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    [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #1
    Mitreisende: Igelstroem



    Reisezeit: 15.–17. Juli 2013

    Erster Tag: Von Fürstenberg zur Diemitzer Schleuse (24,8 km)
    Zweiter Tag: Von der Diemitzer Schleuse über Rheinsberg zum Kalksee (28,8 km)
    Dritter Tag: Vom Kalksee nach Neuruppin (17,1 km)

    Gesamtstrecke: 70,7 km



    Erster Tag: Von Fürstenberg zur Diemitzer Schleuse


    Gegen elf Uhr steige ich in Fürstenberg aus dem Zug, kaufe am Bahnhofskiosk noch einen halben Liter Apfelschorle zum baldigen Verzehr und laufe los: links herum, unter der Bahn durch und dann entlang der Straße Richtung Steinförde. Das ist eigentlich unvernünftig. Vernünftig wäre es, dem E10 folgend die Route über den Stechlinsee zu wählen, die sicher angenehmer ist. Aber der Stechlinsee gähnt, wenn er mich sieht, und außerdem will ich unbedingt den Campingplatz an der Diemitzer Schleuse (www.biberferienhof.de) zu späterem Gebrauche testen. Ich muss ihn also heute erreichen, die diesmal getragenen Wanderschuhe sind wieder einmal nicht zuverlässig eingelaufen und die gewählte Route ist die kürzeste.


    Der weitere Plan zu diesem Zeitpunkt ist im Übrigen der, dass ich beide Nächte auf dem Zeltplatz bleibe, am zweiten Tag eine Tagestour Richtung Wesenberg unternehme und am dritten Tag von Rheinsberg aus nach Berlin zurückfahre. Diese Planung wird später aus verschiedenen uninteressanten Gründen im obigen Sinne modifiziert, das heißt ich spare mir die Tagestour am zweiten Tag und verlängere stattdessen die Strecke über Rheinsberg nach Neuruppin.


    Die Straße von Fürstenberg nach Steinförde ist Teil des Radweges Berlin-Kopenhagen, der hier neulich erst Gegenstand eines anderen Reiseberichts war. Ich kenne den Weg auf diesem Abschnitt, muss mir aber auf dem Asphalt des Radweges bald eingestehen, dass ich hier seinerzeit wohl auch mit dem Rad unterwegs war – zu Fuß ist es etwas öde für den Anfang.



    Immerhin erscheinen erste Tiere am Wegesrand:





    Der Kiefernwald ist frenetisch ausgeleuchtet:





    Ich durchquere die kleine Ortschaft Steinhavelmühle, wo eine über dem Zaun auslüftende Bettdecke im Tigerstreifen-Tarnmuster vor lauter Diskretion unfotografiert bleibt. Stattdessen etwas Sommer am Straßenrand:







    Später verlasse ich die Straße und laufe parallel über eine große, kürzlich gemähte Wiese.





    In Steinförde (Kilometer 4,5) ist die Gaststätte wegen Ruhetags geschlossen, also gibt es keine Kaffeepausenversuchung.


    Der Radfernweg führt weiter nach Großmenow, auf einer Asphaltstraße mit wenig Autoverkehr. Wanderer trifft man hier nicht, dafür einige Radfahrer mit unterschiedlicher Gepäcklast. Meist grüßen sie freundlich.


    Hinter Großmenow (Kilometer 7,9) werfe ich einen kurzen Blick auf den Campingplatz am Ellbogensee, der jetzt ziemlich belebt ist. Dann weiter Richtung Strasen.

    Mit dem hier aus dem Wald auftauchenden Fernwanderweg E10 kann man nun vom Radfernweg nach rechts abweichen und einen kleinen Umweg laufen. Forststraße statt Asphaltstraße. Es lohnt sich nicht wirklich – habe schon die schönste Stelle fotografiert:





    Kurz bevor ich bei Strasen wieder auf die Straße stoße, lasse ich mich in der Sonne an einem schattenlosen Rastplatz zum Mittagessen nieder. Knäckebrot, Salami. Kurz nach 14 Uhr, wie ich der Datierung des Bildes entnehme.




    Hier hole ich meine korallenrote Zaubermütze (86 g) hervor. Sie schützt ihren Träger vor dem Sonnenstich, ruft aber, sofern vorschriftsmäßig aufgesetzt, im Gehirn des Beobachters eine geheimnisvolle Wirrnis hervor.

    Klick und klack: Setzt man sie ab, ist man wieder Wanderer.



    Strasen ist nicht groß; da aber die Freizeitkarte des Landesvermessungsamtes die Straßenführung im Ort wieder einmal mit bunten Markierungen verkleistert, stehe ich dumm herum und frage schließlich den nächstbesten einfahrenden Radtouristen, woher er denn jetzt wohl komme. Daraus hoffe ich folgern zu können, welchen Weg ich selbst nehmen muss. Die Frage scheint ihn zu irritieren – er guckt, als ob ich ihn gefragt hätte: Hey Wessi, wo kommst Du denn jetzt her? Ich bekomme aber trotzdem eine Antwort und ziehe den richtigen Schluss.



    Kirche in Strasen



    Hinter Strasen laufe ich Richtung Wustrow an der nunmehr mäßig befahrenen Straße entlang.





    Nach einer Weile weicht der Rad- und Wanderweg auf einen Parallelweg aus, bevor er nach links ins Feld abknickt und, den Buchsee und den Trünnsee berührend, auf Canow zuläuft. Wustrow lasse ich also rechts liegen und sehe den Ort nur aus der Ferne:



    Ebenfalls nur aus der Ferne höre ich das Röhren der Motorräder auf der ›Deutschen Alleenstraße‹, die man als Wanderer wohl lieber meidet. In Canow berühre ich sie noch einmal kurz.



    Der E10 verläuft hier anders als auf meiner Karte eingezeichnet.Wie sich später herausstellen wird, ist die Rad- und Wanderkarte des Klemmer-Verlags, die ja ebenfalls sehr touristisch daherkommt, genauer und aktueller. Sie lässt zudem die Hierarchie der Straßen und Wege (mithin deren Ausbauzustand) und den Straßenverlauf in den Ortschaften besser erkennen, weil sie die touristischen Symbole geschickter positioniert. Topographische Karten in einem anspruchsvollen Sinne sind allerdings beide Karten nicht, weder die des Klemmer-Verlags noch die Freizeitkarte des Landesvermessungsamtes.










    Am Ufer des Buchsees (Kilometer 17,1) mache ich eine meiner zahlreichen Pausen. Auf dem Tisch des Rastplatzes hat ein Thruhiker sein Glück und seine Sehnsucht verewigt:







    Hier begegnet mir auch zum ersten Mal eine Wanderin mit Gepäck.

    [Die] Wörter Wandererin, Zaubererin und Fördererin sind nicht gerade leicht zu sprechen; wenn man nicht ganz langsam und deutlich artikuliert, geht die vorletzte Silbe in einem knurrenden Gurgeln unter. Da kann man sie ebenso gut weglassen. Und so hat man’s dann auch getan.
    (Quelle: Zwiebelfisch)


    Noch in Unkenntnis dieser Regelung und jedenfalls in der Absicht, das knurrende Gurgeln zu vermeiden, sage ich zu ihr: »Sie sind ja der erste Fernwanderer, den ich treffe.«
    Sie erzählt mir, dass sie am Vortag in Mirow gestartet ist und wohl irgendwo am Vilzsee ›abseits von Campingplätzen‹ genächtigt hat. Also gar nicht weit von meinem heutigen Etappenziel. Sie erzählt mir auch von Versorgungsmöglichkeiten in Canow. Ich bin inzwischen etwas knülle; das Wasser geht zu Ende und ein Kaffee wäre auch nicht schlecht.





    Nächster Rastplatz




    Landschaftsausblick kurz vor Canow






    Canow (Kilometer 21,3) erreiche ich gegen halb sechs und begebe mich zunächst eingedenk von Pfad-Finders Informationen über die landestypische Begräbniskultur auf den Friedhof, um meine Wasserflasche aufzufüllen. Ein Stoßgebet verwandelt das auslaufende Wasser in Trinkwasser.

    Anschließend gehe ich zum Kiosk, lege meine Wanderkarte an der Kasse ab, requiriere im Tausch gegen geprägte Metallstücke einen Kaffee und einen halben Liter Buttermilch und verfüge mich dann auf den schön gelegenen Rastplatz mit Blick auf den Canower See. Die Schaukel auf dem benachbarten Spielplatz hängt leider für Erwachsene etwas zu tief.





    Als ich beim Loslaufen die Wanderkarte wieder hervorholen will, ist sie weg. Mir fällt der Kiosk ein. Dort liegt sie tatsächlich noch an der Kasse, bisher unbemerkt. Eigentlich hat ja alles seinen Platz: Hätte man keine Beintaschen an der Hose, würde man den Kopf verlieren.




    Blick auf den Labussee (zwischen Canow und Diemitzer Schleuse)



    Den restlichen Weg entlang einer Asphaltstraße bis zum Campingplatz an der Diemitzer Schleuse hätte man freilich auch ohne Karte gefunden. Kurz nach halb sieben treffe ich am Campingplatz ein. Ich habe wenig Erfahrung mit Campingplätzen. Dieser gilt als sehr schön, die Zeltwiese ist in der Tat weitläufig, allerdings legt man zwischen der Rezeption (mit Outdoor-Laden), der Zeltwiese und dem Sanitärgebäude weite Wege zurück. Bevor ich mein winziges ›Zelt‹ im hinteren Bereich der Zeltwiese errichte – etwas erhöht und nicht allzu weit von einer Feuerstelle, weil es dort schön trocken ist –, gehe ich ins Restaurant und esse einen Salat.

    Sehr nettes Personal und gutes Essen. Eine Assoziation gebietet es, bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam zu machen, dass ich heute Mittag schon bei Großmenow die Landesgrenze von Brandenburg zu Mecklenburg-Vorpommern überschritten habe. Fontane ist damit einstweilen außer Gefecht gesetzt. Eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit Gästen macht sich bemerkbar. Aus dieser Erfahrung können nunmehr neue Stereotype abgeleitet werden: Die historisch verbürgte Sturheit der Mecklenburgerin und des mit ihr verwandten Mecklenburgers wandelt sich, wo sie dem Gast Aug in Aug gegenüberstehen, in eine fast ironische Toleranz. Es ist, als wollten sie (im Gedenken an Bismarck) sagen: »Dass Du hier bist, verstehen wir, denn wenn die Welt untergeht, musst Du hier sein, wo alles hundert Jahre später geschieht.«



    Als es dunkel wird, gehe ich schlafen oder versuche es. An der nahen Feuerstelle hat sich eine Familie niedergelassen, und der Sohn erprobt an der Schwelle vom Kindischen zum Jugendlichen, wie weit seine Stimme trägt. Das nervt.
    Geändert von Igelstroem (24.07.2013 um 01:35 Uhr) Grund: logische Korrekturen an einzelnen Formulierungen
    Lebe Deine Albträume und irre umher

  2. AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #2
    Ich freu mich schon auf den nächsten Teil. Irgendwie besonders reizvoll, die eigene Heimat mal aus Sicht eines "anderen" zu erleben. In den letzten Jahren war ich selbst kaum zu Fuß oder per Rad hier unterwegs, sondern auf dem Wasser. Es kribbelt aber langsam wieder.

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    AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #3
    Und beim Geotaggen des Berichts hat man fast das Gefühl, ein Bekenntnis abzulegen. Man könnte binnen weniger Monate eine ganze Region quasi besetzen. Dabei denkt man natürlich nichts Böses.
    Lebe Deine Albträume und irre umher

  4. AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #4
    Bin ebenfalls gespannt !

    Sehr nett zu sehen, wie jemand im Wasserwanderland zu Fuß unterwegs ist (auch bei mir gähnen viele der Seen). Durch Strasen und Canow bin ich allerdings auch schon gewandert - ein Kajak hinter mir her ziehend.

    Ein Urlaub dort mit Rad- und Wandertouren wurde damals als sehr schön empfunden (was sich natürlich geändert haben kann). Ich hätte Lust dort mal länger zu Fuß unterwegs zu sein, z.B. den Müritz Nationalparkweg...

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    AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #5
    Zweiter Tag: Igelstroem im Porzellanladen. Von der Diemitzer Schleuse zum Kalksee


    Vom Campingplatz habe ich keine Fotos gemacht. Das ist typisch: Sobald ich mit etwas anderem beschäftigt bin, denke ich nicht mehr an die Dokumentationspflicht.


    Gegen Mitternacht bin ich eingeschlafen, um halb vier einmal aufgewacht, um sechs wieder … Als ich dann auf die Uhr schaue, ist es plötzlich acht Uhr.


    Nachts ist es sogar ein bisschen kühl geworden, und beim Aufstehen stelle ich fest, dass der Schlafsack auf der Oberseite ziemlich feucht ist. Kondens. So sieht das also aus. So fühlt sich das also an. Echter Kondens. Bisher gab es das nur im Forum, jetzt habe ich es im Sack. Da die Sonne scheint, lege ich denselben zum Trocknen auf das ›Zelt‹ und erledige irgendwelche Dinge, besuche das Sanitärgebäude, esse an einem taunassen Tisch, mache wieder den Weg zum Restaurant, um einen Kaffee zu trinken. Als ich später alles zusammenpacke und ›auschecke‹, ist es schon gegen zehn Uhr. Das dauert alles irgendwie zu lange hier.


    Nach kurzem Überlegen kaufe ich mir einen Liter H-Milch, um den unterwegs im Gehen zu trinken. Das ist ein altes Ding von früheren Urlauben in Südfrankreich: nach dem Kaffee in der Jugendherberge noch einen Liter kalte Milch kaufen, das gibt einen guten Kick und bewährt sich auch jetzt wieder.

    Ich überquere die Schleuse, laufe Richtung Diemitz, biege aber bald nach links von der Straße ab.





    Den Weg nach Luhme finde ich nicht auf Anhieb, stattdessen stoße ich am Südufer des Großen Peetschsees auf eine Gruppe von Campern mit Booten. Natürlich ist das hier kein offizieller Rastplatz. Meine Suche nach dem Weg bringt uns ins Gespräch. Wir plaudern über die Bedeutung der Zaubermütze, über Rechtsfragen des Wildcampens hier in Mecklenburg und im 500 Meter entfernten Brandenburg, des Weiteren über Ausrüstungsfragen und Gewichtsreduktion und dergleichen mehr. Ich bekomme einen Kaffee, und da ich die Milchpackung immer noch in der Hand halte, kommt auch noch Milch hinein. Alles sehr nett.

    Gut gelaunt mache ich mich schließlich wieder auf den Weg Richtung Luhme (Kilometer 28,5), ein kleines, ausgefegt wirkendes Dorf, das ich kurz nach halb zwölf erreiche.







    Einmal mehr bin ich überrascht, dass ich nun bis Zechlinerhütte auf Asphalt laufen soll. Zumindest bis kurz vor Neumühl weiche ich auf einen Forstweg aus, aber dann geht es doch in der Sonne an der Straße entlang, weil wieder überall Seen im Weg sind.


    Reiherholz: ein Vorort von Zechlinerhütte. Hin und wieder auch größere Villen auf Wald- und Seegrundstücken. Links ein Hinweisschild zu einem Fischimbiss. Ein saurer Hering, egal wo gefangen, wäre jetzt schön, aber dafür einen Umweg machen? Lieber weiter, lieber baldigst Apfelschorle.


    Da ich auf dem E10 nach Rheinsberg laufen will, biege ich schon vor Zechlinerhütte rechts ab (Kilometer 32,9) und verfüge mich gleich danach in eine Gaststätte mit Blick auf den Schlabornsee. Dort gibt es, wie die Karte behauptet, ›Latte Machate‹. Klingt irgendwie gefährlich. Also große Apfelschorle, später dann doch noch einen automatischen Espresso. Es ist ein Uhr mittags.


    Während ich hier sitze, laufen zwei Fernwanderer mit großen Rucksäcken auf der Straße vorbei, von rechts nach links, also für mich in Gegenrichtung. Ein nicht mehr ganz junges Ehepaar. Ich notiere das, weil es sich um Nummer zwei und drei von drei auf siebzig Kilometern handelt. Tageswanderer habe ich ebenfalls kaum gesehen, so dass ich auch den ODS-typischen nebenbedeutungsschwangeren Satz »Ich überholte mehrere Wanderer mit Tagesrucksäcken« zumindest nicht in apophantischer Absicht hinschreiben kann.


    Der E10 von Zechlinerhütte nach Rheinsberg ist eine Forststraße, die zugleich Zuweg zu irgendwelchen Campingplätzen ist. Nach einer Weile werde ich mit großem Gedröhne von drei motorisierten Jugendlichen überholt. Zurück bleibt eine Staubwolke und beim Wanderer ein Gefühl, das man für Insider des Forums mit dem Satz »Ditschi, mach doch mal was« umschreiben könnte. Aber der Weg ist eben für Kraftfahrzeuge nicht gesperrt.


    Zum E10 als Fernwanderweg: Zwischen Strasen und Wustermark gibt es eine Ost- und eine Westvariante. Gestern bin ich kurz vor Strasen die letzten Kilometer der Ostvariante in nördlicher Richtung gelaufen, jetzt bin ich auf der Westvariante in südlicher Richtung unterwegs. Die Markierungspraxis ist rätselhaft. An signifikanten Abzweigungen, insbesondere in Ortschaften, fehlt häufig jeder Hinweis. Wenn man den richtigen Weg dann anhand der Karte trotzdem gefunden hat, wird man auf freier Strecke, wo man es nicht mehr braucht, durch das Wiederauftauchen des Zeichens belohnt. Diese Erfahrung wiederholt sich bis Neuruppin mehrmals.




    Schutzhütte oder Wegmarkierung?


    Die Karte verzeichnet auf dem Weg nach Rheinsberg mehrere Schutzhütten. Die existieren tatsächlich, aber es handelt sich dabei zumeist, wie auch im weiteren Verlauf zwischen Rheinsberg und Braunsberg, sozusagen um Nistkästen, in denen man höchstens zu zweit nebeneinander sitzen kann.




    Die abgebildete Hütte hat den zusätzlichen Nachteil, dass sie von einem besonders kräftigen Baum beschirmt wird, so dass der Aufenthalt bei Gewitter lebensgefährlich ist.




    Bild oben: Campingplatz am Rheinsberger See mit Blick auf die Remus-Insel und Hohenelse am anderen Ufer


    Bild unten: Der Wanderer und sein Schatten





    Auch bei Warenthin verpasse ich – diesmal schon erwartungsgemäß – den Abzweig des E10, der hier vielleicht über den Campingplatz führt. Egal: Ich laufe weiter auf einer Betonplattenstraße bis zum Arboretum (für das ich leider jetzt keine Zeit habe) und biege dort nach Karte auf den Poetensteig ab, der am Ufer des Grienericksees bis in den Rheinsberger Schlosspark führt. Die Mücken freuen sich auf mein wallendes Blut, aber da ich mich munter eingesprüht habe, verzichten sie am Ende doch.

    Die Route bringt es mit sich, dass man das Schloss von der anderen Seeseite her fotografieren kann:






    Kurz nach vier bin ich dann dort (Kilometer 43,2). Ich bitte einen anderen Touristen, mich vor der Fassade zu fotografieren. Er gibt sich Mühe. Trotzdem lasse ich mich hier lieber durch den Kronprinzen Friedrich vertreten:




    »Das Unglück hat mich immer verfolgt. Ich bin nur in Rheinsberg glücklich gewesen.«




    Nun zum Porzellan. Das ist einer der Gründe, weswegen ich hier bin. Morgen hat jemand Geburtstag. Von den drei Teeschalen, die wir hier vor zehn Jahren gekauft haben, sind inzwischen zwei zerbrochen. Also mal von diesem Platz (Triangelplatz) einmal um die Ecke gehen, und tatsächlich, den Laden gibt es noch. Alles klappt. Es gibt auch diese Schalen noch. Ich kaufe eine und lasse sie mir unter Hinweis auf meinen nächsten Übernachtungsplatz sorgsamst verpacken. An den Platzreserven im Rucksack wird es jedenfalls nicht scheitern.


    Was folgt, ist ein längeres Gespräch übers Wandern mit dem Verkäufer. Das Wandern, erzählt er nicht ganz ohne ironischen Unterton, sei ja im Kommen. Neulich habe er hier in Rheinsberg auch schon eine Frau getroffen, mit schwerem Gepäck (wohl auf dem Weg zur Ostsee). Die habe dann allerdings ihre Tour hier abgebrochen. »Und wissen Sie, wo die losgelaufen ist? In Alt-Ruppin! Musste hier abbrechen, weil sie mit Gummistiefeln unterwegs war.« Das sei doch wie bei Ringelnatz: »In Hamburg lebten zwei Ameisen / Die wollten nach Australien reisen. / Bei Altona auf der Chaussee / Da taten ihnen die Beine weh, / Und da verzichteten sie weise / Dann auf den letzten Teil der Reise.«



    Anschließend gehe ich in die Touristen-Information, um die fehlende Wanderkarte für die Strecke nach Neuruppin, in eine Fleischerei, um Proviant, in eines der zahlreichen Cafés, um Koffein und Wasser zu besorgen.


    Kurz vor 18 Uhr breche ich auf. In der Freizeitkarte des Landesvermessungsamtes ist das Zentrum von Rheinsberg durch sieben Gaststättensymbole unkenntlich gemacht worden. Ich finde den Weg nach Braunsberg trotzdem, wenn auch unter amtsfeindlichen Verwünschungen.


    Es handelt sich um eine alte Kopfsteinpflasterstraße, die ich vor Jahren mal mit dem Rad ›bezwungen‹ habe. Geologisch betrachtet läuft man hier einige Kilometer über nacheiszeitliche Sanddünen. Diese ›Hochfläche‹ bei Braunsberg ist vielleicht der schönste Teil der Route. Für mich war es jedenfalls so, nachdem ich den Stechlinsee ja ausgeklammert hatte. In der Stille des frühen Abends am Wegrand sitzend, flüstere ich: »Wie schön«, und zweideutig haucht es zurück: »Nur für Dich, Igelstroem.«

    Und als ich später auf dem Friedhof von Braunsberg gegenüber den Einheimischen ein ähnliches Bekenntnis ablege, erwidert man mir halb ungläubig: »Ja?« Darauf weiß ich nichts mehr zu sagen.






    Es gibt eine Nistkastenschutzhütte, aber auch hier steht sie unter den Ästen eines exponierten Baumes:





    Die Karte ist doch nützlich, wie man hier sieht.












    Braunsberg (Kilometer 50,4) erreiche ich gegen acht. Ich gehe auf den Friedhof, um meine Reserveflasche aufzufüllen. Dort treffe ich vier Einheimische unterschiedlichen Geschlechts, die um den Wasserhahn herumsitzen und über den neusten Todesfall sprechen. »Ja – wir sitzen auf dem Friedhof und sprechen vom Tod.«

    Wir unterhalten uns eine Weile. Man empfiehlt mir, nicht irgendwo am Waldrand zu schlafen, sondern lieber unten auf dem Waldparkplatz am Kalksee. Und zwar weil ja der Jagdausübende verpflichtet sei, die Umgebung seines Ansitzes abzusuchen (und so weiter). Mir kommt das bekannt vor. Der Mann, der mir das erklärt, sagt tatsächlich ›Waid‹, nicht ›Jagd‹.

    Wir gucken noch auf meiner Karte, wo dieser Parkplatz ist und welchen Weg ich nehmen kann (entweder die alte Panzerstraße oder den Wanderweg). Dann laufe ich los, ist ja bis neun Uhr gut zu schaffen.





    In der Tat stehe ich um neun Uhr pünktlich zum Sonnenuntergang am Ufer des Kalksees (Kilometer 53,6). Ein paar Meter oberhalb gibt es einen grasbewachsenen Parkplatz an der kaum befahrenen Straße von Braunsberg nach Binenwalde. An der Badestelle sind noch einzelne Menschen, deshalb stehen oben auch noch zwei Autos auf meinem Zeltplatz.





    Der Schwimmer, dessen Kopf auf dem Bild zu sehen ist, steigt wenig später ein paar Meter von mir entfernt aus dem Wasser. Ich grüße, aber er antwortet nicht. Das beeindruckt mich inzwischen nicht mehr.


    Als alle weg sind, ist es fast dunkel. Ich versuche zunächst mein ›Zelt‹ unten an der Badestelle aufzubauen, aber nach kurzer Zeit laufen die ersten neugierigen Ameisen (wohl Rossameisen) über die Außenhaut. Ich schüttele sie ab und installiere mich endgültig auf dem Parkplatz. Kurz nach zehn Uhr liege ich im Schlafsack. Irgendwann in der späten Dämmerung höre ich einen einzelnen Schuss in der Ferne (›wumm‹), wie zur Bestätigung dessen, was man mir auf dem Friedhof gesagt hat. Draußen vor dem Moskitonetz heulen die Mücken. Eine einzelne reicht, um mich aufzuwecken. Bis Mitternacht fahren noch ungefähr vier Autos vorbei, auch davon wache ich natürlich auf. Im nahen Wald raschelt es. Einmal klingt es so, als drehte sich ein großer herabgefallener Ast in seinem Laubbett auf die andere Seite. Kann er ja machen. Mache ich ja auch. Nur dass ich beim Drehen nach links das Gefühl habe, es gehe bergauf, und überhaupt ist das hier irgendwie eng. Und natürlich zu warm. Und der Schlafsack klebt lieber an mir als an der Isomatte.

    Draußen tapst es hin und wieder. Das muss ein kleines Tier sein, oder ein vorsichtiges. Kein Igel, kein Eichhörnchen, kein Elch, sondern eine Ratte oder ein Fuchs. Ein Fuchs, der meine Wanderschuhe wegschleppen wird. Meine Wanderschuhe wegschleppen. Morgen werde ich mit einem Schuh an der Straße stehen und zu trampen versuchen. Ich muss etwas tun. Ich hole meine Wanderschuhe ins Innere, das geht sogar ganz gut, hier vorne ist das ›Zelt‹ eigentlich breit genug.


    Wenn sich die Gedanken anderen Dingen zuwenden als der aktuellen Liegesituation, ist das ein Zeichen dafür, dass man bald einschlafen wird. Nach dem letzten Auto schlafe ich wirklich ein und wache erst am Mittwoch, dem 17. Juli vom ersten Auto wieder auf. Dazwischen liegen einige Stunden.
    Geändert von Igelstroem (29.07.2013 um 02:14 Uhr)
    Lebe Deine Albträume und irre umher

  6. AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #6
    klasse!

    Moralische Kultur hat ihren höchsten Stand erreicht, wenn wir erkennen,
    daß wir unsere Gedanken kontrollieren können. (C.R. Darwin)

  7. Dauerbesucher
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    AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #7
    Dritter Tag: Vom Kalksee nach Neuruppin




    Schlafplatz mit Macpac Bush Cocoon


    Die Nacht ist etwas wärmer als die vorige. Kaum Kondens.

    Um sechs Uhr robbe ich aus dem ›Zelt‹, packe alles zusammen und gehe ans Seeufer. Knäckebrot, Salami, Cashewnüsse, Wasser.







    Schon kurz nach halb sieben kommt die erste Badegästin. Ob ich den Eisvogel schon gesehen habe. Dann zieht sie sich irgendwo hinter mir aus und stürzt sich nackt in den See. Meine minimalistische Morgenwäsche ist zu diesem Zeitpunkt bereits erledigt.

    Während ich noch esse, kommt eine nordische Walkerin vorbei und wünscht guten Appetit. Ich notiere das, damit nicht der Eindruck entsteht, in Brandenburg würde nicht kommuniziert. Die Nichtgrüßer sind eine (wenn auch starke) Minderheit.


    Um sieben Uhr, drei Stunden früher als gestern, mache ich mich auf den Weg. Zuerst durch das Binenbachtal zur Boltenmühle (Kilometer 54,9), die ich nach einer halben Stunde erreiche.









    Ich traue mich kaum zu fragen, weil es ja noch so früh ist, aber dann gibt es doch ›selbstverständlich‹ einen Kaffee auf der noch taunassen Terrasse.





    Da ich auf dem Weg nach Neuruppin einige kleine Ortschaften durchqueren werde, mache ich mir keine Gedanken ums Wasser und versäume es, die beiden Flaschen aufzufüllen.


    Am Tornowsee (einem von mehreren Seen dieses Namens in Brandenburg) entscheide ich mich für das östliche Ufer. Ein Uferweg, wie man sie zuhauf in Brandenburg findet, Bilder sind überflüssig.

    Um halb neun erreiche ich die idyllisch gelegene Wanderreitstation Rottstiel (Kilometer 58,6).




    Blick auf den Tornowsee




    Forsthaus und Wanderreitstation Rottstiel


    Ich mache eine Pause und fotografiere für Euch die historischen Informationstafeln.







    Schon seit der Boltenmühle bin ich wieder auf dem E10 unterwegs. Stendenitz heißt die nächste Ortschaft, dem Anschein nach eine reine Datschensiedlung, heute mit etwas intrasilvanem LKW-Verkehr.

    Hier war ich vor Jahren schon mal mit der Person, für die die Teeschale bestimmt ist. Gab es nicht damals eine Gaststätte? Auch der Abzweig des E10 nach rechts (zum Westufer des Tetzensees) ist wieder einmal nicht markiert, wird aber gefunden. Ein Holländer fährt mit seinem Haus vorbei, es gibt hier ja Campingplätze. Dann folgt Wald.




    Bild oben: Wenn in Brandenburg ein Baum abbricht, kommt an der Bruchstelle der preußische Adler zum Vorschein. Hier ist er schon etwas verwittert und wird von einem Alligator aufgefressen.





    Schnecke mit Flecktarnhaus


    Zwischen Tetzen- und Molchowsee wechselt der Weg wieder ans östliche Ufer. Molchow (Kilometer 64,2) ist mit seinem Gutshaus und seinem Dorfanger ganz hübsch. Apfelschorle wäre jetzt gut. An einem Eigenheim hängt ein Gaststättenschild, aber draußen stehen keine Tische und es sieht irgendwie geschlossen aus, weshalb ich einfach weitergehe.








    Erst Asphalt; dann führt der E10 über den Grillplatz am Ortsausgang zum Seeufer. Das bemerke ich erst im zweiten Anlauf.

    Wieder Uferweg. In Neumühle (Kilometer 66,6) ist der riesige historische Kornspeicher inzwischen zu einem riesigen Antiquitätenhandel geworden. Vielleicht wäre es eine gute Geschäftsidee, nebenbei Apfelschorle auszuschenken, aber davon ist nichts zu sehen. Eine Radfahrerin nebst Radfahrer sitzt pausierend herum und trinkt ebenfalls nichts. War ja nur eine Frage.

    Ich überquere die Rhinschleuse und laufe entlang der Straße weiter. Die Häuser, die im weiteren Verlauf diese Straße säumen, gehören gewissermaßen schon zu den Vororten von Neuruppin.







    Auch die oben abgebildete Hotelruine kommt mir von früher her bekannt vor. Keine Apfelschorle, nirgends. Geradeaus geht es weiter Richtung Ruppiner See.


    Wegen der Sonne trage ich die Zaubermütze. Ein schon leicht angegrauter Werbezeitungsausträger ruft mir zu: »Ihr müsst ja noch mehr Gerümpel schleppen als wir damals!« Das ist mir jetzt nicht privat genug. Ich nehme also die Mütze vom Kopf und sage zu ihm: »Gucken Sie mal, wenn ich die Mütze abnehme, bin ich nur noch Wanderer. Und außerdem wiegt mein Rucksack nur acht oder neun Kilo.« Ich erzähle ihm, von wo ich heute losgelaufen bin, und zwanzig Kilometer zu Fuß kommen ihm weit vor.


    Mein weiterer Weg führt am Ufer des Ruppiner Sees entlang, bis zum Stadtbad. Auf einer Bank, aus der schon ein Pflänzchen wächst, esse ich die letzte Salami und trinke das letzte Wasser. Eine Ringelnatter flüchtet. Letztes Wirbeltier vor Neuruppin.






    Bild oben: Die Bevölkerung der Garnisonsstadt bereitet mir einen triumphalen Empfang.





    Um kurz nach halb eins erreiche ich den Bahnhof. Der nächste Zug fährt erst um zwanzig nach eins, aber wegen der Apfelschorle und nachfolgender Einverleibungen bleibe ich am Bahnhofsbistro und habe dann keine Zeit mehr, noch einen Spaziergang durch die Innenstadt zu machen.

    Das wäre unverzeihlich, wäre ich nicht schon mehrmals hier gewesen. Fontane, Schinkel, Fontane. Ich vertraue darauf, dass sich historische Orte nur langsam wandeln.


    Und außerdem gibt es da noch den geheimen Operationsplan, eines Tages wiederzukommen und auf der anderen Seite der Stadt hinauszuwandern. Durch die Prignitz zur Elbe. Prignitz? »Bitte versuche es mit anderen Suchbegriffen«, hüstelt die ODS-Suchmaschine.

    Ich habe das Wort um 1990 zum ersten Mal im Telefonwetterbericht der FU Berlin gehört: »Das Radarbild zeigt einzelne Schauerechos über der Prignitz.« Damals wusste ich nicht, wo das war.


    Ich stelle mir vor, dass mich die Einheimischen dort lange und unverwandt ansehen werden. Sie werden fragen: »Wer ist Er? Was macht Er hier?« Dann werde ich rasch meine Zaubermütze aufsetzen und mit vor Hochstapelei zitternder Stimme antworten: »Ich bin Igelstroem. Ich markiere einen Fernwanderweg.« Und dann wird mein Schicksal ganz in ihren Händen liegen.

    ***



    Technische Nachträge:

    Die beiden Zwiegenähten sind nach der Tour noch mal bei mir vorstellig geworden. »So sehr wir es zu schätzen wissen, dass Du uns vor dem Fuchs gerettet hast, so sehr betrübt es uns, dass Du uns nicht blind vertrauen mochtest, Igelstroem. Dabei weißt Du doch, dass wir schmerzhafte Knickfalten nur dann ausbilden, wenn der Träger es gerade nicht erwartet. Wir hätten Dich also am ersten Tag gern und klaglos über die längere Route am Stechlinsee getragen. Deinen Singsang über fehlende Wanderer hättest Du gewiss auch dort wieder anstimmen können. Im Bericht wirst Du ohnehin Deinen Leserinnen sagen müssen, dass die Asphaltroute an der mecklenburgischen Grenze wie zum Radfahren gemacht ist, nicht aber für Dich und uns.«

    Das stimmt.


    Nennenswerte Blasen gab es diesmal keine. Lediglich die trockene Hornhaut bereitet hier und da Schmerzen. Entgegen der Doktrin, dass der Schuh fest und unbeweglich am Fuß sitzen muss, habe ich am zweiten und dritten Tag relativ locker geschnürt. In Verbindung mit dem sehr glatten Leder-Innenfutter und Polypropylen-Unterziehsocken ist das durchaus möglich.

    Nach der für meine Verhältnisse langen Etappe am zweiten Tag waren die Großzehengelenke beim Ausziehen der Wanderschuhe etwas steif und ich hatte Muskelschmerzen in den Waden. Nach zwei Stunden Liegen und etwas Zehengymnastik fühlte sich alles wieder gut an.


    Das Rucksackgewicht beim Start betrug 9,7 kg inklusive 800 g Proviant und 1 Liter Wasser. Basisgewicht also knapp acht Kilo, und wenn der Sommerschlafsack rechtzeitig eingetroffen wäre, wären es noch 700 g weniger gewesen.

    Maximal hätte ich mit meinen beiden Flaschen 1,5 Liter Wasser transportieren können. Mehr wäre auch nicht nötig gewesen, zumal ich ja zusätzlich Milch und Apfelschorle getrunken habe. Der letzte Tag zeigt aber auch, dass man die in der Zivilisation gegebenen Möglichkeiten zum Nachfüllen einigermaßen konsequent nutzen muss; sonst muss man irgendwann Umwege gehen, um Wasser zu beschaffen.

    Der Proviant (200 g Knäckebrot, 300 g Salami, 300 g Cashewkerne) ist verbraucht worden. Wäre die Tour länger gewesen, hätte man in Rheinsberg oder in Neuruppin problemlos nachkaufen können. Insofern ist die anfangs mitgenommene, für knapp zwei Tage berechnete Menge völlig ausreichend. Müsliriegel und Schokolade habe ich nicht vermisst.
    Geändert von Igelstroem (29.07.2013 um 01:41 Uhr)
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  8. AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #8
    Vielen Dank für die schönen Bilder!

  9. AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #9
    Toll geschrieben und schöne Fotos, danke
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  10. AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #10
    Lieber spät als nie, war selbst die letzten Wochen unterwegs. Schöner Bericht. Ich mag deinen Stil ;)

    Das das Kartenmaterial seine beste Verwendung als Unterlage hat, kann ich nur bestätigen. Aber du bist ja angekommen.

    Das Projekt, das "Unbekannte Land" zu erforschen, hat sein erstes, kleines Teilstück erhalten. Glückwunsch dazu.

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    AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #11
    Zitat Zitat von Igelstroem Beitrag anzeigen



    Die Karte ist doch nützlich, wie man hier sieht.
    Das ist aber keine "amtliche", sondern eine Karte aus dem Klemmer-Verlag!
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    AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #12
    Zitat Zitat von Pfad-Finder Beitrag anzeigen
    Das ist aber keine "amtliche", sondern eine Karte aus dem Klemmer-Verlag!
    Das stimmt. Dies ist die Karte, die ich in Rheinsberg gekauft habe, weil die TK-50 Freizeit (Naturpark Stechlin - Ruppiner Land Nord) im Bereich der rechten Käsescheibe endet.

    Oben (bei Wustrow) habe ich geschrieben:

    Zitat Zitat von Igelstroem
    Wie sich später herausstellen wird, ist die Rad- und Wanderkarte des Klemmer-Verlags, die ja ebenfalls sehr touristisch daherkommt, genauer und aktueller. Sie lässt zudem die Hierarchie der Straßen und Wege (mithin deren Ausbauzustand) und den Straßenverlauf in den Ortschaften besser erkennen, weil sie die touristischen Symbole geschickter positioniert. Topographische Karten in einem anspruchsvollen Sinne sind allerdings beide Karten nicht, weder die des Klemmer-Verlags noch die Freizeitkarte des Landesvermessungsamtes.
    Eine »topographische Karte in einem anspruchsvollen Sinne« wäre eine, auf der man auch bei bloß hügeligem Gelände die genaue Geländeform anhand der Höhenlinien erkennen würde. Höhenlinien werden in den Karten des Landesvermessungsamtes zunehmend stiefmütterlich behandelt; vielleicht deshalb, weil viele Benutzer damit nicht so gut umgehen können. Ich erinnere mich an eine lange zurückliegende Wanderung mit dem damaligen Generalsekretär des Wissenschaftsrates (klingt bisschen hochstaplerisch, war aber so), der beim Blick in die Karte meinte: »Da sind doch noch diese parallelen braunen Wege, können wir nicht einen davon nehmen?«
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    AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #13
    Zitat Zitat von Igelstroem Beitrag anzeigen
    Höhenlinien werden in den Karten des Landesvermessungsamtes zunehmend stiefmütterlich behandelt.
    Liegt m.E. eher daran, dass 10m-Höhenlinien in weiten Teilen Brandenburgs nicht vorkommen.

    Viel bedauerlicher ist, dass die Kartengrundlage der "amtlichen" Freizeitkarten arg veraltet ist (ich schätze so Stand frühe 90er Jahre). Es ist nur ein schwacher Trost, dass die neuen amtlichen Atkis-Karten noch ungenauer sind.
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    AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #14
    Zitat Zitat von Pfad-Finder Beitrag anzeigen
    Liegt m.E. eher daran, dass 10m-Höhenlinien in weiten Teilen Brandenburgs nicht vorkommen.
    Na ja (wenn die Sammys und Becks usw. jetzt mal weghören): Für mich als Urflachlandkind hat jeder Höhenunterschied, der mit dem bloßen Auge erkennbar ist, bei der Orientierung einen Informationswert. Wenn das den Karten des Landesvermessungsamtes zugrundeliegende Digitale Geländemodell eine Genauigkeit von +/– 1 m hat, kann man prinzipiell auch 5m- oder 2m-Höhenlinien darstellen. Und wenn man dann auch noch die Wege etwas feiner zeichnet, sich mit der Bodenbedeckung etwas Mühe gibt, die meisten touristischen Labels weglässt und alles sehr präzise druckt, bekommt man ein sehr nützliches und ästhetisch ansprechendes Ergebnis, wie man es zum Beispiel aus der Schweiz kennt.

    Allerdings wäre das dann einfach eine fürs Wandern optimierte Karte. Gewandert wird aber hierzulande nur sporadisch. Insofern ist meine ganze Kartenkritik sozusagen eitel, wenn auch im Sinne eines ODS-typischen Affekts: Touristen sind die anderen, ich aber habe eine Outdoor-Mission und kann verlangen, dass man mir dafür optimale Instrumente zur Verfügung stellt.
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    AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #15
    Zitat Zitat von Igelstroem Beitrag anzeigen
    ... Wenn das den Karten des Landesvermessungsamtes zugrundeliegende Digitale Geländemodell eine Genauigkeit von +/– 1 m hat, kann man prinzipiell auch 5m- oder 2m-Höhenlinien darstellen...
    "Im Prinzip ja". 5m-Höhenlinien sind in den LGB-Freizeitkarten 1:50.000 übrigens drin, habe eben nachgeschaut.
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    AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #16
    Ja, das stimmt. Aber graphisch ist es so, dass mir an manchen Stellen die Geländeform klar wird, an anderen nicht. Das liegt vielleicht daran, dass schon die 5m-Höhenlinie nur noch gestrichelt erscheint. In der neusten Variante der Normalausgabe habe ich das Gefühl, dass es noch schlimmer ist: Wo das Gelände nicht flach ist, sieht man auf den ersten Blick nur noch Gekräusel. Kann das aber gerade nicht nachprüfen, weil ich sie nicht gekauft, nur angeschaut habe. Und vielleicht ist das Gelände ja wirklich gekräuselt. – Eine Idee hatte ich noch: Man könnte die TK-25 nehmen und fotomechanisch verkleinern. Das ergäbe auch handliche Blätter.
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  17. AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #17
    Danke für den schönen Bericht. Da ich vor über 20 Jahren oft in der Gegend war, kommen viele schöne Erinnerungen auf.
    Dankeschön!
    Unsere Webseite: http://www.grenzenlosabenteuer.de

    Gruß, Wi grenzenlos

  18. AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #18
    Sehr schöner Reisebericht ! Da kommt mir einiges bekannt vor, z.B. die ungläubigen Blicke von Radfahrern, wenn man im Flachland mit einem Rucksack unterwegs ist. Aber man trägt es mit Fassung und fühlt sich irgendwie eigenartig, ne einzigartig!
    Schöne Fotos !

  19. AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #19
    Feiner Bericht, vielen Dank. Auch bei mir im Bücherregal steht die grosse Ausgabe der Fontaneschen Wanderungen. Wäre echt mal ein Projekt das nachzustiefeln...
    Noch was zur roten Zaubermütze: Was kann es was mein blaues Luftwaffen-Schiffchen aus meiner Zeit der Landesverteidigung nicht kann???
    LG
    Rainer

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    AW: [DE] Von Fürstenberg nach Neuruppin

    #20
    Zitat Zitat von Rainer Duesmann Beitrag anzeigen
    Noch was zur roten Zaubermütze: Was kann es was mein blaues Luftwaffen-Schiffchen aus meiner Zeit der Landesverteidigung nicht kann???
    Die Zaubermütze entfaltet ihre Wirkung in Verbindung mit anderen Ausrüstungsteilen. Es handelt sich ja um ein unbeabsichtigtes Experiment zur Funktionsweise des »vestimentären Codes«. Die Kombination von Flecktarnhose, zivilen Wanderschuhen, schwarzem T-Shirt und grünem Berghaus-Rucksack geht noch als ziviles Wander-Outfit durch. Wenn man dazu das Barett halbwegs vorschriftsmäßig aufsetzt, kippt aber das Gesamtbild in den Augen manchen Betrachters, der sich in der Vergangenheit mit der Zentralen Dienstvorschrift 37/10 (Anzugsordnung) nicht auseinandersetzen musste.

    Dein blaues Luftwaffen-Schiffchen hat diese Wirkung vielleicht auch, wenn Du zum Beispiel einen blauen Overall trägst. Aber wo genau für den Betrachter die Grenze liegt, jenseits deren die nicht ins Bild passenden Elemente ignoriert werden, kann man erst sagen, wenn man es ausprobiert hat.
    Lebe Deine Albträume und irre umher

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