[UK] West Highland Way im goldenen Oktober

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  • Bjarkan
    Gerne im Forum
    • 28.06.2014
    • 92

    • Meine Reisen

    [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    West Highland Way im goldenen Oktober

    Reisezeitraum: 03.10.2014 bis 17.10.2014
    Reisende: Bjarkan und Kumpel
    Wetterprognose: beschissen
    Tatsächliches Wetter: bombe


    Hallo zusammen!
    Hier kommt er nun, mein Reisebericht zu meiner Tour auf dem West Highland Way im Oktober.
    Der ein oder andere unter euch wird vielleicht schon die Bilder, die ich zur Kritik im Foto-Bereich eingestellt habe gesehen haben. Dort liegt auch der Ursprung dieses Berichtes, denn eigentlich wollte ich, ob der Schreibarbeit und nicht zuletzt der nervigen Bildeinfügerei, gar keinen Bericht schreiben. Allerdings zählt zu meinen Schwächen (ist es denn eine?), dass ich nicht "Nein" sagen kann und als dann hier und da die Bitte aufkam, doch einen Reisebericht zu schreiben, war die Sache besiegelt.
    Und nun sitze ich hier am Tisch, bewaffnet mit einer Tüte Tortilla Chips, einer Tasse Pfefferminztee
    und meinem Tagebuch, das ich während der Tour fleißig geschrieben habe.

    "Nach Schottland? Im Oktober? Warum das denn?" So könnte man die Reaktionen meiner Freunde, Familie, Bekannten, Arbeitskollegen etc. treffsicher zusammenfassen.
    Zugegeben, mit 14 Regentagen ist dies auf dem Papier sicherlich ein ungünstiger Zeitpunkt um nach Schottland zu reisen und immer wieder fragte ich mich selbst, ob das wirklich eine so gute Idee ist.
    Zumal das meine erste richtige Tour sein sollte! Wettertechnisch hatte ich also vor, mich selbst ins kalte Wasser zuwerfen.
    Allerdings blieb mir auch quasi keine andere Wahl als im Oktober loszuziehen, da ich zum einen keinen Bock auf Midges hatte und zum anderen durch die Abendschule an Schulferien gebunden bin. Beides in Kombination ließ also nur die Herbstferien zu. Und die lagen dieses Jahr nun mal im Oktober. Machste nix! Außerdem kamen die zwei Monate Differenz zum Sommer auch meinem Budget für Ausrüstung zu Gute.
    Ein weiterer Pluspunkt für Schottland im Herbst sind natürlich die Farben der Highlands.
    Wenn die Hügel, Berge und Täler in Orange- und Brauntönen leuchten, braucht mit keiner mit grünen Wiesen im Sommer zu kommen. Ich bin ein Herbsttyp. 100%.
    Die Tour war eigentlich Solo geplant (noch so eine "Ins kalte Wasser werfen" Sache), doch durch meine vielen Erzählungen von der Planung kam dann noch ein alter Schulfreund mit ins Boot. Knackpunkt: Er besaß null komma garnichts an Ausrüstung. Von der Odlo Unterhose, über Trekkingstiefel bis zum Rucksack musste alles noch für ihn besorgt werden. Oft habe ich daran gezweifelt, ob dieses Vorhaben in wenigen Monaten umzusetzen ist, aber irgendwie hat es auch Spaß gemacht beratend zur Seite zu stehen
    Was das schottische Wetter im Oktober angeht, verrate ich nur so viel: Wenn Engel reisen...Aber seht selbst...


    OT: Eignetlich war geplant, den Bericht komplett online zu stellen. Aber da ich beim Schreiben doch etwas ausführlicher geworden bin und für Einleitung, Anreise und zwei Tourtage schon sechs Seiten eines Worddokuments fülle, habe ich mich entschlossen den Bericht wie andere auch häppchenweise einzusenden.

  • Bjarkan
    Gerne im Forum
    • 28.06.2014
    • 92

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

    Anreise

    Donnerstagabend gegen 20 Uhr. Ich sitze im Computerraum der Schule und höre halbherzig zu, was es über CNC-Technik so angeblich zu wissen gilt. Im Kopf gehe ich noch mal meine Packliste durch.
    Habe ich alles rausgelegt? Fehlt irgendein wichtiger Gegenstand? Als der Unterricht vorbei ist, fahre ich eilig heim und checke nochmal alles durch. Scheint komplett zu sein!
    Ich lege mich schlafen oder vielmehr ins Bett. An schlafen ist die nächsten Stunden nicht zu denken.
    Zu groß ist die Vorfreude und die Aufregung. Immerhin habe ich mich über ein halbes Jahr auf diese Reise vorbereitet. Manche unter euch mögen jetzt lachen, dass jemand für den West Highland Way ein halbes Jahr Vorbereitung braucht, aber: wir haben alle mal klein angefangen :P
    Und außerdem finde ich, dass die Planung und Ausrüstungsbeschaffung viel Spaß macht und ein tolles Mittel ist, sich den Alltag zu Hause zu versüßen.
    Irgendwann muss ich dann wohl doch eingeschlafen sein, denn das nächste was ich mitkriege ist mein klingelnder Wecker. So langsam und missmutig ich sonst, wenn es zur Arbeit geht, aus dem Bett steige, so rasch und voller Tatendrang springe ich jetzt dort heraus. Endlich, es geht los. Bald zumindest.

    Mein Kumpel und sein Vater sammeln mich ein und wir fahren nach Düsseldorf zum Flughafen.
    Dort angekommen wird sich rasch verabschiedet und wir gehen zum Check In.
    Unser Rucksackgewicht passt gerade so und wir wollen schon wieder weg gehen, als die nette Dame uns auffordert mit unseren Rucksäcken doch bitte zum Schalter für Sondergepäck - oder so - zu gehen.
    Gesagt getan. Dort werden unsere Rucksäcke gescant und als man bei mir den Kocher entdeckt wird
    die Luft in und um meinen Rucksack herum nach Spuren von Brennstoff untersucht. Ergebnis: 99% sauber. Jetzt müssen wir nur noch 1,5 Stunden am Flughafen rumgammeln.
    Am Gate berichtet mir mein Kumpel ganz beiläufig, dass er am Montag - es ist gerade Freitag- noch beim Arzt war, der ihm wegen einer Mittelohrentzündung Antibiotika verschrieben hat. Um mich nicht unnötig zu beunruhigen, denn der drohende Streik der Piloten machte mich zeitweise schon recht nervös, rückt er damit erst jetzt raus. Und überhaupt, es sei schon fast wieder komplett weg,
    kein Grund zur Sorge also.
    Wir starten in bestem Spätsommerwetter und landen wenig später mit passendem meteorologischem Empfang in Glasgow. Es regnet. Und zwar richtig.
    Wir holen unser Gepäck und fahren mit dem Shuttle Bus ins Stadtzentrum. Vom Bahnhof aus gehen wir zu unserem Hostel, das wir für eine Nacht gebucht haben. Dort angekommen, teilt man uns mit, dass wir noch 2,5 Stunden warten müssten, bis wir einchecken können. Die Zeit verbringen wir am River Clyde. Dort spielen wir "Ich sehe was, das du nicht siehst" in der idiotischsten Form, Galgenmännchen (Doppelkupplungsgetriebe ist der Galgenmännchen-Overkill) und füttern Tauben mit Schokolade. Passiv wohlgemerkt, denn wir dulden es lediglich, dass sie sich an der offenliegenden Tafel bedient.
    Nachdem wir eingecheckt haben, ziehen wir los um noch ein paar Sachen zu besorgen. Auf der Liste stehen bei mir: Schokolade, Nüsse, Salami, Gas, eine Regenhülle und eine Stirnlampe.
    Eine Regenhülle deswegen, da ich so klug war, erst im Hostel zu prüfen, ob meine mitgebrachte überhaupt den Rucksack mit außen angebrachtem Stativ umhüllt. Eine Stirnlampe deswegen, weil mir ebenfalls erst im Hostel aufgefallen ist, dass meine alte im Deckelfach beim Flug zerbrochen ist. Tolle Wurst!
    All dies und eine Flasche Whisky, die wir unorthodox in eine PET-Wasserflasche umfüllen, sind schnell besorgt und der Tag neigt sich dem Ende zu. Morgen geht es los. Endgültig.




    Tag 1, Milngavie - Garadbhan Forest

    Nach dem grässlichen Frühstück, bei dem ich dank des dämlichen Toasters eine Scheibe Toast anzünde, fahren wir mit der Bahn raus aus Glasgow in den Vorort Milngavie, wo der WHW beginnt.
    Dort regnet es leicht und die Vorhersage von ein paar Leuten, die wir gestern noch nach dem Wetter fragten, scheint zuzutreffen. Es soll die nächsten drei bis vier Tage regnen.
    Der Weg beginnt unspektakulär und führt durch Wald und Felder. Wir sind beide auf dem Dorf groß geworden, weswegen uns die Landschaft noch keine Begeisterung entlockt.
    Dank Karten und Reiseführer wusste ich das aber schon vorher und habe dementsprechend eine Zielstrecke von 28 km für heute angesetzt. Wenn es schon wenig zu gucken gibt, können wir auch Strecke machen und schneller zum interessanten Teil kommen.
    Mit uns starten noch eine größere Gruppe älterer Frauen und zwei junge Frauen aus Holland und wir unterhalten uns kurz beim gehen mit letzteren.
    Nach ein paar Kilometern hört der Regen auf und gegen Mittag bricht plötzlich die Sonne aus den Wolken. Schottisches Wetter par exellence. Die Wolken verziehen sich immer mehr und bald müssen wir anhalten um nicht nur die Hardshells, sondern auch die Langarmshirts auszuziehen. In Bewegung ist es so warm, dass ein T-Shirt ausreicht! Immer wieder sage ich, was wir doch für ein Glück mit dem Wetter heute haben. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass sich dieses bombastische Wetter beinahe komplett für die nächsten zwei Wochen halten wird! Der Vater meines Kumpels wird später erzählen, wie er während unserer Tour im Wetterbericht immer belustigt das Tief, welches um Schottland herum kreiste, beobachtete.
    Wir kommen an ein paar Arbeitern, die die Stromtrassen warten vorbei und stoßen wenig später auf ein Hinweisschild: Umleitung, da die Arbeiten den Weg blockieren und gefährlich sein können.
    Also biegen wir, in der Annahme, dass vor uns noch weitere Arbeiten stattfinden vom Hauptweg ab und steigen einen kleinen, steinigen Pfad herauf. Oben machen wir kurz Rast um etwas zu essen und ein Blick auf die Karte verrät: Wir sind falsch!
    Das Schild war entweder ungünstig angebracht oder wir zu doof. Auf jeden Fall galt es nur für Wanderer die von Norden nach Süden gehen.
    Wir gehen wieder zurück zum Hauptweg und marschieren weiter. Die Uhr sagt: Wir haben gebummelt, es könnte knapp werden vor der Dunkelheit am geplanten Lagerplatz anzukommen.
    Also geben wir von nun an Gas und stoppen nur wenige male für kurze Zeit um Wasser aufzufüllen
    und ein Foto zu machen.



    Es geht weiterhin durch überwiegend landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Zeitweise kommt sogar Langeweile auf. Am späten Nachmittag erreichen wir dann den Garadbhan Forest. Oder viel mehr, das was davon übrig ist. Trotz der Beschreibungen im Reiseführer, so arg habe ich mir Rodung nicht vorgestellt. Über mehrere Kilometer geht der Weg durch gerodeten Wald, wo hier und da noch ein paar Bauminseln stehen gelassen wurden. Kurze Zeit später kommen wir in einen kurzen aber starken Schauer und uns überholt ein joggendes Mädel in Kleidung, die man hier in Deutschland wohl nur bei 25 Grad und mehr tragen würde. Man ist offensichtlich an Regen gewöhnt und nimmt ihn einfach zur Kenntnis anstatt sich darüber zu beschweren. Tolle Einstellung.
    Auf unserer Karte liegt der Wildcamping Spot auf dem wir die Nacht verbringen wollen kurz vor dem Ende des Waldes. Das hilft uns allerdings nicht wirklich weiter, da der Wald ja so stark gerodet wurde, dass es nicht mehr möglich ist zu erkennen, ob wir nun theoretisch noch im Wald sind oder schon außerhalb. Etwas verunsichert durch Hinweisschilder, die das Wildzelten hinter einem Tor, das den Weg versperrt und den Beginn des Nationalparks Loch Lomond and the Trossachs markiert, verbietet, fragen wir einen jungen Mann, der mit seinem Hund unterwegs ist, ob er wüsste, wo dieser Wildcamping Spot sei. Er antwortet nur "Wildcamping? Forbidden? You are in scotland, the middle of nowhere. Nobody cares." Also beschließen wir weiter zu gehen und den nächsten guten Platz zu nutzen. Ein paar hundert Meter treffen wir dann doch noch auf den Wildcamping Spot, markiert doch Feuerstellen. Dort schlagen wir unser erstes Lager auf.
    Wir hätten unterwegs besser noch unsere Wasservorräte aufgefüllt, denn um genügend für Abendessen und Frühstück zu haben, muss ich noch mal ein gutes Stück zurück gehen.

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    • Bjarkan
      Gerne im Forum
      • 28.06.2014
      • 92

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

      Tag 2, Garadbhan Forest - Rowardennan

      Zum Frühstück gibt es Schokokuchen, denn heute ist mein Geburtstag. In der Nacht hat es geregnet und der Himmel ist wolkenverhangen. Also müssen wir die Zelte nass einpacken und brechen bald auf in Richtung Conic Hill. Aus der Ferne kann man den Pfad der über diesen großen, markanten Hügel führt erkennen. Er entpuppt sich jedoch als weniger steil wie angenommen und wir kommen zügig voran. Immer wieder bleibe ich stehen um die Landschaft zu betrachten. Für jemanden, der noch nie in Schottland war, sind die paar Hügel hier schon ein toller Anblick.
      Oben auf dem Hügel herrscht Hochbetrieb. Alles ist vertreten. Mountainbiker, Tageswanderer, ein altes, aber erstaunlich fittes Ehepaar und eine Schulklasse. Die Mädels sind äußerst mies gelaunt, da man sie offensichtlich genötigt hat sich auf diesen Hügel zu quälen. Gott sei Dank gehen die Tussis in die andere Richtung.
      Auf ein mal geht es nicht weiter. Ein Hochlandrind blockiert den weg und ein Ausweichen scheint für die meisten ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Ich mache ein Paar Bilder von den Rindern und wir ziehen weiter.





      Auf der Westseite von Conic Hill gabelt sich der Weg. Der WHW folgt der breiten Route abwärts nach Balmaha. Wir entscheiden uns aber für die zweite Route um dem Trubel zu entgehen. Unser Weg führt steil und schmal durch ausgewaschene Rinnen und dichtes Buschwerk ans Ufer von Loch Lomond. Dort machen wir Mittagspause, essen Schokokuchen und trinken Tee.



      Später verweile ich gut eine halbe Stunde an einem steinigen Uferabschnitt Loch Lomonds und fotografiere. Dabei komme ich mit einem älteren Mann aus Glasgow ins Gespräch. Er ist mit Frau und Enkelkindern für einen Tagesausflug hier her gekommen.





      Durch die langen Pausen sind wir wieder etwas in Zeitnot, da wir auch diese Nacht auf einem Wildcamping Spot verbringen wollen. Dieser liegt etwas nördlich von Rowardennan und bis dort sind es noch gut 12 - 15 km.
      Unterwegs beginnt es leicht zu regnen und an den exponierten Uferabschnitten weht ganz gut Wind.
      Der Weg führt teils durch schöne Birkenwälder und ab und an kann man Ben Lomond, den kleinsten Munro, durch die Baumwipfel sehen. Wenn alles glatt läuft, wollen wir morgen dort rauf gehen.
      Der Regen nimmt zu, als wir Rowardennan erreichen. Die Wegführung ist etwas irreführend und so folgen wir einfach irgendeinem Weg, der weiter nach Norden führt.
      Wenig später finden wir neben dem Weg ein Stück freie Wiese zwischen Bäumen und einem Bach. Ob dies der Wildcamping Spot ist? Da der Regen erneut zunimmt und es mittlerweile schüttet, ist die Entscheidung schnell gefallen.
      Bevor wir die Zelte aufbauen sitzen wir den Schauer unter dem Außenzelt meines Kumpels, das wir schnell über uns, die wir auf den Rucksäcken sitzen, werfen aus. Das ganze dauert gut 20 Minuten, die mit Schokolade versüßt werden.
      Als die Zelte schließlich stehen wird noch fix Wasser am nahen Bach geholt und bald sind wir in unseren Zelten verschwunden.

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      • Bjarkan
        Gerne im Forum
        • 28.06.2014
        • 92

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

        Tag 3, Rowardennan -Rowchoish Bothy

        Es ist laut. Richtig laut. Und halb fünf morgens. So wie es sich anhört weht draußen heftiger Wind durch die Bäume. Einschlafen ist nicht mehr, also ziehe ich mich an um mal kurz draußen nach zu sehen, was denn los ist. Verwundert schaue ich in die Baumwipfel, wo sich gar nichts bewegt.
        Das, was hier so einen Lärm macht ist der Bach, der durch den starken Regen am Abend und in der Nacht zu einem reißenden Fluss geworden ist. Gestern Abend holten wir hier noch entspannt Wasser und standen im Bach herum und heute früh würden wir sofort weggerissen. Wahnsinn!
        Aber irgendwo muss das ganze Wasser, was auf Ben Lomond fällt schließlich hin.
        Ich gehe zum Seeufer und schaue über das tiefschwarze Wasser auf das Westufer, wo sich ein paar Lichtlein zeigen. Zurück im Zelt krame ich Karte und Reiseführer hervor und wäge ab, wie es um die Besteigung von Ben Lomond gestellt ist. Auch wenn ich wirklich gerne dort hoch gegangen wäre - es ist schließlich der erste Munro meines Lebens - muss ich mir eingestehen, dass es bei den Wetterverhältnissen kaum Sinn macht. Aber noch will ich es nicht abhaken und mir die Sache erst mal in Hellen anschauen.
        Als mein Kumpel irgendwann auch wach wird, ist Ben Lomond schnell Geschichte. Ihm geht es bescheiden. Er klagt über fehlende Kraft, schwere Glieder und Bauchschmerzen. Sollte die Tour so schnell schon scheitern? Die Ursache für die Beschwerden sind wohl die Antibiotikatabletten, die er von drei pro Tag auf keine pro Tag reduziert hat...
        Beim Frühstück beschließen wir dann heute nur fünf Kilometer bis zur Rowchoish Bothy zu gehen, damit sich mein Kumpel hoffentlich wieder fängt. Allerdings fängt es nach dem Packen wieder zu regnen an. Das, was gestern Abend runter kam, war ein Witz, eine sanfte Dusche mit dem Gartensprenger im Vergleich zu jetzt. Es schüttet heftigst und so stapfen wir schweigend vorwärts.
        Die fünf Kilometer ziehen sich, ob des Wetters und dem schlechten Zustand meines Kumpels eine gefühlte Ewigkeit. Irgendwann vereinbaren wir, dass ich zügig voraus gehe, um die Bothy zu suchen und notfalls an der nächsten Gabelung warte. Ich laufe durch einen wirklich herrlichen Wald, der voller Totholz und moosbewachsenen Bäumen ist. Zusammen mit dem starken Regen baut dies eine sehr starke Atmosphäre auf und trotz der Nässe gefällt es mir.
        Bald entdecke ich die Bothy versteckt zwischen Bäumen und hoffe, dass die Türe auch tatsächlich offen ist. Schnell eile ich um das Gemäuer herum und stoße die Türe auf. Gott sei Dank!



        Drinnen befreien wir uns aus den Regensachen und dem, was darunter nass geworden ist und verfrachten meinen Kumpel direkt in seinen Schlafsack in die Ecke des Raumes.
        Ich schaue mich um und der Geruch erinnert mich an die alten Häuser im Freilichtmuseum, wo ich als Kind öfter gewesen bin. Neben der Tür befindet sich ein Kamin und sogar Brennholt liegt in der Ecke bereit. die Wände zieren Fotos, Zeitungsartikel und sonstige Schreiben über die Bothy, die einst Teil der Siedlung Rowchoish gewesen ist. Von dieser stehen auch noch ein paar Ruinen im Wald herum, völlig mit Moos bewachsen. Die hintere Hälfte der Hütte ist mit einer Bretterempore ausgestattet, die als Schlafplatz genutzt werden kann. Hier und da regnet es durch das Dach. Als Einrichtung dienen zwei Stühle, zwei kleine Tische, ein Klappsessel und ein alter Schulhocker.








        Während mein Kumpel hinten schläft hänge ich unsere Sachen zum trocknen auf. Auch die Zelte werden über Deckenbalken gehangen um sie morgen trocken einpacken zu können.
        Bald scheint die Sonne durch die Plexiglasscheiben im Dach und ich gehe vor die Türe um mich umzuschauen. Der Wald glitzert mit seinen ganzen Regentropfen in der strahlenden Sonne, in die ich auch unsere nassen Sachen stelle.
        Ich versuche ein Feuer im Kamin zu machen, was allerdings nicht gelingt, da das Brennholz zu feucht ist. Es brennt nur, wenn ich konstant Luft hinein puste. Kurze zeit später lasse ich es bleiben, denn es hat sich zwischenzeitlich eine gute Menge Rauch in der Hütte gesammelt. Der Schornstein ist wohl verstopft oder zu klein.





        Gegen Abend steige ich durch den Wald hinab zu Loch Lomond und hoffe auf einen schönen Sonnenuntergang. Dort sitze ich und warte Whisky trinkend, doch der Himmel ist mit dichten Wolken bedeckt. Aber wie es der Zufalle will, tut sich gerade rechtzeitig im Westen eine Lücke in den Wolken auf und warmes Abendlicht bricht hervor. Ich beeile mich, diesen Moment mit meiner Kamera festzuhalten, da er schon rasch wieder vorbei sein könnte.



        Zufrieden gehe ich zurück zur Bothy wo es Abendessen gibt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Broccoli-Käse Nudeln von Knorr absolut super schmecken. Von diesen Knorrbechern habe ich je zwei in einem Zip-Beutel zu einer Mahlzeit zusammen gekippt, was über die gesamte Tour gut funktioniert hat. Testweise hatte ich auch Chili von Trek n Eat dabei. Das hatte allerdings keine Schnitte gehen die Knorr Nudeln, für die ich inklusive Beutel circa zwei Euro pro Mahlzeit gezahlt habe.
        Meinem Kumpel geht es schon deutlich besser und so gibt es als Nachtisch noch Pudding.
        Bevor es in den Schlafsack geht, mache ich noch ein Foto, das ich mir bereits Wochen vorher überlegt habe und extra eine rote Kerze für dieses Bild mitgebracht habe. Foto-Junkie, so werde ich noch oft von meinem Kumpel genannt werden...



        Um nicht unnötig Viecher, die es zu Hauf in der Hütte gibt, mit dem Licht anzulocken, fällt das Tagebuch diesen Abend aus und wird am nächsten Morgen nachgeholt.

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        • Rainer Duesmann
          Fuchs
          • 31.12.2005
          • 1640

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

          Immer schön die alten Ecken wiederzusehen. Seuftz.
          Danke für den Bericht und die richtig guten Bilder!

          Rainer
          radioRAW - Der gesellige Fotopodcast

          Kommentar


          • Borderli
            Fuchs
            • 08.02.2009
            • 1705

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

            Ich schließe mich Rainers Feststellungen an... Tolle Fotos, die Erinnerungen wecken! Eigentlich wollte ich den WHW frühestens mit 70 wieder laufen, aber vielleicht überlege ich es mir doch noch anders.
            Bitte weiterschreiben!

            Kommentar


            • Mancunian
              Erfahren
              • 12.06.2014
              • 233

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

              Sehr schöner Bericht. Ich hatte auch schonmal die Idee den WHW zu laufen, bin aber wieder etwas davon weg, da er grad im Sommer überlaufen scheint. Im Oktober ist es wahrscheinlich besser. Prima Photos (können ruhig mehr sein) und schön geschrieben.
              ---
              I'd rather be out on the hills...
              http://chorltoniac.blogspot.com

              Kommentar


              • Martin1978
                Fuchs
                • 16.08.2012
                • 1657

                • Meine Reisen

                #8
                Das mit dem "Überlaufen" ist so ein gut gepflegter Mythos. Die Frage ist immer wer so was behauptet. Jemand der sonst nur durchs Fjäll spaziert und an 10 Tage ohne Menschen gewöhnt ist, oder jemand der nur deutsche Mittelgebirge kennt.
                Wenn Du nicht gerade zur brittischen Ferienzeit oder an schottischen Feiertagen unterwegs bist, hält sich das doch in der Praxis eher in Grenzen 😊


                An ahlen Räschtshreipfehllern ist das Schmartfon schuld!
                Du gamla, Du fria, Du fjällhöga nord
                Du tysta, Du glädjerika sköna!
                Jag hälsar Dig, vänaste land uppå jord,
                Din sol, Din himmel, Dina ängder gröna.

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                • Bjarkan
                  Gerne im Forum
                  • 28.06.2014
                  • 92

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

                  Zitat von Mancunian Beitrag anzeigen
                  Ich hatte auch schonmal die Idee den WHW zu laufen, bin aber wieder etwas davon weg, da er grad im Sommer überlaufen scheint. Im Oktober ist es wahrscheinlich besser.
                  Was den Oktober anbelangt, ist es ganz und garnicht überlaufen. Klar, man trifft immer mal wieder Leute (erstaundlich viele Deutsche), aber es gab auch durchaus Abschnitte auf denen wir für Stunden allein waren. Meist sind es ohnehin die selben Menschen, denen man begegnet.


                  Freut mich, dass es euch gefällt. Ich werde so bald wie möglich weiter schreiben.

                  Kommentar


                  • Maximiliane
                    Erfahren
                    • 05.02.2013
                    • 210

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

                    Toll, dass Du Dich überwunden hast den Bericht doch zu schreiben.
                    Der Anfang liest sich vielversprechend.
                    Bitte, bitte weiterschreiben!

                    Kommentar


                    • KArschopf
                      Neu im Forum
                      • 28.11.2014
                      • 6

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

                      Wirklich schön geschrieben und tolle Fotos
                      Freue mich auf mehr

                      Kommentar


                      • Bjarkan
                        Gerne im Forum
                        • 28.06.2014
                        • 92

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

                        Tag 4, Rowchoish Bothy - Bein Glas Farm

                        Ich werde wieder sehr früh wach und gehe vor die Türe um Wasser zu lassen. Im Schein meiner Stirnlampe schauen mich etwa fünf Hirsche aus dem nahen Wald an und ziehen sich in selbigen zurück. In der Bothy ist es sehr frisch und ich versuche mich möglichst leise aufzuwärmen um meinen Kumpel nicht zu wecken. Eine Weile sitze ich vor einer handvoll brennender Teelichter und bilde mir ein, dass sie Wärme spenden. Endlich regt sich hinten in der Ecke was im Schlafsack und ich kann den Kocher für Tee und warme Milch anschmeißen. Dabei fällt mir ein, dass ich nachts wach geworden bin, weil etwas in der Hütte randaliert hat und ich bemerke, dass eine zurückgelassene Tüte Toast und ein mit Verpackungen gefüllter Zip-Beutel auf dem Boden vor der Tür liegen. Am Abend lag beides definitiv noch auf dem kleine Absatz an der Wand. Es müssen wohl Mäuse gewesen sein, die die Tüten herab und herumgezerrt haben. Gut, dass wir - dank vieler Warnhinweise zum Thema Mäuse in den Bothies hier im Forum - unsere Rucksäcke unter die Querbalken gehangen haben!
                        Meinem Kumpel geht es wieder gut und bald brechen wir nach dem Frühstück auf.

                        Wir folgen dem Weg entlang des Ufers Loch Lomonds und plötzlich bricht die Sonne hervor. Sie knallt regelrecht, da bald kaum noch Wolken am Himmel sind. Wir binden die Sachen, die noch etwas feucht sind außen an die Rucksäcke und ziehen weiter. Das gute Wetter scheint uns nach dem heftigen Regen gestern irgendwie Flügel zu verleihen, denn wir rennen förmlich durch den Wald bis wir nach Inversnaid kommen. Inversnaid ist, soweit ich weiß, kaum mehr als ein Hotel mit Fähranleger. Doch zunächst geht es vorbei am Inversnaid Waterfall, der wegen des starken Regens viel Wasser über die Felsen in den See ergießt. Zumindest ist es deutlich mehr, als das mickrige Rinnsal, das im Reiseführer abgebildet ist.
                        Wir beschließen hier eine Mittagspause einzulegen und besetzen einen der Anleger unten am See, wo wir unsere Klamotten ausbreiten. Die Sonne ist so stark, dass sie innerhalb weniger Minuten trocken sind. Mein Kumpel bleibt am Anleger und liegt in der Sonne, während ich zurück zum Wasserfall gehe und Bilder mache. Dabei begegne ich zwei weiteren kleinen Gruppen, die auch auf dem WHW unterwegs sind. Beide haben den kleinen gelben Reiseführer dabei, der sich als totsicheres Erkennungsmerkmal für Deutsche entpuppt.





                        Nachdem wir unsere Flaschen neu befüllt und etwas Wurst zum Mittag gegessen haben geht es weiter in Richtung Bein Glas Farm. Es sind noch etwa 10 bis 12 km zu gehen und da der Weg am Seeufer entlang führt und auf dem Höhenprofil keine nennenswerten An- und Abstiege zu sehen sind, starten wir in der Annahme, dass sehr entspanntes Wandern vor uns liegt und wir in 2, maximal 2,5 Stunden am Ziel sein werden. So viel vorweg: Vergesst es, es werden 4 anstrengende Stunden werden.



                        Der Weg führt zwar tatsächlich unmittelbar am Ufer entlang, dieses ist jedoch so felsig, dass es ständig auf und ab geht. Zwar sind es selten mehr als acht Höhenmeter, diese reihen sich aber über Kilometer aneinander. Später werde ich irgendwo lesen, dass dieser Teil als anstrengendste Etappe gehandelt wird. Teilweise sind die Abstiege über die Felsen so arg, dass ich glaube ohne Trekkingstöcke wären sie bei viel Gepäck sogar gefährlich gewesen. Aber wie dem auch sei, wir kämpfen uns vorwärts bis vor uns plötzlich ein einzelner Wanderer auftaucht.
                        Er hinkt und stolpert über den felsigen Boden. Dazu entweicht ihm bei jedem unsanften Auftreten ein schmerzliches Stöhnen und er Flucht, dass sich die Balken biegen. Er bemerkt uns allerdings erst, als ich in grüße. Ich frage, ob er Probleme hätte - dumme Frage eigentlich, die Antwort ist offensichtlich - was er verneint. Er sei nur etwas geschafft, sonst fehle im nichts. Dass dies gelogen ist, sagt allein schon sein hochroter Kopf. Der arme Kerl hat sich völlig überschätzt. Er trägt zwar nur eine kleinen Tagesrucksack, allerdings sicherlich 15 Kilo zu viel in Form seines Bauches.
                        Ich biete ihm Schmerztabletten und Salbe an und frage immer wieder nach, ob denn wirklich alles in Ordnung sei. Die Antwort bleibt die selbe. Ich sammel sogar noch einen Ast vom Boden auf und empfehle ihm diesen als Gehhilfe um nicht ganz so hart auftreten zu müssen, allerdings auch erfolglos. Er will sich wohl nicht helfen lassen und so ziehen wir zügig weiter, denn die Zeit sitzt uns nun etwas im Nacken.
                        Ein ungutes Gefühl habe ich allerdings trotzdem, da der Kerl auch zur Beinglas Farm will und wir uns nun schon beeilen müssen um vor der Dunkelheit dort zu sein.
                        Später kommen wir an der Doune Bothy vorbei und schauen mal kurz rein, wie es dort so aussieht.
                        Sie ist eine ganze Ecke moderner als die vorherige Bothy, weswegen ihr meiner Meinung nach aber auch der Flair fehlt. Draußen treffen wir wieder auf den einzelnen Wanderer und da sich so langsam die Dämmerung einstellt, biete ich ihm meine kaputte Stirnlampe, die ich noch im Deckelfach habe an, da sie noch leuchtet und nur die Halterung zerbrochen ist. Er hat jedoch eine Taschenlampe dabei und meint, wir sollten uns keine Sorgen machen und weiterziehen. Und das tun wir dann auch.



                        Es geht über kleinere Hügel, die mit orange-braunem Farn bewachsen sind bis zum nördlichen Ende von Loch Lomond.
                        Wenig später, das letzte Tageslicht vergeht gerade, stehen wir urplötzlich vor dem Zaun der Bein Glas Farm. Endlich! Es geht direkt zur Bar, wo wir unsere zwei Zelte für die Nacht anmelden und je 7,50 Pfund zahlen. Für Waschmaschine und Trockner zahlen wir noch mal drei Pfund.
                        Wir bauen gerade unsere Zelte zwischen den Schafen auf einer Wiese auf, als wir unseren einsamen Streiter entdecken, wie er durch den Zaun humpelt. Er wird bereits von einem Freund oder vielleicht auch seinem Bruder erwartet. Man scheint sich schon ernsthafte Sorgen gemacht zu haben, anders kann man so eine Umarmung nicht erklären und auch ich bin froh, dass er es heil geschafft hat.
                        Nachdem die Zelte stehen packen wir unsere Wäsche in die Maschine und gehen duschen.
                        Hier stelle ich zum ersten mal fest, wie geil eine heiße Dusche nach vier Tagen draußen doch ist.
                        Frisch geduscht begeben wir uns in die Bar, denn wir haben beschlossen dort zu essen und vielleicht ein Bier mit unserem Wanderer zu trinken, doch er ist leider nicht dort.
                        Beim durchlesen der Speisekarte springt mir ein Name sofort ins Auge: Beinglas Belly Buster.
                        Dabei handelt es sich um einen Burger mit zwei dicken Frikadellen und frittierten Zwiebelringen. Dazu Pommes und etwas Alibi-Salat.
                        Wir ordern beide so einen Burger und ich entdecke meine Vorliebe für Gold Cyder, was ich auf der restlichen Tour bei jeder Gelegenheit trinken werde. Der Wirt ist so freundlich und rückt sogar noch die Tische auseinander, damit ich mein Stativ aufstellen kann. Außerdem schafft der gute Mann es acht Sekunden nahezu still zu stehen für mein Foto





                        Der Name "Belly Buster" ist Programm und nachdem er unter höchster Anstrengung verputzt ist, bin ich völlig am Ende. Wir zahlen und kriechen in die Zelte, wo ich mich so voll fühle, als würde mein Bauch an die Zeltdecke stoßen. Ich werde noch Tage und Wochen von dieser Offenbarung eines Burgers schwärmen.

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                        • Bjarkan
                          Gerne im Forum
                          • 28.06.2014
                          • 92

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

                          Tag 4, Bein Glas Farm - Tyndrum

                          Die Nächte werden merklich kühler und ich habe zum ersten mal beim schlafen meine Mütze getragen. Mit hochgeschlossenem Schlafsack ist es mir nämlich doch noch zu warm.
                          Der Belly Buster liegt noch gut im Magen, weshalb das Frühstück spontan ausfällt und wir noch in der Morgendämmerung aufbrechen. Zunächst ist es ziemlich frisch, doch als wir um eine Hügelkette, in deren Schatten wir gingen, herum kommen, strahlt wieder die Sonne. Dieser Teil des Weges wird leider etwas von der in der Nähe parallel laufenden A82 gestört. Glücklicherweise ist noch nicht viel Verkehr.
                          Ich wollte eigentlich zu den Falls of Falloch gehen und Bilder machen, aber aus irgendeinem Grund laufen wir vorbei und als ich es bemerke habe ich keine Lust mehr zurück zu gehen und so beschließen wir das Frühstück nachzuholen. Wir steigen etwas abseits vom Weg auf einen kleinen Hügel und frühstücken in der Morgensonne. Dabei beobachten wir andere Wanderer, die unterhalb von uns zügig voran marschieren, was allerdings kein Wunder ist, denn wir sind bisher die einzigen, die mit voller Verpflegung etc. unterwegs sind. Alle anderen tragen max. 40l Rucksäcke und sind dementsprechend schnell unterwegs.
                          Während unserer Planung ist mein Kumpel auf die Hobbit Houses in Tyndrum gestoßen und will dort unbedingt übernachten. Also rufe ich bevor es weiter geht noch eben dort an und buche eines für die nächste Nacht.
                          Die Sonne schneit weiterhin und bald laufen wir im T-Shirt und krempeln sogar die Hosenbeine hoch.
                          Ich denke an all die Leute, die mich für bescheuert erklärten im Oktober nach Schottland zu fahren und muss schmunzeln. Später gilt es die Bahnlinie nach Norden zu kreuzen, wofür extra eine Unterführung angelegt ist. Allerdings scheinen die Hauptnutzer wohl Schafe zu sein, denn das Ding ist maximal 1,20 Meter hoch. Mit unseren großen Rucksäcken müssen wir also auf die Knie gehen um dort durch zu kommen.
                          Der Weg geht nun leicht bergauf über Weideland und wir müssen einer Rinderherde ausweichen, die von einem Jungbauern auf einem ATV zur Weide gebracht wird.

                          Kurz nach Mittag legen wir eine längere Pause ein, die wir auf einer Hügelkuppe an der Abzweigung nach Crianlarich verbringen, wo man einen Tisch mit Bänken aufgestellt hat. Es gibt Schokolade en masse! Der weitere Verlauf des Weges führt uns durch einen sehr schönen Hochwald mit mannshohem Farn am Wegesrand. Am Ende des Waldes, bzw. dort wo der Weg diesen verlässt stoßen wir wieder auf die A82 und queren diese. Von nun an wird diese Etappe etwas langweilig, da es über landwirtschaftlich genutztes Gebiet auf asphaltierter Straße geht.
                          Wir kommen an einem Bauernhof vorbei, neben welchem ein alter kleiner Friedhof liegt. Er ist voll mit kleinen, teils verfallenen Grabsteinen, die krumm und schief aus der Erde ragen. Bei Nacht und Nebel wäre das sicherlich ein unheimlicher Anblick. Nach gut 45 Minuten biegt der Weg wieder ab und bis nach Tyndrum gehen wir über einen schmalen Pfad durch Birkenwälder und Heideland.
                          Dort angekommen holen wir den Schlüssel für unser Hobbit House und ziehen ein. Zu zweit ist dort genug Platz, mit vier Leuten, die dort reinpassen sollen, stelle ich es mir aber doch sehr beengt vor.
                          Das runde Häuschen verfügt über eine Heizung, einen kleinen Kühlschrank und sogar einen kleinen Fernseher. Ich komme mir fast schon dekadent vor bei diesem Anblick.
                          Als das nötigste hergerichtet ist hängen wir die Zelte unter einem Holzdach zum trocknen auf und gehen duschen. Danach gehen wir ein kurzes Stück in den kleinen Ort um in Supermarkt ein paar Lebensmittel zu kaufen. Der Supermarkt passt sicherlich in so manches Wohnzimmer, hat aber eine recht gute Auswahl. Ich kaufe Schokolade, Bier, Chips, eine Apfelsine und Irn Bru. Da ich nicht weiß, ob mir dieses überhaupt schmeckt, nehme ich noch eine Flasche Sprite mit. Sicher ist sicher.
                          Postkarten und Briefmarken werden auch noch geholt, da mir schon im Vorfeld mit Ärger gedroht wurde, sollte ich keine Schicken. Die Auswahl ist allerdings sehr begrenzt und neben den üblichen Postkartenmotiven gibt es fast nichts brauchbares. Auch egal, Postkarten sind eh nicht meins.
                          Wieder am Hobbit House nehme ich mein Tagebuch und will außerhalb vom Ort meine Notizen machen. Routinemäßig nehme ich die Fotoausrüstung auch gleich mit. Man weiß ja nie...

                          Ich setze mich auf einen kleinen Hügel, von dem aus ich über ein relativ trockenes Bachbett in die bewaldeten Hügel schauen kann. Ich beschließe mir die Szene kurz durch den Sucher anzuschauen und hole die Kamera hervor. Damit war das Tagebuchschreiben abgehakt und ich ziehe entlang des Bachbettes in die Landschaft und fotografiere. Dabei erinnere ich mich selbst an ein Kind, das beim Spielen immer tiefer in de Wald gerät. Nach jedem Bild denke ich "Ok, nur noch dort rauf und mal sehen!" doch jedes mal entdecke ich eine andere Stelle, ein anderes Motiv, das vielversprechend aussieht. Erst als es dunkel wird mache ich mich wieder auf den Weg zurück. Zuvor erlebe ich allerdings noch einen grandiosen Sonnenuntergang. Er findet zwar hinter dem Wald statt und ich kann ihn nicht direkt sehen, allerdings taucht das Abendlicht die bleichen im Bachbett liegenden Wurzeln und Äste in fantastisches Licht.







                          Es gibt zwar eine Gemeinschaftsküche, doch wir kochen unser Abendessen draußen auf einem Tisch mit Bänken. Es gibt Spaghetti in Tomatensoße und Irn Bru. Das Zeug ist echt lecker.
                          Als wir nach dem Abwasch in unseren Betten liegen und Tagebuch schreiben läuft nebenbei Johny English 2. Was für ein Trekkingurlaub.

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                          • Ruckie
                            Anfänger im Forum
                            • 23.10.2011
                            • 21

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

                            Danke für deinen Bericht. Ich bekomme richtig Lust noch einmal den WHW zu laufen.

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                            • Glenfiddich
                              Erfahren
                              • 19.02.2012
                              • 247

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

                              Wirklich sehr schön geschrieben. Macht echt Spass mit euch zu laufen. Weiter so, genau sowas brauche ich in diesen öden trüben Tagen.

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                              • miemiemaeh
                                Anfänger im Forum
                                • 16.11.2014
                                • 31

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

                                Vielen Dank für den Bericht und die wundervollen Bilder! Die sind echt der Hammer!
                                Was für eine Kamera hast du und welche Objektive benutzt du?

                                LG

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                                • Bjarkan
                                  Gerne im Forum
                                  • 28.06.2014
                                  • 92

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

                                  Ich habe eine Nikon D7000. Daran nutze ich ein Sigma 17-50 2.8 und ein Tamron 70-300. Die Bilder, die bisher im Bericht sind, sind alle mit dem 17-50 gemacht. Allerdings frage ich mich, was gute Fotografien mit der Kamera zu tun haben?
                                  Klar, irgendwo bremst einen eine unpassende oder schlechte Kamera natürlich aus, aber der Vergleich mit dem Koch und seinen Töpfen hat schon etwas wares
                                  Freut mich aber, dass euch der Bericht und vor allem die Bilder gefallen

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                                  • miemiemaeh
                                    Anfänger im Forum
                                    • 16.11.2014
                                    • 31

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

                                    Verzeih mir, das hat sich vielleicht falsch angehört. Ich weiß, dass gute Fotos nicht vom Kameraequipment abhängig sind. Und dass die Aussage "Das sind tolle Fotos, du musst eine teure Kamera haben" eine der größten Beleidiungen für einen Fotografen sind ;)
                                    Deine Fotos sind echt beeindruckend! Jedes einzelne ist etwas Besonderes und hat was Interessantes. Und das ist ja schließlich das, was ein gutes Foto ausmacht. Und letztendlich sind sie auch technisch einwandfrei umgesetzt (Belichtung, Schärfentiefe, aber dort wo es so ein sein soll knackscharf). Die Farben sind sehr harmonisch abgestimmt, sehr gut!

                                    Ich fragte nach der Kamera und den Objektiven weil mich immer interessiert was andere so verwenden. Genauso interessiert mich wo du deine Kamera trägst. Das eine Bild auf dem Felsen lässt erahnen, dass du sie in einer Tasche vor der Brust trägst?
                                    Zuletzt geändert von miemiemaeh; 07.12.2014, 23:36.

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                                    • Bjarkan
                                      Gerne im Forum
                                      • 28.06.2014
                                      • 92

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [UK] West Highland Way im goldenen Oktober

                                      Na gut, dir sei verziehen

                                      Welches Bild meinst du? Ich bin bisher nur auf dem ersten Foto zu sehen, auf den anderen mein Kumpel.

                                      Ich habe so gut wie alles was ich benötige in einer Kameratasche vor dem Bauch.
                                      Das Modell ist die Okawango W15 von Kalahari. Wasserdicht durch Rollverschluss und hat genug Platz für eine Kamera mit angesetztem Objektiv und zwei weitere Linsen oder Zubehör. Noch bietet sie mir genug Platz, aber sobald ein UWW inzukommt, werden meine Filter und sonstiger Kleinkram wohl in den Rucksack wandern. Wenn ich die Filter brauche ist ohnehin das Stativ dabei und ich nehme mir Zeit für die Bilder. Da kann ich den Rucksack auch gut absetzten.
                                      Die Tasche hat ab Werk zwei D-Ringe unten angebracht und ich habe mir von einem Schneider zwei weitere oben annähne lassen. Damit hake ich das Teil dann mittels Karabinern in die Schultergurte und den Hüftgurt ein.
                                      Ich hatte eigentlich fast schon damit gerechnet, dass mich das auf Dauer beim gehen nerven würde, aber bisher bin ich zufrieden mit dieser Lösung. Der einzige Nachteil ist die schlechte Sicht auf die Füße, wenn es mal unwegsamer wird.
                                      Aber dann ist das Teil auch schnell abgeschnallt und um den Rucksack gehangen.

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                                      • RockingKatja
                                        Erfahren
                                        • 21.03.2012
                                        • 215

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        Auch wenn es schon einige WHW Berichte hier gibt, muss ich zugeben, dass dieser sehr erfrischend zu lesen ist . Freue mich schon auf die Fortsetzung!!!
                                        Zuletzt geändert von RockingKatja; 11.12.2014, 07:39.
                                        Kate-ventures - My adventures on the road

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