[D] Paddeltour Elbe von Torgau bis Dömitz, Sommerferien 2022

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    • 24.01.2011
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    [D] Paddeltour Elbe von Torgau bis Dömitz, Sommerferien 2022

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    .

    Das 9€-Ticket hat es mir angetan diesen Sommer. Diese einmalige Gelegenheit, ÖPNV zu auszukosten und günstig zum Startpunkt unserer sommerlichen Bootstour zu gelangen, wollte ich nicht ungenutzt lassen.
    Wohin genau, das war, wie schon zu Pfingsten, die große Frage, die mich eine Weile umtrieb. In Frage kamen für mich zunächst der Regen in Bayern, die Werra/Weser, die Saale und Neiße/Oder. Aber alle diese Ziele wurden nach und nach ausgeschlossen, zuvorderst wegen dem außerordentlichen Niedrigwasser dieses Jahr (außer dem Regen, der gutes Wasser hatte), und/oder der zu umständlichen Anreise, die Andrea nicht mitmachen wollte.

    So kam ich am Ende auf die Elbe, und zwar auf den Abschnitt von Torgau in Sachsen nach Dömitz in McPomm. Die Elbe ist auch bei extremem Niedrigwasser für Paddelboote gut befahrbar, sie hat auf diesem Abschnitt keinerlei Hindernisse wie Wehre oder Schleusen, wie sie mich von der Saale abgehalten haben, die Anreise ist nicht besonders weit und nur mit wenigen Umstiegen verbunden, und ein langer Fluss ist besonders prädestiniert für die Anreise mit ÖPNV, weil da das Auto-Nachholen am Ende einer langen Tour immer mehr Aufwand erfordert, den man sich spart, wenn man gleich auf ÖPNV setzt.

    Torgau als Startpunkt deshalb, weil wir die Elbe von Schmilka bis Torgau bereits von früheren Paddeltouren kennen (1, 2). Dömitz hat sich dann am Ende so ergeben. Planen kann ich sowieso nicht, wie schnell wir vorwärts kommen. Ich kann weder beeinflussen, wann es morgens losgeht, noch, wie lange dann gepaddelt wird.

    Immerhin haben wir wegen dem 9€-Ticket zu zweit auf eine große Urlaubsfahrt nach Polen verzichtet, also ~2500km Fahrt mit ca. 80L Spritverbrauch insgesamt. Angedacht waren die Thorner Schleife (Drewenz-Runde) oder das Schwarzwasser (Wda).

    Und obwohl Andrea skeptisch war, was die 9€-Fahrt und den Fluss, die Elbe, betraf, nach ein paar Tagen war sie auch begeistert. Wegen dem Niedrigwasser hatten wir den Fluss fast für uns alleine, überall gab es schöne Sandbänke zum Zelten, überall gab es perfekt trockenes Künzi-Holz zum Kochen, erstmals übernachteten wir ab und zu auch in Bootshäusern, wo immer auch interessantes Publikum anzutreffen war, und überall war viel Natur zu sehen. Vor allem die Vogelwelt beeindruckte uns in einer Fülle, wie wir sie nicht erwartet und in Polen auf Weichsel oder Oder, die ja grob vergleichbar sind, auch nicht angetroffen haben.

    Funfakt: Die Elbetour 2022 war für mich die allererste große Sommerurlaubstour in Deutschland seit 1976. Seitdem ging es bisher immer ins Ausland.

    Überblick über die gepaddelte Strecke, jeder Tag in einer anderen Farbe:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Elbe2022UeberblickskarteNamen.png Ansichten: 0 Größe: 2,00 MB ID: 3152029



    Berlin - Torgau - Pretzsch
    Samstag, 23.7.2022, 🚂 151km, 🥾6km, 🛶32km


    Wie schon zu Pfingsten gehen wir die Bahnfahrt mit 9€-Ticket vorsichtig an und wählen den ersten Zug nach Falkenberg, um aus Berlin rauszukommen.

    So sieht der Plan aus:

    S3 7min, 4.8km
    04:46 Berlin-Karlshorst
    04:53 Berlin Ostkreuz

    S42 14min, 9.0km
    05:02 Berlin Ostkreuz
    05:16 Berlin Gesundbrunnen

    RE3 (3301) 1h 41min, 119.4km
    05:25 Berlin Gesundbrunnen
    07:06 Falkenberg (Elster)

    RE 10 (18384) 12min, 18.1km
    07:59 Falkenberg (Elster)
    08:11 Torgau

    Das sind Σ151.3km Bahnfahrt, mit dem Auto wären es 141km. Normalerweise hätte die Fahrt 29,80€ pro Person gekostet. Der Sprit fürs Auto käme bis Torgau nur auf 7.5€, zu zweit und mit allem Gepäck. Nur mit 9€-Ticket kommt die Bahn hier mit. Zum Schluss werde ich auch noch mal berechnen, was die gesamte Tour gekostet hätte inklusive Auto zum Endpunkt umsetzen und der Heimfahrt, also so, wie wir das sonst immer machen.

    Aufstehen kurz nach 4, aus dem Haus kurz nach ½5. Unchristliche Zeiten, die wir mit Auto nie gewählt hätten. Aufzüge und Rolltreppen funktionieren heute alle, soweit wir sie benötigen.
    In der S-Bahn Samstag morgens gegen 5Uhr:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220723_045947k.png Ansichten: 0 Größe: 3,32 MB ID: 3152041

    Die Gefahr, wegen Überfüllung (des Fahrradabteils) nicht in den Regionalexpress zu gelangen, ist heute viel geringer als zu Pfingsten an die Ostsee. Wer will schon nach Falkenberg?

    Im RE3 hat jeder einen Sitzplatz und es gibt auch jede Menge freier Plätze:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220723_054946k.jpg Ansichten: 0 Größe: 293,5 KB ID: 3152024

    Im RB10 gibt es dagegen kaum noch freie Sitzplätze und wir bleiben die 12min-Fahrt stehen. Hier hätte es auch knapp werden können mit dem Platz fürs Boot, denn diese Regionalbahn hat keine großen Fahrradabteile. Aber wir haben Glück:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220723_080926.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,76 MB ID: 3152033

    Was wollen all die Cottbuser in Leipzig? Ein paar wollen in den Zoo, bekommen wir mit, der Rest wahrscheinlich shoppen.

    Die Anreise funktioniert absolut fahrplangemäß und ohne unmäßige Unbequemlichkeiten. Selbst die Klos waren zugänglich und nicht übermäßig verdreckt. Schaffner kamen keine durch.

    Ankunft in Torgau, das Gepäck wird neu verzurrt:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20220723_082050k.jpg Ansichten: 0 Größe: 539,8 KB ID: 3152022

    In Torgau warten wir erst einmal eine ¼h einen abziehenden Gewitterschauer ab und laufen dann am Rande des Stadtzentrums in Richtung Elbe.

    Torgau ist für die Landesgartenschau hergerichtet:
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    Stop zum Frühstücken im Edeka:
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    Nach insgesamt 1.6km Fußweg stehen wir kurz vor ½10 am Ufer der Elbe, Strom-km 155, gezählt ab der tschechischen Grenze:
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    Eine alternative Einsatzstelle wäre dieser Steg ein paar Meter weiter stromab (Map):
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150610.JPG Ansichten: 0 Größe: 305,7 KB ID: 3152026

    Wir kennen den großen gepflasterten Parkplatz bereits vom Anarchistischen Wanderpaddlertreffen 2015, als wir hier die Tour beendet und das Boot abgebaut hatten. Ein Dutzend Wohnmobile bevölkern heute den Platz.

    Die Schiffsanlegestelle für die Viking River Cruises ist verwaist, wegen dem Niedrigwasser ist jeglicher Verkehr mit großen Schiffen eingestellt. Der Durchfluss am Pegel Torgau beträgt 182m³/s. Die Tauchtiefe beträgt für den Abschnitt Riesa bis Elstermündung heute offiziell 173cm, der höchste Wert entlang der gesamten deutschen Binnenelbe. Dennoch scheint es nicht zu reichen.
    Schon von April bis Juni war auf Elbe und Oder kaum Schifffahrt möglich. Das Niedrigwasser ist in diesem Jahr einen Monat früher eingetreten als in den Jahren zuvor. Grund war die zu geringe Schneelage in den Mittelgebirgen von Tschechien und Sachsen (binnenschifffahrt-online.de).

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    Während ich das Boot aufbaue, ab und zu unterbrochen von ein paar weiteren Regenschauern, geht Andrea einkaufen. Die Lebensmittel für die Tour haben wir nicht von Berlin aus mitgeschleppt. Das Ganze wird ihr zu schwer und ich gehe dann auch noch mal los und hole den Rest (Bier, Wasser, etc). Nächstgelegener Supermarkt ist der Aldi Elbstraße 14, 500m entfernt.

    So sind wir erst kurz vor ½1 startklar.
    Anfangs ist es noch bedeckt, aber zumindest regnet es nicht mehr.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150615.JPG Ansichten: 0 Größe: 189,5 KB ID: 3152031

    Am Anfang sind die Ufer recht kahl, das bessert sich aber, je weiter man kommt.

    Anglerlager am Ufer:
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    Angler sind bei weitem nicht so häufig anzutreffen wie an der Oder bis zu diesem Sommer (besonders an den polnischen Ufern).

    Die Uferwiesen werden durch Schafherden kurz gehalten, Hochwasserschutz:
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    Später klart es zunehmend auf:
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    Steg der Wasserwanderfreunde Prettin an der Hirschmühle:
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    Hier kann man auch zelten, wenn man das Bedürfnis nach Toilette, Waschmöglichkeit & Dusche hat.

    Elbfähre Dommitzsch (Sachsen) - Prettin (Sachsen-Anhalt):
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150625.JPG Ansichten: 0 Größe: 249,5 KB ID: 3152038

    Die meisten Fähren über die Elbe sind Gierfähren, die an einem Seil hängend durch die Strömung ans andere Ufer getrieben werden. Absolut CO2-neutral. Erst im Verlaufe der Paddeltour begreife ich nach und nach, wie man diese Fähren korrekt passiert.
    Natürlich kann man, wenn man fix ist, einfach schnell an der gerade freien Seite vorbeihuschen. Wenn man nicht schnell genug ist, kann man dann aber auch der Fähre in die Quere kommen und Schwierigkeiten bekommen.
    Dann lerne ich, dass jede dieser Fähren einen “ständigen Liegeplatz” hat. Nur wenn die Fähre auf diesem ständigen Liegeplatz liegt, darf man auf der anderen Seite vorbeifahren.
    Aber auf welcher Seite liegt der ständige Liegeplatz? Erst schaue ich immer ins Faltboot-Wiki, wo emsige Schreiber jedes Detail entlang der Elbe festgehalten haben.
    Noch später wird mir dann auch klar, dass man die Seite des ständigen Liegeplatzes auch vor Ort erkennen kann. Denn die Hinweisschilder, die die Fähre ~2km vor der Fähre ankündigen, stehen immer auf der Seite des ständigen Liegeplatzes (Bild).

    Kurz nach ½5 landen wir an einem einladenden Sandstrand in einem Buhnenfeld an:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150628.JPG Ansichten: 0 Größe: 220,4 KB ID: 3152036

    So selbstverständlich wie an Oder und Weichsel ist solch ein feiner Sandstrand an der Elbe nicht. Hier gibt es immer noch längere Abschnitte, wo anstelle von feinem Sand Kiesstrände vorkommen, oft kombiniert mit schlammigen Stellen oder wenigstens einem Schlammüberzug auf den Kieseln.

    32½km schaffen wir heute in 5h auf dem Wasser, wobei wir 11m an Höhe verlieren (Flussgefälle). Vorwärts geht es mit 8 - 9km/h, wobei die Strömung etwa die Hälfte beiträgt.

    Außer den Gierfähren ist uns heute kein einziges Boot oder Schiff auf dem Wasser begegnet.

    Gemütlicher Abend am Strand:
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150631.JPG Ansichten: 0 Größe: 356,8 KB ID: 3152039
    Zuletzt geändert von Spartaner; 08.09.2022, 06:27.

  • AlfBerlin
    Lebt im Forum
    • 16.09.2013
    • 5023

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    #2
    Super Gierfähren-Infos

    Bei den Autokosten darfste aber nicht die Fixkosten vergessen.

    Kommentar


    • Spartaner
      Alter Hase
      • 24.01.2011
      • 4026

      • Meine Reisen

      #3
      Pretzsch - Wittenberg
      24.7.2022, 🛶25km, 🥾8km


      Heute begrüßt uns ein sonniger, angenehm temperierter Morgen. Das Zelt steht nur zum Trocknen auf der Buhne:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150632.JPG Ansichten: 0 Größe: 503,9 KB ID: 3154777

      Frühstück bei ~20°C:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20220724_093011.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,48 MB ID: 3154781

      Wir mampfen unser Müsli und schauen über den Fluss. Bis auf ein paar Vogelrufe von Möwen, Krähen, Milanen, Singvögeln ua herrscht hier absolute Stille. Keine Fahrzeuggeräusche, keine Flugzeuge in der Luft, kein Motorboot auf dem Wasser, und ein schöner Blick auf das gegenüberliegende Ufer.

      Wenn der Fluss von den Wasserbauern bis 1880 nicht in so ein enges Korsett aus steinernen Buhnen gezwängt worden wäre, würde es mir noch besser gefallen. Wir befinden uns hier inmitten der “Erosionsstrecke” der Elbe. Als Erosionsstrecke werden die 170 Flusskilometer zwischen Mühlberg und der Saalemündung bezeichnet. In diesem Abschnitt ist eine besonders starke Sohlerosion und damit Eintiefung des Flusses unter das Niveau der umgebenden Flussaue zu beobachten. Die Gewässersohle wird hier stellenweise jährlich um bis zu etwa 2cm abgegraben bzw erodiert. Bei Torgau betrug die Sohleintiefung bisher ~1.7m. Das ist zwar lange nicht so viel wie am Oberrhein, der sich bis zu 10 Meter in die Aue eingrub, aber es reicht, um bezüglich Grundwasserspiegel und landwirtschaftlicher Nutzung der angrenzenden Flächen Probleme zu machen.
      In den 90er Jahren lag der Bereich der stärksten Erosion zwischen Prettin und Pretzsch. Diese Zone wandert langsam weiter stromab. Besonders ausgeprägt ist die Erosion jetzt in den Streckenabschnitten der Elbe bei Klöden, Lutherstadt Wittenberg und Coswig (Anhalt). Klöden liegt 3km voraus, wir befinden uns jetzt also gerade in einem der Schwerpunktgebiete.

      Wir haben unser Frühstück gerade beendet, da kommt ein SUPer des Wegs. Wir fragen nach dem woher und wohin, und da er jetzt nach ½11 sowieso mal ein kleines Päuschen braucht, legt er kurz an:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150634.JPG Ansichten: 0 Größe: 230,7 KB ID: 3154778

      Simon kommt aus Osnabrück und hat vor, die gesamte deutsche Elbe zu befahren, 726km bis Cuxhaven. Er startete vor 2 Tagen in Schöna und ist heute schon seit ½8 auf dem Stehbrett unterwegs. 187km in 2.x Tagen, das ist ziemlich sportlich. Das Gepäck, das auf solch ein Stehbrett passt, ist naturgemäß begrenzt. Für Simon aber kein Problem, Ultralight ist ihm kein Fremdwort, und für die 9€-Anfahrt gibt es kaum etwas kompakteres. Da es bei uns keinen Schatten gibt, fährt er schnell weiter. Er hat den Rastplatz Klöden 2½km voraus zum Frühstücksplatz auserkoren.

      Wir sind dann kurz vor 12 abfahrbereit:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150635.JPG Ansichten: 0 Größe: 185,5 KB ID: 3154780
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150636.JPG Ansichten: 0 Größe: 288,4 KB ID: 3154783
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: image_59067.jpg Ansichten: 9 Größe: 174,5 KB ID: 3154782

      Kiebitze am Ufer:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: image_59070.jpg Ansichten: 15 Größe: 303,6 KB ID: 3154785

      Ich habe für die Elbe-Tour, um für den ÖPNV Platz zu sparen, auf meine Superzoom-Kamera verzichtet und stattdessen auf die kleinere Lumix LX7 zurückgegriffen. Das war leider ein Fehler. Mit so viel interessanter Vogelwelt hatte ich hier an der Elbe nicht gerechnet.

      ¼1 kommen wir am Rastplatz Klöden an und sehen Simons Stehbrett noch am Ufer liegen. Ich muss sowieso mal kurz an Land und so sehen wir uns den Rastplatz an. Das einzige, was wir entdecken, ist eine kleine überdachte Sitzgruppe unter einem Baum am Fuß der Buhne. Eine Zeltwiese ist hier praktisch nicht vorhanden. Aber das Faltboot-Wiki verweist hier sowieso an einen Ort 400m weiter, an die "Bikerburg Klöden". Soweit habe ich das aber nicht ausgekundschaftet. Als Burg Klöden findet man den Platz im Netz und das scheint sogar aktuell zu sein (700m? Oder kommt man auch vom Deich runter auf die Streuobstwiese?).

      Simon kam gerade aus dem Dorf zurück, Wasser holen?
      Nach einer ½h Rast paddeln wir zusammen weiter und machen mit Simons GoPro ein paar Bilder:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: GOPR2053.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,02 MB ID: 3154776
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: GOPR2054AllyElbe.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,15 MB ID: 3154779
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: GOPR2055AllyElbe.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,71 MB ID: 3154786
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: GOPR2056.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,75 MB ID: 3154796
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150641.JPG Ansichten: 0 Größe: 218,0 KB ID: 3154787

      Am Himmel sehen wir bis zu 20 Milane gleichzeitig:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150640.JPG Ansichten: 0 Größe: 58,2 KB ID: 3154784
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150642k.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,16 MB ID: 3154797

      Schon gestern fiel uns auf, wie häufig hier Rote und auch Schwarze Milane zu sehen und zu hören sind. Daneben gab es natürlich auch viele Mäusebussarde, ab und zu einen Fischadler und noch seltener einen Seeadler zu sehen. Dazu Kraniche, Graugänse, Nilgänse, Enten ….

      Um ¾2 erreichen wir die Mündung der Schwarzen Elster. Hier fahren wir kurz rein, um die Wasserqualität zu checken. Das Wasser ist heute deutlich klarer als das der Elbe. Es fließt auch spürbar, obwohl nach Zeitungsmeldungen der Fluss auf Teilstrecken ausgetrocknet sein soll. Und stinken tut es auch nicht.

      Wieder zurück auf der Elbe holt uns ein Schlauchboot ein, welches auf den ersten Blick mit Expeditionsausrüstung ausgestattet ist:
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      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150646.JPG Ansichten: 0 Größe: 416,3 KB ID: 3154790

      Neben 2 Motoren (Benzin, Elektro) hat er große chinesische Solarpanel auf dem Dach (300 Watt), dicke Bleiakkus, mehrere Angeln, massig Sprit und sogar ein Klo an Bord! Zitat Simon: “Er meinte er verlässt sein Boot nur um ein kühles alkoholfreies Weizen zu trinken

      Martin kommt aus Prag und möchte mit seinem Schlauchboot bis nach Hamburg schippern. Mit dem Strom, wohlgemerkt. “Proti proudu” heißt doch aber “gegen den Strom schwimmend”. Ja richtig, anschließend fährt er von Hamburg auf demselben Weg wieder zurück nach Prag, also in der Summe ~1600km.

      Am Ende der gesamten Reise hat er mit drei Kameras und einer Unterwasserkamera ~8TB Video aufgenommen, ~12h pro Tag. Bisher gibt es nur ein paar Trailer zu sehen, aber immerhin sind wir auch kurz drauf: https://youtu.be/8Mrvakl3QTE?t=21

      Auf seinem Youtube-Kanal MartyProtiProudu heißt es: “Ich habe einen Wirbelsturm überlebt, interessante Fische gefangen, schöne Orte gesehen, oft war es wie im Niemandsland, ich habe alles Mögliche und Unmögliche gesehen, und ihr werdet das alles mit mir sehen, nur wird es eine Weile dauern, weil es so viel Material gibt. Vieles habe ich dir noch nicht gezeigt, vor allem die Fische, damit du dich auch wirklich freuen kannst.
      Dies ist die interessanteste Reise meines Lebens, und mit der Zukunft werde ich weitere Expeditionen unternehmen, die Donau, den Ebro, den Po, und ich möchte mein Hobby in die ganze Welt tragen.”

      Während des Zusammentreffens mit Martin und seinem Schlauchboot treiben wir durch den Ort Elster:
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      Dann düst Martin voraus:
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      Buhnen-Neubau an der Elbe:
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      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150651.JPG Ansichten: 0 Größe: 345,6 KB ID: 3154793
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      Dass es so etwas noch gibt! Die DDR hat die Buhnen so ziemlich verfallen lassen und damit die Renaturierung des Flusses vorangetrieben. Aber nach Wende wurde alles wieder repariert. Wieso müssen da jetzt noch zusätzliche Buhnen gebaut werden? Streckenweise habe ich den Eindruck, dass die Zahl der Buhnen verdoppelt wird, also dass in der Mitte jedes Buhnenfeldes noch eine zusätzliche Buhne gebaut wurde.

      Wir paddeln noch ein paar Kilometer zusammen mit Simon, aber als ich dann linkerhand einen schönen Pausenstrand mit Schattenbäumen entdecke, trennen sich unsere Wege. Simon fährt weiter bis in die Lutherstadt Wittenberg und gönnt sich am Abend ein kühles alkoholfreies Weizen. "Einige" Kilometer weiter findet er einen ausreichend guten Übernachtungsplatz, nachdem er seine Ansprüche an solch einen Platz ein Stück herunterschraubte. Wenn ich seinen Bericht richtig verstanden habe, ist er da bereits kurz vor Coswig.

      Wir machen um 3 Uhr erst mal Pause im Schatten der Uferbäume und essen die geschmierten Stullen. Theoretisch könnten wir hier übernachten und morgen Wittenberg besuchen. Aber mir ist es eigentlich zu früh, jetzt hier schon Schluss zu machen. Lieber würde ich heute noch nach Wittenberg paddeln und die Stadt heute Abend besuchen.

      Um ¼5 paddeln wir also weiter und erreichen um 5 den Ruder-Club Wittenberg e.V (Map). Es ist das erste mal überhaupt, dass wir auf unseren eigenen Touren in einem Bootsclub übernachten. Wir legen unten am flachen Schwimmsteg an und ich sondiere zunächst einmal die Lage.
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      Auf der 400m²-Zeltwiese stehen bereits einige Zelte von Reiseradlern. Wir melden uns an, sehr freundliche Aufnahme. Der Club ist gut ausgestattet mit Bootshaus, Bootshallen, Kraftraum & Ruderbecken sowie Garage, Werkstatt und Lager. Wir Gäste können Sanitär, Küche und den Gemeinschaftsraum inklusive WLAN und gekühlten Getränken nutzen. Übernachten kann man auf der Zeltwiese (für 7€ pro Person) oder im Vereinshaus in Mehrbettzimmern.

      Nach und nach trudeln weitere Radler ein. Wir halten uns erst mal nicht lange auf, laden das Boot aus und stellen das Gepäck im Schatten der Bäume ab. ¾6 geht es auf den Rundgang durch die Stadt.
      Nach 1km erreichen wir die Luthereiche am Beginn des Stadtzentrums. Weiter geht es eine der wichtigsten historischen Straßen der Stadt, die Collegienstraße. Hier reiht sich ein historisch bedeutsames Gebäude an das nächste.

      Zuvorderst dreht sich alles um Martin Luther, der zu Beginn des 16.Jhds zum Urheber der Reformation wurde. Luther hat mit der Lutherbibel die Entwicklung der neuhochdeutschen Sprache entscheidend beeinflusst. Viel bedeutender aber sind die tiefgreifenden Veränderungen der europäischen Gesellschaft und Kultur in der Frühen Neuzeit, zu denen Luthers Theologie und Kirchenpolitik beitrugen.

      Die protestantische Ethik war die ideale Voraussetzung für die Entstehung des Kapitalismus und der modernen Rationalisierungsprozesse. Der Protestantismus hatte die Bestimmung des Menschen neu definiert: Nicht mehr nur die Ausrichtung auf das Jenseits war entscheidend, sondern der tägliche Dienst zu Gottes Ehren, die Erfüllung der Pflichten im Hier und Jetzt. Arbeit wurde so zum Mittel der „innerweltlichen Askese“, mit deren Hilfe man Anfechtungen aller Art wie etwa den menschlichen Trieben zu begegnen hatte: nicht zu viel schlafen, keine Zeit verschwenden, nicht sinnlos daherreden! Reichtum zu besitzen, galt fortan nicht mehr als sündhaft, sofern er nicht dem Müßiggang diente, sondern investiert wurde. Wer seine Arbeit gut und effizient erledigte, diente Gott. Aus dieser kontrollierten Lebensführung entwickelte sich die protestantische Leistungsethik, die Arbeiter wie Unternehmer prägte. Die religiösen Wurzeln traten später zunehmend in den Hintergrund und machten einer rationalen, bürgerlichen Berufsethik Platz (Max Weber).

      Ich finde das schon irgendwie prickelnd hier in Sachsen-Anhalt, heute oft als abgehängt empfunden, wo in ferner Vergangenheit so bedeutsame Veränderungen in unserer Kultur angestoßen wurden. Man fährt bzw paddelt durch ein sehr ländliches, relativ dünn besiedeltes Gebiet, und dann hat man hier immer wieder so bedeutsame kleine Orte wie Wittenberg, den Wörlitzer Park, Dessau, Magdeburg, Tangermünde usw eingestreut.

      Nun ein paar Bilder aus der Stadt.
      Augusteum, Lutherhaus:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20220724_175732.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,93 MB ID: 3154791

      Melanchthonhaus mit fließend Wasser seit 1556:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20220724_180034.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,71 MB ID: 3154773

      Das Haus wurde vom Kurfürsten für Melanchthon gebaut, um ihn am Fortgehen zu hindern. Fachkräfte-Bindung, sagt man wohl heute.

      Collegienstraße, Türme der Stadtkirche:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150661.JPG Ansichten: 0 Größe: 448,2 KB ID: 3154800

      Wittenberger Marktplatz mit Rathaus, Luther- und Melanchthon-Denkmalen, und den Türmen der Stadtkirche:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150669.JPG Ansichten: 0 Größe: 307,7 KB ID: 3154803

      Wittenberger Schloss und Turm der Schlosskirche, Konzert:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150670.JPG Ansichten: 0 Größe: 298,0 KB ID: 3154806

      Es ist eine angenehme Stimmung in der Stadt, viele Touristen, viele geöffnete Restaurants und Eisdielen mit Plätzen im Freien, und auch den zurückströmenden Konzertbesuchern am Abend sieht man die Freude über das Konzert an.

      Noch einmal umgedreht zur Schlosskirche:
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      Hier stehe ich am Rischebach, der vor ~10 Jahren wieder freigelegt wurde und jetzt im offenen Kanal durch das historische Zentrum fließt.

      Auf dem Wittenberger Marktplatz versammelt sich bei Sonnenuntergang die Jugend der Stadt am Lutherdenkmal:
      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150672.JPG Ansichten: 0 Größe: 270,6 KB ID: 3154805

      “Judensau”, eine historische Schmähplastik aus dem Hochmittelalter an der Stadtkirche, nicht mehr lange zu besichtigen, auch wenn erste Versuche der Demontage erfolglos blieben:
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      Eingang zur Unterrichts Anstalt für die weibliche Jugend:
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      Lang ist es her, das saß klein Micha dort oben bei den Großeltern regelmäßig auf der Veranda und mampfte Kuchen und geriebene Möhren:
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      Damals rankte noch ein riesiger Weinstock die Fassade hoch. Die Trauben waren klein und sauer, wurden aber dennoch verwertet.

      Um ½10 sind wir zurück im Ruderclub. Mittlerweile haben sich noch eine ganze Anzahl weiterer Radler dazugesellt. Neben sportlich drahtigen Radlern, wie man sie sich vorstellt, ist auch eine ganz normale Familie auf großer Tour entlang der Elbe, beide etwas älter, korpulent gebaut, er mit ebike wegen Herzproblemen. Sie haben etwas zu tun mit ihren pubertierenden Töchtern, kommen aber ansonsten gut zurecht.

      Das Bild ist zwar erst vom nächsten Morgen, aber hier passt es besser:
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      Andrea ist jedenfalls ab heute voll versöhnt mit meinem Vorschlag Elbe als Sommertour. Sie hat sich nicht vorstellen können, dass neben mir noch so viele andere, - normale - Leute auf den Gedanken kämen, die Elbe zu bereisen.
      Zuletzt geändert von Spartaner; 20.09.2022, 08:11.

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      • Sternenstaub
        Alter Hase
        • 14.03.2012
        • 2780

        • Meine Reisen

        #4
        danke für deinen schönen Bericht. Er erinnert mich an meine Elberadtouren. (vielleicht mal da lang wandern? *grübel*) Die Elbe ist übrigens mein Lieblingsfluss in Deutschland. Das Übernachten in einer Anlage von Wassersportvereinen habe ich auch als super angenehm empfunden, Bin gespannt, wie es bei euch weiter geht.
        Two roads diverged in a wood, and I—
        I took the one less traveled by,
        And that has made all the difference (Robert Frost)

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        • Spartaner
          Alter Hase
          • 24.01.2011
          • 4026

          • Meine Reisen

          #5
          Wittenberg - Coswig - Wörlitzer Park
          25.7.2022, 🛶23km, 🥾14km, 🚂 41km, 🚌 45km


          Heute Morgen ist es mit 18°C noch erfrischend kühl, jedenfalls keine “Tropische Nacht”. Aber: Es steht die Drohung im Raum, dass es heute extrem heiß wird. Mein Meteoblue-Meteogramm zeigt für heute eine Spitzentemperatur von 34°C an:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Screenshot_2022-07-24-19-38-02-932_com.meteoblue.droid.jpg Ansichten: 0 Größe: 538,2 KB ID: 3155779
          (gemessen wurden dann maximal 35.3°C).

          Das ist für Andrea nicht auszuhalten, sie ist nicht tropentauglich, während es für mich weiter unter gutes Sommerwetter zählt. Heute möchte sie spätestens ab 11 Uhr anlanden und den Rest des Tages im Schatten verbringen. Um wenigstens auch ein bisschen vorwärts zu kommen, stehen wir früh auf. Ein Soloradler tut es uns gleich und verlässt den Platz noch vor 7 Uhr. Kurz danach flitze ich zum Netto, Bierflaschen wegbringen und neue holen, und was wir sonst noch brauchen.

          Um 8 verlassen wir den Ruderclub Wittenberg. Das war glaube ich unsere früheste Abfahrt überhaupt:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150682.JPG Ansichten: 0 Größe: 242,6 KB ID: 3155730

          Pegelhäuschen des Elbpegels Wittenberg:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150683.JPG Ansichten: 0 Größe: 518,7 KB ID: 3155733

          Wir passieren die Stadt im Abstand von ~1km:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150688.JPG Ansichten: 0 Größe: 232,8 KB ID: 3155731

          Links ist der Turm der Schlosskirche zu sehen, rechts die Türme der Stadtkirche.

          Linkerhand, an der Hafeneinfahrt zur Marina, steht noch einmal ein Lutherdenkmal in der Landschaft:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20220725_081136k.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,63 MB ID: 3155724

          2km weiter passieren wir den ehemaligen Industriehafen von Wittenberg:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150689.JPG Ansichten: 0 Größe: 172,6 KB ID: 3155732

          Kurz unterhalb des Industriehafens liegt ein Schiff der Viking Cruises am Passagieranleger:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150691.JPG Ansichten: 0 Größe: 178,7 KB ID: 3155734

          Es handelt sich um die “Viking Beyla”, ein Flusskreuzfahrtschiff. Es ist mit einem Tiefgang von maximal 1.15m bereits für besonders flache Flüsse konzipiert und befährt seit seiner Fertigstellung 2015 die Elbe. Wegen des extremen Niedrigwassers ist das Schiff zZ trotzdem an seine Position gefesselt (aktuelle Position). Da geht wohl nichts. Wie das Versprechen “Ihre Reise wird zum Traumurlaub - garantiert!” eingelöst wird, das bleibt mir ein Rätsel.

          Eine Flussschleife weiter fahren wir eine zeitlang auf das Stickstoffwerk SKW Piesteritz zu:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150696.JPG Ansichten: 0 Größe: 193,1 KB ID: 3155738

          Nach der Wende wurden hier die historischen Vorkriegsanlagen, die über die DDR-Zeit weitergenutzt wurden, abgerissen und alles neu aufgebaut. Nur die Anfang der 1970er Jahre entstandenen zwei Ammoniak- und drei Harnstoff-Produktionsanlagen, die zum großen Teil von japanischen Firmen errichtet wurden, werden weiterbetrieben. Während Piesteritz in den 60er Jahren für seine fürchterlich stinkende Luft bekannt war, sieht es heute deutlich besser aus.

          Die Ammoniakanlagen des größten deutsche Ammoniakherstellers stehen wegen der hohen Gaspreise 3 Wochen später still und es droht Kurzarbeit. Es rechne sich nicht, die Ammoniakanlage wieder hochzufahren. Mit dem Betrieb würde man in einem Monat so viel verlieren, wie man bisher in einem Jahr an Gewinn erwirtschaftete (verkehrsrundschau.de).
          Normalerweise ist das Stickstoffwerk Piesteritz ein großer Hersteller von Stickstoffdünger und AdBlue und verbraucht 20% des Erdgases in Ostdeutschland.
          Aber letztlich ist der Mangel ja gut so, denn die Landwirtschaft soll ja nur noch Bio produzieren, also auch ohne böse Mineraldünger, und böse LKWs sollen von den Straßen, Transport nur noch mit E-Autos oder auf der Schiene. So haben die exorbitanten Gaspreise letztlich nur gute Auswirkungen.

          Auch jetzt gibt es wieder viel Vogelwelt am Ufer zu sehen. Hier zB sitzen hunderte Stare auf den abgestorbenen Pappeln:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150693.JPG Ansichten: 0 Größe: 292,0 KB ID: 3155737

          Graugänse:
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          Nilgänse:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150699.JPG Ansichten: 0 Größe: 366,7 KB ID: 3155744

          Fischadler neben Graureiher:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150698.JPG Ansichten: 0 Größe: 290,0 KB ID: 3155740

          Unsere Paddelgeschwindigkeit zusammen mit der Strömung des Flusses beträgt wieder so 8 bis 10km/h. Langsamer werden wir nur während der Fotostopps. So erreichen wir pünktlich Coswig bzw seinen Kanuverein kurz vor der Stadt.

          Coswig kommt in Sicht:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150700.JPG Ansichten: 0 Größe: 195,4 KB ID: 3155742

          Das linke Ufer gehört bereits zum Gartenreich Dessau-Wörlitz (Karte).

          Kurz vor 11 landen wir am Gelände des Kanuvereins Coswig an:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150703.JPG Ansichten: 0 Größe: 323,9 KB ID: 3155743

          Es ist schon ziemlich warm, die Sonne brennt. Kurz vor unserer Ankunft überholte uns ein weiterer Kanute, sein Boot liegt noch am Strand. Er ist heute ~36km von Elster bis hierher gepaddelt. Sein Kajak ist mit dem Namen eines niedersächsischen Kanuvereins beschriftet, und so wundern wir uns ein bisschen, als wir jetzt erfahren, er sei hier heute der Chef. Sein Dialekt ist hier allerdings heimisch, er auf Besuch in seinem alten Klub.

          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_120413.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,31 MB ID: 3155721

          Er zeigt uns das Gelände, und wir beschließen, heute hier zu bleiben und neben einer kleinen Eiche und einer überdachten Sitzgruppe am Spielplatz zu zelten. Preis 7€ pro Person.
          Andrea baut das Zelt auf (ich hätte das erst am Abend getan, ich mag es nicht, das Zelt den ganzen Tag der Sonne auszusetzen) und ich bringe Boot und Gepäck dazu. Wir essen noch etwas, gehen baden und wollen dann mit der Fähre über den Fluss und den Wörlitzer Park besuchen.

          Kurz nach 12 machen wir uns auf den Weg. Auf die vom Chef angebotenen Leihfahrräder verzichten wir. Nach 500m sind wir an der Fähre:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_121719.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,61 MB ID: 3155720

          Aber was müssen wir feststellen? Die Fähre arbeitet heute nicht.
          Oh je, schön blöd, was machen wir da? Theoretisch könnten wir mit dem eigenen Boot rüberfahren. Aber so richtig begeistern kann sich Andrea nicht für diesen Gedanken. Drüben gäbe es keine Möglichkeit, das Boot anzuschließen, und Vandalen können überall mal auftauchen, vor allem, wenn sie unverhofft vor einer geschlossenen Fähre stehen und unbedingt über den Fluss wollen.

          Andrea merkt nun auch wieder, dass es ihr bereits viel zu heiß ist und entschließt sich, zurückzukehren und den Nachmittag im Schatten auf dem Gelände des Kanuvereins zu verbringen. Für mich ist das lange Abhängen nicht so das Wahre und so checke ich den ÖPNV mit der Öffi-App. Sie bietet mir an, mit dem Zug nach Wörlitz zu fahren:

          13:30 ab Coswig (Anh) mit RB 51 (16178)
          13:49 an Dessau Hbf
          14:05 ab Dessau Hbf mit DWE27797
          14:40 an Wörlitz

          ¾3 in Wörlitz, das sollte noch für eine Runde durch den Park reichen. Rückfahrmöglichkeiten scheint es auch zu geben, wenn auch zT nur mit Rufbus.

          Anstatt 5km zu Fuß zum Wörlitzer Park bedeutet das 41km ÖPNV. Normalerweise kostet es 11.90€ allein für die Hinfahrt und würde mich wohl von diesem Ausflug abhalten heute so spät am Tag in der Hitze und alleine. Aber mit dem 9€-Ticket ist das alles kein Problem.

          Ich habe noch etwas Zeit und so schauen wir uns erst noch die Infotafeln und Ausstellungsstücke an der Fähre an:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_121611.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,95 MB ID: 3155719
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_121914.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,21 MB ID: 3155723
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_121757.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,92 MB ID: 3155722
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_121951.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,10 MB ID: 3155726

          Dann geht es auf zum Bahnhof Coswig, ~2km. Auf dem Weg ein Landschaftsrahmen, Schloss Coswig:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_124308.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,33 MB ID: 3155725
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_124811.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,46 MB ID: 3155727

          Auf der Burg Coswig wohnte Anfang des 15.Jhds die schönste Frau Sachsens.
          Das heutige Schloss wurde ab 1670 gebaut. Seit 1863 ist das Schloss in den Händen des Staates und wurde später Lazarett, Kriegsgefangenenlager, Gefängnis und Zuchthaus. Bis auf ein paar Maßnahmen in den 60er Jahren ist es noch nicht wieder restauriert worden.

          In Coswig (Anhalt):
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150705.JPG Ansichten: 0 Größe: 343,0 KB ID: 3155745

          Kurz nach eins bin ich am Bahnhof und muss noch eine ½h warten. Der Zug ist pünktlich, Umsteigen in Dessau, Weiterfahrt mit einer Art Schienenbus:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_141121.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,89 MB ID: 3155729

          Über die Mulde:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_141129.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,15 MB ID: 3155728

          Ankunft in Wörlitz, alte Parole auf dem Toilettenhäuschen des Bahnhofs:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150706.JPG Ansichten: 0 Größe: 400,5 KB ID: 3155746

          “Freiheit den Völkern Frieden der Welt!”

          Ich spaziere nun eine ~9km große Runde durch Wörlitz und den Wörlitzer Park:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: WörlitzerParkRunde.png Ansichten: 0 Größe: 842,6 KB ID: 3155781

          Wörlitz war der Ausgangspunkt für eine Landschaftsverschönerung. 1765 wagt der England-Enthusiast Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau den ersten Schritt, um in Wörlitz einen weitläufigen Park nach englischem Muster anzulegen. Nur vier Jahre später entsteht hier mit dem Schloss Wörlitz der Gründungsbau des deutschen Klassizismus! Damit ist der Fürst – und spätere Herzog – Franz seiner Zeit weit voraus.

          Der Landschaftsgarten mit seinen klassizistischen und neugotischen Bauten bildet den Auftakt und den ästhetischen Höhepunkt eines einmaligen Programms zur Landesverschönerung und Lebensverbesserung, das der Fürst und spätere Herzog Franz in seinem Ländchen erreichen wollte. Er gilt als Inbegriff der Aufklärung in Deutschland. Im Laufe der Zeit ist er zu einem Pilgerziel und zum Vorbild für viele weitere Landschaftsgärten geworden. Dank der Restaurierungsarbeiten hat er bis heute nichts von seiner Schönheit und Anziehungskraft eingebüßt.

          Vom Schlossgarten ausgehend entwickelten der Fürst, sein Freund und Berater von Erdmannsdorff sowie die beteiligten Gärtner Neumark, Eyserbeck und Schoch in einem Zeitraum von 35 Jahren den ersten bedeutenden Landschaftsgarten auf dem europäischen Kontinent. Die Gestaltungen folgten dem Leitspruch, das „Nützliche mit dem Angenehmen“ zu verbinden. Dies wird u. a. darin sichtbar, dass die Gärten auch für Obstanbau, Landwirtschaft und Viehzucht genutzt wurden.

          Vorbildhaft ist auch die mit der Gestaltung verbundene Bildungsabsicht – Hauptgrund dafür, die Anlagen von Beginn an für jedermann zu öffnen. Gartenbilder und Architekturen, darunter ein Brückenbauprogramm, laden bis heute zu einer Welt- und Zeitreise en miniature ein. So wird mit den 17 schönen Wasserquerungen beispielsweise die Geschichte der Ingenieurskunst erzählt.

          Insgesamt fünf Gartenteile korrespondieren durch ein wohldurchdachtes System von Sichtbeziehungen, Wegen und Kanälen miteinander. Zahlreiche Bauwerke, Plastiken und Gehölzpflanzungen bilden Ausgangs- und Endpunkte dieser Sichtbeziehungen, die weit in die Landschaft hinausgehen. (gartenreich.de).


          Es folgen eine Reihe von Bildern, die weitgehend unkommentiert bleiben. Wer mehr wissen möchte, folge den Links und vergleiche mit dieser Karte:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_145504.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,05 MB ID: 3155739

          Denkmal am ehem. Jüdischen Friedhof in Wörlitz:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_144651.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,23 MB ID: 3155736

          Wörlitzer Markt, Bibelturm der Kirche St. Petri:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150707.JPG Ansichten: 0 Größe: 329,7 KB ID: 3155748

          Ab jetzt im Wörlitzer Park, Schloss Wörlitz:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150708.JPG Ansichten: 0 Größe: 372,9 KB ID: 3155749

          Blick vom Schloss über den Wörlitzer See:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150709.JPG Ansichten: 0 Größe: 336,9 KB ID: 3155747

          Gasthaus “Seeblick” am Rande des Parks, hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150711.JPG Ansichten: 0 Größe: 600,8 KB ID: 3155751

          Goethefelsen, Insel Stein mit “Vesuv”:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150713k.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,23 MB ID: 3155766

          Zu besonderen Anlässen werden künstliche Eruptionen inszeniert.

          Villa Hamilton am “Vesuv”:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150716.JPG Ansichten: 0 Größe: 304,2 KB ID: 3155750

          Grotte der Egeria:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150717.JPG Ansichten: 0 Größe: 408,9 KB ID: 3155755

          Amaliengrotte
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150718.JPG Ansichten: 0 Größe: 598,7 KB ID: 3155756

          Rotes Wallwachhaus:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150720.JPG Ansichten: 0 Größe: 644,9 KB ID: 3155753

          Pantheon:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150723.JPG Ansichten: 0 Größe: 751,4 KB ID: 3155752
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150722.JPG Ansichten: 0 Größe: 712,7 KB ID: 3155754

          Borken- oder Wurzelhaus:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150724.JPG Ansichten: 0 Größe: 711,1 KB ID: 3155757

          Venus aus dem Bade:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150725.JPG Ansichten: 0 Größe: 722,5 KB ID: 3155758

          Venustempel:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150726.JPG Ansichten: 0 Größe: 693,7 KB ID: 3155759
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          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150733.JPG Ansichten: 0 Größe: 433,0 KB ID: 3155764

          Goldene Urne:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150728.JPG Ansichten: 0 Größe: 628,7 KB ID: 3155761

          Blick in die Auen in Richtung Elbe (Map):
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150729.JPG Ansichten: 0 Größe: 336,4 KB ID: 3155760

          Graue oder Hohe Brücke mit Raseneisensteinen:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150731.JPG Ansichten: 0 Größe: 465,3 KB ID: 3155765

          An Kanuten wurde auch gedacht:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150732.JPG Ansichten: 0 Größe: 552,2 KB ID: 3155763
          (nein, die Anleger sind nur für die Parkgondeln zugelassen)

          Der Himmel zieht sich zu und die Hitze wird dadurch erträglicher. In der Sonne waren es ja nicht “35°C im Schatten”, sondern mehr.

          Blick von der Luisenklippe:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150736.JPG Ansichten: 0 Größe: 554,1 KB ID: 3155768

          Die “beeindruckend schöne Aussicht von der Dachterrasse auf die Elbwiesen” ist seit der Restaurierung 2012 wieder ziemlich zugewachsen.

          Kettenbrücke:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150737.JPG Ansichten: 0 Größe: 484,0 KB ID: 3155767
          (war zu Kinderzeiten immer ein echtes kleines Abenteuer )

          Gotisches Haus:
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          Kurbelfähre:
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          Blick über den Wörlitzer See auf das Schloss und den Bibelturm:
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          Nach 1¾h im Park bin ich um ½5 wieder im Dorf Wörlitz:
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          Ausgestopfter Löwe im Gasthaus Grüner Baum:
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          Der (Jung?-) Löwe ist wohl mal von einem Laien ausgestopft worden, eventuell dem Jäger selbst und wahrscheinlich schon vor dem Weltkrieg (in der DDR waren Jagdsafaris nach Afrika eigentlich nicht üblich). Er müffelt etwas nach Löwe und er hat auch schon leichten Mottenbefall. Es hätte mich sehr interessiert, wann und wo und von wem er geschossen wurde, aber das ist leider nicht überliefert. Vielleicht erkennt ja jemand, um welche lokale Varietät es sich handelt? Togo? Kamerun? Deutsch-Südwest oder -Ostafrika? Oder aus einem Zoo?

          Nun rufe ich mir nochmal die aktuellen Verkehrsverbindungen nach Coswig ab. Mit der Bahn nach Dessau klappt es jetzt nicht mehr, die letzte Bahn fuhr um 16:20 Uhr. Aber mit Bus über Wittenberg, das müsste gehen:

          16:51 ab Wörlitz Neue Reihe, Oranienbaum-Wörlitz mit Bus 304
          17:28 an Hauptbahnhof (Bus), Lutherstadt Wittenberg
          17:32 ab Hauptbahnhof (Bus), Lutherstadt Wittenberg mit Bus 300
          18:27 an Bahnhof (Bus), Coswig (Anhalt)

          Das Schöne ist, das sind noch keine Rufbusse, die man mindestens 1h im Voraus anrufen muss. Mit mir stehen 3 weitere Fahrgäste an der Haltestelle, zwei 9€-Touristen und ein Berufspendler. Sie arbeitet hier im Gartenreich und probiert mit dem 9€-Ticket, ob der tägliche Weg zur Arbeit und zurück nach Wittenberg auch ohne Auto erträglich ist.

          Der Bus hat in Wörlitz 4 Minuten Verspätung, aber der kurze Anschluss zum Bus 300 in Wittenberg klappt trotzdem. In ganz Wittenberg ist dann auffällig viel Polizei auf den Straßen (und ein paar friedliche Spaziergänger). Eine freundliche Frau, die im Bus hinter mir sitzt, erklärt mir, was es damit auf sich hat. Wir fahren hier am Markt gerade durch die Sammlung zum wöchentlichen Montagsspaziergang, der von den jetzt Regierenden offenbar ähnlich ernst genommen wird wie die Montagsdemos 1989 in der DDR von den Kommunisten. Deshalb ebenso unverhältnismäßig viel Polizei.

          Der Bus gurkt nun eine ganze Weile bis nach Coswig. Er weicht immer wieder von der kürzesten Verbindung über die B187 ab und bedient mit Abstechern das Stickstoffwerk Piesteritz, Apollensdorf und das Herzzentrum Coswig. Ich rutsche schon unruhig auf meinem Sitz umher, denn von Süden ziehen Gewitter heran, vor denen schon den ganzen Tag als “schwere Unwetter” gewarnt wird (DWD). In Dömitz, dem Endpunkt unserer Elbetour, hat zu dieser Zeit bereits tennisballgroßer Hagel und eine Windhose eine Schneise der Verwüstung durch den Ort gehauen.

          In Coswig angekommen steige ich eine Station vor dem Bahnhof aus und eile zum Markt. Dort erwischt mich der erste Schauer und ich flüchte mich ins Eiscafé Veneto. Der Schauer zieht schnell durch und nun riskiere ich es, auf den restlichen 1.8km doch noch durchgeweicht zu werden. Den Schirm hatte ich nicht dabei. Aber ich habe Glück, ich komme noch vor dem nächsten fetten Schauer am Kanuverein an.

          Insgesamt war das schon ein gewissermaßen extremer Ausflug, den mir das 9€-Ticket heute ermöglicht hat. Anstatt 2x 5km zu laufen bin ich 86km mit ÖPNV gefahren. Zusammen mit den gelaufenen Strecken war der GPS-Track von heute Nachmittag genau 100km lang:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: KarteWörlitzerParkRunde25Juli2022a.png Ansichten: 0 Größe: 587,0 KB ID: 3155735

          Im Kanuverein hat Andrea den ganzen Nachmittag gechillt, gelesen und gebadet. Wir kochen uns in der Vereinsküche Nudeln zum Abendessen, bevor die Sonne wieder hervorkommt. Verbunden ist das mit einer herrlich feuchten, auf 22°C abgekühlten Luft, tropisch-monsunartig, mit dramatischen Wolkenformationen und sehr schönem Abendlicht.

          Das Licht reizt mich dann noch zu ein paar Fotos vom Kanuvereinsgelände:
          Zeltwiese:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150752.JPG Ansichten: 0 Größe: 433,0 KB ID: 3155774

          Unser Zeltplatz:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150757.JPG Ansichten: 0 Größe: 459,3 KB ID: 3155780

          Das Vereinshaus war bis 1960 das Gebäude der städtischen Fluss-Badeanstalt:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150755.JPG Ansichten: 0 Größe: 466,5 KB ID: 3155777

          Mehr zur Geschichte des Badens in der Elbe:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220725_121006.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,14 MB ID: 3155718

          Der Kanuverein ist sehr schön gelegen, deutlich außerhalb südlich der Stadt. Es gibt keinen Durchgangsverkehr, nur nachts bei Windstille ist die 4km entfernte Autobahn A9 zu hören. Im und am Bootshaus stehen zur Verfügung:

          • Übernachtungsmöglichkeiten im Bootshaus (mit eigenen Schlaf-Utensilien)
          • Zeltplatz (80 Plätze)
          • Wohnmobilstellplätze (10 Plätze)
          • Toiletten, Duschen (warm gegen Gebühr, kalt frei, aber das Elbwasser am Badestrand ist natürlich heute angenehmer temperiert)
          • Fahrradverleih (4 Räder)
          • kleiner Kinderspielplatz

          Neben uns sind momentan nur 2 weitere Paddler Gast auf dem Gelände, rechts im Bild. Die beiden Frauen sind heute aus Hamburg angereist und setzen hier morgen zu einer 6-tägigen Paddeltour in 2 Seekajak-Einern ein. Wir werden sie im Verlaufe der nächsten Tage in Dessau, später an der Saale-Mündung und nochmals später hinter Schönebeck wiedersehen.

          Auf der großen abschüssigen Wiese spielt ein 3-Jähriger mit einem Fußball. Er zeltet mit seinem sportlichen Papa neben ein paar Wohnmobilisten. Sie sind auf einer Radtour. Die hochschwangere Mama war auch erst auf der Radtour dabei, hat die beiden aber schon wieder in Richtung Heimat verlassen. Sie erwartet ihr sechstes Kind. Papa ist nicht nur Radler, daneben schwimmt und läuft er, etc.

          Die vielen geparkten Autos hinter dem Vereinshaus gehören zu den Teilnehmern der 26. Internationalen Elbefahrt 2022, der längsten organisierten Gepäckfahrt in Deutschland. Dabei wird die Elbe von Schmilka bis Hamburg in 18 Tagesetappen mit ~630 Paddelkilometern befahren. Heute befindet sich die Gruppe bereits in Wittenberge. Wer mehr zum Charakter und dem Ablauf dieser Fahrt wissen möchte, der schaue sich die beiden informativen Youtube-Filmchen von Ronald Schnor an (Teil1, Teil2).
          Habe ich das richtig verstanden? ~50% der Teilnehmer mussten diese Fahrt wegen Corona abbrechen?

          Letztes Foto am Abend, bevor die Lichter am Schloss ausgeschaltet wurden:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150763.JPG Ansichten: 0 Größe: 158,6 KB ID: 3155776
          Zuletzt geändert von Spartaner; 07.10.2022, 09:30.

          Kommentar


          • Spartaner
            Alter Hase
            • 24.01.2011
            • 4026

            • Meine Reisen

            #6
            Coswig - Dessau
            26.7.2022, 🛶24km, 🚲19km


            Wir frühstücken im Vereinsgebäude oben. Hier sind einige Informationen am Schwarzen Brett ausgehangen. Eine Tabelle verrät die Lage und die Entfernungen zu den nächsten offiziellen Übernachtungsmöglichkeiten in Clubs und auf Zeltplätzen:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220726_103258.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,21 MB ID: 3156552

            Wer also ausschließlich offiziell übernachten möchte, für den ist diese Liste eine gute Planungshilfe.

            Ein weiterer Aushang ist ein Infoblatt des Landeskanuverbandes Sachsen-Anhalt, nach dem es seit 2020 untersagt sei, in Natura 2000 Gebieten in der Zeit vom 15.04.-31.07. streckenweise das Ufer zu betreten:
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            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20220726_101943.jpg Ansichten: 0 Größe: 4,79 MB ID: 3156567

            Ab jetzt wissen wir, dass das freie Campieren am Elbufer viel mehr eingeschränkt ist, als wir bisher dachten.

            Bisher wussten wir nur von den ausgewiesenen Naturschutzgebieten, dass dort das Betreten der Ufer und das Campieren verboten sind. Der Deutsche Kanu-Verband e.V. informiert zB hier über ihm bekannte Befahrungsregelungen auf Gewässern. Gibt man “Elbe” ein, kommen gerade mal 9 Einträge, wovon nur 2 auf unserer Route liegen. Die dort aufgeführten Uferbetretungsverbote beziehen sich auf das altbekannte Biosphärenreservat “Steckby-Lödderitzer Forst” von Aken bis Saalemündung.

            Natürlich wollen wir lieb sein und bemühen uns in den folgenden Tagen, auch die neuen Uferbetretungsverbote zu beachten und dort nicht zu campieren. Dazu fotografiere ich die beiden Blätter ab und schaue jedesmal nach, bevor ich mal kurz zum Pinkeln auf Land gehe.

            Auf den Fotos sind die genauen Streckenabschnitte nur relativ unscharf auszumachen, vielleicht ±150m. Nach der Tour habe ich herausgefunden, dass man die beiden Seiten auch direkt herunterladen kann: Seite1, Seite2.
            Besser könnte man sich orientieren, wenn man die genauen Kilometerangaben der verbotenen Uferstrecken aufgelistet hätte. Und genau so ein PDF habe ich gestern noch gefunden: Infoblatt des LKV Sachsen-Anhalt 05/2020. Hier sind die verbotenen Streckenabschnitte auf 0.1km genau angegeben. Das lässt sich gut mit den ständig sichtbaren Kilometermarken der amtlichen Strom-Kilometrierung abgleichen.
            Und wer es ganz ganz genau wissen will, der kann in diesem PDF auf die einzelnen Karten schauen.

            Genug der Verbote. Paddeln selber ist gerade noch erlaubt (wie lange noch?). Die Beiden Hamburger sind schon längst losgepaddelt, der Papa mit dem Sohne weggeradelt, da schaffen auch wir es ½12 aufs Wasser.

            Das erste Mal auf unserer Elbtour kommt uns ein Schiff entgegen:
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            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150770.JPG Ansichten: 0 Größe: 415,7 KB ID: 3156541

            Dieser “Spatz” ist ein Arbeits- und Vermessungsschiff, welches wir schon den ganzen Morgen vor dem Gelände des Kanuvereins hin und her fahren sehen.

            Die 2003 auf einer Sachsen-Anhaltinischen Traditionswerft gebaute "Rosslau" fährt für das WSA Dresden und ist in der Lage, den Flussgrund zu erfassen und abzubilden. Es ist ausgestattet mit Peilarbeitsplatz, DGPS, Radaranlage, Echographenanlage, Schubschulter und Klimaanlage. An beiden Seiten ragt ein elektroakustischer Peilrahmen mit Mehrfachschwingersystem (Flächenecholot) heraus.

            Wir haben übrigens während der gesamten Elbfahrt ausschließlich Schiffe der Wasserstraßenverwaltung fahren sehen. Die kommerzielle Schifffahrt, für die diese Arbeiten ja letztlich erbracht werden, war absolut stillgelegt.

            Die Gierseilfähre Coswig arbeitet heute wieder. Hätten wir das geahnt, hätten wir den Ausflug in den Wörlitzer Park auch auf heute Vormittag verschieben können. So aber paddeln wir weiter.

            Vorbei an Schloss Coswig, dahinter die Stadt:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150773.JPG Ansichten: 0 Größe: 313,1 KB ID: 3156540
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150774.JPG Ansichten: 0 Größe: 305,1 KB ID: 3156542

            Unterhalb von Coswig verläuft die Elbe ~5km in Generalrichtung südwest und wir spüren zum ersten Mal ordentlich Gegenwind. Mit der vollständig geschlossenen Spritzdecke versuchen wir windschnittiger zu werden.

            1½km vor der Autobahnbrücke der A9 fällt uns linkerhand eine riesige backsteinerne Industriehalle auf und ich frage mich schon, was das sei. Als dann kurz darauf wieder ein “Blaues Band”-Schild mit Einladung zum Anlegen und Zelten auftaucht, machen wir eine Pause und ich schaue mir das näher an.

            Ein Hinweisschild klärt auf, dass es sich bei der Industriehalle um den Rest des ehemaligen Braunkohlenkraftwerks Vockerode handelt:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150775.JPG Ansichten: 0 Größe: 282,7 KB ID: 3156544

            Jetzt wird mir klar, dass hier einst die vier 140m hohen Schornsteine standen, die bei der Autobahnfahrt über die Elbe immer eine markante Landmarke abgaben. Das 1937 errichtete Kraftwerk wurde 1994/98 stillgelegt. Zitat Faltboot-Wiki: Seit das alte Kraftwerk 2001 (und das ehem. Gasturbinenwerk 2013) ihrer riesigen Schornsteine beraubt wurden, zeugt nur noch der 40m hohe Klotz des Kesselhauses hinter den Bäumen von sieben Jahrzehnten Industriestandort. Am linken Ufer gähnen die Einläufe, die für das Kraftwerk stündlich 60-80.000 m³ Kühlwasser aus der Elbe saugten.

            Zelten könnte man hier unten direkt am Wasser auf ein paar ebenen Plätzchen. Ob das erlaubt ist, weiß ich nicht. Das “Blaue Band”-Schild mit seinem Dusche-Symbol (und das Faltboot-Wiki) verweisen dagegen auf das Bootshaus der SG Turbine Vockerode e.V. gleich hinter dem Deich, 200m Fußweg vom Wasser.
            Natürlich interessiert mich auch hier, wie es sich im Verein übernachten lassen würde und so schaue ich mir das Vereinsgelände näher an. “Auf dem idyllischen Gelände … ” - oh, das fiel mir gar nicht auf, treffe ich auf einen Mann, der mir Auskunft gibt. Man kann tatsächlich auf dem Hof zelten (12€), die ersten 5 Bilder hier vermitteln das Ambiente der Außenanlage. “In den fünfziger Jahren entstand aus ehemaligen Baustelleneinrichtungen des Kraftwerkes Vockerode das Vereinsdomizil. Die Sportfreunde hatten sich mit viel handwerklichem Geschick Paddelboote selbst gebaut. Teilweise werden sie heute noch genutzt. Der Bootsbestand wurde später um Faltboote erweitert. Heute sind Segel- und Motorboote der Vereinsmitglieder bestimmend” (Wasserwandern).
            Für mich wäre eine Übernachtung hier wohl eher nichts.

            Wir paddeln weiter, unterqueren die Autobahnbrücke und gelangen wieder in einen recht naturnah aussehenden Elbabschnitt:
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            An dieser Stelle, ~3km unterhalb der Autobahnbrücke, liegt rechterhand das Naturschutzgebiet “Saarenbruch-Matzwerder” mit dem Altarm “Kurzer Wurf”. Hier wurde 1956-58 der letzte Elbdurchstich vollzogen, das letzte Stück Begradigung mit einer Verkürzung der Laufstrecke um 1.5km.
            Da die amtliche Elbe-Kilometrierung ursprünglich (um 1880) entlang dieses Laufstücks festgelegt wurde, welches heute Altarm ist, springen heute die Zahlen: km 250.5 = km 252. Um auf diese Diskontinuität hinzuweisen, hat das Kilometerschild 252 ausnahmsweise weiße Schrift auf schwarzem Grund:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150779.JPG Ansichten: 0 Größe: 405,9 KB ID: 3156545

            Um ½3 erreichen wir Roßlau mit der Brücke der B187 und gleich darauf der Eisenbahnbrücke:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150781.JPG Ansichten: 0 Größe: 376,7 KB ID: 3156548

            70m hinter der Eisenbahnbrücke das Vereinsgelände der Roßlauer Rudergesellschaft e.V.:
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            Hier kann man anlegen, der Weg zum Bahnhof beträgt nur ~400m. Simon, der SUP-Paddler, den wir vorgestern getroffen hatten und der die gesamte deutsche Elbe von Schmilka bis Cuxhaven paddeln wollte, hat hier seine Tour unterbrochen, denn er musste zu dringenden Terminen nach Hause. Er hat dann seine Geschäfte in Osnabrück erledigt, ist 2 Tage später zurückgekommen, natürlich wieder auf 9€-Ticket, und ist von hier aus weitergepaddelt.

            Jetzt ist es nicht mehr weit bis nach Dessau. Vorher passieren wir aber noch die Mündung der Mulde in die Elbe:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150785.JPG Ansichten: 0 Größe: 336,6 KB ID: 3156549

            Alter Anleger an der Elbe bei Dessau:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150788.JPG Ansichten: 0 Größe: 448,4 KB ID: 3156550

            Am der Stadt gegenüberliegenden Ufer rasten viele Wildgänse, allein auf diesen zwei Bildern sind es >150 Stück:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150789k.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,01 MB ID: 3156555
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150812k.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,02 MB ID: 3156569

            Um 3 erreichen wir Dessau. Am Ufer liegen bereits die 2 Boote der Hamburger, und ein hölzerner Eigenbau-Canadier:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150809.JPG Ansichten: 0 Größe: 338,1 KB ID: 3156565

            Das denkmalgeschützte Vereinshaus der Junkers Paddelgemeinschaft Dessau e.V.:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150807.JPG Ansichten: 0 Größe: 500,2 KB ID: 3156566
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150813.JPG Ansichten: 0 Größe: 405,0 KB ID: 3156564

            Infotafeln am Eingang:
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            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150819.JPG Ansichten: 0 Größe: 3,43 MB ID: 3156571
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150820.JPG Ansichten: 0 Größe: 193,6 KB ID: 3156568

            Die Zeltwiese ist durch den Deich etwas windgeschützt.
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150793k.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,30 MB ID: 3156559

            Die Zeltwiese ist bereits gut belegt und füllt sich im Laufe des Nachmittags weiter:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150797.JPG Ansichten: 0 Größe: 478,5 KB ID: 3156558

            Neben etlichen Deutschen lagern hier zZ 2 Paare Holländer und 1 Paar Tschechen.

            Hier in Dessau zahlen wir 9€pP, DKV-Mitglieder 6.50€. Warm Duschen ist inklusive. Die Junkers Paddelgemeinschaft verfügt gleich über 2 besondere Bootshäuser. Steht das historische von 1930 schon lange unter Denkmalschutz, wurde der so genannte Ersatzneubau beim Architekturwettbewerb der Bauhausstadt Dessau 2022 preisgekrönt. Das ist auch das Gebäude, in dem die Küche und die sanitären Anlagen zu finden sind, zu dem wir den Schlüssel bekommen und frei ein- und ausgehen können:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150790.JPG Ansichten: 0 Größe: 418,9 KB ID: 3156551

            Das historische Bootshaus von 1930 hingegen bleibt für uns geschlossen. Nur die Schwalben flitzen ständig ein und aus zu ihren Nestern im Bootshaus. Hier findet man ein paar interessante Details zur Baugeschichte.

            Nach dem Zeltaufbau drehen wir auf den beiden Leihfahrräder des Vereins eine Runde durch die Stadt. Zunächst geht es durch das Georgium (Beckerbruch), Parkanlagen, die ebenfalls zum Gartenreich gehören:
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            Nach 3km sind wir am Bauhaus:
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            Das Gebäude entstand von 1925 bis 1926 nach Plänen von Walter Gropius als Schulgebäude für die Kunst-, Design- und Architekturschule Bauhaus. Der Bau selbst und die in unmittelbarer Nähe errichteten Meisterhäuser begründeten den Ruf des Bauhauses als „Ikone der Moderne“ (Wiki). Andrea ist begeistert.

            Dessau hat noch mehr davon zu bieten. Vom Restaurant Kornhaus im Norden bis zur Siedlung Dessau-Törten im Süden – in Dessau gibt es so viele originale Bauhausbauten wie in keiner anderen Stadt. Zwölf von ihnen sind öffentlich zugänglich, darunter das Bauhausgebäude, die Meisterhäuser, das Arbeitsamt von Walter Gropius sowie das Konsumgebäude.
            Nach dem Bauhaus schauen wir uns noch die Meisterhäuser an. Das reicht dann aber auch:
            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: P1150795.JPG Ansichten: 0 Größe: 309,5 KB ID: 3156554

            Am Ende gehen wir noch einkaufen und sind um ¼8 nach 8 Fahrrad-km wieder auf dem Gelände der Junkers Paddelgemeinschaft.

            Noch während unseres Radausflugs bekam Andrea eine Benachrichtigung aufs Smartphone, dass ein lange erwartetes Paket endlich angekommen und in der Heimat-Postfiliale deponiert wurde. Nach dem Urlaub wäre es wohl zu spät, es abzuholen, da wäre es schon wieder an den Absender zurückgegangen. Also entschließt sie sich, das Paket morgen früh in Berlin abzuholen. Morgen Mittag will sie wieder zurück sein. Das 9€-Ticket macht es möglich.

            Andrea verabschiedet sich gegen 20 Uhr und läuft zum Bahnhof. 21:05 Uhr fährt ihr Zug. Ich schnappe mir ¼9 noch einmal das Fahrrad und drehe eine weitere Runde durch das abendliche Dessau. Erst geht es wieder durch die schön gestaltete Landschaft des Georgiums, dann durch die Innenstadt, die abends weitgehend tot ist.
            Nur im Stadtpark fällt mir eine große Ansammlung von “Männern” auf, die den Park ungeniert für ihre Geschäfte vereinnahmen (“Interkultureller Generationenpark”). Hier radele ich nur kurz durch, mir ist das hier äußerst unangenehm.

            Weiter geht es zur Mulde:
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            Die Fußgängerbrücke und das Wehr wurden nach dem verheerenden Hochwasser 2002 neu gebaut. Hier Bilder von der Fischtreppe:
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            Bereits im Dunklen bin ich dann nach 10 Rad-km wieder zurück am Zeltplatz. Selbst jetzt stoßen noch weitere Radler dazu und bauen ihre Zelte auf. Ich dusche und liege bald darauf im Bett.
            Zuletzt geändert von Spartaner; 28.09.2022, 09:48.

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