[DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

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    [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

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    Im letzten Dezember fuhr ich das erste Mal nach Goldlauter, das mittlerweile als Gemeinde Goldlauter-Heidersbach zu Suhl gehört. Suhl liegt in Thüringen und der Rennsteig ist nicht weit entfernt. Da ich sowieso mal wieder Leipzig besuchen wollte, keimte in mir der Gedanke, man könne ja von Goldlauter nach Leipzig laufen, um die Gegend im Dreieck Thüringen, Sachen-Anhalt und Sachsen zu erkunden. Natürlich suchte ich mir für das Projekt wieder die optimale Jahreszeit aus: Dezember. Unbeständiges Wetter, kalt, und die Tage sind kurz. Ein typisches Torres-Schöner-Scheitern-Projekt. Aber „Versuch machd kluch“, und so besorgte ich Karten, fand durch Zufall noch beim Ausrüster ein vergriffenes Exemplar der Region um Saalfeld und Jena, feilte an den Routen und Alternativrouten und war am Ende den Weg schon fast gelaufen, wohl wissend, dass alles vermutlich gar nicht so klappt, wie ich mir das denke. So ist es.

    Und da aufgeschoben nicht aufgehoben ist, versuche ich es Ende November diesen Jahres wieder. Schon besser, aber nicht gut. Also geht es im nächsten Jahr weiter. Und fange trotzdem schon mal mit dem Bericht an, damit ich nicht alles vergesse.
    Zuletzt geändert von Torres; 09.12.2018, 18:38.
    Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet. (Franck 1652 / Bach 1724, Leipzig)

  • Torres
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    #2
    AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

    28.11.2018 Schneekopf

    Im letzten Jahr – durch den Wetterbericht von Plusgeraden und prognostizierter grüner Weihnacht vertrauensselig gewesen – hatte ich den Tretroller mitgenommen. Geplant war, in den Bergen zu schieben und später, in flacheren Stücken, zu rollern. Ich landete in hüfthohem Schnee.
    In diesem Jahr vertraue ich auf den ewig dauernden, viel zu trockenen Sommer, rechne mit Schnee und nehme meinen finnlanderprobten Rollwagen mit, der auch schneetauglich wäre. Es liegt aber kein Schnee. Die Ausrüstung ist sparsam, ich nehme Zelt und Übergangsschlafsäcke mit, doch auf dem Rücken tragen möchte ich das alles nicht, denn mit dem 95 Liter Rucksack komme ich nirgends durch Türen. Zumal in Thüringen Wildcampen verboten ist. Es ist zusammen mit Kocher und Thermoskannen nur ein backup. Doch rechne ich nicht ernsthaft damit, wirklich auf Tour zu gehen. Ich kenne doch mein Glück. Ich entscheide, erst einmal drei Nächte in einem Hotel zu verbringen, das mir letztes Jahr gut gefallen hatte und Tagestouren zu machen, um die Gegend besser kennenzulernen. Dann werde ich meine Entscheidung treffen. Da dank Florian Silbereisen die Hotels am Samstag rund um Suhl herum komplett ausgebucht sind und kein Zimmer zu bekommen ist, wird dieser Tag mein Starttag sein, die Region zu verlassen. Wohin auch immer und wie auch immer.


    Als ich abends am gebuchten Hotel ankomme und ein Zimmer ganz nach meinem Geschmack erhalte, bin ich glücklich. Noch glücklicher bin ich, dass am nächsten Tag eine geführte Wanderung stattfinden wird. Das ist perfekt, es gibt mir einen ersten Einblick in die Region und erspart mir viel Rechercheaufwand. Nur drei Anmeldungen. Ich laufe im Halbstundentakt an der Rezeption vorbei und da die anderen auch fest entschlossen sind, wird eine Ausnahme gemacht, normalerweise sollten es fünf Gäste schon sein.
    Der Guide mustert uns und ändert das Programm. Herbert-Roth-Wanderweg ist geplant, aber Schneekopf wäre doch interessanter, ich nicke, da war ich im letzten Jahr schon, aber nur vom Parkplatz aus. Also los. Zu meinem Erstaunen hüpfen wir in den Bus, es geht zu einem besseren Ausgangspunkt, der Wegscheide. Der Bus ist bis auf den letzten Platz mit Damen und wenigen Herren in reifem Alter besetzt, ihre Bäckchen leuchten, es ist der Wanderverein. Und raus.






    Der Guide macht mit uns Muskellockerungsübungen, ich kämpfe erst einmal mit meiner Kamera, verdammt, lang hatte ich sie nicht dabei.








    Ich habe extra die große Kamera mitgenommen. Es ist frisch, - 4 Grad, hier weiß ich, dass die Akkus halten.


    Die Damen und Herren scheinen erst einmal einen zu lupfen.





    Und los geht es. Ich würde ja lieber langsamer gehen, um das Spiel der Farben in mich aufzunehmen und zu fotografieren, aber das ist der Preis der geführten Tour.








    Der Salzberg und Salzbergblick.











    Das Ende des Skihangs ist an der Langen Lauter, Nähe Goldlauter. Den kenne ich schon.






    Unfassbar, wie man sich hier todesmutig herunterstürzen kann. Skifahrer haben einen Knall.


    Goldlauter. Aha, die Straße am Berg wird gemacht.





    Goldlauter-Heidersbach mit Goldlauter rechts und Heidersbach links. Wer genau hinguckt, kann über der linken oberen Verästelung des Baumes die dunkle, verschieferte Heidersbacher Kirche sehen. Die Kirche von Goldlauter liegt rechts im Tal und ist nicht sichtbar.





    Fleecepulli.





    Tal hinter Goldlauter. Die Farben gefallen mir.








    Es ist frisch geworden, und weil ich mich an den Farben nicht sattsehen kann und immer wieder wegen der Fotos anhalte, bin ich zu langsam und muss aufholen. Außerdem ist es an einigen Stelle glatt.





    Erfreulicherweise erklärt der Guide zwischendrin immer etwas, leider bekomme ich nicht alles mit, da ich zu langsam bin, aber so kann ich immer wieder aufschließen. Er berichtet von dem Holzbedarf der Eisenerzgewinnung, für den vor allem Buchenholz genommen wurde. Hier in der Region gab es bis zum Zweiten Weltkrieg nur Buchen. Die Entnahme war reguliert, da es schon Jahrhunderte früher zu Raubbau kam. Nachdem der Wald im Krieg gelitten hatte, wurden erst nach dem Krieg Fichten gepflanzt, die schnell wuchsen und den Holzbedarf decken konnten. Diese Aufforstung wird nun zum Problem, da es keine Bergfichten waren. Die zur Zeit angepflanzten Fichten kommen weder mit Schnee gut klar, weil sie einen schmalen Stamm und eine ausladende Spitze habe, so dass Schneelasten den Baum abbrechen lassen können. Und sie kommen nicht mit der Trockenheit klar, die auch hier in diesem Jahr extrem war. Sturm oder Dauerregen kann so schnell so Bruch führen. Inzwischen bemüht man sich, den Buchen wieder Raum zu geben.





    Kalte Herberge.





    Rechts von uns ist nun der Große Eisenberg.





    Leider kann ich die Berge nie unterscheiden, aber an sich müsste auf dem ersten Bild der Große Beerberg drauf sein, der mit 982,9 m der höchste Berg des Thüringer Waldes und Thüringens ist. Er gehört zu Goldlauter-Heidersbach und dass er der höchste Berg ist, ist nicht allen bekannt, da er vor 1945 als Teil des Landkreises Schleusingen zu Preußen und nicht zu Thüringen gehörte. Auf seinem Gipfel befindet sich ein geschütztes Hochmoor und seine Spitze darf nicht betreten werden. Bekannter ist unser Ziel, der zweithöchste Berg Thüringens, der Schneekopf mit 978 m. Man hatte zu DDR Zeiten mal überlegt, den Schneekopf aufzuschütten, damit er die 1000 m Grenze überschreitet, das aber dann gelassen. Immerhin gibt es im Treppenhaus des Turmes des Schneekopfes eine Markierung, dass die 1000 m Grenze überschritten wird.





    In der Mitte erahnt man den Schneekopf, wobei es auch der Turm der Wetterwarte Schmücke sein kann.





    Von Ferne sieht man an den Hängen Pfosten, später werden wir auch an welchen vorbeilaufen. Sie dienen als Halterung für eine Folie, unter der die Jungpflanzen gedeihen sollen. Aufgrund der Trockenheit in diesem Jahr war das in vielen Fällen nicht von Erfolg gekrönt.





    Schmücke am Schneekopf.





    Ach ja, man könnte auch einfach hier bleiben und nur fotografieren.





    Kurz darauf sind wir am Bierfleck. Der Bierfleck heißt eigentlich Kreuzweg, aber irgendwann wollte eine Gruppe von jungen? Leuten auf den Eisenberg steigen, um dort Bier zu trinken. Als sie am Kreuzweg ankamen, dachten sie, man könnte das Bier auch gleich trinken und seither heißt der Platz Bierfleck.

    Als der Guide anfängt, die Geschichte zu erzählen, bin ich einen kurzen Moment abgelenkt und schwupps, mache ich eine elegante Grätsche. Ein Knie auf dem Boden, das andere Bein abgewinkelt und gestreckt. Glatteis. Zieht ein bisschen, aber nichts passiert. Doch der Schreck sitzt tief. Einen Sturz möchte ich mir nicht erlauben. Von nun an bin ich übervorsichtig.

    Der Guide erklärt mir, meine Schuhsohlen wären zu alt. Möglich. Ich hatte die Textilschuhe gewählt, weil sie weniger rutschig bei Regen waren, als meine Wanderstiefel, und ich auf die fetten Winterstiefel verzichten wollte, weil sowieso kein Schnee liegt. Und ja noch zur Not Spikes habe. Hahaha. Spikes. Sie liegen im Hotel. Der Guide nickt, ja, hat er nicht gedacht, dass es hier so glatt ist. Er kommt aus Vesser, das ist im Tal. Dabei ist das erst der Vorgeschmack. Die anderen haben die Probleme nicht, entweder sind sie mutiger oder ihre Sohlen sind besser. Ich laufe von jetzt an wie auf Eiern.





    Und dann bin ich das erste Mal auf dem Rennsteig. Im letzten Jahr lag hier meterhoch Schnee und der Weg bestand aus Loipen, wie ich vom Bus aus beobachten konnte. Das Autoteil ist übrigens kein offizielles Element einer Kunstinstallation, irgendjemand wollte das wohl loswerden.








    Ich erfahre, dass sich der Rennsteig an vielen Stellen in einen schmalen Teil und einen breiten Teil teilt. Das wurde so angelegt, damit der Rennsteiglauf mit seinen vielen Teilnehmern durchgeführt werden kann. Die engen Wege würden der Läufermassen nicht gerecht werden.





    Nun geht der Rennsteig auf einem schmalen Pfad weiter, parallel zur Straße. Anfangs bin ich etwas irritiert, aber es ist kaum Verkehr und im Sommer wird hier zugewachsen sein.





    Die ersten Pilze, die ich sehe.





    Dann verlässt der Weg auch wieder die Straße.





    Perfekt. Endlich mal ein Wegweiser für Sehbeeinträchtigte, Unkonzentrierte und Bummelanten.





    Wir sind jetzt in der Nähe des Großen Finsterbergs,





    biegen allerdings nicht hier ein, sondern müssen bei Moorfleck jetzt ein Stück Straße gehen.





    Der Rennsteig ist der plattgedrückte Weg an der linken Seite, ziemlich glatt. Eine Box, mit der man die nächste Busverbindung erfragen kann, gibt kund, dass ihr keine Busse für heute bekannt sind (was falsch ist). Ernüchtert bereitet uns der Guide vor, dass wir eventuell später noch nach Goldlauter laufen müssen. Kein Problem.





    Ich halte mich zunächst an die Straße, bevor ich auch den Pfad nehme. Hinter dem Zaun werden Wildpflanzen angezüchtet.


    Wow.








    Die Anderen laufen mir nun davon, einmal, weil ich fotografiere, zum Zweiten, weil ich meinen Schuhen nicht traue. Immer noch Rennsteig. Bald verschwindet der Weg im Wald.

















    Wie Weihnachten.





    Am Herbert-Roth-Denkmal steht eine Schutzhütte, die mich zunächst mehr interessiert, als das Denkmal.





    Ich kann mit dem Namen nichts anfangen. Das ist bei meinen Begleitern völlig anders. Ich erfahre, dass er mit Karl Müller (Text) zusammen das Rennsteiglied geschrieben hat, die heimliche Hymne Thüringens. Dass er aus Suhl kam, viel zu früh, mit 57 Jahren, an Krebs verstorben ist und in Suhl angetroffen werden konnte. Und er sein Geld lieber gegen Gesundheit getauscht hätte.


    https://www.youtube.com/watch?v=-8k2H6qtR38








    Und dann erreichen wir Schmücke, wo wir feststellen, dass heute nachmittag ein Bus fahren wird.








    In Schmücke ist auch die Messstation, welche den Wetterbericht für Suhl herausgibt. Und nun geht es bergan auf den Schneekopf. Bilder mache ich hier nur wenig. Zu groß ist der Unterschied zum letzten Jahr. Im letzten Jahr war hier alles voller Schnee. Nun ist es spiegelglatt, und ich gehe sehr vorsichtig am Rand, um nicht hinzufallen.





    Auf dem Schnee kann man übrigens nicht gehen, er ist steif gefroren und gibt unter Belastung tief und krachend nach. Unangenehm. Und zu langsam.








    Auch die Steine sind nicht begehbar. Sie sind spiegelglatt überfroren.











    Das Eis ist vom Wind geformt.





    Wir essen auf der Hütte eine Kleinigkeit und machen uns an den restlichen Aufstieg. Es ist wieder sehr windig oben. Und noch glatter.








    Die Sicht ist passabel, aber ich traue mich nicht weiter. Im letzten Jahr war ich hier fast weggeweht, Wind der Stärke 55,7 km/h war selbst mir etwas zu viel. Da hatte ich mich kurz an einen Pfosten klammern müssen, um nicht zu fallen. Also zurück.





    Bergab geht ganz gut, man gewöhnt sich an die Gefahr und weiß nun, die Füße richtig zu setzen. Der Parkplatz ist gestreut und als wir die Straße zurücklaufen nach Schmücke bin ich endlich auch mal vorne. Es ist ja keine Frage der Kondition, sondern der Schuhe. Gerne wäre ich jetzt weiter runter nach Goldlauter gelaufen, aber bald wird es dunkel, und die Glätte wird nicht abnehmen. Ich empfehle dem Guide, nächstens Mal jedenfalls ein paar alte Socken mitzunehmen, falls wieder jemand meine Schwierigkeiten hat. Wir haben noch Zeit, bis der Bus kommt und unser Guide, 75 Jahre alt, erzählt von zwei Radfahrern, Ärzte, die im Juli bei Oberhof mir dem Rennrad verunglückt sind. Beide behelmt, aber das hat ihnen nichts genutzt. Der eine ist tot, der andere querschnittsgelähmt. Der Presse entnehme ich, dass es ein Schlagloch war, das sie zu Fall brachte, einen Tag, bevor das Schlagloch ausgebessert wurde. Der Guide echauffiert sich, wie man in deren hohen Alter – der Getötete war 65 Jahre alt, der andere vermutlich nicht viel jünger – noch so schnell fahren muss. Ein großer Verlust für die Region, beide waren bedeutende Spezialisten in ihrem Fach, der Verstorbene war Chefarzt am Zentralklinikum Suhl. Ich denke an Mr. Kniebruch oder so. Manche Menschen brauchen den Flow.


    Mit dem Bus geht es erst nach Schmiedefeld, wo wir umsteigen müssen. Auf Empfehlung des Guide erstehe ich in der Fleischerei des Ortes ganz ultraleichte, bestimmt kalorienfreie Thüringer Rohesser. Ein Rewe lockt noch, aber wir wärmen uns in der Touristen-Information, in der sich eine interessante Ausstellung über das Biosphärenreservat Thüringer Wald befindet. Dann steigen wir in den Bus 300 um. Der 300 er wird noch seine Bedeutung erhalten. Das weiß ich aber noch nicht.

    Auf dem Rückweg bin ich guter Dinge. Wenn das Wetter so bleibt, wird eine Tour möglich.


    13,2 km (5,5 Stunden)




    Und letztes Jahr? Gestartet bin ich – ääh, räusper – am Parkplatz.
















































    Da ich hatte das erste Mal überlegt, warum ich eigentlich immer nach Finnland fahre.
    Zuletzt geändert von Torres; 09.12.2018, 18:49.
    Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet. (Franck 1652 / Bach 1724, Leipzig)

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      #3
      AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

      29.11.2018 Goldlauter, Ernst-Anschütz-Liederwanderweg

      Im letzten Jahr durfte ich erfahren, dass Ernst Anschütz, als berühmtester Sohn von Goldlauter, nicht nur mit einem Straßennamen, sondern auch mit vierschiedenen Tafeln, einer Bank in Suhl und einem Liederwanderweg geehrt wird. Den will ich heute endlich mal ganz laufen. Er ist nur kurz, aber das macht ja nichts.


      Der Name Goldlauter kommt von dem Fluss Lauter, an dem Goldlauter liegt. An der Lauter wurde im Mittelalter im Kies Gold gesucht. Um es zu gewinnen, musste das Wasser gestaut werden, was in der Fachsprache „anschützen“ heißt. Das Wehr, das den Abfluss zwischen zwei Teichen regelt, heißt Schütz. Der Name Anschütz ist daher in dieser Gegend ein verbreiteter Name.

      Am 28.Oktober 1780 wird in Goldlauter bei Suhl Ernst Gebhard Salomon Anschütz geboren. Er ist der Sohn des Ortspfarrers und verbringt seine Kindheit im Pfarrhaus. Unterrichtet wird er vom Vater und von Hauslehrern.
      Der Erzabbau in der Region unterliegt bereits seit 1600 immer wieder Flauten. 1769 hält sein Vater eine Bergpredigt zum Thema Bergbau, die von den Bergleuten erbeten wurde, den Bergbau beleben soll und eine Motivation darstellt. Am 07.September 1780 besucht Goethe Goldlauter und die Grube „Goldene Rose“ und äußert seine Zufriedenheit, aber schon drei Jahre später kommt der Bergbau wieder zum Erliegen. Die Zeiten werden also hart gewesen sein, für die Arbeiter der Region und ihre Familien, die Kinder des Dorfes, aber auch die Pfarrfamilie selbst.
      1795 bis 1798 besucht Ernst Anschütz das Gymnasium in Schleusingen. Anschließend geht er nach Leipzig, um Theologie zu studieren, neben Jura das Studium der ärmeren Schichten. Ab 1799 arbeitet er als Hilfslehrer an einer Armenschule. 1802 promoviert er in Philosophie, aber verschiedene Stellen, für die er sich bewirbt, erhält er nicht, weil er keine Fürsprecher hat. Auch die erhoffte Professur wird ihm verwehrt, obwohl er als Franke gute Chancen haben müsste. So konzentriert er sich auf seine Tätigkeit als Lehrer an der 1. Bürgerschule Moritzbastei, die er ab 1806 inne hat und arbeitet ab 1816 auch als Kantor und Organist. Er spielt fünf Instrumente und verdient sich Geld durch Musikunterricht bei den Kindern der reichen Familien von Leipzig, Die Pfarrstelle in Goldlauter, die im nach dem Tod des Vaters 1806 angetragen und bis 1807 freigehalten wird, lehnt er ab. Zur gleichen Zeit entscheidet sich sein fünf Jahre jüngerer Vetter Heinrich, bis dahin Jurastudent in Leipzig, Schauspieler zu werden, erhält 1821 einen Ruf ans Wiener Burgtheater und feiert dort 1861 40jähriges Bühnenjubiläum. Ernst Anschütz hat dagegen weniger Fortune. Den Aufstieg zum Schuldirektor in Zittau verbaut ihm die Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge. Er scheint zudem sehr dickköpfig zu sein und lehnt Kompromisse ab. Trotz der prekären Lage heiratet er 1812. Hochmusikalisch, wie er ist, beginnt er im Reclam-Verlag Liederbücher für die Schule herauszugeben, in denen er gesammelte und eigene Volkslieder veröffentlich. Auf Honorare verzichtet er, um die Liederbücher bezahlbar zu halten. Sein Freund Carl Heinrich Reclam unterstützt ihn, denn Ernst Anschütz hat große Schwierigkeiten, seine Frau und die sieben Kinder zu ernähren. Die meisten Privatstunden gibt er im Hause Brockhaus. 1836 wird er festangestellter Klassenlehrer an der 1. Bürgerschule auf der Moritzbastei. Seine Liederbücher werden weit verbreit, aber da es noch kein Urheberrecht gibt, werden die Lieder, die er schreibt, nachgedruckt, verändert und unter anderem Namen publiziert. „Es ist aber im Leben immer mein Schicksal gewesen, dass wo ich sähte, andere ernteten und wo ich gepflanzt, andere die Früchte pflückten“. 1861 stirbt er hochgeachtet in Leipzig. Ein großer Teil seines Nachlasses, darunter die Tagebücher, wird 1943 im Krieg bei einem Brand vernichtet.

      Sein berühmtestes Lied erscheint 1824, wobei er eine sehr alte Melodie verwendet und einen Liebesliedtext von Johann August Zarnack (1819) umdichtet, in dem dieser einen Baum der untreuen Geliebten gegenüberstellt. Ihm fügt Ernst Anschütz eine zweite und dritte Strophe und macht das Lied damit zu einem Weihnachtslied, das zu dem gerade aufkommenden Brauch des Weihnachtsbaumes passt. Der Titel: O Tannenbaum. In der Fassung von Ernst Anschütz sind die Blätter des Tannenbaumes treu. Erst im 20. Jh. setzt sich die Fassung durch, in welcher die Blätter als „grün“ bezeichnet werden.



      Der Wanderweg startet in Goldlauter an der Brücke. Es ist etwas wärmer als gestern, aber nicht warm. Und etwas feuchter geworden. Etwas unangenehmer als gestern. An jeder Station steht eine dreieckige Tafel, auf der ein Lied abgedruckt ist. Dieser Liedtext hat etwas mit einem Fuchs zu tun.





      Hier steht auch eine große Tafel, die auf den Komponisten und Liedersammler hinweist. Das Foto ist aus dem vergangenen Jahr.





      Zunächst geht es die Straße entlang. Es ist wenig Verkehr hier.





      Die Schilder sind eindeutig. Selbst ich schaffe es, mich nicht zu verlaufen.





      Der Beginn ist dann aber nicht besonders spektakulär.





      Und hier ist dann schon das zweite Lied: Ein Männlein steht im Walde. Mit der Lösung bin ich allerdings nicht so ganz einverstanden. Findet es selbst heraus.








      Hier fließt die Lange Lauter.





      Kein optimaler Zeltplatz. Stellplatzsuche wird hier wie in Finnland sein: Auf der Kuppe oder im Tal. Dazwischen sind Felsen und Wald.





      Herbst.





      Ein wenig kommt die Sonne heraus, wärmt aber nicht. Der Rauhreif und das Eis auf den Bäumen, das gestern noch verzauberte, ist verschwunden. Ich glaube mich zu erinnern, dass um die 5 Grad sind, aber es fühlt sich bald recht frisch an, obwohl ich fast das gleiche anhabe, wie am Vortag.





      Dann ist doch noch Weißes zu sehen – dort sind wir gestern entlang gegangen.








      Lied Nummer drei. Es klappert.








      Und eigentlich ist die Ausschilderung eindeutig, es geht nach links, aber ich Daddel bin mal wieder renitent und denke, das kann doch nicht schon links reingehen und so gehe ich weiter.





      Hhm. Was will der denn hier. Schnee pflügen?





      Das hier ist also das Ende des Skihanges, den ich gestern von oben gesehen habe.





      Tja. Reicht wohl nicht ganz mit dem Schnee.








      Ich laufe noch etwas weiter, es ist ein hübsches Tal. Linkerhand ist der Hoffnungskopf.





      Aber an sich will ich ja den Liederwanderweg gehen und so drehe ich wieder um.








      Nun aber die richtige Abzweigung.




















      Und weil ich ein bisschen blöd bin, laufe ich erst am Wegweiser vorbei, denke dann, könnte man mal fotografieren, sehe links von mir das Denkmal und „denke“, wie kommt man da eigentlich hin, vermutlich später, drehe dann um, jemand kommt gerade den Hügel hochgestapft und fragt, ob der Weg gesperrt sei. Nein, ich will nur ein Bild vom Schild machen. Mache ich. Und sehe einfach nicht (obwohl ich es wissen müsste, ich war hier nämlich schon mal), dass es jetzt links runter geht. Dort entlang, wo der Mann herkam. Aber da alles voller Laub ist, kapiere ich es nicht. Auch das kleine Schild unter den großen Schildern mit dem Wegweiser sehe ich nicht. Oder besser: Ich sehe es, aber lese es nicht. Ich habe es übersehen... (nein, nicht geguckt!).





      So laufe ich also erst einmal weiter. Hallo Denkmal, wo ist der Weg? Von oben ist nichts zu sehen.





      Auf dem Weg sind die Spuren von Holzfällarbeiten, daher dachte der Mann, ich käme nicht durch. Ich laufe und denke schon, ich bin wieder irgendwie falsch, da bin ich doch richtig. Wow. Was für ein schöner Platz.





      Alle Jahre wieder.





      Die Sonne hat sich verzogen.





      Und vorne ist der Weg bereits zu Ende. Schade, ich bin gerade so schön drin.




      Leider kann ich nicht richtig abschätzen, wie weit ich noch laufen könnte, damit ich nicht in die Dunkelheit kommen würde, meine Karte ist wenig hilfreich. Und mein Navi nervt bei der Planung, meine Topokarte ist verschwunden (auf der Speicherkarte ist sie drauf). Vermutlich würde ich Mordfleck wieder umdrehen müssen. Das reizt mich nicht. Nun, jetzt geht es erst einmal steil bergab.








      Gutes Schuhwerk ist zu empfehlen, es sind dicke Steine im Boden verborgen, an denen man hängenbleiben kann. Meine Schuhe laufen sich heute aber besser. Die gefrorenen Steine gestern drückten auf die Sohle. Heute laufen sie sich wie gewohnt.














      Ein Privatgrundstück, von Schildern verziehrt: Hunde an die Leine, Betreten verboten, unser Garten ist kein Hundklo, Privat. Hier hat man wohl mit Spaziergängern, insbesondere Hundebesitzern, schlechte Erfahrungen gemacht.





      Goldlauter





      Und dann bin ich schon fast an einer gepflasterten Straße und Mist, bin immer noch nicht am Denkmal gewesen. Und weil ich mich auskenne, laufe ich nun einen Nebenweg am Friedhof hoch. Hier die Pfarrkirche, wo Ernst Anschütz aufwuchs.





      Am Denkmal angekommen, sehe ich Kränze. Die gab es im letzten Jahr nicht. Totensonntag war gerade, man denkt der Gefallenen der beiden Weltkriege.





      Und hier ist nun ein ganz besonderes Lied ausgestellt, ein Lied, das von Ernst Anschütz nur gesammelt, aber nicht geschrieben wurde: Wenn ich ein Vöglein wär und auch zwei Flügellein hätt...... Ein Liebeslied. Wirklich? Schon im letzten Jahr habe ich hier gestanden und überlegt, ob er vielleicht öfter hier gestanden hat und über das Tal geschaut hat? Ob er gefühlt hat, dass es noch mehr gibt, als die Armut und die Enge des Thüringer Waldes? Ob er wusste, dass er irgendwann gehen muss, bevor er erstickt, so wie ich auf den Hügeln zwischen Auersmacher und Bliesgersweiler stand und von der Weite träumte und dem Aufbruch in die Freiheit träumte? Der Weite, die nicht nur eine Weite der Landschaft ist, sondern auch des Geistes, der Musik und der Phantasie, die einen dahin trägt, wo man seinen Platz findet?
      Ist es nicht ein Zufall, dass mein Lieblingslied in dem Alter, in dem Ernst Anschütz nach Leipzig ging Spread your wings and fly away war? Sind wir uns ähnlich? Musikalisch bin ich auch, studiert habe ich an der Philosophischen Fakultät mit all den brotlosen Konsequenzen, und das enge, von der Arbeiterschicht geprägte Saarland, das ich heute schätze, war Gefängnis, Verwurzelung und Inspiration zugleich.

      Alles Spekulation, natürlich. Aber das Lied und dieser Standort sind wohl mit Bedacht ausgewählt worden, um nachdenklich zu machen. Die Leute hier reden übrigens einen Dialekt, den ich zu meiner Verwunderung perfekt verstehe. Meine Recherchen ergeben, dass es ein mainfränkischer Dialekt ist, der zum ostfränkischen Sprachraum gehört. Er wird Hennebergisch genannt. Es ähnelt aber auch den im Saarland gesprochenen Dialekten, als wäre es eine Mischung aus rhein- und moselfränkisch.





      Schnell laufe ich nun nochmal den offiziellen Weg, man kann ja nicht einfach ein Stück auslassen, oder?, wo kommen wir denn dahin.





      Wirklich schlecht zu erkennen, zwischen den Bäumen, man muss merken, dass plötzlich das Gestrüpp fehlt.





      Noch einmal will ich das Denkmal vom Weg aus fotografieren, doch da steht plötzlich ein Kleintransporter. Elektrizitätswerk. Der war doch eben noch nicht da. Na, dann eben so.








      Und dann beginnt der Abstieg zur Kirche in Goldlauter, wieder auf dem markierten Weg.








      Das Pfarrhaus, in dem Ernst Anschütz geboren wurde.








      Die Kirche wird gerade geschmückt, und ich kann hinein. Im letzten Jahr war es eine Baustelle, das Dach war undicht gewesen und man hatte gravierende Schäden entdeckt. Nicht einfach, diese Denkmäler zu erhalten. Im Winter findet der Gottesdienst im Pfarrhaus statt. Verstehen Sie mich, fragt eine der Frauen in Mundart, welche die Kirche schmückt, und mir die Fotos von der Sanierung zeigt. Ja, sage ich, ich spreche doch Saarländisch, und sie schaut mich verwundert an.








      Und hier ist nun auch die letzte Station des Wanderweges, O Tannenbaum. Ein wenig kurz, der Weg, für meinen Geschmack, aber liebevoll gemacht und im Sommer mit Kindern bestimmt ein tolles Erlebnis. Oder bei Schnee. Wobei ich Glück hatte mit dem Wetter, die Sonne ist zwar verschwunden, aber ist trocken geblieben.





      Der Bus ist gerade gefahren, und so warte ich eine halbe Stunde auf den nächsten Bus. Zeit zum Nachdenken. Der Wetterbericht sagt Schauderhaftes voraus. Ab Morgen soll es wärmer werden, nächste Woche Montag in Saalfeld – das wäre meine Richtung - sogar bis zu 11 Grad. Nicht schlecht, nur leider soll es durchgängig regnen, zweitweise auch Schneegriesel geben und sehr, sehr viel Wind. Abreisen am Samstag? Nach Hause fahren? Ich muss nachdenken. Routinemäßig bediene ich mein Handy. Keine Hotels ins Suhl. Ilmenau? Das Hotel, in das ich im letzten Jahr geflüchtet war, hat noch Zimmer frei. Wie weit ist eigentlich Ilmenau? Der Bus 300 fährt nach Ilmenau, einen Moment schmunzele ich, der Busfahrer wollte mir doch tatsächlich eine Fahrradkarte für den Roller aufs Auge drücken, das ist ein Roller! Ich hab ihn dann eingepackt und siehe da, es ging. Aber wie weit wäre Ilmenau zu Fuß? Knapp 17 km. Das wäre eine Idee. Mal sehen, was der morgigen Tag bringt.

      Als der Bus kommt, bin ich durch und durch kalt gefroren. Was für eine gute Gelegenheit, kurz zum Suhler Weihnachtsmarkt zu gehen, der vor zwei Tagen geöffnet hat. Wurst, steht an einer Bude, und ich weiß, dass Wurst alles sein kann, Thüringer Wurst dagegen ist geschützt und von hoher Qualität. So frage ich lieber nach: Sind das Thüringer? Wir sind in Thüringen! Gut, sage ich, dann will ich eine. Er grinst. Sie schmeckt köstlich.

      Und ziemlich zentral dann eine Bank:





      Und richtig: Das ist das Anschützbänkle. In Handarbeit errichtet von den Kameraden der Feuerwehr Suhl, 2018 wurde es neu gefertigt. An den Fenstern des Rathauses hängen Vorhänge mit vierundzwanzig Zahlen. Nun, Samstag wird sich der erste Vorhang heben. Da bin ich nicht mehr da.


      7,4 km (2,5 Stunden)
      Zuletzt geändert von Torres; 28.12.2018, 16:09.
      Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet. (Franck 1652 / Bach 1724, Leipzig)

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      • danobaja
        Alter Hase
        • 27.02.2016
        • 3203

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

        torres, wenn ich mal schlechtes wetter brauch, dann komm ich zu dir!

        danke für den bericht!

        freu mich schon auf 2019!
        danobaja
        __________________
        resist much, obey little!

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        • blauloke

          Lebt im Forum
          • 22.08.2008
          • 7552

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

          Hallo Torres, mal wieder die übliche gute Qualität deiner Fotos. Du erkennst immer Details als Motiv die ich nicht sehe, ich sehe bloß immer nur die weite Landschaft.
          Dann bin ich mal gespannt wo du meinen Wanderweg kreuzt, wenn du Richtung Leipzig wanderst.
          Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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          • Pfiffie
            Fuchs
            • 10.10.2017
            • 2023

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

            Der schöne Thüringer Wald


            Auf den Weihnachtsmarkt hätte ich grad ganz viel Lust, das sieht sehr gemütlich aus!
            "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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            • Torres
              Freak

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              • 16.08.2008
              • 28923

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

              Ja, danobaja, da sagst Du was.

              Danke Blauloke. Habe eben gelesen, Du magst keine nassen Wiesen, Du hättest mich an einem der Tage begleiten sollen . Es wird leider noch dauern, bis ich Deine Spur kreuze, aber ich bleibe dran.

              Pfiffie, der Weihnachtsmarkt ist wirklich nett, auch ohne Schnee, fahr ruhig mal hin.

              Heute abend geht es weiter.
              Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet. (Franck 1652 / Bach 1724, Leipzig)

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              • Torres
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                • 16.08.2008
                • 28923

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                30.11.2018


                Schon beim Aufwachen spüre ich, dass das Wetter gekippt ist. So ist es. Nebel ist aufgezogen, noch ist er halbdurchsichtig, das wird sich gegen Abend ändern. Er wird zu Suppe. Es nieselt ein bisschen, nicht viel, auch nicht lästig, aber es ist eben auch nicht trocken. Ich vertrete mir ein wenig die Beine und zweifele an meinen Tourplänen. Erinnerungen werden wach. Die Nacht an der Elbe, Januar 2009, auf dem Weg mit dem Fahrrad nach Sylt, Temperaturen um den Gefrierpunkt, nachts leichter Frost, der Schlafsack zusammengefallen, das Zelt klitschnass. In den nächsten Nächten landete ich in Hotels. Die Bronchitis, die ich mir bei der Aktion holte, dauerte 3 Wochen, die Schmerzen haben sich eingeprägt. Ochsenweg, Dezember vor ca. 4 Jahren, Temperaturen um den Gefrierpunkt, der Schlafsack zusammengefallen, das Wasser lief an den Zeltwänden entlang. Auf der Wiese Nebel. Die nächsten Nächte landete ich im Hotel. Knapp an der Bronchitis vorbei.

                Wieso also nicht gleich das Hotel einplanen? An der Rezeption habe ich eine Wanderkarte gefunden, sie ist detaillierter als meine Karte, die Kombi ist gut. Okay, Ilmenau wäre kein Problem, das schaffe ich zu Fuß. Ein Bus-Backup gäbe es auch. Da war ich aber schon, und ich wollte mich weiter südlich halten. Ich überlege und rechne. Der nächste Punkt der von mir ausgearbeiteten Route wäre Gehren. Aber das Hotel, was ich im letztes Jahr recherchiert hatte, ist geschlossen. Ich brauche zur Planung mehr Zeit.
                Aber Schmiedefeld hat mehrere Hotels. Wieso eigentlich nicht Schmiedefeld? Das Vessertal soll schön sein. Auch bis dahin könnte ich es am nächsten Tag schaffen, und diese Kilometer schaffe ich auch bei Glatteis oder Schnee. Okay, Schmiedefeld Schwarze Crux, das Bergwerksmuseum könnte interessant sein. Ich rufe den Gasthof an – sorry, Geburtstagsfeier, vielleicht wollen die übernachten. Nächstes Hotel, na, vielleicht doch nicht, aber das hier hat gute Kritiken. Ja, kommen Sie gerne. Gebucht.
                Und dann weiter? Wetterbericht. Lass es. Das musst Du planen, wir haben Winter. Es soll stürmisch werden, die Tage sind kurz. Und regnen, regnen, regnen. Überzeugt. Ich laufe zur Rezeption und verlängere von Sonntag bis Mittwoch. Morgen laufe ich nach Schmiedefeld, Sonntag auf einem anderen Weg zurück. Probetour. Wenn das gut klappt, geht es nächstes Jahr weiter. Der Rollwagen. Brauche ich wirklich das Zelt? Nein. Ja, ihr Gepäck können Sie morgen bei uns abgeben. Perfekt. Dann nehme ich nur einen Schlafsack mit, Wegzehrung und Klamotten. Fast UL, wenn die Kamera und der robuste Rucksack nicht wären.

                Euphorie macht sich breit. Mal schauen, wie weit ich komme. Zur Not kann ich den Bus 300 nehmen. Aber das wird bestimmt nicht nötig sein.
                Zuletzt geändert von Torres; 16.12.2018, 22:38.
                Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet. (Franck 1652 / Bach 1724, Leipzig)

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                • Torres
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                  • 16.08.2008
                  • 28923

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                  01.12.2018 Stutenhaus-Vesser-Schmiedefeld

                  Der Wetterbericht hält, was er verspricht. Nebelsuppe. Temperaturen um den Gefrierpunkt. Egal. Schon gestern waren im Hotel busseweise Rentnergruppen eingetroffen und ein Skatturnier findet auch statt. Bloß weg hier.





                  Den Weg finde ich schnell.





                  Einfach geradeaus.





                  Es ist ein grober Schotterweg. Rechts ist Hang. Links ist Nebel.





                  Die Baumstämme sind von feinem Eis überzogen. Und dort, wo Holzarbeiten waren, ist es glatt. Ich fluche auf die Autos. Die haben bestimmt den Schnee so platt gefahren, dass er vereist ist. Später werde ich meine Theorie verfeinern. In den Spurrillen der Autos wird sich das Wasser sammeln, und dieses vereist. Glaubwürdiger.














                  Frisches Blut?





                  Stellenweise ist es richtig glatt, doch ich finde immer einen Durchgang. Die Spikes sind übrigens im Rucksack.








                  Ein Waldarbeiter?








                  Ein Flussbett?





                  Frühling.








                  Ich bin kurz vor Wegscheide. Ein paar Meter weiter wird der Weg zur Vesserquelle beginnen.








                  Der Parkplatz Wegscheide. Der Busfahrer lässt den Motor laufen und der Bus nervt. Um das Foto zu machen, muss ich nach links wandern. Es ist spiegelglatt hier. Hinter dem Bus ist der Weg, den ich gehen wollte. Meine Laune sinkt.




                  Rechts von mir ist auch ein Weg.





                  Der Vessertal Rundwanderweg. Ordentlich mit einem Punkt gekennzeichnet. Als geheime Beamtenseele kann ich da doch meine Angestelltenmentalität voll ausleben und ungefährdet dem Punkt nachtraben. Nun, die Entscheidung fällt eher, weil ich mich auf dem glatten Boden im Angesicht eines Busfahrers nicht die Blöße geben will, beim Anziehen der Spikes auf die Frxxxx zu fallen. Los geht es.


                  Dahinten wollte ich hin.





                  Und der wird es.





                  Schön auf dem Randstreifen bleiben. Mein Ziel ist jetzt der Adlersberg. Klingt doch gut. In einer Runde komme ich dann auch nach Schmiedefeld. Wieso mich jetzt zwei Mountainbiker frustrieren müssen, die mit breiten Schlappen über das Glatteis fahren, erschließt sich mir nicht. Ich verdränge das.
                  Routinemäßig halte ich nach Wildcampstellen Ausschau. Die meisten Stellen sind zu steinig, zugewachsen, verholzt. Aber hier wäre es doch hübsch. Nur: Was soll man da?





                  Ich schiebe mich vorsichtig an einem Holzstapel vorbei, verdammt, das wird ja immer glatter, und nur durch diesen Zufall erspähe ich die Schutzhütte.





                  Mal einen kurzen Moment hinsetzen. Wie schön.





                  Und die Spikes aufziehen. Eigentlich sind es keine Spikes, sondern Hackeneisen. Es sind die letzten zwei Exemplare in meinem Besitz. Ein Exemplar befindet sich irgendwo zwischen Hamburg und Sylt und ein zweites Exemplar im Wald bei Turku. Wer eines der beiden findet, darf es behalten und sollte Lotto spielen.

                  Ich suche den Platz mit dem größten Nährmitteleintrag, das braune Kunstobjekt auf weißem Papier weist mir den Weg. Manche Leute sind unglaublich. Dann nehme ich aus meiner Tasche einen Riegel. Er ist bissfest und schmeckt nach nichts. Kurz: Er ist gefroren.





                  Mit Fußspikes bewaffnet, ist Laufen nun ein Kinderspiel, auch wenn ich mich erst einmal daran gewöhnen muss, dass der Fußballen wegrutscht, aber nicht der Fuß.





                  Gut, ich befinde mich auf einer Wanderautobahn und habe keine Ahnung, wie ich das ändern soll. So viele Wege gibt es hier nicht. Dafür ist der Ausblick grandios.





                  Noch besser, oder?





                  Da will ich heute Abend hin. Weitgereist, wie ich bin, ist dieser Ausblick der Lohn aller Mühen. Ich bin zufrieden.

                  Etwas später erreiche ich den Potsdamer Platz.








                  Hätte ich mir lebendiger vorgestellt, aber nun gut.


                  In der Ferne erspähe ich noch einen Wanderweg, er würde vermutlich kleiner und feiner sein und geht direkt ins Vessertal. Da mich aber an das Ziel Adlersberg gewöhnt habe, beschließe ich, auf der Höhe zu bleiben. Weiter.











                  Um dann kurz vor dem Ziel zu schwächeln.





                  Mir fällt nämlich plötzlich auf, dass es gleich ein Uhr ist, und ich noch eine nette Runde vor mir habe, um nach Schmiedefeld zu kommen. Was soll ich also auf dem Adlersberg, essen will ich nichts und sehen tut man auch nichts. Ich werde Google an, okay, ich verpasse einen steineren Turm. Nächstes Jahr. Ich kürze also an dieser Stelle ab, in Richtung Stutenhaus. Ein kleiner Weg, der mich weiter vorher angelacht hatte, endet hier, schade, ich hätte ihn nehmen können, ich hatte es überlegt. Dem Schild nach zu urteilen, sind dort Fußgänger mit Hund verboten.





                  An der nächsten Weggabelung erschrecke ich mich zu Tode, als mich plötzlich eine Joggerin überholt. Außer dem Busfahrer im Bus und den beiden Mountainbikern auf dem Rad der erste Mensch heute. Dann bin ich wieder alleine.








                  Und dann bin ich auch schon am Berghotel Stutenhaus. Netterweise steht vor dem Hotel ein mit Werbung bedruckter Wagen, der dem Rätsel Original und Fälschung ganz neues Leben einhaucht.





                  Das Bild ist natürlich die Fälschung. Das Original sieht so aus:





                  Mein Wanderweg knickt nun ab ins Vessertal, das Tal, was meine Entscheidung für Schmiedefeld begünstigt hat, es soll ein besonders schönes Tal sein.








                  Wieso ich nun darauf verzichte, es sehen zu wollen, ist mir selbst nicht ganz klar. Ein Moment der Schwäche, vielleicht. Nun, ich tue es einfach und wende mich auf Asphalt dem Ort Vesser zu. Hinter mir drei Ehepaare, die man schon weit hört, bevor man sie sieht. Immerhin grüßen sie nett. Thüringer.





                  Ich habe die Spikes nun ausgezogen, ich will sie nicht abnutzen. Zwar ist der Asphalt mit einer dünnen Schicht überzogen, aber es geht jetzt bergab, und ich werde sie nicht mehr brauchen.

                  Eine Weggabelung. So ganz kapiere ich nicht, wo ich jetzt lang muss, die Asphaltstraße wollte ich nicht weiterlaufen. Da kommt die Schutzhütte gerade Recht. Erst einmal Pause.









                  Und siehe da, hinter dem Häuschen befindet sich die Ernst-Kaiser-Tannel. Ernst Kaiser war Erdkundeprofessor und Naturschützer aus Hildburghausen, gestorben 1961. Im Jahre 2000 wurde diese Tanne für ihn gepflanzt.





                  Das Schutzhäuschen ist eng und die Bank schmal, als wolle man vermeiden, dass jemand länger bleibt. So fische ich einen weiteren Riegel aus der Tasche und laufe los. Als ich hineinbeiße, breche ich mir fast einen Zahn aus. Ich hatte vergessen, dass er gefroren ist. Immerhin weckt mich das soweit auf, dass mir auffällt, dass ich meinen kostbaren Wanderstab in der Hütte vergessen habe, den ich gestern auf dem Liederwanderweg gefunden hatte. Schnell zurück.

                  Als nächstes streikt meine Kamera. Gut, das Spiel kenne ich schon, der Akku ist zu kalt. Im tiefsten Winter mit meiner Winterjacke kein Problem. Aber meiner Jacke aus gewalkter Wolle kann ich ihn nicht anvertrauen, keine vernünftige Tasche. Also muss ich ihn in die Handschuhe stecken. Immerhin wird es hier mal kurz hübsch.











                  Ich habe Vesser erreicht. Im Vessertal, dem schönsten Tal Mitteldeutschlands. Man beachte das Kleingedruckte. (wer das nicht lesen kann: lt. einer Umfrage des MDR Fernsehens )





                  Ich laufe an einem Gasthaus vorbei, das hatte ich auch in näherer Überlegung gehabt, es wirkt so heimelig, und am liebsten würde ich nach einem Zimmer fragen, Mist, ich habe ja schon was anderes gebucht.








                  Eine Bushaltestelle. Bus K. Nur nicht schwach werden. Ich bin jetzt im Tal, muss also gleich wieder rauf. Etwas fotoscheu, die Ente, gefällt ihr gar nicht, dass ich sie sehe. Alle meine Entchen, da war doch was.





                  Es wird immer nebliger, als ich die steile Straße im Ort hinaufsteige, und an einer Straßengabelung fehlt mir ein guter Plan. Ich habe die Orientierung verloren. Wanderwegschilder führen zu Zielen, die ich auf meiner Karte nicht finde. Der Homerbrunnen. Gerne würde ich ihn ja besuchen, nur weiß ich nicht, wohin mich das führt. Eine kleine Sekunde spüre ich Panik aufsteigen. Mein Navi hilft auch nicht wirklich weiter, Pocket Earth auch nicht. Und der Nebel ist wirklich sehr dicht. Und es ist dunkel geworden. Keine Experimente, bitte.
                  Ich beschließe, der Hauptstraße zu folgen. Eine Bushaltestelle. Bus 300. Soll ich schauen, wann ein Bus fährt? Da kommt jetzt keiner. Kurz vor Ortsausgang biegt ein Auto in den Hof des letzten Haus des Ortes ein, als die Insassen aussteigen, frage ich: Richtung Schmiedefeld? Nicken. Dann los. Schön am Seitenstreifen halten. Ein paar Autos rasen an mir vorbei, laut sind sie. Dann wieder Ruhe. Ich überlege, wie ich am besten in den Graben hechte, wenn es eng wird. Auf der Wiese kann ich nicht laufen, neben der Straße ist ein Wassergraben.





                  Eine langgezogene Kurve beginnt, und ich hoffe, dass die entgegenkommenden Autos langsam genug fahren, um mich trotz des Nebels zu sehen. Aus dem Nichts taucht plötzlich ein Wegweiser auf, und ich bin alle Sorgen los: An der Straße beginnt ein Weg.








                  Wieder geht es zum Homerbrunnen, leider nicht meine Richtung, sorry, Homer.





                  Der Weg wird breiter.





                  Hier ist die Abzweigung zu den Crux-Zechen, wäre ich dem anderen Weg gefolgt, wäre ich hier herausgekommen.








                  Probiere ich morgen.





                  Und dann höre ich doch tatsächlich: Den Bus. Demotivierend, so was. Sehen kann ich ihn nicht.





                  Am Schwimmbad. Nun weiß ich endlich, wo ich bin, das Waldbad ist eingezeichnet.








                  Mein Hotel liegt am anderen Ende und so biege ich auf einen Naturlehrpfad ein.











                  Wasser. Eine kleine Quelle. Ein Wunder bei der Trockenheit.








                  Nun geht es über eine freie Fläche. Ein bisschen unheimlich ist es schon. Als würde man in ein Nichts hineinlaufen. Eine Wand. Wie gut, dass die Wand zurückweicht.





                  Der Ersatzakku schwächelt jetzt auch. Nach jedem Foto muss man ihn wärmen. Macht nichts. Ich laufe noch einen Forstweg, dann geht es über einen Parkplatz die Straße herunter in den Ort.

                  Eine Bushaltestelle. Der Bus hat die Nummer 300. Ein Plakat von Andreas Kieling, Vortrag in Suhl, er tingelt weiter herum. Wieder ist der Nebel dick und fett, ein Mann entfernt Laub, wir sehen uns erst, als wir fast voreinander stehen und grüßen. Dann, nach endlos langer Zeit, ein großes Haus, es brennt Licht. so heimelig und fast ein wenig weihnachtlich. Ich bin am Ziel. Die Rezeption ist fast ein wenig britisch zu nennen, aber keiner da, melden Sie sich im Restaurant. Ich quäle mich Stufen hoch und merke jetzt erst, dass ich völlig durchgekühlt und steif in den Knien bin. Nicht müde, nein, ich könnte weiterlaufen, aber längst ist er Körper nicht mehr so warm, wie ich denke und jeder Halt kühlt ihn weiter aus.





                  Das Restaurant verstrahlt wohlige Wärme, und ich reserviere einen Tisch. Man gibt mir ein Zimmer im gleichen Gebäude, noch einmal Treppen schaffe ich nicht, hatte ich gestöhnt, das stimmt nicht, aber perfekt, das Zimmer ist vorgewärmt. Die Einrichtung ist hübsch, die Bettdecken dick, aus dem Fenster sieht man Nebel. Meine Kleider sind durchgefeuchtet, ich habe es nicht gemerkt, und als ich mich ausziehe, zittere ich am ganzen Körper.
                  Es gibt eine Sauna, anschließend lege ich mich noch kurz hin, aber es dauert, bis ich wieder warm bin. Die Kleidung liegt vor der Heizung. Jetzt im Zelt? Danke. Ich kann das Nebelwasser am Innen- und Außenzelt herunterrinnen sehen, den feuchten Schlafsack riechen, und die nassen Kleider am Fußende spüren, in der Hoffnung, dass sie morgen getrocknet sind. Und das Klappern meiner Zähne hören, während ich die fünf Stunden herumbringe bis zur Schlafenszeit.

                  Das Abendessen ist köstlich, regionale Küche auf höchstem Niveau. Keine Tütensuppe, keine Dauerwurst, kein gequälter Magen, kein Essen aus Instinkt, sondern Wildgulasch mit Klößen und Salat, dazu zur Feier des Tages (und nur, weil er garantiert gut ist), ein Glas Dornfelder, Nahewein. Ich beglückwünsche mich, dass ich so lernfähig bin.





                  Dass ich dann noch ein paar Minuten das Adventsfest der 100.000 Lichter mit Florian Silbereisen, live übertragen aus Suhl, schaue, verrate ich nicht.



                  16,4 km (6 Stunden)
                  Zuletzt geändert von Torres; 10.12.2018, 20:01.
                  Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet. (Franck 1652 / Bach 1724, Leipzig)

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                  • Waldlaeuferin
                    Erfahren
                    • 11.03.2013
                    • 204

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                    Tolle Aussichten!
                    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

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                    • lina
                      Freak

                      Vorstand
                      Liebt das Forum
                      • 12.07.2008
                      • 41318

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                      Ja, perfektes Wanderwetter

                      (Ich mag das wirklich. Muss nicht pausenlos so sein, aber Nebel im Wald finde ich toll :-))

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                      • Torres
                        Freak

                        Liebt das Forum
                        • 16.08.2008
                        • 28923

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                        02.12.1018 Crux-Vesserquelle-Suhl

                        Am nächsten Morgen hat sich das Wetter stark verbessert. Es ist ca. 3 Grad wärmer geworden, der Nebel erscheint heller, die Bäume wiegen sich bedrohlich im Wind, und es regnet. Ich frühstücke erst einmal. Dann mach ich mich auf den Weg. Ein Zubringerweg zum Rennsteig lockt, aber bei dem Wind – angesagt sind Böen bis 50 km/h – ist es nicht klug, sich auf Gipfeln zu tummeln. Mein Plan ist, die nebligen Nebenwege um den Ort herum auszulassen und auf direktem Weg über das Waldschwimmbad zu Schwarzex Crux zu laufen, und das Musterbergwerk zu besichtigen.
                        Wieder mal ein Fakeplakat, niemals sieht Schmiedefeld so aus. (Als ich auf der sonnenbeschienenen Rückreise mit dem Bus vorbeifahre, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie lieblich es dort ist....). Ob das der Blick vom Vessertal-Rundwanderweg aus ist?





                        Ungefähr hier bin ich gestern den Berg hinuntergekommen, und nun sehe ich, dass der Rewe vor mir der Rewe von letzten Mittwoch ist. Hier ist auch das Touristen-Informationszentrum. Genau in dem Moment, als ich mich den Zentrum nähere, kommt der Bus. Bus 300. Mein Schicksalsbus. Er ist leer. Mein Rucksack ist falsch gepackt und drückt. Es ist neblig. Es regnet. Nieselregen. Es ist nass und kühl. Das sind mindestens 6 gute Gründe, um in diesen Bus zu steigen. Er ist nur ein paar Schritte vor mir. Der Busfahrer beobachtet mich. Es kommt mir vor, als hätte er die Hand auf dem Türdrücker. Niemand geht freiwillig bei diesem Wetter wandern. Der Bus ist jetzt neben mir. Es wäre so einfach. 1 Euro 80. Ich gehe weiter. Die Tür. Einfach nur zur Seite drehen und einsteigen. Ich gehe weiter. Der Busfahrer fährt an. Und an mir vorbei. Höhnisch biegt er um die Kurve. Sieh zu, was Du davon hast.
                        Ein kurzer Plausch mit einer Einwohnerin, wo ich hin muss. Hier war mal eine Porzellan-Fabrik.





                        Ein Wilderermuseum gibt es auch. Geschlossen. Das Bild ist für lina, sie weiß wieso.





                        Eine Treppe. Check. Ja, das wäre eine Abkürzung. Ich biege ein und komme an einem Kinderspielplatz heraus. Eine Bank. Ich packe den Rucksack um, so geht das nicht. Natürlich regnet es in den Rucksack hinein, aber das sind Peanuts. Wer weiß, ob ich heute überhaupt einen Shelter finde. Ich gehe kurz falsch, korrigiere dank Navi. In einer ruhigen Seitenstraße schaut mich eine Frau erstaunt an. Ich frage nach dem Weg, ja, da geht es zum Schwimmbad, danke, ach, so schlimm ist das Wetter auch nicht. Ich bin richtig.








                        Kurze Zeit später komme ich an den Naturlehrpfad, in den ich gestern abgebogen bin.





                        Das Schwimmbad.





                        Da vorne geht es hinein.











                        Es ist nicht mehr glatt, und meine Beine fühlen sich weich und durchtrainiert an. Erstaunlich, was ein paar Grad Temperatur und ein weicher Boden ausmachen, gestern fühlte sich die Muskulatur so steif an, dass die Hüfte schmerzte.





                        An einer Weggabelung laufe ich beinahe falsch, mein Navi hilft mir, und ich finde den richtigen Weg.





                        Ein privater Fischteich. Betreten verboten.








                        Ich bin jetzt auf dem Bergbaupfad Crux-Zechen. Der Weg ist hübsch. Kurz darauf bin ich am Bergwerk.

                        Die Geburtstagsgesellschaft verlässt gerade die Pension. Ich hatte mir eine hochfrequentiertes Museum vorgestellt, aber anscheinend bin ich der einzige Kunde, und die Schilder lassen jede Spontanität ersterben. Es ist kalt, neblig und der Gedanke, jetzt erst das Führungspersonal zu suchen und dann in ein Bergwerk zu steigen, erzeugt bei mir eine depressive Stimmung, die ich damit bekämpfe, dass ich einfach umdrehe. Ein anderes Mal. Auch wenn ich den Betreibern und der Location vielleicht Unrecht tue.





                        Über den Parkplatz zurück geht es auf den schmalen Wanderpfad, die Geburtstagsgäste überholen mich.











                        Anschließend geht es steil bergab auf einem idyllischen Pfad. Gestern hätte ich den nicht gehen wollen, bei dem Eis, aber heute geht das sehr gut.





                        Durch die Bäume sieht man schemenartig eine Hütte auf einer Wiese stehen. Ich fotografiere sie nicht. Die Blätter leuchten.





                        Ich bin jetzt auch wieder auf dem Vessertal-Rundwanderweg.





                        Hatte ich erwähnt, dass es regnet? Immer wieder muss ich das Objektiv trockenreiben. Mit der Zeit gehen mir die trockenen Stellen an meinem Shirt aus. Eine Ansammlung von Teichen.





                        Anlage nicht beschädigen und sauber halten. Hunde an die Leine.





                        Ich verlasse jetzt den Crux-Zechen-Weg und folge dem Weg zur Vesserquelle.





                        Nun sehe ich das erste Mal ein Stück des Vessertals.





                        Das Objektiv ist voller Wasserflecken, bei dem Regen kann man es nicht trocken halten.

















                        Wirklich schön hier.





                        Auf die Bank setze ich mich jedoch nicht. Zu kalt und nicht sehr gemütlich bei dem Nieselregen.





                        Etwas später findet sich noch einen Sitzgelegenheit. Hier setze ich mich, aber lange halte ich es nicht aus. Zu nass. Weiter. Es geht nun steil bergan, und ich beglückwünsche mich, dass ich da gestern nicht heruntergerutscht bin. Meine Beine sind jetzt wieder kalt, und ich laufe wieder schlechter.





                        Ich bin jetzt an der Vesserquelle.

                        Vermutlich sieht man da normalerweise etwas, aber ich gehe nicht herunter. Da ist kein Fluss, ich höre nichts, der Fluss ist ausgetrocknet, es war zu warm in diesem Jahr. Außerdem habe ich eine Hütte entdeckt.











                        Ich suche wieder die übliche Stelle, nicht zu übersehen, und stoße mir zur Strafe den Kopf.








                        Mir ist lausig kalt, auch der Akku setzt wieder aus. Ich muss ihn wärmen. Auch der Ersatzakku wird nicht lange durchhalten. Ein, zwei Fotos, dann blinkt er. Der Weg ist hübsch, am Wegrand Schneereste. Gestern wird es hier höllisch glatt gewesen sein.





                        Bald bin ich am Parkplatz Wegscheide. Das Eis ist zusammengeschmolzen, aber noch nicht völlig verschwunden.





                        Und wer fährt vorbei? Richtig. Bus 300. Mein Schicksalsbus.





                        Aber ich habe Zeit. Die nächste Haltestelle kommt bestimmt. Ich laufe gerade aus, quere die Straße und biege wieder in den Schotterweg ein.





                        Das Eis ist verschwunden.





                        Der Nebel nicht.





                        Als ich am Hotel ankomme, bin ich durchfeuchtet. Mein Hut muss wohl mal imprägniert werden, die Regenjacke ist sowieso nicht dicht, eine Regenhose hatte ich nicht an, und geschwitzt habe ich auch. Welch ein Glück, jetzt die Kleidung wechseln zu können. Wer schwitzt, erfriert. Ich fühle mich ausgezehrt. Sommerwetter geht anders.


                        11,5 km (4 Stunden 20 Minuten)
                        Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet. (Franck 1652 / Bach 1724, Leipzig)

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                        • Ditschi
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                          Liebt das Forum
                          • 20.07.2009
                          • 11714

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                          @ Torres, hast Du nicht einmal berichtet, Du hättest auch Höhenangst ? Und stürzt Dich dann immer wieder todesmutig in die Berge ? Respekt. Was treibt Dich dorthin ? Ich habe festgestellt, daß meine Höhenangst mit fortschreitendem Alter schlimmer wird.
                          Ilmenau ? Suhl? Ich erinnere mit an die wegweisenden Straßenschilder dorthin. Daß ich mich in fortgeschrittenem Alter überhaupt erinnere, ist nicht selbstverständlich. In diesem Fall habe ich Glück, daß die Erinnerungen erst einen Monat zurückliegen. Da war ich in Friedrichroda. Also ganz in der Nähe der Stätten Deiner Abenteuer.
                          Wir haben Oma Eva besucht. Sie ist nicht meine Oma, nicht einmal verwandt. Die 2. Frau meines verstorbenen Vaters. Aber ein so lieber Mensch, so daß ich sie zur Verwandtschaft zähle. Sie hat es schwer, kam ins Pflegeheim. Aus Erfurt heraus in ein Dorf in Thürigen. Um ihren Kummer zu mildern, haben wir sie besucht. Tapfer haben wir ihr einen Wusch erfüllt: sie wollte mit uns essen gehen. In ein Restaurant in einem Berghotel in Friedrichroda. Oma Eva ist 90 Jahre alt, herzkrank und geht am Rollator.
                          Diese drei Fakten begrenzten sportliche Ambitionen auf ein Minimum. Also sind wir da mit dem Auto hoch. Mir schwante nichts Gutes.
                          Das Berghotel liegt hoch und hat 13 Stockwerke. Das 14. Stockwerk ist das aufgesetzte Restaurant, zu allem Überfluß noch überhängend gebaut. Von dort hat man einen herrlichen Blick über den Thüringer Wald. Leider nach unten. Ich hatte auch noch das Pech, daß schönes Wetter herrschte. Dein Nebel wäre mir willkommen gewesen. Die anderen wollten am Fenster sitzen. Ich habe endlich protestiert und mich so in die Mitte gesetzt, daß wenigstens ich sitzenbleiben und weiteressen kann, wenn der Überbau wegbricht. Und mir klargemacht, daß ich für den verbleibenden Rest meiner Aktivitäten Erhebungen jeglicher Art zu meiden gedenke.
                          Was also treibt einen Menschen aus Hamburg trotz Höhenangst in eine so garstige Gegend ?
                          Ditschi
                          Zuletzt geändert von Ditschi; 14.12.2018, 18:23. Grund: Man entdeckt immer mal wieder Schreibfehler

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                          • Torres
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                            Liebt das Forum
                            • 16.08.2008
                            • 28923

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                            @ Ditschi, nun, ich habe zwar tatsächlich Höhenangst, allerdings bezieht sich das auf schmale, rutschige, unebene Pfade ohne Sicherung an steilen Schluchten, wie auf Madeira (woran ich mich bekanntlich aber auch gewöhnt habe). Diese Landschaftsform habe ich bisher im Thüringer Wald nicht gefunden. Selbst die steileren Wege bin ich als Kind sogar geritten, das ist keine Hangneigung, die Angst macht. Ich gebe Dir aber Recht, dass Balkone im 14. Stock oder Aussichtstürme, die man über offene Treppen begeht, oder die oben kein Geländer haben, mir zutiefst zuwider sind. Nur bin ich diesen Herausforderungen nicht begegnet und auch ein Skihang macht mir solange keine Angst, wie man mich nicht auf Skier stellt. Auch die Höhenempfindlichkeit kam hier nicht zum Tragen, da die Gipfel in der Toleranzhöhe waren.

                            Ich kann Dir also nur empfehlen, Dich auch mal wandernd in den Thüringer Wald zu begeben. Wandern ist etwas völlig anders als Auto fahren , und allein die regionale Küche ist eine Reise wert.
                            Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet. (Franck 1652 / Bach 1724, Leipzig)

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                            • Ditschi
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                              Liebt das Forum
                              • 20.07.2009
                              • 11714

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                              Na ja, in jüngeren Jahren bin ich im Thüringer Wald mit meinem Vater und besagter Oma Eva bei Besuchen gewandert zur Wartburg oder zu den Drei Gleichen. Auch ein Wanderurlaub mit meiner Frau vor einigen Jahren im Schwarzwald hat mir wenig ausgemacht. Aber ich bin empfindlicher geworden, anstatt mich zu gewöhnen. Deshalb zieht es mich eher an die See, sofern ich die Wahl habe. Und meide vorsorglich alles, was höher ist als der Deich. Wundert mich also etwas, daß es jemanden, der auch Höhenangst hat, in bergige Landschaften zieht.
                              Die regionale Küche habe ich genossen in unserem Hotel: eine umgebaute historische Mühle in dem Dorf Dachwig, preiswert und gut. Gutes Restaurant, gutes Frühstück inclusive , 138,- € für 2 Tage / 2 Personen. Da kommen wohl sonst nicht so viele hin, obwohl das Ambiente es verdient hätte.
                              Ditschi
                              Zuletzt geändert von Ditschi; 14.12.2018, 20:48.

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                              • Torres
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                                Liebt das Forum
                                • 16.08.2008
                                • 28923

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                                03.12.2018 Döllberg


                                Mein Körper ist im Tourenmodus geblieben, und da die geführte Wanderung zum Döllberg mangels Beteiligung nicht zustande kommt, entscheide ich mich, einen Spaziergang zu machen. Start ist der Ringberg.
                                Zunächst irre ich ein wenig herum, weil mein Navi Wege aufzeigt, die in der Realität nicht vorhanden sind. Aber irgendwo geht es auf ehemaligen Wegen runter, Waldarbeiten schränken ein, hätte ich einfacher haben können, aber soll ja eh nur eine kurze Runde werden. Das Wetter ist unverändert, Nebel und Nieselregen. Allerdings ist es warm, vielleicht um die 7 Grad, ich habe es vergessen.





                                Ein hübscher kleiner Weg liegt vor mir, am Baum hängt eine Anweisung für eine Aufwärmübung. Im Sommer ist der eben begangene Weg also ein Weg.





                                Aus Eis wurde nun Wasser.





                                Ein Ehepaar mit zwei Hunden, das im Hotel wohnt, steigt weiter ab ins Tal, kehrt aber gleich um, das ist den Hunden zu nass. Ich steige auf, um festzustellen, dass ich nur ein paar Meter von meinem Start entfernt herauskomme. Das war also nichts. Ich befrage einen jungen Mann, der zum Bus will, er verweist auf den Herbert-Roth-Wanderweg, andere Seite der Straße. Ich laufe hin, aber irgendwie gefällt mir das auch nicht, also wieder zurück, den Abstieg wagen. Nach gefühlt zwanzig Minuten bin ich also wieder am Anfang des schmalen Weges. Zwei junge Männer rätseln noch am Wegweiser, was sie tun sollen. Ein weiterer überholt mich flink. Ich bin da vorsichtiger.





                                Ein breiterer Weg wird sichtbar. Laut Kartensymbol wird dort ein stillgelegtes Bergwerk sein, doch ich verzichte auf den Umweg.





                                Ein Wegweiser zeigt zur Döllberghütte, und das passt doch prima. Ist längst nicht so weit, wie ich dachte, für die Wanderung wurde 6 Stunden angesetzt, sie ist doch nur 2,6 km entfernt. Passt. Leider verstellt sich die Kamera, daher die unnatürlichen Farben.





                                Dem breit ausgebauten Weg folge ich nur kurz, es geht nun in einen wirklich hübschen Weg, der zur Rimbachquelle führt.











                                Und hier ist die Rimbachquelle. Schilder lügen nicht.








                                Ich finde sie nur nicht. Es gibt ein Wasserrohr, ich habe es nicht mitfotografiert, damit die Wiese hübscher aussieht, es wäre rechts vom rechten Bildrand. Aber aus dem Wasserrohr kommt nichts. Ich sehe auch keinen Flusslauf. Ein Rätsel. Also weiter. Der Hochstand gefällt mir.





                                Kurz darauf folgt auch ein Unterstand, aber ich habe den höheren Weg gewählt, und umkehren möchte ich nicht. So schlimm ist der feine Regen nun doch nicht, ich brauche keine Pause.








                                Wegweiser?





                                Ich grübele ein wenig über Ernst Anschütz nach. Ob er wohl mal hier war? Ein Männlein steht im Walde. Sicherlich wird er die Ästhetik des Waldes bemerkt haben. Die Vielfalt des Lebens, das sich in den Pflanzen zeigt. Das Spiel von Licht und Schatten. Das Rauschen der Bäume im Wind. Die Melodien der Vögel. Viele Vögel hört man im Winter allerdings nicht, gesehen habe ich nur Meisen, Rabenvögel und Tauben. Und einen Raubvogel am Skihang in Goldlauter.





                                Ich könnte nun nach Friedberg laufen, ein Stadtteil von Suhl, und dann entweder über den Herbert-Roth-Wanderweg zurückgehen oder mit dem Bus zurückfahren. Allerdings erscheint mir der Weg zu lang, Busfahren möchte ich ja eigentlich vermeiden. Angesichts des immer mal wieder stärker werdenden Regens sollte eine kurze Runde reichen. Und ich wollte ja den Döllberg sehen. Im Nachhinein betrachtet, vielleicht keine begnadete Idee.
                                Ich biege Richtung Döllberg ab.








                                Und dann bin ich auch schon da.





                                Ein Wandersmann. Wieso keine Wandersfrau? Ich denke an die Damen des Wandervereins.





                                Wie man sieht, ist das Wetter großartig.





                                Die Hütte ist geschlossen, das wusste ich bereits von dem Mann, den ich auf dem Ringberg gefragt hatte. Erst einmal fotografieren. Die Bank hat es mir angetan, November hatte das Thema Bank in die Fotochallenge gestellt. Für einen kurzen Moment hört der Regen auf und – was noch faszinierender ist – der Nebel reißt auf und lässt mehr oder weniger von der grandiosen Architektur Suhls sichtbar werden. Ich mache eine ganze Serie, aber das gefällt mir am besten.





                                Eine Karte weist auf die Gipfel der Umgebung hin. Ob man die von hier sieht? Ich kann es kaum glauben. Der Sessellift schweigt. Der Döllberg ist 760,4 m hoch.





                                Nach zehn Minuten wird mir kalt, und ich entscheide mich für den geordneten Rückzug. Meine Karte zeigt mir einen schmalen Weg am Skihang an, aber ich entdecke hier keinen Weg, und einfach so will ich da bei der Nässe nicht herunterlaufen (von unten werden ich den Weg später sehen....). Also laufe ich auf dem Parallelweg zurück. Da solle es auch einen Weg ins Tal geben.








                                Ich muss schon ganz schön genau auf mein Navi schauen, um besagten Weg zu finden, der am Ende zu dem Weg der Karte führen soll. Die Abzweigung ist nicht ausgeschildert und leicht zu übersehen. Viel einfacher wäre es jetzt natürlich, auf dem gleichen Weg, den ich gekommen bin, zurückzulaufen. Aber Einfachheit war noch nie meine Stärke. Ich biege ab.





                                Der Weg ist schön.





                                Wäre der Regenguss nicht, der sich über mich ergießt. Regen ist wichtig, sage ich mir. Aber trotzdem. Hätte ja noch warten können. Ich versuche, das Objektiv zu reinigen.





                                Schön, dass meine Jacke aus gewalkter Wolle den Regen, den die Regenjacke nicht auffängt, abhält. Blöd, dass mir bei jedem Foto etwas Wasser in die Ärmel läuft.





                                Zum Regen kommt auch der Wind. Im tiefen Wald ist der nicht spürbar, aber sobald die Bäume nicht mehr dicht stehen, kann man sich über eine günstige Windrichtung freuen. Andernfalls schippt er einem den Regen ins Gesicht. Immerhin habe ich einen Südwester aus gewachster Baumwolle von Stetson auf, der zwar nicht (mehr) ganz wasserdicht ist, aber dafür sorgt, dass kein Wasser in den Nacken läuft.





                                Rechts oder links? Sag rechts, Du Depp. Natürlich wähle ich links, ich will unbedingt noch einen Teil des Herbert-Roth-Wanderwegs laufen, das war die Wanderung, die ursprünglich angeboten wurde, als wir auf den Schneekopf gingen. Gleich müsste ich auch wieder wissen, wo ich bin. Die Entscheidung wird mit einem ordentlichen Regenguss begrüßt.





                                Durch die Bäume sehe ich das Ringberghaus oder Ringberghotel. Als ich es im letzten Jahr das erste Mal sah, dachte ich, es sei eine Burg. Nun, so kann man es auch nennen, nur dass das Gebäude nicht von einem mittelalterlichen Ritter errichtet wurde, sondern von Entscheidungsträgern in der DDR, die den Felsen abtrugen, um dort auf 746 Meter Höhe ein Erholungshotel für die Bauern aus dem ländlichen Raum zu errichten. Ein unglaublicher Eingriff in die Natur, der in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts für großen Unmut in der Bevölkerung sorgte und heute nicht mehr möglich wäre. Nach der Wende wurde das Hotel verkauft und 1997 von einem Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen übernommen, der es mit 290 Zimmern und 160.000 Übernachtungen im Jahr zu einem der größten Hotels der Region machte. 50 Prozent der Übernachtungen Suhls entfallen auf dieses Hotel, auch als Tagungshotel ist es sehr beliebt. Der Widerstand der Bevölkerung gegen den Bau wurde daher längst aufgegeben, denn auch als Arbeitgeber ist das Hotel wichtig.
                                Ich fotografiere übrigens nicht im Schwarz-Weiß-Modus. Es sieht in dem Moment wirklich so aus.











                                Das Glatteis ist definitiv verschwunden, stattdessen wird der Weg geringfügig feucht. Wieder einmal weiche in an die Ränder aus und finde meine Theorie bestätigt, dass sich das Wasser in den Fahrspuren sammelt, und es daher dort auch am spätesten taut.





                                Wieder einmal steigern sich die Wassermassen, die vom Himmel fallen, und ich weiche dem dicken, rutschigen Schlamm auf dem Weg an einen Holzstapel aus. Schlagartig werden Erinnerungen an das Sauerland in Januarmonaten wach, wo ich in meiner vor-ods-Zeit durch meterhohen Schlamm stapfte oder mein Fahrrad schob. Seufz, waren das noch Zeiten. Aber nichts gegen meine Schuhe, sie sind von außen nass, aber meine Füße sind trocken.





                                Als ich mich dem Ende des Holzstapels nähere, schlägt der Wind erbarmungslos zu. Boah, ist der kalt. Fast wirft der Wind mich um, und ich muss etwas warten.





                                Links der Döllberg.





                                Ein paar Meter weiter sehe ich den Weg, den ich hätte herunterkommen können, ich bin jetzt am Skihang, den ich von oben heruntergeschaut habe.








                                Andere Seite.





                                Wieder steigt ein Hubschrauber vom Krankenhaus auf. Ich hatte ihn heute morgen schon gehört und mich gewundert, wie er im Nebel fliegt. Hubschrauber fliegen normalerweise auf Sicht. Möglicherweise war – wie auch jetzt – der Nebel nur in den höheren Lagen so dicht. Auch die Sirenen der Rettungswagen höre ich schon seit heute morgen. Ich vermute, einigen Bewohnern der Stadt laufen gerade die Keller voll.

                                Der Zustand der Wege wird jetzt immer besser.





                                War ich am Morgen flott vorangekommen, muss ich jetzt jeden Schritt vorsichtig setzen, um nicht auszurutschen oder im Sumpf zu verschwinden. Nervig.








                                Irgendwann langt es mir. Das dauert ja ewig. Man muss hochkonzentriert sein, um nicht in den Matsch zu fallen. Ich entscheide mich, einen anderen Weg zu nehmen und ins Tal abzusteigen, ich weiß jetzt sowieso nicht mehr genau, wo ich bin, die Wege sind auf der Karte nur zu erahnen, auch die Hülle der Karte ist ja klitschnass.





                                Mein Navi zeigt mir, dass der gesuchte Wanderweg noch weiter unten ist, und weil ich keine Lust habe, jetzt ewig irgendwelchen Wege zu folgen, die dann sumpfig werden, nehme ich eine Abkürzung und steige auf einem Trampelpfad jetzt doch über den Skihang ab. Der Weg ist schmal, nass, schlammig und glitschig, und ich fluche lautlos vor mich hin. Ein paar Mal rutsche ich, aber an sich geht das ganz gut. Nur Fotos machen kann ich nicht, die Gefahr, zu fallen, ist zu groß.





                                Unten erwartet mich ein Wanderweg in gutem Zustand und frohen Mutes mit federndem Schritt schreite ich voran.





                                Erst als ich links von mir im Tal Häuser sehe, fange ich an zu überlegen, wo die Häuser eigentlich herkommen. Hektisches Suchen in Navi und auf Karte, das mich ratlos zurücklässt. Irgendwann begreife ich, dass dort eine Schlucht ist, die nicht zu überwinden ist. Hier fließt der Rimbach. Anscheinend laufe ich gerade wieder zum Döllberg zurück. Na toll. Der Herbert-Roth-Wanderweg ist noch weiter unten.

                                Ich wende und laufe das eben begangene Stück wieder zurück, was mich insgesamt eine Viertelstunde kostet. Und steige über den letzten Teil des Skihangs ab ins Tal.





                                Am Ende des Tales entdecke ich einen Schleichweg zu einem Parkplatz, nicht ungefährlich bei dem Wetter, aber das ist mir jetzt egal. Ich habe gerade festen Boden unter den Füßen, als ich einen Bus höre. Er kommt aus einer Seitenstraße, biegt in Gegenrichtung ab und trägt die Nummer? Richtig. 300. Ich habe den Tierpark erreicht.

                                Und schon sind die Schilder wieder da.





                                Ich bin jetzt also auf dem Herbert-Roth-Wanderweg.





                                Der Rimbach. Entweder die Quelle liegt unterirdisch, oder der Regen hat ihn aktiviert.





                                Steil geht es am Tierpark auf Asphalt bergan, aber dann wird es wieder hübsch.





                                Inklusive Hindernisparcour, dem ich querfeldein ausweiche.





                                Wieder einmal muss ich einen Akku wechseln, das kann nicht sein, der hält sonst länger, aber es ist viel zu feucht und auch wieder kälter geworden. Leider habe ich das abgedichtete Objektiv nicht mit, das rächt sich, die Kamera lässt sich nicht starten, dann zeigt die Elektronik irgendwelchen Quatsch an. Immerhin berappelt sie sich zwischendrin wieder. Ich gieße mal wieder meine Fototasche aus, in der das Wasser gut einen Zentimeter hoch steht, im letzten Moment sehe ich, dass es auch einen USB Stick herausgeschwemmt hat. Ich bücke mich und hebe ihn auf. Der Akku von vorhin ist in einer Seitentasche auch abgesoffen, die Tüte war undicht, und er schwimmt in der Tüte im Wasser. Ich stopfe ihn in die Hostentasche. Ich kann von Glück reden, dass das hier kein Salzwasser ist, sonst wäre es das jetzt gewesen.

                                Der Pfad mündet in einen Parklatz, und ich habe Mühe, die Wegrichtung zu erkennen. Ein kleines Zeichen hilft, und ich folge einem schmalen Pfad, der an einer Wiese endet. Und jetzt? Da rechts, das könnte auch ein Weg sein. Andererseits bedeutet das Fehlen eines Zeichens, dass es geradeaus geht. Hhm. Wohin jetzt? Ich kombiniere scharf. Wenn der Weg als Wandertour jede Woche angeboten wird, dann wird der viel begangen. Ein Kronkorken leuchtet. Ich entscheide, dem Müll zu folgen und die Entscheidung ist richtig.




                                Kurz folgt der Weg bald der Straße, die auch überquert werden muss. Nicht ganz ungefährlich. Auf breiten Wegen geht es nun am Ringberg entlang, es ist immer noch der Herbert-Roth-Wanderweg. An einer Gabelung kann ich wieder meine Karte nicht lesen und anstatt einen kleinen Pfad zu nehmen, der sich anbieten würde, bleibe ich auf dem Hauptweg. Es gießt in Strömen, und ich wünsche mir den gefrorenen Boden von Samstag wieder. Die Schottersteine knirschen und lassen sich nicht gut laufen.




                                Mein Navi hatte mir einen Seitenweg gezeigt, den ich nehmen wollte, er ist zugewachsen und durch umgestürzte Bäume gesperrt. Also weiter. Der Regen legt zu. Zwei Rehe hüpfen durch den Wald, ein Foto gelingt mir nicht. Ich latsche und latsche und latsche. Bin ich hier richtig? So lang kann der Weg doch gar nicht sein. Laufe ich wieder falsch? Ich greife nach dem Navi, das mit Wassertropfen so bedeckt ist, dass ich nicht richtig was sehe und beuge mich nach vorne, um besser gucken zu können.
                                Genau diesen Moment sucht sich der Wettergott aus, um einen Platzregen zu starten, der sich gewaschen hat. Und weil ich bergauf stehe, prasselt der Regen auf meinen Rücken, läuft an der Jacke herunter und an den Hacken genau in meine bis dahin trockenen Schuhe. Als ich das Wasser an den Socken bemerke, ist es schon zu spät. Ich bin sprachlos. So ein Schxxx. Warum immer ich? Was will mir das höhere Wesen damit sagen? Ich hatte noch zu Hause überlegt, die Gamaschen mitzunehmen, aber dann erst wieder daran gedacht, als bereits ich in der U-Bahn saß.

                                Quak, quak, quak, macht das Wasser in meinen Schuhen. Man könnte es natürlich auskippen, aber wo? Und was, wenn es dann noch mehr wird? Wie gut, dass es nicht mehr weit ist. Als ich auf dem Ringberg einem heißen Getränk zuwanke, bin ich bis auf die Haut nass. Wenn ich nicht schon ein Zimmer hätte, würde ich sofort eines buchen.





                                12,8 km (5 Stunden 10 Minuten)
                                Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet. (Franck 1652 / Bach 1724, Leipzig)

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                                • blauloke

                                  Lebt im Forum
                                  • 22.08.2008
                                  • 7552

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                                  Zitat von Torres Beitrag anzeigen
                                  Warum immer ich? Was will mir das höhere Wesen damit sagen?
                                  Ganz einfach, das höhere Wesen sagt dir damit, dass du bei so einem Sauwetter drinnen bleiben sollst.
                                  Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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                                  • rockhopper
                                    Fuchs
                                    • 22.04.2009
                                    • 1170

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                                    Die Bilder wecken Kindheitserinnerungen in mir, als ich vor langer Zeit alleine bei ähnlichem Wetter wie auf Deiner Tour, durch die Natur gestromert bin. Ganz schöne und stimmungsvolle Fotos, ich bin bin begeistert!
                                    Durch deine Impressionen bekomme ich noch mehr Lust, mit dem Rad in den Thüringer Wald zu radeln.

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                                    • Torres
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                                      Liebt das Forum
                                      • 16.08.2008
                                      • 28923

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                                      Zitat von blauloke Beitrag anzeigen
                                      Ganz einfach, das höhere Wesen sagt dir damit, dass du bei so einem Sauwetter drinnen bleiben sollst.
                                      Hhm. Was soll ich jetzt dazu sagen....


                                      @rockhopper
                                      Mach das unbedingt, es ist wirklich schön. Wobei der Winter natürlich den Vorteil hat, dass man einfach mehr sieht. Bei einigen Wegen dürfte im Sommer Dschungelcharakter herrschen. Manchmal habe ich mir vorgestellt, es wäre alles grün. Das wird ein ganz anderes Gefühl sein. So zum Beispiel auf dem kleinen Weg am Rennsteig. Aber mit dem Fahrrad fährt man ja eher die größeren Wege, da stelle ich mir die Gegend schön schattig und kühl vor.
                                      Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet. (Franck 1652 / Bach 1724, Leipzig)

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                                      • Torres
                                        Freak

                                        Liebt das Forum
                                        • 16.08.2008
                                        • 28923

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [DE] O Tannenbaum - Zwischen Goldlauter und Leipzig

                                        04.12.2018

                                        Am nächsten Morgen ist der Großteil der Kleider, die gestern nicht nur nass waren, sondern auch müffelten und durchgewaschen werden mussten, dank der Heizung wieder trocken und tragbar. Nur die Schuhe nicht. Der Gedanke, was schnell nass wird, wird auch schnell wieder trocken, war falsch. Zwei Zeitungen müssen dran glauben, um das Wasser zu binden und erst am Abreisetag sind sie wieder nutzbar. Wie weise, dass ich die Paddelsandalen dabei habe. Leider bieten sie im Gelände den Knöcheln keinen Halt, eine Wanderung im Wald ist daher nicht sinnvoll. Da es wieder kalt geworden ist, bin ich darüber nicht ganz so traurig.
                                        Auch die Kamera hat sich wieder berappelt. War gestern Wasser aus dem Wechselobjektiv herausgelaufen und wirkten die Bilder trüb, so ist heute wieder alles in Ordnung, und auch die Elektronik spinnt nicht mehr. Ich atme auf.

                                        Es wundert nicht, dass zum Abschied das Wetter natürlich traumhaft ist. Der Nebel ist verschwunden. Die Sonne lacht. Schaut man sich die Fotos des Tages an, vergißt man den Schneeregen, der etwas später durchzieht, sofort. Immerhin habe ich Gesellschaft: Ich erfreue mich am Besuch eines Odslers aus der Region, der in Suhl zu tun hat. Schön, dass Du vorbeigekommen bist.

                                        Die folgenden Bilder sind vom Ringberghotel aus gemacht.


                                        Goldlauter.





                                        Kirche und Pfarrhaus von Goldlauter. Die Sonne reicht nicht überall bis ins Tal. Im Winter wird es dort kalt und feucht gewesen sein, der Weg zu Fuß beschwerlich.








                                        Die Wetterstation Schmücke.





                                        Noch einmal Goldlauter.





                                        Heidersbach.





                                        Eine Meise turnt im Baum.





                                        Der Kontrast gefällt mir außerordentlich gut.





                                        Suhl.





                                        Der Bismarckturm, Suhl. 1895 gebaut.





                                        Der Hubschrauber von gestern.





                                        Ottilienkapelle auf dem Ottilienstein des Suhler Dombergs.





                                        Das Denkmal am Liederwanderweg. Es befindet sich oberhalb des Zauns.





                                        Im letzten Jahr sah es hier übrigens so aus, ein Bekannter hatte mich hingefahren, damit ich Fotos machen kann.














                                        Abends laufe ich dann doch kurz mit den Paddelschuhen draußen herum. Es ist glatt geworden, die Luftfeuchtigkeit friert, und ich muss sehr vorsichtig laufen. Aber der Himmel. Er ist sternenklar. Und seit langer Zeit sehe ich – trotz störender Lichter – wieder die Milchstraße. Wie schön muss das jetzt abseits der Siedlungen sein. Eine Sehnsucht ergreift mich. Schuhe wären gut. Ich werde wiederkommen.
                                        Zuletzt geändert von Torres; 15.12.2018, 21:50.
                                        Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet. (Franck 1652 / Bach 1724, Leipzig)

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