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  1. Erfahren
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    [FR] Jakobsweg: Contrexéville - Langres - Dijon - Beaune - Taizé - Cluny

    #1
    Mitreisende: QOM
    Land: Frankreich
    Reisezeit: Herbst (2015)
    Wie? Mehrtages-Wandertour
    Route: Contrexéville - Langres - Dijon - Beaune - Taizé - Cluny

    Vorbereitung:
    Nachdem der letzte Abschnitt so rein technisch eigentlich ganz gut gelaufen war, hatte ich mir keine Hausaufgaben mitgenommen.
    Außer, immer brav meinen Teller leer zu essen damit es nicht die ganze Zeit so fies regnen muß.
    Und vielleicht, meinen Start- und Endpunkt mit etwas günstigerer Verkehrsanbidnung zu wählen.

    Die Navigation hatte beim letzten Mal mit dem Outdoor-Reiseführer und selbst gemachten GPS-Tracks hervorragend geklappt (mit einer Ausnahme). Und so habe ich mich dann auch dieses Mal wieder hingesetzt und meine Planung selber zusammengedaddelt.
    Das ging jetzt allerdings etwas fixer von der Hand, denn über weite Strecken ist der Jakobsweg als "waymarked Trail" in der Karte vermerkt - wenngleich auch nicht immer so ganz eindeutig.
    Die aufgezeichneten Tracks der letzten beiden Abschnitte waren hinsichtlich der Höhenangaben völlig falsch, also bin ich nochmal in das Optionstrauma meiner Navigations-App eingestiegen. Dort fand ich eine Einstellung, die die vom GPS gemessen Höhe irgendwie mit den Kartendaten und dem barometrischen Druck abgleicht. Das klingt gut, hoffentlich braucht es nicht zuviel Strom!

    Die Packliste war beim letzten Mal recht gut, mit der gehe ich wieder ins Rennen. Beim eigentlichen Packen bleiben dann ein, zwei Dinge doch noch daheim.

    Die zeitliche Planung ist nicht ganz leicht. Denn je nachdem, welche Fahrplan-Webseite man fragt, gibt es an manchen Tagen eine Bahnverbidnung zum Startpunkt oder auch nicht.
    So entscheide ich mich für den Sonntag als Anreisetag. Denn falls ich da irgendwo strande, geht es am Montagmorgen mit Schulbussen und Berufsverkehr irgendwie weiter.
    Und ich nehme mir dieses Mal zwei Wochen Zeit.

    Anreise:
    Die Anreise beginnt extrem ernüchternd mit dem Versuch, am Freitagabend online eine Fahrkarte für die Bahnfahrt zu erstehen.
    Nach einigen Versuchen finde ich endlich eine Verbindung von Frankfurt nach Metz im Fahrplan der Deutschen Bahn und ab Metz bei SNCF.
    Eine Fahrkarte können mir beide nicht direkt verkaufen. Die Bahn begründet das (auch in ihrer App) damit, daß die Frist bis zur geplanten Abfahrt zu kurzfristig sei.
    Da fragt man sich doch, welche bessere Berechtigung als eine kurzfristige Abreise es für den Erwerb eines Online-Fahrscheins geben mag?!?
    Nun gut, sei's drum...
    Ich drucke die Verbindungsdaten aus und stelle den Wecker 20 Minuten früher um am Hauptbahnhof Zeit für den Fahrkartenerwerb zu haben.
    Das klappt letztlich alles perfekt und reibungslos.
    Trotzdem bin ich eine Weile unterwegs:
    Der Bus bringt mich gegen 9 zur U-Bahn. Die U-Bahn bringt mich kurz drauf zum Frankfurter Hauptbahnhof.
    Fahrkarte kaufen, eine halbe Stunde warten. Dann bringt mich der ICE püntklich nach Mannheim.
    Dort habe ich etwa 20 Minuten zum Umsteigen, es geht weiter per Regionalexpress nach Saarbrücken.
    Der hängt zwischendurch etwas in der Zeit, holt aber wieder auf (!) und so erreiche ich den SNCF-Grenzzug nach Metz ohne Eile.
    In Metz habe ich gut 30 Minuten zum Fahrkartenkauf und Umstieg, und auch das ist locker zu schaffen.
    Der Regionalzug bringt mich an einigen aus dem letzten Abschnitt bekannten Städten vorbei nach Nancy.
    Da wird es kurz spannend, denn der Bus (Schienenersatzverkehr) soll zwar fahren, aber es ist etwas undurchsichtig ab wo.
    Ich gehe zu einem Bus, der etwas abseits stehe und frage dessen dösenden Fahrer ob er eine Idee hat. Glücktreffer. Er hat, denn es ist der gesuchte Bus.
    So warte ich noch ein wenig in der Sonne und mache mich dann auf die abschließende zweieinhalbstündige (!) Busfahrt nach Contrexéville.
    Als ich dort gegen 18:15 ankomme, sind die Bürgersteige schon hochgeklappt.
    Trotzdem gibt es eigentlich nichts zu meckern. Sechs Mal umgestiegen, trotzdem alles pünktlich.
    Contrexéville empfängt mich so, wie ich es im Frühjahr verlassen habe: Menschenleer.
    Immerhin regnet es nicht. Das im Voraus gebuchte Hotel ist leicht zu finden, etwas schwieriger wird es beim Abendessen.
    Ein Vietnamese bietet Buffet, und die Welt ist für mich gerettet.

    Nicht allzu spät wird es dunkel um mich und völlig ruhig in der Stadt...
    Geändert von QOM (08.11.2015 um 20:10 Uhr)
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  2. Erfahren
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    [FR] Jakobsweg: Contrexéville - Bourbonne-les-Bains

    #2
    1. / 17.Tag: Contrexéville - Bourbonne-les-Bains
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    Montag, 12. Oktober 2015
    Strecke: 40,8km - Etappe: 40,8km - Gesamt: 555,1km
    Gehzeit: 8:45 brutto / 7:30 netto

    Ich weiß über die ersten Tag vor allem Eines: Sie werden relativ lang. Ohne Möglichkeit, irgendwo abzukürzen oder vorher Quartier zu machen.
    Also klingelt der Wecker natürlich früh, und in der ersten Morgensonne stehe ich nach einem ganz ordentlichen Frühstück ausgeschlafen und mit juckenden Füßen in der verlassenen Stadt.

    Kurzentrum, nach dem großen Ansturm.

    Der Weg steigt aus der Stadt heraus an und erklimmt und schon nach wenigen Minuten habe ich die letzten Häuser hinter mir. Es empfängt mich eine leicht neblige, herbstlich-ländliche Stimmung.

    Der Hof erwacht...


    Guten Morgen!

    Sanft geht es weiter auf den Hügel, die Sonne kämpft mit den letzten Nebelschwaden und der Feuchte der Nacht.
    Nach etwa 1,5km habe ich den Eindruck, ein ganzes Stück vor mir einen Schatten mit Rucksack auf dem Weg zu sehen. Aber nur kurz, denn er biegt um die nächste Ecke. Als ich die erreiche, ist er natürlich weg.
    Ich genieße die Morgenstimmung in der Sonne ebenso wie die Rinder auf den Weiden jenseits der Straße, die lautstark Ihren Bauern begrüßen.
    Nach etwa 5km erreiche ich Dombrot-le-Sec, eine Ortschaft fast kürzer als ihr Name. Der Weg ist gut ausgeschildert, und selbst wenn er es nicht wäre, wäre das navigatorisch durchaus zu bewältigen.


    Blick zurück nach Dombrot-le-Sec

    Kurz nach dem Ort biege ich ab auf die ehemalige Römerstraße, und siehe da:
    Der Schatten im Morgennebel war tatsächlich keine Täuschung. Ein ganzes Stück vor mir ist offensichtlich ein weiterer Wanderer unterwegs.
    Unglaublich. Das ist der erste, den ich auf meinem Weg in gleicher Richtung treffe. Und weil meine Füße am ersten Tag wie immer noch etwas zu schnell und ungeduldig sind, hole ich unaufhaltsam auf.
    Diese Situation stellt mich (nach etwas mehr als 500km auf meinem Weg) vor die grundsätzliche Frage, wie man überhaupt mit Menschen umgehen könnte, die man unterwegs tagsüber trifft. Ist ja schließlich der erste.
    Als er einen unüberlegten Biß in sein Baguette wagt, habe ich ihn eingeholt...

    Schnell kommen wir ins Gespräch. Karl kommt aus Hamburg und ist seit Jahren abschnittsweise Richtung Santiago unterwegs. Diesmal seit Metz.
    Netter Kerl mit einer interessanten Geschichte. Ich nehme das zum Anlaß, meine ungeduldigen Füße auf ein vernünftiges Tempo zu mäßigen.
    Die elf Kilometer ehemaliger Römerstraße vergehen im Sonnenschein flugs.


    Geradeaus, wie Römerstraße eben so ist...

    Karl navigiert technologisch etwas anders als ich, aber hier gibt es zunächst nicht viel zu navigieren. Selbst als wir bei Kilometer 18 die Römerstraße verlassen und auf einer Landstraße weiter sollen, sprechen der Pilgerführer und die Beschilderung vor Ort eine klare Sprache.
    Bald erreichen wir Aureil-Maison, das die Hoffnung auf einen Café au lait beim Abbiegen im Ortszentrum zu Nichte macht. Nein, um die Ecke gibt es auch nichts.
    Wir verlassen den Ort - immerhin nicht mehr auf der Römerstraße - durch eine kurzweilige landwirtschaftliche Gegend.


    Nach dem Schatten dieser Bäume werden sich Pilger im Sommer sehnen!


    Aber auch im Herbst sieht das kurzweilig aus!

    Schon bald erreichen wir bei Kilometer 23 den Wald und es geht kräftig bergauf.
    Karls Navigation ist etwas unsicher, meine auch. Bei Kilometer 27,5 steht endgültig fest, daß wir auf dem falschen Weg sind.
    Aber durch kurzen Dialog und beherzten Weg entlang einer Wirtschaftsschneise können wir den halben Kilometer Differenz sehr effizient korrigieren. Das war wahrscheinlich sogar gut so, denn der Pilgerführer hatte vor dem matschigen Waldweg gewarnt, den wir nun verpasst haben.
    Naja, man muß sich ja vielleicht auch nicht gerade gleich am ersten Tag die Schuhe dreckig machen!
    Wir erreichen den geplanten Weg gerade rechtzeitig wieder um den äußerst spektakulär mit einem Holzpfahl markierten Übergang zwischen Vosges und Haute-Marne zu passieren. Da sieht der Wald doch gleich ganz anders aus.
    Das war ein paßgenaues Stück entschlossener Navigation genau an der richtigen Stelle!
    Bei Kilometer 32,5 zeichnet sich mit einer Lichtung ein Ende des ausgedehnten Waldes ab.


    Wessen hier genau gedacht wird, ist nicht so klar ersichtlich. Schaut trotzdem nett aus...


    Blick auf Serqueux

    Wir erreichen den Rand von Serqueux und halten uns sofort wieder Richtung Ortsausgang um nicht von der allzu üppigen Infrastruktur dieser Metropole verführt zu werden. Am Ortsausgang wird es nochmal richtig kurzweilig, denn eine Eselsfamilie empfängt uns gloppierend und vor Freude springend.

    Die folgenden Felder sind ansonsten aber eher ruhig.

    Sieht nicht so lecker aus wie es ist: Französisches Rindvieh, mutmaßlich Bio-Qualität

    Der Weg schlängelt sich Richtung Etappenziel.

    Schon clever eingerichtet, daß es gegen Ende nicht Römerstraßen-geradeaus geht!

    Und schon bald erreichen wir Bourbonne-les-Bains.
    Die Kurstadt empfängt uns mit den Zeichen von Landflucht. Gefühlt jedes fünfte Haus steht zum Verkauf.
    Wir eckeln ein wenig durch die Gassen, bis wir die Mairie finden.
    Dort gibt es einen Stempel und einen Tipp für ein günstiges Hotel etwas stadtauswärts.
    Die zwischendurch passierte Ladenstraße hinterläßt bei uns hinsichtlich der Verpflegung keine Bedenken und das empfohlene Hotel ist erschwinglich und in Ordnung.

    Für mich war der erste Tag nun ein eher langer, Karl ist auch eher "sediert". So nehmen wir das Angebot des Wirtes, uns für einen gedämpften Preis ein "Pilgermenü" anzubieten gerne an. Dreieinhalb Gänge, Wein, gute Nacht!
    Vor dem Ende des Abends verständigen wir uns noch auf die Etappe des nächsten Tages, planen eine leichte Abkürzung gegenüber der vorgesehenen Route.

    Fazit des ersten Tages:
    Es gibt tatsächlich noch andere Menschen auf dem Jakobsweg. Faszinierend!
    Das Treffen mit Karl verhindert, daß ich am ersten Tag durch dauerhaft zu hohes Tempo meine Kräfte verzehre.
    Die Etappe war lang, aber entgegen der intensiven Warnungen im Pilgerführer schon gut zu schaffen.
    Außer einem ernsthaften Aufstieg und einem Abstieg gegen Ende war da nichts außerordentlich kräftezehrendes dabei.
    Eine gute Einstimmung auf die nächsten Tage, die wahrscheinlich auch nicht wesentlich kürzer werden dürften.
    Geändert von QOM (28.11.2015 um 20:49 Uhr)
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  3. Erfahren
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    [FR] Jakobsweg: Bourbonne-les-Bains - Langres

    #3
    2. / 18.Tag: Bourbonne-les-Bains - Langres
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    Dienstag, 13. Oktober 2015
    Strecke: 45,6km - Etappe: 86,4km - Gesamt: 600,7km
    Gehzeit: 10:15 brutto / 8:30 netto

    Bei dem Plan für den heutigen Tag erübrigt sich die Frage nach der charakterlichen Positionierung gegenüber dem Weckerklingeln.
    Die Nacht war ruhig, und so ist das Problem mit dem Aufstehen wesentlich kleiner als erwartet. Auch keine Schmerzen. Bin ich etwa schon tot??
    Das Frühstück ist nett, aber wir halten uns nicht allzu lange damit auf. Mitzunehmen gibt es nicht viel, aber das macht auch nichts, denn der Weg führt uns unmittelbar durch eine Einkaufsstraße.
    Da sind die einschlägigen Geschäfte auch um 8:30 schon geöffnet als wir unseren Weg antreten.
    Karl ist eher der frühe Vogel, aber ich komme auf den ersten Kilometern doch irgendwie hinterher.
    Wir haben uns auf den ersten Stunden gegen die ausgeschilderte und im Pilgerführer beschriebene Route entschieden, denn Umweg und Aussicht schienen uns in keinem Verhältnis zu stehen. Lieber wollten wir durch ein paar morgentliche Höhenmeter einige Kilometer abkürzen.
    Wir laufen also ziemlich bald auf verkehrsbefreiten Straßen durch den morgendlichen Nebelwald zuerst bergauf und dann wieder bergab (klar, der nächste Ort heißt Coiffy-les-Bas, das sollte man im Tal erwarten).


    Der Nebelwald der Haute-Marne am Morgen. Gorillas wären jetzt nett...


    Wenn ich mich recht erinnere, ist der Knotenpunkt zwischen D26 und D158 einer der neuralgischten Punkte im französischen Straßennetz...

    Bei etwa 7km endet der Wald unerwartet und öffnet den Blick auf ein nettes Tal.


    Im Vordergrund: Die ersten herbstlichen Weinberge der Etappe. Im Hintergrund: Coiffy-les-Bas. Theoretisch jedenfalls.


    Nix Spätleese. Hier ist Ende der Saison!

    Schon bald durchqueren wir Coiffy-les-Bas, einen für die Gegend relativ typischen, verschlafenen Weiler.
    Der wird gerade vom Postboten aufgeweckt, der vor jedem Haus hupt um sich anzukündigen.


    Der legendäre Cruising Strip von Coiffy-les-Bas

    Es geht ruhig und ohne navigatorische Schwierigkeiten weiter, und schon bald erreichen wir - bei etwa 13km - in Varennes sur Amace die planmäßige Wegführung wieder.
    Die führt uns wie die ganze Zeit schon über offizielle, praktisch nicht befahrene Straßen durch die nächsten Orte.
    Die Landschaft präsentiert sich selbstähnlich vorweigend als fruchtbares Weideland.


    Grün, grün, grün...

    Der Nebel hat sich verzogen, die Sonne kommt immer mal wieder raus und lullt uns mit netten Farbenspielen ein.


    Hm... Das müßte der Rückblick auf Marcilly-en-Bassigny sein. Oder ist es Orbigny-au-val?

    Meine Routenplanung scheint perfekt, und so kommt es bie Kilometer 26,5 kurz nach Plesnoy zu einem absolut fatalen Navigationsfehler.
    Was auf der Karte während der Planung und auch jetzt im Track wie ein absolut harmloses 150-Meter-Stückchen Wald aussieht, ist ein matschiger Aufstieg ohne Pfad und Weg, gesäumt von Dornenhecken. Absolut unwegsam und ein echter Fehler.
    Wir machen's trotzdem, denn das Motto des Tages lautet "geradeaus wenn's irgendwie geht". Und durch die - mitunter auch mit Bullen und Stieren besetzten - Weiden gehen kaum Wege, die als Alternative in Frage kämen.
    Völlig abgekämpft und naßgeschwitzt oben im Wald angekommen, unterhalten wir uns kurz über unser intellektuelles Vollversagen - so etwas kann ja auch mal schief gehen. Glück gehabt!
    Also: Vorsicht in der Ecke! Plant Euren Track um die Stelle herum!
    Oben empfängt uns ein Feld mit Wintersaat und der erwarteten Straße in Sichtweite.
    Und es wird kurz wieder neblig und windig.
    Auf etwas verschlungenen aber gut zu findenden und beschilderten Wegen erreichen wir Orbigny-au-Mont und Orbigny-au-Val, und damit hat es sich mit dem Auf und Ab für heute erst mal.
    Etwa bei Kilometer 33 biegen wir in Richtung des Liez-Sees ab, auf spätnachmittägliches See-Panorama hoffend.

    Der See läßt sich allerdings eine ganze Weile feiern, bis wir durch das Gebüsch einen ersten Blick auf ihn erhaschen können.
    Ein besonderes navigatorisches Glanzlicht ist die völlig sinnlose Schleife zwischen Kilometer 34,5 und 35,4. Einen Kilometer durchs Gehölz laufen um netto knapp 60 Meter - von einer Seite der mit Stacheldraht eingezäunten Weide zur anderen - zurückzulegen. Nun gut, nach dem fatalen Navigationsfehler hatten wir beschlossen, keine Risiken mehr einzugehen...
    Vom See ist nach wie vor nichts zu sehen, denn das Ufer ist dicht bewaldet. So werden wir immer schneller bis wir etwa bei Kilometer 38 die Freizeit-Infrastruktur des Sees erreichen.
    Auch hier ist der Ausblick eher schlicht, denn die Sonne ist weg und der See hat ziemlich Niedrigwasser.
    Bei knapp 39 Kilometern erreichen wir endlich die Staumauer.


    Blick zurück auf den Liezsee.

    Wir hatten eigentlich gehofft, daß der See der Höhepunkt des Tages würde, aber der Weg hat sich wirklich nicht gelohnt.
    Wir machen eine kurze Pause und blicken nach vorne auf das Tagesziel.


    Auf dem nächsten Hügel: Langres

    Davon trennen uns noch etwa 4km, aber da ist noch ein Tal dazwischen.
    Wir machen uns auf den Weg und kommen bis in die Talsohle wirklich gut voran, obwohl es uns beiden eigentlich schon an der Staumauer gereicht hätte.
    Der praktisch völlig gerade Anstieg von etwa 100 Höhenmetern auf nur zwei Kilometern zieht uns dann aber wirklich die Kraft aus den Knochen.
    Wann hat es eigentlich auch noch angefangen zu Nieseln?
    Und so langsam dämmert's auch.

    Wir erreichen endlich eines der Stadttore.


    Langres. Endlich!

    Die Stadt soll eine der 50 schönsten in Frankreich sein, aber dafür haben wir heute keine Augen mehr. Jetzt zählt nur noch Infrastruktur!
    Die Erbauer von Langres haben die Stadt zur Verteidigung optimal aufgebaut: Total unübersichtlich und verwirrend.
    Dennoch finden wir die Fußgängerzone und in ihr ein Hotel mit akzeptablem Preis. Es gibt ein Zimmer mit zwei Schlafzimmern und gemeinsamem Bad.
    Gemacht, das kriegen wir hin!

    Der Abend endet nach der Dusche bei einem guten Pseudo-Italiener mit einer großzügigen Pizza.
    Danach wird's ziemlich schnell dunkel...

    Fazit des zweiten Tages:
    Gemeinsam ist es unterwegs auch ganz nett!
    Die Etappe war ganz hart an der Grenze dessen, was ich leisten konnte. Konzentration, Kraft, Ausdauer und Füße geben wirklich nicht viel mehr her! Hoffentlich kann ich mich morgen noch rühren!
    Und: So gut die Navigation auch scheint, ihr nie blind vertrauen! Immer Augen auf vor Ort und Mut zur Improvisation!
    Nun gut, damit hat diese Etappe auch ihren groben Navigationsfehler. Das muß wohl einfach ein Mal pro Urlaub sein.
    Geändert von QOM (28.11.2015 um 20:54 Uhr)
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  4. Gerne im Forum

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    AW: [FR] Jakobsweg: Contrexéville - Langres - Dijon - Beaune - Taizé - Cluny

    #4
    Toll geschriebener Bericht und ordentlich, lange Tagesetappen.

  5. Erfahren
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    AW: [FR] Jakobsweg: Contrexéville - Langres - Dijon - Beaune - Taizé - Cluny

    #5
    Hallo Dr. Matchbox,
    Zitat Zitat von DrMatchbox Beitrag anzeigen
    Toll geschriebener Bericht und ordentlich, lange Tagesetappen.
    ja, das mit den langen Etappen stimmt.
    Die sind in der Gegend nahezu alternativlos. Denn da ist echt Landflucht!
    Die Infrastruktur ist hinsichtlich sichtbarer Unterkunftsangebote echt dürftig!
    Auch zwischendurch vielleicht mal ein offenes Café wäre teilweise schon nett gewesen.
    Oder vielleicht wenigstens eine Bank oder ein Baumstamm zum Rasten; man wird ja mit der Zeit genügsam...
    Häufig hätte ich etwa die Hälfte der Etappen wählen können, aber das wäre mir zu wenig gewesen.
    Die ersten beiden Tage hatte ich echt Glück mit den Unterkünften, aber danach war es absolut unabdingbar morgens noch das Bett für Abends klar zu machen und die Tagesplanung entsprechend anzupassen.
    Das wird sich in den nächsten Tagesberichten zeigen...
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  6. Erfahren
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    [FR] Jakobsweg: Langres - Auberive

    #6
    3. / 19.Tag: Langres - Auberive
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    Mittwoch, 14. Oktober 2015
    Strecke: 31,2km - Etappe: 117,6km - Gesamt: 631,9km
    Gehzeit: 7:00 brutto / 5:45 netto

    Die Nacht war ruhig und angemessen lang.
    Denn weil Karl heute den Heimweg antreten möchte und ich auch eine etwas kürzere Etappe anstrebe, kann der Tag ruhig etwas langsamer beginnen. Zumal es draußen wenig einladend dunkel und diesig ist.
    Dennoch stehen wir gegen 9 vor der Tür und suchen im Nieselregen eine Stempelstelle.
    Bevor ich mich vor die Tür getraut habe, habe ich das mäßig freundliche Fräulein an der Rezeption noch dafür gewinnen können, einige mögliche Unterkünfte für die Nacht abzutelefonieren. Sie telefonierte recht lange mit meiner Unterkunft für die Nacht und drückte mir eine etwas abstrus wirkende Wegbeschreibung in die Hand. Ich kann mir keinen Reim darauf machen, weiß letztlich nur, daß die Unterkunft nicht in Downtown Auberive ist und ich tagsüber mal besser die Augen offen halten sollte. Immerhin, ich habe ein Bett für die Nacht, ich muß es nur finden.
    Und dort ist auch das Abendessen vereinbart, denn drumherum gäbe es weit und breit Nichts.
    Also los, der Plan ist nun etwa 35km für den Tag, da ist dann am Ende auch noch Zeit, ein wenig nach der Unterkunft zu suchen...


    Diderot, cleverer Sohn der Stadt, hat sich hier bestimmt nie verlaufen!

    Gemeinsam finden wir an einem Gebäude einen Hinweis, daß sich hier in der Region die zwei ältesten Pilgerwege Europas kreuzen.

    Rom oder Santiago?

    Das Haus öffnet sich in einen netten Innenhof, die Brüder aber sind nicht da. Also hier kein Stempel.

    Möglicherweise findet sich hier auch eine Pilgerunterkunft. Wenn man hier jemanden findet...

    Ein Stück weiter erhebt sich die Kathedrale dunkel in den grauen Morgen.


    Da sind die Brüder auch nicht. Oder sie schlafen im Dunkel.

    Drinnen kein Licht, keine Menschenseele, und natürlich auch kein Stempel.
    Die Schilder Richtung Mairie weisen irgendwie auch keine eindeutige Richtung.
    Und so trennen sich unsere Wege:
    Karl hat noch etwas Zeit, muß sich aber schon langsam darum kümmern, wann und wo sein Bus fährt.
    Und ich muß den Weg aus der Stadt finden und sie hinter mir lassen.
    Kurze Umarmung, beste Wünsche, und schon bald ist der andere nur noch ein Schatten im Nebel...

    Ich werfe die Navigation an und versuche in Langres, den richtigen Ausgang zu finden. Der Weg führt mich tatsächlich noch an einigen Schildern vorbei, die glaubahft und gleichlautend die ungefähre Lage der Mairie andeuten, und nachdem ich eine Passantin gefragt habe, versuche ich es doch. Und bekomme meinen Stempel.
    Kurz drauf verlasse ich die Stadt.


    Adieu Langres!

    Es geht bergab ins nächste Tal und vor mir öffnet sich ein großartiges Panorama:


    Langres: Beste Aussichten für den Tag!

    Der nun folgende Tag läßt sich nur als einsam und menschenleer beschreiben.
    Zwar komme ich durch die eine oder andere kleine Siedlung. Aber, wer bei dem Wetter nicht vor die Tür muß, bleibt halt doch daheim.
    Es ist neblig, kühl und etwas windig. Zeitweise fällt der Nebel - es ist schon ein feiner Unterschied zwischen Nebel, Sprühregen und Nieselregen!
    Der Weg führt mich gut zu finden vorwiegend asphaltiert oder hart geschottert mit einigen Metern bergauf und bergab durch landwirtschaftliches Gebiet. Alles sehr weitläufig und ereignislos. Keine Wolken, keine Sonne, keine Tiere, einfach weiter.
    Plus Ultra, wie es Karl dem vierten zugeschrieben wird...
    Etwas lauter ist bei etwa 15km die Überquerung einer Autobahn, aber schon bald ist davon nichts mehr zu hören, denn der Wind kommt aus der anderen Richtung.
    In Perrogney-Les-Fontaines, bei etwa 18km kommt dann eine kleine aber sehr bedeutende Abwechslung.
    Der Tag plätscherte bislang völlig ereignis- und abwechlsungslos vor sich hin, und so erregt der kleine Pfosten mit der Jakobsmuschel dran meine Aufmerksamkeit. Zumal steht er neben einem im Sommer sicher herrlichen Schatten spendenden Baum und ich muß gerade mal für kleine Pilger...
    Mit diesem Schild ergibt der Zettel in meiner Hosentasche plötzlich einen Sinn:


    "Sie müssen den GR7 irgendwann verlassen um die Unterkunft zu finden!"

    In der Tat haben die Wirtsleute dieses Abends an der Stelle, an der man sie anrufen müßte, wenn man jetzt noch keine Unterkunft hätte, ein Schild mit Wegbeschreibung aufgestellt!
    Die Gegend ist erstens überschaubar und zweitens auf der Karte klar zu deuten.
    Ich merke mir also, daß ich dem GR7 bis zur Straße folge und diese dann weiter entlang laufe bis es irgendwo glaubhaft nach links ab geht.

    Kurz bevor ich die Straße erreiche, entdecke ich Spuren eines Barfuß-Wanderers. Zumindest ab dort:


    Ja, aus der Serie hatte ich auch mal ein Paar. Und sie hatten das gleiche Problem...

    Ich bemerke mit Blick auf die Uhr und die vom Telefon aufgezeichnete Durchschnittsgeschwindigkeit, daß ich heute auch einen heißen Socken laufe. Aber mir geht es sehr gut dabei, und hier lenkt auch Nichts, abslout und wirklich Nichts, vom eigentlich Akt des Laufens ab! Also mal munter weiter, wenn's läuft dann läuft's!

    Es geht nun lange und ausgiebig durch den Wald, zwischenzeitlich habe ich die Regenhose übergezogen.
    Bergab läuft es fast von selbst, es gibt auch Nichts, was irgendwie ablenken könnte.
    Bei etwa 26km erreiche ich die Ferme d'Acquenove, einen in die Landschaft geduckten Hof.


    Ja, da leben wohl Menschen. Und sicher auch große Hunde.

    Der Abzweig zum Hof ist eine Kreuzung, und hier haben sich die Wirtsleute des Abends mächtig ins Zeug gelegt.


    Was ist hier waagrecht? Bei dem Wetter gar nicht so leicht zu entscheiden...


    Klare Ansage: 3km immer weiter...

    Es gibt ein Schild, es gibt einen Weg, auf meiner Karte und in echt und er ist nicht allzu matschig. Also gehe ich bergauf und verschwinde bald im mal wieder absolut einsamen Wald.


    Da geht eine Stromleitung lang, also gibt es da hinten irgendwo Zivilisation. Oder es gab sie zumindest mal.

    Mich beschleichen leichte Zweifel, aber da entdecke ich eine Muschel an einem Baum.
    Und so werde ich durch den teilweise sehr dunklen Wald - Mann, bin ich froh, daß es hier keine wilden Tiere gibt! - erst bergauf und dann wieder bergab geleitet.
    Die letzte Stunde zieht sich ein wenig, aber schließlich erreiche ich ein völlig alleine stehendes Haus.


    Weit und breit sonst Nichts. Im Vordergrund übrigens die Straße nach Auberive.


    Hier bin ich wohl richtig!

    Ich nähere mich dem Haus in Erwartung eines der von mir so sehr geliebten großen, freilaufenden Hundes.
    Aber es passiert nichts. Als ich klingele, öffnet mit eine nätte ältere Dame und bittet mich herein.
    Ihr Gemahl sagt nichts, drückt mir einfach nur kurz die Hand ohne Aufzustehen.
    Frau Vollmer führt mich in den ersten Stock in ein kleines Pilgerparadies, echt nett gemacht.
    Recht neu renoviert, eine Mischung zwischen Pension und Herberge. Ich habe einen Raum mit Betten für fünf für mich alleine, bekomme aufgrund meiner Körpergröße sogar noch das längere Bett bezogen.
    Herrlich gemütliche Atmosphäre.
    Wir sprechen uns hinsichtlich des Abendessens ab, und ich ruhe mich noch ein wenig aus.
    Das Abendessen ist eine Gemüsesuppe, aber davon reichlich und mit Wurst - und das ist genau das Richtige, denn nach dem Tag in Niesel und Wind bin ich doch irgendwie durch und durch klamm.
    Und ich erfahre, daß der Herr des Hauses krankheitsbedingt nur durch mühsam handgeschriebene Zettel kommunizieren kann.
    Schade, denn er hätte bestimmt eine Geschichte zu erzählen. Ich erfahre, daß er Mitte der Sechziger mit viel Glück und verletzt über die Mauer aus der DDR geflohen ist, nachdem er trotz einer im System viel versprechenden Pilotenstelle einige Zeit in Bautzen inhaftiert war...
    Er freut sich sichtlich, Deutsch zu hören.

    Schon bald nach dem Abendessen haue ich mich in die Kissen.
    Nach den anstrengenden Tagen davor kann etwas mehr Schlaf nicht schaden.
    Zumal die morgige Etappe wahrscheinlich wieder etwas knackiger wird.
    Denn die Infrstruktur ist wieder mal nicht so dicht. Und die Wirtin des Hauses sagt mir schon, daß die Herberge am geplanten Zielort letztes Jahr dicht gemacht hat; wir müssten am nächstne Morgen ein wenig herumtelefonieren...

    Fazit des dritten Tages:
    Monotoner Tag durch trübes Gallien. Nicht allzu anstrengend.
    Aber es darf ja auch mal etwas weniger sein.
    Der nette Empfang und die Unterkunft am Abend sind auf jeden Fall ein Volltreffer und ein guter Grund, den Verlauf des Jakobswegs in dieser entlegenen Weltgegend nachaltig zu ändern!
    Zumal der Weg an dieser Stelle etwas abkürzt. Ich bin mit etwa 31km im Ziel; nach Auberive wären es um die 35 gewesen.
    Geändert von QOM (28.11.2015 um 21:00 Uhr)
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  7. Erfahren
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    [FR] Jakobsweg: Auberive - Tarsul

    #7
    4. / 20.Tag: Auberive - Tarsul
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    Donnerstag, 15. Oktober 2015
    Strecke: 39,3km - Etappe: 156,9km - Gesamt: 671,2km
    Gehzeit: 8:00 brutto / 6:45 netto

    Die Nacht war dunkel und ruhig. Ziemlich absolut.
    Ich komme also gut erholt und nicht allzu spät aus den Federn.
    Verquatsche mich aber beim Frühstück ein wenig mit der anderen Reisenden, die gestern spät angekommen ist.
    Sylvie ist eine eher junge Jugendbuch-Autorin, die gerade ein Buch über die Reise der schwarzen Störche schreibt.
    Schwarze Störche? Ja, die gibt's tatsächlich und sie ziehen gerade hier durch die Gegend.
    Ich schaue sie zweifelnd an: Also gestern war hier so fieses Wetter, daß die meisten Vögel zu Fuß gegangen sind! Da wären mir schwarze Störche sicher aufgefallen! Und der Blick aus dem Fenster verheißt für heute nicht gerade Besseres.
    Sie bleibt dabei, und ich verspreche ihr, unterwegs die Augen aufzuhalten.
    Dann telefoniert die Herbergswirtin freundlicherweise noch mein Zielgebiet ab und findet einen Ort weiter als ursprünglich geplant noch eine Unterkunft. Ja, natürlich möchte ich gerne auch zu Abend Essen.
    Woher sie denn anriefe? Was? Aus Auberive? Das wäre aber weit! - "Keine Sorge, der schafft das schon, der hat lange Beine!"
    Und so stehe ich kurz drauf in der diesigen Kälte. Es sah nach Nebel aus, ist aber Sprühregen, also gleich in die Regenklamotten.
    Zudem ist es fies kalt!
    Ich laufe die ersten Kilometer auf der wenig befahrenen Straße Richtung Vivey um dort auf den geplanten Weg zurückzukommen.
    Nach etwa 3 Kilometern nehme ich erstmalig wahr, daß das, was vom Himmel fällt, teilweise weiß ist.
    An manchen Stellen ist eine Eisschicht auf den Wiesen, ein Transporter, der mir entgegen kommt, ist voller Schnee.
    Na toll, das wird ja Klasse!
    Aber nach ziemlich genau 5 Kilometern wird mir dann an einem direkt an der Straße liegenden Gehöft ziemlich schnell ziemlich warm als eine Kuh neben mir plötzlich einen schreckhaften Satz macht und ich als Ursache dafür einen großen, schnell an Nähe gewinnenden Schäferhund ausmachen kann. Mit strammem Schritt und etwas Glück schaffe ich es gerade noch so aus der Zone, die er als sein engeres Revier zu begreifen scheint, und so macht er sich glücklicherweise nicht die Mühe, bei dem Sauwetter den Hof zu verlassen. Sauviech!
    Auf der Straße geht es bergauf, bergab weiter nach Vivey (bei Kilometer 6), zu sehen gibt es auf den ersten 15 Kilometern eher nichts. Immerhin geht die Temperatur wieder deutlich über den Gefrierpunkt und der Niederschlag wird leichter.


    Kein schöner Land in dieser Zeit...


    Hochgeschwindigkeits-Strecke für Fußpilger: Keine Ablenkung, leicht bergab...

    Dann verläßt er ausgeschilderte Weg kurz die Straße.


    Nett anzuschauen und zu Laufen! Wenn nur die vielen Leute nicht wären!

    Dann erreiche - oder besser passiere - ich die Postkartenidylle von Grancey-le-Chateau:


    In der Sonne ein klassisches Postkartenmotiv der Region


    An einem der Nebengebäude erstmalig zu sehen: Die bunten Dächer auf klassichen Häusern in Burgund


    Will ich da hoch? Och, laß' ma' stecken. Die aussicht wird eh' trübe sein!

    Es geht weiter durch Feld und Wald, teilweise mit kräftigen Steigungen und Gefällen. Ich bemerke, daß ich wieder ein ziemlich irrsinniges Tempo drauf habe als ich beim Prüfen der Richtung aus dem Augenwinkel die Zahl "6,5km/h" auf der Anzeige sehe. Freilich, es geht gerade etwas bergab, aber das kann irgendwie nicht gut sein. Dennoch geht mir's bestens...
    Es gibt ja nix weiter zu sehen außer Wald, Wald, Wald. Die Tiere haben sich verkrochen, es ist zu kühl um irgendwo eine Pause einzulegen, zumal es wieder mal keinerlei halbwegs komfortale Sitzgelegenheit gibt.
    Mann, Mann, Mann...
    Wenn ich mal richtig reich bin, gründe ich eine gemeinnützige Stiftung, die an den von mir begangenen Etappen des Jakobswegs alle 3-4 Kilometer eine kleine Sitzbank aufstellt!

    Etwa bei Kilometer 26 finde ich in Avot eine kurze Rast, bevor es wieder in den großen Wald geht.
    Ist echt schade, daß die Tiere heute alle Pause haben. Man kann sie riechen, man kann die frischen Spuren sehen.
    Aber egal, wie leise ich bin, ich kriege keines zu sehen!

    Bei Kilometer 32 erreiche ich Poiseul-les-Saulx.
    Die Infrastruktur ist zwar auch hier sehr dünn, die Straße leer. Aber hier hat man definitiv ein Herz für Reisende.


    Universelle Versorgungs-Säule. Das Wasser ging, der Strom auch!

    Ein paar Schritte weiter steht das alte Backhaus des Ortes, das der Bürgermeister als Pilerhütte hergerichtet hat.


    Pilgerhütte. die erste ihrer Art auf meinem Weg


    Na, dann ist es ja nich tmehr so weit...

    Drinnen stehen ein paar Stühle, Bilder an den Wänden zeugen von netten Abenden, an denen die Anwohner die Bude für die Pilger eingeheizt haben. Artig trage ich mich mit klammen Fingern und wackeliger Schrift in das Gästebuch ein.


    Alles etwas staubig, aber sehr nett gemacht.

    Nach diesem Kleinod geht es kurz durch Felder, und schon bald stehe ich wieder im Wald.
    Da gibt es auf den letzten Kilometern nicht mehr viel zu navigieren.
    Bei Kilometer 36 komme ich aus dem Wald und erreiche eine recht viel befahrene Straße.
    An dieser Stelle kürze ich ein wenig ab und spare mir den Schlenker über das ursprüngliche Etappenziel Courtivron.
    Tarsul ist in Sichtweite, und schon nach kurzer Zeit bin ich am Abzweig Richtung Ort.
    Die Unterkunft ist leicht zu finden, und der Empfang ist buchstäblich warm:
    Die Wirtsleute sind supernett und erwarten mich mit einem offenen Kaminfeuer in der Wohnküche.
    Praktisch am Eingang nimmt man mir die nassen Schuhe ab und verspricht, sie im Heizungsraum zu trocknen - ja, natürlich achte man darauf, daß sie nicht der direkten Wärme ausgesetzt werden. Ich wäre aber ganz schön schnell gewesen, man hätte mich frühestens in einer Stunde erwartet.
    Ich bin der einzige Gast heute und entsprechend luxuriös ist die Unterbringung: Ich habe ein helles Zimmer mit großem Bett für mich alleine, ebenso das großzügige Bad.
    Wir stimmen uns kurz hinsichtlich der Abendessenszeit ab und ich habe sattsam Zeit, mich unter der vielseitigen Dusche aufzuwärmen und einen laaangen Moment ins Bett zu muckeln.

    Die beiden Wirtsleute sind echt nett und ich werde göttlich bekocht, mit Suppe, Quiche, Salat, Pasta Pesto, Käse, einem Dessert, Kaffe,...
    Eigentlich wolle man ja ein wenig auf die Linie halten, aber wenn schon mal gekocht wäre...

    Ich erfahre, daß mein Timing wirklich gut wäre:
    Am Wochenende beginnt die Jagdsaison. Da würde in den Wäldern, durch die ich in den letzten Tagen gekommen bin, buchstäblich auf alles geschossen, was sich irgendwie bewegt. Die Jäger würden extra aus der Schweiz und Italien anreisen, denn die heimischen wären dem übermäßigen Wildbestand nicht alleine gewachsen. Die Jagdgebiete würden nicht weiter gekennzeichnet, in der Gemeinde würde eine Liste mit den Jagd-Tagen ausliegen aber am Weg gäbe es dann keine Markierungen oder weitere Warnungen. Und Absperrungen oder Jagdhelfer schon garnicht.
    Wer hier in der Gegend wohnt, geht einfach zwischen Mitte Oktober und Ende Februar nicht in den Wald.
    Ich nehme das ungläübig lächelnd mit Small-Talk-Miene auf - später mehr dazu...

    Die Gäste des nächsten Tages wären acht Jäger, auch da hätte ich Glück gehabt, daß ich heute gekommen wäre. Denn morgen wären sie ausgebucht.

    Es ist ein netter Abend, und nach dem Tagespensum und dem eher kühlen Wetter ist es überflüssig zu sagen, daß es um mich herum mal wieder ziemlich schnell Nacht wird.
    Die Hirsche, die angeblich nachts bis fast in den Ort kommen, höre ich nicht röhren.

    Fazit des Tages:
    Mit fast 40 Kilometern und einigem Auf und Ab war es kein leichter Tag, aber ich bin wieder gut vorangekommen.
    Trotz des recht hohen Tempos geht es mir körperlich sehr gut.
    Ich hab' jetzt aber allmählich auch genug Wald gesehen!
    Und sehne mich schon auch mal wieder nach einer Stadt mit etwas Infrastruktur!
    Geändert von QOM (16.12.2015 um 00:28 Uhr)
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  8. Erfahren

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    AW: [FR] Jakobsweg: Contrexéville - Langres - Dijon - Beaune - Taizé - Cluny

    #8
    Schöner Bericht, ich hoffe es geht bald weiter.
    “Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.”

    (Antoine de Saint-Exupéry, französischer Schriftsteller, 1900 – 1944

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    AW: [FR] Jakobsweg: Contrexéville - Langres - Dijon - Beaune - Taizé - Cluny

    #9
    tatsächlich habe ich doch deinen neuen Bericht bisher verpasst. Zum Glück bin ich gerade darüber gestolpert und habe natürlich dann gleich gelesen, was du zu berichten hast.

    Also bitte bald weiter schreiben, die Fans warten schon.
    Two roads diverged in a wood, and I—
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    And that has made all the difference (Robert Frost)

  10. Erfahren
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    [FR] Jakobsweg: Tarsul - Dijon

    #10
    5. / 21.Tag: Tarsul - Dijon
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    Freitag, 16. Oktober 2015
    Strecke: 34,4km - Etappe: 191,3km - Gesamt: 705,6km
    Gehzeit: 7:45 brutto / 6:15 netto

    Die Nacht war dunkel und ruhig. Ziemlich absolut. Ich weiß, daß schrieb ich gestern schon.
    War sie aber dennoch wieder. Keine Spur von röhrenden Hirschen!
    Weil heute ja nicht so viel ansteht, lasse ich mir beim Frühstück etwas Zeit und plaudere noch ein wenig mit den Gastleuten.
    Gegen halb zehn komme ich dann doch auf die Strecke, nachdem ich ordentlich Modell gestanden habe - die beiden fotografieren grundsätzlich alle ihre Gäste, die in das Gästebuch geschrieben haben.


    Im Hintergrund: Der Erweiterungs-Bau, wenn's mal mehr als etwa Sechs Gäste sind...

    Aus Tarsul heraus geht es direkt sehr ruhig weiter, sieht man mal von dem Dorfebwohner ab, der seinen weniger gut erhaltenen aber immerhin noch fahrtüchtigen 2CV röchelnd, hustend und röhrend (also das Auto, nicht er!) zum Leben erweckt.
    Die ersten Kilometer sind landschaftlich nicht Fleisch, nicht Fisch. Am Waldrand entlang geht es bei eher trübem aber noch nicht regnerischen Wetter die ersten 5 Kilometer nach Vernot.
    Das empfängt mich für einen Ort in dieser Region absolut typisch mit einem Waschhaus auf der zentralen Kreuzung.


    Hier wird die dreckige Wäsche öffentlich gewaschen. Oder vielmehr sie wurde...

    Gegenüber ist, na, was wohl?


    Kirche und Mairie. Moment...wo ist das Kriegerdenkmal??

    In Vernot mache ich in Verbindung mit dem Pilgerführer einen kleinen Navigationsfehler und halte mich zunächst rechts, in der Hoffnung, dann den Berg hoch zu kommen. Klappt aber nicht. Also zurück in den Ort, am Ortsausgang rechts ab in den Wald und ganz einfach immer geradeaus und bergauf.


    Navigatorisch äußerst überschaubare Wegführung.

    Die Kuppe des Hügels erreiche ich bei etwa 10 Kilometern, aber die Aussicht ist mal wieder eher weniger rauschhaft.


    Wald, Wald, Wald!

    Immerhin entbietet mir der große Wald einen letzten Gruß, bevor ich ihn verlasse.
    Suassy empfängt mich zur Mittagszeit eigentlich ganz malerisch aber mit einem nervtötend kläffenden Köter an der Dorfkriche, also werde ich nach kurzer Rast doch nicht seßhaft, sondern ziehe bei etwas ungemütlichem Luftzug weiter.
    Nach Saussy im Feld vertue ich mich kurz hinsichtlich des Weges, da hat die GPS-Planung mal einen Ausrutscher gehabt.
    Aber der ist im kommenden letzten Waldstück schon bald vergessen.


    Schon wieder Wald...

    Etwa bei Kilometer 16,5 muß ich wieder vom geplanten Weg abweichen - der Besitzer des Waldes hier legt keinen allzu großen Wert auf Gesellschaft und macht das durch Schilder und Zäune ganz eindeutig klar.
    Entlag der wenig befahrenen Straße erreiche ich bergab ziemlich zügig Messigny-et-Vantoux, das mich eher trübe und mit vielen Lastern (also den Autos jetzt...) Willkommen heißt, denn am Ortseingang ist eine Werkstatt für Nutzfahrzeuge.
    Im Ort bietet eine Bushaltestelle einen Rastplatz, und ich gönne mir eine Pause.
    Es ist doch etwas laut und wird im Sitzen schon recht bald kühl, also dehne ich die nicht sonderlich aus.
    Zumal sich irgendwas im Körper ein wenig seltsam anfühlt, so ein kleiner Hauch von Matschbirne vielleicht? Und ein ganz leichtes Ziehen im rechten Schienbein?

    Am Ortsausgang von Messigny-et-Vantoux überquere ich das, was eigentlich der Bach hätte sein sollen, dem ich (abweichend von den offiziellen Wegempfehlungen) Richtung Dijon folgen wolte. Ziemlich trockener, tiefer Graben.
    Nach Vantoux, wo ich das Lager oder die Wagenburg einer soeben angereisten Jagdgesellschaft durchquere, folge ich zunächst dem Weg am Bach entlang.
    Der Weg ist aber nicht so richtig komfortabel und die Landbesitzer weisen mit Schildern und Zäunen darauf hin, daß sie nicht gestört werden wollen.
    So ändere ich ab Ahuy (etwa Kilometer 25) den Plan und folge schmaleren Wegen Richtung Dijon, das sich von hier aus wohl kaum noch verfehlen läßt.

    In Ahuy fällt mir erstmalig ein wirklich großartiges Schild auf, das bei vielen der Helden-Denkmäler angebracht ist:


    Am Liebsten mag ich die Passage mit dem "freien Universum"!

    Auf einer Nebenstraße, eher einem Wirtschaftsweg, erreiche ich bei etwa 28km den äußersten Rand des Speckgürtels und halte mich von nun an einfach Richtung Stadtmitte.
    Das komische Gefühl im Kopf und das Ziehen im Schienbein werden stärker.
    Verdammt, diese Symptomatik kenne ich doch aus dem letzten Jahr, das wird doch nicht...

    Ich erreiche blad das geschäftige Stadtzentrum und drehe noch eine Runde, bevor ich das Hotel suche.


    Park am Réservoir Darcy


    Empfang durch den kleinen Triumpfbogen

    Die Fußgängerzone ist für meine der Zivilisation entwöhnten Sinne unverschämt, ja gar untrerträglich bevölert, aber irgendwie doch mitunter ganz malerisch.


    Fußgängerzone vor dem Markttag

    Bald schon erahne ich, warum es hier doch so relativ ruhig ist: In der Stadt herrscht recht hohes Aufgebot martialisch ausgestatteter Polizisten. Gerade als ich einen Platz überqueren will, kommen dort drei Wasserwerfer nebst eines Zuges an intergalaktischen Sturmtruppen an.
    Hier läuft irgendwas, und ich verstehe nicht, was. Also mache ich mich lieber aus dem Staub.
    Denn die Jungs mit dem Vollkörper-Schutz sehen nicht so freundlich aus wie die deutschen Kollegen. Und wirken noch etwas wortkarger.

    Nun gut, Dijon ist trotzdem eine nette Stadt...


    Place de la Liberté


    Eine der zahlreichen (oder eher zahllosen) Kirchen Dijons


    ...mit dem lokaltypischen Dach...

    Die an jeder Ecke präsente Polizei und das dumpfe Pochen in meinem Schienbein bringen mich nach einem kurzen Stempel-Besuch in der Kathedrale in mein leicht zu findendes und nettes Hotel in der Nähe der Église Notre-Dame de Dijon. Mitten in der Stadt und doch sehr ruhig.
    Und für das Abendessen echt in der Pole-Position, denn die Markthalle mit reichhaltigem gastronomischem Angebot rundherum ist sehr gut zu erreichen.
    Trotzdem wird es nur der dem Pizzaduft nach viel versprechende Italiener, und schon bald wird es mal wieder Nacht.
    Nicht, ohne die Hitze im Schienbein zu bemerken.

    Fazit des fünften Tages:
    Endlich raus aus den endlosen Wäldern und wieder in der Zivilisation!
    Keine sonderlich aufregende Etappe mit eher mäßigem, recht kühlem Wetter. Aber immerhin mal wieder nicht naß geworden!
    Die letzte Etappe hat den Übergang in die Stadt eigentlich ganz gut gelöst und mich recht ruhig in die Mitte der pulsierenden Stadt gebracht.
    Die Tagesetappe war gut machbar, der Körper scheint jetzt nach den etwas zähen Tagen trotz generell guten Gefühls doch ein wenig mucken zu wollen. Aber das ist in Ordnung, ab morgen geht es mit Infrastruktur eher genüßlich weiter!
    Geändert von QOM (20.12.2015 um 23:32 Uhr)
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  11. Moderator
    Alter Hase
    Avatar von ronaldo
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    AW: [FR] Jakobsweg: Contrexéville - Langres - Dijon - Beaune - Taizé - Cluny

    #11
    Ja das ländliche Frankreich... hat auch im Niesel seinen Reiz.
    Gefällt mir, dein unaufgeregter Stil. Los, weiter!

  12. Erfahren
    Avatar von QOM
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    AW: [FR] Jakobsweg: Contrexéville - Langres - Dijon - Beaune - Taizé - Cluny

    #12
    Hallo Ronaldo!
    Zitat Zitat von ronaldo Beitrag anzeigen
    Ja das ländliche Frankreich... hat auch im Niesel seinen Reiz.
    Gefällt mir, dein unaufgeregter Stil. Los, weiter!
    Dankedanke!
    Aber was sollte man da auch Aufgeregtes schreiben?
    Wenn sich in dem riesigen Wald ja wenigstens mal ein paar Viecher hätten blicken lassen statt nur auf die Wege zu kacken und sich dann wieder im Gehölz zu verbarrikadieren!
    Oder es an einem Aussichtspunkt auch tatsächlich mal Aussicht auf Aussicht gegeben hätte!

    Das war bis Dijon Alles in Allem eine herzhaft unaufgeregte Nummer!

    Mal abgesehen von den freilaufenden Hunden...
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  13. Erfahren
    Avatar von QOM
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    [FR] Jakobsweg: Dijon

    #13
    5. / 21.Tag, die Zweite: Zwangspause in Dijon
    Samstag, 17. Oktober 2015
    Strecke: 0km - Etappe: 191,3km - Gesamt: 705,6km
    Gehzeit: ??

    Was sich schon beim Zubettgehen abzeichnete wird nach dem Aufwachen zur erdrückenden Gewißheit:
    Die Symptome sind wirklich die gleichen wie im letzen Herbst, und die zugehörige Seuche scheint auch die gleiche zu sein.
    Wenn ich jetzt mit etwas Glück und ziemlich schnell einen Arzt finde und den von meiner Selbstdiagnose überzeugen kann, muß ich vielleicht doch nicht direkt heimfahren.
    Ich verhandele also im Hotel, daß ich meinen Kram noch dort lassen kann, bis ich Bescheid weiß, erfahre den Weg zum nächsten Arzt und kriege von der freundlichen Wirtin sogar noch einen Termin für Barzahler gemacht.
    Beim Arzt angekommen, werde ich freundlich empfangen und er folgt meinem Diagnosevorschlag etwas erstaunt und prompt.
    Wundrose, auf französisch und in der internationalen Medizin "Ersipiel", hätte er noch nicht so oft gesehen, aber ja, das wäre wohl eine, da würde wohl im ersten Schritt nur Antibiotikum und mindestens drei Tage absolute Ruhe helfen. Danach könne ich vielleicht vorsichtig weiter.
    Das Antibiotikum und eine Salbe kriege ich bei der Apotheke um die Ecke, zwischenzeitlich pocht's im Bein ganz ordentlich.
    Ich erinnere mich an die Szene aus "Casino Royale", in der 007 vergiftet aus dem Casino zu seinem Aston Martin stolpert und nehme die erste Pille direkt auf der Straße ein...
    Drei Tage Ruhe? Ne, das kommt nicht in die Tüte. So sehr sind wir dann doch nicht zum Spaß hier!
    Aber das mit dem kurzen Stadtrundgang und dann noch 20km wird dann heute wohl nichts mehr.
    Ich beschließe, dann heute einen ziemlich ruhigen in Dijon zu machen und zu schauen, ob das Antibiotikum Wirkung zeigt.
    Wenn ja, geht's morgen vorsichtig weiter. Da ist schließlich kein wilder großer Wald mehr, sondern relativ stetige Zivilisation. Wenn's nicht klappt, kann ich ja immer noch heim fahren.
    Zurück im Hotel mache ich erst Mal das Zimmer für die kommende Nacht klar und haue mich mit dem Stadtplan aufs Ohr.
    Beim Aufwachen fällt mir eine gestrichelte Linie im Stadtplan auf, die sich irgendwie durchs Zentrum der Stadt schlängelt.
    Ich schaue sie mir genauer an und stelle fest, daß es ein Rundweg von etwa 5km entlang der wesentlichsten Sehenswürdigkeiten ist. Na, dann mal los!
    Für touristisch-unauffälliges Geschlender in einer samstäglich-geschäftigen Stadt bin ich so rein modisch überhaupt nicht ausgerüstet.
    Unwillg spuckt mein Rucksack aus seinen extremsten Tiefen die leichten Turnschuhe, die Kompressionsstrümpfe und eine Garnitur Leibwäsche zum Wechseln aus. Gute Gelegenheit für den "kleinen Waschtag"!
    Ich schnalle mir die Kamera um und tapere los.
    Und da müßt Ihr jetzt halt durch...

    Der Rundweg ist durch alle paar Meter im Boden eingelassene Messingpfeile idiotensicher gekennzeichnet. Wo es etwas zu sehen gibt und es sich für Touristengruppen empfiehlt, den Blick vom Smartphone in die Höhe schweifen zu lassen, sind im Boden Eulen eingelassen.
    Der Einstieg ist leicht zu finden; er ist direkt vor dem Hotel.


    Die Eule spielt in der Innenstadt von Dijon eine wichtige Rolle.


    Dijon ist voller Kirchen...

    Die Stadt ist auch heute wieder voller gut ausgerüsteter Polizei-Kräfte. Alle öffentlichen Gebäude sind besonders geschützt.
    Die Zeitungsstände geben nichts zu der besonderen Sicherheitslage her.
    Aber der Helikopter, der am Himmel dauerhaft über der Stadt kreist, macht mich schon ein wenig nervös.
    Nur mich allerdings, die normale Bevölkerung scheint ihn nicht wahrzunehmen.


    ...und nett aufgemachter Altstadt-Gassen. Im Hintergrund der ehemalige Gerichtssaal.


    Eingang des Gerichts. Schwer zu sagen, ob das gut erhalten oder liebevoll restauriert ist!


    Immer wieder nette Geschäfte, auch in den Nebenstraßen.


    Hier war ich zwar am Vortag schon, hatte aber nicht den rechten Nerv, mir's in Ruhe anzuschauen...


    Das Innere der Kathedrale ist wieder unglaublich hell.


    Den Brunnen hatte ich gestern glatt übersehen.


    Jugenstil-Frösche...


    Und auch der Park mit der Quelle ist schöner, wenn man nicht vorbei hastet!


    Echt grottiges Detail des Brunnens.


    Ein Hauch von Gaudí


    Fast schon etwas zu schwyzerisch-ordentlich!

    Das Antibiotikum scheint einzugreifen, und so setzte ich den Runsgang nach einer kurzen Pause bei guter Straßenmusik fort.
    Natürlich mit einer Kirche.


    Alles nur Fassade?


    Nein! Das Gebäude beeindruckt auch drinnen aus der Froschperspektive.


    Und auch die Mandala-artigen Fenster haben es gut durch die Zeit geschafft!

    So, jetzt muß ich den Bilderstrom aber mal kurz abreißen lassen um vorab ein paar Takte zum nachfolgenden Artefakt zu sagen:
    Diese Form der Mariendarstellung war vor etwa 800 Jahren (!) der letzte Schrei. Zwar hat dann jede Generation von Kirchenbaumeistern noch ein wenig daran gerumgedengelt, so daß über den Originalzustand nur gemutmaßt werden kann.
    Es ist aber dennoch beeindruckend, eine für hiesige Verhältnisse doch eher frühchristliche Darstellung live und für umme aus nächster Nähe sehen zu können.
    Spirituell gab mir das eher etwas mitgenommene Stück dunklen Holzes jetzt aber dann doch eher weniger.
    Man glaubt übrigens zu wissen, daß die ursprüngliche Darstellung noch ein Kind beinhaltete.
    Das wurde entweder irgendwann zensiert oder vom Holzwurm vertilgt.


    Nich im eigentlichen Sinne schön, aber doch irgendwie beeindruckend: Marienstatue in Dijon.


    Selbst an trüben Tagen machen diese Fenster ein absolut unglaubliches Licht!


    Und auch für Jeanne d'Arc gibt es hier eun Plätzchen...

    Aus der Kirche heraus, links um die Ecke komme ich zu einem der Wahrzeichen von Dijon.
    Der Chouette (Eule), als solche nach einem Vandalismus-Schaden kaum noch zu erkennen.
    So abgegriffen, wie sie dennoch ist, ist es wohl gut, sie anzufassen.
    Das tue ich so rein prophylaktisch.


    Chouette de Dijon. Sie mit der linken Hand anzufassen erfüllt einen Herzenswunsch.

    Das mit der linken Hand lese ich erst später im Hotel. Ich habe sie natürlich aus rein praktischen und ergonomischen Gründen mit der rechten Hand angefasst. Hab' ich's jetzt so rein karma-mäßig versaut? Habe ich meine einzige Chance auf meinen ganz persönlichen Wunsch ans Universum vergeigt?
    Mein Hotel ist um die Ecke, ich komme zum Abendessen nochmal dort vorbei und korrigiere meinen groben Fehler. Gleich mehrfach. Viel hilft viel.


    Feinkost in gediegenem Ambiente.


    Detail des außenliegenden Treppenaufgangs-


    Dijon ist echt der feuchte Traum eines jeden Dachdeckers!


    Da sagen sich Katz' und Eule gute Nacht...


    Ein letzter Blick auf die Kirche...


    ...und eines der bei trübem Wetter nicht ganz so bunten Dächer.

    Und wieder im Hotel. Mittagsschlaf, Fuß hochlegen.
    Es passiert an diesem Tag nicht mehr viel. Ich besurfe noch ein paar touristische Details des gerade gesehenen, werfe einen Blick auf die Planung für morgen und finde an der Markthalle ein erschwingliches Menü.
    Dort erfahre ich übrigens, daß das Polizeiaufgebot tatsächlich nur wegen eines Fußballspiels war, das etwas außerhalb der Stadt stattfand. Man hatte wohl Angst, daß der Enthusiasmus am Rande des Spiels in das geordnete Leben der Stadt schwappt...
    Damit ist mein Bedarf an Zivilisation und Menschenauflauf erst mal gedeckt.
    Das Bei ist zwar nicht wesentlich dünner geworden, aber eben auch nicht dicker. Es ist etwas kühler und tut weniger weh.
    Hoffentlich bleibt das so und ich kann morgen vorsichtig weiter.

    Sicherheitshalber nehme ich das Antibiotikum mit etwas halbrohem Fleisch und etwas mehr Rotwein ein.
    Und auch an diesem Abend schlafe ich ziemlich früh und tief.
    Die eher heftigen Etappen der letzten Tage stecken mir schon noch in den Knochen!

    Fazit des Tages:
    Ein Pausentag ist nicht immer pure verlorene Zeit. Aber schon ziemlich.
    Dijon war ein guter Ort um dort einen Tag zu vertrödeln. Und ich hatte ziemliches Glück, daß mich die Seuche dort gepackt hat.
    Denn ich hatte schnellen Zugriff auf einen Arzt und eine Apotheke. Das wären in der Gegend, aus der ich gerade kam, eine ganz andere Herausforderung gewesen.
    Wie sagte Karl? "Auf dem Weg fügt sich das alles immer irgendwie auf ganz wundersame Weise überraschend passend!"
    Geändert von QOM (20.12.2015 um 23:36 Uhr)
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
    Es gibt schlechtes Wetter!
    Egal, welche Klamotten!
    Laßt Euch da nichts vormachen!

  14. Erfahren
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    [FR] Jakobsweg: Dijon - Vougeot

    #14
    6. / 22.Tag: Dijon - Vougeot
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    Sonntag, 18. Oktober 2015
    Strecke: 23,7km - Etappe: 215,0km - Gesamt: 729,3km
    Gehzeit: 6:45 brutto / 4:45 netto

    Heute geht es in Dijon recht gemütlich los. Aber ich fühle mich gut genug, um die Stadt zu verlassen und an eine erquickliche Weiterreise zu glauben. Das Antibiotikum vertrage ich gut, und es scheint etwas zu wirken.
    Gut, dann mal los!
    Der Weg aus Dijon ist etwas länger als erwartet aber relativ ruhig, bedenkt man, daß ich mich an einer der Ausfallstraßen bewege.
    Ich hatte mich darauf verlassen, auf dem Weg etwas zum Essen kaufen zu können, aber das ist Sonntagmorgens doch ein wenig dünne.
    Der Weg regelt das mal wieder auf unglaublich einfache Weise für mich: Kurz bevor es in Chenôve in die ersten Weinberge geht, steht eine einladende Bäckerei offen. Ich versorge mich "g'schwind" mit Proviant für den Tag, fester Überzeugung, abends wieder in reichhaltiger Infrastruktur schwelgen zu können. Wie schnell einen doch die Stadt verweichlicht!
    Kurz drauf erreiche ich die ersten Weinberge.


    Ein erster Blick ins Weinland

    Die Stadt hört abrupt auf und es geht ins Weinland. Die Sonne lacht mir, und so komme ich frohen Mutes gut voran; das Bein macht keinen Ärger.


    Klassisches Fotomotiv: Taubenschlag in Couchey

    Aber die Sitten hinsichtlich der Jagd sind hier doch etws gewöhnungsbedürftig.
    In der einen Furche des Weinberges arbeitet das Personal am Winterschnitt der Weinstöcke.
    Etwa zehn Furchen weiter kann ich zwischen den Weinstöcken sich vorsichtig vorantastende Fasane erkennen.
    Weitere fünf Furchen weiter - in unmittelbarer Nähe zur Ortschaft und mit Blickrichtung entlang der Furche in meine Richtung - sehe ich einen Jäger mit Hund. Hinter mir knallt's. Unterhalb des Weges ist noch einer unterwegs.
    Die spinnen, die Gallier. Nichts wie weg hier!


    Blick Richtung Fixey: Die ersten Zedern

    Ich schaue nochmal zurück auf Couchey und mache mich vom Acker.


    Noch ein Blick auf Couchey: Ach ja...Diese offensichtliche Verarmung der ländlichen Gegenden ist schon beklagenswert!

    Bunt geht es durch die Weinberge weiter, ab und an eine kleine Ortschaft, und das Wetter hellt sich etwas auf.


    Gevrey: Netter Rastplatz in einer der folgenden Ortschaften...

    Aber auch hier gibt es tatsächlich Häuser, auf die keiner mehr Bock hat - der historisch erkämpfte Weinberg wird natürlich weiter bewirtschaftet.


    In der Nähe von Gevrey: Im Grunde ist hier jeder Weinstock kartografiert und unverzichtbar für den Wein der Lage!

    Und so geht es weiter Richtung Zielort. Ziemlich ereignislos aber farblich eine sehr schöne Abwechslung zu den ausgedehnten Wäldern der Vortage.


    Blick zurück auf Gevrey

    Es geht noch ein kleines Stück durch den Wald, und nach einem merklichen Aufstieg fällt der Weg die letzten fünf Kilometer durch die Weinberge ins Etappenziel Vougeot.
    Das versprach auf der Karte und im Reiseführer mehrere Restaurants und Hotels.
    In der Praxis reduzieren sich die Möglichkeiten auf den Singular.
    Da ist's aber ganz nett, wenngleich das Haus sich leicht gehoben gibt und auf meine Frage nach Essigessenz für einen Wadenwickel recht verwundert reagiert.
    Es ist aber alles machbar, und so liege ich bald frisch geduscht und sehr früh im Lotterbett, wo ich das Abendessen fast verschlafe.

    Zum Abendessen gelüstet mich schon ein wenig nach Wein aus der Gegend, aber der Blick auf die Preise verschägt mir schier den Atem.
    Die lokalen Weine werden zu Flaschenpreisen ab 75 Euro angeboten.
    Naja, es gibt einen erschwinglichen offenen, und der kommt zum Abschluß des Tages sehr schön weich und voll.

    Selbstverständlich wird es nach dem Abendessen trotz der Mittagsruhe wieder zügig dunkel um mich.

    Fazit des Tages:
    Na also!
    Gemütlich geht es auch weiter. Nicht schnell, aber mit dem radikalen Wechsel der Landschaft auch ein deutlich gemäßigteres Tempo anzuschlagen, hat seinen Reiz. Zumal es hier auch mehr zu sehen gibt.
    Das Bein macht halbwegs mit, also geht es morgen dann wohl weiter!
    Geändert von QOM (19.01.2016 um 23:14 Uhr)
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  15. Neu im Forum

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    AW: [FR] Jakobsweg: Contrexéville - Langres - Dijon - Beaune - Taizé - Cluny

    #15
    Ein schöner Bericht!
    Einen Verein zur Ausstattung von Grs mit Bänken wollten wir auch schon gründen.

  16. Erfahren
    Avatar von QOM
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    [FR] Jakobsweg: Vougeot - Beaune

    #16
    7. / 23.Tag: Vougeot - Beaune
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    Montag, 19. Oktober 2015
    Strecke: 25,5km - Etappe: 240,5km - Gesamt: 754,8km
    Gehzeit: 7:45 brutto / 5:00 netto

    Das mit dem gemütlichen Start in den Tag ist im Grunde keine wirklich schlechte Idee.
    Nachdem die Morgensonne den kalten Dunst der Nacht vertrieben hat, mache ich mich auf den Weg.
    Direkt am Ortsausgang habe ich einen sehr schönen Blick auf die bescheideneren Weingüter.


    Ob es zwischen diesen beiden Gütern schon einen Bürgerkrieg gab?


    Falls ja, haben sie auf jeden Fall die schlimmsten Zeiten überwunden!

    Der Weg führt mich durch die pralle Sonne durch Weinberge, immer leicht bergauf und wieder bergab. In den Weinbergen wird wieder gejagt, aber ich sehe das zwischenzeitlich etwas gelassener.
    In Vosne-Romanée erahne ich die bunten Scheiben der Kirche in der Sonne schon aus der Ferne.
    Auch, wenn die Kirche inmitten eines großen Friedhofs eher weniger einladend wirkt, gehe ich hinein.


    Hier kommt die Sonne!


    Das Licht im Inneren ist einfach herrlich!

    Aber auch das schöne Licht kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß es eine der etwas muffigeren Kirchen mitten auf einem Friedhof ist...
    Also weiter!

    Die endlosen Weinberge in der Sonne mit den gut gepflegten Ortschaften haben teilweise schon etwas synthetisches. Ich fühle mich manchmal ein wenig wie in der aufgeräumten Modelleisenbahn-Landschaft.


    Nuits St. Georges-

    Die an diesem Tag durchquerten Ortschaften lesen sich wie ein Wo-ist-wo der teuersten französischen Weinlagen:
    Comblanchien, Aloxe-Corton...

    Die Weingüter präsentieren sich absolut bescheiden, man sieht ihnen den über Jahrhunderte durch geschickten Monopolismus erworbenen Reichtum praktisch nicht an.


    Sehr bescheiden! Zudem verkleinert es die effektive Anbaufläche einer extrem teuren Scholle!


    Hier war ein Umweg zu laufen, denn der Winzer wollte die Ruhe seiner Reben nicht gestört wissen!

    Es folgt eine kleine navigatorische Herausforderung, denn der Weg um ein Weingut ist nicht so richtig gut ausgeschildert und der GPS-Track mag nicht so recht zu den Gegebenheiten vor Ort passen. Und es fühlt sich doch etwas seltsam an, zur Jagdzeit querfeldein bis zum nächsten Weg durch den dichten Wald zu pirschen.
    Es geht aber wieder mal gut, sonst schriebe ich nun nicht, und schon bald lacht mir wieder die pralle Sonne.

    Der Weg plätschert golden und recht einsam von Ort zu Ort.
    Gelegentlich sehe ich noch einzelne Eidechsen und glaube, Grillen zu hören.
    Ab und an schaue ich mich um, gehe ein Stück in einen der Weingärten hinein und nehme mir ein paar der noch hängenden Trauben. Viele sind noch wirklich gut und sehr süß.
    Für "sonnenwarm" reicht es dennoch nicht mehr ganz. Schnell merke ich, daß Pinot Noir ganz klar meine Lieblingssorte ist.


    Wieder die pure Bescheidenheit!

    Dennoch traue ich manchmal meinen Augen kaum.
    Armut erkennt man hier übrigens daran, daß in den Auffahrten Mercedes statt Porsche stehen. Das Proletariat fährt Audi.
    Schlechte Jahrgänge an Weinen erkennt man an den fehlenden Jahrgängen oder der bescheidenen Ausstattung der jeweiligen Luxuskarossen.


    Das ist doch nun wirklich der feuchte Traum eines jeden Dachdeckers!

    Guter Dinge und ganz bequem erreiche ich Beaune.
    Die Einfallstraße scheint endlos, gerade und doch irgendwie unübersichtlich.
    Die Lautstärke ist nervtötend, und so lege ich in einer extrem dunklen und alten Kirche eine Ruhepause ein.
    Das alte Gemäuer ist zwar wirklich etwas muffig, schirmt aber den Straßenlärm gut ab und steht trutzig als eine Insel der Ruhe gegen die Zeit.
    Aber es hilft ja nix, da will ich nicht schlafen!
    Ich erreiche die Mairie, aber die bescheiden mir, daß sie keine Stempel geben würden und auch Hoteltipps besser in der Touristeninformation auf der anderen Seite des Stadtkerns zu erhalten wären.
    Auf dem Weg durch die Stadt erübrigt sich die Frage nach einem Hotel.
    Es gibt zwar nicht extrem viele, aber im Grunde ist es erfreulich unkompliziert. Ich komme im Kern der Altstadt unter.
    Beaune ist wieder eine der Städte, die etwas unübersichtlicher und verwirrender aufgebaut sind.
    Vermutlich um Fremde fern zu halten.
    Und so komme ich auf der Suche nach einem Abendessen nicht weit.
    Ich bleibe einfach im Häuserblock.

    Bei der Weinkarte allerdings verschlägt es mir echt den Atem!
    In der Kneipe kostet die Flasche des Weins aus der Gegend - wir reden nicht vom Jahrhundert-Jahrgang! - allen Ernstes 159 Euro. Das ist, so ergibt es die ungläubige Internet-Recherche, ein echter Schnäppchenpreis für Echezeaux Grand Cru.
    Die haben doch nicht mehr alle Latten am Zaun!
    Einen Moment überlege ich, auf den Tisch zu springen und "Was sollen wir trinken - sieben Tage lang?" anzustimmen.
    Dann bestelle ich mir ein Glas Marsannay (6 Euro, mit der geschmacklichen Tiefe und Breite eines ordentlichen Bardolino) und lasse mir das Tagesmenü schmecken.

    Überflüssig zu sagen, daß es um mich herum schon bald wieder finstere Nacht wird.

    Ach ja:
    Das Bein hat durchgehalten. Wellness ist anders, die Schwellung verklebt die Bänder und Sehnen spürbar.
    Aber der Schmerz hält sich in Grenzen, der Schuh paßt noch und die Laune ist auch noch gut.
    Also gibt es wieder den Wadenwickel und ab ins Bett!

    Fazit des Tages:
    Herrlich sonnige Etappe durch eine teilweise surreale Landschaft. Hier geht es seit Jahrhunderten nur um die ökonomische Optimierung des Weinanbaus.
    Die verhältnismäßig kurze Tagesetappe läßt Zeit für die Sonne und bringt mich gemütlich weiter.
    Es ist eigentlich nicht mein gewünschtes Tempo, auch durch die sich immer wiederholende Landschaft scheint es mir etwas langsam voran zu gehen.
    Aber das Bein sendet das klare Signal "Laß' mal, ich schaffe nicht mehr.". Also ist das wohl mein neues Tempo.
    Die Wegeführung ist einfach und absolut unspektakulär, und trotz gegenteiliger Befürchtungen hält sich das mit den freiaufenden Hunden auch in Grenzen. Klar, die Weingüter hier wollen ja im Zweifel auch etwas verkaufen!
    Geändert von QOM (20.01.2016 um 14:58 Uhr)
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  17. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [FR] Jakobsweg: Vougeot - Beaune

    #17
    Hallo QOM.

    Seit Wochen verfolge ich wieder mal deinen Post. Aber nicht weil es so viel zu lesen gibt sondern weil mir die Abstände der Tagesbericht zu groß sind! Aber dafür ist der Bericht mal wieder erste Sahne!

    Zitat Zitat von QOM Beitrag anzeigen
    Armut erkennt man hier übrigens daran, daß in den Auffahrten Mercedes statt Porsche stehen. Das Proletariat fährt Audi.
    Das ist bei den Franzosen so: Wer was auf sich hält fährt ein deutsches Auto. Als ich vor ein paar Jahren drüben war, fuhr der Neureiche einen Golf GTI 16 Ventil. Das war der letzte Schrei! Ersatzteile waren sündhaft teuer und selbst auf dem Schrottplatz kaum erschwinglich. Das bildungsdefizitäre Breitenproletariat fuhr dann Franzosen. Fahrzeuge von außerhalb Europas stehen einem nationalbewussten Europäer - pardon: Franzosen! - gar nicht gut zu Gesicht.

    Zitat Zitat von QOM Beitrag anzeigen
    In der Kneipe kostet die Flasche des Weins aus der Gegend - wir reden nicht vom Jahrhundert-Jahrgang! - allen Ernstes 159 Euro. Das ist, so ergibt es die ungläubige Internet-Recherche, ein echter Schnäppchenpreis für Echezeaux Grand Cru.
    Ja, da bist du noch einem großen Unterschied unserer französischen Freunde zu uns auf der Spur: Der Franzose gibt einen deutlich größeren Anteil seines zur Verfügung stehenden Geldes für Genüsse für Leib und Seele aus als der Deutsche. Während der Deutsche bevorzugt Billigschwein aus hormongetränkter Massentierproduktion beim Discounter kauft - Geiz ist bekanntlich Geil! - zieht der Franzose es vor auf lokale Quellen zurück zu greifen und auf Qualität zu achten. Das gilt sowohl für die private Küche als auch für die wenigen Male wo er in ein Lokal geht. Wenn, dann eben richtig! Dafür wird der Franzose aber auch im Schnitt ein paar deutliche Jahre älter als wir.

    Ich freue mich wie immer auf die nächste Fortsetzung - sehe aber mit Schrecken, dass dein diesmaliges Ende der Etappe immer näher kommt!

    Gruß Wafer

  18. Erfahren
    Avatar von QOM
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    [FR] Jakobsweg: Beaune - Chagny

    #18
    8. / 24.Tag: Beaune - Chagny
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    Dienstag, 20. Oktober 2015
    Strecke: 27,2km - Etappe: 267,7km - Gesamt: 782km
    Gehzeit: 7:45 brutto / 5:00 netto

    Beaune hat ja schon mal so etwas wie "schön" im Namen.
    Und so zeigt sich die Stadt auch am Morgen.
    Zudem habe ich herausgefunden, daß es gar nicht so weit weg vom Stadtkern eine Senf-Manufaktur gibt, die regelmäßige Besichtigungen anbietet.
    So beginnt ein wirklich sehr schönes, scheinbar planloses Gekreisel um den herrlichen Kern der Altstadt.
    Das kostet - wie an dem Verhältnis zwischen Brutto- und Netto-Zeit zu sehen - wirklich viel Zeit, macht aber Spaß.

    Es geht los auf dem zentralen Platz in der Nähe des Hotels.


    Denkmal des französischen Büromenschen, dem Touristen ein Loch in den Bauch gefragt haben.

    Die Statue ist nicht Opfer übermäßiger Korrosion, sondern das ist das Werk eines im Ort sehr bekannten Künstlers.


    Es dauert einen Moment, bis man die Statik durchschaut...

    Es geht die erste Runde durch die Stadt, vorbei an einem ehemaligen Armenhospiz.


    Ehemals ein Ort der Barmherzigkeit, heute ein eher edles Senioren-Stift.


    Zur Straße hin ein eher geschlossener Auftritt.

    Gleich gegenüber zeigt man, was die Senioren hier jung hält.


    Weinkontor in Beaune, rechts auf dem Schild die lokalen Tropfen.

    Ich finde meinen Weg auf der Ausfallstraße Richtung Moutarderie, die Zeit bis zur nächsten Führung drängt ein wenig.
    Das Haus ist recht leicht zu finden; immer den röhrenden, neuen Mercedes SLS nach. Mann, hier fährt echt die Armut auf den Straßen rum, das ist unglaublich! Fast alle haben nur zwei Sitze im Auto!
    In die Moutarderie kann ich leider nur einen kurzen Blick werfen.


    Klassiker-Ecke der Senf-Manufaktur

    Ausgerechnet heute hat man leider keine Zeit für mich. Erstens hätte der Chef gerade das Fernsehen da und zweitens kämen gleich zwei Schulklassen. Nein, da könne man leider nichts machen, ich sollte doch heute Mittag um drei wieder kommen.
    Nein, danke, so schön ist es hier dann auch nicht!

    Also kehre ich wieder in den Stadtkern zurück und begebe mich auf die Suche nach Stempelstelle und Kirche.
    Beides ist nicht ganz so einfach.
    Den Stempel gibt nur das örtliche Tourismusbüro, und zwar dessen Niederlassung außerhalb des Stadtkerns.
    Und die Kirche versteckt sich trotz ihrer Größe äußerst geschickt im Gewirr enger Gassen.


    Ja, Herrschaftzeiten! Wenn's hier zum Paradies geht, kann die Kirche doch auch nicht weit sein!

    Die Suche nach der Kirche allerdings lohnt sich.
    Schon von außen macht der Bau einiges her.


    Im Gewirr der Gassen komme ich natürlich von hinten...

    Die Eingangstüren machen mir anfangs keine großen Hoffnungen, Einlaß zu finden.


    Hat was von Indiana-Jones-Geheimtür: Kirchentür in Beaune.

    Mit einem beherzten Schub öffnet sich jedoch ein Teil der Tür.
    Innen reibe ich mir schon ein wenig die Augen.
    Ich hätte eigentlich erwartet, daß es drinnen dunkler wäre als draußen.


    Blick in das Hauptschiff der Kirche.

    Das Haus lädt mit vielen handwerklich sehr schönen Details und einer sehr angenehmen Grundstimmung zum Verweilen und Besichtigen ein. Sicher lauern auch hier endlose Geschichten.
    Denn neben den Seitenschiffen haben sich die traditionsreichsten Familien - mutmaßlich mit-Finanzierer des Gebäudes - eigene Familienkapellen eingerichtet, teilweise mit Grüften. Die meisten sind abgeschlossen - auch in der Ewigkeit ist man gerne unter sich.
    Aber auch hier zeigt man, was man hat.
    Die Fenster sind atemberaubend.


    Die Familie fährt bestimmt jetzt einen mattschwarzen Benz!


    Mehr Mut zur Farbe, aber nur ein Doppelfenster. Ja, man muß halt Opfer bringen!

    Einen recht exponierten Platz nimmt das "Kind von Beaune" ein. Das hat wohl schon so die eine oder andere Wohltat vollbracht, wovon die zahlreichen Tafeln im Hintergrund künden.


    Das "Kind von Beaune". Unglaublich, was hier einfach so frei zugänglich zu besichtigen ist!

    Ich setze meinen Rundgang fort...


    Sicher haben die güldenen Lettern ausschließlich klerikale Bedeutung und nichts mit Eitelkeit zu tun!


    Farben und Motive sind unerschöpflich.


    Blick über das Chorgestühl.

    Mit Blick auf die Uhr reiße ich mich von der spektakulären Kirche los, natürlich nicht ohne die hochoffizielle Vorderansicht derselben.


    Ungewöhnlich weil nicht ganz symmetrisch: Kirchplatz von Beaune.

    Hier ist die Stadt etwas weniger eng und verwinkelt. Klar, denn hier muß natürlich auch Platz zum öffentlichen Feiern sein!


    Perfekt aufgeräumte und verkehrsberuhigte Altstadt.

    Jetzt hab' ich's auch navigatorisch wieder im Griff und ich mache mich auf den Weg stadtauswärts.
    Bei Kilometer 3,75 (inklusive des ganzen Getreidels durch die Stadt) bin ich wieder in den Weinbergen.
    Perfekter Sonnenschein, die Kälte des Morgens hat sich auch weitgehend verflüchtigt, zumal der Windhauch des Tages tendenziell eher von hinten weht.

    Weiter geht es durch die teuersten Weinlagen Frankreichs, die sich beschwipst noch flüssiger aussprechen ließen - könnte man sich davon einen Rausch leisten. Aber man muß es ehrlich sagen: Als eher trinkfester 100kg-Mann wird man sich vom "Mmmmörsoohht!" vor Ende des Kreditkarten-Limits kaum berauschen können!
    Aber auch direkt von der Rebe schmeckt die Pinot Noir-Spätlese im Sonnenschein gar vorzüglich!


    Volnay. Vor der Ernte sitzt der Gutsherr wahrscheinlich mit der Schrotflinte im Fenster um die Reben zu schützen!

    Kurz drauf treffe ich nach einer ausgiebigen Pause in der Sonne, bei der ich wieder ein paar ungewöhnliche, Deutschland unbekannte Mercedes-Extras entdecke (oder hat hierzulande schon mal jemand einen mit Kristallen verzierten Stern und Kühlergrill an der AMG C-Klasse gesehen?) erstmals auf einen Radweg. Also einen ziemlich reinen Radweg, gelegentlich noch genutzt von landwirtschaftlichen Maschinen.

    Zuvor streue ich noch einen Rückblick auf Volnay ein, der auch eine mallorquinische Straße zeigen könnte.


    Paßt nicht zum edlen Gefährt und ist daher ungefährdet zu bewandern: Landstraße in der Nähe von Volnay.

    Es geht landein, landaus durch endlose Weinberge.
    Weitgehend menschenleer. Zwar steht hie und da ein Kombi oder es ackert sich eine Maschine durch die Reben. Aber das ist stets so weit weg, daß sich im Grunde nicht der Eindruck weiterer menschlicher Präsenz einstellt.


    Endlose Weinberge, eher Weinfelder, durchteilt von einem Radweg.

    Der Radweg verspricht schnelles und unbeschwertes Vorankommen. Der Verkehr hält sich in überschaubaren Grenzen.


    Am Horizont ist das Ende der Weingegend sichtbar. Später mehr dazu...

    Die Kilometer gehen dahin, einer wie der andere, und trotz der entspannten Farbenpracht beginnt sich's doch immer mal wieder ein wenig zu ziehen. Zwischendurch ist die Sonne auch mal weg und es wird kühl, so daß ich mich für die nächste Pause bei Kilometer 17 in eine Bushaltestelle in Chassange-Montrachet zurückziehe.
    Was denn? Erst 17 Kilometer? Klar, die Stadtrunde in Beaune hat echt Zeit gekostet!


    Room with a view: Bushaltestelle mit Aussicht!

    Etwa bei Kilometer 20 verlasse ich das Weinland für heute auf recht seltsame Weise, natürlich nicht, ohne noch eine Handvoll Pinot-Noir-Trauben zu vernaschen.


    Vivat Bacchus!

    Es geht ein klein wenig bergab, die laut Karte gleich zur Querung anstehende Bahnlinie kommt erst knapp 100 Meter vorher zum Vorschein.
    Kurz drauf geht es unter einer Autobahn hindurch und bergauf.

    Bergauf?
    Wie soll das denn jetzt gehen? Ich soll mich laut Karte doch nun bis zum Fluß oder Kanal halbwegs geradeaus halten und dann dem Gewässer folgen.
    Aber warum dann bergauf?

    Das meinen die Ernst! Die Wegweisung ist recht klar, und auch das GPS läßt eigentlich keinen Zweifel.
    Gemütlich steigt der Weg durch den Ort. Und hier ist alles trocken.


    Herzhaft unaufgeregt: Remigny

    Ein letztes Mal steigt der Weg herzahft an und führt auf einer Brücke über...einen Kanal!
    Der Eindruck der Landschaft wechselt sich innerhalb einiger Schritte komplett.


    Gerade noch mitten im Weinland, und schwupps...am Wasser!

    Als wäre es nie anders gewesen geht der Kiesweg neben dem vollsynthetischen Gewässer entlang, das nicht den Eindruck erweckt, so richtig lecker zum Baden zu sein.
    Nach einem Stück gibt es im Uferbewuchs nochmal so etwas wie ein Fenster zurück:


    Rückblick auf das heute durchquerte Weinland

    Artig trotte ich die nächsten Kilometer am Ufer entlang, bis ich die nächste Brücke erreiche.
    Dort habe ich so eine Idee...
    Obwohl es im geplanten Etappenziel Rully eigentlich mehrere Unterkünfte geben sollte, rufe ich vorher doch lieber mal kurz an.
    Und telefoniere nur mit Anrufbeantwortern, die mir glaubhaft versichern, man habe gerade weißgott schöneres zu tun als sich mit Gästen zu beschweren.
    Glück gehabt, denn auf der anderen Seite der Brücke geht es direkt nach Chagny, wo ich nach ein wenig Suchen ein Hotel finde.
    Chagny sah auf der Karte etwas besser ausgestattet aus als es sich dann im realen Leben gibt.

    Insbesondere der Keller mit dem reizvollen Namen "La Cave des bières" macht schon echt neugierig. Nur leider hat der zu.

    Die Verpflegung des Abends ist dennoch kein Problem.

    Fazit des Tages:
    Schöner ist's, wenn's schön ist!
    Herrliche Etappe durch sonnige Weinberge, netter Start am Morgen, unbeschwertes Wandern.
    Das Bein sing zwar nicht gerade das Hohelied, macht aber mit.
    Und 27 Kilometer sind eigentlich ja dann doch nicht so schlecht.
    Weiter so!
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    AW: [FR] Jakobsweg: Contrexéville - Langres - Dijon - Beaune - Taizé - Cluny

    #19
    und einmal mehr stöbere ich hier herum, diese Kirche und auch der Büromensch - echt klasse.
    Und da es mir grad mal wieder gut gefällt in deinem Bericht, melde ich mich mit einem Danke!
    Two roads diverged in a wood, and I—
    I took the one less traveled by,
    And that has made all the difference (Robert Frost)

  20. AW: [FR] Jakobsweg: Contrexéville - Langres - Dijon - Beaune - Taizé - Cluny

    #20
    Zitat von QOM
    Armut erkennt man hier übrigens daran, daß in den Auffahrten Mercedes statt Porsche stehen. Das Proletariat fährt Audi.
    Die Fensterscheiben dann aber am liebsten noch mit Handkurbel zu bedienen.

    Sehr schöner Bericht.

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