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  1. [DE] Rothaarsteig

    #1
    Mitreisende: Zwimon
    Land: Deutschland
    Reisezeit: August 2008
    Region/Kontinent: Mitteleuropa

    Moin zusammen,

    Bin bei der Vorbereitung auf meine Rothaarsteig Tour in diesem Jahr auf euch gestoßen und nach einigen Tipps und Tricks die ich mir hier durch Mitlesen angeeignet habe, habe ich mich selbst anmelden.
    Ich komme aus dem schönen Iserlohn und wollte auf diesem Wege einmal meinen Bericht zu meiner Rothaarsteig Tour 2008 posten.

    ciao Simon

    Rothaarsteig 2008



    Prolog:


    Es war Ende des Jahres 2006, als Micha, Jörn und ich auf die Idee kamen, einmal gemeinsam den Rothaarsteig zu Erwandern. Wir wohnen in Iserlohn - Hennen am Rande des Ruhrgebietes und am Tor zum Sauerland, und wir fanden ein kleiner Trip in die Nahe Umgebung wäre doch einmal etwas. Micha und ich sind Nachbarn und haben schon gemeinsam so manches Ding unternommen, Jörn als gemeinsamer Freund und Kletterpartner von Micha auf diversen Touren in den Alpen etc. war auch gleich begeistert dabei.
    Im Januar 2007 hatten wir uns dann mit der Tourvorbereitung befasst, eine Unterkunft für den ersten Abend gefunden und uns auf einen Termin geeinigt. Die Vorfreude stieg, Ausrüstungslisten und Literatour und Internet wurden gewälzt.
    Schlicht gesagt, die Ganze spannende Vorfreude auf ein jede Tour, wie groß und lang auch immer, bereitete uns eine Menge Spaß.
    Dann passierte es:
    Mitte Januar 2007 zog der Orkan Kyrill über das Sauerland und hinterließ eine Schneise der Verwüstung.
    Ganze Landstriche im Hochsauerland wurden verwüstet und schon bald mussten wir feststellen:

    Eine Erwanderung des Steiges ist in diesem Jahr unmöglich und rückt in weite Ferne.
    Nahezu der ganze Steig war durch Windbruch blockiert und die Forstarbeiter hatten erst einmal genug damit zu tun, die gröbsten Schäden zu beseitigen, geschweige denn den Steig wieder zugänglich zu machen.

    Nun denn, sagten wir uns, dann wird es wohl in diesem Jahr nichts. Schade, aber gegen die Natur kamen wir halt nicht an. Auf ein Neues also im Jahre 2008.

    Die Vorbereitung 2008:

    Die Lage im Sauerland hatte sich deutlich entspannt und die Forstarbeiter hatten Ihren Job wahrlich gut gemacht. Die größten Teile der Schäden waren innerhalb des letzten Jahres beseitigt worden (wenn man die betroffenen Flächen entlang des Steiges sieht, mag man kaum Glauben was diese Zerstörungen für die Menschen im Sauerland bedeutet haben müssen. Unglaublich wie groß die zerstörten Flächen sind und wie viel Kraft und Schweiß es gekostet haben muss, diese zu beseitigen und nicht aufzugeben).
    Wir hatten beschlossen, im August nach einem Termin zu suchen. Geplant waren ca. 5 Tage bis eine Woche.
    Leider musste Jörn an diesem Zeitpunkt der Vorbereitung die Tour absagen. Ein Angebot, für 13 Monate in China zu arbeiten, konnte er nicht ablehnen.
    So kam es, dass nur noch Micha und ich übrig blieben. Wir hatten keine Ahnung auf was wir uns da so einließen. Sicher, Outdoor Erfahrung hatten wir beide schon gesammelt.
    Micha war schon von jeher zum Klettern in den Alpen unterwegs und hatte so manche längere Motorrad Tour nach Schottland unternommen.
    Ich hatte 1999 eine sechswöchige Fahrrad Tour mit Sack und Pack durch Skandinavien unternommen. Aber eine Wanderung dieser Art hatten wir beide noch nicht gemacht.
    Hinzu kam, dass wir von Anfang an gesagt hatten, dass wir mit Zelt und möglichst als Selbstversorger unterwegs sein wollten.
    Es kam also eine Menge Gepäck für eine solche Tour zusammen. Etwa 18kg sollten es am Ende pro Nase und Rucksack sein.
    Wir sichteten also unsere Ausrüstung und vervollständigten diese noch mit dem einen oder anderen Gegenstand. Es war zwar nicht mehr Alles auf dem neuesten Stand, aber für unsere erste gemeinsame Tour sollte es doch reichen, dachten wir.

    Wir hatten uns für den Zeitraum vom 14. bis 19. August für unsere Tour entschieden. Für den Anfang sollten 5 Wandertage reichen und außerdem ließen Familie und Arbeit einfach nicht mehr zu.
    Mal sehen, wie weit wir auf dem 155km langen Rothaarsteig kommen sollten. Wir wollten einfach Spaß haben und die Sache nicht zu ernst nehmen.
    Unsere An- und Abreiseweg hielt sich dank unserer Wohnlage am Rande des Sauerlandes auch in Grenzen und so kam dann bald der Tag der Abreise.

    Tag 1 – 14. August 08 Brilon 3km

    Nachdem wir einen Tag vorher unsere Rucksäcke gepackt hatten, trafen wir uns um 16:00 Uhr nach der Arbeit zu Hause und ließen uns nach Schwerte bringen, um den Zug nach Bestwig zu nehmen. Von dort aus sollte es dann per Bus nach Brilon gehen. Schnell noch ein paar Hopfenkaltschalen für die Fahrt eingepackt und los ging es.

    Am Bahnhof in Schwerte sahen uns alle mit unserem ganzen Gepäck an, als wären wir Außerirdische. Nachdem wir dann noch den Kartenautomaten in die Knie gezwungen hatten (er wollte einfach nicht unsere Zehn Euro Scheine akzeptieren und die Zeit wurde am Ende knapp) und endlich unsere Tickets in den Händen hielten, konnte es los gehen.



    Schnell den Zug bestiegen, das Gepäck verstaut und schon brausten wir ab ins Sauerland. Wir unterhielten uns darüber wie es wohl werden würde.

    Zwei Kaltgetränke weiter stiegen wir in Bestwig um in den Bus Brilon und nach einer halbe Stunde kamen wir dann gegen 19:00 Uhr in Brilon am Markt an.

    Schnell noch die Reisekasse an der örtlichen Sparkasse aufgefrischt und es ging los. Das obligatorische Foto am Start des Steiges wurde gemacht und wir machten uns dann auf den Weg unsere Unterkunft zu finden.



    Micha hatte 2007 noch eine nette kleine Pension in Gudenhagen aufgetan die uns den ersten Abend beherbergen sollte. Leider hatte die Wirtin aufgrund ihres Alters die Übernachtungen ab 2008 aus ihrem Programm gestrichen. Wir mussten also etwas anderes finden.

    Da wir ja sowieso mit dem Zelt unterwegs waren, machten wir dann einen Camping Platz in Brilon ausfindig, der direkt am Steig sein sollten. Ein Telefonat weiter waren wir dann schlauer.
    Eine Internetseite, Preise usw. hatte der Camping Platz – aber leider noch keinen Platz.
    Ja richtig, die Bauarbeiten sollten erst in der Woche vor unserem Start beginnen und die Eröffnung war für den November geplant.
    Kein Problem sagten wir uns, und den Betreibern. Wir schlugen vor, einfach bei Ihnen auf der Wiese zu Zelten und Sie hatten kein Problem damit.
    Wir stiefelten dann also los in Richtung des Platzes etwas außerhalb von Brilon in der Nähe der DJH Brilon. Eine halbe Stunde später kratzten wir uns dann am Kopf und fragten uns, wo der Platz denn sei? Da es den Platz an sich ja noch nicht wirklich gab, gab es folglich auch keine Schilder.
    Kein Problem, kurz bei den netten Leuten angerufen und ein paar Minuten später holte uns eine nette holländische Neucampingplatzbetreiberin mit ihrem Auto ab, und wir fuhren genau 300m weiter zum Platz. Das hätten wir auch selbst finden können, aber egal. Wir waren da. Schnell noch eine kleine Platzrunde gedreht auf der uns Alles erklärt wurde und schwups ging es daran direkt zum höchsten Punkt des zukünftigen Platzes um unser Zelt aufzuschlagen.




    Ein wirklich schöner Platz mit einer super Sicht auf die benachbarten Berge und Ortschaften. Schnell das Zelt aufgebaut und schon ging es auf die Suche nach einer Stärkung.

    Ein Getränk auf die Hand sollte uns den Weg verkürzen und los ging es. Von unserem Berg die Straße runter in den nächsten Ort.
    Leider hatte die einzige Gaststätte zu, aber man empfahl uns ein weiteres Haus ein wenig weiter im Dorf. Schnell den Berg weiter runter und wir waren da, wo wir schon 2007 sein sollten, in der Gaststätte von Oma Frigger in Gudenhagen, der Pension die Micha damals eigentlich für den ersten Abend ausfindig gemacht hatte.



    Wir kamen rein und es war wie eine Zeitreise. Ein kleiner Schankraum mit Allerlei Jagd-Devotionalien, einer Jukebox und einer Einrichtung frisch aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts.



    Alles in Allem eine urgemütliche sauerländer Gaststätte. Ein paar Gäste hatten Ihren Stammtisch, an der Bar saßen zwei Jungs und zischten ein paar Krombacher.
    Nachdem wir uns kurz als ihre „verhinderten“ Übernachtungsgäste vorgestellt hatten, fragten wir bei Oma Frigger mal nach der Küche. Wir bestellten einen Teller hausmacher Schnittchen mit Wurst und Käse und dazu ein leckeres Pils. Nachdem das Essen verputzt war und die übrigen Gäste gegangen waren, kamen wir mit Oma Frigger ins Gespräch. Micha enterte die Jukebox und bei Peter Maffays
    Sieben Brücken aus der Jukebox unterhielten wir und mit Oma Frigger über Dieses und Jenes. Wir sprachen über unsere Tour, den Rothaarsteig und den neuen Campinplatz, dessen erste Gäste wir waren.
    Nach zwei, drei weiteren Tulpen war es Zeit zu gehen und wir gingen zurück zum Zelt und freuten uns auf den eigentlichen Start der Tour am nächsten Morgen.

    Tag 2 – 15. August 08 von Brilon nach Bruchhausen 18km


    Nachdem wir gegen halb neun aufgestanden waren, empfing uns der neue Tag mit richtig schönem Wetter.
    Ein kurzes Strecken und es ging daran zu Frühstücken. Micha kochte Kaffee und ich mampfte mein Müsli als dann auch schon der Vermieter vorbei kam. Er wolltel Photos von den ersten Gästen seines neuen Campingplatzes fürs Internet machen. Wir freuten uns und quatschen noch ein bisschen über seine und unsere Pläne. Anschließend machten wir uns zügig auf den Platz zu räumen und aufzubrechen.
    Wir schulterten unsere Rucksäcke und es ging los. Kurz nach dem Campingplatz kamen wir an der Möhne Quelle vorbei und stellten fest, dass es eine gute Entscheidung war, die Wasserflaschen am Campingplatz voll zu machen. Ein kleines Rinnsal mühte sich aus dem Berg und versickert schon nach einigen Metern (eine Erfahrung, die wir nahezu an allen Quellen die wir passierten, machten).
    Weiter ging es Bergan. Einige schöne Ausblicke über Brilon erwarteten uns. Vorbei ging es am riesigen Holztipi in Richtung Hiebammen Hütte.




    Nach einer kleinen Rast ging es weiter auf den Borberg, wo sich eine alte Kirchruine befindet. Ein paar Meter weiter gibt es dann eine Kapelle, von der aus man einen grandiosen Ausblick über Olsberg hat. Wir verweilten ein wenig, Micha dokumentierte Alles mit seinem Camcorder und dann ging es auch schon weiter.



    Der Ginsterkopf erwartete uns. Leider war die Klettervariante wegen Windbruchs gesperrt. Schade. Wir folgten also dem „normalen“ Weg und erblickten alsbald die Bruchhauser Steine. Ein richtig klasse Ausblick den man da hat.

    Die Feuereiche erreichten wir nach einem kleinen Abstieg und wir sahen uns die dort aufgestellten Schautafeln an.



    Als nächstes mussten wir eine Straße überqueren und wurden beinahe von einem VW Polo überfahren, der aus einer unübersichtlichen Kurve an uns vorbeischoss. Wir dachten nur, hoffentlich kommt hier nicht einer von den Organspendern auf zwei Rädern um die Ecke geballert wenn wir rüber gehen. Aber Alles wird gut und der Weg führte uns unterhalb der Bruchhauser Steine zum Informationszentrum, wo wir einmal nach dem rechten sehen wotllen, schließlich ist es als Jausenstation auf der Karte gekennzeichnet. Als wir dort ankamen, empfingen uns erst einmal große Schilder mit den Eintrittspreisen zu den Steinen.
    Nachdem wir freundlich nachfragten, was es denn so auf der Jausenkarte gibt, gab es leider gar nichts. Micha machte schnell noch einen Eintrag für unser Videotagebuch und wir zischten ein kleines Krombacher.
    Nachdem Wir uns beraten hatten, kamen wir zu dem Schluss, dass uns die 17km für heute reichen. Das Wetter war super und wir beschlossen nach Bruchhausen abzusteigen und den örtlichen Campingplatz aufzusuchen. Es war jetzt ungefähr 16:00 Uhr.

    Zwei Kilometer weiter waren wir auf dem Campingplatz. Anmeldezeiten sind von 12 bis 13 Uhr und von 18 bis 19:30 Uhr. Na toll dachten wir, fragten bei den netten Dauercampern nach und beschlossen auf deren Anraten hin, das Zelt auf der Zeltwiese aufzubauen und uns kurz dem Komfort der Zivilisation in Form von fließend Wasser zu widmen. Leider gibt es Duschmarken nur während der Anmeldezeiten uns so mussten wir mit der eiskalten Variante vorlieb nehmen. Aber egal, wir waren ja hier nicht zum Spaß unterwegs. Nachdem das Camp aufgeschlagen war, trieb uns der Hunger in Richtung Bruchhausen, wo wir nach einer gemütlichen Gaststätte Ausschau halten wollten, um uns zu stärken. Anmelden konnten wir uns ja auch noch nachher (falls wir rechtzeitig zurück sein sollten).



    Die Wahl fiel auf die Gaststätte Kesting, wo wir ein leckeres Hefeweizen und ein Zigeunerschnitzel orderten. Im Gastraum erwartete uns das Sauerland, wie man es sich besser nicht vorstellen kann.
    Zwei Opis hauten sich beim Herrengedeck schon nachmittags aus dem Leben und bestellten einen Bienenstich (Honig-Korn-Schnaps) nach dem nächsten. Sie erfreuten den ganzen Gastraum mit Dönekes und als der Sohn des einen Opis ihn abholen kam, wurden erst einmal noch einige scheide Gedecke bestellt und der Wirt Herr Kesting schien sich einen Spaß daraus zu machen, die drei Abzufüllen.
    Nach dem Essen und ein, zwei Weizen weiter, wussten wir wo die Beiden Opis im Krieg unterwegs gewesen waren, wer der neue Schützenkönig im Dorf war und eigentlich alles Neue aus Bruchhausen. Wir spielten noch ein bisschen mit einem Holzgeduldsspiel, dass auf dem Tisch stand und empfahlen uns dann in Richtung Campingplatz. Vielleicht schafften wir ja die Anmeldezeit noch.



    Wir hatten Glück, die Rezeption hatte noch auf, einige Dauercamper saßen beim Bier im Clubraum zusammen. Nachdem wir pro Nase 7,-€ gelatzt hatten, nahmen wir noch ein Bier mit und begrüßten erstmal unsere neuen holländischen Nachbarn.
    Klar, Bruchhausen und das Sauerland sind eine reizvolle Landschaft, aber seinen ganzen Urlaub in Bruchhausen verbringen? Na ja, das mussten Sie ja selbst wissen. Später trafen dann noch ein Holländer und sein Sohn im Wohnmobil ein. Es schien, dass die Beiden auf Männer Urlaub waren. Wobei uns der Verdacht kam, dass der Vater sehr viel mehr Freude an dem Ausflug ins Sauerland hatte als der Sohn.
    Wir ließen den Tag gemütlich ausklingen, redeten über das Erlebte, und nachdem die Sonne das Tal im Schatten ließ und es kühler wurde, krabbelten wir in unsere Schlafsäcke und freuten uns auf den nächsten Tag

    to be continued
    Geändert von Sandmanfive (06.11.2011 um 07:12 Uhr) Grund: Reisecharakter eingestellt

  2. Dauerbesucher
    Avatar von Blueface
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    AW: [DE] Rothaarsteig

    #2
    Hallo Simon,

    schön zu lesen - der erste Teil. Vielen Dank!

    Wir sind im Übrigen quasi Nachbarn - ich bin auch Iserlohner

    Beste Grüße

    Tobi

  3. Erfahren
    Avatar von meisterJäger
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    AW: [DE] Rothaarsteig

    #3
    Wirklich toller Bericht, bin schon auf die Fortsetzung gespannt

    Gruß vom Exil-Iserlohner (Wohnsitz in Münster, an den WE aber in Iserlohn [Freundin])
    MFG
    Benjamin

  4. AW: [DE] Rothaarsteig

    #4
    So nun geht es weiter:

    Tag 3 – 16. August 08 von Bruchhausen zur Ruhrquelle 25km


    Der neue Tag begann nach einer ziemlich frischen Nacht mit einem leckeren Frühstück. Michael hatte extra seine kleine Kaffeemaschine mitgeschleppt und wir genossen den frischen Kaffee in den ersten Sonnenstrahlen des Tages. Ein paar „Goedemorgen“ weiter verabschiedeten wir uns dann vom Campingplatz und den ganzen Holländern. Micha hatte ne halbe Tube Arnika Creme auf den schmerzenden Waden verteilt und auch den Videotagebuch Eintrag hatten wir erledigt. In Bruchhausen frischten wir noch schnell die Flaschen mit Apfelschorle auf und schon konnte es los gehen. Da wir gestern vom Steig abgestiegen waren, mussten wir folglich heute wieder aufsteigen. Ein knackiger Anstieg führte uns zurück auf den Steig.



    Kurz nach dem Start fanden wir die einzige richtige Rothaarsteighütte auf unserer Wanderung. Die anderen Schutzhütten bis dato waren eigentlich immer nur muffige und feuchte Hütten gewesen, in denen wir nicht hätten freiwillig übernachten wollen.

    Wir taperten weiter, vorbei am Kilometerstein 20 ging es in Richtung Richtplatz, wo in früheren Zeiten wohl der ein oder andere seinen Kopf verlor.
    Wie heftig der Orkan Kyrill gewütet hatte, wurde uns immer mehr bewusst. Riesige Flächen kahlen Waldes bekamen wir immer wieder zu Gesicht. Die Waldbauern und Forstarbeiter mussten wohl ordentlich mit den Tränen gekämpft haben, als Sie das ganze Ausmaß gesehen hatten. Aber ein großes Kompliment, Sie haben wirklich hart gearbeitet und teilweise schon mit der Aufforstung begonnen.
    Am Richtplatz angekommen, trafen wir einige andere Wanderer und unterhielten uns noch ein wenig über die Schäden. Sie kannten den Steig noch von vor dem Orkan und waren regelrecht geschockt über das ganze Ausmaß der Zerstörung.
    Nachdem wir uns gestärkt hatten und Micha einige Faxen fürs Videotagebuch veranstaltet hatte, machten wir uns auf, den höchsten Berg von Nordrhein-Westfalen zu erklimmen.
    Der Langenberg ist 843m hoch und liegt an der Grenze zu Hessen.





    Unterwegs hielten wir immer wieder mal einen Plausch mit anderen Wanderern.
    Nach einem weiteren Abschnitt durch von Kyrill Zerstörtes Gelände erreichten wir schließlich die Hochheiden Hütte in Niedersfeld. Wir beschlossen Rast zu machen und tankten mit einem Salatteller und einer Hopfenkaltschale neue Kräfte.




    Als wir gerade mit dem Essen fertig waren, verfolgten wir gespannt, wie eine Gruppe Senioren, die sich auf der Hütte einen schönen Tag machten, einen Schießwettbewerb austrugen. Geschossen wurde mit einem Luftgewehr auf einen kleinen Holzvogel der an einer alten Fahrradfelge befestigt und mit Glühbirnen dekoriert war. Nachdem wir das Spektakel verfolgt hatten machten wir uns auf, einen der schönsten Abschnitte des Steiges in Angriff zu nehmen.

    Direkt hinter der Hütte beginnt die Hochheide. Überall blühten Pflanzen und es wurden fleißig Heidel- und Preiselbeeren gesammelt.
    Inmitten der Hochheide befindet sich dann noch der Clemensberg, auf dem sich ein Aussichtspunkt befindet.




    Wir genossen den grandiosen Ausblick über die Berge und Täler sowie den Steinbruch direkt unterhalb des Aussichtspunktes. Nach kurzem Verweilen ging es weiter. Wir passierten die Hoppecke Quelle und machten uns auf, den Rest der heutigen Etappe in Angriff zu nehmen. Ziel sollte ungefähr die Ruhrquelle sein, in deren Nähe wir Zelten wollten. Es ging weiter durch die Wälder und unterwegs trafen wir immer wieder vereinzelt andere Wanderer und Mountainbiker. In der Nähe des Ortes Küstelberg kamen wir aus dem Wald heraus und mussten den Ort auf asphaltierten Wegen durchqueren. Wir beschlossen, in Küstelberg kurz unsere Wasserflaschen aufzufüllen und die Bundesliga Schlusskonferenz im Gasthof Astenblick zu verfolgen.
    Das Auffüllen der Wasserflaschen an jeder sich bietenden Möglichkeit, können wir nur dringend empfehlen. Alle Quellen die wir passierten, waren entweder ziemlich unergiebig, um es freundlich zu sagen oder nicht gerade auf Trinkwasserniveau.
    Schon bald verließen wir wieder Küstelberg in Richtung Ruhrquelle. Am Wege passierten wir den Abschnitt Wagenschmiere und schon bald lag die Ruhrquelle vor uns. Wir überquerten die Landstraße, an der die Quelle liegt, und überlegten uns, wo wir übernachten sollten.



    Es wurde langsam spät und wir hatten schon über zwanzig Kilometer hinter uns. Da uns die Hütte direkt am Parkplatz der Quelle nicht zusagte und auch die Info Hütten zum Thema „Wirtschaftsraum Wald“ uns wenig einladend erschienen, beschlossen wir, der Beschilderung zur Ruhrquellenhütte zu Folgen. Diese sollte sich ca. 1,5km bergabwärts befinden. Eventuell konnte man ja an dieser Hütte zelten. Also gut, überredet, auf die paar Kilometer kam es auch nicht mehr an. Als wir dann unten ankamen, hatte die Hütte schon zu und auch der riesige Parkplatz an der Hütte erschien uns wenig einladend zum Zelten zu sein.
    Kein Problem, ging es also zurück bergan zur Ruhrquelle, wo es ja die Info Hütten gibt und sich eine große Rinderweide befindet. Wir beschlossen dort zu Zelten.
    Zu Abend gab es Fertig Nudeln von Knorr, die aber nicht so ganz unserem Geschmack entsprachen. Nach dem Abendessen an den Tischen und Bänken an den Info Hütten wured es schnell kälter. Die Sonne war untergegangen und wir merkten die Strapazen des Tages. Meine Füße und Michas Waden schmerzten. Schnell wurde das Zelt auf der Rinderweide aufgeschlagen und wir muckelten uns in die Penntüten. Ein letzter Schlummertrunk mitgeführten schottischen Lebenswassers und wir verabschiedeten uns ins Land der Träume.






    Tag 4 – 17. August 08 von der Ruhrquelle zur Hoheleyer Hütte 16km


    Der neue Tag erwartete uns erneut mit tollem Wetter. Die Lebensgeister kehrten zurück und schnell wurde das Zelt abgebaut und mitsamt unserer Sachen über den Stacheldraht Zaun zurück zu den Tischen gebracht. Micha kochte wieder Kaffee und wir stellten das Zelt noch zum Trocknen auf die Hackschitzelfläche vor den Info Hütten. Das Zelt trocknete schnell und das Frühstück stärkte uns für den Tag. Wir packten unsere sieben Sachen, verstauten das Zelt, und, wo wir schon einmal da waren, besichtigen wir noch die Info Hütten.
    Dann ging es auf in Richtung Winterberg. Wir passierten die Ruhrquelle, oder was davon über geblieben war, und bald schon kam Winterberg in Sicht. Wieder führten uns Asphalt Wege in die Stadt und wir beschlossen, irgendwo unsere leeren Wasserflaschen mit Apfelschorle aufzufüllen.
    Gesagt getan. Es ist Sonntag, es wimmelte von Holländern und wir betraten die Innenstadt von Winterberg. Ein freundlicher älterer Herr machte uns darauf aufmerksam, dass nun für uns der gefährlichste Teil der Wanderung begann. Wir fragten wieso – er antwortete, dass von nun an bis hinter Winterberg eine ganze Reihe von Kneipen, Biergärten und Hütten uns vom Wandern ablenken könnten. Wir sahen uns an und bedankten uns für den Hinweis. Das konnte ja ein schöner Tag werden, dachten wir.
    Und stark wie wir sind, kamen wir auch an den ersten drei Biergärten vorbei, erlagen dann aber doch dem Charme des Bistros „Uppu“. Wir bestellten ein Kaltgetränk und Micha stiefelte kurz los, neue Salbe für seine Waden zu besorgen. Die freundliche Bedienung füllte uns unsere Flaschen gegen geringe Gebühr mit Apfelschorle auf und wir genossen die Sonne. Nachdem Micha die neu erworbene Pferdesallbe verstaut hatte, ging es weiter.
    Wir verließen Winterberg, passierten die Skischanze und machten uns auf in Richtung des Kahlen Astens, seines Zeichens zweit höchster Berg Nordrhein-Westfalens. Nach einem kurzen Auf und Ab standen wir schließlich am Fuße des Kahlen Astens. Das Höhenprofil gab uns ca. 90 Höhenmeter Richtung Gipfel an und wir machten uns an den Aufstieg.



    Nach einem kurzen und knackigen Anstieg über schmale Pfade erreichten wir den Gipfel.
    Wir beschlossen, wo wir schon einmal da waren, uns zu stärken. Oben am Gipfel befindet sich ein Aussichtsturm mit Hotel-Restaurant. Es wimmelte hier vor Sonntagsausflüglern und Motorradfahrern. Die Preise waren dementsprechend touristisch. Wir nahmen trotzdem eine Kleinigkeit zu uns und setzten uns in die Sonne.
    Die anderen Gäste um uns herum guckten uns, mit dem ganzen Gepäck das wir dabei hatten, an, als wären wir Außerirdische. Die meisten Blicke sprachen Bände.

    Micha lud bei Wirt noch schnell den Akku der Videokamera und dann ging es schon weiter. Kurz unterhalb des Gipfels befindet sich dann noch die Lennequelle.



    Auch diese führte ziemlich wenig Wasser und wir waren froh, dass wir unsere Flaschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit auffüllten. Nach dem Abstieg vom Kahlen Asten führte uns der Steig über asphaltierte Wege vorbei an der DAV Hütte Elberfeld.
    Wir passierten Neuastenberg und der nächste Ort der Tour war Langewiese. Dort sollte sich ein Kneipbecken befinden. Als dieses schließlich in Sicht kam, freuten wir uns ein Loch in den Bauch und stiegen hinab ins kühle Nass. Welch Wohltat für unsere Füße.
    Am Kneipbecken trafen wir einen älteren Radler, mit dem wir ins Gespräch kamen. Er erzählte uns, dass er den Rothaarsteig kurz nach Kyrill abgewandert war und Etappen von teilweise über 40km gemacht hatte (allerdings nur mit leichtem Rucksack von Pension zu Pension).
    Solche Geschichten hörten wir öfters. Viele Wanderer, die wir trafen, erzählten uns, wie schnell und mit riesigen Etappenlängen Sie den Steig abgewandert waren. Am Ende sagten Sie dann meist, dass Sie den Steig gar nicht richtig genießen konnten, weil Sie so gehetzt waren.
    Wir sagten uns, dass wir dies nicht behaupten könnten, wir hatten bis dahin ne Menge Spaß und genossen jeden Augenblick.
    Schnell ging es dann weiter. Wir liessen Langewiese hinter uns. Der Endspurt der heutigen Etappe lag vor uns. Entweder die Hoheleyer Hütte oder der Ort Kühude sollten dass Tagesziel sein. Unterwegs trafen wir noch zwei andere Wanderer die fast genau aussahen wie wir. Vollgepackt mit allen möglichen Sachen und großen Rucksäcken gingen Sie den Steig in die uns entgegen gesetzte Richtung. Wir sprachen kurz über unsere Erfahrungen und wünschten einander einen weiterhin schönen Weg.
    Einen knackigen Anstieg weiter kam dann die Hoheleyer Hütte ib Sicht. Wie wir fanden, ein überaus hübsches Plätzchen zum Zelten. Die Hütte befindet sich auf 730m direkt neben einem Biomilchbauernhof. Ein kurzer Blick auf die Speise- und Getränkekarte erhärtete unsere Pläne und nachdem wir die Bedienung nach einer Zeltmöglichkeit gefragt hatten, verwies Sie uns an den Chef.
    Der kam dann auch. Jörg ist der Wirt, Besitzer und Bauer des Hofes und freute sich sehr über unsere Anfrage. Kein Problem sagte er und zeigte auf eine Wiese direkt hinter der Hütte.
    Au man, dachten wir, was für ein Typ. Aber wir hatten scheinbar mal wieder Alles richtig gemacht. Also ließen wir uns nicht lange bitten. Wir würden hier die Nacht verbringen. Eine sehr gute Wahl wie sich heraus stellte.





    Jörg ist ein super Typ und hatte auch einen spitzen Tag erwischt. Nach seiner Empfehlung bestellten wir uns das Rothhaarsteigschnitzel und freuten uns, dass wir wieder einmal so viel Glück mit unserem Zeltplatz hatten.
    Pöh a pöh verließen dann die letzten Gäste die Hütte. Auch uns wurde es draußen langsam frisch und wir begaben uns in die Höhle des Löwen in die Hütte.
    Ein paar Einheimische und Feriengäste aus dem Ort saßen beim Bier zusammen und wir unterhielten uns prächtig. Da Jörg, wie gesagt, einen spitzen Tag erwischt hatte, bekamen wir auch die besten Geschichten des letzten Schützenfestes mit und konnten bald vor lauer Lachen nicht mehr. Wir tauschten uns mit einigen anderen Gästen über unsere Rothaarsteig Erfahrungen und so mache Dönekes aus.
    Das Aufbauen des Zeltes hätten wir fast verpasst, aber wir bekamen noch die Kurve.
    Schnell wurde das Zelt aufgebaut und unsere Ausrüstung verstaut. Schließlich wollte uns Jörg noch die lokale Prominenz vorstellen, die gerade frische Milch auf dem Hof (oder auch leckeres Veltins auf der Hütte) abholen wollte. So lernten wir Jörgs Versicherungsvertreter und den WDR Regionalkorrespondenten Hans-Joachim Kupka kennen. Dieser stammte ebenfall wie wir aus Iserlohn und wir unterhielten uns eine Weile bis Jörg zum Kühe melken (wie er das geschafft hat war uns schleierhaft) und die anderen Beiden sich zurück zur Familie empfehlen mussten.

    Wir machten uns noch kurz über den Whiskey her genossen die famose Aussicht bis die Sonne untergegangen war.




    Micha war schon im Zelt verschwunden, als ich noch einen Herrn traf, der mit dem Hund unterwegs war. Wir unterhielten uns noch eine Weile und auch ich verkroch mich dann müde und zufrieden in meinen Schlafsack.

    Tag 5 – 18. August 08 von der Hoheleyer Hütte nach Jagdhaus 18km

    In der Nacht hatte es ein wenig geregnet, aber als wir aus unseren Schlafsäcken gekrabbelt waren, wurden wir einmal mehr von Sonnenstrahlen begrüßt. Bauer Jörgs Hütehund kam und begrüßte uns überschwänglich. Er wich uns bis zum Frühstück auch nicht mehr von der Seite.
    Wir packten unsere Sachen bis auf das Zelt ein und machten uns zurück zur Hütte auf, wo wir frühstücken und das Zelt in der Sonne trocknen wollten.



    Während Micha sich der Morgentoilette widmete, baute ich das Zelt zum Trocknen auf. Anschließen ging ich hinunter zum Hof und suchte Jörg, um mir frische Milch für mein Müsli zu besorgen.
    Er war gerade im Melkstand und molk die Kühe. Als er mich sah, kam er kurz hinüber, gab mir Milch und erzählte wie es ihm ging.
    Scheinbar hatte der gestrige Abend seine Spuren bei ihm hinterlassen.
    Ich verabschiedete mich und ging wieder hoch zur Hütte um mit Micha zu frühstücken.

    Auf dem Weg dachte ich mir noch, dass diese Bauern alle schon aus einem besonderen Holz geschnitzt zu sein. Jedenfalls hatten sie nie irgendwie Zeit sich dem Müßiggang zu frönen oder mal ne Pause zu machen um sich mal von einem Abend mit den Jungs zu erholen.

    Micha hatte unterdessen Kaffe gekocht und wir frühstückten. Das Zelt trocknete in Windeseile und bald schon konnten wir uns zurück auf den Steig machen. Es sollte ein walreicher Tag werden. Wir passierten den Albrechtsplatz und überquerten eine Landstraße. Über die Landesgrenze zum Siegerland ging es wieder bergan und schon bald mussten wir uns entscheiden: Wir konnten zwischen der Tal oder Kammvariante des Rothaarsteiges wählen.
    Ein Blick auf die Karte und wir entschieden uns für die Kammvariante, die uns vorbei an einigen Skulpturen und einer Hängebrücke führen solte. Nun denn. Wir stiefelten los und schon bald entdeckten wir die erste Skulptur im Wald:



    „Kein leichtes Spiel" (von Ansgar Nierhoff / Entstehung 2000) thematisiert einen historischen und kulturellen Konflikt, der die Menschen aus dem westfälischen Sauerland und dem Wittgensteiner Land seit Menschengedenken trennt. Mitten im Wald auf der Höhe des Rothaarkamms steht an einer Wegekreuzung eine fast vier Meter hohe Stahlskulptur. Das Haupttor mit Nebentoren und Verschlussplatten ist aus einem gemeinsamen Ganzen heraus gebrannt und öffnet sich in verschiedene Richtungen. Der Ort ist still und lässt Wanderer an der Überwindung von Grenzen teilhaben.

    Auf diesem Abschnitt des Steiges folgt der Rothaarsteig kurz dem Waldskulpturenweg. Gleich gegenüber der Skulptur befindet sich dann noch ein kleiner der Natur sich selbst überlassener Waldabschnitt. Diesen kann man auf eigene Gefahr hin durchwandern und sich ansehen, was passiert, wenn sich der Wald ohne Eingriff des Menschen entwickelt.

    Ein wenig weiter kam dann die Ortschaft Kühude. Wir entdeckten das Wirtshaus und schauten einmal nach dem Rechten.



    Der Wirt war nett und wir hielten einen kleinen Plausch. Wir unterhielten uns über die Quellen am Steig und wie sich manch andere Wandere rücksichtslos im Wald verhalten. Selbst Pfadfinder scheinen nicht immer auf der Höhe der Zeit zu sein, wie er uns erzählte.
    Ein Bosch Bier weiter brach die Sonne wieder kurz hervor und wir genossen die Wärme. Unsere Flaschen wurden wieder mit Wasser aufgetankt und es ging weiter.

    Kurz nachdem wir Kühude verlassen hatten, tauchte auch schon die nächste Skulptur auf.



    Stein - Zeit – Mensch. Nils-Udo hat das Monument eines riesigen Felsens errichtet. Umrahmt von einer monumentalen Baumstammarchitektur, die an einen archaischen Tempel erinnert, bildet der 150 t schwere Quarzit ein Denk- und Mahnmal seiner selbst: seiner Größe, seiner zeitlosen Erdverbundenheit, seiner Einmaligkeit. Eingebunden ist das Werk in die stille Erhabenheit des Waldes, der somit Teil des künstlerischen Konzeptes ist. Dieser mächtigen Einheit ausgesetzt, erfährt der Wanderer seine eigene Zeitlichkeit und Verletzlichkeit.

    Wir schossen ein paar Fotos und es kann weiter gehen. Das nächste vermeintliche Highlight des Tages wartete. Auf der Kammvariante sollte sich eine große Hängebrücke befinden. Wir folgten dem Steig ein wenig Bergab und schon standen wir an der Brücke. Die Brücke überquert das Ende einer kleine Schlucht und ist eigentlich gar nicht Teil des Steiges, sondern einfach eine Art Attraktion am Rande. Man kann bequem um die Kurve eines Waldweges gehen und schon steht man ebenfalls auf der anderen Seite der Schlucht.
    Aber egal. Micha stellte die Kamera auf die eine Seite der Brücke und wir umgingen auf der Kurve die Schlucht. Eine super Video Einstellung von uns entstand dabei, als wir die Brücke überquerten. Sehr cool geworden das Ganze. Da wir ein wenig von der Brücke enttäuscht waren, machten wir uns schnell weiter auf Richtung Jagdhaus, dem Ziel der heutigen Etappe.
    Unterwegs traen wir dann noch einen 84-jährigen Senior der zusammen mit seiner Frau durch den Wald wanderte. Wir kamen kurz ins Gespräch über seine Enkel und den Steig und empfahlen uns weiter.
    Den ganzen Tag ging es dann eigentlich nur durch den Wald. Wenige Ausblicke gab es auf dieser Passage. Das Wetter verschlechterte sich zunehmend. Wir hofften den Tag trocken zu überstehen.
    An der Millionenbank, einer kleinen Hütte am Weg wo sich die Tal und Kammvariante des Steiges wieder treffen, machten wir kurz Rast.
    Micha holte das Barometer raus, es fiel. In uns reifte der Entschluss, eventuell heute schon Schluss zu machen. Wir könnten uns dann morgen noch ein wenig ausruhen, uns um die Ausrüstung, das Video und den Bericht kümmern. Erst einmal aber sollte es nach Jagdhaus gehen, wo wir endgültig entscheiden wollten, wie es weiter geht.
    Der Steig macht eigentlich einen Bogen um Jagdhaus. Auf direktem Wege, ohne dem Steig zu folgen, kommt man über Forstwege schnell und direkt nach Jagdhaus. Da wir ja aber bekanntlich den Steig erwandern wollten, folgten wir dem Rothaarsteig und machten dabei einen ordentlichen Bogen rund um Jagdhaus herum.
    Nachdem wir dann auf das Restaurant „Schäferhof“ in Jagdhaus trafen, besprachen wir uns kurz und kamen zum Schluss, dass wir hier unsere Tour beenden. Das Barometer fiel weiter und es war Regen und Wechselhaftes Wetter angesagt. Hinzu kam, dass wir jetzt bei ungefähr der Hälfte des Rothaasteiges angekommen waren. Somit könnten wir im nächsten Jahr die andere Hälfte von Dillenburg aus erwandern und wieder in Jagdhaus die Tour beenden. Eine gute Idee wie wir fanden.
    Also gesagt getan. Problem war nur, dass alle Leute die wir zum eventuellen Abholen erst für Morgen angesprochen hatten.
    Während also Micha etwas zu Essen und trinken orderte, rief ich Sara, meine Schwester an, und fragte, ob sie uns hier heute schon abholen könne. Glücklicherweise hatte sie Zeit und machte sich gleich auf uns abzuholen.
    Als wir so da mit unserem ganzen Gerödel vor dem Restaurant saßen, gesellten sich dann noch einige Wanderer zu uns. Die nächsten anderthalb Stunden die wir auf Sara warteten, gestalteten sich dadurch recht kurzweilig. Dann traf Sara ein und wir beluden das Auto mit unseren sieben Sachen. Das war es also mit dem ersten Teil des Rothaasteiges für uns gewesen. Anderthalb Stunden später waren wir dann wieder zu Hause in Iserlohn und ziemlich geschafft.
    Für den nächsten Tag verabredeten wir uns dann noch zum Video und Bilder gucken, bevor wir Müde ins Bett fielen.





    Epilog

    Nachdem wir uns am nächsten Tag zum Video und Bilder gucken getroffen hatten, kamen wir zu dem Schluss, dass die Tour Alles gehalten hat, was wir uns davon so versprochen hatten. Wir waren uns nicht gegenseitig auf den Senkel gegangen und haben die ganze Sache nicht zu ernst genommen. Der Spaß stand immer im Vordergrund und wir hatten wirklich ein paar schöne Tage Urlaub und ne schöne Zeit. Viele lustige Anekdoten werden uns die Zeit bis um zweiten Teil der Tour verkürzen, auf dem uns dann hoffentlich auch Jörn begleiten wird. Vielen Dank noch an Alle die uns geholfen und unterstützt haben, in welcher Form auch immer.



    P.S.: Nachdem wir uns vor der Tour ein wenig Sorgen über das Zelten am Rothharsteig gemacht hatten, muss ich sagen, dass es scheinbar überhaupt kein Problem darstellt. Den Campingplatz in Brilon (sobald er fertig ist) und Bruchhausen können wir empfehlen. Wenn man "wild" Campen möchte, kann ich nur empfehlen die Hüttenwirte und Bauern am Weg zu fragen. Die Hüttenwirte der Hoheleyer Hütte und in Kühude sowie der Wirt des Schäferhofes in Jagdhaus hatten allesamt nichts dagegen auf einer Wiese in ihrer Nähe zu Zelten. Im Gegenteil. Besonders zu empfehlen ist eine Rast bei Bauer Jörg an der Hoheleyer Hütte. Ein super Typ mit ner super Campingwiese. Oft haben wir mit den Wirten am Steig darüber gesprochen, warum es nicht mehr Zeltplätze gibt, keiner hatte einen Reim darauf. Schade eigentlich, ich denke da hat der Steig echten Nachholbedarf.

    Geändert von Zwimon (28.08.2008 um 19:22 Uhr)

  5. Dauerbesucher
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    AW: [DE] Rothaarsteig

    #5
    Schöne Bilder.
    Ich freu mich aufs Lesen heute Abend !
    Grüße,
    Enrico

  6. Gerne im Forum
    Avatar von Kirschblüte
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    AW: [DE] Rothaarsteig

    #6
    Unterhaltsam geschrieben und schöne Fotos

    Bestätigt mal wieder, welch schöne Fleckchen Deutschland zu bieten hat und man nicht unbedingt den Flieger nehmen muss, um was zu erleben.

  7. Fuchs
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    AW: [DE] Rothaarsteig

    #7
    Netter Bericht. Das Video würde mich ja mal interessieren ...
    ,,Man wäre kein guter Anarchist, wenn man auf Grundsätzen beharren würde!'' - Eva Demski

  8. AW: [DE] Rothaarsteig

    #8
    Zitat Zitat von Zwimon Beitrag anzeigen
    ... Oft haben wir mit den Wirten am Steig darüber gesprochen, warum es nicht mehr Zeltplätze gibt, keiner hatte einen Reim darauf. Schade eigentlich, ich denke da hat der Steig echten Nachholbedarf.
    Liegt vielleicht daran, dass Leute mit Zelt nicht die ursprünglich geplante Zielgruppe waren. Nach meinen Erfahrungen, ist das immer noch eine Minderheit.

    Zitat Zitat von Zwimon Beitrag anzeigen
    ...Kurz nach dem Start fanden wir die einzige richtige Rothaarsteighütte auf unserer Wanderung. Die anderen Schutzhütten bis dato waren eigentlich immer nur muffige und feuchte Hütten gewesen, in denen wir nicht hätten freiwillig übernachten wollen.
    Und in den "Original Rothaarsteighütten" wird man nass, wenn man sich zum Pennen da rein legt. Nicht nur wenn der Wind aus der (un)passenden Richtung kommt, sogar bei den Modellen die an drei Seiten geschlossen sind. Hab's am eigenen Leib erfahren dürfen. Die Bänke sind zu kurz. Die außen umlaufenden Bänke hätte man weglassen sollen, da wäre der Innenraum größer geworden.

    Schöner Einstand, ich freu mich auf die Fortsetzung. Wenn, dann aber auch mit der Westerwaldvariante. Die ist so schön, die braucht noch nicht mal Kunst im Wald oder eine völlig sinnlose, weil nicht benötigte, Hängebrücke.

    Werner

    P.S. Der Campingplatz macht noch keine Werbung mit euren Gesichtern. Oder hattet ihr 'ne Frau dabei, die du uns unterschlägst?

    P.P.S.
    Zitat Zitat von Zwimon Beitrag anzeigen
    ...Ein letzter Schlummertrunk mitgeführten schottischen Lebenswassers ...
    Du hast nicht rein zufällig mal eine komplette Aufstellung der sonst noch mitgeführten "Drogen"?
    Geändert von Werner Hohn (28.08.2008 um 14:18 Uhr)

  9. Alter Hase
    Avatar von volx-wolf
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    AW: [DE] Rothaarsteig

    #9
    Was für seltsame Pelzgebilde stehen denn da auf dem vorletzten Bild auf dem Tisch?

    Ansonsten, danke für den Bericht, sehr kurzweilig zu lesen!
    Ist nur die Frage, ob Ihr bei Eurem Bierkonsum überhaupt noch Wasser brauchtet

    Moralische Kultur hat ihren höchsten Stand erreicht, wenn wir erkennen,
    daß wir unsere Gedanken kontrollieren können. (C.R. Darwin)

  10. AW: [DE] Rothaarsteig

    #10
    Danke erstmal für die netten Antworten

    Was für seltsame Pelzgebilde stehen denn da auf dem vorletzten Bild auf dem Tisch?
    Das waren, wie mein Kollege Micha immer sagt, Wollschweine zu Dekozwecken

    Ansonsten, danke für den Bericht, sehr kurzweilig zu lesen!
    Ist nur die Frage, ob Ihr bei Eurem Bierkonsum überhaupt noch Wasser brauchtet
    Wie geasagt, alle Quellen waren nahezu versiegt und wir hatten super Wetter. Und naja, was soll ich sagen, das Ganze war ja als Urlaub gedacht, und wenn man so viele nette Gelegenheiten am Weg vorfindet, sollte man diese auch nutzen wie ich finde - zumal der Steig ja als Weg der Sinne beworben wird! Wenn sich die Gelegenheiten nicht ergeben hätten, wäre es aber auch nicht wirklich schlimm gewesen

    Du hast nicht rein zufällig mal eine komplette Aufstellung der sonst noch mitgeführten "Drogen"?
    Wir hatten wirklich nur eine kleine Notreserve Glendronach dabei

    Netter Bericht. Das Video würde mich ja mal interessieren ...
    Video kommt, erste Ausschnitte die ich gesehen habe, waren ziemlich vielversprechend Vielleicht kann ich am WE mal den Trailer posten

  11. Alter Hase
    Avatar von volx-wolf
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    AW: [DE] Rothaarsteig

    #11
    OT:
    das Ganze war ja als Urlaub gedacht, und wenn man so viele nette Gelegenheiten am Weg vorfindet, sollte man diese auch nutzen wie ich finde
    Es fielen mir nur beim Lesen Eures Berichtes die verschiedenen "Auszeiten" auf. Nicht, dass ich es Euch nicht gönnen würde - ich bin doch der Letzte, der bei einem kühlen Blonden "nein" sagen würde

    Moralische Kultur hat ihren höchsten Stand erreicht, wenn wir erkennen,
    daß wir unsere Gedanken kontrollieren können. (C.R. Darwin)

  12. AW: [DE] Rothaarsteig

    #12
    Zitat:das Ganze war ja als Urlaub gedacht, und wenn man so viele nette Gelegenheiten am Weg vorfindet, sollte man diese auch nutzen wie ich finde
    Es fielen mir nur beim Lesen Eures Berichtes die verschiedenen "Auszeiten" auf. Nicht, dass ich es Euch nicht gönnen würde - ich bin doch der Letzte, der bei einem kühlen Blonden "nein" sagen würde
    Ist mit nach dem Schreiben auch aufgefallen aber irgendwie konnte ich mir diese Stellen immer am Besten merken - es gibt einfach zu viele Verlockungen auf diesem Abschnitt des Steigs die wie die Sirenen locken
    Geändert von Zwimon (28.08.2008 um 14:54 Uhr)

  13. AW: [DE] Rothaarsteig

    #13
    Schöner Bericht und schöne Fotos.
    Bin den Rothaarsteig dieses Jahr auch 2x (Winter & im Juni) gelaufen, bis zum Rhein-Weserturm ist es wirklich eine schöne Landschaft. Freu mich schon auf weitere Bilder, speziell ab Lützel. P.S.: Leider les ich gerade, dass Ihr nicht mehr den kompletten Steig gewandert seid. Plant Ihr ne Fortsetzung?!?

    LG

    Chris
    Geändert von NRWStud (01.09.2008 um 22:46 Uhr)
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  14. AW: [DE] Rothaarsteig

    #14
    Zitat:
    Netter Bericht. Das Video würde mich ja mal interessieren ...
    Video kommt, erste Ausschnitte die ich gesehen habe, waren ziemlich vielversprechend Vielleicht kann ich am WE mal den Trailer posten
    So, hier ist endlich der Link; hatte ich ja versprochen :

    http://video.google.de/videoplay?doc...02226705&hl=de

    Viel Spaß damit

  15. Fuchs
    Avatar von KuchenKabel
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    AW: [DE] Rothaarsteig

    #15
    Ist das der Trailer? Wollt ihr in die Horrorfilmbranche einsteigen? Die Musik lässt so etwas vermuten ...
    ,,Man wäre kein guter Anarchist, wenn man auf Grundsätzen beharren würde!'' - Eva Demski

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    Avatar von pepe-hh
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    AW: [DE] Rothaarsteig

    #16
    Zitat Zitat von KuchenKabel Beitrag anzeigen
    Ist das der Trailer? Wollt ihr in die Horrorfilmbranche einsteigen? Die Musik lässt so etwas vermuten ...
    Ja Niklas. Es exisitiert nur Metal als gute Musikrichtung *auf-die-schulter-klopf*

  17. AW: [DE] Rothaarsteig

    #17
    Ist das der Trailer? Wollt ihr in die Horrorfilmbranche einsteigen? Die Musik lässt so etwas vermuten ...
    Nö, die Musik stammt aus der Jukebox von Oma Frigger in Gudenhagen. Da drin waren die Platten vertauscht.

    Ich denke der Rest-Film wird dann mit gehörgangfreundlicherer Musik erscheinen Werde da mal mit dem Cutter sprechen...
    Geändert von Zwimon (03.09.2008 um 21:46 Uhr)

  18. AW: [DE] Rothaarsteig

    #18
    getrennt von der Musik, ist der Film doch schon mal sehr gut geworden und wie ich sehe, habt Ihr die bombastische Hängebrücke auch so ins Herz geschlossen

    LG

    Chris
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  19. Fuchs
    Avatar von KuchenKabel
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    AW: [DE] Rothaarsteig

    #19
    Zitat Zitat von pepe-hh Beitrag anzeigen
    Ja Niklas. Es exisitiert nur Metal als gute Musikrichtung *auf-die-schulter-klopf*
    Das habe ich nicht gesagt . Aber es immer schön zu lesen, wenn sich neue ,,Jünger" bekennen .
    ,,Man wäre kein guter Anarchist, wenn man auf Grundsätzen beharren würde!'' - Eva Demski

  20. AW: [DE] Rothaarsteig

    #20
    Hier mal der Link zum Campingplatz Brilon und seinen ersten Campern

    http://www.campingbrilon.de/de/bildergalerie/galerien/natur/Erste_Kamper.JPG




    http://www.campingbrilon.de/de/bildergalerie/galerien/natur/index.php



    Hoffe mal, dass das Video in Kürze fertig ist
    Geändert von Zwimon (03.11.2008 um 15:35 Uhr)

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