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    [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #1
    Mitreisende: kuningaskotka
    „Why in the winter?“ Die Frage wurde mir gefühlt jeden Tag gestellt, die Antwort war immer ähnlich. Auch wenn ich irgendwann selbst nicht mehr genau wusste warum ich das genau mache.
    Ja, bei uns gibt es nicht so einen Winter...und eine solche Kälte, das war mehr oder weniger die Standardantwort.

    Nachdem ich seit 2011 jedes Jahr meist mit Rad in Skandinavien unterwegs war, sollte es auch mal im Winter so weit sein. Angeregt durch Berichte von Christian Pries (http://www.priesi.com/2017/01/19/lappland-winter-2012/) oder Jakob (hier aus dem Forum - http://bike-nord.de/) hab ich mich immer weiter mit dem Gedanken angefreundet.
    Der eigentliche Plan war im März mit dem Rad auf die Lofoten zu fahren, was sich besonders aus fotografischer Sicht sicher gelohnt hätte. Der Wetterbericht sah mit Sturm und Regen bei leichten Plusgraden allerdings alles andere als rosig aus.
    So wurde noch schnell umdisponiert und ich kaufte noch Winterschuhe und eine Schneeschaufel.
    Spikereifen, einen VBL-Sack und warme Sachen hatte ich ja bereits. Einzig und allein um den Gaskocher habe ich mir Gedanken gemacht, nunja mit Flüssiggas sollte er auch bei leichten Minusgraden halbwegs funktionieren, da bin ich kritisch betrachtet doch etwas blauäugig herangegangen.
    Sei's drum, für Schweden war stabiles Wetter meist mit Sonnenschein und leichten Minusgraden angesagt – soweit es der Wetterbericht zulässt. Der neue Plan war also mit dem Zug bis nach Lønsdal zu fahren und von dort aus mit dem Rad durch das Junkerdal nach Schweden zu fahren.

    Das vorab, auch wenn ich vielleicht mit etwas zu viel Optimismus herangegangen bin hat es mich keinesfalls abgeschreckt und für dieses Jahr ist eine erneute Wintertour geplant (dieses Mal besser ausgerüstet), in zwei Wochen geht es los :-)


    Ende Februar 2015 ging es also mit einer, ich sag mal sehr ausgiebigen Anreise los. Von Dresden ging es abends mit dem Zug nach Flensburg, wo ich mir über Warmshowers eine Übernachtung organisiert habe. Das Ehepaar war äußerst nett und hat auch bis 2:15 auf mich gewartet, da in Hamburg ein Zug kommentarlos ausgefallen ist.
    Am nächsten Morgen geht es bis Hirtshals weiter und über Nacht mit der Fähre nach Bergen. Dort verbringe ich eine Nacht um dann am nächsten Morgen mit dem Zug über Oslo nochmals etwa 21 h bis nach Lønsdal zu fahren. Die Anreise hat zwar vier Tage gedauert, war zu der Zeit aber die günstigste und Bahnfahren in Norwegen finde ich im Allgemeinen doch recht angenehm.

    Die Fährfahrt gestaltet sich recht unruhig und draußen herrschte ein Wetter zum Abgewöhnen. Bei diesem tristen Anblick frage ich mich das erste Mal was ich hier eigentlich mache. Dieser Gedanke wird bekräftigt, als ich in Bergen am Hafen von einem Zollbeamten das Gleiche gefragt werde.
    Die weitere Anreise ist weiterhin größtenteils von Schlafmangel geprägt. In dem Nachtzug von Trondheim Richtung Norden mach ich vielleicht 2-3 h die Augen zu. Nicht die besten Voraussetzungen um gleich morgens um 7 in die Kälte geschickt zu werden. Von einer Bahnmitarbeiterin werde ich persönlich am Platz darauf hingewiesen, dass wir gleich da sind und ich schonmal zu meinem Fahrrad gehen kann, das ist mal ein Service. Der Zug hält an, soweit ich sehe nur wegen mir und verschwindet anschließend in der weißen Landschaft. Das war für mich schon ein komisches Gefühl bei dem Wetter alleine irgendwo im Nirgendwo stehen gelassen zu werden.





    Auf der Fähre gab es Ende Februar nun ja...außreichend Platz











    Das als Anfang heute Nacht, ich bleibe am Ball ;)
    Geändert von kuningaskotka (18.02.2017 um 18:06 Uhr)

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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #2
    Oh, wie ich Dich beneide! Ich kann Dich gut verstehen.
    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org
    Mein neuer Reisebericht: Leeward, Windward und viel Natur. Nur mit Anmeldung lesbar.

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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #3
    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    Oh, wie ich Dich beneide! Ich kann Dich gut verstehen.
    Das glaub ich Dir aufs Wort
    Du warst mit deinen Berichten übrigens auch nicht ganz unschuldig an der ganzen Sache.

    Weiter im Text:

    3.3.
    Es geht also wirklich los, zur Motivation zeigt sich blauer Himmel und zur Demotivation geht es 300 Höhenmeter bergab um dann durch das Junkerdal bis zur schwedischen Grenze wieder aufzusteigen. Die Kulisse ist aber traumhaft, schneebedeckte, vereiste Berge und bei absoluter Windstille sind aus den Nadelwäldern singende Vögel zu hören. Ein Steinadler streicht über mich hinweg, Schneehühner fliegen durch die weiße Landschaft und etliche Tierspuren verraten, dass hier ganz schön Betrieb ist.

    Es wird immer sonniger und mit 0 bis +3°C ist es auch angenehm warm. Kurz vor der Grenze ist die sind kaum noch Bäume da, zumindest sind nur wenige so hoch, dass sie aus dem Schnee heraus schauen. Ich halte oft an und fotografiere, das Wetter ist wirklich zu schön um wahr zu sein. Dazu sind einige Hundeschlitten zu sehen bzw. zu hören…idyllisch hier. So bleibe ich hier oben und fahre nicht mehr weiter. Das Zelt baue ich neben einem eingeschneiten Klohäuschen von einem Rastplatz auf. Keine Ahnung aber irgendwie fühle ich mich dadurch nicht komplett einsam und weit weg von der Zivilisation.
    Das Essen braucht eine ganze Weile, der Gaskocher bringt doch nicht die nötige Energie dahinter, es wird aber warm und das ist im Moment die Hauptsache.











    Der Berg hat mich eine ganze Weile im Rücken begleitet, ich nenn ihn mal das Matterhorn von Norwegen.















    Es war ein ziemlich schneereicher Winter.






    4.3.
    Das Thermometer im Fahrradcompter zeigt als Minimum -15°C an. Ich habe auch gut geschlafen nur an den Füßen wurde es am Morgen langsam kalt, also raus aus den Federn und bewegen. Es dauert eine Ewigkeit bis ich alles zusammengepackt habe, im Winter dauert eben alles etwas länger und die Distanzen welche am Tag geschafft werden sind deutlich reduziert.
    Auf dem Pass hat noch die Sonne geschienen, jetzt geht es aber in den Nebel rein. Es ist faszinierend, aber auch kalt. Überall wachsen Eisblumen und ich muss die Sonnenbrille regelmäßig kratzen. Der Nebel ist zum Glück nicht so dicht und die Sonne schaut bald wieder durch, es gibt aber auch einen wunderschönen Nebelbogen zu sehen. Dazu noch einen Lemming, der sich wohl irgendwie an die Oberfläche verirrt hat, lange wird er es sicher nicht mehr durchgestanden haben.

    Am Polarkreis lege ich in einem kleinen Laden einen kurzen Stopp ein und bekomme auch warmes Wasser für meine Thermoskanne. Als ich weiterfahren möchte hält ein Polizist neben mir und meint, dass er hier in dieser Jahreszeit noch nie jemanden mit Rad gesehen hat. „Why in the winter?“ bekomme ich zu hören, der Satz der mich die gesamte Radtour begleiten wird. Er gibt mir noch den Wetterbericht für die nächsten Tage, es soll sonnig bleiben.

    Scooterpisten sind wirklich hilfreich, denen kann man recht einfach folgen um dann an einer geeigneten Stelle das Zelt aufzubauen. Andernfalls wäre das Vorankommen deutlich eingeschränkt. So stehe ich, soweit ich das beurteilen kann, am „Ufer“ eines zugefrorenen Sees. Was für eine Landschaft, während ich Essen (das geht mit dem warmen Wasser deutlich schneller) geht am Horizont der Vollmond auf. Es deutet an eine kalte Nacht zu werden, die Tomatensoße aus der Dose gibt es nur noch in Stücken…


    Ob es bei Nebelbögen auch Goldtöpfe gibt kann ich nicht sagen, der Schnee war zu hoch


















    Es ist angerichtet



    Ein banger Blick, da es sich abzeichnet eine kalte Nacht zu werden.









    5.3.
    Durch den Vollmond wird es kaum dunkel, dafür wird es kalt, saukalt. Irgendwann in der Nacht schau ich aus dem Zelt, das war ein Fehler. Seitdem werden die Füße nicht mehr richtig warm und die nächsten 3-4 Stunden schlafe ich mehr schlecht als recht. Also schnell raus am Morgen, der Fahrradcomputer zeigt als Minimum -19°C an…er geht nur bis -19…
    Ich jogge den Hang zur Straße rauf und an der Straße entlang, das hilft nur nicht. Glücklicherweise gibt es direkt gegenüber einen Campingplatz auf dem auch reger Betrieb, diese Schweden. In dem Waschraum gibt es eine ganz tolle Heizung, die ist erst mal meine ;)

    Die Wetterdaten einer benachbarten Station haben in dieser Nacht -23,6°C aufgezeichnet. Das war jetzt schon arg an der Grenze, nach der letzten Nacht habe ich mich aber bewusst in die Nähe von Häusern gestellt.
    Ich möchte aber fast sagen, dass die Sonnenaufgänge bei den Temperaturen was ganz besonderes sind, der war sehr beeindruckend, genauso wieder restliche Tag mit strahlend blauem Himmel. Nur zum Schluss kommt etwas Gegenwind auf und es ist ein ziemlicher Kampf, meine Beine wollen auch nicht mehr so recht. Es gab aber keine gute Möglichkeit das Zelt aufzubauen, mein Ziel ist also der nächste Ort. In diesem steht 1 (!) Haus, zum Glück ist jemand da. Ich kann mich in der Nähe hinstellen, bekomme warmes Wasser und natürlich die Fragen aller Fragen



    Brrr...









    Da freuen sich die Spikereifen.


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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #4
    Ich seh schon, Du hast Deine Strecke erheblich cleverer ausgewählt, als ich. Sieht gut aus.
    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #5
    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    Ich seh schon, Du hast Deine Strecke erheblich cleverer ausgewählt, als ich. Sieht gut aus.
    Von bewusstem Planen konnte möchte ich bei mir in dem Fall nicht sprechen. Das war eher einer der wenigen möglichen Strecken, die durch die Anreise mit dem Zug bis Bodø machbar waren. Die langen Anstiege der Berge in Südnorwegen brauche ich nicht im Winter, noch dazu sind auch nicht alle Straßen befahrbar. So blieb von der Erreichbarkeit das Gebiet auf Höhe des Polarkeises in Schweden übrig. Vom der Landschaft und vom Wetter her eine gute Entscheidung, auch wenn es eine Sturzgeburt war.
    Ich denke aber, dass es mich in ein paar Wochen wieder in die Gegend verschlagen wird.

  6. Gerne im Forum
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #6
    6.3.
    Es wird warm im Zelt, das empfinde ich zumindest bei Temperaturen um den Gerierpunkt. Ein paar Minusgrade mehr wären mir sogar ganz recht, dann gibt es wenigstens kein Kondensproblem am Morgen. In Arjeplog, der größten Stadt seit der Grenze, kommt die Sonne raus. Es ist wieder ein Wetter zum Genießen und zum Trocknen.
    Irgendwie hatte ich heute das Verlangen nach einer festen Unterkunft, es ist aber alles belegt. Gerade ist über ein paar Tage Markt in der Stadt, der ist einmal pro Jahr und quasi ein kleines Highlight für alle. Dazu kommen die unglaublich vielen Autotester. Auf der Strecke sind mir etliche Autos mit deutschem Kennzeichen entgegengekommen. Ich hab mich schon gefragt was 5 Smarts hintereinander hier oben machen
    Der Markt kommt mir nach den ersten zwei Nächten ganz recht, an einem Stand frage ich nach den wärmsten Socken die sie haben.

    Langsam steht die Sonne schon tiefer, ich tue mich aber schwer einen Platz zu finden. Der Schnee ist meist zu hoch und zu nass. Ich kann mich glücklicherweise an einem Haus hinstellen und werde ans Lagerfeuer mit Bier eingeladen. Später darf ich noch zum Essen mit reinkommen, es gibt wieder Bier und Rentierfleisch. Neben der mehrmaligen Bemerkung, dass ich verrückt sei, wird der Abend mit einer anständigen Sauna beendet. Durch und durch durchgewärmt von der Sauna und den überaus gastfreundlichen Menschen verkrieche ich mich im Zelt. Der Ausgang vom Tag war tausendmal besser als irgendwo in einer warmen Jugendherberge zu sitzen.



    Die Kirche in Arjeplog als Service-Station






    Glücklich und zufrieden nach der Sauna kurz vorm Schlafengehen.


    7.3.
    Die Nacht gab es Neuschnee, dazu war es recht warm und windig. Unter diesen Bedingungen war das Vorankommen sehr zäh. Die Straße war wegen der Testautos zwar gut geräumt es machte aber überhaupt kein Spaß und war ein elendiger Kampf. Nach 25 Kilometern beschloss ich es für heute gut sein zu lassen und frage an einer Huskyfarm ob ich mich irgendwo hinstellen könne. Es waren Deutsche, die noch nicht sehr lange hier wohnen und Winter wie Sommer verschiedene Veranstaltungen für Touristen anbieten. Ich konnte gar nicht so schnell gucken, da wurde mir auf dem Sofa ein Platz für die Nacht angeboten. In Anbetracht des Wetterberichts nahm ich den auch sehr gerne an. Ein weiterer sehr gemütlicher Abend unter netten und hilfsbereiten Menschen. Wir saßen am Feuer, draußen tobte der Sturm und die Nordlichter tanzten schwach am Himmel.




    Als Entschädigung für das Wetter gab es dieses Sofa mit Panoramablick.
    ...meine Schuhe scheinen einen Interessenten gefunden zu haben


    In den vorherigen Nächten war die Aktivität zu schwach bzw. der Mond zu hell.
    Heute gab es erstmals ein schönes Nordlicht zu sehen.


    8.3.
    Der Schlaf war sehr erholsam und das Gejaule von 32 Huskys klang am Morgen schon sehr vertraut. Das Wetter hatte sich deutlich gebessert, aber es war noch recht windig. Bis nach Slagnäs ging es ganz gut voran. Dann war es aber vorbei, ich musste unvermeidbar auf die E45. Das war die reinste Matschschlacht, die Straße so aufgeweicht, dass die Räder regelrecht geschwommen sind. Dazu gab es ab und an eine kostenlose Dreckdusche von den vorbeifahrenden Autos. So musste ich mich Stück für Stück voran arbeiten, bis irgendwann mein Antrieb (also der vom Rad) versagte. Auf dem kleinen Kettenblatt ging überhaupt nichts mehr. Ich stand ratlos neben meinem Rad bis mir auffiel, dass ich drei Schrauben vom kleinen Kettenblatt verloren hatte.

    Wie bitte? Was ist das denn für eine Sch… Zur Beruhigung genehmigte ich mir eine frisch gebackene Zimtschnecke, die mir heute Morgen mitgegeben wurde.
    Immer noch fragend, wie das passieren konnte fahr ich nach Sorsele in der Hoffnung dort Hilfe zu finden. Da mir das noch nie passiert ist und immer alles fest war mache kältebedingte unterschiedliche Ausdehnung dafür Verantwortlich. Keine Ahnung ob das stimmt, aber der Dreck tat sicher noch sein Übriges dazu. Da heute Sonntag ist, ist in der Stadt nicht mehr viel zu holen und ich versuche morgen etwas schlauer zu werden.
    Aus Frust miete ich mich in die Jugendherberge ein.



    Ein für mich anfangs ungewohnter Anblick, aber im winter ist der Tretschlitten für viele ein wichtiges Fortbewegungsmittel.

  7. Erfahren

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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #7
    Hei Kuningaskotka,
    eine Wahnsinnsreise - und wunderschön berichtet!

    Liebe Grüße
    Maahinen

  8. Gerne im Forum
    Avatar von kuningaskotka
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #8
    So es geht mit ein paar Tagen weiter:


    9.3.
    Ich scheine das Talent zu haben in warmen Nächten in festen Häusern unterzukommen, diese Nacht war es wieder so. Im Ort frage ich mich zu einer Fahrradreparatur durch, dort kann mir nicht geholfen werden. Ich entscheide mich daher den Bus nach Storuman zu nehmen, auf die E45 habe ich in dem Zustand keine Lust. Eine gute Entscheidung, das wäre sehr langatmig und eng gewesen.

    In Storuman gibt es tatsächlich auch einen Radladen, angeknüpft an ein Angelgeschäft. Die passenden Schrauben hat er natürlich nicht, aber eine neue Kurbel mit solchen. Ich weiß nicht mehr genau wie das abgelaufen ist, entweder hab ich einen dermaßen fertigen Eindruck gemacht, er konnte Gedanken lesen oder was weiß ich. Jedenfalls schraubt er mir die Schrauben aus, gibt sie mir und meint ich solle sie im wieder zurück schicken…jetzt ist gerade keine Saison. Ich bin überglücklich und sehr beeindruckt von der Hilfsbereitschaft. Einen Geldschein für seine Kaffeekasse lehnt er ab.
    Aus Storuman fahr ich nicht mehr weit raus und stelle mich am Stadtrand hin, so kann ich mich morgen, wenn es den ganzen Tag schneien soll, in der Stadt aufhalten.




    10.3.
    Wie angekündigt ist heute nicht viel passiert. Es schneit und schneit und so bleibe ich einen Tag hier. Ich verdrücke mich die meiste Zeit in der Bibliothek und kaufe ein. Gegen drei bin ich wieder am Zelt und gehe den Abend gemütlich an. Ein Mann kommt mit seinem Hund vorbei, hat das Zelt schon am Morgen stehen sehen und sich gewundert. Wir unterhalten uns eine kurze Weile.

    Der Neuschnee ist tagsüber auf dem Zelt angetaut, bei den jetzt am Abend herschenden Minusgraden bildet sich so aber ein schöner Eispanzer und ich freue mich auf das Enteisen morgen früh. Aber davor singt mich ein Raufußkauz erstmal in den Schlaf..



    Ein größtenteils verschneiter Tag.





    11.3.
    Es dauert sehr lange bis das Zelt eisfrei ist, zudem gibt es eine ganze Menge Kondens. Dafür ist bestes Wetter. Der angrenzende See ist durch eine Leitung teilweise eisfrei, am Ufer türmen sich aber die Eisschollen auf, eine tolle Szenerie.
    Die recht leere Straße ist in einem guten Zustand, schnee- oder eisbedeckt, teilweise auch nur blanker Asphalt. Heute wird auch ein neuer Temperaturrekord aufgestellt, es ist teilweise zwischen +4 und 6°C warm und ich muss mich sehr oft umziehen um nicht zu schwitzen. Das Zelt baue ich in Strömsund, einem kleinen, gemütlichen Ort auf. Da mein Fahrradcomputer heute ausgestiegen ist bietet sich das warme Wetter bestens dazu an die Kabel zu flicken.





    12.3.
    In der Nacht geht es wieder auf erträgliche -14°C runter, am Morgen brauche ich aber dennoch meinen allmorgendlichen Spaziergang um warm zu werden.
    Leider wird es zieht es nach ein paar Kilometern etwas schlechter und es ist alles grau in grau. Ein paar Flocken kommen vom Himmel, das ist allerdings nichts Dramatisches. Von einem nahegelegenen Haus bekomme ich von einer kleinen Gruppe Szenenapplaus und fahre beschwingt weiter. Schon bald komme ich in Umnäs, meinem heutigen Ziel an und frage an einem der wenigen Häuser wo Menschen zu sehen sind, ob mich hier irgendwo hinstellen kann. Die Antworten sind auch ganz freundlich, nur habe ich nicht bedacht, dass dies ein Hotel ist und im letzten Satz fallen noch 150 Kronen. Das war nicht mein Ziel zumal es im Gespräch davor klang, als ob es kostenlos sei.

    Ich fahr einen halben Kilometer weiter und frage an einem Haus. Als mir eine Frau entgegenkommt, die eben noch am Hotel war fühle ich mich doch schon arg wie bei „Hase und Igel“. Sie hat mich unterhalb der Straße mit ihrem Motorschlitten überholt, ich bekomme aber einen Platz angeboten und genieße den restlichen Tag. irgendwoher bekomme ich sogar freies W-Lan ins Zelt.


    Morgenspaziergang







    13.3.
    Am Morgen zeigt sich das Wetter einmal mehr von seiner besten Seite, es ist angenehm warm und zieht langsam auf. Den Tag gehe ich langsam an, habe ja alle Zeit der Welt und noch dazu weht der Wind günstig. Auf meinem Weg Richtung Westen geht es langsam wieder in die Berge, eine tolle Landschaft. Nur ist es dieses Mal doch schon einen Ticken zu warm und die Straße weicht bei deutlichen Plusgraden sehr stark auf. Aufgrund der Vorhersage für das Wetter und für die Nordlichter entschiede ich mich heute nicht so weit in die Berge zu fahren und stelle mich nach 28 km an einen Stausee. An dem Ufer gibt es ein paar gute Stellen und ich habe ein deutlich besseres Gefühl als auf dem Eis zu stehen, welches dort nur so Kracht und Knarzt. Da der Schnee an der Stelle sehr fest ist entfällt sogar das Schneeschippen.

    Nachdem das Zelt einige Zeit in der Sonne stand sind es in diesem unglaubliche 17°C…kaum auszuhalten.
    Zum Sonnenuntergang begeb ich mich auf einen kleinen Spaziergang und eine Fototour. Zwei Eisangler auf Schneemobilen kommen vorbei und fragen, was ich hier mache. Dass ich mit dem Fahrrad hier bin verstehen sie erst im zweiten Anlauf. Freundlicherweise werde ich aber auf dem Schneemobil zu meinem Zelt mitgenommen.

    Nach dem Sonnenuntergang sind es immer noch -2°C, ich liege im Zelt mit beiden Türen offen und es komt wir wahnsinnig warm vor. Das hat auch seine Vorteile, denn so kühle ich beim Fotografieren in der Nacht nicht so aus. Auf einem Bild ist bereits ein leichter grüner Schimmer zu sehen, das gibt Hoffnung. Die Nordlichter werden stärker und überspannen weite Teile des Himmels. Es ist wunderschön und ich kann alles entspannt aus dem Schlafsack heraus beobachten. Leider behält der Wetterbericht recht und es zieht von Westen her zu und bald ist nicht mehr viel zu erkennen. Schade, aber so kann ich auf den Wecker in der Nacht verzichten.













    Durch die zunehmende Bewölkung war es nach einer Stunde leider vorbei.

  9. Dauerbesucher
    Avatar von HAL 23562
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #9
    Genau die richtige Lektüre für einen kuscheligen Sonntagvormittag bei grauem Schmuddelwetter!

    Toller Bericht mit schönen Bildern und was ich besonders gut finde: Du hast Dein Ding gemacht! Für mich als bekennendes Weichei wäre so eine Wintertour allerdings nichts. Ich habs lieber warm.

    Gruß aus Lübeck - HAL
    Vieles kommt - aber alles geht!

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  10. Alter Hase
    Avatar von Rhodan76
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #10
    Japp, wirklich coole Tour! Sehr schön. Auch wenn ich mich insgeheim (bei dem Schlafsack) doch frage, was wäre gewesen wenn es wirklich richtig kalt geworden wäre

  11. Gerne im Forum
    Avatar von kuningaskotka
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #11
    Zitat Zitat von Rhodan76 Beitrag anzeigen
    Japp, wirklich coole Tour! Sehr schön. Auch wenn ich mich insgeheim (bei dem Schlafsack) doch frage, was wäre gewesen wenn es wirklich richtig kalt geworden wäre
    Das ist eine berechtigte Frage, die ich mir natürlich auch selbst gestellt habe. Die Kombination mit dem Schlafsack + Inlet und den Sachen die in anhatte hielt gut bis -15 bis -18°C warm. Bei -23°C war es schon grenzwertig, aber größtenteils waren nur für die Füße ein Problem. "Richtig" kalt mit knapp unter -30°C wurde es in den letzten 10 Jahren im März nur sehr selten. Für den Fall hab ich immer den Wetterbericht im Auge behalten, der doch ziemlich genau ist und mich als Tagesziel meistens immer an Ortschaften oder Ecken gehalten, wo ich im Notfall doch noch hätte unterkommen können.

    Aber ja, es stimmt ganz auf der sicherern Seite war ich nicht. Ich aber dennoch sehr froh gewesen das gemacht zu haben, da es eine der eindrucksvollsten Reisen war.
    Deswegen geht es diesen März wieder hoch, etwas besser ausgerüstet mit einem Rentierfell, einem zweiten Schlafsack und Daunenschuhen. Damit sollten die Temperaturen doch noch etwas weiter runtergehen können und das Fußproblem bekomme ich so hoffentlich in den Griff.

  12. Gerne im Forum
    Avatar von kuningaskotka
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #12
    14.3.
    Auf einmal knallt es in der Nacht laut. Was ist los? Gestängebruck? Hab ich schlafgewandelt und bin aufs Eis umgezogen und eingebrochen? Ne, es hat nur die beiden Heringe der Apsis rausgezogen und das Vorzelt möchte gerne mit mir Kuscheln. Der Wind war aber tatsächlich so stark, dass ich Angst hatte, dass irgendwas wegfliegt. Die weitere Nacht verlief zum Glück recht ruhig und der Wind hat bis zum Morgen etwas nachgelassen. Ich komme dieses Mal sehr zeitig gegen 8 los, was auch den Vorteil hat, dass die Straßen noch in einem guten Zustand sind. Ich komme gut voran und nach 3 Stunden bin ich in Tärnaby, einer etwas größeren Stadt. An einem Hotel hole ich mir W-Lan, es steht direkt neben einem Abfahrtshang und ich werde doch schon so angeschaut als ob ich das Sportgerät verwechselt habe.

    Meine Beine sind heute ziemlich müde und ich fahre nicht mehr so weit. An einem nahegelegenen See versuche ich mir einen Platz zu suchen. Gar nicht so einfach, ich folge einer Scooterspur auf den See. Dort geht es beschwerlich voran, da der Schnee recht feucht ist. Dafür muss ich nicht so lange den Schnee komprimieren und die Heringe halten heute sehr gut.


    Skandinavische Wildnis





    Auf der Suche nach einem Schlafplatz.


    Gefunden





    15.3.
    Am Abend bin ich ungeplant um 8 eingeschlafen und wache erst eine Stunde nach Mitternacht wieder auf. Ich ärger mich, am Himmel ist ein grünes Glimmen zu erkennen, wer weiß was davor war.
    Was solls, zum Morgen wird es wieder ziemlich frisch, der Sonnenaufgang ist aber wunderschön. Alles ist mit Raureif bedeckt und Nebel zieht durch, was die ganze Sache aber nicht unbedingt wärmer macht. Der Nebel hält sich nicht so lange und immer wieder sind schöne Nebelbögen zu sehen. Ich packe schnell zusammen, da meine Füße wieder sehr kalt sind. Ich versuche schnell zu machen, werde aber durch die Landschaft immer wieder aufgehalten. Fantastisch mit glitzernden Eiskristallen in der Luft. Auf der Fahrt werden die Füße allerdings nicht wärmer, in dem nächsten Ort kann ich mich in einem Pistenhaus aber um sie kümmern.

    Aufgewärmt fahre ich weiter und erreiche nach einem kleinen Anstieg einen großen zugefrorenen See. Eigentlich wollte ich noch weiterfahren, auf den See hinaus führt aber eine verlockende Scooterspur. Hier ist es wirklich schön, ein interessierter Schwede kommt noch vorbei und so vergeht die Zeit bis zum Abend sehr schnell.
    Ich fotografiere noch etwas und baue eine Schneemauer um mein Zelt. Die bringt sicher nicht viel gegen Sturm, aber so habe ich etwas zu tun und werde nicht kalt.



    Über Nacht ist hier einiges gewachsen.




    Durchziehende Nebelschwaden verschönern den Ablick.



















    16.3.
    Am Morgen werde ich von dem Gegacker der Moorschneehühner geweckt. Es ist wieder komplett wolkenlos, richtiges Kaiserwetter was den ganzen Tag über anhält. Durch zahlreiche Fotostops komme ich nur recht langsam voran. Heute gibt es aber keine Höhenmeter zu bewältigen und Umbukta, das heutige Ziel, ist nicht weit weg.

    An der Hütte frage ich nichtsahnend nach Wasser und dem Wetter für die nächsten Tage. Da hätte ich noch nicht gedacht, dass ich hier nicht mehr weggelassen werde. „Im Zelt“, antworte ich als der Hüttenwart fragt wo ich heute schlafen möchte. Kurzerhand bietet er mir eine kleine Hütte an. Auf die Frage was der dafür bekommt sagt er nur: „Nothing, you are a sportsman“. Ich bin hin und weg von der Gastfreundschaft und die Hütte ist total süß und gemütlich.
    Ich genieße den Tag im Warmen und unternehme zum Abend hin noch eine kleine Spitztour auf der Loipe. Auf einer Anhöhe ist die Landschaft gut zu überblicken und in dem Abendlicht ist es nochmals schöner.



    Ab und an sieht man auch Menschen


    Was für ein Kaiserwetter.






    Eine kleine Abendrunde.








    Und das ist "meine" kleine Hütte, ich bin richtig verliebt in sie.


  13. Gerne im Forum
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #13
    So, und hier jetzt als Abschluss die letzten Tage.


    17.3.
    Heute ist es am Morgen bewölkt, dafür aber wieder sehr warm, 5°C. Ich bin meiner Planung etwas voraus, mein Zug fährt erst am 22.3. in Mo i Rana ab. Na egal, dann halte ich mich ein paar Tage in der Umgebung von der Stadt auf. Das ist dann auch mal wieder schön, wenn ich mir über die Temperatur keine Gedanken machen muss. Vor meiner Abfahrt unterhalte ich mich noch mit dem Hüttenwart, er ist bereits 2x Norge på langs gelaufen. Einmal im Sommer und einmal im Winter, letzeres in 62 Tagen...verrückt.

    Ich mache mich auf den Weg, muss heute ja nur nach Mo i Rana runterrollen. Nach Umbukta geht es durch den einzigen Tunnel auf der Tour. Die Landschaft wird langsam etwas trister, die hohen Berge fehlen. In Mo bin ich dann sehr schnell und begebe mich auf Stadterkundung. Ich kann der nicht so viel abgewinnen, sehr viel Industrie und durch den grauen Schnee und die fehlenden Farben sieht es recht trist aus.
    Ich schmiede Pläne für die nächsten Tage, so im Grauen möchte ich die Tour nicht beenden, mich zieht es wieder in den Schnee. Außerdem bin ich noch auf der Suche nach einem guten Standort für die Sonnenfinsternis.
    Ich fahre südlich vom Fjord etwas aus der Stadt und stelle – ganz ungewohnt – mein Zelt auf Gras. Nach dem Schnee ein merkwürdiges Gewühl, noch dazu geht es schnell. Ich hatte den wärmeren Temperaturen zwar frohen Mutes entgegengesehnt jetzt sehne ich mich aber in den Schnee zurück. Das hatte schon was, aber der Fjordgeruch macht es zum Teil wieder wett.


    Vor dem Einschlafen kommt der allabendliche Kontrollblick zum Nordhimmel. Da ist gerade nichts los. Zum Glück schaue ich auf allen Vieren noch mal aus dem Zelt heraus gen Süden und direkt nach oben. Da geht es gerade sowas von ab! Es leuchtet, und wie…
    Ich springe auf, zieh mich an, schnapp mir die Kamera und weiß nicht wo ich zuerst hinschauen soll. Sie bewegen sich zum Teil so schnell wie auf Zeitrafferaufnahmen und neben grün sind jetzt auch visuell schwach die Farben Rot und Violett zu erkennen. Sie überspannen bald den ganzen Himmel und ich stehe 1,5 h am Fjord und schaue in den Himmel. Danach flaut es etwas ab und ich gehe fix und fertig von all den Eindrücken ins Bett.



    In dem Tunnel geht es ewig auf einen kleinen Lichtpunkt zu, da ist ein Tunnelblick vorprogrammiert.


    Zwar kein blauer Himmel mehr, aber diese Strichzeichnung hat auch was.


    Gras
    Dafür aber eine beeindruckende Nordlichtshow, ich muss dazu sagen, dass das Violett nicht in dieser Intensität zu sehen war wie auf den Fotos. Da sieht die Kamera etwas mehr, das Grün ist allerdings relativ realistisch. Wobei das im Nachhinein schwierig zu beurteilen ist.




















    18.3.
    Mein Wecker hat leider nicht geklingelt, ich schrecke um 4 hoch, es ist immer noch etwas zu erkennen. Danach wird es bald zu hell und die Sonne geht auf. Ich fahre in die Stadt hinein, suche Internet und muss mich mitteilen. Dort sehe ich, dass das gestern Stärke 7 bis 8 war, die stärksten Nordlichter in diesem Zyklus und sichtbar bis in die Alpen sichtbar. Mein Gefühl schwankt zwischen Freude und Ärger. Ich ärger mich vor allem darüber, dass der Wecker nicht geklingelt hat, gegen Mitternacht gab es nochmals eine Phase mit hoher Intensität. Ich ärger mich weiter, dass ich am Fjord stand, mit einem Berg im Rücken und der Lichtverschmutzung von Mo her. Letzte Nach in den Bergen…das wärs gewesen. Aber hätte wenn und aber, wer sagt, dass es dort wolkenlos war und ich bin froh, dass es sternenklar war und ich sie sehen konnte. Wäre ich wie geplant auf den Lofoten gewesen hätte ich absolut gar nichts gesehen. Und auch jetzt im Nachhinein überwiegen die positiven Eindrücke.

    Nun geht es an die Planung des nächsten Events, die Sonnenfinsternis. Das Wetter für den Freitag sieht ganz gut aus und ich wollte eigentlich ins Saltfjellet fahren, nur schrecken mich 14 m/s Gegenwind ab. Noch ist etwas Zeit. Heute fahre ich den an das nördliche Ufer des Fjordes und suche mir ein Platz nahe am Wasser.






    19.3.
    In der Nacht kommt der angekündigte Sturm, ich stehe mit voller Breitseite zum Wind und der Regen peitscht dagegen. Im Laufe des Morgens wird es etwas ruhiger und ich packe meine Sachen. Das wird auch höchste Eisenbahn, bei Ebbe habe ich mich etwas zu nah ans Wasser gestellt und nun kommt die Flut meiner Behausung bedrohlich nah.

    Es geht wieder nach Mo, ich plane mal wieder rum. Werfe aber später wieder alle Pläne über den Haufen. Ich bin etwas zu faul um nochmal in die Berge zu fahren. Aus meinen Gedanken werde ich schnell herausgerissen, als plötzlich zwei Elche auf einem Grundstück kurz vor der Stadt stehen. Da fahre ich die letzten Jahre 14.000 Kilometer durch skandinavische Einöde, sehe nur einmal Elche und jetzt stehen sie hier seelenruhig im Vorgarten. Der Weg führt mich dann weiter zu dem Ort, wo ich vor zwei Tagen schon stand. Es ziehen immer wieder Schneeschauer durch und bald ist vom gegenüberliegenden Ufer nicht mehr viel zu erkennen. Den Wecker klingelt ein paar Mal in der Nacht und durch die Wolken sind ein paar schöne Nordlichter zu erhaschen. Zeitgleich kann ich auch immer das Meer im Auge behalten, allein schon wegen der angesagten Wasserhöchststände durch die Sonnenfinsternis.


    Da kam das Wasser etwas näher als geplant...






    Eine tolle Sicht zum anderen Ufer :P







    20.3.
    So, heute kommt es drauf an. Das Wetter ist gut, ein paar Wolken ziehen durch und ich bin um 7 startklar. In Mo hole ich mir den aktuellen Wetterbericht und die Nordlichtvorhersage, dann geht es in Richtung nördliches Fjordufer. An der Stadtgrenze warte ich ab und beobachte eine Weile die Wolken. Es sieht nicht mehr so gut aus, es ziehen immer wieder Schneeschauer durch. Was soll´s, jetzt hab ich keine Wahl mehr.

    An einer geeigneten Stelle nehm ich Position ein und bekomme noch durch einen weiteren Beobachter Gesellschaft. Kurz bevor es los geht schneit es nochmal, aber der Wetterbericht sollte recht behalten und zum Start der Finsternis zieht es auf. Wie auf Kommando ziehen die Wolken weg und geben die Sicht auf die Sonne frei. Auch wenn es nach einer Weile für das Auge noch kein Unterschied zu erkennen ist, merkt man die Veränderung deutlich. Es kommt deutlich weniger Energie an und bei der maximalen Verfinsterung wird es deutlich kühler. Wie muss das erst in der Totalitätszone sein, hier ist die Verfinsterung mit 95% auf auch recht ordentlich. Das Licht ist jetzt ziemlich fahl, es ist aber schwer zu beschreiben. Auf dem Foto sieht es so aus, als ob man bei einer Vollmondnacht lange belichtet.

    Gegen Mittag ist der Spuk wieder vorbei und ich fahre nahe der Stadt eine kleine Straße hoch in die Berge. Hier ist wieder Schnee und ich fühle mich pudelwohl. Es ist tolles Wetter und ich gehe noch ein bisschen spazieren. Hier oben vom Berg hat man einen schönen Blick auf den Fjord und nachts ist es wieder sternenklar. Es sind Nordlichter zu sehen, wieder recht stark und hier allein oben auf dem Berg im Schnee ist das nochmal ein ganz anderes Gefühlt. Vor allem, wenn der Schnee und die Berge zart grün schimmern.

    Was für ein Tag mit Sonnenfinsternis und Nordlichtern!



    Ein Eiszapfenbaum in der Nähe eines Wasserfalls.


    Es geht langsam los


    Maximal 95% Bedeckung




    Das Bild gibt die Lichtstimmung zur maximalen Verfinsterung recht gut wieder.


    Blick über den Fjord.






    Wenn das mal nicht eine Panoramaloipe ist


    Es geht wieder los.









    21.3.
    Heute passiert nicht viel, ich fahre wieder in die Stadt. Das Wetter ist nicht mehr ganz so gut und auf dem Rückweg zum Zelt komme ich in einen Schneeschauer rein. Bis zum Abend ist es ein ziemliches Aprilwetter und ich krieche bald in den Schlafsack um nicht zu verschlafen. Morgen geht der Zug.




    Blick über Mo von der Skisprungschanze aus.



    22.3.
    Als ich aufwache ist es im Zelt sehr warm, leise und das Licht ist sehr fahl. Schnee isoliert wirklich prächtig! Ich buddel mich frei und sehe, dass es ganz ordentlich geschneit hat. Ich schaufel das Zelt frei und hoffe, dass ich alle Heringe wiederfinde. Das klappt alles gut und macht sogar Spaß. Ein wenig Sorge machen mir allerdings die 130 Höhenmeter runter bis zum Fjord. Glücklicherweise kommt kurz bevor ich losfahre ein Schneepflug vorbei, aber auch bei diesen Bedingungen muss man höllisch aufpassen und die Bremsen überreden mit doch noch zum Stehen zu bringen.

    Es geht sehr langsam voran, die Straße ist voller Schnee und mein Profil ist schnell mit Schnee zugesetzt. Bei diesen Bedingungen helfen die Spikes auch nur bedingt und so kommt es zu einem kleinen Sturz. Mangels Geschwindigkeit und durch den weichen Untergrund aber recht harmlos. Für die 15 Kilometer bis zum Bahnhof benötige ich zwei Stunden und bin froh heil angekommen zu sein. Wäre das hier die Deutsche Bahn hätte ich in Hinblick auf die Schneemassen, die im Saltfjellet runtergekommen sind Bedenken, aber den Norwegern vertraue ich, dass die das hier hinbekommen.


    Es hat wohl geschneit...






    Fürs Auge schön, fürs Fahren absolut nicht.







    23.3.
    Im Zug konnte ich dieses Mal ziemlich gut schlafen und kurz vor Oslo werde ich zum Sonnenaufgang wach. Ich mag diese Stimmung im Zug, wenn alle noch vor sich hindösen.
    Jetzt muss ich nur noch nach Larvik und am Abend geht die Fähre nach Hirtshals. Im Dunkeln baue ich mein Zelt auf, gehe zum Strand und schaue mal wieder Richtung Norden. Zumindest fotografisch sind zum Abschluss nochmals schwache Nordlichter über dem Meer zu erkennen :-)


    Oslo


    Larvik






    Hirtshals


    Und schwache Nordlichter zum Abschied

  14. Anfänger im Forum

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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #14
    wow Klasse Fotos und ein toller Bericht!!
    sunchild

  15. Fuchs
    Avatar von OttoStover
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #15
    "alleine irgendwo im Nirgendwo stehen gelassen zu werden." In Lønsdal you are not alone in the wilderness. It is a busy hut area with even a hotel to stay in. Close to the E6 and even has its own trainstation. One of my favourite places, I was there three weeks ago With the "Womo" just skiing a weekend.

    The mountain you called Matterhorn is called Solvågtind. It is impressive when you come from Sweden but easy to climb from the west side.

    Yes nice story and pictures. But -19C is not considered cold in winter in this area. Lucky you did not get -40!
    Ich lese und spreche Deutsch ganz OK, aber schreiben wird immer Misverständnisse.
    Man skal ikke i alle gjestebud fare, og ikke til alle skjettord svare.

  16. AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #16
    tolle Bilder, danke für den bericht!
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  17. Erfahren
    Avatar von Wanderreiterin
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #17
    Super Bericht und tolle Fotos! Vielen Dank für's schreiben Mein Favorit sind die Fotos vom Zelt unterm Nordlicht - Wahnsinn!
    Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben. Abraham Lincoln

  18. Gerne im Forum
    Avatar von kuningaskotka
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #18
    Freut mich, wenn es euch gefällt


    Zitat Zitat von OttoStover Beitrag anzeigen
    "alleine irgendwo im Nirgendwo stehen gelassen zu werden." In Lønsdal
    you are not alone in the wilderness. It is a busy hut area with even a hotel to stay in. Close to the E6 and even has its own trainstation. One of my favourite places, I was there three weeks ago With the "Womo" just skiing a weekend.

    The mountain you called Matterhorn is called Solvågtind. It is impressive when you come from Sweden but easy to climb from the west side.
    Of course, I believe you that it is not a lonely area. But compared to others, it is a small train station and at 7am I saw nobody and I heard only the leaving train, some birds and the wind. So it was the feeling to be in the middle of nowhere. Maybe that applies when you take German conditions as a basis, but not Norwegian .
    But I will walk around with watchful eyes, when I arrive in Lønsdal again in a few days.

  19. Fuchs
    Avatar von OttoStover
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #19
    Zitat Zitat von kuningaskotka Beitrag anzeigen
    But I will walk around with watchful eyes, when I arrive in Lønsdal again in a few days.
    Oh, cool! According to the latest weather forecast you are lucky if you arrive within a week. Where are you planning to go?
    Otto
    Ich lese und spreche Deutsch ganz OK, aber schreiben wird immer Misverständnisse.
    Man skal ikke i alle gjestebud fare, og ikke til alle skjettord svare.

  20. Gerne im Forum
    Avatar von kuningaskotka
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    AW: [NO][SE] Mit dem Rad durch Lappland oder "Why in the winter?!"

    #20
    Zitat Zitat von OttoStover Beitrag anzeigen
    Oh, cool! According to the latest weather forecast you are lucky if you arrive within a week. Where are you planning to go?
    Otto
    Yes, it looks great ! At the moment I try to sleep in the night train to Bodo ;) and at first I planed to ride nearly the same tour I described here. But due to the sunny weather I decided to enjoy the snow covered Lofoten for a few days (my first plan in 2015). Following this it is planned to go the tour from Norway to Sweden (Arjeplog) and back to Norway (Mo or another destination). It is all a bicycle trip again.
    Geändert von kuningaskotka (20.09.2017 um 02:06 Uhr)

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