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    [DE] Von Angermünde nach Templin

    #1
    Mitreisende: Igelstroem
    Inhaltsverzeichnis:


    Erster Tag
    an dem der livländische Graf* sich beim Ortsvorsteher zum Kaffee einlädt und mit dessen Sohn die Frage des Wildcampens klärt, im Walde von zwei Freifrauen einen Schluck Pfefferminzöl dargereicht bekommt und sich zum Abend in ein Gesindehaus flüchtet.

    Zweiter Tag
    an dem derselbe Graf fürs Duschen getadelt wird, unter den Augen der Polizei eine Currywurst verzehrt, abends ziemlich erschossen aussieht und ein Gespräch über den Tod von James Dean belauscht.

    Dritter Tag
    an dem nicht mehr viel geschieht, außer dass sich eine Ente menschlich tief enttäuscht vom Grafen abwendet und sich der Regenschutz wieder einmal als Trainingsgewicht erweist.


    *Über den Fernwanderer Johann Gottfried Seume heißt es irgendwo in den unendlichen Weiten des Netzes: »Seit 1790 Erzieher des livländischen Grafen Gustav Andreas Otto von Igelström.« Thanks to Pfad-Finder.




    Erster Tag (Pfingstmontag, 20. Mai 2013)


    Das Pfingstwochenende neigt sich dem Ende zu. Das scheint mir ein guter Zeitpunkt, um zu einer Forschungsreise in die Uckermark aufzubrechen. Ich packe also mein NATO-Ränzlein, leider ohne einen Blick in meine Packliste zu werfen, und schnüre meine noch keineswegs eingelaufenen transatlantischen Heldenstiefel, von denen ein frecher Freund (und frivoler Fortschrittsfeind) behauptet, sie sähen aus, als hätten sie einem Yps-Heft beigelegen oder seien aus einem Kaugummi-Automaten gezogen worden. Indessen: Belleville 390 Desert USGI military army combat boots und so weiter – das klingt doch wie The few, the proud, the Marines; kann man ja gar nicht meckern.

    Und irgendwann müssen sie doch eingelaufen werden. Die Risiken sind mir bewusst, von den Unbilden später mehr. Zuhause scheint es zunächst, als könnte sich die Schnürung im Bereich des Mittelfußes als Problem erweisen, aber dieser Schmerz verschwindet beim Laufen bald. Das Problem ist das flache Fußbett und die relativ weiche, bodensensible Vibram-Sohle. Das ist ungewohnt und zeitigt Folgen.


    Ich fahre um die Mittagszeit mit dem Zug nach Angermünde, um von dort nach Westen zu laufen, im Kopf eine grobe Routenplanung mit Altkünkendorf und Poratz als ersten Fixpunkten. Wie weit ich jeweils komme, ist ja egal, wenn ich in der freien Landschaft schlafe. Denke ich mir jedenfalls.





    Beim Hinauslaufen aus der Stadt bemerke ich, dass ich unsichtbar bin. Das kann in Brandenburg immer mal passieren und vergeht später wieder. Man bemerkt es daran, dass man nicht zurückgegrüßt wird, wenn man jemanden grüßt. Bis zum Rastplatz am Ortsrand geschieht das mehrmals; von Gegenbeispielen ist nichts zu berichten. Man würde das vielleicht überall auf der Welt als Affront empfinden, aber hier in Brandenburg sieht man den Menschen an, dass sie es gar nicht böse meinen. Sie nehmen mich eben nicht wahr, auch wenn ich in fünfzig Zentimeter Abstand an ihnen vorbeilaufe und Guten Tag sage. Be prepared, wenn Du in Brandenburg wanderst.

    Am Ortsrand hört das mit den Menschen auf und die ersten stechlustigen Flugsaurier stürzen sich auf den Wanderer. Und wie falsch war es, beim Packen keinen Blick in die Liste zu werfen! Das Mückenspray ist daheimgeblieben. Vielleicht, so denke ich, wird es ja ausreichen, sich für die Nacht einen möglichst windigen Platz zu suchen.

    Also weiter jetzt. Der vermeintliche Wanderweg nach Altkünkendorf ist ein Pfad entlang einer allerdings wenig befahrenen Straße. Man sieht das auf dem folgenden Bild.






    Die Topographische Freizeitkarte 1:50 000 des Landesvermessungsamtes ist, wie sich hier bereits andeutet und im weiteren Verlauf bestätigt, zum Wandern nicht besonders gut geeignet. Man kann nämlich den in verschiedenen Farben fett markierten Qualitätswegen zumindest auf den ersten Blick nicht ansehen, ob es sich um Fahrradrouten oder Wanderwege handelt; dazu ist schon etwas mehr Kartenhermeneutik erforderlich. Aber selbst die nichttouristische Basiskennzeichnung lässt nicht immer erkennen, ob es sich um einen befahrbaren Forstweg oder um eine Asphaltstraße handelt. So gerät man dann immer mal auf kilometerlange Asphaltstrecken.
    Zudem häufen sich an manchen Stellen auf der Karte die plakativen, sozusagen Erlebnisdichte vortäuschenden touristischen Markierungen so, dass man den wahren Wegeverlauf nur noch vage erahnen kann. Man spürt die Absicht. Die Tourismuskonzepte entwerfen die Uckermark als Natur- und Kulturerlebnislandschaft. Wenn man vorn Erlebnis zufüttert, wird hinten irgendwo Wertschöpfung herauskommen.


    Bei Kilometer 6,3 biege ich von der Straße in einen schönen Feldweg ab, der gewusst haben muss, dass ich diesmal mit Wüstenstiefeln komme.





    Vom Waldrand geht der Blick weit über die frühsommerlichen Felder.







    Später verliert sich der eingezeichnete Weg, und während sich rechts für kurze Zeit der Wolletzsee zeigt, muss ich schließlich mit dem Kompass navigieren, denn das Zwischenziel Altkünkendorf bleibt hinter den Hügeln einstweilen unsichtbar. Ich laufe parallel zu einem Gehölzstreifen in einer Traktorenspur über das Getreidefeld, komme aber letztlich an der richtigen Stelle am Rand des Dorfes heraus.


    Altkünkendorf (Kilometer 9,0) hat seinen Erlebniswert gleichsam von der UNESCO verliehen bekommen; der naturnahe Buchenwald ist Weltnaturerbe. Ganz leicht zu vermarkten ist das freilich nicht, denn man muss eben immer noch hinlaufen, und damit man dann nicht nur Bäume sieht, werden geführte Wanderungen angeboten. Dagegen ist selbstverständlich nichts zu sagen, es soll auch nicht so klingen. Einerseits war das Wissen um das Weltnaturerbe für mich ein vager Anlass, hier vorbeizulaufen, andererseits plane ich das organisierte Erlebnis normalerweise nicht ein, so dass ich in diesem Fall den fraglichen Wald mangels geeigneten Zufalls nicht zu Gesicht bekomme.



    Stattdessen geschieht etwas anderes. Während ich nämlich vor der Kirche sitze, werde ich von einem (wie soll ich sagen?) alerten älteren Herrn angesprochen, und während wir ein paar Worte über meinen Wanderplan wechseln, taucht noch ein Berliner Tagestouristenpaar auf, das nach einem ja immerhin denkbaren, aber letztlich doch nicht vorhandenen Café fragt.

    Der alerte Herr ist der Ortsvorsteher, und der Auftritt endet damit, dass wir uns alle drei bei ihm zuhause auf der Terrasse zu Kaffee und Rhabarberkuchen einfinden. Man muss sich dabei einen sehr gepflegten weitläufigen Eigenheimgarten mit weitem Landschaftsausblick vorstellen. Das Gespräch geht über das Weltnaturerbe, über Tourismuskonzepte, über den jährlichen Schorfheide-Marathon, über die Entwicklung des Dorfes – und nebenbei auch über das Wildcampen. Unser Gastgeber ist nämlich der Meinung, dass man ja in Deutschland im Wald zelten dürfe. Sein Sohn, der Rechtsanwalt, von dem diese Überzeugung ursprünglich stammt, konsultiert auf allfällige Einwände hin noch einmal seine handliche Taschenausgabe des Brandenburgischen Waldgesetzes, um abschließend festzustellen, dass die dort verzeichnete Gestattungsregelung für Wanderer freilich nicht praktikabel sei: Der Waldbesitzer darf eine Erlaubnis erteilen, die er der unteren Forstbehörde anzuzeigen hat.

    Beim Wandern in diesen Tagen wird aber auch schnell klar, wieso es in dieser Frage keine selbstverständliche allgemeine Rechtskenntnis gibt: Der Konfliktfall ist zu selten. Wanderer mit Übernachtungsausrüstung trifft man nirgends, und auch die Radfahrer, die ich unterwegs gelegentlich sehe, sind ausnahmslos ohne Reisegepäck unterwegs.



    Es ist siebzehn Uhr, als wir uns verabschieden und ich mich in Richtung Poratz auf den Weg mache.

    Der Weg führt über die Glambecker Mühle nach Glambeck (Kilometer 13,6) und kreuzt dabei die A 11 (Berlin – Stettin).



    Am Heiligen See hinter Altkünkendorf



    Autobahn A 11



    Noch jemand ist zu Fuß unterwegs.



    Fachwerkkirche in Glambeck



    Innenansicht



    Rastplatz



    Bilderrätsel? Zur Not könnte man darin übernachten.


    Hinter Glambeck laufe ich noch eine Weile auf einer Asphaltstraße in Autobahnnähe nach Norden, bevor ich im Wald verschwinde. Wieder einmal zeigt sich, dass bei diesem Kartenmaßstab in Waldgebieten ohne markante Geländepunkte die Wegezeichnung nicht genau genug ist, um ohne Kompass die gewünschte Route zu finden. Einmal biege ich falsch ab und nehme erst die Begegnung mit einer kleinen Wildschweinrotte zum Anlass, umzukehren und den anderen Weg zu wählen, der sich dann als richtig herausstellt.


    Insgesamt sehe ich von Glambeck bis Poratz sechs Wildschweine (1+4+1), bin aber dann jeweils zu vorsichtig, die Kamera hervorzukaspern – wer weiß schon, ob die das mögen.


    Kurz nach der letzten Wildbegegnung treffe ich ein Frauenpaar auf Fahrrädern. Ich frage, ob sie vielleicht Autan dabeihaben, denn die Mücken setzen mir doch ziemlich zu. Man bietet mir Japanisches Minzöl an, wovon ich Gebrauch mache. Es nützt allerdings nicht viel. Wir tauschen uns kurz über die Wildschweine aus. Dann geht es weiter. Wenig später gibt es endlich auch mal wieder Wegweiser und man kann geradlinig nach Poratz (Kilometer 19,5) durchlaufen.



    Feuchtgebiet


    Als ich in Poratz ankomme – sehr verträumtes kleines Dorf ohne Autoverkehr und mit vielen schönen Häusern, ich kenne es seit vielen Jahren –, ist es halb acht. Meine Füße sind sehr durchgeknetet.






    Mein Plan ist jetzt, mich (wegen des fehlenden Mückensprays) für die Nacht möglichst in Neu-Temmen im Gesindehaus einzumieten, denn ich weiß von früherer Recherche her, dass dort sehr billige Zimmer vermietet werden. Da ich Handy-Empfang habe, rufe ich »zuhause« an und lasse mir die Telefonnummer heraussuchen.

    Und tatsächlich habe ich Erfolg. Dass ich als Wanderer unterwegs bin, ist wohl das Zauberwort. Denn eigentlich wird nur noch an Eselswanderer vermietet, das im vorigen Sommer noch bestehende Café ist inzwischen auch geschlossen, aber der Hausherr ist selbst früher als Wanderer unterwegs gewesen und hat ein Einsehen. So laufe ich mit schmerzenden Fußsohlen die letzten drei Kilometer dieses Tages nach Neu-Temmen.



    Zwischen Poratz und Neu-Temmen


    Dort werde ich von Hund und Hausherr schon auf der Straße als »der Wandersmann« begrüßt. Ich bekomme ein Zimmer für 22 Euro inklusive Endreinigung, und der Tag endet draußen auf dem kleinen Hof hinter dem Haus mit einem Bier und einem fast privaten Gespräch über Tourismuskonzepte, Lebenskonzepte, Wanderkonzepte und alles andere, was unter den gegebenen Umständen damit zu tun hat.


    In der Küche mache ich mir zu guter Letzt noch einen Kaffee ohne Milch, der mich dann leider des Nachts noch stundenlang wach hält.

    Oder sind es doch die Füße? An der Kante der rechten Ferse hat sich möglicherweise eine Blase unter der Hornhaut gebildet; von außen ist nichts zu sehen, aber es schmerzt, wenn man draufdrückt, und folglich schmerzt es auch beim Gehen. Schlimmer ist aber das intensive Brennen der Fußsohlen, das während der Nacht anhält. Irgendwann nach Mitternacht schlafe ich für einige Stunden ein.
    Geändert von Igelstroem (24.05.2013 um 23:42 Uhr)
    Lebe Deine Albträume und irre umher

  2. AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #2
    Herrlich ! Weiter so !

    War das eine brandenburgische Giftspinne ?

  3. Dauerbesucher
    Avatar von Igelstroem
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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #3
    Zitat Zitat von Prachttaucher Beitrag anzeigen
    War das eine brandenburgische Giftspinne ?
    Nein. Es handelt sich um eine männliche Dickfußpantherspinne (Alopecosa cuneata). Die Art ist nicht besonders selten und kommt in entsprechend trockenen Biotopen auch in vielen anderen Gegenden Deutschlands vor.
    Geändert von Igelstroem (25.05.2013 um 01:30 Uhr)
    Lebe Deine Albträume und irre umher

  4. Vorstand
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    Avatar von lina
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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #4
    Besten Dank für den ersten Teil dieses eher unkonventionellen, aber dennoch – wenn auch auf andere Weise – sich hin und wieder ins Konzeptreiche fortentwickelnden Reise-Berichts. Irgendwie lässt mich die Frage nicht los, ob auf dem Rastplatz bei Glambeck auch die Urform der inzwischen als "Glamping" bezeichneten Freizeitgestaltungsform möglich sei oder gar dieser Begriff hier seinen Ursprung habe?

    Gespannt und mit großer Vorfreude warte ich auf die Fortsetzung

  5. Erfahren

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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #5
    Hi Igelstroem,

    wie schön, mal aus der eigenen Schnell-mal-ums-Eck-Wandergegend was zu lesen. Ich bin gerade im Kopf mitgewandert. Die Gegend ist so schön und der Grumsiner Forst absolut einen Besuch wert!

    Zitat Zitat von Igelstroem Beitrag anzeigen
    Beim Wandern in diesen Tagen wird aber auch schnell klar, wieso es in dieser Frage keine selbstverständliche allgemeine Rechtskenntnis gibt: Der Konfliktfall ist zu selten. Wanderer mit Übernachtungsausrüstung trifft man nirgends, und auch die Radfahrer, die ich unterwegs gelegentlich sehe, sind ausnahmslos ohne Reisegepäck unterwegs.
    Da muss ich aber Einspruch erheben, die trifft man schon in Brandenburg. ;) Zu Pfingsten allerdings weiter südlich auf dem 66-Seen-Weg:





    Grüsse,
    Eisen

  6. AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #6
    Schöne sprachliche Formulierungen dabei


  7. Userbeauftragte
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    Avatar von hotdog
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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #7
    Erinnert mich daran, dass ich den Märkischen Landweg mal weitergehen wollte...
    Arrivederci, farewell, adieu, sayonara WAI! "Ja, wo läuft es denn? Wo läuft es denn hin?"

  8. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #8
    Zitat Zitat von lina Beitrag anzeigen

    Gespannt und mit großer Vorfreude warte ich auf die Fortsetzung
    Dem schließe ich mich an.

    LG
    Atze
    Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
    Abraham Lincoln

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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #9
    Zitat Zitat von hotdog Beitrag anzeigen
    Erinnert mich daran, dass ich den Märkischen Landweg mal weitergehen wollte...
    Den Märkischen Landweg hatte ich bei der Routenplanung auch vor Augen, bin ihm aber aus verschiedenen Gründen nicht gefolgt: weil ich Altkünkendorf wenigstens mal gesehen haben wollte; weil ich die Strecke von Poratz nach Ringenwalde und dann weiter Richtung Templin bei früheren Tagestouren schon zu oft gelaufen bin; allgemeiner wegen meiner manchmal nachteilhaften Trail-Aversion: Wenn jemand anderes den Weg vorher definiert hat, habe ich keine Lust mehr, ihn nachzulaufen.

    Das Bild aus Poratz ist aber genau an der Wegkreuzung aufgenommen, wo meine Route den Märkischen Landweg kreuzt, und am zweiten Tag laufe ich dann von Milmersdorf bis zur B 109 in der Tat ein paar Kilometer auf diesem »Qualitätsweg«, der übrigens auf meiner Wanderkarte noch nicht markiert ist bzw. dort streckenweise als »Moränenweg« figuriert.


    Ansonsten vielen Dank für die Resonanz; ich werde aber wohl erst am Dienstag dazu kommen, den Rest aufzuschreiben.
    Lebe Deine Albträume und irre umher

  10. Erfahren
    Avatar von stoeps
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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #10
    Jetzt habe ich gerade einen anderen Bericht mit dem Adjektiv "lakonisch" versehen. Hier passt es noch mehr. Herrlich

    Die Signatur habe ich auch gleich in mein Zitatekästchen übernommen …

  11. Moderator
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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #11
    Wenn jemand anderes den Weg vorher definiert hat, habe ich keine Lust mehr, ihn nachzulaufen.
    Geht mir auch so. Da fallen ja die ganze Vorfreude beim Planen und die Überraschungseffekte im Gelände weg ("Laut Karte sollte hier noch ein Weg sein!").
    Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #12
    Zweiter Tag

    Mit knapper Not verschweige ich eine reizende, aber unrühmliche Anekdote zum Thema Multifunktionalität von Ausrüstungsgegenständen und zeige stattdessen ...


    den Blick aus dem Fenster ...


    ... und auf das gegenüberliegende Gutshaus ...


    ... und auf das mir des Morgens dargereichte Rührei, das ich verzehre, während ich das gestrige Gespräch mit dem Gesindehausherrn fortsetze.

    Dass ich vorhin geduscht habe, so er zum Thema der brennenden Fußsohlen, sei ja nun eigentlich falsch gewesen, wie allgemein bekannt, denn es sorge für weiche Haut und noch mehr Blasen. Ich glaube ihm.


    Gegen neun Uhr verabschiede ich mich und mache mich auf den Weg Richtung Alt-Temmen (Kilometer 24,6).








    Jenseits der Ortschaft, die hier wieder einmal unfotografiert bleibt, laufe ich ein Stück an der Straße entlang (Richtung Götschendorf), bevor ich abbiege und mich am Südrand des Naturschutzgebietes Arnimswalde entlang nach Groß Kölpin durchschleiche.

    Unterwegs setze ich mich auf einen Baumstumpf und verarzte in sengender Sonne meine rechte Ferse mit Blasenpflaster und Tape. Das gelingt diesmal sogar, das heißt der Zustand der Ferse verschlechtert sich im weiteren Verlauf nicht mehr, aber gegen das Brennen der Fußsohlen ist einstweilen nichts auszurichten.


    Für die jungen Messerfreunde im Forum sei noch hinzugefügt, dass ich bei dieser Gelegenheit mein schweizerisches Offiziersmesser hervorhole und (horribile dictu) mit der Schere vorsichtshalber die Zehennägel nachkürze. Ansonsten ist das Messer im Laufe der Wanderung zweimal zum Aufbrechen industriell eingeschweißter Jagdbeute benutzt worden.









    Groß Kölpin (Kilometer 31,5) zeigt sich klein und menschenleer. Nutztiere mit modischen Frisuren stehen auf der Wiese, und manches Gebäude sucht gleichsam entgegenkommend und unter Aufbietung aller vertragsrechtlichen Möglichkeiten nach jemandem, der sich seiner annähme:







    Der vermeintliche Waldweg nach Milmersdorf ist eine Asphaltstraße, was man sich notfalls hätte denken können, denn es gibt von Groß Kölpin kaum eine andere Verbindung zur Außenwelt als diese.

    Mein Plan ist der, nördlich an Milmersdorf vorbei nach Templin zu laufen, dort wegen des Mückensprays eine Apotheke aufzusuchen und mir dann außerhalb einen Übernachtungsplatz zu suchen, wie es meine Signatur nahelegt. Aber dann fällt mir ein, dass ich ja, da ich nun schon Handy-Empfang habe, »zuhause« nachfragen könnte, ob es vielleicht doch eine Apotheke in Milmersdorf gibt. Und auch diesmal habe ich Erfolg. So laufe ich nun, die Segnungen der Technik am Ohr, in den Ort hinein und steuere die Adresse »Betonstraße 8« an. Die Apotheke liegt im Erdgeschoss eines Plattenbaus, und tatsächlich bekomme ich hier auch die gewünschte Chemikalie.

    Plattenbau? In der Tat unterscheidet sich Milmersdorf (Kilometer 35,2) von anderen Ortschaften dieser Gegend dadurch, dass man neben den alten Dorfkern eine Plattenbausiedlung gebaut hat, und zwar als Wohnstätte für die Arbeiterinnen und Arbeiter des Betonwerks im benachbarten Götschendorf. Das nur für die Liebhaber der Lokalgeschichte. Man könnte im selben Sinne noch hinzufügen, dass es in Milmersdorf (einerseits) einen für seine zivilgesellschaftlichen Leistungen ausgezeichneten Jugendclub gibt und der Ort (andererseits) vor wenigen Jahren dadurch in die Schlagzeilen geraten ist, dass Anwohner einen kleinen Familienzirkus mit Steinwürfen angegriffen haben, so dass er unter Polizeischutz gleichsam flüchten musste.


    Nein, der Kirchturm ist gerade. Nicht, dass da jetzt Nachfragen kommen.


    Hier lasse ich mir also von der Apothekerin den Weg zum nächsten Imbiss weisen, gerate dann aber in eine Fleischerei: »Sie möchten bestimmt etwas Warmes zu essen.« Die Sprecherin dieses Satzes schickt mich zurück zum Imbiss, an dem ich schon vorbeigelaufen bin, weil er von außen durch buchstäblich nichts als solcher kenntlich ist. Drinnen treffe ich auf zwei Polizeibeamte, die ihre Wurst ohne Brötchen essen (»Wir sind auf Trennkost«), wundere mich über den ästhetischen Verfall deutscher Polizeiuniformen, natürlich ohne eine gerichtlich verwertbare Aussage dazu zu machen, und esse, um mich abzugrenzen, eine Currywurst mit Brötchen. Im Stehen. Denn es gibt definitiv keine Möglichkeit, sich irgendwo hinzusetzen. Dabei wäre das jetzt wichtiger als die Wurst.

    Dann muss eben auch die übrige Gastronomie noch getestet werden. Der Wanderer hat ja Zeit. In einem Ort, in dem die auf der Karte verzeichnete Großdiskothek »Foxi« und der Jugendclub »Bruchbude« heißt (ohne übrigens so auszusehen), trägt das Restaurant den verheißungsvollen Namen »Zum Dicken«, dessen Berechtigung aber wegen allfälligen Ruhetags nicht verifiziert werden kann. Ich flüchte mich zum Asia-Imbiss und trinke dort eine Cola, denn gegessen habe ich ja schon. Jedenfalls kann man dort eine Weile draußen sitzen und aufmerksam die Wanderkarte betrachten, wie ich es unterwegs immer tue, wenn es nichts zu tun gibt.

    Ungefähr um 15 Uhr ist mein Bedarf gestillt, auch die Wasserflasche ist aufgefüllt, und ich laufe an Jugendclub und Oberförsterei vorbei zum Wanderweg Richtung Templin, der hier nun tatsächlich eine Teilstrecke des Märkischen Landwegs ist. An der Oberförsterei steht eine Informationstafel zum richtigen Verhalten im Wald, und alles endet mit dem (hier nur sinngemäß zitierten) Satz »Zeigen Sie Zivilcourage und melden Sie Verstöße dort und dort unter der und der Telefonnummer.« Ein Anlass, sich Gedanken über den Begriff der Zivilcourage zu machen.



    Der Weg durch das Naturschutzgebiet Labüskewiesen und den Templiner Kirchenforst ist unter dem Anekdotengesichtspunkt unergiebig, wenn man von einer herzzerreißend quietschenden mehrstämmigen Buche absieht. Dass man als Baum rauscht, mag angehen. Aber dass man vielleicht jahrzehntelang bei jeder Luftbewegung quietscht, ist doch etwas anderes und hat etwas Beklemmendes. Man würde nicht in Deiner Nähe schlafen wollen.







    Unter solchen Gedanken und einigen anderen, welche das Denken vom Kopf auf die Füße und näherhin auf die schmerzenden Fußsohlen gestellt erscheinen lassen, erreiche ich das Forsthaus Laatz (Kilometer 42,6), wo neben einem als Kühlhaus beschrifteten Gebäude einige Tierhäute zum Trocknen aufgehängt worden sind – stumme Zeugen eines jähen Hegetodes am Pfingstwochenende.




    Was aber noch lebt von allem Getier auf der Erde, sind die Hunde, die mich zu spät bemerken und deren letzter, während er so behende wie ein greiser Dackel es eben vermag über den Rasen hastet, mit dem ausdrucksstarken Satz »Ach Moritz, nun mach Dich doch nicht albern« zur Ordnung gerufen wird.



    Vom Forsthaus zur Bundesstraße


    Wenig später erreiche ich die Bundesstraße 109, an der ich nun den letzten Kilometer bis zum Fährkrug entlanglaufe, inzwischen nämlich mit dem Plan, auf dem Campingplatz am Fährsee zu übernachten (Kilometer 44,3). Die Suche nach einem Platz zum Wildcampen wäre mir jetzt zu anstrengend. Und die Straße, an der man meistenteils auf der Böschung laufen muss, gibt mir den Rest.

    Es überrascht mich also nicht wirklich, dass man mich an der Rezeption des Campingplatzes, während ich es mir auf einem Klappstuhl gemütlich mache, mit den Worten empfängt: »Sie sehen ziemlich erschossen aus.« Ich erkläre meine Zustimmung und die Ursachen, nehme einen Sanitärschlüssel und eine Duschkarte in Empfang und stelze dann zur Zeltwiese, auf der außer einer motorisierten sächsischen Monsterzeltfamilie niemand mehr seinen Urlaub fristet. Folglich kann ich in Ruhe duschen, habe den Sanitärbereich quasi für mich allein.


    Später gehe ich zum Essen in den Fährkrug. Hier war ich in den neunziger Jahren schon einmal bei einer Tageswanderung, ich erinnere mich auch an den Raum und die Terrasse und die damals noch neue Einrichtung im taubenblaugrauen Pastelldesign der Umgestaltungszeit.

    Das Essen ist übrigens gut, das Personal freundlich, und weil ich allein bin und sonst nichts zu tun habe, registriere ich, was mir von den Gesprächen an anderen Tischen zu Ohren kommt. Eine Gruppe von sehr gepflegt wirkenden älteren Damen sitzt in meinem Blickfeld vor der Seekulisse. Offenbar eine Art Klassentreffen; Fotos werden herumgereicht und kommentiert. »Ja, das ist Elisabeth. Ich weiß ja noch, wie die damals im Unterricht gesessen und Bäche geheult hat, als der James Dean gestorben ist.« Und eine andere Dame ergänzt nach einer Weile: »Wobei man sagen muss, dass die jetzt nicht unbedingt die Frau war, die zu James Dean passte.«


    Erschüttert ob solcher Respektlosigkeit der westdeutschen Indoor-Society stelze ich gegen neun Uhr zurück zum Zeltplatz und verschwinde in meinem neuseeländischen Bush Cocoon, gegen die Mücken des nahen Seeufers doppelt geschützt durch Chemie und Moskitonetz. Eine Weile kämpfe ich noch mit der Torsionsneigung meines britischen Heldenschlafsacks, dann schlafe ich ein.







    Dritter Tag

    Originellerweise werde ich um halb sechs vom Holztriller eines in nächster Nähe arbeitenden Buntspechts geweckt. Ich sehe ihn dann, kaum sieben Meter entfernt, auf einem Baumstumpf am Rand der Zeltwiese herumturnen, aber an ein Beweisfoto ist natürlich in meiner Lage nicht zu denken.

    Unter dem Eindruck einiger Regentropfen, die nur zur Warnung auf den Cocoon fallen, stehe ich auf, verarzte in aller Ruhe meine Füße (die Blasenpflaster halten bis zur Fertigstellung des Berichts) und frühstücke an einem der Holztische, während aus dem benachbarten Monsterzelt noch das tiefe Grunzen der letzten Traumphase an mein Ohr dringt.


    Etwa um halb neun checke ich aus und mache mich auf den Weg nach Templin. An eine dritte Wanderetappe ist vor allem wegen der Füße nicht zu denken, außerdem würde man von Lychen mit einigem Aufwand ohnehin über Templin zurückreisen müssen. Ich laufe also die vier Kilometer am Templiner Stadtsee entlang.





    Auf halbem Weg mache ich eine letzte Pause an einer pfingstlich vermüllten Schutzhütte, und während ich am Ufer sitze und die Schokolade auswickle, schwimmt eine von märkischer Zivilisation verdorbene Ente heran, so als müsste jedes Auspacken eine Fütterung bedeuten. Aber für Enten gibt es keine Schokolade. So wendet sie sich, nachdem sie noch einmal demonstrativ das Gefieder gelüftet hat, schließlich enttäuscht von mir ab und schwimmt durch das Schilf davon.










    Mehr ist nicht zu berichten. Da ich Templin eigentlich kenne, verzichte ich auf einen Rundgang durch die wahrscheinlich inzwischen weiter aufgeschönte Innenstadt und begebe mich auf direktem Weg zum Bahnhof (Kilometer 48,7), wo ich eine halbe Stunde auf den Zug warte, während es allmählich zu regnen beginnt. Als ich später zwischen Zehdenick und Oranienburg mit dem Schienenersatzverkehr über die Landstraße schaukele, schüttet es richtig.

    Und während ich mich über dieses passgenaue Entkommen freuen sollte, sehne ich mich ein wenig nach der in anderen Reiseberichten dokumentierten Erfahrung des tagelangen Wanderns bei schlechtem Wetter mit erprobter und bewährter Ausrüstung.



    Letztes Bild




    Technische Schlussfolgerungen:

    Die Schwierigkeiten mit dem Schuhwerk lassen vorläufig die Frage offen, ob es besser ist, auch in der Ebene stärker entlastende Bergwanderschuhe zu verwenden oder vielmehr umgekehrt die Füße unter Schmerzen an einen natürlicheren Auftritt in flexibleren Konstruktionen zu gewöhnen. Vielleicht ist es nur eine Frage des Trainings. Immerhin war ich ja auf das jetzt getestete Heldenstiefelmodell durch die ausführlichen Einlassungen eines US-amerikanischen Weitwanderers gekommen:
    http://www.frankrevelo.com/hiking/gear_footwear.htm

    Den Kocher hatte ich diesmal bereits zuhause gelassen. Ich habe ihn nicht vermisst. Das wäre auch nicht anders gewesen, wenn ich auf das Abendessen im Restaurant verzichtet hätte.
    Von den mitgenommenen Lebensmitteln ist die Hälfte oder sogar mehr übriggeblieben. In Zukunft werde ich bei Touren in Deutschland (gleich welcher Dauer) nicht mehr als 1000g mitnehmen; eben nur so viel, dass man notfalls ein bis zwei Tage ohne Nachkaufmöglichkeit auskommt. Ähnliches gilt für den Wasservorrat. Wenn man nicht kocht und es nicht sehr heiß ist, genügt es, einen Liter Wasser zu tragen und die Flasche bei jeder geeigneten Gelegenheit aufzufüllen.

    Probehalber könnte man mal die Kombination Regenjacke+Regenhose+Rucksackregenhülle=940g
    durch einen Tarp-Poncho (320g) ersetzen, zumal bei Regenwetter die Nutzung des Biwaksacks ohne zusätzlichen Schutz durch ein Tarp wahrscheinlich sehr unkomfortabel sein wird.

    Weitere Einsparungsmöglichkeiten beim Basisgewicht: Quilt statt Schlafsack (wahrscheinlich für Seitenschläfer sogar bequemer); 120-cm-Isomatte statt Normallänge. An dem selbstaufblasenden Modell mit 3,8 cm Dicke würde ich allerdings festhalten, denn das hat sich als »saubequem« herausgestellt.
    Geändert von Igelstroem (29.05.2013 um 14:17 Uhr)
    Lebe Deine Albträume und irre umher

  13. Erfahren
    Avatar von stoeps
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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #13
    Dass ich den Bericht toll finde, sagte ich hoffentlich schon …

    Die Idee, tatsächlich mit TK ohne Freizeitmarkierungen loszulaufen und sich seine Wege selbst zu suchen, hatte ich auch schon einmal. Wird wieder in Erwägung gezogen.

    Weitere Einsparungsmöglichkeiten beim Basisgewicht: Quilt statt Schlafsack (wahrscheinlich für Seitenschläfer sogar bequemer); 120-cm-Isomatte statt Normallänge.
    Letztlich müssen sich die Quilt-Spezialisten (deren einer ich nicht bin) äußern, aber ich meine, die beiden Gewichtsparmöglichkeiten widersprechen sich, da man beim Quilt eine "ganze" Isomatte (möglichst am Stück) benötigt …

  14. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #14
    Bei drei Wochen Dauerregen im vergangenen Jahr, hat sich bei mir der Regenschirm am besten bewährt. Nie mehr ohne!
    Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #15


    Im Klappentext sollte stehen:
    "Ein wahrer Fontane unter den Reiseschriftstellern des baltischen Adels!"

    Pfad-Finder




    Zitat Zitat von Igelstroem Beitrag anzeigen
    [B]
    Die Schwierigkeiten mit dem Schuhwerk lassen vorläufig die Frage offen, ob es besser ist, auch in der Ebene stärker entlastende Bergwanderschuhe zu verwenden oder vielmehr umgekehrt die Füße unter Schmerzen an einen natürlicheren Auftritt in flexibleren Konstruktionen zu gewöhnen. Vielleicht ist es nur eine Frage des Trainings. Immerhin war ich ja auf das jetzt getestete Heldenstiefelmodell durch die ausführlichen Einlassungen eines US-amerikanischen Weitwanderers gekommen:
    Nun, ich würde mich bei Schuhen nie auf Urteile anderer verlassen. Dafür sind Füße und Schuhe viel zu unterschiedlich. Schuhe kaufe ich deshalb grundsätzlich nur im Laden.

    Ich bin übrigens einer von denen, die auch im märkischen Sand bevorzugt mit schwerem Kaliber der Liga Hanwag Alaska unterwegs sind - in "Turnschuhen" habe ich im Regelfall bisher immer spätestens nach 15 km Blasen bekommen. "Training" auszuprobieren ist mir zu doof, solange ich eine Möglichkeit kenne, Blasen weitgehend zu vermeiden.
    Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #16
    Zitat Zitat von stoeps Beitrag anzeigen
    Die Idee, tatsächlich mit TK ohne Freizeitmarkierungen loszulaufen und sich seine Wege selbst zu suchen
    Ja, das ist ein deprimierendes Thema.

    Vielleicht täusche ich mich, aber ich habe es aus meiner Jugend so in Erinnerung, als wäre man damals im Schwarzwald und im Sauerland mit der TK-50 (mit Wanderwegen, Schutzhütten, Einkehrmöglichkeiten, aber ohne sonstigen Blödsinn) bestens klargekommen, weil sie eben das Wichtige (Höhenlinien, Bodenbedeckung, Laub- und Nadelwald, Wege) präzise dargestellt hat.

    In der brandenburgischen TK-50 Freizeit fehlt die Laub-Nadelwald-Unterscheidung, und die Höhenlinien erscheinen vielerorts nur als undurchsichtiges Gekräusel. Das wird wohl auch in der Normalausgabe (ohne Großdiskotheken, Reha-Kliniken und alljährlich umbenannte regionale Wanderwege) der Fall sein. In der TK-25 ist es besser, aber die kann man bei mehrtägigen Touren natürlich nicht mitnehmen. Das Problem ist also nicht optimal lösbar.

    Ich habe mir überlegt, vielleicht mit einem wasserfesten dünnen Farbstift einzelne regionale Wanderwege, soweit sie nützlich für mich sind, in die Normalausgabe der TK-50 zu übertragen, die ja auch wegen des kleineren Blatts praktischer ist als die TK-50 Freizeit.

    Bevor ich auf elektronische Lösungen umsteige, möchte ich gerne noch zehn Jahre Fortschritt abwarten; bisher überwiegen aus meiner Sicht die Nachteile.
    Geändert von Igelstroem (31.05.2013 um 01:41 Uhr)
    Lebe Deine Albträume und irre umher

  17. Erfahren
    Avatar von stoeps
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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #17
    Demnach haben wir in Niedersachsen wohl eher Karten von der Qualität, wie Du sie aus Deiner Jugend kennst. Da ist auch auf der Wanderausgabe alles kartographisch gut drauf. Mein Beileid zu den brandenburgischen Verhältnissen

    Meine Äußerung war denn auch eher durch Deine Werbung für's Wege selbst suchen motiviert. Ich tue mich immer ein wenig schwer, nicht auf markierten Wegen zu gehen, wenn sie eingezeichnet sind. Die haben irgendwie Sogwirkung, als ob das Hirn die ganze Zeit funkt, die anderen seien schlechtere Wege



    Zum Thema "Schuhe und/oder Füße trainieren": Der Wechsel von einem bewährten Setup ist immer schwer. Aber auf's große Ganze betrachtet würde ich Füße trainieren bevorzugen. Es geht ja nicht nur um konkrete Fußprobleme auf Tour. Aber das ist ein langer Weg …

  18. Anfänger im Forum
    Avatar von Hugimon
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    AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #18
    Tolle Sprache, tolle Gegend, toller Bericht.
    Bitte mehr davon!

  19. AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #19
    Zitat Zitat von Igelstroem Beitrag anzeigen
    Erster Tag
    an dem der livländische Graf* sich beim Ortsvorsteher zum Kaffee einlädt und mit dessen Sohn die Frage des Wildcampens klärt,
    Danke für Deinen Bericht. Die Episode in Altkünkendorf hat mir besonders gefallen, denn ich helfe gelegentlich beim Schorfheidelauf aus, Streckenposten, Sportlerverpflegung, Streckenkennzeichnung und solche Sachen. Könnt ich dieses Jahr auch mal wieder machen.
    Die Erfinder des jährlichen Laufs und bis heute dessen Organisatoren sind Ortsvorstehersohn (der Anwalt) und -tochter, mit welcher ich befreundet bin. Im Haus dort haben diverse andere ehrenamtliche Helfer und ich übernachtet. Ich wusste allerdings nicht, dass der Hausherr auch der Ortsvorsteher und Dorfkümmerer ist, das habe ich erst jetzt recherchiert, weil die Beschreibung des Gesprächs und des Hauses so gut passte... (Dorfkümmerer, tolles Wort.)

    Auch sonst sehr lesenswert. Der Komplize und ich werden bald den Märkischen Landweg bewandern. Die Gegend von dessen Startetappe (Feldberger Seenlandschaft) kennen wir schon gut, aber in der Uckermark war ich noch nicht unterwegs.
    In der Liebe ist es wie beim Verbrechen - ohne den richtigen Komplizen wird es nichts.

  20. AW: [DE] Von Angermünde nach Templin

    #20
    Ein toller Bericht durch seinen lakonischen Witz und - siehste mal! - auch in Deutschlands Kulturlandschaft kann einer eine Tour machen bei der ich denke "Will auch!".

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