[DE] Malerweg 2011

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  • Voland
    Anfänger im Forum
    • 28.11.2010
    • 36

    • Meine Reisen

    [DE] Malerweg 2011

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Ich bin den Malerweg gelaufen. Das war meine erste komplette Weitwanderung.
    Warum gerade den Malerweg? Gestolpert bin ich über ihn als ich vor ein - zwei Jahren nach Fernwanderungen mit Hund suchte und eine Dame im Inet den erwähnte. Sie wäre ihn mit Hund gelaufen und es wäre OK. Laut ihrer Ausführung könnte man die Leiterpassagen immer umlaufen und die unhundlichen Stellen wären ausgeschrieben. So oder so ähnlich. :icon_rolleyes
    Gespeichert war er erstmal in meinem Gedächtnis. Im Februar diesen Jahres besuchten ein Freund, ich und meine Kleine Dresden und wir unternahmen mit unseren Herbergsvater eine kleine Rundwanderung die uns das Netz empfohlen hatte. An einer Stelle, vom Hockstein runter ins Polenztal, mussten wir eine schmale und steile Treppe runter. Eine Umleitung gab es nicht, bzw. hätte das Kilometer Rückweg bedeutet. Meine Kleine hat sie zwar tapfer bezwungen doch unten angekommen war mir eines bewusst: Den Malerweg bewandere ich erst, wenn ich mal keinen Hund habe.
    Dass das nun ein gutes halbes Jahr später traurige Realität ist hätte ich nie und nimmer gedacht und so war der Malerweg auch eine Art Trauerbewältigung. Ich muss lernen auch ohne einen treuen vierbeinigen Kameraden durch die Natur zu latschen und diese zu genießen.
    Eingepackt hatte ich unter anderem den Schlafsack und die Isomatte weil ich vorhatte auch mal in Schutzhütten oder Bänken oder unter Felsvorhängen zu nächtigen.
    Das war, wie sich rausstellte, unnützes Gepäck weil das Wetter mich die ersten zwei Tage sowieso zwangen eine feste Unterkunft zu suchen und ich so zu der Erkenntnis gelangte, dass ich in ein Alter erreicht habe, bei dem eine warme Dusche, eine warme Mahlzeit, ein gutes Bier und ein schönes Frühstück mit heißem Kaffee zur Gesunderhaltung unumgänglich dazu gehört.

    Ich beginne mit Tag eins, Sonntag dem 4.9. :

    Ich fuhr gegen 10.00 Uhr im Heimatort los. Eigentlich wollte ich zwei Stunden eher starten, aber das kleine Stadtteilfest an der Grünen Tanne abends zuvor erforderte eine Umplanung.
    Gegen 12.00 Uhr bin ich in Dresden angekommen, lud meinen Neffen ein, der sich fürsorglich die kommende Woche um das Auto sorgen musste und mich in Notfällen aus der Natur retten sollte.
    Nach kurzer Fahrt erreichten wir den Ausgangspunkt in Pirna-Liebethal.
    Ohne großes Gewese lud ich den Rucksack auf die Schultern, verweilte noch kurz um die reibungslosen Abfahrt des verborgten Autos zu genießen und dann stapfte ich los. Das Liebethal wird auch Tor zur Sä. Schw. genannt. Obwohl 30° C angekündigt wurden umfängt mich die Kühle eines engen Tales.





    Ich war darüber sehr froh. Außerdem war ich angenehm überrascht, dass mir, trotz Sonntag, keine Schwärme von Mittsiebzigern begegnen, die mit ihrer Kleidungswahl allen beweisen, dass sie “Draußen zu Hause” sind.
    Vorbei am Wagnerdenkmal und zweier Ruinen










    ging es dann erstmal, allerdings sehr schonend, bergauf.


    Oben dann eine typische Kulturlandschaft wie ich sie liebe.








    Allerdings nicht bei den Temperaturen. Glücklicherweise ging es bald wieder bergab und damit in die Frische des wasserführenden Uttewalder Grundes.





    Wunderbar die Schlucht. Wenig los und die beruhigende Einsamkeit labte die Seele.








    Am Gasthaus Waldidylle kam ich trotz bester Vorsätze nicht vorbei. Eine Wurst und ein Rechenberger Dunkles wurden verschlungen.




    Ich fühlte mich zufrieden.
    Kurz das Cafe Richter in Stadt Wehlen angerufen und das einzige Einzelzimmer reserviert. 30 Euronen die Nacht inkl Frühstück finde ich angemessen. Schließlich ist es im Stadtzentrum.
    Ich erreichte diese Stadt oberhalb und schaute überrascht auf ein geschäftiges Markttreiben herab. Es ist ja immerhin Sonntag, der Tag des Herrn.




    Unten angekommen stellt sich das als alljährlicher Heimatmarkt raus. Sächsische Köstlichkeiten eben. Jetzt wurde mir klar, warum ich unterwegs so wenige Outdoormumien gesehen habe.
    Die gedruckte Zeittafel am Rande versprach noch eine Marktbühnenperformanz : Thomas Stelzer Trio.
    Von der Combo habe ich noch nie gehört und im Kopfkino hatte ich eine Musikandenstadlrevivalband.
    Ich sollte mich täuschen.
    Jedenfalls eroberte ich erstmal mein Nachtquartier und wechselte und wusch eine Obertrikotage.
    Erstaunlicherweise erreichten mich nun interessante Töne durchs geöffnete Fenster. Das T-S-Trio entpuppte sich als Blues-Jazz-Band, die einen flotten Boogiesound hinlegten.
    Flugs gings zurück auf den Marktplatz und ich lauschte erstaunt einem kulturellen Hochgenuss.
    Dabei bestellte, kaufte und trank ich ein Radeberger vom Fass. Eklig. Das war mein letztes Radeberger,
    für immer und ewig.
    Ich lies den Abend dann auf der Terrasse meiner Unterkunftslokalität ausklingen,



    trank noch das eine oder andere Weißbier , verspeiste ne Sülze, las noch in der Reiselektüre um dann schlussendlich den seligen Schlaf des Angeschwipsten zu genießen.
    Nachts donnerte und blitze und schüttete es gewaltig.
    Zuletzt geändert von November; 11.12.2011, 21:01.

  • crunchly
    Fuchs
    • 13.07.2008
    • 1167

    • Meine Reisen

    #2
    AW: Malerweg 2011

    Klasse, der Bericht kommt genau zur richtigen Zeit für mich. Unsere Tour auf dem Malerweg steht für Ende Januar an

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    • Voland
      Anfänger im Forum
      • 28.11.2010
      • 36

      • Meine Reisen

      #3
      AW: Malerweg 2011

      Tag 2 :

      Pünktlich 8.00 Uhr erschien ich zum Frühstück. 8.30 Uhr war ich, diesmal in meinen Regenklamotten, wieder auf Wanderschaft.



      Es ging kurz an der Elbe entlang und dann schräg bergauf.





      Eine ganze Weile bergauf.




      Endlich oben musste ich feststellen : Angeblich dampfdurchlässige Regenkleidung von angesagten Outdoormarken halten nicht den Erwartungen stand. Ich blieb zwar von Außennässe verschont, doch ich schmorte im eigenen Saft. Ca 10.00 Uhr erreichte ich das Heiligtum der sächsischen Schweizer : Die Bastei.





      Die Unmengen an Kioske, Ausschanke und Speisemöglichkeiten lassen erahnen, was an Ferientagen, Feiertagen, Schönwettertagen hier los ist. Myrriaden von Nahrungskonkurrenten tummeln sich dann hier. Ich war aber nicht doof und habe einen verregneten Frühmorgen ausgewählt.









      Nichts los und dummerweise hatte die Felsenburg wegen Baumaßnahmen geschlossen. Gerade die hätte mich nun wirklich interessiert.



      Aber so ist das Leben, Licht und Schatten sind Geschwister. Möglicherweise Zwillinge. Zweieiige.
      Jetzt lernte ich die Struktur des Malerwegs kennen, wenn man mal oben ist, geht es sofort wieder nach unten und dann wieder nach oben und dann wieder nach unten und dann wieder nach oben und dann…………
      Und das alles über Treppen, Steige, Leitern, Stiege, Stufen…….
      Aber ich schweife ab, es ging jedenfalls über ungezählte Waldstufen bergab in den Amselgrund.
      Die Felsenbühne lies ich links liegen und schwitzte mich an dem Amselsee vorbei zum Amselfall.






      Ein Bier und eine Fischsemmel später stapfte ich weiter, bergan natürlich.






      Ab jetzt regnete es dauerhaft, zwar nur leicht aber stetig. Die Wege, die nun von mir getreten wurden, waren mir wohlbekannte. Lief ich doch dieses Teilstück ein halbes Jahr vorher. Zusammen mit vier Pfoten. Grausame Verlusterinnerung.
      Am späten Mittag war ich mit mir über mein Tagesziel einig. Die offizielle Etappe endete in Burg Hohnstein. Ich wollte zu Brandbaude. Kurzer Anruf und Unterkunft festgemacht.




      Schön wie einfach wandern und übernachten sein kann. So beruhigt lief ich eher zögerlich durch die Landschaft. Dann doch etwas zügiger. Es begann nun doch kräftiger zu regnen. Jedenfalls hielten die Klamotten das Wasser von außen ab. Nass war ich dennoch. Darum war ich nicht unerfreud die Baude
      zu erreichen. Zimmer bezogen, Klamotten umgezogen und Gastraum geentert. In meinem Reiseführer steht :” Und was für ein erhabenes Gefühl, wenn die Tagesgäste den “Balkon” verlassen haben, und ein guter Wein den Gaumen verwöhnt und die Abendsonne die Landschaft in warme rote Farben taucht - garantiert unschlagbar!”









      Was soll ich sagen, es stimmte ohne wenn und aber. Nur den Wein tauschte ich gegen Bier und Becherovka. So zugebechert schlief ich früh und gut.

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      • Steinchen
        Dauerbesucher
        • 14.10.2010
        • 734

        • Meine Reisen

        #4
        AW: Malerweg 2011

        Hallo Voland,

        die Bilder finde ich klasse aber nach den "Wandermumien" habe ich nicht weitergelesen. Welches Problem hast du mit alten Leuten?
        lg Steinchen

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        • Gast-Avatar

          #5
          AW: Malerweg 2011

          Zitat von Steinchen Beitrag anzeigen
          die Bilder finde ich klasse aber nach den "Wandermumien" habe ich nicht weitergelesen. Welches Problem hast du mit alten Leuten?
          Vielleicht meint er es ja nicht so und bezeichnet seine Altersgruppe immer so.

          Zitat von Voland Beitrag anzeigen
          Die gedruckte Zeittafel am Rande versprach noch eine Marktbühnenperformanz : Thomas Stelzer Trio.
          Von der Combo habe ich noch nie gehört und im Kopfkino hatte ich eine Musikandenstadlrevivalband.
          Zitat von Voland Beitrag anzeigen
          Dabei bestellte, kaufte und trank ich ein Radeberger vom Fass. Eklig. Das war mein letztes Radeberger,
          für immer und ewig.
          Unglaublich!

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          • Voland
            Anfänger im Forum
            • 28.11.2010
            • 36

            • Meine Reisen

            #6
            AW: Malerweg 2011

            Zitat von Steinchen Beitrag anzeigen
            Hallo Voland,

            die Bilder finde ich klasse aber nach den "Wandermumien" habe ich nicht weitergelesen. Welches Problem hast du mit alten Leuten?
            Zitat von chrischian Beitrag anzeigen
            Vielleicht meint er es ja nicht so und bezeichnet seine Altersgruppe immer so.

            Wer sieht sich beim Trekking schon gerne ständig im Spiegel.

            Es sollte nur eine satirische Überspitzung meine subjektiven Eindruckes sein, das gefühlte 90 Prozent der älteren Trekker eine Marke mit Pfote drauf tragen.
            Ich frage mich nun, ist die Kleidung wirklich unschlagbar praktisch oder vermittelt die clevere Werbung wirklich eine Botschaft, die Oma und Opa gerne ebenfalls aller Welt zeigen will.

            Ich entschuldige mich, falls sich jemand unangenehm berührt fühlt.

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            • Voland
              Anfänger im Forum
              • 28.11.2010
              • 36

              • Meine Reisen

              #7
              AW: Malerweg 2011

              Tag drei.



              Der dritte Tag begann mit einer Frechheit. Ich bekam zum Frühstück einen dermaßen überladenes Wurst- und Käsebrett, davon hätte ich die ganze Woche essen können. Als ich völlig überfressen aufbrach sah das Brett noch wie unangebissen aus. Darum einen Tipp an alle meine Nachahmer. Geht zu viert dort vor Anker und bestellt nur ein Frühstück. Da könnt ihr noch Lunchpakete schmieren.
              Der Morgen war klar und frisch. Es sollte meine sonnige Königsetappe werden.






              Übrigens, gleich wieder über Waldtreppen bergab und wieder hoch nach Waitzdorf.






              Es folgte dann endlich mal eine längere Passage eben durch den Wald. Wie entspannend.



              Ich streifte einen Bahnhof anno von früher. Schön.







              Eine ausgeschilderte Umleitung, extra für Malerwegwanderer, kam mir wie eine Abkürzung vor. Flugs war ich wieder oben, idyllisch zwischen bäuerlichen Wiesen- und Weideland mit bäuerlichen Getier.



              Schön.

              Im nahen Altendorf lernte ich nochmals die ehemaligen Fortschritte des soz. Wohnungsbau kennen.



              Durch die Dorfbachklamm kletterte ich wieder mal nach unten.








              Nicht ganz aber doch etwas spektakulär. Da stand ich nun im Kirnitzschtal und beblickte die Straßenbahn.
              Damit könnte ich zum Lichtenhainer Wasserfall fahren oder nach Bad Schandau. Ein Blick in den Wanderführer verriet aber : Straßenbahnfahren gehört nicht zum Malerwegwandern.
              Ich ließ es, Was ich aber nicht sausen lies, waren ne Sülze und ein Halbes in einer Lokalität am Campingplatz. Voll motiviert machte ich mich so gestärkt auf den Weg zu den Schrammsteinen. Durchs gleichnamige Tor kam ich zu den zwei Möglichkeiten, die Schrammsteinaussicht zu besichtigen.



              Entweder über den Wildschützsteig oder den Jägersteig. Da war nun guter Rat teuer. Denn der eine führt über Stufen, Leitern Treppen und durch Spalten steil und anstrengend nach oben, der andere auch. Ich fühlte mich etwas mehr wilder als sonst, also der WSS.




              Was habe ich gepumpt und geastet und geflucht. Oben angekommen war natürlich alles vergessen. Der Ausblick, besser Rundblick ist sensationell. Der Wind auch. Ruckzuck war ich wieder trocken. Schön.



              Auch der anschließende Weg auf dem Schrammsteingebirge empfand ich als visuellen Hochgenuss.
              Ich wars zufrieden.






              Da ich nun wusste, wo ich abends landen könnte, telefonierte ich mich durch verschiedene Wanderquartiere. Die Pension am Lichtenhainer Wasserfall hätte ich zeitlich und konditionsmäßig am optimalsten empfunden. Leider sprach ich im Fernsprecher nur mit einer Angestellten, die von nix Ahnung hatte und die ChefsInnen vertrat und mir den kapitalistischen Vorschlag unterbreitete, ich sollte es doch besser woanders probieren. Die Stimme der Buschmühle war da schon freundlicher. Quartier na logisch. Nur fürs Abendessen müsste ich so gegen 20.00 Uhr eintreffen, da später die Küche schon schliefe, oder so ähnlich. Ein Blick in die Karte verriet, dass das eng werden könnte, außer man schlägt sich zur Talstraße durch und nimmt den Bus. Ich legte also den Turbo ein und die Wanderstöcke knallten nur so über die Waldpfade.




              Am Haltepunkt angekommen verfluchte ich mich, weil ich nicht noch schneller unterwegs gewesen war, weil ich den letzte Bus um ca 10 Minuten verpasst hatte. Geschätzte 7 - 9 Straßenkilometer lagen noch vor mir. Nun habe ich in meinen früheren Lebensphasen nur gute Erfahrungen mit dem Trampen gemacht und entsann mich auf diese. Schnurstracks und optimistisch begab ich mich nun auf der Straße Richtung Ziel entlang. Stutzig wurde ich nach 20 Minuten und gerade mal ein Auto. Welches mich unerklärlicherweise noch nicht mal mit nahm. Ein Blick auf die Karte verriet, bei dieser Auslastung der Talstraße wäre es vernünftiger mehr der Luftlinie zu folgen und so stiefelte ich den Flößersteig meinem Ziel entgegen.




              Das dieser nur über Wurzeln und Steinen ziemlich beschwerlich am Ufer des Kirnitzsch entlang lief, konnte ich ja nicht wissen. Jeder der mal mit 15 kg Marschgepäck über Stock und Stein gelaufen ist, weiß über die Konzentration die Mann aufwenden muss, um ohne Knöchelverstauchungen durchs Gelände zu gelangen.
              Ohne hier Mitleid erhaschen zu erbitten zu wollen, ich kam völlig ausgepumpt und erledigt an der Buschmühle an. Freundlich wurde ich in meine Unterkunft eingewiesen. Obwohl ich alles daran setzte und meinen Körper drangsalierte um ja noch ein
              Abendmahl zu ergattern, die Mühe war umsonst. Ich war zwar pünktlich, verspürte aber ob der Anstrengung null Hunger. Ich bekam schlicht weg wegen der Erschöpfung nichts festes herunter. Ich bestellte vorsorglich eine Eierflockensuppe, ging duschen und dann wieder in den Wirtsraum. Ich muss anmerken, der hatte was. Alles, auch mein Zimmer atmete des Geist des vorletzten Jahrhunderts. Bodenständig und natürlich. Ich hoffe, dass die stattfindenden Baumaßnahmen den archaischen Charakter dieser Pension nicht verfremdet.
              Ich schlief gut.

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              • Atze1407
                Fuchs
                • 02.07.2009
                • 2425

                • Meine Reisen

                #8
                AW: Malerweg 2011

                Das dieser nur über Wurzeln und Steinen ziemlich beschwerlich am Ufer des Kirnitzsch entlang lief, konnte ich ja nicht wissen. Jeder der mal mit 15 kg Marschgepäck über Stock und Stein gelaufen ist, weiß über die Konzentration die Mann aufwenden muss, um ohne Knöchelverstauchungen durchs Gelände zu gelangen.
                Ohne hier Mitleid erhaschen zu erbitten zu wollen, ich kam völlig ausgepumpt und erledigt an der Buschmühle an.
                Kann ich irgendwie nachvollziehen. Interessanter wird es jedoch im Winter, vorausgesetzt man hat zwei Träger, die einen von der schweren Last eines Rucksacks befreien.

                Aber da ich deinen Worten, bzw. Einstufung nach, zur Gattung der "Wandermumien" gehöre, ist dass wohl Legitim.

                LG
                Atze 1407
                Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
                Abraham Lincoln

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                • Christian J.
                  Lebt im Forum
                  • 01.06.2002
                  • 8690

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: Malerweg 2011

                  Im Winter wird es nicht nur "interessant" sondern stellenweise echt gefährlich. Der Weg ist an vielen Abschnitten komplett gefroren und so wird eine Begehung zur Kraxelei auf einer stark abschüssigen Eisfläche mit Einladung zur Schussfahrt direkt in die Kirnitzsch. Steigeisen sind auch keine Option: man würde den Sandstein damit total schrotten.

                  Also, eine Begehung im Winter ist nicht ohne! Geil ist's trotzdem und ich hab's schon mehrmals gemacht.
                  "Er hat die Finsternis der Latrinen ertragen, weil in der Scheiße nach Mitternacht sich manchmal die Sterne spiegelten"
                  Durs Grünbein über den Menschen

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                  • Juno234
                    Erfahren
                    • 03.08.2007
                    • 397

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: Malerweg 2011

                    Zitat von Christian J. Beitrag anzeigen
                    Also, eine Begehung im Winter ist nicht ohne! Geil ist's trotzdem
                    Stimmt Auch wenn ich mit Schaudern an meinen erst eisigen, dann naßen Hosenboden zurückdenke

                    Juno, auch eine Wandermumie, aber ohne Tatze am "Fell"

                    Kommentar


                    • loisachqueen
                      Erfahren
                      • 02.05.2011
                      • 187

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: Malerweg 2011

                      Mal eine andere Frage: Wie begangen ist der Malerweg eigentlich bei guten Wetter/Sommer?

                      Ich bin grad am Ideen sammeln für den Urlaub im nächsten Jahr ....

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                      • couchpotato
                        Erfahren
                        • 27.02.2011
                        • 331

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: Malerweg 2011

                        aktuell gibt es hier:
                        http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/a-z/biwak102_letter-B_zc-acc19f7f_zs-dea15b49.html
                        ab ca. 20:50 min einen kleinen filmbericht von einem teil des malerweges mit hier so nett umschriebenen "wandermumien"
                        warum groß schreiben, wenn man nicht groß sprechen kann?

                        Kommentar


                        • Gast-Avatar

                          #13
                          AW: Malerweg 2011

                          Zitat von Atze1407 Beitrag anzeigen
                          Aber da ich deinen Worten, bzw. Einstufung nach, zur Gattung der "Wandermumien" gehöre, ist dass wohl Legitim.
                          Wo lest Ihr eigentlich alle "Wandermumien"? Es heißt doch "Outdoormumien"!

                          Zitat von Voland Beitrag anzeigen
                          Unten angekommen stellt sich das als alljährlicher Heimatmarkt raus. Sächsische Köstlichkeiten eben. Jetzt wurde mir klar, warum ich unterwegs so wenige Outdoormumien gesehen habe.
                          Schöner Bericht.

                          Kommentar


                          • masc
                            Dauerbesucher
                            • 29.09.2007
                            • 573

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: Malerweg 2011

                            Zitat von Atze1407 Beitrag anzeigen
                            Kann ich irgendwie nachvollziehen. Interessanter wird es jedoch im Winter, vorausgesetzt man hat zwei Träger, die einen von der schweren Last eines Rucksacks befreien.

                            Aber da ich deinen Worten, bzw. Einstufung nach, zur Gattung der "Wandermumien" gehöre, ist dass wohl Legitim.

                            LG
                            Atze 1407
                            OT: Legitim wäre gewesen Kliku und mich vom Inhalt deines Rucksacks zwecks dessen sofortiger Erleichterung in Kenntnis zu setzen

                            Zitat von Voland
                            Dabei bestellte, kaufte und trank ich ein Radeberger vom Fass. Eklig. Das war mein letztes Radeberger, für immer und ewig.
                            Grober Fehler. Dann hattest du zu wenig.
                            Schöner Bericht!
                            Saying you don't believe in magic but do believe in god is a bit like saying you don't have sex with dogs -
                            except labradors.
                            Jimmy Carr

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                            • LeMonde
                              Gerne im Forum
                              • 06.07.2011
                              • 77

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: Malerweg 2011

                              Sehr schöner Bericht! Hat mich inspiriert... Es gibt schon echt schöne Abschnitte auf dem Malerweg.

                              Und mit deinem Radebergererlebnis kann ich dir nur Recht geben

                              Beste Grüße
                              LeMonde
                              bjoernbloggt.wordpress.com

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                              • Voland
                                Anfänger im Forum
                                • 28.11.2010
                                • 36

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: Malerweg 2011

                                Kleiner Nachtrag zum Tag drei :


                                Wildschützsteig

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                                • Voland
                                  Anfänger im Forum
                                  • 28.11.2010
                                  • 36

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: Malerweg 2011

                                  Tag 4 .


                                  Das Plätschern von Wasser, das durch das geöffnete Fenster in mein Ohr drang und von dort in mein Unterbewusstsein ließ mich instinktiv wach werden. Tag 4 und es regnete. Na und?
                                  Die Oma servierte für die Herbergsgäste ein Frühstück das einfach und ausreichend war. Schön.
                                  Kurz noch ein paar Fotos von dieser Lokalität geknipst und dann
                                  War ich halb neun wieder unterwegs.





                                  Heute sollte der höchste Punkt der Gesamtwanderung bezwungen werden. Der große Winterberg mit immerhin 556 m über was auch immer. Es ging bergauf und dann langsam bergab. Dann steil bergauf und steil bergab. Die Gewissheit, dass der ultimative Anstieg damit noch nicht mal begonnen wurde, ließ mich fluchen. Am Zeughaus, drang ich gegen 11 Uhr in die Lokalität ein und verlangte, ohne mich zu setzten, geschweige irgendwas abzulegen, eine große Cola. Ich brauchte Zucker und Zucker. Nach 3 Minuten Einkehr, 3,60 € ärmer, strolchte ich mich zum finalen Aufstieg. Dieser war mühevoll, ungelogen.
                                  Zum Glück hat vieles ein Ende z.B. der Tag, das Leben und eben auch Aufstiege.







                                  Oben angekommen verführte mich schon wieder eine Schänke zur Einkehr. Etwas verwundert war ich über das Speisen- und Getränkeangebot. Damit sollten sicherlich auch die Menschen mit alternativen Lebensentwürfen angesprochen werden. Ich blieb aber gewöhnlich und erbat mir eine Berliner Weiße mit Himbeerschuß. Ein köstlicher Durstlöcher. Ich verweilte so lange bis die Akkus halbwegs wieder aufgeladen waren und
                                  nutzte die Zeit für eine Etappenplanung. Ich entschied mich für Krippen als Etappenziel. Das war zwar ambitioniert aber so hätte ich auf den letzten Etappen mehr Zeit für die touristischen Höhepunkte wie z.B. die Festung Königstein.
                                  Weil ich ganz oben war ging es wieder runter. Diesmal steil nach Schmilka.











                                  Unten angekommen, mittlerweile schien auch die Sonne, konnte ich den Gourmetangebot des örtlichen Imbissstandes nicht widerstehen und gönnte mir ein fürstliches Gedeck. Ein Bier und eine Knoblauchwurst.




                                  Entweder leiden meine Geschmacksknospen an Demenz oder die Wurst betrog mich. Ich schmeckte nicht einen Hauch von Knobi raus. Ich schlürfte, schmeckte, kaute Stück für Stück, lies die Buffen im Munde kreisen, hielt die Wurst gegen das Licht, schnupperte daran und begutachtete die Konsistenz. Nichts.
                                  Es blieb ein Mysterium, wie die Knoblauchwurst zu ihren Namen gekommen ist.
                                  Leider konnte ich mich nicht länger mit der Frage begrübeln, da der Fährmann der Fähre, mit der ich ans andere Ufer wollte, fast einschlief, so toll war das Gedränge der Überfahrtsüchtigen. Auf deutsch, ich war der Einzige der auf der Fähre Platz nahm.



                                  Was für ein Luxus. Das gefiel mir so gut, dass ich meine Wanderendplanung spontan über den Haufen warf und ich mich auf einen schicken Raddampfer von Pirna nach Dresden sah. Jawohl, ich werde stilvoll und angemessen mit dem Dampfer nach Dresden dampfen und mich dort im Hafen abholen lassen. Mit diesen Kopfkino sprang ich übermütig an Land und stürmte leichtfüßig weiter. Natürlich nach oben.




                                  Ich machte tel. eine Unterkunft klar und fühlte mich wohl. Durch Schöna und Reinhardtsdorf strebte ich meinen Ziel zu.















                                  Rundrum nun eine ganz andere Kulturlandschaft. Wiesen und Weiden bestimmte nun den Weg bis ich dann kurz vor Krippen doch noch in den Wald einbog und steil nach unten ins Dorf eintriumphierte. Die Herbergseltern der Pension Hönel-Hof bestachen mein Gemüt mit herzlicher Freundlichkeit.
                                  Ansonsten war mein Zimmer schon etwas seltsam. Das war sicherlich mal ne Garage in die ein Stoppeldockbett und ein Bett ohne Doppelstock gestellt wurde, dazu ein Schrank und Stühle. Eine Elektroheizung an die Wand geschraubt und eine Balkontürverglasung eingebaut. Davor eine Art Terrasse mit Plastebestuhlung. Die dazugehörige Nasszelle befand sich im Heizungskeller des Haupthauses 30 m übern Hof. Ich fands unternehmerisch, erfinderisch und kreativ.
                                  Im nahen Gasthof “Zur Eiche” speiste ich angemessen und trank das eine oder andere Weißbier. Alles schön. Ich schlief gut.

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                                  • Abt
                                    Lebt im Forum
                                    • 26.04.2010
                                    • 5726

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [DE] Malerweg 2011

                                    So, ich als Lokalpatriot wandere virtuell weiter mit und hoffe, bald weitere schöne Bilder von dir zu sehen.Den Malerweg habe ich aber noch nie komplett absolviert. Also bitte weiter.Danke.

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                                    • Voland
                                      Anfänger im Forum
                                      • 28.11.2010
                                      • 36

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [DE] Malerweg 2011

                                      Pünktlich und mit meiner mir angeborenen Selbstdisziplin war ich 8.00 Uhr der Erste im Frühstücksraum und auch der Erste der loslief.



                                      Es regnete. Ich lief bergauf, an der Liethenmühle vorbei, die zum Glück noch geschlossen hatte. Wäre meiner Streckenplanung auch nicht dienlich gewesen, wenn ich nach 30 min. schon wieder zur Einkehr verführt würde.




                                      Eine kleine Pause gönnte ich mir dann, um zwei kämpfende Feuersalamander zu bestaunen. Wurde so was schon mal gefilmt? Weiter ging es am Waldrand entlang. Eine ungewöhnliche Stelle, mitten am Rand der Wiese, ließ mich über deren Bedeutung grübeln. Ein Blick auf die Karte verriet dann : Es war der ortsübliche Platz zum Bergsingen. War ich froh, dass gerade nichts dergleichen geboten ward.




                                      Kurz darauf passierte ich dann ein Damwildgehege. Zwischen Neugier und Fluchtabsichten begafften wir uns gegenseitig.




                                      Und dann bestieg ich den Tafelberg Papststein.










                                      Ich war nicht sonderlich beanstrengt und wurde oben Zeuge wie die Lokalität ihre Pforten öffnete. Der ziemlich strenge Wind trieb mich in die Schänke. Das Speise- und Getränkeangebot kam mir merkwürdig bekannt vor. Exakt dasselbe Sortiment wie auf dem Winterberg. Selbst die Aufmachung der Speisekarte war dieselbe.
                                      Die Neugierde ließ mich tiefer in das Impressum eintauchen und nun dämmerte mir : In der sächsischen Wildnis hat sich eine sogenannte Systemgastronomie etabliert. So wie McDoof oder Subweg. Ich konnte hier auf dem Papststein schon aussuchen, was ich auf dem Pfaffenstein, der heute noch auf dem Programm stand, zu verspeisen gelüstigt ich werden will oder auch noch traurig zurückdenken, was ich auf dem Winterberg hätte verspeisen zu können verpasst hatte. Lustig.
                                      Der Abwechslung wegen bestellte ich diesmal eine Berliner Weiße mit Johannisbeerschuß.
                                      Kurz darauf füllte sich der Wirtsraum und ich brach ab und auf. Es ging steil nach unten und sofort wieder rauf auf den Tafelberg Gohrisch. Übrigens steil über Stufen, Treppen und Leitern.




                                      Oben war ich wieder mal fertig. Kurze Pause in dem kleinen aber feinen Pavillon. Danach ging es, oh Wunder, wieder bergab über Stufen und Treppen.




                                      Es schloss sich ein schönes Wanderstück am Waldrand an und nach ein paar Hupfern stand ich vor dem Tafelberg Pfaffenstein.



                                      Ich musste da hoch, so ist nun mal die Wegführung. Hier hatte ich die Alternative über einen Rentnerpfad gemächlich nach oben zu wandern oder den Stieg über steile Leitern, Treppen und Stufen. Die Wahl fiel auf den Stieg. Schließlich wurde da Trittsicherheit und Kondition verlangt. Wozu habe ich gute und teure Wanderstiefel? Für Trittsicherheit!!! Da ich mein Geld auch irgendwie sinnvoll angelegt sehen wollte, kraxelte ich unter schnaufen und schniefen, fluchend und maulend aber tapfer und stetig nach oben. Dort angekommen lies der Ausblick, unter anderem zur Festung Königstein alle Strapazen im Eiltempo vergessen. Toll.
                                      Phänomenal. Epochal. Stolz war ich auf mich. Hatte ich doch an einem Tag drei Tafelberge bezwungen. Und es war erst früher Nachmittag. Wäre jetzt noch im Wanderplan ein Dreitausender zu besteigen, ich hätte es gemacht. Stand aber nicht im Faltplan. Da stand eine Lokalität und die suchte ich auf. Nach drei Tafelbergen ist es angemessen selber mal zu tafeln. Ich schenkte mir den Blick in die Karte - kannte ich doch deren Inhalt schon auswendig - und bestellte Spaghetti mit Knoblauch, Kapern, Oliven und Parmesan. Die Seniorenportion. Ausgesprochen lecker und mit einer kräftigen Knobinote. So wars richtig. Statt sächsischer Hausmannskost, mediterranes Lebensgefühl in einer Wanderraststätte auf deutschen Tafelbergen. Aber ich schweife ab……….








                                      Weiter gings und zwar bergab, angenehm unspektakulär.
                                      Ich umrundete den Tafelberg Quirl und fand mit dem Diebeskeller die erste ansprechende Wildnisunterkunft. Hier hätte ich doch tatsächlich outdoornachten können. Da ich aber schon was gebucht hatte, lief ich weiter und stieg dann zum heutigen Zielpunkt Königstein hinab.




                                      Die Pension “Sachsenstübel” ( ich verliebte mich in den Namen ) gebar mir ein Zimmer, sogar mit Fernseher.
                                      Ich war dem fernsehen so entwöhnt, dass ich mich nur lustlos durchs Vorabendprogramm zappte und schlussendlich angewidert den Ausknopf drückte. Umgezogen streifte ich dann durch die Stadt, besuchte den Elbhafen, studierte den Fahrplan, schmiedete Pläne zur Einschiffung in Pirna und Ausschiffung in Dresden und war zufrieden. Außerdem erinnerte ich mich an eine Familie: Mutter, Vater, großer Bruder, zwei kleine Schwestern und mich. Ziemlich genau dreißig Jahre zurück strandeten diese 6 hier in Königstein, verzweifelt eine Möglichkeit suchend um zu dem FDGB-Ferienheim in Thürmsdorf zu gelangen. Ich freute mich auf morgen. Erkenne ich meinen Kinderabenteuerurlaubsspielplatz wieder?








                                      Ich kehrte in eine Speisewirtschaft ein, trank ein Bier, knabberte ein Abendmahl, trank noch ein Bier und ging endlich dem Sachsenstübel entgegen und schlafen.


                                      PS : Gibt es in den alten Bundesländern auch Lokalitäten namens "Mokka-Milch-Eis-Bar"?
                                      Zuletzt geändert von Voland; 13.12.2011, 19:52.

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                                      • mclupo
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                                        • 02.03.2005
                                        • 101

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [DE] Malerweg 2011

                                        Als wir damals an den Malerweg gelaufen sind fanden an der Buschmühle gerade Dreharbeiten zu "Der Vorleser" oder, im Original "The Reader" statt. Allerdings dauerte es etwas bis wir die Auskunft des Sicherheitsbediensteten entschlüsseln konnten. "Reader" klingt im Sächsischen eher wie "Redder"....

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