[UK] Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

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    • 08.11.2008
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    • Meine Reisen

    [UK] Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

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    Mitreisende
    Wo kann man im Frühjahr in Europa eine (fast) menschenleere, einsame Wildnis durchstreifen? Skandinavien ist noch zu verschneit, aber es gibt eine Region für die April/ Mai geradezu die beste Jahreszeit darstellt: Schottland!
    Ich kannte die Highlands bereits von drei vorhergegangenen Besuchen, zweien im Sommer und einem im Winter. Nun, im Sommer regnet es oft ziemlich viel, und kleine Stechfliegen, die Midges, können eine wahre Plage sein. Ich habe den schottischen Winter mit beachtlichen Minustemperaturen und tief verschneiten Landschaften erlebt, schön, aber sicher nicht die beste Zeit zum Wandern.
    Im Frühjahr dagegen, kann es durchaus mal eine stabile Schönwetterperionde geben, die Midges sind noch nicht aktiv, und die Zeit zu der das Leben in der Natur wieder so richtig in Gang kommt, ist natürlich sowieso schön.
    Ich habe drei Wochen Zeit und überlege wie ich diese am Besten füllen kann. Mir schwebt eine lange Wanderung vor, weitgehend weglos und auf einer mit Google Earth geplanten Route. Bei der Internetrecherche zum Thema stoße ich auf den Cape Wrath Trail. Dieser ist kein markierter Wanderweg, sondern eine Route zu der es auch einige Alternativen gibt. Immerhin kann man ein Guidebook zu dem Weg kaufen, der die ganzen nordwestlichen Highlands durchquert.
    Zwar ist mir schnell klar, dass ich nicht komplett dieser Route folgen werde, dennoch halte auch ich Cape Wrath, die Nordostspitze Schottlands, für ein interessantes Ziel. Allerdings nehme ich an, dass ich es nicht erreichen werde, da meine Variante deutlich länger ist, und man auch weglos nicht so schnell vorankommt.
    Neben dem Reiz, die Highlands ungehindert zu durchstreifen, möchte ich die Tour nutzen, um etliche Dinge für eine längere Tour im Herbst zu testen, egal ob Ausrüstungsstücke wie neuen Rucksack und Zelt, oder Verpflegungsvarianten.
    Am 24. April 2014 fliege ich mit einer bekannten Billigflugairline nach Edinburgh, wo ich spät abends eintreffe. Um in die westlichen Highlands zu gelangen, muss ich am nächsten Morgen den Bus in Glasgow wechseln. Die Umgebung des Loch Lomond gibt mir schon bald einen kleinen Vorgeschmack auf das Hochland, die Birken und Eichen die an geschützten Stellen wachsen, haben gerade erst ihr Blätterkleid angelegt.
    Als ich die hohen, schroffen Berge sehe, die das Glen Coe einfassen, wird mir klar, wieviel Schnee hier noch liegt. Werde ich meine Route gehen können, die ich streckenweise auf den Graten der Bergkämme geplant habe?
    Gegen Mittag erreichen wir Fort William, einen touristisch geprägten Hauptort der Highlands am Fuß des Ben Nevis, dem mit 1343 Metern höchstem Berg Schottlands und auch Großbritanniens.


    Ft. William - ein wichtiges Zentrum der Highlands

    Da ich bereits die gesamte Verpflegung für 20 Tage Wanderung in meinem Rucksack habe, muss ich hier lediglich noch die Gaskartuschen für meinen Kocher kaufen, die ich nicht im Flugzeug mitnehmen durfte. An Outdoorläden gibt es in Fort William keinen Mangel, daher habe ich die Kartuschen schnell besorgt. Der Verkäufer erzählt mir, dass sie hier den härtesten Winter seit 25 Jahren hatten, und die Skisaison am Ben Nevis würde erst jetzt beendet werden…
    Um zum Startpunkt meiner Wanderung zu gelangen, muss ich den Meeresarm Loch Linnhe mit einer kleinen Personenfähre überqueren, die erst in zwei Stunden fährt. Ich nutze die Zeit um mir einen Cheeseburger mit Pommes und Salat in einem Pub zu gönnen, wahrscheinlich die letzte Mahlzeit in einem Restaurant für längere Zeit…
    Außer mir sind nur noch zwei andere Passagiere an Bord. Das Loch Linnhe tatsächlich ein Meeresarm und nicht etwa ein See ist, wird mir klar, als wir einmal einen auftauchenden Seehund beobachten…


    Die Wanderung beginnt mit einer Fährfahrt

    Während der Cape Wrath Trail der Uferstraße folgt, beginne ich gleich nach der Überfahrt den weglosen Aufstieg zu dem Hügelkamm. Mein neuer 90 Liter Rucksack Macpac Cascade ist mit ca. 28 Kilo beladen. Ich bin schon gespannt, wie er sich trägt, zwar wiegt er auch knapp über 3 kg, ist damit aber noch ca. 30 % leichter, als mein bisheriger Schwerlastenrucksack von Bergans.
    In einer Schlucht, in dessen lichten Eichen- und Buchenwald die Schlüsselblumen blühen, steige ich steil aufwärts zum Bergkamm. Von oben öffnen sich schöne Ausblicke über Loch Linnhe und Ft. William zum Ben Nevis, dessen Gipfel die Wolken aber nicht ganz frei geben.


    Der Gipfel des Ben Nevis ist in Wolken gehüllt

    Auf den breiten Rücken streife ich weglos durch die weite Moor- und Berglandschaft. Da es nach Regen aussieht und ich es am ersten Tag langsam angehen lassen möchte, schlage ich bereits recht früh mein Lager auf. Natürlich bin ich gespannt auf die Performance meines neuen Zeltes von Big Agnes, Flycreek UL 1. Mit 936 g ist es ein wahres Leichtgewicht, obwohl es sogar frei stehend ist. Allerdings weiß ich natürlich noch nicht, ob es auch den rauhen, schottischen Wetterbedingungen trotzen kann…


    Der erste Test für mein neues Zelt

    Als es bald zu regnen beginnt, weiß ich, dass ich mein Lager keineswegs zu früh aufgeschlagen habe, da der Regen, begleitet von heftigem Wind die ganze Nacht anhält. Obwohl die Apsis des Flycreek ziemlich winzig ist, gelingt es mir meinen schweren Rucksack in ihr zu verstauen.
    Nun, das Zelt übersteht den ersten Test mit Bravour, weder Wind noch Regen können ihm etwas anhaben.
    Da es am Morgen immer noch regnet, starte ich erst gegen 8.30. Die Temperatur beträgt lediglich 5 Grad, es ist feucht und düster. Innerhalb kürzester Zeit sind meine Socken in den Trailrunningschuhen von Inov-8, Roclite 315 durchnässt. Das macht mir allerdings nichts aus, so lange ich in Bewegung bleibe. Auch das Tragen der Laufschuhe ist etwas Neues für mich, da ich bisher all meine längeren Wanderungen in konventionellen Wanderstiefeln absolviert habe. Nun, Schottland ist bestimmt ein hartes Testgelände für das Laufen in Trailrunningschuhen, wenn es hier funktioniert, wäre das schon bemerkenswert…Ebenso gilt bisher die Lehre, dass schwere Rucksäcke und leichte Laufschuhe nicht zusammen passen, wir werden sehen….
    Zunächst mal freue ich mich darüber, dass meine Schuhe mit nur 630 g, gerade mal ein Drittel von Wanderstiefeln wiegen, was sich bei jedem Schritt positiv bemerkbar macht.
    Ich habe den in Google Earth erstellten Track auf mein GPS übertragen und auch Papierausdrucke meiner Route dabei. Zusätzlich führe ich aber auch für die gesamte Strecke neun topographische Karten im Maßstab 1.50.000 mit. Das hört sich zwar nach Navigationsoverkill an, aber ich liebe die Möglichkeit der Flexibilität in meiner Routengestaltung, die mir die detailreichen, topographischen Karten bieten.
    Gegen Mittag, als ich den Gipfel von Stob Coire a Chearcail erreiche, bin ich am mit 770 Metern höchstem Punkt des heutigen Tages angelangt. So langsam scheint sich auch schöneres Wetter durchzusetzen.






    Schöneres Wetter beginnt sich durchzusetzen

    Manchmal sehe ich etwas Rotwild, oder einige Schneehühner fliegen vor mir auf, ansonsten wirkt die Landschaft relativ leblos. Nur langsam verliere ich an Höhe, bis unter mir das Tal Cona Glen liegt.


    Abstieg ins Cona Glen

    Beim Abstieg entdecke ich im hohen, gelben Gras eine Kreuzotter, die sich zunächst unbeweglich gibt. Als ich sie ausgiebig fotografiere, richtet sie ihren Kopf auf, scheint schließlich ihren Leib regelrecht aufzupumpen und gibt ein gefährliches Zischen von sich. Zwar ist die Kreuzotter giftig, aber sie wirkt denn doch nicht so aggressiv, dass mich das vom Fotografieren abhalten könnte…






    Kreuzotter

    Im Cona Glen angekommen, stoße ich auf den Cape Wrath Trail, der hier einem Fahrweg folgt. Bald erreiche ich die Corrlarach Bothy.


    Corrlarach Boty im Cona Glen

    Die Bothys sind ehemalige Farmhäuser, die von einem Verein, der Mountain Bothy Association restauriert wurden, und als unentgeltliche Unterkünfte für Wanderer dienen. Zwar ist die Bothy schön gelegen, das Innere wirkt aber eher kalt und ungemütlich. Immerhin wachsen hier in der geschützten Tallage schon wieder Bäume wie Birken, Kiefern und sogar einige Eichen.
    Als ich einem stechenden Aasgeruch folge, entdecke ich einen toten Hirsch. In den nächsten Tagen sollte ich noch zahlreiche weitere finden, bzw. riechen…
    Offenbar war der Winter tatsächlich ziemlich hart, allerdings scheint es hier auch einfach viel zu viel Rotwild zu geben…


    Toter Hirsch

    Leider konnte sich die Sonne nicht durchsetzen, daher liegt eine eher düstere Stimmung über Cona Glen. Die letzten Kiefern vor der Baumgrenze als ich weiter im Tal hochsteige, sind knorrige, alte Veteranen.


    Knorrige Kiefern im Cona Glen

    Schließlich verlasse ich das Tal über einen Pfad, der zu einem Pass führt und schlage irgendwann mein Zelt auf. Jetzt ziehe ich die nassen Socken aus, und lege meine wasserdichten Seal Skinz Socken an, in denen ich auch in den nassen Schuhen trockene Füße behalte.
    Neben 250 Gramm Nudeln und einer Carbonarasauce verfeinern noch 50 Gramm Butter mein Abendessen. Den ganzen Tag lang ist mir kein anderer Mensch begegnet. Erstaunlicherweise sah ich trotz der kühlen Temperatur neben der Schlange noch eine Eidechse.
    http://geraldtrekkt.blogspot.de

  • Fayter
    Gerne im Forum
    • 28.04.2013
    • 96

    • Meine Reisen

    #2
    AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

    Schöne Fotos! Bin schon gespannt wie's weitergeht und vor allem welche Route du gewählt hast. Darf man fragen wie sich deine Verpflegung ungefähr zusammensetzt?
    “Der menschliche Schädel zerspringt bei einem Druck von ungefähr 250 Kilo – aber die menschliche Seele ist weitaus empfindlicher.”

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    • Wildniswanderer
      Erfahren
      • 08.11.2008
      • 402

      • Meine Reisen

      #3
      AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

      Statt meinem gewohnten Müsli mit Milchpulver habe ich diesmal 2 Ritter Sport Nussschokoladen über den Morgen verteilt gegessen. Mittags eine 125 g Tüte Macadami Nüsse und abends 250 g Nudeln mit Tütensoße, Kartoffelbrei oder ein Fertiggericht, alles mit 50 g Butter. Damit bin ich auf 3300 Kalorien am Tag gekommen, bei 617 Gramm. Das ist für mich aber zu wenig, und führt zu Gewichtsverlust, was bei 20 Trekkingtagen aber kein Problem ist. Bei einer längeren Tour würde ich 4000 Kalorien anstreben, was knapp 800 g entspricht.
      http://geraldtrekkt.blogspot.de

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      • StepByStep
        Fuchs
        • 30.11.2011
        • 1194

        • Meine Reisen

        #4
        AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

        Warst du letzten Mittwoch auf Donnerstag in Ft William am Campingplatz? Wenn ja hab ich da dein Zelt bewudnert ;)

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        • Wildniswanderer
          Erfahren
          • 08.11.2008
          • 402

          • Meine Reisen

          #5
          AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

          Zitat von StepByStep Beitrag anzeigen
          Warst du letzten Mittwoch auf Donnerstag in Ft William am Campingplatz? Wenn ja hab ich da dein Zelt bewudnert ;)
          Nein, ich bin schon länger wieder in Deutschland
          http://geraldtrekkt.blogspot.de

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          • Borderli
            Fuchs
            • 08.02.2009
            • 1705

            • Meine Reisen

            #6
            AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

            Ich brauchte lange, bis ich zu der Einsicht kam, dass trockene Füße überbewertet werden... Die Inov8s haben mir dabei geholfen. Leider passen sie nicht mehr an meine Problemfüße, so dass ich wieder mit schweren Stiefeln und trockenen Füßen unterwegs bin.

            Ein guter Start in den Bericht, mit schönen Bildern! Ich bin auch auf die Route gespannt, die du gewählt hast!

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            • Hunter9000
              Dauerbesucher
              • 02.06.2012
              • 646

              • Meine Reisen

              #7
              AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

              Schöner Start eines CWT Berichts! Bin schon gespannt darauf, wie es weiter geht.

              Ich fürchte mich ja vor dem Tag, andem ich in Schottland einer Kreuzotter begegne; ich mag die Viecher schon nicht, wenn ich ihnen in Österreich und in Zivilisationsnähe begegne. Ich und meine Schlangenphobie...

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              • theslayer
                Dauerbesucher
                • 13.11.2013
                • 569

                • Meine Reisen

                #8
                AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                Toller Bericht, freue mich auf die Fortsetzung.
                Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
                Pamir Highway 2019 / Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

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                • berniehh
                  Fuchs
                  • 31.01.2011
                  • 1780

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                  Eine sehr interessante Route ist das.
                  Die Fotos von der Kreuzotter finde ich spitze
                  Bin schon gespannt wie es weitergeht, obwohl ein Stück habe ich ja schon in deinem Blog weitergelesen
                  www.trekking.magix.net

                  Kommentar


                  • Wildniswanderer
                    Erfahren
                    • 08.11.2008
                    • 402

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                    Während ich normalerweise zum Frühstück immer Müsli mit Milchpulver esse, besteht mein Morgenproviant auf dieser Reise aus zwei Ritter Sport Nussschokoladen. Die eine esse ich noch im Zelt vor Aufbruch, die Andere im Laufe des Morgens. Die Nächte im schottischen Frühling sind kurz, so bin ich um halb sechs Uhr morgens schon wieder unterwegs. Ein langer Abstieg führt mich in das Tal des River Gallop.


                    Abstieg ins Tal des River Gallop

                    Die Gegend unten am Fluss scheint recht häufig besucht zu werden, es gibt einen Parkplatz, Aussichtspunkte und Infotafeln.
                    Unter einem strahlend blauen Himmel erscheint die Landschaft am Loch Shiel um Glenfinnan wunderschön.


                    Glenfinnan

                    An diesem Sonntag Morgen nutzten etliche Ausflügler das schöne Wetter. Ein Mountainbiker hat sogar einen Eispickel auf seinen Rucksack geschnallt…
                    An der Corryhully Bothy verlasse ich den Cape Wrath Trail wieder und laufe talaufwärts zu einem Pass der ins Gleann Donn führt. Es ist jetzt angenehm warm, so dass ich lediglich mein T-Shirt trage.
                    Im Gleaann Donn wundere ich mich zunächst, dass auf dieser weglosen Strecke, Läufer die Hänge herunter schießen, erfahre dann aber, dass hier ein 2- tägiges Bergrennen im Gange ist, mit 500 Teilnehmern. Glücklicherweise nehmen nicht alle die Route durch das Tal…


                    Abstieg zum Loch Beoraid

                    Zwei junge Rothirsche kommen in unmittelbarer Nähe an mir vorbei.


                    Junger Rothirsch im Gleann Donn

                    Schließlich erreiche ich Kinlochbeoraid, ein verlassenes Gehöft. Wie wohl das Leben früher hier war?


                    Kinlochbeoraid

                    Ein steiler Grashang, den ich bald darauf erklimmen muss um auf eine Hochebene zu gelangen, entpuppt sich als das bislang härteste Wegstück, schließlich ist mein Rucksack noch nicht viel leichter geworden, obwohl ich mit dem Tragesystem des MacPac gut zufrieden bin.
                    Bei herrlichstem Wetter streife ich weiter weglos durch die Berge. Es ist so warm, dass ich mich bei einer Pause sogar etwas sonnen kann!


                    Weglos durch die Berge

                    Schließlich schlage ich mein Lager am Lochann Bhrodainn auf, und nütze das gute Wetter für ein Bad im See.


                    Lager am See

                    Nach dem Abendessen erkunde ich die Umgebung, zum Einen um mir den weiteren Weg für Morgen anzuschauen, hauptsächlich aber auch, weil ich es liebe, unbeschwert vom großen Rucksack mit Fernglas und Kamera noch ein wenig umherzuspazieren.
                    Die Gegend wird von schroffen Granitbergen und Felsen geprägt, die sich im schönen Abendlicht darbieten.


                    Schroffe Granitberge im Abendlicht

                    Die Abstiegsroute zum Loch Morar ist ziemlich steil, aber machbar, wie ich feststelle.


                    Abstiegsroute zum Loch Morar

                    Erstmals schmiere ich mir meine Füße mit Vaseline ein. Die fetthaltige Creme soll das Aufweichen der Füße verhindern, welches rasch zur Bildung von Blasen führen kann.

                    Morgens ist es zwar zunächst noch leicht bedeckt, aber ein weiterer freundlicher, nicht gerade "schottlandtypischer" Tag scheint mich zu erwarten.
                    Die gestern erkundete Abstiegsroute ins Glenn Taodhait entpuppt sich als zwar steil, aber machbar. Unten wachsen dann auch schon wieder die ersten Birken.


                    Birken im Glenn Taodhait

                    Bald stoße ich auf einen schmalen Pfad, der mich zum Ufer des großen Loch Morar bringt und auch noch weiter der Uferlinie folgt.


                    Loch Morar

                    Unweit des östlichen Endes des Sees stoße ich auf die herrlich abgelegene, zweistöckige Oban Bothy. Es wäre sicher eine tolle Erfahrung, mit der Hütte als Basis einige Tage lang diese schöne Gegend zu erkunden.
                    Am Ostufer des Sees gibt es keinen Weg, statt dessen müssen einige zum Ufer steil abfallende Klippen umklettert werden. Das entpuppt sich als unproblematisch, aber bei meiner Planung in Google Earth war ich mir nicht sicher gewesen, ob es möglich ist, hier einen Weg zu finden.
                    Bei zunehmend schöner werdendem Wetter folge ich dem Tal des Adhainn Ceann Loch Morar.




                    Im Tal des Adhainn Ceann Loch Morar

                    Zu meiner Überraschung stoße ich im oberen Abschnitt des Tales auf zwei ältere Schweizer Paare, die glauben auf der Hauptroute des Cape Wrath Trail zu sein. Als ich sie darüber aufkläre, dass sie wohl ins falsche Tal abgebogen sind, kommt vor allem bei den Damen leichter Ärger auf, da sie ein Stück den selben Weg zurück gehen müssen…
                    Im Glen Dessary gelange ich wieder auf den Trail. Allerdings gefällt mir die Gegend gar nicht: Monotone Sitkafichtenplantagen und schlammige, breite Wege. Glücklicherweise lasse ich diese Zone schon bald hinter mir.
                    Im Finiskaig Tal treffe ich den einzigen Wanderer auf der ganzen Tour, der bis zum Cape Wrath wandern will. Er hat eine Angelroute dabei, mit der er hofft seinen Speiseplan aufbessern zu können…


                    See im Finiskaig Tal

                    Aber es gibt hier nicht nur Seen, abrupt verengt sich das Tal zu einer kurzen, aber nicht ganz einfach zu passierenden Schlucht.


                    Schlucht am Finiskaig River

                    In Schottland ist das Wetter selten stabil, daher wundert es mich auch nicht, als am späten Nachmittag dunkle Wolken aufziehen und der Regen jeden Moment zu beginnen scheint. Gerade rechtzeitig entdecke ich einen toll gelegenen Zeltplatz oberhalb einer Klamm, mit Aussicht bis zum Meer.


                    Toller Zeltplatz am Finiskaig River

                    Als der Regen aufhört, ist es immer noch warm, so dass ich draußen kochen kann. Anschließend unternehme ich noch einen Spaziergang in die Umgebung. Der Birkenwald am Fluss wirkt schön frisch nach dem Regen.


                    Birkenwald

                    Aber der Blick zurück zum Lager erinnert auch daran, dass Bäume hier nur an geschützten Stellen wachsen können.


                    Wer findet mein Zelt?

                    Die Nacht ist mild und feucht, daher wundert es mich nicht, dass einige der berüchtigten Midges, dass sind kleine, schwarze Stechfliegen, versuchen durch das Moskitonetz zu gelangen. Allerdings bleibt das auch der einzige Kontakt mit den Plagegeistern auf der ganzen Wanderung. Offenbar bin ich zum richtigen Zeitpunkt unterwegs…
                    http://geraldtrekkt.blogspot.de

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                    • Wanderreiterin
                      Erfahren
                      • 10.01.2010
                      • 344

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                      Ich hab das Zelt entdeckt... Aber wann geht es weiter?

                      Sehr schöner Bericht und tolle Fotos! Meine erste Kreuzotter hab ich auf dem Westweg gesehen, die hat aber nicht gewartet, bis ich ein Foto machen konnte
                      Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben. Abraham Lincoln

                      Kommentar


                      • codenascher

                        Alter Hase
                        • 30.06.2009
                        • 4301

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                        auch ich warte gespannt auf die Fortsetzung . Hört sich bisher sehr sehr vielversprechend an


                        gesendet vom Schmatfon

                        Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

                        meine Weltkarte

                        Kommentar


                        • Wildniswanderer
                          Erfahren
                          • 08.11.2008
                          • 402

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                          Als ich kurz nach sechs am nächsten Morgen los wandere, verschleiert leichter Dunst die Konturen der Landschaft.


                          Früh morgens

                          In der flachen Ebene am Loch Nevis treffe ich auf ein 6- köpfiges Rudel Rotwild. Es wirkt ungewöhnlich auf mich, die Hirsche in der Nähe von Ruinen am Meer in der gespenstischen Atmosphäre des Morgennebels anzutreffen.




                          Rotwild am Meer

                          An der Sourlies Bothy die ich bald darauf passiere, scheint noch niemand wach zu sein. Offenbar wurde drinnen kräftig geschnarcht, denn zwei Leute haben sich in ihren Schlafsäcken unter den freien Himmel zurück gezogen…


                          Loch Nevis und Sourlies Bothy


                          Morgennebel über Loch Nevis

                          Ich umgehe die steil zum See abfallenden Uferklippen und stehe dann bald am Rand der weiten, flachen Sumpfebene des River Carnoch.


                          Die Sumpfebene des River Carnoch

                          Hier trockene Füße zu behalten ist völlig unmöglich, aber es gibt auch eine ganze Reihe von Stellen an denen man deutlich tiefer einsacken kann, als nur bis über die Füße…
                          Zwar gefallen mir Landschaften bei Sonne und blauem Himmel grundsätzlich besser, aber die leicht mystische Atmosphäre, die der Morgennebel der Landschaft verleiht, passt durchaus hierher…
                          Um auf die andere Seite des Flusses zu gelangen, muss ich den Carnoch durchwaten. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil des Laufens in Trailrunningschuhen. Es ist nicht notwendig zeitaufwendig erst einmal die Watschuhe wie Crocs etc. anzuziehen, man läuft einfach hindurch und normalerweise sind die Schuhe dann auch rasch wieder trocken, natürlich nicht in Schottland…


                          Im Carnoch Tal

                          Als ich das Carnoch Tal weiter hoch laufe, treffe ich den französischen Wanderer von gestern. Obwohl er bereits in Alaska und im Yukon unterwegs war, hätte er sich Schottland nicht so nass und schwierig vorgestellt…
                          Später treffe ich ihn ein letztes Mal: Ich rieche ein Feuer und denke, dass es ihm gelungen ist, einen Fisch zu angeln. Das entpuppt sich aber als Fehleinschätzung, zwar stammt das rauchige Feuer tatsächlich von ihm, aber statt einen Fisch zu grillen, versucht er mit dem Qualm seine Stiefel zu trocknen! Zwar sage ich ihm, dass ich das für ziemlich sinnlos halte, weil selbst wenn die Prozedur erfolgreich ist, dann nur für sehr überschaubare Zeit, aber natürlich lässt sich der tapfere Gallier nicht von mir abhalten…
                          Ein Stück weiter steige ich steil, weglos hoch zum Pass Mam Unndalain. Glücklicherweise gibt es zwischen den Granitrippen immer wieder Grasbänder, so dass der Aufstieg kein Problem darstellt.


                          Aufstieg zum Pass Mam Undalain

                          Oben angelangt, reißen die Wolken auf, und es wird so angenehm warm, dass man sich sogar sonnen kann. Vom Pass kann ich bereits die Meeresbucht Loch Hourn sehen.


                          Blick vom Pass

                          Ein guter Weg führt abwärts ins Glenn Unndalain, und bald habe ich das Gut Barisdale erreicht, wo man campen oder in einer Bothy übernachten kann.


                          Barisdale bietet Übernachtungsmöglichkeiten

                          Weiter folge ich einem tollen Pfad, der oberhalb des Südostufers der Meeresbucht Loch Hourn verläuft. Die Vegetation ist mit hoher Heide, Ginster, Birken und Kiefern erstaunlich dicht. Die Ausblicke über den von Bergen eingefassten Meeresarm sind fantastisch!


                          Am Loch Hourn


                          Blühender Ginster


                          Ein toller Pfad führt durch die recht üppige Vegetation

                          Gegen 18 Uhr schlage ich mein Lager bei einem Hügel unterhalb der Bucht auf. Heute koche ich Kartoffelbrei, verfeinert mit 50 Gramm Butter und zwei Brühwürfeln. Mein kleiner Titantopf kann diese Menge so gerade aufnehmen, aber beim Umrühren muss ich aufpassen, dass nichts neben den Topf fällt. Mehr als 160 Gramm Kartoffelbrei lassen sich in dem 900 ml Topf nicht zubereiten.
                          Nach dem Essen unternehme ich noch einen Spaziergang. Als ich zurückkomme, glaube ich meinen Augen nicht zu trauen, ein junger Hirsch befindet sich unmittelbar in der Nähe meines Zeltes!


                          Ein junger Hirsch besucht mein Zelt!

                          Ein Engländer und zwei Schottinnen haben den Hirsch ebenfalls gesehen und unterhalten sich eine Weile mit mir. Die sympathischen Leute können überhaupt nicht glauben, dass man in Deutschland nur auf Campingplätzen zelten darf!
                          Später genieße ich die fantastischen Lichtstimmungen des Sonnenuntergangs von meinem "Aussichtshügel" aus.






                          Tolle Sonnenuntergangsstimmungen über Loch Hourn

                          Bei herrlichem Wetter laufe ich am nächsten Morgen noch ca. 1,5 Stunden bis nach Kinlochhourn, einem Ort der nur aus wenigen Häusern besteht. Allerdings ist es mittlerweile sehr windig.




                          Morgen am Loch Hourn

                          Hinter Kinlochhourn verlasse ich den Cape Wrath Trail und steige weglos in Richtung des 918 m hohen Creag nan Damh auf.


                          Weglos Richtung Creag nan Damh

                          Das Wetter verschlechtert sich zusehends, was sehr schade ist, da ich mich auf den vor mir liegenden Gratabschnitt gefreut hatte. Am Grat angekommen tauche ich in dichten Nebel ein, aus dem es dann immer stärker zu regnen beginnt. Dennoch folge ich der weitgehend schneefreien Kammlinie weiter. Allerdings verraten ausgedehnte Schneefelder an den Hängen, dass der Winter noch lange nicht vorbei ist. An einer eigentlich einfachen Kletterstelle kehre ich um. Das Wetter wird mit heftigem Regen, Nebel und peitschendem Wind immer ungemütlicher. Es hat keinen Sinn dem Grat weiter aufwärts zu folgen. Nur wo steigen ich ab? Nach Süden zurück zu gehen, kommt für mich nicht in Frage, also muss ich eine Route zum Glen Shiel finden. Ein sehr steiles Gras- und Blockfeld erscheint mir machbar, aber ich gehe wie auf rohen Eiern um auf den glitschigen Steinen nicht abzurutschen. Meine Trailrunningschuhe mit ihrem grobem Profil bestehen hier eine Bewährungsprobe grandios. Mit Stiefeln wäre ich nicht besser klar gekommen!


                          Blockfeld

                          Nachdem ich den Abstieg vom Grat bewältigt habe, liegt das gröbste Stück Arbeit zwar hinter mir, aber die darauf folgenden, tief eingeschnittenen Schluchten sind bei der Nässe ebenfalls nur mit großer Konzentration zu bewältigen.
                          Schließlich habe ich die Straße im Glen Shiel erreicht, der ich Richtung Osten folge. Heute noch in die steilen Hänge auf der anderen Seite einzusteigen ist sinnlos, da der Regen sogar noch an Stärke zulegt. Schließlich entdecke ich einen zum Lagern geeigneten Platz unmittelbar am River Shiel.
                          Ein Nachteil meines Zeltes ist, dass zunächst das Innenzelt aufgebaut werden muss. Im Regen wird es dabei zwangsläufig nass. Das ist aber nicht weiter schlimm, da der Aufbau schnell geht, und ich hinterher halt das Innenzelt auswische. Meine Sachen, die von einem Müllsack im Inneren des Rucksacks geschützt werden, sind trocken geblieben. Kameraausrüstung und Quilt sind allerdings extra noch in Trockensäcke verpackt.
                          Beim Abwaschen rutsche ich aus, und lande fast im Bach. Das bleibt mir zwar erspart, dafür liegt mein Löffel aber im Wasser. Glücklicherweise entdecke ich ihn nach einiger Suche und kann ihn bergen...
                          http://geraldtrekkt.blogspot.de

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                          • Wildniswanderer
                            Erfahren
                            • 08.11.2008
                            • 402

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [UK] Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                            Glücklicherweise hat der Regen am nächsten Morgen aufghört, aber die Temperatur beträgt lediglich 6 Grad, und es ist ziemlich windig. Eigentlich hatte ich vor, meine Route weglos auf der anderen Talseite fortzusetzen, aber nur wenige Meter über dem Tal ist die Landschaft in dichten Nebel gehüllt. Daher beschließe ich zunächst der Straße weiter zu folgen. Meine Kleidung ist zwar ziemlich klamm, aber mein Regenzeug hat den gestrigen Fluten recht gut stand gehalten.
                            Nachdem ich das Cluanie Inn passiert habe, biege ich in das Tal An Caoran Mhor ein. Ich habe noch nie so viel Rotwild gesehen. An einer Stelle kann ich gleichzeitig über 300 Stück beobachten, die in Rudeln von etwas 60 Individuen die Talhänge bevölkern.


                            Massen von Rotwild im An Caoran Tal

                            Der Fahrweg, dem ich für kurze Zeit folge, endet rasch, und ich folge weitgehend weglos dem breiten, nassen Tal. Immer wieder gehen Schauer nieder und eine recht düstere Atmosphäre liegt über der Landschaft.




                            An Caoran Mhor

                            Schließlich erreiche ich das obere Glen Affric, wo ich zu der Jugendherberge Alltbeite über eine Hängebrücke gelange. Zwar habe ich nicht vor hier zu übernachten, aber mich interessieren die Umstände unter denen die Herberge an einem so einsamen Ort geführt wird.
                            Als ich in das einfache Gebäude eintrete, lädt mich die Wirtin Hanne gleich zu einer Tasse Tee ein. Hanne, ist das ein schottischer Name? Nein, natürlich nicht! Die Herbergsmutter stammt ursprünglich aus Dänemark, hat sich aber bereits vor langer Zeit in Schottland verliebt. Inzwischen wohnt sie in Inverness und betreut seit 14 Jahren in 3- Wochen Schichten die Herberge. Zwar sind gerade keine anderen Gäste anwesend, aber es kann hier auch mal durchaus lebhaft zugehen…
                            Lediglich ein Holzofen sorgt für Wärme und dient auch der Essenszubereitung. Für Gäste gekocht wird allerdings nicht, jeder muss sich selbst versorgen.


                            Die Jugendherberge Alltbeite

                            Nachdem ich mich etwas aufgewärmt habe, geht es wieder hinaus in den nasskalten Wind. Heute werden auch meine Füße nicht richtig warm, an Trocken werden ist nicht zu denken. Zwar gibt es auf der linken Talseite einen Weg, ich folge aber der rechten Seite weiter, und die ist ziemlich sumpfig…


                            Das obere Glen Affric

                            Bei den Häusern von Achnamulloch steht ein Bulli einer Organisation, die den ursprünglichen Kiefernwald renaturieren will. Hanne hatte mir davon erzählt. Die Anpflanzungen können zum Schutz vor Schafen und Hirschen nur im Schutz von Zäunen gedeihen. Diese dicht zu halten ist eine Sisyphusarbeit…
                            Am Rande des Loch Affric zeigen sich die ersten knorrigen Kiefern und bald beginnt der ursprüngliche Kiefernwald für den das Glen Affric berühmt ist. Einst waren weite Teile Schottlands von diesem kaledonischen Kiefernwald bedeckt, aber große Bereiche davon wurden schon vor langer Zeit gerodet. Schafe und Rotwild sorgen dafür, dass der Wald sich auch nicht wieder ausbreiten kann.


                            Lager im knorrigen Kiefernwald

                            Mit lediglich drei Grad ist es unangenehm feucht- kalt, zudem weht ein scharfer Wind. Daher ziehe ich es wieder einmal vor, in der Miniapsis meines Zeltes zu kochen.
                            Dennoch lasse ich es mir nicht nehmen, noch einen kleinen Abendspaziergang zu unternehmen. Kiefernwald und See, hinter dem zum Teil noch schneebedeckte Berge aufragen, sind auch bei dem ungemütlichen Wetter malerisch anzuschauen.





                            Abend am Loch Affric

                            Um in meinem nur 650 Gramm leichten Kunstfaserquilt der spanischen Ultraleichtmanufaktur As Tucas warm zu bleiben, ziehe ich all meine Sachen, nebst Mütze an…
                            Über Nacht klart es auf und es gibt leichten Frost.




                            Ein herrlicher Morgen bricht an

                            Als ich mein Zelt abbaue, höre ich merkwürdige "kullernde" Geräusche, die mir irgendwie bekannt vorkommen. Nachdem ich ein Stück gegangen bin, sehe ich auch die Urheber, und es wird mir klar, woher ich diese Geräusche kenne: Die Laute balzender Birkhähne habe ich bisher nur in Naturfilmen gehört. Aber hier, bei einer Felsrippe im Moor, tanzen tatsächlich drei kohlrabenschwarze Birkhähne, wobei sie kullernde und zischende Geräusche von sich geben. Natürlich möchte ich die seltenen Vögel fotografieren, immerhin habe ich ja ein 70-300 mm Teleobjektiv dabei. Leider nehmen mich die Hähne wohl bald wahr und verlassen fliegend die Arena. Da ich bezweifele, dass sie bald zurück kehren werden, setze ich meine Wanderung auf dem Fahrweg fort.
                            Obwohl die Sonne scheint, wird es erst ab Mittag spürbar wärmer. Je tiefer ich absteige um so üppiger wird der Wald. Neben den Kiefern wachsen hier auch viele Birken. Der Boden ist mit einer dichten Vegetation aus Moosen, Heidekraut und Heidelbeeren bedeckt. Der viele Regen hat halt auch seine Vorteile…


                            Üppige Bodenvegetation

                            An den Loch Affric, schließt sich im Tal ein weiterer See an, der größere Loch Beinn a Mheadhoinn.
                            Nach einer Pause schießt es mir siedend heiß in den Kopf: Ich habe GPS und Kompass liegen gelassen! Zum Glück bin ich gerade nicht weglos unterwegs, daher finde ich den Platz ohne Probleme wieder, muss aber ziemlich weit zurück laufen!
                            Bei dem schönen Wetter ergeben sich immer wieder herrliche Ausblicke über Wald, See und Berge.






                            Im Glen Affric

                            Am Nachmittag verlasse ich das Tal jedoch und steige weglos zu den Kämmen zwischen Affric Tal und Loch Mullardoch auf. Einige vom Wind gebeugte, kleine Kiefern versuchen die Berge zu erobern…


                            Pionier

                            Die flachen Kämme sind von zahlreichen torfigen Gräben durchzogen, daher ist das Vorankommen nicht ganz so einfach, wie man von einem flüchtigen Blick auf die Landschaft erwartet…
                            Hier oben weht ein scharfer Wind, dennoch macht es mir große Freude, bei der guten Sicht langsam aufzusteigen.


                            Flache Kämme

                            Weiter oben wird der Rücken schmaler, und die Vegetation immer kärglicher. Ich passiere eine Reihe von Schneefeldern.




                            Karge Vegetation in höheren Lagen

                            Schließlich erreiche ich den 1053 Meter hohen Gipfel des Toll Creagach. Es ergeben sich tolle Aussichten über die noch ziemlich verschneiten Berge der Umgebung.


                            Toll Creagach

                            Es ist zwar schön hier oben, aber auch kalt und windgepeitscht, daher möchte ich mir für mein Lager ein etwas geschützteres Plätzchen weiter unten suchen. Doch zunächst begutachte ich meine weitere Route mit dem Fernglas. Obwohl die Grate weitgehend schneefrei sind, gibt es einige steile Kletterstellen, an die man sich ohne Steigeisen und Pickel besser nicht herantraut. Daher beschließe ich morgen die Hänge in den bereits schneefreien Lagen zu traversieren.


                            Es liegt noch recht viel Schnee

                            Auf einer halbwegs flachen Stelle im Hang oberhalb des Loch Mullardoch schlage ich mein Zelt auf. Die Temperatur beträgt lediglich noch 6 Grad und es weht ein scharfer Wind, daher koche ich wieder einmal in der Apsis.


                            Lager oberhalb von Loch Mullardoch

                            Ich bin bereits dabei einzunicken, als oranges Licht auf die Zelthülle fällt. Die Sonne versinkt spektakulär hinter den Bergen, ein Schauspiel, dass ich mir nicht entgehen lassen kann!


                            Spektakulärer Sonnenuntergang

                            Als ich um halb sieben Morgens wieder aufbreche, beträgt die Temperatur lediglich O Grad, so dass ich zunächst in langer Unterhose, dünnem Fleece und leichter Primaloftjacke loslaufe, doch bereits beim ersten Anstieg trage ich nur noch T-Shirt und darüber ein sehr leichtes Windshirt aus Nylon.
                            Es ist heute fast windstill und bald recht warm.


                            Weglos oberhalb von Loch Mullardoch

                            Meist ist das Traversieren von Hängen schwieriger als ein Auf- oder Abstieg, aber ich komme gut zurecht, da die Abhänge meist nicht zu steil sind. Einige Male muss ich zu in Täler ab- und dann wieder aufsteigen.


                            Abstiege in einige Täler

                            Einer der Bäche ist so breit, dass ich ihn durchwaten muss. Dafür, dass meine Füße blasenfrei bleiben, ist es sehr wichtig, dass ich sie ab und zu an der Luft trocknen lasse.


                            Das Lüften der Füße ist wichtig zur Blasenprävention

                            Am Westende des Sees gelange ich auf einen Weg, der mich bis ins Srath Duilleach Tal führt.


                            Das Westufer von Loch Mullardoch

                            Beim Abstieg zu dem einzeln gelegenen Haus der Iron Lodge, beginnt es stetig, aber zunächst schwach zu nieseln. Weder an der Iron Lodge noch in Carnach, einem weiteren einzelnem Gehöft ist ein Mensch zu sehen. Statt dessen wimmelt es im Tal mal wieder von Rotwild…
                            Auf der Höhe von Carnach steige ich in einem Bachtal steil aufwärts Richtung Norden. Zwar ist hier auf der Karte "Killilan Forest" eingezeichnet, aber von Wald gibt es keine Spur.
                            Als die Schlucht flacher wird, schlage ich mein Zelt auf, nicht zu früh, denn mittlerweile hat der Regen an Stärke gewonnen.


                            Im "Killilan Forest"

                            Bei meinem Aufbruch am nächsten Morgen ist es mit 8 Grad recht mild und der Niederschlag hat zunächst aufgehört…Aber nicht für lange, bald prasselt der Regen immer stärker auf mich ein, und soll heute auch nicht mehr aufhören. Ein Stück oberhalb meines Nachlagers ist der Nebel so dicht, dass ich keine Details in der Landschaft ausmachen kann. Ich bin froh, dass ich hier mit GPS und Kompass navigieren kann. Dabei schalte ich das Satellitennavigationsgerät nur gelegentlich ein, um zu schauen, ob ich noch auf Kurs bin, ansonsten halte ich die Richtung mit dem Kompass. Meine Route hatte ich mir zu Hause am Computer in Google Earth erstellt und auf das GPS übertragen. Eine Karte von Schottland habe ich allerdings nicht in dem Gerät.
                            Das rauhe, mit zahlreichen Felsblöcken versehene Gelände macht das Vorankommen auch nicht gerade leichter. Dumm ist es als ich in meiner Richtung auf einen sehr steilen Hang treffe…
                            Glücklicherweise reisst der Nebel kurz auf, und ich kann in der Ferne unterhalb von meinem Standort den River Ling ausmachen, der quer zu meiner Route liegt.
                            Heute bin ich froh, dass ich lange Überhandschuhe dabei habe, die eine ganze Zeit lang verhindern, dass die Nässe durch meine Jackenärmel dringt. Schließlich sind aber auch die eigentlich wasserdichten Handschuhe völlig durchweicht…
                            Nach der Durchwatung des Ling folge ich dem Black Water weiter aufwärts. Das hohe Heidekraut hier durchnässt mich zusätzlich.
                            Eigentlich laufe ich ja lieber weglos, heute aber bin ich froh, als ich an einer Brücke wieder auf den Cape Wrath Trail stoße, der hier einem Fahrweg folgt. Normalerweise wäre es sinnvoll unter diesen Bedingungen bei Zeiten das Zelt aufzuschlagen, aber ich habe mir vorgenommen nach Strathcarron zu gehen, wo es ein Hotel gibt. Ich hoffe, dass ich dort ins Internet kann, was für mich gerade wichtig wäre…
                            Eigentlich sind es nur noch fünf Kilometer bis Strathcarron, aber ich verpasse eine Abzweigung, daher mache ich einen riesigen Umweg, der mich zu den Gärten von Attadale führt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich gar nicht mehr auf meine in eine wasserdichte Hülle verpackte Karte geschaut hatte. So bleibt mir nichts anderes übrig, als der Straße am Loch Carron entlang zu folgen, doch schließlich habe ich das Hotel erreicht. Ein Angestellter sagt, dass mich der Chef bestimmt nachher ins Internet lässt, und so checke ich ein, und genieße erst mal eine warme Dusche…
                            Zwar darf ich dann doch nicht den Internetcomputer des Hotels benutzen, dafür findet in dem Pub, der zu dem Etablissement gehört eine spontane Musiksession statt. Gesang, Gitarre, Klavier, Saxophon und Akkordeon werden von jungen Leuten gespielt, die einst hier wohnten und an diesem langen Wochenende mal wieder zu Hause sind. Der Kellner bedient natürlich stilgerecht im Kilt...
                            http://geraldtrekkt.blogspot.de

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                            • trekhorseIS
                              Neu im Forum
                              • 08.07.2014
                              • 4

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [UK] Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                              Wow, ein absolut toller Bericht! Ich bin echt sprachlos! Vielen Dank für deine Eindrücke!

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                              • dooley242

                                Fuchs
                                • 08.02.2008
                                • 2086

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [UK] Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                                Schöner Bericht und tolle Fotos.

                                Da freue ich mich doch auf den Rest.
                                Gruß

                                Thomas

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                                • Wildniswanderer
                                  Erfahren
                                  • 08.11.2008
                                  • 402

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [UK] Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                                  Danke für die lobenden Worte! Ich hoffe morgen komme ich zum Weiter machen…

                                  Gerald
                                  http://geraldtrekkt.blogspot.de

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                                  • Wildniswanderer
                                    Erfahren
                                    • 08.11.2008
                                    • 402

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [UK] Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                                    Das opulente Frühstück ist im Preis enthalten, und so tue ich mich an Speck, Würstchen und Spiegeleiern gütlich.
                                    Als ich vor das Hotel trete, hat der Regen endlich aufgehört und es ist recht mild.


                                    Strathcarron Hotel

                                    Ein Stück weit folgt der Cape Wrath Trail dem River Carron, wo Schafe neben Rotwild weiden, und Massen von blühendem Ginster leuchtend gelbe Farbtupfer in die Landschaft setzen. Einmal überquert Rotwild sogar vor meinen Augen den Fluss.


                                    Der River Carron ist kein Hindernis für das Rotwild

                                    Schließlich verlasse ich das Flusstal und folge dem Fionn- abhainn aufwärts.


                                    Fionn- abhainn Tal

                                    Eine Frau mit zwei Hunden erkundet die Strecke für ein weiteres Berglaufevent. Schließlich erreiche ich den Pass Bealach Ban, von wo sich erste Aussichten auf die steilen Sandsteinberge Torridons eröffnen.
                                    Es ist windig und kühl, immer wieder gehen Schauer nieder. Trotz des nicht besonders schönen Wetters, sind etliche Tageswanderer und Mountainbiker unterwegs, die ihre Autos auf dem Parkplatz im Tal abgestellt haben.


                                    Tafel im Torridon Tal

                                    Auf der anderen Straßenseite steige ich auf einem guten Pfad im Coire Dubh Mõr auf. Irgendwann habe ich auch die letzten Tagestouristen hinter mir gelassen, und es wird immer nasser und sehr windig. Dennoch ist die Bergszenerie Torridons beeindruckend. Von den Hängen Sail Mhors eröffnen sich Ausblicke in das von markanten Bergen eingefasste, weite Lungard Tal. Bei den starken Böen, die zur Zeit herrschen, wäre mir ein geschützter Lagerplatz sehr lieb, lange Zeit finde ich aber überhaupt keine geeignete Stelle am Hang. Schließlich kann ich mein Zelt aber doch an einem Platz mit grandioser Aussicht aufschlagen.


                                    Lagerplatz am Sail Mhor

                                    Um halbwegs eben zu liegen, ließ es sich nicht vermeiden, die Breitseite des Zeltes dem Wind zuzuwenden. Das erweist sich bald als Fehler, denn die Böen biegen immer wieder die einzige Stange meines Zeltes durch. Blöderweise versuche ich die Stange einmal von innen zu richten, und handele mir dafür einige Löcher im Moskitonetz des Innenzeltes ein. Mir wird klar, dass ich unbedingt einen geschützteren Platz brauche, und werde auch bald fündig im Tal unterhalb.


                                    Mein Ausweichlager

                                    Später abends ergeben sich fantastische Stimmungen, als die Sonne immer wieder versucht, die finsteren Regenwolken zu durchbrechen.










                                    Sonne und Wolken wetteifern über dem Lungard Tal

                                    Am Morgen regnet es zunächst noch, dann geben die Wolken die Berge zunächst aber wieder frei.


                                    Am nächsten Morgen

                                    Der Pfad, dem ich gestern gefolgt war, endet hier und ich muss weglos die felsige Flanke des Ruad Stac Mhor traversieren. Daher komme ich nur langsam in dem Gelände mit seinen zahleichen, rutschigen Felsbrocken voran. Immer wieder gehen Schauer nieder, aber anschließend setzen sich häufig Sonne und blauer Himmel durch.




                                    An den Hängen von Ruad Stac Mhor

                                    Erst gegen Mittag erreiche ich einen Pass unterhalb vom Beinn Eighe. Der mühsame Aufstieg wird durch schöne Ausblicke belohnt. Der schnelle Wechsel zwischen Bewölkung und Aufklaren bewirkt quasi im Minutentakt sich ändernde Landschaftseindrücke.






                                    Faszinierende Ausblicke in die Bergwelt Torridons

                                    Ein guter Pfad führt mich hinab zu dem kleinen Ort Kinlochewe. Es gibt dort sogar einen Laden, in dem man sich neu verproviantieren kann, aber ich trage ja meine Verpflegung für die ganze Tour mit mir herum…
                                    Hier verlasse ich den Cape Wrath Trail wieder und folge zunächst dem Lauf des Kinlochewe Rivers zum Loch Maree.


                                    Kinlochewe River

                                    Die leuchtend grüne Landschaft mit knorrigen Birken- und auch kleinen Eichenwäldern stellt einen ziemlich klaren Kontrast zu den eher kargen Einöden der höher gelegenen Highlands dar. Der Pfad der oberhalb von Fluss und See verläuft ist wunderschön und abwechslungsreich. Eine tolle Gegend!








                                    Auf dem Pfad entlang von Kinlochewe River und Loch Maree

                                    Wie schon den ganzen Tag wechseln sich Sonne und Schauer miteinander ab. Ich weiss nicht, ob ich mich jemals schon so häufig Regenzeug an- und wieder ausgezogen habe…
                                    Auch als ich mein Lager aufgeschlagen habe und kochen möchte, vertreibt mich der Regen wieder ins Zelt. Es wimmelt hier von Zecken, die ich sogar auf dem Moskitonetz herumkrabbeln sehe, offenbar angelockt von meinem Duft…
                                    Beim Kochen in der Apsis passiert mir ein weiteres Missgeschick: Ich habe nicht wie sonst sofort den Topf auf die Flamme des Gaskoches gesetzt, daher schmilzt die Flamme ein Loch in die Außenhaut des Zeltes…
                                    Später hat der Regen aber für heute endgültig aufgehört und ich kann noch einen schönen Abendspaziergang unternehmen.


                                    Abendstimmung am Loch Maree

                                    Als ich zurück zum Zelt gelange, darf ich einen tollen Sonnenuntergang über dem See erleben.




                                    Sonnenuntergang am Loch Maree
                                    http://geraldtrekkt.blogspot.de

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                                    • evernorth
                                      Fuchs
                                      • 22.08.2010
                                      • 1497

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [UK] Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                                      Sehr geil der Sonnenuntergang ( sehr gutes Foto mit Zelt - viel Atmosphäre ) und ein ganz feiner Bericht - gefällt mir sehr gut
                                      ( natürlich auch die sehr guten, anderen Fotos ).
                                      My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                                      • Wildniswanderer
                                        Erfahren
                                        • 08.11.2008
                                        • 402

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [UK] Wie ich lernte nasse Füße zu lieben - 460 Kilometer durch die Highlands

                                        Es regnet in der Nacht und auch am Morgen als ich bei 5 Grad Außentemperatur aufbreche gehen noch Schauer nieder. Ich folge weiterhin dem Verlauf des Loch Maree.


                                        Loch Maree

                                        Der Pfad bleibt abwechslungsreich, besonders die relativ dichten, knorrigen Eichenwälder überraschen mich. Stellenweise sieht man große Zäune, mit denen offenbar sehr erfolgreich versucht wird, den Wald zu regenerieren. Eine tief eingeschnittene Schlucht ist moosig- üppig bewachsen.


                                        Üppig bewachsene Schlucht

                                        Schließlich erreiche ich das Gut Letterewe um das der Pfad herumführt. Das Anwesen wirkt mit seinem Rhododendrongarten ziemlich gepflegt. Letterewe verfügt über keinen Straßenanschluss aber einen Bootsanleger. Ein bischen kann man sich hier in ein schottisches Schloss aus alter Zeit hereinträumen….


                                        Letterewe

                                        Der Pfad verlässt das Seeufer und wendet sich steil landeinwärts. Noch einmal öffnen sich Blicke über den See. Sonne und Wolken kämpfen um die Vorherrschaft, die aber keiner wirklich für sich entscheiden kann.




                                        Ständig wechselndes Wetter über Loch Maree

                                        Über den Bealach nan Sac gelange ich zum steilen Pass Bealan nan Mheinidh, von wo sich grandiose Ausblicke auf die steilen Berge um den Dubh Loch eröffnen.


                                        Grandiose Bergwelt

                                        Ich steige ab zu der Verbindung zwischen den beiden Seen Dubh Loch und Fionn Loch. Ein Schild weist darauf hin, dass Wanderer hier in einer Hütte übernachten können. Ebenso wird auf die Letterewe Wilderness hingewiesen, in der campen und mountainbiken unterlassen werden sollen. Natürlich gibt es dennoch Fahrradspuren auf dem Pfad…
                                        Als die Sonne die Wolken durchbricht, erstrahlen die Seen in perfektem Licht. Die massiven Wolkenberge sorgen für Spannung im Bild.


                                        Dubh Loch und Fionn Loch

                                        An einigen Seen vorbei folge ich weiterhin dem gut erkennbaren Pfad.


                                        Der Pfad führt an einigen Seen vorbei

                                        Einmal begegne ich einer Wandererin mit großen Rucksack. Sie kommt von den Äußeren Hebriden und gönnt sich eine 5- tägige Auszeit von ihrer Familie um die Bergwelt hier zu erkunden.
                                        Über den Pass Clach na Frithealaidh steige ich ins Gleann na Muice Beag ab.




                                        Clach na Frithealaid

                                        Das Tal mündet irgendwann in die breite Ebene des Abhainn Gleann na Muice ein.


                                        Abhainn Gleann na Muice

                                        Hier im Tal wimmelt es mal wieder von Rotwild. In der Nähe der verschlossenen Bothy von Larachantivore, die wohl als Jagdhütte genutzt wird, schlage ich mein Lager auf.


                                        Zeltplatz bei Larachantivore

                                        Abends unternehme ich noch einen Spaziergang in die weite Flussebene des Abhainn Strath na Sealga und erkunde schon mal eine Stelle, wo ich den breiten Bach am nächsten Morgen durchqueren will. Die weite Landschaft erinnert mich ein wenig an die Mongolei…




                                        Das weite Strath na Sealga Tal

                                        Bei grauem Himmel starte ich bereits früh am Morgen. Den Strath na Sealga an der gestern erkundeten Stelle zu durchqueren stellt sich als einfach heraus. Nach heftigen Regenfällen kann das sicher anders aussehen…
                                        An der Shenavall Bothy treffe ich wieder auf die Hauptroute des Cape Wrath Trails. Ein Schotte mit Tagesrucksack ist schon abmarschbereit. Er erzählt, dass die Wetteraussicht für heute gut sein soll, für morgen schon wieder schlechter, typisch schottisch also….


                                        Shenavall Bothy

                                        Von der Hütte geht es in einer Schlucht steil aufwärts. Noch einmal ergeben sich schöne Ausblicke über das weite Sealga Tal.


                                        Blick zurück in das Tal des Strath na Sealga

                                        Ich laufe über eine sumpfige Hochebene und steige dann in das bewaldete Dundonell Tal ab.


                                        Abstieg ins Dundonell Tal

                                        Ich überquere die Straße und wandere meist einem Pfad folgend bei trübem Wetter über die Hochebenen. An manchen Stelle beschreibt der Ausdruck "Sumpf" den Weg allerdings besser, als wenn man von einem "Pfad" spricht…


                                        Ja, das ist der Weg!

                                        Im nächsten Tal angekommen, beschließe ich spontan in das etwa 11 Kilometer entfernte Ullapool zu trampen, um noch einmal mein Gück mit dem Internet zu versuchen.
                                        Ich stehe keine fünf Minuten an der Straße als ein Mann aus Ullapool mit zwei kleinen Kindern hält. Ich erfahre, dass es kostenloses Internet in der Bibliothek des netten Hafenstädtchens gibt. Nach einer halben Stunde habe ich meine Angelegenheiten erledigt und will zurück zum Trail. Ich stelle mich in der Nähe der Tankstelle am Ortsausgang an die Straße und habe wieder Glück, schon nach wenigen Minuten einen Lift gefunden zu haben. Von Inverlael, wo ich den Cape Wrath Trail wieder verlasse, steige ich zunächst durch dichte, junge, monotone Nadelbaumplantagen nach oben. Bald habe ich die Baumgrenze erreicht. Leider beginnt es zunehmend zu regnen. In dem welligen Sumpfland kann ich auch zunächst keinen Zeltplatz ausmachen, aber schließlich schlage ich mein Lager am Ufer des kleinen Loch Creagain auf.
                                        Auch am Morgen regnet es zunächst noch, scheint dann aber aufzuklaren.


                                        Morgen am Loch Creagain

                                        Als sich die Wolken über den Nebeln lichten und die Sonne die zum Teil noch verschneiten Berge anstrahlt, ergeben sich schöne Stimmungen.






                                        Morgenstimmungen

                                        Das schöne Wetter kann sich aber nicht durchsetzen und bald bin ich mal wieder von dichtem Nebel eingehüllt. Dank GPS ist das weglose weiter wandern, kein größeres Problem, wenn auch ziemlich zeitaufwendig. Im Srath Nimhe Tal stoße ich auf einen Pfad, dem ich bis ins Glenn Achall folge. Die dortige East Rhidoroch Lodge liegt malerisch abgelegen. Kein Mensch scheint zugegen zu sein. Den Fluss überquere ich mittels einer Hängebrücke.


                                        Hängebrücke über den Achall River

                                        Zeitweise ist jetzt die Sonne wieder da. Zwei Austernfischer und das melancholische Flöten der Goldregenpfeifer bringen Leben in die Landschaft. Von einem Fahrweg der im Tal Richtung Loch an Daimh führt, zweigt bald ein Pfad zum Loch an Eilein ab. Dieser wird allerdings zunehmend weniger erkennbar und bald folge ich weglos dem Tal des Allt nan Clar Lochan. Kräftige Schauer wechseln sich mit zeitweisen Wolkenlücken ab. Einige Male muss ich recht breite Bäche durchwaten und bin froh dabei meine Trailrunner zu tragen. Kleine Wasserfälle im eingeschnittenen Bachlauf unterbrechen die großartige, fast schon "tibetische" Weite.


                                        "Tibetische Weiten"

                                        Rappach Water sieht auf der Karte ziemlich breit aus, daher bin ich gespannt ob mir die Durchwatung Probleme bereiten wird. Aber nach kurzer Suche habe ich eine Stelle entdeckt, wo sich der Fluss in zwei Arme aufgeteilt hat und nicht sehr tief ist.
                                        Am anderen Ufer steige ich weiter gemächlich Richtung Meall a Chaorainn auf. Die Weite und Leere dieser Landschaft vermittelt mir das bislang stärkste " Wildnisgefühl" auf dieser Wanderung. Den ganzen Tag lang begegnet mir kein Mensch.






                                        Die Weiten von Assynth

                                        Der Regen scheint für heute abgezogen zu sein. Leider gelingt es mir nicht, einen flüchtigen Regenbogen gut zu fotografieren. Schließlich schlage ich mein Lager auf dem breiten Kamm zwischen Meall a Bhuirich und Meall a Chaorainn auf. Obwohl es in den Mooren hier natürlich überall Mengen von Wasser gibt, muss ich mich etwas umschauen, bis ich etwas Fließendes entdecke. Als meine Nudeln fast fertig sind, gelingt mir das Kunststück, den kleinen Topf umkippen zu lassen. Na ja, ich bin so hungrig, dass ich jeden einzelnen Sphagetti aus Torf und Heidekraut auflese…
                                        Nach 13 mal kochen ist meine erste 220 Gramm Gaskartusche leer.


                                        Lager auf breitem Kamm

                                        Abends ergeben sich im Sonnenuntergang schöne Ausblicke über die flache Hochebene zu den Bergen Assynths.


                                        Die Berge Assynths im Abendlicht
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