Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

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  • lindworm
    Gerne im Forum
    • 14.08.2009
    • 99

    • Meine Reisen

    Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

    Nabend zusammen,

    zuerst einmal:
    Ich beziehe mich hier ausschließlich auf die Jagd auf Hasen und Kaninchen in Notsituationen bzw. die in NRW ausdrücklich erlaubte Jagd eines Haus-/Grundbesitzers auf Wildkaninchen auf dessen Grund und Boden.
    Daher bitte keine rechtlichen Einwürfe oder Bedenken, den Aspekt sehe ich als abgeklärt und möchte gerne ein Abdriften des Threads vermeiden

    Befallene Tiere zu schlachten und zu verzehren kann bei einem Tularämie-Befall ja (auch Hasenpest genannt) auch für den Menschen extrem unangenehm bis ernsthaft gefährlich werden.
    Daher interessiert mich, woran man befallene Tiere vor und nach der Tötung erkennt - bisher habe ich nur ein paar Gemeinplätze wie Abmagerung oder nicht normal aussehende innere Organe gefunden. Gibt es da vielleicht sogar einen Tierarzt, der die Diagnose etwas genauer beschreiben kann?

    Wie sieht es mit Vorsichtsmaßnahmen aus?
    Bisher ist mir folgendes bekannt: Die Erreger überleben auch in der Gefriertruhe problemlos und man sollte zum Selbstschutz beim Ausnehmen Gummihandschuhe tragen.
    Ich würde das Fleisch zwar sicher nicht mehr essen, wenn ich vorher den Verdacht habe, dass das Tier infiziert war, aber gesetzt den Fall, dass es noch keine Symptome zeigt und ich es verzehre:
    Weiß jemand ob die Bakterien bei gründlichem Durchbraten/Kochen samt und sonders absterben und kontaminiertes Fleisch damit ungefährlich wird?

    Beste Grüße

    Lindworm

  • JoachimVogt
    Erfahren
    • 27.05.2011
    • 182

    • Meine Reisen

    #2
    AW: Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

    Guten Morgen Lindworm.
    Zuallererst möchte ich anmerken, dass es toll ist, dass du diese Möglichkeit hast. Zur Tularämie ist folgendes zu sagen:
    Diverse Wildinfektionen können auf den Menschen übertragen werden. Die Erkennung ist durchaus schwierig. Hauptinfektionsgefahr sehe ich beim Zewirken oder Ausweiden, also "Schlachten", da hier viel mit Körperflüssigkeiten in Kontakt gekommen wird. Gerade hier ist also besonders auf Hygiene zu achten (Messer heiß abwaschen, Handschuhe, ggf. Mundschutz)

    Die Tularämie sicher zu identifizieren ist ohne Labor nicht möglich. Es gibt jedoch deutliche Anzeichen auf eine Infektion mit einem möglicherweise gefährlichen Erreger: In der Regel sind die Lympfbahnen vergrößert (kennen wir von eigenen Infektionen). Das kann man durch abtasten (mit Handschuhen) unter dem Hals bei gestrecktem Kopf machen sowie auf den Schultern und um den Hüftknochen auf der Bauchseite.
    Nach dem Eröffnen der Bauchhöhle achtet man auf die Lage und Farbe bzw. Form der Organe. Dazu sollte man mal beim Jäger oder Schlachter einen "normalen" Situs angeschaut haben, damit man weiß, wie das aussehen soll. Tularämietypisch (aber auch bei diversen anderen Infektionen von Wildtieren) sind eine vergrößerte Milz -ein tierfrotes, längliches Organ im oberen Bauchraum, nähe der Nieren) sowie eitrige Abszesse an Organen, in der Regel auf der Leber. Das erkennt man an meist deutlichen gelb-weißen Blasen an den sonst tiefroten Organen.
    Faustregel ist: Wenn blutreinigend/bildende Organe farblich oder morphologisch stark verändert sind, also statt tiefrot gelb-marmoriert oder mit Abszessen etc., ist das Tier nicht für den Genuss geeignet.
    Sollte sich dennoch ein Tier mit einer Infektion unerkannt in den Kochtopf (bzw. im Notfall beim Auffinden eines Kranken) gewandert sein, besteht nach ordnungsgemäßen Durchgaren keine Infektionsgefahr mehr.
    Die notwendigen Hygienevorschriften sind immer einzuhalten, weil Infektionen nicht immer eindeutig erkannt werden können und auch bei symptomlosen Tieren vorliegen könnten.
    Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen.
    Zuletzt geändert von JoachimVogt; 29.05.2011, 06:46.

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    • lindworm
      Gerne im Forum
      • 14.08.2009
      • 99

      • Meine Reisen

      #3
      AW: Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

      Wow - das nenn ich mal einen fundierten und hilfreichen Beitrag!
      Vielen Dank!
      Ich denke ich werde dann mal bei Jagdgesellschaften oder Metzgern anfragen, ob ich beim Schlachten mal zusehen darf.

      Ich kenne mich mit der Anatomie zwar in der Theorie ganz gut aus, aber sowas in der Realität zu sehen ist natürlich was völlig anderes, insbesondere um Schwellungen an Lymphknoten oder Organen

      Beste Grüße
      Lindworm

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      • cast
        Freak
        Liebt das Forum
        • 02.09.2008
        • 17880

        • Meine Reisen

        #4
        AW: Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

        umgekehrt, wie Joachim schreibt.
        Gesunde Organe einprägen, bei jeglicher Abweichung davon lieber die Finger davon lassen.
        Zuletzt geändert von cast; 29.05.2011, 13:37.
        "adventure is a sign of incompetence"

        Vilhjalmur Stefansson

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        • lindworm
          Gerne im Forum
          • 14.08.2009
          • 99

          • Meine Reisen

          #5
          AW: Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

          Ja, das meinte ich auch - ich habe meinen Satz nur aus Schläfrigkeit nach dem Aufstehen nicht beendet
          Eigentlich war noch ein "zu erkennen" vor dem Smilie am Ende angedacht!, trotzdem danke für das Klarstellen!

          Grüße Lindworm

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          • GandalftheGrey
            Dauerbesucher
            • 19.05.2011
            • 614

            • Meine Reisen

            #6
            AW: Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

            Zitat von lindworm Beitrag anzeigen
            bzw. die in NRW ausdrücklich erlaubte Jagd eines Haus-/Grundbesitzers auf Wildkaninchen auf dessen Grund und Boden.
            Krass! Das hätte ich nicht gedacht, dass das wirklich erlaubt ist, aber §4(4) LJG-NRW bestätigt die Aussage.
            jgr-photo.com

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            • lindworm
              Gerne im Forum
              • 14.08.2009
              • 99

              • Meine Reisen

              #7
              AW: Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

              Jep, habe mich vorher so weit es geht schlau gemacht - was bei Themen wie Jagdrecht nicht immer einfach ist als (noch) Außenstehender
              Hier habe ich eine sehr hilfreiche Zusammenfassung für das Hausjagdrecht in den einzelnen Bundesländern gefunden:

              http://backyard-safari.blogspot.com/...cht-eines.html

              Grüße Lindworm

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              • Goettergatte
                Freak

                Liebt das Forum
                • 13.01.2009
                • 25813

                • Meine Reisen

                #8
                AW: Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

                Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
                Krass! Das hätte ich nicht gedacht, dass das wirklich erlaubt ist, aber §4(4) LJG-NRW bestätigt die Aussage.
                Darum hat doch jeder Bauer ne Wumme im Schapp,
                in Opas Glasvitrine, auf der Deele.
                Und im Münsterland schließen die Bauern nicht ab....
                "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
                Mit erkaltetem Knie;------------------------------
                Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
                Der über Felsen fuhr."________havamal
                --------

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                • cast
                  Freak
                  Liebt das Forum
                  • 02.09.2008
                  • 17880

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

                  Krass! Das hätte ich nicht gedacht, dass das wirklich erlaubt ist, aber §4(4) LJG-NRW bestätigt die Aussage.
                  Ja, aber.

                  Erstens mal nur Fallenjagd.
                  Keine Ahnung wie die in NRW geregelt ist, aber in Hessen brauchst du einen Fallenjagdkurs mit Nachweis und dann kannst du Fallen stellen, aber nur die nachdem Gesetz zugelassenen.
                  Kein Eigenbau aus irgendwelchen "Trapperbüchern"
                  "adventure is a sign of incompetence"

                  Vilhjalmur Stefansson

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                  • Markus K.

                    Lebt im Forum
                    • 21.02.2005
                    • 7452

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

                    Ähnlich wie Cast es beschreibt ist es in Baden-Würtemberg. Die zugelassenen Fallen werden mit einer Art Plombe von der unteren Jagdbehörde versehen, so dass nachweisbar ist, wem diese Fallen gehören.

                    Wer sich für Wildkrankheiten interessiert, sollte sich das Buch: "Wildkrankheiten erkennen und beurteilen" von Odward Geisel zulegen. Und bei der Jagd und beim Aufbrechen mitführen.

                    Für die gesunde Milz der Hasenartigen gibt es einen Merkspruch, den wir von unserem Tierarzt mitbekommen haben: Streichholzschachtel lang, klein Finger dick, rosa rot. Der Spruch ist allerdings ohne Gewähr. Die Milz ist auch das Organ, an dem man Krankheiten einfach und problemlos erkennen kann.

                    Alles was davon abweicht, sollte unschädlich entsorgt (Abdeckerei) oder beim Amtstierarzt zur Untersuchung eingereicht werden.

                    Wichtig für die Hygiene beim Aufbrechen sind Nitrilhandschuhe (die blauen) und feststehende Messer mit Kunststoffgriff.
                    "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur das falsche Fell!"

                    -Samson und Beowulf- Als Hunde sind sie eine Katastrophe, aber als Menschen unersetzbar.

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                    • LihofDirk
                      Freak

                      Liebt das Forum
                      • 15.02.2011
                      • 13449

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

                      Zitat von Markus K. Beitrag anzeigen
                      Wichtig für die Hygiene beim Aufbrechen sind Nitrilhandschuhe (die blauen) und feststehende Messer mit Kunststoffgriff.
                      Nitrilhandschuhe gibt es auch in weiß, gelb, ...
                      also wichtig, was draufsteht. Bei Latexhandschuhen kann halt Fett und Öl durchdiffundieren, deshalb auf keinen Fall benutzen, auch nicht bei "mageren" Kaninchen.

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                      • Markus K.

                        Lebt im Forum
                        • 21.02.2005
                        • 7452

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: Tularämie - wie befallene Tiere erkennen und verarbeiten?

                        Zitat von LihofDirk Beitrag anzeigen
                        Nitrilhandschuhe gibt es auch in weiß, gelb, ...
                        also wichtig, was draufsteht. Bei Latexhandschuhen kann halt Fett und Öl durchdiffundieren, deshalb auf keinen Fall benutzen, auch nicht bei "mageren" Kaninchen.
                        Aha, interessant. Kannte bisher nur die blauen. Die Nitrilhandschuhe sind übrigens auch säure- und laugenfest.
                        "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur das falsche Fell!"

                        -Samson und Beowulf- Als Hunde sind sie eine Katastrophe, aber als Menschen unersetzbar.

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