Falls jemand anderes auch mal das Problem hat, ein Auge "outdoorfähig" schützen zu müssen, will ich hier meine Lösung bereitstellen - die Behinderung muss ja wenigstens zu irgendetwas nütze sein!
(Ich muss wegen einer Fazialisparese ein Auge abdecken - die Variante kann aber vielleicht auch in anderen Fällen helfen.) Augenarzt, Optiker und Sanitätshaus hatten leider nichts passendes, deshalb kam es zu diesem kleinen MYOG-Projekt.
Zuerst hatte ich eine Abdeckung aus Silikon ausprobiert und hab dafür aus einer Muffin-Form aus Silikon ein Teil an mein Gesicht passend ausgeschnitten. An einer Brille befestigt ist das Auge dann auch ganz gut abgedeckt. Wie ich aber feststellen musste, ist diese Lösung nicht wintertauglich. Das Silikon isoliert kaum, die Luft unter der Abdeckung wird auch kalt und feucht und es fühlt sich an, als wäre das Auge ungeschützt. Diese Lösung hilft vielleicht gegen seitliche Zugluft aber auch nicht mehr.

Tagsüber einen sogenannten Uhrglasverband zu nutzen scheidet meiner Erfahrung nach auch aus. Die durch die kondensierende Feuchtigkeit verschwommene Sicht verwirrt mehr, als sie hilft. Außerdem kommt man durch das Pflaster nicht ans Auge, z. B. für die Augentropfen. Bei Kälte kommt dazu der gleiche Effekt wie beim beschriebenen Silikon-Schutz.
Eine Augenklappe zusammen mit irgendwelchem Verbandsmull erwies sich als wenig robust - verrutscht oder fällt beim Zurechtrücken auch mal runter. Nicht outdoorfähig. Außerdem ist dauerhafter Druck auf das Auge durch den Mull unangenehm und führte bei mir nach einiger Zeit zu Kopfschmerzen. Keine Ahnung, ob der Druck nicht auf Dauer sogar die Sehstärke beeinflussen würde.
Schlussendlich hab ich ein Polster gebastelt, das ich mit einer "normalen" Augenklappe kombiniere. Ich beschreibe es absichtlich so detailliert, dass es auch jemand nachbauen kann, der sonst überhaupt nicht näht oder bastelt.
Der Stoff sollte leicht elastisch sein, ich hab Baumwoll-Jersey verwendet (zur Not geht auch ein altes T-Shirt). So funktioniert es:
Das Material doppelt legen und die Augenklappe darauf. Den Umriss der Augenklappe abzeichnen, das geht mit Schneiderkreide, aber auch mit normaler Kreide, einem hellen Buntstift oder einem Lippenstift o.ä.
Direkt an der Linie die beiden Stoffteile zusammennähen. Wenn man keine Nähmaschine hat oder bedienen kann - bei der kurzen Naht geht das auch mal per Hand. Die Naht ist später unsichtbar und muss keinen Schönheitspreis gewinnen. Oben ca. 2 cm offen lassen.

Ca. 5 mm neben der Naht ausschneiden. Jersey franst nicht aus und muss nicht unbedingt gesäumt werden. Die "Hülle" umkrempeln, also innen nach außen.
In zwei Wattepads jeweils mittig ein Loch schneiden, das ist die Stelle, die später auf dem Auge aufliegt. Dabei an leckere Apfelküchle denken.

Die Wattepads mit kleinen Fingern oder einer Pinzette in die Hülle einfädeln und glatt ziehen.

Zum Schluss die Hülle oben mit 4-5 Stichen zunähen und dabei gleichzeitig an der Augenklappe befestigen.

Fertig.

Bestimmt kann man statt der Wattepads auch Schaumstoff verwenden. Aber die Wattepads lassen sich auch etwas "plastisch" verformen, so dass das Polster richtig gut und winddicht anliegt. Auch aus hygienischen Gründen finde ich die Watte besser . Ich hab zwei von den Hüllen genäht. Über den Tag wird das Polster durch Schweiß und "künstliche Tränen" etwas feucht und deshalb wechsle ich die Wattepads täglich aus. Die Hülle wird ab und zu per Hand gewaschen, das funktioniert nun schon ein paar Wochen so.
Hinweis zur Tourplanung: wenn man normalerweise gut räumlich sehen kann, ist das "Fehlen" eines Auges eine erhebliche Einschränkung. Nicht nur, dass man Hindernisse schneller übersieht, man kann auch die Höhe/Tiefe von Stufen schlechter einschätzen, besonders schwierig wird es in Schnee oder Eis durch die geringen Kontraste und falls schon Spuren vorhanden sind. Plane also besser kürzere Strecken bzw. eine geringere Geschwindigkeit ein, falls Du nicht gerade auf breiten, ebenen Wegen unterwegs bist. (Wir waren im Winter im Zittauer, im Elbsandstein- und Erzgebirge unterwegs und ich hab diesmal auf eine Mehrtagestour verzichtet und bin lieber nur Tagestouren gegangen.)
Kleiner netter Nebeneffekt: egal wie man gekleidet ist und auch außerhalb der Faschingszeit wird man immer wieder mal von Kindern das Wort "Pirat" hören, entweder direkt, wenn man "entdeckt" wird oder erst hinter dem Rücken, wenn der Zwerg es nach der Begegnung aufgeregt seinen Eltern mitteilen will. Da konnte man bei fast jedem Kind drauf warten. War lustig.

Abschließend noch ein Tipp: die "künstlichen Tränen" sind normalerweise nicht verordnungsfähig, d. h. man darf die Tropfen selbst bezahlen, was bei 15 € pro 10 ml mit der Zeit auch ins Geld geht. Es gibt aber eine Ausnahme, die jedenfalls meine Ärztin nicht kannte: nach der Anlage zur Arzneimittel-Richtlinie ist HYLO®-GEL als Medizinprodukt bei verschiedenen Diagnosen doch verordnungsfähig: klickhier und funktioniert bei mir sehr gut. Glück im Unglück.
Alles Gute für denjenigen, der diesen Post gefunden hat, weil er gerade ein ähnliches Problem hat!
Viele Grüße
Ralf

Zuerst hatte ich eine Abdeckung aus Silikon ausprobiert und hab dafür aus einer Muffin-Form aus Silikon ein Teil an mein Gesicht passend ausgeschnitten. An einer Brille befestigt ist das Auge dann auch ganz gut abgedeckt. Wie ich aber feststellen musste, ist diese Lösung nicht wintertauglich. Das Silikon isoliert kaum, die Luft unter der Abdeckung wird auch kalt und feucht und es fühlt sich an, als wäre das Auge ungeschützt. Diese Lösung hilft vielleicht gegen seitliche Zugluft aber auch nicht mehr.

Tagsüber einen sogenannten Uhrglasverband zu nutzen scheidet meiner Erfahrung nach auch aus. Die durch die kondensierende Feuchtigkeit verschwommene Sicht verwirrt mehr, als sie hilft. Außerdem kommt man durch das Pflaster nicht ans Auge, z. B. für die Augentropfen. Bei Kälte kommt dazu der gleiche Effekt wie beim beschriebenen Silikon-Schutz.
Eine Augenklappe zusammen mit irgendwelchem Verbandsmull erwies sich als wenig robust - verrutscht oder fällt beim Zurechtrücken auch mal runter. Nicht outdoorfähig. Außerdem ist dauerhafter Druck auf das Auge durch den Mull unangenehm und führte bei mir nach einiger Zeit zu Kopfschmerzen. Keine Ahnung, ob der Druck nicht auf Dauer sogar die Sehstärke beeinflussen würde.
Schlussendlich hab ich ein Polster gebastelt, das ich mit einer "normalen" Augenklappe kombiniere. Ich beschreibe es absichtlich so detailliert, dass es auch jemand nachbauen kann, der sonst überhaupt nicht näht oder bastelt.
Der Stoff sollte leicht elastisch sein, ich hab Baumwoll-Jersey verwendet (zur Not geht auch ein altes T-Shirt). So funktioniert es:
Das Material doppelt legen und die Augenklappe darauf. Den Umriss der Augenklappe abzeichnen, das geht mit Schneiderkreide, aber auch mit normaler Kreide, einem hellen Buntstift oder einem Lippenstift o.ä.
Direkt an der Linie die beiden Stoffteile zusammennähen. Wenn man keine Nähmaschine hat oder bedienen kann - bei der kurzen Naht geht das auch mal per Hand. Die Naht ist später unsichtbar und muss keinen Schönheitspreis gewinnen. Oben ca. 2 cm offen lassen.

Ca. 5 mm neben der Naht ausschneiden. Jersey franst nicht aus und muss nicht unbedingt gesäumt werden. Die "Hülle" umkrempeln, also innen nach außen.
In zwei Wattepads jeweils mittig ein Loch schneiden, das ist die Stelle, die später auf dem Auge aufliegt. Dabei an leckere Apfelküchle denken.


Die Wattepads mit kleinen Fingern oder einer Pinzette in die Hülle einfädeln und glatt ziehen.

Zum Schluss die Hülle oben mit 4-5 Stichen zunähen und dabei gleichzeitig an der Augenklappe befestigen.

Fertig.

Bestimmt kann man statt der Wattepads auch Schaumstoff verwenden. Aber die Wattepads lassen sich auch etwas "plastisch" verformen, so dass das Polster richtig gut und winddicht anliegt. Auch aus hygienischen Gründen finde ich die Watte besser . Ich hab zwei von den Hüllen genäht. Über den Tag wird das Polster durch Schweiß und "künstliche Tränen" etwas feucht und deshalb wechsle ich die Wattepads täglich aus. Die Hülle wird ab und zu per Hand gewaschen, das funktioniert nun schon ein paar Wochen so.
Hinweis zur Tourplanung: wenn man normalerweise gut räumlich sehen kann, ist das "Fehlen" eines Auges eine erhebliche Einschränkung. Nicht nur, dass man Hindernisse schneller übersieht, man kann auch die Höhe/Tiefe von Stufen schlechter einschätzen, besonders schwierig wird es in Schnee oder Eis durch die geringen Kontraste und falls schon Spuren vorhanden sind. Plane also besser kürzere Strecken bzw. eine geringere Geschwindigkeit ein, falls Du nicht gerade auf breiten, ebenen Wegen unterwegs bist. (Wir waren im Winter im Zittauer, im Elbsandstein- und Erzgebirge unterwegs und ich hab diesmal auf eine Mehrtagestour verzichtet und bin lieber nur Tagestouren gegangen.)
Kleiner netter Nebeneffekt: egal wie man gekleidet ist und auch außerhalb der Faschingszeit wird man immer wieder mal von Kindern das Wort "Pirat" hören, entweder direkt, wenn man "entdeckt" wird oder erst hinter dem Rücken, wenn der Zwerg es nach der Begegnung aufgeregt seinen Eltern mitteilen will. Da konnte man bei fast jedem Kind drauf warten. War lustig.

Abschließend noch ein Tipp: die "künstlichen Tränen" sind normalerweise nicht verordnungsfähig, d. h. man darf die Tropfen selbst bezahlen, was bei 15 € pro 10 ml mit der Zeit auch ins Geld geht. Es gibt aber eine Ausnahme, die jedenfalls meine Ärztin nicht kannte: nach der Anlage zur Arzneimittel-Richtlinie ist HYLO®-GEL als Medizinprodukt bei verschiedenen Diagnosen doch verordnungsfähig: klickhier und funktioniert bei mir sehr gut. Glück im Unglück.

Alles Gute für denjenigen, der diesen Post gefunden hat, weil er gerade ein ähnliches Problem hat!
Viele Grüße
Ralf
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