[NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

Einklappen

Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • andrea2
    Dauerbesucher
    • 23.09.2010
    • 765

    • Meine Reisen

    [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Land: Norwegen
    Reisezeit: 16.08.2012 – 07.09.2012
    Region/Kontinent: Nordeuropa

    Nachdem die Tour schon über ein halbes Jahr her ist wird es wirklich Zeit für den Reisebericht.

    Vorbereitung

    Die Planung für den Urlaub in diesem Jahr war ein bisschen chaotisch. Wir wollten drei Wochen in den Norden, soviel war sicher. Da keines der Kinder mitkommen würde, habe ich das erste Mal seit vielen Jahren die Fähre nur noch für zwei Erwachsene + Hund gebucht. Die Eckdaten standen also früh fest, nur wohin und was für ein Urlaub war noch komplett offen. Wäre unsere Tochter mitgekommen, hätten wir wieder einen Kanuurlaub gemacht. Jetzt hatten wir auf einmal die Möglichkeit eine richtig lange Trekkingtour zu planen. Doch dann kam ein Jobwechsel dazwischen. Lange Zeit war nicht klar, ob mein Mann seinen Urlaub in der alten Firma noch so nehmen kann wie geplant. So vergingen ein paar Wochen. In dieser Zeit hatten wir anderes im Kopf als eine Tour zu planen. Bis alles geklärt war, war nur noch wenig Zeit bis zum Urlaub. Da wir die Wandertour die wir ursprünglich für das letzte Jahr geplant hatten, und dann zugunsten einer Kanutour verworfen hatten, quasi fertig in der Schublade liegen hatten, fiel unsere Wahl auf Trekking.

    Trotzdem war noch viel vorzubereiten. Viel mehr als die Routenbeschreibung der "Hondo-Gedächtnis-Tour", wie wir sie inzwischen nannten, da es Hondo leider nicht mehr gibt, aus dem Netz runterzuladen, in eine vernünftige Form zu bringen und auszudrucken, hatte ich letztes Jahr noch nicht gemacht. Wanderkarten bestellt, Informationen hier im Forum einholen, Ausrüstung kontrolliert und wenn nötig ergänzt, Lebensmittel für 2 ½ Wochen so platz- und verpackungsparend wie möglich umverpacken und das Hundefutter in Zweitagesrationen portionieren.

    Das sah dann fast so aus wie die Bilder vom Vorjahr.


    Unser Essen....


    ....und Bennys Futter

    Als es dann ans Probepacken ging, war erst einmal Ernüchterung angesagt. So war das Gepäck viel zu schwer!! Also noch einmal alles auspacken und aussortieren. Sparen geht fast nur an den Lebensmitteln, die Ausrüstung ist schon ziemlich optimiert. Ein 5er Pack Snikers wird aussortiert, ein Kilo Mehl zum Brotbacken bleibt zu Haus, eine leckere Salami wird gestrichen, ebenso ein paar Tafeln Schokolade und ein Kilo Studentenfutter/Nüsse , auch die Menge an Nudeln und Reis werden gekürzt. Am Ende sind es doch einige Kilos weniger. Mein Rucksack lag jetzt etwa bei 25 kg, der meines Mannes ging schon eher auf die30 kg zu. Aber er meint das ist ok so. Benny hatte in seinen Packtaschen 2,4 kg, das ist das Futter für 8 Tage. Die restlichen 3kg mussten wir mittragen.

    Nebenher werden die Einreisebestimmungen genau unter die Lupe genommen, da sich da zum 01.01.2012 ein bisschen was geändert hatte. Nach dem ersten Fuchsbandwurmfall in Südschweden im letzten Jahr, war jetzt auch die Einreise mit Hund von Schweden nach Norwegen schwieriger geworden. Wie immer musste der Hund regelmäßig gegen Tollwut geimpft sein, allerdings fiel jetzt die Titerbestimmung weg, außerdem musste in den letzten 10 Tagen vor der Einreise mit einem Mittel gegen Fuchsbandwurm entwurmt werden, dies musste innerhalb von 7 Tagen nach Einreise noch einmal wiederholt werden und von einem Tierarzt im Heimtierausweis bestätigen werden. Neu war, dass wir nun bei der Einreise von Schweden nach Norwegen die Hundepapiere am Zoll vorlegen müssen. Dies hatten wir die letzten Jahre für Schweden immer direkt im Hafen von Göteborg, nach Verlassen der Fähre, erledigen können. Danach konnten wir ohne weitere Kontrolle nach Norwegen einreisen. Allerdings haben die Zollbeamten sich nie sonderlich für unsere Papiere interessiert, Stempel oder eine Bestätigung, dass man seine Papiere vorgelegt hat gab es nie. Nun hieß es aber ausdrücklich, man müsse selber aktiv die Zollstation nach Norwegen aufsuchen und dafür sorgen, dass man die Grenze an einer besetzten Zollstation überquert. Da wir die Grenze eh auf der E 6 an der Route Göteborg – Oslo passieren werden, sollte das kein Problem sein, da diese Zollstation rund um die Uhr besetzt ist. Weiter suchten wir im Netz einen Tierarzt raus, der in der Nähe der Route lag, und vereinbarten per Mail einen ungefähren Termin.


    Anreise

    Donnerstag 16.08.12

    Nach einer anstrengenden Fahrt im Dauerregen mit vielen Unfällen und Staus erreichen wir um 15.30 Uhr den Fähranleger der Stena Line in Kiel. Wir können direkt einchecken und auf die Fähre fahren. Jetzt beginnt der Urlaub. Benny bekommt sein Fressen, und entspannt sich schnell.



    Wir haben nun Zeit bis zum Abend, dann gibt es das leckere Buffet. Während wir essen legt das Schiff ab und wir haben eine herrliche Sicht auf die Kieler Förde. Nach dem Essen sind wir satt, kugelrund und todmüde. Bei einem kleinen Spaziergang über das Deck können wir noch etwas die Sonne genießen, die inzwischen scheint, dann wollen wir früh schlafen. Als wir in die Kabine zurückkommen schaut uns Benny nur ganz verschlafen an. Wir gehen mit ihm aufs Hundedeck. Dort kann er Pipi machen. Zu einem Häufchen ist er nicht zu bewegen. Wir sind mit dem gleichen Schiff unterwegs wie im letzten Jahr. Also hab ich mir ein neues Bild gespart.




    Sonnenuntergang aus dem Kabinenfenster


    Freitag 17.08.2012

    Während das Schiff durch die Schären vor Göteborg fährt, sitzen wir schon wieder beim Essen. Unser Frühstück können wir direkt am Panoramafenster einnehmen. Nach scheint die Sonne, aber es ziehen immer mehr Wolken auf. Pünktlich um 9.00 Uhr legt die Fähre an. Bis wir von Bord, durch den Zoll und aus dem Hafen sind dauert es nur etwa eine halbe Stunde, dann geht es los Richtung Evje.

    Die Route von Götevorg nach Evje

    Wenn wir es schaffen, dann wollen wir heute bis an den Ausgangspunkt fahren, ein paar 100 Meter laufen, und dort das Zelt aufbauen. Wenn es zu spät wird, dann fahren wir nur bis Evje und gehen dort auf den Campingplatz.

    Wir kommen zügig voran und kurz vor 11 Uhr passieren wir die mautpflichtige Swinesundbrücke, die die Grenze zwischen Schweden und Norwegen markiert. Schon zu Hause haben wir uns ein Besucherkonto bei "Autopass" eingerichtet und können so die Mautstraßen die mit "Autopass" gekennzeichnet sind, das sind sowieso die meisten, einfach passieren. Die Gebühren werden dann von der Kreditkarte abgebucht. Direkt hinter der Brücke kommt die Zollstation. Wir fahren also brav raus und suchen uns einen Parkplatz. Hier stehen ein paar LKWs, sonst ist nichts los. Es dauert ein bisschen bis wir den richtigen Schalter gefunden haben. Unsere Papiere werden kurz begutachtet, es gibt wieder keinen Stempel, keine Bestätigung und Benny möchte auch niemand ansehen. Auch gut, so geht es schneller weiter.

    Die nächste Station ist die TAM Dyreklinikk Borg in Sarpsborg. Hier sind wir schon eine Stunde vor der verabredeten Zeit. Die Ärztin, die die Gabe des Wurmmittels im Heimtierausweis unterschreiben muss, kommt allerdings erst gegen 13 Uhr. Die Praxis befindet sich in einem großen Einkaufszentrum. So können wir die Zeit nutzen und noch ein paar fehlende Lebensmittel kaufen. Dann machen wir auch gleich Mittagspause. Ist zwar nicht super gemütlich so mitten auf dem großen Parkplatz, aber wir wollen ja heute noch einiges an Strecke schaffen. Sobald die Ärztin da ist, bekommt Benny seine Tablette und wir die Unterschrift.

    Weiter geht es über Moss, Horton (per Fähre), Arendal nach Evje. Es ist inzwischen 17 Uhr, und wir sind uns einig, heute geht es nicht mehr los. In Evje mieten wir uns eine kleine Hütte auf dem sehr schön gelegenen Odden Campingplatz. Nachdem wir etwas gegessen haben machen wir noch einen Spaziergang damit Benny endlich etwas Bewegung bekommt. Kaum sind wir zurück an der Hütte fängt es auch schon an zu regnen.


    Tour

    Samstag 18.08.12

    Parkplatz Staumauer - Zeltplatz am Langevatnet 2,6 km

    Es geht los! Na gut, noch nicht sofort. Zuerst gibt es noch Frühstück und dann müssen die Rucksäcke gepackt werden. Draußen regnet es immer wieder und so lässt die Motivation ein bisschen zu wünschen über. Gleich am allerersten Tag bei Regen loszulaufen ist nicht besonders verlockend. Benny ist das egal er liegt auf seinem Kissen und schläft auf Vorrat. Bevor wir losfahren erkundigen wir uns im Ort noch nach Angelkarten. Die solle es in Ljosland und an den Wanderhütten geben. Gut, also erste einmal los.

    Von Evje fahren wir nun über Åseral zur Ljosland Fjellstove.

    Dabei geht es hinter Åseral schon ganz schön hoch in die Berge. Der Regen wird leider nicht weniger, dafür sind wir bald mitten drinnen in den Wolken. Nach knapp 1 ½ Stunden erreichen wir die Fjellstove. Es ist schon absolute Nachsaison und kaum noch Gäste da. Angelkarten bekommen wir hier nur für die Seen in der unmittelbaren Umgebung, damit ist uns aber nicht geholfen. Wir werden die Angel trotzdem mitnehmen und hoffen, dass wir unterwegs in den Wanderhütten noch Karten kaufen können. Jetzt erkundigen wir uns noch nach Parkmöglichkeiten für einen längeren Zeitraum. Kein Problem, heißt es, wir können bis zum Ende der "Straße" an der Staumauer fahren. Dort sind ein paar wenige Parkmöglichkeiten. Aber jetzt ist nicht mehr viel los, und so sollte es kein Problem geben. Wir teilen unsere ungefähre Route und den Zeitpunkt, zu dem wir wieder zurück sein wollen mit, und dann nichts wie weiter. Zuerst fahren wir prompt an der Zufahrt zur Staumauer vorbei, da es sich bei der "Straße" um eine einfache Schotterpiste handelt. Entgegen kommen sollte jetzt bitte niemand. Zum Glück gibt es am Ende einen Wendehammer und einige kleine Parkbuchte. Dort können wir das Auto für die nächsten 18 Tage abstellen. Außer unserem Auto stehe nur ein zweites dort, es sieht so aus, als wäre hier in der Tat nicht viel los.


    Parkplatz vor der Staumauer


    Gleich geht es los

    Da es immer noch nieselt kommen direkt die Regensachen zum Einsatz. Rucksackschutz über die Rucksäcke und Regenjacken an. Ich zieh auch gleich die Regenhose an, während mein Mann erst einmal ohne Regenhose losläuft. Solang der Regen nicht stärker wird ist es egal, ob man von außen etwas nass wir oder durchs Schwitzen….


    Auch Benny ist abmarschbereit

    Nun bekommt Benny noch seine Packtaschen um, und dann kann es losgehen. Inzwischen ist es 12.30 Uhr. Eigentlich Zeit fürs Mittagessen. Nein, wir gehen jetzt erst mal ein Stück, dann können wir ja eine Pause machen.

    Routenbeschreibung auf Google.
    Für weiter Informationen einfach die Symbole oder Strecken anklicken.


    Steil geht es hinauf zur Staumauer. Dann stehen wir am See und fragen uns, wo der Weg weiter geht. Es dauert ein bisschen, bis wir das rote T der Wegmarkierung mitten im Sumpf entdecken. Der Weg folgt dem Ostufer des Langevatnet. Meist geht es durch Sumpf oder über steile, nasse Felsen. Die Felsstufen sind oft so hoch, dass ich mit dem Gewicht des Rucksacks kaum hinauf komme. Schlimmer ist es aber fast noch wenn es diese Stufen dann runter geht. Schnell wird es warm unter den Regenklamotten, der Schweiß rinnt in Strömen, und ich beneide meinen Mann, dass er ohne Regenhose läuft. Allerdings nicht lange, denn nach einer Stunde fängt es an, kräftig zu regnen. Eigentlich wollten wir gerade eine kleine Pause machen und uns eine Tafel Schokolade gönnen. Ruck zuck ist er nun auch total nass. Jetzt lohnt es nicht mehr die Regenhose überzuziehen. Also weiter, sonst wird es kalt. Das Laufen ist anstrengend und durch die nassen, rutschigen Felsen auch nicht ungefährlich. Wir halten Ausschau nach geeigneten Zeltplätzen. Aber es ist absolut nichts zu finden. Entweder steht alles unter Wasser oder es ist felsig. Nach einer weiteren Stunde sind wir ziemlich kaputt. Wir haben jetzt gerade mal die Hälfte der Strecke am See entlang geschafft und dabei nicht einen einzigen Platz gefunden, der sich auch nur entfernt zum Zelten eignen würde. Wir sind frustriert und überlegen tatsächlich, ob es Sinn macht hier noch weiter zu laufen. Wir geben uns noch eine halbe Stunde Zeit, sollten wir bis dahin keine geeignete Zeltstelle gefunden haben, kehren wir um, um noch genug Zeit für den Rückweg zu haben. Der einzige der weder mit dem Wetter noch mit dem Weg ein Problem hat ist Benny. Ihn stört höchstens, dass er an der Flexileine laufen muss.

    Wahrscheinlich hätten wir uns dieses Ultimatum schon viel früher setzten sollen, denn schon nach dem nächsten Sumpf finden wir ein ebenes Plätzchen, das sogar relativ trocken ist. Der Regen hat gerade ein klein bisschen nachgelassen, und so bauen wir schnell das Zelt auf. Rucksäcke rein, Regenklamotten runter und ab ins Zelt. Benny wird in seine Decke eingewickelt zum Trocknen, und so können wir heute schon um 15.00 Uhr anfangen zu entspannen.





    Nachdem wir raus sind aus den nassen Klamotten und im warmen Schlafsack liegen, bessert sich auch gleich die Laune wieder. Langsam kommt auch das gute Gefühl auf wieder draußen zu sein, 24 Stunden am Tag, und das noch für eine ganze Weile. Keine Nachrichten, kein Termindruck, keine Verpflichtungen… Die meiste Zeit des Nachmittags regnet es weiter. Eine Regenpause nutzen wir zum Kochen. Nachdem wir dann zum zweiten Mal alle Klamotten die wir in einer kurzen Regenpause zum Trocknen rausgehängt hatten, reinholen müssen, lassen wir es bleiben. Trockener wird heut nichts mehr.





    Gegen 19.00 Uhr kommen zwei Wanderer auf dem Weg vorbei. Die müssen sich ganz schön ranhalten, wenn sie noch bei Tageslicht bis Ljosland kommen wollen. Kurze Zeit später können wir auch endlich feststellen was für ein Gebimmel wir die ganze Zeit gehört haben. Es kommen uns ein paar Schafe besuchen.



    Heuten haben wir gerade mal 2,5 km geschafft und dafür 2,5 Stunden gebraucht. Ein perfekter Tourauftakt sieht anders aus. Wir hoffen, dass wir morgen aus dem Wald rauskommen, und dann die Wege besser werden. Die Wetteraussichten waren für die nächsten Tage auch nicht rosig. Aber jetzt wollen wir erst einmal die erste Nacht im Zelt genießen. Benny liegt völlig entspannt zwischen uns, nur wenn die Schafe zu nah herankommen, muss er sich kein kleines bisschen aufregen.
    Zuletzt geändert von andrea2; 26.11.2017, 19:54.

  • andrea2
    Dauerbesucher
    • 23.09.2010
    • 765

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

    Sonntag 19.08.2012

    Langevatnet – Skothammen 5,2 km ca. 5 h

    Irgendwann in der Nacht hört es auf zu regnen. Trotzdem fällt es uns morgens schwer aus den Schlafsäcken zu kommen. Erst als Benny unruhig wird und darauf besteht nun endlich mal vor die "Tür" zu dürfen, wage ich einen Blick nach draußen. Tatsächlich, da sind ein paar kleine blaue Flecken am Himmel. Also nichts wie raus! Benny bekommt sein Futter. Bis wir loskommen sind es locker noch mal zwei Stunde, so hat er genug Zeit zum Verdauen. Für uns gibt es auch Trockenfutter (Müsli) mit Milchpulver. Dazu warmen Tee/Kaffee. Vor dem Frühstück werden noch schnelle alle nassen Klamotten raus gehängt. Das Packen dauert wie immer am Anfang einer Tour recht lange. Für alles muss erst noch der beste Platz gefunden werden. Nach ein paar Tagen geht das dann fast wie von allein. Heute kommt noch dazu, dass alles feucht oder klamm ist. Als die Sonne es dann durch die Wolken schafft wird es fast warm. Wir können im T-Shirt loslaufen. Allerdings ziehe ich wieder die Regenhose an. So hab ich bei den vielen Sumpfstellen nicht gleich eine ganz nasse Hose. Die Rucksäcke bekommen auch wieder den Rucksackschutz drüber, ganz trauen wir dem Wetter nicht. So sind sie auch besser vor den nassen Büschen geschützt.


    Kommt ihr? Kann es endlich losgehen? Ich bin schon lange fertig!


    Mit blauem Himmel sieht alles gleich viel freundlicher aus.

    Nun kann es also los gehen. Die Stimmung ist aufgrund des guten Wetters auf jeden Fall schon mal viel besser als gestern. Das kann man von den Wegen allerdings nicht behaupten. Wie kann ein Weg der eigentlich nur am Ufer eines Sees entlang führt nur so anstrengend sein? Vielleicht hätten wir doch mal gaaaanz genau auf die Karte schauen sollen. Dann hätten wir auch gesehen, dass der Weg immer wieder die gleiche Höhenlinie kreuzt. Permanent geht es rauf und runter, und auch wenn es immer nur ein paar Meter sind, so kommt bis zum Abend ganz schön was zusammen. Viel schlimmer aber ist der fürchterliche Zustand des Weges. Immer wieder müssen wir Wege um den Sumpf herum suchen. Dabei können wir nicht einmal immer ausweichen, da es entweder steil runter geht oder dichtes Gebüsch im Weg ist. Dann heißt es, mitten hindurch und hoffen, dass die Stiefel nicht stecken bleiben.


    Matsch, Matsch, Matsch, Matsch......

    Viel besser als gestern kommen wir auch heute nicht voran. Das Gewicht der schweren Rucksäcke ist noch ungewohnt. Aber heute können wir immer wieder kurze Pausen machen. Begehrt sind dafür große Steine in Sitzhöhe, auf denen man den Rucksack abstützen kann ohne diesen abnehmen zu müssen. Neben den Beinen und den Armen (durch den Einsatz der Stöcke) machen sich auch bald Schultern und Hüften (Hüftgurt) bemerkbar. Wenn möglich machen wir stündlich eine etwas größere Pause mit Absetzen der Rucksäcke und einer Kleinigkeit zum Essen.


    Pause am Seeufer

    In stetigem Auf und Ab geht es weiter am Ufer entlang, vorbei an Steilwänden und immer und immer wieder durch Sumpf. Nicht nur wir genießen die Sonne, die immer noch scheint. Direkt neben dem Weg entdecke ich eine Kreuzotter.



    Bevor wir den See an seinem Nordende verlassen, machen wir noch einmal eine längere Pause. Wir sitzen am Ufer und gönnen uns eine Schokolade. Benny möchte auch etwas ab haben. Er will einfach nicht glauben, dass Schokolade nichts für Hunde ist.


    Bekomme ich wirklich nichts??

    Gerade als wir wieder aufbrechen wollen, kommt eine Norwegerin vorbei. Wenn man hier unterwegs ist, läuft man nicht einfach an den Leuten vorbei. Fast immer entwickelt sich ein kleines Gespräch. Woher, wohin, wie ist der Weg, Wetterbericht, je länger man unterwegs ist, desto wichtiger werden solche kleinen Unterhaltungen. Sie hat nur wenig Gepäck dabei, und erzählt, dass sie gestern nach Gaukhei gelaufen ist, erst mit Einbruch der Dunkelheit dort ankam und total nass war. Da sie nur einen Wochenendausflug macht, muss sie heute zurück zum Auto. Ah, ihr gehört der kleine weiße Wagen, der als einziger neben unserem an der Staumauer stand. Das Stück am See entlang, das wir gerade hinter uns gebracht haben soll das schlimmste Stück des Weges sein, sagt sie, und fragt noch, ob wir auf das Boot warten. Boot? Nein, wir wollen ja nach Gaukhei. Gelesen hatte ich, dass man über den See mit dem Boot fahren kann, wir dachten, es wäre doch ganz nett am See entlang zu laufen. Hätten wir gewusst, wie die Wege hier aussehen, hätten wir das Boot sicher auch in Betracht gezogen. Auf unsere Frage nach Zeltmöglichkeiten, meint sie, es käme ein verfallener Bauernhof. Dort sollte man etwas finden. Dann verabschieden wir uns, wünschen gegenseitig eine "god tur" und ziehen weiter.

    Unser Weg führt nun am Fluss entlang, und wird tatsächlich etwas trockener. Aber auch nur etwas. Immer wieder kommen Moorgebiete, die wir umgehen oder durchqueren müssen. Insgesamt gefällt uns die Landschaft aber besser als am Stausee.





    Vorbei an einem kleinen See und über einen Hügel, und schon können wir die Mauerreste von Skothommen sehen. Wir müssen nur noch runter und den See (namenlos auf 706 m) umrunden. Schnell ist ein schöner Platz für das Zelt gefunden. Die Sonne scheint inzwischen von einem fast wolkenlosen Himmel und es ist herrlich warm. Benny begibt sich in den Schatten eines Baumes, während er wartet, dass seine Sherpas seine Hundehütte herrichten und sein Dinner serviert wird.





    Wir bauen das Zelt auf, verteilen alles was noch nass ist rund ums Zelt und sind einfach nur glücklich, dass es uns hier so gut geht.



    Nach einer langen Pause machen wir uns auf und wollen uns die alten Gemäuer doch mal näher ansehen. Viel ist nicht mehr über. Es muss schon viele, viele Jahre her sein, dass hier einmal Landwirtschaft betrieben wurde.



    Es ist noch relativ früh, also folgen wir dem Weg, noch ein bisschen bergauf. Ich möchte doch zu gerne sehen, wie es morgen weitergeht. Aber nachdem wir oben angekommen sind, folgt die Ernüchterung. Immer noch Wald, Wald, Wald….



    Aber das ist morgen, jetzt geht es erst einmal zurück zum Zelt. Inzwischen sind alle Sachen wunderbar getrocknet und können aufgeräumt werden. Wir kochen Abendessen, und sitzen noch vor dem Zelt, bis gegen 19.00 Uhr die Sonne hinter den wieder aufziehenden Wolken verschwindet. Schnell wird es jetzt frisch und nachdem auch noch die Mücken anfangen lästig zu werden, verziehen wir uns ins Zelt.

    Heute sind wir wieder kaum über den 1km/h Schnitt hinausgekommen. Das kann ja heiter werden, wenn das so weiter geht.



    Montag 20.08.2012

    Skothommen – Bergeheii 4,5km 4 h

    In der Nacht fängt es wieder an zu regnen. Ich ziehe mir den Schlafsack über den Kopf, das will ich gar nicht hören. Auch am Morgen regnet es immer mal wieder. Um 7.30 Uhr schälen wir uns dann doch aus den Schlafsäcken. Der Regen macht gerade eine Pause. Also schnell raus zum Zähneputzen. Schlecht sieht das Wetter jetzt gar nicht aus. Zwar hängen noch viele graue Wolken am Himmel, aber es gibt auch einige blaue Flecken. Zum Frühstück gibt es wieder Müsli, dazu heute kalten Kaffee. Wir haben keine Lust den Kocher anzuschmeißen. So geht es recht schnell mit dem Essen, aber dann muss wieder gepackt werden. Das ist ein bisschen lästig, da hier überall hohes Gras ist, das nun nass ist. Nirgends kann man etwas abstellen. Das Zelt müssen wir nass einpacken.

    Die blauen Flecken am Himmel werden etwas größer, aber die Wolken überwiegen. Wir entscheiden uns für den Regenschutz auf dem Rucksack aber gegen die Regenhose. Benny kann es schon wieder kaum abwarten, dass es endlich weiter geht.



    Die ersten Schritte sind höllisch, zumal es gleich den Berg hoch geht. Arme und Beine sind noch ganz weich von gestern und schmerzen. Nach einer Weile gewöhnen wir uns wieder an die Bewegung. Wir müssen nun über den Hügel, den wir gestern schon erklommen haben. Natürlich geht es hinten gleich wieder runter. Das wird uns in diesem Urlaub noch sehr oft so gehen. In dem Buch "Bergwandern in Norwegen" hab ich über die Setesdalsheiene (heiene = Hochland, flacher Gebirgsrücken), gelesen: „Es sieht hier so aus, als sei jemand mit einem riesigen Eierschneider am Werk gewesen. Die langen, geraden Täler mit ihren Wasserläufen, wie wir sie normalerweise von Norwegen und Schweden kennen, werden hier von fast schnurgeraden Spalten gekreuzt, die bergauf- und bergabverlaufend allen topografischen Regeln zu wiedersprechen scheinen.“

    Wir kommen nun wieder an den Fluß. Der Wald wird etwas lichter und man hat immer mehr Aussicht.



    Beeindruckend sind die oft mehrere 100 m hohen, senkrechten Felswände, die ein bisschen an den Yosemite-Nationalpark erinnern. Wir überqueren den Fluss Langsvassåni auf einer Brücke, ein Luxus, den wir zu schätzen wissen. In Zukunft werden wir oft sehen müssen, wie wir am besten über die Flüsse kommen. Und wieder geht es steil bergauf, nur um danach noch steiler wieder hinunter zu gehen. Vor uns liegt am See 725 Pytten, eine private Hütte. Auch dies war früher mal ein Bauernhof.



    Am gegenüberliegenden Ufer des Sees, steht die Ruine einer verfallenen Touristenstation.



    Neugierig sind wir ja schon, hätten uns das Gemäuer gerne mal angesehen, aber evtl. kommen wir dort sowieso auf dem Rückweg entlang. Also sparen wir jetzt unsere Kräfte, zumal nun der eigentliche Aufstieg auf die Hochebene beginnt.





    Über zwei Steilstufen geht es 250 Höhenmeter hinauf. Schnell rinnt der Schweiß wieder in Strömen. Endlich, endlich kommen wir aus dem Wald heraus. Wir sind nun 1 ½ Stunden unterwegs, und kurz bevor wir ganz oben sind, und voll in den Wind kommen, machen wir noch eine lange Pause. Ein letzter Blick auf den Wald der letzten Tage, dann geht es weiter.



    Hier oben wachsen nur noch ein paar Birken. Aber nass ist es immer noch. Die Felsen sind glattgeschliffen von den Gletschern der Eiszeit. Darüber gibt es nur teilweise eine sehr dünne Erdschicht. Wenn es regnet, kann die Erde nur wenig Feuchtigkeit aufsaugen, der Rest sammelt sich in Vertiefungen und bildet den von uns so geliebten Sumpf. Dort wo viele Menschen entlanglaufen, ist die oberste Erdschicht sehr schnell abgetragen. Stellenweile laufen wir lange Stücke auf blankem Felsen. Das ist sehr praktisch wenn es trocken ist, sobald der Felsen nass wird und es auch noch rauf oder runter geht wird es unangenehm. Im Moment ist es jedoch trocken und wir freuen uns, dass wir endlich ein bisschen weiter sehen können.









    Wir kommen an einigen Seen vorbei, den Bergetjønni, und sind nun richtig hoch. Bevor es wieder weit hinunter geht beschließen wir hier einen Zeltplatz zu suchen. Eigentlich sind hier nur Felsen und Sumpf, wir sind nicht sicher ob wir hier eine Zeltmöglichkeit finden können, aber es kommt ein Bach, so dass wir Wasser hätten. Und tatsächlich finden wir eine Stelle die nicht so nass und einigermaßen eben ist, fantastische Aussicht inklusive.



    Es ist erst 15.00 Uhr, aber hier wollen wir bleiben. Wir bauen das Zelt auf, räumen unsere Sachen ein, und dann sitzen wir im Windschatten, in der Sonne und faulenzen. Später laufe ich noch ein Stück den Weg weiter und auf den gegenüberliegenden Hügel. Es ist immer noch wolkig, aber immer wieder kommt die Sonne durch.


    Stern-Steinbrech


    Moltebeere


    Dort drüben geht es morgen irgendwo weiter.







    Benny hat inzwischen sein Futter bekommen und sich zufrieden im Zelt zusammengerollt. Auch wir kochen unser Abendessen, und dann müssen wir uns ranhalten mit dem Abspülen, denn es wird auf einmal ganz grau, während im Süden noch die Sonne scheint.





    Den Abend verbringen wir mit Tagbuchschreiben und Kartenstudium. Wir müssen unsere Route überarbeiten. Wir haben die Tagesetappen viel länger angesetzt. Wenn wir in dem Tempo weiterlaufen, brauchen wir eine alternative Route. Zum Glück kann man hier die Strecken gut variieren. Draußen ist es wieder recht klar geworden. Vielleicht weckt uns ja morgen mal die Sonne auf dem Zelt.
    Zuletzt geändert von andrea2; 12.08.2019, 14:48.

    Kommentar


    • andrea2
      Dauerbesucher
      • 23.09.2010
      • 765

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

      Dienstag 21.08.2012

      Bergeheii – Låghellardalen 8 km 6 h

      Wieder enttäuscht uns die Sonne. Keine wärmenden Strahlen wecken uns in der Früh, statt dessen reichlich graue Wolken. Wir frühstücken wieder mit Müsli, heute gibt es auch warmen Kaffee und Tee. Der Wind der die ganze Nacht schon blies ist immer noch stark. Im Zelt geht es, aber draußen ist es frisch. Beim Packen wird uns dann schnell wieder warm. Zumindest können wir das Zelt heute trocken einpacken, auch wenn das Zusammenlegen im Wind ein ziemlicher Krampf ist.

      Um 10.00 Uhr geht es los. Wir wagen es heute ohne Rucksackschutz zu starten. Die Wolken sehen nicht sehr bedrohlich aus und so kommen wir bei den Pausen viel leichter an unsere Sachen ran.

      Von der Bergeheii geht es jetzt steil abwärts am Flysgyvatnet vorbei.



      Und wie sollte es anders sein, gleich wieder steil hinauf auf die nächste Höhe, die Solumheii. Hier geht es einfach voran, zwischen Seen hindurch, immer etwas ansteigend. Kurz vor dem nächsten Abstieg machen wie die erste Pause.



      200 Höhenmeter müssen wir nun wieder steil absteigen. Bald können wir die Gaukheihütte am Ufer des Gaukheivatnet vor uns liegen sehen. Schön ist die Aussicht über den See. Da gerade die Sonne scheint machen wir noch eine kleine Pause, nachdem wir das steilste Stück geschafft haben.



      Lange halten wir es aber nicht aus, dann wird es im Wind zu kalt. Also weiter hinunter, bis zum See und ein Stück an diesem entlang. Was erst so nah aussah, zieht sich doch ziemlich. Kurz vor der Hütte, geht unserer Weg nach Øyuvsbu ab.





      Nach einer weiteren kurzen Pause, diesmal in der Sonne und herrlich windgeschütz, gehen wir am Fluss entlang wieder aufwärts. Die Landschaft ändert sich ein bisschen. Es fehlen die hohen Felswände, alles wird etwas runder. Die Schafe hier sind sehr neugierig und haben auch nicht wirklich Angst vor Benny.



      Die ganze Zeit schon haben wir einen seltsamen Geruch in der Nase. Ein Stück weiter wissen wir woher das kommt. Direkt neben dem Weg fast im Bach, der eigentlich die Gaukheihütte mit Trinkwasser versorgt, liegt ein totes Schaf. Es stink fürchterlich, sieht aber äußerlich noch unversehrt aus. Wir überlegen kurz, ob wir jemandem Bescheid geben sollten, haben aber nicht wirklich Lust, das ganze Stück bis zur Hütte zurückzulaufen. Wahrscheinlich ist die Hütte jetzt Ende August sowieso nicht mehr bewirtschaftet. Wir sagen uns, dass sicher auch Leute in die andere Richtung laufen und gehen weiter.

      Kurze Zeit später öffnet sich der Blick auf den Søtevatnet. Es ist immer wieder erstaunlich, solche großen Seen vermutet man gar nicht so mitten in den Bergen.



      Es folgen weitere Auf- und Abstiege und langsam reicht es uns. Es ist allerdings nicht so einfach einen schönen Zeltplatz zu finden. Dort wo schöne Plätze sind gibt es kein Wasser, oder umgekehrt am Wasser findet sich kein geeigneter Zeltplatz. Schließlich werden wir im Låghellardalen am See Låghellartjørni fündig.

      Schnell wird das Zelt aufgebaut. Da es immer noch sehr windig ist, müssen wir das Zelt dabei gut festmachen. Inzwischen ist es 16.00 Uhr. Immerhin waren wir heute schon mal ein bisschen länger unterwegs. Jetzt kochen wir erst einmal für jeden einen süßen Moment und Benny bekommt sein Futter, damit auch er sich entspannen kann.



      Nachdem es noch ein bisschen früh fürs Abendesse ist, geh ich noch etwas auf Fotopirsch.









      Mit Abendessen kochen und Tagebuch schreiben vergeht der Abend. Zwischendurch fallen ein paar Regentropfen, dann ist es wieder trocken. Alles in allem können wir mit dem Tag recht zufrieden sein.


      Mittwoch 22.08.2012

      Låghellardalen –Sandvassdalen 7 km ca. 6 h

      Nachts hören wir schon wieder Tropfen auf dem Zelt, und auch morgens regnet es noch leicht. Besonders motiviert sind wir nicht aufzustehen. Nach dem Frühstück packen wir die Rucksäcke so weit wie möglich im Zelt. Benny immer mitten drinnen.



      Zum Zeltabbau warten wir eine kurze Regenpause ab. Die Rucksäcke raus, und gleich den Rucksackschutz drüber, und auch Benny bekommt einen Regenschutz bis wir fertig sind mit dem Abbau.



      Ich gehe wieder einmal gleich mit Regenhose los, während mein Mann noch optimistisch ist, und erst einmal ohne Regenhose losläuft. Um kurz nach 10.00 Uhr starten wir. Nachdem wir wieder auf den Weg stoßen, unser Zeltplatz lag doch ein ganzes Stück abseits, müssen wir auch gleich den Bach durchwaten. Dank der Goretexstiefel geht das ganz gut von Stein zu Stein. Hier machen sich die Trekkingstöcke gezahlt.

      Der weitere Weg steigt nun wieder an, es geht zwischen den Låghellerknuten hindurch, an Seen vorbei.



      Ich verfluche die Regensachen beim Aufstieg, es gibt kaum einen größeren Konditionskiller. Aber das Wetter sieht nicht gut aus, und beim folgenden Abstieg zu den Reinshornvatni fängt es auch wieder an stärker zu regnen. Nun holt auch mein Mann seine Regenhose raus und wir ziehen beide noch zusätzlich den Poncho an, damit das Gepäck besser geschützt ist.



      Mit Poncho ist der nächste Aufstieg noch fieser, wenn das überhaupt noch geht. Außerdem hab ich den Rucksack heute schlecht gepackt und so zieht das Zelt, das ganz oben auf dem Rucksack festgeschnallt ist, immer auf eine Seite. Nachdem wir den nächsten Höhenrücken überquert haben, kommen wir zum Vidalega, ein paar Hütten auf einer Hochebene. Hier hat bis zur Jahrhundertwende jeden Sommer ein Schäfer gelebt. Jetzt sind die Hütten nur noch gelegentlich bewohnt. Aber Schafe gibt es hier jede Menge. Alles ist zertrampelt, sumpfig und vollgeköttelt.









      Nach der zweiten Hütte müssen wir wieder durch einen Bach und über einen Zaun steigen, danach normalisiert sich die Anzahl der Schafe wieder. Es folgt der letzte Anstieg für heute. Aber der Weg zieht sich, bis wir endlich am Sjuvardenuten den höchsten Punkt erreicht haben. Immer wieder erwischen uns kräftige Regenschauer, der Wind bläst uns den Regen direkt ins Gesicht. Beim Abstieg kommen wir an einem Wegweiser vorbei. Hier geht ein unmarkierter Weg nach Øyuvsbu ab. Wir orientieren uns auf der Karte. Der Weg sieht ganz nett aus, aber nachdem wir noch nicht sicher sind, ob wir morgen überhaupt nach Øyuvsbu weiterlaufen oder doch einen anderen Weg nehmen, gehen wir auf unserem Weg weiter. Doch nicht mehr weit. Unter uns liegt ein kleiner See, dort wollen wir sehen, ob wir einen Zeltplatz finden. Nach einigem Suchen finden wir einen annehmbaren Platz. Es ist zwar nicht ganz eben, aber damit können wir leben. Der Regen macht gerade eine Pause, also bauen wir schnell das Zelt auf, wuchten als hinein, trocknen Benny ab und wickeln ihn in seine Decke zum Trocknen. Nun nur noch raus aus den Regenklamotten und rein ins Zelt. Dann können wir es uns drinnen gemütlich einrichte, während es draußen schon wieder anfängt zu regnen.



      In einer Regenpause kochen wir Abendessen, auch müssen wir abends immer darauf achten viel zu trinken. Wenn wir bei dem nassen und kalten Wetter nur wenige Pausen machen, dann trinken wir einfach zu wenig. Das abendliche Trinken rächt sich dann allerdings oft in der Nacht.

      Nach dem Essen brüten wir noch eine ganze Weile über der Karte. Morgen müssen wir uns entscheiden wo wir weitergehen. Unseren ursprünglichen Plan bis nach Haukeliseter zu kommen, haben wir uns schon lange abgeschminkt. Als kleinere Alternative beschließen wir nun eine Runde um den Stausee Rosskreppfjorden. Dort hätten wir auch immer mal wieder die Möglichkeit die Tour unterwegs abzubrechen und mit dem Bus zum Auto zurück zukommen, sollten wir die Strecke nicht schaffen.

      Kommentar


      • andrea2
        Dauerbesucher
        • 23.09.2010
        • 765

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

        Donnerstag 23.08.2012

        Sandvassdalen – kurz vor Håheller 7 km ca. 4,5 h

        Nachts hört der Regen irgendwann auf, und als ich gegen 4.00 Uhr mal kurz vors Zelt muss, sieht man sogar die Sterne. In der Hoffnung auf besseres Wetter schlafe ich wieder ein. Doch am Morgen nur noch wenig Sonne und graue Wolken aus dem Norden. Frühstück, Packen, Zeltabbau alles läuft jetzt schon routinierter. Inzwischen sieht das Wetter etwas besser aus. Heute versuche ich mal das Zelt unter die Deckeltasche des Rucksacks zu packen, damit es nicht verrutschen kann.


        Gehts endlich los?

        Um 10.30 Uhr geht es los. Zuerst noch ein kleiner Anstieg über den nächsten Hügel, dann geht es abwärts. Bald kommen wir an den Bach der den Abfluss des Sees 929 bildet. Die markierte Watstelle geht über eine Felsrippe im Fluss. Das ist uns zu gefährlich.



        Wir suchen einige Zeit, bis wir eine Stelle finden, an der wir den Fluss von Stein zu Stein überqueren können. Kaum sind wir auf der anderen Seite, fängt es schon wieder an zu regnen. Also wieder Regenklamotten raus und Poncho über alles drüber. Weiter geht es abwärts an einen namenlosen See vorbei bis zum Sandvatnet.





        Der Weg folgt ein Stück dem Ufer. Rechst geht der Weg nach Øyusbu ab, doch wir gehen jetzt weiter Richtung Håheller. Am Ende des Sees steigt der Weg langsam an, jetzt geht es am Fluss entlang. Der Fluss bildet immer wieder Seen verbunden durch kleine Wasserfälle. Bald erreichen wir die Watstelle am Øyuvsøken.



        Eigentlich sah die Stelle nicht so schlimm aus, aber auf den letzten Metern bekommen wir doch noch Wasser in die Stiefel. Dank der Regenhose hält sich die Wassermenge in Grenzen. Am anderen Ufer machen wir eine Pause. Schuhe aus und Socken auswringen, und nachdem wir die Rucksäcke nun schon mal runter haben, können wir auch gleich etwas essen. Besonders beliebt für die Pausen sind immer Snikers.



        Lange sitzen bleiben können wir nicht, da Benny, so nass wie er nach dem Fluss ist, schnell friert. Also geht es weiter. Der Weg führt nun ein Tal aufwärts. Die Steigung ist moderat und der Untergrund ausnahmsweise nicht nur sumpfig. Auch wenn es immer wieder regnet, so schaut auch ab und zu mal die Sonne vorbei. Am Pass geht es an ein paar Seen vorbei, bevor wir wieder absteigend den ersten Blick auf das Flussbett der Kvina und die höheren Berge im Norden haben.



        Auch der Abstieg ist sehr angenehm, da hatten wir in den letzten Tagen ganz andere Strecken. Beim weitern Abstieg wird auch die Sicht auf die Straße, die wir morgen queren werden und die große Hängebrücke am Håhellervatnet frei. Komisch noch den Tagen in der Einsamkeit jetzt wieder Autos zu sehen.



        Am See 914, kurz bevor wir die Kvina erreichen, zweigt noch einmal ein Weg nach Øyuvsbu ab. Inzwischen können wir auch die Håheller Hütte bereits sehen. So weit wollen wir aber gar nicht mehr gehen. Dicht am Ufer geht der Weg entlang. Rechter Hand eine steile Felswand, links der Fluss und vor uns Blockfelder. Das ist ja noch einmal zum Abgewöhnen am Ende des Tages. Langsam reicht es uns für heute. Wir halten Ausschau nach einem Zeltplatz. Kurz vor Håheller finden wir direkt am Fluss eine schöne Stelle. Trotz des Windes entschließen wir uns hier zu bleiben, obwohl es erst 15.00 Uhr ist. Die Aussicht ist wunderschön und ein Hügel verdeckt Hütte, Brücke und Straße.



        Der Zeltaufbau gestaltet sich nicht ganz einfach. Alles muss sofort beschwert, weggepackt oder mit Heringen befestigt werden. Wenn uns hier was wegfliegt, schwimmt es im Fluss. Als der nächste Regenschauer kommt, haben wir aber alles trocken verstaut. Nun wird es wieder gemütlich. Erst mal reichlich trinken, dann kochen wir Wasser für Kaffee, später gibt es Abendessen. Da das Zelt vorne eine große Apsis hat, können wir bei Regen unter dem Vorzelt kochen.

        Draußen ändert sich das Wetter im Minutentakt. Regen, Sonne, Regenbogen, es wird nicht langweilig.







        Nach dem Abendessen sehen wir zwei Adler, die lange ihre Kreise über uns ziehen.





        Freitag 24.08.2012

        Kurz vor Håheller – See 1016 im Anlaugdalen 11 km ca 7 h

        In der Nacht regnet es nicht mehr, kurz vor drei muss ich mal raus. Es ist ganz klar und ein unglaublich schöner Sternenhimmel. Man sieht so viele Sterne, dass man kaum die bekannten Sternbilder erkennen kann. Wenn es nicht so frisch wäre, könnte ich ewig schauen. Aber so krieche ich doch lieber wieder in den Schlafsack und schlafe noch ein paar Stunden.

        Morgens dauert es sehr lange bis die Sonne über die Berge kommt. Aber dann ist es sofort schön warm im Zelt. Am Himmel sind nur einige graue Wolken im Norden. Leider genau dort wo wir hin wollen.



        Schnell raus aus den Schlafsäcken und frühstücken. Aber schon in dieser Zeit zieht der Himmel wieder bedenklich zu. Trotzdem wollen wir zügig packen, damit wir loskommen. Aber heute ist entschieden nicht mein Tag. Zuerst kommen die Schafe vorbei und lassen sich auch nicht verscheuchen. Benny ist schon ganz nervös, und ich kann nicht weiter packen.





        Immer wieder vergesse ich beim Packen etwas und muss dann wieder auspacken. Am Schluss ist alles fertig und ich hab vergessen meine Fersen zu verpflastern. Nachdem ich gestern Wasser in die Stiefel bekommen hab, hab ich an beiden Fersen Blasen bekommen. Also wieder Stiefel aus und Blasenpflaster auspacken. Zum Glück hat der Wind fast ganz nachgelassen, und so kann Benny gut draußen liegen und friert nicht. Jetzt nur noch das Zelt abbauen und auf den Rucksack schnallen. Inzwischen ist es schon wieder grau geworden und nieselt leicht. Aber es gibt auch noch große Stücke blauen Himmels.

        Abmarsch um 10.30 Uhr, zuerst zur Håheller Hütte. Sie liegt direkt unter einer Felswand.



        Auf der einen Seite gibt es einen Eingang zu einem Zimmer mit zwei Betten, davor eine Art Schuppen mit einem Käfig für Hunde, direkt neben Brennholz, Schneeschaufel und Gasflaschen. Nicht besonders einladend. Ich würde meinen Hund dort ungern lassen. Da schlafen wir doch lieber im Zelt! Aber trotzdem schön, dass es die Möglichkeit gäbe.





        Von der anderen Seite geht es in einen kleinen Aufenthaltsraum mit zwei Schlafkojen.



        Weiter geht es. Unser nächstes Ziel ist die Taumevatn Hütte. In den norwegischen Karten ist eine Gehzeit von 7 Stunden angegeben. Wir sollten also mal mit dem Doppelten rechnen. Aber wir werden sowieso wieder unterwegs zelten. Jetzt müssen wir erst einmal über die große Håhellerbrücke.





        Wie gut, dass Benny keine Angst davor hat. Wir haben gar nicht darüber nachgedacht, was passieren könnte….. Er ist an der langen Leine, rechts und links kein Geländer und Spalten zwischen den Brettern. Zum Glück geht alles gut. Gerade als wir die Brücke hinter uns haben, kommen ein paar Angler in Booten vorbei. Auch sehen wir zum ersten Mal bewusst die Staumauer des Rosskreppfjorden.



        Nun ist es nicht mehr weit bis zur Straße. Wir laufen am Ufer des Håhellervatnet entlang und sehen immer wieder Leute die mit Eimern unterwegs sind um Moltebeeren zu sammeln. Dieses Stück ist wieder einmal sehr sumpfig.





        Wir überqueren die Straße und wandern das Ramsdalen hinauf. Inzwischen ist das Wetter wieder richtig schön geworden. Der Weg ist nicht mehr so sumpfig, steigt stetig, aber nicht zu steil an, anstrengend wird es trotzdem irgendwann. Es geht vorbei an vielen Seen, die Ausblicke werden immer schöner.


        Austra Skjerevatnet







        Es geht meist rauf, ab und zu ein wenig runter. Einige Watstellen, die meisten sind harmlos, aber bei einer habe ich dann doch einen Wassereinbruch. Wir machen Pausen wenn gerade die Sonne scheint, oder wenn es halt gar nicht mehr geht. Endlich ist der höchste Punkt auf 1070 m erreicht. Nach dem Pass steigen wir noch ab bis zum See auf 1016 m. An dessen Ufer finden wir eine schöne Zeltstelle auf einer Wiese.





        Es ist inzwischen 17.30 Uhr und es reicht uns. Schnell ist das Zelt aufgebaut. Abendessen kochen, Tee, Kaffee und vor allem viel Wasser trinken. Tagsüber trinken wir das Wasser immer pur. Aber abends geben wir gerne eine Vitamin- oder Magnesiumtablette rein. Abspülen, Tagebuchschreiben und dazwischen ist noch Zeit für ein paar Fotos.





        Nachdem wir heute relativ spät das Lager aufgeschlagen haben, ist es dann schon 20.30 und wird langsam dunkel.

        Kommentar


        • andrea2
          Dauerbesucher
          • 23.09.2010
          • 765

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

          Samstag 25.08.2013

          See 1012 im Anlaugdalen – Storevatn 8,7 km ca. 6,5 h

          Nachts nieselt es leise aufs Zelt, aber später kann man wieder die Sterne sehen. Als wir morgens aus dem Zelt schauen sind wir enttäuscht, ist es doch wieder grau und neblig. Das Zelt ist klatschnass von innen und außen, da es total windstill ist. Frühstück und Packen gehen heute schnell, das Zelt müssen wir nass einpacken.



          Um kurz nach 10 Uhr ist Abmarsch. Inzwischen haben sich die Wolken etwas gehoben und ab und zu scheint ein Stück blauer Himmel durch. Wir folgen weiter dem Anlaugdalen. Bis auf ein paar kleine, fiese Gegenanstiege geht es abwärts.



          Kurz bevor wir wieder in den Birkenwald kommen, verlieren wir den Weg. Der Pfad ist so ausgetreten, dass wir gar nicht merken, dass die Markierung auf der anderen Seite des Flusses weitergeht. Erst nach einer ganzen Weile fällt uns auf, dass es keine Markierungen mehr gibt. Wir sind einem Schafswechsel gefolgt. Da wir in dem Moment noch nicht wissen, wo uns der Weg abhanden gekommen ist, stellen wir erst einmal die Rucksäcke ab und gehen ohne diese zurück, bis wir nach einigen Minuten auf die Watstelle treffen. Eigentlich gut zu sehen….

          Nachdem die Rucksäcke nun schon einmal abgesetzt sind, nutzen wir die Gelegenheit gleich für eine Pause.



          Der weitere Weg wird immer feuchter je weiter wir nach unten kommen. Zu allem Überfluss müssen wir uns auch noch durch Weidengestrüpp kämpfen. Entschädigt werden wir durch die vielen reifen Moltebeeren, die hier nur darauf warten gepflückt zu werden. Und wieder verlieren wir den Weg. Diesmal laufen wir aber einfach weiter. Die Richtung ist klar, und wir können schon den kleinen See Stumpetjørnene sehen, an dem wir auf den Weg aus Adneram treffen sollten.

          Einige Gegenanstiege und Sumpfstellen später sind wir dann endlich unten. Hier ist es relativ warm und windstill. Zum ersten Mal in diesem Urlaub sind die Mücken richtig nervig.



          Der Weg folgt dem Ufer. Es gibt einige wenige Bohlen, aber im Großen und Ganzen müssen wir uns unseren Weg durch den Sumpf weiter selber suchen. Kurze Zeit später erreichen wir die Taumevatn Hütte, die wunderschön direkt am Ufer des gleichnamigen Sees liegt.





          Wir setzen die Rucksäcke ab, leinen Benny am Wegweiser an und gehen in die Hütte. Wir wollen uns nach dem Wetter und dem weiteren Weg erkundigen.

          In der Hütte ist jetzt tagsüber nicht viel los. Ein Norweger mit seinen drei Enkeln verbringt hier das Wochenende mit Angeln. Da man Richtung Adneram recht schnell eine Straße erreicht, ist diese Hütte beliebt für Wochenendausflüge.

          Wir unterhalten uns ein wenig. Als der Norweger erfährt, dass wir aus Deutschland kommen, fragt er gleich, ob wir von dem fruchtbaren Unglück im Februar 2012 gehört hätten, als hier auf dem Taumevaten vier deutsche Wintertourengeher ums Leben gekommen sind. Die Meldungen gingen auch bei uns durch die Nachrichten und ich hatte das Geschehen hier im Forum verfolgt, allerdings wusste ich nicht mehr, dass das genau hier war. Bis heute ist wohl nicht endgültig geklärt, was passiert ist. Klar ist nur, dass das Wetter sehr schlecht war und die Leute ihre Tour zur Storevatnhütte abgebrochen hatten. Alles Weiter bleibt Spekulation.

          Wir erkundigen uns noch nach dem weiteren Weg. Es gibt zwei Varianten nach Storevatn. Der Norweger empfiehlt uns die östliche Route. Die andere Strecke ist eher die Winterroute. Zum Wetter kann er uns nur sagen, dass es wohl so bleibt wie es ist. Etwas Regen, etwas Sonne aber nichts Stabiles. Wir bedanken uns für die Informationen und machen uns auf den Weiterweg.

          Es geht am See entlang durch Birken, Weiden und Sumpf. Erst als der Weg nach der Weggabelung steil ansteigt und wir wieder ins Fjell kommen wird es etwas besser. Wir machen eine kleine Pause. In der Sonne ist es richtig warm. Benny möchte immer noch etwas von unserer Schokolade abbekommen.



          Bald hören wir den Fluss Tarjeisåni rauschen. Laut Karte gibt es dort eine Brücke. Als wir den Fluss erreichen, sehen wir aber nur die alten Fundamente. Toll!! Wie sollen wir dann da rüberkommen? Ein ausgetretener Pfad führt flussaufwärts. Und dann sehen wir auch das Schild: BRU. Na, dann wollen wir mal hoffen, dass da tatsächlich noch was kommt. Und tatsächlich nach der nächsten Biegung des Flusses sehen wir die "Brücke". Auf Stahlseilen liegen eigentlich nicht viel mehr als Holzpaletten. In der Mitte haben sie sich schon übereinander geschoben, so dass man am Rand einen großen Schritt machen muss, um überhaupt auf die Brücke zu kommen. Ein schmales Stahlseil als Geländer vervollständigt die Brücke.



          Aber auch das schaffen wir, einschließlich Benny, und weiter geht es bergauf. Inzwischen ist es immer grauer geworden, und bald fallen die ersten Tropfen. Wieder einmal kommen die Regenklamotten zum Einsatz, und der Aufstieg wird noch schweißtreibender. Der Regen ist nicht besonders stark, so können wir immer mal wieder kleine Pausen machen, ohne die Rucksäcke dabei abzusetzen. Doch die grauen Wolken im Westen lassen weiteren Regen befürchten.



          Um 16.30 Uhr erreichen wir den See 959, der später in den Storevatn übergeht. Auf einer halbwegs ebenen Stelle wollen wir das Zelt aufbauen, da es uns reicht für heute. Genau in diesem Moment fängt es an heftig zu regnen. So wird nicht nur die Außenwand des Innenzeltes nass, sondern auch das ganze Innenzelt. Poncho, Regenjacke, Regenhose, Rucksackschutz, alles ist klitschnass. Kaum steht das Zelt, ist der Regen auch schon fast wieder vorbei. Ich hab schlechte Laune. Hätte das nicht fünf Minuten warten können, oder hätten WIR mal fünf Minuten gewartet. Hilft nichts, also Zelt auswischen, einräumen und dann trockene Klamotten anziehen.



          Bei einem warmen Tee steigt die Laune dann langsam wieder. Mit Abendessen kochen, Tagebuch schreiben und Kartenstudium vergeht der Abend. Es tröpfelt nur noch ab und zu ganz leicht. Dafür hat der Wind gedreht, er kommt jetzt direkt aus Norden, und weht uns über den See direkt ins Zelt. Brrrr!!

          Wir steigen noch auf den Hügel hinter dem Zelt. Dahinter hat man eine weite Fernsicht (wenn die Wolken nicht wären), und so hoffen wir auf Handyempfang. Und tatsächlich, es ist eine SMS von zu Hause da. Es geht den Kindern gut, alles ok.



          Sonntag 26.08.2012

          Storevatn – Karintjørni 12,7 km ca 7,5 h

          Ich schlafe schlecht in dieser Nacht. Der Platz war doch sehr abschüssig. Am Abend hatte ich noch meinen kompletten Rucksack unter das Fußende der Isomatte drapiert, um nicht ganz so schief schlafen zu müssen. Mir tut das Kreuz weh, und eigentlich bin ich froh, als es endlich hell wird. Aber zum Aufstehen kann ich mich auch nicht aufraffen. Meinem Mann geht es nicht viel anders und so ist es schon 7.30, als wir endlich aus den Schlafsäcken kriechen. Das Wetter sieht grau aus, aber es gibt auch etwas blauen Himmel. Zumindest ist es trocken.

          Frühstück, Packen, Zeltabbau… das Gleiche wie jeden Morgen. Draußen ist es kalt, der Wind macht es noch unangenehmer. Aber das Wetter scheint besser zu werden.



          Um 10. 00 Uhr geht es los. Wir umrunden den kleinen See 959 bis wir an die Verbindung zum Storevatn gelangen. Hier treffen wir auf eine Gruppe Norweger, die einen Wochenendausflug machen. Gestern sind sie von Taumevatn gekommen, haben auf der Storevatnhütte übernachtet, und müssen nun zurück.

          An der schmalsten Stelle zwischen den beiden Seen steht eine Brücke. Diesmal ist es eine stabile Stahlkonstruktion mit ordentlichem Geländer. Der Gitterboden, durch den man ins Wasser sehen kann, ist Benny aber deutlich unangenehmer als die letzte Brücke. Am Ende ist eine hohe Stufe, die Benny nicht runterspringen soll, da unten auch ein Metallgitter ist. Wie praktisch das die Packtaschen einen Griff haben. So können wir Benny einfach runterheben.



          Weiter geht es am See entlang, über einen Hügel und schon bald wird der erste Blick auf die Storevatn Hütte frei. Inzwischen ist das Wetter richtig schön geworden und wir genehmigen uns eine kleine Pause.



          Pünktlich zur Mittagszeit um 12.00 Uhr erreichen wir dann die Heibergtunet Storevatn, wie sie eigentlich heiß. Es ist ein richtiges kleines Museum mitten in den Bergen.

          Auf UT.no kann man nachlesen wie es dazu kam.

          Vor etwa 100 Jahren begann Thv. Heiberg den Bauern hier das Land abzukaufen. Innerhalb von 20 Jahren erwarb er etwa 1 Million Hektar Bergland. Das war der größte private Besitz im Land zu dieser Zeit. Heiberg war ein begeisterter Jäger und hatte ganz spezielle Vorstellungen von der Jagd. Alle Raubtiere wurden soweit wie möglich abgeschossen, damit die Rentiere und Schneehühner die bestmöglichen Lebensbedingungen haben. Für den Stamm der wilden Rentiere, die hier schon kurz vor der Ausrottung standen war das die Rettung, für das Raubwild aber eine Tragödie.

          Heiberg ließ überall in dem Gebiet Jagdhütten bauen, um, speziell in England, Jagdabenteuer anbieten zu können.

          Nach dem Krieg verfiel das Land und einige Hütten mussten Stauseen weichen. Der norwegische Staatsforst, die Gemeinde Sirdal und der Touristenverein Stavanger arbeiteten nun zusammen um die letzten paar Hütten die noch über waren zu erhalten.








          Benny wird nun von seinen Packtaschen befreit und vor der Hütte abgelegt. Wir sehen uns drinnen um und suchen vor allem das Proviantlager. Wir möchten hier unsere Lebensmittelvorräte auffüllen. Inzwischen wird Benny von den Schafen umzingelt. Er bleibt ganz brav liegen, trotzdem geht mein Mann lieber raus um aufzupassen.





          Den Moment als Benny wirklich Nase an Nase mit den Schafen da lag, hab ich leider verpasst.

          Ich suche mir im Proviantlager die Lebensmittel aus, die wir brauchen können. Vieles ist in Dosen, dass kommt nicht in Frage. Am Ende sind es nur ein paar Sachen, eine Packung Knäckebrot, je eine kleine Packung Leberpastete, Erdbeer- und Himbeerkonfitüre und eine Wildsuppe fürs Abendessen. Aus einer Liste suche ich mir die Preise zusammen, muss diese in ein Formular eintragen, dann nur noch Kreditkartennummer und ein paar weitere Daten eintragen und ab in den dafür vorgesehenen Briefkasten. Wir hoffen mal, dass das alles klappt.

          Vor der Hütte im Windschatten genießen wir noch etwas die Sonne und essen eine Kleinigkeit. Nachdem wir aber immer wieder die Schafe vertreiben müssen wird es uns bald zu blöd und wir machen uns auf den Weiterweg.

          Während des langen Anstieges bis zum Vardebrotet Pass auf 1100 m Höhe wird die Aussicht immer schöner.





          Das Steinmännchen (eher ein Steinmann bei der Größe) auf der Passhöhe können wir schon lange sehen, wir wollen nur nicht glauben, dass wir wirklich so weit hinauf müssen. Aber immer höher zieht sich der Weg hinauf.



          Dann haben wir es geschafft, endlich ist die höchste Stelle des heutigen Tages erreicht.



          Nach einer Pause an einer windgeschützen, sonnigen Stelle geht es nun das Hudadalen hinab. Das Tal ist ausgesprochen grün, und der Weg ganz passabel. Heute sind wir mal richtig zufrieden mit unserm Tempo.



          Das Wetter ist schön. So beschließen wir, als wir den See Såvatn erreichen, querfeldein an dessen SO-Ufer weiterzulaufen, um später auf den Weg nach Bossbu zu gelangen.



          Wir kommen sehr gut voran. Eigentlich besser als sonst auf den Wegen. Wir müssen lange nicht so viele Sumpfstellen umgehen wie auf den ausgetretenen Wegen. Nach 1 ½ Stunden stehen wir wieder auf dem markierten Weg, direkt an der Watstelle über den Såvatnabfluss. Hier hätten wir definitiv waten müssen. Da ist mit Stiefeln nichts mehr zu machen. Aber zum Glück stehen wir ja nun schon auf der richtigen Seite, dank unserer Abkürzung.





          Sieht so eigentlich ganz harmlos aus, war aber mindestens knietief, und das, wie man an den trockenen Steinen am Ufer sieht, bei relativ niedrigem Wasserstand. Eigentlich soll hier ein Seil die Watstelle sichern, das liegt aber abgerissen im Wasser.

          Inzwischen ist es 18.00 Uhr, wir steigen noch ein Stück aufwärts und suchen am nächsten Bach, nahe dem See Karintjørni, nach einer Zeltstelle. Schnell ist ein schöner Platz gefunden. Zwar eben heute, dafür mit einigen Buckeln mitten drinnen. Wie gut das wir Therm-a-Rest Matten haben.

          Zeltaufbau, Einräumen, Abendessen in der Sonne vor dem Zelt. Es gibt Wildgryta (aus der Hütte) mit Cous-Cous. Als Nachspeise noch einen Süßen Moment für jeden und zum Abschluss einen Kaffee. Das Wetter ist richtig schön geworden. Es sind nur noch wenige Wolken am Himmel. Sollten wir endlich mal Glück haben?





          Sobald Benny abends sein Futter gekommen hat ist er fertig mit der Welt. Da merkt man, dass ihm der Schlaf tagsüber fehlt.



          Inzwischen ist es 20.00 Uhr. Zeit fürs Tagebuch, bevor es dunkel wird. Draußen ist die Sonne untergegangen und es wird schnell kalt.

          Kommentar


          • andrea2
            Dauerbesucher
            • 23.09.2010
            • 765

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [NO] Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

            Montag 27.08.2012

            Karintjørni – Skammevatnet 10 km ca. 7,5 h

            Nachts wache ich auf und kann lange nicht mehr einschlafen. Vielleicht hätte ich doch keinen Kaffee am Abend trinken sollen. Draußen ist es sternenklar und gegen Morgen wird es richtig kalt. Morgens wache ich erst auf, als mein Mann meint, es ist schon 8.00 Uhr. Draußen scheint die Sonne auf das Zelt, also nichts wie raus aus den Schlafsäcken.

            In der Nacht gab es Bodenfrost, und im Schatten kann man noch die überreiften Pflanzen sehen.



            Benny ist das egal, Hauptsache raus aus dem Zelt.





            Wir sitzen im Zelteingang in der Sonne und genießen unser Frühstück. Heute gibt es mal kein Müsli, sondern das Knäckebrot aus der Storevatnhütte mit Leberpastete und Konfitüre. Danach geht es leider wieder ans Packen. Das macht bei dem herrlichen Wetter aber auch mehr Laune. Am gegenüberliegenden Hang macht gerade eine Gruppe Jäger Pause. Sie suchen mit ihren Ferngläsern die Hänge ab. Sicher auf der Suche nach Rentieren. Bald ziehen sie weiter.



            Wir sehen auch zu, dass wir loskommen. Heute haben wir die anstrengendste Etappe der ganzen Wanderung vor uns. Nach dem Anstieg auf den ersten Pass erwartet uns ein permanentes Auf und Ab, so dass wir am Abend insgesamt fast 800 Höhenmeter hinter uns haben werden.







            Ein letzter Blick auf "unseren" Bach, dann geht es los. Der Weg hat es in sich. Bei nassem Wetter möchte ich hier nicht unbedingt gehen, und erst recht nicht bergab. Es geht steil nach oben. Dazwischen einige richtig fiese Stellen, bei denen man die Hände zu Hilfe nehmen muss.


            Da entlang??....


            ... zu dem Steinmännchen da oben???

            Die Aussicht wird immer fantastischer, und das Wetter ist einfach nur ein Traum. In der Ferne kann man den riesigen Storevatnet sehen. Einen weiteren Stausee.





            Der Anstieg zieht sich, immer noch ein Hügel und noch ein Hügel. Dann endlich bei über 1300 m Höhe haben wir den ersten Pass erreicht.



            Es ist 13.00 Uhr, also Zeit für eine kleine Mittagspause.



            Weiter geht es, wieder abwärts, über viel Geröll und Schneefelder, vorbei an immer neuen Seen.




            Alpenpechnelke


            Det lange vatn


            Kleine Pause

            Nachdem wir den langgezogenen See mit dem passenden Namen "Det lange vatn" passiert haben, folgt der nächste An- und Abstieg zum See Rjuvtjørni, der beeindruckend in einem Kessel aus Felswänden liegt.




            Rjuvtjørni

            Hier machen wir wieder eine kurze Pause, dann geht es weiter, wie immer ein bisschen runter, dann wieder rauf und dann wieder runter…..



            Inzwischen sieht auch das Wetter nicht mehr ganz so gut aus. Irgendwie gefallen mir diese Wolken gar nicht.



            Jetzt kommt es aber ganz dick. Steile Felsstufen, die mit Rucksack nur schwer zu bewältigen sind. Selbst Benny steht davor und weiß nicht wie runter, und das will was heißen. Ich bin froh, dass mein Mann mir den Rucksack runter schafft, und ich ohne runter klettern kann.



            Eine weiter fiese Stelle folgt, an der mein Mann das Gepäck übernimmt, dann geht es steil weiter abwärts durch Farn und Weiden, bis wir den See 1140 erreichen. Hier machen wir eine kurze Pause um zu beratschlagen, ob wir den nächsten Anstieg noch in Angriff nehmen sollen. Eigentlich sind wir beide schon ganz schön kaputt, aber das Wetter ist noch ok, obwohl es langsam immer mehr zuzieht. Wer weiß wie es morgen aussieht. Also schnell eine kleine Stärkung und dann geht es weiter.



            Steil geht es nun noch einmal nach oben. Zum Glück gibt es hier keine weiteren Steilstufen. Nach 45 Minuten haben wir bei gut 1300 m Höhe den letzten Pass für heute erreicht. Linkerhand liegt der Skammestiegen, mit 1338 m nur wenig höher, und hier der höchste Berg in der Umgebung. Aber wir haben weder die Kraft noch die Lust da jetzt noch hinauf zu steigen.

            Wir machen kurz Rast um uns wärmer anzuziehen. Inzwischen ist die Sonne hinter den dichter werdenden Wolken verschwunden und der Wind ist unangenehm kalt.


            Blick zurück


            Aussicht nach Westen


            Wir machen uns an den Abstieg. Der Weg ist sehr gut, nur wenige steile Stellen. Wir kommen gut voran. Inzwischen ist nichts mehr mit Landschaft genießen. Wir wollen nur noch ankommen. Ich hab das Gefühl, wenn ich mich jetzt hinsetzte, stehe ich nicht mehr auf. Gegen 18.00 Uhr erreichen wir den Skammevatnet auf 1075 m.

            Schnell ist ein Zeltplatz gefunden. Zeltaufbau, einräumen, entspannen. Ich bin jetzt total alle. Erstmal ein Stück Traubenzucker, dann schnell waschen und umziehen. Ich weiß, wenn ich noch länger warte, komme ich nicht mehr hoch. Mein Mann kocht inzwischen einen Tee. Danach geht es schon wieder besser. Benny liegt zusammen gerollt im Zelt und rührt sich kaum noch. Für ihn war es heute auch anstrengend.

            Nach dem Abendessen wird noch Tagebuch geschrieben. Mal sehen was das Wetter morgen macht. Der Luftdruck ist auf alle Fälle nicht gefallen.

            Heut liegen wir bald im Schlafsack. Es war eine tolle Etappe und ein schöner Tag.



            Dienstag 28.08.2012

            Skammevatnet

            Gegen Mitternacht wache ich auf, als es leise anfängt zu regnen. Schnell verschwinden wir beide noch einmal nach draußen. Was erledigt ist, ist erledigt. Bald schon wird der Regen heftiger und es fängt an zu stürmen. Trotzdem schlafe ich, nach der Anstrengung des gestrigen Tages, sehr gut.

            Morgens schüttet es immer noch wie aus Kübeln. Langsam tropfen immer mehr Kondenswassertropfen vom Außenzelt aufs Innenzelt. Wir bleiben einfach liegen. Nur nicht rühren, denn wenn Benny merkt, dass sich was tut, dann wird er in der Regel auch unruhig, will raus und dann sein Frühstück. Und dazu haben wir im Moment so gar keine Lust.

            So vergeht die Zeit. Es gibt nicht die kleinste Regenpause. Um 11.30 Uhr drückt dann doch die Blase so sehr, dass wir beschließen rauszugehen. Mein Mann wagt es zuerst. Er bekommt meine Regenjacke, die ist noch besser imprägniert. Ist das lästig sich für die paar Minuten in die ganzen Regenklamotten zu quälen. Er nimmt Benny gleich mit. Der kriecht, als er merkt, was für ein Wetter herrscht, gleich wieder unter dem Außenzelt durch, in die Apsis zurück. Hilft ihm aber nichts, er muss raus.

            Nachdem die beiden zurück sind, bekommt Benny sein Frühstück und rollt sich danach gleich wieder zufrieden unter seiner Decke zusammen.

            Nun bin ich an der Reihe. Ich ziehe die gleichen Regensachen an wie mein Mann, damit wir nicht so viele nasse Sachen im Zelt haben. Ich möchte zuerst das Zelt auf der Windseite neu abspannen. Dabei muss ich feststellen, dass wir schon in einer riesigen Pfütze liegen. Unter einer dünnen Schicht Erde kommt hier direkt der Felsen. So kann das viele Wasse der Nacht nicht versickern und sammelt sich schnell in Vertiefungen. Da hilft es auch nicht, dass der Boden eigentlich leicht abschüssig ist. Mit Hilfe der Stecken versuche ich einen Abfluss zu graben. Das gelingt mir mehr schlecht als recht, zumindest ist der See etwas kleiner geworden. Allerdings ist unter der hinteren Zeltstange auch noch ein See, gegen den ich aber nicht ankomme. Ich gehe schnell verschwinden und krieche dann wieder ins Zelt. Noch haben wir ja keinen Wassereinbruch.

            Jetzt können wir gemütlich frühstücken. Es gibt die restlichen Knäckebrote mit Butter und Konfitüre. Danach ist erst einmal wieder Pause. Bis wir bemerken, dass das Wasser der hinteren Pfütze langsam durch die Nähte ins Zelt zieht. Also wieder raus und graben.

            Diesmal ist mein Mann dran. Er opfert sein Messer, um damit einen Abfluss zu graben. Das geht deutlich besser als mit den Stecken. Zumal hier relativ weicher Boden ist. Nachdem die Pfütze hinter dem Zelt entwässert ist, verbreitet er meinen Abfluss auch noch, denn inzwischen hab ich festgestellt, dass wir schon mit dem ganzen Zelt im Wasser sitzen. Quasi ein Wasserbett! Er kann den Abfluss so weit erweitern, dass fast das ganze Wasser abfließen kann. Einen kleinen See müssen wir noch unter der Isomatte aufwischen, wahrscheinlich hat hier der Zeltboden ein kleines Loch, und dann sitzen wir wieder im Trockenen.

            Kurze Zeit später, es ist wohl so gegen 15.00 Uhr lässt der Regen langsam nach und hört schließlich ganz auf. Wir nutzen die Gelegenheit um aus dem Zelt rauszukommen, uns die Beine zu vertreten und Benny zu lüften. Sogar die Sonne kommt raus, und für kurze Zeit haben wir ganz blauen Himmel.


            Zelt mit Entwässerungsgräben, hat mit k(l)einen Spuren leider nicht mehr viel zu tun.


            Gestern kamen da noch keine Bäche runter


            Aussicht gibt es auch wieder




            Benny freut sich auch etwas flitzen zu können


            Hat es etwa gerade noch geregnet?

            Die Sonne ist leider bald wieder weg, aber fürs Erste bleibt es trocken. Nachdem wir heute viel Zeit haben, wollen wir aus dem Eipulver,das wir noch dabei haben Rührei machen. Das ist ein ziemlicher Krampf. Erst die totale Pampe beim Anrühren, und dann brennt es auch noch an wie blöd. Es schmeckt zwar ganz gut, beim Ausscheuern von Topf und Pfanne schwören wir uns aber, dass es das nicht mehr auf Tour geben wird.

            Inzwischen ziehen auch immer wieder einmal kurze Schauer durch. Hoffen wir mal, dass das nicht wieder zum Dauerregen wird, denn noch einen Tag möchten wir hier nicht verbringen.

            Kommentar


            • andrea2
              Dauerbesucher
              • 23.09.2010
              • 765

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [NO] Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

              Mittwoch 29.08.2012

              Skammevatnet – Kolsvassåni 12,6 km ca. 7 h

              Wach bin ich zwar schon gegen 6.00 Uhr, aber wir haben noch keine Lust zum Aufstehen, dabei sollten wir nach einem Tag im Zelt doch voller Tatendrang sein. Immerhin hat es in der Nacht nicht mehr geregnet. Als wir dann gegen 7.00 Uhr endlich einen Blick nach draußen riskieren, sieht es ziemlich grau aus. Ok, aber es ist trocken. Also Frühstück, Packen, Zeltabbau. Heute sind wir mal richtig schnell. Bloß weg hier, nicht noch ein Nacht im Nassen. Um 8.45 Uhr sind wir bereits unterwegs.

              Es geht weiter wie bisher. Rauf, runter, rauf runter… allerdings nicht mehr so viel wie vor zwei Tagen. Es geht vorbei am Nutevatnet, einen Fluss müssen wir überqueren. So erreichen wir nach zwei Stunden Bossbu.


              Nutevatnet




              Bossbu

              Hier können wir wieder ein bisschen Proviant nachkaufen. Wir suchen uns Knäcke aus, dazu jeweils kleine Portionen von Kaviar, Räkost (Streichkäse mit Krabben), Marmelade und eine Packung Kekse. Während wir noch den Zahlschein ausfüllen, fängt es schon wieder an zu regnen.

              Also einmal mehr Regenhose an, Regenjacke und Poncho drüber und dann kann es weitergehen.

              Gleich hinter Bossbu soll eine Brücke kommen. Brücke?? Diese "Brücke" war wirklich das Schlimmst im ganzen Urlaub. Allein wäre ich dort mit dem schweren Rucksack nicht rüber gekommen. (Obwohl, man wundert sich, was alles geht, wenn es denn sein muss…)





              Um überhaupt auf das, was sich da Brücke schimpft, zu kommen, muss man von einem Felsen auf den nächsten springen. Ich bekomme einen kleinen Anfall, schimpfe, dass ich da nicht rüber gehe… Mein Mann kennt das schon. Er nimmt Benny und bringt ihn erst einmal rüber.

              Dann kommt er zurück und nimmt mir meinen Rucksack ab. Ohne Gepäck schaffe ich es irgendwie da rüber. Wäre der Fluss nicht wirklich tief gewesen, ich glaube ich wäre lieber durchgewatet.


              Auch von der anderen Seite sieht die Brücke nicht viel vertrauenserweckender aus.

              Der Regen hat zum Glück wieder nachgelassen, aber da es immer wieder Schauer gibt, laufen wir mit den Regensachen weiter. Es geht am Botnsvatnet und am kaum höher gelegenen Kolsvatnet entlang.


              Botnsvatnet


              Kolsvatnet

              Wir machen eine kurze Pause, als es mal gerade nicht so regnet.



              Einen Anstieg von etwa 100 Höhenmeter müssen wir noch überwinden, bevor es für die nächsten Kilometer hauptsächlich abwärts geht.


              Am Auguntjørnin stehen einige urige Hütten.



              Wir laufen an Seen entlang, das Tal abwärts, ab und zu wieder ein paar Steilstufen, damit es nicht langweilig wird, dazwischen, wie immer, Sumpf und Bäche. Immer wieder regnet es, und der Wind wird auch langsam stärker. Viele riesige Felsbrocken liegen hier rum, so wie sie der Gletscher hat liegen lassen.





              Unterhalb des Midtfjelli am Kolsvassåni suchen wir uns gegen 16.00 Uhr einen Zeltplatz. Wir können die Svartenuthütte bereits sehen, und so weit wollen wir heute nicht mehr. Direkt nach der Hütte beginnt ein langer Anstieg, an dem es wahrscheinlich schwierig wird Zeltmöglichkeiten zu finden. Außerdem hat gerade der Regen einmal aufgehört.
              Es dauert etwas, bis wir einen Platz finden. Wir sind nach den schlechten Erfahrungen am Skammevatnet sehr vorsichtig geworden und wollen unbedingt eine Stellen, an der das Wasser auch sicher abfließen kann. Endlich werden wir fündig, zwar weit weg vom Wasser, dafür aber einigermaßen trocken.


              Blick zurück von unserem Zeltplatz

              Nun schnell die Rucksäcke holen und das Zelt aufbauen, denn es fängt schon wieder an zu tröpfeln, die Hundematte ins Zelt, die Rucksäcke, allen Krempel ins Trockene. Geschafft! Nun können wir in Ruhe einräumen und gehen wir noch mal Wasser holen. Bei dem ungemütlichen Wetter heute haben wir nur wenige Pausen gemacht, und wieder viel zu wenig getrunken. Das holen wir jetzt nach, dazu gibt es die Nüsse, die vom Tagesproviant übrig geblieben sind.

              Langsam kommen die Wolken immer tiefer. Bald sind die Berge rundherum verschwunden. Wir kochen Abendessen unter der Apsis.



              Danach mache ich mich an den Eintrag ins Tagebuch, während mein Mann noch mit dem Handy auf den Hügel hinter dem Zelt steigt. Er hat tatsächlich Empfang und eine SMS von unserem Sohn auf dem Handy. Zu Hause ist alles ok. Es schauert immer noch, aber zum Glück kein Dauerregen.



              Donnerstag 30.08.2012

              Kolsvassåni – Kyrkjenostjørnin 11 km ca. 7 h

              Kein Dauerregen ist gut. Es hat einmal mehr die ganze Nacht wie aus Kübeln geschüttet. Dazu ein Sturm, dass das Zelt immer wieder runter gedrückt wird. Ab und zu blitzt es. Allerdings können wir bei dem Sturm keinen Donner hören, auch passen die Temperaturen eigentlich gar nicht zu einem Gewitter. Im Nachhinein glauben wir eher an elektrische Entladungen auf dem Zelt, durch die Reibung von Sturm und Regen auf dem Zelt oder der beiden Zelte, Innen- und Außenzelt, aufeinander. Ich weiß nicht, ob es sowas manchmal gibt.

              Lange können wir nicht einschlafen, immer wieder bekommen wir das Zelt auf den Kopf gedrückt. Ich ziehe mir den Schlafsack über den Kopf, will von all dem nichts mehr hören. Gegen Morgen lässt wenigstens der Regen etwas nach, irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen. Entsprechend müde sind wir dann auch, als wir gegen 7.00 Uhr aufwachen.

              Draußen hängen tiefe, dunkle Wolke, aber es gibt auch ein paar wenige blaue Lichtblicke. Wir frühstücken, heute wieder mit Knäcke, dazu Kaviar, Räkost und Blaubeermarmelade. Zuerst hat natürlich Benny sein Frühstück bekommen, wie jeden Tag. Er rollt sich dann immer zufrieden zusammen und schläft noch eine Runde, und wir können in Ruhe Frühstücken und Packen.

              Es ist kalt und immer noch sehr windig. Wir packen so weit wie möglich im Zelt, und Benny bleibt so lange es geht drinnen. Zum Zeltabbau bekommt er gegen den Wind einen Regenschutz.

              Um 10.00 Uhr sind wir abmarschbereit. Ponchos, Regenjacke und –hose ziehen wir gleich an, da es über den Bergen Richtung Rosskreppforden schon wieder regnet. Der ganze Tag besteht aus aneinandergereihten Schauern.

              Die Svartenuthütte haben wir nach kurzer Zeit erreicht. Direkt oberhalb der Hütte queren wir einen Fluss mir Brücke, die diesmal sogar ganz gut in Schuss war.





              Dahinter geht es gleich wieder den Berg hoch. Ein Norweger überholt uns. Er ist gestern von Evardalen gekommen, hat in Svartenut übernachtet und ist jetzt auf dem Heimweg. Und das Ganze nur zum Moltebeerensammeln. Er erzählt uns, in der Hütte hat auch ein Paar aus Dänemark übernachtet hat. Sie müssten schon seit Bossbu vor uns herlaufen. Das ist lustig, denn wir haben seit Bossbu immer zwei paar Stiefelabdrücke auf dem Weg verfolgen können. Nach dem heftigen Regen vor zwei Tagen, waren alle älteren Spuren weggewaschen. Wir haben sie "Bigfoot" und "Smallfoot" getauft, da dass eine Paar riesig ist und das andere recht klein. Aber das aller, aller Wichtigste ist, dass Wetter soll die nächsten zwei Tage besser werden.

              Dann gehen wir weiter bergauf. Der Norweger schnell, bald ist er nicht mehr zu sehen, und wir in unserem langsamen Schneckentempo hinterher. Oben am Pass haben wir eine herrliche Aussicht auf den Rosskreppfjoden. Naja, wir hätten es zumindest, wenn das Wetter etwas besser wäre, und es nicht gerade wieder schütten würde. Es ist das erste Mal, dass wir den riesigen Stausee sehen können. Und dabei wandern wir schon seit so vielen Tagen um ihn herum.





              Abwärts geht es zur Brücke über den Skrubbsåni. Auf der Karte ist sie zumindest eingezeichtet. In der Realität ist keine Brücke mehr da. Es gibt nur noch ein paar Überreste, ein Balken liegt in der Wiese, ein anderer mitten im Fluss.





              Also ist mal wieder waten angesagt. Zum Umziehen haben wir keine Lust, Socken und Schuhe sind nach alle den Tagen in Regen und Matsch sowieso schon nass. Also Stiefel fest schnüren und die Regenhose so eng wie möglich zukletten. Der Fluss ist hier zwar teilweise knietief, dafür gibt es eine Stelle ohne Steine. Auf dem Kies können wir relativ schnelle waten und hoffen so möglichst wenig Wasser in die Schuhe zu bekommen.



              Funktioniert nicht ganz, es läuft doch einiges an Wasser in die Stiefel. Also drüben schnell die Schuhe aus, und die Socken auswringen. Benny bekommt derweil wieder einen Regenschutz über. Nach dem Fluss ist er nass und friert schnell.



              Wir essen noch eine Kleinigkeit und studieren den weiteren Weg auf der Karte. Dann schnell weiter. Inzwischen klappert nicht nur Benny, uns ist auch kalt. Das ändert sich aber ganz schnell beim folgenden Aufstieg. Kurzzeitig wird auch das Wetter ein bisschen besser, und wir haben eine schöne Sicht auf die Berge jenseits des Rosskreppfjoden, welcher selber nun nicht mehr zu sehen ist.



              Immer wieder kurze Pause. Wir stützen uns auf die Stöcke um den Rücken zu entlasten.



              Am Pass Øvre Kleivi zweigt der Weg ins Evardalen ab.


              Evardalen

              Wir folgen weiter unserem Weg. Ein letzter steiler Anstieg zum Svateløkfjellet. Gerade jetzt muss es auch wieder heftig regnen. Trotz des kalten Wetters und des Windes, bin ich schweißgebadet. Der Abstieg zu den Kyrkjenostjørnin ist nicht minder steil. Unten erwarten uns einige kleine Seen.



              Eigentlich haben wir für heute genug. Aber es ist schwer einen Zeltplatz zu finden. Alles ist sehr nass oder felsig. Erst am letzten See finden wir einen Platz. Zwar in einer Wiese, wie am Skammevatnet, das wollten wir doch nicht mehr, und außerdem noch abschüssig und von den Schafen vollgeköttelt. Aber es hilft nichts, wir bleiben hier, denn der weitere Weg steigt direkt hinter dem See wieder an, und laut Karte gibt es erst mal eine Weile keinen Bach oder See für Trinkwasser.

              So bauen wir hier gegen 16.30 Uhr das Zelt auf. Es regnet gerade einmal nicht, und wir bekommen alles trocken ins Zelt. Der Weg war den ganzen Tag wieder unglaublich sumpfig und eigentlich haben wir schon gar keine Lust mehr auf den Weiterweg. Wir waren heute fast sieben Stunden unterwegs und haben gerade mal 11 km geschafft.



              Nun erst einmal raus aus den nassen Klamotten, unter den Regensachen ist fast alles nass, trockene Sachen an und ab in den Schlafsack. Ich hab eiskalte Füße und mir will überhaupt nicht mehr warm werden. Das wird erst besser, als ich die Mütze raushole und einen heißen Tee trinke.

              Nach dem Abendessen schreibe ich noch den täglichen Bericht ins Tagebuch. Ab und zu nieselt es leicht, es ist immer noch windig. An das schöne Wetter glaube ich ja noch nicht wirklich.

              Kommentar


              • OttoStover
                Fuchs
                • 18.10.2008
                • 1076

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                Nice story Andrea, and i like the pictures as well. Especially those of the dog, who can claim that a dog cannot speak?

                I am also waiting for the rest of the story. Just one thing. Could you please include a map of the tour? Even though this tour was taken at the end of the season, this area is suitable for those who must take a tour early in the season. From middle/end of june this area is usually snowfree.
                Otto
                Ich lese und spreche Deutsch ganz OK, aber schreiben wird immer Misverständnisse.
                Man skal ikke i alle gjestebud fare, og ikke til alle skjettord svare.

                Kommentar


                • andrea2
                  Dauerbesucher
                  • 23.09.2010
                  • 765

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                  Freitag 31.08.2012

                  Kyrkjenostjørnin – Sandvassdalen 9 km ca. 6 h

                  Nachts wird es ganz schön frisch. Als ich morgens rausschaue kann ich es kaum glauben. Wolkenloser, blauer Himmel! Aufgrund der Kälte wollen wir aber gar nicht aus dem Schlafsack raus.



                  Um 7.15 Uhr stehen wie dann doch auf. Gefrühstückt wird im Zelt, denn es dauert eine Weile, bis die Sonne über die Berge kommt.



                  Die frechen Schafe wollen nicht mehr abhauen. Das ist lästig, da Benny total unter Strom steht wenn die Frechen so nah an "sein" Zelt kommen.





                  Dann liegt das ganze Tal in der Sonne. Es ist ein Traum nach dem Wetter der vergangenen Tage. Aber es ist immer noch frisch.





                  Beim Packen können wir uns heute mal wieder richtig ausbreiten, und auch Benny genießt sichtlich die Sonne.





                  Als wir um 10.15 Uhr losgehen ist es schon so warm, dass man im Hemd laufen kann. Der Weg steigt gleich ordentlich an bis zum Pass mit einem kleinen See.



                  Weiter geht es wieder abwärts. Immer sehr sumpfig, wie sollte es auch anders sein. Bald können wir die Straße sehen, die wir vor Tagen ein paar Kilometer weiter westlich überquert haben.



                  Am Ufer des Ivlungsvatnet entlang soll es sehr nass sein, das haben wir schon in verschiedenen Berichten gelesen. Wir versuchen das etwas zu umgehen, indem wir weiter oben am Hang laufen. Das gelingt uns auch ganz gut, hat außerdem den Vorteil, dass hier noch viele leckere Moltebeeren wachsen.

                  Erst im letzten Augenblick kann man die Straße dann wieder sehen. Der Parkplatz ist voller Autos, ein Bus steht da und jede Menge Menschen. Ein richtiger Kulturschock nach all den Tagen.



                  Eine große Gruppe Norweger bricht gerade mit Rucksäcken, Angeln, Rudern, Grill und noch viel mehr Kram Richtung Øyuvsbu auf. Andere Leute sind mit Eimern unterwegs um Moltebeeren zu sammeln. Wir überqueren die Straße und steigen drüben den Hang hinauf. Nach kurzer Zeit geht es abwärts und die Hütten sind bereits zu sehen. Wir überholen die Gruppe, die mit ihrem ganzen Krempel eine kleine Rast einlegt. Kurz vor der Hütte unterhalten wir uns noch mit drei Norwegerinnen, die heute noch nach Gaukhei wollen. Na, die haben ja noch gut was vor sich!

                  Bei der Hütte gibt es den einzigen "Schafunfall" im ganzen Urlaub. Da Benny inzwischen weiß, dass Schafe tabu sind, und sie in Ruhe lässt, denkt mein Mann nicht daran die Flexi kurz zu stellen. In Hüttennähe halten sich oft viele Schafe auf, da dort mal der eine oder andere Brocken für sie abfällt. So auch hier. Benny ist ganz brav, geht durch die Schafe durch, ohne nach rechts und links zu gucken. Dann kommt so ein blöder Bock und meint, er müsste auf Benny losgehen. Benny weicht aus, kesselt dabei unbewusst mit der Leine ein anderes Schaf ein. Dieses bekommt Panik, bleibt in der Leine hängen. Ich sehe schon ein Schaf mit gebrochenen Beinen daliegen, aber zum Glück kommt es frei, reißt aber meinen Mann mit um. Alles noch einmal gut gegangen, bis auf den Schrecken ist nichts passiert.


                  Øyuvsbu

                  In Øyuvsbu gibt es wieder ein Proviantlager. Wir kaufen noch einmal fürs Frühstück ein, außerdem Kekse und 500 g Spaghetti. Bald ist auch die Gruppe Norweger angekommen und beginnt gleich zu angeln.


                  Øyuvsvatnet

                  Inzwischen sind einige Wolken aufgezogen, aber das Wetter sieht immer noch gut aus. Wir packen zusammen und machen uns auf den Weiterweg. Sumpfig wie immer geht es am Øyuvsvatnet entlang. Nein, nicht sumpfig, „sehr sumpfig!!!“ steht im Tagebuch. Der Weg ist extrem schlecht. Das mag daran liegen, dass hier, durch die Nähe der Straße, mehr Leute entlanglaufen. Etwas besser werden die Wegverhältnisse erst, als wir am Ende des Sees ansteigen.

                  Nicht mehr lange, und wir werden auf den Weg nach Håheller stoßen, dann kennen wir den weiteren Weg schon. So erwarten wir auch keine weiteren Überraschungen. Laut Karte sieht der Weg harmlos aus. Umso unangenehmer fällt uns das Rauschen auf, das wir bald hören. Einen großen Fluss haben wir nicht mehr vermutet. Kurze Zeit später stehen wir am Ivlungsåni.



                  Damit hätten wir nicht mehr gerechnet. Haben wir doch den Fluss auf dem Hinweg an andere Stelle ganz einfach durchqueren können, jetzt merkt man den vielen Regen der letzten Tage. Weit unter uns sehen wir die Norwegerinnen an einer sehr breiten Stelle nach einer Watmöglichkeit suchen. Nachdem wir nicht auch so weit absteigen wollen, entschließen wir uns, gleich hier zu waten. Also Stiefel und Socken aus, Hosenbeine abzippen. Zum Waten haben wir Neoprensocken und Tevasandalen dabei. So kommen die wenigstens auch noch einmal zum Einsatz und wir haben sie nicht umsonst mitgeschleppt.

                  Die Rucksäcke werden wieder geschultert, die Stiefel hängen wir uns, an den Schnürsenkeln zusammengebunden, um den Hals. Dann kann es losgehen. Ich gehe zuerst, damit ich Fotos machen kann. Ich muss sagen, eigentlich sind mir die Watstellen so viel lieber, als dieses Gehüpfe von Stein zu Stein. Aber das Umziehen kostet viel Zeit.

                  Das Wasser ist teilweise über knietief und die Strömung nicht zu verachten. Mein Mann hält Benny am Griff der Packtaschen fest. Benny hätte es wohl auch allein geschafft. Er wäre aber bestimmt ein ganzes Stück abgetrieben worden.



                  Wir sind gerade wieder beim Umziehen, als auch die drei Norwegerinnen kommen. Ein bisschen Sorgen machen wir uns schon, denn der Weg nach Gaukhei ist noch ziemlich weit und es ist bereits 14.00 Uhr. Sie bestätigen uns, dass sie Stirnlampen dabei haben und ziehen zügig weiter.

                  Nachdem wir umgezogen sind machen auch wir uns wieder auf den Weg. Am Sandvatnet treffen wir auf den uns schon bekannten Weg. Es geht am See entlang und dann dem Fluss folgend aufwärts. Der Fluss ist breit und teilweise reißend. Wir hoffen ihn nicht mehr überqueren zu müssen. An eine schwierige Watstelle haben wir keine Erinnerung mehr. Am Kalvetjøni vorbei geht es weiter aufwärts.


                  Kalvetjøni

                  Und dann müssen wir kurz vor dem See 929, in dessen Nähe wir auf dem Hinweg gezeltet hatten und auch heute wieder zelten wollen, doch noch über den Fluss. Ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass diese Stelle damals ein Problem war. Es muss wirklich am Wasserstand liegen. Die offizielle Watstelle führt wie so oft hier über Steinplatten, direkt an einem Abbruch entlang. Das ist uns zu gefährlich und so suchen wir etwas weiter flussaufwärts nach einer besseren Stelle.

                  Bald haben wir eine Möglichkeit gefunden, an der es von Stein zu Stein gehen sollte. Sagte ich schon, dass ich dieses Gehüpfe von Stein zu Stein hasse??? Für Benny ist das alles gar kein Problem.



                  Geschafft, nun ist es nicht mehr weit bis zur Zeltstelle. Dort machen wir erst einmal eine kleine Pause. In der Sonne ist es schön warm. Es gibt ein paar Kekse. Es ist erst 16.00 Uhr, aber wenn wir jetzt noch weiter gehen, kommen wir wieder auf die Vida mit den vielen Schafen. Da wollen wir wirklich nicht zelten.

                  Zeltaufbau, Einräumen, Abendessen kochen, Tagebuch schreiben, Feierabend! Das gleiche wie jeden Tag. Abends gibt es kaum noch Wolken, die Sonne scheint. Als sie schon lange untergegangen ist, steigt der Vollmond auf. Das verspricht morgen ein schöner Tag zu werden.






                  Samstag 01.09.2012

                  Sandvassdalen –Gaukhei 11 km ca. 6 h

                  Nachts wache ich auf, weil mir kalt ist. Lange kann ich nicht mehr einschlafen, ich raffe mich auf, krieche aus dem Schlafsack und gehe schnell Pipi machen. Das ganze Zelt ist ein Eispanzer, kein Wunder, dass ich friere. Der Mond scheint taghell, ich kann sogar die Uhr lesen, es ist erst 2.30 Uhr. Schnell wieder ins Zelt, ab in den Schlafsack.



                  Morgens ist es so kalt, dass sofort die Optik der Kamera beschlägt, als ich ein Foto machen will. Wir bleiben einfach im Schlafsack liegen, bis gegen 7.15 Uhr die Sonne aufs Zelt scheint. Leider ist das nur ein kurzes Vergnügen, denn es sind schon viele graue Schleierwolken am Himmel. Das sieht ja mal wieder nicht so gut aus. Trotzdem wird es schnell wärmer, auch wenn die Pflanzen im Schatten noch vom Eis überzogen sind.

                  Frühstück, Packen, Zeltabbau… um 10.15 Uhr starten wir. Inzwischen ist es so warm geworden, dass wir im T-Shirt laufen können. Die Sonne kommt immer wieder durch, zeitweise ist es sogar richtig sonnig.

                  Den Weg kennen wir ja nun schon, aber ich merke, dass ich mich schon jetzt an viele Stellen gar nicht mehr erinnern kann. Über den Pass am Sjuvardenuten, um den See 920 herum kommen wir wieder zum Vidalega. Heute sind hier noch mehr Schafe.





                  Vor der Hütte müssen wir noch über den Zaun klettern. Hochklettern ist für Benny gar kein Thema, aber dann bleibt er mit den Packtaschen hängen und braucht Hilfe.



                  Wir überqueren den Bach, und beginnen den langen Anstieg zum nächsten Pass. Es geht vorbei an der zweiten Hütte, und allmählich nimmt die Schafdichte auch wieder ab.





                  Nach einer Pause in der Sonne geht es auch schon wieder abwärts.



                  Am gegenüberliegenden Hang sehen wir die drei Norwegerinnen. Wir treffen sie im Tal, an der Watstelle zwischen zwei Seen. Sie sind gestern erst um 20.30 Uhr in Gaukhei angekommen, aber alles ist ok. Jetzt freuen sie sich auf zu Hause und eine warme Dusche.

                  Weiter geht es, aufwärts zwischen den Låghellerknuten und den Seen am Pass hindurch.



                  Nun können wir schon fast unseren Lageplatz am See 938 sehen. Es tröpfelt ein bisschen, ist aber schnell wieder trocken. Weitere An- und Abstiege folgen, vorbei am See 909 und am Søtevatnet, das Tal hinunter Richtung Gaukhei. Inzwischen sind die Wolken reichlich grau geworden, und wir sehen zu, dass wir weiter kommen. Wir erreichen die Stelle mit dem toten Schaf. Von dem ist nicht mehr viel über, nur stinken tut es noch höllisch. Vor 10 Tagen war es noch intakt. Wie schnell das geht. Ein letztes steiles Stück über Blockfelder, dann sind wir am Gaukheivatnet.



                  Wir wollen hier einen Zeltplatz suchen, und morgen sehen, ob wir genau den gleichen Weg zurück gehen, oder noch die andere Variante über Josephsbu/Kvinen/Lakkenstova ausprobieren. Es dauert ein bisschen, aber dann haben wir eine brauchbare Stelle, etwas oberhalb des Sees gefunden.

                  Zeltaufbau, einräumen, Wasser holen, umziehen, Benny füttern, entspannen… Wir essen erst einmal den restlichen Tagesproviant und trinken ordentlich. Dann gibt es noch eine halbe Packung Kekse.



                  Währenddessen können wir einige Wandergruppen verfolgen die den Berg runter kommen und nach Gaukhei wandern. Man merkt, es ist wieder Wochenende. Es wird ganz schön voll sein heute abend in der Hütte.



                  Langsam senken sich die Wolken, und bald sind wir im Nebel. Wir kochen Abendessen, hängen ein bisschen ab, Tagebuch muss auch noch geschrieben werden, und inzwischen regnet es auch wieder. Mal sehen wie die Nacht wird. Wir studieren die Karte, und beschließen den gleichen Weg, den wir gekommen sind, zurück zu gehen. Wir haben nicht mehr so viele Puffertage und für die alternative Route müssten wir doch 3 oder 4 Tage einrechnen. Dann darf aber nichts dazwischen kommen. Das ist uns zu riskant.

                  Kommentar


                  • andrea2
                    Dauerbesucher
                    • 23.09.2010
                    • 765

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                    Zitat von OttoStover Beitrag anzeigen
                    Nice story Andrea, and i like the pictures as well.
                    Thank you Otto


                    Zitat von OttoStover Beitrag anzeigen
                    Just one thing. Could you please include a map of the tour?
                    Look here, there you can find all informations.

                    Andrea

                    Kommentar


                    • andrea2
                      Dauerbesucher
                      • 23.09.2010
                      • 765

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                      Sonntag 02.09.2012

                      Gaukhei – Skothommen 7,6 km ca. 5 h

                      Die ganze Nacht hindurch hat es genieselt oder geregnet. Am Morgen hängen die Wolken immer noch bis aufs Zelt, und immer noch nieselt oder regnet es. Es zieht uns so gar nicht raus aus den Schlafsäcken. Ich habe absolut keine Lust den Weg nach Skothommen über all die Steinplatten im Regen zu gehen.

                      Aber irgendwann müssen wir dann doch mal beginnen uns fertig zu machen. Nach dem Frühstück regnet es immer noch. Also werden die Rucksäcke so weit wie möglich im Zelt gepackt. Am Schluss muss Benny in der Apsis warten, bis die Isomatten zusammengerollt sind, damit er nicht so lange im Regen liegt. Dann nur noch das Zelt abbauen, Wasser holen und um 10.45 Uhr geht es los.

                      Gerade als wir losgehen, reißt der Himmel etwas auf, und am steilen Aufstieg kommt sogar die Sonne raus. Es wird sofort unangenehm warm unter den Regenklamotten, aber wir wollen uns ja nicht beschweren. Lange währt das Vergnügen sowieso nicht. Schon als wir oben am See entlang laufen fängt es wieder an zu regnen. Dieser Wechsel verfolgt uns noch eine ganze Weile, bevor es tatsächlich für längere Zeit trocken bleibt.

                      Viele Fotos mache ich an diesem Tag nicht. Das Wetter lädt dazu nicht ein, und das Meiste hatte ich auf dem Hinweg schon fotografiert.



                      Über Solumheii geht es weiter, Abstieg zum Flysgyvatnet und wieder hinauf auf Bergeheii, am "alten Zeltplatz" vorbei. Solange die Felsplatten trocken sind, kann man wunderbar darauf laufen, aber sobald sie nass sind, werden sie tückisch.

                      Bevor es von der Bergeheii wieder runter geht, machen wir an einer windgeschützen Stelle Pause. Hier oben hatten wir auf dem Hinweg ein Handynetz bekommen. Jetzt wollen wir für morgen ein Boot über den Langevatnet bestellen. Auf den Weg am Ufer entlang können wir gerne verzichten. Zum Glück hab ich die Telefonnummer in meinen Unterlagen. Wir haben auch wirklich Empfang, allerdings spricht die Frau am Telefon kein Englisch, wir kein Norwegisch, aber irgendwie können wir uns dann doch verständigen. Wir bestellen das Boot für morgen Mittag 12.00 Uhr. Hoffentlich hat das geklappt.

                      Heute treffen wir relativ viele Leute. Zuerst zwei Norweger, die noch einmal empfehlen, das Boot einen Tag im Voraus zu bestellen. Kurz darauf noch einmal zwei, die erzählen, dass letzte Nacht wohl an die 25 Leute in Gaukhei übernachtet haben. Und später überholt uns noch ein norwegisches Paar, das noch heute mit dem Boot über den Langevatnet fahren will. Wir bitten sie, unseren Termin für morgen noch einmal beim Bootsführer zu bestätigen.

                      Langsam tauchen wir nun wieder ein in den Wald. Das hatten wir jetzt zwei Wochen nicht mehr. Hier unten ist es richtig warm, zumal wir immer noch die Regensachen tragen. Kurz vor Pytten kommt der lange steile Abstieg. Das geht noch mal ordentlich in die Beine.

                      Wir machen eine kleine Pause um die Regensachen auszuziehen. So können Hose und Hemd beim Laufen noch ein bisschen trocknen. An Pytten vorbei, am Fluss entlang etwas rauf und etwas runter. Bald sind wir in Skothommen.



                      Wir bauen das Zelt an der gleichen Stelle auf und richten uns ein. Es ist gerade erst 16.00 Uhr durch. Wir kochen Kaffee, Tee und dann noch Süße Momente, später gibt es Abendessen. Jetzt brauchen wir ja am Proviant nicht mehr sparen. Morgen sind wir am Auto.

                      Es ist warm, ab und zu scheint die Sonne. Wir sitzen vor dem Zelt und genießen unseren letzten Abend draußen in der Natur.



                      Montag 03.09.2012

                      Skothommen – Parkplatz 6 km ca. 1,5 h

                      Nachts kommt wieder leichter Nieselregen auf, der auch am Morgen noch andauert. Wir haben schlecht geschlafen, da der Platz doch sehr uneben war. Irgendwie hatten wir das anders in Erinnerung. Wir frühstücken mit reichlich Kaffee und Tee. Mit dem Packen brauchen wir uns heute nicht zu beeilen. Zu früh wollen wir nicht am See sein, sonst müssen wir zu lange im Regen warten.

                      Um 10.30 Uhr brechen wir auf. Der Regen ist zum Glück nicht viel mehr als ein leichtes Nieseln. Der Weg will es uns zum Abschluss wohl noch einmal so richtig zeigen. War es auf dem Hinweg schon matschig, so ist es jetzt nach den vielen Regentagen noch schlimmer. Eigentlich müssen wir nur über einen Hügel und dann am Fluss entlang abwärts. Wir lassen uns Zeit, und brauchen in der Tat fast eine ganze Stunde bis zum See. Es ist erst 11.30 Uhr aber wir haben Glück, das Boot ist schon da, und der Fahrer bereits. Er hat Arbeiter zum Bau der Brücke hier am Ende des Sees gebracht. Schnell ziehen wir uns noch etwas wärmer an, dann können wir starten.





                      In rasanter Fahrt geht es jetzt über den See. Nach gerade mal 10 Minuten legen wir an der Staumauer an. Der Bootsführer sagt uns noch, wir hätten uns abmelden sollen, wenn wir so lange unterwegs sind. Jeden Tag sah er das Auto am Parkplatz stehen und machte sich wohl schon Sorgen. Wir sind uns keiner Schuld bewusst, haben wir doch extra in der Ljosland Fjellstove Bescheid gegeben.

                      Wir zahlen, und nun ist es nur noch ein ganz kleines Stück bis zum Auto. Benny will gleich mit Packtaschen in seine Box im Auto springen, er kann es kaum erwarten, dass wir sie ihm abnehmen. Wir verstauen die Rucksäcke im Auto, ziehen die Regenklamotten aus und essen noch etwas vom Tagesproviant. Dann machen wir uns auf nach Evje zum gleichen Campingplatz.

                      Hier mieten wir uns wieder eine kleine Hütte, diesmal direkt am Fluss. Die Hütte ist winzig, aber sie hat alles was wir brauchen, sogar eine eigene Dusche. Diesen Luxus gönnen wir uns dann auch ausgiebig. Nebenbei versuchen wir das Zelt und die Regensachen etwas zu trocknen. Hier unten im Tal ist es im Moment trocken.

                      Wir wollen unseren Kram ein bisschen sortieren, dann kommen die Rucksäcke wieder ins Auto. Gleich haben wir wieder mehr Platz in der Hütte. Es gibt Kaffee und Kekse, wir studieren die Möglichkeiten, die es noch an Museen und Ähnlichem gibt. Es ist Saisonende und die meisten Touristeneinrichtungen haben bereits geschlossen. Wir werden uns wohl morgen auf den Heimweg machen und unterwegs noch ein bisschen was anschauen.

                      Anschließend ist Einkaufen angesagt. DAS Highlight nach einer Tour. Wir holen uns was fürs Frühstück, Kaviar, Käse, Brot, Cola, Chips und eine riesige Pedigree Hundewurst für Benny. Davon bekommt er gleich ein großes Stück, als wir wieder an der Hütte sind.

                      Seitdem wir in Evje sind, hat es nicht mehr geregnet.



                      Heimreise

                      04.09.2012

                      Da es in der Hütte ziemlich dunkel ist, merken wir gar nicht wie spät es ist. Geschlafen haben wir beide nicht so gut, es fehlt die frische Luft vom Zelten. Nach Gassirunde und Frühstück werden die letzten Sachen ins Auto gepackt, die Hütte geputzt und um 10.00 Uhr fahren wir los.

                      Hier ein Link zur Heimreise. Durch klicken auf die Symbole erscheinen Bilder und Informationen.

                      Noch ein kurzer Stoppe in Evje dann fahren nach Norden durch das Setesdalen. Einmal mehr erinnern die steilen Felswände an Yosemite. Das Wetter wird immer schöner, aber es ist sehr stürmisch.

                      Unterwegs legen wir einige Zwischenstopps ein.

                      Bitte jeweils auf die Bilder klicken, um das Bild in voller Größe anschauen zu können.


                      Bygland Friluftsmuseum


                      Setesdalen – Eindrücke von der Fahrt

                      Bei Valle geht es noch einmal westlich in die Berge hoch, und über Dalen nach Eidsborg


                      Stabkirche Eidsborg


                      Freilichtmuseum Eidsborg

                      Am Nachmittag fangen wir an eine Hütte auf einem Campingplatz zu suchen, müssen aber bald feststellen, dass das nicht so einfach ist. Es ist schon absolute Nachsaison und die meisten Campingplätze sind bereits geschlossen. So müssen wir bis an den Norsjø fähren, wo wir im Norsjø Ferienland endlich eine Hütte finden. Utopisch teuer, aber sehr schön gelegen und gemütlich.




                      05.09.2012

                      Und wieder scheint die Sonne, wie soll es auch anders sein, wir wandern ja nicht mehr. Nach dem Frühstück und Packen starten wir bereits um 9.00 Uhr. Über Notodden geht es nach Heddal, zur wohl berühmtesten Stabkirche Norwegens. Lange halten wir uns hier auf. So viele Kleinigkeiten gibt es zu sehen.







                      Weiter geht es immer Richtung Westen. Bei Horton nehmen wir die Fähre über den Oslofjord. Kurz vor der Grenze nach Schweden gehen wir noch einmal Einkaufen um die letzten norwegischen Kronen auszugeben. Mit den vielen leckeren Sachen suchen wir nun nach einem Picknickplatz. Wir fahren bei Skjerberg von der E6 runter und folgen einem - Zeichen (Sehenswürdigkeiten). Meist gibt es dort auch Rastplätze.

                      Und tatsächlich wir haben Glück, eine nette Picknickbank am Waldrand, abseits der Straße. Nach der Pause schauen wir uns bei einem Spaziergang die Steinsetzungen und Grabhügel an, die es hier gibt. So hat Benny auch gleich seinen Auslauf.



                      Wir fahren weiter, über die Svinesundbrücke zurück nach Schweden. Nach den schlechten Erfahrungen von gestern, fangen wir heute schon früh an nach einem Campingplatz Ausschau zu halten. Nachdem bei dem ersten Campingplatz wieder alles zu ist, ändern wir die Taktik. Wir haben schließlich den Schwedenreiseführer aus dem Velbinger-Verlag dabei. Dort finden sich Informationen für fast alles, so auch die Telefonnummern von verschiedenen Campingplätzen.

                      Unter anderem finden wir dort:

                      Dynestrand Camping, sehr kleiner Platz direkt am Wasser, mit schönem Blick auf die Schären, süße kleine Holzhütten mit Mini-Veranden. Anfahrt…. Tel.:….

                      Hört sich nett an, es ist gleich jemand am Telefon, ja, sie haben Hütten frei. Ok, wir lassen uns den Weg beschreiben, und nach einem Fehlversuche finden wir den Platz.

                      Aaaalso schön gelegen am Wasser ist der Platz, schönen Blick auf die Schären hat er auch, aaaaaber inzwischen ist die E6 ausgebaut worden und führt über eine riesige Bücke, quasi direkt über den Campingplatz. Wenn man auf der Routenkarte am Campingplatz "Streetview" wählt, kann man es sehen. Puhh, was machen? Billig sind die Hütten, aber gemütlich ist was anderes. Was soll es, ist ja nur für eine Nacht und wir haben keine Lust evtl. noch lange erfolglos durch die Gegend zu fahren.

                      Wir laden aus, richten uns sein. Bald ist uns auch klar warum die Hütten so billig sind. Die Sanitären Anlagen sind unmöglich. Aber die Landschaft ist schön. Direkt am Campingplatz geht ein kleiner Weg entlang, mit Informationstafel. Dort machen wir mit Benny noch einen schönen Spaziergang. Von der Autobahn merkt man dort schnell nichts mehr, sie verschwindet hinter einem Hügel.

                      Hier im Fjord von Dynekilen fand eine entscheidende Schlacht im Krieg zwischen Norwegen und Schweden im Jahre 1716 statt.

                      Wieder in der Hütte müssen wir feststellen, dass Benny sich unglaublich viele Zecken eingefangen hat. War das schön in den Bergen, ohne diese Mistviecher!




                      06.06.2012

                      Mensch, war das kalt in der Nacht. Morgens schnell raus aus dem Schlafsack und erst mal die Heizung an. Die bringt es auch nicht wirklich. Heute geht das Frühstück sehr schnell. Kurz Benny lüften, packen und dann nichts wie weg hier. Im Auto funktioniert wenigstens die Heizung.

                      Bei Tanum fahren wir runter von der E6 zum Vitlycke Museum, hier wollen wir uns die Felsritzungen aus der Bronzezeit ansehen. Neben dem Museum wurde ein Hof aus dieser Zeit rekonstruiert.







                      Auf dem weiteren Weg nach Göteborg machen wir noch einen Abstecher auf die Insel Orust. Ganz am äußeren Ende der Insel, fast schon am offenen Meer liegt der malerische Fischerort Mollösund. Dort soll der Stockfisch auf Holzgerüsten am Hafen hängen. Viel ist davon aber nicht mehr zu sehen, Nachsaison eben. Keine Touristen mehr, Lokale geschlossen, alles geschlossen. Aber ein malerisches Örtchen ist es auf jeden Fall.



                      Jetzt haben wir es nicht mehr weit nach Göteborg. Wieder zurück auf der E6 wird der Verkehr merklich dichter, Rushhour eben. Pünktlich sind wir an der Fähre, müssen nicht lange warten, bis das Boarding beginnt. Abends genießen wir, wie auf der Hinfahrt, das Skandinavische Buffet an Bord. Wir sitzen am Fenster, können aber nicht viel sehen, denn es schüttet mal wieder wie aus Kübeln. Diesmal ist uns das aber relativ egal.

                      Am nächsten Morgen machen wir von Kiel aus noch einen Abstecher nach Grömitz, bevor es einen Tag später wieder nach Hause geht.



                      Fazit

                      Auch wenn wir während des Urlaubs manches Mal geflucht haben, über die Wegverhältnisse, das Wetter oder was auch immer, der Urlaub war super erholsam und entspannend. Fürs nächste Mal müssen wir aber irgendwie sehen, dass wir mit weniger Gepäck auskommen, wir waren einfach zu langsam.

                      Anfangs erschien uns die Natur dort in Südnorwegen etwas langweilig, keine markanten Berge, alles sieht gleich aus. Nach ein paar Tagen hat man sich daran gewöhnt. Inzwischen überlege ich schon, welche Tour wir dort als nächsten machen könnten. Es war recht einsam, wir haben nur sehr wenige andere Wanderer getroffen, an manchen Tagen auch gar keine. Wanderer die zelten, haben wir gar nicht getroffen.

                      Benny hat die ganze Tour bestens weggesteckt. Keine Verletzungen, keine wunden Pfoten, keine aufgescheuerten Stellen von den Packtaschen. Einfach alles prima. Er habe aber ganz schön abgenommen. Die normale Futterration ist eindeutig zu wenig.


                      Zu guter Letzt bedanke ich mich noch bei allen, die bis hierher durchgehalten haben.

                      Kommentar


                      • Ditschi
                        Freak

                        Liebt das Forum
                        • 20.07.2009
                        • 10710

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                        Hallo andrea2,
                        als ich sah, von wem der Reisebericht stammt, habe ich ihn gleich gelesen und wurde keinesfalls enttäuscht.
                        Gut geschrieben, schöne Bilder. Was soll man mehr sagen?
                        Ich trug den Bericht Eurer Kanu-Tour mit dem Ally 18,5 DR noch in mir und habe den Bericht sogar noch einmal verlinkt:
                        http://www.outdoorseiten.net/forum/s...2-Erw-2-Kinder
                        Gesehen?
                        Nochmal Kanu-Tour mit dem großen Canadier ohne Tochter?
                        Aber ihr wißt Euch ja mit anderen tollen Touren zu helfen.
                        Gruß Ditschi

                        Kommentar


                        • ich
                          Alter Hase
                          • 08.10.2003
                          • 3567

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                          Super!
                          Ich war gerade von Ljosland aus 1 Woche auf Wintertour und hatte mir gedacht, dass die Region ohne Schnee so toll aussehen muss. Habe mir das auf meine To Do Liste gesetzt
                          Nicht nur Fuchs sein, auch n puschigen Schwanz haben!

                          Spaß im Winter und Wandern mit Kindern

                          Kommentar


                          • Trolltinden
                            Gerne im Forum
                            • 14.01.2013
                            • 61

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                            Hejhej

                            Wieder ein super Reisebericht. Tausend Dank. Da habt ihr viel erlebt...

                            Diese Gegend ist mir völlig unbekannt. Sie hat einen wilden Charakter - echt schön. Und ihr habt auch stets schöne Zeltplätze gefunden - lädt zum träumen ein und verkürzt die Wartezeit in den Sommer.

                            Grüsschen Trolltinden

                            Kommentar


                            • andrea2
                              Dauerbesucher
                              • 23.09.2010
                              • 765

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                              @ Ditschi
                              Ich hab gesehen, dass du den Bericht verlinkt hattest, hatte auch schon was dazu geschrieben.
                              Wir hätten schon noch so ein paar Kanutouren auf der Liste, die wir noch machen möchten. Eigentlich hatten wir ja einen Deal mit unserer Tochter, wenn sie letztes Jahr ihren Urlaub durchziehen darf, fährt sie dafür in diesem Jahr noch einmal mit, dann hätten wir sicher wieder eine Kanutour gemacht. Nun hat sie das aber ganz klug eingefädelt, und geht für ein Austauschjahr nach USA.
                              Aber spätestens wenn unser Hund zu alt für die Trekkingtouren wird, dann kommt das Kanu wieder zum Einsatz.

                              @ ich
                              Sieht aber bestimmt auch im Winter sehr schön aus. Uuuuund der große Vorteil ist, dass der ganze Sumpf zugefroren ist.

                              @ Trolltinden
                              Ich hatte in der Tat für den Titel des Berichtes erst "Auf einsamen Pfaden durch Norwegens wilden Süden" im Kopf. Hab das aber dann doch verworfen, da es mir doch etwas übertrieben vor kam.

                              Kommentar


                              • Fliir
                                Erfahren
                                • 27.07.2011
                                • 141

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                                Ein wunderbarer Reisebericht! Und ich freue mich besonders darüber, dass er Norwegens Süden beschreibt, da ich diese Gegend auch schon im Auge habe, aber es leider eher wenig über die Gegenden südlich der Hardangervidda gibt. Ich dachte mir schon, dass Norwegen auch dort schön sein dürfte. Du hast das mit den tollen Fotos und dem Bericht eindrucksvoll bestätigt. Danke!
                                Ich habe vor einiger Zeit ebenfalls Deinen Reisebericht über die Bootstour gelesen. Der war auch grandios. Aber vor allem die Art und Weise, wie Du fotografierst, macht diese Gegenden irgendwie besonders reizvoll. Ich weiß nicht woran das liegt, vermutlich an Deinem Auge für die Naturstimmungen. Das trifft meinen Fernweh-Nerv genau auf die richtige Weise!
                                Blicke windwärts...

                                Kommentar


                                • dingsbums
                                  Fuchs
                                  • 17.08.2008
                                  • 1503

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                                  Danke für diesen tollen Reisebericht. Habe mit lesen extra gewartet, bis ich Zeit habe, ihn komplett zu genießen. Hat sich gelohnt! Auch bei mir ist die Vorfreude auf unsere Spätsommertour dieses Jahr dadurch gewaltig gestiegen.

                                  Kommentar


                                  • ich
                                    Alter Hase
                                    • 08.10.2003
                                    • 3567

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                                    Ja, war sehr schön! Wir konnten prima über die Seen laufen ;)
                                    Nicht nur Fuchs sein, auch n puschigen Schwanz haben!

                                    Spaß im Winter und Wandern mit Kindern

                                    Kommentar


                                    • earlyworm

                                      Erfahren
                                      • 07.03.2007
                                      • 385

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                                      Also das erste was ich erkannt habe war dieser wunderschöne Hund. Da dachte ich "den hab ich doch schon mal gesehen ... da war doch mal ein Kanu Reisebericht vom Rogen ...". Und tatsächlich, ist ja leicht am User Profil zu erkennen, es ist der selbe Hund.

                                      Ich bin absolut Hunde begeistert, und würde auf meinen Touren gerne ebenfalls noch zusätzlichen einen vierbeinigen Begleiter dabei haben. Es mangelt leider noch am Hund und der Lebenssituation sich einen zuzulegen und sich richtig um ihn zu kümmern. Finde es aber immer toll zu lesen wenn es andere machen.

                                      Ich nehme an das ihr viel mit dem Hund arbeiten musstet damit solche Reisen klappen? Nicht jeder Hund welchen ich zum Beispiel beim joggen begegne, würde ich diese Ruhe zutrauen wenn er ein Schaf sieht. Wie entscheidet ihr das denn ob ihr ihn an die Leine nehmt und wann er frei laufen darf? Oder ist es einfach das Wesen dieses Hundes (kleiner Münsterländer?)

                                      Danke auf jeden Fall für den Bericht und die tollen Bilder.

                                      Ach ja, am Anfang schreibt ihr von Angel und Lizenzen. Aber ihr erwähnt nicht ob es später geklappt hat. Habt ihr auch was gefangen auf der Tour.
                                      ------------------------------------------------
                                      http://www.canoeguide.net
                                      Only the early worm catches the fish
                                      ------------------------------------------------

                                      Kommentar


                                      • woelfchen
                                        Erfahren
                                        • 20.03.2010
                                        • 254

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [NO]Setesdalsheiene – Auf einsamen Pfaden im Süden Norwegens

                                        Danke Andrea für diesen tollen Reisebericht.

                                        Für mich eine Einstimmung auf unsere Tour dieses Jahr, soll in der Nachbarschaft Eurer Tour stattfinden. Genaueres sehen wir, wenn wir da sind.

                                        Echt klasse Fotos. Du schreibst so toll. Danke auch für das Fazit. Ich hoffe, uns wird es genauso ergehen, denn bezgl. der Landschaft hege ich die gleichen Bedenken - sehe das jetzt aber schon viel Optimistischer.

                                        Kommentar

                                        Lädt...
                                        X