dass Mr. Fox noch ausgiebig getrunken hat, bevor er sich in seine Höhle zurück gezogen hat.



                                  So bleibt uns nur noch etwas trockenes Weißbrot und Instantkaffee -das Überleben ist gesichert. Ich brauche jetzt dringend einen warmen Kaffee. Ich habe Durst und bei dem Versuch das gerade noch nicht gefrorene Wasser aus dem See zu trinken, schnürt es meine Kehle zu. Also möchte ich meinen idiotensicheren und damit vor dem ersten Kaffee bedienbaren selbsgebastelten Teelichtkocher anzünden. Die Streichholzköpfe brechen ab, sind wohl mal nass geworden. Das Gasfeuerzeug versagt bei -6 °C. Gut dass Klaus Raucher ist und damit einfach geübter darin ist, bei widrigen Bedingungen die erforderliche Flamme zu produzieren. Aus dem Tetrapack in dem der Rotwein war (nicht mal schlecht) baue ich einen Deckel und einen Windschutz, so dass mein vom kalten Wind schwer überforderter Wasserwärmer es schafft alle Viertelstunde 125 ml lauwarmen Instantkaffee zu produzieren. Klingt komisch für jemanden, der daheim ausgewählte Espressobohnen frisch mahlt und mit 15 bar Druck durch einen wohltemperierten Siebträger jagt, aber der lauwarme Instantkaffee schmeckte an diesem kalten Morgen wahnsinnig gut.

                                  Das Wasserholen und das Abspülen ist heute schwieriger bzw. härter als gestern Abend



                                  Vier halbe Kaffee später ist das Zelt in strohtrocken verpackt. Da wir gestern nicht annähernd soweit gekommen sind, wie erhofft und wir außerdem keine Vorräte mehr haben, suchen wir uns auf der Karte einen Weg, der uns ohne den selben Weg zurück gehen zu müssen, heute wieder zum Parkplatz bringt. Ein Stück zurück müssen wir trotzdem.
                                  Dann haben wir die Wahl zwischen der Vollendung der kurzen und einfachen Seenrunde



                                  (Der komfortable Weg ist auf dem Bild gut zu erkennen)

                                  und dem als schwierig ausgeschriebenen Weg über das 2741 m hoch gelegene Rifugio Giacoletti. Wir haben noch Energie und entscheiden uns gegen den kurzen einfachen Weg.

                                  Zunächst ist der Weg noch sehr komfortabel angelegt.



                                  Nach dem Rifugio geht es scheinbar senkrecht weiter.



                                  Der Weg ist steiler und anspruchsvoller als ich mir das als nichtschwindelfreier Nichtkletterer wünschen würde, aber die an den steilen Stellen angebrachten Kletterseile, stärken mein Selbstvertrauen soweit, dass ich es über alle Schlüsselstellen drüber schaffe. Ein massiv durchgefrorener Bach, der zu queren ist, zeigt, wie leicht es um diese Jahreszeit passieren kann, dass man irgendwo nicht weiter kommt und umdrehen muss. Der gefrorene Eiswasserfall hat in der Mitte einen Trittstein, der uns die Überquerung ermöglichte. Wäre der Wasserstand bzw. Eisstand nur einen cm höher gewesen, wäre es ohne Grödel nicht möglich gewesen den Bach zu überqueren.



                                  Diese Stelle ist natürlich keine der Schlüsselstellen. An denen hätte ich nicht posiert und mein Mann nicht fotografiert, da wir da wirklich gefordert waren. Erschwerend hat sich natürlich auch der stürmische Wind ausgewirkt. Man hatte bei jeder Böe Angst vom schmalen Steig gepustet zu werden.

                                  So kommen wir wieder auf die Hauptwege rund um die Quelle des Po, wo an diesem schönen Sonntag es von italienischen Ausflüglern nur so wimmelt. Wir werden sogar darauf angesprochen, dass wir die einzigen Deutschen hier seien.

                                  Zurück in unserem Agriturismo schmeckt das sechsgängige Abendessen gleich noch besser als am ersten Abend.

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