[NO] Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

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    • 01.02.2012
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    • Meine Reisen

    [NO] Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    NO In 8 Tagen von Glomfjord nach Lonsdal im August/September 2012


    Vorgeschichte
    Seit wir in 2008 die zweite Etappe des Nordkalottleden von Kilpisjärvi nach Abisko marschiert sind, hatte uns (Elli und Horst) das Nordnorwegenfieber gepackt und es war klar, daß wir möglichst bald wieder eine lange Trekkingtour hier oben machen wollten. Die wilde Landschaft, die tollen Hütten und die Einsamkeit finden wir einfach zu toll. Eine weitere Prämisse war die Reisezeit. Wir wollten auf die Nachsaison ab Ende August ausweichen, um den Mücken zu entkommen, die Verfärbung der Landschaft zu erleben und um es richtig schön einsam zu haben.
    Nachdem wir in den letzten Jahren dann jeweils längere Winterurläube in Nordnorwegen verbracht haben, um mit Schlittenhunden auf Touren zu gehen, war in diesem Jahr endlich wieder die Gelegenheit da, 4 Wochen im Spätsommer in den Norden zu fahren. Unsere ursprüngliche Idee war, über Fauske von Sulitjelma durch den Sarek zu laufen und dann über den Kungsleden bzw. durchs Narvikfjell bis Katterat zu gehen. Gesagt, getan, und ruck zuck war ein günstiger Flug nach Oslo, die Zugweiterfahrt bis Fauske und ein Rückflug ab Tromso nach Oslo gebucht.
    Dummerweise hatte ich bis in den Frühsommer Knieprobleme, so daß wir notgedrungen umdisponierten und entschieden, statt der geplanten ganz langen Tour, lieber jeweils zwei kürzere 8 - 10 tätige Touren zu Beginn und am Ende der Reise zu machen und dazwischen eine Ruhephase auf den Lofoten einzulegen.

    Für die erste Tour ließen wir uns von dem tollen Reisebericht von Antracis hier im Forum über die Wanderung von Glomfjord nach Lonsdal und dem Werben von Otto Stover über seine Heimatregion Saltfjellet Svartisen inspirieren. Otto war so nett, uns die aktuelle Karte des Gebiets zuzuschicken und schnell war klar, daß das eine Tour genau nach unserem Geschmack ist. Die zweite Tour wollten wir dann in Ruhe während der Pause je nach Lust und eventueller Reaktion meines Knies festlegen. Um es gleich vorweg zu nehmen: alles lief prima und wir waren dann noch eine gute Woche im Narvikfjell (separater Reisebericht).



    Die Tour
    Am Sonntag den 26. August fliegen wir von Frankfurt nach Oslo. Die Idee, in Norwegen mit dem Zug nach Norden weiterzufahren stellt sich als richtig gut heraus. Erstmal ist es wirklich schön, Es ist ein Genuss durch die norwegische Landschaft zu tuckern und sich dem Ziellangsam zu nähern. Leider wird es viel zu schnell dunkel. Wir machen Brotzeit im Zug (fränkischer Leib Brot, Tomaten aus unserem Garten, Schinken und Oliven sowie einer Flasche Rotwein, die Elli noch am Osloer Flughafen günstig erworben hat), und in Trondheim steigen wir um in den komfortablen Nachtzug nach Bodo (es ist kein Problem, das Ticket nach Fauske bis Bodo zu nutzen). Früh wachen wir rechtzeitig zur Fahrt durchs Lonsdalen, unserem Tourziel, auf. Leider ist des Wetter miserabel. Der Zug kommt pünktlich an, wir stecken die Rucksäcke ins Schließfach, finden ein prima Café und im Touristoffice klappt auch alles mit dem Depot (ich bin Allergiker und die Damen des Touristoffices hatten mir per Mail im Vorfeld angeboten, einige meiner Cremes und Medikamente im Office zu deponieren). Dann stöbern wir ein wenig durch die Bodoer Ausrüstungsläden (eine unserer Lieblingsbeschäftigungen in Norwegen), bevor wir - mittlerweile bei bestem Sonnenschein - am Hafen auf die Busabfahrt warten. Die Vorfreude ist groß. Bisher hat alles geklappt und der Wetterbericht ist für die kommenden Tage auch ok.

    Irgendwie sind auch die Rucksäcke überraschend leicht. Das nutze ich gleich, um noch eine Reservepackung Nudeln für eine zusätzliche Spaghetti Agio Olio Peperoncini zu kaufen, dann geht's los. Drei Stunden dauert die Busfahrt bis Glomfjord entlang der Fjorde und die Landschaft ist so toll, daß wir am liebsten gleich aussteigen und loslaufen wollen. Um 18h00 werden wir dann mit unseren Rucksäcken an der Bushaltestelle hinter dem Fykantunnel direkt am Fykanvatnet einige Kilometer hinter Glomfjord abgesetzt. Der Weg um den See bis zu einem Parkplatz, von dem der Aufstieg ins Fjell beginnt, ist ziemlich locker. Wir haben die Leitern, auf denen es sofort 400 Höhenmeter knackig hochgehen soll, während des ganzen Hinmarsches im Blick und überlegen sogar kurz, das gute Wetter und die gute Stimmung gleich zum Aufstieg zu nutzen. Aber dann finden wir einen recht guten Zeltplatz direkt am See und genießen unsere letzte richtig üppige Brotzeit mit Räucherlachs, Oliven und Tomatensalat. Dummerweise haben wir den Rest Wein im Zug stehen lassen.


    Erste Etappe am Dienstag, den 28. August zur Kvitsteindalsgamme
    Der ungewöhnliche Aufstieg über freihängende Holztreppen ist natürlich schon ein Highlight, nach einer knappen halben Stunde sind 400 Höhenmeter überwunden, so rasend schnell und steil geht es auf den Stufen bergauf. Es ist natürlich auch die anstrengendste Variante. Der Rucksack ist ja voll bepackt. Um die Beine zu entlasten, ziehen wir uns immer wieder mit den Armen am Geländer hoch. Auf der anderen Seite sind die Blicke nach unten schwindelerregend und der Blick zurück in Richtung Fjord ist wirklich grandios.

    Auf der Hochebene geht's dann zuerst unspektakulär durch klassische Nordfjelllandschaft, südlich des Nevarvatnet stoßen wir auf eine Paßstrasse am Namnlausvatnet, bevor wir dann die Zivilisation fürs erste hinter uns lassen und in Richtung des Svartisen Gletschersees Storglomvatnet marschieren.
    Es ist windig und im Lauf des Tages zusehends bewölkt, aber die Sicht ist gut. Der Wind zehrt aus und macht das Gehen sehr beschwerlich. Je näher wir dem Gletscher kommen, umso kälter wird der Wind. Aber dann kommt die Belohnung: Der Svartisengletscher erscheint, zunächst nur erste Ausläufer, dann als wir die nördlichen Ufer des Sees erreichen, sehen wir ganze Felder, die in den See kalben. Es wird immer windiger und beschwerlicher zu laufen, vor allem, weil der kräftige kalte Wind meistens böig von vorne oder der Seite kommt.

    Das Licht ist richtig schön metallisch-blau-grün und die Wolkenspiele über dem Gletscher sind beeindruckend. Dann sehen wir die Gamme. Zuerst können wir Sie kaum erkennen, weil sie sich kaum von der Umgebung abhebt. Die Gamme selbst ist eine ganz tolle Überraschung. Ganz urig und gemütlich, aber vollständig ausgestattet mit Matratzen, einem Böllerofen und mit einem kleinen Gasherd. Wir essen gleich unsere schwersten Sachen: Nudeln mit Tomatensauce und Speck mit einer übriggebliebenen Paprika. Der Ofen heizt die kleine Gamme sofort richtig ein. Ein gelungener, aber durchaus harter erster Tag.



    29. August. Von der Kvitsteindalsgamme zur Gratadalhytta
    Die Hütte ist toll. Wir fühlen uns so richtig wohl. Abends weht noch ein kräftiger Wind, aber am Morgen ist es klar, die Gamme liegt in der Sonne und wirkt wie getarnt in der grünen Umgebung. Von der Gamme führen zwei Wege zur Gratadalhütte. Wir entscheiden uns für die südliche Variante durchs Glomdalen, also einen kleinen Umweg in Richtung Gratadalen, um möglichst nah an den Gletscher heranzukommen, zumal die Sicht und Lichtverhältnisse hervorragend sind. Und wir werden nicht enttäuscht. Der Blick auf die Ausläufer des Svartisengletscher ist grandios und ein echtes Highlight der Tour.


    Was für ein Glück mit dem Wetter. Im Landesinneren hängen noch tiefere Wolkenfelder und ziehen teilweise spektakulär über die Bergrücken hinweg. Es bleibt den ganzen Tag über sonnig. Bevor der Weg aus dem Glomdalen nach links in Richtung Nordosten abbiegt, hat man einen Rundumblick zurück auf den Gletscher, nach links ins Gratadalen und geradeaus auf weitere Gletscher.

    Unterhalb unseres Weges, am etwas tiefer gelegenen Flussdelta grast tatsächlich eine Rentierende. Welch Wandererglück. Natürlich machen wir genau dort eine lange Pause. Der Weg durchs Gratadalen zur Hütte zieht sich dann ganz schön hin. Ich merke, daß ich wegen der Knieprobleme nicht so durchtrainiert bin. Wir kommen müde etwa um halb 6 in der Hütte an und sind wieder die einzigen Gäste. Abends gibt's ein Steinpilzrisotto.


    30. August. Gratadalhytta - Beiarstua
    Am kommenden Tag ist es trocken, aber kalt und sehr windig. Dadurch daß der Wind über die umgebenden Gletscher streicht, ist er richtig frostig. Der Tourverlauf ist einfach, von der Hütte geht es ganz sachte ansteigend, immer in nordöstlicher Richtung auf den Grad, dann kurz auf diesem entlang und schließlich in einem steilen, knackigen Abstieg ins Beiardalen. Wir waren sicher, die Strecke in 4-5 Stunden zu schaffen. Der Aufstieg war problemlos und spannend, weil zur linken immer wieder neue Gletscherzungen aufgetaucht sind.

    Aber der ständige Wind zehrte erneut und entlang der Traverse des Grats, hat eine Bö Elli schlichtweg umgeblasen. Die Sicht war leider nicht so besonders gut, dennoch war die Stimmung durch die Gletscher, den Wind und die Wolken vor allem auf dem Grat sehr spannend. Das Beiardalen liegt etwas tiefer als das Gratadalen und ist viel lieblicher, bewaldet und auch dünn besiedelt. Dummerweise haben wir den Abstieg ins Tal verpasst und sind den Grat viel zu weit entlang marschiert. Also: Neuorientierung und Rückmarsch. Eigentlich war der Abzweig klar ausgeschildert. Durch den Umweg dauert die Tour wieder viel länger als geplant und wir kommen recht erschöpft in der leeren Beiarstua an. Die Hütte ist größer als andere Hütten in der Region, es gibt sogar eine Sauna und vermutlich durch die bessere Erreichbarkeit und höhere Frequentierung durch Gruppen ist sie irgendwie nicht ganz so charaktervoll und spotless clean. Wir brauchen wir einige Zeit, den ungewohnten Stromherd in Gang zu bringen, weil wir die Sicherung nicht finden. Es gibt Couscous mit getrocknetem Gemüse und einer Tomatensauce.


    31. August. Beiarstua - Kristinagamme / Zeltübernachtung
    Schon am Abend unserer Ankunft in der Hütte und dann nochmal am folgenden Morgen halten wir Kriegsrat über den weiteren Tourverlauf. Wir sind müde und ein Pausentag wäre sinnvoll. Andererseits ist das Wetter klasse, die weiteren Aussichten aber weniger gut und die Hütte ist zwar ok, aber auch nicht ganz so einladend, um ausgerechnet dort noch einen Tag zu verweilen. Wir beschließen also weiterzulaufen. Aber eben nicht zu unserem eigentlichen nächsten Etappenziel, der Bukhhaugbua, sondern zur Kristinagamme, die sich auf halbem Weg, wenngleich etwa 15 Minuten Fußmarsch abseits des Weges zur Bukhhaugbua befindet. Die Übernachtung in der Kvitsteindalsgamme zu Beginn der Tour war so gemütlich, da war die Verlockung, nochmal in einer Gamme zu bleiben, zu groß. Statt des Ruhetages also zwei halbe Etappen - und das gute Wetter würden wir auf diese Weise auch nutzen. Der Aufstieg führt uns durch die Bilderbuchlandschaft des Tverradalen. Der lichte Wald und der Weg entlang des Flusses mit Wasserfällen und durch Blaubeerfelder war nach dem von Gletschern geprägten, harschen und kargen Gelände der vergangenen Tage ein echter Genuß. Am Abzweig zur Gamme zögern wir noch kurz, ob wir nicht doch gleich zur Bukhhaugbua weiterlaufen sollen, biegen aber dann doch ab, um die 100 Höhenmeter zur Gamme hochzulaufen. Dann folgt die Ernüchterung: die Gamme liegt zwar herrlich auf einem Plateau, aber an eine Übernachtung darin ist kaum zu denken. Es handelt sich um eine reine Schutzhütte ohne irgendwelche Ausstattung. Drinnen ist eine kleine Feuerstelle und Brennholz, aber es wimmelt von Moskitos. Zuerst sind wir natürlich enttäuscht und überlegen wieder zurückzukehren und weiterzulaufen. Auch wenn wir heute noch nicht allzu müde sind, ist die Aussicht auf einen, durch den Umweg zur Gamme noch längeren ganzen Wandertag nicht so toll. Entlang des Passes, der zur Bukhhaugbua führt brauen sich außerdem dunkle Wolken zusammen.

    Und das Gelände um die Gamme ist wunderschön, die Sonne scheint und durch die Lage wie auf einem Sonnenplateau ist der Ausblick herrlich. Ein guter Zeltplatz ist auch ruckzuck gefunden. Die Entscheidung zu bleiben und zu zelten stellt sich als genau die richtige heraus. Es ist früher Nachmittag. Es bleibt sonnig. Elli genießt es, in der Sonne zu schlafen und zu lesen. Ich habe endlich Gelegenheit Blaubeeren zu sammeln. Es wird doch noch genau der Erholungstag, den wir uns vorgestellt hatten. Es gibt Ellis Lieblingsfertiggericht, einen Eintopf ungarischer Art.


    1. September. Der restliche Weg zur Bukhhaugbua
    Es bleibt trocken. Am Morgen ist es sogar sonnig, im Laufe des Tages bildet sich eine hohe Bewölkung, so daß der Himmel bedeckt, die Fernsicht aber super bleibt.

    Der Aufstieg ist recht sachte durch teilweise morastiges Gelände und läuft dann aus in das Hochplateau des Skogfjellet. Dort überraschen wir die nächste Rentierende, die ein wenig tiefer gelegen grast, uns aber sofort wahrnimmt. In großem Bogen saust die Herde davon, um kurz darauf, etwas überhalb von uns wieder aufzutauchen und aus dieser sichereren Position seelenruhig uns Störenfriede zu betrachten. So, wie sie dort oberhalb von uns an einem kleinen Kamm aufgereiht stehen, wirken sie wie eine Horde Indianer vor dem Angriff auf die Wagenburg.
    Wir machen an einer windgeschützten Ecke Pause und genießen die tolle Fernsicht auf die hohen schneebedeckten Berge und rätseln, ob dies die Gletscher bei Sulitjelma und des Sareks sind, die wir am Horizont sehen.
    Die Bukhhaugbua liegt wieder idyllisch im Tolladalen. Die kleine Hütte ist offen, urgemütlich und gehört wohl dem Statskog. Bis auf eine Dame, die gleich nach der Beiarstua ihren Hund ausgeführt hat, haben wir bis jetzt niemanden getroffen. Auch die Bukhhaugbua ist leer. Es weht ein starker Wind und es wird deutlich wärmer. Wir machen den Fehler, zu spät noch Holz nachzulegen, so daß es viel zu warm in der kleinen Hütte ist, als wir uns schlafen legen. Es gibt Spaghetti Agio Olio mit Chillies und eingeweichten Steinpilzen.


    2. September. Von der Bukhhaugbua zur Saltfjellstua
    Wir hatten kurz überlegt, einen richtigen Ruhetag in der idyllischen Bukhhaugbua nachzuholen. Es ist deutlich wärmer geworden und bewölkt. Der Weg führt zunächst am linken Flussufer entlang, dann geht's über eine gewagte Hängebrücke auf die andere Seite und anschließend für einige Zeit flussaufwärts. Das Wandern ist heute anstrengend. Es geht dauernd auf und ab und die gewohnte Wanderkleidung ist bei den wärmeren Temperaturen irgendwie zu warm. Ständig wechseln wir unsere Klamotten, Jacken werden ausgezogen und als es später leicht zu nieseln beginnt, wieder angezogen, nur um dann postwendend bei erster Gelegenheit wieder ausgezogen zu werden. Die Landschaft ist auch komisch, weil viele Bäume seltsam abgestorben erscheinen. Endlich haben wir Höhe gewonnen, das Gelände wird sumpfig und es ist sehr diesig. Die Sicht ist schlecht und wir können nur erahnen, wie spektakulär die weite Hochebene ist, durch die der Weg führt. Schließlich beginnt es, leicht dauerzuregnen. Durch ein kurzes Kar, das vermutlich, weil es windgeschützt liegt, eine ganz andere Vegetation als die gewohnt karge Umgebung hat, finden wir dann den Übergangsteigen ins riesige, langgestreckte Saltdalen, hinter dem sich ziemlich eindrucksvoll und mächtig das Saltfjellet erhebt - unser nächstes Etappenziel. Nach Norden geht's zur Midtisstua, aber wir biegen rechts nach Süden ab und sind nach wenigen Minuten an der Saltfjellstua des Rana Turistforeningen.
    Die Hütte ist so richtig nobel mit einem riesigen Ofen, Strom (!) und viel viel Platz. Leider schmerzt mein Knie ein wenig - erstmals während der Tour. Wir essen Couscous mit einer Tomatenfleischsauce und Linsen.


    3. September. Ruhetag auf der Saltfjellstua
    Das Wetter ist schlecht. Die Hütte ist klasse. Das Knie fühlt sich etwas beansprucht an. Wir liegen gut in der Zeit und sind müde. Und die nächste Etappe durchs Saltfjellet bis zur Bahnstation Lonsdal ist mit 25km recht lang. Genau die richtigen Voraussetzungen für einen Ruhetag. Wir überlegen unsere weitere Routenstrategie. Antracis hatte im Saltfejjelt eine Zwischenübernachtung eingelegt und gezeltet. Das ist aufgrund der Länge der Tour und besonders der landschaftlichen Schönheit des Steinhagens sicher eine gute Option, aber wir beschließen durchzulaufen und dann in der Lonsstua zu übernachten. Nachmittags reißt es auf und die Schönheit des Tales kommt zum Vorschein, aber außer einem kurzen Nachmittagsspaziergang genießen wir das Pausemachen. Ich poliere unsere Lundhags. Es gibt selbstgedörrte Bratkartoffeln mit Häckersauce + den Rest Dörrfleisch.


    4. September. Durchs Steindalen zur Lonsstua.
    Die Königsetappe. Wir stehen früher auf als sonst. Unsere Hoffnung, mit dem Pausentag auch das Schlechtwetter auszusitzen, geht nicht auf, im Gegenteil, es ist noch schlechter geworden, leichter Dauerregen, tiefhängende Wolken und wenig Aussicht auf irgendeine Wetterbesserung. Wir gehen trotzdem los. Erst geht's kurz zurück Richtung Norden, dann ein kurzes Stück hinunter ins Tal, über eine weitere Hängebrücke, bevor der Anstieg hoch ins Steindalen beginnt. Wir müssen notgedrungen unsere Regenklamottur anziehen, aber glücklicherweise ist die Temperatur bei leichtem Wind so niedrig , daß wir trotz der Regenbekleidung nicht allzusehr ins Schwitzen geraten.

    Kurz vor dem eigentlichen Anstieg kommt die erste der kniffligen Furten heute, dann macht die Landschaft dem Namen des Tales Steindalen alle Ehre - große Felsbrocken so weit das Auge reicht. Es wird so richtig ungemütlich. Weiter unten wars durch die Herbstverfärbung der Blätter der Bäume und dann der bodendeckenden Pflanzen noch sehr bunt, aber je weiter wir ins Steindalen hochkommen, umso trister wird's. Zur Brotzeitpause verkriechen wir uns hinter einen großen Stein, dann stoßen wir auf den Weg, der von der Midtisstua ins Tal führt. Oben im Steindalen wird das Gehen dann wie erwartet sehr beschwerlich durch die Steinblockfelder. Es regnet andauernd und durch das ständige An- und Ausziehen der Handschuhe zum Fotographieren sind langsam auch die Finger von innen naß und kalt. Dennoch hat die Umgebung auch gerade unter diesen Bedingungen einen unglaublichen Reiz, wirkt abweisend und spannend. Durch die Wolken kann man die Landschaft teilweise nur erahnen, aber die Dramatik kommt auch so rüber und durch das Wetter wirkt die Umgebung noch abweisender.

    Weiter unten wählen wir die kürzere Variante, die aber ein zweimaliges Überqueren des Flußes bedeutet. Durch den vielen Regen ist das gar nicht so trivial. Ich bin froh, gestern die Lundhags nochmal richtig eingefettet zu haben, aber ganz trocken sind die Füße auch nicht mehr. Vor allem die zweite Überquerung hat es dann so richtig in sich. Es sind zwar immer wieder große Felsbrocken zum Draufsteigen im Fluß, aber dazwischen ist das Wasser reißend und so tief, daß selbst Stöcke wenig helfen. Dann kommen endlich die weiten Ausläufer des Lonsdalen in Sicht und der Regen hört auf. Am Ende zieht sich die Tour noch ganz schön und wir sind fast 10 Stunden mit Pausen unterwegs, als wir (bei Sonnenschein) am Bahnhof eintreffen. Von dort sinds nur ein paar Hundert Meter zur Hütte. Wir übernachten aus Versehen im für Hundehalter vorgesehenen Teil der Hütte.


    5. September. Lonsdal - Bodo
    Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Zug zurück nach Bodo. Glücklicherweise sind wir nicht noch einen Tag auf der Saltfjellhütte geblieben, denn das Wetter ist nochmal deutlich schlechter geworden. Es regnet während der gesamten Fahrt bis Bodo. Am Ende müssen wir sogar zittern, ob unsere Fähre nach Moskenes wegen des Windes überhaupt fährt.


    Unser Tourfazit ist rundherum positiv. Es war eine Supertour in einer äußerst abwechselnden, vielseitigen und immer wieder überraschenden Fjelllandschaft. Die Hütten waren alle toll. Und besonders cool waren natürlich die Gammen. Wir haben während der gesamten Tour nur eine Frau getroffen, die ihren Hund ausgeführt hat. Wir hatten Glück mit dem Wetter, vor allem im Gebiet um den Svartisen und ich war natürlich froh, daß das Knie so gut gehalten hat.
    Das Charakterbild der Landschaft war immer wieder unterschiedlich. Zu Beginn die Fjorde, dann die Gletscher, schließlich die Wälder und lieblicheren, teils sumpfigen Täler und schließlich das eher hochalpine Steindalen als Highlight. Wir können die Tour wirklich nur weiterempfehlen. Am liebsten wären wir gleich von der Lonsstua ins Junkerdalen weitermarschiert.

  • Mucci
    Erfahren
    • 18.12.2012
    • 121

    • Meine Reisen

    #2
    AW: (NO) Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

    Danke Dir für diesen Bericht und die tollen Fotos, diese Gegend reizt mich total und macht Lust dort auch mal hinzufahren

    Kommentar


    • OttoStover
      Fuchs
      • 18.10.2008
      • 1076

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [NO] Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

      Thank you Horst for a well written and positive story with nice pictures to look at. If I may I will use your story as an example to others about the solitude in the north norwegian mountains. Even though you walked the marked path that is the most common route for this travel, you only met one person. A lot of people from middle europa is understandingly seeking more solitude than what they are accustomed to from their own countries, and it is so nice to see that this is obtainable even following huts.
      Ich lese und spreche Deutsch ganz OK, aber schreiben wird immer Misverständnisse.
      Man skal ikke i alle gjestebud fare, og ikke til alle skjettord svare.

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      • Hinkelstein
        Anfänger im Forum
        • 31.08.2011
        • 44

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [NO] Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

        Hallo Horst,

        und da meine Mittagspause leider schon wieder rum ist, muss ich mir deinen Bericht heute Abend weiter anschauen.
        Hatte jetzt leider nur Zeit, den Bericht zu überfliegen und ich freu mich schon. Vielen Dank für deine Arbeit und die Mühe, welche du dir gemacht hast.

        Gruß
        Hinkelstein

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        • Prachttaucher
          Freak

          Liebt das Forum
          • 21.01.2008
          • 11424

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [NO] Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

          Von mir auch ein Dankeschön für Bericht und Bilder. Steindalen und schlechtes Wetter stelle ich mir auch ungemütlich vor...

          Hat sich denn die Strategie (die spätere Reisezeit) mit den Mücken bewährt oder gab´s mal Probleme ?

          Kommentar


          • Horst24
            Erfahren
            • 01.02.2012
            • 209

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [NO] Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

            Zitat von Prachttaucher Beitrag anzeigen
            Von mir auch ein Dankeschön für Bericht und Bilder. Steindalen und schlechtes Wetter stelle ich mir auch ungemütlich vor...

            Hat sich denn die Strategie (die spätere Reisezeit) mit den Mücken bewährt oder gab´s mal Probleme ?

            Ja, die Strategie ging auf, wir hatten überhaupt keinen Ärger mit Mücken. Noch nicht mal bei der ersten Zeltnacht am Fykanvatnet. Später wars dann natürlich auch immer ein wenig windig.

            Kommentar


            • Horst24
              Erfahren
              • 01.02.2012
              • 209

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [NO] Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

              Zitat von OttoStover Beitrag anzeigen
              Thank you Horst for a well written and positive story with nice pictures to look at. If I may I will use your story as an example to others about the solitude in the north norwegian mountains. Even though you walked the marked path that is the most common route for this travel, you only met one person. A lot of people from middle europa is understandingly seeking more solitude than what they are accustomed to from their own countries, and it is so nice to see that this is obtainable even following huts.

              Hi Otto,
              thank you for your positive and encouraging feedback. And of course thanks again for the map and the recommendation to carry a tent. Although we didn´t need it at Kvitsteindalsgamme it turned out to be very useful at the start and of course later at Kristinagamme, where we were too optimistic.

              It would be a pleasure and a honour for me if you use our story as an example. Please feel free to do so.

              Kommentar


              • OttoStover
                Fuchs
                • 18.10.2008
                • 1076

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [NO] Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

                Thank you Horst. Just fond out by looking at the dates that we almoust met on the tour. When you came to Bukkhaughytta I was picking molteberris with my wife and a friend in Harodalen. We camped with our "WoMo" at the parking place at the end of Tollådalen.
                Ich lese und spreche Deutsch ganz OK, aber schreiben wird immer Misverständnisse.
                Man skal ikke i alle gjestebud fare, og ikke til alle skjettord svare.

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                • Horst24
                  Erfahren
                  • 01.02.2012
                  • 209

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [NO] Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

                  Zitat von OttoStover Beitrag anzeigen
                  Thank you Horst. Just fond out by looking at the dates that we almoust met on the tour. When you came to Bukkhaughytta I was picking molteberris with my wife and a friend in Harodalen. We camped with our "WoMo" at the parking place at the end of Tollådalen.
                  Oh, that would have been funny to meet you.

                  And we were a bit disappointed since we found many blueberries but no molteberries along the way.

                  Kommentar


                  • vinne90
                    Gerne im Forum
                    • 26.04.2010
                    • 82

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [NO] Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

                    Hallo Horst,

                    wirklich ein schöner Bericht und mal ganz entspannt eine Strecke abgelaufen - so gefällt mir das! Die Region um den Svartisen-Gletscher scheint wirklich beeindruckend zu sein und ich hoffe nur, dass ich bald auch mal dort hinkomme und einen ähnlich gelungenen Reisebericht hier einstellen kann.

                    Bis dann
                    vinne90-Blog&Bilder

                    Kommentar


                    • Antracis
                      Fuchs
                      • 29.05.2010
                      • 1267

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [NO] Saltfjellet Svartisen - Von Glomfjord nach Lonsdal

                      Hallo Horst,

                      schön dass Ihr auch so viel Spaß in der Gegend hattet und toller Bericht. Ist wirklich traumhaft schön, abwechslungsreich und wirklich einsam - und mit den einsamen Hütten purer Luxus, wir waren da sicher auch nicht zum letzten Mal.

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