Binntal-Devero-Trekking im Oktober

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  • StefanBoe
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    • 14.12.2020
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    • Meine Reisen

    Binntal-Devero-Trekking im Oktober

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ID: 3005320Binntal - Devero – Trekking in einem kalten Oktober

    Um mal wieder gemeinsam in entlegenen Hochtälern den wahren Naturfrieden zu finden, brechen wir im Oktober 2016 zu einer kleinen Trekkingtour in die Alpen auf - wie einst als 20-jährige mit Zelt, Isomatte, Kocher etc. Es schreckt uns auch nicht wirklich, dass eine sehr kalte Oktoberwoche prognostiziert ist - wir machen das schon. Nach einer Nacht bei einem Freund in Stuttgart fahren wir über den Grimselpass ins Oberwallis und dann das schmale Sträßchen hoch ins Binntal, wo wir am frühen Nachmittag den Lupo stehen lassen und unsere Tour bei recht sonnigem Wetter starten können.

    1. Tag: Binn - Maniboden: Beim Schultern des Rucksacks muss ich erschrocken feststellen, dass ich tatsächlich meine Bergschuhe vergessen habe. Bullshit! Also muss ich mich und meine 18 kg Rucksacklast meinen sportlich geschnittenen blauen Halbschuhen anvertrauen!

    In zwei Stunden steigen wir ruhig durch die Lärchenwaldzone ins Hochtal des „Maniboden“ auf ca. 2000 m hinauf, den ich letztes Jahr auf meiner T
    our als echtes Schätzchen kennen gelernt habe. Wir stromern abseits des Wanderpfades den Talboden aufwärts und entdecken das absolut korrekte Fleckchen zum Zelten: Ein ebener Wiesenplan umgeben von einem Bachlauf, dekorativen Felsbrocken und knorrigen Lärchen. Wir bauen das geräumige Tunnelzelt auf und genießen mit Ruhe den Spätnachmittag und Abend.

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    Bald schon wird es frostig kalt. Wir sammeln Holz, kochen zu Abend und sitzen dann lang am Feuer an diesem legendären Lagerplatz.

    2. Tag: Mäsersee –Geispfadsee – Grampielpass – Val Deserta: Es wird eine richtig kalte Nacht mit – 7° C, morgens ist alles mit Reif überzogen, klirrende Eisplatten in den Bachläufen. Die Schlafsäcke mit den zusätzlichen Innenschlafsäcken haben uns tatsächlich warm gehalten. Mit steif gefrorenen Fingern laufen wir in Erwartung der ersten Sonnenstrahlen umher, dabei das schöne Hochtal und den genialen Blick auf das vergletscherte Aletschhorn in den Berner Alpen genießend. Dann endlich - nach fast zwei Stunden - kriecht die Sonne über den Kamm und wärmt, so dass wir uns hinsetzen, Kaffe kochen und frühstücken können.
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    So brechen wir erst spät zu unserer Tagesetappe auf, die uns rüber nach Italien ins Deverohochtal führen soll. Bald schon passieren wir den bildschönen Mäsersee.

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    Anschließend steigen wir weiter aufwärts zu den großen Geispfadseen (2450 m), die wie Arme eines Fjordes in der nordisch wirkenden Passlandschaft liegen. Lange Pause am Wasser mit großem Blick hinüber auf die Kette der Berner Alpen vom Bietschhorn bis zum Aletschhorn.

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    Am Passo della Rossa steigen wir nicht so wie ich letztes Jahr direkt nach Devero ab, sondern queren in einer Stunde hinüber zum Grampielpass (2550 m). Der Abstieg von hier zur piemontesischen Seite wird vermutlich nicht allzu oft unter die Hufe genommen: 500 Höhenmeter steiles, grobes Blockwerk ohne Weganlage, lediglich mit Markierungen, das Ganze mit schwerem Trekkinggepäck, ist richtig was für die Gelenke, so bekommt Freund Micha mit seinem lädierten rechten Knie entsprechende Probleme.

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    der Lago Devero

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    Dafür gelangen wir zur Belohnung unterhalb der Blockregion auf ca. 2000 m unvermittelt in einen wunderbaren Talboden mit ebenen Wiesen, Bachläufen und ersten Lärchen, das Val Deserta. Bei einer kleinen, unter einen Felsen geduckten Steinhütte lassen wir uns nieder und bauen unser Zelt auf. Es ist wieder ein wildromantischer Zeltplatz in einem entlegenen Hochtal, einfach nur schön. Bald haben wir genügend Lärchengeäst für ein wärmendes Feuer zusammen, denn sobald sich die Sonne verzogen hat, wird es frostig. Wir kochen und sitzen dann noch lange am Feuer und erzählen.

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ID: 3005333

    3. Tag: Val Deserta – Crampiolo: Nichts ahnend schlüpfen wir um ca. Mitternacht in unsere Schlafsäcke, der Himmel voller Sterne. Irgenwann in der Nacht wundere ich mich über ein stetiges Rauschen. Nun, der Wind wird wohl das Geräusch eines Flusses herübertreiben. Gegen Morgen noch in der Dunkelheit habe ich das Gefühl, das Zeltdach drücke auf meine Nase, nun ja, die Heringe werden wohl locker sein, ich drehe mich noch mal um. Als es endlich heller wird, bleibt es dem Wachbewusstsein nicht länger verborgen: Das Zeltdach hängt uns von irgendeiner ominösen Masse beschwert im Gesicht, die Zeltwände rechts und links drücken gegen unsere Körper. Als ich erschrocken das Zelt nach außen öffne, fällt eine Wand von Schnee ins Zelt. In der zweiten Nachthälfte muss ein massiver Schneefall eingesetzt haben – und wir müssen jetzt schleunigst schauen, nicht in Not zu geraten! Es liegen fast 50 cm Neuschnee – und es schneit heftig weiter! So was nennt man böses Erwachen …

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ID: 3005335
    Im Zelt ist es durch die Schneelast so eng, dass wir uns nur mit Mühen anziehen können. Und ich muss zu allem Überfluss jetzt auch noch mit meinen Halbschuhen durch den Schnee! Wir deponieren unsere Rücksäcke unter einer Lärche, doch sie schneien in kurzer Zeit auch dort zu. Dann heißt es Zelt abbauen: Mühsame Suche nach Stangenanfängen und Heringen bei klammen Fingern. Als wir alles beisammen haben, dürfen wir nicht lange fackeln, sondern müssen schleunigst aufbrechen, um noch irgendwie aus dem Hochtal zu kommen. Ich wühle mich mit meinen Halbschuhen durch den knietiefen Schnee, irgendwie zwischen den Bäumen und vielen Felsen einen möglichen Wegverlauf ahnend. Markierungen sind nicht zu finden, aber mit Hilfe der Karte können wir uns halbwegs orientieren. So gelangen wir ohne größere Verhauer oder Stürze aus dem wilden Val Deserta tatsächlich ans Ufer des Lago Devero, wo ein vollkommen zugeschneiter, aber breiterer und damit deutlich erkennbarer Uferweg auf uns wartet. Puh – geschafft!

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ID: 3005337

    Kurz vorm Ende des Stausees entdecke ich eine breite Spur im Schnee, die von oben aus dem Wald kommt und dann wieder in ihn zurückführt. Sie kann nicht von Rehen, Dachsen oder Hirschen, nein, sie muss von einem Bär stammen, bin ich überzeugt. Hinter dem See geht es rasch und angenehmer hinab ins Bilderbuchbergdorf Crampiolo, eine Ansammlung alter Steinhäuser, wo wir im Albergo „La Baita“ Quartier nehmen. Hier ist jahreszeit- und wetterbedingt gar nichts mehr los – wir sind die einzigen Gäste. Die Wirtsleute müssen ob meiner Bärenspuren schmunzeln, nein, „no orso“. Nachmittags machen wir noch einen ausgedehnteren Schneespaziergang hinunter nach Devero und zum versteckten Lago di Streghe. Ein molliges Bett, eine heiße Dusche, ein warmer Ofen und ein formidables piemontesisches 4- Gänge-Menu sind an diesem Abend das wahre Paradies.
    ​​​​​
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    Crampiolo

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ID: 3005339
    4. Tag: Crampiolo – Alpe Forno Inferiore – Albrunpass – Binntalhütte: Heute ein Bergwandertag ohne abenteuerliche Bewährungsproben, einfach nur zum Genießen bei schönstem Wetter. Da der eigentlich geplante Übergang zur Alpe Veglia und von dort über den Ritterpass wegen des Schnees vermutlich unpassierbar ist, entscheiden wir uns, über den gemächlicheren Albrunpass zurück ins Binntal zu gehen. Wir laufen von Crampiolo hinauf zum Lago Devero und dann auf gutem Forstweg am Ufer entlang. Der Schnee hat sich mittlerweile gesetzt und ist bei weitem nicht mehr so hoch, so dass wir gut gehen können. Überall im Wald haben Rehe, Füchse etc. unzählige Spuren im Schnee hinterlassen.

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ID: 3005340
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    Oberhalb der Waldgrenze erreichen wir die Steinhütten der Alpe Forno Inferiore, wo wir längere Zeit rasten, in der Herbstsonne schmoren und einen einmaligen Blick genießen: Linkerhand die weiten Hochflächen des „Grande East“, rechterhand die mächtig und steil aufragende Kette am Alpenhauptkamm um Scherbadung und Helsenhorn, in der Tiefe der Lago Devero in seinen Wäldern und in der Ferne die gut sichtbaren Ostwände des Monte Rosa.

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ID: 3005343
    Beim weiteren Aufstieg ist der Pfad in den teilweise steilen Grashängen glücklicherweise immer gut erkennbar, südseitig ist der Schnee oft auch schon weg getaut. Oben am Albrunpass (2430 m) zieht ein eisiger Wind, so dass wir rasch durch die mit Pulverschnee bedeckte Nordseite zur Binntalhütte (2230 m) absteigen. Die Hütte befindet sich im unbewarteten Wintermodus, ist aber tatsächlich offen. Wir schmeißen den Ofen an, kochen in der Küche am großen Herd Nudeln, Suppe und Tee und genießen dabei den abendlichen Blick aus dem Hüttenfenster über das weite Hochtal bis zum Bietschhorn in der Ferne.

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ID: 3005345
    5. Tag: Abstieg Binntalhütte – Binn: Anderntags laufen wir bei kühlem und grauem Wetter in knapp 3 Stunden hinaus ins Binntal, wo wir in Fähd für teuer Schweizer Franken eine Kürbissuppe als Abschluss unserer gemeinsamen Tour zu uns nehmen. Mischa fährt nach Kandersteg, um dort seinen Sohn zu treffen - und ich fahre noch mal für zwei Tage ins Turtmanntal. ​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​

    Super war's - ich werde immer mehr zum Fan dieser schweizer-piemontesischen Alpenecke (Binntal-Devero-Veglia): Der "Geschmack von Freiheit und Abenteuer" mitten in den oft so domestizierten Alpen.


    Angehängte Dateien

  • OutofSaigon
    Erfahren
    • 14.03.2014
    • 301

    • Meine Reisen

    #2
    Was für ein toller Bericht mit wunderbaren Fotos aus einer herrlichen Ecke der Alpen! Vielleicht komme ich auch noch einmal dort hin, bevor es zu spät ist...

    Kommentar


    • Lederstiefel
      Anfänger im Forum
      • 01.11.2016
      • 19

      • Meine Reisen

      #3
      Zitat von OutofSaigon Beitrag anzeigen
      Was für ein toller Bericht mit wunderbaren Fotos aus einer herrlichen Ecke der Alpen! Vielleicht komme ich auch noch einmal dort hin, bevor es zu spät ist...
      Wieso "zu spät"?

      Kommentar


      • qwertzui
        Fuchs
        • 17.07.2013
        • 1974

        • Meine Reisen

        #4
        Sehnsucht ...
        So schön, wobei ich geneigt bin an deine Bärenspuren zu glauben. Meine Übernachtungsplätze im Piemont schlage ich jedenfalls nach Möglichkeit 500 hm nach der letzten B(ä?)eerenkothaufensichtung auf.

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