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  1. [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #1
    Mitreisende: Libertist
    Land: Grönland
    Reisezeit: August-Oktober 2017
    Dauer: 7 Wochen (die gesamte Reise dauerte 3 Monate)

    Zusammenfassung: Dies ist der längste Teil meiner Berichte-Serie aus Grönland, wahrscheinlich auch der interessanteste. Der erste Tour-Abschnitt (ab Paamiut) ging aus mehreren Gründen ziemlich daneben: mangelnde Fitness eines Mitreisenden, eine Woche Dauerregen und Wind, schließlich noch ein Unfall mit Helikopter-Bergung. Der zweite Teil (ab Arsuk) lief größtenteils gut, nur wurde eines unserer Nahrungsdepots ausgeraubt, weshalb wir in der letzten Woche auf harter Diät waren. Zum Abschluss verbrachte ich noch zehn Tage allein in der Gegend um Narsarsuaq, hatte dort also Zeit, die Gegend zu erkunden und etwas zu entspannen.


    Südgrönland bei Sonnenuntergang.


    Anfang September setzten dann die Herbstfarben ein.


    Mit dem Packraft vor einer riesigen Gletscherzunge.


    Nordlichter über dem Zelt.

    Zur Planung: Ich wollte die gesamte Strecke von Paamiut nach Narsarsuaq zurücklegen, zu Fuß und mit Packraft. Das waren etwa 470 km, hier der grobe (!) Routenverlauf: Paamiut - Narsarsuaq

    Paamiut und Narsarsuaq haben Flughäfen, sind also mit Air Greenland erreichbar. Dazwischen lag nur Arsuk, eine Siedlung, die im Sommer zweimal wöchentlich von einem Passagierschiff (Arctic Umiaq Line) angefahren wird. Dieses Schiff fährt von Qeqertarsuaq in Westgrönland bis ganz in den Süden nach Qaqortoq und wieder zurück – pro Richtung ist man ca. vier Tage unterwegs. Die Route von Paamiut nach Narsarsuaq konnte ich also in zwei Teilstrecken teilen, mit Arsuk in der Mitte.

    David, ein Freund von mir aus Alaska, selbst Bergsteiger und Guide, wollte mich auf die gesamte Distanz begleiten. Bernhard, ein mit mir befreundeter Fotograf aus Wien, kam auf die erste Teilstrecke mit. Auf die zweite Teilstrecke begleiteten mich Philipp, Sofias Cousin, und Madeleine, eine Logopädie-Kollegin von Sofia.

    In Arsuk selbst gibt es nicht viel zum Einkaufen, zumindest kaum etwas, das sich zum Mitnehmen auf Trekking-Touren eignen würde. Deshalb legten meine belgischen Freunde, von denen ich euch im ersten Bericht schon erzählt habe, zwei Verpflegungsdepots für mich an: Eines HIER, das andere HIER (die Verpflegung hatte ich bereits im April nach Belgien geschickt).

    Eigentlich wollte ich mich am 14. August mit Bernhard und David in Nuuk treffen. Bernhards Flieger war pünktlich, aber Davids Ankunft verschob sich immer weiter nach hinten, bis klar war, dass das nichts mehr werden würde. Wir zelteten zu zweit unweit des Flughafengeländes in Nuuk.

    Am nächsten Vormittag sollte unser Flieger nach Paamiut gehen. Zum Glück war auch dieser Flug so stark verspätet, dass David vorher noch eintraf und wir dann endlich zu dritt abhoben. Leider konnte der Pilot in Paamiut nicht landen, zu dichter Nebel, deshalb ging es direkt weiter in den Süden nach Narsarsuaq. Dort wurde getankt, es folgte ein weiterer Versuch, in Paamiut zu landen. Daraus wurde wieder nichts, diesmal landeten wir in Kangerlussuaq und übernachteten dort in einem Hotel.

    Am 16. August ging es dann zurück zum Ausgangsort, Nuuk, und anschließend endlich erfolgreich nach Paamiut – also mit einem Tag Verspätung. Dort angekommen marschierten wir die Straße entlang vom Flughafen ins Dorfzentrum zum Museum, wo ein Verpflegungspaket für mich hinterlegt war (auch das hatten meine belgischen Freunde dort deponiert). Das Museum hätte offen sein sollen, zumindest laut offizieller Öffnungszeiten am Eingang, leider war niemand auffindbar. Es dauerte zwei Stunden, bis ich mich endlich von der Kirche, in der gerade eine Beerdigung stattfand, zur kommunalen Behörde und weiter zum Schulrat durchfragte, bis ich endlich den Mann fand, der den Schlüssel hatte. In Grönland nimmt man es mit Verantwortlichkeiten nicht so genau.

    David und Bernhard kauften währenddessen eine Schrotflinte und 25 Schuss Munition. Das ist in Grönland ganz einfach, besondere Papiere braucht man keine. Der Kauf einer Waffe wurde uns zuvor von der Polizei dringend angeraten, es wurden in den vergangenen Woche schon einige Eisbären in der Gegend gesehen, weiter südlich waren es noch mehr. Immer wieder treiben die Bären auf Eisschollen in den Süden Grönlands, wo sie dann den Siedlungen und Schafsfarmen gefährlich nahe kommen. Auch die Locals sind stets mit Waffen unterwegs, wenn sie sich weit von zuhause wegbewegen, wurde uns gesagt.

    Um 17 Uhr war alles gepackt und wir waren abmarschbereit. Und schon ging es nach Süden, zuerst über einen Weg, vorbei am Friedhof, dann querfeldein. Es begann zu regnen und wir mussten immer wieder Pausen einlegen, weil Bernhard nicht mit dem Rucksackgewicht klarkam. Spät am Abend bauten wir unweit des Kvanefjords die Zelte auf, ich war bereits sehr pessimistisch, was die Aussicht auf die nächsten Tage anging… Bis nach Arsuk war es weit, und wenn wir weiterhin in diesem Tempo gehen würden, würden wir vielleicht gerade einmal die Hälfte schaffen, dachte ich.


    Aufbruchsstimmung am Dorfmuseum.


    Friedhof von Paamiut







    Am nächsten Morgen dann Lagebesprechung. Wir waren uns einig: Die Aussichten waren trüb. Nicht nur wegen des konstanten Regens, der laut Wettervorhersage noch einige Tage anhalten sollte, sondern vor allem wegen der körperlichen Verfassung meines Reisepartners. Als nächstes stand die Überquerung des Kvanefjords auf dem Programm, das waren etwa 5 km Paddeln bei zunehmendem Wind - danach gab es kein Zurück mehr, vor Arsuk gab es keinen Ausstieg. Einfach so weit zu gehen, wie wir können, und danach per Satellitentelefon eine Abholung zu organisieren, war kostspielig und riskant, vor allem wegen des Wetters: Bei starkem Wind und Wellengang fährt kein Motorboot aufs Meer hinaus.

    Ich war sehr enttäuscht, aber die Entscheidung war eigentlich klar: Wir mussten zurückgehen und im Hafen von Paamiut einen Fischer finden, der uns mindestens ein Drittel der Strecke mit dem Motorboot bringen kann. Nur dann hätten wir die Chance, Arsuk zu erreichen. Und wie gesagt: Ein Stück zu überspringen und dann Arsuk zu erreichen ist viel einfacher zu organisieren, als von Paamiut loszugehen, und unterwegs eine Abholung zu benötigen. Also gingen wir zurück nach Paamiut und schauten uns am Hafen um. Bis sich das Wetter besserte, würde keiner aufs Meer fahren, wurde uns gesagt…

    Nun brauchten wir eine Unterkunft; leer stehende Gebäude gab es ja einige. Ein Polizist (es gab zwei in Paamiut!) deutete auf das ehemalige Pfadfinder-Gebäude, das nun verwahrlost, vermüllt und ohne Fenster am Rande des Dorfes stand. Na gut, wir räumten etwas auf und machten es uns bequem. David legte seine Matte am Boden aus, Bernhard und ich bauten aufgrund des Windes im Haus zusätzlich das Zelt auf. Das war der 17. August.

    In den folgenden Tagen verschlechterte sich das Wetter noch. Es regnete die ganze Zeit, dazu Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Jeden Tag erkundigten wir uns bei den Fischern, aber keiner wollte aufs Meer hinaus. Uns war so langweilig und kalt, dass wir am 20. August, sonntags, in die Kirche gingen. Die Kirche war beheizt, außerdem konnten wir so ein paar Dorfbewohner kennenlernen.

    Die gute Tat, pünktlich zum Gottesdienst zu erscheinen, wurde am nächsten Tag belohnt: Die Kommune bot uns eine leeerstehende Gemeindewohnung an, in der wir bleiben konnten, so lange wir wollten. So richtig mit Heizkörpern und Dusche… genial. Dort bauten wir zum Spaß die Packrafts auf und als es gerade mal nur nieselte, fuhren David und Bernhard ein bisschen um die Inseln herum, die es bei Paamiut gibt. Ich erkundete währenddessen das Dorf und fand die Erklärung dafür, warum um die Stadt herum so viel Müll im Meer schwamm: Die Mülldeponie lag direkt am Wasser.

    Dass wir uns mit diesen Gummibooten aufs Meer trauten, überzeugte nun auch einen Fischer. Er willigte ein, uns am nächsten Tag für umgerechnet €500 ein ganzes Stück nach Süden zu bringen, bis Sermiligarssuk. In der Nähe wartete auch bereits unser erstes Verpflegungsdepot auf uns. Also fuhren wir am 23. August endlich nach Süden, eine gefühlte Ewigkeit in Paamiut kam schließlich zu einem Ende. Der Bootsmann wollte uns leider nicht so weit fahren, wie es uns lieb war, somit mussten wir noch ein paar Stunden paddeln, bis wir endlich an Land gehen konnten.


    Die Rumpelkammer vor dem Aufräumen...


    …und danach.


    Nur etwa 3% der Dorfbewohner waren in der Kirche anzutreffen. Nicht gerade sehr fromm, diese Grönländer.


    Nach dem Umzug in die beheizte Wohnung.








    Mülldeponie in Paamiut.





    Eine Robbe interessierte sich für mein Packraft.




    Das Verpflegungsdepot war nun etwa 1 km entfernt von unserem Lagerplatz. Es direkt aufzusammeln und Richtung Arsuk zu ziehen, wäre mühsam gewesen: Wir hatten noch Essen für ca. 1 Woche dabei, im Depot war Essen für weitere 18 Tage. Mit so viel Proviant, zusätzlich zu den Packrafts und all der anderen Ausrüstung, wären wir dann kaum noch vorwärts gekommen. Außerdem hatten wir es nun so eilig auch wieder nicht. Also entschieden wir, noch eine 4-Tages-Rundtour in der Gegend zwischen den Gletschern Sermiligarssuk Brae und Sioralik Brae zu unternehmen. Die Gipfel liegen dort in einer Höhe von über 1.000 m. Das Wetter war noch immer schlecht, es regnete viel, und als wir in den höheren Lagen sofort wieder in den Wolken verschwanden und keine Sicht mehr hatten, brachen wir auch diese kleine Rundtour ab und machten uns auf den Weg zum Verpflegungsdepot, das wir gut verpackt und in tadellosem Zustand vorfanden.

















    Schon wieder Regen? Naja, zumindest ist Grönland berechenbar.


    Man macht das Beste draus…





    David aus Alaska, mit Flinte und Alpenhut.


    Beim Sortieren unserer Lebensmittel.

    Am 27. August ging’s dann endlich los nach Arsuk, neun Tage blieben uns noch dafür. Ein Kinderspiel, eigentlich. Bis zum 29. ging auch alles gut, wir überquerten einen großen Gletscherfluss, marschierten auf der anderen Seite auf das in 800 m Höhe gelegene Plateau und paddelten über einen großen See.


    Bei dieser Flussquerung nutzten wir nur ein einzelnes Boot, das wir jeweils mit einem Seil leer wieder zurückzogen. Diese Prozedur kostete letztendlich mehr Zeit, als wir gebraucht hätten, wenn jeder sein eigenes Boot genutzt hätte.





































    Am Nachmittag des 29. Augusts hatte ich dann einen Unfall. Wir gingen entlang einer steilen Bergflanke, ich voran, als sich unter meinen Füßen plötzlich eine Steinplatte löste. Ich stürzte etwa 3-4 m fast im freien Fall hinab, danach rollte ich noch weitere Meter über Felsen, bis ich irgendwann zum Erliegen kam. Geradeso konnte ich mich bei Bewusstsein halten, Bewegungen waren kaum möglich. Nach kurzer Zeit waren die beiden Männer bei mir, nahmen mir den Rucksack ab und halfen dabei, mich hinzusetzen. Ich hatte Wunden über den ganzen Körper verteilt, überall Blut und Schmutz. Nach kurzer Untersuchung wurde klar, dass Kopf, Rücken und Bauch fast unversehrt waren – Rucksack und Kameratasche hatten diese Körperteile geschützt. Brüche hatte ich auch nicht, nur Wunden. Nach und nach reinigte David meine Wunden zuerst mit Wasser, die tiefen Wunden dann zusätzlich mit einer Spritze und Alkohol. Die Wunde am Bein war so tief, dass das Fett herausquoll, das musste unbedingt genäht werden. Zwei weitere Wunden am Arm sahen auch gefährlich aus, aber Verbände reichten. Meine rechte Handfläche war aufgeschürft und blutete – das würde mich noch für Wochen stören, dachte ich, da Wunden in der Handfläche schwer heilen und bei Bewegungen schnell wieder aufreißen (vor allem, wenn man auf ein Paddel oder Trekkingstock angewiesen ist).

    David nähte mir die Wunde am Bein mit einer groben Nähnadel und Zahnseide. Das hielt auch ganz gut, drei Stiche waren es, aber eigentlich hätte eine tiefere Hautschicht auch eine Naht gebraucht, was mit unserer medizinischen Ausrüstung unmöglich war.

    Nach etwa 1,5 Stunden des Verarztens konnte ich schon wieder aufstehen und auch das Bein belasten. Alles war geschwollen und tat weh, natürlich hatte ich überall Prellungen, aber das Knochengerüst war glücklicherweise unverletzt.

    Halb so schlimm, dachte ich, ein Tag Pause, dann wird’s schon wieder gehen. Meine beiden Begleiter meinten am Abend, ich solle mich rausfliegen lassen, das Risiko einer Infektion sei zu hoch. Auch Sofia meinte übers Satellitentelefon, nach Rücksprache mit einer Krankenschwester, ich solle mich unbedingt evakuieren lassen. Ich nahm Antibiotika und Schmerzmittel, danach ging’s erstmal in den Schlafsack.

    Am nächsten Morgen konnte ich wieder einigermaßen gut gehen. Mein linkes Bein war ziemlich steif und beim Auftreten musste ich vorsichtig sein, aber ich meinte, dass ich weitergehen konnte. Klar, die Risiken lagen auf der Hand: Eine ernsthafte Infektion hätte mich im schlimmsten Fall das Bein kosten können. Dazu das Risiko eines weiteren Sturzes, jetzt, da meine Bewegungsfreiheit und Belastbarkeit so eingeschränkt war. Mein Rucksack war ja nicht gerade leicht. Außerdem musste ich für den letzten Teil der Reise (Arsuk – Narsarsuaq) fit sein und sollte mich davor nicht allzu sehr schinden.

    Wir diskutierten unsere Optionen. David und Bernhard würden es auch ohne mich nach Arsuk schaffen, schließlich hatte David jahrelange Guiding-Erfahrung aus Alaska. Ich war enorm motiviert, weiterzugehen, obwohl mir alle zum Abbruch rieten. Das Eigenartige dabei: Vor ein paar Jahren, als ich noch kein Satellitentelefon dabei hatte und oft allein auf Tour war, hätte ich über einen Abbruch gar nicht nachgedacht; die Frage hätte sich nicht gestellt. Verleitet mich der dazugewonnene Luxus zur Bequemlichkeit?

    Nun wollte ich aber auch wirklich kein Bein verlieren. Als die Wunde am Bein etwa 24 Stunden nach dem Unfall wieder zu bluten begann und ich bei einer genaueren Untersuchung feststellte, dass eine Naht ausgerissen war (David meinte, ich hätte mich zu viel bewegt), rief ich Sofia an und besprach mit ihr den Ablauf meiner Rettung. Sie war mein primärer Notfallkontakt und ich wusste, dass sie umgehend einen Anruf von SPOT bekommen würde, sobald ich den SOS-Knopf meines „SPOT gps messengers“ drücken würde.

    Und so war’s dann auch. Ich drückte den Notfallknopf, daraufhin rief schon jemand bei Sofia an. Sofia erklärte der Zentrale in den USA, wie von mir instruiert, was los war und dass es kein akuter Notfall sei - es musste also kein Ärzte-Team anrücken und die Evakuierung musste auch nicht mehr am selben Tag stattfinden. Dennoch war der Hubschrauber bereits eine Stunde später unterwegs.

    Es ging dann alles ganz schnell, der riesige Hubschrauber landete, ich verabschiedete mich von meinen Freunden. Die Ausrüstung (Zelte und Kochzeug) hatten wir bereits vorher so organisiert, dass die beiden ohne mich klarkommen würden. Ein paar Minuten später war ich bereits in der Luft und auf dem Weg ins nächste Krankenhaus… 180 km Flugstrecke bis Qaqortoq. Naja, zumindest hatte ich gutes Licht und konnte aus dem Heli heraus ein paar Fotos machen.


    Hubschrauber gelandet.


    Immer brav die Zeltstangen rausnehmen, wenn ein Hubschrauber direkt neben den Zelten landet.





























    Im Inneren des Helikopters. Der Pilot scherzte, dass sie fast die gesamte Zeit nur Wissenschaftler über Grönland fliegen würden und dass das Eis ohne diese „verdammten Klimaforscher“ wahrscheinlich nur halb so schnell schmelzen würde.

    In Qaqortoq angekommen, spät abends, wurde ich gleich ins Krankenhaus gebracht und neu genäht. Die Krankenschwester nähte auch eine tiefere Hautschicht und meinte, das sei unbedingt nötig gewesen. Als sie unserer Nähte aus Zahnseide entfernte, schaute sie mich ungläubig an. Auch die anderen Wunden wurden gereinigt und verbunden, die Nacht verbrachte ich im Krankenhaus.

    Am nächsten Morgen zog ich in ein Hostel um und schaute alle 1-2 Tage im Krankenhaus vorbei, nur so zur Kontrolle. David und Bernhard kamen währenddessen gut voran, bald würden sie in Arsuk sein. Am liebsten wäre ich gleich dahin aufgebrochen, leider ging das nächste Passagierschiff erst am Abend des 6. Septembers. Jeden Tag war ich am Hafen und habe mich nach Fischern oder Jägern erkundigt, die eventuell in die Gegend von Arsuk wollten, aber vergebens: Es war schon wieder zu viel Wind am Meer. Niederschlag gab es hingegen keinen, was ich umso mehr bedauerte: Jetzt, wo das Wetter gut war, saß ich in dieser verdammten Stadt fest. Körperlich ging es von mir von Tag zu Tag besser, nur die Wunde in der Hand wollte nicht so recht heilen. Offene Wunden in der Handfläche sind extrem unangenehm, glaubt mir.

    Am Abend des 6. Septembers ging dann endlich das Schiff Richtung Norden, Arsuk war der zweite Halt. Pünktlich zur Abfahrt begann es zu regnen, klar. Die Fahrt nach Arsuk dauerte fast 12 Stunden, am nächsten Morgen war ich da.


    Qaqortoq


    Jeden Tag kam ein anderes Kreuzfahrtschiff vorbei.


    Das Personal der Kreuzfahrtschiffe verteilte die ganze Zeit Becher mit Kaffee und Kakao an alle Passagiere, die an Land gingen. Die lokale Bevölkerung ging auch nicht leer aus.





    Damit ging es dann zurück nach Arsuk.


    Mir wurde während der Fahrt schnell langweilig, also ging ich hoch auf die Schiffsbrücke und plauderte mit dem Captain. Der stammte übrigens von den Färöer Inseln.

    Am Morgen des 7. Septembers erreichte ich also Arsuk. David, Madeleine und Philipp warteten bereits auf mich. Bernhard stieg auf das Schiff, das ich verließ, und fuhr weiter bis nach Nuuk. Die anderen drei waren froh darüber, dass ich nach meinem Sturz überhaupt einsatzfähig war – und glaubt mir, ich war hoch motiviert.

    Unsere Route von Arsuk bis Narsarsuaq war 240 km lang, dafür hatten wir 16 Tage Zeit. Glücklicherweise waren alle topfit und gut vorbereitet. Wir waren am Tag meiner Ankunft noch vor 11 Uhr auf dem Wasser und paddelten den Fjord entlang nach Osten.
    Geändert von Libertist (23.12.2017 um 15:16 Uhr)
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  2. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #2
    Es folgen nun die Bilder der Tage vom 7. bis 13. September.


    In Packrafts verließen wir Arsuk.




















    Eine große Herde Moschusochsen.





















































































    Schon seit ein paar Tagen wussten wir, dass für den 14. September ein schweres Unwetter gemeldet war. Starker Regen und Sturm bis 100 km/h. Wir waren zu der Zeit in einer relativ flachen Gegend unterwegs, sehr nahe am Eisfeld, da gab’s kaum Windschutz. Wir konnten unser Glück kaum fassen, als wir am Abend des 13. an einem Gletscherfluss eine leere Hütte vorfanden. Wenn man in Grönland mal eine Hütte findet, dann normalerweise an den Fjorden, wo sie mit Booten erreichbar sind. Aber diese hier stand einfach so in der Gegen herum, angebunden mit einer Stahlkette, damit der Wind sie nicht wegfegen konnte. Wir machten es uns darin gemütlich und sahen zu, wie sich draußen das Unwetter zusammenzog.

    Und tatsächlich, am 14. stürmte es so sehr, dass wir manchmal Angst hatten, die Bude könnte umfallen (sie stand bereits schräg). Wir saßen drinnen bei Kerzenlicht und haben die meiste Zeit Karten gespielt, nebenbei habe ich mit meinem kleinen Leatherman die Fäden aus der Wunde am Bein gezogen. Zwei Nächte blieben wir da. Am 15. regnete es zwar immer noch, aber wir mussten einfach weiter, aus Zeitgründen.


    Die Schutzhütte.


    Der Fluss, kurz nachdem der Regen einsetzte…


    …und hier 16 Stunden später. Die Bilder sind fast identisch, nur der Wasserstand hat sich geändert.


    So ging’s drinnen zu, während es draußen stürmte.


    Erstmal kurz Nähte ziehen.

    Hier die Bilder vom 15. bis 17. September.


































    Am Abend des 17. Septembers hatten wir fast kein Essen mehr. Es war der Tag, an dem wir unser zweites und letztes Verpflegungsdepot erreichen sollten. Es lag auf der Ostseite des Qaleraliq Fjords. Wir kamen von Westen und mussten den Fjord queren. Auf der Westseite sahen wir plötzlich Menschen, ein ganzes Camp sogar. Es handelte sich um eine spanische Reise-Agentur, die dort den Sommer über ein Camp unterhielt. Die Guides waren extrem überrascht, uns zu sehen, zu Fuß sei dort noch nie jemand vorbeigekommen, meinten sie. Sie gaben uns Snacks und Bier. Anschließend fuhren zwei von ihnen mit dem Motorboot nach Narsaq, bei der Gelegenheit nahmen sie uns gleich mit aufs Boot und brachten uns auf die andere Seite des Fjords. Dort bauten wir die Zelte auf, bevor David und ich in der hereinbrechenden Dunkelheit den großen Drybag mit dem Essen suchten. Ich hatte natürlich die genauen Koordinaten.

    Am Depot angekommen, mussten wir feststellen, dass wir beklaut worden sind: Zwei Drittel des Essens fehlten. Alle Snacks waren weg, also Müsli-Riegel, Schokoriegel, Nüsse, Trockenfrüchte und so weiter. Außerdem fehlten alle Salamis (insgesamt 8 kg), die getrockneten Zwiebeln, Gewürze und weitere Zutaten. Und natürlich die gute Flasche Whisky, die für Philipp gedacht war - es war sein Geburtstag. Was blieb, waren Knorr-Gerichte, Kartoffelpulver und ein paar Kleinigkeiten. Genug, um für den Rest der Tour zu überleben, aber nur mit erheblichen Kompromissen.


    Kurze Fressattacke im Küchenzelt.


    Keks mit Nutella und Honig? Lecker!








    Schnell wurde klar, dass der Fresssack etwas zu leicht war…


    Die gesamte restliche Verpflegung.

    Natürlich waren wir alle extrem verärgert und spekulierten wild darüber, wer wohl unsere Vorräte gestohlen haben könnte. Klar war der Drybag hinter einem Felsen versteckt und mit Steinen beschwert. Zynischerweise haben die Diebe eine Packung geschmackloser trockener Kekse (sowas wie „pilot bread“) da gelassen, wahrscheinlich als eine Art spöttischer Trost. Das machte mich besonders wütend. Ich stellte mir vor, wie die Diebe all die guten Sachen aus dem Drybag nehmen und sich dann denken, naja, sterben sollen sie auch nicht, lassen wir ihnen 500g ekelhafter Kekse da…

    Allzu viel Zeit hatten wir nicht, uns darüber zu ärgern, wir brauchten einen Plan. Es gab 3 Optionen:
    1. Zurück zum spanischen Camp paddeln, die Leute ausfragen und wenn möglich mit ihnen in die nächste Stadt (Narsaq) fahren. Das wollte eigentlich niemand von uns. Erstens würde es sowieso niemand zugeben, wenn einer von ihnen unser Essen gestohlen hätte. Zweitens wäre die Tour damit zu Ende, wie schade!
    2. Aus eigener Kraft Narsaq erreichen. Wäre möglich, ein akzeptabler Kompromiss.
    3. Weiter nach Narsarsuaq. Hart, da sehr knapp bemessener Proviant, aber nicht unmöglich.

    David meinte, er würde es mit so wenig Verpflegung nicht bis Narsarsuaq schaffen, er bevorzugte Option 2. Madeleine, Philipp und ich wollten nach Narsarssuaq, also Option 3.

    Wir entschieden, noch zwei Tage gemeinsam zu reisen und uns dann zu trennen: Wir zu dritt weiter Richtung Osten, David kürzt ab und paddelt nach Narsaq, wo er ordentlich Essen kaufen konnte.

    Also ging es weiter. Am 18. September trennten sich dann unsere Wege, im Guten natürlich. Vereinbart war, dass wir uns am 23. September alle gemeinsam zum Essen in Narsarsuaq treffen würden, bevor Philipp und Madeleine heimfliegen.




















    Gefährliche Etappe durch eine tiefe Schlucht.





    Polarhase











    Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass der Fjord hier ganz leicht überfroren war. Ziemlich unangenehm, da mit Gummibooten durchzufahren.


    Hier trennten sich die Wege, David paddelte nach Süden, wir nach Osten.




    Geändert von Libertist (20.12.2017 um 19:10 Uhr)
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  3. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #3
    Inzwischen wurde es übrigens deutlich kälter. Nachts gab es Minusgrade, kleine Seen waren teilweise vereist. Auch die Fjorde waren teilweise mit einer dünnen Eisschicht überzogen, was mir natürlich große Sorgen machte. Wie kann das überhaupt sein, Salzwasser gefriert im September, während das Süßwasser der großen Seen noch nicht gefriert…? Hier die Fotos vom 18. bis 21. September.








    Zufällig fanden wir eine weitere Hütte, diese schien für Zwerge gebaut worden zu sein.




















    Nach einer sehr schwierigen Flussquerung.
















    Am 21. September stand eine weitere Fjordquerung an. Mit Entsetzen mussten wir feststellen, dass dieser Fjord größtenteils oberflächlich gefroren war, mit unseren Packrafts war da kein Durchkommen. Man konnte sich natürlich mühsam Meter für Meter durchboxen und mit dem Paddel das Eis kleinschlagen, aber was, wenn eine Eisscholle dann doch plötzlich das Boot aufschlitzt? Mitten auf dem Fjord, die Ufer 3 km entfernt… dann war man geliefert.

    Glücklicherweise war nun bereits die erste Farm in Sicht. Ja, im Süden Grönland gibt es einige Farmen - wir hatten erneut Glück. Zunächst einmal wurden wir zum Essen eingeladen, dann wurden wir für einen fairen Preis auf die andere Seite gebracht. Für das Hartschalenboot war das dünne Eis natürlich kein Problem.


    Schon von Weitem wurde klar, dass der Fjord voller Eis war.


    Farmland


    Erstmal gab’s Mittagessen.


    Der Außenbereich war teilweise recht schick angelegt. An einem geplanten Besuch der Nachbarn konnte es nicht liegen… es gab keine.



















    Nun waren es nur noch zwei kurze Tage bis Narsarsuaq. Am Vormittag des 23. September, pünktlich ein paar Stunden vor dem Abflug meiner beiden Reisepartner, beendeten wir unsere Tour an unserem Ziel. Ziemlich ausgehungert trafen wir David in einem Restaurant. Von dieser Völlerei gibt es keine Bilder…














    Eine weitere Farm.


    Die Siedlung Qassiarsuk.





    Bronzestatue über Qassiarsuk, sie stellt Leif Ericson dar, einen isländischen Seefahrer, der vor etwa 1.000 Jahren in der Gegend unterwegs war.


    Auf zur letzten Fjordquerung, rüber nach Narsarsuaq.

    David flog am 28. September heim, ich erst am 3. Oktober. Warum ich nach dem Tourende am 23. September noch zehn freie Tage in Grönland hatte? Ursprünglich hatte VAUDE vor, in dieser Zeit ein paar kleine Werbefilme zu drehen, in denen ich vorkommen sollte. Im Juli, als ich bereits in Grönland war, hatte man sich dann dagegen entschieden und mich informiert; Hintergrund waren meine Positionen zu Politik und Gesellschaft. Vielen Menschen, die mit mir zu tun haben, wäre es recht, wenn ich nur interessante Reisegeschichten erzählen und schöne Bilder posten würde, aber das ist nun mal nicht alles, was mich beschäftigt… Wie auch immer, diese zehn Tage konnte ich nun für mich selbst nutzen.

    Die ersten beiden Tage verbrachte ich mit David in der unmittelbaren Nähe von Narsarsuaq. Dann zog ich alleine weiter nach Norden, verbrachte etwas Zeit auf einer Farm und ging dann über die Berge zum Gletscher Eqalorutsit Kangigdlit Sermiat. Dort unternahm ich Tagestouren und schlief meistens in einer kleinen Schutzhütte, von denen mir die Farmer erzählten. Es tat richtig gut, vor dem Heimflug noch ein wenig zu entspannen, die Ruhe des Alleinseins zu genießen und zu fotografieren.























    Farmhaus in Südgrönland.



    Es wurden dann erstmal Schafe geschlachtet.


    Zum Abendessen gab’s Walfleisch. Naja, für gaumenschmeichelnde Kulinarik ist Grönland nicht gerade bekannt.





    Von dieser Hütte aus startete ich ein paar Tagestouren.


    Dieselbe Hütte bei Nacht.





    Schon wieder zu viel Eis am Fjord.


























    18:52 Uhr


    20:16 Uhr








    Letzte Nacht in "meiner" Hütte.

    Am 3. Oktober ging’s dann mit Air Greenland von Narsarsuaq nach Kangerlussuaq und von dort aus weiter nach Kopenhagen. Nach einer kurzen Nacht am Flughafen kam ich am 4. Oktober, nach drei Monaten in Grönland, endlich wieder in Wien an.

    Übrigens habe ich wider Erwarten noch herausgefunden, wer von unserem Verpflegungsdepot am Qaleraliq Fjord gestohlen hat: Es war tatsächlich ein Guide der spanischen Reiseagentur „Tasermiut Expeditions“, die dort ihr Camp hat. Es war Zufall, dass ich das erfahren habe: Einer der Tasermiut Guides hat einem Freund von mir erzählt, dass sich eine Kollegin von ihm (also ein weiblicher Guide) an unserer Verpflegung bedient hat. Der Guide, der davon erzählte, wusste nicht, dass sein Gesprächspartner mit mir befreundet ist, es war also reiner Zufall. Ich habe dann nachgeforscht: Zunächst wurde alles abgestritten, aber die Wahrheit kam schließlich ans Licht und der Fehler wurde zugegeben, zumindest ansatzweise.

    Na gut, ich komme zum Ende, so einen langen Reisebericht seid ihr von mir ja gar nicht mehr gewohnt. Tut mir leid, dass ich mich in der Regel immer sehr kurz fasse, aber die witzigen Anekdoten hebe ich mir (aus Zeitgründen, aber auch weil ich schreibfaul bin) meistens für meine Facebook-Seite Outventurous und für Vorträge auf, die ab und zu mal halte.

    Grönland habe ich jedenfalls in sehr guter Erinnerung, wahrscheinlich fliege ich im nächsten Sommer noch mal rüber. Es ist landschaftlich wahrscheinlich das schönste Land, in dem ich je gewesen bin. Ein bisschen wie Alaska, aber mit Eisbergen.

    Hier noch ein 4-minütiges Video, das ich kürzlich zusammengeschnitten habe:

    Link zu YOUTUBE
    Geändert von Libertist (20.12.2017 um 16:19 Uhr)
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  4. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #4
    Hier wurden übrigens ein paar Details zu meiner Bergung veröffentlicht, falls sich jemand dafür interessieren sollte: Link zur SPOT-Seite
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  5. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #5
    Danke.

    Finde die Bilder (insbesondere im Video, wo sie grösser zu sehen sind) sehr gut. Scheint eine tolle Landschaft zu sein.

    War das Deine erste Verletzung auf Tour? Ich bin ganz ähnlich mal in Alaska wo runtergefallen (Innenbandriss). Solo. Am Anfang war ich da ziemlich verunsichert. Geht es weiter? Muss man sich retten lassen? Bein gebrochen oder nicht? Hat man dort überhaupt im Gestrüpp Sat-Empfang? Wo kommt das Blut her? Usw.

    "Hintergrund waren meine Positionen zu Politik und Gesellschaft" Interessant. Habe Dich dazu noch nie öffentlich groß was schreiben sehen. Bist ja in der Öffentlichkeit nach meinem Eindruck immer recht gemäßigt. Führen die vorher Interviews, um die wahre Gesinnung herauszufinden?

  6. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #6
    Sehr beeindruckender Bericht und wirklich wahnsinns Fotos.

    Schade, dass ihr so viele Rückschläge hattet, aber die Tour war ja wie es scheint trotzdem insgesamt ein Erfolg. Aber krass deine Verletzungsgeschichte, selber Nähen, Fäden mit dem Leatherman ziehen (Wobei sich der Flug Fototechnisch ja schon gelohnt hat )

  7. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #7
    Mensch, ein toller und packender Bericht mit super Fotos!

    Wie viele Bilder hast du auf der gesamten Reise gemacht? Und sortierst du an langen Abenden im Zelt gleich aus oder machst du das komplett zu Hause?

    Ein Glück hast du dich so schnell wieder erholt nach dem Sturz, das hätte auch anders ausgehen können, was

    Bedeuten "deine Positionen" nun gleichzeitig auch das Ende der Zusammenarbeit mit Vaude?

  8. Dauerbesucher
    Avatar von Antracis
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    AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #8
    Hi Gabriel,

    Danke für den Bericht und die, wie immer, wirklich sehr guten Fotos.

    Dann freue ich mich natürlich, dass nicht mehr passiert ist. Der Unfallhergang scheint geeignet für ernsthaftere Verletzungen. Aber Glück braucht man auch im Leben. Nur aus Interesse: Brach der Fels vollkommen unvermittelt oder gabs irgendwelche Instinktwarnungen ?

    Ich halte übrigens die Entscheidung des Ausfliegens medizinisch für die einzig sinnhafte. Eine so tiefe Wunde ist aus meiner Sicht unter den beschriebenen Bedingungen nicht steril zu versorgen (Schon der Fadenzug mit dem Leatherman ist eigentlich nicht zur Nachahmung zu empfehlen ), deshalb macht eine Naht auch eigentlich keinen Sinn. Dann lieber möglichst steril verbinden. Wenn man eine andere Option hat, als sich durch den Busch zu kämpfen, muss man die aus meiner Sicht nutzen. Ansonsten besteht der einzige Sinn darin, eine Woche später in der Zivilisation eine sehr langwierige und komplizierte Weichteilinfektion zu versorgen und damit Erfahrungen zu sammeln. Immerhin vielleicht ein gutes Beispiel, dass es hilfreich sein kann, mehr als ein Pflaster mitzunehmen.

    PS: Ich muss zugeben, am meisten ist aber mein Puls bei der Geschichte mit dem geklauten Essen hochgegangen. Wie übel drauf muss man da sein, um so etwas zu tun.

    Gruß
    Sascha
    Geändert von Antracis (20.12.2017 um 16:10 Uhr)

  9. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #9
    Total beeidruckend, Bericht sowie Fotos. Danke
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  10. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #10
    Danke für das Feedback!

    Zitat Zitat von Shades Beitrag anzeigen
    War das Deine erste Verletzung auf Tour? Ich bin ganz ähnlich mal in Alaska wo runtergefallen (Innenbandriss). Solo. Am Anfang war ich da ziemlich verunsichert. Geht es weiter? Muss man sich retten lassen? Bein gebrochen oder nicht? Hat man dort überhaupt im Gestrüpp Sat-Empfang? Wo kommt das Blut her? Usw.
    Ja, das war überraschenderweise meine erste Verletzung auf Tour. So frustrierend, genau, wie du beschreibst...!


    Zitat Zitat von geige284 Beitrag anzeigen
    Wie viele Bilder hast du auf der gesamten Reise gemacht? Und sortierst du an langen Abenden im Zelt gleich aus oder machst du das komplett zu Hause?
    Etwa 10.000 Fotos sind während der 3 Monate entstanden. Vor Ort sortiere ich gar nichts: Leider hat meine Kamera nicht die Möglichkeit, Bilder so zu markieren, dass mir die Markierung anschließend in Lightroom angezeigt werden würde. Um vor Ort zu "sortieren", müsste ich also Bilder löschen. Und das ist mir zu riskant, hab früher auf diese Art schon ein paar brauchbare Fotos verloren.

    Ich erledige das also alles zu Hause. Anfangs macht es noch Spaß, nach den ersten 3.000 Fotos fühlt es sich dann wie Arbeit an.


    Zitat Zitat von Shades Beitrag anzeigen
    "Hintergrund waren meine Positionen zu Politik und Gesellschaft" Interessant. Habe Dich dazu noch nie öffentlich groß was schreiben sehen. Bist ja in der Öffentlichkeit nach meinem Eindruck immer recht gemäßigt. Führen die vorher Interviews, um die wahre Gesinnung herauszufinden?
    Ich finde, man muss im Reisekontext nicht ständig politisch werden. Meine Reisen haben mit meinen politischen Ansichten nicht viel zu tun und was die Öffentlichkeit angeht, versuche ich, beides voneinander zu trennen. Ich scheue mich nicht vor kontroversen Themen, aber eine ausgewogene und respektvolle Debatte zu politischen Fragen ist meiner Erfahrung nach öffentlich kaum noch machbar; man macht sich im jeweils anderen "Lager" sehr schnell Feinde, wenn man sich politisch äußert.

    OT: Dabei sehe ich mich noch nicht mal einem bestimmten Lager zugehörig: Meine Positionen sind weitgehend liberal bzw. libertär, ich lehne Extreme nach links und rechts ab.

    Nein, die führen vorher keine Interviews. Das wäre vielleicht eine gute Idee, zumindest wäre es besser, als im Nachhinein auf privaten Facebook-Seiten herumzustöbern und Beiträge, die nur für Freunde sichtbar sind, an Dritte innerhalb des Unternehmens weiterzuleiten.


    Zitat Zitat von geige284 Beitrag anzeigen
    Bedeuten "deine Positionen" nun gleichzeitig auch das Ende der Zusammenarbeit mit Vaude?
    Ja.
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  11. Feldherrin Fuchs
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    AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #11
    Was ist das denn für eine abgefahrene Geschichte..... Hat sich diesmal gelesen wie ein Krimi.... Zwischendrin dachte ich "Wie schräg ist der denn drauf?", vorallem als es um die Verletzungen ging...
    Man..... krass! Ich zolle den höchsten Respekt für die gesamte Leistung und wünsche Dir von ganzem Herzen das Du auch bei den nächsten Touren gesund wieder in die Heimat kommst!
    Und die Fotos.... genial !!
    "Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dumme ist." Walter Kempowski - Schriftsteller (1929 - 2007)

  12. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #12
    Zitat Zitat von Antracis Beitrag anzeigen
    Dann freue ich mich natürlich, dass nicht mehr passiert ist. Der Unfallhergang scheint geeignet für ernsthaftere Verletzungen. Aber Glück braucht man auch im Leben. Nur aus Interesse: Brach der Fels vollkommen unvermittelt oder gabs irgendwelche Instinktwarnungen ?
    Das war ja das Eigenartige daran: Ich hab überhaupt nicht damit gerechnet! Ich hab schon deutlich gefährlichere Stellen überwunden und normalerweise kann ich instinktiv recht gut einschätzen, welche Steine und Felsen sich wie bewegen könnten. So frustrierend!


    Zitat Zitat von Antracis Beitrag anzeigen
    Ich halte übrigens die Entscheidung des Ausfliegens medizinisch für die einzig sinnhafte. Eine so tiefe Wunde ist aus meiner Sicht unter den beschriebenen Bedingungen nicht steril zu versorgen (Schon der Fadenzug mit dem Leatherman ist eigentlich nicht zur Nachahmung zu empfehlen ), deshalb macht eine Naht auch eigentlich keinen Sinn. Dann lieber möglichst steril verbinden. Wenn man eine andere Option hat, als sich durch den Busch zu kämpfen, muss man die aus meiner Sicht nutzen. Ansonsten besteht der einzige Sinn darin, eine Woche später in der Zivilisation eine sehr langwierige und komplizierte Weichteilinfektion zu versorgen und damit Erfahrungen zu sammeln. Immerhin vielleicht ein gutes Beispiel, dass es hilfreich sein kann, mehr als ein Pflaster mitzunehmen.
    Danke für deine Einschätzung, das beruhigt nochmals. Mein Stolz ist hier natürlich auch betroffen, schließlich will ich ja kein Weichei sein.


    Zitat Zitat von Antracis Beitrag anzeigen
    PS: Ich muss zugeben, am meisten ist aber mein Puls bei der Geschichte mit dem geklauten Essen hochgegangen. Wie übel drauf muss man da sein, um so etwas zu tun.
    Kann ich verstehen. Ich konnte in der Nacht darauf kaum schlafen, vor Wut auf den Räuber. Hab mir immer vorgestellt, wie jemand all die guten Sachen aus dem Sack nimmt, dann kurz überlegt, und zur Beruhigung des eigenen Gewissens diese verdammte Kekspackung da lässt.
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  13. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #13
    Zitat Zitat von Karliene Beitrag anzeigen
    Was ist das denn für eine abgefahrene Geschichte..... Hat sich diesmal gelesen wie ein Krimi.... Zwischendrin dachte ich "Wie schräg ist der denn drauf?", vorallem als es um die Verletzungen ging...
    Man..... krass! Ich zolle den höchsten Respekt für die gesamte Leistung und wünsche Dir von ganzem Herzen das Du auch bei den nächsten Touren gesund wieder in die Heimat kommst!
    Und die Fotos.... genial !!
    Danke sehr, ich werde mich bemühen!
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    AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #14
    Zitat Zitat von Libertist Beitrag anzeigen
    Das war ja das Eigenartige daran: Ich hab überhaupt nicht damit gerechnet! Ich hab schon deutlich gefährlichere Stellen überwunden und normalerweise kann ich instinktiv recht gut einschätzen, welche Steine und Felsen sich wie bewegen könnten. So frustrierend!
    Vor allem kann man nixs draus lernen und es verbleibt das ungute Gefühl, dass man halt doch nicht alles unter Kontrolle hat. Gibt ja manchmal so blöde Aktionen, die gerade noch gutgehen. Dann ist man wenigstens schlauer. Meine Frau hatte auch so ein frustrierendes Erlebnis mit einem eigentlich objektiv unbeweglich anmutenden riesigen Felsen, der plötzlich wegkippte. Der Sturz war nicht tief und es ist (mit viel Glück) nichts passiert, aber für eine ernsthafte Schädelverletzung hätte auch das gereicht. Naja, wenn ich jetzt so Deine Reisen erinnere, war das neben dem Zwischenstopp im Gumpen im reissenden Fluss und der durstigen Wüstenaktion erst die dritte wirklich haarige Situation, wo etwas Glück nicht geschadet hat. Ist doch ein ganz guter Schnitt für die vielen Reisetage. (Die hungrigen Wildhunde hab ich jetzt mal ausgeklammert, weil ja letztlich nicht klar war, ob die nicht doch nur spielen wollten...)




    Danke für deine Einschätzung, das beruhigt nochmals. Mein Stolz ist hier natürlich auch betroffen, schließlich will ich ja kein Weichei sein.
    Ja, in einer deutsche Notaufnahme hätte man die Wunde, da älter als 6-8 Stunden und potentiell infiziert, vermutlich gar nicht erst genäht, sondern erstmal mit Spannung abgewartet, was da drin so passiert.


    Kann ich verstehen. Ich konnte in der Nacht darauf kaum schlafen, vor Wut auf den Räuber. Hab mir immer vorgestellt, wie jemand all die guten Sachen aus dem Sack nimmt, dann kurz überlegt, und zur Beruhigung des eigenen Gewissens diese verdammte Kekspackung da lässt.
    Wirklich ekelhaft...zumal ja ein Guide irgendwie überblicken sollte, dass das auch wirklich ernsthafte Konsequenzen für den jenigen haben kann, auch über den reinen Sachverlust hinaus ? Strange...ich schreibe lieber nix mehr dazu, regt mich zu sehr auf.

  15. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #15
    Vielen Dank für die schönen Berichte. Gut, dass Du alles so überstanden hast.

    Zitat Zitat von Libertist Beitrag anzeigen
    Übrigens habe ich wider Erwarten noch herausgefunden, wer von unserem Verpflegungsdepot am Qaleraliq Fjord gestohlen hat: Es war tatsächlich ein Guide der spanischen Reiseagentur „Tasermiut Expeditions“, die dort ihr Camp hat.
    Das ist mehr als eine Frechheit. Umso besser dass Du die Übeltäter jetzt benennen konntest und es auch öffentlich ist.

    OT:
    Zitat Zitat von Libertist Beitrag anzeigen
    ...zumindest wäre es besser, als im Nachhinein auf privaten Facebook-Seiten herumzustöbern und Beiträge, die nur für Freunde sichtbar sind, an Dritte innerhalb des Unternehmens weiterzuleiten.
    Das Leidige an sozialen Netzwerken. Da bleibt nichts privat.

  16. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #16
    Zitat Zitat von Antracis Beitrag anzeigen
    Naja, wenn ich jetzt so Deine Reisen erinnere, war das neben dem Zwischenstopp im Gumpen im reissenden Fluss und der durstigen Wüstenaktion erst die dritte wirklich haarige Situation, wo etwas Glück nicht geschadet hat. Ist doch ein ganz guter Schnitt für die vielen Reisetage. (Die hungrigen Wildhunde hab ich jetzt mal ausgeklammert, weil ja letztlich nicht klar war, ob die nicht doch nur spielen wollten...)
    Wow, Sascha, ich bin beeindruckt. Die dumme Aktion am Eureka Creek in Alaska liegt schon über 5 Jahre zurück, dass du dich daran erinnern kannst...! Und ja, die Wölfe wollten bestimmt nur mit mir spielen.


    Zitat Zitat von Antracis Beitrag anzeigen
    Ja, in einer deutsche Notaufnahme hätte man die Wunde, da älter als 6-8 Stunden und potentiell infiziert, vermutlich gar nicht erst genäht, sondern erstmal mit Spannung abgewartet, was da drin so passiert.
    Interessant. Ich dachte mir anfangs, dass da oben in Grönland wahrscheinlich ohnehin kaum böse Keime unterwegs sind und dass ich das Infektionsrisiko fast vernachlässigen konnte...


    Zitat Zitat von vobo Beitrag anzeigen
    Das ist mehr als eine Frechheit. Umso besser dass Du die Übeltäter jetzt benennen konntest und es auch öffentlich ist.
    Ja, andererseits möchte ich nicht das gesamte Unternehmen aufgrund des Fehlers einer Einzelnen diskreditieren. Damals hätte ich am liebsten gleich böse Bewertungen auf TripAdviser abgegeben, aber jetzt reicht es mir, hier meine Geschichte zu erzählen, und das war's.
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  17. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #17
    Zitat Zitat von Libertist Beitrag anzeigen
    Interessant. Ich dachte mir anfangs, dass da oben in Grönland wahrscheinlich ohnehin kaum böse Keime unterwegs sind und dass ich das Infektionsrisiko fast vernachlässigen konnte...
    Du hast eindeutig zu wenige Endzeitfilme gesehen, sonst wüsstest du, dass alle wirklich bösen Keime nahe an den Polen im Eis lauern...

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    AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #18
    Zitat Zitat von Libertist Beitrag anzeigen

    Interessant. Ich dachte mir anfangs, dass da oben in Grönland wahrscheinlich ohnehin kaum böse Keime unterwegs sind und dass ich das Infektionsrisiko fast vernachlässigen konnte...
    Du unterliegst da einem Denkfehler. "Problemkeime" in dem Sinne, dass sie eine Resistenz gegen viele Antibiotika entwickelt haben und deren Eindringen in die Wunde folglich deshalb auch bei medizinisch optimaler Versorgung problematisch werden könnte, sind dort höchstwahrscheinlich wirklich selten. Diesbezüglich ist die Notaufnahme in Grönland bedeutend gefährlicher und Wien vermutlich noch gefährlicher.

    Das Problem ist aber die Infektion der Wunde durch überall im Erdboden vorkommende Keime in Kombination mit den Verhältnissen in so einer größeren Wunde "auf Tour", im ungünstigsten Fall noch mit Quetschungen und Gewebeuntergang. Feucht, große Oberflächen und vor allem die Sauerstoffarmut im Gewebe bieten dann oft den Nährboden für einige üble Genossen, sich mal richtig zu vermehren und auszutoben und ihre Giftstoffe auszuschütten. Im besten Fall wird das nur sehr sehr rot und dick, im schlechtesten Fall passiert sowas:

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gasbrand

    Das Problem sind also vor allem die Bedindungen, nicht der Keim an sich. In einer ordentlich gereinigten und verschlossenen Wunde passiert sowas sehr selten und/oder man reagiert halt entsprechend schnell.

    Ich hatte dass seltene "Glück" mal einen Gasbrand zu sehen...(älterer Rentner, Bagatellverletzung bei der Gartenarbeit, trotz immer stärkerer Schwellung und Schmerzen erstmal nicht zum Arzt). Er hat damals der Amputation seines Beines nicht zugestimmt und ist verstorben, wobei die Chancen auch mit Amputation sehr schlecht standen. Ich war dahingehend beteiligt zu beurteilen, dass er diese Entscheidung treffen durfte, dass heisst es ging um die Einwilligungsfähigkeit. Keine schöne Nacht.

    Das sind schon extreme Situationen. Die in Wikipedia angeführte "Hemipelvektomie" aufgrund eines Gasbrandes, d.h. man amputiert das gesamte Bein inklusive Hüfte(!) um das Überleben vielleicht zu ermöglichen, zeigt die drastischen Dimensionen. Wie gesagt, so schlimm muss es nicht kommen, aber schon harmlosere Infektionen mit Gewebeuntergang können sehr gefährlich und folgenreich sein.

    Insofern musst Du Dich wirklich nicht grämen, das ist einfach schon eine wirklich heikle Kiste.

    Und ich bin letztlich froh, dass ihr nur mit Zahnseide genäht und nicht irgendwie so wie Rambo eine der 25 Patronen geöffnet und die Wunde ausgebrannt habt.
    Geändert von Antracis (20.12.2017 um 18:16 Uhr)

  19. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #19
    Zitat Zitat von blackteah Beitrag anzeigen
    Du hast eindeutig zu wenige Endzeitfilme gesehen, sonst wüsstest du, dass alle wirklich bösen Keime nahe an den Polen im Eis lauern...
    Ja, da hab ich anscheinend Aufholbedarf...


    Na toll. Wie kann ich nach dem Lesen deiner Schilderungen und dem Sehen dieser Bilder auf Wikipedia jemals wieder eine offene Wunde einfach ausspülen und abkleben, anstatt gleich den Hubschrauber zu rufen?

    Mal ernsthaft: Ab wann ist das Infektionsrisiko zu groß? Als Faustregel gilt bei mir momentan: Wenn eine Wunde so groß bzw. tief ist, dass sie genäht werden muss, geht's umgehend ins Krankenhaus.

    Wobei die Aktion mit der Zahnseide gar nicht so verkehrt war, denke ich. Wir hätten nur eine bessere Nadel gebraucht... naja, und ein bisschen Übung vorher wäre wohl ganz gut gewesen.

    Edit: Auf die Rambo-Methode wäre ich gar nicht gekommen. Auch diese Filme gingen an mir vorüber.
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  20. AW: [GL] Grönland 2017 (3/3): Paamiut – Narsarsuaq (mit Video)

    #20
    Dieser Satz ist hier ot:

    Und tatsächlich, am 14. stürmte es so sehr, dass wir manchmal Angst hatten, die Bude könnte umfallen (sie stand bereist schräg). Wir saßen drinnen bei Kerzenlicht und haben die meiste Zeit Karten gespielt, nebenbei habe ich mit meinem kleinen Leatherman die Fäden aus der Wunde am Bein gezogen.

    Ich hab ihn mal bei den "echten Kerlen" reingetan. Nichts für nervenschwache Leser

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