8. Tag 16.09.09

Am heutigen Tag steht eine weitere große Etappe an, es soll über den Hirzer (ca. 2800 m) gehen. Die Aussichten heute morgen sehen allerdings schlecht aus, es regnet mal wieder. Zum Glück hat uns der Hüttenwirt gestern Abend noch eine Alternativroute mit auf den Weg gegeben, auf die wir bei Schlechtwetter ausweichen können, was heute wohl der Fall sein wird. Um 8:30 Uhr laufen Karsten und ich im strömenden Regen los. Das erste Ziel ist die Hirzer Hütte am Fu? des Berges. Das heißt für uns erstmal wieder 600 hm rauf. Der Weg führt zunächst durch den Wald hinauf und quert in der baumlosen Vegetationszone den Hang Richtung Hirzer.

Nach drei Stunden erreichen wir schließlich die Hütte und sehen, dass die Wolken sehr tief am Berg hängen. Ab ca. 2500 m können wir auch noch Schnee entdecken. Bei einem kurzen Plausch mit dem Hüttenwirt entscheiden wir uns, auch auf sein Empfehlen hin, für die Alternativroute über die Oswaldscharte, welche nur ca. 2300 m hoch ist. Dafür müssen wir erstmal wieder 500 m zur Streitwalder Alm am Fuße der Schrate absteigen.
Um 14 Uhr beginnen wir dann mit dem Aufstieg, natürlich regnet es mal wieder aus vollen Eimern. Der Aufstieg über die knapp 800 hm ist, wie soll es auch anders sein, eine schweißtreibende Angelegenheit, was mal wieder dazu führt, dass wir nicht nur von Außen nass sind, sondern auch von Innen. Zwei Stunden später stehen wir oben auf der Scharte und können unser heutiges Ziel, die Meraner Hütte, schon sehen.

Wir halten uns bei Regen und Wind nicht lange hier oben auf und beginnen mit dem Abstieg. Es geht den Hang runter, vorbei an Schipisten und -liften, was mal wieder wirklich hässlich anzuschauen ist. Nach einer weiteren Stunde im Regen kommen wir an der Meraner Hütte an.
Es folgt das gleiche Spiel wie jeden Abend. Raus aus den nassen Klamotten, Duschen, Essen und einen netten, warmen Abend bei einem kühlen Blonden verbringen. Schließlich ist das unser letzter Abend, denn morgen heißt unser Ziel Bozen.
9. Tag 17.09.09

Das Lager mussten Karsten und ich dieses Mal nur mit zwei anderen teilen. Zum Glück schnarchte keiner, was zu einer wirklich erholsamen Nacht, nach diesem schrecklichen Regentag, führte.
Heute morgen geht es für uns um kurz nach 7 aus dem Bett. Die Hütte hat leider keinen Trockenraum, bzw. ist dieser Eiskalt und so werden unsere Befürchtungen von gestern Abend war. Die Kleidung und Schuhe sind kein Stück trocken geworden. Das heißt für uns rein in die klamme Kleidung und die feuchten Schuhe. Doch der Blick aus dem Fenster zaubert uns beiden ein Lächeln ins Gesicht. SONNE!!! Es ist tatsächlich eingetreten, laut gestrigem Wetterbericht haben sie für heute Morgen Sonne gemeldet. Allerdings soll es gegen Mittag wieder schlechter werden. Egal, das ist Balsam für die Seele.
Um halb 9 geht es los, immer der Sonne entgegen Richtung Süden nach Bozen. Für heute werden keine große Anstiege angekündigt, sondern wir laufen im Allgemeinen stetig Bergab. Für den Anfang steht noch ein kleiner Hügel, das Kreuzjoch, auf dem Programm, aber über diese lächerlichen 100 hm können wir nur müde lächeln. Der Weg ist bis Langfenn wirklich wunderschön.

Auf kleinen Pfaden geht es den Hügel hoch und später wieder durch Kiefernwälder bergab. Zu unserer Schande muss ich gestehen, dass wir uns kurz vor Langfenn verlaufen haben. Karsten und ich haben einen Abzweig verpasst, was aber nicht nur uns passiert ist, sondern auch zwei anderen Wanderern. Unseren Fehler können wir aber schnell korrigieren, indem wir auf einer Teerstraße zurück auf den
E5 laufen.
Ab Langfenn, bis nach Jenesien verläuft der Weg durch eine "Parkanlage". Rentnerfreundlich, was sich sofort auf den Wanderverkehr auswirkt. Bis hierhin haben wir nur eine Hand voll Wanderer getroffen, aber hier laufen sie in Heerscharen auf. Etwa um 13:30 Uhr erreichen wir die Seilbahnstation in Jenesien. Leider müssen wir feststellen, dass die nächste Bahn erst in einer Stunde fährt. So hechten wir zurück zur Bushaltestelle den Berg hinauf. Wir haben uns entschieden mit dem Bus bis direkt in die Stadtmitte zu fahren und nicht den Fußweg zu nehmen, welcher aller Anschein nach hauptsächlich auf unschönen Teerwegen verläuft.

Pünktlich um 14:30 Uhr stehen wir, bei tollstem Sonnenschein, auf dem Walther von der Vogelweide Platz. Zum Abschluss trinken Karsten und ich noch einen echten italienischen Kaffee, was man in Deutschland unter Espresso versteht. Ab hier werden sich unsere Wege nun trennen. Karsten bleibt noch für zwei Tage in der Stadt, da er hier einen Cousin hat, den er besuchen will. Am Samstag wird ihn dann der Zug zurück nach Köln bringen. Ich mache mich auf den Weg zum nächsten Internet Café um meine Rückreise zu organisieren.
Nach ergiebigem Suchen und einem kurzen Telefonat später ist klar, dass ich noch heute Abend die Stadt Richtung München verlassen werde. Abfahrt ist gegen 21 Uhr mit einem alten orangenen T3, nur soviel steht bis jetzt fest. Na da werden wir mal schauen.

Die Zeit bis dahin vertreibe ich mir mit einer kleinen Stadtbesichtigung, esse Pizza und kaufe mir auf dem Obstmarkt ein bisschen frisches Obst. Auf dem Walther von der Vogelweide Platz lasse ich dann noch für ein paar Stündchen die Seele baumeln, bis ich die Rückreise antrete und somit wieder in den Alltag versinke.
Um 21 Uhr holt Bast mich vom Piazza Dogama ab. Er ist aus München und studiert hier in Bozen an der Filmschule. Er erzählt mir, dass noch eine junge Frau mit uns fährt, die wir auch sogleich abholen.
In knapp vier Stunden geht es gemütlich nach München. Dort habe ich dann noch mal vier Stunden Aufenthalt, bis der erste Zug um 05:04 Uhr Richtung Nürnberg fährt. Zuerst lasse ich mich im örtlichen Burger King nieder, wo ich auch die letzten Erlebnisse in mein Tagebuch verfasse. Anschließend laufe ich noch ein bisschen durch die Münchner City bei Nacht. Zurück am Bahnhof stelle ich eine Stunde vor Abfahrt entsetzt fest, dass das Bayern Ticket, welches ich mir kaufen wollte, erst ab 9 Uhr morgens gilt. So ein FUCK. Also noch vier weitere Stunden warten.

Darauf hab ich gar keine Lust und jetzt noch eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren wird schwierig. Wo bekommt man Nachts um halb fünf in München einen Internetzugang her? Also bin ich ins nächste Hostel gedackelt und siehe da, ich kann im Aufenthaltsraum ins Internet und werde fündig. Um 7 Uhr fährt jemand Richtung Köln und kann mich fast vor der Haustür rausschmeißen.
Ich vertreibe mir noch bis halb 7 die Zeit und rufe dann meine Mitfahrgelegenheit, in der Hoffnung auf einen freien Platz, an. Und siehe da. Es ist noch ein Platz frei. Jetzt muss ich es nur noch in 30 min gelingen vom Hauptbahnhof nach Fröttmanning zu kommen, was mir bis auf 4 min Verspätung gelingt. Ausgepowert setze ich mich in das Auto und werde gegen kurz vor 11 Uhr in Rheinböllen auf dem Autohof rausgelassen.
So, soweit zu meiner
Alpenüberquerung.