[GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

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  • Borderli
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    • 08.02.2009
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    [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

    Tourentyp
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    Mitreisende
    Einen Reisebericht bin ich euch noch schuldig: Ende Oktober / Anfang November war ich in Schottland unterwegs, in der Gegend Torridon - Gairloch. Auch diese Tour verlief anders als geplant; dieses Mal war aber nicht das Wetter schuld, sondern ein netter grippaler Infekt, den ich schon von daheim mitgebracht hatte. Nur die ersten Tage waren „outdoor“, dann folgten Übernachtungen in B&Bs und nur noch kürzere Spaziergänge. Mehr war gesundheitlich einfach nicht drin. Dennoch war es ein schöner Urlaub, mit fantastischen Aussichten, wunderschönen Herbstfarben, und dem ersten Schnee für diesen Winter. Eine Jahreszeit, zu der ich bestimmt wieder dorthin fahren werde!


    Anreise: 23. Oktober 2012

    Ich fahre morgens mit Rucksack und bereits in Urlaubskleidung (ausgebeulte Wanderhosen, Fleecepulli, Inov8s) ins Büro, erledige noch einen Termin, trinke Kaffee, ärgere ein paar Kollegen, und setze mich später am Vormittag in Richtung Darmstadt Hauptbahnhof in Bewegung. Von dort aus fahre ich mit dem Airliner in nur 20 Minuten zum Frankfurter Flughafen. Manchmal hat es schon Vorteile, so nah am Rhein-Main-Gebiet zu wohnen.

    Lufthansa bringt mich wie immer zuverlässig nach Edinburgh. Dieses Mal muss ich ungewöhnlich lange an der Gepäckausgabe warten; dann fährt mir ein Airlinkbus vor der Nase weg, und bis der nächste sich durch das mittägliche Verkehrschaos Edinburghs gekämpft hat, wird es knapp: Schaffe ich es noch, eine Gaskartusche zu kaufen, bevor der Bus nach Inverness fährt? Bis ich in Inverness ankomme, haben die Outdoor-Läden bereits geschlossen, und wenn sie morgen früh wieder öffnen, will ich schon im Zug sitzen. Ich schubse mich durch die Menschenmassen, suche mir einen Weg durch die Baustelle, und stehe endlich vor dem Nevisport. Schnell rauf in die Campingabteilung, Gaskartusche suchen, runter an die Kasse, zahlen, und weg. Ich schaffe es noch rechtzeitig zur Busstation, wenn auch nass geschwitzt und ziemlich außer Puste.
    Im Bus verschnaufe ich dann erst einmal. Die Fahrt nach Inverness dauert eine Weile, und ich döse vor mich hin. Draußen ist es drizzelig. Erst kurz nach Aviemore klart es auf, und der Abend sieht richtig gut aus. Jedenfalls bis einige Kilometer vor Inverness: Dort ist es so neblig, dass man kaum den Verlauf der Straße erkennt.

    In Inverness angekommen, gehe ich zuerst zum Bahnhof (der liegt praktisch gleich neben dem Busbahnhof) und hole am Automaten die vorbestellten Fahrkarten für den nächsten Morgen ab. Danach laufe ich zum SYHA-Hostel, melde mich an, und suche gleich meinen Schlafraum auf. Klasse, den habe ich heute Nacht für mich alleine! Es ist schon praktisch, außerhalb der Saison unterwegs zu sein. Später gehe ich wieder in die Innenstadt, weil mein Magen etwas zu futtern braucht. Im Supermarkt hole ich mir auch eine Schachtel Kopfschmerztabletten und etwas gegen den kratzenden Hals. Da wird doch hoffentlich keine Erkältung im Anmarsch sein?? Egal, Bewegung und viel frische Luft werden das schon richten. Dachte ich jedenfalls, ich Optimist.


    24. Oktober 2012 - Der Tag, an dem noch alles planmäßig verlief

    Ich nehme den Zug von Inverness zur Achnashellach Station. Diese ist ein so genannter request stop; man muss dem Zugbegleiter ausdrücklich sagen, dass man dort aussteigen will. Ich kenne das noch von früheren Zugfahrten; zwei Mitreisende, die in Lochluichart (ebenfalls ein request stop) aussteigen wollten, kannten dieses System nicht. Die Haltestelle wird zwar angesagt, der Zug fährt aber langsam durch. Nun, die beiden blieben sitzen. Keine Ahnung, was sie mit dem Rest des Tages machten.

    In Achnashellach steige ich aus. Ein Bahnsteig, ein Shelter, ein Aushang mit Fahrplänen - das ist alles.


    Achnashellach Station von Borderli auf Flickr

    Ich gehe über das Gleis in den Wald und bin schon unterwegs. Mein heutiges Ziel ist der Coulin River, weiter will ich nicht. Ich habe also jede Menge Zeit und muss nicht hetzen. Der Weg führt zunächst durch den Wald, aber bald gibt es Sicht auf die Berge und auf den weiteren Wegverlauf (immer schön bergauf …). Das Wetter ist in Ordnung, etwas zu warm für meinen Geschmack, mit vielen Wolken, aber nahezu windstill und vor allem trocken. Die Farben sind, wie erwartet, herbstlich bunt und laden zum Staunen ein. Gut, dass der Weg so hervorragend ausgebaut ist; da muss ich mich nicht auf die nächsten Schritte konzentrieren, sondern kann die Landschaft genießen und „aufsaugen“. Ab und zu ist der Pfad etwas felsig, manchmal auch schön steil, aber trocken und gut befestigt. Es macht Freude, hier zu laufen!


    Fuar Tholl von Borderli auf Flickr


    Coire Làir Path von Borderli auf Flickr


    Coire Làir Path von Borderli auf Flickr


    Coire Làir Path von Borderli auf Flickr

    Es ist so windstill, dass sich die Berge in den Pfützen spiegeln. Nur gut, dass jetzt keine Midges mehr unterwegs sind!
    Auf dem höchsten Punkt des Weges, mit Blick auf Coire Làir, mache ich eine ausgedehnte Pause. Es gibt schöne Felsen, die zum Sitzen einladen, und noch schönere Ausblicke. Nur schade, dass so viele Wolken unterwegs sind. Etwas Sonnenschein, und der Tag wäre perfekt!


    Spiegelpfuetze von Borderli auf Flickr


    Coire Làir von Borderli auf Flickr

    Die wenigen Abzweige, die es bei diesem Weg gibt, sind mit Cairns gekennzeichnet. Bald habe ich Aussicht auf die Berge Torridons. Die letzte Pause ist zwar noch nicht lange her, aber diese Aussicht verdient es, in Ruhe genossen zu werden.


    Cairn von Borderli auf Flickr


    Blick nach Torridon von Borderli auf Flickr

    Dann geht es nur noch bergab, bis ich die winzigkleine Teahouse-Bothy sehe. Die Wasserfälle dort (Easan Dorcha - Dunkle Fälle) sind schon beeindruckend. Ich schaue mir die Bothy an, fotografiere ein wenig in der Gegend herum, fülle eine Wasserflasche auf, und gehe weiter.


    Easan Dorcha von Borderli auf Flickr


    Bothy von Borderli auf Flickr

    Der Pfad wird nach der Bothy zu einem Landrovertrack. Bald erreiche ich die Coulin Bridge; dort geht es nach rechts zurück nach Achnashellach, und nach links weiter in Richtung Loch Coulin.


    Brücke bei Coulin von Borderli auf Flickr

    Ich laufe nach links und fange an, nach einem schönen Platz für mein Zelt Ausschau zu halten. Es ist zwar noch früher Nachmittag, aber es wird früh dunkel; und in der Nähe der Coulin Farm will ich nicht zelten. Entlang des Loch Coulin ist es auch schlecht bestellt mit Zeltplätzen, wie ich von einem früheren Spaziergang schon weiß. Und schon habe ich einen schönen Platz gefunden, in der Nähe des Flusses, ein Stück abseits des Weges. Ich mache ein paar Fotos, laufe noch ein wenig in der Gegend herum (wer weiß, vielleicht finde ich ja einen noch besseren Platz), und baue dann mein Zelt auf. Das Wetter wird immer trüber - tolle Aussichten.


    Beinn Eighe und River Coulin von Borderli auf Flickr


    Zelt von Borderli auf Flickr

    Etwas später, ich krame gerade im Zelt herum, höre ich draußen Geräusche: Ich bekomme Besuch. Besuch von drei Highland Ponies, die ganz neugierig angelaufen kommen. Und schnell sind sie außerdem - ich habe etwas Angst um mein Zelt. Aber sie halten vorher an, begutachten mich, und eines davon kommt zu mir und lässt sich über die Nase streicheln. Wohl auf der Suche nach Futter leckt es mir die Hand ab - nee, Pech gehabt, ich gebe euch nichts. Sucht euch euer Futter selbst. Die drei bleiben noch lange in der Nähe meines Zeltes. Ich höre sie noch lange herumgehen und Gras rupfen.


    Besuch von den Nachbarn von Borderli auf Flickr


    Besuch von den Nachbarn von Borderli auf Flickr

    Als ich so im Schlafsack liege, muss ich feststellen, dass ich mich im LaserComp nicht mehr wohl fühle. Egal wie ich es abspanne, das Innenzelt hängt nur ein paar Zentimeter über meinem Gesicht. Doof, sowas. Das ist im Soulo, das ich im Sommer erstmalig im Einsatz hatte, besser. Aber egal, ich wollte etwas Gewicht einsparen, da muss ich mit ein paar kleinen Unbequemlichkeiten leben.
    Zuletzt geändert von Borderli; 24.12.2012, 15:31.

  • Borderli
    Fuchs
    • 08.02.2009
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    #2
    AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland

    25. Oktober 2012 - Zeltplatz mit Aussicht -

    Es drizzelt vor sich hin, als ich aufwache. Beim Packen drizzelt es immer noch. Es ist windstill, etwas kühler als gestern, aber die Wolken hängen tief. Ich vermute die Ursache meiner Kopfschmerzen im Wetterwechsel, ignoriere sie, und laufe los. Es hört auf zu drizzeln, aber die Wolken bleiben unten.
    Bevor ich den Rundweg um Loch Coulin erreiche, bin ich erst einmal auf dem "Holzweg":


    Holzweg von Borderli auf Flickr

    Wo der Track auf den Rundweg um Loch Coulin trifft, weist ein Schild „footpath“ nach rechts. Ich kenne aber den Weg, und weiß, dass man vom Landrovertrack aus die besseren Aussichten hat. Ich ignoriere das Schild. Am Loch Coulin mache ich mehrere Fotostopps. Schade nur, dass die Wolken so tief hängen und die Sonne nicht scheint.


    Loch Coulin von Borderli auf Flickr


    Loch Coulin von Borderli auf Flickr


    Loch Coulin von Borderli auf Flickr

    Am Ende des Loch Coulin verläuft der Weg zwischen ein paar Gebäuden. Ein bellender Hund läuft mir nach, kann mir allerdings nicht über das Cattlegrid folgen. Dann erreiche ich die Brücke (dort beginnt der „footpath“, der am anderen Ende des Loch ausgeschildert ist) und laufe in Richtung Straße.
    Als ich die Straße erreiche, gehe ich in Richtung Torridon weiter. Weit ist es nicht, aber lästig. Ich laufe bis zum großen Parkplatz gegenüber des Lochan an Iasgair. Dort beginnt der Weg zum Coire Mhic Fhearchair. Außer mir machen sich noch ein paar Leute startklar, die mit einem VW-Bus angereist sind.

    Der Weg geht bergauf, immer weiter bergauf. Auch dieser Weg ist hervorragend ausgebaut. Kein Sumpf, keine Hochwasser-Bäche - ich komme trotz Kopfschmerzen und dem Gefühl, schon 30 Kilometer in den Beinen zu haben, gut voran. Dann fängt es an zu regnen, und der Wind kommt von vorne. Ich frage mich, was ich hier eigentlich mache, und warum ich so verrückt bin, um diese Jahreszeit mit Zelt und Rucksack ausgerechnet in Schottland unterwegs zu sein. Es gibt so viele Orte mit besserem Wetter, wo man nicht ständig nass wird und wo einem der Wind nicht immer kalt ins Gesicht weht. Und diese blöden Wolken, die nehmen mir die ganzen Aussichten weg. Alles doof.

    Aber bald hört der Regen auf, und es kommt mehr und mehr blauer Himmel zum Vorschein. Meine Laune wird besser und besser, und der Rest des Tages wird einfach fabelhaft. Je höher ich komme, desto besser werden die Ausblicke. Bald kann ich schon die Berge im Norden von Torridon sehen.


    Stùc a' Choire Dhuibh Bhig von Borderli auf Flickr


    Coire Dubh Mòr von Borderli auf Flickr


    Stùc a' Choire Dhuibh Bhig von Borderli auf Flickr


    Stepping Stones von Borderli auf Flickr


    Coire Dubh Mòr von Borderli auf Flickr

    Weiter oben, wo der Weg sich teilt (einer geht hinter Liathach vorbei, der andere weiter rauf zum Coire Mhic Fhearchair), mache ich bei ein paar Pausenfelsen eine lange Pause. Die Aussicht ist fantastisch. Jetzt weiß ich wieder, was ich hier mache und warum ich mir das antue. Meine schon fast andächtige Ruhe wird kurz gestört - die vier Leutchen aus dem VW-Bus poltern laut lachend und rufend an mir vorbei. Sie haben Rucksäcke und Isomatten dabei, und offensichtlich gute Laune. Klar, ist ja auch Gute-Laune-Wetter hier oben! Ich gönne es ihnen, aber die Aussicht, den Abend ich ihrer Nähe im Coire Mhic Fhearchair zu verbringen, reizt mich nicht so richtig. Mir ist mehr nach Ruhe zumute als nach Unterhaltung. Sie ziehen weiter, und ich genieße wieder die Stille und die Aussichten. Dann gehe ich weiter und halte nach einem Zeltplatz Ausschau. Hm, hier gibt es nur Felsen und sumpfige Stellen, und ebene schon gar nicht. Aber da, direkt am Weg, ist ein kleines Stück Gras, eben, mit weichem Boden, ein paar Pausenfelsen und einem kleinen Bach daneben. Und mit einer Wahnsinns-Aussicht. Ideal! Ich erkläre diesen Platz zu meinem Schlafplatz, stelle den großen Rucksack ab, und gehe mit leichtem Gepäck weiter rauf.


    Beinn Dearg von Borderli auf Flickr


    Beinn Dearg von Borderli auf Flickr

    Die Aussichten werden mit jedem Meter besser. Das Licht und die Tageszeit passen einfach perfekt, die Luft ist klar, die Fernsicht grandios - mir fehlen die Superlative, um diese Stimmung (und auch meine Stimmung) zu beschreiben. Die Kopfschmerzen sind zwar noch da, aber ich verdränge dieses hartnäckige Pochen einfach.


    Flowerdale Forest von Borderli auf Flickr


    Baosbheinn und Beinn an Eoin von Borderli auf Flickr


    Flowerdale Forest von Borderli auf Flickr

    Nach einiger Zeit und etlichen Fotos komme ich am Rand des Coire Mhic Fhearchair an und bestaune den Wasserfall. Die letzten paar Höhenmeter bewältige ich bequem auf Steinstufen, und oben ist es einfach nur „wow“, in allen Richtungen! Mir fehlen die Worte, auch jetzt noch, um zu beschreiben, wie ich mich dort fühle. Es passt einfach alles, Wetter, Licht, Tageszeit, Jahreszeit,… Perfekt und unbeschreiblich. Ich betrachte das so idyllisch, wenn auch bereits im Schatten liegende Loch Coire Mhic Fhearchair und den „Triple Buttress“ des Beinn Eighe, und laufe über die Steine auf der Suche nach einem Platz, von dem aus ich das was ich sehe dem Sensor der Kamera vermitteln kann. Vergeblich, das sind Bilder, die nur für den Kopf sind. Ich gehe zurück, bis an den Rand des Coire, und bewundere ehrfürchtig die Landschaft, den „Flowerdale Forest“ in seinen satten Herbstfarben im roten Licht des späten Nachmittags. Fast vergesse ich, die Kamera wieder in Betrieb zu nehmen.


    Coire Mhic Fhearchair von Borderli auf Flickr


    Loch Coire Mhic Fhearchair von Borderli auf Flickr


    Beinn Eighe: Triple Buttress von Borderli auf Flickr


    Loch Coire Mhic Fhearchair von Borderli auf Flickr


    Flowerdale Forest von Borderli auf Flickr


    Flowerdale Forest von Borderli auf Flickr

    Dann reiße ich mich los; ich will mein Zelt nicht im Dunkeln aufbauen müssen. Nachteil dieser Jahreszeit ist einfach, dass es schon so früh dunkel wird!

    Ich laufe bergab, immer wieder den Blick auf die Landschaft rechts vor mir gerichtet, und verpasse dabei fast den Rucksack und meinen Zeltplatz. Gerade noch rechtzeitig nehme ich den knallroten Klecks links von mir wahr. Ich baue das Zelt auf, richte mich häuslich ein, und nehme mein Kochzeugs mit auf den Weg. Dort setze ich mich, warm eingepackt, auf einen Felsen und koche Tee und Nudelpampe. Dann sitze ich lange Zeit auf einem anderen Felsen, lasse die Beine baumeln, und schaue zu, wie der Himmel immer dunkler wird. Irgendwo röhren Hirsche, und am Hang unter mir bellt ein Rehbock. Den sehe ich sogar, die Hirsche jedoch nicht. Ich sitze noch lange, lange Zeit da draußen, bis es mir zu kalt wird. Die Halsschmerzen, die in der letzten Stunde begonnen haben, verheißen nichts Gutes, also ab in den warmen Schlafsack.


    Zelt von Borderli auf Flickr


    Zelt von Borderli auf Flickr


    Sonnenuntergang von Borderli auf Flickr
    Zuletzt geändert von Borderli; 30.12.2012, 15:28.

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    • codenascher

      Alter Hase
      • 30.06.2009
      • 4311

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

      Und der nächste Torridon REisebericht. Zugleich dein von mir heiß herbeigesehnter Vielen Dank für das teilen der bisherigen traumhaften Impressionen. Schade das du trotz des anscheinend vorzüglichen Wetters deine Zeit in der Gegend nicht voll ausnutzen konntest
      Bin auf jeden Fall auf die nächsten Tage gespannt!

      Sven

      Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

      meine Weltkarte

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      • Borderli
        Fuchs
        • 08.02.2009
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        • Meine Reisen

        #4
        AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland

        26. Oktober 2012 - Abbruch -

        Ich wache auf und weiß, dass ich meine Trekkingpläne vergessen kann. Nicht etwa, weil es schneit, sondern weil ich definitiv krank bin. Das ist kein netter kleiner Schnupfen, das fühlt sich nach mehr an. Mist.

        So gegen sieben Uhr, es ist noch dunkel, denke ich, dass sich der Regen irgendwie seltsam anhört. Dem will ich auf den Grund gehen. Ich öffne den kuschelig warmen Schlafsack gerade weit genug, um mit einem Arm den Reißverschluss des Innenzeltes zu öffnen - ei verflixt, ist das kalt!! - , öffne auch das Außenzelt, und sehe, dass es schneit. Rund um das Zelt liegt etwas von dem weißen Zeug; es hat also wohl vor kurzem erst angefangen. Mit der Stirnlampe leuchte ich mal raus und sehe, dass es sachte vor sich hin schneit. Na gut, das hatte der Wetterbericht angekündigt. Als ich etwa anderthalb Stunden später fertig gepackt habe, sieht es am Zeltplatz so aus:


        Schnee von Borderli auf Flickr


        Schnee von Borderli auf Flickr


        Schnee von Borderli auf Flickr

        Weil ich mich so hundsmiserabel fühle - schon der Abbau und das Verpacken des Zeltes war so was von anstrengend - beschließe ich, den Weg hinter Liathach vorbei auf einen anderen Urlaub zu verschieben und wieder runter zur Straße zu gehen. Vielleicht nimmt mich jemand mit bis nach Torridon - ich brauche heute Nacht ein Dach über dem Kopf, und eine Heizung und eine heiße Dusche wären auch nett. Ich schleppe mich den Berg runter. Unterwegs schneit es erst ein wenig weiter, dann kommt immer wieder blauer Himmel durch. Das Wetter wechselt im Viertelstundentakt - Schnee, Sonne, Graupel, Sonne, Hagel, Sonne - den ganzen Tag über.


        Coire Dubh Mòr von Borderli auf Flickr


        Coire Dubh Mòr von Borderli auf Flickr


        Coire Dubh Mòr von Borderli auf Flickr


        Coire Dubh Mòr von Borderli auf Flickr


        Stepping Stones von Borderli auf Flickr

        An der Straße angekommen, laufe ich in Richtung Torridon und versuche mich als Anhalter. Nach ein paar vergeblichen Versuchen - die sich über fast eine Stunde erstrecken, weil hier absolut nichts los ist - nimmt mich jemand mit bis zum Ortseingang. Das Hostel hat geschlossen, aber fast am anderen Ende des Dorfes finde ich ein B&B. Ja, ich kann ein Zimmer haben! Ich lasse den Rucksack dort und laufe noch etwas weiter die Straße entlang, um der Besitzerin die Gelegenheit zu bieten, das Zimmer herzurichten. So früh am Tag hat sie nicht mit Besuch gerechnet.

        Ein Stück hinter dem letzten Haus führt die Straße dicht am Loch Torridon entlang. Plötzlich höre ich so ein seltsames Rauschen. Weiter draußen ist die Wasseroberfläche auf einem eng begrenzten Stück wie aufgewühlt - und kurz danach weiß ich auch, von was. Starke Windböen und Hagel prasseln auf mich ein. So schnell wie der Spuk angefangen hat, ist er auch wieder vorbei, und die Sonne kommt zum Vorschein. Ich laufe so in Gedanken versunken vor mich hin, als plötzlich ein Auto neben mir hält. „You need a lift?“ - Hmm, ja, wenn man mich so fragt, dann ja. Ich frage die ältere Dame, ob sie bis zum Bealach na Gaoithe fährt. Sie erzählt, dass sie auf dem Weg nach Inveralligin ist, um eine Hochzeitsfeier vorzubereiten, und den kleinen Umweg fährt sie gerne. Sie räumt das Dekozeug und die Pflanzen vom Beifahrersitz, um mir Platz zumachen, und schon geht die Fahrt los. Am Viewpoint angekommen, bedanke ich mich freundlich, und sie fährt zu ihren Hochzeitsvorbereitungen. Der Ausblick von hier oben ist gigantisch, aber der Pass trägt seinen Namen („Pass des Windes“) zu Recht. Es weht ein kalter Wind, mit starken Böen, und ab und zu kommt ein Graupelschauer an. Ich bleibe eine Weile dort, im Windschatten eines Felsens, und genieße die Aussicht. Als es mir zu kalt wird, mache ich mich auf den Rückweg.

        Wieder muss ich ein ganzes Stück laufen, bis mich jemand mitnimmt. Alle Autos fahren heute in die andere Richtung. Auf den letzten paar Metern zum B&B freue ich mich schon auf eine lange, heiße Dusche, auf ein beheiztes Zimmer, und darauf, aus dem kalten Wind in ein warmes Haus zu kommen. Als ich beim Schließen der Haustüre deutlich vor mich hin schniefe, kommt die besorgte Besitzerin an. Ob ich irgendetwas brauche, eine Kanne Tee vielleicht? Medizin? Eine Heizdecke? Den Tee nehme ich gerne an. Kaum habe ich Duschzeug und trockene Klamotten aus dem Rucksack geräumt, klopft es, und da ist sie wieder, mit einer Kanne Tee und einem Teller Kekse. Die Frau weiß, was mir hilft…

        Geduscht und in eine warme Decke gekuschelt schaue ich mir später den Wetterbericht an: Regen, Sturm, noch mehr Dauerregen übers Wochenende. Planänderung: Ich gehe runter in die Küche und frage meine Wirtin, ob ich bis Montag bleiben kann. Klar, kein Problem. Das reißt zwar ein großes Loch in die Reisekasse, aber mit einem grippalen Infekt (oder was auch immer mich derzeit heimsucht) im kalten Regen rumlaufen, in nassen Klamotten, und abends in ein kaltes Zelt zu kriechen, das ist nicht gesund. Hier im warmen B&B kann ich diesen Infekt einigermaßen auskurieren, hoffe ich. Und wenn danach das Wetter wieder besser wird, kann ich auch wieder weiterlaufen; jetzt habe ich ja Zeit, mir einen „Plan B“ auszudenken.


        Torridon von Borderli auf Flickr


        Bealach na Gaoithe von Borderli auf Flickr


        Bealach na Gaoithe von Borderli auf Flickr


        Bealach na Gaoithe von Borderli auf Flickr


        Loch Torridon von Borderli auf Flickr
        Zuletzt geändert von Borderli; 23.12.2012, 17:57.

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          #5
          AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland

          27. Oktober 2013 - Verschnupfter Spaziergang -


          Upper Loch Torridon von Borderli auf Flickr

          Die Ruhe, die Dusche, oder der Tee - irgendetwas hat bewirkt, dass ich mich heute nicht ganz so schlapp fühle. Ich habe sogar Appetit und vernichte mein Frühstück restlos. Ich beschließe, heute Vormittag einen Spaziergang zum Bealach a’ Chòmhla zu machen, also einen Teil des Weges zu laufen, der heute eigentlich auf dem Plan stand. Liz und Nigel, die beiden anderen Gäste, nehmen mich mit zum Parkplatz und versprechen mir, mich wieder einzusammeln, falls sie mich auf dem Rückweg sehen. Das Angebot, mit ihnen zur Craig Bothy zu laufen, lehne ich dankend ab, da war ich schon mal.

          Ein schöner Pfad geht durch den Wald, an einer Schlucht entlang. Ich verlasse den Weg ein paar Mal, um einen Blick in die Schlucht zu werfen. Sieht schon schön aus hier. Bald lasse ich den Wald hinter mir und habe die Berge vor mir. Rechts Liathach, links Beinn Alligin. Der Weg verläuft zunächst entlang des Abhainn Coire Mhic Nòbuil. Kurz hinter einer Brücke teilt sich der Weg. Folge ich dem Abhainn Coire Mhic Nòbuil, laufe ich hinter Liathach vorbei und komme dort raus, wo ich mich gestern dafür entschieden habe, lieber zur Straße zu laufen. Halte ich mich links, also nach Norden, komme ich zum Bealach a’ Chòmhla und damit zum Flowerdale Forest. Gut, die Tour die ich eigentlich vorhatte - also über den Pass und dann ein kurzes Stück weglos bis zum Loch na h-Oidhche und von dort aus zum Loch Maree - die kann ich vergessen. Nicht in meinem Zustand und bei dem angekündigten Mistwetter. Eines von beiden, gut, aber beides zusammen - vergiss es. Ich überlege ein wenig, welchen der beiden Wege ich gehen soll. Ich muss ohnehin auf demselben Weg zurück, für einen langen Rundweg fehlt mir heute die Kraft und die Luft. Ich gehe zum Bealach a’ Chòmhla. Hinter der nächsten Brücke wird der bis dahin hervorragend ausgebaute Weg zu einem eher typischen schottischen Trampelpfad. Zwischen Steinen und Matsch geht es nur noch langsam voran. Es liegt noch ein wenig Schnee, und mehr als einmal befindet sich unter dem Schnee eine Matschpfütze. Bald sind die Schuhe durch, und mit nassen Füßen laufe ich weiter. Die Aussichten sind dank der Wolken heute nicht besonders, aber noch ist es trocken.


          Coire Mhic Nòbuil von Borderli auf Flickr


          Abhainn Coire Mhic Nòbuil von Borderli auf Flickr


          Beinn Alligin von Borderli auf Flickr

          Als ich oben auf dem Bealach bin, sehe ich keinen Weg mehr. Ob tatsächlich keiner da ist, oder ob ich ihn unter dem bisschen Schnee nicht sehe, weiß ich nicht, und ich will es auch nicht herausfinden, zumindest nicht heute.


          Bealach a' Chòmhla von Borderli auf Flickr


          Bealach a' Chòmhla von Borderli auf Flickr


          Bealach a' Chòmhla von Borderli auf Flickr

          Es fängt an zu schütten, und ich drehe um. Noch ein Weg, der auf der to-do-Liste bleibt. Auf dem Rückweg beeile ich mich, weil ich aus diesem Regenwetter raus will. Wind, Regen, kalt, die Nase läuft, Hals und Ohren tun weh - ich sehne mich nach meinem warmen Zimmer.

          Liz und Nigel sammeln mich natürlich nicht ein; sie kommen erst viel später zurück als ich. Und auch sonst ist niemand unterwegs, so dass ich jeden einzelnen Meter laufen muss. Meine Wirtin erwartet mich an der Haustüre und nimmt die nasse Jacke und die nassen Stiefel in Empfang. Ich solle doch nachher runterkommen, dann könnten wir gemeinsam Tee trinken, meint sie. Klar, gerne doch! Nach einer langen heißen Dusche gehe ich runter und wir halten einen langen Schwatz im Wohnzimmer, trinken dabei literweise Tee, vernichten selbstgebackenes Shortbread, und schauen dem Regen beim Regnen zu. Später gesellen sich noch Liz und Nigel dazu, und so wird es doch noch ein gemütlicher Nachmittag.


          28. Oktober 2012 - Dauerregen -

          Es schüttet wie aus Eimern. Nach dem Frühstück sitzen wir gemeinsam im Wohnzimmer, lesen, unterhalten uns, und finden dabei heraus, dass sich hier, in einem kleinen Dorf ganz weit draußen in den Highlands, drei Zöllner treffen. Zwei aus Birmingham (Liz und Nigel), und einer aus Darmstadt (ich). Was haben wir gelacht! Aber zum Glück gibt es Themen, die uns mehr interessieren als unsere Jobs. Das Wetter zum Beispiel.

          Nach meinem ausgiebigen Mittagsschläfchen stelle ich fest, dass der Regen aufgehört hat. Ich mache einen kleinen Spaziergang durchs Dorf, und am Wasser entlang wieder zurück. Unterwegs sehe ich sogar einen Otter, und stelle bei der Gelegenheit fest, dass ich mein Tele im Zimmer gelassen habe. Nun gut, noch ein Bild, das nur im Kopf existiert.


          Torridon von Borderli auf Flickr

          Wieder zurück, frage ich meine hilfsbereite Wirtin (ich habe ihren Namen vergessen…), wo denn der Bus morgen früh abfährt. Welcher Bus?? Ich krame meinen Fahrplan raus. Der Bus um Viertel vor neun, nach Gairloch. Sie weiß von keinem Bus. Leicht verunsichert, rufe ich bei Traveline Scotland an. Doch, da fährt ein Bus. Die Haltestelle ist dort, wo die Diabaig-Straße auf die Straße durchs Glen Torridon trifft. So ganz überzeugt bin ich ja noch nicht, aber gut, ich werde sehen. Nigel und Liz bieten mir an, mich nach dem Frühstück zur Haltestelle zu fahren.
          Zuletzt geändert von Borderli; 23.12.2012, 20:13.

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          • Borderli
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            #6
            AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland

            29. Oktober 2012 - Es geht weiter -

            Liz und Nigel fahren mich zur Haltestelle, und machen sich dann auf den Heimweg. Ganz alleine stehe ich am Bus Shelter. Mir kommen Zweifel, ob da wirklich ein Bus kommt… Erst als drei Jugendliche in Schulkleidung angelaufen kommen, bin ich mir sicher, dass ich hier planmäßig abfahren kann. Der Busfahrer fragt mich, wohin ich will - klar, er lässt mich in Slattadale raus. Dort ist zwar keine Haltestelle, aber er will nicht, dass ich die paar Kilometer vom Loch Maree Hotel (dort ist die nächste Haltestelle) auf der Straße laufen muss. Na, das klappt ja wunderbar! Bei trockenem Wetter steige ich aus, überquere die Straße, und laufe runter zur Picnic Area, wo der „Tollie Path“ anfängt. Kaum bin ich am Loch Maree angekommen, kommt dieser zwanghafte Griff zur Kamera. Der sollte heute noch öfter kommen.


            Loch Maree von Borderli auf Flickr


            Loch Maree von Borderli auf Flickr


            Regen von Borderli auf Flickr

            Ich stelle den Rucksack auf einer Bank am Ufer ab, sehe mich um, und überlege, ob es sinnvoll ist, Regenhose und Gamaschen anzuziehen. Kaum habe ich mich dazu entschlossen, fängt es an zu schütten wie aus Eimern. Gut, dass ich im Regenhose-Anziehen so viel Übung habe. Dann schnappe ich mir meinen Rucksack und warte das Ende des Regengusses unter dem Dach des Toilettenhäuschens ab. Ja, es gibt schönere Orte, aber das ist der einzige trockene hier. Als der Regen nachlässt, laufe ich los. Von ein paar kleinen Schauern abgesehen, bleibt es heute trocken.

            Der Tollie Path ist allerdings nass. Nicht sumpfig, dazu ist er zu gut befestigt, aber stellenweise habe ich das Gefühl, in einem Bach zu laufen. Die Bäche, die ich überqueren muss, haben erwartungsgemäß Hochwasser. Aber nichts, was ich mit den ohnehin schon nassen Schuhen nicht bewältigen könnte. Von Slattadale aus gelaufen steigt der Weg lange und gemütlich an, und die Aussichten werden immer besser. Ich bin froh über die geringe Steigung, denn schon die nimmt mir heute die Luft. Ich weiß nicht, ob ich heute einen richtig steilen Weg hätte gehen können. Ich japse also vor mich hin, genieße die Aussichten, und mache viele Pausen. Fotopausen, Verschnaufpausen, Naseputzpausen, Rumstehpausen - was man halt so macht unterwegs, wenn man es nicht eilig hat.


            Tollie Path von Borderli auf Flickr


            Loch Maree von Borderli auf Flickr


            Tollie Path von Borderli auf Flickr


            Tollie Path von Borderli auf Flickr

            Irgendwann habe ich es geschafft und habe den höchsten Punkt des Weges erreicht. Plötzlich wird der Weg richtig gut und ähnelt nicht mehr einem Bachbett. Klasse, ich freue mich darüber! Das Erreichen des höchsten Punktes muss natürlich mit einer Pause gewürdigt werden. Ich suche mir einen Felsen, lasse den Rucksack unten und klettere hinauf (huch, wie soll ich denn wieder runter kommen, geht es mir kurz durch den Kopf). Tolle Aussichten, und sogar die Sonne scheint! Ich genieße es, auch wenn ich heftig am Schniefen bin und mir alles wehtut. Dann kommen wieder Wolken, und es wird kalt. Runter vom Felsen (hm, wie habe ich das jetzt gemacht?), und weiter. Ein Vater mit einer schätzungsweise vierjährigen Tochter kommt mir entgegen, auf dem Weg nach Slattadale, wo die Mama mit dem Auto wartet. Ob der Weg denn so gut sei, fragt er. Nein, antworte ich, es wird nass. Aber das Mädel trägt Gummistiefel, und durch die Bäche wird er sie tragen. Also dann, ich wünsche den beiden einen schönen Tag und eine schöne Wanderung, und laufe weiter. Auf einmal ist hier richtig was los, ständig kommen mir Leute entgegen.


            Creag Mhòr Thollaidh von Borderli auf Flickr


            Creag Mhòr Thollaidh von Borderli auf Flickr


            Allt a' Pholl-Choire von Borderli auf Flickr

            Bis zur Straße ist es jetzt nicht mehr weit, und dann laufe ich die paar Meter von der Tollie Farm bis nach Poolewe, wo ich schon von daheim aus zwei Übernachtungen gebucht hatte. Dort wollte ich mich eigentlich vom Wandern ausruhen - ha, wie witzig, denke ich jetzt. So nutze ich den Pausentag, um mich von der Erkältung zu erholen. Das Timing passt aber perfekt, dann am Pausentag schüttet es von morgens bis abends ohne Pause. Dafür verspricht der Wetterbericht Besserung ab Mittwoch. Na also, passt schon.

            Ich weiß nur noch nicht, was ich mit dem Rest der Woche anfangen soll. Der Plan sah vor, von Poolewe aus zum Fionn Loch zu laufen, und von dort nach Kinlochewe, dort fährt freitags morgens ein Bus nach Inverness ab. In meinem derzeitigen angeschlagenen Zustand traue ich mir das allerdings nicht zu. Ich studiere Busfahrpläne und Landkarten und beschließe dann, den Urlaub gemütlich ausklingen zu lassen. Alles andere ist mir zu ungesund. Sch*** Erkältung (oder was auch immer).



            31. Oktober 2012 - Gairloch und Big Sand -

            Ich fahre morgens nach Gairloch. Dort stelle ich fest, dass der Bus, der freitags nach Inverness fährt, schon ganz früh morgens von Strath abfährt. Einen späteren Bus gibt es nicht. Ich hatte eigentlich vor, mich für zwei Übernachtungen in Big Sand, einem Campingplatz in superschöner Lage am Strand, einzuquartieren. Der ist allerdings so weit von Gairloch weg, dass ich morgens zu einer selbst für mich unmöglichen Zeit aufbrechen müsste, um den Bus zu erreichen. Nichts da, beschließe ich, und gehe zielstrebig auf das B&B gegenüber der Bushaltestelle zu. „Vacancies“ steht im Fenster. Ich buche mich für zwei Nächte ein und bekomme sogar einen Sonderpreis dafür. Das ist das mit Abstand netteste B&B, das ich bisher kennen gelernt habe. In der Hauptsaison möchte ich nicht dort sein, aber jetzt ist es einfach nur klasse. Mittags fährt mich Shirley zur Bank (mein Bargeldbestand ist fast auf Null), und dann mache ich einen schönen Spaziergang im Sonnenschein. Ich laufe und laufe und laufe und bin auf einmal am Carn Dearg Hostel (hat leider geschlossen) und dann am Campingplatz „Big Sand“. Der Strand und die Aussichten sind wirklich beeindruckend und kommen auch auf meine immer länger werdende to-do-Liste. Auf dem Rückweg sehe ich den Versuch eines Sonnenuntergangs, der allerdings von dicken Wolken verhindert wird.


            Gairloch von Borderli auf Flickr


            Gairloch von Borderli auf Flickr


            Big Sand von Borderli auf Flickr


            Big Sand von Borderli auf Flickr


            Big Sand von Borderli auf Flickr


            Carn Dearg Hostel von Borderli auf Flickr


            Gairloch von Borderli auf Flickr
            Zuletzt geändert von Borderli; 27.12.2012, 12:36.

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            • Borderli
              Fuchs
              • 08.02.2009
              • 1705

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland

              01. November 2012 - Flowerdale und Sonnenschein -

              Nachts hat es ordentlich gefroren, aber das Wetter ist heute traumhaft. Ich nehme mir allerdings nur einen Spaziergang am Strand und einen Besuch am Flowerdale Wasserfall vor, mehr nicht. Der Wasserfall ist leider im Schatten; es ist frostig kalt dort. Schade, denn oben am Wasserfall ist so ein schöner Pausenplatz. Aber die Aussicht ist klasse. Im Schatten sind die Pfützen noch vereist, und der Weg ist teilweise rutschig. In der Sonne ist es wunderbar. Auf dem Rückweg laufe ich wieder den Fußweg vom Hafen zum Golfclub und genieße die Sonne. Oben bei der Aussichtsbank mache ich eine schöne lange Pause in der Sonne. Warum kann mein Urlaub nicht noch mehr solcher Schönwettertage haben? Gut, bei Wolken und so werden die Fotos interessanter, aber rein pausentechnisch betrachtet, ist dieser Tag nahezu perfekt.
              Zurück im B&B erwartet mich eine furchtbar nette Gastgeberin, eine Kanne Tee, und ein Hausmittel gegen Husten. Ich weiß zwar nicht, was es ist, aber es schmeckt scheußlich. Allerdings stelle ich am nächsten Tag fest, dass es wirkt.


              Strath von Borderli auf Flickr


              Gairloch von Borderli auf Flickr


              Flowerdale Glen von Borderli auf Flickr


              Flowerdale Glen von Borderli auf Flickr


              Flowerdale Glen von Borderli auf Flickr


              Flowerdale Glen von Borderli auf Flickr


              Flowerdale Glen von Borderli auf Flickr


              Gairloch von Borderli auf Flickr


              Viewpoint von Borderli auf Flickr


              Borderli von Borderli auf Flickr



              02. November 2012 - Inverness -

              Früh am Morgen sitze ich im Bus nach Inverness. Meine Gastgeberin hat mich für die furchtbar lange Fahrt (zwei Stunden oder so ) mit einem Fresspaket versorgt, das mich für anderthalb Tage satt macht. Ich quartiere mich wieder im SYHA Hostel ein und verbringe den Tag irgendwie im Städtchen.

              Die Wettervorhersage für Samstag sieht gut aus, sehr gut sogar. Ich habe nichts vor, und der Husten scheint auf dem Rückzug zu sein. Hmm. Eine Wandertour wäre nett. Nur, wohin? Ich habe keine Lust, mich mit neuen Karten zu versorgen oder mich mit Fahrplänen auseinanderzusetzen. Kurz entschlossen buche ich eine Fahrkarte von Inverness nach Achnashellach mit dem ersten Zug morgens, und eine für den letzten Zug des Tages zurück. Ich will über Coire Làir nach Coulin laufen (also die Tour vom ersten Tag), und über den Coulin Pass wieder zurück. Das ist an einem Tag locker machbar, und selbst wenn ich den letzten Teil im Dunkeln und mit Lampe laufen muss, ist das nicht weiter dramatisch, weil es auf einer Forest Road zurück nach Achnashellach geht.
              Voller Vorfreude schlafe ich ein.



              03. November 2012 - Ein schöner Abschluss -

              Das Wetter hält sich an die Vorhersage. Es ist kalt, aber trocken und meistens sogar sonnig. Auf der Fahrt nach Achnashellach sorgen Bodennebel, Frost, und die aufgehende Sonne für tolle Aussichten.

              Die Wanderung ist richtig gut. Dieselbe Landschaft zwar, aber heute mit Schnee und viel weniger Wolken. Ich komme gut vorwärts, trotz vieler Fotopausen. Viel zu schnell bin ich oben am Coire Làir, und schon sehe ich die jetzt verschneiten Berge Torridons. Es juckt mich in den Füßen, ich würde zu gerne ans Loch Coulin laufen und fotografieren - aber was, wenn ich den letzten Zug nicht erreiche? Dann habe ich ein Problem. Ich lasse es, und gehe über den Coulin Pass zurück. Hinterher ärgere ich mich, denn wenn ich gewusst hätte, wie gut ich vorankomme (walkhighlands gibt den Weg mit 5-7 Stunden an, ich brauchte nur viereinhalb), hätte ich den Umweg noch machen können. So erreiche ich sogar noch den früheren Zug.


              Achnashellach Forest von Borderli auf Flickr


              Coire Làir von Borderli auf Flickr


              Coire Làir von Borderli auf Flickr


              Coire Làir von Borderli auf Flickr


              Torridon von Borderli auf Flickr


              Torridon von Borderli auf Flickr


              Easan Dorcha von Borderli auf Flickr


              Bothy: Easan Dorcha (The Teahouse) von Borderli auf Flickr


              Beinn Eighe von Borderli auf Flickr


              Beinn Eighe von Borderli auf Flickr


              Beinn Eighe von Borderli auf Flickr


              Coulin Track von Borderli auf Flickr


              Achnashellach Station von Borderli auf Flickr



              Es war ein schöner Abschluss für einen eher außerplanmäßig verlaufenen Urlaub. Meine to-do-Liste ist um mehrere Punkte angewachsen; einige davon werde ich im nächsten Frühjahr in Angriff nehmen. Fest steht auch, dass ich um diese Jahreszeit wieder nach Schottland fahren werde. Keine Midges, tolle Farben, und das Wetter ist auch nicht schlechter als im Sommer! Außerdem werde ich meine Reiseapotheke um ein Grippemittelchen ergänzen. Das habe ich bisher noch nie gebraucht - aber man weiß ja nie.

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              • gearfreak
                Erfahren
                • 30.01.2010
                • 272

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                Danke für diesen schönen Bericht, Borderli! Schade, das Du so angeschlagen warst, aber Du hast ja wie es scheint trotzdem viel Schönes erlebt und gesehen.

                Die Bilder sind unglaublich schön - ich werde wohl auch mal im Herbst nach Schottland fahren, bisher hatte ich nur eine kurze November-Tour in Wales.
                Aber jetzt kommt ja erst mal der Sommer


                OT: Übrigens habe ich mir, damals noch als stiller Mitleser, wegen diesem Bericht auch das LaserComp gekauft. Und lustigerweise bin ich meinem treuen Begleiter manchmal gedanklich untreu, wenn ich von einem Soulo träume Herzlichen Glückwunsch dazu!

                LG Anna

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                • Rainer Duesmann
                  Fuchs
                  • 31.12.2005
                  • 1639

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                  Ui, toller Reisebericht.
                  Danke. :-)
                  Bin zu müde um mehr als die Hälfte überflogen zu haben, in den nächsten Tagen nehme ich mir den mal genauer vor.
                  Eines ist jetzt schon klar. Du hast den Gebrauch eines Weitwinkelobjektivs klar verinnerlicht und machst Spitzen Bilder!

                  LG
                  Rainer
                  radioRAW - Der gesellige Fotopodcast

                  Kommentar


                  • Borderli
                    Fuchs
                    • 08.02.2009
                    • 1705

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                    Danke für's Lesen, und danke für die Foto-Komplimente!
                    Ich war dieses Mal nicht mit meiner gewohnten Spiegelreflexkamera unterwegs. Nach der Midges-Tour im Sommer hatte ich das Geschleppe so satt, dass ich mir nur wenige Wochen vor dem Urlaub diese kleine Systemkamera von Nikon kaufte. Gut, nicht gerade das Highlight auf dem Fotomarkt, aber für meine Zwecke durchaus brauchbar. Klein genug, um in der Jackentasche zu verschwinden, und so leicht, dass ich sie kaum bemerke. Und die Bilder, ja, sie sind nicht übel, auch wenn das Teil leicht zum Überbelichten neigt.
                    Die Frage, welches Zelt mich auf der nächsten Tour begleiten wird, habe ich geklärt (Soulo darf mit raus), aber welche Knipse mitdarf, das weiß ich noch nicht.

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                    • jungesmedium
                      Erfahren
                      • 29.12.2009
                      • 273

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                      Schöner Bericht und tolle Fotos...

                      Macht Bock .-)

                      Aber Hey, sooooo, schlecht war dein Wetter auch wieder nicht .-)

                      Ich muss mal schauen, April/Mai ist es bei mir wieder so weit, vielleicht lass ich mich ja von einem deiner Berichte inspirieren...


                      Weiter so und MFG
                      Jungesmedium

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                      • RockingKatja
                        Erfahren
                        • 21.03.2012
                        • 215

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                        Harch... Torridon! War dieses Jahr auch in der Ecke und fand es großartig. Schöner Bericht und wirklich tolle Fotos. Schön, dass du trotz Krankheit doch noch was aus dem Urlaub gemacht hast, hehe. Und ne leere To-Do-Liste wäre ja auch doof oder?
                        Kate-ventures - My adventures on the road

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                        • Borderli
                          Fuchs
                          • 08.02.2009
                          • 1705

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                          Im April / Mai bin ich auch wieder in Schottland unterwegs - ich muss zumindest einen Teil der to-do-Liste abarbeiten

                          Das Wetter war eigentlich ganz in Ordnung dieses Mal. Zumindest im Vergleich mit den letzten drei Touren. Immerhin: Das war die erste Tour, bei der mir die Papiertaschentücher ausgingen...

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                          • Cattlechaser
                            Dauerbesucher
                            • 04.08.2010
                            • 844

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                            Hi Borderli,

                            angesichts der Umstände eine tolle Tour mit super Fotos. Der Herbst hat wirklich seine besonderen Reize. Wir sitzen gerade in der Planung der nächsten Tour vor dem Bildschirm. Jetzt haben wir große Sehnsucht nach Schottland

                            Liebe Grüße von Cattlechaser und Mrs. Cattlechaser
                            Magie ist Physik durch Wollen. www.uhempler.de

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                            • Borderli
                              Fuchs
                              • 08.02.2009
                              • 1705

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                              Die Tour wäre für Cattlechaser-Junior langweilig gewesen: Es gab kein Sch***-Gras.
                              Ja, Herbst ist schon eine schöne Zeit, um in Schottland unterwegs zu sein. Mal sehen, was ich im nächsten Herbst anstelle. Momentan plane ich noch so etwas wie einen Teil des Westwegs, aber wie ich mich kenne, kaufe ich irgendwann ein Flugticket nach Schottland.

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                              • dooley242

                                Fuchs
                                • 08.02.2008
                                • 2086

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                                Ein schöner Bericht und tolle Fotos. Schade, dass Du nicht ganz auf der Höhe warst, aber macht trotzdem Spass zu lesen.
                                Gruß

                                Thomas

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                                • Superente
                                  Erfahren
                                  • 09.01.2007
                                  • 118

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                                  Super Bericht und Hammer Photos!
                                  Du scheinst ja das beste aus der Situation gemacht zu haben.

                                  Da juckts direkt im Mausfinger um mal wieder nen Flug nach Schottland zu buchen!

                                  Kommentar


                                  • cassia
                                    Anfänger im Forum
                                    • 08.06.2010
                                    • 36

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                                    Oh Borderli, da bekomme ich Hunger und Durst auf Essigchips und IrnBru . Danke für den schönen Bericht und die wunderschönen Bilder! Und so fein im B&B gesundgepflegt zu werden, war ja auch nicht das allerschlechteste (hoffe ich...).

                                    Kommentar


                                    • Scar
                                      Erfahren
                                      • 24.09.2007
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                                      #19
                                      AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                                      Geile Bilder von meiner Lieblings Wandergegend
                                      Danke!
                                      Finde ich gut das du nicht den Dickschädel hattest und weitergelaufen bist.
                                      Ultralite Packing

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                                      • Borderli
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                                        • 08.02.2009
                                        • 1705

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [GB] Torridon und so: Spätherbst in Schottland+

                                        Naja, der Dickschädel und der Vernunftmensch hatten schon die eine oder anderen Auseinandersetzung über dieses Thema... Aber ich denke auch, dass die Entscheidung, die Tour nicht weiterzulaufen, die richtige war.

                                        Cassia, bist du mit Mr Borderli verwandt?? IrnBru und Essigchips - das ist immer das Erste, was er kauft, wenn er in Schottland ist.

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