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  1. [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #1
    Mitreisende: Werner Hohn
    Land: Deutschland
    Reisezeit: November 2019 bis März 2020 (vorläufig)
    Reiseart: Tageswanderungen

    Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    Den Rheinhöhenweg kenne ich schon eine kleine Ewigkeit. Da war ein wanderbegeisterter Onkel in meiner Kindheit in dessen Stimme immer etwas von Fernweh und Abenteuer mitschwang, wenn er vom Rheinhöhenweg sprach. Zu der Zeit führte eine lange Etappe der rechtsrheinischen Variante durch den Wald auf dem Bergrücken weit hinter der Dorfgrenze nach Süden, gegebenfalls nach Norden. Gewandert ist er diesen Weg als Ganzes nie. Einmal hatte er uns mitgenommen, auf ein kurzes Stück, vorbei am Schloss Monrepos. Ein früher Freund aus meiner Kindheit war dabei, und meine Eltern. Das muss kurz vor der „Niederlegung“ 1969 mittels Benzin und Rohöl gewesen sein. Danach geriet der Weg bei mir in Vergessenheit. Kindheit und Jugend trieben ihre eigenen Blüten, vom Erwachsenenleben ganz zu schweigen. Wandern war nun die Beschäftigung alter Leute.

    Mehr als ein Vierteljahrhundert sollte der Rheinhöhenweg in der Versenkung bleiben, bis mich kurz vor dem Jahrtausendwechsel ein altes, stark verwittertes und kaum noch als Markierung zu deutendes weißes R am Stamm einer alten Buche stutzig machte. Im Wald auf der Anhöhe hinter dem Haus stand diese, dort, wo einst die erste, ursprüngliche Route von der Linzer Höhe durch die Wälder hinab ins Neuwieder Becken führte. Diese Route war schon lange verlegt worden. Weitere Markierungen hatte ich nicht gefunden, nur das eine R hatte überdauert.

    Danach stand fest, ich würde den Weg Stück für Stück gehen. Immer als Tageswanderung. Die Bahnlinie im Rheintal lud dazu ein. Im Winter 1997/98 war ich mit der rechtsrheinischen Route durch. Im Sommer darauf folgte der Rheinhöhenweg auf der linken Rheinseite von Bonn bis ins rheinhessische Nierstein. 2005 wurden Rheinsteig und Rheinburgenweg mit ziemlichen Aufwand ins mediale Licht gerückt. Für beide Wege standen die Rheinhöhenwege Pate. Beide haben aber auch dafür gesorgt, dass der Ideengeber vergessen wurden. Ein nicht unwesentlicher Grund ist die bedeutend schönere Wegführung der neuen Routen. Die nehmen alles mit, was mitzunehmen ist. Jede Burg und jeden Aussichtspunkt. Der Rheinhöhenweg war als Höhenweg geplant. Auch nach der Routenanpassung vor 50 Jahren ist man dabei geblieben. Den Rhein sieht man auf manchen Etappen nur bei Start und Ende.

    Bald sind 25 Jahre vorbei, dass ich die Rheinhöhenwege gewandert bin. Es ist Zeit für ein bisschen Rück- und Nabelschau. Viele Infos gibt es nicht mehr. Das Netz bleibt fast stumm, einige einst betreuende Wandervereine haben die Arbeit für den Weg eingestellt. In neuen Wanderkarten tauchen die Rheinhöhenwege oft nicht mehr auf. Also bin ich im Winter 2019 in Bonn-Beuel gestartet, um irgendwann in Wiesbaden anzukommen.
    Geändert von Werner Hohn (14.06.2020 um 10:38 Uhr)
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  2. AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #2
    Etappenübersicht

    Etappe Kilometer Höhenmeter (auf)
    Unteres Mittelrheintal: Bonn-Beuel - Lahnstein
    Betreut durch Westerwald Verein
    Bonn-Beuel - Bad Honnef (Bhf.) 26 720
    Bad Honnef (Bhf.) - Bad Hönningen (Bhf.) 25 650
    Bad Hönningen (Bhf.) - Laubachsmühle bei Altwied 28 860
    Laubachsmühle - Bendorf-Sayn - (NR-Engers Bhf.) 18 (+2) 580
    Bendorf-Sayn - Vallendar 11 260
    Vallendar - Niederlahnstein 16 470
    Oberes Mittelrheintal: Lahnstein - Lorch
    Ehemals betreut durch Taunusklub u. Rhein-Taunus-Klub
    Lahnstein - Osterspai (Bhf.) 23 650
    Osterspai - St. Goarshausen 21 750
    St. Goarshausen - Kaub 16 380
    Kaub - Aulhausen - (Assmannshausen Bhf.) 29 930
    Taunushauptkamm: Assmannshausen - Wiesbaden
    Betreut durch Rhein-Taunus-Klub
    Assmannshausen - Hallgarter Zange - (Oestrich-Winkel) 17 (+8) 660
    Kommt noch
    240 6890
    Die Orte in Klammern liegen nicht am Rheinhöhenweg, verfügen jedoch über einen Bahnhof. Kilometer in Klammern ist die Entfernung Rheinhöhenweg - Bahnhof.

    Die Entfernung haben in stiller Einmütigkeit Oruxmaps und Strava ausgerechnet. Die halbwegs plausiblen Höhenmeter kommen von Strava.

    Orientierung

    Für die Teilstrecke Bonn-Beuel bis Lahnstein hat ein GPS-Track vom betreuenden Westerwald Verein in Verbindung mit den Karten von OpenAndroMaps auf OSM-Basis gereicht. Dieser Abschnitt ist wohl vor 10 Jahren neu markiert worden, direkt so gut, dass die Karte meist nicht konsultiert werden musste.

    Für den Rest bis Wiesbaden sind erst ab Kaub wieder Daten fürs GPS zu bekommen. Zum Überbrücken der Lücke mussten alte, mittlerweile vergriffene Karten der Landesvermessungsämter Rheinland-Pfalz und Hessen (haben heute einen längeren Namen) im Maßstab 1:25.000 noch einmal ihren Platz im Regal verlassen. Zusätzlich - sicher ist sicher - die erste Auflage der Rheinsteig-Karte 1:50.000 für die Teilstrecken wo beide Routen gleichlaufend sind, denn die enthält auch noch den Rheinhöhenweg.

    Ab Lahnstein Richtung Süden ist die Markierung uralt, in den Dörfer meist nicht mehr vorhanden oder so ausgedünnt, dass bis jetzt eine Wanderkarte unerlässlich war.

    Im Outdoor-Wiki gibt es einen Artikel zum Rheinhöhenweg.

    "zu Berg" ist ein Begriff aus der Binnenschifffahrt, der flussaufwärts fahrende Schiffe beschreibt. Mehr bei der Wikipedia: Bergfahrt.
    Geändert von Werner Hohn (14.06.2020 um 10:38 Uhr) Grund: Tausche ö gegen oe.
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  3. AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #3
    Unteres Mittelrheintal: Bonn-Beuel bis Lahnstein

    Erste Etappe: Bonn-Beuel - Bad Honnef

    Wald statt Rhein


    Bonn und Umland

    Die erste Markierung klebt am Laternenpfahl vor dem Beueler Bahnhof. Die nächste an der ersten Abbiegung. So geht das weiter. Markierungssorgen werde ich keine haben, ahne ich schon nach den ersten Metern. In Limperich steht der Karnevalsauftakt an. Ein Plakat lädt für den 10.11. ein. Ein Tag zu früh! Todsünde! "ET JEHT WIDDER LOSS! Et jit jet zo müffele un zo süffele!" können Jecken locker an einem Wochentag. 11.11. um 11 Uhr 11!


    Blick von der Oberkasseler Aussichtsplattform nach Süden zum Drachenfels

    Und sonst so? Reizarm wird dieser Tag werden. Steigungsreich ebenfalls. Siebengebirge halt. Das "Höhenweg" im Namen gibt den Weg vor. Sofern es Rheinblicke gibt, dann nur aus weiter Ferne. Weniger als eine halbe Handvoll werden es sein. Den Drachenfels umgeht der Rheinhöhenweg weit im Hinterland. Ein touristischer Fehlgriff, für den es kein Verständnis geben kann. Es gibt Wald, Wald, Wald. Noch tragen die Bäume buntes Herbstlaub. Im Rheinland ist der Winter noch weit weg. Durchs Gebüsch kreischt der Lärm mehrerer Motorsägen. Braune, trockene Fichten fallen im Minutentakt. Flatterband quer über den Weg. Eine alte, mit verrottenden Ästen übersäte Rückegasse reicht zur Umgehung.


    Kloster Heisterbach - Barockes Torhaus


    Kloster Heisterbach - Chorruine der ehemaligen Klosterkirche

    Die menschenleere (ehemalige) Prämonstratenserabtei Rommersdorf. Top saniert, grüne Wiesen, Pflastersteinwege, alte Bäume, buntes Herbstlaub, altes Gemäuer, Kirchenruine, Parklandschaft, blauer Himmel, weiße Schleierwolken in malerischer Dosierung: Fotos.


    Im Siebengebirge nicht die Regel

    Schweißtreibend hinauf auf dem Ölberg. Das ist der höchste Berg im Siebengebirge. Sogar von der A3 klar auszumachen. Eine geschlossene Gesellschaft schlürft Sekt auf der Terrasse. Kaffee? Heute nicht. Ein verdammter Richtfunkmast versaut den Blick nach Bonn. Im Gegenlicht kaum zu sehen, einmal mehr die Ruine auf dem Drachenfels. Weit weg.

    Nicht viel los heute. Ein Hund läuft mir zu, will und geht mit, bis ein Pfiff kaum vernehmbar durch den Wald schleicht. Ein langer abfallender Weg (Abstieg wäre übertrieben) nach Bad Honnef. Das war's. Erste Etappe geschafft. Wald gab es viel, Landschaft auch. Atemlose Blicke wenige.

    Zweite Etappe: Bad Honnef - Bad Hönningen

    Burgenblicke und Rheinblicke


    Marienwallfahrtskirche St. Johann Paptist in Bruchhausen - Totentanz


    Blick von der Erpeler Lay nach Süden

    Bad Honnef schläft noch. Die Buden der Selhofer Stadtteilskirmes sind noch mit Planen verhangen. Frauenstimmen im Wald. Reiterinen. Ein Tagesanfang wie bei der vorigen Etappe: Wald! Heute mehr mit trockenen Fichten durchmischt. Am "Auge Gottes" eine große und laute Reitergruppe. Frauen, zwei Männer. Ein Pferd scheut. Ich? Nein, es verträgt sich nicht mit einem Gaul in der Gruppe. Kann ich verstehen.


    Burg Ockenfels und Erpeler Lay

    Vorbei an den Resten der nie genutzten Abschlussrampen für die V1 unterhalb des Asbergs. Der Zweite Weltkrieg wirft noch immer seinen langen Schatten. In Bruchhausen einen Sprung in die Wallfahrtskirche St. Johannes Baptist. Zwischen Eingang und Windfang hängt die Darstellung des Totentanzes aus dem 17. Jahrhundert. Ausleuchtung beschissen. Der Platz auch, selbst wenn der historisch verbürgt sein sollte.

    Auf dem Vorplatz ein längeres Schwätzchen mit einem alten Bruchhausener. Über mehrere Ecken kennen wir uns irgendwie. Seine, meine, unsere ehemaligen Ex-Kollegen sind die Verbindung. Alle leben längst nicht mehr.


    Anhöhe vor Dattenberg - Eifel und Ahrtal


    Burg Dattenberg

    Die Aussichten danach: Erpeler Lay. Unten neben Rhein, Erpel und Remagen, die Reste der "Brücke von Remagen". Bei uns im Wald sind noch immer die aus den Fehlabwürfen herrührenden Bomben- und Granattrichter zu erkennen. Burg Ockenfels, privat, Sitz eines bekannten Herstellers von Gesundheitsschlappen. Auf Linz zu, im Winter tote Hose. Blick ins Ahrtal, in die Eifel. Blick auf die Dattenberger Burg, was nicht das Gebäude ist, dass alle für die Burg halten.


    Rheintal bei Leubsdorf


    Bad Hönningen - Schloss Arenfels

    In Leubsdorf stehen drei Grablichter auf dem Bürgersteig neben drei Stolpersteinen. Gedenken an die Reichspogromnacht 1938. Niemand wird sie ausblasen oder wegtreten, ist meine Hoffnung.

    Der Rheinsteig begleitet wieder ein Stück. Aussichtspunkte, nicht hoch, nicht „du kriegst den Mund nicht zu“ garantiert. Alltägliche Rheinsichten hier. Zum Tagesabschluss Schloss Arenfels über dem letzten Weinberg Bad Hönningens, angestrahlt von der über der Eifel untergehenden Sonne.

    Dritte Etappe: Bad Hönningen - Neuwied-Altwied (Laubachsmühle)


    Leutesdorf und Andernacher Pforte (hinten) von der Burg Hammerstein gesehen

    Inzest und Winnetou

    Heimspiel. Sieben Kilometer in den Zirkel nehmen, den einen Schenkel ins Wohnzimmer stechen, da wo der Glastisch steht, den zweiten nach Bad Hönningen ausrichten, etwa da wo der REWE ist, einen Viertelkreis nach Südsüdost ziehen, fertig ist die heutige Route. Die Wegemacher werden Widerspruch einlegen, denn so gradlinig gebogen ist der Rheinhöhenweg dann doch nicht. Trotzdem, es passt schon: heute ziehe ich einen Viertelkreis ums Wohnzimmer. Heute ist alles bekannt.

    Die Zeit, die es braucht, bis eine Landschaft nur noch Erinnerung ist, hat diese Landschaft nicht. In der bin ich immer unterwegs. Noch nicht Gesehenes werde ich nicht sehen. Unmöglich. Es ist Dezember geworden. Das bunte Laub auf den Bäumen wird weniger. Der Himmel ist grau. Den ganzen Tag wird das so bleiben. Entsprechend müde zieht sich der Beginn. Zuerst noch einen Kaffee bei REWE. Einmal in Bewegung, läuft es dann.


    Burgruine Hammerstein

    In den Rheinbrohler Wohnsiedlungen verliert sich der bisher immer mit der Markierung übereinstimmende GPX-Track zum ersten Mal im Nirgendwo. Der Wegemarkierer ist fleißiger gewesen. Markierungswandern durch wochentäglich leere Wohngebietsstraßen. Markierung und Track werden sich bis Altwied nicht immer grün sein, gelegentlich ist Kartenstudium nötig. Einstimmung auf das, was nach Lahnstein kommen wird?

    Auf der Rheinhöhe versinken die Wirtschaftswege zwischen Anna- und Forsthof im Schlamm. Am Forsthof bellt ein müder Hund hinter mir her. Für Ende Januar wird das alljährliche Schlachtfest angekündigt. Es wird gut besucht sein. Kalter Wind aus Nordwest ist aufgekommen. Den Winter wird er nicht bringen.


    Neuwieder Becken mit Weißenthurmer Werth

    Hammerstein bleibt unten im Tal. So weit muss ich nicht hinunter. Der Rheinhöhenweg kommt von oben direkt auf die Reste der Burg zu, die hinter Bäumen und Gestrüpp nur zu erahnen sind. Abstecher zur Burgruine Hammerstein auf dem Sporn hoch über dem Fluss. Eine ältere Burg gibt es nicht am Mittelrhein. Viel ist nicht mehr zu sehen. Etwas Geschichte hat die Burg hervorgebracht, sogar Geschichte, die den Namen der Burg trägt. Heinrich IV. vertraute ihren Mauern die Reichsinsignien an. Spannender ist die Hammersteiner Ehe: Der Burgherr begehrte eine entfernte Verwandte, die Verwandte hatte Verlangen nach ihm. Inzest, Mordgelüste, Kaiser, Papst, Bischöfe, ein Mann, der seinen Schwanz einzog als es ums Prestige ging, schlussendlich eine Frau, die das nicht kommentarlos hinnehmen wollte. Dazwischen ein Wanderleben derer, die nicht von einander lassen konnten. Es ist gut ausgegangen. Aussitzen war schon im Mittelalter oft die Lösung. Nach 1.000 Jahren hat die Liebelei einen Artikel in der Wikipedia. Für den Deutschland Ploetz hat es nicht gereicht.


    Monrepos - Gruß aus der Zukunft

    Dann stehe ich oben auf einer lichten Anhöhe am Jakobshof, schaue verwundert zu den wenigen verstreuten Häusern, schaue hinunter nach Neuwied. Aus dem Dunst sticht grade so der Pylon der Rheinbrücke hervor. Der Rest verschwimmt als zersiedelte Landschaft. Mischlandschaft aus Gewerbe, Wohnen und Kaufen. Das kleine schräge Plateau hier oben müsste, nein, sollte ich kennen. Lange schaue ich mich um. Die Erinnerung versagt. In der alten Wanderkarte ist noch das Tierheim vermerkt. Das ist schon vor 25 Jahren umgezogen. Ein Reiterhof. Ein Auto mit belgischem Kennzeichen kommt über den Feldweg die Anhöhe hoch, schlängelt sich zum letzten Haus der kleinen Ansiedlung. Kommen nach den Holländern nun die Belgier? Es bleibt dabei: obwohl markant, fehlt jedes Erkennen.


    Monrepos - Küchen- und Schwedenhaus

    Weiter durch die Wälder, die ich als „Wälder vor der Haustür“ betrachte. In etwas mehr als einer Stunde wäre ich zu Hause. Monrepos liegt verlassen da. Bei dem Wetter heute wollen die Besucher nicht den warmen Ofen verlassen. Der Hanhof ist nun ein Gestüt. Die Vorpächter hielten noch Bisons. Das Bistro im Museum, untergebracht im ehemaligen Prinzessinnenpalais, leuchtet in schwachem Stromsparmodus. Keiner da. Hinein ins Museum? Spare ich erneut für die Enkel auf. Das Schloss ist verschwunden, seit denen „zu Wied“ der Unterhalt zu teuer wurde. 400 Liter Benzin und Rohöl und die Feuerwehr aus Niederbieber haben den Holzbau aus der Landschaft radiert. Ende der 1960er Jahre war das möglich. Widerstand gab es nicht. Dank der Jahrzehnte zurückliegenden Wanderung habe ich noch ein schwaches Bild vor Augen. Weiß, Fensterreihen, eine lange Baumreihe mit tellerartigen Baumpilzen an jeden zweiten Stamm.


    Monrepos - Erst Villa Waldheim oder Prinzessinnenpalais, jetzt Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution

    Der Marstall trägt Züge des Verfalls. Das immer noch bewohnte Schwedenhaus wird bewacht von kläffenden Hunden. Das Küchenhaus sieht verwaist aus. Am Abzweig steht ein Mammutbaum. Den Samen hat Maximilian Alexander Philipp Prinz zu Wied-Neuwied mitgebracht. Ein Zeitgenosse Humboldts und wie dieser Forschungsreisender, Ethnologe, wahrscheinlich auch Abenteurer. Rumgetrieben hat er sich wechselweise in Nordamerika und Südamerika. Vielleicht wurde hier oben über dem Rhein Winnetou geboren. Es gibt Vermutungen Karl May habe Wieds ausführliche Reiseschilderungen als Vorlage genommen. Er selbst hatte ja nicht viel erlebt; Maximilian zu Wied schon, bei dem war viel Stoff zu holen, drängt sich auf, wenn man Wieds zweibändige „Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834“ liest. Nebenbei hat Wied für Generationen unser Bild vom Indianer geprägt. Edle Wilde mit Mustang in weiter Steppe.


    Wiedtal bei Altwied

    Abschluss im Wiedtal, schon ein gutes Stück weg vom Rhein, Es dämmert schon. Vorbei an der Burgruine derer „zu Wied“ ein Stück das Tal hoch. Rheinsteig und Wiedweg begleiten bis zur Bushaltestelle an der Laubachsmühle. Fünf Euro verlangt der Fahrer für 8 Kilometer.

    Vierte Etappe: Laubachsmühle – Bendorf-Sayn


    Rengsdorf - Am Völkerwiesenbach

    Arbeitsweg

    Etwas früh fürs Mittagessen, vom Nachmittagskaffee nicht zu reden, und die liegen um diese Zeit eh noch in den Federn, ergänzt der Busfahrer seine Forderung nach 5 Euro. Ja, die Laubachsmühle ist ein beliebtes Ziel für Autowanderer. Doch um diese Zeit steigt dort niemand aus oder zu. Draußen ist es immer noch nicht hell. Es wird den ganzen Morgen nicht hell werden. Die Markierung ist wie gestern Nachmittag mal wieder miserabel. Der Rhein wird den ganzen Tag nicht zu sehen sein. Das ist der große Bogen am äußeren Rand des Neuwieder Beckens entlang, den alle Weitwanderwege nehmen. Einmal gradeaus durch wäre zwar direkt am Rhein möglich, jedoch nicht schön. Das wird den Radfahrern überlassen. Die stört das nicht. Hauptsache steigungsfrei.


    Gratwanderung zwischen Engelsbachtal und Aubachtal

    Nebel zwischen den Bäumen. Nasse Luft. Feuchtes Laub. Es raschelt nicht. Oben rund um Rengsdorf sehe ich kaum die Hunde im Nebel. „Schauinsland“ gibt keine Fernsicht her. Die Ortsgruppe Hambach des Pfälzerwald-Vereins hat eine Bank gestiftet. Wo die sich rumtreiben! Rengsdorf hütet seine touristische Vergangenheit mit hinter Steinschlagschutznetzen verrottenden Hotels, vernagelten Geschäften und touristischen Hinweisen aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Das wird nichts mehr. Da können sie noch so viele „Steige“ bauen.


    Schutzhütte auf dem Köppel (Rengsdorf-Aubachtal)

    Manche eigenmächtige Wegverlegung schafft es nicht bis in die Wanderkarte. Die rote Linie für den Rheinhöhenweg folgt in der Wanderkarte von 1998 noch immer dem Engelsbachtal hinunter zum Stausee von Oberbieber. Bei Wetterverhältnissen wie an diesem Tag Nebel, graue Wolken, Dämmerlicht, nichts als eine eingekerbte, bewaldete Einöde. Vor vielen Jahren hat sich irgendwer erbarmt und den Rheinhöhenweg verlegt. Nicht mehr durchs Tal, er führt über den schmalen Kamm, fast schon ein Grat, zwischen Engelsbach- und Aubachtal zur und durch die Schutzhütte auf dem Köppel. Alles Trampelpfad in Reinkultur. Mal Lehm, mal Fels, mal Moos. Im Herbstlaub ist die Spur nicht immer sichtbar. Auf dem Kamm bleiben, dann passt es.


    Heimbacher Wald - Römischer Wachturm 1/48. Mehr bleibt nicht, wenn Geschichte nicht erzählt wird.

    Früher war gelegentlich freitags gut die Hälfte der heutigen Etappe mein Arbeitsweg. Am letzten Arbeitstag der Woche war um 14 Uhr Feierabend. Bei schönem Wetter bin ich zu Fuß heim gegangen. 30 Kilometer. 10 km Rheinhöhenweg waren immer dabei. Meinen Chef war das nicht geheuer. Wer nach acht Stunden Arbeit noch die Motivation und Energie für einen „Gewaltmarsch“ habe, hat sich bei der Arbeit nicht verausgabt. Das kann sein, ist auch nicht meine Absicht gewesen. Einmal hatte er mich an einem Samstag auf dem Firmengelände getroffen, als ich nach einer Freitagnachmittagheimwanderung das Auto abholen wollte. Den Rhein war ich zu Fuß über Treidelwege und Radwege hoch gekommen. Rubbeldiekatz hatte er die Gesamtkilometer überschlagen. Ich sah es seinem Gesicht an. Lohnkürzung?, schlug ich spaßeshalber vor. Ihm gefiel der Gedanke. Nur das Arbeitsrecht stand dem entgegen. Er bedauerte das sehr. Trotzdem sind in den Jahren mehrere Dutzend dieser Wanderungen zusammengekommen.


    Bendorf-Sayn - Schloss Sayn

    Mittags ist der Nebel verschwunden. Mit einem Stück Limeswanderweg den Limes entlang durch den Heimbacher Wald, um den Golfplatz herum. In dessen Restaurant wollte ich zu Mittag essen. Es bleibt beim Vorsatz. Das Einkehr-Alter habe ich noch nicht erreicht. Großer Fichtenkahlschlag auf der bewaldeten Hochebene. Alle vertrocknet. Der geteerte Waldweg ist nicht von einem normalen Waldweg zu unterscheiden. Für Holzlaster und kettenbewehrte Maschinen für die Arbeit im Wald ist das wie eine Autobahn. Schluss ist in Sayn. Schloss und Burg bleiben zurück. Tausendmal gesehen. Fürs Pflichtfoto drehe ich mich dann doch noch einmal um.

    Fünfte Etappe: Bendorf-Sayn - Vallendar


    Bendorf-Sayn - Burg Sayn

    Einkehr

    Mindestens bis Ehrenbreitstein möchte ich kommen, Sollte es gut laufen, sogar bis Lahnstein. Den vom Westerwald Verein betreuten Abschnitt könnte ich abhaken. Meine Frau will mit. Alle Einwände lässt sie nicht gelten. Schön wird nur die erste Hälfte der geplanten Tagesstrecke. Ab Vallendar bis zum geplanten Ende werden wir durch ein Siedlungsband wandern. Freies Gelände wird lediglich in homöopathisch Dosierung am Weg liegen. Am Morgen stört sie das noch nicht.

    Für den Anfang geht es erst mal hoch. Das ist immer so. Höhenwege sind oben, Bahnhöfe in den Tälern. Wir wandern lange hoch. Das Wetter ist so, dass wir die Hoffnung pflegen, es wird schöner werden. Ein freilaufender Hund kreuzt mehrfach unseren Weg. Uns ignoriert er vollständig. Ein Reh taucht mehrmals zwischen den Bäumen auf. Auf dessen Fährte ist der Hund unterwegs. In vergeblicher Regelmäßigkeit schallen Pfiffe und Rufe aus dem Tal hoch. Am Schnatzberg verlieren wir ihn aus den Augen. Sein Besitzer wird dem Tier hoffentlich einen Chip spendiert haben.


    Oberhalb Bendorf auf der "Loh" - Neuwieder Talweitung

    Weite Sicht in die Neuwieder Rheintalweitung, öfter als Neuwieder Becken gehandelt. Der Wind weht weiße Wolken herbei. Die schwarzen Regenwolken vom Aufbruch hielten nicht, was wir erwartet hatten. Einen Bogen wandern wir bis an das Kannenbäckerland heran unterhalb von Höhr-Grenzhausen. Die erste Route des Rheinhöhenwegs hatte das noch als Ganzes mitgenommen.

    Wo die Wege asphaltiert sind, sind Menschen unterwegs. Matschige Wege werden gemieden, auf denen waren wir alleine. Auf ansteigenden auch. Die Autos der Spaziergänger parken auf den Höhen. Eine Runde durch Felder und Wiesen mit Sicht zur Anbetungskirche auf Berg Schönstatt über Vallendar. Eine Kirche aus Bruchstein mit Mauern, Fenstern und Türmen wie eine Burg. Wer es nicht weiß, hält die Kirche aus der Ferne für eine mittelalterliche Burg. Erbaut wurde sie Mitte der 1960er Jahre, als Sakralbauten wie Pilze gegen Himmel wuchsen.

    Mit einem Salat und einem Wildschwein endet die Wanderung vorzeitig. Der Wüstenhof, hoch über Vallendar, hat noch einen Tisch frei für uns. Zur Stadt hinunter bis zum Bahnhof ist nur noch Formsache. Mit vollem Bauch noch machbar. Das Siedlungsband verschieben wir auf die nächste Wanderung. Nach anderthalb Etappen hat uns der Rhein wieder.

    Sechste Etappe: Vallendar – Lahnstein


    Rhein bei Urbar und Moselmündung

    Trostlos mit Ausnahmen

    Das Jahr hat gewechselt. Neujahr. Andere schlafen ihren Rausch aus, wir stellen das Auto in Vallendar ab. Meine Frau ist wieder dabei. Ihr hat der ungeplante Stopp im Restaurant gefallen. Wie ich sie kenne, spekuliert sie auf eine Wiederholung. Es würde der Höhepunkt der Etappe werden.

    Das Siedlungsband empfängt uns mit einem steilen Anstieg entlang der monströsen Rückansicht eines in den Himmel geschossenen Altenheims. Möchten wir hier landen? Vorne raus hätten wir eine gute, aus den obersten Etagen eine sehr gute Aussicht auf Koblenz bis hin zu den maßlos in Breite und Länge gewucherten Gewerbegebiete.


    Koblenz-Ehrenbreitstein - Aussichtsplattform im Festungspark

    Wir müssen auf den Mallendarer Berg. Bis dorthin quetscht sich Haus an Haus an den Steilhang. Die an der Talseite nehmen denen auf der Bergseite für unseren Geschmack viel zu oft die Sicht. Wer Geld hat, hat auch Aussicht, erkennbar mal wieder an Hausgröße und an wirklich unverbaubaren Aussicht. Die Stimmung ist so lala. Sie ist eben, wie sie ist, wenn man lustlos eine Etappe runterreißen möchte, die schon vor dem Jahrtausendwechsel einer Überarbeitung wert gewesen wäre.

    Die letzte Treppe. Böllerreste der letzten Nacht. Leere Sektflaschen, Pappbecher. Die Stadtreinigung arbeitet bestimmt auch heute. Von der Landstraße oben ist die Aussicht nicht mehr verbaubar., bis uns die Markierung in den Wald leitet. Das war es. Urbar folgt. Eine Treppe, eine lange Straße bis ans Ende in einer Sackgasse. Eine große Villa hat sich den besten Platz gesichert. In unmittelbarer Nachbarschaft versteckt sich eine ehemalige Mülldeponie. Messstationen alle paar Meter. Zaun drumherum. Warnschilder „Betreten verboten“. So groß kann die Liebe zur Heimat nicht sein, dass ich ein Haus neben eine Mülldeponie stelle. Ehemalig hin oder her.


    Festung Ehrenbreitstein

    Ehe wir uns versehen, stehen wir auf dem Gelände der Bundesgartenschau von 2011. Die Koblenzer Seilbahn fährt. Das hatten wir nicht erwartet. Zugig ist es hier oben auf der Gartenschauwiese neben der Festung Ehrenbreitstein. Für einen Kaffee sollen wir Eintritt zahlen. Kostenloser Zugang nur für Gäste der Jugendherberge, in den Abendstunden für alle. Für zwei überteuerte Kaffee noch Eintritt zahlen? Wir verzichten.

    Zu Fuß runter nach Ehrenbreitstein. Und schon wieder hoch, vorbei am Klettergeländer des DAV, durch die alles andere als schönen Siedlungen in Asterstein und Pfaffendorf und der Horchheimer Höhe. Eine Stunde wandern wir durch sozialen Wohnungsbau der 1960er- und 1970er-Jahre und Bauten, die die Bundeswehr hervorgebracht hat. Für die Horchheimer Höhe vermerkt die Wikipedia lapidar das Fehlen jeglicher Kulturdenkmäler.


    Horchheimer Höhe - Trockenware

    Bei den letzten Häusern der Horchheimer Höhe sind wir endlich im Wald, auf der eigentlichen Horchheimer Höhe. Ein monotoner Anstieg bis zum Lichter Kopf folgt. Wie auf allen Etappen bis jetzt, liegen Fichtenstämme zuhauf beidseits der Waldwege, flankiert von Kahlschlagflächen. Trostlos. Nach Niederlahnstein hinab. Neujahrsspaziergänger treffen wir dann doch. Meine Frau hat das Restaurant vermisst. Eins lag am Weg. Von außen sah es so aus, als wäre man noch mit den Nachwirkungen der Silvesternacht zugange.
    Geändert von Werner Hohn (26.03.2020 um 21:18 Uhr) Grund: Wort raus.
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  4. Fuchs
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    AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #4
    Super Infos, danke! Der Rheinhöhenweg klingt absolut vertraut, aber bewusst gelaufen bin ich ihn noch nie, nur einen Teil des Rheinsteigs. Dann werde ich mich mal an deiner Wanderung orientieren und demnächst vor der Haustür losgehen
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  5. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #5
    Hallo Werner.

    Ein neuer Reisebericht von Werner! Super! Der Anfang liest sich schon sehr vielversprechend! Ich finde den Modus tageweise eine längere Tour in heimatnähe zu gehen eigentlich sehr gut. Man kann sich das Wetter aussuchen, man kennt die Höhepunkte und man ist trotzdem unterwegs.
    Gefällt mir sehr gut! Weiter so! Und tolle Fotos hast du auch wieder dabei! Erste Sahne!

    Viele Grüße aus dem Süden der Republik

    Wafer

  6. AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #6
    Rattus, bei aller Liebe zu "Haustürwanderungen" und alten Wanderwegen, auf lange Sicht würde ich den Rheinsteig vorziehen. Der Rheinhöhenweg hat einige lange Etappen, wo abkürzen so wenig bringt, dass man auch die Etappe gehen kann. Die Etappen vom Rheinsteig sind auf ca. 15 Kilometer gestückelt.

    Wafer, wenn das mit dem Wetter so passen würde, wie ich mir das vorstelle. Seit Jahren haben wir nur noch graue, milde Wintertage. Mit der letzten Wanderung habe ich Kaub erreicht. Den ganzen halben Wandertag im Nebel. Mittags hatte ich die Schnauze voll. Seit der 4. Etappe waren alle Wandertage grau. Die nächste Wanderung findet nur statt, wenn alle Wettervorhersagen mal wieder einen Sonnentag ankündigen. Alle!

    Die dritte Etappe ist drin. Es geht um Inzest und Winnetou.
    Geändert von Werner Hohn (27.01.2020 um 22:11 Uhr)
    .

  7. Fuchs
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    AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #7
    OT: Hm, das Stück Rheinsteig von Bad Honnef bis Leubsdorf oder Leutesdorf, ich weiß es nicht mehr, hat mir auch sehr gut gefallen bis auf das letzte Stück durch die Weinberge bei brütender Hitze mit Krach vom Rheintal unten. Am liebsten bin ich im Siebengebirge unterwegs jenseits der bekannten Wege, es gibt wunderschöne verwunschene Stellen.
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  8. AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #8
    UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal: Lahnstein bis Lorch

    Siebte Etappe: Lahnstein – Osterspai


    Lahnstein - Altes Rathaus

    Wie früher

    Am Bootssteg in der Lahnmündung dümpeln mehrere Motoryachten. Die Eigner sparen sich das Winterlager. Eisgang auf Rhein und Lahn bleibt seit Menschengedenken aus. Über die Mündung spannt sich die Bogenbrücke der Bahn. Die Straßenbrücke trägt den Namen von Rudi Geil. Hier geboren und gestorben, dazwischen Minister für den Aufbau Ost, für die Ewigkeit Namensgeber einer Brücke. Auf der anderen Rheinseite stiehlt das Schloss Stolzenfels im fahlgrauen Winterwald allen anderen die Schau.


    Marksburg von hinten (Lahnsteiner Höhe)

    In Lahnstein sind die Supermarktparkplätze leer. Niemand ist unterwegs. Sonntagmorgen. Es fehlt die Markierung für den Rheinhöhenweg. Nur an Rudi Geils Brücke hatte ein Rheinhöhenweg-Aufkleber geklebt. Die für den Lahnhöhenweg ist ab dem Bahnhof oft zu sehen, jedoch nicht verwertbar. Lahn ist Lahn und Rhein ist Rhein. Es ist wie früher: die Wanderkarte wird zur Dauerlektüre werden. Von Bonn bis Lahnstein hat sie ihr Dasein im wesentlichen in der Deckeltasche des Rucksacks verbracht. Heute wird die Karte höchstens in der Jackentasche verschwinden. Einen unterstützenden GPX-Track gibt es nicht, nur die rote Linie in der Karte, die sich auf die Anhöhe windet. Griffbereit, weil die alte, an den Knickstellen schon extrem verschlissene Papierkarte an jeder Kreuzung, an jeder Weggabelung und vermutlich auch an jeden abzweigenden Trampelpfad befragt werden will. Ohne Irritation auszulösen, ist das schon auf der langen Hauptstraße in Lahnstein abzusehen. Früher ging das schließlich auch! Der Rheinhöhenweg wird die Stadt in Richtung Sportplatz verlassen. Der Sportplatz wird sicher ausgeschildert sein. Auch der Rheinsteig ist keine Hilfe. Dessen Route kommt erst oben beim Hof Aspich vom Lahntal hoch dazu, kreuzt, macht sich aus dem Staub Richtung aussichtsreiche Hanglage.


    Schornsteine ("Weinbergheizung") auf dem Pankert

    Oben angekommen, taucht das erste gelb-blaue Schildchen einer Jakobswegmarkierung auf. Es gehört zum Weg, der von Kaub kommt und in Lahnstein auf den Anschlussweg über geht. Ich meine, die Strahlen der Muschel zeigen in die falsche Richtung. Als Jakobspilger würde ich ab Kaub direkt nach Westen, Richtung Santiago de Compostela gehen. Der Europäische Fernwanderweg E3 überquert dort den Rhein, um nach massig Kilometer in Galiciens Atlantikküste zu enden. Aber welche Pilger interessiert das schon. Die wandern lieber zuerst mal nach Norden, um ab Lahnstein nach Südwesten abzudrehen.

    Im diffusen Licht der Wintersonne taucht zum ersten Mal die Marksburg auf. Sie wird noch oft zu sehen sein. Nebenan, auf dem 300 Meter hohen Pankert, stehen die drei Schornsteine der ehemaligen Blei- und Silberhütte Braubach. Zwei werden immer noch genutzt. Über lange Rauchkanäle durch den Berg entsorgt die 200 Meter tiefer im Tal beheimatete heutige Sekundärbleihütte (Recycling von Bleischrott aus Batterien) immer noch anfallende Abgase. Uns Kindern wurde das als "Weinbergheizung" verkauft. Es soll Erwachsene geben, die das immer noch annehmen.


    Marksburg (erweiterte Weltpostkartenansicht)

    Noch liegt ein Tal zwischen mir und der Marksburg. Besuchen werde ich die nicht. Irgendwann ist es genug. Wirklich! Braubach ist im Winter entvölkert. Nur auf dem Wohnmobilstellplatz am Rhein stehen immer ein paar Autos. Frühjahr bis Herbst ist die Zeit der Tagesausflügler, Bustourenurlauber, Schiffstouristen und Rheinsteig-Wanderer. Unbehelligt vom Autoverkehr stehe ich auf der Straße. Ein Fotomotiv will sich nicht finden. Für malerische Fachwerkkulisse müssten die geparkten Autos verschwinden. In den drei anderen Gassen mit mehr Patina ist es zu dunkel für mein Fotoapparätschen.

    Die Marksburg bleibt zurück. Rheinsichten gibt es nun alle paar Meter. Ab der Burg teilen sich Rheinhöhenweg und Rheinsteig die felsigen Pfade und Hangwege. Orientierungspropleme erwarte ich keine mehr. Seit Koblenz bin ich im UNESCO Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal unterwegs. Geographisch endet das Obere Mittelrheintal schon am Südufer der Lahn. Was tut man nicht alles für den Tourismus.


    Osterspai mit Schottel

    An den Südwesthängen haben Fichten den Hainbuchen-Eichenwäldern Platz gemacht. Es sind nicht die knorrigen alten hochgewachsenen Bäume der Ebene. Alle sind krumm und verwachsen. Ein sich in die Länge ziehender Einstieg ins Dinkholder Tal. Nass ist es. Auf halber Höhe ein von Mauern umsäumter Sauerbrunnen. Betreten verboten! Wegen Gasaustritt besteht Lebensgefahr. So schlimm wird es nicht sein, dann würde ich hier nicht wandern dürfen. Der Schluss wird etwas zäh. Mehrfach nimmt der Weg die Seitentäler mit. Nicht weit, doch weit genug, dass ich mir Rheinblicke wünsche.

    Achte Etappe: Osterspai – St. Goarshausen


    Oberhalb Osterspai - Kamphauser Feld und Hunsrück

    Burgen und Hochebenen

    Vom Bahnhof muss ich zurück, um wieder zum Rheinhöhenweg auf der Anhöhe zu gelangen. Großzügig schneidet der die Filsener Rheinschleife ab. Neben einer Garage steht eine gepflegte Weihnachtskrippe am Straßenrand. Die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland haben Einzug gehalten. Mit sachtem Anstieg aus dem Ort hinaus, einen Bogen um das Schloss Liebeneck ziehen, vorbei am Jüdischen Friedhof auf dem noch drei Grabsteine stehen. In der Karte ist der als Kulturdenkmal eingetragen. Das ist ein Friedhof. Die Jewish Claims Conference in New York wird das bestimmt nicht anders sehen. Die zahlen nicht für Denkmalpflege, sondern für den Erhalt eines Friedhofs. Oder hatte man schon damals bei Drucklegung der Karte Angst vor Vandalismus?


    Äußere Schildmauer der Burg Sterrenberg

    Über das Kamperhauser Feld kommt eine Frau mit Hund hoch. In ihrem Rücken hat sie die weiten Ausblicke über den Rhein zum nebelverhangenen Hunsrück. Es ist kalt. Obwohl ich zügig den Berg hoch gekommen bin, fröstelt es mich. Die Morgensonne startet unentwegt zaghafte Versuche die wenigen blauen Lücken nicht dem Grau zu überlassen.


    Burg Liebenstein

    Die Markierung, die auf der vorigen Etappe zu wünschen ließ, macht wieder etwas her. Premiumstatus wird man ihr verweigern, doch alte, vom Wachstum der Bäume in die Breite gezogenes Rs finden sich immer wieder, bis ich im Kamper Wald stutzig werde. Das war der falsche Abzweig. Es ist Instinkt, der sich nach vielen Wanderungen gebildet hat. Ohne das Verlaufen bewusst wahrzunehmen, spüre ich meistens, wenn ich falsch bin.


    Die "Feindlichen Brüder" - Burg Liebenstein und Burg Sterrenberg

    An der Hütte auf der Wilhelmshöhe schließt sich der Rheinsteig an. Quer über die Wiese auf dem Bornhofer Berg macht der sich wenig später selbstständig, ich hingegen dem Rheinhöhenweg die Treue halte. Überraschend fehlt dessen Markierung. Dann verlaufe ich mich auch noch. An dieser Stelle ist mir das schon vor zwei Jahrzehnten passiert. Erstaunlich, dass ich das noch weiß. Aus der Erinnerung krame ich irgendwas mit "rechts unten in der Waldecke geht es weiter". Falsch. Irritiert stampfe ich über die Wiese zurück auf die kleine Anhöhe mit der Bank unter der Baumgruppe. Nein, keine Markierung! Die Wanderkarte zeigt den Rheinhöhenweg-Strich am Waldrand. Hm? Was bleibt mir anders übrig. Am linken Waldrand nochmals hinab bis zum Hochsitz am Waldrand. Nix. Noch einmal hoch? Nein, jetzt quer durch den Wald. Nach wenigen Schritten stehe ich auf einem zugewachsenen Waldweg. Der führt mit stetem Gefälle den Hang entlang in die passende Richtung, und dann stoße ich auf den Rheinsteig. Das ist eigentlich der falsche Weg. Was soll es. Wenig später endet mein Seitensprung an der Straße, die nach Kamp-Bornhofen zur Rheinuferstraße führt.Der Rheinhöhenweg müsste nach Karte und Erinnerung von oben kommen. Die Orientierungssorgen enden an der Zufahrt der Burgen Liebenstein und Sterrenberg. Kurzzeitg Vermisstes ist wieder da. Alles gut.


    Bei Prath im Taunus

    Den Rheinhöhenweg verlasse ich wenig später doch. Für das Foto mit den zwei Burgen der „Feindlichen Brüder“ ist ein Seitensprung unabdingbar. Sogar der Rheinsteig verpasst den besten Blick auf die Burgen um einige Meter. Einmal mit der Übersteighilfe den nutzlosen Zaun überklettern, wenige Augenblicke erneut, kurz wieder dem Steig folgen, und da wo es matschig wird, treffen mit dem alten Höhenweg. Durch den Wald spannt sich immer wieder Maschendrahtzaun. Vor Jahren war hier mal was mit Ziegen, oder ähnlichem Getier. Die sollten wohl die sonnenbeschienenen Trockenhänge frei halten. Der Zaun ist mehrfach niedergetreten, Die verzinkte Drehgattertür für Rheinsteigwanderer ist noch intakt. Gebraucht wird dieses Gatter nicht mehr. Meine Erinnerung kramt noch einen Bericht über Rheinsteig Ranger oder ähnliches hervor. Sowas gab es mal für kurze Zeit als „Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung“, genannt Ein-Euro-Job - ich glaube, ich irre mich nicht – glaube ich.


    Burg Maus

    Die Etappe heute hat drei Höhepunkte. Am ersten bin ich vorbei, das waren die Burg Liebenstein und die Burg Sterrenberg. Der nächste ist die weite Hochebene zwischen Lykerhausen über das Niederfeld nach Prath und weiter über die Wolfsheide an den Rand des Wellmicher Bachs, der ein tiefes Seitental des Rheins gegraben hat. Weite Ausblicke über unverbaute Feldlandschaft. Lykerhausen verschwindet ehe ich mich versehe in einer Senke. Voraus macht sich Prath immer wieder dünn. In Dellen, hinter Anhöhen, im Sommer bestimmt hinter hohem Mais oder den gelben Halmen der Getreidefelder. Oben auf der Taunushochebene an der Abbruchkante zum Rhein macht der Rheinhöhenweg seinem Namen alle Ehre. Er bleibt auf der Höhe. Ich bin geneigt, den damaligen Wegemachern zuzugestehen, genau das war beabsichtigt.


    Zweite Januarwoche - Die beiden Republiken arbeiten wieder


    "Auf dem Taunus" zwischen Nochern und Rhein

    Der dritte Höhepunkt ist der Abstieg vom Strohberg, der hinter der Burg Maus in den Taunus hoch wächst. Immer an der Kante lang, immer mit Blick auf den Rhein, später auf die nördlichen Ausläufer St. Goarshausens. Zum Schluss ein steiler Abstieg durch Weinberge und ehemalige. Schmal, steil, Geröll und lose Steine, hohe, nicht dem menschlichen Schrittmaß gewogene Trittstufen. Alles nahe am freien Fall. Wem das nicht reicht, dem bieten die Touristiker einen kleinen Klettersteig an.

    Neunte Etappe: St. Goarshausen – Kaub


    Patersberg - Forstbachtal und St. Goar (linksrheinisch)

    Farblos und kalt

    Für aneinandergereihte Tageswanderungen gibt es Rituale, die weit entfernt sind von den Erwartungen an das Wandern. Anreise mit dem Auto, Parkplatzsuche für das Auto, Rückfahrt zum Auto. Nicht zu vergessen, Kartenstudium mit dem Schwerpunkt, wo ist ein Bahnhof, ab wo und wann fahren Busse und Bahnen. Wanderferner kann der Tag nicht beginnen, vergleichbar innerstädtischer Parkplatzsuche.

    Auf allen Etappen den Rhein hoch haben sich ebenfalls unausrottbare Wanderrituale herausgeschält. Jeder Wandertag fängt am Bahnhof an. Die erste halbe bis eine Stunde geht es immer den Berg hoch. Seit der Lahnquerung ist „oben“ immer eine kleine Hochebene mit Fernsichten in den Hunsrück oder den Taunus. Die letzten Kilometer, manchmal nur halbe, führen immer bergab bis zur Bahnlinie am Rhein, wo der Wandertag an einem Bahnhof endet.


    Bei Bornich - "Auf der Höhe"

    Die Loreley schenkte ich mir. Bis zum Felsen hoch über der Rheinkurve sind es einen Kilometer zusätzlich vom Weg weg, zurück noch einer. Zwei Kilometer für einen im Winter gottverlassenen Aussichtspunkt mit einem vermutlich im Winterdunst nur schemenhaft erkennbaren Rhein. Die Zugkraft der Rheinsichten hat merklich nachgelassen. Vielleicht liegt es am Wetter. Selbstbeschiss, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass man lieber am Frühstücktisch sitzen geblieben wäre; über der im Keller bollernden Heizung, neben dem auf Mittelmeerwärme regulierendem Heizkörperthermostat.


    Kaub - Burg Gutenfels und Burg Pfalzgrafenstein (die im Rhein)

    Von oben drückt die niedrige Nebeldecke in Variationen aller malbaren Grautöne. Ganz oben ist es kalt. Ruhiges Hochdruck-Winterwetter. Vereinzelte Bäume, zum Rhein hin dunkler Waldrand nackter Baumstämme. Der große Landschaftsrest ist verfrorene, mit Reif überzogene Feldlandschaft. Fernsichten sind nur zu erahnen. Das könnte der Tag werden, der den Kopf auf Reisen schickt. Was soll der sonst tun? Er möchte nicht. Dem ist es zu grau, zu nebelig, zu kalt. Ein Café, eine offene Kneipe, das könnte gefallen. Beides gibt es nicht. Bornich ist vernagelt. Weisels Dorfansicht taucht kurz aus dem Nichts auf. Da will ich nicht hin. Im Hotel in Dörscheid mit Panoramablick ins Rheintal brennt Licht. Man hat bestimmt einen Kaffee für mich. Doch da lockt schon das Rheintal und der Fahrplan der Deutschen Bahn.

    Lorch, nicht Kaub, sollte der Endpunkt werden. Stunden vorher auf dem Feldweg parallel der Loreley-Burgen-Straße hatte ich das geknickt. In Kaub wird Schluss sein. Einmal hoch von St. Goarshausen nach Patersberg, wieder auf halbe Loreleyhöhe hinunter, dann hoch zur Loreley und zum Schluss über die Taunushöhe nach Dorscheid, von da flott nach Kaub am Rhein. Das ist auch was. An einem Tag wie heute sowieso.


    Kaub - Burg Pfalzgrafenstein ("die Pfalz bei Kaub")

    In Kaub hat Blücher, der "Marschall Vorwärts", in der Neujahrsnacht 1813/14 mit seiner Armee den Rhein überquert. Ob seine Soldaten über Kälte gejammert haben, ist nicht überliefert. Blücher hätte das nicht interessiert. Sie hatten eh keine andere Wahl als über den Rhein zu setzen. Entweder rüber oder das Tal wieder hoch, aus dem sie gekommen waren. Eine Rheinuferstraße gab es nicht, die Eisenbahn fehlte auch noch. Kaub war damals wie viele Dörfer am Oberen Mittelrhein nur über gammelige Stichstraßen von den Anhöhen erreichbar.

    Der private Besitzer des Kauber Bahnhofs hat einen kleinen Warteraum eingerichtet. Das darf Schule machen. Videoüberwachung und Heizung inklusive. Ich liebe warme Heizkörper.

    Zehnte Etappe: Kaub – Aulhausen - (Assmannshausen)


    Kaub - Burg Gutenfels

    Strecke machen

    Es soll endlich Schluss sein mit Etappen im „Tippelschrittmaß“. Das Ende des Rheinhöhenwegs ist zwar nicht um die Ecke, doch jetzt zu erahnen. Nur noch 90 Kilometer bis zum Wiesbadener Kurpark. Das passt in drei normal lange Etappen. Vom Wetterbericht kommt grünes Licht: trocken, Wolken, gelegentlich sogar Sonne und blauer Himmel. Die Tage sind auch länger geworden. Das suchen nach Ausreden fällt zunehmend schwer. Eine ist parat. Nicht 90 Kilometer Restweg, auch 90 Kilometer Anfahrt mit dem Auto über Land- und Bundesstraßen kommen jetzt zusammen. Beinahe alles am Rhein entlang. Macht anderthalb Stunden Fahrt. Es hilft nur der Aufbruch im Morgengrauen.


    Sauerburg

    Um diese Jahreszeit verzweifelt der Rheinurlauber nicht an der Parkplatzsuche. Das Nummernschild meines Autos fällt am Rheinuferparkplatz neben all den RÜD und EMS, den wenigen GOA aus der Reihe. Einer aus Nürtingen oder Nürnberg werde manche denken. Und das im Winter! Bestimmt ein Gast, der sich in die Jugendherberge verirrt hat.

    Der in seine Felduniform gehüllte Blücher schaut über seine Schulter zu mir hinüber, weist mit dem rechten ausgestreckten Arm zur Rampe der Rheinfähre. Geste und Blick entnehme ich, dass er mein Vorhaben nicht billigen würde. Falsche Richtung.


    Ruine Waldeck

    Sonst so? Der übliche Trott aller Rheinhöhenwanderer. Den Berg hinauf. Der Anstieg aus Kaub hoch auf den Felssporn mit der Burg Gutenfels hat es mal wieder in sich. Ich stelle mir vor, wie hier bei Staus – vielleicht wenn ein Festival auf der Loreley stattfindet und die energische Frauenstimme des Navis mal wieder eine sorgsam ausgetüftelte Route wie warmes Bier angeboten hat, um den Stau in St. Goarshausen zu umfahren – wo war ich?, ach ja, wie Ungeübte hier beim Anfahren am Berg ihre Kupplung verheizen. Nur ein einziges Auto ist die steile Straße hoch gekommen, als ich zur Burg abbiege. Keine Festivalsaison.


    Auf dem Mandelberg

    Oben wird gemütlich Tempo gemacht. Der "Bergschnitt“ muss auf die Mühen der Ebenen hoch getrieben werden. Der Europäische Fernwanderweg E3 ist ein Stück weit dabei. Hinter mir geht es nach Spanien. Über eine Wiese am Hof Sauerberg, eine der ganz wenigen offenen Landschaften heute, halb hinab bis zur Sauerburg. Geschlossen, vernagelt, Videokamera. Ich hangele mich entlang der Grenze Rheinland-Pfalz/Hessen zum Tiefenbach runter. Am Ortsausgangsschild von Sauerthal ist es geschafft: Nach Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz laufe ich in Hessen ein. Es ist noch kein Mittag, als ich durch Lorch trabe. Es läuft gut, so gut, dass ich auf den letzten Kaffee verzichte, der am Rhein möglich ist.

    Tatsächlich ist das kleine Städtchen der letzte Rheinort, den der Rheinhöhenweg durchquert. Für den langen Schlussspurt bis Wiesbaden hat man sich an den Taunushauptkamm gehalten. Baum, Baum, Baum, Baum, Baum … bis Wiesbaden. Es wird nur wenige Ausblicke hinunter ins Rheintal geben. Verbissen freue mich schon jetzt wie Bolle. Ab Lorch wird aus der liebgewordenen Freizeitbeschäftigung Pflicht werden. Durchhalten werde ich. Vor zwanzig Jahren war das schließlich auch möglich. Damals hatte ich jedoch nicht den Vergleich zu spanischen Wanderwegen auf sonnenverbrannter Erde, unter glühender Sonne – im Winter! Grau-schwarz-braune laublose Wälder, grün-braun-grau stumpfe Wiesen wurden vor der Jahrtausendwende noch klaglos mangels Kenntnis südländischer Wanderrouten hingenommen. Sehnsucht.


    Auf dem Teufelskadrich

    Vierhundert Meter muss ich hoch. Stetig. Meter um Meter. Waldwirtschaftsweg nach Waldwirtschaftsweg. Baum neben Baum. Die Zwölf Apostel, eine Buchengruppe, eigentlich zwei. Die alten Bäume stehen nicht mehr alle. Daneben, sorgsam eingehegt hinter Maschendraht wachsen 12 neue dünne Stämmchen nach. Die Eiserne Hand, ein vergammelter Rastplatz. Daneben wachsen eine Handvoll Thujen in den Himmel. Auch als ausgewachsener Baum keine Schönheit. An beides kann ich mich wieder erinnern, als ich davorstehe. Von Lorch hier hoch ist das der ehemalige Kaufmannsweg. Als das Fahrwasser im Binger Loch noch aus mehr Felsen als Wasser bestand, musste die Fracht der Rheinkähne zwischen Lorch und Rüdesheim über diesen Landweg transportiert werden. Im Wald immer wieder große Flächen mit alten, kerzengeraden Douglasien. Die 30 Jahre alte Wanderkarte verspricht am Forsthaus Kammerforst noch ein Lokal. Der Mühe, mich auf einen Kaffee zu freuen, spare ich mir. 30 Jahre hält in dieser Abgeschiedenheit kein Gasthaus durch. Das Forsthaus und alles drumherum sieht verlassen aus. Nebenan im Wald rostet landwirtschaftliches Großgerät unter den Bäumen dahin – wie so oft.


    Assmannshäuser Höllenberg

    Ein letzter „offizieller“ Blick ins Rheintal vom Teufelskadrich. Nur ins Rheintal, denn im Rücken steht eine hässliche Gittermastkonstruktion, die unser aller mobiles und virtuelles Leben am Leben hält. Im Schaltkasten klackt es unaufhörlich. Na, es wird doch nicht! Unter dem Kadrich verläuft der Rheingauer Riesling-Pfad. Immer schön auf halber bis Fast-oben-Höhe dem Rhein folgend. Wälder hat der fast keine. Aussichten! Das hat vor 15 Jahren das Projektbüro Rheinsteig mitbekommen und kurzerhand die Rheinsteig-Markierung neben den für den Riesling-Pfad nageln lassen.


    Höllenritt

    Bei den ersten Häusern von Aulhausen biege ich zum Rhein ab. Mache mit den Hessenweg 7 runter ans Rheinufer. Assmannshausen hat einen Bahnhof. Beim ersten Haus stoße ich auf einen Schrein mit Fastnachtsgedöns, Orden hauptsächlich. Weiter oben waren noch Bildstöcke in die Weinbergmauer eingelassen. Eindeutig höher positioniert. Der im Rheinland praktizierende Pastor wird zufrieden sein. Es ist Fastnachtszeit, und ich bin immer noch im Rheinland, wenn auch in dessen südlichen Anhängsel. Muss ich erwähnen, dass in Assmannshausen im Winter nicht eben der Bär tanzt? Im Frühjahr geht es los. Dann kann wer will „Weinwandern“. Leistungswandern im roten Bereich. Das Dorf Assmannshausen hat eine Sonderstellung im Rheingau: der Rheingau ertrinkt im Riesling, nur Assmannshasusen macht nicht mit, die bauen Spätburgunder an. Er soll Weltruf genießen! Sogar Pilz- und Kölschkenner werden bei der farblichen Zuordnung keine Probleme haben.

    Begonnen mit dem Rheinhöhenweg habe ich mit dem Beginn der Karnevalszeit, will ich bis zum Ende der Fastnacht am Aschermittwoch fertig werden, muss nicht nur das Wetter halten, ich muss meine tiefe Abneigung gegen winterliche Waldbegehungen hintenan stellen. Mal sehen. Laufen tut's ganz gut. Daran soll es nicht scheitern.
    Geändert von Werner Hohn (25.02.2020 um 18:38 Uhr) Grund: + 10. Etappe
    .

  9. Anfänger im Forum
    Avatar von Freddi63
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    AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #9
    Kein .gpx für Lahnstein-Osterspay?

    https://www.fernwege.de/gps/tracks/r...eig/index.html
    Viele Grüße von Freddi

  10. AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #10
    Nein, das ist alles für den Rheinsteig für den es im Netz Tracks in Hülle und Fülle gibt.
    .

  11. AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #11
    Rheingau/Taunushauptkamm: Assmannshausen - Wiesbaden

    Elfte Etappe: Assmannshausen – Hallgarter Zange – (Oestrich Winkel Mittelheim)


    Kloster Nothgottes

    Nach Osten

    Genau genommen bin ich schon seit Lorch im Rheingau unterwegs. Im touristischen und im geografischen, sogar im Weinlagen-Rheingau! Die von der Sonne geflutete Ecke rund um den Rheinknick mit den Steillagen haben sich weder Rheingau-Tourismus noch die Rheingauer Winzer entgehen lassen. Am Teufelskadrich kippt das Rheingaugebirge in den Rhein. Das war eine Etappe vorher. Und ab Assmannshausen ist nicht mehr der Süden das Ziel, ich muss für 3 Tage nach Osten. Der Rheinhöhenweg bleibt fern der sanften, ereignislosen Hängen der Rheingauer Rebenlandschaft.


    Kloster Marienthal

    Auf den Rheinuferstraßen steht zwar kein Wasser mehr wie vor zwei Wochen, doch der Rhein führt noch immer leichtes Hochwasser. Schnell fließendes Rheinwasser, starke Gegenströmung sind für einige Frachtschiffe „zu Berg“ Kampf. Die „Rheinland“, einer der letzten Schlepper am Rhein, fährt Vorspann für einen beladenen Schubverband auf Gebirgsstrecke zwischen St. Goar und Bingen.

    Zum Niederwalddenkmal mit der Germania, die immer noch hoch über dem Rhein die Wacht hält, und neben der grauenvollen Drosselgasse Rüdesheims weltweit bekanntes Wahrzeichen ist, muss ich heute nicht. Gut so. Gegen engstirnige, verbohrte Wachthaltende habe ich einen deutlichen Widerwillen!


    Am Elsterbach unterhalb Stephanshausen

    Aulhausen oben, so, ab jetzt wieder auf dem Rheinhöhenweg. Der letzte Blick hinab zum Rhein, der sich tief in den Rheinischen Schiefer gegraben hat. Das war's mit dem „romantischen Rhein“. Was noch kommt ist keine Romantik mehr. Geile-Aussicht-Ecken sind nicht mehr zu finden. Keine Steilhänge, keine Blicke ins tiefe Tal. Stattdessen geneigte Weinfelder, die sich an sanften Anhöhen entlang wellen, unten, weit weg der ausufernde Rhein. Auf der anderen Flussseite das Mainzer Becken, die nicht wirklich hohen, schon gar nicht steilen Höhen Rheinhessens. Weiter nach Südosten, Ingelheim und Mainz. Alles nicht wirklich sehenswert aus der Ferne.

    Der Rheinhöhenweg trägt dem Rechnung: Der Taunushauptkamm gibt jetzt den Weg vor. Immer um die fünfhundertfuffzig Höhenmeter pendelnd, der Kammlinie folgend. Fünfzig und mehr Kilometer Wald am Stück. Nennenswerte Aussichten werden nicht am Weg liegen. Freie Landschaften, wo man aufatmen könnte noch weniger. Weite Blickachsen, keine! Bis zur Wiesbadener Stadtgrenze im Nordosten nur hochstämmiger Laubwald, wenn ich's mal wieder ganz schlecht antreffe, dunkler Tannenwald unter dessen dichtem Nadeldach jeder Sonnenstrahl verhungert.

    Das vormalige Kloster Nothgottes ist nur noch in meiner alten Wanderkarte ein ehemaliges Kloster. Heute ist es Heimat einiger Zisterzienser-Mönche aus Vietnam. Danach das Kloster Marienthal mit Wallfahrtskirche. Zwischen beiden Klöstern eine winzige Anhöhe, ein letzter Blick in die Weite. Erinnerungen an die Klöster. Die können auch von der Rheinsteig-Wanderrung herrühren. Für die Erinnerung vorwärts,in den Wald hinein, reicht es nicht. Da ist ein großes Loch. Was noch kommt, nicht erinnerungswürdig?


    Taunushauptkamm - Zwischen Sieben Wegweiser und Grauer Stein

    Hinter dem Kloster geht es aufwärts und nach Norden. Autoren gedruckter Wanderführer der Vor-Internet-Zeit hätten ihre Freude:

    Am Ende der Spitzkehre nehmen Sie den Weg, der hinter der Wallfahrtskirche nach links abzweigt. An der nächsten Gabelung, noch im Klostergelände, im Tal bleiben, bis linkerhand die laut brummende Pumpstation eines Wasserversorgers auftaucht. Hier wechseln Sie zur anderen Bachseite. Über einen breiten Waldweg geht es unter hohen Laubbäumen stetig aufwärts, bis zu den ersten Wiesen unterhalb von Stephanshausen. Folgen Sie der Dorfstraße, bis Sie zu einem Platz kommen, der von einem Bronzedrachen geziert wird. Bänke bieten sich auf dem sonnenbeschienenen Dorfplatz für eine Pause an. Danach weiter die steilste Ortsstraße hinauf, das ist Laystraße, gefolgt von In der Lay, die zum Schluss den Namen des Rheinhöhenwegs übernimmt. Aufmerksamen wird es nicht entgangen sein, dass ab Stephanshausen die bisher so zuverlässige Markierung (schwarzes R auf weißen Spiegel) nun ein weißes R auf schwarzem Spiegel ist. Sobald der Rheinhöhenweg die Höhen des Taunushauptkamms erreicht, werden Sie wieder auf die vertrauten Schildchen des Rhein-Taunus-Klubs treffen.

    Soweit die mögliche Schilderung für einen fiktiven Wanderführung auf Papier. Das wird es nie mehr geben. Allenfalls einen Flyer fürs Touri-Büro mit Link-Verweis zu GPX-Track, Gaststätten und Unterkünften am Weg.


    Taunushauptkamm - Grauer Stein

    In Stephanshausen das letzte Stück freier Himmel, bevor ich tatsächlich in den Taunuswäldern unter gehe. Der Rhein fließt auf 70 Höhenmeter, ich muss hoch auf gut 600. Der Europäische Fernwanderweg ist erneut dabei und der Taunushöhenweg. Die Markierung aller Routen ist saumäßig gut. Meine Hauptbeschäftigung im Wald: Blicke entlang ellenlanger gerader Waldwirtschaftswege, gemacht und super in Schuss gehalten für Holzlaster. Immer noch den Berg hoch. Oben wellig. Nicht steil. Mir ist kalt. Die Sonne ist verschwunden. Beim Grauen Stein kommen mit zwei Wanderer entgehen. Einer hat eine gefaltete Isomatte unter dem Rucksack. Entweder pennt der in der Pampa oder macht eine Testwanderung. Bevor das in meinem Kopf klarkommt, sind beide verschwunden.


    Aussichtsturm Hallgarter Zange

    Um die Kalte Herberge (613 m, höchster Berg im Rheingaugebirge), große Kahlschlagflächen. Geschlagene Fichtenmonokultur säumt den Weg. Entrindet, nach Länge sortiert, harren sie dem Preisanstieg. Kurzer Abstecher zur Hallgarter Zange. Restaurant zu, Klettergarten verwaist und einer Frühjahrsüberholung bedürftig. Die eiserne Wendeltreppe an der Außenwand hoch mit der Vorstellung, oben könnte es eine gute Sicht in alle Richtungen geben. Oben ist alles abgeschlossen. Ein Foto vorne das Fenster rein, hinten das Fenster wieder raus. Vermutlich quer durch den Trauraum des Standesamts.


    Rheingau - Weinlage Klosterberg und Taunushauptkamm

    Ab hier hätte ich noch gut 2 Stunden bis Schlangenbad. Dort könnte ich einen Bus erreichen. Mir reicht es. Die Vorstellung noch 2 bis 3 Stunden durch winterlichen Wald ohne Fernsichten zu traben, lässt die winterlich öden Rebflächen des Rheingaus im besten Licht erscheinen. Hinunter zum Rhein, zur Bahnlinie und den nicht wirklich sehenswerten Rheinorten. Acht Kilometer, fünfhundert Höhenmeter immer bergab. Zunächst Wald, dann Wiese, dann Rheingauer Weinlagen. Würzgarten, Klosterberg, Edelmann, St. Nikolaus. Was ich zu sehen bekomme ist für Weinlesemaschinen geeignet. Dem steht der Weltruf entgegen.
    Geändert von Werner Hohn (04.06.2020 um 14:56 Uhr)
    .

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    AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #12
    Schön zu lesen (vor allem während kaltem Sauwetter glücklich nahe der Heizung ), aber da ich bei solchem Wetter auch öfter unterwegs bin: Eine Thermoskanne mit Heißgetränk wirkt Wunder, eine Ecke Brot oder Kuchen dazu noch viel mehr. Nimmst Du nie sowas mit?

  13. AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #13
    Nee. Aus Tradition plündere ich morgens den Schokobrötchenvorrat des ersten Bäckers an der Zufahrtsstrecke. Kaffee koche ich mir meist selbst. Wofür hat man einen Gaskocher mit Titanpott! Beides geht leider nicht immer mit.

    Kaffeepause bei Linz am Rhein

    Der Frust kommt von Wald und grauem Himmel. Wer mehr als 97 % seines Lebens nie weiter als 70 Meter vom Wald weg gewohnt hat, bzw. wohnt, trällert keine Jubelarien wenn er unter Bäumen wandern muss.
    .

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    AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #14
    Ok, dann ja doch Ich las oben nur von vielen Kaffee-Unmöglichkeiten wegen geschlossener Wirtschaften. Meinerseits muss eins immer mit, entweder Thermoskanne oder Kocher. Im Winter eher die Kanne. Stranden im Nirgendwo (meine Spezialität ) lässt sich besser aushalten mit etwas übrigem heißen Tee (und Daunenweste).
    Geändert von lina (23.02.2020 um 22:36 Uhr)

  15. AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #15
    Zitat Zitat von lina Beitrag anzeigen
    Ich las oben nur von vielen Kaffee-Unmöglichkeiten wegen geschlossener Wirtschaften.
    Das ist auch als Anspielung auf meine 30 Jahre (Auflagedatum) alten Wanderkarten gemeint. Es ist erstaunlich, wo und wie viele Gasthäuser oder Ausflugslokale es damals auf dem Land noch gegeben hat. Bei manchen versteckten oder in der weiten Pampa verteilten Häusern kann ich heute nur den Kopf schütteln und mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die jemals Gewinn abgeworfen haben.
    Geändert von Werner Hohn (23.02.2020 um 23:07 Uhr)
    .

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    AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #16
    Gut, der Gewinn … aber immerhin waren die Öffi-Verbindungen besser, und wahrscheinlich auch die Sonntagsausflüge häufiger.

  17. AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #17
    Hmm, ich denke eher an Bauernhöfe, ehemalige Mühlen oder Forsthäuser mit Ausschank oder Wochenendkarte. Mit dem ÖPNV waren die nie erreichbar, mit dem Auto schon. Die Leute haben heute andere Erwartungen. Lokal und regional ist zwar schön, sollte ab immer erreichbar sein und zwar so, dass das liebe Auto nicht versaut wird.

    Als typischer Stellvertreter dieser Zeit fällt mir der Forsthof ein.

    Forsthof bei Hammerstein

    Der liegt einsam direkt am Rheinhöhenweg und in Sichtweite vom Rheinsteig (400 m). Die Woche über macht der Landwirtschaft, am Wochenende gibt es Getränke und Kleine Karte. Das rentiert nur, weil regelmäßig Schlachttage oder jetzt eine Karnevalsparty stattfinden. Hinkommen mit dem Auto ist umständlich, das Auto wird auch dreckig!, mit dem Bus nicht möglich und zu Fuß anstrengend, weil es steil den Berg hoch geht. Im Umkreis von 2 km gab es früher mindestens noch 2 dieser Höfe. Alle haben das Gastgewerbe aufgeben; und finden sich noch alle in meinen Wanderkarten wieder. Das zieht sich das ganze Mittelrheintal entlang. Unten sind die Hotels, von denen die meisten im Winter dicht sind, und die Supermärkte in den großen Orten, bzw. deren Gewerbegebieten.

    Im Winter ist sowieso alles ausgestorben. UNESCO Welterbe, Romatischer Rhein, Rheinsteig und Rheinburgenweg usw. zum Trotz. Sogar die Koblenzer Seilbahn fährt im Winter nur über den Jahreswechsel zur Festung. Es lohnt nicht, haben die Österreicher gesagt.
    Geändert von Werner Hohn (16.03.2020 um 17:50 Uhr)
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  18. Alter Hase

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    AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #18
    Wir machen solche Wanderungen überwiegend im Winter. Da begegnet einem entweder niemand oder 1-2 Wanderer pro Tag. Ich finde es nicht überraschend, dass dann die Ausflugsgaststätten geschlossen haben. Der Sommer hat so seinen Reiz - aber dann ist gerade am Rhein auch viel Betrieb. Und die gaststätten sind geöffnet, aber man bekommt keinen freien Stuhl.

    Die Wege, auf denen das Auto dreckig würde, sind heutzutage zumeist gesperrt. Was ich auch richtig finde.

  19. AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #19
    Enja, die sind nicht nur im Sommer geschlossen, sondern seit Jahrzehnten. Das waren (sind) auch keine reinen Gaststätten, oft Bauernhöfe, Forsthäuser und anderes. Ausflugslokale, die sich halten, brauchen ein Ballungszentrum mit Nahverkehr, guten Zufahrtsstraßen und ausreichend Parkplätze. Dann können die Jahrzehnte durchhalten.

    Das Siebengebirge fällt mir auf Anhieb ein. Nicht nur sehr nahe an der Bonner Stadtgrenze, es ist sogar Teil des Bonner Stadtgebiets, und man kommt sehr gut mit dem Bus auf die Höhen. Wer möchte, muss dann nur noch den Berg hinunter wandern und findet dort wieder gute Anschlussmöglichkeiten des ÖPNV. Das nutzen auch gerne MTB-Fahrer. Mit Bus und Rad hoch zur Margarethenhöhe, dann downhill runter. Dazu noch attraktive Ausflugziele, wie den Drachenfels. Sogar das dortige Restaurant macht im Winter nur an Wochenenden auf. Dann bleibt nur das Bistro, dass eigentlich nur Getränke ausschenkt.

    Auf den den Rhein umschließenden Anhöhen von Eifel, Hunsrück, Westerwald und Taunus ist tote Hose - und das absolut! Ich wohne auf einer, es ist also keine Theorie. Wenn es etwas touristisches Leben im Winter gibt, dann im Rheintal. Sogar dort sind 80 % aller Hotels und Restaurants im Winter geschlossen. Das lässt sich leicht nachprüfen. Bei einem der bekannten Buchungsportale mal nach einem Hotel in Assmannshausen suchen, schon ist man schlauer.

    Wenn es Gastätten gibt, machen die erst gegen Mittag, oft erst am Nachmittag auf. Das ist gut für Kaffee-Wanderer*innen, ich bin um diese Uhrzeit meist schon durch und stehe am Bahnhof.
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  20. AW: [DE] Rheinhöhenweg: Rechtsrheinisch zu Berg

    #20
    Zitat Zitat von Enja Beitrag anzeigen
    Die Wege, auf denen das Auto dreckig würde, sind heutzutage zumeist gesperrt. Was ich auch richtig finde.
    Die sind mindestens für Anlieger frei, denn sonst würden weder der Bauer, noch die Versorger zu den Bauerhöfen kommen. Wenn ein Lokal dazu gehört, ist auch der Gast Anlieger. Ich lade dich gerne ein, auf eine legale Spritztour auf diesen Wegen.
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