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    A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #1
    Mitreisende: boulderite
    Vorbemerkung: Vermutlich werde ich nicht über jeden Tag ausführlich schreiben können, weil ich mir unterwegs leider kaum Notizen gemacht habe, und die Fotos sind nur vom iPhone (und ein paar von der Go Pro) - aber vielleicht ist es ja trotzdem für den ein oder Anderen interessant


    Vorgeschichte

    Im August 2013 kamen mein Freund und ich auf die brilliante Idee, den geplanten Wanderurlaub in den Pyrenäen abzusagen und anstatt dessen ein bisschen Geld in unsere verstaubten Rennräder zu investieren. Neue Pedale und Schuhe für mich, ein Besuch bei der lokalen Fahrradwerkstatt, ein paar kleine Taschen und schwups, fuhren wir unsere erste klitzekleine Tour nach Freising. 35km hin und 35km zurück, und ich war mir damals nicht sicher, ob ich nicht zurück lieber mit der S-Bahn fahren will. Ich fuhr das 80er Jahre Rennrad meines Vaters, natürlich viel zu groß für mich, aber egal - ich lieb(t)e es. Im Biergarten sitzend stellte ich fest, dass das echt Spaß gemacht hatte, und Ausflüge am Wochenende wurden zur Regel.
    Kurz darauf stieß ich hier im Forum auf den Thread zum "Transcontinental Race" von London nach Istanbul. Ich begann darüber zu lesen. Schaute mir zunehmend Fahrräder an, fing an mehr über mein Gefährt zu lernen, las mehr über die Technik. Kaufte mir bald einen Trainingsratgeber. Und dann las ich vom World Cycle Race, war sofort Feuer und Flamme. Zwischendurch bekam ich ein Jobangebot in einer PR-Agentur. Sie wollten mich wirklich gerne haben. Ich sagte ab, mir wurde im Moment der Zusage bewusst, dass ich das nicht wollte. Ich wollte lieber Fahrrad fahren und hatte den Luxus, es mir zumindest für den Moment aussuchen zu können.
    Also meldete ich mich für das World Cycle Race an und versuchte in kürzester Zeit so viel wie möglich zu lernen. Ein neues Fahrrad musste her, auf dem Stahlrenner wurden mir die Hände taub.
    Mit Hilfe des Forums (und besonders bemme) fand ich ein passendes Rad.
    Nach einem fiesen Sturz im Oktober, bei dem ich mir die Schulter verletzte (AC-Gelenk separiert), lud mich Juliana Buhring nach Italien zum trainieren ein. Mein erstes richtiges Rennradtraining und es machte verdammt viel Spaß.

    Natürlich kam Alles anders als geplant. Ich startete am 1. März beim World Cycle Race, das konnte man ja sogar hier mitverfolgen. Nach einigen Tagen machte meine Achillessehne schlapp, ich kam nicht mehr in die Schuhe rein, meine Fußgelenke waren ans Äußerste geschwollen. Ich musste aufgeben. Es war keine leichte Entscheidung, ich war am Boden zerstört, aber im Nachhinein betrachtet war es richtig so.

    Schon als ich im Zug nach Hause saß, schaute ich mir das Trans-America Race noch mal genauer an… mein Freund hatte bereits geplant, die Strecke zu fahren während ich meine Etappe in den USA fahre, damit wir uns zwischendurch mal sehen. Hmmmmmmm…….. vielleicht wäre das eine Alternative? Die Anmeldung war auch hier kostenlos und da ich schon oft in den USA war, war es mir der Planung nicht ganz so kompliziert (dachte ich jedenfalls). Das es mir dort gefällt wusste ich schon und warum nicht?
    Die nächsten Monate verbrachte ich hauptsächlich damit, auf der Couch zu sitzen und zwischen Physiotherapie, Chiropraktiker und Seattle (wo mein Freund grade arbeitete) zu pendeln. Bis Anfang Mai konnte ich eigentlich kaum radeln, Reiten und Laufen durfte ich auch nicht, schwups hatte ich 5kg mehr auf den Rippen aber zumindest viel Zeit zum planen… denn ich musste für meinen Freund mitplanen. Der hatte null Zeit und sein Fahrrad zwar in Seattle dabei, ist aber nur einige wenige Male auch tatsächlich damit gefahren. Und schon gar nicht hatte er Zeit sich über seine Ausrüstung Gedanken zu machen - naja, dafür hat er ja mich!

    Das Trans Am war für mich nicht einfach nur eine Radreise, nicht einfach nur ein Radrennen, sondern das Ergebnis einer Sinnsuche. Für einige mag es seltsam klingen, aber ich hatte endlich gefunden, was ich wollte. Sport. Draußen sein. In einer Gemeinschaft von Menschen, die so selbstlos und hilfsbereit sind, das man davon überwältigt wird.
    Ich habe mich durch das Fahrrad fahren verändert. Ich wusste nach meinem abgebrochenen Master-Studium nicht, was ich werden soll, WER ich werden soll, und mein Selbstbewusstsein war am Boden. Der Sport hat mich wieder aufgebaut. Ich mag nicht die schnellste, erfolgreichste, beste Radfahrerin sein oder werden, aber es gibt mir mehr als ich je für möglich gehalten hätte. Jetzt bin ich auf dem Weg, meine neu entdeckte Leidenschaft zum Beruf zu machen (nein, keine Sorge, nicht als "professionelle" Sportlerin) und sogar noch mal neu anzufangen zu studieren.

    Und das Alles nur weil wir keine Lust hatten, so lange nach Spanien Auto zu fahren…..

    Tag 1 - Astoria, OR nach Pacific City, OR - 160km

    Der erste Tag beginnt früh - sehr früh. Der Start ist um 5 Uhr, wir stellen uns daher den Wecker auf 4:00 um vorher noch schnell zu duschen und ein halbes Sandwich zu essen. Ganz ohne Essen geht es ja nun auch nicht, auch wenn wir beide recht großzügige Reserven mitbringen…
    In unserem Hotel sind viele unserer Mitstreiter untergebracht und so kruschtelt und klingelt es um die Uhrzeit schon an jeder ecke.



    Es ist kalt, die Daunenweste kommt direkt zum Einsatz. Kurz vor dem Start packt Thomas, der älteste Teilnehmer mit 73 Jahren, eine Flasche Sekt aus und wir stossen unter Gejubel auf unser bevorstehendes Abenteuer an.
    Los gehts! Der Peloton rollt. Die Favoriten schiessen direkt davon (...und verfahren sich dann mal gleich), wir halten uns mit etwas Herzklopfen hinten und geniessen den Trubel.

    Es beginnt nach 5 Minuten erst mal zu regnen, aber ich will nicht absteigen um meine Daunenweste auszuziehen... Am Anfang haben wir alle etwas Probleme mit dem Garmin, der uns ab und zu falsch leiten will weil der Track nicht ganz akkurat ist. Aber noch ist man nie allein. Tobi verliere ich schnell aus den Augen, er franst sich mit Cynthia aus Seattle durch, ich fahre mit Bruce aus Florida und ein paar anderen Leuten. Hügel hoch, Hügel runter.. Nach 45 min fährt Mike Hall an mir vorbei, es wird das letzte mal sein das ich ihn sehe. Er hatte den falschen Weg genommen und musste zurück. Tja, so schnell kanns gehen...



    In Seaside nach einer Stunde Fahrt suche ich nach einem Kaffee. Es ist 6 uhr morgens. Ich sehe Tobi mit zwei anderen Fahrern an einer Tankstelle stehen, gut, das wir uns so schnell wiedergefunden haben. Ein schneller Kaffee, ein Biss ins Sandwich, weiter gehts.

    Wir treffen immer wieder auf Mistreiter. In Manzanita finden wir ein Cafe und gehen erst mal ausgiebig frühstücken. Zu fünft. Die Sonne ist rausgekommen und meine Klamotten trocknen - nur meine Füsse werden wohl nicht mehr trocken heute.
    Lecker ist es, und frisch gestärkt fahren wir weiter. Es geht an der Küste entlang und die Aussicht ist fantastisch! Nebelschwaden hängen über dem Meer, die Sonne scheint. So gefällt mir das.





    Kurz vor dem Cape Lookout State Park fährt mir plötzlich jemand entgegen. 'Hey Francesca!' Es ist Olaf, der extra anlässlich des Rennens hier zeltet und alle Fahrer begrüsst, total cool! Wir fahren ein Stückchen zusammen und dann lässt er mich alleine den nächsten Berg hochkraxeln.

    Über den Hügel drüber kommen wir an einem wahnsinnig langen Sandstrand an. Wir beschließen das hier ein guter Ort ist, um den Wheel Dip zu machen. Eric trifft noch dazu und wir schleppen unsere Räder durch den Sand bis ans Meer. Schwupps, ein wenig Pazifikwasser auf den Reifen.



    Das ist natürlich nur suboptimal wenn man Felgenbremsen hat, alles ist voll mit Sand. Ich verbrauche fast mein gesamtes Wasser um den Kram abzuspülen. Es ist auch nicht mehr weit bis die 160km voll sind.
    Kaum 5min später beschließt Tobi, seine Sattelstütze etwas fester zu ziehen, weil diese komische Geräusche von sich gibt. Es kommt, wie es kommen muss….. die Schraube dreht durch. Genau das Gleiche war mir beim World Cycle Race passiert. Verdammt! (später erfahre ich übrigens, das Juliana genau das Gleiche passiert ist, sie fährt das Rad das mein Freund auch hat. Canyon hat ihr das Rad gestellt, es kann also nicht pure Blödheit des Radlers gewesen sein…)
    Damit ist das Teil nicht fahrbar, und ein Fahrradladen ist natürlich nicht in Sicht. Ich fahre schon mal vor, um im nächsten Ort (wo wir auch übernachten wollen) rauszufinden ob es nicht doch irgendwo einen Laden gibt.
    Auf dem Weg wäscht grade jemand draußen sein Auto und ich schnorre mir eine Flasche voll Wasser. Nun muss ich wenigstens nicht mehr Durst leiden.

    In Pacific City gibt es leider keinen Fahrradladen, dafür einen Ace Hardware, bei dem ich nach passenden Schrauben schaue. Mit dem Besitzer des Ladens tüftele ich eine Lösung aus, die sich als totaler Quatsch herausstellt, als Tobi endlich ankommt (schneller als ich dachte) und der Kerl das Problem in Augenschein nimmt.
    Schlussendlich bohrt er die Sattelklemme einfach durch und fixiert die Sattelstütze mit einer dicken Schraube mit Flügelmutter. Es hält leidlich, aber leidlich ist besser als gar nicht! Der nächste Laden ist immerhin nur eine knappe Tagesetappe entfernt. Wir verteilen unser Gewicht neu, so das ich nun alle schweren Teile in der Taschen habe.

    Mit dem frisch reparierten Rad gehen wir auf Campingplatzssuche. Der County Campground kostet 28$, nebenan ist ein RV-Campground der 33$ kostet, dafür aber einen Whirlpool hat. Die Entscheidung fällt uns nicht schwer.
    Zum Abendessen gibt es direkt nebenan Pizza und Spaghetti, und davon reichlich. Mir fallen im Zelt sofort die Augen zu.





    Tag 2 - Pacific City, OR nach Eugene, OR - 210km

    Auch heute klingelt der Wecker wieder früh. Mein Freund steht gerne früh auf. Ich nicht so, aber naja. Es gibt kalte Pizza zum Frühstück, Kaffee wird es wohl erst bei der ersten Pause geben…
    Als erstes geht es na klar einen Hügel hoch, da werden die Beine wenigstens schnell warm. Nach nicht mal 20km brauche ich definitiv einen kleinen Snack und wir stoppen an einem Aussichtspunkt, um kurz was zu essen und eine Schicht Klamotten auszuziehen.



    Eine Stunde später gibt es Frühstück bei einem kleinen Espresso-Shack.



    Der heutige Tag ist geprägt von sanften Hügeln und Grün. Die Küste haben wir jetzt verlassen. Noch kommen uns sogar diese lächerlichen Anstiege wahnsinnig anstrengend vor; zudem ist es recht heiß. Sobald es flacher wird, lasse ich meinen Freund immer wieder zurück und warte dann später auf ihn, kein Wunder, schließlich war ich mal echt fit bis März, er dagegen hat quasi überhaupt nicht trainiert. Mir macht es aber nichts aus, zu warten, das war auch so abgemacht.
    Heute treffen wir immer wieder auf Jason, der nicht zum ersten Mal quer durch die USA fährt. Er ist etwas jünger als wir und unterrichtet in Florida an einer Universität, kommt aber eigentlich aus Idaho. Netter Typ. Wir essen zusammen an einer Tankstelle etwas zu mittag.
    Zwischendurch ruft Tobi den Fahrradladen in Corvallis an und erfragt die Öffnungszeiten - ups, die haben nur bis 17 Uhr auf. Na gut, jetzt heißt es Gas geben, und ich bin definitiv grade nicht mehr dazu in der Lage. Tobi fährt voraus und ich mache noch ein bisschen Pause…
    Kurz vor Corvallis geht es dann noch mal steil bergauf und mir fehlt jegliche Kraft in den Beinen. Ich fahre quasi gegen die Wand, ein Hungerast holt mich ein. Oben angekommen hocke ich mich in den Schatten, schiebe einen halb zerflossenen LUNA Riegel quasi im Ganzen in den Mund und warte, bis der Zucker ankommt.



    Danach rolle ich in den Ort rein und suche den Fahrradladen. Dadrin ist es kühl und sie konnten Tobi's Sattelklemme reparieren, zwar nicht optimal aber es hält bombenfest, mehr braucht es auch nicht. Puh, gut, dass das gelöst ist.
    Nun brauchen wir erst Mal was zu Essen. Man empfiehlt uns den Burrito-Laden nebenan - gesund, günstig und lecker. Eine perfekte Kombination.

    Beim Essen diskutieren wir, wo wir heute übernachten sollen. Im Fahrradladen hatten wir auf die Karte schauen dürfen (und alle haben mal geguckt, wo denn die anderen Fahrer so sind mittlerweile) und man sagte uns, Eugene sei quasi nur geradeaus, sogar leicht bergab, und eine wirklich tolle Strecke. Hmmm… 150km sind wir schon gefahren, 60km wären es noch mal.
    Wir entscheiden uns dafür, schliesslich ist es erst 19 Uhr.

    Während Tobi und Jason es langsam angehen, kann mich nichts mehr halten. Es ist wunderbar. Die Luft kühlt ab, die Strecke ist wirklich wunderschön, die Sonne geht unter, im Ohr habe ich gute Musik und es macht einfach Spaß.



    Kaum mehr als 2h brauche bis Eugene und finde kurz vor Schluss der Öffnungszeiten noch was zu essen. Tobi ist etwa eine Stunde hinter mir und hat keinen Bock mehr.
    Im Armitage County Park schlage ich unser Zelt auf und setze mich schon mal rein (die Matten hat Tobi) und warte. Er kommt, vollkommen fertig, und wir gehen schnell ins Bett, nach einem Snack von Nudelsalat und Thunfisch.


    Fortsetzung folgt.
    Geändert von boulderite (27.07.2014 um 21:22 Uhr)

  2. AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #2
    OT:
    Zitat Zitat von boulderite Beitrag anzeigen
    Vorgeschichte
    Im August 2014 kamen mein Freund und ich auf die brilliante Idee...
    Gib mir doch mal die Lottozahlen der nächsten Woche per PN
    Wandern in Ísland?
    ICE-SAR: Ekki týnast!

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    AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #3

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    Avatar von ronaldo
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    AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #4
    Oh cool... weiter bitte!

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    AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #5
    Ja, bitte mehr davon, ein tolles Abenteuer!

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  6. Alter Hase
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    A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #6
    Super , Glückwunsch zur Tour!

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    AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #7
    Liest sich gut. Freue mich auf die Fortsetzung.
    Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte. F. W. Nietzsche

    Nordlicht bleibt Nordlicht und Tüdelkram is Tüdelkram.

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    AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #8
    Tag 3 - Eugene, OR nach Sisters, OR - 150km

    Ja, natürlich stehen wir wieder früh auf. Diesmal hat es aber auch einen guten Grund: vor uns liegt der McKenzie-Pass, der längste Anstieg der gesamten Tour. Zwar sind es "nur" 1800hm insgesamt (davon 1400hm auf 50km), aber das Wetter verspricht wieder recht warm zu werden und überhaupt sind wir was Berge angeht verdammt untrainiert.
    Also verlassen wir den Campingplatz ohne bezahlt zu haben. Die Rezeption hat nicht auf (erst ab 9:00 Uhr) und es gibt auch keine Umschläge, in die man Geld reinpacken könnte. Soll mir recht sein, es gab ohnehin nur ein Minimum an Ausstattung, also ein Klo und Wasser.

    Wir folgen mal wieder einem Flusstal, dem McKenzie river valley. Es ist umwerfend schön. Sattes grün, das Rauschen des Flusses. Herrlich. Am Anfang stehen rechts und links noch viele herrschaftliche Häuser auf kleinen Farmen, später werden die Bäume deutlich höher und die Landschaft viel weniger besiedelt.

    Ein Supermarkt unterwegs bietet einen prima Rahmen für eine kleine Pause unter dem Motto "everything is just peachy", Toiletten gibt's da auch immer und als Radfahrer ist man immer gern gesehen.





    Als wir eine gute Stunde vor McKenzie Bridge, dem letzten Ort vor dem Gipfel, eine Pause machen kommt plötzlich das Filmteam von "Inspired to Ride" vorbei. Sie sagen kaum Hallo und halten mir direkt die Kamera ins Gesicht. Wie es denn liefe. Ob ich von Juliana's Unfall gehört habe. Und das Peta schon aufgegeben hat.
    Tobi ignorieren sie mehr oder weniger und ehrlich gesagt bin ich nicht sonderlich begeistert von dem Auftritt. Ich sollte ursprünglich in dem Film auftauchen, kurz vorher wurden dann aber die Pläne geändert. Nachdem jetzt nur noch drei Frauen im Rennen sind und eine davon ziemlich offensichtlich mit einem Support Vehicle fährt (und eine eigene "Dokumentation" filmen lässt) bin ich plötzlich doch wieder interessant.
    Ich will dann irgendwann endlich weiter, aber genau da kommt Mike angefahren, den wir schon gestern kurz getroffen hatten. Tobi quatscht mit ihm und ich mache mich schon mal auf den Weg. Auf den nächsten 20km überholt mich das Filmteam drei mal und macht Bilder und Filmaufnahmen aus verschiedenen Perspektiven. Ungeachtet dessen stopfe ich mir einen Beutel Sour Patch Kids (saure Gummitiere) in den Mund und gebe ein bisschen Gas, da ich Hunger habe.

    Mittagessen gibt's in McKenzie Bridge, Jason und Mike tauchen beide nicht auf (wir hatten uns mehr oder weniger dort verabredet), aber irgendwann habe ich keine Lust mehr zu warten und bestelle mir schon mal ein Thunfisch-Sandwich mit Kartoffelsalat. Später finde ich heraus das sie eine andere Straße genommen haben weil sie Angst hatten, nichts zu Essen zu finden. Naja, egal, Tobi kommt irgendwann auch und wir zögern die Weiterfahrt ziemlich lange hinaus - schließlich brauchen wir DRINGEND noch einen Kaffee.
    Heute tun mir die Beine schon etwas weh. Besser gesagt ich habe einen ziemlichen Muskelkater. Die Hände sind aber schlimmer - trotz sehr gut gepolsterter Handschuhe müssen sie sich einfach noch an die Belastung gewöhnen.

    Bis McKenzie Bridge waren es etwa 90km und es ist schon früher Nachmittag als wir uns dann wieder aufraffen und den langen Anstieg in Angriff nehmen… und wir hatten keine Ahnung, wie lange es noch dauern würde.
    Jason und Mike sehen wir nicht wieder, sie sind etwa eine halbe Stunde vor uns - hätte ich auf den Tracker geschaut, hätte ich sehen können das Jason gar nicht so weit entfernt war.
    Am Anfang ist die Steigung noch recht harmlos und graduell. Es zehrt aber an den Kräften, da es nie flacher wird. Zumindest liegt die Straße um diese Zeit im Schatten, ich will gar nicht wissen, wie das in der prallen Sonne ist.



    Stunde um Stunde kurbeln wir uns im kleinsten Gang bergauf. Ständig kommen uns grinsende Radfahrer ohne Gepäck entgegen die entspannt den Berg runtersausen. Schweine. Doofe Tagesausflügler. Nein, das wäre natürlich ungerecht zu sagen, aber in dem Moment verflucht man sie, während man sich zum drölfzigsten Mal den Schweiß von der Stirn wischt.
    Mein kleinster Gang ist für so was einfach nicht klein genug, zumindest nicht, wenn man schmerzende Beine hat und nicht unbedingt in Topform ist. Als es steiler wird muss ich immer wieder kurz anhalten.
    Irgendwann kommen wir zu dem Teil der Straße, der für Autos noch gesperrt ist.



    Das macht es aber auch nicht einfacher, denn jetzt beginnen gemein steile Serpentinen, die mir an diesem Tag wirklich alles abverlangen. Zwei Mal holt mich ein Hungerast ein, beim zweiten Mal wird mir echt schummerig, und ich setze mich kurz mit einem Clif Bar und einer Flasche Gatorade (zusätzliches Wasser schleppen wir natürlich auch den Berg hoch, wir brauchen es auch) auf den Boden, bis ich mich wieder einigermaßen normal fühle.
    Nach einer EWIGKEIT - 4 Stunden um genau zu sein - kommen wir an ein Stück, an dem es flach wird. Auch der Garmin attestiert, das der aktuelle Anstieg vorbei ist. Kann das schon das Ende sein? Nein, dafür sind die Bäume noch zu dicht, McKenzie ist ein Vulkan, da sieht's auf dem Gipfel anders aus. Menno.
    Eine weitere Stunde voller Flüche und Verzweiflung vergeht, bis wir im letzten Licht den Gipfel erreichen. Die Erleichterung ist riesig. Von hier an geht es nur noch bergab bis Sisters. Puh. Die Daunenwesten werden wieder ausgepackt und mein Buff wird zur Mütze umfunktioniert. Noch schnell die Regenjacke drüber und ein schlechtes Bild am Pass gemacht…





    Aber auch bergab fahren kann echt anstrengend sein, wenn es stockfinster ist und man nur eine Bremse hat. So geht es nämlich Tobi, dessen Scheibenbremsen nicht wirklich gut funktioniert, genauer gesagt funktioniert aktuell schlicht nur seine Vorderradbremse. Super. Also gut, mit voll aufgedrehten Lichtern fahren wir dicht beieinander eher langsam den Berg wieder runter.
    In Sisters rollen wir in den Ort und schauen, was es an Übernachtungsoptionen gibt - und viel wichtiger, wo wir noch etwas zu Essen bekommen, es ist nämlich mittlerweile nach 22 Uhr. Von einer Bauarbeiterin werden wir an den McDonald's verwiesen, der noch bis 23 Uhr auf hat. Um 22:45 Uhr stehen wir dort vor der Tür und bekommen noch das rettende Essen.
    Alles in mir schreit nach einem Bett und einer Dusche. Also rufen wir die beiden Hotels an, die auf der Karte eingezeichnet sind. Dummerweise kosten beide 130$ pro Nacht - deutlich über unserem Budget. Ich wäre ja jetzt der Typ Mensch der sich denkt, was soll's, dafür zelten wir meist kostenlos - aber Tobi nicht. Er ist dagegen. Ihm scheint es auch nicht wirklich etwas auszumachen. Die Alternative: der City Park. Da kann man zelten. Ob es Duschen und Klos gibt, wissen wir nicht.
    An dem Abend werden wir keine Freunde mehr. Ich bin wirklich am Boden zerstört - total bescheuert eigentlich, aber in dem Moment entgleitet mir echt Alles. Ich will ins Bett, und stattdessen muss ich jetzt noch mal 5km zum Park radeln und auf meiner Matte, die seit dem ersten Tag Luft verliert, schlafen, ohne Dusche und klebrig von Schweiß und Sonnencreme.
    Heute ist kein Tag zum Zähne zusammen beißen, heute jammere ich elendig.

    Der Park ist dann wenigstens recht nett, es gibt Duschen - aber nur mit Zugangscode, und hier schläft natürlich schon Alles. Höchst beleidigt lege ich mich ins Zelt und ignoriere meine bessere Hälfte weitestgehend. Schlafen kann ich erst mal - trotz gründlicher Erschöpfung - nicht. So ein Quatsch, mich darüber so aufzuregen. Irgendwann bin ich dann aber doch zu müde um weiter darüber nachzudenken und falle in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

    Tag 4 - Sisters, OR nach Prineville, OR - 60km

    Überraschenderweise habe ich gut geschlafen, auch wenn ich natürlich immer noch knatschig bin und es nicht zugeben will.
    Tobi findet den Code für die Duschen raus und ich versuche, meine Haare mit Bronner's Seife zu waschen (nicht sehr erfolgreich). Abgetrocknet wird sich mit einem Bandana. Handtücher hätten wir nicht in unser Gepäck bekommen.
    Erfrischt machen wir uns auf die Suche nach einem Fahrradladen. Das mit der nicht funktionierenden Bremse kann ja so nicht bleiben, außerdem will Tobi einen Gepäckträger haben, da es nicht einfach ist zusätzliches Essen und Wasser zu verstauen. Sein Rad hat Ösen für Schutzbleche, aber irgendwie muss man da ja dann auch einen Gepäckträger dran bekommen.



    Im ersten Fahrradladen lassen wir einfach unseren ganzen Kram da während sich der Besitzer Tobi's Rad anschaut. Abgesehen von der Bremse knirschen und quietschen auch noch ein paar andere Teile, es wird also eh eine Weile dauern. Wir gehen währenddessen frühstücken und finden ein richtig tolles Lokal, wo es fantastische Eggs Benedict gibt - und noch eine Portion Biscuits and Gravy zum Teilen. Sogar der Kaffee schmeckt.



    Scheinbar wird heute ein deutlich besserer Tag und meine schlechte Laune hat sich auch längst vom Acker gemacht. Lange können wir einander ohnehin nicht böse sein.
    Zurück am Fahrradladen holen wir das Rad ab, das jetzt nicht mehr quietscht, aber die Bremsen funktionieren leider nach wie vor nicht gut. Angeblich braucht er neue Bremsbeläge. Das kann nicht sein, er ist das Rad keine 1500km gefahren und davon 800 auf dem platten Land wo man die Bremsen selten braucht. Was nun? Auf zum nächsten Laden.
    Der kommt uns dann auch etwas kompetenter vor. Witzgerweise ist er BMC-Händler und von meinem BMC sehr angetan, der Besitzer fährt nämlich das Gleiche.
    Nach etwas rumgucken findet er raus, wie diese komischen Shimano-Scheibenbremsen funktionieren, brennt die Beläge ab und zeigt Tobi, wie man die Bremsklötze einstellen kann. Geht immerhin relativ einfach.
    Das Projekt "Gepäckträger" sieht er zunächst als nervige Idee, aber nach einer Weile ist er zuversichtlich und 45min später hat der Canyon-Crosser einen bombenfest sitzenden Gepäckträger (Fotos folgen). Cool, nun bräuchte man nur noch entsprechende Satteltaschen, aber die sind hier nicht aufzutreiben. Das muss warten. Für den Moment sind wir zufrieden.

    Allerdings ist es jetzt auch schon 12 Uhr. Hm.
    Aber bei der Vorstellung eines besseren Tages hatte ich meine Rechnung ohne den Verkehr gemacht. Zum ersten Mal ist der richtig ätzend. Anfangs ist es noch vollkommen in Ordnung, der Seitenstreifen ist breit und die Aussicht wunderbar, aber das ändert sich bald.



    Da wir so spät losgekommen waren, sind wir um 15 Uhr erst in Prineville, einem ziemlich hässlichen Ort, der aber zumindest gute services hat. Bei McDonalds setzen wir uns mit einem Eiskaffee vor die Karte und überlegen, was wir nun tun sollen. Nach Prineville kommen zwei Pässe und keinerlei Versorgung bis Mitchell, was ein Stück den zweiten Pass hoch ist.
    Da die Beine auch schwer sind und es kein Drama ist, so früh im Rennen kürzer zu treten - das lässt sich alles aufholen - beschließen wir, uns den RV Campground anzuschauen.
    Der ist voll in Ordnung. Wir bleiben. Das Büro hat nicht mehr auf, aber eine nette Camperin gibt uns den Code fürs Waschhaus. Waschmaschinen gibt's nicht, aber wir waschen unsere Klamotten trotzdem, mit einem drybag geht das ganz gut. Ein Zaun dient als Wäscheleine.



    Zum Abendessen bewegen wir noch etwas die Beine und laufen 1km zurück in den Ort, zumindest finden wir eine nette kleine Brauerei bei der es ein passables Bier und einen leckeren Burger gibt.



    Auf dem Rückweg gibt es noch Vorräte von der Tankstelle, denn morgen werde ich wieder so früh aus dem Zelt gescheucht, das vermutlich noch kein Restaurant offen hat (abgesehen davon kostet es einen immer recht viel Zeit morgens).
    Es kühlt abends ziemlich ab und noch leicht feuchte Klamotten werden mit ins Zelt geholt, um morgen früh nicht allzu kalt zu sein.

  9. AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #9
    autsch, glück gehabt mit den bremsen. ich glaub man kann heutzutage nix mehr drauf geben, wenn man ein rad kauft. bei meinem war der kram auch bloss vormontiert, einstellen sehe ich ja noch ein, aber wenn die komplette bremse zu bewegen ist...uiuiui. ich hab meine kiste mittlerweile einmal komplett zerlegt, solche überraschungen verderben einem manchmal schnell die laune.

    btw. - wer von den damen hatte den unerlaubter weise support von aussen?
    ja, ich schreibe gerne klein.

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    AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #10
    Zitat Zitat von bemme Beitrag anzeigen
    autsch, glück gehabt mit den bremsen. ich glaub man kann heutzutage nix mehr drauf geben, wenn man ein rad kauft. bei meinem war der kram auch bloss vormontiert, einstellen sehe ich ja noch ein, aber wenn die komplette bremse zu bewegen ist...uiuiui. ich hab meine kiste mittlerweile einmal komplett zerlegt, solche überraschungen verderben einem manchmal schnell die Laune.
    Es haben sich mehrere Fahrradläden den Kopf an dieser Bremse zerbrochen. Jeder hatte eine Idee, wie genau sie funktionierte/einzustellen war, die meisten haben leider Mist gebaut. Scheinbar ist die Shimano BR-CX77 eher "exotisch". Er hatte im Verlauf der Tour noch mehrfach Probleme bis zum totalen Bremskraftverlust (besonders bei nasser Straße). Gottseidank hatte er irgendwann rausgefunden, wie man das lösen kann. Bremsbeläge waren auf der gesamten Route nicht aufzutreiben. Ich finde es unverantwortlich, solche Bremsen zu verkaufen.
    Mit ein Grund, warum ich um meine schnöden Felgenbremsen froh war. Die haben mich nie im Stich gelassen, auch nicht im Regen steil bergab. Hab' die grünen SwissStop Gummis drauf und die sind jetzt grade mal halb runter. Ich habe ohnehin nichts ersetzen müssen. Ritzel, Kette und Reifen sind jetzt aber auch durch.

    btw. - wer von den damen hatte den unerlaubter weise support von aussen?
    Angeline Tan. Sie hatte von Anfang an einen support van dabei, hat aber nicht zugeben wollen, das sie darin (es war das Auto ihrer Filmcrew) ihr Gepäck aufbewahrt. Sie hat sich aber in Kansas selbst aus dem Rennen genommen - weil die eigentliche Route zu "langweilig" war (und "zu schwer") und sie lieber durch Großstädte fahren wollte, weil man dort natürlich viel mehr inspirierende Menschen trifft…
    Im Endeffekt hat sie das meiner Meinung nach nur gemacht, weil sie bereits von mehreren Leuten "angeschwärzt" worden war und nicht disqualifiziert werden wollte. Hätte sich sicher nicht gut in ihrem Film gemacht. Blöde Story.

  11. AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #11
    Zitat Zitat von boulderite Beitrag anzeigen
    Es haben sich mehrere Fahrradläden den Kopf an dieser Bremse zerbrochen. Jeder hatte eine Idee, wie genau sie funktionierte/einzustellen war, die meisten haben leider Mist gebaut. Scheinbar ist die Shimano BR-CX77 eher "exotisch". Er hatte im Verlauf der Tour noch mehrfach Probleme bis zum totalen Bremskraftverlust (besonders bei nasser Straße). Gottseidank hatte er irgendwann rausgefunden, wie man das lösen kann. Bremsbeläge waren auf der gesamten Route nicht aufzutreiben. Ich finde es unverantwortlich, solche Bremsen zu verkaufen.
    Mit ein Grund, warum ich um meine schnöden Felgenbremsen froh war. Die haben mich nie im Stich gelassen, auch nicht im Regen steil bergab. Hab' die grünen SwissStop Gummis drauf und die sind jetzt grade mal halb runter. Ich habe ohnehin nichts ersetzen müssen. Ritzel, Kette und Reifen sind jetzt aber auch durch.
    uff. wundert mich schon ein bisschen. die ist quasi das urgestein aus dem hause schimano im cyclocross-bereich. an jedem zweiten crosser verbaut. was wieder mal unentschuldbar ist, das ein radladen zu plüschig ist, sie die händler-manuals von shimano zu ziehen. die sind frei zugänglich, detailliert beschrieben/bebildert und nach so ner anleitung kann jeder laie so'n teil einstellen. lange drauf gucken tuts aber auch. man muss wirklich penibel die planparallelität eingestellt haben, das korrekt ausgerichtete montieren des sattels ist sauwichtig. wenn die lage der beläge zur scheibe einmal stimmt ist das einstellen der beläge von zeit zu zeit nötig. da die rennbremsen von hause aus keinen zugeinsteller mitbringen muss man bisweilen die zugklemmung direkt an der bremse anfassen. ganz klarer stuss ist die verwendung dreier unterschiedlicher inbusgrößen an der bremse. das haben die in der gesamten produktfamilie durchgezogen. nen 2,5mm-inbus, man fasst es nicht!!!! ok, genug getottert. ist irgendwie essentiell - sein eigener mechaniker zu sein für solche trips.

    Zitat Zitat von boulderite Beitrag anzeigen
    Angeline Tan. Sie hatte von Anfang an einen support van dabei, hat aber nicht zugeben wollen, das sie darin (es war das Auto ihrer Filmcrew) ihr Gepäck aufbewahrt. Sie hat sich aber in Kansas selbst aus dem Rennen genommen - weil die eigentliche Route zu "langweilig" war (und "zu schwer") und sie lieber durch Großstädte fahren wollte, weil man dort natürlich viel mehr inspirierende Menschen trifft…
    Im Endeffekt hat sie das meiner Meinung nach nur gemacht, weil sie bereits von mehreren Leuten "angeschwärzt" worden war und nicht disqualifiziert werden wollte. Hätte sich sicher nicht gut in ihrem Film gemacht. Blöde Story.
    ok. hatte nur ab und zu mal reingeguckt und das nicht mitbekommen. anschwärzen würde ich nicht sagen. fairness ggü. jedem beteiligten. was mich dabei auch oder vllt. sogar am meisten nervt - dieses grundsätzlich komplett "verwerten müssen". filmteam. hallllooooooo?! ständig dieses gegiere nach medialer selbstbefriedigung. man kann heutzutage nix mehr machen ohne gleich ne risesige verwertungsidee dabei umzusetzen. schön, wenn dann der schuss auch mal nach hinten losgeht.
    ja, ich schreibe gerne klein.

  12. AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #12
    Hallo,

    das ist ja mal eine tolle Tour und ein superschöner Bericht! Ich kann kaum die Fortsetzung erwarten...

    Danke!

    LG,
    Barbara

  13. AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #13
    Ganz tolle Sache! Gerade erst von meiner eigenen Tour zurück, läuft mir bei deiner Geschichte direkt wieder das Wasser im Munde zusammen!
    Wann geht's weiter?? Hab noch bis nächste Woche Ferien und brauche Lesestoff!

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    AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #14
    Tag 5 - Prineville, OR nach Mount Vernon, OR - 180km

    Wie versprochen klingelt der Wecker um 4 Uhr morgens. Ich schwöre ewige Rache und verziehe mich mit klappernden Zähnen in's Duschhaus um mir meine teilweise noch leicht klammen Klamotten anzuziehen. Zwar war mir nachts mollig warm, aber sobald man aus dem Schlafsack kriecht ist es doch recht frisch - 5 Grad sagt der Garmin. Brrr.
    Bevor es richtig hell ist, sitzen wir auf den Rädern und pedalieren in Richtung Ochoco Pass.

    Nach einer Stunde kommen wir an einem See vorbei. Ich nutze die Gelegenheit um auf Tobi zu warten und einen Keks zu essen, wenn man sich hinter einen Stein in die Sonne hockt, erfriert man nicht mal dabei. Der See ist sehr hübsch und man kann hier wohl auch zelten.



    Die nächsten Stunden kurbeln wir den Pass hoch. Ausnahmsweise ist das eine sehr angenehme Sache (anstrengend ist es natürlich schon), es ist nicht sonderlich steil, die Sonne scheint aber es ist noch nicht heiß, wenig Verkehr und wenn man mal zurück schaut, ist die Aussicht schon sehr genial.



    Kurz vor mittag sind wir oben auf der Passhöhe. Die Abfahrt ist der Hammer: langgezogen aber steil genug um ab und zu bremsen zu müssen, bei mehr als 70km/h geht mir nämlich die Muffe, ich fahre eher 50km/h aber das recht konstant. Mein Garmin attestiert mir an dem Tag eine Höchstgeschwindigkeit von 72km/h.
    Ich habe das Spektakel auch mit der GoPro gefilmt, was das Fahren angeht ist das natürlich wenig interessant - aber was ich vorher nicht wusste ist das sich die Landschaft nach dem Ochoco Pass radikal ändert. Wir verlassen die grüne Welt Oregons und tauchen in die Canyons und Wüstenlandschaften von Ost-Oregon ein. Gleichzeitig wird es natürlich immer heißer.
    Kaum ist man den Berg runter, geht es auch schon wieder steil bergauf. Jetzt läuft der Schweiß. Deutlich über 30 Grad sind es nun und wir haben einfach nur Hunger. Mitchell ist noch ein Stück den Berg hoch, und wir müssen das ein oder andere Mal Pause machen, eigentlich immer dann, wenn wir ein winziges Stück Schatten finden…





    Als wir endlich in Mitchell ankommen, rollen wir zu dem einzigen offenen Restaurant und hängen direkt mal das noch nasse Zelt in die Sonne. Kaum haben wir bestellt (was wohl, Hamburger), kommen zwei Leute mit einem Van und fragen, ob wir vom Trans Am Bike Race sind. Ja, sind wir. Sie fahren grade quer durchs Land und verfolgen auf dem GPS-Tracker die ganzen Leute und machen kurze Interviews mit ihnen. Wir sagen ein paar Worte in die Kamera, posieren für ein Foto, streicheln den Hund, quatschen kurz über die nächsten Pässe vor uns und dann fahren die Beiden weiter. Sehr nett. Der Burger ist dieses Mal auch echt gut.



    Danach packen wir unseren Kram wieder ein und quatschen mit den locals, die sich grade vor's Restaurant gesetzt haben. Das ist echt spannend. Der Lokalkolorit ist meistens eine echte Bereicherung am Tag. Nach einer Weile kommt eine Frau aus dem Hotel rüber, von der Alle ganz besonders begeistert sind. Es wird in Mitchell grade ein Film gedreht, und die Frau stellt sich vor als "Elvis' leading lady" in seinem letzten Film. Ihren Namen habe ich leider schon wieder vergessen, ich versuche noch, herauszufinden wer sie war. Spannend.

    Danach müssen wir wohl oder übel den Key's Creek Pass hoch… in der Hitze… Schatten gibt es keinen. Wirklich gar keinen. Man brät einfach so vor sich hin. Sonnencreme läuft fröhlich wieder runter, wenn man Pech hat, in die Augen.
    Wir quälen uns den Berg hoch und sind heilfroh, als wir endlich oben sind……

    Der Weg runter ist dann nicht mehr ganz so beschwerlich. Es sind nur noch 40km bis Mount Vernon, wo es ein Motel gibt.
    Als wir dort sind und Tobi sich grade nach dem Preis erkundigt, kommt eine Frau auf einem Liegerad angeradelt und meint "Are you Francesca?" … äh, ja. "Come follow me to my Bike Inn!" Super! Wir hatten irgendwann gelesen, das es hier eine Unterkunft für Radler geben soll, haben sie aber nicht gefunden. Christy, die das Bike Inn in Mount Vernon leitet, hat auf dem Tracker nachgeschaut wo ich bin und hat uns in Empfang genommen.
    Wir folgen ihr einen Hügel hoch. Es gibt eine Futon-Couch, eine Küche, ein Bad mit flauschigen Handtüchern und allerlei freundliche Tiere, nicht nur einen Hund sondern auch Ziegen die neugierig gucken wer wir sind und sich erst mal kraulen lassen.
    Mücken gibt es leider auch - groß wie Fledermäuse, mindestens - aber das fällt uns erst mal gar nicht auf, so müde sind wir.
    Zum Abendessen gibt es ein paar Fertiggerichte, die noch da sind, eine Alternative gibt es leider nicht. Hauptsache was zu Essen. Ich schlafe schon beim Essen halb ein...

    Tag 6 - Mount Vernon, OR nach Baker City, OR - 140km

    Die Nacht war leider beschissen. Ich wache das erste Mal um 2 Uhr morgens auf mit einem riesigen Brummschädel und Nackenschmerzen. Total ausgetrocknet trinke ich ein paar Gläser Wasser und setze mich an die offene Tür, um frische Luft zu schnappen. Es ist wahnsinnig stickig und warm im Zimmer. Die Schmerzen sind heftig, offenbar habe ich mich stark verlegen und mein Rücken war mit dem harten Futon nicht einverstanden. Scheiße. Körperlich bin ich eben "etwas" empfindlich.
    Ich nehme zwei Aspirin und versuche, wieder zu schlafen.
    Um 4 Uhr morgens schlafe ich schließlich wieder ein, dummerweise klingelt der Wecker wieder gegen 4:45 Uhr. Ich wache auf und kann mich kaum bewegen. Leider ist es wirklich so heftig, das mir die Tränen runterlaufen.

    Normalerweise würde ich an so einem Tag natürlich einfach den Raum abdunkeln, starke Schmerzmittel nehmen und ein Coolpack auf die Stirn legen, aber das geht heute nicht. Tobi lässt mich noch eine Dreiviertelstunde dösen, nachdem ich eine Novalgin eingeworfen habe, das stärkste Medikament das ich dabei habe. Noch stärker und ich dürfte nicht mehr auf der Straße unterwegs sein.
    Irgendwann muss ich dann aber aufstehen und mit zusammen gebissenen Zähnen packe ich meine sieben Sachen, putze mir die Zähne und "schwinge" mich auf's Rad.

    Die ersten zwei Stunden sind direkt aus der Hölle. Jede Bodenunebenheit schießt mir in den Nacken. Aber die frische Luft hilft zumindest etwas.

    Wir sehen wirklich viele tote Tiere an der Straße liegen, meistens Rehe, Waschbären, Vögel usw., aber heute liegt auf dem Seitenstreifen ein Rotluchs (bobcat). Genau so einen Rotluchs hatte ich am ersten Abend in Pacific City durch den Wald schleichen sehen, frühmorgens und vielleicht 100m entfernt. Traurig, ein so schönes Tier tot daliegen zu sehen.

    Irgendwann wirkt die Novalgin wenigstens so halb und wir finden auch etwas zu essen im nächsten Ort. Zwar ist der Diner ein bisschen komisch und die Bedienung sehr gestresst, aber zumindest sind die Akkus danach wieder voller und der Kaffee hat auch noch gegen die Kopfschmerzen geholfen.
    Es stehen heute drei Pässe hintereinander an, jeder steiler als der vorige. Puh. Wir wollen bis Baker City fahren und uns dort ein Motel gönnen. Es wäre mal wieder an der Zeit, die Klamotten zu waschen.
    Der erste Pass geht noch. Wenigstens geht es auf der anderen Seite in der Regel genauso steil wieder bergab.



    Die nächsten zwei Pässe sind wirklich zum Kotzen, aber ich bin auch einfach nicht fit. Novalgin wirkt leicht muskelentspannend und macht müde, total gut wenn man jeden einzelnen Muskel braucht. Aber irgendwie schaffe ich es natürlich trotzdem hoch. Als wir denken, jetzt wird's einfacher, fahren wir noch 20km in einen derart biestigen Gegenwind, das es einem wirklich den Verstand raubt. Es geht geradeaus Richtung Baker City, aber die Stadt kommt quasi nicht näher. Ich trete immer, wenn der Wind kurz leicht nachlässt, dann kommt wieder ein heftiger Windstoß und man hat das Gefühl, Rückwarts zu rollen. Bah.
    Als wir es endlich nach Baker City schaffen, haben wir echt keine Lust mehr. Am Rande der Stadt stehen mal wieder Autoleichen, irgendwie gehört das in Amerika ja zum guten Ton dazu, rostige Autos und Landmaschinen auf Wiesen stehen zu haben.



    Ein Motel für $55 findet sich auch, wir waschen Wäsche und gehen danach noch essen.
    Dann schreibt uns Jason eine Nachricht. Er war ein Stück vor uns und ist noch aus Baker City rausgefahren. 20 Meilen später ist seine Kette gerissen und sein Kettennieter kaputt gegangen. Was für ein Pech! Sein Handyakku ist noch dazu auch fast leer. Er fragt uns, ob wir schauen können ob von Warmshowers ihn jemand mit dem Auto holen kann, an ihm ist seit 45min kein Auto mehr vorbeigekommen und er läuft seit 4 Meilen.
    Wir versuchen wirklich Alles und ich frage an der Bar, in der wir sind (sonst gab's nirgends noch Essen) um Hilfe, aber es gibt nicht mal Taxen die Platz für ein Fahrrad haben. Wir drücken Jason die Daumen, das bald ein Auto vorbeikommt das ihn mitnehmen kann.
    So kommt es dann auch und kurz vor Mitternacht schafft er es zurück nach Baker City, wo er dann warten muss bis am nächsten Tag um 10 Uhr der Fahrradladen aufmacht..
    Naja, das einzig Positive daran: wir sind wieder auf dem gleichen Streckenabschnitt und werden uns Wiedersehen!

    Tag 7 - Baker City, OR nach Cambridge, ID - 175km

    Dieses Mal habe ich gut geschlafen, bei offenem Fenster und auf einem bequemen Bett. Meine Beine fühlen sich gut an, der Po tut nicht mehr weh, die Energie ist da. Super. Erst mal gehen wir frühstücken, günstig und mittelgut, Hauptsache ich muss keinen Clif Bar frühstücken.
    Es steht mal wieder ein Pass an, außerdem die Fahrt durch den Hell's Canyon und die Überquerung unserer ersten Staaten-Grenze. Klingt doch super. Gut laufen tut's dann auch. Wir haben riesiges Glück mit dem Wetter: es ist bewölkt. Hell's Canyon kann richtig eklig werden wenn strahlender Sonnenschein ist.

    Im Canyon ist es wirklich cool. Wir treffen unterwegs eine Gruppe Männer die mit schwerem Gepäck unterwegs sind. Mit John unterhalte ich mich eine Weile, er ist ein spannender Typ. Ist Jahrzehnte lang Helikopter geflogen und hat am Ende hauptsächlich unterrichtet, dafür ist er jetzt auch schon mit Mitte 50 in der Rente und fährt Fahrrad. Auf seinem Blog hat er ein Bild von mir gepostet: https://www.crazyguyonabike.com/doc/...id=374150&v=85



    Und noch eine Überraschung wartet im Canyon auf mich: blue dot watcher (so nennt man die Leute, die bei solchen Rennen den Tracker verfolgen und manchmal auch Fahrer verfolgen… ;) ) stehen plötzlich am Straßenrand und feuern mich an. Sie rufen meinen Namen! Irre!
    Total verwirrt gebe ich danach Gas, das hat mich richtig motiviert.
    Als ich dann endlich im nächsten Ort ankomme - vor dem Pass - warte ich etwa 45min auf Tobi und dann suchen wir uns ein Restaurant.
    Kaum sind wir fertig mit Essen, taucht Mike auf. Wir winken aus dem Restaurant und er gesellt sich zu uns. Während wir noch einen Kaffee trinken quatschen wir und finden heraus, das unser Tagesziel das Selbe ist - Cambridge, auf der anderen Seite des Passes.
    Lose verabreden wir uns für Cambridge, allerdings werden wir uns vermutlich ohnehin unterwegs noch mal begegnen. Mike fährt tendenziell etwas schneller als Tobi und auf flachen Stücken langsamer als ich, dafür ist er jeden Berg schneller hoch (er hat erstens extrem viel Erfahrung und zweitens einen "Granny gear").

    Wir machen uns auf. Bis zur Staumauer ist es alles kein Problem, mal abgesehen vom Gegenwind (…). Ich weiß nicht mehr genau, wo dieses Bild entstanden ist, aber wir sind den Tag über immer wieder vor Gewittern weggefahren und manchmal auch darauf zu…





    Am Brownlee Dam (glaube ich) queren wir nach Idaho. Leider gibt es nur ein langweiliges Schild, die meisten Staaten haben schöne, große Schilder.



    Da kommt dann auch Mike wieder und wir machen noch ein Bild von ihm. Dann geht es die Staumauer hoch. Uff. Richtig fies steil. Es geht am Stausee entlang - eigentlich ganz interessant zu sehen - und dann müssen wir noch einige Meilen den Berg hoch.
    Auf fast halber Höhe ist die letzte Chance, auszusteigen und dort zu bleiben, stattdessen holen wir uns Kekse und fragen, ob es denn in Cambridge noch was zu Essen geben wird. Es ist nämlich mittlerweile 19 Uhr, da wir mit der Staatsgrenze auch eine Zeitzone weiter nach Osten gerückt sind und eine Stunde verloren haben.
    Die nette Kassiererin ruft einfach in Cambridge an und findet raus, das ein Restaurant noch bis 22 Uhr offen hat. Das sollte zu schaffen sein.

    Natürlich fängt es direkt danach an zu regnen! Bis wir oben sind, vergeht noch einige Zeit, und oben angekommen ist es dann schon 21 Uhr. Jetzt wird's knapp, es ist nämlich noch ein ganzes Stück bis Cambridge.
    Da Tobi sehr langsam abfährt, nehme ich die Sache selbst in die Hand. Heute fahre ich das erste Mal wirklich ein Rennen, allerdings nicht gegen irgendjemanden, sondern gegen mich selbst, und nur weil ich echt gerne was Warmes essen will.
    Langer Rede kurzer Sinn, um 21:55 Uhr schmeiße ich mein Fahrrad vor's Restaurant (…neben Mike's Rad), renne rein und setze mich zu Mike in die booth. Ich bin fertig. Und habe Schiss, das wir jetzt nichts mehr bekommen.
    Umsonst habe ich mir Sorgen gemacht, die Bedienung hat die ganzen letzten Tage immer wieder Fahrer vom Trans Am versorgt und weißt genau, was ich jetzt brauche und wartet auch mit der Bestellung gerne noch, bis Tobi kommt.
    Mike ist auch erst seit 10min hier und genauso fertig. Ich bekomme direkt eine warme Hühnersuppe und einen heißen Kakao und wärme meine steifen Finger daran.
    Das Essen ist prima. Nur leider hat Mike sich grade das letzte verfügbare Hotelzimmer des Ortes reserviert.
    Er bietet uns aber an, das wir unsere Isomatten bei ihm ausrollen können, anstatt im Stadtpark zu schlafen. Wie lieb von ihm!
    Wir fahren also nach dem Essen zum Hotel und erkundigen uns an der Rezeption nach seiner Zimmernummer. Plötzlich steht an der Rezeption aber "vacancy", also Zimmer frei, und wir fragen ob es jetzt doch noch eins gibt. Schwups, 5min später haben wir unser eigenes Zimmer (auch wieder $55), weil jemand nicht aufgetaucht ist. Das war 5min bevor die Rezeption zugemacht hätte. Heute haben wir echt Glück!
    Also sagen wir kurz Mike Bescheid das wir ein Zimmer bekommen haben und verabreden uns lose zum Frühstück. Im Gegensatz zu uns stellt er sich morgens keinen Wecker sondern wartet einfach, bis er wach wird. Wenn wir das machen würden, kämen wir nirgendwo hin ;)
    Das ist immer das Größte, wenn man abends sogar noch duschen kann (mit Handtuch!). Es gibt sogar Shampoo. Herrlich.

  15. #15
    Sackstark, deine Leistung.
    Viele Grüße
    Ingmar

  16. AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #16
    Danke für deinen wirklich interessanten Bericht. Ich freue mich auf die nächste Fortsetzung!
    Beste Grüsse vom Bodensee
    pickhammer

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    AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #17
    Danke! Morgen geht's weiter.
    Gruß zurück an den See; ich bin eigentlich aus Lindau und hab' in Friedrichshafen studiert

  18. AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #18
    Liest sich gut und die Fotos dazu gefallen mir auch sehr - keep it coming!
    Danke dass du uns dran teilhaben lässt!

    Grüße
    Daniel

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    AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #19
    OT: "Morgen" ist manchmal ein dehnbarer Begriff.

    Tag 8 - Cambridge, ID nach Lucile, ID - 160km

    Die zweite Woche bricht an. In einem Hotel früh aufzustehen ist immer schwerer als im Zelt, es liegt sich so bequem. Noch mal schnell in die Dusche springen (keine Gelegenheit zu duschen wird ausgelassen!) und dann machen wir uns auf zum Frühstück, deutlich vor 7 Uhr morgens.
    Leider will uns heute irgendwer mit aller Kraft aufhalten. Es dauert EWIG. Nach 45min (!) bekommen wir unser Essen - scheinbar ist der Koch neu und wurde direkt allein gelassen, so sagt es uns die Bedienung - und dann taucht auch Mike auf, der sich sichtlich wundert das wir noch da sind. Tja, so kann's gehen. Zumindest ist es lecker und reichlich, so ärgert man sich wenigstens nicht allzu doll.

    Wie immer steht ein etwas größerer Hügel an. Wir wollen mindestens bis Riggins fahren, wo es Motels gibt. Es ist ganz schön kalt. Meine Finger sind steif und ich radel lange mit der Daunenweste.
    Dafür ist die Straßenqualität heute gut.





    Wir folgen mal wieder einem Fluss, das ist immer schön. Auf der langen Abfahrt nach New Meadows kommt die Sonne raus und es wird endlich etwas wärmer. Kaum zu glauben das wir vor ein paar Tagen noch wahnsinnig geschwitzt haben.



    Ansonsten passiert heute ehrlich gesagt nichts besonderes. Jeder fährt für sich. Mike macht in der Regel kürzere Pausen und ist daher vor uns, wir haben uns auch nicht wirklich verabredet.
    Kurz vor Riggins, am Salmon River, steht plötzlich alles voll mit Autos. Alles hockt am Fluss und hält eine Angel rein.. offenbar ist grade eine gute Zeit. Später finden wir raus das grade ein "steelhead run" ist. Dabei geht es um Steelhead Trout, eine Forellenart die zwischen Salz- und Süßwasser hin- und verschwimmen, also ein Wanderverhalten wie Lachse.
    Hier ist man ziemlich scharf auf die Viecher.
    Abschießen darf man sie aber nicht.





    In Riggins angekommen finden wir Mike vor einem coffee shop, der aber bald schließt. Ich besorge noch schnell zwei Kaffee und einen Muffin und dann brüten wir wieder über der Karte.
    Dummerweise bedeutet der steelhead run nämlich auch, das alle Motels ausgebucht sind - und die Campingplätze sind auch voll. Selbst die primitiven, kostenlosen Plätze am Fluss sind zum Großteil voll.
    Auf Mike's Karte, die ein paar Jahre neuer ist als meine, gibt es kurz nach Lucile ein B&B, da gibt's aber auch keine Zimmer mehr. Die nette Dame am Telefon bietet ihm aber an, er könne im Büro auf dem Sofa schlafen. Hmmm… naja, fahren wir einfach mal los - aber erst nach dem Abendessen.

    Abends am Fluss ist es schön. Die Hügel, die auf der Karte eingezeichnet sind entpuppen sich als sehr seichte Steigungen.
    Wir finden das B&B relativ fix und sehen direkt, das man theoretisch auch fragen könnte ob wir auf der Wiese zelten dürfen.
    Stattdessen schauen wir uns das Büro an und verhandeln dann den Preis - $50 für uns Alle wird es dann, was ich etwas viel finde, aber naja. Immerhin gibt es eine Dusche, Handtücher, eine Waschmaschine und so weiter. Ich bekomme eins der Sofas (Mike ist eh zu lang dafür).







    Tag 9 - Lucile, ID nach Lowell, ID - 175km

    Heute steht uns wieder ein saftiger Anstieg bevor, nach Grangeville. Zunächst kriechen wir nach White Bird, unsere letzte Chance, Wasser aufzufüllen und Snacks zu besorgen. Frühstück hatten wir gottseidank im B&B bekommen.
    Vom heutigen Tag gibt es viele schöne Bilder, und es war einer meiner absoluten Lieblingstage.



    Nach White Bird schrauben wir uns etwas mehr als 1000hm in Richtung Grangeville hoch. Im Gegensatz zu den meisten Anstiegen hier ist dieser fast europäisch, es geht in Serpentinen hoch. Derer sind es allerdings wirklich viele. Aber irgendwie passt heute Alles - die Temperatur ist perfekt, es kommen nur 2 Autos in einer Stunde an uns vorbei und die Strassenqualität ist auch super.
    Ausserdem ist die Aussicht toll.





    Der kleine weiße Fleck ist Tobi.
    Heute macht es wirklich Spaß. Mit einer konstanten Geschwindigkeit kurbele ich mich nach oben. Die Musik in meinen Ohren macht es umso besser.
    Dann sehe ich plötzlich hinter einer Kurve Mike bei einer Reiterin sehen. Mit einem riesigen Lächeln im Gesicht fahre ich langsam zu den Beiden.
    Die Reiterin heißt Hetty und ist mit ihren Pferden Shug und Cheetah auf dem Nez Pearce Heritage Trail unterwegs. Das hat sie vor 20 Jahren schon mal gemacht. Heute ist Alles schwieriger. Nirgends darf man mehr durch. Sie klingt pessimistisch, aber ich bewundere sie. Auf ihrem Blog lese ich bis heute gerne. Sie ist momentan in der Gegend um Yellowstone.



    Ich liebe Pferde und verbringe das Gespräch damit, Shug zu streicheln, er findet mein Fahrrad auch ganz spannend. In dem Moment vermisse ich meinen Lenni sehr. Hetty meint, sie würde grade gerne tauschen. Ich wäre sofort dabei.

    Danach lassen wir die Drei ziehen und fahren weiter.
    Die Serpentinen ziehen sich ziemlich lange. Ich warte ab und an auf Tobi, dem es nicht ganz so viel Spaß macht wie mir. Der alte Highway, auf dem wir fahren, läuft für etwa eine Meile mit dem neuen Highway zusammen - hätte man diesen genommen, wäre es zwar viel kürzer gewesen, dafür auch konstant 7-8% Steigung und viel Verkehr. Man sieht die Straße von unserer Route aus, aber mir gefallen die Serpentinen ohnehin viel besser. Auf dem zweiten Bild sieht man die Straße im Hintergrund:







    In Grangeville finden wir Mike wieder. Er hat sich ein mexikanisches Restaurant ausgesucht, prima.
    Dort stopfen wir uns erst mal voll und gucken, wo Jason eigentlich ist. Er war gestern etwa 2h hinter uns, holt also langsam wieder auf. Wäre toll, wenn er es bald wieder zu uns schafft!
    Laut Tracker ist Jason auch grade dabei, sich nach Grangeville zu schleppen….. allerdings auf der falschen Straße. Naja, ob das Absicht war oder nicht, wissen wir nicht. Macht ja auch nix.

    Unser heutiges Ziel lautet Lowell. Ich weiß gar nicht mehr, was davor noch kam, jedenfalls ist bei Tobi irgendwann die Luft raus und ich sprinte wieder voran. Mal wieder müssen wir rechtzeitig dort sein, um noch was zu Essen zu bekommen - das Motel (es gibt mal wieder auf 50 Meilen nur eine Übernachtungsmöglichkeit) ist schon reserviert, aber das dazu gehörige Restaurant hat nur bis 19:30 Uhr (oder so) auf.
    Ich schaffe es dieses Mal mit etwas Luft, Mike ist natürlich schon da. Er trinkt grade eine Weinschorle und hat sich ein Steak bestellt.
    Eine Weile warte ich noch auf Tobi (nachdem ich Bescheid gesagt habe, das noch jemand kommt), irgendwann bestelle ich mir dann auch ein Steak.
    Tobi fährt erst zu dem einzigen anderen Motel (direkt auf der anderen Seite des Flusses), wird dort dann hierher geschickt und kommt entnervt und entkräftet an.

    Wir schreiben Jason, das er mal etwas kräftiger in die Pedale treten soll. Er will sich nämlich heute Abend mit uns das Zimmer teilen, deswegen haben wir ein "double queen", also zwei große Betten.
    Wir hören nix von ihm und auf Verdacht bestelle ich ihm einfach mal ein Sandwich und Chips zum Mitnehmen, da ich mir sicher bin, das er es nicht mehr vor Bestellschluss schafft.
    Damit behalte ich auch Recht, er freut sich sehr über das Sandwich und wir kriechen alle ins Bett. Es regnet und die Wettervorhersage sieht nicht sonderlich gut aus. Hmmmm….



    Tag 10 - Lowell, ID nach Lolo Hot Spring, MT - 135km

    Es regnet. Und regnet. Und regnet. Brrr.
    Wir versammeln uns zum Frühstück und zögern unser Schicksal ein wenig hinaus. Aber irgendwann müssen wir dann doch mal unseren Kram zusammenpacken. Die Wettervorhersage ist leider richtig schlecht - Regen bis hin zu Schnee, Temperaturen um die 5 Grad und kälter. Die Leute vor uns melden Schneestürme und Frost. Äh, okay, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Wir haben zwar natürlich Regenjacken dabei, aber keine Regenhosen und auch keine lange Radhose oder so. Nur Mike, der erfahrene Fuchs, ist vernünftig ausgestattet und zieht sich seine Beinwärmer unter die Regenhose.
    Witzigerweise ist ER es der nach dem Packen zu uns rüber kommt und als er sieht, das wir angezogen sind sagt "Oh crap, you really want to leave!" … er hatte drauf spekuliert, das wir den Regen vielleicht aussitzen wollen..

    Ich finde den Regen richtig kacke und meine Laune dümpelt um den Nullpunkt.



    Mal wieder fährt jeder für sich. Jason und Tobi fahren ungefähr das gleiche Tempo und bleiben eher zusammen, Mike fährt vorne weg und ich ein Stückchen hinter ihm. Nur wenn er Pipipause machen muss (Konfirmandenblase, hähä) überhole ich ihn in der Regel. Und umgekehrt dann auch.
    Zwischendurch finde ich eine Infotafel über die Region, bei der man sich unterstellen kann, wringe meine Socken aus und esse etwas. Leider gibt es bis zur Lochsa Lodge keinerlei Services - keine Tankstelle, kein Café, kein Klo, kein gar nix. Das sind 60 Meilen. Wir wissen das natürlich, das macht den Clif Bar aber auch nicht leckerer.





    Dann kommt die Sonne raus, ich ziehe meine Regenjacke aus damit ich trocknen kann, und plötzlich ist alles viel besser…





    Natürlich hält das ungefähr 20 Minuten an, dann fängt es wieder an zu regnen. Grrrrrrrr. Und so langsam habe ich auch noch richtig Hunger.
    Der Regen wird immer stärker. Ich bin längst durchnässt. Immerhin geht es nur leicht bergauf (dafür aber den ganzen Tag, wir fahren in Richtung Lolo Pass, wo wir nach Montana queren) und man schwitzt bei der Kälte nicht so doll unter der Regenjacke.
    Die Rettung kommt man in Form der Lochsa Lodge, das allereinzige Restaurant auf dem Weg über den Pass…
    Wie immer ist Mike schon da. Ich watschle vorsichtig rein, gehe erst mal auf der Toilette meine schlammigen Beine abwischen und meine Socken auswringen. Und, oh wie fein, es gibt einen Gaskamin! Direkt bestelle ich mir eine heiße Schokolade und schicke mich an, ein wenig zu trocknen.. die Schuhe ziehe ich dann auch noch aus und lege die nassen Socken vor den Kamin, vielleicht werden sie ja wenigstens warm.



    Wir diskutieren unsere Möglichkeiten. Durchnässt sind wir Alle und es soll auf der Passhöhe heute Abend schneien. Wir haben zwar alle relativ warme Schlafsäcke, aber das ist dann doch ein wenig heftig.
    Scheinbar ist unsere einzige Option, einen kurzen Tag in Kauf zu nehmen. Nach dem Pass ist es nicht mehr weit bis Lolo Hot Springs.
    Das Hotel dort sieht teuer aus. An der Rezeption der Lochsa Lodge lassen wir uns die Nummer geben und rufen an. Ein Doppelzimmer für Jason, Tobi und mich wird $150 kosten, Mike reserviert sich ein Einzelzimmer. Aber wir haben keine Wahl.
    Immerhin gibt es dort, na was wohl, Hot Springs!!

    Von der Lochsa Lodge aus quälen wir uns dann die letzten paar Kilometer zum Lolo Pass hoch. Ich bin ganz ehrlich: im strömenden Regen bei 5 Grad war das ziemlich zum Kotzen.
    Aaaaber… Jason wartet zwischendurch auf uns, weil wir gleich nach Montana rein fahren, und weil wir diese Momente zusammen feiern wollen.



    Noch schlimmer ist dann aber die Abfahrt. Vermutlich hatte jeder Rennradfahrer schon mal das "Vergnügen", unzureichend ausgerüstet einen Berg runterzufahren. Es ist wirklich, wirklich kalt, ich ziehe Alles an was ich habe, aber ich habe ja keine Langfingerhandschuhe oder Beinwärmer.
    Die Finger frieren mir schier an den Bremshebeln fest. Bei diesen Straßenverhältnissen bin ich immer etwas nervös auf meinem Renner, obwohl ich dafür perfekte Reifen habe und die Bremsgummis bewähren sich auch. Tobi kann ausnahmsweise einigermaßen gut bremsen.
    In Lolo Hot Springs angekommen zittere ich so stark, das ich kaum ein Wort rausbekomme. Ich schlottere richtig, so sehr habe ich in meinem Leben noch nie gefroren. Wir bekommen unseren Zimmerschlüssel und ich pelle mir mit schlotternden Knien die nassen Klamotten vom Körper. Kurz unter die Dusche, Badeanzug anziehen, und dann durch den Regen zu den Hot Springs (die gottseidank drinnen sind) rennen.
    Wir sinken alle vier mit einem tiefen Seufzer in das heiße Wasser. Meine Haut brennt, aber das geht sicher gleich vorbei.

    Wäre dieses heiße Bad nicht gewesen und hätten wir zelten müssen… das wäre richtig unangenehm geworden. Überlebt hätten wir es wohl, aber mit Spaß hat das dann nicht mehr viel zu tun.
    Stattdessen gibt es noch Pizza und wir fallen halbtot ins Bett.



    Tag 11 - Lolo Hot Springs, MT nach Missoula, MT - 65km

    Soooo, ein neuer Tag! Er beginnt mit dem Waffelautomaten in der Lobby und schlechtem Kaffee, so gut wie die Zimmer sind, so schlecht ist das Frühstück. Besser als nichts.

    Unser nächster Stopp: Missoula. Dort befindet sich der Hauptsitz der Adventure Cycling Association, kurz ACA, die ja die Route die wir fahren verwalten. Die Route führt eigentlich nicht durch Missoula, dieser Abstecher ist im Rennen auch keine Pflicht, aber wir wollen das center gerne besuchen, schließlich gibt es dort kostenloses Eis! Noch dazu will sich Tobi endlich Taschen für seinen Gepäckträger kaufen und ich will Beinwärmer haben, und in Missoula gibt es einen REI. Gebongt.

    Nach der ersten Stunde komme ich kurz vor Lolo an einer Tankstelle vorbei und besorge mir Kaffee und einen Breakfast Burrito. Es regnet natürlich, was sonst.
    Nachdem wir dort wieder losfahren hört es aber eeeendlich auf zu regnen.

    Nach Missoula rein führt ein sehr stark befahrener Highway, aber wenigstens hat er auf der ganzen Länge einen recht komfortablen Seitenstreifen.
    In nullkommanix sind wir in Missoula und finden das ACA Headquarter. Schön dort, es begrüßt uns jemand. Wir werden, wie Alle, fotografiert.



    Praktischerweise gibt es dort auch einiges an Fahrradsachen zu kaufen. Mike besorgt sich einen neuen Reifen, Tobi hadert lange mit einem Paar Ortliebs, die einfach mal $180 kosten. Letztendlich kauft er sie, ich werde sie in meinem neuen Job auch gebrauchen können und es hat ja keinen Sinn, zwar einen Gepäckträger aber keine passenden Taschen zu haben.
    Mit dem großen Volumen packt es sich recht entspannt, die Schlafsäcke müssen wir nicht mehr so komprimieren. Fein.
    Außerdem werden noch schwarz-weiß Portraits von uns gemacht und wir füllen Fragebogen aus.



    Es will keiner so Recht entscheiden, wie es jetzt weitergehen soll. Auf dem Lolo Pass liegt mittlerweile Schnee und auch auf den Bergen rund um uns ist es weiß. Die Fahrer vor uns sind zum Großteil in einen Schneesturm geraten, und darauf haben wir nun wirklich keine Lust.
    Erst mal gehen wir wieder was essen. Dann müssen wir uns entscheiden. Tobi könnte mit Bonuspunkten ein gutes Hotel für uns Alle buchen, endlich bringt es mal was, das er unter der Woche immer im Hotel schlafen muss. Niemand will es aussprechen, aber alle wollen bleiben.
    Also entscheidet Tobi und bucht das Hotel. Die Laune ist sofort besser. Witzig, wie wir uns eigentlich alle einig sind.
    Im Hotel laden wir unser Gepäck ab und duschen. Danach radeln wir zu REI und erledigen unsere Einkäufe. Jason und Tobi gehen Wäsche machen und danach will niemand mehr zum Essen irgendwo hin laufen. Wir begnügen uns also mit McDonald's nebenan. Nicht ideal, aber schlafen ist jetzt wichtiger.



    Tag 12 - Missoula, MT nach Darby, MT - 100km

    Heute ist schon wieder ein kurzer Tag und entsprechend wenig gibt es zu erzählen. Von Lolo aus fahren wir fast 50km auf einem Fahrradweg, ein seltener Luxus. Rechts und links sind prairie dog Kolonien, die aus irgendeinem Grund immer quer über den Weg rennen müssen, wenn man an ihnen vorbei fährt. Das Gepfeife ist ja süß, aber einer rennt so knapp vor meinem Reifen über den Weg das er quietscht. Das wäre fast schlecht für uns beide ausgegangen. Ich will eigentlich knuffiges Kleintier köpfen.

    Die Aussicht ist schön, auf den Gipfeln um uns liegt Schnee.



    Mike nimmt sich in Darby, wo wir nach 4:30h Fahrzeit ankommen, ein Motel, wir sind zu geizig und zelten. Es soll schließlich nicht mal regnen. Wir sind heute nur bis Darby gefahren, weil die Wettervorhersage für heute auf dem nächsten Pass Schnee war - mit 100%iger Wahrscheinlichkeit. Für morgen ist sie 16 Grad und Sonne. Das nenne ich mal einen "no brainer".

    Auf einem Zeltplatz dürfen wir unsere Zelte (Jason zeltet auch) windgeschützt aufschlagen und es gibt sogar Duschen mit Handtüchern und so.
    Nach dem Abendessen kriechen wir in die Schlafsäcke und schwups ist schon wieder ein Tag vorbei…





    Tag 13 - Darby, MT to Jackson Hot Springs, MT - 120km

    In Darby stehen wir früh auf und verlassen den Ort, bevor man frühstücken kann. Ein Clif Bar und eine Banane müssen bis zum letzten Ort vor dem Chief Joseph Pass reichen.
    Jason fällt relativ schnell zurück, ich bin ungeduldig und presche voran. So früh am Morgen queren noch sehr viele Rehe die Straße, ich sehe sie gerne. Besonders whitetail deer sind witzig, die hüpfen nämlich gerne mit allen vier Beinen gleichzeitig, sieht ziemlich bekloppt aus.





    In Sula (glaube ich) gibt es dann ein kleines Café und ich hole mir sofort Kaffee und bestelle Frühstück. Irgendwie sind die Jungs heute langsam.
    Tobi kommt nach 20min auch. Bis dahin ist mein Essen schon weg. Macht nix, da wo ich meins her habe gibt's ja noch mehr. Ich trinke also gemütlich Frühstück und wir hängen das Zelt zum Trocknen in die Sonne.
    Dann kommt Mike angeradelt und die Sache wiederholt sich. Wir wundern uns, wo Jason bleibt, und Mike berichtet das er an ihm vorbei gefahren ist, ihm ging es überhaupt nicht gut. Also warten wir natürlich. Eine ganze Weile später kommt Jason. Er sieht grün im Gesicht aus. Offensichtlich musste er sich übergeben. Nicht nur das, es bleibt nix drin, nicht mal Wasser. Oh man, ausgerechnet Jason, wo er doch schon sooo viel Pech hatte auf dem Trip. Wir strahlen natürlich Mitleid aus ohne Ende und wissen nicht so richtig, was wir tun sollen. Jason kommen die Tränen und er verzieht sich erst mal auf's Klo.

    Weil wir zwar ein Rennen fahren, aber nicht gegeneinander - sondern miteinander - bleiben wir natürlich und warten, bis es ihm etwas besser geht. Nach einer Stunde bleibt zumindest der Kaffee unten und er raucht erst Mal eine Zigarette. Das ist in diesem Fall ein gutes Zeichen. Wir fahren also weiter, während Jason noch ein bisschen sitzen bleibt und sich erholt. Wir versprechen, auf ihn zu warten, wenn wir über den Pass sind. Hoffentlich geht es ihm bald besser.

    Der Pass ist dann gar nicht so dramatisch, auf der Karte sah er ziemlich ätzend aus. Oder vielleicht sind wir mittlerweile auch einfach etwas kräftiger geworden?



    Danach geht es lange seicht bergab. Herrlich. Die Sonne scheint. Und auf der anderen Seite des Passes wird es einfach atemberaubend schön. Ich lasse hier einfach mal die Bilder sprechen.







    In Wisdom gehen wir Mittagessen. Die Besitzerin des Cafés kommt aus Frankfurt, ist aber schon seeeeehr lange in den USA. Einen leichten Akzent hört man dennoch. Der Burger, den ich esse, ist sehr lecker. Danach gibt's noch Dessert und als wir das essen, kommt Jason endlich wieder. Mike hatte schon gegessen, als wir kamen, hat aber trotzdem mit gewartet.
    So richtig gut geht es Jason nicht, aber zumindest kann er eine Kleinigkeit essen. Wir sind schwer beeindruckt von seinem Durchhaltevermögen.

    Von Wisdom ist es nicht mehr allzu weit bis Jackson Hot Springs, die Auswahlmöglichkeiten sind heute mal wieder nicht so doll - entweder 40km zu wenig fahren oder 40km zu viel. Mit dem Faktor "kranker Jason" entscheiden wir uns für die erste Variante.
    Dort gibt es auch nur ein einziges Hotel/Lodge, die Hot Springs Lodge. Wir dürfen für $15 pro Zelt hinter der Lodge auf dem gepflegten Rasen zelten und auch die heißen Quellen nutzen. Während die Jungs die Zelte aufbauen, gönne ich mir ein Bier…



    Zum Abendessen gibt's gegenüber im Restaurant ein hervorragendes Steak, prime rib um genau zu sein. Die beiden Basset hounds der Besitzerin kommen ab und zu an um sich ein paar Streichelheiten abzuholen und auf Steakreste zu spekulieren.


  20. AW: A Hamburger a day keeps the doctor away - der Trans-America Bicycle Trail

    #20
    Schade, schon wieder vorbei

    Das Wetter klingt ja wenig berauschend, mir wird schon beim Lesen kalt. Aber die Fotos zeigen wirklich eine total schöne Gegend. Das ist doch noch mal was Anderes, als wenn man mit dem Auto unterwegs ist...

    LG, bis zum Wiederlesen,
    Babs

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